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					                              Sitzungsbericht
          3. Sitzung der Tagung 2003 der XVI. Gesetzgebungsperiode
                            des Landtages von Niederösterreich
                                   Montag, den 16. Juni 2003



Inhalt:
1.   Eröffnung durch Präsident Mag. Freibauer                 Abg. Dr. Michalitsch (Seite 161), Abg. Mag.
     (Seite 104).                                             Karner (Seite 162), Abg. Hintner (Seite 164),
                                                              Abg. Waldhäusl mit Resolutionsantrag (Seite
2.   Mitteilung des Einlaufes (Seite 104).                    165), Abg. Mag. Fasan mit Resolutionsan-
                                                              trag (Seite 167), Abg. Waldhäusl mit Reso-
3.   Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Aus-                  lutionsantrag (Seite 170), Abg. Jahrmann
     schusses über die Vorlage der Landesregie-               (Seite 171), Abg. Dr. Prober (Seite 171),
     rung betreffend Voranschlag des Landes                   Abg. Mag. Motz mit Resolutionsantrag (Seite
     Niederösterreich für das Jahr 2004.                      172), Abg. Kautz mit Resolutionsantrag
     Berichterstatter: Abg. Doppler (Seite 106).              (Seite 173), Abg. Mag. Riedl (Seite 174),
     Redner: Finanzreferent LR Mag. Sobotka                   Abg. Mag. Fasan (Seite 174).
     (Seite 106).                                             Abstimmung (Seite 174).
                                                              (Gruppe 0 mehrheitlich angenommen; Reso-
4.   Generaldebatte:                                          lutionsantrag Abg. Kautz, Mag. Ram, Wald-
     Redner: Abg. Mag. Ram (Seite 116), Abg.                  häusl abgelehnt, Resolutionsantrag Abg.
     MMag. Dr. Petrovic (Seite 119), Abg.                     Mag. Riedl, Kautz, Waldhäusl, Mag. Ram,
     Weninger (Seite 123), Abg. Mag. Schnee-                  Mag. Fasan abgelehnt, Resolutionsantrag
     berger (Seite 126), Abg. MMag. Dr. Petrovic              Abg. Mag. Motz, Dr. Michalitsch, Mag. Fasan
     (Seite 129), Abg. Mag. Schneeberger                      einstimmig angenommen, 2 Resolutionsan-
     (Seite 131).                                             träge Abg. Waldhäusl abgelehnt, Resoluti-
                                                              onsantrag Abg. Mag. Fasan, MMag. Dr.
5.   Spezialdebatte: Gruppe 0, Vertretungs-                   Petrovic, Dr. Krismer, Weiderbauer, Kautz,
     körper und allgemeine Verwaltung.                        Waldhäusl, Mag. Ram abgelehnt.)
     Berichterstatter: Abg. Doppler (Seite 131).
     Redner: Abg. Mag. Ram mit Resolutions-              6.   Spezialdebatte: Gruppe 1, Öffentliche Ord-
     antrag (Seite 132), Abg. Dr. Krismer (Seite              nung und Sicherheit.
     133), Abg. Kautz mit Resolutionsantrag                   Berichterstatter: Abg. Doppler (Seite 175).
     (Seite 134), Abg. Mag. Riedl mit Resoluti-               Redner: Abg. Cerwenka mit 2 Resolutions-
     onsantrag (Seite 137), Abg. Moser (Seite                 anträgen (Seite 175), Abg. Mag. Wilfing
     140), Abg. Mag. Leichtfried (Seite 142), Abg.            (Seite 178), Abg. Grandl (Seite 179), Abg.
     Nowohradsky (Seite 143), Abg. Honeder                    Waldhäusl mit 2 Resolutionsanträgen (Seite
     (Seite 144), Abg. Mag. Renner (Seite 146),               180), Abg. Friewald (Seite 182), Abg. Wald-
     Abg. Dipl.Ing. Toms (Seite 147), Abg. Hof-               häusl mit Resolutionsantrag (Seite 183),
     macher (Seite 149), Abg. Mag. Motz mit Re-               Abg. Dr. Krismer (Seite 184), Abg. Ing. Hof-
     solutionsantrag (Seite 150), Abg. Hiller (Seite          bauer (Seite 185), Abg. Friewald mit Reso-
     152), Abg. Dipl.Ing. Eigner (Seite 153), Abg.            lutionsantrag (Seite 186), Abg. Findeis (Seite
     Vladyka (Seite 155), Abg. Hensler (Seite                 187), Abg. Rinke (Seite 189), Abg. Mag.
     156), Abg. Mag. Wilfing (Seite 157), Abg. Dr.            Ram mit Resolutionsantrag (Seite 189), Abg.
     Nasko (Seite 159), Abg. Maier (Seite 159),               Cerwenka (Seite 190).




                                                       103
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode             3. Sitzung vom 16. Juni 2003


      Abstimmung (Seite 190).                                onsantrag (Seite 211), Abg. Adensamer
      (Gruppe 1 mehrheitlich angenommen; Reso-               (Seite 213), Abg. Lembacher (Seite 215),
      lutionsantrag Abg. Friewald, Cerwenka, Mag.            Abg. Thumpser (Seite 216), Abg. Hiller (Seite
      Fasan und Waldhäusl einstimmig ange-                   218), Abg. Erber (Seite 219), Abg. Dworak
      nommen, Resolutionsantrag Abg. Cerwenka                mit Resolutionsantrag (Seite 221), Abg. Mag.
      abgelehnt, Resolutionsantrag Abg. Wald-                Ram (Seite 221).
      häusl, Mag. Ram abgelehnt, Resolutionsan-              Abstimmung (Seite 222).
      trag Abg. Waldhäusl, Mag. Ram, Ing. Hof-               (Gruppe 2 mehrheitlich angenommen, Reso-
      bauer, Findeis mehrheitlich angenommen.)               lutionsanträge Abg. Mag. Ram abgelehnt,
                                                             Resolutionsantrag Abg. Dworak, Weider-
7.    Spezialdebatte: Gruppe 2, Unterricht, Erzie-           bauer, Mag. Ram abgelehnt, Resolutions-
      hung, Sport und Wissenschaft.                          antrag Abg. Mag. Heuras mehrheitlich ange-
      Berichterstatter: Abg. Doppler (Seite 191).            nommen, Resolutionsantrag Abg. Dr. Nasko,
      Redner: Abg. Mag. Ram mit 3 Resolutions-               Dr. Prober, Mag. Ram einstimmig ange-
      anträgen (Seite 191), Abg. Weiderbauer                 nommen, Resolutionsantrag Abg. Cerwenka,
      (Seite 193), Abg. Dworak mit Resolutions-              Weiderbauer abgelehnt, Resolutionsantrag
      antrag (Seite 194), Abg. Mag. Heuras mit               Abg. Kadenbach, Adensamer mehrheitlich
      Resolutionsantrag (Seite 196), Abg. Hof-               angenommen.)
      macher (Seite 199), Abg. Dr. Nasko mit Re-
      solutionsantrag (Seite 200), Abg. Dr. Prober     8.    Spezialdebatte: Gruppe 3, Kunst, Kultur und
      (Seite 202), Abg. Sacher (Seite 204), Abg.             Kultus.
      Rinke (Seite 205), Abg. Cerwenka mit Re-               Berichterstatter: Abg. Doppler (Seite 222).
      solutionsantrag     (Seite    206),     Abg.           Redner: Abg. Schittenhelm (Seite 222), Abg.
      Nowohradsky (Seite 209), Abg. Dr. Krismer              Dr. Nasko (Seite 224), Abg. Lembacher
      (Seite 210), Abg. Kadenbach mit Resoluti-              (Seite 227).



                                                     ***
     Präsident Mag. Freibauer (um 10.00 Uhr):          Redezeit das Licht am Rednerpult zu blinken be-
Sehr geehrte Damen und Herren! Ich eröffne die         ginnt. Am Ende der Redezeit leuchtet das Licht
Sitzung. Das Protokoll der letzten Sitzung ist ge-     ohne zu blinken. Es nützt nichts wenn Sie es zu-
schäftsordnungsmäßig aufgelegen. Es ist unbean-        decken, ich erinnere Sie dann auch mündlich
standet geblieben und demnach als genehmigt zu         daran.
betrachten. Von der heutigen Sitzung hat sich ent-
schuldigt der Dritte Präsident des Landtages Ing.           Ich beabsichtige, die heutige Sitzung frühes-
Penz und Herr Landeshauptmann Dr. Pröll ab             tens um 21.00 Uhr, spätestens um 21.30 Uhr zu
17.00 Uhr.                                             beenden. Die Fortsetzung der Sitzung findet, wie
                                                       bekannt, am 17. Juni, also morgen, um 9.00 Uhr
     Bevor wir in die Behandlung der Tagesordnung      statt.
eingehen, möchte ich festhalten, dass auf Grund
des Beschlusses des NÖ Landtages vom 15. Mai               Ich bringe dem Hohen Haus folgenden Einlauf
für die Spezialdebatte zum Voranschlag 2004 fest-      zur Kenntnis:
gelegt wurde, dass die Redezeit eines jeden Red-
ners (Abgeordnete, Mitglieder der Landesregierung,     Ltg. 23/G-1/1 -   Vorlage der Landesregierung
Berichterstatter) maximal 10 Minuten pro Wortmel-                        betreffend Änderung des Ge-
dung beträgt. Geschäftsordnungsbestimmungen                              setzes über die Gliederung des
die eine geringere Redezeit vorsehen, z. B. tat-                         Landes NÖ in Gemeinden
sächliche Berichtigungen gemäß § 59 LGO, bleiben                         (Markterhebung Wolfsbach) –
davon unberührt. Abweichend von dieser Bestim-                           dieses Stück weise ich dem
mung kommt jedem Erstredner einer Fraktion zum                           Kommunal-Ausschuss zu.
jeweiligen Teil des Voranschlages eine Höchstre-
dezeit von 15 Minuten zu. Für die Generaldebatte       Ltg. 26/V-15 -    Vorlage der Landesregierung
ist keine Redezeitbeschränkung vorgesehen.                               betreffend Änderung des Ge-
                                                                         setzes über den Unabhängigen
   Ich weise die Damen und Herren des Hohen                              Verwaltungssenat im Land Nie-
Hauses darauf hin, dass eine Minute vor Ende der                         derösterreich - und




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode             3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Ltg. 27/D-1 -     Vorlage der Landesregierung                             2003 dem Wirtschafts- und Fi-
                  betreffend Änderung der Dienst-                         nanz-Ausschuss zugewiesen.
                  pragmatik der Landesbeamten
                  1972 (DPL-Novelle 2003) - so-         Ltg. 17/V-1 -     Vorlage der Landesregierung
                  wie                                                     betreffend Voranschlag des
                                                                          Landes Niederösterreich für das
Ltg. 28/L-1 -     Vorlage der Landesregierung                             Jahr 2004 - dieses Geschäfts-
                  betreffend Änderung des Lan-                            stück habe ich am 28. Mai 2003
                  des-Vertragsbedienstetenge-                             dem Wirtschafts- und Finanz-
                  setzes (LVBG-Novelle 2003) –                            Ausschuss zugewiesen und es
                  diese 3 Geschäftsstücke weise                           steht nach Erledigung im Aus-
                  ich dem Rechts- und Verfas-                             schuss auf der heutigen Tages-
                  sungs-Ausschuss zu.                                     ordnung.

Ltg. 29/A-2/1 -   Antrag     der  Abgeordneten          Ltg. 25/S-5/1 -   Vorlage der Landesregierung
                  Weninger u.a. betreffend Anti-                          betreffend    Erweiterung  der
                  Atom-Politik – dieses Stück                             Donau-Universität Krems (Uni-
                  weise ich dem Umwelt-Aus-                               versitätszentrum für Weiterbil-
                  schuss zu.                                              dung) und Ausbau zu einem
                                                                          „Bildungszentrum        Campus
Ltg. 14/A-1/3 -   Antrag mit Gesetzentwürfen der                          Krems“ – dieses Stück weise ich
                  Abgeordneten Mag. Schnee-                               dem Wirtschafts- und Finanz-
                  berger, Weninger, Mag. Fasan,                           Ausschuss zu.
                  Mag. Ram u.a. betreffend Ände-
                  rung des NÖ Parteienförde-                Weiters eingelangt sind die Anfragen:
                  rungsgesetzes und Änderung
                  des Gesetzes über die Förde-              An Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll:
                  rung der Tätigkeit der Landtags-      Ltg. 12/A-4 -     Anfrage   des    Abgeordneten
                  klubs –                                                 Waldhäusl betreffend Infrastruk-
                                                                          turmaßnahmen im Waldviertel.
Ltg. 16/R-1 -     Bericht der Landesregierung be-
                  treffend   Rechnungsabschluss         Ltg. 15/A-4/1 -   Anfrage des Abgeordneten Mag.
                  des Landes Niederösterreich für                         Ram betreffend Donaubrücke
                  das Jahr 2002 -                                         bei Fischamend.

Ltg. 18/B-43 -    Bericht der Landesregierung be-           An Herrn Landesrat Gabmann:
                  treffend die finanziellen Auswir-
                  kungen des EU-Beitrittes für das      Ltg. 22/A-5-2003 - Anfrage   des    Abgeordneten
                  Jahr 2002 -                                              Waldhäusl betreffend neues
                                                                           Einkaufszentrum in Waidhofen/
Ltg. 19/B-32 -    Bericht der Landesregierung be-                          Thaya.
                  treffend Bericht über die Lan-
                  desentwicklung in den Berei-              An Frau Landesrätin Mag. Mikl-Leitner:
                  chen Landeshauptstadt, Regio-
                  nalisierung und Dezentralisie-        Ltg. 24/A-5/1 -   Anfrage    des    Abgeordneten
                  rung 2002/2003 -                                        Waldhäusl betreffend Förderung
                                                                          einer Veranstaltung.
Ltg. 20/B-38 -    Bericht der Landesregierung be-
                  treffend Leasingverbindlichkei-           Die Anfragen wurden an die befragten Regie-
                  ten und Schuldeinlösungen des         rungsmitglieder weitergeleitet.
                  Landes sowie Darlehensauf-
                  nahmen der verschiedenen                  Weiters eingelangt ist die Anfragebeantwor-
                  Fonds 2002 - und                      tung von Herrn Landesrat Gabmann zu Ltg. 22/A-5.

Ltg. 21/B-33 -    Bericht der Landesregierung be-           Ich ersuche nun Herrn Abgeordneten Doppler,
                  treffend NÖ Gemeindeförde-            durch seinen Bericht die Verhandlungen zum Vor-
                  rungsbericht 2002 – diese sechs       anschlag des Landes Niederösterreich für das Jahr
                  Stücke habe ich am 28. Mai            2004, Ltg. 17/V-1, einzuleiten.




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Herr              Jahr 2004 ebenfalls erreicht. Der Gesamtschul-
Präsident! Hohes Haus! Meine sehr geehrten Da-             denstand liegt mit 2,6 Milliarden Euro zwar über der
men und Herren Abgeordnete!                                Größenordnung der Voranschläge 2001, 2002 und
                                                           2003, von denen das NÖ Budgetprogramm aus-
     Als Berichterstatter obliegt mir die Aufgabe,         geht, die Erhöhung von 0,3 Milliarden Euro gegen-
dem Hohen Landtag den Voranschlag des Landes               über 2003 ist jedoch auf die Finanzierung der
Niederösterreich für das Jahr 2004 zur Beratung            Hochwasserhilfe 2002 zurückzuführen. Ohne
und Beschlussfassung vorzulegen. Die Landesre-             Hochwasserfinanzierung bleibt der Schuldenstand
gierung hat gemäß Artikel 29 Absatz 2 der NÖ               programmgemäß stabil.
Landesverfassung 1979 den Voranschlagsentwurf
der Einnahmen und Ausgaben des Landes für das                   Die Einnahmen und Ausgaben steigen gegen-
Jahr 2004 rechtzeitig erstellt. Die Vorlage wurde          über dem Voranschlag 2003 von 4,4 auf 4,6 Milliar-
vom Finanz-Ausschuss eingehend durchgearbeitet.            den Euro. Ohne die Finanztransaktionen liegen
                                                           Einnahmen und Ausgaben über den Annahmen
     Der Aufbau des Landesvoranschlages ent-               des NÖ Budgetprogramms. Der Saldo der laufen-
spricht den Bestimmungen über Form und Gliede-             den Gebarung, das so genannte „öffentliche Spa-
rung der Voranschläge und Rechnungsabschlüsse              ren“, liegt über den Erwartungen, ebenso der Saldo
der Länder, der Gemeinden und von Gemeindever-             der Vermögensgebarung.
bänden.
                                                                Herkunft, Zweckwidmung und Begründung der
     Die bis 2002 im außerordentlichen Teil veran-         einzelnen Einnahmen und Ausgaben sind in den
schlagten Ausgaben überschreiten nach der fast             Erläuterungen ausführlich dargestellt, Änderungen
vollständigen Umstellung auf langfristige Finanzie-        gegenüber dem Vorjahr sind aus der Horizontal-
rungen den normalen Rahmen nicht mehr erheblich            gliederung ersichtlich.
und sind ab 2003 zugleich mit den Einnahmen im
ordentlichen Teil veranschlagt.                                  Zur Durchführung des Landesvoranschlages
                                                           2004 werden wieder alle jene Bestimmungen be-
    Die vertikale Gliederung in Gruppen, Ab-               antragt, die sich schon bisher für den Budgetvollzug
schnitte, Unter- und Teilabschnitte sowie Voran-           als notwendig oder zweckmäßig erwiesen haben.
schlagsstellen erfolgt nach funktionellen, finanzwirt-     Die Änderungen sollen vor allem die Anforderungen
schaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten.             des Österreichischen Stabilitätspakts an die Flexi-
Die horizontale Gliederung stellt die Einnahmen            bilisierung des Budgetvollzugs erfüllen.
und Ausgaben des Voranschlages 2004 den Ein-
nahmen und Ausgaben im Voranschlag 2003 und                     Ich ersuche den Herrn Präsidenten, die Ver-
im Rechnungsabschluss 2002 gegenüber.                      handlungen über den Voranschlag 2004 einzulei-
                                                           ten.
    Die Landesregierung hat den Voranschlag des
Landes Niederösterreich für das Jahr 2004 gemäß                Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
dem Landtagsbeschluss über das „NÖ Budgetpro-              der Finanzreferent des Landes Niederösterreich,
gramm 2001 – 2004“ erstellt.                               Herr Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka.

    Als erste Zielsetzung des NÖ Budgetpro-                     LR Mag. Sobotka (ÖVP): Sehr geehrter Herr
gramms für das Jahr 2004 ist ein Haushaltsüber-            Präsident! Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!
schuss von 329,281.000 Euro als „Maastricht-Er-            Werte Kollegen der Landesregierung! Hoher Land-
gebnis“ vorgegeben. Dieser Wert wird gemäß                 tag! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Österreichischer Stabilitätspakt 2001, Art. 3, den
veränderten Rahmenbedingungen – neue Volks-                     Die Landtagswahlen 2003 sind längst hinter
zahl und aktuelle BIP Prognose – angepasst. Der            uns und das Haus Niederösterreich wurde neu
Stabilitätsbeitrag Niederösterreichs für das kom-          bestellt. Die Niederösterreicherinnen und Nieder-
mende Jahr beträgt demnach 320 Millionen Euro.             österreicher haben ihre Wahl getroffen. Ein klares
Dieses Ergebnis hält auch für die Landesebene              Votum ergibt auch klare Verantwortlichkeiten. Und
einschließlich der selbstständigen Landesfonds, da         so gilt es heute wie gestern, Verantwortungsbe-
die Ergebnisse der Fonds im Jahr 2004 nicht                wusstsein und die Liebe auch zum Land zu zeigen,
schlechter ausfallen dürfen als im maßgebenden             Achtung seinen Mitmenschen entgegenzubringen
Vergleichsjahr 2000.                                       und auf die Leute zuzugehen. Mit einem klaren
                                                           Blick auf die Herausforderungen der Zukunft und
    Das zweite Ziel des NÖ Budgetprogrammes,               mit einem offenen Herzen auf die Sorgen, auf die
den Schuldenstand zu stabilisieren, wird für das           Wünsche, auf die Anliegen unserer Mitbürger zu




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reagieren. Das sind die Eckpfeiler unserer Politik          gung dreht liegt auf der Hand und ist selbstver-
der Vergangenheit, das werden die Eckpfeiler un-            ständlich.
serer Politik in der Zukunft sein in diesem Land, so
wie es die Art unseres Landeshauptmannes prägt,                  Meine sehr geehrten Damen und Herren Ab-
gefordert hat und getragen hat.                             geordnete! Niederösterreich in dieser Zeit nachhal-
                                                            tig zu stärken ist unser aller Ziel. Niederösterreich
      Das Budget 2004 ist verhandelt, die Zahlen-           in dieser Zeit als Insel der Menschlichkeit zu si-
matrix liegt vor Ihnen, die Schwerpunkte sind ge-           chern ist unser aller Anliegen. Und Niederösterreich
setzt und der Blick ist in die Zukunft gerichtet. Alles     in dieser Zeit dauerhaft die Chancen zu eröffnen ist
in einer äußerst knappen und kurzen Zeit. Und die           unsere Pflicht. Chancen im noch größer werdenden
Kompetenz und die Erfahrung der Vergangenheit,              Wettbewerb und Chancen in diesem neuen Europa.
die Vorsicht und die Sorgfalt, aber auch die Solida-
rität und die Solidität waren unsere Begleiter in                Zwei Tage lang dreht sich nun alles um das
diesen Verhandlungsrunden. Und dafür darf ich               Landesbudget 2004, um Euro und Cent. Tatsäch-
mich vorab schon recht herzlich bedanken.                   lich geht es aber in dieser Budgetdebatte um den
                                                            Weg Niederösterreichs ins nächste und in die
     Wir leben heute sicherlich in der spannendsten         nächsten Jahre. Es geht unter anderem um unser
Zeit seit 1945. Jahrzehntelang war Niederösterreich         hoch gestecktes Ziel, Erweiterungsgewinner Num-
im Schatten des Eisernen Vorhanges gestanden.               mer 1 zu werden. Angesichts dieser Perspektiven
Und nun auf die Minute genau in 7.680 Stunden               darf die Auseinandersetzung mit dem vorliegenden
oder 320 Tagen ist es soweit: Die größte Erweite-           Budget nicht den großen Bogen aus den Augen
rung in der Geschichte der Europäischen Union               verlieren. Sacharbeit ist angesichts der gegenwärti-
steht vor der Tür und wird Wirklichkeit. Am 1. Mai          gen und künftigen Aufgaben sicherlich das Wich-
2004 werden zu den bereits bestehenden 15                   tigste. Und um diese Sachlichkeit, die in den letzten
Staaten in der Europäischen Union mit ihren 366             Jahren stets die Budgetdebatte geprägt hat, darf
Millionen Einwohnern 10 weitere Länder beitreten            ich Sie auch heuer wieder ersuchen. Kritik im posi-
mit 75 Millionen Einwohnern. Niederösterreich ist           tiven Sinn, die sich an der Sach- und Problemlage
dann mit seiner 414 Kilometer langen Außengrenze            orientiert, dient der Zukunft unseres Landes. Kritik,
nicht mehr länger Schnittstelle zwischen der Euro-          die nur für die nächste Schlagzeile gedacht ist,
päischen Union und den Beitrittsländern, sondern            bringt das Land aber von der Überholspur auf die
im Herzen Europas geografischer Mittelpunkt.                Bremsspur. Das werden wir nicht zulassen. Denn
                                                            im Spannungsfeld zwischen der europäischen Er-
     Und keine zweite Region ist auf diesen Tag, ist        weiterung und der schwierigen internationalen
auf dieses Ereignis so gut vorbereitet wie Nieder-          Konjunkturlage bewegt sich das NÖ Budget 2004
österreich. Für kein anderes Land ist aber auch das         tatsächlich, trotz aller widrigen Rahmenbedingun-
Risiko so groß und die Möglichkeiten so vielfältig          gen, eindeutig auf der Überholspur.
und so nah. Durch diese historische Chance mit
allen damit verbundenen großen Herausforderun-                   Lassen Sie mich daher, meine sehr geehrten
gen für unsere gemeinsame Zukunft, und ganz                 Damen und Herren, die wesentlichsten Rahmenbe-
besonders für das Jahr 2004, soll Niederösterreich          dingungen, unter welchen das Landesbudget 2004
aber nicht nur geografischer, sondern umso mehr             erstellt wurde, kurz ansprechen. Es ist dies erstens
auch politischer, wirtschaftlicher, ökologischer und        der zu erwartende Mindereintrag der Abgabener-
sozialer Drehpunkt im neuen Europa werden.                  tragsanteile und der schon beschlossenen Steuer-
                                                            reform. Zweitens ist das sicherlich das wirtschaftli-
     Dazu, glaube ich, müssen wir die Rahmenbe-             che konjunkturelle Umfeld. Drittens sind es jene
dingungen abstecken, die Möglichkeiten ausloten             Vorgaben, die aus dem externen Bereich kommen
und unsere Gelegenheiten beim Schopfe packen.               und die nicht von uns wirklich steuerbar sind. Und
Die Schnelligkeit der Entscheidungen ist gefragt um         viertens ist es die Naturkatastrophe des vergange-
an der Spitze zu sein. Die Slowakei, Tschechien,            nen Sommers, die vorab anzusprechen sind.
Ungarn, auch alle anderen Länder, sie sind uns
sehr wohl gesonnen. Sie kennen auch längst den                  Zum Ersten: Das Finanzministerium hat uns in
Markt, sie kennen aber auch ihren Marktwert und             seiner Prognose für die Jahre 2003 und 2004 mit-
es wird an uns liegen, schnell anzudocken, weitere          geteilt, die natürlich auch die konjunkturelle Lage
Kooperationen einzugehen, die Beziehungen auf               widerspiegelt, dass die aktuellen Steuerschätzun-
allen Ebenen zu vertiefen und Brücken zu schla-             gen für 2004 Mindereinnahmen im Gesamten von
gen. Und so werden aus den Grenzen von gestern              etwa 108 Millionen Euro bringen. Ein derartiger
die Brücken von heute. Und dass sich daher im               Einnahmenrückgang, verteilt auf zwei Jahre - 2003
kommenden Jahr alles um diese Wiedervereini-                sind es 70, 2004 sind es noch einmal 38 Millionen -




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war bisher so lange wir hier auch zurück denken          Jahr 2003 erwarten wir dort ein Wachstum von
können in diesem Haus noch nie zu verzeichnen            etwa 2,5 Prozent und 2004 von 3 Prozent.
gewesen. Also durchaus eine sehr heikle Aus-
gangsposition, wenn Sie bedenken, dass die Ab-                Die NÖ Wirtschaft kann sich natürlich grund-
gabenertragsanteile ja ein Drittel des Landesbud-        sätzlich von diesen europäischen und weltweiten
gets ausmachen.                                          Trends nicht absetzen und abkoppeln. Dennoch
                                                         gelingt es, diese Entwicklung etwas günstiger zu
     Zum Zweiten: Die konjunkturelle Lage, die           steuern. Und das gilt insbesondere für die Be-
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. In Europa            triebsansiedlungspolitik und die Arbeitsmarktpolitik.
gibt es derzeit keine nennenswerte Anzeichen für         Der Landeshaushalt versucht daher gerade in die-
einen stärkeren Konjunkturaufschwung. Die Umfra-         sen Bereichen die expansiven Kräfte zu verstärken
geergebnisse zeigen bei allen, Österreich ebenso         um die nachhaltige Wirkung der gesamtwirtschaftli-
wie in der EU, nur eine sehr leichte Aufwärtsten-        chen Situation möglichst gering für das Land Nie-
denz. Auch die Wirtschaftsforscher sind sich inzwi-      derösterreich zu halten.
schen einig dass sie mit ihren Prognosen vorsichti-
ger werden.                                                   Die Lage auf dem niederösterreichischen Ar-
                                                         beitsmarkt hat sich im Mai auf Grund zahlreicher in
     Das Ende des Irak-Krieges hat zwar große Un-        Umsetzung betroffener Aktivitäten und Arbeits-
sicherheiten beseitigt, die Rohölpreise sind gefal-      marktprojekte stabilisiert. Trotz der anhaltenden
len, die Aktienkurse haben sich etwas erholt. Je-        Konjunkturschwäche ist in Niederösterreich die
doch wegen der wirtschaftlichen Risken und des           Zahl der unselbständig Erwerbstätigen auf 529.577
Mangels an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage sind         gestiegen. Wir nähern uns also bald wieder der
kurz nach dem Ende der Militäraktionen noch keine        530.000-Marke. Das sind um 4.733 mehr als im
eindeutigen Aufwärtstendenzen erkennbar. Vor             Vormonat April und auch noch immer um 3.775
allem der Vertrauensverlust in die Finanzmärkte          mehr als im Mai des Vorjahres. Bei den Zahlen der
dämpft die Erwartungen und beeinträchtigt das            vorgemerkten Arbeitslosen haben wir Gottseidank
Wirtschaftswachstum. Dazu kommt, dass die japa-          ein Minus von 8,1 Prozent gegenüber dem Vormo-
nische Wirtschaft sich von ihrem schon lange an-         nat zu verzeichnen, also einen deutlichen Rück-
dauernden Tief nicht erholen kann. Und auch von          gang. Und im Vergleich zum Vorjahr beträgt er ein
Deutschland, der langjährigen Konjunkturlokomo-          Plus von 1,6. Bei den über 50-Jährigen ist genauso
tive Europas, gehen keine Impulse aus.                   ein Rückgang festzustellen wie auch bei den 19-
                                                         bis 25-jährigen Arbeitslosen ein 3,9 prozentiger
      Die österreichische Wirtschaft wird nach dem       Rückgang zu verzeichnen ist.
schwachen Wachstum im Jahr 2001 und 2002 auch
heuer etwa nur real um 1 Prozent zunehmen. Das               Ich führe das auch deshalb so genau aus, weil
liegt im EU-Schnitt und ist etwas mehr als die deut-     es, glaube ich, wichtig ist, weil diese Zahlen auch
sche. Es ist auch ein einmaliges Phänomen dass           immer wieder verwendet werden um im globalen
über drei Jahre hinweg bereits das Wachstum nicht        Kontext das eine oder andere unter anderem Licht
mehr als dieses eine Prozent ausmacht. Für 2004          erscheinen zu lassen. Ich glaube, dass wir während
prognostiziert das WIFO und auch die anderen             in Österreich die Arbeitslosigkeit auf 3,4 Prozent
Institute, an denen wir uns immer wieder bei der         gewachsen ist vom Mai des Vorjahres in Nieder-
Erstellung des Budgets auch dementsprechend              österreich mit 1,6 Prozent Wachstum, also um we-
orientieren, ein Wachstum von 1,7 Prozent. Aber          niger als die Hälfte im Bundesdurchschnitt, dass
das ist doch merklich weniger als man früher ange-       das zeigt, dass unsere Maßnahmen zur Bekämp-
nommen hat und noch weit unter dem langjährigen          fung der Arbeitslosigkeit frühzeitig gesetzt worden
Durchschnitt. Nur die Exporte steigen und ver-           sind und nachhaltig auch greifen. (Beifall bei der
zeichnen ein hohes Wachstum. Sie werden heuer            ÖVP.)
um 4,5 und im Jahr 2004 um über 7 Prozent wach-          Diesen Weg werden wir in der Zukunft auch konse-
sen.                                                     quent und punktgenau fortsetzen.
     Unseren österreichischen Unternehmen ist es
gelungen, und speziell den niederösterreichischen,            Trotz dieses Silberstreifs am Horizont wird es
ihre Exporte auf die EU-Beitrittsländer zu verlagern     ein zusätzliches Maßnahmenpaket am Arbeitsmarkt
und von deren guter wirtschaftlichen Entwicklung         geben, insbesondere für jüngere und ältere Arbeit-
auch zu profitieren. Die Beitrittsländer sind sowohl     nehmer. Insgesamt sollen wir etwa an die 1.500
in den letzten Jahren als auch heuer rascher ge-         Arbeits- und Ausbildungsplätze neu schaffen, wie
wachsen als die europäischen Kernländer. Und             zum Beispiel in der Implacement-Stiftung und auch
diese Tendenz wird sich auch 2004 fortsetzen. Im         im Rahmen der Pröll-Prokop-Jobinitiative.




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    Die dritte Belastung bei der Erstellung des            Organisationen, die den Mitmenschen äußerst
Budgets betrifft die Mehrausgaben, die nicht zu            kompetent und einsatzbereit geholfen haben. Auch
beeinflussen sind wie eben die Erhöhung der                jenen, die offenherzig ihre Geld- und Sachspenden
Beamtengehälter oder die Erhöhung im Sozial- und           übermittelt haben. Und wir sind stolz auf unsere
Gesundheitsbereich von insgesamt über 50 Millio-           Familie Niederösterreich! (Beifall bei der ÖVP.)
nen Euro, die sich unter anderem auch aus der
demografischen Entwicklung unseres Bundeslan-                   Diese Familie Niederösterreich hat durch ihren
des ergeben.                                               Einsatz und ihre Hilfsbereitschaft Gemeinschaft und
                                                           Solidarität bewiesen und damit einmal mehr Nie-
      Und viertens, aber nicht zuletzt, ist die Natur-     derösterreich als eine wirklich gelebte Insel der
katastrophe zu nennen. Die Naturkatastrophe des            Menschlichkeit ausgezeichnet. Diese Familie hat in
vergangenen Sommers. Diese Sintflut, die im letz-          dieser Situation ihre Stärke gezeigt. Diese Stärke
ten Jahr über Europa hereinbrach, zeigt allzu deut-        hat sich darin gezeigt, gemeinsam anzupacken,
lich, der Naturgewalt des Wassers ist der Mensch           schnell direkte Hilfe zu leisten und rasch und unei-
ausgeliefert. Schicksale wie etwa im Kamptal ha-           gennützig zu helfen. Und sie hat sich an den Satz
ben sich bei uns tief in den Bildern eingegraben.          gehalten: Es gibt nichts Gutes außer man tut es.
Diese Bilder werden wir nicht mehr los und sie wer-        Und solche Leute braucht das Land!
den auch wesentlich unsere Gedanken bei der
Landesentwicklung mitprägen.                                   Hohes Haus! Das war eine Darstellung der
                                                           schwierigen Ausgangssituation für die Erstellung
     Daher: Es ist nicht alles machbar, es ist nicht       des Budgets. Aber eine effiziente und verantwor-
alles lösbar und es ist nicht alles schützbar. Der         tungsvolle Budgetpolitik und Finanzpolitik heißt
Mensch ist nicht Herr über die Natur, er ist ein Teil      auch, unter solchen Rahmenbedingungen ein or-
von ihr. Und ich denke, der Respekt vor der                dentliches Budget erstellen zu können.
Schöpfung heißt auch, ihr Raum zu geben. Ihre
Lösungen zu akzeptieren und uns als Teil von ihr               Vor den Zahlen aber kommen auf alle Fälle die
zu begreifen und uns einzugliedern.                        Werte, die Inhalte, die sich dann in den verschie-
                                                           densten Zielen formulieren lassen. Und so geht es
     Es waren und sind tausende Menschen von               in diesem Budget in aller erster Linie um die
dieser Flutkatastrophe betroffen und unzählige             Grundsätze einer intensiven Vorbereitung auf die
Gebäude und agrarische Flächen beeinträchtigt.             europäische Erweiterung. Es geht um eine Optimie-
Der Gesamtschaden in Niederösterreich hat über 3           rung der Standortqualität. Denn wenn sich zusätzli-
Milliarden Euro ausgemacht.                                che junge Unternehmer, zusätzliche Familien in
                                                           Niederösterreich niederlassen, dann ist das das
     Unser Landeshauptmann hat hier eines klar             beste Zeugnis für eine Standortqualität. Es geht
unter Beweis gestellt: In Niederösterreich verliert        darum, eine weitere Attraktivierung des Wirt-
man keine Zeit. Rasche und unbürokratische Hilfe           schaftsstandortes Niederösterreich voranzutreiben.
war angesagt. Und Niederösterreich hat sofort 525          Denn nur dadurch ist der Wohlstand zu erhalten. Es
Millionen Euro als Hochwasserhilfe bereit gestellt.        geht um einen verstärkten Ausbau der Infrastruktur
Und unter der straffen Führung unseres Landesra-           gerade auf Grund der komplexen Probleme mit der
tes Kollegen Dipl.Ing. Plank wurde auch bei der            europäischen Erweiterung. Und es geht um eine
Schadensabrechnung und der Auszahlung kein                 Stärkung und Weiterentwicklung dieser Landes-
Zeitverlust geduldet. Diese enorme Belastung hat           identität.
sicherlich ihre Spuren hinterlassen im Schul-
denstand des Haushaltes. Wir konnten einen gro-                 In einem Europa der Regionen ist gerade die-
ßen Teil aus eigener Kraft durch innere Anleihen           ses Selbstverständnis und auch dieses Selbstbe-
abdecken und für einen geringeren Teil mussten             wusstsein enorm wichtig um auch in diesem Wett-
wir wohl oder übel auch Schulden aufnehmen. Wie            bewerb bestehen zu können. Und daher braucht
der in der nächsten Sitzung zu beschließende               dieses Land Spielraum für Projekte und Initiativen.
Rechnungsabschluss 2002 zeigen wird, stiegen               Denn es ist notwendig in diesem Land eine nach-
dadurch die Maastricht-relevanten Bankschulden             haltige Umweltpolitik zu führen und notwendig, ein
um 65 Millionen Euro.                                      Land mit Zukunft zu haben wo Bildung und For-
                                                           schung die wichtigsten Ressourcen darstellen. Das
    Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal           sind, meine Damen und Herren, die Schwerpunkte
kurz innehalten und nicht darauf vergessen, ein            für morgen. Die Eckdaten des Haushaltsvorschla-
herzliches Dankeschön an alle zu richten. Ein              ges 2004 klingen dagegen nüchterner: Ausgaben
Danke an die unzähligen Freiwilligen, von Privat-          von 4,61 Milliarden Euro, gegenüber dem Voran-
personen über Vereine und Firmen bis zu jenen              schlag 2003 eine Steigerung von 145 Millionen




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


oder 3,26 Prozent. Dem stehen Einnahmen in der            so haben wir diese zwei Zielsetzungen des Bud-
Höhe von 4,55 Milliarden Euro gegenüber. Das ist          gets, die uns vorgegeben sind, auch überdeutlich
ein Plus gegenüber dem Voranschlag von 2003               erfüllt.
von 146 Millionen Euro oder 3,32 Prozent. Daraus
resultiert der Bruttoabgang von 63,8 Millionen, ein            Ein Staatspolitiker, der auch an einer Zeiten-
geringfügiges Minus. Zieht man die Schuldentilgung        wende gestanden ist, Francis Bacon, hat einmal
ab, dann kommen wir zu einem geringfügigen                gesagt: „Der Wege, sich zu bereichern, deren gibt
Überschuss von 453.000 Euro. Das zweite Mal               es viele. Der erfolgreichste ist die Sparsamkeit.“ Die
dass wir einen Netto-Überschuss erzielen.                 Sparsamkeit, glaube ich, trifft im besonderen Maße
                                                          auf die Budget- und Finanzpolitik des Landes zu.
    Und wir schätzen ganz einfach das alte russi-         Diese mit Erfolg praktizierte Politik erfuhr durch das
sche Sprichwort: Schulden werden erst dann                aktuelle Rating eine große Bestätigung. Das Land
schön, wenn man sie bezahlt. Unsere Politik des           Niederösterreich hat vom weltweit größten Anbieter
Finanzschuldenabbaus, die wir seit Jahren betrei-         von Finanzanalysen von „Standard & Poor’s“ ein
ben, wird konsequent fortgesetzt. Und 2004 werden         AA+ bekommen. Ich darf das frei heraus sagen, wir
wir die Maastricht-relevanten Bankschulden des            sind sehr stolz auf dieses Rating.
Landes auf einen Stand von 748 Millionen Euro
gesenkt haben. Das ist eine Senkung von 1996                  Das Rating wird gestützt durch eine solide, fi-
gerechnet um sage und schreibe 40 Prozent.                nanzielle Proformance, ein moderates Schuldenni-
                                                          veau im nationalen und internationalen Vergleich
     Und auf Grund der Finanzierung der Hochwas-          und eine wachsende Diversifizierung der Wirt-
serschäden aus dem Jahr 2002, die noch nach-              schaftsstruktur mit niedriger Arbeitslosigkeit und
wirkt, stiegen die inneren Anleihen. Hätten wir keine     überdurchschnittlichem Wachstum. So Standard &
Hochwasserschäden, so wäre unser Schulden-                Poor’s.
stand ein deutlich geringerer. Das zeigt sich auch in
der Pro-Kopf-Verschuldung, die konsequent seit                 Für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich
diesen Jahren gefallen ist von 880 Euro auf nun-          ist das, glaube ich, eine Auszeichnung. Eine
mehr 615 Euro im Jahr 2002. Und auch dort gilt es:        Chance zugleich und ein sehr gutes Zeugnis für
Hätten wir nicht die Hochwasserkatastrophe zu             den niederösterreichischen Landeshaushalt im
finanzieren, lägen wir heute bei 542 Euro pro Kopf.       Allgemeinen und für die Bonität des Landes im
Und auch das entspricht einer Senkung um 40               Speziellen. Diese Positivmeldung unterstreicht aber
Prozent.                                                  auch sehr deutlich, dass Niederösterreich ein guter
                                                          und attraktiver Wirtschaftsstandort ist, unsere Un-
     Hohes Haus! Dieser Voranschlag 2004 hat ne-          ternehmer und ihre Mitarbeiter hervorragende Ar-
ben dem Abbau der Schulden auch ein gutes                 beit leisten und Niederösterreich im Kreise der Eu-
Maastricht-Ergebnis erbracht. Anders gesagt, die          ropäischen Regionen zu den Besten gehört.
Erbringung des niederösterreichischen Anteils am
Maastricht-Ergebnis der Republik Österreich. Denn             Dies wird nicht zuletzt durch die Ansiedlungen
nach den Regeln des europäischen Systems der              immer wieder von renommierten Unternehmen
volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, also ohne           bestätigt. Dieses Rating macht Niederösterreich,
die genannten Finanztransaktionen wie Darlehen            glaube ich, aber als Wirtschaftsstandort vor allem
und so fort müssen wir einen dementsprechenden            auch international attraktiv. Und das ist, glaube ich,
Überhang erzielen. 2004 haben wir einen Über-             von kommender Bedeutung gerade im Lichte der
hang wie prognostiziert und wie gefordert von 320         europäischen Erweiterung.
Millionen Euro erbracht.
                                                               Durch die Schaffung eines eigenen Erweite-
    Wir erfüllen damit nicht nur die Vorgaben des         rungsreferates unter der Führung von Frau Mag.
Stabilitätspaktes, sondern auch unser eigenes             Mikl-Leitner glaube ich ist Niederösterreich in der
Budgetprogramm das wir 2001 verabschiedet ha-             Lage, weiterhin mit Kompetenz die sich bietenden
ben, das für den Zeitraum 2001 bis 2004, also der         Chancen der Erweiterung aufzugreifen und zum
Periode des Finanzausgleiches, gilt.                      Wohle und zum Nutzen des Landes und der Bevöl-
                                                          kerung umzusetzen.
     Heute können wir rückblickend dabei feststel-
len, wir haben einerseits unsere paktierten Haus-              Ich glaube, die Mitglieder der EU sind Natio-
haltsüberschüsse immer erbracht, andererseits den         nalstaaten, doch die Regionen gewinnen zuneh-
Gesamtschuldenstand stabil gehalten, die Finanz-          mend an Bedeutung. Und vor allem jene Regionen
schulden drastisch gesenkt und die Maastricht-            die in der Lage sind, Brücken zu bauen. Diese po-
relevanten Schulden sogar deutlich reduziert. Und         sitive Entwicklung der NÖ Wirtschaftsparks an den




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Grenzen zu unseren östlichen Nachbarn zeigt das          die Zukunft vor. Das Budget - schon angesprochen
schon heute. Und die Trümpfe unseres Wirt-               - braucht auch den nötigen Spielraum um auf kurz-
schaftsstandortes stechen: Schnelle und effiziente       fristige Ereignisse initiativ reagieren zu können.
Verwaltung, bestens ausgebildete Arbeitnehmer,
gute leistungsfähige Infrastruktur, zahlreiche soft          So bedeutet für uns ein Weniger an Schulden
Facts unter Führung eines kompetenten Landes-            auf der einen Seite ein Mehr an Initiativen auf der
rates.                                                   anderen Seite. Und für heuer, für 2004 und für die
                                                         kommenden Jahre heißt das, dass das Nulldefizit
     Der hervorragende Einsatz, den die Nieder-          kein Selbstzweck ist. Das Nulldefizit schafft den
österreicherinnen und Niederösterreicher leisten         Spielraum, und um diesen geht es. Und daher hei-
und die gute Arbeit des Landes addieren sich somit       ßen die Zukunftsinitiativen für das Land zusammen
und führen zu diesem Rating von Standard &               gefasst auf der einen Seite eine verstärkte Orientie-
Poor’s. Und diese gute Bilanz verdanken wir ganz         rung und Positionierung im Rahmen der europäi-
einfach dem Grundsatz, wir gestalten die Chancen,        schen Erweiterung und auf der anderen Seite eine
wir wollen nicht die Mängel verwalten.                   Positionierung Niederösterreichs als Insel der
                                                         Menschlichkeit.
     Die Menschen haben aus diesen Regionen,
gerade die besonders gefordert sind, das Beste                Gemeint ist damit der Weg auf der einen Seite
gemacht. Die Politik hat die Rahmenbedingungen           nach Europa in eine größere Region hinein und auf
dafür zu bieten. Und wir haben die Aufgabe, es           der anderen Seite unser eigener Weg in Nieder-
gemeinsam zu tun. Oft angesprochen, nun ist es           österreich. Lassen Sie mich bei diesem ersten
amtlich: Das beste und positivste Volkszählungser-       Punkt Europa beginnen. Die Kontakte, die Partner-
gebnis das wir je hatten. Niederösterreich ist um        schaften sind die Verbindungen von morgen. Wer
75.000 Mitglieder in der Familie Niederösterreich        heute die Allianzen schmiedet und sie festigt, hat in
größer geworden. Es ist gewachsen. Erstmal offi-         der Zukunft ein funktionierendes Netzwerk und wird
ziell die Grenze von 1,5 Millionen überschritten.        morgen davon profitieren. Und das hat Niederöster-
1,550.000 Niederösterreicherinnen und Nieder-            reich, glaube ich, sehr sehr frühzeitig erkannt. Und
österreicher wohnen hier, fassen Niederösterreich        wir wollen dem Land eine noch stärkere Stimme
als ihre Heimat auf. Das sind im Bundesländerver-        geben. Eine Stimme, die national und international
gleich 4,9 Prozent. Der höchste Zuwachs in der           gehört wird und die auch ein Mehr an Gewicht be-
Ostregion. Wien nimmt nur knapp 10.500 weitere           deutet. Vor fünf Jahren haben wir mit dieser Vorbe-
Personen auf. Das zeigt die Potenz dieses Landes.        reitung auf die europäische Erweiterung begonnen
Und Niederösterreich hat damit den absolut               und ein Fitnessprogramm für Niederösterreich ge-
höchsten Zuwachs aller Bundesländer. Dieses              startet um die Grenzregion zu stärken. Bis heute
erfreuliche Ergebnis bringt Niederösterreich natür-      haben wir rund 150 Fitnessprojekte gefördert, regi-
lich auch finanziellen Gewinn. 22,8 Millionen Euro       onale Impulsprojekte unterstützt und so rund 450
für das Land, 15,3 Millionen Euro für die Gemein-        Millionen Euro investiert.
den. In Summe letzten Endes unter dem Strich 38
Millionen Euro mehr in Niederösterreich.                      Das hat auf jeden Fall dazu beigetragen, die
                                                         Standortqualität deutlich zu heben. Landeshaupt-
     Und dieses positive Ergebnis, ein Plus von 4,9      mann Dr. Pröll war es, der visionär eine eigenstän-
Prozent, bei der Volkszählung 2001 wird letzten          dige, eine eigene Landesaußenpolitik formuliert und
Endes auch so zu werten sein, dass wir es als            geprägt hat. Vor zehn Jahren noch etwas skeptisch
Kompliment auffassen können. Wir können daher            betrachtet, hat sich heute das Europaforum
mit Fug und Recht behaupten, unser Land hat eine         Wachau als Schrittmacher und Impulsgeber für
enorme Anziehungskraft. Niederösterreich wird als        mitteleuropäische Zukunftsfragen etabliert. Nieder-
eine Region gesehen, wo das wirtschaftliche Klima        österreich als einen Treffpunkt europäischer Top-
und die Lebensqualität stimmen. Als Region, die          Politiker positioniert und daraus resultierend die
der Jugend die bestmöglichen Chancen eröffnet,           Arbeitsübereinkommen mit Tschechien und auch
den Arbeitnehmern zukunftsträchtige Arbeitsplätze        der Slowakei vereinbart.
bietet und der älteren Generation Sicherheit und
Geborgenheit. Die kulturelle Vielfalt wird ebenso            Niederösterreich hat dank der Leistungen sei-
anerkannt wie der hohe Freizeitwert in einer intak-      ner Unternehmer und der Politik des Landeshaupt-
ten Umwelt.                                              mannes einen guten und klingenden Namen in
                                                         Europa. Wäre es sonst vorstellbar, dass die Präsi-
     Hohes Haus! Das Budget dieses Landes erfüllt        dentin der Versammlung der Regionen Europas
eine Vielzahl von Funktionen. Es ist der Rahmen          Liese Prokop hieße? Wäre es sonst vorstellbar,
für die tägliche Arbeit und es gibt die Richtung für     dass wir den „Award of Exzellence“ überreicht




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


bekommen hätten? Und wäre es sonst vorstellbar,            spielsweise im Bereich des Wassers, des Abwas-
dass Niederösterreich zu den besten 22 Regionen            sers, der CO2-Reduktion, der Verwendung von
Europas für innovative Gründer gezählt worden              alternativen Energien. Und daher sind unsere intel-
wäre? Ich glaube, wir sind gut auf diese europäi-          ligenten Lösungen von heute die Exportschlager
sche Erweiterung vorbereitet. Wir müssen uns je-           von morgen.
doch auch in der Zukunft durchsetzen.
                                                                Kein Euro darf in Brüssel liegen bleiben heißt
     Wir wollen uns keineswegs auf unsere Lorbee-          aber auf der anderen Seite auch, dass wir uns ge-
ren ausruhen – im Gegenteil. Sie sollen uns an-            nau anschauen müssen die finanziellen Auswirkun-
spornen, neue zu verdienen. Und daher haben wir            gen der Mitgliedschaft bei der Europäischen Union.
dieses NÖ Fitnessprogramm um weitere fünf Jahre            Und so ist es ganz klar, dass jeder Euro mal drei
verlängert. Bis 2008 stellen wir jährlich 14,5 Millio-     eigentlich gezählt werden muss. Niederösterreich
nen Euro zur Verfügung und das zur intensiven              ist nach wie vor ein Nettogewinner. Es fließen ein
Stärkung unserer Grenzregionen zur Förderung der           Euro nach Brüssel und drei retour. Und das sollte
Impulsprojekte. Wir wollen zu diesen Top-Regionen          immer wieder auch sehr deutlich angesprochen
Europas zählen, eine europäische Musterregion              werden.
werden und die Erweiterungsgewinner Nummer 1
sein. Und daher wird in Niederösterreich in den fünf            Die höchste Standortqualität für Niederöster-
Jahren nicht nur die Schnittstelle zwischen dem            reich ist deshalb so wichtig, weil nicht nur die Men-
stabilen, alten Europa und dem dynamischen                 schen und Unternehmen konkurrieren, sondern weil
neuen Europa sein, es wird seinen Standort in              die Regionen weltweit untereinander im Wettbe-
Europa so zu sichern haben, dass im Wettbewerb             werb stehen. Und dieser Wettbewerb ist nur dann
mit den neuen Mitgliedstaaten wir erfolgreich              zu gewinnen und für sich zu entscheiden, wenn der
punkten können. Zum Nutzen unserer Landsleute              Einzelne sich darin auch verwirklichen kann. Des-
für eine gesicherte Friedenspolitik und für eine ge-       halb brauchen wir diese Standortpolitik, deshalb
sicherte Wirtschafts- und Wohlstandspolitik.               brauchen wir diese Arbeitsmarktpolitik um neue
                                                           Arbeitsplätze zu schaffen und zusätzlich Arbeit in
     Niederösterreich auf diesem Weg zum Erweite-          das Land zu bringen.
rungsgewinner Nummer 1 zu führen bedeutet aber
auch, dass kein Euro in Brüssel liegen bleiben darf.            Erleichtert wird diese arbeitsplatzschaffende
Das war der Anspruch, den wir bei der Aus-                 Standortpolitik durch gezielte Investitionen in die
verhandlung der europäischen Regionalförderung             Verkehrsinfrastruktur. Moderne Verkehrswege, sei
bei dem Beitritt zur Europäischen Union uns gestellt       es auf der Straße, auf der Bahn, sei es in der Luft
haben. Das war aber das Ziel, das wir genau heute          oder am Wasser, sind lebenswichtig für unsere
auch erreicht haben und auch morgen so beibe-              Regionen und eine ausgeglichene – und darauf ist
halten werden. Ich glaube, Niederösterreich ist in         Wert zu legen – eine ausgeglichene Landesent-
Sachen Projektmanagement eindeutig Spitzenreiter           wicklung. In den vergangenen Jahren wurden ins-
unter den Positionen der Bundesländer. Es nützt            gesamt 1,8 Milliarden Euro in die Verkehrsinfra-
die Mittel optimal, es ruft sie ab.                        struktur Niederösterreichs investiert und im Hinblick
                                                           auf die Erweiterung ist noch ein weiterer Gang zu-
     Ein Beispiel: 70 Prozent der INTERREG-Mittel          zulegen. Und so wird die Qualität des Standortes
sind bereits abberufen und zeigen, dass wir die            weiter steigen. In den kommenden Jahren sind
Programmperiode 2000 bis 2006 sehr offensiv an-            daher Baumaßnahmen in der Höhe von 2,2 Milliar-
gehen. Die Zusammenarbeit, die grenzüberschrei-            den Euro vorgesehen.
tende Zusammenarbeit mit Tschechien, der
Slowakei und Ungarn wird auch sehr deutlich von                So ist es im Bereich des Straßenbaus, der
Brüssel als äußerst positiv angesehen. Niederöster-        Ring rund um Wien, Ihnen bekannt die Nordauto-
reich hat letzten Endes dadurch bewiesen, dass es          bahn als wichtige Anbindung an den Raum Brünn,
in einer äußerst exponierten Lage in der Lage ist,         mit der Nordostautobahn, einer Anbindung an den
auch erfolgreich Projekte auf die Beine zu stellen.        Raum Bratislava. Auf der Schiene der Ausbau der
Denken Sie nur an das Besucherzentrum im Natio-            Westbahn, die S2 von Wien nach Wolkersdorf,
nalpark Thayatal. Denken Sie an das Kommunika-             nach Laa. Und vor allem Park and Ride-Anlagen
tionszentrum in Zistersdorf, an verschiedene Frei-         zum leichteren Umstieg von der Straße auf die
zeitinfrastrukturen   wie     Mountainbikestrecken.        Schiene. Aber auch die wichtige Anbindung an den
Wichtig dabei ist das Engagement der Leute vor             Korridor V, der den Norden Europas mit den Adria-
Ort. Das Engagement, das die Projekte zum Leben            häfen verbindet, ist für uns und muss für uns eines
bringt. Zudem wird Niederösterreich Know-how in            der wichtigsten Anliegen sein. Erreicht wird diese
die östlichen Nachbarländer transferieren. Bei-            Standortpolitik nicht nur durch die verkehrsmäßige




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Infrastruktur, sondern natürlich auch durch eine           Familien mit geringem Einkommen Tagesmütter
technologische Infrastruktur, der wir jährlich Millio-     leisten, Kinderhorte und Kindergruppen besuchen.
nen zur Verfügung stellen.                                 Und noch immer ist Niederösterreich das einzige
                                                           Bundesland das den Kindergarten als die wichtigste
     Darunter fallen auch die Ausgaben für die lau-        Bildungseinrichtung in der kindlichen Entwicklung
fenden, aber auch für die neuen hinzukommenden             den Eltern am Vormittag kostenlos zur Verfügung
Technologieprojekte wie die Beteiligung an Kom-            stellt. Und für die Nachmittagsbetreuung nur einen
petenzzentren, der Ausbau der Technologiestand-            sozial gestaffelten Beitrag einhebt. Und das wird
orte Wr. Neustadt, Krems, Tulln, die Förderung der         auch in Zukunft so bleiben.
Stammzellenforschung, aber auch die Mitfinanzie-
rung von neuen Fachhochschullehrgängen wo Nie-                 Ein besonderes Augenmerk messen wir des-
derösterreich, was die Qualität anlangt, eindeutig         halb dem Ausbau von den Kinderbetreuungsplät-
im Spitzenfeld zu suchen ist. Denn Wissen und              zen zu. Die Hortplätze sind in den letzten Jahren
Können, das ist uns klar, sind die Goldgruben der          verdreifacht worden auf über 6.500. Und wir haben
Zukunft. Eine bessere Vorsorge für das Land und            gerade bei den Kindergartenkindern eine Vollver-
seine Menschen gibt es wohl nicht.                         sorgung erreicht. Aber mit Innovationen der Kinder-
                                                           betreuungsmodelle der „Flying Nannies“ und der
     Hohes Haus! Lassen Sie mich dann den Bo-              „Mobilen Mamis“, wie sie alle heißen mögen, haben
gen von Europa zu unserem unmittelbaren Umfeld             wir heute ein sehr, sehr treffsicheres Modell. Zu
schlagen und zurück kommen nach Niederöster-               einem wahren Renner hat sich der NÖ Familien-
reich. Denn im Jahr 2004 und in der Zukunft wird es        pass entwickelt. Und auf Grund seines breiten An-
neben der Vorbereitung auf dieses neue Europa              gebots wie dem Versicherungsschutz und unge-
auch um eine verstärkte Positionierung Nieder-             heuer vieler Vorteile haben mehr als 105.000 nie-
österreichs als diese angesprochene Insel der              derösterreichische Familien diesen Familienpass
Menschlichkeit gehen. In dieser zahlenmäßig                bezogen. 105.000 niederösterreichische Familien!
größten Familie Niederösterreich darf kein Mitglied        Das ist eine gewaltige Leistung wenn man hier
zurückbleiben. Das ist unser Anspruch in der Ver-          bedenkt, mit welcher Mühe und welcher Vielzahl
gangenheit gewesen und er wird es auch in der              das eben behaftet ist.
Zukunft sein. (Beifall bei der ÖVP.)
                                                               Insel der Menschlichkeit heißt aber auch ge-
     Nicht zuletzt deshalb fühlen wir uns jeder ein-       sund leben in Niederösterreich. Und unter dieser
zelnen niederösterreichischen Familie zutiefst ver-        Dachmarke setzen wir in der Zukunft ein breites
pflichtet. Sie sind die Keimzellen der Gesellschaft        Maßnahmenbündel um. Denn Gesundheit, das ist
und damit auch unseres Landes. Und sie stehen in           gar keine Frage, ist unser wichtigstes Gut. Dies gilt
den persönlichen Werteskalen ganz an vorderster            es bei einer steigenden Lebenserwartung möglichst
Stelle. Das hat unter anderem eine Umfrage der             lange zu erhalten sodass die Gesundheitserwar-
Arbeiterkammer Niederösterreichs festgestellt, wo          tung auch der Lebenserwartung entspricht.
94 Prozent angegeben haben, die Familie ist ihr
wesentlichster Hort um ihre Wertvorstellungen und               So wird das Bild eines funktionstüchtigen nie-
ihre Lebensumstände auch glücklich gestalten zu            derösterreichischen Krankenhauses sich unzwei-
können.                                                    felhaft wandeln müssen. Das Krankenhaus des
                                                           Jahres 2010 ist mehr ein Gesundheitszentrum als
     Nicht umsonst wird Niederösterreich als das           noch im alten Verständnis ein Krankenhaus. Ein
Familienland Nummer 1 apostrophiert und diesen             Zentrum für die körperliche und seelische Gesund-
Rang gilt es auszubauen und zu verteidigen. Un-            heit, in welchem dem Patienten, dem Besucher,
sere Zahlen und Fakten sprechen hier sicherlich            dem Klienten alles geboten wird was er für seine
eine sehr, sehr klare Sprache. Die NÖ Familienhilfe        körperliche und seelische Gesundheit auch
als Direktzahlung an die jungen Eltern, die finan-         braucht. Neben dem klassischen medizinischen
zielle Förderung der Kinderbetreuung, mit dieser           Angebot, das in Niederösterreich eine äußerst hohe
stellen wir die Wahlfreiheit sicher und tragen auch        Qualität erreicht hat in den letzten Jahren, wird es
auf diese Weise entscheidend bei zu einer besse-           darüber hinaus eine Palette vom Bioladen bis zur
ren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.                   Apotheke, vom eingemieteten Arzt bis hin zu Be-
                                                           ratungsstellen und Fitnesseinrichtungen geben.
     Seit dem Jahresbeginn 2003 wurde diese Fa-
milienbeihilfe auf die Höhe des Kinderbetreuungs-               Lassen Sie mich noch ein Wort zu den Spitä-
geldes angehoben und bis zum 42. Lebensmonat,              lern und zum Gesundheitswesen verlieren. Im Ge-
das heißt bis zum Kindergarteneintritt, verlängert.        sundheitswesen brauchen wir vor Selbstbehalten
Dank dieser Elternförderung können sich heute              und anderen Finanzierungsbeiträgen vor allem




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Reformen. Reformen, die ihren Namen verdienen.             dungsplätze für die pflegerische und therapeutische
Denn es gilt zu allererst die Effizienzpotenziale voll     Ausbildung vermehren. Eine Fachhochschule für
auszuschöpfen um vorhandene, noch immer vor-               Gesundheitsberufe ist einzurichten.
handene Doppelgleisigkeiten abzubauen und Syn-
ergien zu nutzen. Und so werden wir weiterhin die               Nicht zuletzt wird die wichtigste Aufgabe der
treibende Kraft sein, diese Schritte für die Refor-        Zukunft darin zu sehen sein, mehr Bewusstsein für
men auch umzusetzen.                                       die Eigenverantwortlichkeit zu schaffen. Jeder Ein-
                                                           zelne von uns, jeder ist der Herr, ist die Frau seiner
     Wir liegen in Niederösterreich in den Bench-          eigenen Gesundheit. Nicht die Ärzte allein, schon
marks der einzelnen Bereiche wie der Qualitätssi-          gar nicht das Land, der Bund oder wer sonst immer
cherung, der Strukturoptimierung, der finanziellen         noch herangezogen wird. Mit der richtigen Ernäh-
Effizienz und vor allem bei den Behandlungspfaden          rung, mit der richtigen Bewegung, mit dem richtigen
im österreichischen Spitzenfeld. Der NÖ Gesund-            Entspannen, mit dem richtigen Vorsorgen und Un-
heits- und Sozialfonds hat sich bestens bewährt            fall verhüten, damit lässt sich unsere Gesundheit
und seine Aufgaben und Funktionen erfüllt.                 am Besten, am Längsten erhalten.

      Nur durch die Finanzierung aus einer Hand                 Ein gesundes Leben funktioniert nur in einer
mittels eines NÖ Landesgesundheitsfonds sind wir           gesunden und auch intakten Umwelt. Und ich
in der Lage, wirklich ein effizientes und effektives       glaube, in der NÖ Umweltpolitik gehen wir seht fünf
regionales Gesundheitssystem zu schaffen. Zur              Jahren einen sehr konsequenten Weg. Themen wie
gemeinsamen Steuerung, zur gemeinsamen Finan-              Klimaschutz, Natur im Garten und das Gesunde
zierung, zur gemeinsamen Planung und zur ge-               Leben ziehen sich hier wie ein roter Faden durch
meinsamen Entscheidung. Erst dann haben unsere             unsere Arbeit. Und Umweltpolitik ist nicht ein ein-
Leute eine optimale medizinische und strukturell           maliger Luftballon, nicht eine Schlagzeile. Gerade
effiziente Versorgung. (Beifall bei der ÖVP.)              im Umweltressort müssen langfristig die Ziele ver-
                                                           folgt werden, man darf sich hier nicht vom Kurs
      Und auch hier gilt: Wir wollen nicht den Mangel      abbringen lassen. Jahrelanges Aufbereiten und vor
verwalten, sondern wir wollen besser gestalten.            allem die Durchdringung aller Lebens- und Verant-
Schauen Sie sich die Gesundheitssysteme man-               wortungsbereiche bringen einen ökologischen Be-
cher reicherer Länder an. Die müssen heute saniert         wusstseinswandel. Und dieser ökologische Be-
werden. Mit sehr starken Einschnitten. Lesen Sie           wusstseinswandel ist notwendig, um unsere Ziel-
heute die Zeitungen was sich in der Bundesrepublik         setzungen zu erreichen zu denen wir uns staats-
abspielt. Wir haben den Ehrgeiz, es so auf die             rechtlich auch verpflichtet haben in der CO2-Re-
Reihe zu bringen, dass wir es nicht auf dem Rü-            duktion.
cken der Patienten tun, sondern dass wir es mit
intelligenten Reformen tun, die im Backoffice-Be-                Wir wollen bis zu 2008 75 Prozent unserer
reich die Möglichkeiten auszunützen imstande sind.         Landsleute oder 300 Gemeinden in Klimabündnis-
                                                           gemeinden wohnen haben. Wir wollen eine ökolo-
     Was wir brauchen sind umsetzbare Maßnah-              gische Wohnbauförderung die wir derzeit haben so
men zur besseren Versorgung der Bevölkerung.               breit verankert wissen, dass sie nicht nur der Öko-
Keine Lippenbekenntnisse mit Absichtserklärungen           logie, sondern auch dem eigenen Geldbörsl dem-
die nichts bringen außer weiteren Kosten. Viele            entsprechend eine Erleichterung verschaffen. Und
haben erkannt wohin die Reise geht. Wir bieten             wir werden die vielen Aktivitäten im öffentlichen
allen an, sich an unserer Lokomotive anzuhängen.           Verkehr und im nicht motorisierten Verkehr dazu
Wer es nicht tut, muss selbst Lokomotive sein,             nutzen, CO2 zu senken genauso wie eine Energie-
sonst bleibt er rasch am Abstellgleis des Verschub-        politik die Beispiel an den Alternativen, an den
bahnhofes zurück.                                          nachwachsenden Rohstoffen nimmt.

     Niederösterreich optimiert und baut seine Spi-             Ich glaube, dieses Bündel an Maßnahmen
täler aus mit einem Investitionsprogramm von 663           lässt uns berechtigt erwarten, dass wir gemeinsam
Millionen Euro in den nächsten Jahren. Nieder-             mit den Gemeinden unsere Einsparungsziele bei
österreich wird bis zum Ende 2004 alle Fondskran-          CO2 und den anderen Treibhausgasen noch errei-
kenanstalten durch ein leistungsfähiges IT-Ge-             chen. 2008 soll Niederösterreich mit einer überregi-
sundheitsnetz verbunden haben um den EDV-                  onalen Landesgartenschau der Höhepunkt in der
Austausch von Gesundheitsdaten rasch und ein-              Natur im Garten-Aktion, wo bereits 60 Schaugärten
fach zu ermöglichen. Auch mit dem niedergelasse-           landesweit sich positioniert haben, einen kulminie-
nen Bereich. Und Niederösterreich wird die Ausbil-         renden Höhepunkt finden.




