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Grenzen überwinden mit dem EUROPASS

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Grenzen überwinden mit dem EUROPASS Powered By Docstoc
					                    Grenzen überwinden mit dem EUROPASS

                           9. Mai 2006 – IHK Karlsruhe


10:30 Der europass aus Europäischer Sicht



(1) Einführung

      Dank an Veranstalter: Anlass Schumann-Tag (kein europäischer Feiertag)

      9. Mai 1950: Schumann-Erklärung: Beginn der Integration – zunächst sektoral
       ‚Wasserscheide in der Nachkriegspolitik - Führte 1951 zur EGKS (bis
       23.7.2002) , 1957 zur EWG

      Von wem stammt die Idee, der Plan: Schumann oder Monnet? – Letztlich
       unbedeutend; jedenfalls stammt von Jean Monnet das Wort: „Man wird nicht
       als Europäer geboren, sondern man entwickelt sich zum Europäer“ - Aber
       wie wird man zum Europäer?

      „Nichts bildet den Menschen so sehr wie Reisen“ (Johann Wolfgang von
       Goethe 1749-1832) – Mobilität

      Doch Reisen allein genügt nicht: Entwicklung der Wirtschaftsgemeinschaft
       zum größten Binnenmarkt der Welt – Interdependenz der Wirtschaftssystem
       macht Mobilität innerhalb Europas (mental und physisch) zu einer
       Grundvoraussetzung

      Zudem: Die Herausforderungen der Globalisierung/ Verlagerung von
       Arbeitsplätzen/ internationale Arbeitsteilung stellt hohe Anforderungen an die
       Kenntnisse und Fähigkeiten der Arbeitskräfte

      Erster Kommissionspräsident, Walter Hallstein: Einigungsprozess als Bild
       vom Fahrrad, das ständig bewegt werden muss, um nicht umzufallen – das
       Bild trifft nicht nur auf die politische Einigung, sondern sicherlich auch auf die
       wirtschaftlichen Prozesse zu - d.h. die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und
       damit der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen mit dem Ziel
       Wohlstand zu schaffen gelingt nur, wenn ständig vorausgedacht wird. Also
       Politik und Wirtschaft sind gemeinsam gefordert.

      Frage: was leistet Europa bevor ich auf die Mobilitätshemmnisse und deren
       Beseitigung eingehe.




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(2) Europäische Anstrengungen auf der Gebiet der Bildungspolitik

      Europa stellt sich der Herausforderung: „Lissabon-Strategie“: Europa soll zum
       dynamischsten und wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum bis 2010
       entwickelt werden – dabei ist zugleich anerkannt, dass Investitionen in die
       Bildungssysteme ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie. Im Jahr 2002
       wurde festgelegt, dass Europa ebenfalls bis zum Jahr 2010 hinsichtlich der
       Qualität seiner Bildungssysteme weltweit führend sein sollte.

      Die Bildungsminister haben sich auf drei übergeordnete Ziele geeinigt, die
       bis 2010 zum Nutzen aller Bürger und der EU insgesamt erreicht werden
       sollten:
           - Erhöhung der Qualität und Wirksamkeit der Bildungssysteme in der EU
           - leichterer Zugang zur allgemeinen und beruflichen Bildung für alle
           - Öffnung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung gegenüber der Welt.

      Ein Arbeitsprogramm „Allgemeine und berufliche Bildung 2010 (zum erstem
       Mal in der Geschichte der europäischen Integration) zur Umsetzung der drei
       Ziele. 13 Teilziele, Förderung der Mobilität: Teilziel 3.4

      Um dies zu erreichen, muss die allgemeine und berufliche Bildung in Europa
       grundsätzlich umgestaltet werden. Diese Umgestaltung wird in jedem Land
       entsprechend der nationalen Rahmenbedingungen und Traditionen stattfinden
       müssen: Subsidiaritätsprinzip.

