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Hintergrundinformation
Juni 2007
Piranha
(Serrasalmus, Pristobrycon, Pygocentrus, Pygopristis)
Steckbrief
Systematische Einordnung Unter der Bezeichnung Piranha wird eine Gruppe von im Süßwasser lebender Knochenfische zusammengefasst. Sie gehören in der Ordnung der Salmler (Characiformes) und dort zur Familie der Scheiben- und Sägesalmler (Serrasalmidae). Die Taxonomie und systematische Einordnung von Piranhas und ihrer Verwandten ist umstritten und unsicher. Ursache dafür ist die mangelnde Datenlage, die Masse an Gattungen und Arten, das unterschiedliche Erscheinungsbild und Verhalten einzelner Individuen einer Population beziehungsweise auch die Ähnlichkeit vieler verschiedener Arten. Dies hat dazu geführt, dass eine Art oftmals mit einer Vielzahl von Synonymen bezeichnet wird. Die Familie der Serrasalmidae umfasst 15 Gattungen mit insgesamt etwa 80 Arten. Zu den Piranhas werden davon derzeit die Gattungen Serrasalmus (24 bis 28 Arten), Pristobrycon (5 Arten), Pygocentrus (3 bis 4 Arten) und Pygopristis (1 Art) gezählt. Merkmale Das wichtigste Merkmal von Piranhas ist wohl ihr kräftiges Gebiss, dem sie auch ihren hohen Bekanntheitsgrad verdanken. Alle Piranhas haben eine Reihe scharfkantiger Zähne in jedem Kiefer, die nach Abnutzung wieder nachwachsen. Sie bilden in ihrer Anordnung eine ununterbrochene, sägeartige Schneide und sind fest im Kieferknochen verankert. Beim Schließen des Mauls greifen
die Zahnreihen ineinander und sind durch die ausgeprägte Muskulatur im Stande, beachtliche Stücke aus ihrer Beute herauszureißen. Die Zähne sind hinter Lippenhäuten verborgen und etwa vier Millimetern groß. Ausgewachsene Piranhas sind etwa 30 Zentimeter lang, können aber bis zu 40 Zentimeter groß werden. Ihr Körper ist stämmig und hat eine elliptische, seitlich stark abgeflachte Körperform. Die Jungtiere sind gestreckt und werden erst mit zunehmendem Alter hochrückiger und massiger. Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Die Lebenserwartung von Piranhas in der freien Wildbahn beträgt rund 16 Jahre. Von Tieren in Gefangenschaft ist bekannt, dass sie bis zu 30 Jahre alt werden können. Sozialverhalten und Fortpflanzung Piranhas kommen oft in großen Gruppen vor und verschiedene Arten treten oft zusammen auf. Zur Kommunikation können sie ihre Schwimmblase durch Muskeln in Schwingung versetzen und so dumpfe Brummtöne erzeugen. Im Alter von ein bis zwei Jahren werden Piranhas geschlechtsreif. Das Männchen beginnt am Flussboden eine flache Laichgrube zu graben, die es sehr aggressiv gegenüber allen Artgenossen verteidigt. Bei der Paarung verfärben sich die Piranhas schwarzblau bis grau. Das Weibchen legt etwa 300 bis 600 gelblich gefärbte und ungefähr 1,5 Millimeter große Eier in die Mulde. Nach mehrmaligen Paarungen vertreibt das Männchen seine Partnerin und beginnt mit der siebentägigen Gelegebewachung. In dieser Zeit wedelt das
Der WWF Deutschland ist eine der nationalen Organisationen des WWF – World Wide Fund For Nature – in Gland (Schweiz). TRAFFIC ist das gemeinsame Programm von WWF und IUCN zur Kontrolle des Handels mit wild lebenden Tier- und Pflanzenarten.
Hintergrundinformation
Juni 2007 • Piranha
Männchen durch Schläge mit der Schwanzflosse immer wieder Frischwasser zum Gelege und versucht Bruträuber fern zu halten. Die Larven schlüpfen bereits nach 36 Stunden. Sie liegen in der Laichgrube und ernähren sich von ihrem Dottervorrat. Nach sieben Tagen beginnen sie frei zu schwimmen und zwischen Wasserpflanzen Schutz zu suchen. Geografische Verbreitung Fischarten aus der Familie der Scheiben- und Sägesalmler (Serrasalmidae) wie die Piranhas kommen nur in Südamerika vor. Sie leben in allen großen und mittleren Flusssystemen mit Entwässerung in den Atlantik zwischen zehn Grad nördlicher Breite und 35 Grad südlicher Breite. Piranhas findet man in den großen Flüssen Südamerikas wie im Orinoko, Amazonas, Rio Sao Francisco, Rio Paraguay und in deren Nebenflüssen. Lebensraum Piranhas bewohnen die großen Flusssysteme des tropischen Südamerikas und leben ausschließlich im Süßwasser. Piranhas halten sich bevorzugt in den Unterläufen der Flüsse auf. Dort sind sie weit verbreitet und kommen sowohl in stehenden als auch fließenden Gewässerabschnitten vor. Nahrung Piranhas spielen in den Ökosystemen ihres Verbreitungsgebietes eine wichtige Rolle. Sie fressen fast alles, vor allem tote und kranke Tiere. Dies ist für das gesamte System des Regenwaldes von enormer Bedeutung, da so die Verbreitung von Krankheiten und Epidemien verhindert wird. Somit erfüllen Piranhas im Gefüge des Regenwaldes eine wichtige Aufgabe als Saubermacher und „Gesundheitspolizei“. Auch kranke oder verletzte Artgenossen werden von den Piranhas gefressen.. Piranhas sind aber nicht nur Aasfresser, sie jagen auch Fische und regulieren so deren Bestände.
