Die kranke Supermacht-Wie Amerika dabei ist die Welt zu zerstören4 by MEdermark

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									Die kranke Supermacht – Wie Amerika dabei ist die Welt zu
zerstören

I.Einleitung

Galoppierende Staatsverschuldung, Vertiefung der sozialen Gegensätze, tiefgreifende
Wirtschafts- und Umweltkrise. Es kann kein Zweifel daran geben, dass die Vereinigten
Staaten von Amerika nicht nur angeschlagen sind, sondern mit dieser Angeschlagenheit
große Teile der übrigen Welt infiziert haben. Dabei verfügte dieses immer noch mächtige
Land    bei rechtzeitigem Umsteuern in der Steuer- , Sozial- , Wirtschafts- und Energiepolitik
immer noch über die Ressourcen um seine mittlerweile enormen gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Wunden zu heilen. Leider –wie im Fortgang dieses Essays noch zu zeigen
sein wird- stehen ideologische und egoistische Gründe der Durchsetzung einer solch
kraftvollen Reformpolitik entgegen. Die Folgen dieser fehlenden Reformbereitschaft werden
katastrophal sein. Die freiheitliche westliche Welt wird einen ökonomischen und
gesellschaftspolitischen Teilzusammenbruch erleben, und die teildiktatorischen und
autoritären Mächte Asiens werden –angeführt von China- zur Leitlokomotive unseres
Planeten aufsteigen.

II. Die USA und die Sünden der Innenpolitik

Es ist eine unbestrittene sozialwissenschaftliche Tatsache, dass ein Land nur stark nach
außen sein kann, wenn auch im Inneren seine intellektuellen, gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Fundamente intakt sind. An eben dieser inneren Intaktheit mangelt es
aber den Vereinigten Staaten von Amerika in ihrem gegenwärtigen Zustand in hohen
Maße. Dabei lassen sich sieben innenpolitische „Krankheitsfelder“ von besonderer
Bedeutung ausmachen.

       1) Mangel an einer kraftvollen Steuerpolitik die insbesondere den exzessiven
            Reichtum der oberen Einkommensgruppen im begrenzten Umfang abschöpft
            um damit die Sanierung des Staatshaushaltes, zukunftsgerichtete Investitionen
            und -durch eine fortschrittliche Sozialpolitik- die Abmilderung sozialer
            Spannungen und Gegensätze zu finanzieren.
       2)      Überproportionale Vertretung der reichen Volksschichten im amerikanischen
               Parlament
       3)      Blockierung des politischen Prozesses durch institutionalisierte Obstruktion
            des Entscheidungsfindungsprozesses im Senat.
       4) Kurzfristige „Shareholder-Value Mentalität“ die wenig auf ökonomisch
            nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sondern auf kurzfristige
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           Vervielfachung des Aktienwertes ausgerichtet ist.
       5) hohe Kriminalitätsrate in Folge sozialer Ungerechtigkeiten
       6) teures, einseitig auf die Interessen der Gesundheitsindustrie ausgerichtetes
           Gesundheitswesen
       7) fehlende Bereitschaft zum Umsteuern in der Energiepolitik, obwohl die
           Ressourcen dafür vorhanden wären



Unter all diesen benannten innenpolitischen Krankheitsfeldern, ist wohl der Mangel an
einer kraftvollen Steuerpolitik mit der entscheidendste, da er die meisten der anderen
innenpolitische Defizite mit bedingt. Erst kürzlich wurde Amerika und die Welt wieder
Zeugen, welche traurigen Blüten inneramerikanischer Widerstand gegen Steuerhöhungen
treiben kann. Obwohl die Demokraten -bis zur Konstituierung eines neuen Kongresses-
trotz verlorener Kongresswahlen noch ein paar Wochen in beiden Häusern des Kongresses
eine Mehrheit haben, leisteten die Republikaner im Senat so lange hinhaltenden Widerstand
bis Präsident Obama auch einer Verlängerung der eigentlich auslaufenden
Steuererleichterungen für Reiche zustimmte. Das Ergebnis dieses unheiligen
Kompromisses ist ein Verlust von 800-900 Milliarden Dollar für den amerikanischen
Staatshaushalt und ein Anstieg der Staatsschulden auf fast 100 Prozent des
amerikanischen Bruttoinlandsproduktes. Tendenz steigend. Besser wäre es zweifelsohne
gewesen, diese Privilegierung der oberen Einkommensschichten auslaufen zu lassen und
das eingesparte Geld jeweils zur Hälfte zur Reduktion des Haushaltsdefizits und zur
Ankurbelung der Wirtschaft zu verwenden. Dies gilt umso mehr als die oberen
Einkommensschichten diese Steuererhöhung wohl problemlos verkraftet hätten, und
somit keineswegs mit einer Reduzierung ihrer Investitionen und Konsumausgaben darauf
regiert hätten.