      Sie wird jedoch durch die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten auf
       europäischer Ebene vorangetrieben- vor allem dadurch, dass Erfahrungen
       ausgetauscht werden, dass an gemeinsamen Zielen gearbeitet wird und dass
       man von dem, was woanders gut funktioniert, lernt: über so genannte offene
       Methode der Koordinierung. (Leitlinien, Umsetzung in nationale/regionale
       Strategien, Steuerung durch Fortschrittsberichte und Evaluierungen, gemessen
       über Benchmarks = Messlatten und ein System von Indikatoren)

      Neben Lissabonstrategie (wichtig, da Dynamik, obwohl Ziel selbst wohl nicht
       mehr erreicht werden kann) zwei weitere politische Prozesse:
       Kopenhagenprozess (verstärkte Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
       beruflichen Bildung, Einbeziehung der Sozialpartner) sowie der
       Bolognaprozess zur Schaffung eines europäischen Hochschulraumes (2010)

      Darüber hinaus weitere Arbeitsschwerpunkte:
          - Die Entwicklung von Strategien des Lebenslangen Lernens (hierzu gehört auch die
               Entwicklung eines Europäischen Qualifikationsrahmens, Lebensbegleitende
               Beratung, die Validierung von nicht formalen und informellen Lernprozessen sowie
               Qualitätsindikatoren für das lebenslange Lernen
           -   Die Förderung der Mehrsprachigkeit (so genanntes Barcelona Ziel: 2+1 – Zwei
               Fremdsprachen zusätzlich zur Muttersprache; u.a. die Schaffung eines Europäischen
               Indikator für Sprachenkompetenz; Aktionsplan 2004-2004; LINGUA als Teil des
               Sokratesprogramms)
           -   Die Integration von Informations- und Kommunikationsstechnologien (eine Reihe
               von Initiativen zu E-Learning und zur Nutzung des Internet)
           -   Die Beseitigung von Mobilitätshemmnissen



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Beseitigung von Mobilitätshemmnissen

      Weniger als 2% der Arbeitnehmer in der EU sind mobil

      Mobilität hilft bei der Überwindung von individueller Arbeitslosigkeit (59%
       derjenigen, die ins Ausland gezogen sind finden innerhalb eines Jahres einen
       Job – i.U. zu lediglich 35%, die nicht wegziehen)

   Welches sind die Hemmnisse von Mobilität?

          -   (1) Rechtlicher /administrativer Rahmen
          -   (2) Praktische Hindernisse:
              Sprachkenntnisse (in 60% der Fällen das große Hindernis)
              Wohnung
              Beschäftigung des (Ehe-)Partners
          -   (3) Sozio-kulturelle Gründe: also die Frage: gibt es zu wenig Mobilitätskultur in
              Europa? (Die Arbeitnehmer der EU 10,6 Jahre im gleichen Unternehmen; USA: 6
              Jahre) – Die Frage soll unbeantwortet bleiben. Allerdings: Gründe für einen Umzug
              ins Ausland: Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie PIONEUR-Projekt (die auch
              Studenten und Rentner umfasst) an erster Stelle die „Liebe“ (29,7%), Arbeit lediglich
              auf Platz 2 (25,2%) - sowie auf Platz 3 Lebensqualität (24 %).



   Was wurde bislang erreicht?

      Diskriminierungsverbot, insbesondere aufgrund der Nationalität (EUGH
       Urteile: Gravier, Erasmusurteil, Österreich)

      EWG: Die Rechte der Bürger: zunächst ‚Marktbürger’: Grundfreiheiten
       (darunter – neben Waren- und Zahlungsverkehr - Niederlassungs- und
       Dienstleistungsfreiheit, sowie Freizügigkeit von Personen) Das Recht der
       Unionsbürger, sich überall in der EU niederzulassen oder Dienste zu
       erbringen, ist ein gemeinschaftliches Grundprinzip. Die Regelungen über die
       beruflichen Qualifikationen können jedoch zu Beeinträchtigungen dieser
       Grundfreiheiten führen. Solche Hindernisse werden durch Regeln
       überwunden, die die gegenseitige Anerkennung der beruflichen
       Qualifikationen zwischen den Mitgliedstaaten garantieren. Folgende
       Regelungen sind hauptsächlich von Bedeutung:

          -   sektorale Anerkennungsrichtlinien, welche die automatische Anerkennung von
              Berufsqualifikationen gewährleisten insbesondere im Bereich der Gesundheitsberufe
              (Ärzte, Krankenpfleger, Tierärzte, Apotheker, Zahnärzte, Hebammen) sowie für den
              Beruf des Architekten;
          -   drei Richtlinien des „Allgemeinen Systems“, welche auf alle Berufe Anwendung
              finden, deren Aufnahme oder Ausübung reglementiert ist;
          -   zwei Richtlinien anwendbar auf den Beruf des Rechtsanwalts, welche die
              Dienstleistungserbringung bzw. die Niederlassung unter der Berufsbezeichnung des
              Herkunftslandes regeln;
          -   zwei Übergangsrichtlinien auf dem Gebiet der Tätigkeiten des Handels mit und der
              Verteilung von Giftstoffen und der Tätigkeiten, welche die berufliche Verwendung
              dieser Stoffe umfassen, einschließlich der Vermittlertätigkeiten.




