Globetrotter tauschen Tips und Erfahrungen aus - Ein Verein mit

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          Wäschewaschen während der Autofahrt
           Globetrotter tauschen Tips und Erfahrungen aus - Ein Verein mit sechshundert Mitgliedern
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 ,Sie sind durch Kanada getrampt. haben die ten Handbüchern geben die dzg-Mitglieder          "Reisepartnersuche" ein 69jähriger eine
  Sahara durchquert oder sind gar, in fünf einander detaillierte praktische Auskünfte.        Partnerin für eine Reise im VW-Bus durch
  Reisejahren, im VW-Bus um die Erde ge- Elf Bände -sind bis jetzt in der Reihe "Glo-         Afrika sucht oder ein 27jähriger' eine
                                                                                                                                 •
  fahren. Im Zeitalter der organisierten Mas- betrotter schreiben für Globetrotter" er-       gleichaltrige Partnerin für eine Reise
  senreisen sind sie Ausnahmen, die Welten- schienen. Alle behandeln außereuropäische         "nicht länger als drei Jahre. Asieri"l\.uSka-
- bummler-in eigener RegiE! und.auf eigenes. . Länder und Reisen mit d.e.m eigenen Fahr-      lien;:              ,er nac     emüt, Geduld
  Risiko. Kein Wunder, daß diese selten ge- zeug oder mit" entliehen Verkehrsmit-             und Geld." Oder eine Lehrerin für ein 'bis
  wordene 1\rt q.es Homo 'l'ouristicus sich in tein. eribert Seul hat ~ Beispiel einen .      zw~i Jahre -einen -Job in Kanada sacht.
  einem Verein zusammengeschlossen hat, ,;, "Welt:J'ü!ü=er; . elsen qIit.dem Rucksack"        "Nütfalls könnte ·ich .auch Bäume.. fällen
  der sich ein wenig geschwollen "Deujsche _ mit Tips und Routen für 100 Länder ge-           oder Pipelines verlegen. Wer etwas weiß:
  Zentrale für Globe        e. V" (dzg nennt, . schrieben (von seinen zweiunddreißig Le-      bitte schreiben." Die erste Vorsitzende der
  vor drei ahren in Berlin gegründet wor- bensjahren hat er acht auf Reisen ver-              dzg ist übrigens eine Frau, und ungefähr 20
  den und inzwischenaUf6öO Mitglieder an- bracht). Er hält sich nicht mit blumenrei-          Prozent der Mitglieder'sind Frauen:
  gewachsen ist.                                 chen Schilderungen von Sehenswürdigkei-         Wie wird man Mitglied bei den Globe-
     ,.Am Anfang waren wir nur ein Freun- ten auf, sondern gibt ganz konkrete Hin-            trotters? Wer aufgenommen ""erden will,
  deskreis von acht Gleichgesinnten", erzählt weise für jedes Land. Er teilt dem Leser        muß nachweisen können, mindestens drei
  Heribert Seul, der stellvertretende Vorsit- etwa die Adresse der Jugendherberge von         Monate lang auf eigene Faust durch außer-
  zende. "Wir tauschten Tips und Erfahrun- Sao Paulo samt Busnummer und Bushalte-             europäische Länder unterwegs gewesen zu
  gen aus, kamen zu Diaabenden zusammen stelle mit oder weist ihn darauf hin, daß In-         sein. Gegen einen Jahresbeitrag von 20
  und planten gemeinsam neue Reisen."            dien Airlines jungen Leuten bis 30 auf In-   Mark ist den Mitgliedern die Informations-
  Doch es sollte sich herausstellen, daß es landsflügen bis zu 25 Prozent Rabatt gibt-.       börse zugänglich, die Reisepartnervermitt-
  noch mehr Leute gibt, die es vorziehen, Oder daß in Kolumbien Lastwagenfahrer               lung, die Zeitschrift. Einmal im Jahr ist
  ihre Reise selbst zu schneidern, statt sie fix etwa die Hälfte des Busfahrpreises als Be-