                                                         114
Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Niederösterreich hat sich als Umweltbundes-               Die Umstellung der Wohnbauförderung auf ein
land Nummer 1 etabliert. Nun müssen wir einen            topmodernes Wertpapierfinanzierungsmodell das
Schritt weiter gehen und uns auch als Kompetenz-         nicht in Jahren rechnet, sondern in Abständen
zentrum für Umwelt in Europa positionieren. Unsere       langfristig denkt und damit sichert. Das ist klar,
Nachbarn in Tschechien, in der Slowakei sind stark       dass hier die Erträgnisse kommen und der Kapital-
an einem Erfahrungsaustausch interessiert. Und so        stock der da war auch weiterhin erhalten sein wird
muss ein Schwerpunkt der künftigen Landesum-             und nicht schrumpfen wird. Und damit haben wir
weltpolitik darin liegen, mittels gemeinsamer Tref-      langfristig auch die Möglichkeit die Wohnbauförde-
fen, mittels Expertentreffen unsere Know-How-            rung zu sichern.
Transfers in diese Länder zu organisieren.
                                                               Privat Public Partnership, ein Schlagwort, aber
      Hohes Haus! „Der Euro ist an allem schuld“.        noch nicht in dieser Form gelebt, nicht so im Lande
So argumentieren manche denen durch die stren-           Niederösterreich. Ein Finanzierungsmodell, das bei
gen Maastrichtkriterien zur Erhaltung der Euro-Sta-      den klassischen kommunalen Aufgaben die Ge-
bilität enge Grenzen gesetzt wurden für ihr jahre-       meindekassa schont. Im Bereich der Infrastruktur-
lang eingeübtes Schuldenmachen. Sparen ist an-           versorgung wie Abfallbeseitigung, Wasserversor-
gesagt, auch wegen der nicht gerade berauschen-          gung, im Gesundheits- und Sozialbereich oder im
den Konjunktur der letzten Monate. Und für drin-         Immobilienmanagement. Eine Partnerschaft aber,
gende Investitionen und Neuanschaffungen fehlt           die im öffentlichen Bereich das Steuerungselement
daher in letzter Zeit das Geld. Die Milchmädchen-        belässt, die klar die Aufgaben verteilt und wo die
rechnung lautet daher: Nichts mehr ausgeben,             Gemeinde oder die öffentliche Hand auch die Qua-
Investitionen zurückstellen. Wir wissen ganz genau,      litätssicherung durchführt. Der private Partner hin-
so ein Rezept ist Gift für die Wirtschaft, für die       gegen das Know-How und auch Finanzen und Ma-
Konjunktur, für die Arbeitsplätze, für die Region.       nagement-Erfahrung einbringt. Darüber hinaus gibt
Magersucht heilt man nicht durch Fasten. Nieder-         es noch eine Reihe von Beispielen moderner
österreich geht hier sicherlich einen anderen Weg.       Finanzierungsinstrumente für Land und Gemein-
Unsere Leute waren die fortschrittlichsten und           den.
kompetentesten in der Verwaltungsreform, die wir
gemeinsam mit dem Bund angegangen haben und                   Wir haben 573 niederösterreichische Gemein-
wo noch vieles vor seiner Verwirklichung steht.          den die unsere Partner sind. Sie sind so wie in der
                                                         Vergangenheit auch in der Zukunft Investitionsmo-
                                                         toren. Deswegen werden wir eine Finanzsonderak-
     Unsere Verwaltung fängt daher mit dem Spa-          tion für unsere Gemeinden starten bei der es darum
ren und der Effizienzsteigerung bei sich selbst an       geht, die Gemeinden auch für die Europäische
und nicht bei den Dienstleistungen und der Hilfe für     Erweiterung fit zu machen. Eine Förderaktion um
die Menschen. Und daher ist unser Motto: Löcher          einerseits die Chancen der Gemeinden im Wettbe-
stopft man nicht mit Löchern sondern mit Ideen. So       werb zu erhöhen und ihnen andererseits mehr Fi-
versuchen wir mit Köpfchen und den richtigen An-         nanzspielraum zu geben. Aber in Absprache unter-
sätzen zu sparen ohne falsche, ohne schmerzhafte         einander. Das Wesen der Kommunen muss sich
Einschnitte. Rechtzeitig hat daher Niederösterreich      darin orientieren, gemeinsam etwas zu erreichen.
diese Zeichen der Zeit erkannt und Alternativen und      Nicht im Wettbewerb nur gegen den Nächsten,
Einsparungsmöglichkeiten dementsprechend ge-             sondern versuchen, gemeinsame Ziele zu formulie-
sucht. Fündig wurden unsere Finanzexperten in            ren und gemeinsam die Ressourcen zu bündeln
vielen Bereichen. Und so blieb in Niederösterreichs      und auch zu nutzen.
Budgetpolitik kein Stein auf dem anderen. Lassen
Sie mich dennoch einige Beispiele nennen um das               Und dazu werden wir in den nächsten Jahren
zu verdeutlichen.                                        jährlich 35 Millionen Euro bereit stellen. Und wenn
                                                         man das hochrechnet, entstehen daraus etwa 290
      Die Gründung einer Venture Capitalgesell-          Millionen Investitionsschub. Ein Schub der unsere
schaft für aufstrebende Unternehmen. Damit nützt         Gemeinden sicherlich attraktiviert und ihre Motor-
Niederösterreich ein modernes Finanzierungsmo-           funktion in der Konjunktur dementsprechend stärkt.
dell, das in der Wirtschaft schon längst eingesetzt      Denn eines ist ganz klar: Das Land kann, wird und
wird und seitens der Europäischen Investitionsbank       darf sich niemals von der Entwicklung der Gemein-
insbesondere des Vertreters dort, Prof. Novotny          den abspalten. Sie sehen, meine Damen und Her-
nicht nur stark empfohlen wird, sondern hier auch        ren, wir haben hier Voraussetzungen geschaffen
eine große Partnerschaft mit uns eingeht. Und da         damit wir auch in der Zukunft jene Gestaltungsfrei-
ist die öffentliche Hand gefordert das zu tun.           räume haben die notwendig sind.




                                                       115
Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Ich lege Ihnen diesen Budgetentwurf 2004 nun         Land auf der Überholspur, ein Land auf dem Weg
zur Beratung vor. Und darf vielleicht zusammenfas-        zum Erweiterungsgewinner Nummer 1. Gemeinsam
sen: Mit diesem Budget ist es gelungen, klare             können wir Niederösterreich ein Stück weiter entwi-
Schwerpunkte in der Landesentwicklung zu setzen           ckeln. An uns wird es liegen, unser Land in eine
um Niederösterreich im Wettbewerb der Regionen            gute Zukunft zu führen. Die Perspektiven und Ziel-
zu stärken. Und ich glaube, gleichzeitig haben wir        setzungen dafür sind weder neu noch überholt,
es geschafft, die Verpflichtungen aus dem Stabili-        sondern vielmehr unumstößlich in unserem Wollen
tätspakt und dem gewaltigen Beitrag von 320 Milli-        und unserem Tun verankert. Niederösterreich als
onen Euro zu erwirtschaften und eine Konsolidie-          eine Top-Region in der großen europäischen Fami-
rung des Haushaltes im Bereich des Schuldenstan-          lie, Niederösterreich im hohen Maß als Lebensraum
des.                                                      weiter zu entwickeln, damit es in der Zukunft mehr
                                                          denn je den Namen und den Ausdruck „Insel der
     Aus diesen schwierigen Voraussetzungen               Menschlichkeit“ verdient. (Beifall bei der ÖVP und
wurde das Bestmögliche gemacht. Und ich meine             Abg. der SPÖ.)
wirklich aus voller Überzeugung, das ist mit Ihrer
Hilfe auch gelungen. „Mit Ihrer Hilfe“ meine ich hier         Präsident Mag. Freibauer: Hoher Landtag!
die Regierungskollegen.                                   Ich eröffne die Generaldebatte und erteile Herrn
                                                          Abgeordneten Mag. Ram das Wort.
     Daher mein besonderer Dank an Sie, an euch.
Mein Dank gilt ganz besonders dem Landeshaupt-                Abg. Mag. Ram (FPÖ): Geschätzter Herr Prä-
mann an der Spitze der Landesregierung. Alle Mit-         sident! Meine sehr verehrten Damen und Herren!
glieder haben sich sehr vehement für ihre Anliegen
und Wünsche, ihre Ressorts eingesetzt und wirklich             Der Herr Landesrat ist ja schon ausführlich auf
sehr zäh um jeden Euro gerungen. Sie haben auch           die bevorstehende EU-Osterweiterung eingegan-
sehr viel Verständnis für die Notwendigkeiten der         gen. Wir stehen wenige Monate vor diesem EU-
Budgetkonsolidierung gezeigt und so es ermöglicht,        Beitritt unserer Nachbarländer und große Heraus-
dass wir zu diesem konsensualen Vorschlag kom-            forderungen kommen auf uns alle zu. Aber diese
men.                                                      Herausforderungen bringen klarerweise nicht nur
                                                          Chancen mit sich, sondern sie bringen klarerweise
     Herzlichen Dank darf ich allen Beamten, die          auch Risken mit sich. Auf diese Risken sollte man
bei der Budgeterstellung federführend tätig waren,        auch in diesem Budget und in dieser Budgetde-
ihren Teams, der Finanzabteilung, Hofrat Dr. Meißl        batte dementsprechend einwirken.
und Budgetdirektor Stöckelmayer sagen. Ich
möchte auch Ihnen, meine Damen und Herren                      Wenn man dem Herrn Landesrat zugehört hat,
Abgeordneten recht herzlich danken schon vorab            und wenn man das so alles glaubt was er von sich
für die Bereitschaft, sich sachlich und sehr intensiv     gegeben hat, so glaubt man, man lebt nicht nur auf
mit diesem Haushaltsentwurf in den einzelnen              einer Insel der Menschlichkeit, sondern auf einer
Gruppen und in der Generaldebatte auseinander zu          Insel der Seligen wo es keine Probleme gibt. Auch
setzen. Wir sind für jede sachliche Kritik offen und      in Niederösterreich gibt es klarerweise Probleme.
werden sie, so wie in der Vergangenheit auch,             Wir sollten uns hier damit beschäftigen, dass wir
sehr, sehr intensiv nicht nur besprechen, sondern         nicht die rosarote Brille aufsetzen, wir sollten aber
auch dort wo sie konstruktiv sich erweist, sehr bald      auch nicht schwarz malen. Wir sollten bewusst
einsetzen und einbauen in den nächsten Haushalt.          analysieren und sollten uns die Zukunft vor Augen
                                                          führen.
     Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ähn-
lich einem am Reißbrett entworfenen Bauwerk,                  Wir lehnen das Budget ab. Wir lehnen dieses
dass, um es zu verwirklichen, der Zustimmung des          Budget ab, weil wir der Meinung sind, dass es den
Bauherren bedarf, bedarf das NÖ Landesbudget              Herausforderungen der EU-Osterweiterung nicht
Ihrer Zustimmung. Und erst dann wird es wirklich          entsprechend Rechnung trägt. Wir glauben auch,
seine volle Kraft entfalten können. Und ich bedanke       dass es an Innovationen mangelt. Und zwar in we-
mich für diese Bereitschaft. Niederösterreich fährt,      sentlichen Bereichen. Wie zum Beispiel in der Be-
glaube ich, mit diesem Budget auf der Überholspur.        schäftigungspolitik und in der Forschungspolitik.
Unserem Land ging und geht es darum, einen ei-
genständigen, einen selbstbewussten Weg in einer               Die momentane wirtschaftliche Lage in Nieder-
großen Republik, in einem größer werdenden                österreich ist leider nicht so rosig wie sie der Herr
Europa zu gehen. Einen Weg der Niederösterreich           Landesrat dargestellt hat. Wir sind leider von einer
zu dem gemacht hat was es heute ist: Ein Land an          Top ten-Region sehr weit entfernt. Der WIFO-Be-
der Spitze der österreichischen Bundesländer. Ein         richt 2002 stellt dem Wirtschaftsstandort Nieder-




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


österreich und dem Wirtschaftswachstums Nieder-          wunderbar an. Nur, in der Realität schaut es,
österreichs kein wirklich gutes Zeugnis aus. Die         glaube ich, nicht so gut aus.
Arbeitslosigkeit hat 2002 6,9 Prozent betragen.
Auch die Jugendarbeitslosigkeit war ein enormes              Ich hoffe, dass auch in der Realität diesen
Problem. Dieses Budget das uns heute vorliegt,           Schlagwörtern entsprechende Taten folgen werden
steuert dieser Entwicklung nicht wesentlich entge-       damit wir gegenüber der Osterweiterung auch
gen. Wir werden dieses Budget aber nicht nur ab-         dementsprechend vorbereitet und fit sind.
lehnen, sondern wir werden uns bemühen, kon-
struktive Vorschläge einzubringen. Konstruktive               Geschätzte Damen und Herren! Wir wollen in
Vorschläge wie sie der Herr Landesrat auch dem-          dieser Debatte, die uns in den nächsten zwei Ta-
entsprechend eingefordert hat.                           gen beschäftigt, entsprechende Anträge einbringen
                                                         in der Form von Resolutionsanträgen. In diesen
     Diese Vorschläge werden ziemlich weit gefä-         Resolutionsanträgen wollen wir dazu beitragen,
chert werden. Sie werden die Wirtschaftspolitik          dass es zu Verbesserungen in unserem Bundes-
betreffen, wo es vor allem in der Region nicht so        land kommt. Diese Anträge werden einige Schwer-
gut ausschaut wie es hier dargestellt worden ist.        punktthemen betreffen, die wir in den letzten Jah-
Gerade die Grenzregionen drohen die großen Ver-          ren in diesem Hause schon öfter vorgebracht ha-
lierer der EU-Osterweiterung zu werden. (Beifall bei     ben.
der FPÖ.)
                                                             Ein Bereich ist zum Beispiel unser Einsatz für
      Die Osterweiterung bringt natürlich auch Ge-       sozial gerechte Kanalgebühren. Wir werden im
fahren vor allem für die kleinen und mittleren Be-       Sinne einer spürbaren Entlastung für den Bürger
triebe in unserem Lande mit sich. Diese kleinen und      soziale Kanalgebühren beantragen und hier auch
mittleren Betriebe sind das Herz unserer Wirtschaft      dementsprechend wieder für eine Thematisierung
und für die Wirtschaftsentwicklung unseres Bun-          sorgen.
deslandes und für die gesellschaftliche Entwicklung
von enormer Bedeutung. Aber auch die Land- und                Geschätzte Damen und Herren! Auch der Ge-
Forstwirtschaft, die ich auch schon in meiner An-        sundheitsbereich ist ein großes Anliegen für uns.
trittsrede entsprechend erwähnt habe. Diese Land-        Herr Landesrat Mag. Sobotka hat ja schon über
und Forstwirtschaft, die für uns alle von enormer        den Gesundheitsbereich ausführlich gesprochen.
Bedeutung ist, droht zum Verlierer der EU-Oster-         Uns betrifft vor allem ein Punkt. Und zwar die
weiterung zu werden. Und ein Bereich ist es, der         Streiterei zwischen den roten Gemeinden und dem
natürlich klarerweise besonders betroffen sein wird,     schwarzen Land auf dem Rücken der Bevölkerung,
das ist der Arbeitsmarktbereich.                         auf dem Rücken der Patienten. Deswegen werden
                                                         wir einen Antrag auf eine einheitliche Trägerschaft
     Ich habe erst vor kurzem Gelegenheit gehabt         bei den Krankenanstalten einbringen.
mit einigen Beschäftigten des Flughafens Wien zu
sprechen, die hier mit Sorge die Entwicklung der             Auch die Freiwilligen-Organisationen wurden
EU-Osterweiterung betrachten, weil die Billigar-         vom Herrn Landesrat schon dementsprechend
beitskräfte auch diese Arbeitsplätze zu gefährden        erwähnt. Selbstverständlich kann man nicht oft
drohen. Aber auch vor allem im Baubereich. Im            genug Danke sagen. Danke für die Leistungen die
Baubereich ist es so, dass es eine enorme Verun-         von den Freiwilligen erbracht worden sind, vor al-
sicherung unter den Arbeitnehmern gibt. Und ge-          lem während der Hochwasserkatastrophe. Selbst-
nau dieser Verunsicherung muss man entgegen              verständlich haben alle ihren Beitrag geleistet. Mir
wirken. Dieser Verunsicherung muss man auch              geht es hier an dieser Stelle darum, vor allem den
entsprechende Maßnahmen entgegen setzen. Und             Freiwilligen ein herzliches Dankeschön zu sagen
meine sehr verehrten Damen und Herren! Eben              und auch dementsprechend einen Antrag und auch
diese Maßnahmen vermissen wir im Detail in die-          Anträge einzubringen und für diese Freiwilligenor-
sem Budget.                                              ganisationen, speziell für die Feuerwehren, ent-
                                                         sprechende Verbesserungen herbeizuführen.
     Es hört sich zwar wunderschön an wenn man
von einer Pröll-Prokop-Jobinitiative spricht. Es ist          Ich glaube, es ist nicht genug wenn man nur
ein wunderschönes Schlagwort ... (LR Mag.                darüber spricht, wenn man nur Lippenbekenntnisse
Sobotka: Das ist Realität!)                              abgibt, sondern man sollte auch dementsprechend
... wie es in Ihrer Rede, Herr Landesrat, sehr viele     Taten setzen und hier den Freiwilligen-Organisatio-
wunderschöne Schlagwörter gegeben hat. Wir ha-           nen, speziell den Feuerwehren, die Möglichkeit
ben gehabt die Insel der Menschlichkeit, wir haben       geben, auch dementsprechend zu arbeiten und ihre
andere Schlagwörter gehabt. Das hört sich alles          Leistungen auch in Zukunft weiter zu vollbringen.




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Ein besonderes Anliegen von uns ist auch der             Was mich noch gestört hat, ist, dass für die
Familienbereich. Im Familienbereich ist in den            Forschung und für die Wissenschaft 800.000 Euro
letzten Jahren sehr viel geschehen. Das Kindergeld        weniger veranschlagt ist. Gerade jetzt vor der EU-
auf Bundesebene wurde eingeführt. Auch in Nie-            Osterweiterung ist der Bereich Forschung und Wis-
derösterreich wurden die Kinderbetreuungseinrich-         senschaft immer wichtiger. Und gerade jetzt sollte
tungen dementsprechend ausgebaut und verbes-              man in diesen Bereichen Schwerpunkte setzen.
sert. Uns geht es darum, hier auch weitergehende          Ebenso in der Erwachsenenbildung. In der Erwach-
Verbesserungen durchzuführen und auch hier für            senenbildung findet man einen lächerlich geringen
weitergehende Verbesserungen Ansatzpunkte zu              Betrag. Gerade die Erwachsenenbildung bietet die
bringen. Verbesserung vor allem im Bereich der            Chance, sich der EU-Osterweiterung zu stellen und
Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen          unsere Beschäftigten dementsprechend auch fit zu
und vor allem dahingehend dass es zu einer echten         machen.
Wahlfreiheit auch in Niederösterreich kommt.
                                                               Geschätzte Damen und Herren! Wir vermissen
     Auch der Sicherheitsbereich ist für uns ein          auch entscheidende Schritte in Richtung einer
Schwerpunkt. Der Sicherheitsbereich ist vor allem         schlankeren Verwaltung. Diese Diskussion werden
im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung zu              wir auch hier dementsprechend vorbringen im wei-
sehen. Die letzten Tage haben gezeigt, dass das           teren Verlauf der Debatte. Weil wir der Meinung
Schlepperunwesen vor unserer Grenze klarerweise           sind, dass es zu einer schlankeren Verwaltung im
nicht Halt macht. Im Gegenteil! Das Schlepperun-          Sinne der Bürger kommen muss, aber auch im
wesen ist stärker denn je zuvor. Wir fordern des-         Sinne der zukünftigen Landesbudgets. Diese Mittel
wegen auch diesmal einen effektiven Grenzschutz           der schlankeren Verwaltung gehören ganz einfach
für unser Bundesland durch das Bundesheer.                in die Wirtschaft investiert, gehören dahingehend
                                                          investiert dass wir den Herausforderungen ge-
     Meine sehr verehrten Damen und Herren! In            wachsen sind.
den nächsten Tagen werden wir ausführlich alle
Budgetposten streifen und alle Budgetposten be-                Geschätzte Damen und Herren! Wir haben
sprechen. Deswegen möchte ich mich jetzt nicht            aber auch positive Punkte in diesem Voranschlag
weiter verbreitern und hier eine Grundsatzrede            gefunden. So finden wir zum Beispiel, dass die
abhalten wie es manche tun, weil die Budgetde-            Steigerung im Verkehrsbudget sicherlich positiv ist.
batte die Möglichkeit eröffnet über Gott und die          Im Gegensatz zur anderen Oppositionspartei sind
Welt zu reden.                                            wir auch der Meinung, dass der Straßenbau weiter
                                                          vorangetrieben werden muss. Vor allem der Ring
     Einige Punkte des Budgets sind mir aber noch         um Wien muss dementsprechend gesetzt werden
ein persönliches Anliegen und die möchte ich kurz         und die Entlastung von Wien muss auch dement-
streifen. Gestört hat mich bei Durchsicht des Bud-        sprechend durchgeführt werden.
gets, dass dem Behinderteneinstellungsgesetz
nicht wirklich Rechnung getragen wird. Es hört sich            In diesem Zusammenhang möchte ich aber
zwar schön an von einer Insel der Menschlichkeit          schon erwähnen, dass es nicht so sein kann, dass
zu sprechen, aber das Ganze muss auch dement-             die Südosttangente entlastet wird und hier der ge-
sprechend umgesetzt werden. Und gerade unsere             samte Verkehr zu uns kommt und hier der gesamte
Mitmenschen mit besonderen Bedürfnissen haben             Verkehr von Wien über niederösterreichisches Ge-
das Recht, dass sie auch dementsprechend im               biet geführt wird. Ich denke hier vor allem an die
Landesdienst Unterschlupf finden und hier auch            Diskussion um die Donaubrücke. Die Wiener weh-
dementsprechend ihre Leistungen und ihre Tätig-           ren sich jetzt dagegen dass die Donaubrücke bei
keit vollbringen können.                                  der Lobau kommen soll. Und jetzt sind wir, genauer
                                                          meine Heimatgemeinde, meine Heimatregion, da-
     An die Unternehmer appelliert man immer wie-         von betroffen dass bei uns in der Diskussion steht,
der, kauft euch nicht frei. Kauft euch nicht frei von     dass hier eine Donaubrücke kommen soll und der
eurer Verantwortung, Behinderte einzustellen. Doch        Verkehr von Wien über unsere Gemeinde Fischa-
was macht das Land? Das Land selbst schafft es            mend umgeleitet werden soll.
nicht, genügend Behinderte einzustellen. Ich
glaube im Sinne des Schlagwortes der Insel der                   Wir sind dieser Meinung dass das klarerweise
Menschlichkeit ist hier vor allem der Personalrefe-       nicht der Fall sein kann. Was den Straßenbau be-
rent gefordert, in der Zukunft dementsprechende           trifft, glauben wir aber auch, dass man um gegen-
Maßnahmen durchzusetzen.                                  über der Osterweiterung gerüstet zu sein, dass




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


man hier auch dementsprechende Maßnahmen                der Herstellung und bei der Erarbeitung des Voran-
finden muss. Wie zum Beispiel den Bau der Wald-         schlages entsprechend ausgezeichnet haben.
viertelautobahn. (Abg. Hensler: Aber die Spange         (Beifall bei der FPÖ.)
brauchen wir auch!)
Selbstverständlich auch, lieber Fritz.                       Präsident Mag. Freibauer: Als nächste Red-
                                                        nerin zur Generaldebatte kommt Frau Abgeordnete
     Aber eines sollte man hier trotzdem nicht ver-     Dr. Petrovic zu Wort.
gessen: Und zwar den Ausbau des öffentlichen
Verkehrs. Beim öffentlichen Verkehr ist es so, dass         Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Präsi-
es leider hier die Voraussetzungen noch nicht gibt      dent! Geschätzte Mitglieder der NÖ Landesregie-
um genügend Pendler zum Umsteigen vom Auto              rung! Hoher Landtag!
auf die Schiene oder auf andere öffentliche Ver-
kehrsmittel zu bringen. Man braucht sich nur man-            Das ist ein geflügeltes Wort, dass Budgets die
che Fahrlinien anschauen, manche Garnituren,            in Zahlen gegossene Politik darstellen. Und inso-
manche Zugsgarnituren, wie es hier mit dem Kom-         fern Ausdruck der politischen Prioritäten sind die im
fort aussieht. Und auch den Fahrplan mancher            Lande gesetzt werden. Vor diesem Hintergrund
Schnellbahnlinien, wie zum Beispiel der Schnell-        haben wir uns die Frage gestellt, sind es die richti-
bahnlinie S7 genauestens anzusehen. Dann wird           gen Prioritäten die hier gesetzt werden, oder sind
man sehen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel         überhaupt klare Prioritäten erkennbar.
hier leider nicht attraktiv genug sind. Auch hier
muss weiter investiert werden. Es müssen aber                Und trotz einiger positiver Ausnahmen, auf die
auch Gespräche mit Wien geführt werden, was eine        ich noch komme, vermissen wir hier klare Prioritä-
U-Bahnverlängerung auf niederösterreichisches           ten. Es handelt sich eher um eine Fortschreibung
Gebiet betrifft. Das ist für die Pendler aus dem        vom Zahlenwerk aus der Vergangenheit mit ein
Wiener Umland von enormer Bedeutung und wäre            paar Nuancen da oder dort wie dem jetzt gerade
eine entsprechende Maßnahme um den Staus und            eben auch genannten. Aber eigentlich muss ich
der Verkehrs- und Umweltbelastung entgegen zu           auch sagen, wenn der Landesfinanzreferent die
wirken.                                                 Bedeutung dieser Epoche vor der wir stehen ge-
                                                        nannt hat, Europa ist nicht mehr dasselbe, ändert
     Geschätzte Damen und Herren! Betrachtet            sich Gottseidank jeden Tag, wird größer, dynami-
man zum Beispiel den Sportbereich im Voranschlag        scher, dann muss ich sagen, ist das eine sehr ver-
2004, so muss man auch positiv erwähnen, dass           haltene Antwort auf diese großen Umbrüche.
sich hier die jahrelange gute Arbeit unserer Lan-
deshauptmannstellvertreterin Liese Prokop sichtbar           Aus grüner Sicht vermissen wir vor allem zwei
zeigt. Es zeigt sich, dass gerade im Sportbereich       Prioritäten ganz besonders. Das ist natürlich und
sehr viel passiert ist und auch hier dementspre-        vor aller erst der ganze riesige Bereich der Um-
chende Ansätze gefunden werden.                         weltmaterien. Ich würde fast nicht mehr sagen Um-
                                                        weltschutz, sondern das Prinzip der Nachhaltigkeit,
     Positiv finde ich auch die Erhöhung der Förde-     durchgezogen in alle anderen Bereiche. Insbeson-
rungen für die Tierschutzorganisationen. Vertreter      dere auch das Umweltprinzip als ein modernes
der Tierschutzorganisationen haben sich seit ge-        Wirtschaftsprinzip. Und zum anderen glaube ich,
raumer Zeit bemüht, dass es hier zu einer Erhö-         dass die Entwicklungen, vor denen wir stehen, die
hung und zu einer Verbesserung kommt. Jetzt in          auch von der Bundesebene her an die Länder he-
diesem Voranschlag ist es enthalten und das finden      rangetragen werden, im Sozialbereich andere Ant-
wir auch dementsprechend positiv.                       worten erfordert hätten.

    Meine sehr verehrten Damen und Herren!                   Wir werden in diesem Jahr sehr wenige Reso-
Noch einmal zusammen gefasst: Wir lehnen diesen         lutionsanträge stellen. Das heißt, ich habe eben
Voranschlag ab weil wir der Meinung sind, dass er       gehört, einige echte Anträge gemeinsam mit der
zu wenig innovativ ist, dass er den Herausforde-        Sozialdemokratie, um hier auch unsererseits klare
rungen der EU-Osterweiterung nicht entsprechend         Prioritäten zu setzen. Also wir haben darauf ver-
Rechnung trägt. Wir werden uns aber bemühen, im         zichtet, Anträge zu allen Bereichen wo wir Ände-
Laufe der Verhandlungen durch unsere Resoluti-          rungen vorgesehen hätten zu stellen, um auch klar
onsanträge zu einer positiven Entwicklung unseres       zu machen, was für uns die allerersten Prioritäten
Landes entsprechend beizutragen. Ich wünsche            wären.
dem NÖ Landtag ernsthafte und fruchtbare Stun-
den, Diskussionen und Debatten und danke auch               Das heißt, es wird von grüner Seite insgesamt
namens meiner Fraktion den Beamten, die sich bei        vier Anträge, Resolutionsanträge bzw. Anträge




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


geben, die einerseits oder in einem Bereich vor           kosten. Aber auf der anderen Seite wäre das genau
allem einer Empfehlung des Rechnungshofes                 der Bereich der mehr als nur finanzielle Erfolge
Rechnung tragen was das Regionalmanagement                hereinbringen kann. Denn das wäre der Bereich der
betrifft. Gerade im Zusammenhang mit der EU-              auf alle anderen Bereiche ausstrahlt. Natürlich auf
Erweiterung, glaube ich, besonders wichtig, hier          das Gesundheitswesen, intakte Umwelt, weniger
besonders klare und effiziente Kompetenzen zu             Kosten zur Behandlung und Verwaltung von Krank-
schaffen und dementsprechend auch Kosten zu               heit. Intakte Umwelt, mehr Chancen in der Freizeit-
minimieren. Und auch gerade am heutigen Tag, es           wirtschaft, im Tourismus. Und intakte Umwelt heißt
läuft ja noch das Volksbegehren für einen europa-         natürlich auch, dass der Wirtschaftsstandort attrak-
weiten Atomausstieg, ein Antrag dazu, weil ich            tiver wird. Denn Investitionsentscheidungen werden
befürchte, dass angesichts der vielen Sorgen, die         nicht nur so getroffen, wo gibt’s Fachkräfte, wo
die Menschen jetzt gerade im Zusammenhang mit             gibt’s Ressourcen, sondern auch wo fühlen sich
der sozialen Sicherheit, Schlagwort Pensionen             denn die Leute wohl.
haben, dieses Thema leider ein wenig ins Hinter-
treffen geraten ist. Und daher wollten wir hier mit           Jetzt ist es schon klar, und es wird von allen,
diesem Antrag auch noch einmal einen Akzent und           auch von uns immer wieder betont, es gibt sehr
einen Schwerpunkt setzen. Und auch weil wir glau-         sehr viel Gutes, Erhaltenswertes und wirklich Her-
ben, dass Niederösterreich auch deswegen, weil es         vorragendes in diesem Bundesland. Aber wir wis-
im Ernstfall besonders betroffen wäre, hier beson-        sen heute, dass ein Geschenk, ein Erbe aus der
ders aufgefordert ist, im Rahmen der Bundesländer         Vergangenheit nur dann gesichert ist, wenn es
initiativ und aktiv zu werden um die Möglichkeiten        auch verteidigt, gesichert und bewahrt wird.
für einen europaweiten Atomausstieg rascher und
effizienter voranzutreiben. (Beifall bei den Grünen.)          Und bei den Ausgaben, die dieses Budget
                                                          aufweist, da schaut es halt sehr unterschiedlich
    Und die beiden anderen Anträge betreffen              aus. Wenn ich mir beispielsweise so die gegen-
diese Prioritäten, die wir teilweise vermissen in         sätzlichen Pole des Budgets anschaue. Einerseits
diesem Rechenwerk. Voran schicken möchte ich,             die Gesamtheit der Umweltmaterien, andererseits
dass es auch eine gewisse Kritik gibt an der Gliede-      Straßenbau.
rung. Auf das werden meine Kolleginnen und Kol-
legen noch näher eingehen. Es ist nicht in allen              Es ist nicht so, dass wir in der Zukunft den
Bereichen sonderlich übersichtlich, auch wenn             Leuten weis machen können, wir tun da ein biss-
Mann oder Frau gewohnt ist Budgets zu lesen.              chen, dort ein bisschen, und damit wird so ein
                                                          Quasi-Ausgleich hergestellt. Sondern dieses NÖ
     Und was mir natürlich auch als grüne Frauen-         Budget setzt klare Prioritäten in diesem Bereich
sprecherin besonders am Herzen liegt, und was,            und die liegen nicht auf der Seite der Umwelt, son-
glaube ich, wirtschaftlich sehr vernünftig wäre, wir      dern die liegen etwa, wenn ich wie gesagt den Ge-
sollten sofort anfangen, auch die Budgets unter           genpol nehme, im Bereich des Straßenbaus.
Gender-Aspekten aufzuschlüsseln. Denn Zahlen,
die schauen so aus dass alles allen zur Verfügung             Um das deutlich zu machen, Umweltausgaben
steht. Oder auch wenn von Familien - Familien,            insgesamt, da könnte man meinen auch wenn ich
ohne Zweifel etwas besonders Wichtiges - geredet          nur die Zahlen anschaue auf den ersten Blick, wir
wird, dann verstecken sich dahinter Personen un-          haben ein klitzekleines Plus, 3,6 Millionen Euro.
terschiedlichen Geschlechts. Und es wäre daher            Wenn man es sich näher anschaut, müssen wir
wichtig, in der Wirtschaftsförderung, in der Kultur-      sogar in absoluten Beträgen ein Minus verzeich-
förderung und in allen Bereichen, das heißt nicht         nen. (LR Mag. Sobotka: Alleine die ökologische
nur in der Frauenpolitik im engeren Sinn, auch auf-       Wohnbauförderung ist mehr!)
zuweisen was kommt wem zugute. Und hier der
großen Gruppe, der Mehrheitsgruppe, der ökono-                Weil nämlich wenn Sie anschauen, wenn Sie
misch immer noch diskriminierten, auch durch eine         Posten, natürlich, klar werden sie ausgewiesen im
erhöhte politische Aufmerksamkeit hier Referenz zu        Landesbudget wie die Biomasse Fernwärmefonds.
erweisen.                                                 Aber dann sind das Mittel, die zu 100 Prozent vom
                                                          Bund zugeschossen werden. (LHStv. Prokop:
     Politische Priorität der Grünen Nummer 1 Um-         Wohnbauförderung?)
weltmaterien. Und hier orte ich den Defizitbereich        Ja aber insgesamt. Nehmen Sie den Umwelttopf
schlechthin in diesem Voranschlag. Defizit im Sinne       insgesamt. Dort haben Sie keine Steigerung.
von es wird zu wenig investiert. Denn Investitionen       (LHStv. Prokop: Das ist alleine doppelt so viel! Sie
in diesem Bereich die kosten Geld. Sollten viel Geld      müssen das Budget lesen lernen!)




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Dass es da oder dort, ich freue mich auch über       wird eine Infrastruktur erstellt – hoffentlich nicht
den einen oder den anderen Bereich, einen Zu-            erstellt, wir werden alles daran setzen – die diese
wachs gibt, aber unter dem Strich ist der Um-            Entleerungswirkungen verstärken wird und in der
weltbereich kein Gewinnerbereich in diesem soge-         Folge alle Probleme die man in Westösterreich
nannten oder angeblichen Umweltmusterland.               schon so leidvoll kennt, heraufbeschwören wird.

      Und auch innerhalb des Verkehrsbereiches                Wir sollten das nicht tun! Und es sind etliche
schauen die Dinge nicht so ökologisch aus. Es wird       Spatenstiche bei öffentlichen Verkehrsverbindun-
zwar immer betont, es wird in den öffentlichen Ver-      gen gesetzt worden. Wir erwarten jetzt auch, dass
kehr und in den Straßenbau investiert. Ich glaube        die entsprechenden Arbeiten beginnen und dass es
nicht, dass das geht. Denn Prioritäten setzen heißt      nicht bei einem Spatenstich bleibt, sondern dass
letztlich entweder oder. Und ich glaube, die Priori-     man bei den Schnellbahnverbindungen, bei den
täten können jetzt, nach etlichen Jahrzehnten des        auch Wiederbelebungen von Nebenbahnen endlich
Straßenbaus, ausschließlich und lediglich im öffent-     einmal hier wirklich deutliche und kräftige Initiativen
lichen Verkehr liegen, insbesondere was die Kapa-        setzt.
zitätssteigerungen betrifft. (LR Mag. Sobotka: Aber
geh!)                                                         Der zweite und ebenfalls im Umweltbereich
Wissen Sie, Herr Landesrat, wenn Sie das so in           möchte ich ansprechen, dass es auch Versäum-
Abrede stellen, es ist mittlerweile schon mehr als       nisse gibt, die auf der europäischen Ebene, glaube
zwei Jahrzehnte her dass ich in diesem Bereich an        ich, schön langsam fast peinlich werden für Nieder-
der Wirtschaftsuniversität immer wieder von mei-         österreich. Dass sie auch für mich eigentlich unver-
nem alten Lehrer im Bereich der Transportwirt-           ständlich sind, das füge ich gerne hinzu. Schlag-
schaft gehört habe, bildet euch nicht ein, wenn ihr      wort, Sie wissen es, Vogelschutzgebiete.
in die Praxis geht, dass ihr die Verkehrsprobleme
vor denen ihr einmal stehen werdet – und damals              Ich finde es nicht so heiter, sondern eher zum
war von EU-Erweiterung noch keine Rede, das              Weinen, die Materie. Hier sind diverse Rügen er-
haben wir uns damals gar nicht vorstellen können –       gangen. Wir wissen auch, dass die ausgewiesenen
durch vermehrten Straßenbau lösen könnt. Son-            Vogelschutzgebiete nicht oder nicht in allen Berei-
dern hier ist die Frage von Henne und Ei eindeutig       chen der Empfehlung der Expertinnen und Exper-
geklärt. Es ist nicht so wie mein Vorredner gesagt       ten entsprechen, sondern dass es hochrangig
hat, dass wir zuerst warten müssen dass die Indivi-      schutzwürdige Gebiete gibt, die leider nicht unter
duen den Entschluss fassen, ich steige um auf den        Schutz stehen. Können allenfalls abgetauscht wer-
öffentlichen Verkehr und wir dann die Gelegenheit        den durch andere Gebiete.
haben, die entsprechenden Möglichkeiten zu
schaffen, sondern es ist genau umgekehrt: Wir                 Jetzt wartet die ganze Republik schon dass
müssen zuerst die Möglichkeiten schaffen. Viel-          eine wirklich den sachlichen Gegebenheiten ent-
leicht sogar eine Zeitlang erst warten bis sie ent-      sprechende niederösterreichische Nominierung
sprechend angenommen werden. Aber wenn sie               erfolgt. Ja, und es wird gewartet und gewartet.
die entsprechende Qualität haben, dass sie nach-         Vielleicht erfolgt bald eine Entscheidung, aber dann
fragegerecht sind, ich garantiere Ihnen, sie werden      hoffe ich dass es die richtige ist. Und dass nicht
angenommen. Und das ist unsere Aufgabe! (Beifall         eigentlich der Zukunftsbereich schlechthin vor den
bei den Grünen.)                                         Interessen der Intensivlandwirtschaften zurück-
                                                         reichen muss.
     Also hier schaut die Priorität folgendermaßen
aus. Insgesamt Straßenbau, Bundesstraßen, Lan-                Und hier geht es vor allem natürlich um Ge-
desstraßen plus 26 Millionen Euro. Im Bereich des        genden im Osten des Landesgebietes. Hier geht es
öffentlichen Verkehrs magere Budgetsteigerung um         um Regionen, um Bereiche im Marchfeld. Und mich
1,3 Millionen Euro. Das heißt, das Zwanzigfache,         überrascht es schon. Es gibt aus Österreich, das
rund das Zwanzigfache fließt in den Straßenbau.          wissen Sie, immer ein großes Interesse für Mate-
                                                         rien des Artenschutzes, des Tierschutzes. Und
     Und, so der Einfachschluss der Vergangenheit        Österreich war immer sehr führend um sich bei-
aus dem letzten Jahrhundert vielleicht, ich baue         spielsweise gegen den Walfang einzusetzen. Aber
eine Infrastruktur und dann kehrt Leben ein in eine      es ist halt leicht wenn man Kritik übt an Japan oder
Region, der gilt nicht mehr. Verkehrswege können         an Norwegen wenn man eigentlich vor der eigenen
beleben, sie können aber auch entleerend wirken.         Türe kehren sollte. (Beifall bei den Grünen. - Zwi-
Und das muss man sich sehr genau anschauen wo            schenruf bei LR Mag. Sobotka.)
man investiert. Und gerade was den nördlichen            Dann würde ich sagen, setzen wir uns noch einmal
Teil, was die Nordautobahn betrifft, da, glaube ich,     mit den Experten an einen Tisch, schauen wir das




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


an. (LR Mag. Sobotka: Die Experten ziehe ich sehr          es wird eine soziale Reaktion brauchen. Wir wer-
in Zweifel!)                                               den bei den sozialen Diensten, bei den Heimen, bei
Im Zweifel glaube ich aber in Sachen Kompetenz,            den mobilen Diensten sicher nicht sparen können.
in Sachen Vogelschutz, Bird life mehr als wahr-
scheinlich allen Mitgliedern des Hauses. Denn die              Und man müsste eigentlich auch gegenüber
verstehen mehr als wir davon. Und ich habe den             der Republik klar machen, es geht nicht an, immer
Eindruck, die sind sehr kompetent.                         mehr Lasten auf die Länder und die Gemeinden
                                                           abzuputzen. Und wir müssten auch klar machen,
    Hier sollten wir rasch handeln und hier sollten        dass wir dringend im sozialen System so etwas
wir die Empfehlungen ernst nehmen. Und wir                 brauchen wie Grundsicherungen. (Beifall bei den
freuen uns alle wenn wir in Schönbrunn geschützte          Grünen.)
Tiere sehen, wenn hier auch Programme laufen um
ein Aussterben dieser Tiere, wie bei den Pandas,                 Nur Sparen und dabei nicht sehen, dass es
zu verhindern. Dass wir im eigenen Land Tiere              heute schon viele Menschen gibt die das Nötigste
haben die genauso akut gefährdet sind und wo               nicht mehr haben, vor allem Frauen, die gar keine
aber immer noch nicht die eindeutige Bereitschaft          Pension haben oder eine minimale Pension. Was
besteht sie zu schützen, das sollte man dann auch          wollen Sie denen noch wegnehmen? Und dann nur
hinzufügen.                                                zu sagen, naja, bleibt ja noch die Sozialhilfe. Das
                                                           ist ein brutaler Weg, das ist eine brutale Antwort.
     Ein zweiter Bereich der mir noch wichtig ist:
Denn das war ein Bereich der ist zwar im Budget                 Und ich frage auch, wie wird die junge Gene-
mit einer Steigerung versehen, so wenn ich das             ration, die dann junge Generation damit umgehen
auch über alles und quer durch sagen kann, der             wenn sich die sozialen Einrichtungen bei denen
große Bereich der sozialen Sicherheit. Hier haben          dann regressieren werden. Wenn man dann viel-
wir eine Steigerung. Allerdings war mir der Auf-           leicht sagen muss, Oma, Opa du kannst nicht in ein
schrei des Landes oder auch ein bisschen ein Vor-          Heim, obwohl du wirklich eine medizinisch kompe-
denken an die Budgets und Voranschläge der                 tente Pflege brauchen würdest, weil wir können uns
nächsten Jahre zu gering. Denn was jetzt erfolgt,          das nicht leisten. Es ist heute noch nicht so weit.
vor allem von der Bundesebene, das ist in der Tat          Aber ich frage mich, wo bleibt da die NÖ Landesre-
fast schon könnte man sagen ein Anschlag auf die           gierung um auch gegenüber der Bundesregierung
soziale Sicherheit der Länder und Gemeinden in             zu sagen, Grundsicherungen sind nicht nur human,
Zukunft.                                                   sondern sie wären auch wichtig um das Gleichge-
                                                           wicht der öffentlichen Haushalte für die Zukunft zu
     Ich habe ein bisschen den Eindruck, ich weiß,         sichern. (Beifall bei den Grünen.)
gerade der NÖ Landeshauptmann, die Landesre-
gierung sind sehr selbstbewusst und ich habe oft-               Ein Allerletztes. Es kommt immer wieder und
mals den Eindruck, auch wenn in Wien irgendwas             es ist in Niederösterreich, also es wird in Bezug auf
beschlossen wird und uns passt das dann später             Österreich immer wieder gesagt und in Bezug auf
nicht, dann werden wir es später schon korrigieren         Niederösterreich ist das ein besonders häufig ver-
so wie beim Semmering Basistunnel. In Sachen der           wendeter Ausdruck die Insel. Insel der Seligen,
Sozialpolitik geht das nicht so leicht. Wenn dort ein      Insel der Menschlichkeit. Und ich stelle mir die
Rädchen einmal verstellt ist, wenn eine Weichen-           Frage, ob das eigentlich noch das richtige Bild ist
stellung in die falsche Richtung erfolgt ist, dann ist     das wir für die Zukunft haben sollten. Inseln können
es nicht nur für die betroffenen Individuen schlimm,       sehr schön sein, aber sie haben etwas gemeinsam:
sondern dann ist das System lückriger geworden.            Rundherum ist Wasser. Und es ist nicht so leicht
Dann sind die Maschen im sozialen Netz weiter              drüber zu kommen. Bedarf gewaltiger Anstrengun-
geworden. Und dann in Zeiten von Sparbudgets,              gen. Und manche Inseln, auch in Europa, die wol-
die uns begleiten werden diese Lücken wieder zu            len das gar nicht so sehr.
schließen, das wird sehr, sehr schwer.
                                                                Wenn ich mir so ein Bild wünschen würde von
     Ich meine damit natürlich die Pensionsreform.         Niederösterreich, von seiner Politik, und der in
Ich meine aber auch schon angekündigte Reformen            Zahlen gegossenen Politik, also dem Budget, dann
wie etwa die Notstandshilfe letztlich in die Sozial-       ist das dass von diesem Bundesland neue Impulse
hilfe überzuführen. Und ich frage Sie wirklich, was        ausgehen. Also wenn sie so wollen das Bild der
soll daraus werden? Die Zahl der alten Menschen            Quelle, von der etwas ausgeht, von der sich etwas
geht hinauf. Und wir freuen uns natürlich, dass sich       verbreitet, etwas heraus sprudelt. Und was ich mir
immer mehr Menschen eines hohen Alters und                 da als Grüne wünsche ist selbstverständlich klar:
hoffentlich auch bester Gesundheit erfreuen. Aber          Die Menschlichkeit, die Mitmenschlichkeit selbst-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


verständlich. Nur Menschlichkeit kann man politisch            Meine Damen und Herren! Das vorliegende
verschieden organisieren. Es ist klar. Wir brauchen       Budget 2004 mit Ausgaben von 4,6 Milliarden Euro
Eigenverantwortung, wir brauchen kleine Einheiten,        und Einnahmen von 4,5 Milliarden Euro ist, so wie
Zellen der Gemeinschaft. Ob das jetzt die Familien        auch in den Gemeinden, eine buchhalterische Fas-
sind, ob das Verbände und Vereine sind. Es bedarf         sung des politischen Willens der Mehrheit in die-
aber auch eines klaren politischen, eines sozialen        sem Land. Die Analyse des Voranschlages muss
Netzes. Und zwar eines offiziellen, das aus den           aber einerseits die angespannte konjunkturelle
Budgets finanziert wird. Das heißt, ich wünsche mir       Lage und die bundespolitischen Belastungen auf
eine Quelle von neuen Ideen in der Sozialpolitik.         die Länder berücksichtigen. Muss aber auf der
Und last aber absolut nicht least, ich wünsche mir,       anderen Seite auch erkennen, dass es eine weit-
dass Niederösterreich wirklich und nicht nur verbal,      gehende Fremdbestimmung auf der Einnahmen-
sondern auch in harten Facts and Figures ein Um-          seite gibt, der auf der gegenüberliegenden Seite
weltmusterland wird. Eine Quelle von der immer            eine starke Zweckbindung gegenüber steht.
neue Ideen hinaus sprudeln nach Österreich, nach
ganz Europa. Und die klar machen, dass Umwelt-                  Wenn man davon ausgeht, dass von diesen
schutz nicht nur notwendig ist für die Umwelt, für        4,6 Milliarden Einnahmen maximal ein Drittel als
die Gesundheit, für uns alle, sondern dass das            allgemeine Deckungsmittel zur Verfügung stehen,
eigentlich das moderne Wirtschaftsprinzip der Zu-         erkennt man, dass die wirkliche Verfügbarkeit, die
kunft ist. Danke! (Beifall bei den Grünen.)               politisch einsetzbare Manövriermasse sehr stark
                                                          eingeschränkt ist. Und will man die Länder und
    Präsident Mag. Freibauer: Als nächster Red-           Gemeinden in tatsächlich föderalistischem Sinne
ner zur Generaldebatte kommt Herr Abgeordneter            mit Lenkungs- und Gestaltungsaufgaben betrauen,
Weninger zu Wort.                                         dann bedarf es bei der seit langem diskutierten
                                                          Bundesstaatsreform oder beim bevorstehenden
    Abg. Weninger (SPÖ): Sehr geehrter Herr               Österreich-Konvent nicht nur einer sinnvollen Kom-
Präsident! Hohes Haus!                                    petenzdebatte, sondern es muss eine Diskussion
                                                          auch darüber stattfinden, wie die finanzverfas-
     Also von Landesrat Mag. Sobotka kann sogar           sungsrechtlichen Grundlagen neu strukturiert wer-
der Michael Schuhmacher noch etwas lernen:                den.
Nummer 1 zu sein und trotzdem auf der Überhol-
spur. Das mag zwar sportlich und physikalisch inte-            Ich bin der Meinung, dass vordergründige Ge-
ressant sein, politisch verstehe ich da den Zusam-        spräche über Kompetenzaufteilungen und Verwal-
menhang nicht ganz. Aber so viel zur Vorbemer-            tungsmechanismen nur dann einen Sinn haben,
kung, meine Damen und Herren. Grundsätzlich bin           wenn die Gemeinden auch den entsprechenden
ich d’accord mit Landesrat Mag. Sobotka.                  finanziellen Background haben und dieser österrei-
                                                          chische Verfassungskonvent nicht nur bloß Sand-
     Niederösterreich steht gut da. Es gibt wirklich      kastenspiele betreibt. (Beifall bei Abg. Vladyka.)
keinen Grund zur Skepsis. Aber es gibt auch kei-
nen Grund zur unreflektierten Euphorie. Nieder-                Wie sehr sich die Bürgerinnen und Bürger eine
österreich steht gut da auf Grund der Leistungen          Kompetenzverschiebung Richtung Gemeinden
der Landesbürgerinnen, auf Grund der Leistungen           wünschen, geht auch aus der Studie, die vorige
der niederösterreichischen Wirtschaft und auch auf        Woche präsentiert wurde beim Städtetag hervor.
Grund der Leistungen jener Landesbürgerinnen,             Und die Quintessenz dieser Untersuchung ist ganz
die in Vereinen, Institutionen und Initiativen im Be-     eindeutig: Die Österreicherinnen und Österreicher
reich der Kultur, des Sportes, der Bildung sehr viel      wünschen sich auf rechtlicher und steuerrechtlicher
leisten. (Beifall bei der SPÖ.)                           Basis ein einheitliches Gebilde, ein einheitlich ge-
                                                          samtstaatliches Gebilde. Wollen aber gleichzeitig
     Meine Damen und Herren! Niederösterreich             eine Kompetenzverschiebung im Verwaltungsbe-
steht aber auch gut da. Das ist sicher ein Verdienst      reich Richtung Gemeinden.
einer Vernunft orientierten Zusammenarbeit der
Politik auf Landesebene in den 573 Gemeinden                  Ich glaube, Niederösterreich ist gerade in die-
des Landes, in den Institutionen. Ich möchte da           sem Bereich auf einem sehr guten Weg. Und wir
besonders die Institutionen der Sozialpartnerschaft       können durchwegs in diesem Bereich auch dyna-
hervorheben. Und auch auf Grund der guten, gut            mischer Motor für die Zukunft sein. Da genügt es
funktionierenden Verwaltungsstrukturen in diesem          aber nicht, dass wir irgendwo ein Türschild anbrin-
Land.                                                     gen mit der Aufschrift „Bürgerservice“. Es geht




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


vielmehr darum, dass in der Vergangenheit oftmals         war der rasante technologische Fortschritt, der
Begriffe wie Kompetenz und Aufgaben verwechselt           doch in vielen Teilen der Bevölkerung gewisse
wurden. Und tatsächliche Kompetenz bedeutet               Ängste ausgelöst hat.
auch, dass die dafür nötigen finanziellen Mittel,
aber auch das Personal den Gemeinden zur Verfü-                Diese Entwicklung bereitet mir große Sorgen.
gung gestellt werden, damit die wirklich Servicebe-       Größere Sorgen als vielleicht die Tatsache, dass
ratung und Dienstleistung vor Ort anbieten können.        die eine oder andere Infrastruktur-Maßnahme doch
                                                          noch nicht so erfüllt und fertig gestellt ist wie wir
    Und dieser Weg, den wir Sozialdemokraten              uns das gewünscht hätten. Aber ich glaube, all
gerne unterstützen ist ein Weg, wo sich die nieder-       diese Ängste und die Vorbereitung auf die Europäi-
österreichischen Gemeinden auch auf eine starke           sche Union zusammen genommen, findet sich Nie-
und kompetente Stimme in der Landesregierung,             derösterreich grundsächlich doch auf einem Weg
nämlich auf unsere Gemeindereferentin, Landes-            um als Region in diesem neuen Europa selbstbe-
hauptmannstellvertreterin Heidemaria Onodi, ver-          wusst sagen zu können, wir können unseren
lassen können. (Beifall bei der SPÖ.)                     Landsleuten, unseren Mitbürgerinnen und –bürgern
                                                          doch eine Lebensqualität bieten auch im Hinblick
     Meine Damen und Herren! Ich will in der Gene-        auf das Konzert der neuen Regionen in Mittel- und
raldebatte zum Voranschlag nicht nochmals die in          Osteuropa.
diesem Haus schon seit vielen Jahren diskutierte
Grundsatzdebatte über die europäische Erweite-                Es gibt aber noch einige Punkte, die uns Sozi-
rung von neuem beginnen. Ich möchte aber trotz-           aldemokraten sehr wichtig sind, die wir im Laufe
dem ein paar kurze Anmerkungen deponieren.                der nächsten beiden Tage ansprechen werden. Ich
                                                          möchte drei mir zentrale Notwendigkeiten etwas
    Wenn wenige Monate, und Herr Landesrat hat            näher ausführen.
das ausgeführt, vor dem Beitritt unserer Nachbar-
staaten zur Europäischen Union noch immer dieser               Erstens geht es darum, die zweite Tranche der
Stehsatz zu hören ist, Niederösterreich rechtzeitig       Eurofit-Aktion für den Zeitraum 2003 bis 2007 auf-
auf die EU-Erweiterung vorzubereiten, dann erin-          zustocken. Es erscheint uns notwendig, einen In-
nert mich das ein bisschen an die Situation von           vestitionspool von zirka 25 Millionen Euro pro Jahr
Schülerinnen und Schülern an diesen Tagen kurz            in der Zukunft zu budgetieren. Sowohl aus wirt-
vor Schulschluss, wo sie verzweifelt versuchen, all       schaftspolitischen wie auch aus regionalpolitischen
das nachzulernen dem sie während des Schuljah-            Gründen. Zweiter Punkt: Die für den Zeitraum 1987
res ausgewichen sind um ja nur keinen Fleck oder          bis 2006 angelegten Regionalisierungsaktion muss
keine Nachprüfung zu bekommen.                            unter Bedachtnahme auf langfristige Investitions-
                                                          und Planungsphasen rasch und wieder für einen
     Ich bin überzeugt, dass Niederösterreich gut         längeren Zeitraum fixiert werden.
vorbereitet ist auf die Europäische Union, auf den
Erweiterungsprozess. Ob gut, befriedigend oder                 Für die jüngeren Mandatare in diesem Haus
genügend wird sich in den nächsten Jahren weisen.         möchte ich doch in Erinnerung rufen, dass die von
Tatsache ist, dass es in den letzten Jahren durch-        der SPÖ durchgesetzten Maßnahmen wie die Ab-
wegs ein ambivalentes Verhältnis der Bevölkerung,         schaffung der Landesumlage und die Dotierung
der Wirtschaft, aber auch der Politik zu diesem           des Regionalisierungstopfes jene Grundlagen sind,
Erweiterungsprozess gegeben hat, der zugegebe-            auf die heute das gesamte Hohe Haus sehr stolz
nermaßen im Rückblick doch etwas Zeit und Ener-           ist. Weil mit diesen Instrumentarien jene wirt-
gie gekostet hat. Ich sage das durchwegs selbstkri-       schaftspolitischen Effekte erzielt werden können die
tisch, gleichzeitig aber an alle Fraktionen in diesem     uns diesen niederösterreichischen Vorsprung ge-
Haus gerichtet.                                           genüber anderen Regionen ermöglichen.

      Ich muss erinnern, dass der Euphorie in den              Dritte Anmerkung zu diesem Bereich: Es wer-
ersten Wochen des Herbst 1989 doch eine sehr              den die bisher bestehenden Zielgebiets- und Pro-
lange Phase der Ängste und der Vorbehalte gefolgt         grammkulissen auslaufen. Das heißt, es wird zu
ist. Es sind zu dieser Zeit mehrere Prozesse gleich-      einer vollständig neuen Situation in den Grenzregi-
zeitig gelaufen. Es war der Beitritt Österreichs zur      onen kommen. Deshalb erscheint es mir dringend
Europäischen Union, es war die Ostöffnung, es war         angebracht, rechtzeitig Verhandlungen und Lobby-
der Globalisierungsschwung den die Weltwirtschaft         ing für diese Grenzregionen in Brüssel zu betreiben
genommen hat, es waren die merkbaren und spür-            um neue Förderungsszenarien für die Grenzregio-
baren Folgen der Liberalisierungstendenzen und es         nen wahrnehmen und aufbauen zu können.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Da Niederösterreich in dieser Situation nicht            Die Zahl der tatsächlich unselbständig Be-
alleine ist, sondern auch andere österreichische         schäftigten ist seit fast zwei Jahren, seit Juli 2001,
Bundesländer sowie Regionen in Italien und               rückläufig. Das heißt, es gibt immer weniger Jobs in
Deutschland mit ihren Grenzen zu Slowenien und           Niederösterreich. Und deshalb ist es absolut unter-
Polen und der Tschechischen Republik vor ähnli-          stützenswert, und wir sind so mit den Initiativen die
chen Schwierigkeiten stehen, halte ich es für not-       der Herr Landesrat Mag. Sobotka auch referiert hat,
wendig, einerseits eine Abstimmung unter den be-         vollkommen d’accord, dass jede Investition, sei es
troffenen Regionen dringend herbeizuführen und           Wirtschaftsförderung, seien es Investitionen im
gleichzeitig eine koordinierte Vorgangsweise ge-         Bereich des Krankenhausausbaues, im Bereich der
genüber der Europäischen Union anzustreben.              Wohnbauförderung, im Bereich des Ausbaues der
                                                         Landes-Pflege- und Pensionistenheime, nicht nur
     Meine Damen und Herren! Der Herr Landesrat          Maßnahmen sind die sektorell helfen, sondern auch
hat sehr ausführlich über die arbeitsmarktpolitische     Impulse für die Wirtschaft schaffen und damit auch
Situation Stellung genommen. Wie das meistens            das Arbeitsplatzangebot in Niederösterreich weiter
bei Statistiken ist, kann man sie unterschiedlich        verstärken und verbessern. Und die NÖ Sozialde-
interpretieren. Zahlen lügen aber nicht. Und ich         mokratie ist ein zuverlässiger Partner wenn es
möchte in Vervollständigung von dem was der Lan-         darum geht, Impulse für die Wirtschaft zu unterstüt-
desrat Mag. Sobotka referiert hat, auch die andere       zen und damit auch die Arbeitsplatzsituation für
Seite der Medaille kurz in Erinnerung rufen, damit       unsere Landsleute zu verbessern. (Beifall bei der
wir die Möglichkeit in den nächsten beiden Tagen         SPÖ.)
haben, auf einer fundierten Zahlenbasis zu diskutie-
ren.                                                          Sehr geehrte Damen und Herren! Vielleicht
                                                         noch abschließend drei kurze Bemerkungen, die
    Tatsache ist, dass seit Mai 2001 die Arbeitslo-      wir in den nächsten beiden Tagen noch ausführlich
sigkeit in Niederösterreich Monat für Monat steigt       diskutieren können.
und dass im Mai 2003 mehr als 32.000 Nieder-
                                                               (Zweiter Präsident Sacher übernimmt den Vor-
österreicherinnen und Niederösterreicher arbeitslos
                                                         sitz.)
gemeldet waren. Dazu kommt jene statistische
Beschönigung, mit der Arbeitslose, die sich derzeit           Ein Wort noch zu Veranlagung der Wohnbau-
in Schulungsmaßnahmen befinden, ausgeblendet             förderungsmittel. Wir werden bei der Veranlagung
werden. Ihre Zahl stieg im Vergleich zum Mai des         dieser Wohnbauförderungsmittel aus der Erfahrung
Vorjahres um 20 Prozent.                                 der letzten Monate ein sehr wachsames Auge ha-
                                                         ben und darauf aufmerksam schauen, dass keine
    Und werden jene Mitbürger, die sich derzeit in       weiteren spekulativen Abenteuer eingegangen
Schulungsmaßnahmen befinden, mitgerechnet,               werden. Weil wir die Verantwortung haben, das uns
dann haben wir derzeit fast 40.000 Arbeitslose,          übertragene Steuergeld bestmöglich zu veranlagen
genau 39.486 Niederösterreicherinnen und Nieder-         und zu vermehren. Und dabei hat leichtfertige Spe-
österreicher ohne Job. Und das sind um mehr als          kulation mit Steuergeldern nichts verloren. (Beifall
1.700 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjah-         bei der SPÖ.)
res. Sosehr ich diese Schulungsmaßnahme für
Arbeitslose begrüße und auch hier das Forcieren all           Herr Landesrat hat die Regierungsmitglieder
dieser Maßnahmen unterstütze, darf diese Tatsa-          gelobt, ich schließe mich diesem Lob selbstver-
che nicht dazu verwendet werden um die Statistik         ständlich an. Wenn auch zum Beispiel gewisse
zu verschönern.                                          Spannungen, die es im Rahmen der Budgetdebatte
                                                         gegeben hat, vor allem im Bereich des Konsumen-
    Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist         tenschutzes, vielleicht darauf zurückzuführen sind,
auch die Aussicht keine rosige. Die Konjunktur ist       dass es am Beginn dieser Legislaturperiode doch
schwach, die Kaufkraft der Bevölkerung ist ge-           gewisse Startschwierigkeiten mit der neuen Kom-
dämpft. Auch auf Grund der Maßnahmen der Bun-            petenzverteilung gegeben hat. Aber ich bin der
desregierung. Die Pensionsmaßnahmen werden               Überzeugung, dass wir das, was wir vereinbart
die Situation noch weiter verschärfen. Und zwei          haben, nicht nur durchziehen, sondern auch dem-
Gruppen unserer Bevölkerung sind besonders               entsprechend in der Zukunft budgetär ausstatten.
massiv bedroht. Das sind die Jungen, die keinen          (Beifall bei der SPÖ.)
Arbeitsplatz finden und das sind die älteren Arbeit-
nehmerinnen, die in die Arbeitslosigkeit gedrängt             Unsere sozialdemokratischen Regierungsmit-
werden.                                                  glieder, Landeshauptmannstellvertreterin Heide-




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


maria Onodi, Frau Landesrat Christa Kranzl und           Vorzugsstimmen wurden an die Kandidaten der NÖ
Landesrat Emil Schabl führen ihre Referate verant-       Volkspartei vergeben. Trotz der klaren Mehrheit
wortungsbewusst, innovativ und sparsam zugleich          von 53,3 Prozent haben wir sofort die Zusammen-
und unterstützen damit den vorliegenden Budget-          arbeit mit den Mitbewerbern gesucht. Und in nicht
entwurf. Die Mandatare der Sozialdemokratie wer-         einmal zwei Wochen war eine neue Kompetenz-
den in der Budgetdebatte die Gelegenheit intensiv        verteilung unter Dach und Fach gebracht. Eine
wahrnehmen, einerseits Notwendigkeiten zu un-            Kompetenzverteilung, die die Erfordernisse einer
terstreichen, auch zukünftige Schwerpunkte vor-          effizienten Regierungsarbeit erfüllt, ein konstrukti-
ausschauend aufmerksam machen um legitime                ves und, wie ich meine, auch sachliches Ge-
Kritik in Einzelbereichen anzubringen.                   sprächsklima ohne taktische, politische Taktiererei
                                                         hat diese Verhandlungen geprägt. Und Niederöster-
     Die Zustimmung der SPÖ zu diesem vorlie-            reich hat einmal mehr gezeigt, wie es in der Politik
genden Budgetentwurf ist ein klares Signal für eine      nach Wahlen auch vor sich gehen kann.
gemeinsame politische Verantwortung für das Bun-
desland Niederösterreich. Und wir beweisen mit                Ich hoffe, dass diese Gesprächskultur nach der
dieser Zustimmung, dass wir Handschlagqualität           Wahl keine Momentaufnahme war. Niederöster-
haben und nicht bei erster Gelegenheit die Nerven        reich hat sich damit gegenüber dem Bund außeror-
verlieren. (Beifall bei der SPÖ.)                        dentlich positiv dargestellt was die Zusammenarbeit
                                                         aller Parteien anlangt. Das ist leider auf Bundes-
     Hohes Haus! Ich wünsche mir von den kom-            ebene oft nur ein Wunschdenken. Denn dort ist es
menden beiden Tagen eine intensive und grund-            sogar so, dass innerhalb der Regierungsparteien es
sätzliche Auseinandersetzung über die nähere und         oft drunter und drüber geht und dass die Opposition
fernere Zukunft unseres Landes. Die Mandatare            alles andere als konstruktiv sich darstellt.
der SPÖ werden dabei weder im Chor der Lob-
hudler mitsingen, noch das Sextett der Nein-Sager             Ich wünsche mir daher, dass dieser Weg in
unterstützen. Unsere Melodie in den nächsten bei-        Niederösterreich fortgesetzt wird. Und ich hoffe,
den Tagen wird die der Landeshymne sein, nämlich         dass gerade die Damen und Herren der SPÖ Selb-
getreu in Glück und Not. Glückauf! (Beifall bei der      ständigkeit und ein eigenes Profil zeigen und sich
SPÖ.)                                                    nicht zum Anhängsel ihrer Bundespartei machen.
                                                         Wir, die NÖ Volkspartei, haben immer wieder ge-
     Zweiter Präsident Sacher: Der nächste Red-          zeigt, dass wir selbstbewusst auftreten, auch ge-
ner ist Herr Klubobmann Mag. Schneeberger. Ich           genüber unserer Bundespartei, wenn die Interes-
erteile ihm das Wort.                                    sen des Landes Niederösterreich hier in Mitleiden-
                                                         schaft gezogen werden. (Beifall bei der ÖVP. –
    Abg. Mag. Schneeberger (ÖVP): Herr Präsi-            Unruhe bei der SPÖ.)
dent! Hohes Haus! Meine geschätzten Damen und
Herren!                                                      Hohes Haus! Meine geschätzten Damen und
                                                         Herren! Machen wir das NÖ Landesparlament nicht
     Wir haben heute und morgen das Budget 2004          zur Ersatzbühne für das Bundesparlament! Steuern
hier im NÖ Landtag zu behandeln und zu beschlie-         wir den eigenen niederösterreichischen Weg als
ßen. Und gerade die Budgethoheit ist und bleibt die      zukunftsweisend eingeschlagenen Weg weiter. Und
wesentlichste Aufgabe der Landtage. Niederöster-         erhalten wir uns unsere politische Kultur um die uns
reich hat wieder einmal bewiesen, wie solide politi-     so manche beneiden.
sche Arbeit geleistet wird und wie Verantwortung
für unser Land getragen werden muss. Erst vor                 Aber gerade diese politische Kultur ist seit we-
rund zweieinhalb Monaten wurde die Landtagswahl          nigen Tagen in unserem Bundesland gefährdet.
geschlagen, die ein beeindruckendes Ergebnis für         Gefährdet durch Sie, meine Damen und Herren von
die Österreichische Volkspartei und für unseren          den Grünen. Denn der Aufruf zum Spitzeltum, wie
Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll ergeben hat.             er in Ihrer Homepage propagiert wird, ist genau
253.286 Vorzugsstimmen haben den eindrucksvol-           jenes politische Klima, das sich kein Mensch in
len Beweis geliefert, dass harte Arbeit für das Land     Niederösterreich wünscht und das die Niederöster-
auch von den Niederösterreicherinnen und Nieder-         reicherinnen und Niederösterreicher zutiefst ableh-
österreichern honoriert wird.                            nen. (Beifall bei der ÖVP.)