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   1985 bzw. 1990: Unterzeichnung des Schengener Abkommens (BE, DE, FR;
    LU, NL) – Schrittweiser Abbau der Grenzkontrollen – ursprünglich
    zwischenstaatliche Kooperation, (seit Amsterdamer Vertrag 1997 in die
    Verträge integriert).

   Bericht der Kommission vom 23.1.2004 über die Durchführung der Empfehlung des
    Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. Juli 2001 über die Mobilität von
    Studierenden, in der Ausbildung stehenden Personen, Freiwilligen, Lehrkräften und
    Ausbildern in der Gemeinschaft:

    -       2001: Empfehlung über die Mobilität + Aktionsprogramm (gebilligt
            durch den Europäischen Rat von Nizza, Dezember 2000)
    -       Bericht:
            -      Mobilität im Forschungsbereich (Marie-Curie-Stipendien,
                   eingebauter Mechanismus für Rückkehrer)

            -        Schlussfolgerungen:
                     Verbesserung der Rahmenbedingungen für Mobilität
                     (Zielsetzung, Überwachung von Mobilitätsströmen,
                     Überprüfung der Rechtsvorschriften, Öffnung der Grenzen,
                     Finanzierung (in einigen MS sind die europäischen
                     Förderprogramme die einzig bestehenden finanzielle
                     Förderprogramme !) – Vorbereitung und Anerkennung der
                     Mobilität – Förderung des Sprachenlernens – zwei vorrangige
                     Zielgruppen: Mobilität zur Erhöhung der Qualität und
                     Attraktivität des Lehrer- und Ausbilderberufs sowie die
                     Steigerung der Mobilität im Bereich der beruflichen Bildung
                     (insbesondere Berücksichtigung der Bedürfnisse der KMU).

   Eine Reihe von Hemmnissen bestehen noch immer: Erteilung von
    Aufenthaltsgenehmigungen, Übertragbarkeit von Sozialversicherungs-
    leistungen, Besteuerung, Anerkennung von im Ausland absolvierten Studien-
    und Ausbildungszeiten und im Ausland erworbenen Abschlüssen zu Studien-
    und -berufszwecken, Weiteres Problem bei Sprachkenntnissen

   dennoch eine Reihe von Erleichterungen: Instrumente/politische Initiativen




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Instrumente:

      o EURES: Netz der europäischen Arbeitsverwaltungen (European
        Employment Services) - Zum Netzwerk des Europaservice gehören
        außerdem die EURES-Berater in den Grenzregionen. Auch sie
        informieren über Mobilität, Ausbildung, Studium und Arbeit innerhalb
        Europas. Die Europa-Assistenten der örtlichen Agenturen für Arbeit
        sind Ansprechpartner für Erstinformationen zum europäischen
        Binnenmarkt. (z.B. Agentur für Arbeit Karlsruhe – Leben und Arbeiten
        in Frankreich – Eures-Beraterinnen, 10.Mai)

      o EUROGUIDANCE: Netz der nationalen Zentren für Berufsberatung

      o SOLVIT ist ein Online-Netzwerk, in dem die Mitgliedstaaten
        zusammenarbeiten, um auf pragmatische Weise Probleme zu lösen, die
        durch die fehlerhafte Anwendung von Binnenmarktvorschriften durch
        Behörden entstehen – z.B. im Bereich der Anerkennung von
        Berufsqualifikationen und Diplomen, Zugang zu Aus- und
        Weiterbildung, Aufenthaltsgenehmigungen, soziale Sicherung und
        Arbeitnehmerrechte.

      o Aktive Förderung von individueller Mobilität über die EU-
        Förderprogramme (Im Unterschied zur Beseitigung von
        Mobilitätshemmnissen): – Sokrates für allgemeine und LdV für die
        berufliche Bildung: neues Förderprogramm Lebenslanges Lernen
        (2007-2013) mit einem Budget von 6,97 Mrd. € [6,2 Mrd. € in 2004
        Preise] statt 13,62 Mrd. € [12 Mrd € in 2004 Preise] - laufende Preise.
        Weit über 80% der Mittel sollen dezentral verwaltet werden, davon –
        neben Partnerschaften (z.B. Comenius) – vor allem individuelle
        Mobilität: Erasmusstipienden oder Berufspraktika unter LdV.
        Beschluss noch in diesem Jahr.