Dass es zu dieser staatspolitisch gebotenen Anhebung der Steuern für Reiche nicht
gekommen ist, liegt an zwei weiteren innenpolitischen Krankheitsfelder der USA. Da ist
zum einen die elitäre Zusammensetzung des amerikanischen Kongresses, der aus zwei
gesetzgebenden Kammern dem Senat und den Repräsentantenhaus besteht. Insbesondere
Senat gilt dabei schon fast als Club der Multimillionäre und Multimilliardäre. Dies ist nicht
immer von Nachteil, da auf diese Art und Weise die etwa in der Bundesregierung
Deutschland übliche „Verbeamtung“ des Parlaments samt unangemessener Privilegien
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für den Beamtenstand vermieden wird. Gleichzeitig jedoch führt diese elitäre
Zusammensetzung des Senats aber dazu, das die Interessen der oberen Zehntausend
übermäßig berücksichtigt werden. So auch diesmal. Eine starke republikanische
Minderheit im Senat leistete so lange hinhaltenden Widerstand, bis Obama nicht nur der
Verlängerung der Steuerprivilegien für die unteren und mittleren Einkommensschichten
zustimmte sondern auch einer diesbezügliche Verlängerung für die Reichen.

Dass ein solch hinhaltender Widerstand einer Minderheit im Senat überhaupt von Erfolg
gekrönt sein konnte, liegt an einem weiteren gegenwärtigen Defizit des amerikanischen
Systems: Zwar entscheidet auch im Senat grundsätzlich der Mehrheit der Abgeordneten,
jeder dieser Abgeordneten kann aber zu einem Tagesordnungspunkt grundsätzlich so lange
sprechen wie er will. Ein Mitglied der Minderheit im Senat kann somit das Fortschreiten des
Gesetzgebungsprozesses durch endloses Gelaber zu einem Tagesordnungsprozess fast
schon endlos aufhalten. Um diese Verzögerungstaktik außer Kraft zu setzen müssen 3/5
der anwesenden Senatoren zustimmen. In der Parlamentspraxis des Senats bedarf es
also –bei Anwesenheit aller Senatoren- einer 60 zu 40 Mehrheit um mit dem
Gesetzgebungsprozesses fortfahren zu können, und sehr oft ist eine solche große
Mehrheit nicht erreichbar. So auch diesmal, was Obama zwang, oben beschriebenen
Kompromiss zu schließen..