    Mit unserem Landeshauptmann hat aber das                 Meine Damen und Herren von den Grünen! Sie
gesamte Team der Österreichischen Volkspartei            provozieren damit Denunziantentum, Sie schüren
bewiesen, dass es Rückhalt und Vertrauen der             Konflikte zwischen Menschen und verunsichern die
Bevölkerung genießt. Denn insgesamt 395.303              Landesbeamten! Und das unter dem Deckmäntel-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


chen der Aufgaben als Oppositionspartei. Aussa-           bisherigen Art und Weise der Politik auch Ihre
gen wie „Leichen im Keller zu suchen und aufzufin-        Handlungen gesetzt werden.
den“ haben im Vokabular der niederösterreichi-
schen Politik nichts, aber schon gar nichts verloren!          Und nun zum Budget, meine Damen und Her-
(Beifall bei der ÖVP.)                                    ren! Bevor ich auf das Budget eingehe ... (Abg.
                                                          Mag. Fasan: Das ist Prioritäten setzen! Bevor man
     Spitzeltum hat es in Systemen gegeben die wir        auf das Budget eingeht, tut man auf die anderen
verabscheuen. Und es kann nicht sein, dass wir nur        hinhacken!)
im Ansatz gegenüber derartigen Methoden tolerant          Kollege Mag. Fasan! Du kannst es sehen wie du
sind. Ich habe einen Brief in Händen wo so zum            willst. Die Kollegin Dr. Petrovic hat in ihrer Rede
Ausdruck kommt, wie man mit solchen Methoden              gesagt, dass das Budget die in Zahlen gegossene
verunsichert wenn Menschen, die bereits sechs             Politik ist. Doch Politik ist eben auch Stilfrage. Und
bzw. sieben Jahrzehnte hinter sich haben, Vergan-         bevor ich über Zahlen rede, rede ich über Stil. Wir
genes herauf beschworen sehen. Vergangenes,               lassen uns in Niederösterreich nicht so einen Stil
das wir alle miteinander nicht wollen. Wo da zum          hier in dieses Land hinein bringen. Nehmen Sie das
Beispiel steht, damals war es noch nicht das mo-          zur Kenntnis! (Beifall bei der ÖVP.)
derne Internet über das diese Spitzelboxen betrie-
ben wurden, sondern ein Menschen verachtender,                 Bevor ich ein paar Details hier anspreche,
doch gut funktionierender Apparat. Unterschiedlich        möchte ich schon auf die Vorredner in aller Kürze
ist die Methode, gleich ist das Ziel: Hass und Zwie-      eingehen. Fast würde ich sagen, Kollege Mag.
tracht sollen geschürt werden um Menschen zu              Ram, der nicht anwesend ist ... (Abg. Waldhäusl:
entzweien und gar zu Feinden zu machen.                   Bin eh ich da!)
     Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Das              Kollege Waldhäusl, das ist fast eine Drohung,
ist keine Frage einer Partei, das ist eine Frage des      würde ich meinen. Aber ich wollte etwas sagen,
Landes Niederösterreich. Das ist eine Frage aller         was auf dich auch passt. Nämlich: Die Ablehnung
Verantwortungsträger dieses Landes. Hier müssen           dieses Budgets durch die zwei Freiheitlichen fasse
wir den Anfängen wehren. Das heißt jedoch nicht,          ich für dich, Herr Landesrat Mag. Sobotka, als
um nicht missinterpretiert zu werden, dass wir Kritik     Kompliment auf. (Beifall bei Abg. Hiller. – Abg.
nicht ernst nehmen bzw. Missstände nicht aufgrei-         Mag. Fasan: Das ist der gute Stil?)
fen bzw. ändern. Wer wie wir das Ohr am Bürger            Das muss ich so sagen. Denn wenn ich die Kritik-
hat, ständig in Sprechstunden, bei Versammlungen,         ansätze, die in den Mittelpunkt gestellt wurden, in
in Diskussionsrunden im Land unterwegs ist,               denen behauptet wurde, dass gerade in Richtung
braucht keine Spitzelbox in der Anschuldigungen           Forschung und Entwicklung in diesem Lande nichts
und persönlich wahrgenommene Ungerechtigkeiten            investiert wird, dann kann ich nur sagen, da redet
gesammelt werden. Um nichts anderes als schlecht          der Blinde von der Farbe!
zu machen, schlecht zu reden und gar politisch
Verantwortliche zu denunzieren!                                 Hohes Haus! Ein Kompliment hat uns die Frau
                                                          Dr. Petrovic gemacht. Indem Sie dem Landes-
     Wenn es Probleme in diesem Land gibt, die            hauptmann, dem Landesrat Mag. Sobotka unter-
aufgezeigt gehören, so soll dies geschehen und            stellt hat ... (Abg. Kautz: Zukünftigen Landes-
sollen Lösungen gesucht werden. Und wenn hier             hauptmann!)
die Grünen ihre Mithilfe anbieten, so stehen ihnen        Na ist das schlecht? Das ist ja positiv. Nach so
unsere Türen offen. Aber nicht in einer Art von Po-       einem Budget ist das ja durchaus positiv. Und das
pulismus, die die Menschen verunsichert. Und ich          ist ein Eingestehen von euch, dass ihr mit dieser
bin wirklich überrascht, weil ich den Eindruck ge-        Funktion nie spekulieren könnt.
habt habe in unseren Gesprächen, gerade mit Ih-
nen, Frau Kollegin Dr. Petrovic, dass Sie sich von
einer sehr konstruktiven Seite gezeigt haben. Und             Hohes Haus! Wenn ich hier die Aussage von
wir waren schwer enttäuscht als wir nun mehr diese        der Frau Dr. Petrovic hernehme, dass das Budget
Aktivität mitverfolgen mussten.                           die Fortschreibung der Vergangenheit ist, dann
                                                          muss ich sagen, das ist ein Kompliment. Denn wir
      Ich möchte Sie daher bitten, lassen Sie sich        sind in der Vergangenheit mit den Budgets in Nie-
nicht von irgendwelchen Zündlern hier missbrau-           derösterreich auf die Überholspur gekommen. Und
chen oder von der Partei manipulieren. Die gute           wenn wir das fortschreiben, so bleiben wir auf der
politische Kultur in Niederösterreich, die wir hier       Überholspur. Und dieses Budget von Landesrat
haben, wollen wir auch in Zukunft weiter tragen.          Mag. Sobotka bestätigt diesen Weg! (Beifall bei der
Und ich erwarte mir, dass entsprechend dieser             ÖVP.)




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


      Und wenn ich schon Überholspur sage, Kol-                310 Millionen Euro Maastricht-wirksam für den
lege Weninger, dann dürftest du relativ wenig Auto-       Bund erbracht zu haben, Arbeitsinitiativen gesetzt
rennen wirklich verfolgen. Denn auch wenn man             zu haben, den Aufbau in der Infrastruktur weiter zu
überholt hat kann man noch überrunden. Das heißt          sichern wie im Krankenhausbereich, im Pflege-
... (Abg. Weninger: Sich selbst!)                         heimbereich oder im Bildungsbereich die Fach-
Nein, nicht sich selbst. Das passiert dir öfter. Son-     hochschulen und die Donau-Universität, aber auch
dern mir geht es darum, dass es auch Überrundun-          die Wohnbauförderung entsprechend langfristig
gen gibt. Und ich sehe schon ein, Überrundungen           abzusichern. Und bei ihrer Gegenüberstellung,
... Überholen kann ich nur andere, lieber Freund.         Frau Kollegin Dr. Petrovic, was die umweltrelevan-
Das wird sich ja herumgesprochen haben. Und               ten Daten im Budget anlangt, müssen Sie einen
Überrunden ist auch ein Überholen. Und wenn wir           Gutteil der Wohnbauförderung mit einbeziehen.
andere noch überrunden können, dann sind wir              Denn gerade durch das neue ökologische, von
wirklich eine Top-Region in Europa. Und das wollen        kaum einem anderen Land in dieser Art und Weise
wir ja werden. (Beifall bei der ÖVP.)                     gegebenen Wohnbauförderungsmodell von Frau
                                                          Landeshauptmannstellvertreterin Prokop zeigt es
     Hohes Haus! Meine geschätzten Damen und              sich, dass wir nicht nur grün reden, sondern grün
Herren! Das Budget das hier vorliegt ist nicht nur        und ökologisch dort handeln wo es der Mensch will,
zukunftsweisend. Es zeigt, dass die Geschwindig-          wo es der Mensch braucht und wo es der Mensch
keit, die Professionalität und die notwendige Quali-      spürt. (Beifall bei der ÖVP.)
tät der politischen Arbeit hier im Budget enthalten
ist und beweist einmal mehr den anerkannten nie-                Was sind nun die wesentlichen Schwerpunkte
derösterreichischen Weg.                                  in der Zukunft? Eines ist klar: Gerade wenn wir
                                                          daran denken, dass in 320 Tagen die EU-Erweite-
    Wie sieht nun dieser niederösterreichische            rung Realität ist, ist es notwendig, die Standortqua-
Weg an Hand dieses vorliegenden Budgets aus?              lität des Standortes Niederösterreich weiter zu stei-
Finanzlandesrat Mag. Sobotka hat in den vergan-           gern. Die Standortqualität ist ganz massiv abhängig
genen Jahren bereits eine zukunftsorientierte Bud-        von der Infrastruktur eines Landes. Da ist es ganz
getpolitik gemacht. Die Schulden wurden abgebaut,         logisch und natürlich, dass wir in den Ausbau der
die Pro-Kopf-Verschuldung war im Jahr 1998 noch           Straße, in den Ausbau der Schiene und in den
800 Euro, 2002 sind es nur mehr 599 Euro. Das             Ausbau der Technologie ganz wesentlichen Wert
moderne Schuldenmanagement bringt es mit sich,            stellen und hier die wichtigsten Investitionen
dass wir 1999 noch 63 Millionen Euro für Bankzin-         durchführen. Allein die Breitbandtechnologie ist ein
sen aufzuwenden hatten. Das Budget 2004 sieht             ganz wesentliches Element um gerade in Regio-
nur noch 31 Millionen für denselben Grund vor.            nen, die nicht bevorzugt sind, moderne Technik
                                                          anwenden zu können um damit konkurrenzfähig zu
     Diese effiziente Finanzpolitik soll natürlich in     sein. Und damit ein ganz wesentliches Ziel der
Zukunft weiter geführt werden. Ich erwähne nur die        Politik Niederösterreichs auch zu erreichen, näm-
Schaffung der LIG bzw. auch die Veräußerung und           lich Arbeitsplätze zu sichern und Maßnahmen zu
Veranlagung der Wohnbauförderungsgelder. Und              setzen um neue Arbeitsplätze zu gewinnen.
Sie können dagegen polemisieren wie immer Sie
wollen. Ich sage Ihnen eines: Mir sind nicht                  Und selbstverständlich ist es so, dass jedes
realisierte Verluste allemal lieber um eine langfris-     einzelne Schicksal eines Arbeitslosen in Nieder-
tige positive Absicherung der Wohnbauförderung            österreich um ein Schicksal zuviel ist. Auf der ande-
zu gewährleisten. (Beifall bei der ÖVP.)                  ren Seite sollen wir auch das darstellen, dass wir
                                                          wieder eine enorme Steigerung im Gegensatz zu
     Wir werden noch weitere Maßnahmen umset-             dem was der Kollege Weninger gesagt hat, der
zen müssen um eben im Reigen der Regionen                 Zahl der unselbständig Tätigen in diesem Lande
Europas vorne mit dabei zu sein. Hier wurde schon         haben. Mit 529.000 sind wir bald dort wo wir am
erwähnt die Errichtung eines Landes-Gesund-               höchsten Stand der unselbständig Erwerbstätigen
heitsfonds, die Straffung der Wirtschaftsförderun-        jemals gewesen sind. Das heißt, dass unsere Maß-
gen, bis hin zum modernen niederösterreichischen          nahmen greifen, wenn auch klar ist, dass wir hier
Beteiligungsmodell. Daher heißt unsere Devise:            noch das eine oder andere zusätzlich an Aktivitäten
Keine neuen Schulden machen, sondern den                  zu setzen haben.
Schuldenstand und die Pro-Kopf-Verschuldung
weiter zu senken, um damit eben noch mehr Spiel-              Und ein ganz wesentlicher Teil unserer Politik
raum für Schwerpunktsetzungen und notwendige              dient der Stärkung der Landesidentität. Das beste
Stabilisierungsaufgaben zu schaffen.                      Zeugnis dass wir auch hier am besten Wege sind




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


war die letzte Volkszählung. Wenn 1,5 Millionen           führend mitarbeiten. Wir wollen im Hinblick auf eine
Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher            neue Struktur der Republik eine starke Stimme für
sich zu diesem Land bekennen, manche unter                die Regionen sein. Denn nur eine starke Stimme für
schwierigen Umständen, wenn ich an so manche              die Regionen und nur föderale Einrichtungen si-
Wiener denke, die trotz Pression sich dann zu Nie-        chern Bürgernähe, sichern eine effiziente Verwal-
derösterreich bekannt haben, dann zeigt es, dass          tung, sichern – was sehr wesentlich ist – den scho-
wir hier am richtigen Weg sind. Wir sind nämlich          nenden Umgang mit Steuergeldern und sichern
der Auffassung, dass Europa und die fortschrei-           letztendlich die positive Weiterentwicklung der Re-
tende Globalisierung es mehr denn je notwendig            publik Österreich.
machen, den Menschen das Gefühl zu geben, in
Niederösterreich sein zu Hause zu haben. Sich hier             Hohes Haus! Meine geschätzten Damen und
wohl zu fühlen. Und gerade in diesem Bereich wird         Herren! Zum Abschluss noch eine Bitte: Befassen
in den nächsten Jahren entsprechend investiert.           wir uns in den nächsten zwei Tagen, aber vor allem
Wenn ich an die bereits erfolgreichen Aktivitäten         in den nächsten Jahren dieser Legislaturperiode
der Dorf- und Stadterneuerung und an das neue             primär mit unserer ureigenen Politik, nämlich der
Ankurbeln dieser Aktivitäten denke. Aber weil wir         Landespolitik. Und suchen wir hier gemeinsame
gerade vor dem Sommer stehen, an das viel-                Lösungen für anstehende und künftige Probleme
schichtige Kulturprogramm des Landes Nieder-              statt Probleme des Bundes zu wälzen zu deren
österreich. Im Sommer ist Niederösterreich Bühne          Lösung wir keine Kompetenz haben. Wenn wir
und hat somit auch einen wesentlichen Anteil dafür,       diesen Grundsatz beherzigen und unseren nieder-
dass die Identifikation mit diesem Bundesland eine        österreichischen Weg unbeirrt weiter gehen, und
sehr große ist. Wir ein Bundesland sind, wo man           dieses Budget von Landesrat Mag. Sobotka hilft
sich im wahrsten Sinne des Wortes wohlfühlt.              uns dabei, wird unsere Vision, Erweiterungsgewin-
                                                          ner Nummer 1 in Europa zu werden, Realität. In
     Einen Bereich möchte ich noch erwähnen, der          diesem Sinne ist es selbstverständlich, dass die
nicht unmittelbar Eingang in das Budget findet, aber      Österreichische Volkspartei Niederösterreich und
doch unsere Politik nachhaltig beeinflussen wird.         deren Vertreter dieses Budget nicht nur beschlie-
Das ist das Verhältnis zum Bund, das Verhältnis           ßen, sondern acht geben, dass es im kommenden
zur EU, um damit unser Allein-Stellungsmerkmal            Jahr auch entsprechend auf Punkt und Beistrich
als ein prosperierendes Land als Land mit Zukunft,        umgesetzt wird. Um die Zukunft Niederösterreichs
als Region, als blühende Region entsprechend              zu sichern und den niederösterreichischen Weg
abzusichern. Daher werden wir, und wer den Lan-           entsprechend zu unterstreichen. (Beifall bei der
desrat Mag. Sobotka kennt, weiß was ich meine,            ÖVP.)
mit aller Emotion, mit aller Härte und mit aller Kon-
sequenz bei den Finanzausgleichsverhandlungen                 Zweiter Präsident Sacher: Es liegt eine wei-
auftreten um dem Bund klar zu machen, welche              tere Wortmeldung der Frau Abgeordneten Dr.
Verantwortung er für die Länder und für die Ge-           Petrovic vor.
meinden in unserer Republik hat. Und es geht nicht
an, dass der Bund Aufgaben abgibt, aber nicht                 Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Präsi-
entsprechend abgilt. Daher werden wir auf diesen          dent! Sehr geehrte Damen und Herren! Hoher
Bereich unseren Schwerpunkt setzen, dass natür-           Landtag!
lich die Länder und die Gemeinden, was die Fi-
nanzausgleichsverhandlungen anlangt, ihre Posi-                Wie ich das erste Mal von der Causa die Klub-
tion nicht nur erhalten, sondern entsprechend stär-       obmann Mag. Schneeberger jetzt angesprochen
ken.                                                      hat, der elektronische Briefkasten, gehört habe
                                                          über den Anruf eines Journalisten, dass es hier ein
     Und wir werden alles unternehmen, dass wir in        Problem gäbe, dass die ÖVP hier ein Problem
der kommenden Förderperiode der EU, die zwar              sähe, habe ich mir gedacht, das gibt’s ja eigentlich
erst 2006 beginnt, so verhandeln, dass kein Euro in       nicht. Ich habe mir das angeschaut, wie gesagt,
Brüssel liegen bleibt. Dass auch Niederösterreich         über die Worte in der Kommentierung über deren
nach der Erweiterung hier nicht zu kurz kommt,            Härte kann man verschiedener Meinung sein. Aber
sondern seinem Auftrag als Tor und Tür zu den             was dort gestanden ist in elektronischen Buchsta-
neuen europäischen Ländern gerecht werden kann.           ben, denke ich mir, wo ist das Problem?

     Und ganz wesentlich ist mir, dass wir die                 Und wir haben ja auch darüber geredet. Mitt-
starke Stimme im Österreich-Konvent sein werden.          lerweile denke ich mir, mit der Intensität, wie Sie
Als größtes Bundesland erwartet man von uns nicht         versuchen, dieses Thema hoch zu spielen, kann es
zu Unrecht, dass wir im Österreich-Konvent feder-         nicht nur die heiße Sommerluft sein, die da viel-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


leicht zu Gewitterwolken geführt hat, sondern das         elektronischen Briefkasten? Jede Gemeinde hat
muss etwas anderes sein. Und ich denke mir, das,          mittlerweile einen Beschwerdebriefkasten. Aber die
was Sie da heraufbeschworen haben, politische             Opposition in Niederösterreich die soll das nicht
Kultur gefährdet, Aufruf zum Spitzeltum, mit den          haben? (Beifall bei den Grünen.)
Worten die dort stehen hat das nichts zu tun. Jetzt
könnte ich natürlich etwas sarkastisch sagen, ich              Und mittlerweile gibt’s Briefkästen aus Metall
danke herzlich, so eine Werbeaktion für irgendwas         und es gibt elektronische Briefkästen. Na und? Wo
Grünes von Seiten der ÖVP hat es überhaupt noch           ist das Problem? Entweder Sie sagen es gibt keine
nie gegeben. (Beifall bei den Grünen.)                    Skandale, keine Missstände, Mitterndorfer Senke
                                                          hat es nie gegeben, nie haben wir irgendein Prob-
     Also ich bin ja fassungslos. Das wird wohl nicht     lem gehabt. Und nie, nie hat Opposition und Regie-
Ihre wahre Intention gewesen sein. Ich kann nur           rung in diesem Wechselspiel des Aufdeckens, des
mutmaßen. Aber vielleicht können wir ja noch dar-         Sanierens etwas zu tun. (Abg. Hiller: Sie betreiben
über reden. Entweder Sie wollen die Bevölkerung           eine Denunziantenkampagne!)
und die Medien da auf ein Gleis bringen wo ich mir        Oder das ist die Art wie der Kollege hier das offen-
denke, also ich wünsche diesem Bundesland dass            bar sieht, nicht zur Opposition, nicht zu den Me-
es niemals ärgere Sorgen erfahren soll. Dann wäre         dien, zur ÖVP. Wir wissen schon was gut ist für die
es wirklich so eine Quelle der Glückseligkeit. Denn       Leute, wir sind das Land. Und das, meine Damen
es gibt in der Tat ja andere Fragen. Ich brauch das       und Herren, das wollen wir ganz klar nicht! (Beifall
nicht zu wiederholen. Im Umweltbereich, im Sozial-        bei den Grünen.)
bereich. Und ich kann nur den Schluss ziehen,
offenbar will die ÖVP lieber über die grüne Home-              Sie sind, die ÖVP ist, und durch dieses Wahl-
page reden als über die Aufgaben der Zukunft im           ergebnis gestärkt, eindeutig die absolut stärkste
Bereich Ökologie, Sozialpolitik und die Positionie-       Kraft im Lande. Ja. Wissen wir alle. Ist zu respektie-
rung des Bundeslandes in Europa. (Beifall bei den         ren. Aber ich sage Ihnen eines: Das Wesen von
Grünen. – Abg. Hiller: Sowohl als auch! Wir warten        Demokratie ist, je mehr Macht eine Partei auf sich
auf eine Entschuldigung von Ihnen!)                       konzentriert hat, desto mehr an Kontrolle gibt es.
                                                          Und es gibt ein Prinzip in allen Demokratien, in
     Ich weiß nicht ob Sie je gelesen haben was
                                                          allen gefestigten Demokratien: Der, der die Macht
dort steht. Denn dort steht eigentlich ein bisschen
                                                          hat, kann nicht selbst der Kontrollor sein. Das ist
anders formuliert ein bestimmter Artikel der Öster-
                                                          ganz wichtig. Die Trennung von Vollziehung und
reichischen Bundesverfassung. Also für den, denke
                                                          der Kontrolle.
ich mir, möchte ich mich nicht entschuldigen. Und
ich lade Sie ein, wir können uns gemeinsam an-
schauen, was dort eingeht. Was dort eingeht und                Das wird manchmal zu einem Spannungsver-
was den Leuten, natürlich werden wir Ihnen nicht          hältnis führen, ja. Und es wird manchmal auch Di-
die Absender nennen. (Abg. Moser: Die sind ja             vergenzen geben. Über Stil und Fragen des Stiles
immer anonym die Absender!)                               kann man reden. Aber dass es das geben muss,
                                                          nennen Sie es Briefkasten, nennen Sie es Om-
     Jetzt denke ich mir, niemandem hier in dem           budsstelle, also dieses Recht werden sich die Grü-
Saal, niemandem ist irgend ein Fall bekannt. Nie-         nen, wird sich keine andere Fraktion in einer De-
manden ist irgend ein Fall bekannt im Land wo             mokratie nehmen lassen! (Beifall bei den Grünen.)
jemand der Beschwerde geübt hat, der zum Bei-
spiel gesagt hat bei uns in der Gemeinde gibt’s ein            Ich würde Ihnen vorschlagen, auch mit den
Umweltproblem. Bei uns in der Gemeinde gibt’s ein         Worten sehr vorsichtig zu sein. Denn sie nehmen
Problem im Schulwesen irgendwo. Hat ja noch nie           für sich in Anspruch, Sie können bei den anderen
einer einen Nachteil gehabt. Immer hat die ÖVP            recht beckmesserisch Fehler feststellen. Und viel-
gesagt wunderbar dass du Kritik übst. Herrlich, wir       leicht gibt es auch Fehler, das will ich gar nicht
schätzen es. Wir gehen immer auf die Kritik ein und       sagen. Aber dass Sie auch in Ihrer Diktion und in
wir haben es immer noch allen Recht gemacht.              Ihrem Stil frei von Fehlern wären, also da wäre ich
(Abg. Nowohradsky: Für so naiv brauchen Sie uns           mir nicht so sicher. (LR Mag. Sobotka: Hat auch
nicht halten!)                                            niemand gesagt!)
Ist das so in Niederösterreich? Offenbar geht die         Wie gesagt, die Gestapo-Methoden, oder das Wort
ÖVP davon aus. Und Sie verkennen, und wenn Sie            von den Anfängen zu wehren, das wird in diesem
sagen, irgendwo, also ich muss schon sagen bei            Land in einem ganz bestimmten Kontext verstan-
der Diktion auf allen Seiten. Und insbesondere, was       den. Und dieser Kontext ist ein ganz anderer, ein
da für Worte gefallen sind. Also huch, da habe ich        viel gravierenderer als dieser hier. (Beifall bei den
mir schon gedacht, „Gestapo-Methoden“. Bei einem          Grünen, Abg. der SPÖ und FPÖ.)




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


      Und ein Allerletztes. Denn Sie haben gesagt,       als Ombudsmann einführen, na selbstverständlich!
die überzeugenden Werte an Vorzugsstimmen                Steht jedem offen. Wir haben so viele Ombuds-
überhaupt nicht nur für den Landeshauptmann als          männer, warum soll es uns auf einen mehr oder
Person, auch für die anderen Kandidatinnen und           weniger darauf ankommen? Selbstverständlich!
Kandidaten, die regionalen Kandidatinnen und             Desto mehr kann sich der Bürger artikulieren, desto
Kandidaten. Und wir alle, bei den Grünen und bei         mehr Chancen hat der Bürger seine Interessen
allen anderen Fraktionen, jede und jeder hat sich        umzusetzen bzw. Konflikte zu lösen. Nur, wie es
auch gefreut über die eigenen Vorzugsstimmen.            geschehen ist, in welcher Art und Weise, wie es
Vor allem umso mehr es waren. Nur, ich sage Ih-          kommentiert ist. Da heißt es: Pröll hat ein Problem
nen Eines: Dieses Prinzip, das Sie da jetzt offenbar     – uns. Das wär sein geringstes Problem. Das ha-
ansprechen, wir haben die Macht und wir nehmen           ben die Wähler entschieden! (Beifall bei der ÖVP.)
für uns in Anspruch, dass wir auch selber wissen,
wie wir es noch verbessern können, was die Bürge-             Zweiter Präsident Sacher: Nun ist die Red-
rinnen und Bürger wollen und was sie nicht wollen        nerliste erschöpft. Der Herr Berichterstatter hat das
... (LR Mag. Sobotka: Es gibt genug Institutionen        Schlusswort.
wo man das äußern kann! Es kommt nur darauf an
wie!)                                                        Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Ich
Es gibt genug Institutionen. Und eine davon sind         verzichte!
die Grünen. Eine davon sind die Grünen. (Beifall
bei den Grünen.)                                              Zweiter Präsident Sacher: Damit, Hohes
Und es wenden sich immer die Leute in der Demo-          Haus, bitte ich den Hohen Landtag, in die Spezial-
kratie ... (LR Mag. Sobotka: Es ist unbenommen!          debatte einzugehen. (Nach Abstimmung über das
Das ist auch das Recht und die Pflicht! Aber nicht       Eingehen in die Spezialdebatte:) Ich habe kein
Denunzierung!)                                           Zeichen von den Grünen gesehen. Sind die Grünen
Ja, na eben. Also dann zu sagen, wo der Schuh            also dagegen? Nicht! Ich gehe davon aus, dass
drückt, das ist nicht Denunzierung, sondern das ist      das ein Missverständnis der Grünen war und daher
das Aufzeigen von Missständen. Und um damit              wir einstimmig in die Spezialdebatte eingehen kön-
noch zum Schluss zu kommen: Es gäbe Systeme.             nen.
Da würden die Regierenden noch viel mehr Prozent
als 51, 52, 53 Prozent zusammen bringen, da brin-             Ich beabsichtige, bei der Spezialdebatte die
gen Sie 100 Prozent zusammen. Und ich glaube,            Beratung und Beschlussfassung über alle Gruppen
derartige Systeme sollten wir uns nicht und nie          des Voranschlages sowie des Dienstpostenplanes
wieder wünschen! (Beifall bei den Grünen.)               2004 abzuführen und nach Verabschiedung über
                                                         den Voranschlag des Landes Niederösterreich für
    Zweiter Präsident Sacher: Es liegt nun auch          das Jahr 2004 als Ganzes hinsichtlich Erfordernis
eine zweite Wortmeldung von Herrn Klubobmann             und Bedeckung sowie des Dienstpostenplanes
Mag. Schneeberger vor.                                   2004 und über den Antrag des Wirtschafts- und
                                                         Finanz-Ausschusses zum Voranschlagspunkt I bis
    Abg. Mag. Schneeberger (ÖVP): Herr Präsi-            VII abstimmen zu lassen. Bei der Abstimmung über
dent! Hohes Haus! Meine geschätzten Damen und            die einzelnen Gruppen des Voranschlages beab-
Herren!                                                  sichtige ich, zunächst über allfällige Abänderungs-
                                                         anträge zum Voranschlag 2004, dann über die
    Ich glaube, Frau Dr. Petrovic, Sie verkennen         Gruppe selbst und zum Schluss über allfällige zu
die Situation: Uns geht es überhaupt nicht darum         der jeweiligen Gruppe eingebrachten Resolutions-
dass wir ankreiden wenn die Freiheitlichen, die          anträge abstimmen zu lassen.
SPÖ oder eine andere Gruppierung, die Grünen,
eine Quasi-Ombudsfunktion wahrnehmen. Das                    Ich ersuche nun den Berichterstatter, Herrn
gehört einfach zu einer Demokratie dazu. Aber            Abgeordneten Doppler, zur Gruppe 0, Vertretungs-
davon zu reden, dass Leichen im Keller eines Lan-        körper und allgemeine Verwaltung zu berichten.
deshauptmannes sind, das ist Denunziation. Und
das lehnen wir ab! (Beifall bei der ÖVP.)                    Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Die
                                                         Gruppe 0, Vertretungskörper und allgemeine Ver-
     Es ist die Frage des Stils, der hier mit Füßen      waltung, enthält Landtag, Landesregierung, Amt
getreten wurde. Und das wurde wörtlich zitiert aus       der Landesregierung, Bezirkshauptmannschaften,
den Worten der Grünen. Und das lehnen wir ab,            Sonderämter, sonstige Aufgaben der allgemeinen
liebe Freunde! Das kann nicht der Stil sein den wir      Verwaltung, Personalvertretung, Pensionen und
in Niederösterreich brauchen. Wenn die Grünen            Personalbetreuung. Ausgaben von 593,682.200
einen Briefkasten, einen elektronischen Briefkasten      Euro stehen Einnahmen von 84,656.500 Euro ge-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


genüber. Der Anteil der Ausgaben am Ausgaben-             Wie schon vorhin erwähnt, werden vor allem die
volumen beträgt 12,87 Prozent. Ich bitte, die De-         Unternehmen dazu gedrängt, Behinderte einzu-
batte einzuleiten.                                        stellen. Und ich finde, das ist vollkommen richtig
                                                          und es ist ein richtiger Weg. Aber das Land selbst
     Zweiter Präsident Sacher: Danke für die Be-          geht nicht mit gutem Beispiel voran. Hier sollte man
richterstattung. Als Erster zu Wort gemeldet ist Herr     in der Zukunft, und vor allem der Personalreferent,
Abgeordneter Mag. Ram.                                    dementsprechende Änderungen herbeiführen.

    Abg. Mag. Ram (FPÖ): Geschätzter Herr Prä-                 Positiv finden wird, dass der Bereich des Tier-
sident! Meine sehr verehrten Damen und Herren!            schutzes aufgewertet wird und hier den Forderun-
                                                          gen der Tierschutzorganisationen nach stärkerer
     Wir kommen zur Gruppe 0, Vertretungskörper           finanzieller Unterstützung endlich Rechnung getra-
und allgemeine Verwaltung. Dazu ist Folgendes zu          gen wird.
sagen: Die Personalkosten, und das ist für mich
eigentlich das Auffälligste, die Personalkosten sind            Besonders am Herzen liegt uns die Baurechts-
auch diesmal wieder enorm angestiegen und zwar            aktion. Und ich weiß, dass die SPÖ auch einen
um 4 Millionen Euro beim Amt der Landesregie-             Antrag einbringt und wir bringen heuer auch wieder
rung, Position 020. Und hier sollte man sich schon        einen Resolutionsantrag im Zusammenhang mit der
vor Augen halten, ob das eine richtige Entwicklung        Gruppe 0 des Voranschlages des Landes Nieder-
ist.                                                      österreich ein betreffend der Baurechtsaktion für
                                                          Rückkaufmöglichkeiten für Baurechtsinhaber. Die-
     Ich glaube, dass man für die Zukunft danach          sen Antrag möchte ich gerne zur Kenntnis bringen
trachten sollte, dass die Personalkosten nicht jedes      (liest:)
Mal neu ansteigen, sondern dass es auch hier zu
den entsprechenden Einsparungen und zu Ver-                                 „Resolutionsantrag
waltungsvereinfachungen kommen sollte.                         der Abgeordneten Mag. Ram und Waldhäusl
                                                          zur Gruppe 0 des Voranschlages des Landes Nie-
     Kurz zusammengefasst stimmen wir dieser              derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,
Gruppe 0 nicht zu, wir lehnen sie ab aus den ver-         betreffend Baurechtsaktion – Rückkaufsmöglichkeit
schiedensten Gründen. Ein Punkt ist der enorme            für Baurechtsinhaber.
Anstieg der Personalkosten. Ein Punkt, der uns
ebenfalls nicht behagt, dass auch heuer wieder für             Die Baurechtsaktion des Landes Niederöster-
den Informationsdienst der Landesregierung                reich gibt jungen Familien die Möglichkeit, ein Ei-
3,737.500 Euro aufgewendet werden. Viele fragen           genheim günstig zu errichten und das Schlagend-
sich, was ist der Informationsdienst der Landesre-        werden der Grundstückskosten auf einen späteren
gierung? Dort ist alles enthalten was ihr immer           Zeitpunkt zu verschieben. Doch sind größere Ge-
bekommt und was die Bevölkerung bekommt, näm-             meinden - und vor allem Städte - von dieser Bau-
lich diese bunten Broschüren mit den vielen Bil-          rechtsaktion ausgenommen. Wiederholt wurde eine
dern.                                                     Überarbeitung der Richtlinien für die Baurechtsak-
                                                          tion beantragt. Da vor allem in den städtischen
     Jenen Bildern, wo sich die Mitglieder der Lan-       Bereichen die Grundstückskosten höher und von
desregierung, von denen nur noch eine bei uns             der NÖ Baurechtsaktion ausgenommen sind, sie-
anwesend ist im Moment, oh, eine zweite auch,             deln Jungfamilien zunehmend in die Umlandge-
relativ gerne ablichten lassen und auch dement-           meinden. Es scheint daher angebracht, die Bau-
sprechend für die Verbreitung ihres Bildes sorgen.        rechtsaktion auf den städtischen Bereich auszu-
Die Bevölkerung empfindet diese Broschüren mit            dehnen. Ähnlich der vorzeitigen Rückzahlung von
diesen vielen Bildern oftmals als Belästigung, als        Wohnbauförderungsdarlehen soll auch ein begüns-
Werbung im personalen, persönlichen Bereich,              tigter vorzeitiger Erwerb von Baurechtsgründen
aber nicht als Informationsdienst. Deswegen lehnen        ermöglicht werden. Die rückfließenden Mittel kön-
wir auch diesen Punkt ab.                                 nen unter anderem für eine Ausdehnung der Bau-
                                                          rechtsaktion auf städtische Bereiche, die von Ab-
     Zum Punkt allgemeine Verwaltung ist schon zu         wanderung betroffen sind, verwendet werden.
sagen, und das habe ich schon in meiner Rede
                                                              Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
vorhin gesagt, dass wir bei weitem nicht zufrieden
sind damit wie das Behinderteneinstellungsgesetz              Der Hohe Landtag wolle beschließen:
gehandhabt wird. Ich glaube, es ist eine Schande
für unser Bundesland, dass sich unser Bundesland              Die Landesregierung wird aufgefordert, im
frei kauft und nicht genügend Behinderte einstellt.       Sinne der Antragsbegründung geeignete Maßnah-




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Landtag von Niederösterreich             Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


men zu ergreifen, um einerseits den Baurechtsin-              den Voranschlag zum Gegenstand hat die jetzt
habern einen begünstigten vorzeitigen Erwerb der              ausgeteilte Budgetrede des Landesrates. Man er-
Grundstücke zu ermöglichen und andererseits eine              fährt hier im Hohen Haus, dass wir intensiv im Be-
Erweiterung der Baurechtsaktion auf jene städti-              reich der Stammzellenforschung weiter gehen wol-
schen Bereiche, die von Abwanderung betroffen                 len, den ich für sehr problematisch halte so wie er
sind, durchzuführen.“                                         angedacht ist. Ich erfahre es hier als neue Manda-
                                                              tarin der Opposition, dass wir bis 2004 die Kran-
      Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich              kenhäuser, alle Krankenhäuser in Niederösterreich
glaube, dass dieser Antrag ein überaus vernünftiger           mit den Ärzten vernetzen wollen.
ist. Und dass hier vor allem im städtischen Bereich
einiges getan werden muss. Und ich ersuche des-                    Sehr geehrter Herr Landesrat! Es wurde heute
wegen auch an dieser Stelle um Ihre Unterstützung             schon gesagt, Kritik wird gerne aufgegriffen. Viel-
bei unserem Resolutionsantrag.                                leicht ist es eine Idee dass man den Voranschlag
                                                              auch so aufbereitet, über ein Zahlenwerk hinaus-
     Zusammenfassend zur Gruppe 0, zu der auch                gehend, dass es allen politischen Mandatarinnen
mein Kollege Waldhäusl noch sprechen wird, kann               möglich ist, politisch zu einer Meinung zu kommen.
ich nur noch eines sagen: Wir lehnen diese Gruppe
0 ab aus jenen Gründen die ich schon erwähnt                       Ich glaube, man tut gut daran als Mehrheits-
habe. (Beifall bei der FPÖ.)                                  partei, wenn man die anderen nicht mit Zahlen
                                                              erschlägt, sondern dies auch befüllt. Gerade auch
    Zweiter Präsident Sacher: Die nächste                     im Lichte der NÖ Gemeindeordnung. Wir verordnen
Wortmeldung Frau Abgeordnete Dr. Krismer.                     unseren Kommunen sehr wohl, dass sie mittelfris-
                                                              tige Finanzpläne machen sollen, und die meisten
    Abg. Dr. Krismer (Grüne): Sehr geehrter Herr              größeren Städte befüllen diesen Plan auch mit
Präsident! Sehr geehrter Herr Landesrat Mag.                  konkreten Projekten, also sogenannten Entwick-
Sobotka! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen des              lungsplänen.
Hohen Hauses!
                                                                   Nun zum Detail: Was die Vertretungskörper
     Kollege Mag. Ram hat heute in seiner ersten              betrifft. Es ist schwierig, das gebe ich zu, zu sagen,
Wortmeldung wieder auf den schlanken Staat, auf               der Gruppe 0 werden wir nicht zustimmen. Es gibt
die schlanke Verwaltung hingewiesen. Also für                 aber einige Punkte in der Gruppe 0, und da spre-
meinen Geschmack ist diese Schlankheit, also der              che ich die Repräsentationen an, die Repräsentati-
schlanke Staat und die schlanke Verwaltung sind               onen der Landesregierung, das sind so Zahlen, da
Unwörter geworden. Und ich glaube, dass mit die-              hat man keinen Überblick. Ich habe mir das ausge-
ser Tendenz, die insbesondere von den Freiheitli-             rechnet, das sind in etwa 2.300 Euro, die der Lan-
chen eingeleitet wurde, im Bereich Verwaltung ein             desregierung pro Tag zugeordnet wird. Diesem
Fitnesskult Raum gegriffen hat. Man kann eine                 Hohen Haus werden lediglich 118 Euro pro Tag
Verwaltung auch aushungern. Wir haben in Nieder-              zugeordnet. Das sind für jeden Mandatar läppische
österreich einen Anteil von in etwa 12,8 Prozent.             2 Euro am Tag.
Ich würde meinen, das ist nicht schlank, aber es ist
in weiten Bereichen zufriedenstellend.                             Also hier wäre ein gewisses Augenmaß und
                                                              auch im Sinne eines Voranschlages im öffentlichen
     Es geht hier um die Qualität in der Verwaltung.          Haushalt, der nach Sparsamkeit und Zweckmäßig-
Es geht darum, dass wir eine sehr, sehr hohe Kun-             keit vorzugehen hat, dass man hier die Repräsen-
denzufriedenheit haben. Die liegt, ich habe das aus           tationskosten ein wenig straffen möge. Ähnlich ist
einer Studie, bei 80 Prozent, wahrscheinlich auch             es bei den dubiosen Posten und die Posten kennen
real ein wenig darunter. So würde ich meinen, dass            wir alle, variable Reisekosten. Darin enthalten sind
es Ziel von uns allen ist, vielleicht ist auch ein Brief-     natürlich mehr Kosten als jetzt nur das Kilometer-
kasten der Grünen Hilfe dazu, dass sich die Bürge-            geld, das ist mir bewusst, aber auch um hier Vor-
rinnen wohl fühlen bei uns.                                   stellungen zu bekommen: Das bedeutet, dass wir in
                                                              Niederösterreich 600 mal um die Erde fahren
     Schlank gehalten hingegen ist der Voranschlag            könnten wenn man das aufs amtliche Kilometergeld
als solches und Ganzes. Wahrscheinlich bin ich als            bezieht.
Kommunalpolitikerin der Stadt Baden verwöhnt. Ich
kenne einen Voranschlag der einige Berichte ent-                  Ja, und das wissen auch alle Mandatarinnen in
hält, die mitunter nur eine A4 Seite umfassen. Für            diesem Land, das pflegt auch der Landeshaupt-
mich als neue Mandatarin, und das muss ich zur                mann immer zu sagen, Niederösterreich ist ein
Kenntnis nehmen, ist es so, dass der Bericht für              weites Land. Es ist auch ein weites Land. Aber




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


auch hier wären vielleicht Einsparungspotenziale          wem das bekannt ist, dass hier die Logistik schnel-
gegeben. Auch, und wenn ich die Gleichbehand-             ler funktioniert. Dass es möglich ist, dass Tiere, die
lungskommission betrachte, so sind für die Gleich-        bei so einem gewaltigen Fall da entstanden sind,
behandlungskommission nur 3.000 Euro für ein              ich glaube, das waren 30 bis 50 Tiere, raschest
ganzes Kalenderjahr vorgesehen. Die Verhältnis-           innerhalb von zwei Tagen versorgt werden können.
mäßigkeiten und die Verteilungen sind hier meines         Hier ist noch Bedarf gegeben. (Beifall bei den Grü-
Erachtens noch zu korrigieren.                            nen.)

     Auf der anderen Seite ein leichtes Plus, na no            Und abschließend auch ein Hinweis. Ja, Tier-
na net, wir sind im Wahljahr noch immer. Wir hatten       schutz ist Sache der öffentlichen Hand. Das hat
eine Wahl. Die Agrarbehörde bekommt wieder ein            gestern der Landeshauptmann wieder betont. So
leichtes Plus.                                            wie wir mit den Tieren umgehen zeichnet sich auch
                                                          ab oder lässt daraus schließen, wie wir Menschen
    Geschätzte Damen und Herren des Hohen                 miteinander umgehen. Dem kann ich nur zustim-
Hauses! Wir haben alle noch in Erinnerung, dass           men. Aber der Großtierbereich ist nicht drinnen. Es
es rund um die Landtagswahl in Niederösterreich           sind nur die Katzen und die Hunde drinnen. Die
zu Vorfällen gekommen ist, dass wir Mehrfach-             Missstände, die wir haben, wäre es notwendig, im
wählerinnen in diesem Land hatten. Das kann nicht         Großtierbereich, aber auch im Hühnerbereich et-
im Sinn der Demokratie sein dass das so derart            was zu tun. Und ich würde meinen, wenn wir hier
ausgenützt werden kann. Das ist sichtlich ein Sys-        Tierschutzorganisation unterstützen würden, mit
temfehler. Dieser Systemfehler sollte korrigiert wer-     denen Verträge machen, dass die für uns die ex-
den. Mit einem Budget von 74.000, glaube ich, ist         terne Prüfung vor Ort machen sollten.
das vielleicht zu gering bemessen, da wir letztes
Jahr 68.000 hatten. Also für eine Harmonisierung                Herr Landesrat Mag. Sobotka, Sie wissen das
dieser Evidenzen wäre vielleicht mehr Geld not-           ganz genau, „Tonis Freilandeier“ kooperieren mit
wendig.                                                   einer Tierschutzorganisation. Und das ist genau die
                                                          Vorgangsweise die Sie im Grunde im wirtschaftli-
     Ein Bereich, der mir als Veterinärmedizinerin        chen Bereich unterstützen. Ich lagere mir das aus.
sehr am Herzen liegt, ist der Konsumentenschutz.          Kann dann sagen, niederösterreichische Betriebe
Der Konsumentenschutz der ausgewiesen ist in der          werden, wer kann das besser, das ist Ihr Gebiet,
Gruppe 0 wurde veranschlagt mit 75.000 Euro.              von Tierschutzorganisationen geprüft. Unter dem
Werte Kolleginnen und Kollegen der Sozialdemo-            Strich wäre, wenn wir dort etwas hineinstecken,
kratie, jetzt sind da noch wenige im Hause, ich           glaube ich, und da komme ich wieder auf den Kon-
würde aber meinen, Sie brauchen sich nicht rüh-           sumentenschutz, viel getan in diesem Lande. (Bei-
men, 2.500 herausverhandelt zu haben. Das ist             fall bei den Grünen.)
eher ein läppischer Bereich. Auch wenn wir wissen,
dass die BSE-Kosten dieses Jahr noch immer sich              Zweiter Präsident Sacher: Als Nächster zu
mit 1.500 Euro im Budget zu Buche schlagen.               Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Kautz.

     Abschließend noch ein Bereich der sozusagen              Abg. Kautz (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsi-
in mein Ressort fällt, das sind die Tierschutzorgani-     dent! Meine sehr geschätzten Damen und Herren!
sationen. Von den Freiheitlichen lobend erwähnt.
Auch dieser Posten, den muss man sich ein biss-                Bevor ich mich mit der Gruppe 0 als solche be-
chen genauer anschauen. Ich war gestern, wo auch          schäftige, glaube ich, ist es notwendig, einmal eine
unser Landeshauptmann war, im Tierschutzhaus              Klarstellung zu treffen. Wenn der Herr Klubobmann
Krems. Es ist so, dass wir in Niederösterreich ei-        Mag. Schneeberger gesagt hat, man möge das
nige wenige Tierschutzheime haben. Das sind die           Land, diesen Landtag nicht als Ersatzbühne für den
Liebkinder der Landesregierung. Andere, die we-           Bund benützen. Es wäre uns angenehm, wenn wir
nige Katzen halten, die sehr bemüht sind, fallen da,      es nicht tun müssten. Nur, meine sehr geschätzten
also sind da nicht mit bemessen.                          Damen und Herren, die Auswirkungen, die diese
                                                          Bundesregierung jetzt im Budget beschlossen hat,
    Des weiteren hoffe ich, dass, wenn diese we-          jetzt mit den Budgetbegleitgesetzen beschlossen
nigen Tierschutzorganisationen diese Tierheime            hat, die bleiben ja nicht an Niederösterreichs Gren-
auch vom Land, von der öffentlichen Seite – und           zen hängen. Die treffen den Herrn Landesfinanz-
das ist eine öffentliche Aufgabe, ich glaube, da sind     referenten genauso wie die Gemeinden. Daher bitte
wir uns einig - unterstützt wird, sollten wir auch        ist es ein Blödsinn wenn ich so sagen darf, dass ich
fordern, dass so Vorfälle wie dieses Jahr in              hier mich herstelle und sage, das hat mit dem Land
Pommersdorf mit diesen Hunden, ich weiß nicht             Niederösterreich nichts zu tun. Wir sind ein ge-




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


meinsamer Staat, wo die Gebietskörperschaften              und was der Kopf macht, wissen beide Hände
Bund, Land und Gemeinden miteinander kooperie-             nicht. So passiert es oft. Und daher, glaube ich, ist
ren müssen und es eine Wechselwirkung gibt. Da-            es vernünftig, die Anregung des Rechnungshofes
her glaube ich ist es nicht richtig, dass man hier         aufzunehmen und das alles in ein Ressort zusam-
sagt, der Bund geht uns nichts an, lasst das alles         men zu geben.
stehen, das ist nicht Landessache. Das ist das
Erste.                                                           Wobei ich feststellen muss, dass gerade in der
                                                           örtlichen Raumordnung es zuviele Selbstdarsteller
     Das Zweite: Wir wissen es, und ich kenne es ja        gibt. Ich habe es schon einmal hier gesagt, und ich
schon lange genug, sich hier her zu stellen und zu         habe auch wieder Beispiele da, wo verschiedene
sagen, das ist zu wenig, das ist zu viel, die be-          Sachverständige, naja von Fingerspitzengefühl will
rühmte Oberlehrermethode, wir kennen sie. Nur              ich gar nicht reden, dass sie es nicht besitzen. Aber
bitte, lassen Sie Frau Landesrat Kranzl einmal Zeit,       eine Gesetzesauslegung, die an den Haaren her-
dieses Ressort aufzubauen. Bis jetzt war der Kon-          beigezogen ist. Betroffen sind Bürger und Gemein-
sumentenschutz auf drei bis vier verschiedene              den. Daher glaube ich weniger Selbstdarsteller und
Ressorts verteilt. Lassen Sie ihr Zeit, dieses Res-        mehr Fingerspitzengefühl.
sort aufzubauen und prüfen wir dann und reden wir
dann. Nur, im Vorhinein zu sagen, das ist schlech-              Viele Selbstdarsteller, es gibt nicht viele
ter, das soll anders sein, Besserwisser gibt es            Selbstdarsteller, wenige gibt es auch für die Regio-
überall.                                                   nalmanagements. Auch hier ein ganz offenes Wort,
                                                           meine sehr geschätzten Damen und Herren: Ein
     Doch eines muss ich dem Herrn Landesfinanz-           altes Sprichwort sagt, wer zahlt schafft an. Bei den
referenten auch sagen: Wir werden wahrscheinlich           Regionalmanagements ist das anders. Zahlen tun
mehr Geld brauchen, das ist schon klar. Ich glaube,        die Gemeinden, anschaffen tut wer anderer. Ob sie
das ist auch einem Finanzreferenten klar. Nur mo-          es brauchen oder nicht, die Gemeinden, ist eine
mentan ist eben nicht mehr in der Kasse gewesen.           zweite Frage. Also ich glaube, hier müsste man mit
Ich bin aber überzeugt, wenn wir es mit dem Kon-           einem eisernen Besen hineinfahren, dass das pas-
sumentenschutz ernst nehmen, dann werden wir               siert was notwendig ist. Und dass die anschaffen,
mehr Geld brauchen. (Beifall bei der SPÖ und Abg.          die auch zahlen. Und dass das gearbeitet wird und
der Grünen.)                                               das geleistet wird was gebraucht wird. Nicht
                                                           Selbstdarsteller oder sonst irgend etwas. Hier
     Und noch eine Anmerkung zum Herrn Klub-               könnte man konstruktiver und vernünftiger arbeiten
obmann Mag. Schneeberger: Unser Klubobmann                 als wie es jetzt der Fall ist.
hat gesagt, die Zahlen lügen nicht. Er hat die Zah-
len ein bisschen anders interpretiert. Denn wenn                Meine sehr geschätzten Damen und Herren!
man von der Beschäftigtenzahl ausgeht, so stimmt           Wir haben viele Diskussionen über die Zuständig-
sie. Nur hat er nicht dazu gesagt, dass da viele           keiten. Und ich höre immer wieder, wir sind so, so
Teilzeitbeschäftigte dabei sind. Ich kenne Teilzeit-       gut gerüstet für die Osterweiterung. Für unseren
beschäftigte, es gibt Teilzeitlöhne, Teilzeitgehälter,     Bereich, den Süden, kann ich das nicht unterstrei-
nur es gibt keine Teilzeitlebenshaltungskosten und         chen. Es mag vielleicht im Wald- und Weinviertel
keine Teilzeitmiete. Das heißt, wenn ich das eine          der Fall sein, ich glaube es auch dort nicht dass wir
sage, muss ich das andere auch mit einbinden.              so gerüstet sind, aber vor zwei Jahren habe ich hier
Oder ich bin bewusst darauf aus, etwas zu über-            zum selben Thema schon Stellung genommen und
tünchen. (Beifall bei der SPÖ.)                            habe gesagt, Freunde, im Raum Bratislava, Hain-
                                                           burg, Wr. Neustadt muss etwas geschehen wenn
     Nun, meine sehr geschätzten Damen und Her-            die Osterweiterung kommt. Gegenfrage: Was ist
ren, darf ich mich meinen drei eigentlichen Punkten        passiert außer nichts oder fast nichts? Regional-
zuwenden. Grundsätzlich einmal die Raumordnung.            manager haben wir bekommen! Selbstdarsteller
Wir haben Raumordnung, Regionalpolitik, EU-Re-             haben wir! Aber weiter gegangen ist auf dem Sek-
gionalpolitik und Regionalmanagements. Drei In-            tor nichts. 350 Tage und der Osten ist offen. Wir
strumente, alle gehören zur Raumordnung zusam-             sind dann eine gemeinsame Region. Nur, ob wir
men, sollte man glauben. Bis jetzt haben wir drei          darauf vorbereitet sind? Ich sage Nein. Und da,
verschiedene Ressortchefs. Drei Themen, drei               glaube ich, sollte mehr passieren im Zuge der Re-
Regierungsmitglieder, wenig Koordination. Und die          gionalpolitik. Es gibt ja dann noch einen Resoluti-
Erfolge sieht man daraus. Auch der Rechnungshof            onsantrag dazu von der anderen Fraktion.
hat das kritisiert. Und wir sind auch der Meinung,
das müsste in einer Hand beisammen sein. Denn                   Nun, meine sehr geschätzten Damen und Her-
was die linke Hand macht, weiß die rechte nicht            ren, darf ich zum zweiten Thema kommen, Bau-




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rechtsaktion. Auch hier hat es zwischen SPÖ und          verkehrsinfrastrukturelle Maßnahmen, Schulen,
ÖVP immer unterschiedliche Meinungen gegeben.            Spitäler, etc., die dem gesamten Umland zu Gute
Man ist davon ausgegangen, Abwanderungsge-               kommen, tragen müssen.
meinden, finanziell schlechte Gemeinden sollen
unterstützt werden. Haben wir überhaupt nichts               Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
dagegen. Nur, die Volkszählung hat gezeigt, dass
auch Gemeinden mit vielen tausend Einwohnern,                 Die Niederösterreichische Landesregierung
sprich Städte, davon betroffen sind. Auch hier gibt      wird aufgefordert, angesichts der Resultate der
es Abwanderung, auch manche Städte haben ei-             jüngsten Volkszählung die Anlage I entsprechend
nen schlechten Pro-Kopf-Einkommensstand. Auch            der Regelung des Punktes 2.1 der Förderungsricht-
hier müsste versucht werden, eine Lösung der Bau-        linien 1997 der Baurechtsaktion des Landes Nie-
rechtsaktion zu schaffen.                                derösterreich, der unter anderem den Ankauf von
                                                         Grundstücken in Abwanderungsgemeinden festlegt,
     Und es gibt auch hierüber einen Rechnungs-          anzupassen.“
hofbericht, der anregt, einen Grundstücksfonds zu
schaffen. Und jetzt komm ich noch einmal auf die             Ich bitte hier um Ihre Zustimmung.
Raumordnung zurück. Wir haben vor drei Jahren
ein Gesetz beschlossen, Mobilisierung des Baulan-             Nun, meine sehr geschätzten Damen und Her-
des. Es war ein Rohrkrepierer, ich gestehe es. Wir       ren! Mein dritter Schwerpunkt, das Kommunalwe-
haben es gut gemeint, es hat nicht so funktioniert       sen. Die schlechte Politik von Land und Bund bringt
wie wir uns das vorgestellt haben. Nur, passieren        die Gemeinden immer mehr in Schwierigkeiten.
muss etwas. Denn es passiert immer wieder, dass          (Unruhe bei LR Mag. Sobotka.)
Bauland umgewidmet wird, dass Bauland gehortet
wird, die Gemeinden sich nicht weiter entwickeln              Wir sprechen zwar immer wieder ... Herr Lan-
können, weil der eine oder andere Umstand aufge-         desrat, ich werde es dir an Zahlen beweisen. Wir
treten ist.                                              sprechen zwar immer wieder davon dass die Ge-
                                                         meinden und das Land Partner sind. Wir sind auch
      Und ich könnte mir schon vorstellen, dass die      teilweise Partner, teilweise mit ungleichen ... (Un-
Mobilisierung des Baulandes oder der Bauland-            ruhe bei LR Mag. Sobotka.)
fonds auch eine Möglichkeit wäre, Bauland zu mo-         Herr Landesfinanzreferent, hör mir zwei Minuten
bilisieren und Bauland zu bekommen und damit             zu, ich werde dir dann sagen, wo man Geld her-
auch in der Baurechtsaktion dementsprechend              nehmen könnte und wo man uns die Haare schnei-
Grundstücke zur Verfügung zu haben. Ich darf da-         det. Es ist so. (LR Mag. Sobotka: Ich kann dir
her auch einen Resolutionsantrag einbringen (liest:)     sagen woher du Geld nehmen kannst. Gewisse
                                                         Finanzierungselemente sind zu nutzen und so
                  „Resolutionsantrag                     weiter!)
                                                         Ich höre.
    des Abgeordneten Kautz zur Gruppe 0 des              Herr Landesrat! Mir sagst du das? Das, was du da
Voranschlages des Landes Niederösterreich für            gesagt hast, was wir in Neunkirchen betreiben, sind
das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Änderung          wir ein bisschen vor dem Land schon dabei. Das
der Richtlinien der Baurechtsaktion des Landes           PPP-Modell, wir haben es, nur das Land Nieder-
Niederösterreich.                                        österreich hat es noch nicht. Nur damit wir wissen
                                                         wovon wir reden.
     Seit dem Jahr 1983 wird in Niederösterreich
die Baurechtsaktion jungen Familien zur Ermögli-              Ich sage nur zwei Punkte: 1992, da gab es ei-
chung der Schaffung eines Eigenheimes durchge-           nen SPÖ-Finanzminister, gab es in Niederöster-
führt, wobei nach den Richtlinien Grundstücke in         reich zehn Sanierungsgemeinden. 2000, da war der
Abwanderungsgemeinden oder in finanzschwachen            ÖVP-Finanzminister, gab es 21 Sanierungsge-
Gemeinden angekauft werden. Da die Ergebnisse            meinden. 2002, Finanzminister ist der gleiche
der jüngsten Volkszählung nunmehr bekannt sind,          geblieben,    25    Sanierungsgemeinden.    (Abg.
ist auch die Anlage I zu den Richtlinien der Bau-        Weninger: Die Partei hat er gewechselt!)
rechtsaktion des Landes Niederösterreich entspre-        Ja, und die Person ist gleich geblieben.
chend anzupassen, wobei festzustellen ist, dass
nunmehr vor allem auch die Städte damit kämpfen,             Und 2003 sind es jetzt 29 Sanierungsgemein-
dass jüngere Familien ins Umland abwandern, da           den. Herr Finanzreferent, jetzt magst du schon
sie sich den Erwerb eines Baugrundstückes auf            Recht haben mit deiner Argumentation, na such‘ dir
städtischem Gebiet nicht leisten können, diese           wo Geld. Aber von den 29 sind 20 ÖVP-Gemeinden
allerdings die großen Lasten und Ausgaben für            und nur 9 SPÖ-Gemeinden. (LR Mag. Sobotka:




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Dann schau nach Rabensburg und sag mir ob das             Euro, für das Land Niederösterreich, für Herrn Lan-
eine Sanierungsgemeinde ist!)                             desfinanzreferenten 1,8 Millionen Euro, weil das ja
29 gibt es. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass      fifty-fifty aufgeteilt wird. Können wir uns das leisten?
Reichenau eine Sanierungsgemeinde ist. Kann ich           Die Gemeinden sicher nicht. Das Land hat mo-
mir auch nicht vorstellen. Aber sie scheint unter den     mentan den Ansatz nicht drinnen. Und ich bin über-
Sanierungsgemeinden auf. Entweder gibt es Zah-            zeugt, auch das Land kann sich das nicht leisten.
len oder es gibt keine Zahlen. Ich gehe von den           Noch dazu, wo ein anderer Gelder zweckentfrem-
offiziellen Landeszahlen aus. Ich sage noch einmal,       det aus der Arbeitslosenversicherung abzieht um
persönlich bin ich der Meinung, Reichenau, wo man         seine Abfangjäger, sein Spielzeug kaufen zu kön-
das Geld mit der Scheibtruhe vom Land hinführt, ist       nen. So, liebe Freunde, sollte das nicht sein. (Bei-
keine Sanierungsgemeinde. Aber sie scheint unter          fall bei der SPÖ.)
den Sanierungsgemeinden auf.
                                                               Das heißt, diese Bundesregierung schneidet
     Man hat auch die Aufgaben der Gemeinden              dem Land die Haare und schert die Gemeinden.
dementsprechend erhöht, nur beim Geldfluss zu             Freunde, dagegen müssen wir uns wehren! (Beifall
den Gemeinden hat man den Hahn ein bisschen               bei der SPÖ.)
zugedreht. Teilweise ist nicht das Land schuld ...
(LR Mag. Sobotka: 80 Prozent der Landesmittel                 Zweiter Präsident Sacher: Die nächste
rinnen in die Gemeinden!) ... aber nicht immer die        Wortmeldung Herr Abgeordneter Mag. Riedl.
Gemeinden. Aufgaben der Gemeinden sind mehr
geworden, aber der Geldfluss ist weniger gewor-               Abg. Mag. Riedl (ÖVP): Herr Präsident! Hoher
den. Zum Beispiel hat man den Gemeinden die               Landtag!
Getränkesteuer abgedreht. Eine große Einnahme-
quelle für die Gemeinden. Von der Gewerbesteuer                Herr Kollege Kautz! Konstruktive und aus mei-
rede ich nicht, da haben wir einen teilweisen Aus-        ner Sicht auch gemeinsame Kritik an den Entschei-
gleich bekommen. Aber von der Getränkesteuer              dungen im Bund, die die Gemeinden und das Land
läuft jetzt auch der Ausgleich aus.                       betreffen, das hat es, und das darf ich wohl sagen,
                                                          für die NÖ Volkspartei, immer gegeben. Und zwar
     Nun, Herr Landesfinanzreferent, ein zweites          auch immer, egal wer im Bund das Sagen hatte.
Thema, zweite Zahlen. 341 Gemeinden von 573               Dieses Land, und in der Verantwortung für dieses
haben eine Pro-Kopf-Steuer unter dem Landes-              Land vor allem die Österreichische Volkspartei, hat
durchschnitt. Das ist ja nicht von irgendwo herge-        immer ihren eigenen Weg gesucht und auch diesen
kommen dieses Pro-Kopf-Aufkommen. Das heißt,              eigenen Weg gefunden. Wir sind nicht am Gängel-
der Herr Finanzminister hat dementsprechend ge-           band der Bundesregierung, das darf ich einmal vor-
kürzt. Du als Finanzreferent hast die Finanzaus-          weg ganz deutlich hier sagen.
gleichsverhandlungen geführt. So könnte ich auch
sagen, die wurden schlecht geführt. Ich weiß                   Budgetberatungen und die Diskussion über
schon, es ist eine Übermacht gegenüber gestan-            das Landesbudget im Landtag bedeuten selbstver-
den. Daher bin ich vollkommen der Meinung, dass           ständlich auch immer finanzielle Auswirkungen für
nicht der Landesfinanzreferent alleine die Schuld         unsere Gemeinden. Und ich werde mich daher
trägt, sondern vielmehr die Hauptschuld diese Bun-        ausschließlich mit dem Thema beschäftigen auch
desregierung hat, die die Gemeinden und auch die          zur Gruppe 0 und auch wenn es ein Bundesthema
Länder vereinnahmen will.                                 ist. Weil ich glaube, dass es ganz wichtig ist, zu
                                                          diesem Thema ein paar deutliche Worte zu verlie-
     Frage, Herr Finanzreferent: In zweiter Lesung        ren.
wurden die Budgetbegleitgesetze beschlossen. Da
gibt’s so eine schöne Formulierung drinnen, Sozial-           Die Bekenntnis vorweg: Na selbstverständlich
hilfe neu. Ich frage dich, Herr Finanzreferent, wo        bekennen wir uns, die Gemeinden, zur Partner-
sind die Millionen Euro im Budget, wenn die Sozial-       schaft mit dem Land. Aber auch genauso selbst-
hilfe neu kommt? Das heißt nämlich, dass sich der         verständlich muss es sein, dass die Gemeinden
Herr Finanzminister die Gelder aus der Arbeitslo-         jenes Geld haben, das sie in die Lage versetzt, ihre
senversicherung zu seinem Budget dazu schlägt             Aufgaben zu erfüllen. Und da bin ich auch ein we-
und die Gemeinden sollen dann jene Gelder aus-            nig kritischer mit der Aussage zu den Sanierungs-
zahlen, die früher aus der Arbeitslosenversicherung       gemeinden. Es kann nicht so sein, dass Jahr für
ausbezahlt wurden, die sogenannte Notstandshilfe.         Jahr mehr Sanierungsgemeinden sich hier anmel-
                                                          den müssen. Nur, es kann auch nicht so sein, dass
    Für die Stadtgemeinde Neunkirchen sind das            sich heute schon Gemeinden gerne zu Sanie-
1,8 Millionen Euro. Das heißt, für mich 1,8 Millionen     rungsgemeinden melden, weil sie dadurch aus




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einem Topf oder aus den Töpfen bedient werden            den versprochen werden und alle Neuorientierun-
wie kaum andere. Und die Beispiele sind heute            gen und alle Belastungen fließen ausschließlich in
schon genannt worden. Wir müssen klar und deut-          die Bundesschatulle. Dieses Spielchen muss auf-
lich hinterfragen, was heißt Existenzsicherung. Und      hören! Das heißt, wir haben sozusagen in der Ver-
das ist in der Zukunft zu klären. Was heißt Exis-        gangenheit zwar gespürt, dass dieser Ausgleich
tenzsicherung der Gemeinden? Dort wo Hilfe Not           immer wieder verhandelbar war, für die Transpa-
tut, soll sie auch gegeben werden.                       renz in Zukunft helfen uns eher hier klare, deutliche
                                                         Schlüsselvereinbarungen über alle Abgaben um
     Daher, wenn wir uns über Finanzausgleich            hier dieses Spielchen zu unterbinden. (Beifall bei
unterhalten ist mir bewusst, dass wir uns sehr viel-     der ÖVP und Abg. der SPÖ.)
fach auf Bundesebene bewegen. Nur eines:
Selbstverständlich auch hier vorweg: Diese gelebte             Der Gesamtanteil am Ertrag für unsere Ge-
Partnerschaft des Landes mit den Gemeinden               meinden hat sich nämlich in den letzten Jahren
stärkt die Position gegenüber dem Bund. Und ich          deutlich verschlechtert. Von knapp 19 Prozent auf
sage auch, auch das Land hat in vielen der Trans-        gerade noch 17 Prozent. Ich glaube daher, dass wir
ferbeziehungen, ich nenne hier Sozialhilfe und           diesen Teil, der zur Finanzierbarkeit der Aufgaben
NÖKAS etc. ganz wesentlichen Einfluss auf die            auf der ersten Ebene notwendig wird, einfach klar
finanzielle Überlebensfähigkeit unserer Gemeinden.       fixieren müssen. Und da gilt es auch, ein klares
                                                         Wort zu den Gemeindeabgaben zu sagen. Hände
     Und hier sehe ich schon einige Alarmsignale.        weg von den Gemeindeabgaben! Ob das Kommu-
Ich glaube auch, dass der Spielraum auf Gemein-          nalsteuer ist, hier wird sehr oft diskutiert über eine
deebene enger wird. Das ist nicht etwas grundsätz-       Lohn-Nebenkostensenkung. Ob das Bagatellsteu-
lich Falsches, sondern dieser Situation muss man         ern sind, sehr oft diskutiert, die sind verwaltungs-
sich stellen. Und wir werden uns auch stellen. Aber      teuer und die brauchen wir nicht. Ob das die Wer-
auf der einen Seite keine Regelkompetenz zu ha-          besteuer ist. Ich kann mir absolut nicht vorstellen,
ben auf der einen Seite sehr vielfach bundesge-          dass in irgend einem Punkt nur ansatzweise disku-
setzlich - die Ertragsanteile und auch die Gemein-       tierbar wäre zur Zeit Gemeindeabgaben abzu-
desteuern sind bundesgesetzlich geregelt - also          schaffen. Und dazu noch: Die Gemeindeabgaben
keine Gestaltungsmöglichkeit zu haben, Transfers         an den Gesamteinnahmen der Gemeinden haben
bestimmen in der Regel die Länder. Und auf der           sich von 1990 von 21 Prozent auf 2000 18 Prozent
anderen Seite aber einen gesetzlichen Auftrag,           verringert und in der Folge wurde es noch
einen ausgeglichenen Haushalt abzuliefern, also          schlechter: Die Anzeigenabgabe ist abgeschafft
muss das zwangsweise irgend wann nicht mehr              worden, gleichzeitig die Werbesteuer zwar einge-
zusammen gehen.                                          führt, aber in Summe gleich halbiert weil wir sie
                                                         nicht mehr brauchen. Und heute diskutiert man im
     Und daher bleibt in diesem Zusammenhang in          Regierungsprogramm, die gehört überhaupt abge-
der heutigen Diskussion zum Landesbudget auch            schafft, und so geht das fort. Also so kann es in
über solche Alarmsignale zu reden eine gewisse           dieser Form, meiner Meinung nach, nicht weiter
Selbstverständlichkeit. Ich darf das in drei Punkten     gehen.
ganz kurz machen. Einnahmenseitig, ausgabensei-
tig und der für die gesamtwirtschaftliche Entwick-            Und wir hätten noch entsprechende Ansätze
lung so wichtige Investitionsspielraum.                  als Gemeinden einzubringen und da bitten wir auch
                                                         um diese Partnerschaft des Landes mit den Ge-
    Einnahmensseitig: Wenn die Prognosen stim-           meinden, weil wir glauben, dass es Sinn macht,
men, so haben wir im heurigen Jahr minus 0,6 Pro-        hier über klare verwaltungsökonomische Ansätze
zent Ertragsanteile. Im nächsten Jahr eine kleine        zu diskutieren. Die Wissenschaft sagt uns, hier
Entspannung. Aber die Drohung oder die Botschaft         leitungsgebundene Netze sind im Gebrauch zu
wurde ja rar gemacht. Die Finanzierung der ersten        besteuern. Da gibt es eine Möglichkeit auf Landes-
Etappe der Steuerreform, 100 Millionen Euro für          ebene. Aber genauso, wenn ich an die Handymas-
Österreichs Gemeinden und der entsprechende              tenlenkungsabgabe denke, auf Bundesebene.
Anteil für Niederösterreichs Gemeinden erwarten
auch für nächstes Jahr eine negative Entwicklung              Die zweite Ebene ist das Verhältnis auf der
der Ertragsanteile.                                      Ausgabenseite. Sinkende Einnahmen und stei-
                                                         gende Ausgaben, die können sich langfristig ein-
    Das heißt, etwas, was für uns in Zukunft klar        fach nicht ausgehen. Das WIFO hat uns Gemein-
gemacht werden muss gegenüber dem Bund, und              den eine Studie gegeben bzw. wir haben sie be-
da sehe ich mich mit dem Land eins: Entlastungen         auftragt. Der Sozialbereich zum Beispiel hat sich in
können nicht auf Kosten der Länder und Gemein-           den letzten zehn Jahren sehr dynamisch entwickelt.