      o Europass: „Entscheidung“ – rechtlich einzigartig – i.d.R. in der
        Bildungspolitik nur Soft-Law (Entschließungen, Empfehlungen etc. –
        Europass und Förderprogramme als Ausnahmen) Ein wesentliches
        Instrument, dass die Verbindungen zwischen Bildung und
        Berufsbildung, Unternehmen und Industrie stärkt und die Relevanz und
        angemessene Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen
        sicherstellt. Europass soll vor allem BürgerInnen helfen, ihre
        Qualifikationen und Kompetenzen verständlicher darzustellen –
        letztlich soll dadurch die Mobilität zwischen Ländern und
        Beschäftigungssektoren erleichtert werden.




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Politische Initiativen:

      Vorschlag für eine Europäische Qualitätscharta (September 2005) – steht
       vor der Verabschiedung (Rat und EP) – als allgemeiner Referenzrahmen zur
       Förderung der Effizienz und Wirksamkeit jedweder Form von Mobilität zu
       Bildungszwecken – nicht verbindlich, Umsetzung auf nationaler Ebene:

           (1)        Beratung und Information
           (2)        Lernplan
           (3)        Personalisierung
           (4)        Allgemeine Vorbereitung
           (5)        Sprachliche Aspekte
           (6)        Logistische Unterstützung
           (7)        Mentoring
           (8)        Anrechnung
           (9)        Wiedereingliederung und Evaluierung
           (10)       klare Definition der)Verpflichtungen und Zuständigkeiten

      "Haushaltslinie Guy-Quint". Frau Guy-Quint, MEP): 2005 neue
       Haushaltslinie für ein Pilotprojekt mit dem Ziel die Mobilität für
       Auszubildende auch im neuen Bildungsprogramm stärker zu fördern. Zurzeit
       werden damit Studien finanziert, die die Ursachen analysieren. Ein wichtiges
       Hindernis – neben den administrativen Hindernissen - ist die Frage der
       Anerkennung der Leistungen, durch das Fehlen eines Kredit-Transfer-
       Systems, wie es für den Hochschulbereich existiert. Es wird deshalb – neben
       dem Europäischen Qualifikationsrahmen – an einem Kredit-Transfer-System
       für die berufliche Bildung (ECVET) gearbeitet. Vorbild ist der
       Hochschulbereich, wo (immerhin) 5% aller Studierenden ein Auslandsstudium
       innerhalb Europas im Rahmen von Erasmus aufnehmen – die Mobilität der
       Auszubildenden im Rahmen von LdV liegt weit unter 1% der Personen, die in
       der Berufsausbildung stehen.
      Europäisches Jahr zur Förderung der Mobilität von Arbeitnehmerinnen
       und Arbeitnehmern: 10 Mio. € für 2006 für Projekte, die auf das Thema
       aufmerksam machen sollen, eine Mobilitätskonferenz in Wien und eine erste
       europäische Jobmesse im September, an der 50 europäische Städte teilnehmen
       werden Dazu weitere Kampagnen (Fernsehen, Film, Internet, europäische
       Metromagazine, Studien).




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Abschlussbemerkung

      Entscheidung über Europass, die im Einzelnen durch die nachfolgende
       Rednerin dargestellt wird, ist ein ganz wesentliches Mittel, um die Mobilität
       zu fördern und Grenzen zu überwinden.

      Mobilität kein Selbstzweck. Immer auch Frage des Ziels und der Qualität
       (Beispiel: eigener Vortrag – die Beurteilung der Qualität bleibt den Zuhörern
       zu überlassen)

      Eigeninitiative - Private Haushalte geben in Europa für Bildung pro Tag
       durchschnittlich nur 1 € aus [Derek Bo (Harvard-Präsident 1971-1991) -“If
       you think education is expensive – try ignorance” – ‚Wenn Sie der
       Überzeugung sind, dass Bildung teuer ist, probieren Sie es mal mit
       Unwissenheit’] Dies gilt auch für die Nutzung des Europass.

      Letztlich müssen alle Akteure - der Einzelne, die Wirtschaft und die Politik -
       gemeinsam an der Überwindung der immer noch bestehenden Grenzen und
       Hürden arbeiten. Der Europass ist ein wichtiger Baustein und nützliches
       Instrument zur Überwindung dieser Schwierigkeiten.


      Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

http://europa.eu.int/comm/education/index_de.html

http://europa.eu.int/comm/education/policies/2010/doc/compendium05_de.pdf




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