Ein weiteres gegenwärtiges innenpolitisches Krankheitsfeld ist die einseitige Betonung
des „Shareholder Values“, also der Entwicklung des Aktienkurses eines Unternehmens.
Diese einseitige Fokussierung bringt mehrere, langfristig gesehen nahezu tödliche
Nachteile, mit sich. Zum einen steht nicht die langfristig positive Entwicklung des
Unternehmens im Vordergrund, sondern die innerhalb kürzester Zeit erfolgte Steigerung
des Aktienkurses. Dem Unternehmen wird also nicht die an sich notwendige Luft zur
langfristig angelegten Verbesserung seiner Marktposition gelassen, sondern es hat seine
Aktionäre innerhalb kürzester Zeit mit positiven Quartalszahlen und steigenden
Aktionenkursen zu beglücken. Es liegt auf der Hand, dass derartige Kurzfristbegehrlichkeiten
nicht unbedingt im langfristigen Interesse des betroffenen Unternehmens ist. Nicht
umsonst sieht es um die Konkurrenzfähigkeit vieler amerikanischer Unternehmen auf den
Weltmärkten nicht rosig aus. Zudem werden durch diese reine Shareholdermentalität
auch die sozialen Interessen seiner Mitarbeiter in Mitleidenschaft gezogen. Ein
Unternehmensbosse der von Quartal zu Quartal seine Erträge kurzfristig steigern muß, ist
nicht selten bestrebt dies durch Lohndrückerei oder sogar Entlassung von Mitarbeitern zu
erreichen. .
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Zielführerender als diese „Shareholder Value Orientierung“ –nicht nur in Amerika sondern
überall auf der Welt- wäre deshalb zweifelsohne eine Entlohnung der Geldgeber und
Eigner in Form eines Zinses auf von den Unternehmen ausgegebene Anleihen. Bei einer
solchen Konstruktion stellten die Geldgeber in Form von erworbenen Unternehmens-
anleihen den Unternehmern auf mehrere Jahre Geld zur Expansion zur Verfügung, und
erhielten dafür einen guten Zins von 5-7 Prozent jährlich. Dies hätte mehrere Vorteile.
Zum einen entfiele die Hatz nach kurzfristiger Steigerung des Shareholder Value, und die
Unternehmen könnten so langfristiger und sozialverträglich ihr Geschäft ausbauen. Zum
anderen wäre damit auch größere Sicherheit und Stabilität für die Anleger und ihren Wunsch
nach kontinuierlichen Vermögensaufbau verbunden. Anleihen schwanken im Wert nun mal
nicht annähernd so stark wie Aktien. Denjenigen denen 5-7 Prozent jährliche Rendite
zu wenig sind, sei ins Gedächtnis gerufen dass von 2000-2010 die Aktienindexes überhaupt
nicht oder nur kaum gestiegen sind, und insbesondere Kleinanleger in diesem Jahrzehnt oft
ihre ganzen Ersparnisse am Aktienmarkt verspielt haben.
Leider wird der Zins auch von eher progressiv-idealistischen Kreisen in Europa und
anderswo oft als unsoziale Zinsknechtschaft gebrandmarkt. Diese Kritiker übersehen aber
zum einen die im Vergleich zur Aktie größere Sozialverträglichkeit des Zinses (siehe oben!)
und auch die Tatsache, dass der Zins nichts anderes ist als eine Art Leihgebühr für das
geliehene Geld. Beim Mieten von Autos oder anderer Dinge findet ja auch niemand die
Entrichtung einer solche Miet-/Leihgebühr als unangemessen. Warum dann ausgerechnet
nur beim Geld? Und warum sollte ausgerechnet ein Unternehmen, das mit geliehenem Geld
sein Geschäft ausbaut und seine Erträge steigert, seine Geldgeber nicht in Form eines guten
Zinses an dieser Stärkung seiner Gewinne teilhaben lassen? Kurz, die Stigmatisierung des
Zinses ist sozial und sachlich vollkommen unangemessen.
Eng verbunden mit dem unzureichenden Steueraufkommen der USA und des Lohn-
dumpings durch Shareholder-Value Orientierung ist die schlechte Lage der unteren
Schichten der USA und der damit verbunden hohen Kriminalität in den USA.
Wenngleich Armut in Folge unzureichender Sozialprogramme und niedriger Löhne
sicherlich keine Rechtfertigung für das Verüben von Kriminalität sind, so kann doch
nicht darüber hinweggesehen werden, dass die Armut viele verzweifelte
Unterprivilegierte in die Kriminalität treibt. So liegt in den USA die Diebstahlstahlquote
-gerechnet auf 100000 Einwohner- gemäß dem 2009 Jahrbuch der Encyclopaedia
Britannica etwa bei dem dreifachen von Deutschland. Die deutsche Homizidrate –also die
Summe aus Mord und Totschlag- liegt pro 100000 Einwohner etwa ein Drittel niedriger
als die amerikanische Mordrate allein. Totschlag ist dabei in den Zahlen für die USA