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Im Durchschnitt mehr als 10½ Prozent, also Kos-                Ich glaube aber auch, dass diese gelebte Part-
tensteigerung. Er sagt aber auch klar, das sagt der        nerschaft von der ich gesprochen habe, auch in
Bericht des Wirtschaftsforschungsinstitutes, diese         Zukunft dringend notwendig ist. Und wenn ich es
dynamische Entwicklung ist nicht finanzierbar für          ein bisschen pointiert sagen darf, die Arbeit bleibt
die Zukunft. Hier sind klare Prioritäten zu setzen,        hart für diese gelebte Partnerschaft. In diesem
der Zuwachs ist in der Größenordnung einfach für           Sinne bringe ich einen Resolutionsantrag ein für die
die nächsten Jahre unfinanzierbar.                         Anhebung der Anteile der Länder und Gemeinden
                                                           am Gesamtabgabenvertrag. Nachdem sowohl für
     Die Umlagenfinanzierung bindet uns im heuri-          die Länder als auch für die Gemeinden die Abga-
gen Jahr laut Budgetvorlage knapp 300 Millionen            benertragsanteile immer gesunken sind, während
Euro. Das heißt, waren es im Jahr 1990 noch unter          sie durch diese Spielchen beim Bund deutlich er-
einem Prozent, dann sind es im Jahr 2000 schon             höht wurden, glaube ich, ist es wichtig, hier einen
mehr als 7 Prozent was die Gemeinden über                  Antrag zu stellen (liest:)
Transfers, über Umlagen wieder an das Land ab-
führen durch gemeinsame Finanzierung von Auf-                                „Resolutionsantrag
gaben. Und dann kommen diese unsittlichen Ange-
bote des Bundes wenn ich das so beschreiben darf:               der Abgeordneten Mag. Riedl, Kautz, Wald-
Akutbetten in Pflegebetten umwandeln, Notstands-           häusl, Mag. Ram und Mag. Fasan zur Gruppe 0
hilfe in Sozialhilfe Neu. Meine Damen und Herren!          des Voranschlages des Landes Niederösterreich
Hier ist die Partnerschaft des Landes wirklich ge-         für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend die An-
fragt. Das ist strikt und einfach abzulehnen. (Beifall     hebung der Anteile der Länder und Gemeinden am
bei der ÖVP und SPÖ.)                                      Gesamtabgabenertrag.

     Wir glauben als Gemeinden auch in der ge-                  Vergleicht man die Anteile der Gebietskörper-
rechten Partnerschaft zum Land, wir sollten uns            schaften am Gesamtabgabenertrag unter Berück-
dorthin bewegen, wir sind und waren bereit, diese          sichtigung der Zweckzuschüsse und Finanzzuwei-
ausgeglichenen Haushalte zu liefern. Unsere Aus-           sungen auf Basis der Daten des Finanzministeri-
gaben dürfen in Zukunft ganz einfach nicht höher           ums, so ist festzustellen, dass sich diese zu Lasten
steigen als unsere Einnahmen. Und das hat sowohl           der Länder und Gemeinden und deutlich zu Guns-
für den Gesundheits- als auch für den Sozialbe-            ten des Bundes verschoben haben. So ist etwa der
reich zu gelten.                                           Anteil der Länder in den letzten Jahren vom
                                                           Höchststand 19,75 % im Jahr 1999 auf 18,55 % im
     Damit bin ich beim gesamtwirtschaftlich wichti-       Jahr 2001 gesunken. Bei den Gemeinden verhält
gen Investitionsspielraum. Wenn Einnahmen sinken           es sich so, dass deren Anteil vom Höchststand 18,8
und Ausgaben steigen, muss es zwangsweise en-              % im Jahr 1995 auf den historischen Tiefstand von
ger werden. Eine logische Rechnung. Obwohl die             17,32 % im Jahr 2001 zurückgegangen ist. Im
Gemeinden nach wie vor 52 Prozent der gesamten             Gegenzug ist der Anteil des Bundes von 61,44 %
öffentlichen Investition tragen. Was das heißt? Sie        im Jahr 1995 auf 64,12 % im Jahr 2001 gestiegen.
nehmen insgesamt eine ganz wesentliche Stellung
zur wirtschaftlichen Entwicklung unserer Regionen               Gleichzeitig wurden einerseits immer neue
wahr, sie sichern die Arbeitsplätze. Und wenn wir          Aufgabenbereiche vom Bund auf Länder und Ge-
denken, dass wir aus der Finanzbedarfserhebung             meinden übertragen und andererseits ist der Anteil
für 2003 22 Prozent mehr Mittel, für 2004 15 Pro-          der Finanzierung bestehender Aufgaben dadurch
zent mehr Mittel brauchen würden um alleine die            überproportional gestiegen, dass der Bund seine
Infrastruktur nur zu sanieren oder zu erhalten, so         Beitragsleistung gedeckelt hat, wie insbesondere
mag das was ich vorher gesagt habe das Problem             im Gesundheits- und Sozialwesen.
auf Gemeindeebene noch deutlicher machen.
                                                               Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
     Ich glaube daher, wir haben wirklich liebens-
und lebenswerte Gemeinden. Ich glaube auch,                     Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert im
dass wir diese kommunalen Investitionen zur Si-            Sinne der Antragsbegründung beim Bund vorstellig
cherung unserer Arbeitsplätze auch in Zukunft or-          zu werden und darauf einzuwirken, dass die Anteile
ganisieren können. Und genauso wie das Land und            der Länder und Gemeinden am Gesamtabgaben-
die Verantwortung der Finanzreferent für die Mög-          ertrag den Aufgaben entsprechend angepasst, das
lichkeiten, die Landesentwicklung auch hier finan-         heißt angehoben wird.“
zieren zu können, haben unsere Gemeinden diese
Aufgaben wahrgenommen.                                         (Beifall bei der ÖVP.)




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Zweiter Präsident Sacher: Die nächste                     Und weiters geht auch klar hervor, dass Ge-
Wortmeldung stammt von Herrn Kollegen Moser.              meinden trotz einer angespannten Budgetsituation
                                                          es ermöglicht wird, immer wieder auch Über-
     Abg. Moser (ÖVP): Herr Präsident! Ge-                schüsse zu erwirtschaften. Und dass damit die
schätzte Damen und Herren des Hohen Hauses!               Gemeinden auch einen wesentlichen Beitrag zur
Ich spreche zur Gruppe 0, Vertretungskörper und           Sicherung des Staatsbudgets leisten und damit
allgemeine Verwaltung.                                    auch einen wesentlichen Beitrag zum Stabilitäts-
                                                          pakt beitragen.
     Ich darf gleich anschließen an meine Vorred-
ner wo es vor allem um die Thematik gegangen ist,               Alarmierend im Gemeindefinanzbericht ist na-
die Finanzierung im Schnittpunkt der Partnerschaft        türlich auf Grund der Eigenmittel und der erforderli-
Land und Gemeinden. Wo es vor allem notwendig             chen Investitionen zu überlegen, wie schaut denn
sein wird, dass im Rahmen des Finanzausgleiches           das Verhältnis zwischen den allgemeinen Ausga-
auch für die Gemeinden ein entsprechender finan-          ben und der Investitionsquote einer Gemeinde aus.
zieller Spielraum geschaffen wird. Denn die Ge-           Die österreichischen Gemeinden gaben im Vorjahr
meinden sind ganz einfach die größten Investoren          insgesamt 13,8 Milliarden Euro aus, das sind also
und die Zahlen dafür wurden ja schon angespro-            um 3,7 Prozent mehr als im Jahr 2000. Die Ausga-
chen. Und wenn Wirtschaft sich abspielt, dann             bensteigerung ist damit die höchste seit 1995. Und
spielt sich Wirtschaft immer jeweils in einer Ge-         in Niederösterreich betrug diese Steigerung 1,3
meinde in unserem Bundesland ab. Und daher ist            Prozent.
es wichtig, dass diese Gemeinden auch in der Lage
sind, wirtschaftlich Impulse zu setzen.                        Die Investitionen und Investitionsförderungen
                                                          gingen allerdings um 9 Milliarden oder 0,3 Prozent
     Und es stellt sich hier die Frage, wenn der Be-      zurück. Das heißt, die Investitionsquote an den
reich Investitionen anzusprechen ist, wieviel finan-      Ausgaben der Gemeindeinvestition gemessen er-
zieller Spielraum ganz einfach zwischen den               reichte im Vorjahr mit 19,9 Prozent einen histori-
Pflichtausgaben einer Gemeinde und zwischen               schen Tiefstand. In Niederösterreich liegen wir hier
jenen Ausgaben bleibt, die der Gemeinde ermögli-          besser als der Bundesdurchschnitt. Denn der
chen, Impulse für die Wirtschaft zu setzen und In-        Rückgang war also mit 7,7 Prozent oder 59 Millio-
vestitionen ganz einfach zu tätigen. Die Aufgaben         nen Euro zwar zu beklagen. Aber die Investitions-
der Gemeinden sind also sehr vielfältig. Und wenn         quote insgesamt von den Gesamtausgaben mit 2,1
man es analysiert, dann geht aus der Finanzbe-            Prozent, hier liegen wir gegenüber dem Bund, wie
darfserhebung auch klar hervor, dass der Investiti-       ich ausgeführt habe, mit 22,1 Prozent an drittletzter
onsbedarf für die Erneuerung und Sanierung der            Stelle innerhalb der Bundesländer Österreichs.
Infrastruktur in den Gemeinden kontinuierlich an-
steigt. War es 2002 eine Steigerung gegenüber                 Das heißt, dass die Gemeinden immer mehr
2001 um 22 Prozent gewesen und 2003 würde                 Geld zur Abdeckung ihrer Pflichtausgaben verwen-
nochmals eine 15-prozentige Steigerung erwartet.          den müssen und andererseits die kommunalen
In Zahlen heißt das ganz einfach, dass 13,3 Milliar-      Investitionen ganz einfach geringer werden oder
den Euro zur Sicherung der Infrastruktur hier für die     dazu weniger Spielraum besteht auf der einen Seite
Gemeinden in Österreich erforderlich sind. Daher          oder auf der anderen Seite dass für diese kommu-
müssen wir diese Dinge ganz einfach analysieren           nalen Investitionen immer mehr Fremdmittel dazu
und wie schaut das für das Land Niederösterreich          verwendet werden müssen.
aus.
                                                               Wenn man die Gemeindeschulden betrachtet,
      Der jüngste Gemeindefinanzbericht, der sich         dann ist es so, dass aus dem Bericht hervorgeht,
von 1999 bis 2001 erstreckt, der zeigt hier ganz          dass im Jahr 2001 die Gemeinden mit 9,9 Milliar-
deutlich, dass kleine Gemeinden mehr investieren          den in der Kreide standen und dieser Schul-
als größere Gemeinden. So investieren kleine Ge-          denstand im Vergleich zum Jahr 2000 um 4,6 Pro-
meinden unter 5.000 Einwohner pro Bewohner                zent gestiegen ist. Das heißt, die Verschuldung ist
2.228 Euro, das heißt um 32 Prozent mehr als              im Jahr 2001 in Niederösterreich um 5,4 Prozent im
Städte mit über 20.000 Einwohnern. Das zeigt sehr         Verhältnis zu den Einnahmen, das heißt auf nahezu
deutlich, dass die Gemeinden trotz der geringeren         95,5 Prozent gestiegen. Und das ist wirklich, ge-
Ertragsanteile dennoch gefordert sind, mehr Inves-        schätzte Damen und Herren des Hohen Hauses,
titionen zu tätigen um ganz einfach auch in den           ein eklatanter Betrag. Die Gemeinden müssen aber
ländlichen Gebieten die Wirtschaft entsprechend zu        entsprechend investieren, müssen gezielt investie-
beleben.                                                  ren damit die Belebung in den Gemeinden wirt-




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


schaftlich und arbeitsplatzmäßig entsprechend                 Eine große Herausforderung in diesem Zu-
besteht. Und hier müssen die Gemeinden ganz              sammenhang ist die Umsetzung der europäischen
einfach verstärkt zu Fremdmitteln greifen. Wobei für     Wasserrahmenrichtlinie. Dazu wurde auch für die
diesen großen Finanzierungsaufwand ganz einfach          Gemeinden nunmehr oder den Gemeinden eine
erforderlich ist, dass wir verlangen, dass im nächs-     geänderte Wasserrechtsnovelle vorgelegt, wo es
ten Finanzausgleich ganz einfach entsprechende           vor allem bei den Auswirkungen darum geht, dass
Regelungen getroffen werden um den ländlichen            private Unternehmungen, Landwirtschaft und Ge-
Raum, Frau Gemeindereferentin, ganz einfach              meinden sicherlich die Situation der Ernsthaftigkeit
stärker auch bei dem Finanzausgleich zu berück-          wahrscheinlich jetzt noch gar nicht abschätzen
sichtigen. Ich glaube, das ist eine große, gemein-       können. Aber es kann festgestellt werden, dass hier
same Aufgabe, die vor uns steht.                         die umweltrechtlichen Vorgaben, die also im Rah-
                                                         men dieser Regelung allen Betroffenen, ich möchte
     Denn wenn man bedenkt, ich war am europäi-          sagen, aufgebürdet werden, doch sehr hoch liegen
schen Gemeindetag in Polen wo auch gesagt                und dass es schwierig sein wird, das alles so ein-
wurde, Städte sind der Motor der Wirtschaft und          zuhalten. Wir sind ja da Musterschüler in vielen
vieles mehr, das ist alles richtig. Aber wenn ande-      Bereichen. Und es stellt sich hier schon die Frage,
rerseits auch verlangt wird, dass noch mehr öffent-      wenn wir wissen, dass wir sehr viel im Bereich der
liches Geld der Europäischen Union oder nationale        Abwasserwirtschaft bereits erreicht haben - die
und Landesmittel in die Städte fließen, dann wäre        Verbesserung der Grundwasserqualität, die bei-
das nicht der richtige Weg. Denn die Städte sind         spielgebend ist, die Gewässergüte - dann darf hier
ohnehin derzeit beim Finanzausgleich wesentlich          auch festgehalten werden und die Frage gestellt
besser bedacht. Sondern dass hier eine starke            werden ob es wirklich dann auch noch sinnvoll ist,
Umlenkung, eine Politik des Gegensteuerns sein           in jeder kleinsten Abwasserentsorgungsanlage mit
muss damit wir einen ländlichen Raum haben, der          hohem Aufwand den Stand der Technik zu errei-
auch wirtschaftlich bewohnt und belebt werden            chen. Und die Frage erhebt sich ob die Investiti-
kann.                                                    onskosten wirklich in jedem Fall sozusagen ge-
                                                         rechtfertigt sind.
     Eine wichtige Aufgabe für die Gemeinden,
auch für den ländlichen Raum insgesamt ist immer              Ich würde daher meinen, diese neuen Überle-
mehr die Frage der Siedlungswasserwirtschaft. Hier       gungen auf dem Gebiet dürfen natürlich keinesfalls
haben sich die Prioritäten in der Abwasserentsor-        dazu führen, dass der ländliche Raum gegenüber
gung in der Vergangenheit etwas geändert. Waren          den Ballungszentren benachteiligt wird. Denn jetzt,
es ursprünglich vor allem die Neuanschlüsse, die         wenn wir verstärkt in die dünn besiedelten Gebiete
erforderlich waren, ist es vor allem in der letzten      mit den Kanälen hinaus kommen, die Förderung
Zeit der Lückenschluss und die Sanierung und die         sich möglicherweise reduziert, ergäbe sich daraus
Erneuerung von Anlagen, die immer mehr finan-            natürlich eine eklatante Benachteiligung aller Be-
zielle Anforderungen an die Gemeinden stellt.            troffenen. Nämlich der Kanalanlagenbauer und –
                                                         errichter bzw. –betreiber und auch der betroffenen
     Wir wissen, dass der rechtliche Rahmen dazu         Bürgerinnen und Bürger.
im Finanzausgleichsgesetz, die Finanzierung gesi-
chert ist und das Doppelbudget des Bundes für das              Und daher ist es, glaube ich, notwendig, dass
Jahr 2003 mit 257,7 Millionen und für das Jahr           sichergestellt wird in einer Partnerschaft zwischen
2004 mit 293,6 Millionen Euro eine Grundlage bil-        Bund, Ländern und Gemeinden, dass hier auf
det. Wir wissen aber auch, dass vor allem mit den        volkswirtschaftlicher Basis eine ökologisch vertret-
Belastungen die Gemeinden und die Bürger zu              bare Siedlungswasserwirtschaft gemacht wird. Ich
kämpfen haben. Und wir gehen daran, dass in              möchte hier an dieser Stelle vor allem für diese
Partnerschaft mit dem Land Niederösterreich auch         Partnerschaft Land und Gemeinden, ich habe einen
möglichst verträgliche Kanalbenützungsgebühren           Bereich besonders herausgegriffen, allen Verant-
und Anschlussgebühren ausgearbeitet werden               wortlichen des Landes wirklich danken. Ich darf als
können. Es ist so, dass vor allem mit der Förderung      Kommunalsprecher der Finanzabteilung und dem
des NÖ Wasserwirtschaftsfonds und der Vereinba-          Gemeindereferat für das Mitwirken am Zustande-
rung im Kommunalgipfel ja nunmehr auch die Fi-           kommen dieses Budgets ebenfalls ein herzliches
nanzierungsdisparität in diesem Bereich wieder           Danke sagen und wünsche und hoffe, dass es ge-
hergestellt werden konnte und der NÖ Wasserwirt-         lingt, in der autonomen Selbstverwaltung der Ge-
schaftsfonds wird für das Jahr 2004 18,68 Millionen      meinden für unsere Bürgerinnen und Bürger in
Euro hier zur Verfügung stellen.                         einer Partnerschaft mit dem Land die Aufgaben




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


auch effizient und wirkungsvoll im Sinne unserer              Wirtschaftliche Probleme, die auch mit der Ge-
Bürger lösen zu können. Danke! (Beifall bei der          samtsituation der Wirtschaft natürlich in dem Zu-
ÖVP.)                                                    sammenhang zu sehen sind. Die Spendenfreudig-
                                                         keit, von denen diese Tierschutzorganisationen, die
    Zweiter Präsident Sacher:         Die   nächste      diese Tierheime betreiben, abhängig sind, ist natür-
Wortmeldung Herr Mag. Leichtfried.                       lich nicht mehr in dem Ausmaß gegeben. Und da-
                                                         her ist der Landesanteil der in etwa so 10 bis 12
    Abg. Mag. Leichtfried (SPÖ): Sehr geehrter           Prozent ausmacht, natürlich ein zu kleiner und zu
Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abge-             geringer.
ordneten!
                                                              In diesem Zusammenhang darf ich auch darauf
     Ich darf nun zu einem kleinen Segment in der        hinweisen, dass Landeshauptmann Dr. Pröll, der
Gruppe 0 Stellung nehmen, nämlich zum Tier-              sicherlich ein Herz für die Tiere hat, das möchte ich
schutz. Es ist zwar ein kleines Segment, aber wie        ihm keinesfalls natürlich absprechen, auch sehr
ich meine ein sehr wichtiges, ein sehr bedeutendes       emotional hier gemeint hat, er möchte sich einset-
Segment. Und zwar nicht nur für mich, sondern wie        zen dass Tierschutz entsprechend finanziell gesi-
ich glaube, für alle Damen und Herren des Hohen          chert ist. Und es hat ihm ja auch eine Schlagzeile in
Hauses. Und nicht nur für alle Damen und Herren          der „Kronen Zeitung“ eingebracht, wo da groß die
des Hohen Hauses, sondern vor allem für die ge-          Überschrift steht „Pröll will mehr Geld für Bello und
samte Bevölkerung Niederösterreichs und Öster-           Schnurli“. Und Bello und Schnurli werden dem
reichs.                                                  Herrn Landeshauptmann natürlich besonders
                                                         dankbar sein. Aber die Frage ist natürlich, woher
     Ich glaube auch, wie die Frau Kollegin Dr.          kommt dieses Geld. Und Landeshauptmann Dr.
Krismer gesagt hat, Tierschutz ist vor allem eine        Pröll war sehr rasch dabei und hat gemeint, dieses
öffentliche Aufgabe. Und, meine Damen und Her-           Geld kommt von den Gemeinden.
ren, wir leben in einer Gesellschaft, wie ich meine,
mit einer sehr, sehr eigenartigen Einstellung zu den          Jetzt haben wir gerade zwar gehört, dass die
Tieren. Tieren wird nicht immer jene Achtung ent-        Gemeinden mit immer mehr Ausgaben belastet
gegen gebracht, die sie sich als fühlende Lebewe-        werden und immer weniger Einnahmen haben. Das
sen auch tatsächlich verdienen würden. Und es ist        heißt also, ganz so einfach wird es nicht sein. Ob-
daher die Verantwortung der Politik, den Tieren,         wohl, das möchte ich auch ganz klar und deutlich
den Menschen, den Pflanzen, also dem gesamten            sagen, ich komm‘ wieder zurück zu meiner ur-
Leben hier auf diesem Planeten eben jene Verant-         sprünglichen Aufgabe, öffentliche Aufgabe. Und
wortung entgegen zu bringen, indem sie gesetzli-         daher müssen natürlich alle öffentlichen Institutio-
che Vorschriften, gesetzliche Verordnungen erlas-        nen für diese herrenlosen Tiere entsprechend eben
sen.                                                     sorgen. Aber es wäre schön gewesen, nicht nur
                                                         sofort sich bei den Gemeinden hier zu verwenden,
     Denken wir an die vielen noch immer gequäl-         sondern auch vielleicht die Verantwortung des Lan-
ten Tiere bei den Tiertransporten. Denken wir an         des ein bisschen in den Vordergrund zu schieben.
die Legebatterien, denken wir an die Tierversuche        (Beifall bei der SPÖ.)
etc., etc. Es geht also darum, hier im 21. Jahrhun-
dert im Tierschutzbereich nicht reine Lippenbe-              Meine Damen und Herren! Ich darf in diesem
kenntnisse zu verkünden, sondern tatsächlich eben        Zusammenhang auch nochmals ganz kurz darauf
Handlungen zu setzen.                                    eingehen, dass die SPÖ seit Jahren ein bundes-
                                                         einheitliches Tierschutzgesetz fordert. Dass es
      Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich in         1996 460.000 Unterschriften von Österreicherinnen
diesem Zusammenhang einige Bemerkungen zu                und Österreichern gegeben hat, dass es aber seit
den Tierheimen machen. Der Herr Kollege Mag.             1996 noch immer dieses bundeseinheitliche Tier-
Ram hat gemeint, er ist froh darüber, dass hier der      schutzgesetz nicht gibt.
Ansatz im Budget erhöht wurde. Ich kann dem na-
türlich zustimmen. Muss aber auch hier insoferne              Dass der Herr Bundeskanzler während des
eine Einschränkung machen, dass wir uns natürlich        Wahlkampfes dieses bundeseinheitliche Tier-
noch viel, viel mehr erwarten würden. Wenn Herr          schutzgesetz versprochen hat – ich hoffe, er wird
Landesrat Mag. Sobotka hier ein bisschen mehr            es halten, er hat ja viel versprochen, was er dann
seine Brieftasche noch aufmachen würde wäre das          nicht gehalten hat, aber ich nehme an, er wird das
sicher nicht schlecht. Weil gerade die Tierheime         jetzt hier einlösen. Und es gibt ja seit dem Dezem-
große wirtschaftliche Probleme bekommen haben.           ber 2002 einen Antrag der SPÖ. Und es wird daran




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


liegen jetzt an den Regierungsparteien, hier dieses           Und auf der anderen Seite auch eine Informa-
bundeseinheitliche Tierschutzgesetz als Regie-           tion für die Bürgerinnen und Bürger unseres Lan-
rungsvorlage, wie ich gehört habe im Herbst soll         des. Zum Beispiel wo siedle ich mich an, welche
das kommen, eben tatsächlich in das Parlament zu         Infrastruktur habe ich vor Ort? Gibt es dort Schu-
bringen. Die Angst, die darin besteht, ist da, dass      len? Gibt es in diesem Bereich Gesundheitsein-
dieses Gesetz auf einem Niedrigstniveau sozusa-          richtungen und all derartige Dinge.
gen sich abspielen wird. Was man hört, sollen Tier-
transporte, sollen Tierversuche etc. nicht hier ent-          Wir haben in Niederösterreich durchaus sehr
halten sein. Und wenn ich denke, mit welcher ra-         viele Pläne in der Vergangenheit gemacht. Pläne,
santer Geschwindigkeit eine Pensionsreform be-           die vielleicht zum Teil auch in den Schubladen ver-
schlossen wurde, mit welcher rasanter Geschwin-          schwunden sind, verworfen wurden, neue wie-
digkeit Abfangjäger beschlossen worden sind, und         derum angefertigt. Und hier sollen mit dem neuen
mit welcher geringer Geschwindigkeit hier ein Tier-      Landesentwicklungskonzept        Doppelgleisigkeiten
schutzgesetz umgesetzt wird, dann kann ich dem           vermieden werden. Es soll eine ganz klare Vernet-
nicht mehr richtig folgen.                               zung geben in den Bereichen Infrastruktur, im Be-
                                                         reich der Bildung, Gesundheit, Wirtschaft. All diese
      Und wenn ich auch wiederum einen Artikel hier      Ressourcen, die wir im Land Niederösterreich ha-
zitiere aus der „Presse“ vom 13. Mai 2003, da meint      ben sollen hier gebündelt werden.
Herr Prof. Holzer von der NÖ Landwirtschaftskam-
mer, dass dieser Regelungsansatz nichts mit                  Die Lage hat sich, wie ich schon eingangs er-
Rechten von Tieren und nicht mit der Würde von           wähnt habe, geändert. Die EU-Erweiterung ist ja
Tieren zu tun haben soll. Dem kann ich mich bei          Tatsache. Das heißt, wir haben uns mit all diesen
Gott sicherlich nicht anschließen. Und ich würde         Dingen auseinander zu setzen. Und daher brau-
daher dringend fordern, dass hier ein bundesein-         chen wir ein taugliches und ein flexibles Konzept für
heitliches Tierschutzgesetz erlassen wird, das ef-       das Niederösterreich der Zukunft.
fektiv und den modernen Ansprüchen eines Tier-
schutzes entsprechen wird. (Beifall bei der SPÖ.)            Wir müssen die Nachbarn natürlich mit einbe-
                                                         ziehen. Wir können nicht so tun als hätten wir nur
    Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Red-          das alleinige Verfügungsrecht über unser Land
ner gelangt Herr Abgeordneter Nowohradsky ans            Niederösterreich. Sondern wir müssen natürlich
Wort.                                                    auch schauen was machen die Nachbarn. Auf der
                                                         einen Seite die Nachbarn innerösterreichisch, zum
    Abg. Nowohradsky (ÖVP): Sehr geehrter                Beispiel gerade mit Wien wo es durchaus gute
Herr Präsident! Hoher Landtag!                           Ansätze gibt. Aber auf der anderen Seite auch
                                                         Konfrontationen, wenn ich nur allein denke an den
    Wenn ich heute zu einem Thema im Bereich             Bereich des Verkehrs. Aber auch ein Auseinander-
der Landesentwicklung spreche, so ist es gerade          setzen mit den neuen Nachbarn. Damit meine ich
deshalb aktuell, weil es durchaus eine spannende         jene, die jetzt in fast einem Jahr zu uns dazu
Entwicklung in unserem Land Niederösterreich gibt.       stoßen zur Europäischen Union. Und dass sich
Auf der einen Seite die Erweiterung, auf der ande-       auch wiederum ganz neue infrastrukturelle Projekte
ren Seite aber auch eine Entwicklung in den Regio-       ergeben werden und ähnliches mehr.
nen draußen, die durchaus in einem Konzept hier
Fuß fassen sollen.                                            Es wird aber auch die Frage zu stellen sein,
                                                         wie schaut es an den Grenzen aus? Wie wirken
     Das Land soll verlässlicher Partner für Bürge-      sich die Einkaufstempel, die hart an der Grenze zu
rinnen und Bürger sein. Dies hat Landesrat Mag.          Niederösterreich stehen, wie wirken sich diese aus
Sobotka am Freitag in diesem Haus hier, in diesem        auf das Einkaufsverhalten der Niederösterreiche-
Sitzungssaal gesagt anlässlich einer Raumord-            rinnen und Niederösterreicher? Wie schaut es aus
nungskonferenz. Und zwar soll hier in Niederöster-       mit den Verkehrsmitteln, mit den Autobahnen, mit
reich im Herbst das Landesentwicklungskonzept            dem zukünftigen Straßenbau? Wie schaut es aus
vorgestellt werden. Es ist derzeit in Ausarbeitung,      mit den Gewerbeparks, die diesbezüglich auch
zirka 70 Prozent des Landesentwicklungskonzeptes         errichtet werden sollten. Und es ist auch die Frage
sind geleistet. Und es soll hier eine Karte für In-      zu stellen, wie können wir die Regionen außerhalb
vestoren zum Beispiel geben, wo jeder sagen kann,        des sogenannten Speckgürtels um Wien, wie kön-
in diesem Land habe ich diese und jene Bedingun-         nen wir die stärken.
gen wenn ich im Land Niederösterreich investiere.
Wir haben es ja heute bei der Grundsatzdebatte               Und nicht zuletzt eine Tatsache, die in nächs-
gehört wie wichtig das ist.                              ter Zeit vor allem die Gemeinden draußen sehr




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


stark beschäftigen wird, aber nicht nur die Gemein-         nur mehr die Gegenwart sondern auch in Zukunft
den, sondern, ich glaube, die Gesamtbevölkerung             evaluiert werden soll. Und ich ersuche alle Nieder-
in sehr vielen Bereichen, ist der Geburtenrückgang.         österreicherinnen und Niederösterreicher, aber vor
Wie werden sich unsere Regionen draußen auf                 allem die Politiker des Landes Niederösterreich,
Grund dieser Tatsache in Zukunft weiter entwickeln          hier sich einzubringen. Danke schön! (Beifall bei
können? All das sind Fragen, die wir im Bereich             der ÖVP.)
des Landesentwicklungskonzeptes hier auch ein-
binden müssen.                                                  Zweiter Präsident Sacher: Als nächster Red-
                                                            ner gelangt Herr Abgeordneter Honeder zu Wort.
     Eine zweite Sache, die derzeit sehr gut läuft,
sind die Bildung von Kleinregionen in Niederöster-              Abg. Honeder (ÖVP): Herr Präsident! Hoher
reich. Es sind derzeit 48 kleinere Regionen in Nie-         Landtag! Meine sehr verehrten Damen und Herren!
derösterreich tätig. Hatte man in der Vergangenheit
geglaubt man sollte eher auf Gerichtsbezirke diese               Uns liegt die Gruppe 0, Vertretungskörper, all-
Regionen abgrenzen, so ist man eigentlich auf das           gemeine Verwaltung, zur Beratung und Be-
freiwillige Zusammenschließen von Kleinregionen             schlussfassung vor. Ein wichtiger Bereich in dieser
gegangen. Das heißt, ohne Zwang, aber mit dem-              Gruppe, der auch entsprechend finanziell dotiert ist,
entsprechender Unterstützung des Landes Nieder-             ist die Raumordnung. Denn Raum ordnen heißt,
österreich sich freiwillig mit anderen Gemeinden            das Landschaftsbild unseres Bundeslandes nach-
zusammen zu schließen, um eben all jene Res-                haltig positiv zu beeinflussen und zu prägen und
sourcen, die wir in den Gemeinden haben, zu nüt-            dadurch Lebensqualität für die Bürger zu schaffen.
zen und auch auszutauschen.
                                                                 Die Steuerungsmöglichkeiten in diesem Be-
     Zum Beispiel, auch wiederum im Bereich des             reich sind durch das Land schon sehr frühzeitig und
Tourismus, der gerade in unserer Region ein                 sehr positiv umgesetzt worden. Der Wirtschafts-,
Schlagwort geworden ist. Aber auch im Bereich der           Wohn- und Lebensraum Niederösterreich ist daher
Wirtschaft, im Bereich der Bildung. Wie kann man            europaweit im Spitzenfeld entsprechend positio-
im Bereich der Erwachsenenbildung und in anderen            niert. Aber es ist sicherlich noch einiges zu tun.
Bildungseinheiten hier Gemeinsamkeiten suchen.              Heute ist zum Beispiel schon diese sogenannte
Es werden dabei Leitbilder erstellt. Und gerade im          Baurechtsaktion hier angesprochen worden. Ich
Zusammenhang mit den Kleinregionen sind diese               habe Verständnis dafür, dass natürlich die Städte
Regionalmanagements, die in der Vergangenheit               sich auch bemühen, dass diese Baurechtsaktion
geschaffen wurden, eine ganz ganz große Hilfe.              auch in den Stadtgebieten entsprechend Platz
Denn die haben das technische Know How.                     greift. Ich möchte da aber schon die Solidarität der
                                                            Städte mit den ländlichen Regionen hier einfordern.
      Diese Kleinregionen sollen langsam wachsen.           Ich glaube, es ist in der Volkszählung sehr eindeu-
Man will nichts von oben steuern. Es soll eine frei-        tig dokumentiert, dass es in Niederösterreich nur
willige Ermunterung zeigen. Und man will halt zei-          drei Bezirke gibt die eine Abwanderung gehabt
gen, gemeinsam und nicht alleine. Und gerade in             haben. Das ist der Bezirk Gmünd, der Bezirk Waid-
einem gemeinsamen Europa ist es sehr wichtig,               hofen a.d. Thaya und der Bezirk Zwettl. Ich glaube,
dass die kleinsten Einheiten gestärkt werden. Dass          dass es notwendig ist, dort diese Baurechtsaktion
die Identität gewahrt bleibt.                               entsprechend zu positionieren. Und zwar auch von
                                                            der Warte her, es gibt ja hier Statistiken, dass die
     Abschließend zum Landesentwicklungskon-                Einkommen der Bevölkerung im Land unterschied-
zept. Es soll nicht alleine vom Land getragen wer-          lich sind. Und die Einkommen sind sicherlich in den
den. Wir müssen gemeinsam mit den Menschen                  Städten entsprechend höher.
draußen dieses Landesentwicklungskonzept entwi-
ckeln, in Diskussionsrunden – es wird im Herbst                  Zielrichtung ist es nun auch im Hinblick auf die
dann vorgestellt, und wir laden heute schon alle            bevorstehende EU-Erweiterung, eine positive Regi-
Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher              onalentwicklung zu forcieren und gleichzeitig auch
dazu ein. Es wird keine leichte Sache sein. Es wird         den Vorgaben der EU in Sachen Natura 2000
Interessensgegensätze geben. Aber gerade in die-            Rechnung zu tragen. Ich glaube auch, dass hier die
sem Zusammenhang kann man sagen, wenn es                    von meinem Vorredner angesprochene Gründung
hier ein bisschen funkt, so ist es ganz gut. Denn           von Kleinregionen ein sehr sinnvoller Weg ist um
nach der Diskussion muss man sich dann eben auf             die Raumordnungsmittel entsprechend effizient hier
ein gemeinsames Entwicklungskonzept hier eini-              einzusetzen. Es ist nicht notwendig, dass zum Bei-
gen. Wobei natürlich dieses Landesentwicklungs-             spiel jede Gemeinde sehr viele Dinge wie zum Bei-
konzept nicht jetzt nur den Standort betrifft und jetzt     spiel Hallenbäder, Sporthallen, jede Gemeinde




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


entsprechend positioniert und im Gemeindegebiet         Ornithologische Gutachten, Umweltverträglichkeits-
hat. Es ist viel sinnvoller hier die Raumordnungs-      prüfungen und all diese Dinge mehr. Ich glaube,
pläne aufeinander abzustimmen. Sodass alle diese        das behindert die Schaffung bzw. die Forcierung
Einrichtungen, die ja sehr viel Geld kosten, auch       des Wirtschaftsstandortes im Waldviertel. Man
entsprechend hier ausgenützt und ausgelagert            muss daher mit sehr viel Fingerspitzengefühl vor-
werden.                                                 gehen. Wir haben in unserem Raum bei 16.000
                                                        Erwerbstätigen 4.700 Pendler und jeder zusätzlich
     Ich glaube auch, dass aus Wettbewerbsgrün-         geschaffene Arbeitsplatz, glaube ich, ist sicherlich
den es ungeheuer notwendig ist, dass wir den Wirt-      hier notwendig, richtig und wichtig um auf der ande-
schaftsraum im Hinblick auf die mit 1. Mai 2004         ren Seite auch dem Naturschutzgedanken Rech-
bevorstehende EU-Erweiterung entsprechend stär-         nung zu tragen, wenn er weniger sein Auto benut-
ken. Das ist ganz besonders in den Grenzregionen        zen muss, womit er 40, 50 und 60 Kilometer täglich
hier wichtig. Wir werden sicherlich in Niederöster-     zur Arbeit fahren muss.
reich Erweiterungsgewinner werden, aber in den
Grenzregionen wird es sicherlich noch einige Hür-            Durch die Einbindung der Bevölkerung und
den hier zu überwinden geben.                           durch den Einsatz der Verantwortungsträger, be-
                                                        sonders durch Landesrat Mag. Sobotka ist es ge-
     Ich glaube auch, dass es eine Herausforde-         lungen, dass wir die Fauna-Flora-Habitatsrichtlinie
rung für die Raumordnung ist, die Forderungen des       auf ein erträgliches Maß reduziert haben. Wir liegen
Naturschutzes und der Europäischen Union, die           bei 12 Prozent. Ich glaube, das ist ein Wert wo
letzten, weitgehend intakten Naturlandschaften in       auch die Bevölkerung entsprechend mitgeht.
Europa unter Schutz zu stellen und auf der anderen
Seite auch den Wirtschaftsraum hier entsprechend             Ich glaube auch bei der Vogelschutzrichtlinie
zu stärken.                                             muss einiges bewerkstelligt werden. Ich sage auch
                                                        da ein Beispiel: Allein in meiner Gemeinde ist das
     Ich glaube, wir haben alle Verständnis für die     Gemeindegebiet zu 100 Prozent als Vogelschutz-
Vorgaben der Natura 2000, der Fauna-Flora-Habi-         kulisse ausgewiesen. Es ist da in den Karten fest-
tatsrichtlinie, der Vogelschutzrichtlinie. Aber ich     gestellt, dass Birk- und Haselwild in dieser Ge-
glaube, das Ganze muss mit Maß und Ziel umge-           meinde vorkommt. Da frage ich mich, bitte, von
setzt werden. Die Sichtweise der Dinge ist natur-       wann sind diese Karten? Ich habe Jagdpächter im
gemäß eine andere wenn man in einem Bezirk              Gemeindegebiet, die sehr wohl bitte ihren Wild-
wohnt, wo 34 Einwohner pro Quadratkilometer             stand sehr genau kennen: Die haben überein-
wohnen, wo es Natur in Hülle und Fülle gibt, wo der     stimmend erklärt, dass es seit 30 Jahren diese
Wald schon zu viel wird, wo man bereits landwirt-       Wildarten hier nicht gibt. Und ich glaube, man sollte
schaftliche Vorrangflächen hier schaffen muss um        daher auch zu einer entsprechenden Reduzierung
der Überwaldung Einhalt zu gebieten oder ob man         dieser Gebietskulisse kommen. Wenn ich anmer-
in einem urbanen Raum wohnt, wo man sich über           ken darf, in Deutschland ist seit 1974 die Vogel-
jedes Fleckchen Natur entsprechend freut. Ich           schutzrichtlinie entsprechend umzusetzen. 15,8
glaube, diese Dinge sind entsprechend bei der           Prozent der deutschen Landesfläche sind nominiert
Umsetzung zu berücksichtigen.                           worden. Heute sind ein Drittel der IBA-Gebiete, also
                                                        5,1 Prozent nominiert worden. Und ich glaube, dass
     Ich glaube, es muss auch in Zukunft gewähr-        da auch im Waldviertel durchaus noch Handlungs-
leistet werden, dass die Landwirtschaft in diesen       spielraum besteht.
Regionen einen entsprechenden Stellenwert hat,
dass es auch mit Natura 2000 im Raumordnungs-                 Wenn ich Ihnen sage, dass im Bezirk Zwettl
bereich möglich sein wird, hier Flurbereinigungen       der Truppenübungsplatz mit 16.000 Hektar drinnen
durchzuführen. Es ist notwendig, die Landwirtschaft     ist, dass zusätzlich 25.000 Hektar nominiert worden
auch in diesen Regionen, die für viele Menschen         sind und dass man daher durchaus Spielraum hat,
die einzige Einkommensquelle ist, dass man diese        auch diese Vogelschutzrichtlinie auf ein erträgliches
entsprechend stärkt.                                    Ausmaß für die Landwirtschaft und für die Wirt-
                                                        schaft entsprechend zu reduzieren. (Beifall bei der
    Es muss auch gewährleistet sein, dass der           ÖVP.)
Forstwegebau, der landwirtschaftliche Wegebau
ohne Behinderungen auch in Zukunft entsprechend             Es ist daher notwendig, dass der Raumord-
möglich ist. Und auch bei den Betriebsansiedlun-        nungsbeirat, das ist das Gremium, das hier unserer
gen und Betriebsgründungen muss hier durch ent-         Meinung nach die Entscheidungsgewalt bei den
sprechende Managementpläne gewährleistet sein,          Managementplänen haben sollte, die letzte Ent-
dass nicht zu viele Gutachten hier einzuholen sind.     scheidung trifft, dass man hier eine Interessensab-




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


wägung vorsieht. Und ich glaube, diese Interes-         hältnisse aufgelebt, zum Teil werden auf Initiative
sensabwägung wird sicherlich so zu treffen sein,        der Bürgermeister in den Grenzregionen durchaus
dass hier auch eine positive Wirtschaftsentwicklung     sehr schöne Veranstaltungen gemacht wo die
in diesen Räumen notwendig sein muss. Dass wir          Menschen hiesseits und diesseits der March sozu-
nicht zu einem bewohnten und bewirtschafteten           sagen einander treffen. Und mir scheint, da gibt es
Freilichtmuseum werden. Ich bin sicher, dass das        kaum mehr Brücken. Aber Infrastruktur und Brü-
gelingen wird. Dann werden wir auch Raumord-            cken über die March wo sie einander wirklich tref-
nung, Natura, Fauna-Flora-Habitatsrichtlinie und        fen können ohne vom Hochwasser betroffen zu
Vogelschutz unter einen Hut bringen. Unsere Frak-       sein gibt es nicht. (Beifall bei der SPÖ. – Präsident
tion wird selbstverständlich der Gruppe 0 ihre Zu-      Mag. Freibauer übernimmt den Vorsitz.)
stimmung geben. (Beifall bei der ÖVP.)
                                                             Erfreulich ist für uns im Bezirk Gänserndorf,
     Zweiter Präsident Sacher: Nächste Rednerin         und das muss ich ausdrücklich sagen, wir haben,
ist Frau Abgeordnete Mag. Renner.                       was die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an-
                                                        geht, in den letzten Jahren nicht wirklich zu den
    Abg. Mag. Renner (SPÖ): Herr Präsident!             Gewinnern gehört, die Entstehung des Wirt-
Sehr verehrte Damen und Herren!                         schaftsparkes Marchegg, der zur Gänze aus den
                                                        Mitteln von ECO-PLUS gefördert wird. Und hier
     Ich möchte wie meine Vorredner bzw. auch           wird es aber auch notwendig sein, und wenn ich
schon in der Generaldebatte einige Worte zur EU-        das Wort Brücke jetzt zehnmal in einer Rede sage
Erweiterung verlieren. Demnächst, es wurde schon        muss es sein, es wird notwendig sein, eine Brücke
angesprochen, in 7.680 Stunden bzw. 300 Tagen           in die Slowakei zu haben um die notwendige, wirt-
ist die EU um 10 Beitrittstaaten reicher. Schon die     schaftliche Anbindung zum VW-Werk im Nachbar-
Gründungsväter der EU, man denke an den                 land zu haben.
Schuman-Monnet-Plan, wussten in weiser Voraus-
sicht, dass Wirtschaft Frieden schaffen kann. Und            Eine weitere schöne Entwicklung ist das
durch die Gründung der Europäischen Gemein-             Wachküssen sozusagen der Marchfeldschlösser.
schaft für Kohle und Stahl, EGKS seinerzeit, wur-       Meines Wissens bedarf aber diese touristische
den sozusagen die wichtigsten Grundlagen für            Destination auch einer Verbindung zu den Nach-
Rüstung, nämlich Kohle und Stahl, einer vertragli-      barn damit entsprechend viele Gäste diese Nation
chen Bindung unterzogen. Und nicht zuletzt wissen       aufsuchen können, sonst wird sie sich langfristig
wir jetzt, dass, obwohl vor 1950 jahrhundertelang       wirtschaftlich nicht rentieren.
kein Frieden zwischen Deutschland und Frankreich
möglich war, dieser über die letzten mehr als 50             Sehr positiv ist, auch von meinen Vorrednern
Jahre mittlerweile möglich ist unter der Einbindung     schon angesprochen worden, die Arbeit der Klein-
natürlich auch aller anderen Beitrittsstaaten, die      regionen und der Regionalmanager zu bewerten.
sich in der EU befinden.                                Allerdings kann das nur ein Beitrag sein der sich in
                                                        Grenzen hält. Denn die wirklich budgetären Mittel
     Sie werden sich fragen, warum ich diesen           für eine gute, ausgebaute Infrastruktur was Bahn
Rückblick auf die Geschichte der Erweiterung ma-        und Straße betrifft, kann nur über den Finanzlan-
che. Die Antwort ist ganz einfach. Es wird auch in      desrat in diesem Zusammenhang erfolgen.
Zukunft nur eine funktionierende erweiterte EU
geben wenn die wirtschaftlichen Bedingungen                  Ein weiterer Schritt, das wurde auch vom
stimmen. Dies sage ich vor allem vor dem Hinter-        Klubobmann schon angesprochen, müsste sein, die
grund, dass in den Grenzregionen, unser Klubob-         Kontakte auszubauen einerseits zu den betroffenen
mann Weninger hat das schon hervorragend ange-          EU-Staaten, die ähnliche Probleme haben wie die
sprochen, im Zusammenhang mit EUROFIT und               Deutschen oder die Italiener, andererseits die
Regionalförderungen, dass bei uns im Grenzland          Kontakte, die es zum Teil ja schon gibt, aber die
noch einiges an Infrastruktur fehlt. Es fehlt zum       vielleicht intensiviert gehören, mit den betroffenen
Beispiel obwohl wir nur mehr ein wenig mehr als         Beitrittswerbern.
300 Tage vor der Erweiterung stehen ein funktio-
nierender Brückenschlag über die March.                      Die erweiterte Union wird 450 Millionen Men-
                                                        schen in einem Verband zusammen führen. Die
    Und es wird sehr viel gesprochen von den Brü-       Legitimation der Institutionen in Brüssel wird nicht
cken in den Köpfen, die abzubauen sind. Ich habe        zuletzt von der Zufriedenheit der Menschen in den
vor Ort den Eindruck, dass die Menschen, die in         Mitgliedstaaten getragen werden. In diesem Sinne
den Nachbarstaaten sozusagen Tür an Tür leben,          ist die Erweiterung der Europäischen Union frie-
zum Teil werden da wieder Verwandtschaftsver-           denspolitisch zu begrüßen. Allerdings muss Sorge




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


dafür getragen werden, dass alle Menschen ihren           giert. Landeshauptmann Dr. Pröll hat auch sofort
Beitrag davon haben. Letztendlich wird die große          rasche Schritte in Richtung Katastrophenmanage-
erweiterte EU auf Dauer nur Akzeptanz finden,             ment, vorbeugender Hochwasserschutz, gesetzt.
wenn die Menschen sich in einer friedlichen, wirt-        Es wurde sehr rasch eine Hochwasserplattform
schaftlich prosperierenden und sozial ausgewoge-          unter Univ.Prof. Biffl als Frontman sozusagen in
nen Union wieder finden. Danke für die Aufmerk-           Arbeit geschickt. Und die haben diese sofort
samkeit! (Beifall bei der SPÖ.)                           aufgenommen.

     Präsident Mag. Freibauer: Bevor ich den                  Und es ist sehr viel Beachtliches bereits ge-
nächsten Redner aufrufe, eine Information für Sie         schehen. Man hört immer wieder die Unruhe drau-
alle: Über Wunsch gibt es jetzt dann eine Orientie-       ßen, wenn’s regnet, wenn ein Gewitter kommt, der
rungshilfe für den Redner. In der Zeile „Redner“          Kamp schwillt an oder die Donau, was passiert,
wird die jeweilige Zeit, Minuten und Sekunden ge-         geschieht schon was? Und wir können draußen
nau aufscheinen. Das hat keine Geschäftsord-              sagen, es ist schon sehr viel geschehen. Die Pla-
nungs-Bedeutung. Für mich ist gültig das rote Licht       nungen können nicht nur wenige Wochen dauern,
vorne. Das ist nur eine Orientierungshilfe für den        das dauert alles. Zum Beispiel wurden im Abschnitt
jeweiligen Redner.                                        zwischen Dobraschberg und Kampmündung von
                                                          einer Arge von Zivilingenieuren sofort Gefahrenzo-
    Als Nächster zu Wort gelangt Herr Abgeord-            nenpläne bereits erstellt und Machbarkeitsstudien
neter Dipl.Ing. Toms.                                     für den Hochwasserschutz bereits gefertigt. Der
                                                          Gesamtfertigstellungstermin ist Ende 2003.
    Abg. Dipl.Ing. Toms (ÖVP): Sehr geehrter
Herr Präsident! Hohes Haus!                                    Es sind auch hier Geländeaufnahmen durch-
                                                          geführt worden und Abflussberechnungen, die
    Ich beschäftige mich innerhalb der Gruppe 0           Ende Juli vorliegen, um hier die ersten Hochwas-
mit dem vorbeugenden Hochwasserschutz, mit                serschutzmaßnahmen zu beginnen. Diese Unter-
dem Katastrophenmanagement. Wie wir leider alle           suchungen stellen auch eine Grundlage für die am
zur Kenntnis nehmen mussten hatten wir im vori-           stärksten betroffenen Gemeinden des unteren
gen Jahr einige Katastrophen über uns ergehen             Kamptales dar, wo ich einer dieser Gemeinden der
lassen müssen. Im Frühjahr in Piesting-, Triesting-       Bürgermeister sein darf, nämlich von Zöbing bis
und Schwechattal sowie an der Donau und im                Grafenwörth.
Sommer dann die große Katastrophe im Kamptal,
Kremstal, Donau und im Waldviertel, Lainsitz usw.             Weiters wurde eine Machbarkeitsstudie betref-
                                                          fend Hochwasserprognosen erstellt. Auf der Donau
     Das Kamptal hat dabei den größten Teil abbe-         haben wir so etwas schon. Es fehlt uns dies leider
kommen, nämlich es war eine 2000-jährliche Ka-            am Kamp. Uns sind die ganzen Pegel abhanden
tastrophe wie uns die Fachleute informiert haben.         gekommen seinerzeit. Und hier wird von der EVN
Nun, der Landtag hat am 11. September 2002 so-            und von Prof. Gutknecht von der TU Wien daran
fort schnell reagiert und hat eine Budgetüber-            gearbeitet. Ende Mai lagen die Untersuchungen
schreitung beschlossen mit einer Gesamthöhe von           bereits da.
474 Millionen. Und dieser Beschluss ist dann auch
von der Landesregierung mit 17. Dezember in                    Es gab Erhebungen von örtlich Betroffenen.
diese Richtung prolongiert worden, dass die nicht         Man musste hier alle Verantwortlichen zusammen-
verbrauchten Mittel Rücklagen zugeführt wurden            führen. Es gab hier verschiedene Gremien und es
und für 2003 eben heuer weiterhin verwendet wer-          wurde auch von einer Zivilingenieurgruppe hier eine
den konnten.                                              Untersuchung durchgeführt, Ende Juni wird sie
                                                          vorliegen.
     Die Beschlussfassung war wie gesagt zeitlich
sehr genau und sofort und es war eine große Hilfe              Für den Bereich der Traisen gibt es eine Eva-
für die Bevölkerung. Denn wer schnell hilft, hilft am     luierung der bisherigen Hochwasserereignisse. Das
Besten. Und durch das rasche Eingreifen des Lan-          soll das Ziel haben, dass hier Änderungen im Be-
des Niederösterreich wurde somit sehr rasch auch          reich der Raumordnung und Landbewirtschaftung
ausbezahlt. Daher Dank hier an alle Verantwortli-         durchgeführt werden. Hier werden Empfehlungen
chen, an der Spitze unserem Landeshauptmann,              abgegeben.
der gesamten Landesregierung.
                                                               Und hinsichtlich der Donau muss auch etwas
    Die Landesregierung hat natürlich nicht nur           geschehen. Nämlich, sie ist ja sehr gut erfasst. Hier
punkto finanzieller Unterstützungen schnell rea-          gibt es aber Veränderungen in letzter Zeit. Nämlich




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


die komischen Schwebstoffführungen, die da zu              welchem Gebiet er ist und wo seine Hochwasserli-
übermäßigen Ablagerungen geführt haben. Und                nie gegeben ist.
auch die Charakteristik der Wellenspitze hat sich
bei den letzten Hochwässern verändert gegenüber                  Und es gibt dann auch sogenannte rote Gefah-
den normalen Hochwässern im Jahr 1954 oder                 renzonen. Die hat es ja vorher nicht gegeben. Das
1991. Das muss untersucht werden.                          ist ja ein Unsinn. Die sollen jetzt wirklich entstehen.
                                                           Das sind jene gefährlichen Bereiche wo die Was-
      Es gibt auch für die Donau im gesamten Ver-          serhöhe nach Hochwässern mehr als 50 Zentimeter
lauf in Niederösterreich Untersuchungen für die            und die Wassergeschwindigkeit mehr als 2 Meter
neuesten HK-30-Linien und HK-100-Linien. Das               pro Sekunde betragen.
sind eben diese Normhochwässer. Und für die drei
Gemeinden in der Wachau Dürnstein, Weißen-                      Es sollen auch sogenannte Vorbehaltsflächen
kirchen und Spitz wurde eine ganz konkrete Ver-            und Vorrangflächen für Retentionsräume ausge-
gleichsrechnung der Hochwasserschäden mit aktu-            wiesen werden. Im Bereich des Wasserstands-
alisierten Kosten für Schutzmaßnahmen hier ange-           nachrichtendienstes in der Frühwarnung sollen
stellt. Und es gibt hier eine Variantenrechnung in         mehr Messstellen entstehen. Es kommen 24 wei-
welche Richtung der Hochwasserschutz dort gehen            tere Messstellen zu den 38 dazu. Es soll auch eine
soll. Dort ist ja akuter Handlungsbedarf. Bekanntlich      verbesserte Langzeitprognose für die Donau ge-
ist es dort ein wichtiges Thema ob es einen Hoch-          ben. Derzeit ist die Prognose mit 8 Stunden be-
wasserschutz geben soll mit mobilen Schutzele-             grenzt. Dies ist verlässlich. Alles was früher ist ist
menten oder keinen Hochwasserschutz, Freizonen             unverlässlich. Wir wollen 24 Stunden und 48 Stun-
usw. Und das muss untersucht werden.                       den, hier werden Prognosemodelle ausgearbeitet.
                                                           Es soll zu einer Hochwasserprognose für den
     Die Universität für Bodenkultur wird in den           Kampfluss kommen. Das gibt’s bis jetzt nicht. Und
nächsten Wochen ein Projekt mit dem Titel integra-         es soll Hochwasserprognosen für Traisen, Erlauf,
tives Management nachhaltiger Entwicklung der              Ybbs, Leitha, Schwarza und Pitten geben.
Kamptal-Flusslandschaften angehen. Und hier soll
auch eine Managementbearbeitung sozusagen auf                   Das Wichtigste, geschätzte Damen und Her-
allen Disziplinen für das Kamptal fertig gestellt wer-     ren, ist natürlich die Umsetzung der Hochwasser-
den.                                                       schutzbaumaßnahmen. Die werden also aus die-
                                                           sen Konzepten heraus entstehen. Und es sind
    Es wird auch eine Meta-Datenbank derzeit an-           auch im Ansatz im Budget schon bereitgestellte
gelegt für Hochwasserabflussflächen und Gefahren           Landesmittel da und es ist ein Landesbeitrag in der
und Gewässerbetreuungskonzepte. Es gibt und                Höhe von 4 Millionen Euro vorgesehen.
gab hier bereits Ankäufe von Flächen, die für
Hochwasserereignisse jetzt für den Abfluss des                  Etwaige neue Schäden sind in diesem Budget
Kampes eben freigehalten werden sollen. Es sind            nicht enthalten und müssen extra abgewickelt wer-
mehr als 80 Hektar an devastierten gewässeran-             den. Dem gesteigerten Hochwasserschutzbedürfnis
grenzenden Flächen angekauft worden.                       der Bürger wird hier sehr wohl durch unser Lan-
                                                           desbudget erfolgreich Rechnung getragen.
     Die betroffenen Bereiche des August-Hoch-
wassers wurden in analoger Form dokumentiert. Es                Grundsätzlich, geschätzte Damen und Herren,
ist das erste Mal dass so etwas umfassend ge-              wird in Niederösterreich in allen Regionen die Er-
schehen ist für Kamp, Krems, Lainsitz und Thaya.           richtung eines wirksamen Hochwasserschutzes
                                                           angestrebt. Es ist auch hier für den Bund, dass zu
      Geschätzte Damen und Herren! Sie sehen               den Landesmitteln auch Bundesmittel notwendig
daraus, wieviel hier bereits getan und gemacht             sind. Und es wird eines sehr verstärkten Einsatzes
wurde. Mittelfristig sind natürlich die ganzen Kon-        auch unserer Seite bedürfen um die vermehrten
zepte umzusetzen und es gibt hier das Ziel mittel-         Bundesmittel zu lukrieren, damit die von der Bun-
fristig, das sind fünf Jahre bis 2008, dass die flä-       desseite auch kommen.
chendeckende Ausweisung der Hochwasserab-
flussgebiete für ganz Niederösterreich gegeben ist.             Ich möchte noch auf ein Kapitel eingehen, das
Wir haben zirka 2.000 Kilometer Hauptgewässer in           ist das Katastrophenmanagement in Niederöster-
Niederösterreich und Seitentäler zirka 600 Kilome-         reich. Da gibt’s den sogenannten Krisenmanager
ter. Und unser Ziel ist es, hier eine wirklich de-         der neu konzipiert wurde. Was ist eigentlich Kri-
ckende Dokumentation zu haben. Dass jeder Bür-             senmanagement? Das sind die Vorsorgemaßnah-
ger in einem Flusstal Niederösterreichs weiß in            men im Anlassfall dass die Schäden für das Land




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


und seine Einwohner möglichst gering gehalten            durchgeführt werden dürfen. Aber auch Tierhaltern
werden. Und da gibt es eben organisatorische Vor-        soll nach entsprechender Einschulung die Möglich-
kehrungen für die verschiedenen Katastrophen-            keit gegeben werden, gewisse Eingriffe, zum Bei-
schutzpläne und dass man das zusammenschlägt             spiel beim männlichen Ferkel bis zum 10. Lebens-
und zusammen organisatorisch verkämmt. Und               tag, selbst vorzunehmen.
was ist geplant? Es soll eine integrierte Ausbildung
geben für Behörde und Einsatzorganisation, eine               Diese Vereinbarung der Länder betrifft, wie
eigene Stabsausbildung, Übungen und ein neues            schon gesagt, die Nutztiere. Und diese Vereinba-
Katastrophenschutzplan-Verwaltungsprogramm.              rung beinhaltet diese Mindestanforderungen be-
                                                         züglich Bewegungsmöglichkeit, Sozialkontakt, Bo-
    Geschätzte Damen und Herren! Ich glaube, die         denbeschaffenheit, Stallklima und Betreuungsin-
Ansätze im Budget sind dazu angetan, wirklich hier       tensität. Außerdem bekennen sich darin alle neun
wirksame Maßnahmen umzusetzen. Und so gese-              Bundesländer dazu, dass die Käfighaltung von
hen können die Ansätze für das Jahr im Budget            Legehennen verboten werden soll. Wobei es je-
2004 als Grundlage für einen umfassenden Hoch-           doch für die Übergangsfristen eine Anpassung
wasserschutz für kommende Generationen in Nie-           bereits bestehender Anlagen gibt.
derösterreich angesehen werden. Ich danke für die
Aufmerksamkeit! (Beifall bei der ÖVP.)                        Nun auch zum Kollegen Mag. Leichtfried. Ich
                                                         finde es auch bedenklich – nur, im Bund ist etwas
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt            geschehen, das muss man dazu sagen - dass wir
Herr Abgeordneter Hofmacher.                             in Österreich als kleines Mitgliedsland in der Euro-
                                                         päischen Union neun verschiedene Tierschutzge-
    Abg. Hofmacher (ÖVP): Geschätzter Herr               setze haben, diese auch noch teilweise zumindest
Präsident! Verehrte Mitglieder des Hohen Hauses!         mit Vehemenz verteidigen und auch noch die Not-
                                                         bremse ziehen bei den Bemühungen für ganz
     Die Gruppe 0, Vertretungskörper und allge-          Österreich ein einheitliches Tierschutzgesetz zu
meine Verwaltung, beinhaltet auch den Tierschutz.        schaffen. (Beifall bei Abg. Dr. Krismer.)
Und wir wollen auch bei diesem Thema Tierschutz
keine Realitätsverweigerung betreiben. Denn eines             Wobei das Ziel sein muss, dass es EU-weit
muss uns klar sein. Seit dem EU-Beitritt 1995 wis-       gleiche Standards geben muss. Das muss eine
sen wir, dass wir uns neuen Herausforderungen zu         Voraussetzung sein. Und wir finden in Österreich,
stellen haben. Dass wir sicher neue Chancen vor-         insbesondere in Niederösterreich, schärfere Be-
finden, aber dies auch neue Risken beinhaltet. Und       stimmungen im Tierschutz als anderswo vor. Au-
das wird auch bei der nächsten Erweiterung für uns       ßerdem, und ich spreche die Landwirtschaft an,
so sein, der wir uns zu stellen haben.                   finden wir kleinere Strukturen vor. Wir haben das
                                                         gleiche Produktionspreisniveau wie im gesamten
     Es wurde von meinen Vorrednern schon                EU-Raum. Wir finden keine Tierfabriken vor und
mehrmals angesprochen, vom Kollegen Mag.                 natürlich keine industriell geführten Betriebe wie in
Leichtfried und auch von der Kollegin Dr. Krismer,       anderen europäischen Ländern.
dass wir in diesem Hohen Haus eine Novelle zum
Tierschutzgesetz 1996 beschlossen haben, welche               Wir bekennen uns dazu, dass Tierschutz heute
länderbezogen ist und die Haltungsformen bein-           die gleichen Standards braucht. Es wird aber ein
haltet.                                                  Bundeswirtschaftsgesetz sinnvoll sein, das zu kei-
                                                         nen Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteilen für
     Die Haltungsformen haben hier Gültigkeit für        unsere Nutztierhalter gegenüber unseren Nachbarn
Übergangsfristen für zehn Jahre und danach auf           der alten und der neuen EU führen darf. Und ein
Ansuchen bei der Bezirksverwaltungsbehörde auf           solches nationales Tierschutzgesetz wird bereits
weitere fünf Jahre. Aus damaliger Sicht bestanden        diskutiert. Und es fand auch, um die Vorgangs-
weder veterinärfachlich noch standespolitisch grö-       weise bekannt zu geben, eine Enquete im National-
ßere Bedenken. Es ging uns damals auch wie               rat statt wobei alle Parlamentsparteien eingebun-
heute um die Erfüllung von Mindestanforderungen          den worden sind die einen Entwurf erarbeiten.
in den Haltungsformen. Beim Schutz von Nutztieren
- nicht Großtiere, sondern im Tierschutzgesetz ist           Und die Beratungen bezüglich Übernahme von
die Deklaration Nutztiere, also Kälber, Schweine,        Normen aus der EU in Bereichen wie Nutztierhal-
Rinder und auch Geflügel - geht es uns darum, und        tung und deren Haltungsformen, das soll hier be-
das war in der Verordnung letztlich festgehalten,        rücksichtigt werden. Es geht uns nämlich darum,
auch Eingriffe bei Tieren unter lokaler und allge-       dass in der Landwirtschaft, die vier Prozent der
meiner Betäubung, die nur von einem Tierarzt             Bevölkerung in Österreich darstellt, nicht zusätzli-