                                                                                              Mitgliederversammlung, laut Informa-
  und fertig von der Stange zu kaufen. Und zahlung nehmen. Oder daß bei einer viertä-
  daß verständlicherweise bei diesen Do-it-, gigen Wanderung über den Inkapfad in .           tionsblatt ein drei- bis fünftägiges feucht-
  yourself-Reisenden das Informationsbe- Peru keine Getränke mitgeschleppt wer-               fröhliches Fest im Grünen im Globetrotter-
  dürfnis groß ist,                              den müssen, da Wasser unterwegs aus den      stil, das heißt, die Mitglieder kommen mit
     So kann man denn in der fünf- bis sechs- Bergbächen entnommen werden kann.               ihren Expeditionsfahrzeugen (eines der
  mal jährlich erscheinenden Klubzeitung           Dem Normalmenschen mit 40-Stunden-         Mitglieder vertreibt Expeditionsausrüstun-
  Tips wie diesen lesen: "Die Teestraße von Woche und vier Wochen Urlaub weht da              gen). Jedes Mitglied darf einen Gast mit-
  Tahona nach Niamey ist, von einigen Bau- nicht nur der Duft der weiten Welt entge-          bringen. Da mischt sich dann auch so man-
  stellen abgesehen, fertiggestellt." Oder: gen, sondern auch der frische Wind einer          cher unters Globetrottervolk, der nicht mit
  "Die einzige VW-Werkstatt Togos befindet völlig anderen Art det Lebensgestaltung.           dem nötigen Ernst bei der Sache ist. "Wer
  sich, in Lome, hat dem dortigen niedrigen Was für Leute sind das, die es sich leisten'      war der Scherzbold, der sich mit der Mit-
  Lohnniveau angepaßte Preise und ist emp- können, monatelang durch die Welt zu               gliedsnummer 103 241 als Donald Duck aus
  fehlenswert." ,Auch praktische Erfahrun- bummeln? Auch wenn sie nur mit Zelt und            2001 Entenhausen/USA eintrug?" hatte die
  gen, zum Beispiel übers Wäschewaschen Rucksack reisen, wenn sie trampen und                 Vorsitzende nach dem letzten Treffen zu
  unterwegs, werden an die andern weiterge- Jobs annehmen, woher nehmen sie die               fragen Anlaß.                             .
  geben. Ein Weltenbummler hat dieses Po- Zeit? Unter den Mitgliedern, .sagt Heribert            Doch Nachwuchsprobleme kennt die d2;g
  blem so gelöst, daß er morgens Wäsche, Seul, sind beileibe nicht nur Studenten. Da          nicht. Es wird im Gegenteil befürchtet, daß
  Wasser und Waschpulver in einen ver- gibt es Ärzte, die zwischen Krankenhaus-               bei einer noch höheren Zahl von Mitglie-
  schließbaren Plastikeimer gibt, diesen auf anstellung und eigener Praxis ein Reise-         dern die "Exklusivität" verlorengeht und
  dem Dachträger befestigt und im "Vor- jahr einschieben. Ingenieure, die ihren Ar-           der bis jetzt ehrenamtlich betrieber.e Ver-
  waschgang" losfährt. Sonne und schlechte beitsvertrag so ausgehandelt haben, daß sie        einsapparat zu bürokratisch wird. Und wie
  Straßen haben dann die Wäsche bis zum alle zwei oder drei Jahre ein halbes Jahr             ist's mit Mitgliedern, die nur einmal im Le-
  Abend so erwärmt und durchgerüttelt, daß unbezahlten Urlaub nehmen können. Und              ben auf große Fahrt gehen? Heribert Seul
  man sie nur noch klarspülen muß.               - Rentner, Pensionäre.                       meint: "Solche haben wir nicht. Es ist wie
     Aber nicht nur in ihrer Klubzeitung,          So wundert es einen schon nicht mehr,      eine Krankheit - wer einmal so gereist 1st,
  auch in selbst verfaß~n und selbst verleg- wenn in der Klubzeitung unter der Rubrik         macht's immer wieder."        Isolde Neidlein