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noch gar nicht eingerechnet. Sonst fielen die Statistiken noch viel ungünstiger für die USA
aus. Auch die Vergewaltigungsrate ist in den USA fast dreimal so hoch wie in Deutschland.
Ein großes innenpolitisches Defizit der USA sind auch die hohen Gesundheitskosten. Zwar
haben die kürzlich unter Obama durchgesetzten Gesundheitsreformen das löbliche Ziel,
auch den Armen eine Gesundheitsversicherung zu verschaffen, dies ändert aber wenig
an den hohen Medikamentenpreisen in den USA. Die USA-amerikanische
Pharmaindustrie setzt hohe Medikamentenpreise auf dem Heimmarkt durch und Importe
aus Kanada und anderen Ländern sind verboten. Da der Anteil des Staates an den Kosten
der Krankenversicherung mit fast 50 Prozent sehr hoch ist, belasten die hohe
Medikamentenpreise den Staatshaushalt erheblich.
Ein besonders innenpolitisches Manko der USA ist ihre Weigerung alternative Energien zu
fördern, und dies trotz der Tatsache dass in den sonnenverwöhnten Südstaaten wie
Kalifornien, Colorado, New Mexiko und Arizona Topbedingungen für die Nutzung der
Solarenergie herrschen. Während in Europa aber sogar ernsthaft erwogen wird in Marokko
Sonnenenergie zu erzeugen und über spezielle Leitungen nach Europa zu transportieren,
will man in den USA wenig davon wissen, in besagten Südstaaten Sonnenenergie zum
Eigenverbrauch für besagte Bundesstaaten und zur Weiterleitung in andere Teile der USA
zu erzeugen. Bedenkt man, dass Sonnenenergie sogar zum Heizen von Gebäuden
geeignet ist, ist eine solche Verweigerungshaltung besonders schade. Schließlich ist die
USA nur etwa zu 30 Prozent in der Lage ihren Ölbedarf aus US-Quellen zu decken und
Solarstrom könnte diese Lücke schließen und die Ölimportabhängigkeit der USA drastisch
reduzieren. Zudem wäre Solarstrom wohl zu mindestens mittelfristig auch preislich günstiger
als das tendenziell von Jahr zu Jahr teurer werdende Öl. Statt zwecks Sicherstellung der
Ölversorgung gegen den Irak Krieg zu führen, und unter den ökologisch unmöglichsten
Bedingungen zuhause nach Öl oder Gas zu bohren, wären Investitionen insbesondere in die
Solarenergie ein segensreiches Unterfangen. Außerdem würden bei einer Ersetzung von Öl
und Gas durch Solarenergie auch die umweltschädlichen CO2 Emissionen erheblich
reduziert werden können. Bedenkt man, dass Amerika wohl mit der Hauptumwelt-
verschmutzer auf der Welt ist, wäre auch das ein vorrangiges umweltpolitisches Ziel.
Leider stehen diesem mutigen Schritt egoistische Einzelinteressen und amerikanische
Nationalideologie entgegen. Die Ölindustrie in Amerika fürchtet zweifelsohne wohl,
dass die Solarenergie ihr Konkurrenz machen könnte. Diese Furcht ist zwar angesichts der
Tatsache, dass besagte Ölindustrie ohnehin nur noch 30 Prozent des amerikanischen
Ölverbrauchs decken kann während der Rest importiert werden muß, völlig unbegründet.
Das einzige was geschehen würde, wäre in Wirklichkeit, dass man von Energielieferungen
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Aus dem Ausland unabhängiger würde. Gleichwohl aber pflegt die Ankunft des Neuen oft
die Furcht des bereits Bestehenden hervorzurufen, weswegen auch die amerikanische
Ölindustrie zu mindestens anfänglich eine abwehrende Haltung gegen die Solarenergie
einnehmen dürfte.
Ein weiteres Hindernis für die Einführung der neuen Ökotechniken dürfte in der Tatsache
bestehen, dass diese zu mindestens anfänglich im gewissen Umfang staatliche
Unterstützung und Subventionen bedürften. Abgesehen vom Kostenfaktor, dürfte dies
vielen Amerikanern als unerwünschte und unamerikanische Regierungsintervention in die
Wirtschaft vorkommen. In Amerika –so das vorherrschende Credo- trägt sich ein
Wirtschaftszweig entweder von Anfang an selbst, oder verdient es erst gar nicht zum Leben
erweckt zu werden. Eine solche Sicht der Dinge übersieht, dass auch die Entwicklung der
Eisenbahn und der Ölindustrie in Amerika anfänglich auf staatliche Unterstützung
angewiesen gewesen sind. Nur ist das so lange her, dass man sich daran vielfach schon
nicht mehr erinnert. Warum also der Solarenergie die staatliche Anschubfinanzierung
vorenthalten, in deren Genuß andere Wirtschaftszweige wie Öl, Eisenbahn und Flugzeug
auch gekommen sind ?.