Piranhas weisen nicht den typischen stromlinienförmigen und schlanken Körperbau von Raubfischen auf. Sie jagen in der Gruppe und benötigen daher keinen vor allem auf Schnelligkeit ausgelegten Körperbau. Die Gefahr, die von Piranhas für den Menschen ausgeht, wird oftmals übertrieben dargestellt. Nach Berichten wurden Menschen durch Piranhas äußerst selten ernsthaft verletzt oder attackiert. Bei niedrigem Wasserstand und Nahrungsmangel ist es jedoch ratsam, Piranhas zu meiden. In diesen Situationen werden Piranhas aggressiv und greifen auch Artgenossen an. Entgegen ihrem Ruf als Fleischfresser ernähren sich einige Piranhaarten vegetarisch von Pflanzenteilen wie Samen. Bestandsgröße und Gefährdungsstatus Auf Grund der Größe des Verbreitungsgebietes und ihrer unklaren Systematik liegen keine Angaben über die Bestandsgröße der Piranhas vor. Sie gelten aber derzeit nicht als bedroht und werden daher nicht in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN und anderen Artenschutzkonventionen wie dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) gelistet.
Bedrohungsfaktoren
Obwohl Piranhas derzeit nicht als bedroht gelten, trifft die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes auch sie. Besonders die Verschmutzung der Gewässer beispielweise durch die Verwendung von Quecksilber bei der Goldwäscherei, Überfischung und der Bau von Staudämmen beeinträchtigen ihren Lebensraum und damit ihre Populationen. Im Hinterland des Amazonas stellen sie, da sie leicht zu fangen sind, eine wichtige Eiweißquelle für die ortsansässige Bevölkerung dar. Gefährlich für ihren Bestand sind auch Vergiftungsaktionen, bei denen versucht wird, sie als vermeintlichen Schädling
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Juni 2007 • Piranha
auszurotten, um mehr wertvolle Fische fangen zu können.
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WWF- und TRAFFIC-Projekte
Lebensraumschutz hat für alle Tier- und Pflanzenarten des Amazonas, nicht nur für den Piranha, absolute Priorität. Daher hat sich der WWF zum Ziel gesetzt, innerhalb von zehn Jahren den größten Teil der Biodiversität im brasilianischen Amazonasbecken durch ein umfassendes Schutzgebietsnetzwerk zu sichern. Um dies zu erreichen, arbeitet der WWF schon seit langem auf den verschiedensten Ebenen für die Rettung des Amazonas-Gebietes. Nach einer Initiative des WWF gab die brasilianische Regierung 1998 das Versprechen, zehn Prozent des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes unter Schutz zu stellen und rief in der Folge eines der weltweit ambitioniertesten Naturschutz-Programme ins Leben. Es handelt sich um das „Amazon Region Protected Areas Programme“ (ARPA), dessen Umsetzung jetzt vom WWF maßgeblich mitgestaltet wird. Am Ende sollen 50 Millionen Hektar, eine Fläche so groß wie Spanien, dauerhaft geschützt sein. Mit dem Jahr 2007 verstärkt der WWFDeutschland sein Engagement für den AmazonasRegenwald und übernimmt mit seinem neuen Projekt „Juruena-Nationalpark“ Verantwortung für einen wichtigen Teil des ARPA-Programmes. Der neue Nationalpark, frisch verkündet von der brasilianischen Regierung am 5.Juni 2006, hat etwa die Größe des Bundeslandes Sachsen und ist ein wichtiger Lückenschluss in einer Reihe von Schutzgebieten, die als Bollwerk gegen die heranrückende Entwaldung fungieren sollen. Damit dieser Nationalpark seine Funktion erfüllen kann, bevor es zu spät ist, ist jedoch noch viel zu tun. Deshalb wird der WWF Deutschland in den nächsten Jahren seine Kräfte in diesem einzigartigen Gebiet konzentrieren.
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