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che Belastungen uns aufgezwungen werden. Und               lich der Beitrag unseres Landes zum Österreich-
hier werden sicher Arbeitsplätze auch gesichert,           Konvent.
von denen drei nachgelagert sind. Daher, wir benö-
tigen ein moderates System des Tierschutzes in                  Wir wissen, dass das Gründungsverfahren die-
Österreich.                                                ses Konvents bereits eingeleitet worden ist. Dass
                                                           unter Vorsitz von Rechnungshofpräsident Fiedler
     Wir haben, und ich habe es bereits erwähnt, in        bereits zu arbeiten begonnen wurde. Und ich sehe
der Art. 15a-Verordnung und dieser Novelle, die wir        als positiv an, dass im Rahmen dieses Präsidiums
1996 beschlossen haben, auch die Erkenntnis ge-            des Konvents einmal die Bundesländer eingebun-
wonnen dass unsere Tierheime entsprechend aus-             den wurden. Als stellvertretende Vorsitzende wird
gestattet werden sollen. Im Bereich auch der               die Oberösterreichische Landtagspräsidentin fun-
außerlandwirtschaftlichen Tierhaltung, der Tier-           gieren. Und im Konvent werden überdies auch die
schutz liegt ja im öffentlichen Interesse. In der Ver-     Landeshauptleute und die Landtagspräsidenten
gangenheit wurden schon Tierheime von den Ver-             aller übrigen Bundesländer vertreten sein. Damit,
einen betrieben und von der Öffentlichkeit natürlich       glaube ich, wird die Legitimation dieses Konvents
finanziert, überwiegend finanziert. Und das Land           auch gestärkt werden. Das gilt auch für die vorge-
Niederösterreich, auch das soll betont werden, stellt      sehene Einbeziehung des Städtebundes und des
für die Tierheiminfrastruktur, für die Versorgung von      Gemeindebundes mit jeweils zwei Repräsentanten.
fünf Einheiten, nämlich Wald-, Wein-, Industrie- und
Mostviertel sowie das Umland von Wien einen be-                 Ich hoffe im Sinne eines lebendigen Födera-
achtlichen Betrag für die Errichtung und auch für          lismus, dass sich unser Bundesland auch inhaltlich
die Erhaltung zur Verfügung.                               in die Diskussion entsprechend einbringen wird. Ich
                                                           bin da mit Klubobmann Mag. Schneeberger, glaube
    Bei der Erhaltung natürlich auch nicht uner-           ich, auf einer Linie. Ich verlange konstruktive, faire
wähnt zu lassen sind die Betriebskosten. Wobei die         Verhandlungen unter gleichwertigen Partnern. Und
Kostenberechnung auf den von Tierheimen ange-              ich hoffe auch auf substanzielle Ergebnisse, die vor
gebenen Daten beruht. Personalkosten werden                allem für die Bürgerinnen und Bürger unseres Lan-
natürlich nach dem Beamtenschema entlohnt. Und             des von Vorteil sein werden und dass auch für sie
von den Betriebskosten wird dieser beachtliche             deutlich gemacht wird wer in Österreich und in Nie-
Betrag vom Land übernommen.                                derösterreich für welche Entscheidungen die Ver-
                                                           antwortung zu tragen hat.
     Um dem Sicherheitspolizeigesetz von 2002 zu
entsprechen besteht für die Gemeinden die Ver-                  Ich schlage deshalb vor, dass sich der NÖ
pflichtung, über entsprechende Einrichtungen für           Landtag auf eine gemeinsame und über möglichst
die Tierbetreuungen im Falle einer Aufbewahrung            alle Parteigrenzen hinweg gehende Linie verstän-
des Tieres, zumeist sind es Haustiere wie Hunde            digt, einen Beitrag erarbeitet und beschließt um
und Katzen, zu verfügen. Einrichtungen müssen,             damit eine sehr starke Verhandlungsposition ein-
und das ist festgehalten, auch dem europaweiten            bringen zu können. Gleiches ist übrigens in Ober-
gültigen Tierhaltungsnormen entsprechen. Also bei          österreich bereits geschehen.
den Tierheimen haben wir europaweit gültige Nor-
men, bei der Nutztierhaltung haben wir sie nicht.               Dies wird erforderlich sein um die Sinnhaftig-
Wir in Niederösterreich haben bereits diese Ein-           keit und Effizienz föderaler Strukturen, die ja zuletzt
richtungen und sind nun dabei diese zu erweitern           in gewisse Diskussionen gezogen wurden, hinrei-
und bringen dafür auch beachtliche finanzielle Mit-        chend auch zu dokumentieren. Positiv ist meines
tel auf. Wir werden dem sicher die Zustimmung              Erachtens auch, dass bereits im Auftrag an den
geben. (Beifall bei der ÖVP.)                              Konvent klargestellt worden ist, dass sich seine
                                                           Arbeit auf dem Boden der Bundesverfassung zu
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt              bewegen hat, zu dem natürlich auch das bundes-
Herr Abgeordneter Mag. Motz.                               staatliche Prinzip zählt. Und das, glaube ich, ist im
                                                           Sinne des Föderalismus durchaus zu begrüßen.
    Abg. Mag. Motz (SPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Hohes Haus!                                         Ein solches bundesstaatlich organisierte
                                                           Staatsgefüge kann natürlich nur funktionieren und
    Mein Beitrag zum Kapitel Vertretungskörper             problemlos funktionieren wenn der Bund und die
und allgemeine Verwaltung beschäftigt sich mit             Bundesländer hier als gleichwertige Partner einan-
einem Thema das für unser Land in den nächsten             der akzeptieren. Für uns Sozialdemokraten gilt in
18 Monaten hohe Wichtigkeit erlangen wird, näm-            dieser Diskussion der Grundsatz, dass eine Bun-




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


desstaatsreform sich an Bedürfnissen des Bürgers           vordergründig populistische Forderungen und wer-
zu orientieren hat und den Bürger in die Diskussion        den von uns abgelehnt. (Zwischenruf Abg. Kautz.)
mit einzubeziehen hat. Sie kann also nicht vom
grünen Tisch konstruiert und verordnet werden. Sie             Auf dem Weg zu einer neuen österreichischen
muss gemeinsam mit den Bürgern und gemeinsam               Bundesverfassung wird daher die SPÖ Nieder-
mit den Ländern erarbeitet werden.                         österreich auf jeden Fall ein sehr zuverlässiger
                                                           Partner sein. Wenn es allerdings darum geht, Ver-
      Und ich glaube, es gibt gute Argumente für den       waltungs- und Betreuungsstrukturen zu zerschla-
Föderalismus wenn wir für eine Reform der födera-          gen dann werden wir sehr vehementen und hefti-
listischen Strukturen unseres Bundeslandes und             gen Widerstand leisten.
unseres Bundesstaates eintreten. In der Weise,
dass diese Neuordnung nicht zu einer Schwä-                     Meine geschätzten Damen und Herren! Ich
chung, sondern zu einer Stärkung der Bundeslän-            möchte im Rahmen der Spezialdebatte zur Gruppe
der führen muss. Das Ergebnis des Österreich-              0 aus aktuellem Anlass auch auf ein Thema einge-
Konvents muss auf jeden Fall zum Vorteil für die           hen aus dem Bereich des Konsumentenschutz und
Bürger unseres Landes werden. Reformen, die                eine Praxis beleuchten, die im Zuge der Liberalisie-
deswegen angelegt werden um finanzielle Einspa-            rung der Strom- und Telekommunikationsmärkte im
rungen herbei zu führen, die möglicherweise auf            Kampf um neue Kunden in Österreich vermehrt und
eine Neuordnung des politischen Einflusses hinaus          in Niederösterreich auch anzutreffen ist. Und zwar
gehen werden von uns Sozialdemokraten abge-                wird dieser Kampf vor allem an der Haustür erbittert
lehnt.                                                     geführt, wie bereits eine Vielzahl von Beschwerden
                                                           bei Arbeiterkammer und Verein für Konsumenten-
      Es ist bekannt, dass Demokratie etwas kostet         information gezeigt hat. Ich darf daher folgenden
und man darf die Republik Österreich (ich sage             Resolutionsantrag stellen (liest:)
jetzt nur Prinzhorn) nicht als eine Aktiengesellschaft
oder gar als eine GmbH sehen. Und die Bundes-                                „Resolutionsantrag
länder sind nicht die Filialen dieser Konstrukte, die
man unter Umständen dann schließt wenn sie nicht                des Abgeordneten Mag. Motz zur Gruppe 0
die erforderliche Produktivität erwirtschaften. Das        des Voranschlages des Landes Niederösterreich
heißt also nochmals für mich, die Demokratie kostet        für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend strengere
etwas. Und die Tatsache, dass die Demokratie auf           Regelungen bei Haustürgeschäften.
Grund ihres Behördenaufbaues oder auf Grund
ihrer zum Teil überkommenen Strukturen bisweilen                Die Entmonopolisierung bzw. Liberalisierung
teuer geworden ist – und das ist bei Doppelgleisig-        des Energiemarktes sowie des Telekommarktes hat
keiten immer der Fall – diese Themen gehören auf           zu unangenehmen Begleiterscheinungen bei der
die Tagesordnung des Konvents.                             Akquisition neuer Kunden geführt. Unternehmen,
                                                           die in diesen Bereichen tätig sind und Neukunden
     Und eine zweite Diskussionsebene gehört               akquirieren, versuchen, diese Neuabschlüsse über
auch auf die Tagesordnung des Konvents. Sie                das klassische Haustürgeschäft zu erreichen, wo-
kennen alle das beliebte und trotzdem nicht falsche        bei Arbeiterkammern und der Verein für Konsu-
Beispiel dass die Wiener beim Besteigen der Bau-           menteninformation im Zusammenhang mit unseriö-
ordnung einer entsprechenden Stiege die Füße               sen Türverkäufen eine steigende Zahl an Be-
weniger hoch heben können als die Niederösterrei-          schwerden zu verzeichnen haben. Mit falschen
cher und zwar um genau 2 Zentimeter. Und daher             Ausweisen und unlauteren Verkaufspraktiken wer-
auch die Frage, ob 9 Bauordnungen in Österreich            den Kunden zu Verträgen zwischen Tür und Angel
wirklich die Inkarnation des Föderalismus sind.            überredet. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen
Darüber soll zumindest einmal nachgedacht wer-             einerseits, aber auch mit bestimmten Androhungen
den dürfen.                                                (psychischer Kaufzwang) werden KonsumentInnen
                                                           unter Druck gesetzt, Neuverträge abzuschließen.
    Einzelne Vorschläge, wie wir sie in diesem             Es erscheint daher notwendig, den Konsumenten-
Haus auch schon gehört haben, in Richtung der              schutz in diesem Bereich zu verstärken, insbeson-
Freiheitlichen, von denen jetzt niemand im Saal ist,       dere im Zusammenhang mit Stromlieferverträgen,
einzelne Vorschläge haben eine gewisse Skurrilität         da der Abschluss eines Stromliefervertrages mit
gehabt, nämlich etwa die Landesparlamente einzu-           dem Grundbedürfnis des Wohnens untrennbar
sparen, die Anzahl der Mandatare zu reduzieren             verbunden ist.
oder Ihr Resolutionsantrag im Vorjahr auf Kürzung
der Demokratieförderung. Diese Vorschläge sind                 Der Gefertigte stellt daher den Antrag:




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Der NÖ Landtag möge beschließen:                      Regionsentwicklung an unseren Grenzen, so
                                                          möchte ich sagen, optimal genutzt wurde bzw. noch
     Die Niederösterreichische Landesregierung            genutzt wird in den gegebenen Programmen.
wird ersucht, bei der Bundesregierung darauf zu
dringen, dass - im Sinne der Antragsbegründung -               Der heute viel zitierte Satz „kein Schilling, kein
das Rücktrittsrecht von Verträgen, die nicht in den       Euro darf in Brüssel liegen bleiben“ ist zweifellos
von Unternehmern für ihre geschäftlichen Zwecke           erfüllt worden, wird engagiert angegangen, wird
dauernd benützten Räumen zustande gekommen                gelebt. Und das ist wichtig für diese an und für sich
sind, auf eine Frist von zumindest zwei Wochen            vom Schicksal Jahrzehnte hindurch so gestrafte,
durch eine Änderung der bundesgesetzlichen Vor-           benachteiligte Region.
schriften - ähnlich der gesetzlichen Lage in
Deutschland - verlängert wird, sowie durch eine                Bereits 1998 wurden durch den Landeshaupt-
bundesgesetzliche Änderung ein grundsätzliches            mann selber gewisse Initiativen verstärkend ge-
Verbot von Haustürgeschäften im Zusammenhang              setzt. Im Titel des NÖ Fitnessprogrammes sind hier
mit Stromlieferverträgen eingeführt wird.“                zweifellos zusätzlich Verstärkungselemente ge-
                                                          schaffen worden um in einem Zeitraum interes-
      Meine Damen und Herren! Ich lade Sie ein,           santer geopolitischer Veränderungen und der Kon-
diesen Antrag zu unterstützen. Danke schön! (Bei-         kurrenzierung auf den Märkten für diese sensiblen
fall bei der SPÖ.)                                        Gebiete zusätzliche Impulse zu schaffen damit dort
                                                          etwas vorangebracht werden kann.
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Herr Abgeordneter Hiller.                                      Allein in diesen vergangenen fünf Jahren die-
                                                          ses Programmes sind zusätzlich eine Milliarde
    Abg. Hiller (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsi-          Schilling in alter Währung gesprochen oder 72 Mil-
dent! Hohes Haus!                                         lionen Euro, unsere derzeitige Währung, zur Wir-
                                                          kung gebracht worden, welche diese Wirkung nicht
     Mit dem Referendum vergangene Woche in               verfehlt haben, sondern viele Projekte unterstützt
unserem Nachbarland Tschechien ist die politische         haben. An die 300 Projekte verschiedenster Art
Erweiterung der Europäischen Union bereits zu             wurden hier umgesetzt. Man kann also auch davon
einer Realität geworden. Wenngleich unsere un-            von Erfolg sprechen wenn man sieht, dass bei der
mittelbaren Nachbarn Tschechien und die Slowakei          Programmplanung, bei den Vorberechnungen an-
dann offiziell mit 1. Mai 2004 hier beitreten werden.     gedacht oder angeschätzt wurde, dass ein zusätzli-
                                                          cher Euro an Förderungsmitteleinsatz in etwa das
     Für uns, die wir hier an der Grenze wohnen           2½-fache an Investitionssumme auslösen wird.
und beheimatet sind, hat aber dieses freudige Er-         Tatsächlich wissen wir nunmehr nach Abrechnung
eignis, zu welchem wir unseren Nachbarländern             von vielen Projekten dass dieser Effekt um 25 Pro-
herzlichst gratulieren, schon eine Vorgeschichte,         zent höher zu liegen gekommen ist. Man sieht also,
die dunkle und die helle Seiten aufweist. Die hellen      dass die vorgegebenen Programme und Berech-
sind uns näher gelegen, denn die liegen unmittel-         nungen hier doch eher sehr restriktiv angegangen
bar in unserer Vergangenheit.                             wurden und der Erfolg, was uns alle freut, ein grö-
                                                          ßerer ist als man ihn andenken konnte.
     Und zwar ein erster heller Blick und Anlass als
im Dezember 1989 der sogenannte Eiserne Vor-                   Mit der Regierungsbildung, den erfolgreichen
hang herabgelassen wurde und, so hoffen wir, für          Regierungsverhandlungen wurde dieses Fitness-
alle Zeit verschwunden ist. Seit dieser Zeit ist          programm prolongiert. Es geht nun darum, dass wir
zweifellos eine Epoche eingetreten, in der durch          auch für die Zukunft durch weitere Regions- und
unser Mitgestalten Berührungsängste einerseits            Leitprojekte diese strukturschwachen Gebiete mit
zurückgedrängt wurden, Ressentiments großteils            einer stabilisierenden Wirkung und deren Impulse
abgebaut wurden, nicht restlos. Und über die Politik      versehen können.
selbst und vor allem über unser positives Handeln
ist es zu guten Effekten gekommen.                             Die Stoßrichtung geht hier in verschiedene
                                                          Richtungen. Zahlreiche wirtschaftliche Bereiche
    Es wurde viel gemacht und es ist zweifellos           sind durch hervorragende Beispiele bereits hier
auch viel gelungen. Mit dem Beitritt Österreichs zur      angegangen worden und wurden in erfolgreiche
Europäischen Union, der nun mehr acht Jahre zu-           Projekte umgesetzt. Man kann sagen, dass das
rückliegt, mit 1.1.1995 ist Niederösterreich auch in      Waldviertel mit seinen Gesundheits- und Kultur-
den Genuss der europäischen Zielgebietsförder-            projekten hier große Erfolge aufweist. Das Wein-
programme gekommen, welche vor allem für die              viertel mit seinen Tourismusprojekten wie Touris-




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musschule in Retz, Therme der Sinne in Laa a.d.            chen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall bei der
Thaya und vielen anderen Bereichen hat hier nicht          ÖVP.)
nur erfolgreiche Projekte, sondern das sind hier
Vorhaben, welche eine Leitfunktion in der Region               Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
haben. Welche hier zur wirtschaftlichen Stabilisie-        Herr Abgeordneter Dipl.Ing. Eigner.
rung, zur Sicherung der Arbeitsplätze und von
Schaffung von Einkommen vor Ort hier Wesentli-                 Abg. Dipl.Ing. Eigner (ÖVP): Sehr geehrter
ches beitragen können.                                     Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren des
                                                           Hohen Hauses!
     Ergänzt werden diese Maßnahmen im Bereich
der Anlage von verschiedenen Wirtschaftsparks,                   Ich möchte das Friedensprojekt der EU-Er-
von Gmünd beginnend bis Marchegg. Wir haben                weiterung auch aus wirtschaftlicher Sicht beson-
insgesamt zur Vernetzung und zur Kontaktnahme              ders betrachten und über die Anregungen und
zu unseren Nachbarn an den Grenzen zu                      Ausführungen des Kollegen Hiller hinaus gehen.
Tschechien und der Slowakei zehn grenzüber-                Wenn man über die EU-Erweiterung draußen
schreitende Impulszentren installiert, sogenannte          spricht, der Kollege Mag. Ram hat das schon heute
GIZ oder GIZEN wie man hier so bemerkt. Und                hier einmal angesprochen, die Bevölkerung hat
eine neue Aktion, ein weiterer Schritt in die richtige     Ängste. Dass wir überschwemmt werden mit Bil-
Richtung ist zweifellos die flächendeckende Instal-        ligst-Arbeitskräften. Und ich kann Ihnen dazu nur
lierung von Breitband Tecnetzen hier an den Gren-          sagen, die Sorgen sind unbegründet. Leider ist er
zen um allen Betrieben, vor allem auch den KMUs,           jetzt nicht hier damit ich ihm einige Argumente ge-
den Klein- und Mittelbetrieben hier diese Technolo-        ben kann um diese Ängste in der Bevölkerung aus-
gie zur Weiterentwicklung zu ermöglichen und ih-           zuräumen.
nen Unterstützung zu gewähren.
                                                                Erstens einmal sind alle jene, die hier in Öster-
     Alle diese Maßnahmen werden von verschie-             reich arbeiten wollen, jetzt schon hier. Viele sind
densten Institutionen getragen und mit Engage-             schon hier, teilweise sind sie aber auf dem
ment bewerkstelligt. Es gibt in allen Regionen Re-         Schwarzmarkt tätig, weil es anders nicht möglich
gionalmanagements die mit hohem Engagement                 ist. Das ist zum Schaden des österreichischen
hier arbeiten. Es bringt sich die niederösterreichi-       Staates und auch wettbewerbsverzerrend für un-
sche, die österreichische Wirtschaftskammer in             sere Wirtschaft. Auch die Tagespendler werden
hervorragender Weise ein. Unsere Landesgesell-             sich wahrscheinlich in Grenzen halten. Denn wenn
schaft die ECO-PLUS und auch das Wirtschaftsre-            die Lohnanteile in den anderen Ländern drüben
ferat des Landes ist bemüht, alle Initiativen zu er-       steigen werden sodass die Leute mehr verdienen,
kennen, zu begleiten und zu unterstützen. Ich              werden die Wege immer kürzer sein wo es sich
möchte sagen, Landesrat Ernest Gabmann selbst              rechnet, dass die Pendler nach Österreich arbeiten
bringt hier wirklich einen hervorragenden Eifer in         kommen.
diese Bemühungen ein. Ist stetig dabei beschäftigt,
die Leute, die Initiatoren zu motivieren und best-               Zudem sind wir kein typisches Migrationsland.
möglich zu unterstützen.                                   Umfragen haben ergeben, dass in den Ländern
                                                           Tschechien, Slowakei und Ungarn maximal 0,2 bis
    Ich bin daher sehr froh und dankbar, dass ge-          1,4 Prozent der Bevölkerung ständig bei uns ar-
rade auch im Budget für das nächste Jahr 2004              beiten wollen. Wieviel es dann tatsächlich werden
wieder ausreichend Mittel vorgesehen sind um               ... es werden sicherlich weniger sein. Diese Ansicht
diese EU-Erweiterung, diese Regionsentwicklung             vertreten auch die Fachleute aus dem AMS, der
bestens zu bewältigen, ja meistern zu können.              Herr Fakler sowie von der Industriellenvereinigung
                                                           der Herr Frank.
    Eine gute, offensive Landespolitik macht uns fit
und frei im Kopf für die Gestaltung einer guten Zu-             Und eines kann ich Ihnen noch dazu sagen:
kunft. Ich glaube, meine sehr geehrten Damen und           Man sieht es am Besten am Beispiel Ungarn. Wir
Herren, gerade das NÖ Fitnessprogramm ist dazu             haben in Ungarn ein großes Gefälle. Im Osten sind
angetan, eine gute Plattform hier abzugeben. Von           sehr viele Arbeitslose und im Westen gibt es Ar-
welcher man durchstarten kann, erfolgreich sein            beitskräftemangel. Auch dort sehen wir, dass nicht
kann. Alle Niederösterreicherinnen und Nieder-             sehr viel hin- und hergefahren wird was den Ar-
österreicher sind aufgefordert und eingeladen, an          beitskräftefluss beeinflussen würde. Und zudem
dieser neuen europäischen Zukunft gestaltend               noch ein weiteres Kapitel. Wir haben gehört von
mitzuarbeiten um aus den Grenzen von gestern               Prof. Stickler, die Kinderzahlen gehen zurück, dra-
Partnerschaften von morgen zu machen. Herzli-              matisch zurück, sodass wir oft nicht einmal mehr




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


die Volksschulen beschicken und die Kindergärten         zugreifbar sein wird. Und auch die GIZ, also die
aufrecht erhalten können. Also auch hier wird in         grenzüberschreitenden Impulszentren, die von
naher Zukunft, in fünf bis zehn Jahren, ein Arbeits-     Weitra bis Bruck a.d. Leitha die kleinregionale Ver-
kräftemangel auf uns zukommen, wo wir die Ar-            bindung zu den Wirtschaftsräumen drüben herstel-
beitskräfte aus den anderen Ländern brauchen             len sollen.
werden.
                                                              Auch die Wirtschaftskammern wurden erwähnt,
    Tatsache ist allerdings, dass das Wirtschafts-       die bereits in der Aktion in der ARGE 28 zusammen
wachstum bei uns mit eineinhalb bis zwei Prozent         arbeiten und hier eine Kooperationsplattform bilden.
prognostiziert ist und in den Erweiterungsländern        Ich bin ganz bei der Kollegin Mag. Renner wenn
mit drei bis sechs Prozent. Das heißt, es wird dort      Sie sagt, wir müssen die Brücken über die March
ein großes Potenzial auf uns zukommen. Aber wir          herstellen. Es wird ein großes Projekt sein und Herr
sind nicht die Einzigen, die auf diesen neuen unbe-      Landesrat Gabmann bemüht sich bereits jetzt beim
schreiblich großen Markt gehen werden. Wir müs-          VW-Konzern in Bratislava Zulieferbetriebe zu finden
sen also sehr viel dazu lernen und wir müssen uns        die sich im Marchegger Bereich im Marchfelder
weiter bilden. Und ich glaube, die Chance von uns        Bereich dort ansiedeln und knapp weg sind.
kann nur darin liegen, dass wir besser werden.
Dass wir uns besser schulen und dass wir mehr                 Alles das zusammen, diese ganzen Maßnah-
können als die anderen.                                  men - ECO-PLUS und andere - sollen künftig in
                                                         einem „Wirtschaftsservice Niederösterreich“ zu-
     Bis dato waren wir ein Grenzland der EU. Mit-       sammengefasst sein. Das ist ein Vorteil für die
ten drin sind wir nun in zirka einem Jahr. Doch wir      Förderungswerber. Denn sie haben dann nur mehr
haben seit dem Fall des Eisernen Vorhanges schon         einen Ansprechpartner für die Projektentwicklung,
viele Kontakte geknüpft, wir haben Ostkompetenz.         für die Finanzierung und auch für das Marketing.
Das wird uns auf der ganzen Welt bescheinigt. Und        Dafür möchte ich Herrn Landesrat Gabmann mei-
mit dieser Ostkompetenz können wir getrost in den        nen innersten Dank aussprechen wenn er sich
Wettkampf mit den anderen Ländern gehen. Wir             dafür einsetzt dass das alles vereinfacht werden
wollen die Erweiterungsgewinner Nummer 1 sein.           kann.
Das haben wir heute schon mehrfach gehört und
wir sind auch gut gerüstet dafür.                             Was können wir Unternehmer selber machen?
                                                         Außer dass wir uns selbst schulen, Know how dazu
     Der Kollege Hiller hat das Fitnessprogramm          lernen und unsere Mitarbeiter schulen, gibt’s
des Landes Niederösterreich bereits erwähnt. Das         Clusterbildungen. In letzter Zeit gibt’s die bereits bei
läuft seit 1999 bereits fünf Jahre. Hier wurden Ko-      Holz, bei Biomedizin, bei automotiven Produkten
operationsverträge mit Tschechien und mit der            und beim Wellbeing. Wir müssen lernen, nicht al-
Slowakei geknüpft. Und dieses Fitnessprogramm            leine zu kämpfen. Wir Unternehmer müssen uns
wird auch noch weitere fünf Jahre aufrecht erhal-        zusammenschließen damit wir insgesamt auch
ten.                                                     wettbewerbsfähig bleiben.

     Wir haben auch massive Förderung in den                 Ganz wichtig in diesem weiteren Ausbaupro-
strukturschwachen Grenzregionen durch Impuls-            gramm sind natürlich auch die Infrastrukturmaß-
projekte. Wir haben gehört heute von Landesrat           nahmen. Wir müssen die Mobilität behalten und
Mag. Sobotka, dass wir jährlich ungefähr 14,5 Milli-     verbessern. Ich darf Ihnen hier erwähnen, dass
onen Euro für diese Strukturverbesserungsmaß-            beim Straßenausbau in den nächsten fünf Jahren
nahmen zur Verfügung haben und insgesamt auch            2,2 Milliarden Euro ausgegeben werden. Die Nord-
mit allen anderen Förderungen können wir sagen,          autobahn, die Spange Kittsee, und ich hoffe, dass
dass wir bis Ende heurigen Jahres ein Investitions-      der Bund hier mitzieht, dass wir nicht bis 2011
volumen von 450 Millionen Euro geschafft haben.          brauchen bis das fertig ist. Unser Wunsch wäre es,
                                                         wenn das schon 2007 und 2008 fertig wird.
     Kollege Hiller hat auch die regionale Ent-
wicklungs- und Betriebsansiedelungsgesellschaft              Aber auch die billigeren Transportwege wie die
ECO-PLUS erwähnt. Es laufen dort bereits mehrere         Bahn und die Schifffahrt dürfen wir nicht vergessen
Projekte die auch in Zukunft fortgesetzt werden. Ich     auszubauen. Über die Schifffahrtslinien und –wege
nenne nur ein paar wenige davon: SPOLU, also             werde ich noch Gelegenheit haben, morgen näher
gemeinsam für die KMUs, diese klein- und mittel-         darauf einzugehen.
ständischen Unternehmen, Geschäftsbeziehungen
anzuknüpfen, das TRI, ein Informationssystem aller           Aber auch die Informationsstruktur muss über
drei Länder, wo eine Wirtschaftsdatenbank für alle       das gesamte Land drüber gezogen werden. Es




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


müssen also die weiter entfernten Betriebsansied-        scher war, lässt hier die Vermutung aufkommen,
lungen auch die Möglichkeiten haben, auf das In-         dass die Kontrolltätigkeiten nicht in diesem Ausmaß
ternet und auf das Breitband zurückzugreifen.            stattfanden oder durchgeführt werden konnten wie
                                                         sie erforderlich gewesen wären.
     Sie sehen also, wir haben unsere Hausaufga-
ben gemacht und werden daran arbeiten, dass das               Ob aus Personal- oder Geldmangel oder eben
noch viel besser wird. Dann wird es auch möglich         auf Grund von verschiedenen Zuständigkeiten, ich
sein, dass wir potenzielle Investoren nach Nieder-       weiß es nicht. Ein eigenes Ressort mit den notwen-
österreich bekommen. Eines möchte ich aber hier          digen Ressourcen ausgestattet kann somit zur
schon allen im Raum sagen: Mit Streiks und mit auf       Konsumentenschutz-Sicherheit beitragen. Weiters
die Straße gehen werden wir solche Investoren            ist natürlich auch um alle finanziellen und perso-
eher vertreiben als ins Land herein locken! (Beifall     nellen Ressourcen auszuschöpfen, eine Zusam-
bei der ÖVP.)                                            menführung der verschiedenen hiefür zuständigen
                                                         Abteilungen zur Erreichbarkeit der Bündelung der
     Ich darf in dem Sinn auch noch auf das 13           Kontrolltätigkeiten unbedingt vonnöten.
Punkte-Programm der Wirtschaftskammer Nieder-
österreichs hinweisen (zeigt Broschüre) wo viele              Die nunmehr im Budget bereitgestellten Mittel
dieser Punkte aufgeführt sind die wir brauchen um        für Fleischkontrollen sind ja nur ein Durchlaufer von
wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie sehen also, wir         400.000 Euro für den allgemeinen Konsumenten-
sind am besten Weg dazu, erstens unsere Qualifi-         schutz, von 75.000 Euro und nochmals 75.000
kationen und auch unsere Qualitätsstandards zu           Euro aus dem Umschichtungsbudget sowie darüber
verbessern. Die Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu         hinaus eine finanzielle und personelle Ausstattung
machen und Mobilität und Infrastruktur zu verbes-        für die Erfüllung der Maßnahmen im Hinblick auf
sern, sodass wir mit einem gesunden Ehrgeiz fit          die Umsetzung der EU-Richtlinien können hier nur
und voller Hoffnung in die Zukunft gehen können.         ein Anfang sein.
Danke schön! (Beifall bei der ÖVP.)
                                                              Und wenn ich heute an die Aussage von Herrn
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt            Finanzlandesrat Mag. Sobotka denke, der gemeint
Frau Abgeordnete Vladyka.                                hat, Magersucht heilt man nicht durch Fasten, so
                                                         freut es mich. Denn ich gehe davon aus und es ist
    Abg. Vladyka (SPÖ): Sehr geehrter Herr Prä-          meine Überzeugung, dass derzeit der Konsumen-
sident! Sehr geschätzte Damen und Herren! Hoher          tenschutz an Magersucht leidet und ich hoffe, dass
Landtag!                                                 die Fastenzeit für diesen nun ein Ende hat. (Beifall
                                                         bei der SPÖ.)
     Ich darf mich nun zu einem anderen, aber für
uns sehr wichtigen Thema in der Gruppe 0 zu Wort              Ebenso bin ich auch bei der Kollegin Dr.
melden, und zwar zum Konsumentenschutz. Eine             Krismer die gemeint hat, Verhältnismäßigkeiten
schon in der Vergangenheit von uns gestellte For-        sind hier zu korrigieren. Denn für uns ist eines
derung nach Zusammenlegung der Konsumenten-              ganz, ganz wichtig: Die ordnungsgemäße Durch-
schutzagenden von vier auf ein Ressort ist Wirk-         führung der vorgeschriebenen Kontrollen hat an
lichkeit geworden. Von der Verantwortlichkeit für        erster Stelle zu stehen.
Organisation und Renumeration der Kontrollen von
lebendigem und geschlachtetem Vieh, also Fleisch-             Wir Sozialdemokraten, meine sehr geschätzten
beschau über die Milchhygiene und Futtermittel-          Damen und Herren, setzen uns für eine strukturelle
kontrolle, Kontrolle der Qualitätsklasse landwirt-       Reform im Konsumentenschutz ein. Die Konzentra-
schaftlicher Produkte sowie auch Preisauszeich-          tion der Agenden ist nur eine unserer Forderungen
nungen und Produktsicherheit bei der Nahrungs-           auch auf Bundesebene. Ob es sich um die Ein-
mittelkontrolle. Mit dieser Zusammenlegung in die        richtung eines Konsumentenschutzrates, die Er-
Zuständigkeit unserer Sozial- und Konsumenten-           stellung eines neuen Lebensmittelgesetzes, die
schutzlandesrätin Christa Kranzl ist hier nunmehr        Neukodifizierung des zivilrechtlichen Konsumen-
ein sehr wichtiger Schritt getan.                        tenschutzes, die Informationspflichten von Behör-
                                                         den und Unternehmen handelt, die ausgebaut wer-
    Damit ist die Basis für einen effektiven Konsu-      den müssen oder auch unsere Forderung nach
mentenschutz in Niederösterreich gelegt. Schon die       einer langfristigen Absicherung des Vereines für
Vergangenheit hat ja gezeigt, wenn ich jetzt an den      Konsumenteninformation ist ebenfalls ein wichtiger
Tierarztskandal denke oder dass jeder zweite hei-        Teil des Zwölfpunkteprogrammes der SPÖ für Kon-
mische Lebensmittelskandal ein niederösterreichi-        sumentenschutz.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Gerade der VKI als unabhängiges Instrument          man, und ich sage es so wertfrei heraus, Ziele, hat
des Konsumentenschutzes darf nicht ausgehun-             man gewisse Erwartungen. Und ich bin wirklich
gert, sondern muss ausgebaut werden, um auch             sehr stolz, dass ich heute die Ehre habe, in Gruppe
weiterhin im Interesse eines funktionierenden            0 einige Gedankenansätze von der Problematik,
Schutzmechanismus wirken zu können. Qualität             aber auch gleichzeitig Zielvorstellungen von der
braucht Kontrolle! Der eigenständige Wunsch der          Landwirtschaft zu erörtern.
Konsumenten und Konsumentinnen nach gesunder
Ernährung und nach Qualität anstatt Quantität sind            Es ist sicher so, wir haben heute das Budget
anzuerkennen und dürfen nicht ignoriert werden.          auf der Tagesordnung. Und ich glaube, es ist ein
Eine umfassende Information der Konsumentinnen           Budget, das in sehr vielen Bereichen ganz einfach
und Konsumenten ist daher unbedingt erforderlich.        die Erwartungen unserer Zeit erfüllt. Ein Budget mit
(Beifall bei der SPÖ.)                                   Augenmaß und Spielraum für das Wesentliche.
                                                         Und ich möchte es dahingehend begründen, dass
     Auch im Agrarbereich, meine sehr geschätzten        unser Landesrat Mag. Sobotka hier richtungswei-
Damen und Herren, hat Konsumentenorientierung            sende Entscheidungen für die Zukunft erörtert und
für uns oberste Priorität. Die Landwirtschaft als        getätigt hat.
Erzeugerin von Lebensmitteln kann nur Erfolg ha-
ben, wenn sie mit den Konsumentinnen und Kon-                 Einige Gedankenansätze zu der EU-Erweite-
sumenten und ihrem Grundbedürfnis konform geht           rung und dem Standpunkt der Bauern der Grenzre-
und nicht gegen diese ankämpft. Der Umgang mit           gionen und darüber hinaus von den Menschen und
Leben und Lebewesen kann nicht nur kurzfristigen         den Bürgern. Ich möchte etwa sagen, ich teile, und
ökonomischen Nutzkriterien oder allein nach Ge-          ich sage hier bewusst, ich teile die Bedenken des
winnmaximen der Wirtschaft erfolgen, sondern             Abgeordneten Kautz und des Abgeordneten Mag.
sollte sich auch an ethischen Grundsätzen orientie-      Ram im Bereich der Bedenken, der Menschen, der
ren. Einige unserer Schwerpunkte eines neuen             Bürger im unmittelbaren Bereich der Grenze.
österreichischen Agrarsystems sind daher keine
Patente auf Pflanzen und Tiere, eine besondere                 Ich weiß sehr wohl, es gibt Bedenken. Nicht
Förderung biologischen Landbaus als Leitmodell,          nur bei der Landwirtschaft, bei allen Berufsgruppen,
gentechnikfreie Lebensmittelerzeugung – Öster-           Arbeitsplätze etc. betreffend. Ich teile aber nicht die
reich muss eine gentechnikfreie Zone bleiben -,          Bedenken, dass das Land Niederösterreich nicht
Umstellung auf eine umweltorientierte Agrarpro-          hier die Rahmenbedingungen geschaffen hat. In
duktion, Umstellung auf tiergerechte Haltung und         diesem Bereich gibt es einen Widerspruch. Natür-
Einschränkung der Tiertransporte, Verbot leis-           lich ist Zuversicht Grundvoraussetzung. Und ich bin
tungssteigernder Medikamente und Antibiotika,            mir darüber im Klaren, dass es auch große Chan-
wirksame Auflagen zum Schutz des Trink- und              cen gerade für die Ostregion im unmittelbaren Be-
Grundwassers.                                            reich gibt. Ich denke hier an einen erweiterten
                                                         Markt, wesentlich mehr Menschen sind im unmittel-
     Meine Damen und Herren! Das sind nur einige         baren Bereich Ansprechpartner.
der Schwerpunkte für eine Neugestaltung der
Landwirtschaftspolitik. Sie kann aber nur dann                Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hier
funktionieren und erfolgen, wenn der Konsumen-           ein offenes und ehrliches Wort. Das Land Nieder-
tenschutz hiebei eine führende Position einnehmen        österreich hat ganz einfach die Rahmenbedingun-
kann. Ich lade Sie ein, helfen wir alle mit um unser     gen geschaffen. Sie sind gut so, sie sind zielfüh-
schönes Bundesland für die Zukunft umfassend vor         rend und sie sind zweckmäßig. In erster Linie sehe
Etikettenschwindel zu schützen. (Beifall bei der         ich eine vernünftige Außenpolitik. Hier hat, und als
SPÖ und Abg. Dr. Krismer.)                               einer der im unmittelbaren Bereich der Grenze
                                                         wohnt und lebt, unser Landeshauptmann eine Au-
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt            ßenpolitik gemacht, die ganz einfach die Voraus-
Herr Abgeordneter Hensler.                               setzung geschaffen hat, hier aktiv dabei zu sein. Es
                                                         wurden ganz einfach Rahmenbedingungen zielfüh-
    Abg. Hensler (ÖVP): Sehr geehrter Herr Prä-          rend gesetzt.
sident! Geschätzte Landesrätinnen! Meine sehr
geehrten Damen und Herren des NÖ Landtages!                  Ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für ei-
                                                         nen unmittelbaren Bereich der Lebensqualität der
    Erlauben Sie mir vorerst eine persönliche Be-        Menschen und der Bürger ist das Fitnesspro-
merkung. Es ist zweifelsohne ein bewegender Au-          gramm. Kollege Eigner hat hier schon einige Sätze
genblick wenn man das erste Mal hier vor dem NÖ          gesagt. Ich möchte dieses Fitnessprogramm, ich
Landtag am Rednerpult steht. Und natürlich hat           denke hier an INTERREG, LEADER etc. Es ist




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


ganz einfach zugeschnitten auf die Grenzregion.               Umweltprogramm ÖPUL 2000, 2002 2,8 Millio-
Auf der einen Seite soll es bestärken, ausbauen           nen, Ausgleichszahlungen, Investitionsförderungen
und gleichzeitig Defizite ausgleichen.                    und etc. Das ist alles Grundvoraussetzung dass die
                                                          Landwirtschaft die Existenzsicherung für die Zu-
     Einige Beispiele von diesen Programmen er-           kunft hat. Und hier bin ich wirklich sehr froh, dass
lauben Sie dass ich kurz erörtere. Die Regionalpro-       diese Zusammenarbeit auf der einen Seite vom
gramme, hier ist der Sektorplan inbegriffen. Sie          Bund und Land gewährleistet, dass es gerade in
sind, und daran sind wir gerade in der Grenzregion        der Grenzregion eine flächendeckende Landwirt-
sehr interessiert und hier legen wir Prioritäten.         schaft geben soll und muss. Denn eines ist un-
Denn diese Programme dienen der Schaffung von             bestritten. Der Bauer hat und soll auch in Zukunft
Arbeitsplätzen im unmittelbaren Bereich. Schaffung        seine Existenz gerade in diesem unmittelbaren
neuer Infrastrukturen, Dörfer- und Städteerneue-          Bereich der Landwirtschaft absichern.
rung, Innovationszentren, neun errichtet, ausge-
baut, Stärkung, Selbstorganisation der Regionen.               Abschließend, meine sehr geehrten Damen
Gleichzeitig sind das 5.000 Arbeitsplätze, neue           und Herren, Hoher Landtag! Eine gute Ausgangs-
Arbeitsplätze und 30.000 in bestehendem unmittel-         situation für die Menschen und Bürger in Nieder-
baren Bereich, in Betrieben abgesichert. Das ist          österreich. Eine gute Ausgangssituation für die
gerade für die Grenzregion unheimlich wichtig.            Bauern, für die Grenzregion. Wir, die Bauern und
INTERREG-Programm, unheimlich wichtige Vor-               darüber hinaus die Menschen und die Bürger die-
aussetzung da in diesem unmittelbaren Bereich.            ser Grenzregion schauen dieser zukünftigen Ent-
                                                          wicklung zuversichtlich und voll Optimismus entge-
     Und jetzt bin ich bei einem Thema, das               gen. Danke! (Beifall bei der ÖVP.)
LEADER +. Meine sehr geehrten Damen und Her-
ren! Hoher Landtag! Niederösterreich erhält hier              Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
17,5 Millionen Euro. Mit Bundes- und Landesmitteln        Herr Abgeordneter Mag. Wilfing.
erhöht sich der Betrag auf 23,5 Millionen. Nieder-
österreich ist stolz und ich von meinem Bezirk                Abg. Mag. Wilfing (ÖVP): Herr Präsident! Ge-
ebenfalls, wir haben derzeit 15 LEADER-Regionen           schätzte Frau Landesrat! Hohes Plenum! Meine
in Niederösterreich. Es ist ganz einfach ein Bau-         sehr verehrten Damen und Herren!
stein für eine starke regionale Entwicklung. Ich
möchte das wirklich sehr erwähnen, dass hier in                Diese Gesetzgebungsperiode, die wir mit der
diesem unmittelbaren Bereich die Kooperation, die         Wahl am 30. März begonnen haben, wird sicherlich
Zusammenarbeit mit den angrenzenden Ländern,              am stärksten dadurch geprägt sein, wie wir die
die jetzt bei der EU-Erweiterung wie Kollege Hiller       durch die Europäische Union vorgegebenen politi-
gesagt hat, die jetzt dazu kommen, hier gibt es           schen Aufgaben erfolgreich oder auch weniger
diese Kooperation.                                        erfolgreich bewältigen können. Es wird ganz sicher
                                                          davon abhängen, wie jede der hier vertretenen
     Von Seiten der Landwirtschaft erlauben Sie           Parteien in fünf Jahren ihre Bewertung erfährt, wie
mir, dass ich auch etwas erwähne. Und zwar die            wir mit diesen vor uns liegenden Aufgaben am
ländliche Entwicklung. Hier ein klares Bekenntnis.        besten umgegangen sind.
Ich möchte schon etwas sagen. Weil ich jetzt bei
der Landwirtschaft bin. Sehr geehrte Frau Kollegin             Es war das Abstimmungsergebnis am Sams-
Vladyka. Dein Einwand im Bereich der Landwirt-            tag, 77 Prozent Ja der Tschechischen Republik. Es
schaft. Erlaube mir, dass ich hier etwas klar und         waren vor sechs Wochen 92 Prozent in der
deutlich sage: Wir Bauern sind vehement interes-          Slowakischen Republik. Und man kann nach heuti-
siert, wir wissen, dass nur die Kooperation auf der       gem Ermessen davon ausgehen, dass alle Ab-
einen Seite Landwirtschaft und Konsumenten                stimmungen die noch vor uns stehen, ob Litauen
Grundvoraussetzung ist für eine gute Landwirt-            oder Estland ebenfalls ein Ja der Bevölkerung des
schaft. Sie dient auf der einen Seite für die Konsu-      jeweiligen Beitrittswerbers für diese Europäische
menten und sie dient der Landwirtschaft. Das              Union ergeben werden.
möchte ich klar und deutlich sagen. (Beifall bei der
ÖVP. - Zwischenruf bei Abg. Vladyka.)                          Jetzt ist es Gottseidank so, dass wir schon bis-
                                                          her uns darauf vorbereitet haben, weil ja erahnbar
    Du hast hier in diesem Bereich Bedenken ge-           war, dass im Jahr 2004 der Beitritt erfolgen wird. Es
äußert, hier gewisse Richtlinien in diesem unmittel-      ist nun, wissen wir jetzt, der 1. Mai 2004 und dass
baren Bereich zu präsentieren. Hier glaube ich,           wir da hier gerade auch unsere Landespolitik,
dieses Privileg gestatte mir, dass wir das für uns in     nachdem ja fast ganz Niederösterreich Grenzraum
Anspruch nehmen.                                          ist ... Wir haben 414 Kilometer Grenze zu den




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Nachbarländern die neue Mitgliedsländer werden.            neuerung, die heuer um 200.000 Euro ausgeweitet
Und wir wissen, dass mindestens 50 Kilometer ins           wird. Das liegt zum einen natürlich begründet damit
Binnenland hinein reichen werden die Auswirkun-            dass wir immer mehr Orte haben die sich an dieser
gen der Grenzregion, sodass fast ganz Nieder-              Aktion beteiligen wollen. Es sind derzeit 18 Städte
österreich als Grenzland zu bezeichnen ist und wir         im Bereich der Stadterneuerung aktiv und es gibt
daher vermehrt Anstrengungen unternehmen müs-              weitere Bewerberstädte die dazu kommen wollen.
sen, wie auch meine Vorredner schon dies hier klar         Die daher auch mehr Mittel brauchen damit wir alle
ausgesprochen haben.                                       Wünsche, alle Anliegen auch nur annähernd be-
                                                           friedigen und unterstützen zu können. Und ich
     Ich bin daher auch als Europa-Ausschuss-Vor-          glaube, dass das darum sehr, sehr wichtig ist, weil
sitzender des NÖ Landtages sehr froh darüber,              diese Dorf- und Stadterneuerung, vor 19 Jahren
dass wir einerseits in den Vorbereitungsarbeiten           von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll ins Leben
bisher, ich erinnere nur an das Fitnessprogramm,           gerufen, sich wirklich zu einer Erfolgsstory entwi-
aber auch durch die Erhöhung der Wirtschaftsför-           ckelt hat. Und dazu geführt hat, dass gerade durch
derungsmittel, jetzt wieder auch durch die Erhö-           Bürgermitbeteiligung Gemeinden und Städte ei-
hung der Infrastrukturmittel, die wir im Bereich des       gene Leitbilder setzen, die sie in der Regionalent-
Straßenbaues, auch des Bahnausbaues einsetzen              wicklung, abgestimmt mit den Nachbarn in den
wollen, Vorsorge tragen damit wir eben beste Vor-          Kleinregionen, zu verwirklichen versuchen.
aussetzungen finden.
                                                                Es sind Initiativen des Positiven die sehr viel
     Freund Hiller hat davon gesprochen es darf            schon gestaltet haben, die sehr viel schon in die
kein Cent in Brüssel liegen bleiben, dass wir hier         Zukunft angedacht haben und die auch dazu ge-
eben ein Erweiterungsgewinner sein werden. Und             führt haben dass sich die Dorfgemeinschaften stär-
all die Probleme, klar gibt’s Vorteile, aber es gibt       ken. Dass nicht nur Fassaden behübscht worden
auch Probleme, die hier vor uns liegen, hoffentlich        sind, sondern auch sehr, sehr verstärkt verinnerlicht
aktiv, engagiert soweit als möglich minimieren kön-        hier Umdenkprozesse eingeleitet worden sind, auch
nen. Ich bin froh darüber, dass die Regionalmana-          im Bereich der Raumordnung. Und hier damit er-
gements, die Euregios hervorragend arbeiten. Dass          reicht worden ist, dass wir nachhaltiger gemeinsam
es, initiiert von diesen Euregios, sehr viele Partner-     wirtschaften und für die Zukunft vorsorgen.
schaften von den Gemeinden diesseits und jenseits
der Grenzen gibt. Dass wir auf allen Feldern - Kul-             Es gibt hier viele neue Initiativen. Ich denke da
tur, Familien, Jugend, Sport - sehr viele laufende         nur an die Themendörfer. Ich denke daran, dass wir
Kooperationen haben. Ich kann gerade aus dem               auch hier immer intensiver im europäischen Kon-
Weinviertel merken dass der Kleinprojektefonds             text das Ganze betrachten. Ich bin gerade in Poys-
alljährlich hier hervorragend ausgeschöpft wird und        dorf eine jener Städte, die derzeit in der Stadter-
jedes Jahr neue Gruppierungen, neue Initiativen,           neuerung sind, die selbst Themendorf mit dem
neue Aktivitäten dazu kommen die hier um Förder-           Thema Wein sind. Und die fast monatlich Gruppen
mittel ansuchen, weil sie hier gemeinsam mit               auch aus Tschechien, aus Polen, aus der Slowakei
PHARE-, CBC-Förderung auf tschechischem oder               begrüßen können, die sich bei uns über diese prak-
slowakischem Boden ergänzt durch Kleinprojekte-            tischen Erfahrungen der Dorf- und Stadterneuerung
fonds bei uns und auch durch INTERREG-Mittel               erkundigen und die dieses Modell ebenfalls in ihren
hier hervorragende Arbeit leisten und große Part-          Gemeinden, in ihren Kleinregionen umsetzen
nerschaften jetzt schon begonnen worden sind, die          wollen.
– und auch das ist schon vom Vorredner Dipl.Ing.
Eigner angesprochen worden - auch im Wirt-                      In diesem Sinne glaube ich, dass wir budgetär
schaftsbereich SPOLU usw. viele Beispiele haben,           für alles vorgesorgt haben. Jetzt einmal für das
die hier erfolgreich ein gemeinsames Wirtschaften          Jahr 2004, aber das muss natürlich auch in die
in Österreich, in Tschechien, in der Slowakei vor-         nächsten Jahre hinein gehen um dieser großen
weisen und für die Zukunft sehr viel positive              Herausforderung der Erweiterung der Europäischen
Erfahrungen hier erwarten lassen.                          Union die richtigen politischen Maßnahmen auch
                                                           finanziell setzen zu können. Und aus diesem Grund
     Ein Zweites, was mich freut, weil es sehr, sehr       werden wir aus Überzeugung diesem Budgetansatz
eng auch damit zusammenhängt, ist, dass wir hier           die Zustimmung geben. (Beifall bei der ÖVP.)
im Bereich der allgemeinen Verwaltung und Ver-
tretungskörper auch eine zweite Steigerung mer-                Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
ken. Nämlich die im Bereich der Dorf- und Stadter-         Herr Abgeordneter Dr. Nasko.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Abg. Dr. Nasko (SPÖ): Sehr geehrter Herr             das grenzüberschreitende Bildungszusammenar-
Präsident! Hoher Landtag!                                beitsprogramm Ternet haben sich unter dem Dach
                                                         der Plattform Europaregion bereits entwickelt.
    Alle Initiativen, die nichts dem Zufall überlas-
sen und auf eine Stärkung des Wirtschaftsraumes               Bei den erwähnten Arbeitssitzungen wurde
der Vienna Region sowie Niederösterreichs aus-           eine politische Willenserklärung mit dem Titel „Wir
gelegt sind, sind zu begrüßen. Die Idee der Schaf-       werden Europaregion“ erarbeitet, die von den Lan-
fung einer Europaregion, die die Regionen und            deshauptleuten, Komitats- bzw. Kreisverantwortli-
Städte Südmährens, der Westslowakei, West-               chen sowie Oberbürgermeistern und Bürgermeis-
ungarns und Ostösterreichs umfasst, ist gerade in        tern am 22. September dieses Jahres in Wien un-
dieser Situation eine besondere Akzentsetzung.           terzeichnet werden soll.
Außer den Regionen arbeiten in den Arbeitssitzun-
gen die Städte Wien, Bratislava, Brno, Györ, Eisen-           St. Pölten arbeitet nicht nur aktiv mit, sondern
stadt und St. Pölten prioritär mit.                      hat sich auch bereit erklärt, in der sogenannten
                                                         Steuergruppe mitzuwirken und bei der Organisation
    Dass Niederösterreich gemeinsam mit Wien             und Ausarbeitung der Veranstaltungen im Rahmen
und Burgenland entsprechend dem Finanzierungs-           der Plattform der Europaregion als Austragungsort
schlüssel der Bevölkerungsstärke das Startpaket in       zur Verfügung zu stehen. Am 17. Oktober findet
der Höhe von einer Million aufbringt ist zu würdigen     bereits ein erstes Verkehrssymposium der Europa-
und sichert eine Gliederschaft in diesem neuen           region im Hotel Metropol hier in der Landeshaupt-
Netzwerk.                                                stadt statt.

     Die Finanzierung zur Schaffung einer Plattform           Die Stadt St. Pölten hat gerade im erwähnten
Europaregion erfolgt über das INTERREG-Projekt           Gebiet der künftigen Europaregion einiges an Er-
PHARE. Ziel ist die multilaterale Regional- und          fahrungen durch das 1995 gegründete Kooperati-
Standortentwicklung. Um eine verbesserte Ge-             onsnetzwerk europäische Mittelstätte einzubringen.
samtentwicklung der grenzüberschreitenden Regi-          Die Initiative zur Europaregion kam – und davon bin
onen zu erzielen, bedarf es einer kooperativen           ich überzeugt, meine Damen und Herren – zur
Regional-, Wirtschafts-, Infrastruktur-, Raum- und       richtigen Zeit. Und das von den Bundesländern
Siedlungsentwicklung. So sollen kooperative Bera-        Niederösterreich, Wien und Burgenland aufge-
tungs- und Fördereinrichtungen für Unternehmen           brachte Startkapital ist für unsere Zukunft gut an-
oder auch eine Vernetzung der Standorte oder ein         gelegt. Niederösterreich wird es dadurch besser
multilaterales Arbeitsmarktmanagement künftig            schaffen, sich im erweiterten Europa gemeinsam
eingerichtet werden. Die Vorteile der Europaregion       mit Partnern im Herzen Europas zu positionieren.
liegen in der Konzentration von über fünf Millionen      (Beifall bei der SPÖ.)
hoch qualifizierten Arbeitsplätzen und der zentralen
Lage an der Kreuzung der Haupturbanisierungs-                Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
achse Europas.                                           Herr Abgeordneter Maier.

     Gemeinsam sollen dazu in der Region trans-              Abg. Maier (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsi-
nationale strukturelle Projekte entwickelt werden.       dent! Hohes Landtag!
Die wirtschaftliche Prosperität und Wettbewerbsfä-
higkeit der Gesamtregion soll kontinuierlich erhöht           Als quasi Neuling hier im Haus erlauben Sie
werden. Vorhandene Innovationspotenziale in den          mir, dass ich vorweg noch ein paar persönliche
Bereichen Wirtschaft, Forschung, Wohnung, Um-            Anmerkungen zur Generaldebatte mache, bevor ich
welt, Verkehr, Kultur und Freizeit sollen durch ein      auf mein Thema eingehe. Ich habe mit Freude ver-
kooperatives Marketing die Gesamtstandortqualität        nommen, mit wieviel Feingefühl hier bei der Gene-
erhöhen. Hauptziel der Europaregion ist die Schaf-       raldebatte vorgegangen wurde in der Wortwahl. Ich
fung einer internationalen Marke, die im Zentrum         möchte hier im Speziellen Frau Dr. Petrovic zu
Europas zu einem Begriff wird.                           ihrem Feingefühl gratulieren, die sehr gekonnt mit
                                                         Insel der Menschlichkeit gespielt hat und mit der
     Etliche kleinere Projekte wie das Frauennetz-       Quelle. Diese Insel der Menschlichkeit, die sie zur
werk Milena, das Projekt JORDES, das einen ge-           Quelle machen will, muss ich ehrlich sagen, genau
meinsamen grenzüberschreitenden Wachstums-               diese Menschlichkeit habe ich in den letzten Wo-
prozess einleiten soll, das Projekt DIANE zur Er-        chen in ihrem Internet-Auftritt vermisst. Und ich
richtung eines überregionalen Netzwerkes der Be-         glaube, dass Sie vielleicht doch danach trachten
triebsansiedlungsagenturen der Region zum Zwe-           sollten, hier einen anderen Weg künftig einzuschla-
cke einer gemeinsamen Standortmarketings. Und            gen. (Beifall bei der ÖVP.)




                                                       159
Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Ich möchte aber jetzt zu meinem Thema kom-            gendarbeit genauestens darüber informiert werden
men: Die europäische Erweiterung bietet auch              was und wie diese Programme funktionieren bzw.
Chancen für die Jugend, das wissen wir alle. Und          wo und wie man ansucht um diese Bereiche.
es gibt kaum ein Thema das komplexer sein kann
und vielfältiger sein kann als das der europäischen            Und da gibt es eine wesentliche Drehscheibe
Erweiterung und die Jugend.                               in Niederösterreich, das ist die Regionalstelle für
                                                          EU-Jugendförderungen, die an das NÖ Landesju-
     Wenn wir von der europäischen Erweiterung            gendreferat angeschlossen ist und in der TOPZ-
sprechen, von der Europäischen Union als Ge-              Jugendinfo beheimatet ist. Diese TOPZ-Jugendin-
samtes, so muss man sagen, dass die zeitge-               fostelle, diese Regionalstelle für EU-Jugendförde-
schichtliche Bedeutung dieses Prozesses und des           rungen erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Und
Mai-Datums im nächsten Jahr vielen Jugendlichen           für die Abwicklung dieser Projekte ist diese Stelle
vielleicht gar nicht bewusst ist. Europa hat und wird     enorm wichtig.
sich fortlaufend verändern. Und das zusammen-
wachsende Europa muss, und das vor allem von                   Sehr geehrte Damen und Herren! Lassen Sie
der Jugend, getragen werden. Die Jugend hat den           mich aber auch noch einen weiteren Bereich her-
größten Anteil an der gemeinsamen Zukunft. Dazu           vorkehren, der, glaube ich, noch wichtiger ist als
ist es notwendig, dass man die Jugend auf den             diese allgemeinen Jugendprojekte, das ist nämlich
verschiedensten Ebenen einbindet und dass man             der schulische Bereich. Der schulische Bereich mit
die Jugendlichen aller europäischen Länder zu-            den europäischen Projekten. Europaprojekte in
sammenführt und einander näher bringt. Einerseits         Niederösterreichs Schulen werden und werden
um ein Kennenlernen anderer Kulturen und Gege-            auch weiterhin von vielen Direktoren und Lehrern
benheiten als auch andererseits um das Verständ-          gefördert. Ich möchte in diesem Zusammenhang all
nis zu fördern und auch Toleranz der Jugend näher         jenen, die sich hier engagieren, herzlich danken.
zu bringen.                                               Weil es nicht selbstverständlich ist, weil es oft
                                                          außerschulisch passiert was hier geleistet wird.
     Geschätzte Damen und Herren! Jedes Projekt,          Und dieser Prozess, der in diesen Schulen passiert,
jedes Programm das in Niederösterreich in den             ist immens wichtig für einen europäischen Integra-
letzten Jahren dazu umgesetzt wurde, hat natürlich        tionsprozess auf den wir immensen Wert legen
einen starken Schwerpunkt auf den Kontakt der             sollten.
Jugendlichen untereinander, auf die Beteiligung der
Jugendlichen aus den einzelnen Ländern gelegt.                 Den Jugendlichen wird mit solchen Projekten
                                                          neben der interkulturellen Erfahrung auch die Mög-
     Im Jahr 2002 konnten über 300.000 Euro aus           lichkeit des europäischen Bildungsmarktes näher
den verschiedensten EU-Fördertöpfen lukriert wer-         gebracht und infolge dessen auch die des europäi-
den. Programme wie Jugend, europäischer Freiwil-          schen Arbeitsmarktes. Der europäische Arbeits-
ligendienst, INTERREG, Sokrates. etc. etc. waren          markt, der europäische Bildungsmarkt setzt ein
hier beispielgebend von der NÖ Regionalstelle aus-        hohes Maß an Mobilität voraus, wobei aber viele
gefüllt und ausgeschöpft. Diese 300.000 Euro die          Jugendliche – und Sie werden es bestätigen kön-
wir lukriert haben, sollten durch einen verstärkten       nen – schon auf Grund des Gesellschaftswandels,
Einsatz schon heuer zu 500.000 Euro werden, die           den wir in den letzten Jahren vollzogen haben,
hier für Jugendprojekte in Niederösterreich an Land       bereits bereit sind, diese Mobilität in Kauf zu neh-
gezogen werden können aus Brüssel. Und wir ha-            men bzw. diese Mobilität schon mitbringen.
ben heute mehrmals gehört, kein Euro soll in
Brüssel bleiben. Und ich glaube, wenn wir es                   Sehr geehrte Damen und Herren! Europa be-
schaffen, 500.000 Euro heuer zu lukrieren, und das        einflusst unsere Jugend mehr als viele von uns
sind ja nur die Beträge die aus Brüssel kommen,           annehmen. Europa beeinflusst unsere Jugend oft
die Beträge der Kofinanzierungen noch gar nicht           schon mehr als es irgendein Jugendtrend tut.
mit eingerechnet, so ist das ein großer Anteil der        Europa wird unsere Jugend in Niederösterreich ein
hier diesen Projekten zugute kommt.                       Leben lang begleiten, mehr als dies jemals vorher
                                                          der Fall war.
    Es waren rund 5.000 Jugendliche im vergan-
genen Jahr, die so direkt oder indirekt europäische            Durch die Budgetansätze 2004 ist eines mit Si-
Erfahrung sammeln konnten. Um diesen Bereich              cherheit gewährleistet: Die Rahmenbedingungen
weiterhin zu intensivieren, ist es notwendig, dass        für ein europäisches Erlebnis. Erleben der NÖ Ju-
die Gemeinden, die Gemeindejugendreferenten,              gendlichen können optimal weitergeführt und aus-
aber auch alle politischen und nicht politischen          gebaut werden. Damit wird Bewusstsein und Tole-
Jugendorganisationen, alle Multiplikatoren der Ju-        ranz geschaffen und jedem interessierten Jugendli-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


chen werden auch die Chancen eines Vereinten              jetzt sind es 29,4. Das heißt, eine Verschiebung
Europa näher gebracht.                                    weg vom Personalaufwand hin zum Sachaufwand.
                                                          Und damit zu den Geldern, die den Betrieben, den
     In dem Sinne glaube ich, dass wir mit dem            Bürgern, den Gemeinden zur Verfügung stehen.
Budgetansatz einen durchaus großen Baustein
leisten zur europäischen Integration. Und ich freue            Das alles ist nur möglich, weil nicht linear ge-
mich bereits auf das nächste Jahr wenn der euro-          spart wird. Das wäre ja schrecklich wenn man ein-
päische Integrationsprozess vollzogen wird. Danke         fach nur Leute abbaut und Leistungen, notwendige
schön! (Beifall bei der ÖVP.)                             Staatsaufgaben damit kürzt. Sondern in Nieder-
                                                          österreich geht man einen, glaube ich, bewährten
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt             Weg, nämlich der Effizienz- und der Effektivitäts-
Herr Abgeordneter Dr. Michalitsch.                        steigerung durch Projekte aus der Verwaltung
                                                          selbst. Nicht teure Berater, sondern die Selbstorga-
    Abg. Dr. Michalitsch (ÖVP): Sehr geehrter             nisationskraft unserer Verwaltung trägt dazu bei,
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und             dass wir unsere Landesmittel optimal für den Bür-
Herren!                                                   ger einsetzen.