Nun könnte man die Frage stellen ob alle diese innenpolitische Unzulänglichkeiten
der USA nicht eine rein inneramerikanische Sache sind, die überhaupt nicht dazu geeignet
sind dem internationalen Staatensystem nachhaltigen Schaden zuzufügen. Doch niemand
täusche sich: Trotz Aufstieg Chinas sind die USA noch immer die einzig verbliebene
Supermacht, der Staat mit dem größten Bruttoinlandsprodukt der Welt, und zudem ist der
Dollar noch immer die Weltleitwährung und New York die Leitbörse der Welt. Zudem
verfügen die USA über die größte Militärmacht der Welt. Ein solcher Riese hat nicht
Fieber. ohne dass der Rest der Welt mit ihm erkrankt. Es tut deshalb Not, sich die bereit
erfolgten und wahrscheinlich noch stattfindenden außenpolitischen Auswirkungen der
amerikanischen Megakrankheit im folgenden vor Augen zu führen.


III. Amerikas Fieber und seine weltweiten Auswirkungen

Von zentraler Bedeutung im Hinblick auf mögliche weltweite Auswirkungen der
amerikanischen Krise sind insbesondere Amerikas wirtschaftliche Probleme. Schon in der
Vergangenheit hat die amerikanische Zentralbank eine Neigung an den Tag gelegt, den
Markt mit Geld zu fluten, und dieses Geld zu Niedrigstzinsen zur Verfügung zu stellen um
auf diese Weise die Wirtschaft anzukurbeln und das Schuldenmanagement des US-
amerikanischen Staates zu erleichtern. Schon die Krise der New Economy, in Deutschland
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die Krise des berühmt berüchtigten Neuen Marktes, zu Anfang unseres Jahrzehnts lag darin
begründet, dass auf diese Weise leicht verfügbar gemachtes Geld in die jungen Firmen der
New Economy floss, der Aktienkurs dieser Firmen deshalb rasant stieg, dann aber, als die
amerikanische Zentralbank Fed zur Inflationsbekämpfung die Zinsen erhöhte das Geld
aus der New Economy zurückgezogen wurde, und der Aktienmarkt kollabierte. Viele von
uns haben noch gut in Erinnerung, wie die Aktiendepots ihrer Eltern und Großeltern
schmolzen, und so manche Altersvorsorge brutal weggeschlachtet wurde. Nun zeichnete
sich der Anfang   unsere Dekade, also etwa das Jahr 2001, noch durch gutes Wachstum
der Weltwirtschaft und einen Überschuß! Im US-Staatshaushalt aus. Seitdem aber haben
sich die US-Schulden wieder verzigfacht, und die Krise die etwa ab dem Jahr 2008 als
Immobilienkrise in Amerika ihren Anfang nahm, und dann anschließend die ganze
Weltwirtschaft ins Chaos stürzte, bedroht die wirtschaftliche und soziale Stabilität Amerikas
und Europas, sowie die Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung Euro. Da mit
Irland, Italien, Belgien, Spanien, Griechenland und Portugal bereits sechs Euro Länder von
besagter Eurokrise nachhaltig infiziert sind, besteht die große Gefahr, dass 2011 oder
2012 die europäische Währungsunion auseinanderbricht und mehrere Staaten aus dieser
Währungsunion ausscheiden. Zudem ist nicht auszuschließen, dass die von der
amerikanischen Notenbank gewählte Medizin, nämlich Flutung der Märkte mit (zins-)billigem
Geld, mindestens die gleiche Auswirkung haben wird wie Anfang des Jahrzehnts beim
Neuen Markt: Erst puscht diese Geld zu mindestens Teile der Finanzmärkte und führt zu
Blasen in diesen Märkten. Wenn es dann zu Zinserhöhungen der FED kommt, fließt das
Geld aus diesen Märkten wieder ab, und zieht diese in große Mitleidenschaft. Zudem
bergen die innenpolitischen Defizite der USA die Gefährdung einer außenpolitischen
Radikalisierung der Vereinigten Staaten. Wir haben oben bereits gesehen, dass eine
beschränkte Minderheit im amerikanischen Senat durch Hinhaltetaktik den
Gesetzgebungsprozess enorm verschleppen oder sogar zum Erliegen bringen kann.
Schließlich wird die Mehrheit im Senat nicht immer, oder gar nur in selteneren Fällen über
jene 60:40 Mehrheit verfügen, die notwendig ist um diesen Hinhaltetechniken
entgegenzuwirken. Vor diesem Hintergrund, droht dem politischen System der Vereinigten
Staaten ein gutes Stück innenpolitische Handlungsunfähigkeit.

Eine weitere Radikalisierung und Polarisierung droht der amerikanischen Innenpolitik
zudem, wenn demnächst, also irgendwann zwischen 2011-2013, einer der hochgradig
überschuldeten amerikanischen Bundesstaaten Pleite gehen sollte. Kandidaten für einen
solchen Bundesstaatsbankrott sind ausgerechnet die besonders bevölkerungsreichen und
eher der demokratischen Partei zuneigenden Bundesstaaten Kalifornien und New York,
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die zusammengenommen knapp 20 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung stellen.
In einem solchen Fall droht nahezu endloser Streit zwischen dem demokratischen
Präsidenten Obama und den Republikanern im Kongress darüber, ob und in welchen
Umfang den betroffenen Bundesstaaten von der Zentralregierung finanziell geholfen
werden sollte. Eine innenpolitische Lähmung und eine emotional vergiftete innenpolitische
Stimmung wären vorprogrammiert. Nun weiß die Politik- und Geschichtswissenschaft aber,
dass politische Systeme in deren Inneren es sozial oder wirtschaftlich brodelt, oder die
sogar ihre innenpolitische Handlungsfähigkeit weitgehend eingebüßt haben, dazu neigen,
diese innenpolitischen Schwierigkeiten mit einer strammen und aggressiven Außenpolitik
überspielen zu wollen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Deutsche Reich des späten 19. und
frühen 20.Jahrhunderts. Selbiges war von großen innenpolitischen Schwierigkeiten und
Reformunfähigkeit geplagt. Um von diesen innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken,
betrieb man eine aggressive Außenpolitik. Das Ende ist bekannt: Weltkrieg und Verlust der
deutschen Machtposition.