     Ein gewichtiges Stück Budget (zeigt Konvolut)             Verwaltungsreform: Wenn Sie das Regie-
ist Gegenstand meiner Wortmeldung. Der Dienst-            rungsviertel anschauen, es kennen, dann hat im
postenplan, die Angelegenheiten der Verwaltung.           Vorjahr eine Übersiedlung stattgefunden. Nicht jene
Immerhin 18.625 Dienstposten und weit mehr Men-           von unseren Dienststellen nach St. Pölten, das war
schen, weil ja viele Dienstposten in Teilzeit besetzt     ja schon 1997, sondern unsere Dienststellen sind
sind, 1,7 Milliarden Aufwendung für Personal- und         zusammengerückt und Sicherheitsdirektion und
Pensionsaufwand. Also ein gewichtiges Stück.              Landesgendarmeriekommando haben hier im Re-
                                                          gierungsviertel nach fünf Jahren Platz gefunden.
     Es wurde heute in der Generaldebatte und
auch in der Debatte zur Gruppe 0 schon ein paar                Das ist erstens eine organisatorische Leistung
Mal bemängelt die Verwaltung sei nicht schlank            so etwas so schnell zu machen und zweitens auch
genug, oder sie sei einigermaßen schlank. Ich             ein Beweis, dass wir beim Overhead sparen und
denke, wenn man sich die Zahlen genau anschaut,           unsere Mitarbeiter bei den Bezirkshauptmann-
dann sieht man, dass hier eine Entwicklung seit           schaften vor Ort konzentrieren, dezentralisieren
vielen Jahren planmäßig abläuft und das ist eine          und daher hier wirklich im Sinn des Bürgers näher
bedarfsgerechte Verteilung der Mittel für die Ver-        zum Bürger, schneller zur Sache kommen. Und ich
waltung. Auf der einen Seite, wenn man die Dienst-        glaube, da ist es auch angesagt, hier an dieser
posten, die Gesamtzahl habe ich ja schon genannt,         Stelle einmal für das Engagement dieser unserer
anschaut, so ist in der Hoheitsverwaltung von 1994        Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung ein herzli-
4.786 Dienstposten auf 4.532, also die Hoheitsver-        ches Dankeschön zu sagen. (Beifall bei der ÖVP.)
waltung zurück gegangen. Das ist eine gewaltige
Leistung wenn wir an die Gesetzesflut denken, die              Moderne Technologien, Internet, ich sage das
leider immer noch vom Bund her auf uns zukommt.           jetzt nur ganz kurz. Wenn Sie schauen, was wir
                                                          dem Bürger bieten. Das was er nämlich will und
     Hingegen bei den Kindergärten von 1994 auf           braucht. Hilfe bei den Straßensanierungen zum
2004 von 1.946 auf 2.400, also eine in Summe              Beispiel, da gibt es soviel zu sagen. Die Mitarbeiter
positive Entwicklung, wenn wir auch auf Grund der         in der Straßenverwaltung von 4.600 auf 3.900 bei
Kinderzahlen im nächsten Jahr 20 weniger haben            den Dienstposten. Trotz erheblich gesteigerter
werden. Landeseinrichtungen von 5.900 auf 7.400.          Leistungen. Und dazu noch Dinge im Interesse des
Das heißt hier bei den Pensionisten- und Pflege-          Bürgers wie eine Webcam wo der staugeplagte
heimen, bei den Spitälern, bei der Arbeit am Mann,        Bürger schauen kann wie es läuft. Oder auch trau-
an der Frau, am Bürger, dort setzen wir Schwer-           rig aber hilfreich für die Leute, Wasserstandsnach-
punkte.                                                   richten zur Zeit des Hochwassers - 42.000 Zugriffe
                                                          pro Tag. Also das Angebot des Landes wird da
    Das ergibt, diese Sparsamkeit in der Hoheits-         wirklich angenommen.
verwaltung, minus 72,5 Dienstposten im Vergleich
2003/2004. Ergibt auch ein positives Verhältnis aus            Und in allen Bereichen, ich habe versprochen
der Sicht jetzt des Bürgers von Sachaufwand und           dass ich es auch erwähne, draußen unsere land-
Personalaufwand. Waren das 1994 67 Prozent für            wirtschaftlichen Fachschulen, die, glaube ich, auch
den Sachaufwand, so sind es jetzt 70 Prozent und          ein brillantes Angebot trotz knapper Budgets liefern,
beim Personalaufwand waren es 32,4 Prozent und            mit sehr viel mehr Engagement. Ich glaube, die




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Kollegen haben sich, Sie werden es dann nachher           zweifelhafte Homepages mehr als entbehrlich er-
nachlesen und sind eh da, auch verdient, dass man         scheinen lassen. (Beifall bei der ÖVP.)
das besonders würdigt.
                                                                Dann noch ganz kurz zu den Resolutionen.
     Das Thema Behinderte wurde angesprochen.             Kollege Mag. Motz, strengere Regelung bei Haus-
Auch wie ich meine ein bisschen polemisch. Wenn           türgeschäften. Da sind wir dafür. Und ich würde
man sich nämlich die Zahlen näher anschaut, muss          diesem Antrag auch beitreten. Freiwillige bei Blau-
man halt doch die Verwaltung in ihrem Kern, in der        lichtorganisationen. Es gibt, Kollege Waldhäusl und
Substanz betrachten. Und wenn Sie da das Amt              Kollege Mag. Ram, den Rank Xerox-Föderalismus
nehmen mit 109 Soll - Amt der Landesregierung -           hat das früher geheißen. Da hat ein Bundesland
an Behinderten und 155 die tatsächlich eingesetzt         vom anderen abkopiert. Nicht das, was wir uns
sind. Oder die Bezirkshauptmannschaften wo 74             vorstellen. Es gibt auch den Festplatten-Aktivismus
nach den Buchstaben des Gesetzes notwendig                im NÖ Landtag, wo man am alten Computer schaut
wären und 130 arbeiten. Dann sieht man, dass wir          was man im Vorjahr für Anträge eingebracht hat
dort, wo es irgendwie möglich ist, das auch tun.          und da nur die Namen ändert und das wieder ein-
                                                          bringt. Solche Anträge sind die wegen der Bau-
      Dass man in den Kindergärten bei den spezifi-       rechtsaktion und der Blaulichtorganisationen. Ich
schen Betreuungsaufgaben sich schwer tut und es           denke, dass es im Rahmen des Möglichen ohne-
auch schwer fällt, entsprechende interessierte Mit-       dies bei der Beurteilung der Persönlichkeit der Auf-
arbeiter zu finden die das tun, da sind 97 notwendig      nahmewerber dazu führt, dass man Leuten, die
und nur 7 vorhanden. Oder im Straßendienst bei            sich öffentlich engagieren, auch diese Chance gibt.
der Gefahren geneigten Tätigkeit wird niemand             Aber das rechtlich auch festzuschreiben wäre
erwarten dass man hier 124 auch wirklich einsetzen        gleichheitsrechtlich problematisch. Und daher tun
kann. Es sind immerhin 82! Und bei den Landesleh-         wir es in der Praxis, aber wir können es nicht for-
rern, das ist ein echter Grund warum wir bei den          mulieren. Und dieser Antrag ist mehr als entbehr-
Zahlen im Minus sind, da sind halt 492 notwendig          lich. (Unruhe bei Abg. Waldhäusl.)
und wir haben „nur“ 80 behinderte Lehrer. Aber das        So zu formulieren ist eben wirklich entbehrlich. Und
liegt, glaube ich, auch in der Natur der Sache.           das Gleiche ist beim Baurecht. Auch dort ist dieser
                                                          Antrag schon eingebracht worden. Wir arbeiten ja
     Daher an die Adresse der Grünen: Sehen wir           an der Überarbeitung dieser Baurechtsaktion und
die Dinge seriös, sehen wir dass hier wirklich tolle      daher brauchen wir diese Resolution aus dem Vor-
Anstrengungen zugunsten der Behinderten schon             jahr heuer nicht mehr zu beschließen. In diesem
unternommen werden und nutzen wir das Thema               Sinn vielen herzlichen Dank. Im Bereich Verwaltung
nicht für billige Polemik auf dem Rücken der Behin-       ist das Budget jedenfalls eine hervorragende Basis
derten. (Beifall bei der ÖVP.)                            für eine gute Landesentwicklung. Ich danke! (Beifall
                                                          bei der ÖVP.)
      Vieles gäbe es noch zu sagen, aber ich denke,
Sie sind auch genug in den Regionen des Bezirkes              Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
unterwegs. Wo immer man hinkommt bei einer                Herr Abgeordneter Mag. Karner.
Straßenveranstaltung, bei einer Schulveranstal-
tung, bei Kindergartendingen, in Pensionisten- und            Abg. Mag. Karner (ÖVP): Sehr geehrter Herr
Pflegeheimen. Ich denke nur an das Haus schräg            Präsident! Hoher Landtag!
vis a vis, Pensionisten- und Pflegeheim. Generatio-
nenolympiade. Hier wird gemalt, hier werden Frei-              Näher zum Bürger – schneller zur Sache. Das
willige eingebunden. Ich glaube, in Summe leistet         ist das Motto und die Vorgabe von unserem Lan-
die Verwaltung in Niederösterreich einen hervorra-        deshauptmann Dr. Erwin Pröll für die NÖ Verwal-
genden Beitrag für unsere Standortqualität. Ob das        tung. Und dieses Motto beschreibt seit Jahren den
die Gulaschkobra war oder jetzt die Betriebsan-           erfolgreichen Weg den wir hier in Niederösterreich
siedlung ist. Bei uns werden halt politische Ent-         im Bereich der öffentlichen Verwaltung gehen. Es
scheidungen gefällt mit einer klaren Mehrheit. Und        ist ein Weg der Bürgernähe, es ist ein Weg des
sie werden auch, sowohl im wirtschaftlich relevan-        Bürgerservices und es ist ein Weg der Effizienz.
ten Bereich, als auch im menschlich interessanten
Bereich einfach mit Herz und Hirn umgesetzt. Und              Dafür ist Niederösterreich und seine Verwal-
das soll mein Resümee über die Verwaltung sein:           tung bekannt. Davon profitieren letztendlich die
Allen Danke, auch die Kontrollarbeit soll genannt         Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher.
sein. Noch einmal, trotz der Kritik, die mir das ein-     Bürgernähe, Bürgerservice und Effizienz, also eine
gebracht hat: Wir haben, glaube ich, auch hier her-       schlanke Verwaltung, das muss der Nutzen einer
vorragende unabhängige Fachleute, die auch so             modernen und zukunftsorientierten Verwaltung für




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


jeden einzelnen Bürger sein. Und genau das sind            Krismer: Was? Das stimmt überhaupt nicht! Die
meines Erachtens auch die entsprechenden Rah-              Klage ist abgewiesen worden!)
menbedingungen und Voraussetzungen für den zu
diskutierenden Österreich-Konvent.                              Ich sage Ihnen, arbeiten Sie für das Land und
                                                           nicht gegen die Bevölkerung! Ich sage Ihnen, wer
      Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das            mit den Menschen redet, den Menschen zuhört, auf
Ganze muss Inhalt der Staatsreform sein, die künf-         ihre Probleme und Anliegen, auf ihre Sorgen ein-
tig in diesem Österreich-Konvent diskutiert wird. Die      geht, der braucht keine Spitzelbox im stillen Käm-
künftige Verfassung muss den Rahmen für eine               merlein, meine sehr geehrten Damen und Herren!
zukunftsorientierte, kostengünstige, transparente          (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Mag. Fasan: Wie kann
und bürgernahe Erfüllung der Staatsaufgaben er-            man aus einer Homepage im stillen Kämmerlein
möglichen. Gerade in herausfordernden und be-              eine Spitzelbox machen?)
wegten Zeiten wie jetzt - wir stehen unmittelbar vor
der Erweiterung der Europäischen Union - brau-                  Wir brauchen in Niederösterreich so etwas
chen wir die Kraft nach außen und die Geschlos-            nicht. Ich fordere Sie daher auf, drehen Sie das ab!
senheit nach innen. Gerade in einem größer wer-            Hören Sie auf mit solchen Miesmethoden! Hören
denden Europa ist es wohl unbestritten, dass               Sie auf mit solchen Spitzelmethoden. Arbeiten Sie
Europa seine Kraft aus den Regionen schöpft.               für die Menschen und nicht gegen die Menschen,
Denn ich glaube, gerade auch in Österreich liegen          meine sehr geehrten Damen und Herren!
die Kraftquellen in den Ländern und in den Ge-
meinden.                                                        Ich glaube, gerade in diesen herausfordernden
                                                           Zeiten, jetzt, brauchen wir Kraft, Selbstbewusstsein
     Und daher ist es diese entscheidende Aufgabe          und Geschlossenheit. Gerade in der Diskussion um
des Österreich-Konvents, diese Kraftquellen, Län-          eine geplante Staatsreform ist es wichtig, selbstbe-
der und Gemeinden, entsprechend zu stärken und             wusst aufzutreten, mit einer kräftigen gemeinsamen
zu fördern. Vor allem aber schöpfen wir diese Kraft        Stimme zu sprechen. Wir, die Volkspartei Nieder-
Niederösterreichs aus dem Engagement unserer               österreich, wollen uns geschlossen in diese Dis-
Bürger für dieses Land, aus dem Vertrauen das die          kussion einbringen. Wir wollen miteinander und
Bürger in dieses Land setzen und aus dem Ver-              nicht gegeneinander für die Kraft der Regionen
trauen das die Bürger ineinander setzen. Aber ge-          arbeiten. Diese geballte Kraft, die wird auch not-
rade dieses Vertrauen der Bürger wurde in den              wendig sein. Wir können sagen, diese starke
letzten Tagen von einer politischen Partei, und wir        Stimme werden wir von der Volkspartei Nieder-
haben heute schon davon gesprochen, gerade in              österreich auch sein.
den letzten Tagen wurde dieses Vertrauen der
Bürger bewusst gefährdet, bewusst untergraben, ja               Ein kurzer Blick auf die Fakten: Das Institut für
bewusst erschüttert. Statt Vertrauen zu fördern wird       Föderalismus hat erhoben, wie sich die Staatsauf-
Misstrauen geschürt. Ja, meine sehr geehrten Kol-          gaben auf zentrale, regionale, ja lokale Ebenen
leginnen und Kollegen von den Grünen, ich spre-            verteilen. Unser Nachbar Deutschland: 40 Prozent
che von Ihrer miesen Spitzelbox! (Beifall bei der          der Ausgaben beim Bund, 38 Prozent bei den Län-
ÖVP.)                                                      dern. Schweiz: 32 Prozent der Bund, 38 Prozent
                                                           auf die Kantone. Und Österreich, meine sehr ge-
     Ich spreche von Ihrer miesen Spitzelbox. Ich          ehrten Damen und Herren: 77 Prozent der Ge-
spreche von Ihnen und Ihrer Vernaderungsaktion,            samtausgaben werden auf Bundesebene aufge-
die Sie im Internet gestartet haben. Eine Vernade-         wendet, 11 Prozent auf die Landesebene. Das
rungskampagne, die Menschen untereinander auf-             heißt, wir brauchen eine Stärkung der Gemeinden
hetzt. Ich halte das für einen skandalösen                 und Bundesländer. Das ist notwendig, sowohl or-
Spitzelangriff auf alle Niederösterreicherinnen und        ganisatorisch als auch finanziell. Und weil eben hier
Niederösterreicher. Und ich bin überzeugt, wer mit         gerade Niederösterreich ein Vorbild an effizienter
derart miesen Methoden arbeitet, der hat offen-            Verwaltung ist, werden wir mit einer entsprechend
sichtlich sehr, sehr viel Mist im eigenen Stall aufzu-     starken Stimme in den Österreich-Konvent gehen.
arbeiten. Und ich möchte hier nur an manch zwei-
felhafte Rolle der Grünen bei gewalttätigen De-                 Doch eines ist auch klar: Vor einer entspre-
monstrationen oder an manch unbefugtes Eindrin-            chenden Organisationsreform brauchen wir auch
gen in Schweineställe erinnern. Frau Abgeordnete           eine sinnvolle Aufgabenreform, eine Aufgabenbe-
Dr. Petrovic - sie ist leider nicht da - wurde ja im       reinigung. Neben der Aufgabenbereinigung auch
Zusammenhang mit einer diesbezüglichen Besitz-             eine Gesetzesbereinigung. Und hier nur ein Bei-
störungsklage für schuldig erkannt. (Abg. Dr.              spiel aus der Bundesverfassung: Im Artikel 12 sind




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Materien aufgelistet, die die Grundsatzgesetzge-             Zustimmung unserer Frauenorganisationen, Famili-
bung durch den Bund und die Ausführungsgesetz-               enverbände oder auch der christlich-sozialen Ge-
gebung durch das Land vorsehen. Und dazu                     werkschafter hier gehabt hat.
kommt - vergessen wir nicht die Europäische
Union, die in vielen Bereichen durch verschie-                   Allerdings haben wir uns bei der Pensionsre-
denste Richtlinien und Verordnungen zusätzliche              form die Frage stellen müssen, wie es mit unserem
Rahmenbedingungen definiert - es in vielen Fällen            Pensionssystem, und die Finanzierung dieses
zu einer dreifachen Regelung. Das heißt, Ab-                 Systems lässt natürlich auch Rückschlüsse auf das
schreibübungen sind nicht Sinn einer Ausführungs-            Land und auf unsere Gemeinden zu, wie es hier
gesetzgebung. Sinn ist eine Deregulierung, eine              weitergehen soll. Und das Unsozialste und das,
Vereinfachung, eine Entbürokratisierung. Und das             was unsere Kassen am meisten betroffen hätte
ist meines Erachtens Aufgabe des Österreich-Kon-             wäre gewesen, dass wir nichts getan hätten. Und
vents.                                                       ich bringe da auch als Vorbemerkung nur zwei
                                                             Beispiele aus Europa her.
      Lassen Sie mich zum Schluss noch auf etwas
eingehen, meine sehr geehrten Damen und Herren,                   Zum Einen haben es die Holländer und die so-
das im Zuge des Verfassungskonvents immer wie-               zialdemokratische Regierung schon vor mehr als
der andiskutiert wird: Die Bedeutung der Landtage.           zehn Jahren hier „geschafft“, sage ich jetzt unter
Wer schafft in Zeiten immer stärker werdender                Anführungszeichen, einen absoluten Bruch ihres
Globalisierung, in Zeiten eines wachsenden Europa            Systems herbeizuführen. Indem sie das soge-
die notwendige regionale Identität? Ja, es sind die          nannte Capuccino-Modell eingeführt haben. In der
Bundesländer, es sind die Landtage, ja, es sind die          Art Volkspension so wie es auch die Grünen ver-
Gemeinden! Sie sind die Garanten für die Födera-             langen mit einer zweiten und mit einer dritten
lität, für die Regionalität, ja für die Identität. Daher     Säule. Und wenn Sie sich die gegenwärtige Diskus-
Ja zu einem Österreich-Konvent der die Verwaltung            sion auch in Deutschland anschauen, dann werden
entrümpelt und das Budget der Steuerzahler ent-              Sie einige Parallelitäten hier erkennen.
lastet. Ja zu einem Österreich-Konvent der die
Regionen stärkt und das Service für die Bürger                   Und wie auch immer wir kontroversiell die
verbessert. Ja zu einem Österreich-Konvent der               Maßnahmen verfolgt haben, hat es doch drei gute
Niederösterreich Kraft und Spielraum für die kom-            Gründe gegeben, diese Pensionsreform zu verab-
menden Herausforderungen gibt und Niederöster-               schieden. Zum Einen, schauen wir uns die Zahl an,
reich im Wettbewerb der Regionen stärkt. Damit               wie hier die Lebenserwartung gestiegen ist. 1970
Niederösterreich weiterhin Top-Region und ein                durchschnittlich 8,8 Pensionsbezugsjahre über dem
Land auf der Überholspur bleibt und auf dem Weg              ordentlichen Pensionsantrittsalter. 2001 mehr als
zum Erweiterungsgewinner Nummer 1 weiterhin                  20,3 Pensionsbezugsjahre.
Fahrt macht. Danke schön, meine Damen und Her-
ren! (Beifall bei der ÖVP.)                                       Das ASVG, das Anfang der Fünfzigerjahre ge-
                                                             schaffen wurde, kannte bitte bis in die Siebziger-
    Präsident Mag. Freibauer: Zum Wort gelangt               jahre hinein männliche Berufsgruppen, die weit vor,
Herr Abgeordneter Hintner.                                   vier bis fünf Jahre vor dem Erreichen des Pensi-
                                                             onsantrittsalters leider Gottes gestorben sind. Dem
    Abg. Hintner (ÖVP): Sehr geehrter Herr Prä-              Tribut an die moderne Medizin, an die hohe Le-
sident! Hohes Haus!                                          benserwartung muss natürlich auch die Finanzie-
                                                             rung nachfolgen.
    Herr Abgeordneter Kautz hat in seiner Rede
gesagt, das ist zu wenig, das ist zu viel, die Diskus-           Und weil ganz einfach für die Österreichische
sion die kennt er von mehreren Punkten. Aber ich             Volkspartei das Umlageverfahren ein Fixpunkt und
glaube, das gilt nicht nur für die Frage des Konsu-          ein Parameter ist, muss man sich auch vergegen-
mentenschutzes, das gilt in allen politischen Fragen         wärtigen, dass 1960 noch auf tausend Beitrags-
und umso mehr auch in der Frage der Pensionsre-              zahler 350 Pensionsbezieher gekommen sind, im
form die wir mehr oder weniger hinter uns gebracht           Jahr 2000 auf tausend Beitragszahler 600 Pensi-
haben. Wenngleich ich hier noch einige Vorbemer-             onsbezieher und im Jahr 2030 tausend Beitrags-
kungen zu Grundsätzlichkeiten machen möchte.                 zahler auf tausend Pensionsbezieher kommen
                                                             werden.
     Ich glaube, dass es bekannt ist, dass die Pen-
sionsreform so wie sie uns vorgelegen ist, ja nicht               Und da braucht man keine große Vorstellungs-
die ungeteilte Zustimmung der NÖ Volkspartei er-             kraft, dass hier im reinen Umlageverfahren, das wir
halten hat. Genauso wenig wie sie die ungeteilte             nach wie vor grundsätzlich hier begrüßen, eine




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Pensionsleistung in diesem Umfang auf Grund der           fach gegen den Arbeitgeber hier zu richten. Und
demokrafischen Entwicklung leider Gottes nicht            wenn sie dem gegenüber zu Lasten von Dritten
mehr möglich war. Was auch alle wissen, die in            gehen, kann das oft sehr kontraproduktiv gegen-
diesem Land Verantwortung tragen. Deshalb stellte         über den eigenen Anliegen sein. (Beifall bei der
sich die Frage, was tun wir? An welchem Rädchen           ÖVP.)
kann eigentlich der Staat drehen? Da wäre zum
Beispiel, die Beiträge zu erhöhen, das Pensionsan-            Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
trittsalter zu erhöhen. Und ich gehöre zu den weni-       Herr Abgeordneter Waldhäusl.
gen Abgeordneten hier im Hohen Haus die unter 40
Jahre alt sind. Also wenn ich da zum Kollegen                  Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident! Werte
Waldhäusl auch schaue, ich glaube, uns erwartet           Kollegen des NÖ Landtages!
das 70. Lebensjahr mindestens bevor wir eigentlich
ins Pensionsantrittsalter kommen werden. Die                   Regierungsmitglieder sind keine hier. Ich
Frage ist auch des Staatszuschusses. Wir spre-            möchte eingangs nur auf das kurz eingehen, das,
chen von Einsparungen, Effizienz. Aber auch ein           glaube ich, nicht nur mir, sondern allen Anwesen-
wesentlicher Punkt ist das Wirtschaftswachstum.           den auch schon aufgefallen ist. Wir diskutieren jetzt
                                                          seit 10.00 Uhr das Budget 2004 und die Mehrheit
      Und wenn ich mir hier das Wirtschaftswachs-         der ÖVP-Abgeordneten beschäftigen sich mit einer
tum in Niederösterreich anschaue, dann muss ich           sogenannten Spitzelbox. Jetzt kann man sagen,
sagen, dass es sich äußerst erfreulich entwickelt.        das ist der ÖVP so wichtig. Ich sage gleich dazu,
Langsam auf Grund des internationalen Konjunk-            ich bin nicht der Pflichtverteidiger der Grünen, das
turtiefs, aber zwischen 1995 und 2000 haben wir           wird der Kollege Martin Fasan wird es dann eh
mit plus 27,3 Prozent des Bruttoregionalprodukts          anschließend noch klarstellen. Aber ich glaube, wir
die größten Steigerungen, den größten Wert aller          hätten in dem Hohen Haus schon etwas Wichtige-
Bundesländer erzielen können. Wir haben einen             res zu diskutieren als eure Befindlichkeiten, liebe
Beschäftigungszuwachs Ende April 2003 mit plus            Kollegen der ÖVP! (Beifall bei der FPÖ, SPÖ und
8.900 Beschäftigten gegenüber dem Vormonat er-            den Grünen.)
zielen können. Und auch Gottseidank, ich weiß             Dass diese all so mächtige ÖVP, die in dem Land
schon, Durchschnittszahlen lügen vorne und hinten,        ja eh alles sagt und macht und richtet, ob es richtig
aber ich sage in der Mitte, wenn man sich im Ver-         ist oder nicht das ist „wurscht“, ihr tut es halt. (Un-
gleich das mit den Bundesländern hier anschaut,           ruhe bei der ÖVP.)
mit 1.336 Euro monatlich den zweithöchsten Wert           Und dann stört euch das wenn die Grünen zur
aller Bundesländer.                                       Information eine kleine Beschwerdestelle einrich-
                                                          ten. (Beifall bei der FPÖ und bei den Grünen.)
     Also das heißt, die Daten zeigen, es geht lang-      Ich würde sagen, da regt man sich nur dann auf,
sam nach oben und dafür sollten wir arbeiten. Weil        wenn man wirklich irgendwo ein bisschen einen
nur hier so langfristig und nachhaltig auch mit ei-       Leichengeruch im Keller hat um nicht zu sagen es
nem Wirtschaftswachstum die Pensionen, somit              liegen Leichen. (Unruhe bei der ÖVP.)
auch Sozialleistungen, Steuern, hier für unser Land
finanzierbar sind.                                             Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Aber ich
                                                          glaube, es zeigt schon, wie wichtig die ÖVP so ein
     Einen zweiten Punkt möchte ich aber auch             Budget nimmt. Das Budget geht unter. Da fängt der
noch kritisch anmerken und zwar, dass ich glaube,         Finanzlandesrat einmal gar nicht mit seinen abge-
dass mit den reinen arbeitsbezogenen Steuern und          droschenen Fragen an, sondern fängt mit der Spit-
Abgaben nicht der Weisheit letzter Schluss erzielt        zelbox an. Das ist ja noch schlimmer. Er hat natür-
werden kann. Ich glaube, wir bräuchten hier mehr          lich schon, und das war bezeichnend heute, er hat
Kreativität. Und ich meine auch, dass die Pensions-       gesprochen von der Überholspur. Und das Über-
reform selbst, die ja, wobei diese Fragen äußerst         holen ist schon zu wenig. Ein Überrunden ist wich-
dynamische sind, sicherlich nicht abgeschlossen           tig. Aber im Straßenverkehr wissen wir schon ei-
sein kann. Speziell nicht für die jüngere Generation.     nes. Überrunden kann man nur wenn man ständig
                                                          im Kreis fährt. Und ihr bewegt euch nur im Kreis.
      Und eines noch zum Schluss: Um auch das             Nach vorne geht’s, Leute, nicht im Kreis fahren!
Spektrum der Österreichischen Volkspartei aufzu-          (Beifall bei der FPÖ.)
zeigen. Natürlich halte ich als Christlich-Sozialer
Protestmaßnahmen seitens der Gewerkschaften für               Aber wenn man auf einer Insel der Seligen
legitim. Es muss legitim sein, hier seinen Unmut zu       oder der Menschlichkeit, oder wie sagt ihr da im-
zeigen. Die Frage ist nur, auf welche Art und             mer, lebt, dann ist ganz klar, in einer Insel kann
Weise. Streiks, Protestmaßnahmen sind ganz ein-           man nur im Kreis fahren. Also wundert es mich




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


nicht, meine Damen und Herren, dass das dann in          worden. Die Repräsentationskosten, speziell was
Zahlen gegossene Papier auch so ausschaut wie            Ehrungen und Auszeichnungen anbelangt, da kann
wenn es ständig im Kreis fahren würde. Und bei der       man sich anschauen, wenn man den Rechnungs-
Hitze die wir die letzten 14 Tage gehabt haben,          abschluss 2002 sich anschaut. War schon viel,
wundert mich daher nichts. Und dann haben wir            naja, es ist halt doch 2003 eine wichtige Wahl vor
das gehabt, das wir immer in dem Haus haben. Da          der Tür gestanden. Ist ja kein Wunder dass man
kommen dann diese Phrasen: Regionalförderung,            dann sehr viele Leute auszeichnen hat müssen.
Fitnessprogramm, Top ten, Pröll-Prokop-Initiative,
Oase des Wohlfühlens haben wir auch schon ge-                  Die Leute, die es sich aber verdient hätten, wo
habt, Erweiterungsgewinner Nummer 1, Gründer-            heute jeder Abgeordnete der ÖVP schon gesagt
express, Gründerrekord, Region zum Think Tank            hat, wie wichtig es war beim Hochwasser dass es
der besten Köpfe und einiges mehr.                       die vielen Freiwilligen gegeben hat, die vielen Frei-
                                                         willigen von der Feuerwehr, dass man die ausge-
     Das, meine Herren, das sollte dann ein Budget       zeichnet hat. Für das war kein Geld vorhanden.
sein. Da sagt man ein bisschen was und das war           Und wir haben ja die Initiative dann gesetzt. Haben
es schon. Und wenn es dann ein bisschen eng              ein nettes Schreiben an unseren Herrn Landes-
wird, dann kommt wieder einer und geht ein biss-         hauptmann gerichtet, er soll sich doch einsetzen
chen auf die Spitzelbox ein. Das, meine Damen            dafür dass man jetzt im Nachhinein diesen ver-
und Herren, das ist die Art und Weise wie die ÖVP        dienten Feuerwehren auch eine Ehrung gibt. Wenn
in Niederösterreich ein Budget erstellt.                 man vor der Wahl eh schon fast jedem eine Ehrung
                                                         gibt, der nur ÖVP wählen könnte unter Umständen,
     Aber es ist schon ein bisschen ernster. Es          oder der Großvater gewählt hat und daher gibt man
stimmt zwar, wenn man hier Zahlen von sich gibt.         ihm eine, könnte man ja den verdienten Feuer-
Aber man muss es auch glauben können. Weil ich           wehrmännern auch eine Auszeichnung geben.
kann mich erinnern auf eine Presseaussendung
unseres Landeshauptmannes, die hat er am 17.                  Und er hat zurück geschrieben unser Herr
Jänner dieses Jahres gegeben, da war er bei einer        Landeshauptmann. Also er selber nicht, aber in
Verkaufstagung der NÖ Versicherung. Da hat er            seinem Auftrag. Und wisst ihr, was er geschrieben
unter anderem gesagt, dass keine Region in               hat? Auf Grund der großen Anzahl dieser Kamera-
Europa auf die EU-Erweiterung so gut vorbereitet         den wurde im Einvernehmen mit dem Herrn Lan-
ist wie Niederösterreich. Das wissen wir mittler-        desfeuerwehrkommandanten und sämtlichen Be-
weile, dass das auch nur so ein „Pff“ war wie halt       zirksfeuerwehrkommandanten – was überhaupt
immer wenn er was sagt, aber nicht wirklich mehr.        nicht stimmt, weil ich habe jetzt schon sechs Be-
Und gleichzeitig hat er da bei dieser Veranstaltung      zirksfeuerwehrkommandanten gefragt im Zuge der
gesagt unser Herr Landeshauptmann, dass das              ganzen Feste die ich besucht habe, Abschnitts- und
Wirtschaftswachstum zirka 3,5 Prozent 2002 war.          Bezirksbewerbe, die sagen mit ihnen hat keiner
Und jetzt wissen wir aber, dass wir das Schlusslicht     gesprochen, ich weiß nicht wie er das gemacht hat
sind von ganz Österreich und dass von den 3,5            der Herr Landeshauptmann – wurde davon abge-
Prozent dass wir nicht einmal die Hälfte geschafft       sehen, weil alleine die Herstellung dieser Medaillen
haben vom Ganzen. Und wenn jetzt im Vorjahr              mehr als 182.000 Euro betragen hätte.
2002 auf Grund dieser tatsächlichen Abrechnung
die Zahlen schon nicht stimmen, ja wieso soll ich             Da bei den Freiwilligen spart man. Da sind
dann heute annehmen, dass die Zahlen, die da             182.000 Euro sind da zuviel. Das kann man sich
zwischen Regionalförderung, Gründerexpress,              nicht leisten. Weil die Wahl vorbei ist. Jetzt umhän-
Oase des Wohlfühlens und zwischen der Spitzel-           gen nutzt ja nichts mehr. Weil in fünf Jahren weiß
box kommen, dass die dann stimmen.                       er es nicht mehr wer es ihm umgehängt hat. Das ist
                                                         das Problem, meine Damen und Herren. Aber bei
     Meine Damen und Herren, das kann ich nicht          den Repräsentationskosten, bei den Auszeichnun-
wirklich annehmen. Und daher ist es klar und liegt       gen und Ehrungen, da und überall in anderen ist
klar auf der Hand, dass man so Spekulationen, das        Geld genug da. (Beifall bei der FPÖ und den
hat jetzt nichts mit seinen Wohnbaugeldern zu tun,       Grünen.)
dass man dem nicht zustimmen kann. Das war nur
zufällig das, mit dem Wort Spekulation fällt mir im-         Was hat man aber gemacht in der Folge? Ich
mer Wohnbaugeld ein. Und natürlich ÖVP und               habe das verfolgt. Man hat pro Bezirk ein oder zwei
Sobotka.                                                 Verdiente genommen und die haben dann da her-
                                                         innen eine Ehrung bekommen. Ich habe mit Feuer-
    Ich möchte jetzt ein paar Dinge der Gruppe 0         wehrleuten gesprochen. Mit Abschnitts- mit Unter-
ganz kurz erwähnen. Ist ja schon sehr viel gesagt        abschnittskommandanten. Die, die eine Auszeich-




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nung bekommen haben da herinnen, die sind nicht           Folglich ist es erstrebenswert, dass Verwaltungs-
einmal von der Feuerwehr ausgewählt worden. Das           körper bei Neuaufnahmen das Engagement von
war überall der Feuerwerker, der halt der bravere         Landesbürgern in Blaulichtorganisationen würdigen
Schwarze war - so war es leider Gottes in ein paar        und diese bei gleicher Qualifikation bevorzugt auf-
Bezirken – hat dann im Namen aller eine Medaille          nehmen.
bekommen. Also, meine Damen und Herren, das ist
zu wenig. Und ich glaube, dass der NÖ Landesre-               Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
gierung die Arbeit der Freiwilligen doch ein biss-
chen mehr wert sein sollte.                                   Der Hohe Landtag wolle beschließen:

     Und da bin ich schon wieder bei den Freiwilli-            Die Landesregierung, insbesondere der Per-
gen oder noch immer. Weil ich ja den Antrag be-           sonalreferent LH Dr. Pröll wird aufgefordert, im
reits den Klubs vorher gegeben habe, unseren              Sinne der Antragsbegründung bei Neueinstellun-
Antrag Freiwillige bei Blaulichtorganisationen, Auf-      gen, bei gleicher Qualifikation jene Bewerber zu
nahme in den Landesdienst. Bevor ich den jetzt            bevorzugen, die in einer anerkannten Rettungsor-
wieder einbringe, zu dir, Kollege Dr. Michalitsch.        ganisation oder bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv
Das stimmt, dass dieser Antrag auch voriges Jahr          sind.“
eingebracht worden ist. Und ich werde den so
lange einbringen bis euch in der ÖVP, ich weiß                Und, meine Damen und Herren ...
nicht, wie sich die SPÖ heute verhält, die Arbeit der
Freiwilligen auch etwas wert ist. Bis ihr endlich              Präsident Mag. Freibauer: Herr Abgeordne-
versteht wie schwer es ist, für einen freiwilligen        ter! Ihre Redezeit ist um! Sie haben das schlecht
Feuerwehrmann oder eine freiwillige Feuerwehr-            eingeteilt.
frau. Es ist hier die Freizeit und teilweise im Be-
rufsleben sich einzusetzen. Nicken, gnädige Frau,             Abg. Waldhäusl (FPÖ): Ich melde mich noch
ist zwar schön, aber das ist zu wenig. Zustimmen,         einmal. Ich darf mich eh noch einmal melden.
das wäre gefragt. Aber da, da tut sich nichts bei
euch, da tut sich nichts.                                     Präsident Mag. Freibauer: Ja. Aber jetzt ist
                                                          es aus!
      Und der Kollege Dr. Michalitsch hat ja auch
gleich die Antwort parat gehabt. Als Top-Jurist hat           Abg. Waldhäusl (FPÖ): Jawohl! Der nächste
er gleich gewusst, warum er da nicht zustimmen            Antrag, liebe Kollegen, folgt. (Beifall bei der FPÖ.)
kann. Weil er gesagt hat, das kann er nicht formu-
lieren. Ich bin ja froh, dass sich er das Geld nicht          Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
mit der Juristerei verdienen muss. Weil dann              Herr Abgeordneter Mag. Fasan.
müsste man sammeln gehen für ihn. Weil das kann
ich ihm als gelernter Landwirtschaftsmeister formu-           Abg. Mag. Fasan (Grüne): Herr Präsident!
lieren wie man so einen Antrag macht. Aber er ist ja      Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Gottseidank in der ÖVP Jurist und nicht bei uns.
Und daher, meine Damen und Herren, bringe ich                  In einem irrt der Kollege Waldhäusl. Ich werde
jetzt den ersten Antrag ein (liest:)                      mich nicht von dieser von Kollegen Mag. Karner als
                                                          mies bezeichneten Spitzelbox, wie immer so etwas
                   „Resolutionsantrag                     ... Weil ich begebe mich nicht auf dieses Niveau
                                                          und überdies, glaube ich, ist es wichtiger zum Bud-
    der Abgeordneten Waldhäusl und Mag. Ram               get zu sprechen und zur Gruppe 0 zu sprechen. Wir
zur Gruppe 0 des Voranschlages des Landes Nie-            sollen ja sachlich diskutieren.
derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,
betreffend Freiwillige bei Blaulichtorganisationen –           Ich beginne mit dem was der Klubobmann
Aufnahme in den Landesdienst.                             Mag. Schneeberger eine Flurbereinigung genannt
                                                          hat. Flurbereinigung ist ja etwas was beispielsweise
      Landesbürger, die bereit sind in Rettungsorga-      im Waldviertel mittlerweile gar nicht mehr so gerne
nisationen und Feuerwehren (sogenannten Blau-             gesehen wird. Ich meine natürlich die neue Kom-
lichtorganisationen) aktiv zu sein, leisten einen         petenzverteilung in der Landesregierung. Da mag
wertvollen Dienst an der Gemeinschaft. In vielen          es Verbesserungen geben. Andererseits orten wir
Unternehmen ist es den Arbeitnehmern nicht mög-           schon noch großen Bedarf. Aber nicht an einer
lich, den gegenüber der Freiwilligenorganisationen        Flurbereinigung, sondern im Gegenteil, an einer
eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen.               vernünftigen Kompetenzverteilung. Dieser Ver-




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gleich liegt mir viel mehr. Ich nenne einige Bei-          zur Konstituierung der neuen Landesregierung
spiele:                                                    auch für die EU–Regionalpolitik zuständig war.

      Umwelt- und Naturschutz sind nach wie vor                  (Zweiter Präsident Sacher übernimmt den Vor-
getrennt. Für die Nationalparks ist wieder Natur-          sitz.)
schutzlandesrat gemeinsam mit einem anderen
Landesrat, nämlich mit dem Landwirtschaftslandes-               Mit der Konstituierung der neuen Landesregie-
rat zuständig. Es gibt nach wie vor zwei Regie-            rung hat sich diese Situation noch stärker verkom-
rungsmitglieder die für die Wohnbauförderung zu-           pliziert, denn seit 22. 4. 2003 ist nunmehr für die
ständig sind. Schön nach Proporz geteilt. Einer für        EU–Regionalpolitik LR Mag. Mikl-Leitner zuständig.
die Roten, eine für die Schwarzen. Bei der Sozial-         Es wurde somit von der Landesregierung den
hilfe ist es ganz ähnlich, bei der Jugendwohlfahrt ist     Empfehlungen des Rechnungshofes nicht entspro-
es ganz ähnlich. Und der Gipfel ist meiner Ansicht         chen sondern genau das Gegenteil der Empfehlung
nach die Zuständigkeit für die Regionalpolitik.            gemacht.

     Und zwar deshalb der Gipfel, weil der Rech-               Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
nungshof noch vor der konstituierenden Regie-
rungssitzung erkannt hat, dass eigentlich die                  Der Hohe Landtag möge beschließen:
Raumordnung oder die Regionalmanagements und
alles was damit zu tun hat, in eine Zuständigkeit, in            Die Landesregierung wird aufgefordert, den
die Zuständigkeit eines Regierungsmitgliedes ge-           Empfehlungen des Rechnungshofberichtes 2/2003
hört. Was hat die Landesregierung gemacht? Sie             Ltg. B-1/3 nachzukommen und eine einheitliche
hat genau das Gegenteil gemacht. Sie hat die               politische Zuständigkeit eines Regierungsmitgliedes
Kompetenzverteilung noch mehr verkompliziert und           für alle Belange der Regionalmanagements zu
ein richtig gehendes Kompetenzwirrwarr geschaf-            schaffen.“
fen. So dass jetzt mittlerweile drei Regierungsmit-
glieder zuständig sind.                                        Ich ersuche Sie, dem zuzustimmen, damit
                                                           auch wirklich eine Kompetenzverteilung neu in
     Und wir halten das eigentlich für reformbedürf-       dieser Landesregierung ermöglicht wird.
tig. Und ich freue mich, dass ich Ihnen daher den
Resolutionsantrag den Abgeordneten Mag. Fasan,                  Zweiter wichtiger Bereich, und da sind wir jetzt
Dr. Petrovic, Dr. Krismer, Weiderbauer und Kautz           bei der Umwelt- und bei der Naturschutzpolitik, die
zur Kenntnis bringen kann. Ich freue mich, dass wir        ja uns ein besonderes Anliegen ist und die, wie der
hier auch Partner gefunden haben, die das auch so          Herr Landesrat meint, ja überhaupt nicht beschnit-
sehen wie wir (liest:)                                     ten wurde. Natürlich wurde sie beschnitten. Ich
                                                           nenne die Kürzung, nicht nur die Kürzung, sondern
                   „Resolutionsantrag                      die Streichung der Beiträge des Landes für den
                                                           Landschaftsfonds, die nicht nur gekürzt wurden
      der Abgeordneten Mag. Fasan, Dr. Petrovic,           sondern ganz einfach gestrichen. Man hat also
Dr. Krismer, Weiderbauer, Kautz, Waldhäusl und             ganz einfach gesagt, es ist genug, was der soge-
Mag. Ram zum Verhandlungsgegenstand Ltg.                   nannte Schotterschilling bringt – Klammer auf, ich
17/V-1, Voranschlag des Landes Niederösterreich            würde jetzt, wenn die Kollegin Hinterholzer da
für das Jahr 2004, Gruppe 0, betreffend Zuständig-         wäre, vielleicht kann ich sie hinterher noch fragen,
keit für die Regionalmanagements.                          was eine Tonne Schotter momentan kostet. Das
                                                           würde mich so nebenbei interessieren. Aber viel-
      Bereits in der vergangenen Legislaturperiode         leicht kann man mich da noch informieren.
stellte der Landesrechnungshof unterschiedliche
Zuständigkeiten für die Regionalmanagements fest                Dass man aber auf jeden Fall hergeht ... (Abg.
und erachtete ‚die Zusammenlegung der betreffen-           Mag. Wilfing: Wohin soll Sie liefern?)
den Agenden in die Zuständigkeit eines Regie-              Ihr werdet es mir dann sicher sagen. Wir werden
rungsmitgliedes als Grundlage für eine Vereinfa-           sie dann fragen.
chung der Administration als sinnvoll und erstre-
benswert‘. Der Rechnungshof führte aus, dass für                Es ist in Ordnung, die Landschaftsabgabe. Wir
die Regionalmanagements der Landeshauptmann                sind für die Landschaftsabgabe. Wir haben damals
zuständig ist, beim Amt der Landesregierung aber           für die Novellierung gestimmt. Wir hätten uns ge-
die Abteilung Raumordnung und Regionalpolitik,             meinsam mit dem damaligen Landesrat Bloch-
wofür, ebenso wie für die überörtliche Raumord-            berger auch eingesetzt für eine Erhöhung der
nung LR Mag. Sobotka die Geschäfte führt, der bis          Landschaftsabgabe. Aber wir sind froh, dass we-




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nigstens das da ist. Aber dass man jetzt ganz ein-         Waidhofen a.d.Thaya, ich denke auch an Neun-
fach nach 10 Jahren die Beiträge des Landes                kirchen, ich denke also an all jene Bezirkshaupt-
streicht und dann sagt, aber die Umweltpolitik wird        städte, die nicht zu den Gewinnern, oder den Regi-
ja gar nicht beschnitten und das Naturschutzbudget         onen rundherum die nicht zu den Gewinnern der
ist ja ohnehin das Alte, das ist eine gewisse              Volkszählung gehört haben.
Chuzpe. Der Landschaftsfonds hat mit Kürzungen
von rund 30 Prozent zu kämpfen. Das ist eben                    Denn es ist ein großer Irrtum wenn man ganz
Umweltpolitik dieser Landesregierung. Vielleicht           einfach behauptet wir haben bei der Volkszählung
wäre die Kompetenzverteilung auch hier einen               gewonnen und alles ist in Ordnung. Natürlich haben
Resolutionsantrag wert.                                    viele Städte gewonnen. (Unruhe bei Abg. Kautz.)
                                                           Neunkirchen hat gewonnen, die Stadt hat gewon-
    Und nun, meine Damen und Herren, darf ich              nen. Ich sage ja, dass die Stadt gewonnen hat. Ich
noch zu einem dritten Thema kommen, das ist die            rede von manchen Städten und dem Umland
Raumordnung. Wir sind vor wenigen Tagen hier               darum herum. Das ist aber ein zusammenhängen-
gesessen bei einer Enquete zum Landesentwick-              des Wirkungsgefüge.
lungskonzept, wo wir einige sehr interessante Bei-
träge gehört haben und wo es auch darum gegan-                  Und damit bin ich beim Nächsten. Ein weiteres,
gen ist, wie so ein Landesentwicklungskonzept              ganz wesentliches zusammenhängendes Wir-
ausschauen soll.                                           kungsgefüge ist die Stadt Wien und das Umland
                                                           rund um Wien. Und da ist mir auch aufgefallen ein
    Zunächst einmal darf ich was die Raumord-              sehr interessantes Zitat von der Raumordnungsbe-
nung betrifft, ein interessantes Zitat eines wichtigen     auftragten der Landesregierung. Sie hat nämlich
Raumplaners von der Raumordnungskonferenz                  gesprochen davon dass man gerade die Bezirks-
Ihnen zur Kenntnis bringen, das es meiner Ansicht          hauptorte und -städte und da nehme ich an, sie hat
nach auf den Punkt bringt und auch zeigt, wo die           auch gemeint die Regionen darum herum, entspre-
Reise eigentlich hingehen sollte. Prof. Friedrich          chend aufwerten soll um nicht den sogenannten,
Schindegger hat schon im Jahr 2000 formuliert, die         ich zitiere das, den sogenannten „Speckgürtel“
Umsetzung – und jetzt zitiere ich – des Raumord-           alleine weiter davonziehen lassen kann.
nungsrechts wird nicht als gesetzlicher Auftrag für
Raumplanung verstanden, sondern lediglich als                   Worauf ich hinaus will: Wien und Niederöster-
Rahmen für den Fall, dass Politik sich zu Planun-          reich ist ein Raum und Raumplanung muss ge-
gen veranlasst sieht.                                      meinsam erfolgen. Raumplanung kann nicht nach
                                                           wie vor so agieren dass in den Raumordnungskar-
     Wir gehen also davon aus, dass Politik in Nie-        ten nicht einmal Wien eingezeichnet ist und das
derösterreich sich veranlasst sieht, auch Raumpla-         Wirkungsgefüge nicht mitgedacht wird. Ich weiß, es
nung zu betreiben. Wir hoffen das zumindest dass           geht mittlerweile in der Raumordnung auch schon
es so ist. Und wenn es so ist, dann darf ich ein sehr      in die Richtung dass man das verbessern will. Ich
interessantes Referat einer Beauftragten für das           hoffe, das wird tatsächlich gemacht. Denn wir kön-
Landesentwicklungskonzept herausgreifen. Näm-              nen uns nicht lösen. Wir müssen darauf achten,
lich der Frau Dr. Richter die gemeint hat, dass man        dass Wien und Niederösterreich zusammen hän-
als Beispiel für dezentralisierte Konzentration, die       gen. Nicht nur an den Grenzen, sondern in ihrem
gerade in Niederösterreich so wichtig ist, dass man        gesamten Wirkungsgefüge. Was die Verkehrsinfra-
hier das zentrale Orteprogramm oder das zentrale           struktur betrifft, was diverse gesetzliche Möglich-
Ortekonzept wieder neu beleben sollte. Neu des-            keiten betrifft, was die Bauordnung betrifft und so
halb weil man nicht in den alten Fahrwässern in der        weiter und so weiter und so fort. Das sollten wir in
Vergangenheit fahren kann. Aber neu deshalb, weil          der Raumordnung in Zukunft stärker berücksichti-
es sich gezeigt hat, dass wir sonst mit der soge-          gen.
nannten Wald- und Wiesenraumordnung nicht
durchkommen.                                                    In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie sich durch-
                                                           ringen können, unserem Resolutionsantrag zuzu-
     Und das halte ich für wichtig und das möchte          stimmen. Sie würden damit den Weg frei machen
ich unterstützen und ich hoffe sehr, dass die              für eine bessere Kompetenzverteilung in der Lan-
Raumordnung diesbezüglich sich entwickelt und              desregierung. Und ich hoffe auf eine Verbesserung
dass sich das Landesentwicklungskonzept diesbe-            der Raumordnung in diesem Land. (Beifall bei den
züglich in diese Richtung entwickelt. Und dass man         Grünen.)
auch andere, tatsächliche zentrale Orte entspre-
chend fördert und ihnen Möglichkeiten gibt sich zu             Zweiter Präsident Sacher: Die           nächste
entwickeln. Ich denke an Gmünd, ich denke an               Wortmeldung Abgeordneter Waldhäusl.




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident! Wie             binnen eines Jahres im erforderlichen Ausmaß
versprochen die Ergänzung zu meiner ersten Rede.          anpassen können, und durch die bevorstehende
                                                          Osterweiterung weiteren Belastungen ausgesetzt
     Das Budget 2004, und das war ja der Grund            sind, ist eine Ausdehnung des Härteausgleiches
unserer Ablehnung, sieht unter anderem zu wenig           2001 bis zur nächsten Volkszählung oder ziffern-
für das Grenzland vor. Zu wenig Initiativen, zu we-       mäßigen Erfassung der Bevölkerungszahl erforder-
nig finanzielle Mittel, zu wenig Unterstützung. Bei       lich.
dieser Osterweiterung ist die Gefahr sehr groß,
dass speziell das Grenzland, dass die Bevölkerung             Der Gefertigte stellt daher folgenden Antrag:
im Grenzland der absolute Verlierer wird. Wir ha-
ben heute schon gehört, dass bei der Volkszählung             Der Hohe Landtag wolle beschließen:
2001 Niederösterreich ein Gewinner war. Mein
Vorredner hat es jetzt schon richtig gesagt: Nieder-          Die Landesregierung wird aufgefordert, im
österreich hat gewonnen. Es gab aber Bezirke die          Sinne der Antragsbegründung die erforderlichen
haben verloren.                                           Maßnahmen zu setzen, um die Ausdehnung des
                                                          Härteausgleiches 2001 bis zur nächsten ziffernmä-
     Mein Kollege aus dem Waldviertel hat ja aus          ßigen Erfassung der Bevölkerungszahl in der sel-
dem Bezirk Zwettl das schon erwähnt. Gmünd,               ben Höhe zu gewährleisten.“
Zwettl, Waidhofen a.d. Thaya waren drei Bezirke im
Waldviertel, die bereits bei der Volkszählung Verlie-          Voriges Jahr gefordert, leider nicht die Mehr-
rer waren. Und jetzt müssten wir, wenn wir es ernst       heit gefunden. Nachdem aber heute alle gesagt
nehmen, wenn wir Erweiterungsgewinner werden              haben, wir wollen Erweiterungsgewinner werden
wollen, wenn wir die Grenzregion nicht wirklich im        und wir werden die Grenzregion nicht im Regen
Regen stehen lassen wollen, müssen wir für diese          stehen lassen und vor allem auch nicht die Bezirke
Grenzregion auch etwas unternehmen. Lippenbe-             und Gemeinden, die bei der Volkszählung verloren
kenntnisse sind zu wenig. Reden alleine reicht nicht      haben, bin ich mir sicher, dass wir heute diesen
aus.                                                      Antrag natürlich beschließen werden. Es wird ja
                                                          keiner das Gegenteil heute von dem tun was er
     Und es gäbe eine Möglichkeit, wie man rasch          vorher hier am Rednerpult gesagt hat.
und unbürokratisch helfen könnte. Der Topjurist der
ÖVP, Abgeordneter Dr. Michalitsch würde wahr-
                                                               Ich möchte jetzt Stellung nehmen zu den ein-
scheinlich sagen, der ist schon wieder abgeschrie-
                                                          gebrachten Anträgen. Wir ziehen unseren Antrag,
ben vom Vorjahr dieser Antrag. Es stimmt, weil ich        den Erstantrag Baurechtsaktion, Rückkaufsmög-
ihn voriges Jahr auch eingebracht habe. Muss man          lichkeit für Baurechtsinhaber zurück. Denn es wird
kein Jurist sein dass man das erkennt, aber es ist
                                                          einen gemeinsamen mit der SPÖ geben. Zum An-
nicht schlecht, ist sehr aufmerksam. Und zwar
                                                          trag des Abgeordneten Mag. Riedl betreffend die
geht’s um die Ausdehnung des Härteausgleichs
                                                          Anhebung der Anteile der Länder und Gemeinden
Volkszählung 2001 auf das Budget 2004 (liest:)
                                                          am Gesamtabgabenertrag. Ich stehe zu dem wenn
                                                          ich sage, ich trete für Gemeinden ein. Und daher
                   „Resolutionsantrag                     werden mein Kollege und ich nicht nur unterstüt-
     des Abgeordneten Waldhäusl zur Gruppe 0              zen, sondern diesem Antrag auch beitreten.
des Voranschlages des Landes Niederösterreich
für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Ausdeh-            Der Resolutionsantrag des Abgeordneten Mag.
nung des Härteausgleich Volkszählung 2001 auf             Motz betreffend strengere Regelung bei Haustür-
das Budget 2004.                                          geschäften. Auch hier gibt es die Zustimmung und
                                                          wir werden beitreten. Und ebenso gibt es die Zu-
     Die NÖ Landesregierung hat die Vergabe von           stimmung und ein Beitreten zu dem Antrag der
Beihilfen für Gemeinden zum Ausgleich besonderer          Grünen betreffend Zuständigkeit für die Regional-
Härtefälle bei der Zuteilung der Abgabenertrags-          managements. Meine Damen und Herren! Heute
anteile für die Gemeinden, welche bei der Volks-          haben Sie die Möglichkeit, für die Grenzregionen zu
zählung 2001 Einwohner verloren haben, beschlos-          stimmen. (Beifall bei der FPÖ.)
sen.
                                                               Zweiter Präsident Sacher: Als Nächster ist
    Da zahlreiche Gemeinden, vor allem in den             Herr Abgeordneter Jahrmann zu Wort gemeldet.
Grenzregionen, die Strukturen ihrer Haushalte nicht       Ich erteile ihm das Wort.




                                                        170
Landtag von Niederösterreich             Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


   Abg. Jahrmann (SPÖ): Herr Präsident! Hohes                 Traufenhöhe ausschlaggebend ist. Und wenn so
Haus!                                                         ein sinnvollerweise nach Süden geneigtes Pultdach
                                                              auf der einen Seite die Grenze der Bauklasse 1,
     Ich möchte die Rede von Herrn Waldhäusl zum              nämlich 5 Meter mit der Traufe erreicht, so ist es
Quadrat jetzt nicht kommentieren. Möchte aber                 mit Sicherheit auf der gegenüberliegenden Seite
sehr wohl auf einen meiner Vorredner eingehen mit             wesentlich höher. Das heißt, es erreicht dort zu-
zwei kurzen Sätzen. Und zwar auf die Bemerkun-                mindest die Bauklasse 2.
gen oder auf die Rede des Herrn Kollegen Hintner.
Der Klubobmann der ÖVP hat gemeint, man sollte                    Und obwohl daneben vielleicht ein Haus mit
den Landtag nicht zur Bühne der Bundespolitik                 herkömmlichem Giebel stehen kann das acht Meter
machen. Was den Herrn Kollegen Hintner nicht                  hoch ist, wird dieses energiesparende und zeitge-
gehindert hat, lang und breit über die Pensionsre-            mäße Haus mit 5,50, 6 Meter auf einer Seite Höhe
form oder was als solches bezeichnet wird zu spre-            nach der Berechnungsformel der Bauklasse 2 be-
chen. Es sei dahingestellt. Allerdings darf ich hier          rechnet und dadurch entstehen 25 Prozent mehr
schon bemerken, wenn er meint, dass diese Aktion              Abgaben für Aufschließungskosten etc.
im Bund nicht die ungeteilte Zustimmung der ÖVP
bzw. der ÖVP-Frauen gefunden hat. Zustimmung                       Das heißt ich meine, man sollte diesen Schön-
oder Ablehnung äußert sich nicht in Gesprächen                heitsfehler, der doch entsprechend Geld kostet den
hinter vorgehaltener Hand oder hinter verschlosse-            Häuslbauern, bereinigen. Das geht meiner Meinung
nen Türen. Zustimmung oder Ablehnung äußert                   nach im Prinzip durch zwei Ansätze, oder gibt es
sich im Abstimmungsverhalten. Und ich kann mich               zwei Möglichkeiten. Die eine ist, dass man bei der
nicht erinnern, dass bei dieser Pensionskürzungs-             einseitigen Überschreitung dieser Bauklasse 1 auf
aktion ein niederösterreichischer Abgeordneter der            der einen Seite bei der Traufenhöhe hier eine ge-
ÖVP dagegen gestimmt hat. (Beifall bei der SPÖ.)              wisse Toleranzgrenze für solche Art von Dächern
                                                              einführt. Oder man erhöht die bei der Bauordnung
     Soweit also eine Replik zu einem meiner Vor-             oder bei der Zuerkennung der Förderung, gerade
redner. Aber nun zu meinem eigentlichen Thema.                bei solchen Energiehäusern oder energiesparen-
Es betrifft die NÖ Bauordnung. Und ich möchte hier            den Bauten die Förderung gerade um jenen Betrag,
einleitend etwas auf die Wohnbauförderung aus-                den diese 25-prozentige Erhöhung der Aufschlie-
weichen. Die, wie ich meine, in Niederösterreich              ßungskosten macht.
eine prinzipiell gute ist, weil sie Kriterien einbezieht,
die für die Höhe der Förderung verantwortlich sind,                Ich denke, das wäre ein richtiger und wichtiger
die die Umwelt betreffen, die die Energieeffizienz            Weg, sich bei den Häuslbauern, die auf diese ener-
betreffen, die die Energiekennzahlen sozusagen                gieeffiziente Bauweise zurückgreifen zu revanchie-
ausdrückt. Ich weise in diesem Zusammenhang auf               ren, zu unterstützen. Und ich denke, dass hier für
das Kyoto-Ziel hin, das sich ja zur Reduktion der             eine Initiative Platz wäre, die diesen Schönheits-
Treibhausgase und des Treibhausausstoßes be-                  fehler in der Bauordnung beseitigt. Ich werde das
kennt. Und in diese Richtung zielt auch diese                 zum Gegenstand einer Beratung machen zu der ich
Wohnbauförderung von Niederösterreich ab.                     Sie jetzt schon einladen darf. Ich darf Sie bitten,
                                                              dieses Vorhaben zu unterstützen. Denn gerade in
     Aber nichts ist so gut dass man es nicht doch            diesem Bereich heißt es wie selten woanders: Zeit
verbessern könnte. Ich weise hier auf ein Fallbei-            ist Geld. Danke schön! (Beifall bei der SPÖ und
spiel hin, dessen Lösung in der NÖ Bauordnung                 FPÖ.)
seinen Niederschlag finden sollte. Meine Bürger-
meisterkollegen in diesem Forum wissen sehr wohl,                 Zweiter Präsident Sacher: Die nächste
dass immer häufiger, weil dankenswerterweise                  Wortmeldung Herr Abgeordneter Dr. Prober.
diese energieeffizienten Häuser gebaut werden von
Häuslbauern, auf energiesparende Bauformen
zurückgegriffen wird. Und eine dieser energiespa-                  Abg. Dr. Prober (ÖVP): Sehr geehrter Herr
renden Bauformen betrifft das Dach. Und immer                 Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her-
öfter werden, das ist auch eine zeitgemäße Bau-               ren! Hohes Haus!
form, Flachdächer, Pultdächer verwendet.
                                                                   Ich bin heute dazu da um auch über die Rolle
     Ein so ein Pultdach ist aus verschiedenen                der Regionalmanagements in Niederösterreich,
Gründen sehr energiefreundlich und reduziert den              insbesondere um ihre grenzüberschreitende Wir-
Energieverbrauch eines Hauses. Aber es hat auch               kung, ihre Zielsetzungen und all das ganz kurz zu
einen entscheidenden Nachteil. Wir wissen, dass               reflektieren was hier Regionalpolitik mit den Regio-
für die Berechnung der Aufschließungsabgabe die               nalmanagements insgesamt ausmacht.