Wenngleich Amerika nicht notgedrungen das gleiche Schicksal erleiden muss wie das
besagte Deutsche Reich, sind die weltpolitischen Gefahren einer aggressiveren
amerikanischen Außenpolitik zwecks Ablenkung oder Überwindung von innenpolitischen
Problemen doch groß. Dies gilt unter anderem im Verhältnis zum erwachenden Riesen
China. China ist nicht nur aufsteigende Wirtschaftsmacht, sondern auch größter Gläubiger
der USA und Exportweltmeister für Waren. Aus beiden letztgenannten Aspekten drohen
außenpolitische Reibereien zwischen beiden Mächten zu erwachsen. Man stelle sich den
keineswegs unwahrscheinlichen Fall vor, die bereits megamäßig verschuldeten USA
würden in zehn Jahren zahlungsunfähig und könnten ihre Schulden insbesondere
gegenüber China nicht mehr bezahlen. Unvorstellbar, dass dies nicht zu schwersten
außenpolitischen Friktionen zwischen beiden Staaten führen würde. Zudem missfällt den
USA der große Exportüberschuss Chinas im Handel mit den USA. Washington drängt
Peking deshalb fortwährend die chinesische Landeswährung aufzuwerten, chinesische
Produkte auf dem US-Markt somit durch Verteuerung unattraktiver zu machen und auf
diese Weise den Handelsüberschuss Chinas mit den USA abzubauen. Da China mit einer
solchen Aufwertung seiner Landeswährung zurückhaltend ist, haben die USA bereits mit
Handelssanktionen gedroht. Niemand kann ausschließen, dass sich eine so in Gang
gesetzte über Jahre entwickelnde Entfremdung zwischen den USA und China irgendwann
einmal zu einer Megakrise zwischen beiden Staaten auswächst.
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Auch Konfliktherde wie Südkorea und Taiwan, bei denen sich die USA als Schutzmacht
der genannten Länder verstehen, während China eher entgegengesetzte Interessen verfolgt,
könnten eines Tages zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und
China führen. Allerdings ist China auch für die USA ein großer Brocken, an dem man sich
im Falle kriegerischer Verwicklungen leicht verschlucken könnte. Deshalb erscheint als
ein noch wahrscheinlicherer Krisenherd der Nahe Osten mit Iran. Iran hat ein
Atomprogramm und bastelt vermutlich schon an der Herstellung einer Atombombe,
was den USA bereits jetzt ein Dorn im Auge ist. Die Möglichkeit eines amerikanischen
militärischen Vorgehens gegen den Iran ist deshalb durchaus mittelfristig gesehen hoch..
Zum einen hätte in den Augen der Weltöffentlichkeit ein solches Vorgehen gegen den wegen
seiner Atompolitik international geächteten Iran eine gewisse Legitimität. Zum anderen
dürfte Iran leichter als China zu besiegen sein, und desweiteren locken die Ölvorkommen
des Iran. Iran erscheint als Blitzableiter für die verfahrene amerikanische Innenpolitik
folglich vergleichsweise gut geeignet.
Eng verbunden mit dem zuvor diskutierten Punkt, droht .auch die defizitäre amerikanische
Umweltpolitik größten weltpolitischen Schaden anzurichten. Zum einen leisten die USA als
einer der größten Umweltverschmutzer und Energieverbraucher der Welt einen
immensen Beitrag zur Zerstörung des weltweiten Ökosystems. Zum anderen weigern sich
andere große Ökosünder wie China mit dem Umweltschutz Ernst zu machen, da auch die
USA sich davor drückten. Zudem führt die Weigerung der USA sich durch die Förderung
alternativer Energien unabhängiger von Ölimporten aus dem Nahen Osten zu machen dazu,
dass Amerika im nahen Osten aggressiver glaubt auftreten zu müssen. So dürfte auch der
unselige Irakkrieg zu einem guten Teil dadurch motiviert gewesen sein, dass Amerika
Zugriff aufs irakische Öl haben wollte. Auch eignet sich der Irak gegebenenfalls gut als
Sprungbrett zu den anderen Ölvorkommen des Nahen Ostens.
Vor dem Hintergrund der zuvor skizzierten Sachverhalte, erscheint folgendes Szenario
am allerwahrscheinlichsten: Die USA driften in zunehmende Überschuldung und
innenpolitische Polarisierung ab, die durch die anstehende Pleite bedeutender
amerikanischer Bundesstaaten noch an Schärfe gewinnen wird. Als Reaktion darauf
verstärkt der amerikanische Präsident Obama -oder spätestens sein republikanischer
Nachfolger- die Aggressivität der amerikanischen Außenpolitik um von den innenpoltischen
Schwierigkeiten abzulenken. Wahrscheinlichstes Ziel dieser zunehmenden
außenpolitischen Aggressivität der USA ist aus den zuvor genannten Gründen der Iran.
Dabei droht aber jenes Desaster, was die Lage zum Explodieren bringen wird. Zwar wird
.-wie schon im Falle des Irak- dieser Krieg zunächst erfolgreich verlaufen, aber die
Besatzungskosten für das amerikanische Militär werden noch ungleich höher liegen als
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im deutlich weniger bevölkerungsreichen und flächenmäßig erheblich kleineren Irak.
Zudem wird die große Bevölkerungsstärke Irans und die Weite des Landes erfolgreiche
Terrorangriffe der einheimischen Bevölkerung auf Ölpipelines und amerikanische
Soldaten erheblich begünstigen. Alles in allem, werden die Kosten der Iranbesetzung weit
über den finanziellen Vorteile liegen die durch den Zugriff auf das iranische Öl entstehen..
Vom menschlichen Preis der vielen getöteten amerikanischen Soldaten ganz zu schweigen.
Das daraus resultierende Iran-Fiasko wird die innenpolitische Schwierigkeiten der USA
-sowohl was die innenpolitische Stimmung als auch die wirtschaftliche und schuldenmäßige
Entwicklung angeht- noch verschärfen. Vielleicht werden sogar manche Bundesstaaten mit
dem Gedanken spielen sich aus der Union zurückzuziehen, obwohl eine solche Abspaltung
von der amerikanischen Verfassung nicht gedeckt wäre.
Alles in allem mutet Amerikas Lage trostlos an, und wird im Verlauf des nächsten
Jahrzehnts mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit aus den genannten Gründen zu großen
weltpolitischen Verwerfungen führen. Wahrscheinlich stehen deshalb ein
Auseinanderbrechen der Eurozone in den Jahre 2011-2013 und eine Zahlungsunfähigkeit
der Vereinigten Staaten innerhalb des nächsten Jahrzehnts bevor. Dies alles wird in eine
weitere große Wirtschaftskrise münden, die Amerika und Europa aber auch
exportorientierte Länder wie Japan in Arbeitslosigkeit, Demokratieverdrossenheit und
poltische Erstarrung abgleiten lassen wird.
Allerdings wird nicht allen Ländern auf dieser Welt vergleichbare politische und
ökonomische Erschütterungen zuteil werden. Gewiß, kein Land auf dieser Welt wird den
Teilkollaps des Giganten USA vollständig unbeschadet überstehen. Dafür ist das Land
nach wie vor weltpolitisch zu bedeutsam. Relative Gewinner des US-amerikanischen
Niedergangs wird es aber indes sehr wohl geben. Dabei denke ich insbesondere an Länder
wie China, Brasilien und die Türkei. All diese Länder zeichnen sich durch eine lediglich
moderate Exportabhängigkeit ihrer Volkswirtschaften, sowie –im Vergleich zum
Bruttoinlandsprodukt- geringe Verschuldung und ein intaktes Bankensystem aus, und
sind zudem in der Lage ihren Binnenmarkt noch auszubauen. All dies wird sie –wenngleich
nicht vollständig so doch ein ein gutes Stück weit gegen die aufziehende
Weltwirtschaftskrise immunisieren.
China, das bereits jetzt nur ca. 25 Prozent seines Volkseinkommens aus dem Export
erwirtschaftet, beginnt bereits jetzt seine Wirtschaft von Exportorientiertheit auf verstärkte
Binnennachfrage umzustellen. Es wird daher in der Lage sein den durch die kommende
Weltwirtschaftskrise bedingte Schrumpfung des Welthandels vergleichsweise gut zu
überstehen. Zudem wird die kommende Weltwirtschaftskrise bedeutende Rohstoffe wie
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Erdöl, Kohle, Kupfer und Platinum tendenziell verbilligen, und somit Chinas Importkosten
für diese wichtigen Rohstoffe erheblich verbilligen. Länder wie Brasilien und die Türkei
verfügen ebenfalls über eine geringe Verschuldung, ein intaktes Finanzsystem und eine
bereits jetzt geringe Exportabhängigkeit (Brasilien ca. 10 Prozent des Bruttosozialproduktes
und Türkei ca. 20 Prozent des Bruttosozialproduktes) und dank zunehmender junger und
dynamischer Bevölkerung auch über die Fähigkeit, einen starken Binnenkonsum
aufzubauen, und sich somit von den anstehenden Verwerfungen im Welthandel ein gutes
Stück weit abzukoppeln. Was uns also bevorsteht, ist ein hauptsächlich asiatisches
Zeitalter, in dem -durch die Ungeschicklichkeit und Uneinsichtigkeit Amerikas maßgeblich
begünstigt- insbesondere China zur neuen Leitmacht der Welt aufsteigen wird. Diejenigen
Nationen hingegen, die besonders mit den USA verbunden und exportabhängig sind, die
USA selbst natürlich eingeschlossen, werden in relative weltpolitische Bedeutungslosigkeit
und größte innenpolitische Spannungen absinken.
Diese Entwicklung wäre bei kraftvoller Umsteuerung der USA zwar zu mindestens zum
gegenwärtigen Zeitpunkt noch abwendbar, aber die ideologischen Verblendungen der
amerikanischen Innenpolitik, gekoppelt mit der ökonomischen Raffgier großer Teile der
amerikanischen Eliten, lassen eine solche Wendung zum besseren unwahrscheinlich
erscheinen.

								
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