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Ich bin sehr dankbar dafür, dass die bisherigen       damit eine Verfünffachung der diesbezüglichen
Debattenredner, die sich damit beschäftigt haben           bisherigen EU-Mittel.
mit diesem Thema, eigentlich alle sehr positiv über
die Rolle der Regionalmanagements gesprochen                    Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich
haben. Wobei ich aber auch durchaus der Meinung            glaube es ist notwendig, dass wir uns auch hier in
bin, dass die Vorschläge des Rechnungshofes für            einem sehr starken Zusammenwirken gemeinsam
eine konstruktive Weiterentwicklung eigentlich nicht       bemühen, auch diese Summen wirklich über Pro-
nur sehr ernst zu nehmen sind, sondern sicherlich          jekte ganz konkret unseren Landesbürgerinnen und
auch in den nächsten Jahren Gegenstand diesbe-             Landesbürgern zugute kommen zu lassen.
züglicher Überlegungen hier in diesem Hohen Haus
auch sein werden und sein müssen.                               Und Niederösterreich beteiligt sich ja bereits
                                                           seit 2000 über die Regionalmanagements sehr
     Ich möchte mich insbesondere, wie ich schon           erfolgreich an drei INTERREG-Programmen der
gesagt habe, vor allem hinsichtlich der kommenden          Republik mit Slowakei, Tschechien und Ungarn und
Osterweiterung mit den grenzüberschreitenden               ist damit auf dem besten Wege auch das Zusam-
Tätigkeiten der Regionalmanagements im Wald-               menwachsen dieser Regionen und dieser Nationen
viertel, Weinviertel und Industrieviertel kurz ausein-     für die Bürger Niederösterreichs wirtschaftlich ver-
ander setzen, die ja als Schnittstelle zwischen der        tretbar, sozial gesichert und regional harmonisch
Region und der Landesregierung einerseits, aber            mitzugestalten.
auch als grenzüberschreitende Informationsdreh-
scheiben zwischen Niederösterreich, Tschechien,                 In dem Sinne wollte ich schon darauf hinwei-
Ungarn und der Slowakei fungieren und denen                sen, dass auch diese Rolle der Regionalmanage-
dabei ausgesprochen hohe Bedeutung aus meiner              ments in Niederösterreich wesentlich ist. Die leisten
Sicht zukommt. Vor allem Bedeutung auch hin-               einfach diesen Beitrag dazu, dass Niederösterreich
sichtlich des kontinuierlichen Zusammenwachsens            auch hier seinen Wettbewerbsstandort festigt, seine
der früher durch den Eisernen Vorhang von uns              wirtschaftliche Position ausbaut im Interesse der
getrennten mitteleuropäischen Regionen.                    Bürgerinnen und Bürger. Ich danke Ihnen. (Beifall
                                                           bei der ÖVP.)
     Das wichtigste Förderinstrument, und das
wurde auch schon heute deutlich von mehreren                    Zweiter Präsident Sacher: Zu Wort gemeldet
Debattenbeiträgen angeführt, ist natürlich für dieses      ist Herr Abgeordneter Mag. Motz.
Zusammenwachsen INTERREG 3. Hier geht es
darum, dass auf zwischenstaatlicher Basis vor al-              Abg. Mag. Motz (SPÖ): Sehr geehrter Herr
lem die Etablierung, der Ausbau und die Festigung          Präsident! Meine Damen und Herren!
grenzüberschreitender       Regionspartnerschaften
umfasst wird. Und diese grenzüberschreitende                    Ich nehme kurz Bezug auf den von mir in mei-
Zusammenarbeit natürlich in Projektform für Nie-           nen Ausführungen eingebrachten Resolutionsan-
derösterreich einen sehr hohen Stellenwert hat. Vor        trag und freue mich über die von einzelnen Red-
allem um unseren Sprung vom Grenzland zum                  nern hier geäußerten Wünsche dem Antrag beitre-
Kernland der EU sehr rasch vollziehen zu können.           ten zu dürfen. Es geht um die strengeren Regelun-
Und hier, meine sehr verehrten Damen und Herren,           gen bei Haustürgeschäften. Ich darf daher aus
kann sich sowohl die Bilanz vor der Jahrtausend-           formellen Gründen meinen Antrag von vorhin zu-
wende mit 174 Projekten, weil heute auch einmal            rückziehen und den Antrag ergänzen um die Mit-
angedeutet wurde man soll endlich konkret werden           antragsteller Dr. Michalitsch, Mag. Fasan und Kol-
in dieser Richtung, mit 174 Projekten und Gesamt-          legen Waldhäusl neu einbringen.
kosten von 20 Millionen Euro ebenso sehen lassen
wie die Vorhaben die jetzt in Fluss sind für die lau-                        („Resolutionsantrag
fende Programmplanungsperiode zwischen 2000
und 2006.                                                       der Abgeordneten Mag. Motz, Dr. Michalitsch
                                                           und Mag. Fasan zur Gruppe 0 des Voranschlages
     Für die gegenständlichen Gemeinschaftsinitia-         des Landes Niederösterreich für das Jahr 2004,
tiven INTERREG stehen rund 180 Millionen Euro              Ltg. 17/V-1, betreffend strengere Regelungen bei
österreichweit zur Verfügung und davon wiederum            Haustürgeschäften.
hat Niederösterreich ungefähr die Hälfte abzuholen.
Weil, das ist heute auch schon mehrmals gefallen,              Die Entmonopolisierung bzw. Liberalisierung
es darum geht, keinen Cent und keinen Euro in              des Energiemarktes sowie des Telekommarktes hat
Brüssel liegen zu lassen. Und für uns bedeutet das         zu unangenehmen Begleiterscheinungen bei der




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Akquisition neuer Kunden geführt. Unternehmen,                              „Resolutionsantrag
die in diesen Bereichen tätig sind und Neukunden
akquirieren, versuchen, diese Neuabschlüsse über             der Abgeordneten Kautz, Mag. Ram und
das klassische Haustürgeschäft zu erreichen, wo-         Waldhäusl zur Gruppe 0 des Voranschlages des
bei Arbeiterkammern und der Verein für Konsu-            Landes Niederösterreich für das Jahr 2004, Ltg. Zl.
menteninformation im Zusammenhang mit unseriö-           17/V-1, betreffend Änderung der Richtlinien der
sen Türverkäufen eine steigende Zahl an Be-              Baurechtsaktion des Landes Niederösterreich
schwerden zu verzeichnen haben. Mit falschen
Ausweisen und unlauteren Verkaufspraktiken wer-               Seit dem Jahr 1983 wird in Niederösterreich
den Kunden zu Verträgen zwischen Tür und Angel           die Baurechtsaktion jungen Familien zur Ermögli-
überredet. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen        chung der Schaffung eines Eigenheimes durchge-
einerseits, aber auch mit bestimmten Androhungen         führt, wobei nach den Richtlinien Grundstücke in
(psychischer Kaufzwang) werden KonsumentInnen            Abwanderungsgemeinden oder in finanzschwachen
unter Druck gesetzt, Neuverträge abzuschließen.          Gemeinden angekauft werden. Da die Ergebnisse
Es erscheint daher notwendig, den Konsumenten-           der jüngsten Volkszählung nunmehr bekannt sind,
schutz in diesem Bereich zu verstärken, insbeson-        ist auch die Anlage I zu den Richtlinien der Bau-
dere im Zusammenhang mit Stromlieferverträgen,           rechtsaktion des Landes Niederösterreich entspre-
da der Abschluss eines Stromliefervertrages mit          chend anzupassen, wobei festzustellen ist, dass
dem Grundbedürfnis des Wohnens untrennbar                nunmehr vor allem auch die Städte damit kämpfen,
verbunden ist.                                           dass jüngere Familien ins Umland abwandern, da
                                                         sie sich den Erwerb eines Baugrundstückes auf
    Die Gefertigten stellen daher den Antrag:            städtischem Gebiet nicht leisten können, diese
                                                         allerdings die großen Lasten und Ausgaben für
    Der NÖ Landtag möge beschließen:                     verkehrsinfrastrukturelle Maßnahmen, Schulen,
                                                         Spitäler, etc., die dem gesamten Umland zu Gute
     Die Niederösterreichische Landesregierung           kommen, tragen müssen.
wird ersucht, bei der Bundesregierung darauf zu
dringen, dass - im Sinne der Antragsbegründung -             Außerdem sollte – ähnlich der vorzeitigen
das Rücktrittsrecht von Verträgen, die nicht in den      Rückzahlung von Wohnbauförderungsdarlehen -
von Unternehmern für ihre geschäftlichen Zwecke          ein begünstigter vorzeitiger Erwerb von Baurechts-
dauernd benützten Räumen zustande gekommen               gründen ermöglicht werden, wobei die rückfließen-
sind, auf eine Frist von zumindest zwei Wochen           den Mittel unter anderem für eine Ausdehnung der
durch eine Änderung der bundesgesetzlichen Vor-          Baurechtsaktion auf Bereiche, die von Abwande-
schriften - ähnlich der gesetzlichen Lage in             rung betroffen sind, verwendet werden könnten.
Deutschland - verlängert wird, sowie durch eine
bundesgesetzliche Änderung ein grundsätzliches                Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
Verbot von Haustürgeschäften im Zusammenhang
mit Stromlieferverträgen eingeführt wird.“)                   Die Niederösterreichische Landesregierung
                                                         wird aufgefordert, im Sinne der Antragsbegründung
   Zweiter Präsident Sacher: Ich erteile als
                                                         1.   angesichts der Resultate der jüngsten Volks-
Nächstem Herrn Abgeordneten Kautz das Wort.
                                                              zählung die Anlage I entsprechend der Rege-
                                                              lung des Punktes 2.1 der Förderungsrichtlinien
    Abg. Kautz (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsi-
                                                              1997 der Baurechtsaktion des Landes Nieder-
dent! Meine sehr geschätzten Damen und Herren!
                                                              österreich, der unter anderem den Ankauf von
                                                              Grundstücken in Abwanderungsgemeinden
     Ich darf auch kurz zu den Resolutionsanträgen
                                                              festlegt, anzupassen, sowie
Stellung nehmen. Meinen Resolutionsantrag ziehe
ich ebenfalls zurück und darf den Resolutionsan-         2.   die Richtlinien so abzuändern, dass einerseits
trag des Abgeordneten Kautz, Mag. Ram und                     den Baurechtsinhabern ein begünstigter vor-
Waldhäusl einbringen. Herr Klubobmann, gehst du               zeitiger Grundstückserwerb ermöglicht wird.“
auch noch dazu? Dann wart ich bevor ich lese.
(Zwischenruf bei Abg. Mag. Schneeberger.)                    Ein weiterer Resolutionsantrag wurde von
Ich habe geglaubt das Scheinheilige willst. (Beifall     Herrn Abgeordneten Mag. Riedl eingebracht. Dem
bei der SPÖ.) (Liest:)                                   darf ich beitreten. Dann hat Abgeordneter Wald-




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode             3. Sitzung vom 16. Juni 2003


häusl und Mag. Ram zur Gruppe 0 einen Antrag               rechtsaktion. (Unruhe im Hohen Hause.)
eingebracht, Freiwillige bei Blaulichtorganisationen       Ach so, weil das der andere Antrag ist. Dennoch
- Aufnahme in den Landesdienst. Dem können wir             schließen wir uns dem Antrag des Kollegen Kautz
nicht zustimmen, da es ja damit verbunden wäre,            an. Wir schließen uns aber auch an dem Antrag
diese Organisationen zu entzweien. Denn wo Ja,             des Kollegen Mag. Riedl und Kautz betreffend An-
wo Nein? Entweder gibt es eine generelle Lösung,           teile der Länder und Gemeinden am Gesamtabga-
aber so wie es sich die F vorstellt, ist es nicht mög-     benertrag. Wiewohl, gestatten Sie mir einen Satz:
lich. (Unruhe bei Abg. Waldhäusl.)                         Es ist schon richtig, und wir glauben das auch und
Du vielleicht, ich nicht.                                  wir unterstützen das auch, aber das Land sollte
                                                           gerade aus diesem Grund schon sehr vorsichtig
     So wie er hier vorliegt, kann man dem nicht die       sein, welche Aufgaben es mit offenen Armen über-
Zustimmung erteilen. Und dem Resolutionsantrag             nimmt. Ich denke an die Bundesstraßenverlände-
von Mag. Fasan, Dr. Petrovic, Dr. Krismer und              rung. Da werden auf das Land Kontrollkosten zu-
Weiderbauer darf ich auch beitreten. Ebenfalls             kommen, da werden auf das Land budgetäre Vor-
ablehnen werden die Sozialdemokraten den Vor-              sorgen zukommen, da wird Personalbedarf entste-
schlag, den Resolutionsantrag Ausdehnung des               hen, da werden Gendarmerieposten bezahlt wer-
Härteausgleichs Volkszählung 2001 auf das Budget           den müssen. Also wir haben in der Debatte damals
2004. Denn man kann einen Härteausgleich einmal            darüber diskutiert und das, meine ich, sollte man
treffen, aber nicht für eine gesamte Periode. Dann         schon ernst nehmen. Aber grundsätzlich sind wir
wäre es ja kein Härteausgleich. (Beifall bei der           für den Inhalt dieses Antrages. Mag. Motz, Dr.
SPÖ.)                                                      Michalitsch und meine Wenigkeit, Haustürgeschäfte
                                                           ist klar. Die Blaulichtorganisationen, Aufnehmen
      Zweiter Präsident Sacher: Als Nächstem er-           einfach im Landesdienst, dem können wir nicht
teile ich Herrn Abgeordneten Mag. Riedl das Wort.          zustimmen weil das doch eine etwas, ich müsste
                                                           sagen Übervorteilung Einzelner wäre. Und dem
     Abg. Mag. Riedl (ÖVP): Hoher Landtag! Zum             Härteausgleich bezüglich der Volkszählung können
Resolutionsantrag des Kollegen Waldhäusl Härte-            wir durchaus unsere Zustimmung geben. (Beifall
ausgleich. Wir können diesem Antrag nicht zustim-          bei den Grünen.)
men. Wird auch nicht besser wenn er jährlich wie-
derkommt. Ich darf das nochmals kurz begründen.                 Zweiter Präsident Sacher: Hoher Landtag!
Wir haben uns im Jahr 2001, obwohl wir wissen,             Damit ist die Rednerliste erschöpft. Der Herr Be-
dass viele der in den Gunstlagen stehenden oder            richterstatter hat das Schlusswort.
liegenden Gemeinden fordern, die Volkzählung
rasch abzuwickeln, entschieden, dass wir diesen                Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Ich
zehnjährigen Zeitraum beibehalten um sich ent-             verzichte!
sprechend vorzubereiten. Wir haben aber bewusst
im Jahr 2001, weil dann plötzlich der Schnitt ge-              Zweiter Präsident Sacher: Dann darf ich den
kommen ist, gesagt, wir wollen hier eine Solidarak-        Berichterstatter bitten, nunmehr den Antrag zur
tion der Gewinner zu den Verlierern um diese ein-          Gruppe 0, Vertretungskörper und allgemeine Ver-
malige sozusagen Übergangshärte abzufedern.                waltung zu stellen.
Also es kann nicht so sein dass wir aus dem Rück-
drehen des Volkszählungsergebnisses hier eine                   Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Ich
Dauereinrichtung machen. Wie wohl wir die ent-             stelle den Antrag, die Gruppe 0, Vertretungskörper
sprechenden Akzente im Budget setzen um die                und allgemeine Verwaltung mit Ausgaben von
Grenzregionen zu fördern. Denken Sie an Fitness-           593,682.200 Euro und Einnahmen von 84,656.500
programm, Herr Kollege Waldhäusl, denken Sie an            Euro zu genehmigen.
Impulsprojekte und ähnliches. (Beifall bei der ÖVP.)
                                                                Zweiter Präsident Sacher: Danke für den An-
     Zweiter Präsident Sacher: Nunmehr liegt eine          trag. Wir kommen nunmehr zur Abstimmung. (Nach
letzte Wortmeldung zu den Resolutionsanträgen              Abstimmung über die Gruppe 0, Vertretungskörper
von Abgeordneten Mag. Fasan vor.                           und allgemeine Verwaltung:) Das ist mit Mehrheit
                                                           angenommen!
    Abg. Mag. Fasan (Grüne): Herr Präsident!
Meine Damen und Herren!                                        Wir kommen nunmehr zur Abstimmung über
                                                           die eingebrachten Resolutionsanträge. Der erste
     Der Wortmeldung des Kollegen Mag. Riedl               Antrag von Abgeordneten Waldhäusl wurde zum
zum Trotz unterstützen wir den Antrag von den              Thema Baurechtsaktion zurückgezogen. Der zweite
Kollegen Kautz und Mag. Ram betreffend Bau-                Antrag des Abgeordneten Kautz zum Thema Bau-




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode             3. Sitzung vom 16. Juni 2003


rechtsaktion wurde ergänzt von den Abgeordneten            Ich bitte den Herrn Präsidenten, die Debatte
Mag. Ram und Waldhäusl. Wir kommen daher zur           einzuleiten.
Abstimmung des Resolutionsantrages der Abge-
ordneten Kautz, Mag. Ram und Waldhäusl betref-             Zweiter Präsident Sacher: Ich danke für die
fend Änderung der Richtlinien der Baurechtsaktion      Berichterstattung. Die Debatte ist eröffnet. Es wird
des Landes Niederösterreich. (Nach Abstimmung          Herrn Abgeordneten Cerwenka das Wort erteilt.
über diesen Resolutionsantrag:) Das ist die Min-
derheit. Der Antrag ist abgelehnt!                         Abg. Cerwenka (SPÖ): Herr Präsident! Hoher
                                                       Landtag!
    Der nächste Antrag der Abgeordneten Mag.
Riedl, Kautz, Waldhäusl und Mag. Ram und Mag.               Mich hat bei der Budgetrede von Landesrat
Fasan betreffend die Anhebung der Anteile der          Mag. Sobotka eigentlich gestört, dass dieses große
Länder und Gemeinden am Gesamtabgabenertrag.           Kapitel Öffentliche Ordnung und Sicherheit mit
(Nach Abstimmung über diesen Resolutionsantrag:)       beinahe keinem einzigen Wort Erwähnung gefun-
Das ist einstimmig angenommen!                         den hat. Außer, dass die Hochwasserkatastrophe
                                                       als Budgetproblem angesprochen wurde.
    Der Antrag Nummer 4 „strengere Regelungen
bei Haustürgeschäften“ des Herrn Abgeordneten
                                                            Zivilschutz und Feuerwehr. Zivilschutz, unver-
Mag. Motz wurde ergänzt und lautet daher: Antrag       änderter Ansatz, was an sich schon als Erfolg zu
der Abgeordneten Mag. Motz, Dr. Michalitsch und        werten ist. Die Bedeutung des Zivilschutzes ist uns
Mag. Fasan betreffend strengere Regelungen bei
                                                       ja im vergangenen Jahr sehr bewusst geworden.
Haustürgeschäften. (Nach Abstimmung über diesen
                                                       Ich möchte das mit einem Beispiel anführen. Der
Resolutionsantrag:) Das ist Einstimmigkeit! Danke.
                                                       Zivilschutzverband hat schon seit vielen Jahren in
    Der Antrag Nummer 5 der Abgeordneten               seiner Ausbildung ein Modul, das sich betitelt
                                                       „Flutwelle Kamp“ wofür wir jahrelang eher belächelt
Waldhäusl und Mag. Ram „Freiwillige bei Blaulicht-
                                                       wurden. Leider ist es traurige Wirklichkeit gewor-
organisationen – Aufnahme in den Landesdienst“.
(Nach Abstimmung über diesen Resolutionsantrag:)       den. Und da merkt man eigentlich, wie sehr die
                                                       Sensibilisierung dieser Bewusstseinsbildung wichtig
Das ist die Minderheit. Abgelehnt!
                                                       ist.
    Resolutionsantrag 6 der Abgeordneten Mag.
Fasan, Dr. Petrovic, Dr. Krismer, Weiderbauer und           Und der Zivilschutzverband beginnt schon bei
Kautz wurde ergänzt um die Abgeordneten Wald-          unseren Jüngsten. Ich denke da an die Kindersi-
häusl und Mag. Ram, die diesem Antrag beitreten        cherheitsolympiade mit den acht Vorbewerben und
„Zuständigkeit für die Regionalmanagements“.           dem Landesfinale, womit nicht nur unser Bundes-
(Nach Abstimmung über diesen Resolutionsantrag:)       land oder unser Bundesstaat eine hervorragende
Das ist die Minderheit. Der Antrag ist abgelehnt!      Einrichtung geschaffen hat, sondern wo es jetzt
                                                       ernsthafte Bestrebungen gibt, wo die Vorarbeiten
    Resolutionsantrag Nr.7 des Abgeordneten            geleistet werden, dieses Projekt auf europäische
Waldhäusl zur Gruppe 0 „Ausdehnung des Härte-          Ebene zu heben.
ausgleich Volkszählung 2001 auf das Budget
2004“. (Nach Abstimmung über diesen Resoluti-               Genauso wichtig ist, die Einrichtung von Si-
onsantrag:) Das ist die Minderheit. Der Antrag ist     cherheitszentren, Selbstschutzzentren in den Ge-
abgelehnt!                                             meinden und eben die Zivilschutzbeauftragten vor
                                                       Ort. Auch die Sicherheitstage in den Bezirken tra-
    Ich ersuche Herrn Berichterstatter, Herrn Ab-      gen wesentlich dazu bei.
geordneten Doppler, zur Gruppe 1, Öffentliche
Ordnung und Sicherheit, zu berichten.                       Was aber ganz enorm wichtig ist, ist die Koor-
                                                       dination der einzelnen Organisationen. Und da wird
    Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): In die        wirklich Fortschrittweisendes, Richtungsweisendes
Gruppe 1, Öffentliche Ordnung und Sicherheit fal-      geleistet mit dem Neubau eines Sicherheitszent-
len Einnahmen und Ausgaben für Feuerwehrwe-            rums in meiner Bezirksstadt in Tulln, wo in Zukunft
sen, Katastrophendienst und Landesverteidigung.        die Landesfeuerwehrschule, der Landesfeuerwehr-
Ausgaben von 18,609.000 Euro stehen Einnahmen          verband, die Fachabteilung und die Stelle für
von 3,327.500 Euro gegenüber. Der Anteil der           Brandverhütung unter einem Dach gemeinsam
Ausgaben am Ausgabenvolumen beträgt 0,40 Pro-          bessere Arbeitsbedingungen vorfinden werden und
zent.                                                  damit auch Synergieeffekte zu erzielen sind.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


      Das wird auch notwendig sein bei einem                   Österreichweit rücken die Feuerwehren zu
Kommunikationssystem oder Verständigungssys-             rund 200.000 Einsätzen pro Jahr aus, wobei insbe-
tem der Einsatzorganisationen untereinander. Und         sondere im letzten Jahr durch die Hochwasserka-
wir kennen alle die Problematik mit Adonis wie sie       tastrophen überdurchschnittlich viele Einsätze zu
sich derzeit darstellt. Gerade im heutigen „Kurier“      bewältigen waren. Alle zweieinhalb Minuten werden
eine dreiviertel Seite zu dieser Thematik. Die           Menschen gerettet, Tiere und Sachgüter geborgen
Probleme, die das Bundesministerium für Inneres          oder Brände gelöscht. Um ihrer Aufgabe nach-
mit Master Talk in diesem Bereich hat. Und wir           kommen zu können, benötigen die Freiwilligen
wissen auch um die Schwierigkeiten der Finanzie-         Feuerwehren erhebliche Geldmittel, um neue
rung für die Einsatzorganisationen. So hat zum           Einsatzfahrzeuge und Geräte zu beschaffen und
Beispiel der Landesfeuerwehrverband anstelle der         diese zu betreiben und zu warten. So schreibt zum
4.000 beabsichtigten Geräte nur 200 Geräte vorbe-        Beispiel die NÖ Feuerwehr-Mindestausrüstungs-
stellt. Und die nächsten Wochen und Monaten wer-         verordnung vor, dass für Gemeinden mit 302 bis
den uns auch noch die Probleme beim Probebe-             800 Häusern ein Tanklöschfahrzeug anzuschaffen
trieb im April zeigen ob wir hier zu einer gemeinsa-     ist, welches in der Größenordnung für diese Klasse
men Lösung kommen oder ob es zu einer Neuver-            etwa 300.000 Euro kostet. Die Umsatzsteuer be-
gabe in anderer Richtung kommen muss.                    trägt bei dieser Anschaffung rund 49.000 Euro. Mit
                                                         Bällen, Festen und Spendensammlungen bemühen
    Damit zum Feuerwehrwesen. Der August des             sich die Freiwilligen Feuerwehren, die nötigen Mittel
vergangenen Jahres war leider ein gutes Beispiel         aufzutreiben, wobei auch die Gemeinden und das
über das Potenzial, über das Leistungsvermögen           Land maßgebliche Hilfe leisten.
unserer Freiwilligen Feuerwehren. Unsere 90.517
Mitglieder waren mehr als gefordert und haben ihre           Um eine Entlastung der Freiwilligen Feuerweh-
Aufgabe gut erfüllt. Und gerade die Dezentralisie-       ren hinsichtlich der Mitfinanzierung der Ausrüstung
rung, in jeder Ortschaft vor Ort nach Möglichkeit        zu erreichen, wäre daher die Befreiung von der
eine Wehr zu haben ist auch das Geheimnis dieses         Umsatzsteuer ein Schritt in die richtige Richtung.
Systems und dieses Erfolges.
                                                             Der Gefertigte stellt daher folgenden Antrag:
     Wir dürfen uns nicht nur auf Sonntagsreden
beschränken in diesem Bereich, sondern es ist                Der Landtag wolle beschließen:
wichtig, effektive Hilfe dem Feuerwehrwesen in die
Hand zu geben. Und daher werde ich genauso                    Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert,
einen Antrag wiederholen der nicht neu ist, aber         sich bei der Bundesregierung dafür einzusetzen,
wieder neu eingebracht wird. Und zwar einen Re-          damit eine Befreiung der Feuerwehren von der
solutionsantrag, wo es im Wesentlichen darum geht        Umsatzsteuer bei Geräteanschaffungen erreicht
um die Befreiung von der Umsatzsteuer bei der            wird.“
Anschaffung von Materialien und Geräten für un-
sere Freiwilligen Feuerwehren.                                Und in Wirklichkeit, ergänze ich noch, geht es
                                                         darum, eine Gleichstellung mit den Rettungsorgani-
      Der Antrag geht den Fraktionen zu, daher           sationen in diesem Bereich zu erreichen, die diese
werde ich auf die Begründung verzichten und              Regelung schon seit geraumer Zeit haben. Und ich
werde mich auf den Antrag beschränken. Wir wis-          erwarte mir nach den schönen Worten bei vielen
sen, dass wir die Feuerwehren entlasten müssen,          Veranstaltungen, bei vielen Feuerwehrfesten, Ab-
denn einen Großteil der nötigen Mittel bringen sie       schnittsfeuerwehrtagen, Leistungsbewerben, dass
ohnehin selbst auf und die öffentliche Hand, so          die Kollegen der ÖVP, die das letzte Mal nicht mit-
ehrlich müssen wir sein, wäre überfordert, das           gegangen sind, dieses Mal es doch schaffen, die
Feuerwehrwesen auf diesem hohen Ausrüstungs-             Hand in die Höhe zu bringen. Denn die Variante,
stand zu erhalten. Daher stelle ich den Antrag           die von eurer Seite gekommen ist, nur dann, wenn
(liest:)                                                 die Feuerschutzsteuer erhöht wird, bedeutet, dass
                                                         wir alle über die Kasko-Versicherung diese Kosten
                  „Resolutionsantrag                     wieder selbst tragen. Und das kann nicht das Ziel
                                                         sein, sondern in Wirklichkeit volkswirtschaftliche
    des Abgeordneten Cerwenka zur Gruppe 1 des           Komponente. Wir haben das Feuerwehrwesen zu
Voranschlages des Landes Niederösterreich für            unterstützen. Und das wird dann auch draußen den
das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Umsatzsteu-       Menschen vor Ort zu erklären sein. Daher lade ich
erbefreiung für Geräte-Anschaffungen der Feuer-          Sie alle ein, diesem Antrag die Zustimmung zu
wehren.                                                  geben. (Beifall bei der SPÖ.)




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Das Zweite ist auch ein Antrag der nicht ganz              Es soll daher ein Fonds errichtet werden, der
neu ist, aber meiner Meinung nach sehr notwendig            vom Land finanziert wird, um den Betroffenen fi-
ist. Bei Einsätzen im Ortsgebiet gibt es klare Re-          nanzielle Absicherung zu gewährleisten. Freiwilli-
gelungen. Aber bei überörtlichen Einsätzen gibt es          gen soll daraus ein Ersatz für durch Einsätze verur-
immer Schwierigkeiten, Feuerwehren, Dienstgeber,            sachte nachgewiesene Lohnkürzungen geleistet
Dienstnehmer. Und daher, glaube ich, müssen wir             werden können.
den Ansatz finden, dass wir beim Land einen Fonds
schaffen, wodurch die Möglichkeit besteht, Betrof-               Da die aktuellen Einsatzstatistiken der Feuer-
fene, also sprich Dienstnehmer als auch Dienstge-           wehren zeigen, dass der überwiegende Teil der
ber auf freiwilliger Basis Unterstützung zu geben für       Einsätze solche technischer Art nach Verkehrsun-
eventuelle Lohnkosten die entfallen oder auch für           fällen sind, scheint es zweckmäßig, eine Zweck-
Probleme die der Dienstgeber dafür hat dass er              widmung von 1,5 Prozent der Kfz–Haftpflicht-
Leute freistellt für wichtige Einsätze.                     versicherungsprämie als langfristige Maßnahme zu
                                                            setzen, um die Möglichkeiten des Fonds zu
     Und nachdem immerhin im vergangenen Jahr               garantieren.
79 Prozent aller Einsätze technischer Natur waren,
ist es nur recht und billig, hier wieder auf Kfz-Steuer
                                                                Durch Einsparungen bei der Straffung des
und Kfz-Mittel zu versuchen zuzugreifen und sich
                                                            Verfahrens bei der Gewährung von Förderungen
hier mit dem Bund in Verbindung zu setzen um
                                                            des Landes an Freiwillige Feuerwehren sollen in
diesen Fonds zusätzlich zu dotieren. Wir haben
                                                            einer ersten Phase die Gelder für den neu zu
auch im Eigenbereich einige Möglichkeiten indem
                                                            schaffenden Fonds lukriert werden.
wir Verfahrensabläufe verkürzen, gerade im Förde-
rungsbereich. Und auch hier könnten Mittel frei
werden. Daher bringe ich einen Antrag ein wobei                 Durch eine einmalige Kontrolle der Förde-
ich wieder darauf verweise, dass die Begründung             rungsanträge durch das Land würde auch eine
dann den Fraktionen zugeht (liest:)                         wesentliche zeitliche Verkürzung des Förderungs-
                                                            ablaufes erreicht werden.
                   „Resolutionsantrag
                                                                 Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
     des Abgeordneten Cerwenka zur Gruppe 1 des
Voranschlages des Landes Niederösterreich für                   Die Landesregierung wird aufgefordert, zur Si-
das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Schaffung            cherung des Fortbestandes der Feuerwehren in
eines Fonds zur Refundierung von Einkommens-                Niederösterreich im Sinne der Antragsbegründung
verlusten durch Beteiligung an Feuerwehreinsätzen
außerhalb des eigenen Gemeindegebietes.                     1.   dem NÖ Landtag einen entsprechenden Ge-
                                                                 setzesentwurf vorzulegen
     Pro Jahr werden in Niederösterreich von den            2.   sowie auf die Bundesregierung einzuwirken,
1.664 Freiwilligen Feuerwehren und 79 Betriebs-                  um eine Zweckwidmung von 1,5 Prozent der
feuerwehren rund 58.000 Einsätze durchgeführt.                   Kfz–Haftpflichtversicherungsprämie für Auf-
Die Feuerwehrorganisationen sind abhängig vom                    wendungen der Freiwilligen Feuerwehren zu
Fortbestand der Freiwilligkeit. Es müssen daher                  erreichen.“
ausreichende materielle Rahmenbedingungen ge-
schaffen werden, um den Freiwilligen diesen wich-                 Ich ersuche Sie, auch diesem Antrag die Zu-
tigen Dienst an der Allgemeinheit zu ermöglichen            stimmung zu geben. Denn unser Feuerwehrwesen
und damit den Gebietskörperschaften noch höhere             ist freiwillig, aber doch sehr professionell. Und um
Ausgaben für Berufsfeuerwehren zu ersparen.                 diese Professionalität zu erhalten, um auch den
                                                            Menschen vor Ort diesen 90.517 Personen von der
     Erleichterungen für alle unselbständig Er-             politischen Seite aus die Rahmenbedingungen zu
werbstätigen müssen gesetzlich vorgesehen wer-              geben und Mut zu machen bitte ich Sie, diese An-
den, um entsprechende Rahmenbedingungen für                 träge anzunehmen. Danke für die Aufmerksamkeit!
die Teilnahme an Feuerwehreinsätzen zu schaffen.            (Beifall bei der SPÖ.)
Gerade bei Katastrophen- und Großeinsätzen
kommt es immer häufiger zu Problemen zwischen                    Zweiter Präsident Sacher: Als Nächstem er-
Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die bei Einsätzen           teile ich Herrn Abgeordneten Mag. Wilfing das
ihre Hilfsbereitschaft unter Beweis stellen.                Wort.




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Abg. Mag. Wilfing (ÖVP): Geschätzter Herr             setzen kann, wie sie sich auch statistisch derzeit
Präsident! Hohes Plenum! Meine sehr verehrten             darstellen.
Damen und Herren!
                                                                Eines nur zur Freiwilligen Feuerwehr: Wir sind
     Im Vorjahr haben wir erfahren dürfen, Gottsei-       alle derzeit sehr oft im Einsatz. Was mir wichtig ist,
dank, dass bei einem internationalen Vergleich der        ist dass derzeit zumindest in meinem Raum – und
Sicherheit in den europäischen Ländern und dar-           ich gehe davon aus, dass das auch in anderen
über hinaus Österreich zum sichersten Land der            Bezirken der Fall sein wird – intensiv darüber nach-
Welt erklärt worden ist. Und das obwohl durch die         gedacht wird, inwieweit vergleichbare Länder der
Grenzöffnung, die uns einerseits viele Vorteile           Europäischen Union, die mit Stützpunkt-Feuerweh-
bringt und die wir sehr begrüßen, weil sie gerade         ren arbeiten, auch ein Modell für Österreich sein
auch im Grenzland dazu geführt hat dass wir wie-          könnten. Wir für uns können immer nur ein klares
der im Vergleich zu den anderen Regionen Öster-           und eindeutiges Nein dazu sagen. Wir glauben,
reichs sogar statistisch beim Wirtschaftswachstum,        dass es eine besondere Stärke Österreichs ist,
bei der Arbeitslosenquote und so weiter besser            dass wir in jedem Dorf unsere freiwillige Feuerwehr
ausgestiegen sind, natürlich aber im Bereich der          haben. Dass das, was hier eventuell an Mehrkosten
Sicherheit etwas unsicherer geworden sind, weil           entsteht, in Wahrheit durch den Einsatz, durch die
nach 1989/1990 einzelne Delikte in die Höhe ge-           Identität, durch die Dorfgemeinschaften die durch
gangen sind und – das ist wieder das Erfreuliche –        diese Freiwilligen Feuerwehren entstehen, bei
seit zirka drei Jahren auch hier kontinuierlich ein       weitem aufgehoben wird. Und höchstwahrschein-
Rückgang zu verzeichnen ist.                              lich sogar, wenn man es wirtschaftlich berechnen
                                                          würde, ein Mehr an Leistung erbrächte als eventu-
      Trotzdem muss für uns klar bleiben, und das         ell, sage ich jetzt einmal, verschiedenste Anschaf-
möchte ich auch hier bekräftigen, dass die                fungen im maschinellen Bereich, im technischen
Schengen-Grenze natürlich nicht mit dem EU-Bei-           Bereich oder eventuell auch in der Erhaltung der
tritt unserer Nachbarländer am 1.5.2004 zu Ende           Infrastruktur, der Häuser hier an Aufwendungen zu
gehen kann, sondern wie es sich heute darstellt,          leisten sind. Eben weil auch, und das ist ja über-
diese Schengen-Grenze und damit auch die Bereit-          haupt die Stärke dieser Freiwilligen Feuerwehr hier
schaft der Republik Österreich, im Auftrag der            in Österreich, größtenteils diese Leistungen nicht
Europäischen Union hier weitere Sicherungsmaß-            nur personell von den Mitgliedern selbst erbracht
nahmen durchzuführen, wahrscheinlich bis zirka            werden, sondern sehr oft sogar durch eigenen fi-
2010 andauern wird. Um eben hier der Bevölkerung          nanziellen Einsatz dazu hier mit beigesteuert wird
und auch dem gesamten Raum der Europäischen               und damit nicht einmal in dem Bereich die Gemein-
Union hier gewisse Sicherheiten zu geben.                 den alle Kosten zu tragen haben, weil sehr vieles
                                                          von den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr
     Und ich bin sehr dankbar dafür, dass die Vor-        selbst erarbeitet, selbst verdient wird und hier dann
aussetzungen dafür geschaffen worden sind, dass           auch zum Einsatz kommt.
auch in Zukunft einerseits Kräfte des Österreichi-
schen Bundesheeres, andererseits unsere Grenz-                 Und wir alle wissen ja, dass die Freiwillige
gendarmerie in Zusammenarbeit mit der Bundes-             Feuerwehr nicht nur dazu dient, im Katastrophen-
gendarmerie, mit der Polizei in Wien hier diese           schutz da zu sein, sondern sehr, sehr wichtig ist um
Grenzsicherungsmaßnahmen durchführt. Und ich              diese Dorfgemeinschaft in den Dörfern zu erhalten,
bin mir sicher, dass auch ab dem nächsten Jahr,           die Identität zu schaffen. Und wir daher alles daran
wo es dann zu einem Wachkörper kommen wird                setzen sollten uns auch politisch klar dazu zu äu-
indem Gendarmerie, Polizei, Schifffahrtspolizei,          ßern. Und sollte es Bestrebungen geben im Rah-
Zollwache gemeinsam ihre Arbeit abzustimmen               men der Europäischen Union darüber nachzuden-
haben, das auch in Zukunft hervorragend gesche-           ken, ein klares und ein schlichtes Nein dazu zu
hen wird.                                                 sagen, weil wir hier eben unsere kleinen Feuerweh-
                                                          ren unbedingt erhalten wollen. In dem Sinne kann
     Ich bin auch darüber glücklich, dass all die Un-     ich hier mit Überzeugung feststellen, dass die
kenrufe, dass durch die notwendigen Gendarme-             Österreichische Volkspartei dem Ansatz 1, der
riepostenzusammenlegungen, die mit Augenmaß               Gruppe 1, die Zustimmung geben wird. (Beifall bei
geschehen sind, hier diese Situation verschlechtert       der ÖVP.)
wird, sich nicht bewahrheitet haben. Sondern eben
sich bestätigt hat, dass Politik mit Vernunft, mit            Zweiter Präsident Sacher: Als Nächster ist
Augenmaß auch hier die richtigen Maßnahmen                Herr Abgeordneter Grandl am Wort.




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Abg. Grandl (ÖVP): Geschätzter Herr Präsi-            Und wir können das sicherlich nur begrüßen. Denn
dent! Hohes Haus! Geschätzte Damen und Herren!            hier wird auf spielerische Art und Weise den
                                                          Jüngsten wertvolles Wissen für die Zukunft mitge-
     Nachdem wir ja den Voranschlag 2004 heute            geben. So war unter anderem bei dieser Sicher-
und morgen beraten, werden Sie in der Gruppe 1,           heitsolympiade eine Vorführung, wie die Versor-
Öffentliche Ordnung Sicherheit, auch den Ansatz           gung von Verletzten nach einem Radfahrunfall
für den Zivilschutz mit 492.900 Euro finden. Und          geschehen soll mit den Jugendgruppen des Roten
dieser ist gleich hoch dotiert wie im vergangenen         Kreuzes und des ASBÖ St. Pölten. Und man muss
Jahr.                                                     schon sagen, die Praxis ist meistens ein besserer
                                                          Lehrmeister als die Theorie. Und die Kinder merken
     Zivilschutz ist ein umfassender Begriff. Er be-      sich sicherlich, aber auch die Erwachsenen, in der
ruht in Österreich auf einem Dreisäulenprinzip und        Praxis oft mehr als sie im theoretischen Wissen
ist wie folgt aufgeteilt: Die erste Säule ist die Be-     vermittelt bekommen.
hörde. Sie besteht aus Bund, Ländern und Ge-
meinden. Und diese haben wesentliche Aufgaben                  Es war unter anderem auch eine Vorführung,
zur Sicherung der Zivilbevölkerung zu erledigen.          Maßnahmen bei einem Fettbrand. Wer von uns
                                                          weiß wirklich was er tun muss wenn das soge-
      Die zweite Säule sind die sogenannten               nannte „Fettheferl“ übergeht. Es ist oft gar nicht so
Einsatzorganisationen, die Freiwillige Feuerwehr,         einfach, dass in dieser Situation nicht vielleicht
die Rettung, Gendarmerie und Polizei. Sie sind            genau das Verkehrte getan wird und das ist Auf-
ständig und unmittelbar vor Ort wenn Notsituatio-         gabe des Zivilschutzes dass auch in solch anschei-
nen entstehen. Sie sind auch stets abrufbar rund          nend kleinen Dingen Aufklärung betrieben wird.
um die Uhr. Und es ist ein Punkt noch bei der Frei-
willigen Feuerwehr und bei der Rettung worauf wir              In der Zusammenarbeit der Einsatzorganisati-
auch in Zukunft Bedacht nehmen müssen: Dass die           onen bei einem Unfall mit Polizei, Feuerwehr,
Freiwilligkeit für unsere Bevölkerung unverzichtbar       Rotem Kreuz, ASBÖ, war die Landung des Hub-
ist. Der Verlust würde unverhältnismäßig hohe             schraubers vom Bundesministerium für Inneres
Kosten für den Steuertopf praktisch nach sich zie-        sicherlich einer der Höhepunkte bei der Bergung
hen.                                                      eines Verletzten. Wie man sieht, ist Zivilschutz ein
                                                          derartig umfassendes Thema, dass dabei klar wird,
    Und die dritte Säule ist der Selbstschutz der         dass Aufklärung und Schulung ständig vorhanden
Bevölkerung. Jeder Bürger sollte auch Maßnahmen           sein muss.
setzen um Katastrophen zu vermeiden. Oder bis
zum Eintreffen der organisierten Hilfe bestmöglich              Es wurden auch Alarmpläne für Schulen und
eine sich anbahnende Katastrophe zu überstehen.           Kindergärten neu entwickelt. In zirka tausend
Sozusagen eine Vorsorge betreiben. Ich weiß               Schulen werden dies zukünftig persönlich den Leh-
schon, dass es nicht immer leicht ist. Manches holt       rern übergeben und auch besprochen. Denn wir
man sich in Diskussionen und Vorträgen und nach           wissen ganz genau, und ich weiß es auch als Bür-
einer kurzen Zeit ist vieles wieder vergessen.            germeister, es kommt derartig viel Post ins Haus,
                                                          dass, wenn man nicht wirklich darauf aufmerksam
     Genau hier aber ist der Zivilschutz tätig und        gemacht wird, es oft nutzlos wieder weggelegt wird.
hier setzen seine Fähigkeiten an. Durch verschie-         Und das soll nicht passieren. Daher werden diese
denste Maßnahmen und Aufklärungsarbeit wird               Lehrer bei der Übergabe eigentlich eingeschult und
versucht, die Bevölkerung zu motivieren, auch             es wird mit ihnen besprochen was darin wichtig ist.
selbst etwas zum eigenen Schutz zu unternehmen.           Gleichzeitig sind Alarmpläne für Kindergärten ent-
Die sogenannte Prävention und Wissensvermittlung          wickelt worden. Und sie werden den Inspektorinnen
ist Hauptaufgabe des Zivilschutzes.                       und Kindergartenleiterinnen vorgestellt und erläu-
                                                          tert.
     Neben den laufenden Aufgaben aber wie
Schulungen, Vorträgen, praktischer Ausbildung und              Auch die Aktion wie sicherer Schulweg und die
Öffentlichkeitsarbeit in Fragen des Zivilschutzes         Aktion Schutzengel wurden vom Zivilschutzverband
setzt der Verband auch immer wieder neue                  vorbereitet und durchgeführt. Die Schutzengelak-
Schwerpunkte.                                             tion hat viele positive Anregungen seitens der Be-
                                                          völkerung gebracht und Gefahrenstellen wurden
    Es wurde ja vom Kollegen Cerwenka heute               landesweit beseitigt. Bei dieser Aktion wurde und
schon angesprochen, die Kindersicherheitsolympi-          wird im Besonderen für unsere Kleinsten die Si-
ade war das letzte Projekt das verwirklicht wurde.        cherheit enorm verbessert.




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Nun, der Zivilschutzverband ist eine Service-             Es waren nicht nur die Mitglieder der Freiwilli-
einrichtung für die Bevölkerung. Er bietet Informa-       gen Feuerwehren, es waren sämtliche freiwillige
tion, Beratung und Schulung in allen Belangen des         Rettungsorganisationen und auch Mitmenschen die
Selbstschutzes. Unter Selbstschutz ist alles das zu       sich gemeldet haben und mitgeholfen haben. Es
verstehen, was jeder Einzelne tun kann um in einer        war einmalig zu sehen, und ich war ja sechs Tage
Krisensituation die Zeitspanne in der er auf sich         selbst im Einsatz, wie gut koordiniert und wie pro-
selbst gestellt ist zu überbrücken.                       fessionell hier geholfen worden ist. Es hat wirklich
                                                          perfekt funktioniert. Speziell die Zusammenarbeit
     Es gibt immer kleine und große Gefahren. Ge-         mit dem Österreichischen Bundesheer und den
gen Katastrophen egal welcher Art wird es keinen          anderen Rettungsorganisationen war vorbildlich.
hundertprozentigen Schutz geben können, auch
nicht in Zukunft. Mit Grundkenntnissen, welchen                Man kann, und es haben ja schon sehr viele
Auswirkungen es zu begegnen gilt und der ent-             heute im Zuge dieser Debatte getan, man kann hier
sprechenden Vorsorge wird es jedoch in vielen             wirklich nur Lob, Dank und Anerkennung allen
Fällen gelingen, das Schadensausmaß deutlich zu           Freiwilligen, allen Freiwilligen-Organisationen aus-
verringern. Bei den vielfältigen Unfällen im tägli-       sprechen. Man kann nur hoffen, dass diese Kata-
chen Leben hat es der Einzelne weitgehend selbst          strophe, so eine ähnliche Katastrophe in diesem
in der Hand wie weit er davon betroffen sein kann.        Ausmaß lange nicht wiederkommen wird. Doch
Allein wenn eine Gefahr als solche erkannt wird,          sollte es der Fall sein, wird unsere Freiwillige Feu-
gibt es die Möglichkeit, ihr etwas entgegen zu set-       erwehr, werden unsere Frauen und Männer dieser
zen, sie zu vermeiden und sie zu beseitigen.              Wehren wieder helfen. Sie werden wieder ihre Ar-
                                                          beit niederlegen um den Mitmenschen helfen zu
     Mit Foldern, Broschüren, der Zeitschrift „Sicher     können.
ist sicher“, über seine Homepage und durch per-
sönliche Beratung gibt der Zivilschutzverband all              Daher ist es wichtig, dass wir hier im Zuge die-
jenen eine Hilfestellung, die eine Sicherheit und die     ser Debatte bei der Gruppe 1 auch über die Zahlen,
ihrer Familien nicht dem Zufall überlassen, sondern       über die Höhe und über die Art der Hilfestellung
aktiv Selbstschutz betreiben wollen.                      uns unterhalten. Es muss im Interesse aller im NÖ
                                                          Landtag vertretenen Parteien, im Interesse aller
     Hoher Landtag! Wie man sieht, ist im Zivil-          Abgeordneten in erster Linie darum gehen, wie
schutz jeder Euro sinnvoll angelegt. Denn eines           können wir auch weiterhin das Bestehen dieser
muss uns immer bewusst sein: Sicherheit und Auf-          flächendeckenden Freiwilligen-Organisation unter-
klärung kommt nicht von selbst. Diese Dinge müs-          stützen.
sen jeden Tag aufs Neue erarbeitet werden. Darum
ersuche ich Sie, geschätzte Mitglieder des NÖ                   Wir wissen, dass es unserem Bundesland
Landtages, auch im Sinne des Zivilschutzes und für        letztendlich auf Grund dieser Freiwilligkeit weit, weit
unsere Bevölkerung dem Budget 2004 zuzustim-              billiger kommt als eine Berufsfeuerwehr. Und dieser
men. (Beifall bei der ÖVP.)                               Idealismus, meine Damen und Herren, verlangt
                                                          unsere Unterstützung. Wir müssen selbstverständ-
    Zweiter Präsident Sacher: Abgeordneter                lich, wenn wir diese Hochwasserkatastrophe des
Waldhäusl ist der nächste Redner. Ich erteile ihm         August 2002 aufarbeiten, auch die Frage der Alar-
das Wort.                                                 mierung, die Frage von eventuellen Verursachern
                                                          diskutieren. Man muss sich darüber unterhalten
    Abg. Waldhäusl (FPÖ): Werter Herr Präsi-              und der zuständige Landesrat kommt ja gerade
dent! Werte Kollegen!                                     herein, wie werden wir in Zukunft die Katastro-
                                                          phenpläne verbessern und anpassen damit wir den
     Gruppe 1, Öffentliche Ordnung und Sicherheit.        Freiwilligen-Organisationen auch hier unterstützend
Hier wäre und ist ja jetzt schon angemerkt worden,        helfen können.
Zivilschutz, Katastrophendienst und vor allem das
Feuerwehrwesen. Wir haben im Sommer vorigen                    Es sind die Katastrophenpläne ganz einfach
Jahres 2002 erleben müssen, wie wichtig es ist,           teilweise nicht ausreichend und teilweise schlecht
dass wir ein funktionierendes Feuerwehrwesen in           gewesen. Und es liegt jetzt an uns, an den Politi-
Niederösterreich haben. Dieses Hochwasser hat             kern, aber in erster Linie an der Landesregierung,
uns gezeigt, dass ohne diese Freiwilligen-Organi-         dass hier ein umfassender Katastrophenschutz mit
sation es nicht möglich gewesen wäre, Menschen,           allen Alarmierungsplänen erarbeitet wird. Es ist
Tiere, Hab und Gut zu schützen. Und es waren              teilweise ja bereits im Gange. Und trotzdem werden
tausende Freiwillige, die hier die Arbeit liegen ha-      wir wieder auf die Arbeit dieser Freiwilligen nicht
ben lassen um den anderen zu helfen.                      verzichten können.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Und daher ein eindeutiges Ja von uns Freiheit-      hier eine gemeinsame Lösung im Interesse der
lichen zu unseren Freiwilligen. Ein eindeutiges Ja       Freiwilligen, dass wir eine gemeinsame Lösung
zu ihren Leistungen, zu ihrem Idealismus und ein         finden werden. Ich hoffe, dass auch die Mehrheits-
eindeutiges Ja zu dem Fortbestand dieser Organi-         fraktion in diesem Hause hier sich auch einmal zu
sationen. Und wenn ich von einem eindeutigen Ja          den Freiwilligen-Organisationen bekennen wird und
spreche, dann möchte ich auch diesbezüglich An-          daher den Freiheitlichen auch einmal die Unterstüt-
träge einbringen, die hier diese Leistung unterstüt-     zung gewähren wird.
zen.
                                                               Ich bringe auch den Antrag betreffend Befrei-
     Und ich schlage hier in die gleiche Kerbe wie       ung der Rettungsorganisationen und der Feuerweh-
der Feuerwehrsprecher der SPÖ, Kollege                   ren von der Entrichtung des AKM-Beitrages ein
Cerwenka, betreffend der Umsatzsteuerbefreiung           (liest:)
für Geräteanschaffung der Feuerwehren. Der An-
trag wird ausgeteilt, ich verlese daher die Begrün-                        „Resolutionsantrag
dung nicht mehr, sondern nur den Antrag (liest:)
                                                             der Abgeordneten Waldhäusl und Mag. Ram
                  „Resolutionsantrag                     zur Gruppe 1 des Voranschlages der Landes Nie-
                                                         derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,
    der Abgeordneten Waldhäusl und Mag. Ram              betreffend Befreiung der Rettungsorganisationen
zur Gruppe 1 des Voranschlages des Landes Nie-           und der Feuerwehren von der Entrichtung des
derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,            AKM–Beitrages.
betreffend Umsatzsteuerbefreiung für Geräte-An-
schaffung der Feuerwehren.                                    Rettungsorganisationen und Freiwillige Feuer-
                                                         wehren sind gezwungen, zur Finanzierung ihrer
     Österreichweit mussten die Feuerwehren im           Ausrüstungen Feste zu organisieren. Spielen Mu-
Jahr 2002 zu über 200.000 Einsätzen ausrücken.           sikgruppen, müssen die Rettungsorganisationen
Das bedeutet, dass alle zweieinhalb Minuten Men-         und Feuerwehren einen sogenannten AKM-Beitrag
schen gerettet, Tiere und Sachgüter geborgen oder        entrichten.
Brände gelöscht wurden. Bei den Hochwasserka-
tastrophen 2002 leisteten die Freiwilligen über-              Eine Befreiung der Rettungsorganisationen
menschliches und ersparten der öffentlichen Hand         und Feuerwehren von der Entrichtung dieses AKM-
Beträge in Millionenhöhe. Für ihre Einsätze benöti-      Beitrages bedeutet nicht nur eine finanzielle Ent-
gen die Freiwilligen Feuerwehren erhebliche Geld-        lastung, sondern auch eine Vereinfachung des
mittel, um neue Einsatzfahrzeuge und Geräte zu           Organisationsaufwandes.
beschaffen und diese zu betreiben und zu warten.
Mit Bällen, Festen und Spendensammlungen be-                 Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
mühen sich die Freiwilligen Feuerwehren, die nöti-
gen Mittel aufzutreiben, wobei auch die Gemeinde             Der Hohe Landtag wolle beschließen:
und das Land maßgebliche Hilfe leisten.
                                                             Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert, alle
    Um eine Entlastung der Freiwilligen Feuerweh-        geeigneten Schritte zu unternehmen, um Rettungs-
ren hinsichtlich der Mitfinanzierung der Ausrüstung      organisationen und Feuerwehren von der Entrich-
zu erreichen, wäre daher die Befreiung von der           tung des AKM–Beitrages zu befreien.“
Umsatzsteuer ein Schritt in die richtige Richtung.
                                                              Wir haben das ja auch als selbständigen An-
    Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:      trag schon eingebracht gehabt, wurde im Aus-
                                                         schuss dann diskutiert. Wir haben uns von Exper-
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                  ten Meinungen eingeholt. Nur, der politische Wille
                                                         hier zu unterstützen hat leider Gottes gefehlt. Ich
     Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert,           würde mir hier auch wirklich im Interesse der vielen
sich bei der Bundesregierung dafür einzusetzen,          Freiwilligen ein Ja zu unseren Feuerwehren wün-
damit eine Befreiung der Feuerwehren von der             schen.
Umsatzsteuer bei Geräteanschaffungen erreicht
wird.“                                                       Zu dem Antrag des Abgeordneten Cerwenka
                                                         habe ich bereits gesagt, wie ich den eigenen ein-
     Auch das diskutieren wir, verehrte Kollegen,        gebracht habe betreffend Umsatzsteuerbefreiung,
nicht zum ersten Mal in diesem Haus. Und ich bin         wir werden, hoffe ich, eine gemeinsame Lösung
mir sicher, dass ich mit dem Kollegen Cerwenka           erarbeiten. Den zweiten Antrag des Abgeordneten




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Cerwenka betreffend Schaffung eines Fonds zur            wenn es ganz einfach notwendig ist. Darüber hin-
Refundierung von Einkommensverlusten durch               aus haben Sie sehr wohl und richtig die Frage von
Beteiligung an Feuerwehreinsätzen außerhalb des          verschiedensten Unterstützungen für diese Organi-
eigenen Gemeindegebietes ist in der Antragsfor-          sationen mit eingebracht. Ich glaube, dass ein we-
mulierung mit dem Punkt 1, dass der Landtag auf-         sentlicher Punkt und ein wichtiger ist, wir haben
gefordert wird, einen entsprechenden Gesetzes-           heute eine Budgetdebatte, und wenn ich mir so die
entwurf vorzulegen, ist als positiv zu bewerten und      Anträge, die im letzten Budget gestellt worden sind,
könnte jederzeit auch unsere Zustimmung erhalten.        die Anträge die heute kommen so ein bisschen
                                                         durch den Kopf gehen lasse und die alljährlich dis-
     Die zweite Forderung einer Zweckwidmung             kutiert werden, dann sollte man sich vielleicht ein-
von 1,5 Prozent der Kfz-Haftpflichtversicherungs-        mal die Frage stellen, was allein unsere Resoluti-
prämie ist als bedenklich anzusehen. Nicht weil ich      onsanträge da kosten würden wenn wir die alle
es nicht möchte. Ich hätte gerne, dass diese             verwirklichen würden. Das sollten wir, glaube ich,
Zweckwidmung von 1,5 Prozent erfolgen würde.             auch einmal ganz ehrlich bei so einer Budgetde-
Nur, in der Praxis weiß ich, dass es hier auf Grund      batte wirklich in den Raum stellen.
dieser Zweckbindung sofort zu einer Erhöhung der
Versicherungsprämie kommen würde und ich daher                Weil wir dann da so locker verteilen, das
unseren Autofahrern nicht eine Erhöhung zumuten          schaut gut aus dass es morgen in der Zeitung
möchte. Ich würde daher vorschlagen, ich könnte          steht, ich habe für X oder Y irgendetwas gefordert.
mit dem Punkt 1 einverstanden sein wenn wir den          Ich habe aber auch die Verantwortung und ich
Antrag trennen oder das andere weglassen. An-            habe die Budgethoheit in diesem Haus, wo wir
sonsten müsste ich deswegen dagegen sein, weil           beschließen, dass wir aber auch dementsprechend
wir nicht für eine Erhöhung der Haftpflichtversiche-     das Land in einem finanziellen Zustand haben,
rung eintreten können. (Abg. Cerwenka: Eine              dass es nächstes Jahr auch wieder ein Budget gibt.
Zweckbindung ist keine automatische Erhöhung!)           Ich glaube, das ist sehr wohl Verantwortung dieses
                                                         Hauses. Und das sollte man bei jedem Antrag, bei
     Die Zweckbindung wäre nicht die Erhöhung.           jedem sehr positiven und wichtigen Element aber
Aber ich weiß, dass die Versicherungsgesellschaf-        trotzdem mit beleuchten.
ten, wenn der Bund eine Zweckbindung beschlie-
ßen würde, natürlich würden die Versicherungsge-             Weil so locker und leicht wie wir es uns ma-
sellschaften dann eine Erhöhung beschließen. Ich         chen, und wir haben, ich will nicht nachdenken,
habe ja mit der Versicherungswirtschaft diesbezüg-       aber das 14. Mal bin ich bei der Budgetdebatte
lich auch schon Kontakt aufgenommen, weil wir das        dabei und es gibt Anträge, die, glaube ich, 14 mal
auch einmal vor gehabt haben und haben leider            gestellt worden sind. Unter dem Aspekt, weil man
feststellen müssen, dass meine verehrten Kollegen,       es noch einmal verkaufen muss.
das zu einer Erhöhung führen würde. Ansonsten
wäre ich auch dabei.                                          Ich glaube, das Bewusstsein gehört da her.
                                                         Und wir diskutieren nicht umsonst Sanierungsbe-
     Nachdem die Zeit wieder nicht gereicht hat,         reiche. Wir haben Dinge zu lösen, weil wir jahrelang
werde ich einen Antrag im Sicherheitsbereich spä-        vielleicht manches mit gutem Wind irgendwo
ter einbringen. (Beifall bei der FPÖ.)                   schnell abgehakt haben. Aber im Endeffekt ist es
                                                         dann die Verantwortung die wir hier haben um auch
   Zweiter Präsident Sacher: Ich erteile als             wieder eine Sanierung im Budget durchzuführen.
Nächstem Herrn Abgeordneten Friewald das Wort.           Und das sollte man bei allen guten Elementen die
                                                         es gibt, glaube ich, mit berücksichtigen.
     Abg. Friewald (ÖVP): Herr Präsident! Hohes
Haus! Wenn hier die Debatte über Sicherheitskräfte            Ich glaube, einer der wesentlichsten Punkte ist
und im Speziellen über die Frage des Feuerwehr-          gerade im Bereich ob es das Rote Kreuz oder die
wesens geführt wurde, ist, glaube ich, eines festzu-     Feuerwehr ist, die wesentliche und gute Ausbildung
stellen. Das kann ich nur unterstreichen was der         und Schulung derer, die nämlich dann freiwillig
Herr Kollege Waldhäusl festgestellt hat, dass es         draußen im Einsatz stehen. Und ich habe das leider
hier Engagement gibt, dass unsere Bevölkerung            am Samstag selbst in aller Härte miterleben kön-
und der Teamgeist, der hier vorhanden ist, ganz          nen, weil es bei mir im Nachbarhaus gebrannt hat
einfach vorbildlich ist.                                 und der Blitz eingeschlagen hat und ich als Einsatz-
                                                         leiter der örtlichen Feuerwehr und Feuerwehrkom-
    Ich glaube, dass genau das es ausmacht was           mandant dort auch tätig war: Es gibt nichts Wich-
die Struktur unseres Landes als Ganzes darstellt.        tigeres als gut ausgebildete Leute! Und ich glaube,
Das ist die Bereitschaft, dem anderen zu helfen          da haben wir auch Vorbildwirkung, wie es die




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Landtag von Niederösterreich            Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Landesfeuerwehrschule in Tulln ja beweist, dass                   Zu meinem Vorredner: Wenn wir jetzt damit
wir für diese Ausbildung als Land garantieren. Dass          beginnen würden, dass ich die jetzt aufzähle, wo
wir eine Schule erhalten, die dementsprechend                bei diesem Budget die Möglichkeit von Einsparun-
Ausbildungsstrukturen schafft. Genauso wie die               gen vorhanden wäre damit man das bisschen Geld
Rot-Kreuz-Zentrale, wo hier das Wichtige ist, dass           für die Feuerwehren umschichten, sitzen wir, du
derjenige, der heute Hand anlegt, derjenige, der             weißt es, lange da. Aber es gibt Möglichkeiten
dem Nächsten helfen will, auch den Handgriff so              genug. Ich habe heute schon erwähnt, dass man
beherrscht wie es notwendig ist. Und das unter-              bei den Repräsentationen, bei den vielen Ehrun-
stützt das Land in hervorragender Art und Weise.             gen, in allen Bereichen wäre es möglich. Die Feu-
                                                             erwehren hat man ja nicht geehrt, weil da hat man
     Ich glaube, eines das festzustellen gilt, ist die       ja nicht wollen. Da wäre Möglichkeit genug. Und
Frage derer, die sich bereit erklären die Hilfe zu           wenn du willst, ich will die anderen da nicht strapa-
leisten. Es ist nicht selbstverständlich. Es ist selbst-     zieren, weil ihr selber habt auch das Budget gele-
verständlich, dass die Leute heute zum Hörer grei-           sen. Und jeder Abgeordnete herinnen findet genü-
fen, den Notruf wählen und dann kommt jemand.                gend Punkte wo man sehr wohl umschichten
Aber der, der dahinter steckt, der der diese Leis-           könnte wenn man auch politisch dazu den Willen
tung bringt, ist nicht aus der Selbstverständlichkeit        hat. Und das ist es was ich heute hier feststellen
heraus, sondern der ist aus einer freiwilligen Über-         muss: Die ÖVP hat nicht den Willen, hier für die
legung eingetreten. Ich glaube das gilt es, dass wir         Freiwilligen Geld umzuschichten. Und das werden
als politische Mandatare verkaufen, dass hier Men-           wir diejenigen, die halt doch zu den Feuerwehren
schen bereit sind, ihre Freizeit zur Verfügung zu            stehen, ganz einfach den Freiwilligen draußen sa-
stellen um dem Nächsten zu helfen. Und diesen                gen. Es gibt im Landtag eine Partei, die hat zwar
Teamgeist den sollten wir so weit schaffen, dass             die Mehrheit oder leider Gottes für die Freiwilligen
alle Niederösterreicher ihn mit umsetzen, dann               die Mehrheit, die will uns das Geld nicht geben.
haben wir für das Land sehr viel bewegt und er-
reicht.                                                           Und wenn du schon so was sagst, Kollege
                                                             Friewald, dann lies dir bitte schön die Anträge
     Eine Gemeinsamkeit, dem Nächsten zu helfen,             durch. Kollege Cerwenka hat sehr wohl auf der
diese Bereitschaft darzustellen, ich glaube, dass            zweiten Seite hineingeschrieben wo er was her-
das unsere Aufgabe ist dass wir das artikulieren             nimmt. Durch Einsparung bei der Straffung des
sollten. Und dann haben wir auch das erreicht was            Verfahrens bei der Gewährung von Förderung. Weil
wir erreichen wollten. Nicht auf einen anderen in            da können wir lang diskutieren. Wir haben, wie wir
irgendeiner Form schief zu blicken ob er jetzt beim          das neue Feuerwehrgesetz beschlossen haben,
Blaulicht dabei ist oder nicht, dort müssen wir ihn          darüber gesagt, dass das nur der erste Schritt sein
bevorzugt aufnehmen oder nicht. Sondern wir wol-             kann, dass wir auch in Zukunft daran arbeiten müs-
len nichts anderes als die Gemeinsamkeit dieses              sen, dass das Verfahren beim Anschaffen von
Landes der Bevölkerung darstellen. Und das ist               Feuerwehrgeräten vereinfacht werden muss. (Abg.
auch der Teamgeist, der diese freiwillige Organisa-          Hinterholzer: Wer hat das gesagt?)
tion in Wahrheit am Leben erhält. Dafür gilt den             Das haben wir gesagt. Das muss der erste Schritt,
Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern              der zweite muss folgen. Ich bin gespannt wann der
die sich hier engagieren ein Dankeschön. (Beifall            zweite Schritt wirklich folgt. Und genau da hat der
bei der ÖVP.)                                                Kollege Cerwenka ja in diese Kerbe geschlagen,
                                                             dass man dort weiter uns damit beschäftigen muss.
     Zweiter Präsident Sacher: Es ist neuerlich              Verwaltungsvereinfachung. Weil das wirst ja du als
der Abgeordnete Waldhäusl am Wort. Ich möchte                Feuerwehrkommandant wissen, wenn du ein Gerät
festhalten, er hätte vorhin noch fünf Minuten Rede-          anschaffst, wie kompliziert es ist. Außer du hast
zeit gehabt, weil er der Hauptredner seiner Fraktion         Vorteile weil du Abgeordneter bist und bei dir rennt
zu diesem Kapitel gewesen ist.                               es einen anderen Weg. Aber jeder normale Feuer-
                                                             wehrkommandant muss den normalen Weg gehen
     Abg. Waldhäusl (FPÖ): Danke, Herr Präsi-                und der ist sehr, sehr schwierig. Soviel noch zur
dent! Ich habe es gemerkt, aber ich habe mich                Feuerwehr, wo ich feststellen habe müssen dass
natürlich in meiner Ausübung des Respekts vor                die ÖVP gegen die Feuerwehren ist. (Abg.
dem Präsidenten habe ich mich nicht getraut etwas            Nowohradsky: Eine wichtige Aussage von dir!)
zu sagen. Weil ich gewusst habe, ich werde sicher-           Du kannst ja widersprechen oder du kannst herge-
lich diese Zeit noch erhalten.                               hen und kannst heute für die Feuerwehren stim-




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men. Du bist ja, nehme ich an, nicht entmündigt,         auf die Grenze zu Tschechien aus (was auch die
weil sonst würdest du da nicht sitzen. Also wirst du     neuesten Aufgriffszahlen bestätigen). Deshalb wäre
wissen was du heute zu tun hast.                         es wichtig, die gesamte niederösterreichische Au-
                                                         ßengrenze durch das Österreichische Bundesheer
     Ein Resolutionsantrag liegt mir heute noch zum      zu sichern. Der Beitritt der Tschechischen Republik
Thema Sicherheit am Herzen. Wir haben immer              zur Europäischen Union ändert an dieser Tatsache
wieder lange diskutiert über die Aufgriffe der Ille-     nichts, da Tschechien die Schengenreife noch
galen an den Grenzen, Schlepperunwesen. Dann             lange nicht erreichen wird.
haben wir entlang der March das Bundesheer ge-
habt. Und wenn man so als Abgeordneter die                   Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
Grenze besucht und das Bundesherr, merkt man,
dass es hier Ausweichstrategien gibt. Und diese              Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Ausweichstrategien der Schlepperbanden gehen
jetzt dort natürlich, wo kein Bundesheer an der               Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert, im
Grenze ist. Ich verweise hier auf den Bezirk             Sinne der Antragsbegründung auf schnellstem
Gmünd. Da wurden von 26. Mai bis 1. Juni 218             Wege mit den zuständigen Stellen der Bundesre-
Illegale aufgegriffen. Das waren von Usbeken über        gierung konkrete Verhandlungen aufzunehmen, um
Russen, über Somalier, über Inder, über Kubaner,         den Assistenzeinsatz des Österreichischen Bun-
über Kasachen eigentlich alles bunt gemischt. Im         desheeres im selben Ausmaß, wie er an der
Mai dieses Jahres 579 Aufgriffe. Das ist gegenüber       Grenze entlang der March besteht, auch entlang
dem Vorjahr 2002 ein Plus von 344 Aufgriffen.            der niederösterreichischen EU-Außengrenze zu
                                                         Tschechien zu erwirken.“
     Und die Experten vom Bundesheer, aber auch
der Exekutive und der Grenzgendarmerie stellen                Die Zahlen, liebe Kollegen, beweisen es. Das
fest, dass diese Ströme sich natürlich jetzt von der     Schlepperunwesen nimmt in diesen Bezirken
gut kontrollierten Grenze dorthin verlagern wo die       enorm zu. Und es wird bestätigt von Seiten der
Grenze nicht so dicht ist. Weil ganz einfach es hier     Grenzgendarmerie, es wird bestätigt von Seiten
topografisch schwierig ist in dieser Region, aber        des Bundesheeres. Es gibt die Meinung des Bun-
weil hier auch die Einsatzkräfte fehlen. Und daher       desheeres die sagen, die Grenze ist dort so prob-
kann es im Interesse unserer Sicherheit, der Si-         lematisch zu sichern dass man das Bundesheer
cherheit unserer Bevölkerung, nur eine Lösung            etwas weiter im Inneren des Landes aufstellen
geben. Wir müssen das Bundesheer auch in die-            sollte. Über das alles kann man diskutieren. Ob es
sem Bereich zum Einsatz bringen. Und daher gibt          wirklich direkt an der Grenze oder im Inneren zu
es jetzt folgenden Resolutionsantrag (liest:)            Schwerpunktkontrollen kommen sollte, das, liebe
                                                         Kollegen, sollen die Experten entscheiden. Doch
                  „Resolutionsantrag                     die Experten geben uns Recht: Die Schlepperban-
                                                         den umgehen die gesicherte Grenze durch das
    der Abgeordneten Waldhäusl und Mag. Ram              Bundesheer und die Aufgriffszahlen zeigen es.
zur Gruppe 1 des Voranschlages des Landes Nie-           Daher treten wir im Interesse der Bevölkerung für
derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,            die Sicherheit ein. (Beifall bei der FPÖ.)
betreffend Assistenzeinsatz des Österreichischen
Bundesheeres in Niederösterreich zur Sicherung              Zweiter Präsident Sacher: Nun kommt Frau
der EU-Außengrenze.                                      Abgeordnete Dr. Krismer zu Wort.

      Die Überwachung der 414 Kilometer langen              Abg. Dr. Krismer (Grüne): Herr Präsident!
EU-Außengrenze Niederösterreichs war und ist             Werter Landesrat Dipl.Ing. Plank! Sehr geschätzte
Gegenstand politischer Diskussionen und medialer         Damen und Herren des Hohen Hauses!
Berichterstattungen. Für die betroffene niederöster-
reichische Bevölkerung ist es nicht entscheidend,             Bei der Gruppe 1 sprechen wir von 0,5 Prozent
ob die Grenze ausschließlich von Beamten der             des Voranschlages. Der Titel ist Öffentliche Ord-
Grenzgendarmerie gesichert oder durch einen As-          nung und Sicherheit. Und Sie werden sich jetzt alle
sistenzeinsatz des Österreichischen Bundesheeres         wundern, das ist jene Gruppe, der die Grünen die
gewährleistet wird. Entlang der March hat man bei        Zustimmung geben werden. Warum? Öffentliche
der Sicherung der Außengrenze mit der Assistenz-         Ordnung und Sicherheit, bei diesen Begriffen denke
leistung des Bundesheeres sehr gute Erfahrungen          ich als Grüne an die soziale Gerechtigkeit. Soziale
gemacht, und seitens der Bevölkerung wird den            Gerechtigkeit ist die Basis für innere Sicherheit in
Leistungen der Soldaten hohe Anerkennung ge-             diesem Land. Ich denke aber auch an ökologisches
zollt. Immer mehr Schlepperbanden weichen daher          Handeln. Das wiederum ist Basis für die Sicherheit,




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sauberes Trinkwasser zu haben und eine Luft, die         der Nummer 1 was die Gerätschaften und die Um-
wir noch atmen können.                                   satzsteuer betrifft. Ich glaube, es ist weniger güns-
                                                         tig wenn die Feuerwehren um den Vorzugsteuerab-
     Die Landesverteidigung wird in einem größe-         satzbetrag umfallen. Auch hier ist es, glaube ich,
ren Europa nicht mehr erforderlich sein. Das bringt      nicht so ganz durchdacht.
mich auch dann schon zu den Resolutionsanträgen
des Kollegen Waldhäusl. Wir wissen aus einer Stu-            Wie gesagt, die Grünen werden 0,5 Prozent
die des Verteidigungsministeriums, dass die Be-          des Budgetvoranschlages zustimmen. (Beifall bei
drohungen dieser Tage anders aussehen. Und wir           den Grünen.)
wissen genau, wie bedroht wir in Niederösterreich
letztes Jahr mit dem Hochwasser waren. Die Ka-                Zweiter Präsident Sacher: Nächster Redner
tastrophen in Zukunft schauen anders aus. Es geht        ist Herr Abgeordneter Ing. Hofbauer.
um eine ökologische Bedrohung. Wir wissen auch,
dass wir, was den Verkehr betrifft, fast tagtäglich          Abg. Ing. Hofbauer (ÖVP): Sehr geehrter Herr
auf unseren Straßen mit Katastrophen konfrontiert        Präsident! Hoher Landtag!
sind.
                                                              Die Budgetdebatte über das Kapitel Öffentliche
     Meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen!         Ordnung und Sicherheit ist natürlich in den letzten
Es wurden schon viele Worte gesagt was die Feu-          Jahren immer wieder geprägt gewesen vom Thema
erwehr betrifft in diesem Lande. Ich glaube, ich         Bundesgendarmerie. Und ich möchte einige Punkte
muss da jetzt nicht viel dazu sagen. Wir wissen,         heute hier in Erinnerung rufen. Wir haben gespro-
dass ohne diese Freiwilligen in diesem Lande diese       chen vom Thema die Grenze ist offen wie ein
Ordnung und diese Sicherheit nicht mehr aufrecht         Scheunentor. Oder wir haben die mangelhafte Aus-
zu erhalten wäre. Und das sollte dementsprechend         stattung unserer Gendarmerie kritisiert. Die Gen-
honoriert werden. Wir als Opposition tun das heute       darmerie war mangelhaft mit modernen Telekom-
mit der Zustimmung zu dieser Gruppe.                     munikationsmöglichkeiten ausgestattet, hatte keine
                                                         Wärmebildkameras und die Unterkünfte für die
     Was mir, und das kenne ich aus unserem Be-          Gendarmerie waren oft im Substandard.
zirk, Veränderungen, Kooperationen in diesem
Bereich, wo ich glaube, dass wir noch schlagkräfti-          Vieles hat sich erfreulicherweise in den letzten
ger wären wenn die Freiwilligen in diesem Lande          Jahren deutlich zum Besseren gewendet und es
besser kooperierten. Es ist noch immer so, dass die      konnten Weichen gestellt werden für die Zukunft
Feuerwehr nicht so gern mit dem Roten Kreuz ko-          unserer Sicherheitskräfte in Niederösterreich. Es
operiert. Ich kann nur sagen, Sie sind eingeladen        wurden kleinste Gendarmerieposten mit anderen
nach Baden zu kommen, dort funktioniert das her-         zusammengelegt, ohne dass es dabei zum Strei-
vorragend.                                               chen von Planposten gekommen ist. Und es wur-
                                                         den auch viele Unterkünfte neu gebaut und tech-
     Abschließend gehe ich jetzt noch auf die diver-     nisch modern ausgestattet.
sen Resolutionsanträge ein. Kurz gefasst. Die Grü-
nen werden jenem Antrag, der sich mit der Kfz-                Ein historischer Schritt für die Bundesgendar-
Haftpflicht, wo eben 1,5 Prozent in einen Fonds          merie in Niederösterreich ist aber die Errichtung
eingezahlt werden, die Zustimmung geben. Denn            des Landesgendarmeriekommandos und der Si-
es ist so, dass 70 bis 80 Prozent des Feuer-             cherheitszentrale nun im Landhaus in St. Pölten.
wehreinsatzes auf der Straße sind. Und hier ist das      Seit über 15 Jahren, seit dem Zeitpunkt als sich die
Verursacherprinzip inplementiert. Dem können wir         Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher für
zustimmen.                                               eine eigene Landeshauptstadt entschieden haben,
                                                         hat es Diskussionen gegeben, die Zentralen auch
     Bei den anderen Anträgen zum Beispiel jener         nach St. Pölten zu bekommen.
vom Kollegen Waldhäusl, der AKM-Beitrag. Das ist
irgendwie so, das kommt den Künstlerinnen zugute,            Der langjährige Bürgermeister der Stadt St.
das ist so, denen die es auch brauchen nimmt man         Pölten hat mit seinen sozialistischen Kollegen im
noch etwas weg, dass man den anderen, die auch           Innenministerium viele Diskussionsbeiträge einge-
nichts haben, was gibt. Also das ist irgendwie eine      bracht, zum Beispiel in die Richtung, dass in St.
Verteilung, da können und auch, da haben Sie             Pölten eine eigene Kaserne errichtet werden sollte.
nicht Unrecht, das kommt auch noch hinzu.                Aber die finanzielle Unmöglichkeit dieses Projektes
                                                         hat es ad absurdum geführt. Und wir merken ja
    Ähnlich verhält es sich zumindest was wir über       auch in anderen Bereichen, dass es in der Stadt St.
Steuern wissen bei jenem Resolutionsantrag mit           Pölten offensichtlich nicht immer nach sehr wirt-




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schaftlichen Überlegungen vorgegangen wird.                    Die Gendarmerie steht aber auch vor neuen
Wenn ich zum Beispiel auch an den Bereich des             Herausforderungen. Die Zusammenführung von
Krankenhauses in St. Pölten denke. (Unruhe bei            Polizei und Gendarmerie wird in Zukunft auch viel
Abg. Kautz.)                                              organisatorisches Geschick verlangen. Und wenn
                                                          mit Mai 2004 auch Dienstnehmer der Zollwache
     Im Sommer 2001 ist es unserem Landes-                und der Zoll zur Gendarmerie kommen oder zur
hauptmann Dr. Erwin Pröll und dem Innenminister           Polizei, je nachdem wie das in der Organisation
Dr. Strasser gelungen, eine Vereinbarung zu tref-         möglich ist, dann bedeutet das auch eine deutliche
fen, die eine günstige Lösung für den organisatori-       Verbesserung der derzeitigen personellen Situation
schen Bereich, ein Kostenoptimum für das Bun-             in der Gendarmerie.
desland Niederösterreich und die Bundesgendar-
merie und auch ein Geschenk an die Stadt St.                   Die derzeitige Organisation ist gekennzeichnet
Pölten ist. Die SPÖ war zu diesem Zeitpunkt noch          von Sparsamkeit. Sparsamkeit in den Zentralen,
sehr skeptisch und hat immer wieder dagegen noch          wenn ich an das Landes- oder Zentralgendarmerie-
opponiert. Tatsache ist, dass heute auch von jenen        kommando denke. Aber gleichzeitig begleitet von
Beamten, die bereits in St. Pölten Dienst versehen,       Effizienz in den Gendarmerieposten und vor Ort
im Bereich der Sicherheitsdirektion, diese Lösung         draußen wenn es um die Sicherheit unserer Men-
als hervorragend und gut anerkannt wird.                  schen in unserem Land geht.

     Der erste Schritt war, dass ungefähr 700 Be-               Ich freue mich, dass das Verhältnis zwischen
amte des Landes Niederösterreich ihr ange-                den Dienstgebern und der Personalvertretung im
stammtes Büro verlassen mussten und in andere             Bereich der Gendarmerie ein sehr offenes, ehrli-
Bereiche des Landhauses übersiedeln mussten.              ches und aufrichtiges geworden ist. Dass Partei-
Drei Häuser wurden frei gemacht für die Sicher-           buch nicht mehr Ursache für Diskriminierung sein
heitszentrale. Und ich möchte mich an dieser Stelle       kann und dass heute auch bei den Gendarmen auf
bei allen betroffenen Beamten und Mitarbeitern des        Grund ihrer Leistung auch ein Karrieresprung mög-
Landes herzlich bedanken, die Bereitschaft gezeigt        lich ist. (Unruhe bei der SPÖ.)
haben, für diese Lösung auch ihre eigene Arbeits-         Gottseidank ist die österreichische Bundes-
stätte zu ändern.                                         gendarmerie nicht mehr rot, sondern ist rot-weiß-rot
                                                          geworden, meine Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
     Seit Februar ist die Sicherheitsdirektion in St.
Pölten. Die Betroffenen sind weitestgehend sehr                Ich danke allen, die mitgetragen haben, dass
zufrieden. Es konnten bei dieser Übersiedelung            wir diese optimale Organisation zustande gebracht
auch bereits die Vorkehrungen getroffen werden,           haben. Ich danke den Gendarmen und Sicherheits-
für das Landesamt für Verfassungsschutz und Ter-          kräften in unserem Bundesland, dass sie einen so
rorismusbekämpfung. Und im kommenden Sep-                 wertvollen Beitrag leisten dafür, dass sich die Men-
tember wird es so weit sein, dass das Landesgen-          schen und Bewohner in unserem Bundesland und
darmeriekommando nach St. Pölten übersiedelt.             die Gäste wohl fühlen, dass sie sich sicher fühlen
                                                          und dass sie in unserem schönen Bundesland Nie-
     Das Land Niederösterreich und die zuständige         derösterreich gerne wohnen. In einer der sichersten
Abteilung unter Mag. Tretzmüller versucht gemein-         Regionen Europas und der ganzen Welt. (Beifall
sam mit den Verantwortlichen des Landesgendar-            bei der ÖVP.)
meriekommandos optimale Lösungen auch für die
Übersiedelung zu bringen. Ich möchte mich an                  Zweiter Präsident Sacher: Als Nächster ist
dieser Stelle auch bei allen Betroffenen herzlich         Herr Abgeordneter Friewald, zweite Wortmeldung,
bedanken für die Lösung, für die Gendarmeriemu-           gemeldet.
sik, die insbesondere auch von unserem Landes-
hauptmann sehr positiv begleitet wurde.                      Abg. Friewald (ÖVP): Herr Präsident! Hohes
                                                          Haus!
     Das Land Niederösterreich hat in die Adaptie-
rung dieser Räumlichkeiten 1,5 Millionen Euro in-              Ich darf dem Herrn Kollegen Waldhäusl nur
vestiert und wird jährlich für die Vermietung dieser      mitteilen, ich weiß nicht wo er die Komplexität oder
Räumlichkeiten, Räumlichkeiten inklusive Büromö-          Kompliziertheit beim Feuerwehrwesen in der Förde-
bel eine Miete von 1 Million Euro bekommen. Für           rung sieht. Egal wenn ich mir heute einen Schlauch
St. Pölten bedeutet das 330 hochqualifizierte zu-         kaufe oder was. Ich geh‘ auf die Gemeinde und
sätzliche Arbeitsplätze. Ein wahrliches Geschenk          lass‘ mir stempeln vom Bürgermeister, beantrage
an die Stadtgemeinde St. Pölten. (Abg. Kautz:             das, bekomme das ohne ein großes Verfahren,
Ohne Kommunalsteuer!)                                     ohne irgendwas. Auch beim Feuerwehrauto, egal,




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was in der Grundausrüstungsverordnung auch               ten, damit 1,5 % der Kfz-Haftpflichtversicherungs-
drinnen steht. In Wahrheit braucht es eine Unter-        prämien für die Feuerwehren zweckgewidmet wer-
schrift des Kommandanten und des Bürgermeisters          den.
und das geht den ganz normalen Ablauf. Sie ken-
nen sich nicht aus, deswegen behaupten Sie etwas              Der Landtag hat sich wiederholt mit der Erhö-
was kompliziert sein soll. Machen Sie es nicht           hung der Feuerschutzsteuer bzw. der Befreiung der
kompliziert wenn es nicht ist. Gottseidank ist da in     Feuerwehren von der Mehrwertsteuer befasst und
der Konsequenz das nicht notwendig. (Unruhe bei          den Bund aufgefordert, in der Sache tätig zu wer-
Abg. Waldhäusl.)                                         den.
Ich weiß nur, dass es ganz einfach geht. Ich habe
das alles schon durchgezogen. Also ohne Prob-                 Sollte die Erhöhung der Feuerschutzsteuer
leme. (Abg. Waldhäusl: Dass der Landesfeuer-             nicht möglich sein, wäre zu überlegen, die An-
wehrverband zustimmen muss weißt du auch                 schaffungen für Feuerwehrzwecke von der Mehr-
nicht? Dass der prüfen muss?)                            wertsteuer zu befreien. Die Mehrwertsteuer stellt
                                                         eine große Belastung für die Budgets der Feuer-
     Es gibt eine Mindestausrüstungsverordnung,          wehren bzw. der Gemeinden dar.
da muss das drinnen sein. Es kann nicht so sein
dass ich sage, ich sage jetzt ein Beispiel: Ich habe         Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
eine Feuerwehr in Pixendorf. Wir haben zwar 45
aktive Mitglieder, für eine Ortschaft mit 203 Ein-           Der Hohe Landtag wolle beschließen:
wohnern ist das sehr stark. Aber in der Form habe
ich es nicht notwendig dass ich 40 Feuerwehrautos            Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert, im
kaufe. Weil da müsste mir einer sagen, das hinter-       Sinne der Antragsbegründung neuerlich an den
fragen wir sehr wohl. Also eine Kontrolle muss da        Bundesminister für Finanzen heran zu treten und
sein, Herr Kollege. Glauben Sie, dass man ohne           ihn zu ersuchen, die Feuerschutzsteuer entspre-
Kontrolle da wirtschaften soll? Wären wir aber alle      chend dem Beschluss der Landeshauptleutekonfe-
sehr verlassen. Das können nur die Freiheitlichen,       renz vom 6. April 2001 und der Zusage gegenüber
glaube ich, fordern, sonst niemand. (Beifall bei der     dem österreichischen Bundesfeuerwehrverband
ÖVP. – Abg. Waldhäusl: Das geht in anderen Bun-          von 8 bis 10 % zu erhöhen oder, wenn diese Maß-
desländern auch!)                                        nahmen innerhalb einer Frist von einem Jahr nicht
                                                         durchgeführt werden können, die Feuerwehren bei
     Ich darf einen Resolutionsantrag zur Gruppe 1,      Anschaffungen für Feuerwehrzwecke von der
Voranschlag des Landes Niederösterreich betref-          Mehrwertsteuer zu befreien.“
fend Erhöhung der Feuerschutzsteuer bzw. Befrei-
ung der Feuerwehren von der Mehrwertsteuer ein-              (Beifall bei der ÖVP.)
bringen (liest:)
                                                               Zweiter Präsident Sacher: Als Nächstem er-
                  „Resolutionsantrag                     teile ich Herrn Abgeordneten Findeis das Wort.

     der Abgeordneten Friewald, Cerwenka,                    Abg. Findeis (SPÖ): Sehr geehrter Herr Prä-
Mag.Fasan und Waldhäusl zur Gruppe 1 des Vor-            sident! Werte Kolleginnen! Werte Kollegen im NÖ
anschlages des Landes Niederösterreich für das           Landtag!
Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Erhöhung der
Feuerschutzsteuer bzw. Befreiung der Feuerweh-                Wenn man mit Menschen redet, kann man
ren von der Mehrwertsteuer.                              feststellen, sie erwarten sich soziale Sicherheit, ein
                                                         gutes Bildungswesen, ordentliche medizinische
     Die Beschaffung, Instandhaltung und der Be-         Versorgung und Schutz für Leib und Eigentum vom
trieb der erforderlichen Feuerwehrausrüstung, aber       Staat. Als Sicherheitssprecher möchte ich mich mit
auch die Ausbildung für die Einsatzaufgaben be-          dem Wunsch, mit der Erwartung nach Sicherheit,
dingt neben dem ohnehin im sehr hohen Ausmaß             den unsere Landsleute legitimerweise haben, be-
geleisteten freiwilligen Einsätzen hohe finanzielle      schäftigen.
Aufwendungen. Es wäre daher erforderlich, rasch
eine entsprechende Lösung im Sinne der Stärkung               Die Kriminalstatistik steigt, die Aufklärungs-
der Finanzkraft der Feuerwehren zu finden.               quote sinkt. Und die Verunsicherung bei den Exe-
                                                         kutivbeamtinnen und –beamten ist sehr groß. Für
    Der Landtag von Niederösterreich hat daher           mich als Sicherheitssprecher und als Mitglied der
bereits am 29.Juni 2000 die NÖ Landesregierung           Exekutive eine traurige Bilanz. Mit immer weniger
aufgefordert, an die Bundesregierung heranzutre-         Personal müssen immer mehr und immer schwieri-




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


gere Aufgaben von der Exekutive bewältigt werden.             Jetzt geht es um die Zusammenlegung von
Die Kolleginnen und die Kollegen leisten Hervorra-       Polizei, Gendarmerie und Zollwache. Wieder
gendes. Sie riskieren Tag für Tag bei jedem Wetter       herrscht Besorgnis und Unruhe unter den Kollegin-
und bei jeder Tages- und Nachtzeit ihre Gesund-          nen und Kollegen. Wie wird das neue Dienstrecht
heit, ja ihr Leben. Sie helfen bei Verkehrsunfällen,     aussehen? Wird auf die besonderen Belastungen
versuchen durch Beratung der Bevölkerung Straf-          wie Nachtdienste usw. eingegangen werden? Wa-
taten zu verhindern, schützen die Grenzen,               rum werden nicht alle Zollwachebeamtinnen und –
schlichten Streitereien und klären Verbrechen auf.       beamte überstellt? Es gibt 2050 Zollwachebeamtin-
Sie sorgen für die Sicherheit von Leib und Eigen-        nen und –beamte, 1030 werden nur überstellt in
tum.                                                     den Exekutivdienst und die Hälfte soll angeblich in
                                                         die Verwaltung kommen, was ein sehr großer fi-
     Dafür möchte ich ihnen von dieser Stelle Dank       nanzieller Verlust für die Kolleginnen und Kollegen
und Anerkennung aussprechen. Die Sicherheit der          darstellt.
Menschen ist ein hohes Gut. Bei der Sicherheit darf
nicht laufend eingespart werden, dürfen nicht lau-
                                                              Wir erfüllen täglich eine schwierige Aufgabe,
fend Umstrukturierungen vorgenommen werden die
                                                         wir sind täglich für die Sicherheit der Menschen da.
alle verunsichern. Die Menschen müssen sich auf
                                                         Ich fordere klare Information, wie das Sicherheits-
die Polizei, die Gendarmerie und die Zollwache
                                                         konzept in Zukunft aussehen wird. Und wann es
verlassen können. Auf der anderen Seite müssen
                                                         genügend Personal geben wird.
sich die Beamtinnen und Beamten darauf verlassen
können, dass sie mit genügend Personal und Gerät
ausgestattet sind um ihren Dienst für die Gemein-             Meine sehr geehrten Damen und Herren! Für
schaft ordentlich durchführen zu können.                 die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu sor-
                                                         gen ist eine der vordringlichsten Aufgaben des
     Tatsache ist, wir haben zu wenig Personal und       Staates. Nur staatliche Organe dürfen in einer De-
die laufenden Umstrukturierungen verunsichern die        mokratie mit der Durchsetzung von Gesetzen, mit
Kolleginnen und Kollegen. Ich erwähne nur zwei           der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung be-
Namen, die für willkürliche Abberufung und Verset-       traut sein. Eine Privatisierung dieser Grundaufgabe
zung stehen: Strohmayer und Schnabl. Zwei her-           des Staates schließen wir unmissverständlich aus.
vorragende Beamte, die plötzlich nicht mehr ge-          Jeder Innenminister und jede Bundesregierung hat
passt haben. So kann man mit Menschen einfach            für ausreichendes Personal und Ressourcen zu
nicht umgehen. Hier wird umstrukturiert um ge-           sorgen. Es muss wieder Ruhe in die Exekutiv-
nehme Personen in Funktionen zu bringen. In einer        verbände einkehren. Parteipolitik und Parteitaktik
Exekutive haben aber politische Besetzungen oder         hat in der Sicherheitspolitik nichts verloren. (Beifall
Abberufungen nichts verloren. Der oder die Beste         bei der SPÖ.)
hat leitende Funktion zu erhalten.
                                                             Wir Beamtinnen und Beamte stehen zum
     Wir haben auch zu wenig Personal um unsere
                                                         Schutz der Menschen bereit. Meine Sorge gibt mir
Aufgaben wirklich erfüllen zu können. Die Diskus-
                                                         Recht wenn man sich die Kriminalstatistik an-
sion über die Zusammenlegung von Polizei, Gen-
darmerie und Zollwache verunsichert, zugleich            schaut. Nie zuvor wurde in Österreich soviel ge-
nehmen aber die Delikte zu. Die Niederösterreiche-       stohlen, geraubt und eingebrochen wie im Vorjahr.
                                                         Nur mehr vier von 10 Fälle werden aufgeklärt.
rinnen und Niederösterreicher haben aber ein
                                                         Wenn ich hier einige nenne, Fälle insgesamt im
Recht dass ein Gendarm da ist wenn sie ihn brau-
                                                         Jahr 2000 517.000, 2001 523.000 und 2002
chen. Sie haben ein Recht darauf, dass die Grenze
gesichert ist. Und Sie haben ein Recht, in Sicher-       592.000. Ein Plus von 13,2 Prozent. Ermittelte Ver-
heit leben zu können.                                    dächtige 2000 182.000, 2001 204.000, 2002
                                                         211.000. Ein Plus von 3,4 Prozent. Schwerer Dieb-
     Täglich lesen wir von dutzenden Aufgriffen an       stahl: Im Jahr 2000 4.580 Fälle, 2001 schon 5.387
unserer Grenze. Die Beamtinnen und Beamten,              und 2002 5.746. Diebstahl durch Einbruch: Im Jahr
aber auch das Bundesheer leisten hervorragende           2001 83.500, 2002 97.386. Ein Plus von 16,6 Pro-
Arbeit. Bei uns im Bezirk Mistelbach kommen 100          zent. Gewerbsmäßiger Diebstahl und Bandendieb-
Beamte, inklusive Urlaube, Krankenstände usw. auf        stahl: 2001 4.049 und 2002 5.398. Das ergibt ein
zirka 100 Kilometer Grenze. Wir können nicht über-       Plus von 31,7 Prozent. Oder schwerer Raub im
all sein und wir können nicht garantieren, dass die      Jahr 2000 818 Fälle, 2001 749 und 2002 966. Auch
Überwachung lückenlos ist. Die Personalnot muss          das ergibt ein Plus von 26 Prozent. Diese Daten
klar angesprochen werden. Hier wird am völlig fal-       müssen einem zu denken geben. Danke für Ihre
schen Platz gespart.                                     Aufmerksamkeit! (Beifall bei der SPÖ und FPÖ.)




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Zweiter Präsident Sacher: Die Letzte in der          die ich von vielen Freiwilligen bekomme. Ja, ich
Rednerliste zu diesem Kapitel ist Frau Abgeordnete       hätte gerne einmal eine Anerkennung gehabt. Dar-
Rinke. Ich bitte ums Wort.                               über hinaus, das Finanzielle wird sich in irgendeiner
                                                         Weise lösen. Nur, wir können nicht verzichten eben
    Abg. Rinke (ÖVP): Hoher Landtag! Sehr ge-            auf die Festigung des sozialen Zusammenhalts hier
ehrter Herr Präsident!                                   in Niederösterreich. Und das wünsche ich mir von
                                                         ganzem Herzen. Dankeschön! (Beifall bei der
    Das Jahr 2001 war das Jahr der Freiwilligen.         ÖVP.)
Darauf folgend das Jahr 2002 konnte das Jahr der
Freiwilligen hier den Einsatz in Niederösterreich            Zweiter Präsident Sacher: Es gibt doch wei-
unter Beweis stellen. Und das in einer so großarti-      tere Wortmeldungen. Herr Abgeordneter Mag.
gen Art und Weise, wie wir es nie zu hoffen wagten.      Ram.
Nicht nur die hier angesprochenen Gendarmerie,
Feuerwehr, Rettung, sondern auch darüber hinaus              Abg. Mag. Ram (FPÖ): Geschätzter Herr Prä-
die Freiwilligkeit in den Vereinen, die Non-Profit-      sident! Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Organisationen, die ich jetzt von meiner Seite ganz
kurz beleuchten möchte.                                       Im Laufe dieser Debatte bei diesem Budget-
                                                         punkt hat sich ja einiges getan, vor allem bei den
      Vergelts Gott, unbezahlt ist unbezahlbar! In       Verhandlungen rund um die Resolutionsanträge.
diesem Rahmen arbeiten eben die Non-Profit-              Und ich darf für meinen Kollegen Waldhäusl den
Organisationen. Selbsthilfegruppe, Nachbarschafts-       Resolutionsantrag bezüglich einer Umsatzsteuer-
hilfe, Sterbebegleitung, Dorfverschönerung und so        befreiung für Geräteanschaffungen der Feuerweh-
weiter und so fort. Und wem von Ihnen, die in der        ren einmal zurückziehen, da es einen gemeinsa-
Kommunalpolitik tätig sind, ist es nicht schon ein-      men Antrag mit den Fraktionen der ÖVP und der
mal so ergangen, wenn man schnell einmal Hilfe           SPÖ gibt. Ebenso ziehen wir den Resolutionsan-
brauchte, ein Serviceklub ist immer wo da. Volks-        trag zurück betreffend des Assistenzeinsatzes des
hilfe, Hilfswerk, Caritas und so weiter und so fort.     Österreichischen Bundesheeres in Niederösterreich
Man kann anrufen und sagen, ich habe da ein              zur Sicherung der EU-Außengrenze.
Problem, könnt ihr mir helfen.
                                                              Jetzt möchte ich einen neuen Resolutionsan-
     Es ist auch im Jahr der Freiwilligen dann eini-     trag einbringen und zwar der Abgeordneten Wald-
ges an gesetzlichen Rahmenbedingungen ge-                häusl, Mag. Ram, Ing. Hofbauer und Findeis
schaffen worden, sodass auch die Vereinsobleute          betreffend Assistenzeinsatz des Österreichischen
sich sicherer fühlten und auch die Möglichkeit war       Bundesheeres in Niederösterreich zur Sicherung
in dieser freiwilligen Organisation weiter zu gehen.     der EU-Außengrenze (liest:)
Darüber hat das Land auch in seinen Förderungs-
maßnahmen gerade in diesem Bereich bei Kinder-                              „Resolutionsantrag
betreuung nachgesetzt und hat diese Vereine in
besonderer Weise auch gefördert und das war                  der Abgeordneten Waldhäusl, Mag. Ram, Ing.
auch sehr sinnvoll.                                      Hofbauer und Findeis zur Gruppe 1 des Voran-
                                                         schlages des Landes Niederösterreich für das Jahr
     Nämlich in einem Land, wo 70.000 Freiwillige,       2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Assistenzeinsatz des
zirka 1.600 niederösterreichische Feuerwehren bei        Österreichischen Bundesheeres in Niederösterreich
Notfällen und Katastrophen helfen, wo zirka 17.000       zur Sicherung der EU-Außengrenze.
aktive Vereine 70 Millionen Stunden Arbeitsausmaß
von 330.000 Freiwilligen erledigen. Darauf darf man           Die Überwachung der 414 Kilometer langen
nicht verzichten. Das ist ein Budgetrahmen den wir       EU-Außengrenze Niederösterreichs war und ist
gar nicht erstellen könnten. Und deswegen ersuche        Gegenstand politischer Diskussionen und medialer
ich Sie in aller Kürze, ich werde mich nicht mehr        Berichterstattungen. Für die betroffene niederöster-
weiter darüber ausbreiten, weil wir ja auch darüber      reichische Bevölkerung ist es nicht entscheidend,
Bescheid wissen. Ich ersuche Sie in den Kommu-           ob die Grenze ausschließlich von Beamten der
nen, aber auch darüber hinaus, dieses Freiwilligen-      Grenzgendarmerie gesichert oder durch einen As-
engagement zu ehren, zu achten, zu bedanken so           sistenzeinsatz des Österreichischen Bundesheeres
wie es jetzt auch Frau Landeshauptmannstell-             gewährleistet wird. Entlang der March hat man bei
vertreterin Liese Prokop im Bereich der Schutzen-        der Sicherung der Außengrenze mit der Assistenz-
gel gemacht hat. Denn nichts ist so wichtig als ei-      leistung des Bundesheeres sehr gute Erfahrungen
nem Ehrenamtlichen Dankeschön zu sagen. Und              gemacht, und seitens der Bevölkerung wird den
das ist wirklich auch immer wieder die Ansprache         Leistungen der Soldaten hohe Anerkennung ge-




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


zollt. Es kommt gegenüber früher jedoch zu mehr              Zweiter Präsident Sacher: Danke. Wir kom-
Aufgriffen an der Tschechischen Grenze.                  men nun zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über
                                                         die Gruppe 1, Öffentliche Ordnung und Sicherheit:)
    Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:      Das ist mit Mehrheit angenommen!
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:
                                                              Wir kommen nunmehr zur Abstimmung der
     Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert, im        zahlreichen Resolutionsanträge. Der Resolutions-
Sinne der Antragsbegründung mit den zuständigen          antrag 8 Cerwenka wurde zurückgezogen und er-
Stellen der Bundesregierung konkrete Verhandlun-         setzt. Wir kommen daher zum Resolutionsantrag
gen aufzunehmen, um den Assistenzeinsatz des             der Abgeordneten Friewald, Cerwenka, Mag. Fasan
Österreichischen Bundesheeres weiter zu führen.          und Waldhäusl betreffend Erhöhung der Feuer-
Bei diesen Gesprächen hat auch die Grenzsituation        schutzsteuer bzw. Befreiung der Feuerwehren von
an der NÖ Nordgrenze thematisiert zu werden, mit         der Mehrwertsteuer. (Nach Abstimmung über die-
der Option, das Bundesheer bei Bedarf entspre-           sen Resolutionsantrag:) Das ist einstimmig ange-
chend einzusetzen.“                                      nommen!

     Zweiter Präsident Sacher: Zu Wort gemeldet              Resolutionsantrag Nummer 9 des Abgeordne-
ist Herr Abgeordneter Cerwenka.                          ten Cerwenka betreffend Schaffung eines Fonds
                                                         zur Refundierung von Einkommensverlusten durch
    Abg. Cerwenka (SPÖ): Ich nehme Stellung zu           Beteiligung an Feuerwehreinsätzen außerhalb des
den Resolutionsanträgen. Ich ziehe den Antrag            eigenen Gemeindegebietes. (Nach Abstimmung
betreffend Umsatzsteuerbefreiung für Gerätean-           über diesen Resolutionsantrag:) Das ist die Min-
schaffungen der Feuerwehren zurück. Nachdem,             derheit. Der Antrag ist abgelehnt!
wie schon erwähnt, es hier zu einer Vierparteienei-
nigung gekommen ist, wo jetzt eine Befristung in-
                                                             Der Antrag Waldhäusl und Mag. Ram Umsatz-
nerhalb eines Jahres inkludiert ist und damit große
                                                         steuerbefreiung für Geräte-Anschaffung der Feuer-
Chancen auf eine Umsetzung bestehen.
                                                         wehren wurde zurückgezogen. Resolutionsantrag
                                                         11 der Abgeordneten Waldhäusl und Mag. Ram
     Zum Resolutionsantrag der Abgeordneten              Befreiung der Rettungsorganisationen und der
Waldhäusl und Mag. Ram betreffend Befreiung der          Feuerwehren von der Entrichtung des AKM-Beitra-
Rettungsorganisation und der Feuerwehren von der         ges. (Nach Abstimmung über diesen Resolutions-
Entrichtung des AKM-Beitrages werden wir nicht           antrag:) Das ist die Minderheit. Der Antrag ist ab-
mitstimmen, nachdem das in ganz andere Kompe-
                                                         gelehnt!
tenzbereiche bundesgesetzlicher Natur fällt. Und
der Resolutionsantrag betreffend Assistenzeinsatz
des Österreichischen Bundesheeres, dem tritt der              Der ursprüngliche Antrag 12 zum Assistenz-
Abgeordnete Findeis bei. (Beifall bei der SPÖ.)          einsatz von Abgeordneten Waldhäusl und Mag.
                                                         Ram wurde zurückgezogen. Ersetzt durch den
     Zweiter Präsident Sacher: Damit ist die Red-        Antrag 12a, Antrag der Abgeordneten Waldhäusl,
nerliste zur Gruppe 1 erschöpft. Der Herr Berichter-     Mag. Ram, Ing. Hofbauer und Findeis zur Gruppe
statter hat das Schlusswort.                             1, betreffend Assistenzeinsatz des Österreichi-
                                                         schen Bundesheeres in Niederösterreich zur Siche-
    Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Ich             rung der EU-Außengrenze. (Nach Abstimmung
verzichte!                                               über diesen Resolutionsantrag:) Das ist mit Mehr-
                                                         heit angenommen!
     Zweiter Präsident Sacher: Daher darf ich nun
den Herrn Berichterstatter bitten, den Antrag zur            Resolutionsantrag 13 des Abgeordneten Frie-
Gruppe 1, Öffentliche Ordnung und Sicherheit, zu         wald zur Gruppe 1, betreffend Erhöhung der Feuer-
stellen.                                                 schutzsteuer bzw. Befreiung der Feuerwehren von
                                                         der Mehrwertsteuer ist zurückgezogen worden.
     Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Ich
stelle den Antrag, die Gruppe 1, Öffentliche Ord-            Damit ist dieses Budgetkapitel beendet und ich
nung und Sicherheit, Ausgaben von 18,609.000             ersuche den Berichterstatter, Herrn Abgeordneten
Euro und Einnahmen von 3,327.500 Euro zu ge-             Doppler, zur Gruppe 2, Unterricht, Erziehung, Sport
nehmigen.                                                und Wissenschaft zu berichten.




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     Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Die                                 „Resolutionsantrag
Gruppe 2, Unterricht, Erziehung, Sport und Wis-
senschaft, umfasst die Einnahmen und Ausgaben                  der Abgeordneten Mag. Ram und Waldhäusl
für die gesonderte Verwaltung, den allgemein bil-          zur Gruppe 2 des Voranschlages des Landes Nie-
denden Unterricht, den berufsbildenden Unterricht          derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,
einschließlich Anstalten der Lehrer- und Erzieher-         betreffend Abschaffung der Landes- und Bezirks-
bildung, die Unterrichtsförderung, die vorschulische       schulräte.
Erziehung, die außerschulische Jugenderziehung,
den Sport und die außerschulische Leibeserzie-                 Zur Zeit findet eine öffentliche Diskussion über
hung, die Erwachsenenbildung sowie für Forschung           Einsparungsmöglichkeiten und Einsparungspläne
und Wissenschaft.                                          im Schulbereich statt. Dabei ist auch die Streichung
                                                           von Unterrichtsstunden im Gespräch. Bevor man
    Ausgaben von 1.024,261.600 Euro stehen                 über solche Maßnahmen konkret nachdenkt, sollte
Einnahmen von 812,461.700 Euro gegenüber. Der              man Einsparungspotentiale im Bereich der Landes-
Anteil der Ausgaben am Ausgabenvolumen beträgt             und Bezirksschulräte berücksichtigen. Unterrichts-
22,21 Prozent.                                             ministerin Gehrer fordert sogar die ersatzlose Strei-
                                                           chung.
    Ich bitte, die Debatte einzuleiten.
                                                               Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
     Zweiter Präsident Sacher: Danke für den Be-
richt. Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gelangt Herr           Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Abgeordneter Mag. Ram.
                                                               Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert, ein
    Abg. Mag. Ram (FPÖ): Geschätzter Herr Prä-             Konzept zur Abschaffung der Landes- und Bezirks-
sident! Meine sehr verehrten Damen und Herren!             schulräte zu erstellen.“

     Wir kommen zum Kapitel Unterricht, Erzie-                   Geschätzte Damen und Herren! Um die Qua-
hung, Sport und Wissenschaft. Da ist einerseits            lität im Unterricht auch in Zukunft sicherzustellen,
anzumerken, dass gerade der Unterrichtsbereich             ist es sicherlich notwendig, die Klassenschüler-
Gegenstand von öffentlichen Diskussionen im Mo-            höchstzahlen zu senken. Im Zusammenhang mit
ment dasteht bezüglich Einsparungsmöglichkeiten.           den Klassenschülerhöchstzahlen ist zu erwähnen,
Die Unterrichtsministerin Gehrer hat ja öfter in den       dass die Bezüge der Lehrer gestiegen sind. Und
Medien in letzter Zeit Einsparungspotenziale geor-         zwar von 533 Millionen Euro auf über 546 Millionen
tet und es gibt hier verstärkte Einsparungsbemü-           Euro. Ich glaube, dass diese Steigerung bei den
hungen.                                                    Bezügen sicherlich einen Grund dafür darstellen
                                                           muss, dass es zur Senkung der Klassenschüler-
     Ich darf seitens unserer Fraktion einmal fest-        höchstzahlen kommen sollte.
stellen, dass wir uns gegen die Streichung von
Schulstunden wehren, weil wir glauben, dass die                 Bedauerlich in diesem Budgetposten ist es,
Streichung von Schulstunden sicher kein optimales          und das habe ich heute schon erwähnt, dass das
Einsparungsmittel darstellt, weil hier die Schüler auf     Behinderteneinstellungsgesetz nicht berücksichtigt
der Strecke bleiben.                                       wird. Dem Behinderteneinstellungsgesetz wird nicht
                                                           Rechnung getragen, das Land kauft sich frei und
     Besonders natürlich gefährlich wäre die Strei-        das, glaube ich, ist wirklich keine Art und Weise wie
chung von Schulstunden dort wo es leider viel zu           man mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen
oft geschieht, dass man Streichungen vornimmt,             umgehen sollte.
nämlich im Bereich des Sportes. Gerade der Schul-
sport ist für uns alle und vor allem für die Gesell-             (Präsident Mag. Freibauer übernimmt den Vor-
schaft von enormer Bedeutung.                              sitz.)

       Geschätzte Damen und Herren! Es gibt aber                Wie Sie wissen, liegt uns besonders der Be-
andere Einsparungspotenziale in der Unterrichtspo-         reich der Kinderbetreuung am Herzen. Ich habe es
litik, im Unterrichtsbereich die man sehr wohl an-         heute auch schon erwähnt. Im Bereich der Kinder-
greifen kann. Ein solches Einsparungspotenzial             betreuung ist sehr viel passiert. Es ist sehr viel
sind die Gremien. Die Gremien der Landes- und              passiert in Österreich mit dem Kindergeld, es ist
Bezirksschulräte. Ich darf deswegen sofort einen           aber auch sehr viel passiert im Bundesland Nieder-
Resolutionsantrag einbringen (liest:)                      österreich.




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      Wir sind jedoch dennoch der Meinung, dass           welch großartige Leistungen in diesem Bereich in
die Kinderbetreuungsmöglichkeiten, insbesonders           den letzten Jahren vollzogen worden sind.
die Wahlfreiheit, ausgebaut werden sollte. Und
deswegen bringen wir auch hier einen Resolutions-              Ein wesentlicher Punkt von uns ist noch die
antrag ein. Und zwar folgenden Resolutionsantrag          Erwachsenenbildung. Vor allem im Bereich mit der
(liest:)                                                  EU-Osterweiterung, die ja unsere große Herausfor-
                                                          derung darstellt. Auch im Bereich der Erwachse-
                   „Resolutionsantrag                     nenbildung ist zu sagen, dass dieser Betrag der
                                                          hier veranschlagt ist sehr gering ist und im Ver-
    der Abgeordneten Mag. Ram und Waldhäusl               gleich zu anderen Bundesländern eher ein sehr
zur Gruppe 2 des Voranschlages des Landes Nie-            geringer Ansatz darstellt. Deswegen bringen wir
derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,             auch hier einen Resolutionsantrag ein (liest:)
betreffend Einführung eines Kindergartengut-
scheins im Bundesland Niederösterreich.                                     „Resolutionsantrag

      Die Einführung des Bundeskindergeldes er-               der Abgeordneten Mag. Ram und Waldhäusl
spart Aufwendungen im Familienbudget des Lan-             zur Gruppe 2 des Voranschlages des Landes Nie-
des Niederösterreich. Um die für Wirtschaftsstand-        derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,
ort und Sozialstaat dringend notwendige Familien-         betreffend Erwachsenenbildung im Bundesland
offensive auf Länderebene fortzusetzen, muss der          Niederösterreich.
eingesparte Betrag weiterhin den Familien direkt
vorbehalten bleiben. Es bietet sich die Möglichkeit            Weiterbildung ist eine der bedeutendsten
einen Qualitätssprung in der Betreuung der 3- – 6-        Maßnahmen zur Absicherung des Wirtschafts-
jährigen Kinder zu erzielen. Obwohl NÖ mit Kin-           standortes geworden. Doch darf diese nicht nur im
dergartenplätzen für 3- – 6-Jährige gut ausgestattet      wirtschaftlichem Zusammenhang gesehen werden,
ist, gibt es einen gravierenden Mangel: Die üblichen      sie hat auch enorme gesellschaftliche und kulturelle
Öffnungszeiten sind meist nicht an die Berufsar-          Bedeutung. Im Voranschlag des Landes Nieder-
beitszeiten der Eltern angepasst.                         österreich ist der Ansatz 27900 mit € 943.900,-
                                                          dotiert. Diese Summe ist im Vergleich zu den ande-
     Damit in Hinkunft Mutterschaft und Beruf bes-        ren Bundesländern sehr gering. Die Verwendung
ser vereinbart werden kann, wäre eine flexiblere,         der Mittel sollte in eine Basisförderung der Erwach-
arbeitsmarktgerechtere Lösung gefragt. Eltern wis-        senenbildungseinrichtungen und in eine Subjekt-
sen, welche Betreuung ihren und den Bedürfnissen          förderung der Teilnehmer geteilt werden.
ihrer Kinder am besten gerecht wird. Eine Lösung,
die Wahlfreiheit gibt, ist daher anzustreben. Als             Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
Modell bietet sich die Finanzierung über einen Gut-
schein an, der in allen qualifizierten Betreuungsein-         Der Hohe Landtag wolle beschließen:
richtungen (Landeskindergärten, Privatkindergär-
ten, Betriebskindergärten, Tagesmütter, von Eltern            Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert, der
geleitete Kindergruppen) eingelöst werden kann.           Erwachsenenbildung verstärkt Bedeutung zuzu-
Nach Expertenmeinung wäre diese Umstellung                messen, materiell und immateriell in höherem
kostenneutral zu verwirklichen.                           Ausmaß zu unterstützen und den Budgetansatz
                                                          höher zu dotieren.“
    Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
                                                               Geschätzte Damen und Herren! In diesem Ka-
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                   pitel finden wir auch den Bereich Forschung und
                                                          Wissenschaft. Zu diesem Bereich ist zu sagen,
    Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert, im          dass hier bedeutend weniger veranschlagt ist. Und
Sinne der Antragsbegründung die zur Einführung            zwar 800.000 Euro weniger als im letzten Jahr.
eines Kindergartengutscheins erforderlichen Maß-
nahmen zu treffen.“                                            Meine geschätzten Damen und Herren! Ich
                                                          glaube, dass gerade im Bereich Forschung und
     Geschätzte Damen und Herren! Über die posi-          Wissenschaft mehr passieren muss um ganz ein-
tive Entwicklung im Sportbereich unter Landes-            fach Impulse zu setzen um unser Bundesland fit zu
hauptmannstellvertreterin Prokop habe ich schon           machen. Fit gegenüber der Herausforderung durch
ausführlich Stellung genommen. Ich glaube, dass           die EU-Osterweiterung. Es mangelt in diesem Be-
es hier auch wirklich positiv erwähnt werden muss         reich vor allem an innovativer Forschung. Auf




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diesen Mangel sind wir schon eingegangen. Und           Angebote im Zuge des Schulprofils gegeben hat,
gerade dieser Mangel ist auch ein Punkt der dazu        dass man an die herangegangen ist weil man sich
beiträgt, dass wir diesem Budget nicht zustimmen.       in anderen Gegenständen nicht einigen konnte und
                                                        diese gekürzt hat. Das heißt, es werden für
    Präsident Mag. Freibauer: Zum Wort gelangt          Schülerinnen attraktive Angebote in den nächsten
Herr Abgeordneter Weiderbauer.                          Jahren nicht zur Verfügung stehen und das kann es
                                                        in Wirklichkeit nicht sein.
    Abg. Weiderbauer (Grüne): Sehr geehrter
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren!               Eine Tatsache, die Nicht-Insidern vielleicht
                                                        nicht so bekannt ist, ist die Änderung der Verhält-
     Ich nehme zuerst einmal Stellung zum Resolu-       niszahlen zwischen Lehrerinnen und Schülerinnen.
tionsantrag des Kollegen Mag. Ram. Lieber Kol-          Das heißt, diese Verhältniszahlen werden angeho-
lege, ich halte diesen Antrag schon für sehr verwe-     ben. Es gibt immer mehr Schülerinnen pro Lehrer
gen, gleich beide Institutionen abzuschaffen. Es        oder Lehrerin. Was auch wieder mit sich bringt,
steckt sicher einiges an Einsparungspotenzial drin-     dass Dienstposten abgebaut werden müssen und
nen, aber hier sollte man doch genauer überlegen        vor allem - und das wird sich in der nächsten Zeit
bevor man so eine Forderung aufstellt.                  fatal auswirken – es werden keine Junglehrerinnen
                                                        mehr angestellt werden. Das heißt, wir werden in
      Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn es            den nächsten zehn Jahren keine Junglehrerinnen
wirklich so ist, dass das Budget ein in Zahlen ge-      anstellen können. Wir haben eine enorme Überalte-
gossenes Programm der Landesverantwortlichen            rung in den Lehrkörpern. Und bei diesen Aufgaben,
ist, dann gehen mir bei dieser Budgetgruppe einige      die auf die Lehrerinnen zukommen und in den
ganz wichtige Dinge ab. Kollege Mag. Ram hat das        letzten Jahren zugekommen sind, stelle ich mir das
auch schon angesprochen. Es sind in der letzten         nicht lustig vor, mit diesen Lehrern das bewältigen
Zeit auf Grund der Budgetbegleitgesetze einige          zu können.
Einsparungsmaßnahmen im Bildungsbereich haben
stattgefunden. Und ich möchte dazu einiges aus-             Die ganze Situation wird verschärft jetzt noch
führen.                                                 dadurch, dass die sinkenden Geburtenzahlen auch
                                                        auf uns zukommen. Meiner Meinung nach konnte
     Vor zwei Jahren wurde ein neues Lehrer-            das eigentlich keine Überraschung sein, denn Ge-
dienstgesetz eingeführt. Es wurde uns so verkauft,      burtenzahlen sind ja doch relativ leicht insofern
dass die Arbeit der Lehrerinnen transparenter ge-       voraus zu berechnen als dass man weiß, nach
macht werden sollte und vergleichbarer mit ande-        sechs Jahren kommen diese Schülerinnen in die
ren Beamten. Was in Wirklichkeit dahinter gesteckt      Volksschule. Und wenn ich mir die Reaktionen in
ist, sind Einsparungsmaßnahmen. Es ist so, dass         meinem Bezirk oder in Niederösterreich anschaue,
die Klassenvorstandsstunden abgewertet wurden.          wo Bürgermeister, die zum Teil selber auch Lan-
Sie wurden aus der Lehrverpflichtung herausge-          despolitiker sind, jetzt auf die Barrikaden steigen
nommen. Es wurde de fakto die Lehrverpflichtung         um zu verhindern dass Schulstandorte geschlossen
erhöht und damit verbunden ein Abbau von Dienst-        werden, gewinne ich so den Eindruck als hätte sie
posten.                                                 das völlig unvorbereitet getroffen.

     Die Stundenkürzungen, die vor einigen Wo-               Zu der Schließung der Schulstandorte: Natür-
chen beschlossen worden sind, sind meiner Mei-          lich wird es nicht möglich sein, alle Schulstandorte
nung nach oder unserer Meinung nach nicht päda-         zu halten. Es ist unmöglich, mit Volksschulklassen,
gogisch konzipiert. Sie zielen auch allein darauf       mit ersten Klassen von 5, 6 Schülerinnen die nur
aus, hier Einsparungen vorzunehmen und Dienst-          mehr da sind, diese Schulstandorte zu halten, ver-
posten abzubauen. Grundsätzlich ist gegen Stun-         ständlich. Da ist es mir noch lieber, wenn man zum
denkürzungen für Schülerinnen sicher nichts ein-        Abteilungsunterricht zurückkehrt. Das heißt, 1., 2.
zuwenden. Aber wenn dahinter steckt, Dienstpos-         Klasse, 3., 4. Klasse zusammenfasst um Schul-
ten abzubauen und Einsparungen zu setzen, sind          standorte halten zu können. Im Burgenland sind
sie für uns nicht zu akzeptieren. (Beifall bei den      das 70 Prozent der Volksschulen die so arbeiten.
Grünen und Mag. Ram.)                                   Und bei dementsprechender Ausbildung der Lehre-
                                                        rinnen ist das durchaus möglich das auch zu be-
    Noch dazu mit dem Hintergrund, dass die             wältigen.
Schulen und die Lehrerinnen aufgefordert wurden,
selbst zu erarbeiten wo sie ihre Stundenkürzungen            Ein Problem das zusätzlich noch auftreten wird
vornehmen werden. Das hat unter Umständen auch          und das Kosten verursachen wird und im Budget
dazu geführt, dass es in Schulen wo es attraktive       nicht zu finden ist, sind die Transportkosten. Was




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


passiert wenn Schulstandorte geschlossen werden            Landesregierung und des Landtages, diese Ver-
und Schülerinnen in andere Schulen transportiert           eine zu unterstützen. Nämlich mit dem Hintergrund,
werden müssen? Es ist nicht zumutbar, dass Fami-           wenn ich will, dass sich Eltern aktiv ins Schulsys-
lien, Privatpersonen, diesen Transport unterneh-           tem einbringen und mitdiskutieren, dann muss ich
men. Das heißt, man wird auch hier aktiv werden            sie dementsprechend auch ausbilden und Kurse
müssen um diese Transporte zu organisieren.                und Seminare für sie veranstalten. Und das könn-
                                                           ten die Verbände der Elternvereine sehr gut regeln,
       Was mir in diesem Budget ebenfalls abgeht.          weil sie einfach die Strukturen übers ganze Land
Es gibt einige Hinweise für Ausbauprogramme für            verteilt haben. Aber ohne personelle und finanzielle
landwirtschaftliche Fachschulen, für Landesberufs-         Ressourcen wird ihnen das sehr schwer fallen.
schulen. Was ich nicht finde in diesem Budget be-          (Beifall bei den Grünen und Abg. der SPÖ.)
trifft den Ausbau der Polytechnischen Schulen. Ich
weiß, Polytechnische Schulen sind seit ihrer Ent-               Zum Abschluss ein Gedanke zur Sportförde-
stehung ein heißes Thema und man konnte sich nie           rung. Auch hier möchte ich anregen, dass man das
darauf einigen, will man sie weiter erhalten oder will     Gender-Prinzip sich sehr gut anschaut. Ich kenne
man sie abschaffen. Mittlerweile hat man sie so            einen speziellen Fall, wo Volleyballmannschaften
reformiert, dass echte Polytechnische Schulen eine         für Mädchen ungleich schlechter beteilt werden als
gute Alternative bzw. eine Vorbereitung fürs Be-           Volleyballmannschaften von Burschen. Das wun-
rufsleben sind. Nach wie vor gibt es aber sehr viele       dert mich, weil die Mädchen viel erfolgreicher sind
angeschlossene Polytechnische Schulen, die ein-            in dieser Sportart und das könnte oder sollte man
fach auf Grund ihrer Infrastruktur das nicht bewälti-      ändern. Das sollte eigentlich nicht so sein.
gen können was man von solchen Schulen ver-
langt.                                                         Abschließend habe ich beim Behinderten- und
                                                           Versehrtensport gefunden, und das freut uns sehr,
     Daher vermisse ich in diesem Budgetvoran-             von 10.900 Euro eine Steigerung auf 45.000 Euro.
schlag ein Ausbauprogramm für Polytechnische               Die Frage ist nur, ich habe im Anhang gefunden
Schulen und hoffe, dass das demnächst passieren            Jahr der Behinderten. Das war der einzige Kom-
wird. (Zwischenruf bei Abg. Kautz.)                        mentar. Heißt das, findet das nur heuer statt oder
Bei uns im Bezirk ist es vor der Wahl eine intensive       wird es das hoffentlich in Zukunft auch geben.
Diskussion gewesen und jetzt ist sie vom Tisch.            Danke schön! (Beifall bei den Grünen.)
     Ein weiteres Anliegen. Es gibt bei den Leiterin-
                                                               Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
nenbestellungen der Pflichtschullehrerinnen, aber
                                                           Herr Abgeordneter Dworak.
auch der Lehrerinnen höherer Schulen den soge-
nannten Objektivierungsprozess. Auch für Nicht-
Insider, glaube ich, bekannt. Es gibt ein Beratungs-           Abg. Dworak (SPÖ): Sehr geehrter Herr Prä-
büro, das diese Objektivierung leitet und auch dazu        sident! Hoher Landtag!
Stellung nimmt. Ich nehme an, dass das sehr viel
Geld kostet. Ich konnte im Budget die Zahlen dar-               Auf Grund des vorliegenden Budgetentwurfes
über was das wirklich ausmacht nicht finden. Stelle        2004 lässt sich der von Herrn Landesrat Mag.
das System deswegen in Frage, nicht weil ich ge-           Sobotka in seiner Rede angekündigte Schwerpunkt
gen eine Objektivierung bei Lehrerinnen bin, kei-          im Bereich Bildung für mich nicht nachvollziehen.
nesfalls, die gehörte ausgebaut. Aber wenn ich             Ich vermisse hier jeglichen Ansatz der für ein Land
vorher schon weiß, wer der nächste Leiter, die             mit Zukunft im Bereich Bildung und Forschung ste-
nächste Leiterin in einer Schule werden wird, dann         hen muss.
brauch‘ ich keine Objektivierung und soviel Geld
dafür auszugeben. (Beifall bei den Grünen.)                    Für den NÖ Pflichtschulbereich ist infolge der
                                                           Vereinbarung des Finanzausgleiches 2001 mit
    Was ich auch nicht gefunden habe im Budget-            einer Verringerung der Landeslehrerdienstposten
voranschlag ist Folgendes: Es gibt zwei Landes-            von rund 460 zwischen 2001 und 2004 zu rechnen.
verbände der Elternvereine. Diese Landesverbände           Hinzu kommt, dass sich die Bundesregierung in
zeichnet Folgendes aus: Sie sind überparteilich, so        ihrem Budgetvoranschlag von 2003 und 2004 nicht
sagte man mir, sie haben gute Strukturen übers             nur vom Nulldefizit verabschiedet hat, sondern mit
ganze Land verteilt. Sie finanzieren sich teilweise        der Entscheidung über den Ankauf von Abfangjä-
selber durch die Beiträge der Mitglieder und be-           gern diesen deutlich mehr Bedeutung zugemessen
kommen nur eine minimalste Förderung und Zu-               hat als die Zukunftsausgaben bei Bildung, For-
schüsse vom Land. Ich glaube, hier wäre es ganz,           schung und Entwicklung sowie Infrastrukturmaß-
ganz wichtig ein Zeichen zu setzen seitens der             nahmen.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Diese wichtigen zukunftsorientierten Bereiche       zelnen betroffenen Gemeinden in Niederösterreich
werden im Budget des Bundes völlig vernachläs-           zu berücksichtigen und damit zumindest für das
sigt. Dies hat daher auch Auswirkungen auf die           Schuljahr 2003/2004 diesen bildungspolitischen
Schul- und Bildungspolitik in Niederösterreich. Der      Kahlschlag abzufedern.
neue Berechnungsschlüssel für die Zuteilung von
Dienstposten für Landeslehrer, ein Dienstposten               Während gerade die NÖ Gemeinden als ge-
pro 14,5 Volksschulkindern, pro 10 Hauptschüler,         setzliche Schulerhalter ihrer Aufgabe vorbildlich
pro 9 Schülern aus Polytechnischen Schülern und          nachkommen und sogar in den Volksschulen Com-
3,2 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbe-           puterklassen mit Internet-Anbindung einrichten und
darf tritt nun in Kraft. Die Konsequenzen für unsere     damit die besten Voraussetzungen geschaffen
Pflichtschulen sind unabsehbar. Es kommt zu einer        haben damit ein moderner und zeitgemäßer Unter-
drastischen Erhöhung der Klassenschülerzahlen,           richt möglich wird, verabschiedet sich der Bund
die nach Auskunft der Pädagogen einen modernen           zusehends von seinen Ausgaben. Und ich würde
Unterricht unmöglich machen. Und gerade für Nie-         mir hier auch gerade für die Finanzausgleichsver-
derösterreich mit seinen geografisch weitläufigen        handlungen 2004 ein besonderes Engagement des
Strukturen bedeutet dies die Auflösung und Zu-           Herrn Finanzlandesreferenten gegenüber dem
sammenlegung von ländlichen Kleinschulen.                Finanzminister erwarten. (Beifall bei der SPÖ und
                                                         den Grünen.)
    Die Reduktion der Lehrerstunden bei ganztägi-
gen Schulformen bringt eine Erhöhung der Betreu-             Hoher Landtag! Wenn Niederösterreich in den
ungskosten für die Eltern, eine Reduktion der För-       nächsten Jahren Top ten-Region in Europa werden
dermaßnahmen für Kinder nicht deutscher Mutter-          möchte, eine Vision, für deren Umsetzung die ÖVP-
sprache und für lernschwache Kinder trifft meist die     Mehrheit in Niederösterreich schon mehr als fünf
sozial Schwächeren.                                      Jahrzehnte braucht, so haben wir zumindest jetzt
                                                         darauf zu achten, dass wir nicht zusehen, wie das
     Bereits derzeit gibt es kaum aber mehr ein An-      Kapital für unsere Zukunft in unnötige und sünd-
gebot zur individuellen Begabtenförderung. Auf           teure Waffensysteme gesteckt wird wenn man bei
Grund der vorliegenden Budgets des Landes und            der Ausbildung für unsere Jugend spart.
Bundes ist davon auszugehen, dass sich die
Schulen im Wesentlichen auf die üblichen Pflichtfä-           Meine sehr geehrten Damen und Herren! Un-
cher beschränken werden. Es kommt damit weiter           ser Kapital für eine gute Zukunft unseres Bundes-
zu einer Reduzierung des Angebots an unverbindli-        landes Niederösterreich ist, die beste Ausbildung
chen Übungen und Freigegenständen. Und nicht             für unsere Kinder zu sichern. Je höher die Qualifi-
zuletzt kommt es durch die Reduktion der Unter-          kation unserer Jugend, umso besser deren Chan-
richtsstunden sowie auf Grund der demografischen         cen auf einen Ausbildungsplatz der ihnen im späte-
Entwicklung in den nächsten Jahren zu keiner             ren Berufsleben einen Arbeitsplatz mit Zukunft si-
Neuanstellung von Absolventen der Pädagogi-              chert.
schen Akademien, was wiederum eine steigende
Arbeitslosigkeit bei Junglehrern bedeutet.                    Die Chance, die Erweiterung für Niederöster-
                                                         reich zu nutzen bedeutet nicht nur die gute geogra-
     Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ho-           fische Lage unseres Bundeslandes hervorzukeh-
her Landtag! Die Auswirkungen auf das NÖ Pflicht-        ren, sondern bedeutet für uns die Aufgabe, dem
schulsystem sind katastrophal. Wenn in einer             neuen Wirtschaftsmarkt bestens ausgebildete
Volksschule in der 1. und 2. Klasse sowie in der 3.      Facharbeiter und Akademiker zur Verfügung zu
und 4. Klasse jeweils gemeinsam nicht mindestens         stellen. Das kann nur dann erfolgen, wenn wir pä-
28 Kinder sitzen, heißt das, dass diese Klassen im       dagogischen und methodischen Erkenntnissen
Abteilungsunterricht zu führen sind. Und ich sage        Rechnung tragen indem wir die Klassenschüler-
Ihnen, das ist ein Rückschritt in das pädagogische       höchstzahlen auf 25 senken um den Lern- und
Mittelalter. (Beifall bei der SPÖ.)                      Lehrerfolg für unsere Jugend zu verbessern und
                                                         eine stärkere Förderung der individuellen Betreu-
      Viele der heute noch vierklassigen Volksschu-      ung zulassen. (Beifall bei der SPÖ und den Grü-
len, Herr Kollege, werden ab Herbst zweiklassig.         nen.)
Weitere Schulen einklassig oder in Zukunft ge-
schlossen werden. Dankenswerterweise hat sich                 Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dies
Frau Landesrat Christa Kranzl bereit erklärt, mit        ist übrigens eine Forderung, die immer wieder von
Änderungen bei der Schulsprengelverordnung die           den ÖVP-Lehrervertretern aufgestellt wurde, die
territoriale Ausdehnung in den Gemeinden und             allerdings heute zu dieser bildungspolitischen de-
siedlungsgeografische Gegebenheiten in den ein-          saströsen Politik schweigen. Ich erachte daher die




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode             3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Senkung der Klassenschülerzahl auf 25 als drin-              Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich
gendes Gebot, weil den gesteigerten Anforderun-         lade Sie ein, diesem Antrag zuzustimmen. (Beifall
gen an unsere Jugend im Unterricht nicht durch          bei der SPÖ.)
eine Verschlechterung im Bildungsbereich begeg-
net werden darf.                                            Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
                                                        Herr Abgeordneter Mag. Heuras.
     Nachdem unser Schulsystem durch den
Schülerrückgang kostengünstiger geführt werden              Abg. Mag. Heuras (ÖVP): Sehr geehrter Herr
kann und auch die Gemeinden den nötigen Schul-          Präsident! Hoher Landtag! Geschätzte Damen und
raum zur Verfügung haben, werden dadurch keine          Herren!
Mehrkosten für den Bund entstehen. Hoher Land-
tag! Ich bringe daher folgenden Resolutionsantrag            Jedes Jahr wird unser Bildungssystem
zur Gruppe 2 ein (liest:)                               schlechter. Heute war es eine Katastrophe und ein
                                                        bildungspolitischer Kahlschlag und wird aufgerech-
                  „Resolutionsantrag                    net mit dem Kauf von Abfangjägern. Aber die letzte
                                                        Rede, ich sage es Ihnen ganz offen, sehr geehrte
    des Abgeordneten Dworak zur Gruppe 2 des            Damen und Herren, hat mich schon ein gewisses
Voranschlages des Landes Niederösterreich für           Maß an Seriosität vermissen lassen. Wenn jemand
das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Senkung der      zwei Wochen vor Schulende unser Bildungssystem
Klassenschülerhöchstzahl auf 25.                        derartig schlecht redet und zur Katastrophe und
                                                        zum Kahlschlag zitiert, dann bestürzt mich das
     In allen Analysen des Arbeitsmarktes wird auf      schon ein wenig. Und auch wenn Sie mir da Aus-
die notwendige hohe Qualifikation von Arbeitssu-        züge von Zeitungen vorlegen. (Abg. Dworak: Die
chenden bei der Jobsuche hingewiesen. Je höher          heutige „NÖN“! – Hält Zeitung hoch.)
die Qualifikation desto bessere Chancen auf einen       Gerade die Medienberichterstattung ist es ja auch
Ausbildungsplatz, eine Erstanstellung, bzw. einen       teilweise, die nicht unbedingt immer besonders
Wiedereinstieg nach der Arbeitslosigkeit oder Ka-       schul- und lehrerfreundlich agiert.
renz. Dies bedeutet, dass ein optimales Bildungs-
system ein wirksames Mittel gegen Jugendarbeits-            Ich sage das hier auch ganz offen und möchte
losigkeit oder Arbeitslosigkeit im Allgemeinen ist.     daher einige Dinge und einige Bereiche im Schul-
                                                        system schon einmal ins rechte Licht rücken. Denn
     Das österreichische Bildungssystem ist sicher-     das, was hier von manchen verkündet wird, erinnert
lich sehr gut. Trotzdem ist es notwendig, immer         mich an Sokrates der vor über 2.000 Jahren schon
wieder Verbesserungen und Anpassungen an die            gesagt hat, alles wird schlechter, früher war alles
Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzunehmen.           besser. Und wenn ich das hochrechne, dann
Weiters sind pädagogische Erkenntnisse, so sie          müssten wir tatsächlich in der Katastrophe sein.
gesichert sind, in das Bildungssystem aufzuneh-
men. Eines der grundlegenden pädagogischen und               Ich sage Ihnen, genau das Gegenteil ist der
methodischen Erkenntnisse ist, je kleiner die zu        Fall. Ich nehme zur Kenntnis, dass die Schülerzahl
betreuende Schülerzahl, desto besser der Lehr-          sinkt. Das sind Realitäten. Ich sehe auch die Pyra-
und Lernerfolg, da eine individuelle Förderung          mide der Altersentwicklung der Lehrer. Das sind
leichter erfolgen kann.                                 alles Realitäten. Ich sage Ihnen aber auch andere
                                                        ganz reale Dinge. Wenn ich die heute Zehnjährigen
    Diese pädagogisch wertvolle Verbesserung            oder die Vierzehnjährigen nach der Hauptschule
würde außerdem auf Grund sinkender SchülerIn-           oder auch die 17-, 18-Jährigen hier betrachte, egal
nenzahlen weder für die Schulerhalter, noch für das     in welchem System, Volksschule, Hauptschule,
Bundesbudget wesentliche Kosten verursachen.            höhere Schule, ich frage Sie, haben Sie sich, oder
                                                        die heutige Elterngeneration mit 10, 14, 17 und 18
    Der Gefertigte stellt daher den Antrag:             das zugetraut was die heutigen Schüler und die
                                                        heutige Jugend nach ihrer Ausbildung leisten? Ich
    Der NÖ Landtag möge beschließen:                    ersuche Sie, besuchen Sie diverse Projekte, Vor-
                                                        stellungen, Musicals, Vorstellungen von Schülern
    Die Niederösterreichische Landesregierung           bei Schulfesten und sehen Sie sich die Qualität
wird aufgefordert, sich bei der Bundesregierung         unserer Ausbildung an. (Beifall bei der ÖVP.)
dafür einzusetzen, dass eine gesetzliche Herabset-
zung der Klassenschülerhöchstzahl von derzeit 30             Sehen Sie sich an und fragen Sie sich bitte
SchülerInnen auf 25 SchülerInnen erfolgt."              wirklich einmal, nämlich ganz offen und ehrlich, ob




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


wir mit 10, 14, 17 und 18 Jahren dieselbe Qualität        tung kann sich sehen lassen. Warum sage ich das?
bereit waren zu geben. Ob wir die Möglichkeiten           Als ich in meiner Gemeinde eine Volksschule und
und Chancen hatten. Ob wir genauso selbstbe-              einen Kindergarten saniert habe, ist eine Zweit-
wusst aufgetreten sind. Ob wir dieselben Fremd-           wohnsitzerin zu mir gekommen aus Wien und hat
sprachenfähigkeiten hatten, ob wir dieselbe Team-         zu mir gesagt, Herr Bürgermeister, wieso sanieren
fähigkeit hatten. Ob wir ein Referat auf Grund der        sie die Volksschule und den Kindergarten? Sage
heutigen Möglichkeiten in der kürzesten Zeit in           ich, weil er sanierungsbedürftig ist und weil mir die
einer Qualität zusammenstellen konnten und prä-           Kinder und die Zukunft unserer Kinder ein beson-
sentieren konnten wie dies die heutigen Schüler           ders Anliegen sind. Und die Zweitwohnsitzerin aus
tun. Ich sage daher damit, die Qualität der heutigen      Wien sagt zu mir: In Wien wäre das vollkommen
Schule ist nicht schlechter, sie hat sich verbessert!     unvorstellbar. Schulen in diesem Zustand sind bei
(Beifall bei der ÖVP.)                                    uns in Wien gang und gäbe und werden noch lange
                                                          nicht saniert. Und daher frage ich mich, warum der
     Und die Qualität der heutigen Schüler ist eine       Schulerhalter Wien bei der Ausstattung der Qualität
bessere geworden, verglichen mit früher. Und jetzt        nicht denselben Maßstab anlegt wie wir hier in Nie-
frage ich Sie, woran liegt das? Denn Sie sagen hier       derösterreich seitens des Landes und seitens der
die ganze Zeit, es ist alles den Bach hinunter ge-        Gemeinden. (Beifall bei der ÖVP.)
flossen. (Unruhe bei Abg. Dworak und Mag.
Fasan.)                                                       Was mir noch fehlt, das gebe ich ganz offen
                                                          zu, das sind noch mehr Freiräume. Die Schulauto-
     Ich habe überhaupt nichts aufgeschrieben.            nomie hat sich bestens bewährt. Die Schulautono-
Denn das was ich jetzt hier sage, das kommt ganz          mie hat zu vielem geführt. Zur Öffnung der Schulen,
spontan und als Reaktion auf das, was Sie hier            zu Projekten, zu Vernetzungen mit der Wirtschaft.
verzapfen. Die Qualität der Schulen hat sich ver-         Einen Freiraum wünsche ich mir noch. In manchen
bessert! Und ich sage Ihnen jetzt auch die Ursache        Bereichen ist die verfassungsmäßige Zweidrittel-
dafür. Für mich sind es zwei Ursachen. Zum Einen:         mehrheit für mich nicht nachvollziehbar. Nur ein
Eine am Kind orientierte Schulpolitik, eine an der        ganz einfaches Beispiel: Wollte man heute den
Zukunft unserer Jugend ausgerichtete qualitätvolle        Unterrichtsgegenstand „Leibesübungen“ in den
Ausbildung und Schulpolitik dieses Landes Nieder-         wesentlich besseren Titel „Bewegung und Sport“
österreich. Ein zweiter Grund: Die Bereitschaft der       umbenennen wollen, so braucht man dazu im Par-
Gemeinden, in die Schulen wirklich das Geld auch          lament die Zweitdrittelmehrheit. Was ich nicht ganz
hinein zu stecken, weil es in die Jugend und die          nachvollziehen kann. Ich sage damit nur, der Frei-
Zukunft investiert wird. Und drittens, und das er-        raum in diesem Felde der Schulpolitik sollte noch
scheint mir ganz wesentlich: Das Engagement und           vergrößert werden.
das Pflichtbewusstsein unserer Pädagoginnen und
Pädagogen. Sie sind es in Wahrheit, die mehr als               Und nachdem ich jetzt mein Zeitbudget bereits
ihre Pflicht tun. Das können Sie gerade dieser Tage       überschritten habe, möchte ich noch einen Satz zur
bei jeder Veranstaltung erleben. Bei jeder öffentli-      Erwachsenenbildung einbringen. Denn auch sie
chen Präsentation einer Schule, bei jedem Auftritt        wurde massiv hier kritisiert. Und auch sie ist mir ein
von Schülergruppen erkennen Sie, dass die Mög-            besonderes Anliegen. Und daher sage ich Ihnen
lichkeiten und dass die Pflichten eines Lehrers bei       auch zur Erwachsenenbildung zwei ganz entschei-
weitem überstiegen werden und sie mehr tun für            dende Impulse des Landes Niederösterreich. Das
Bildung, Ausbildung, Wertevermittlung.                    erste ist die Regionalisierung der Bildung draußen
                                                          im ländlichen Raum, wo man jetzt endlich im ländli-
     Und ein Viertes: Auch beim Ausgleich so man-         chen Raum so was hat wie Volkshochschulen in
cher sozialer Defizite. Und beim Ausgleich so man-        den Städten. Gefördert, durch 20-Stundenkräfte
cher familiärer Defizite. Und daher sei an dieser         unterstützt. Und ich habe in meiner Region eine
Stelle eines gesagt. Sie sind hauptverantwortlich für     „Volkshochschule“ aufgebaut. (Volkshochschule
die hohe Qualität der Ausbildung unserer Schüle-          unter Anführungszeichen.) Und sie kann sich sehen
rinnen und Schüler! Und ein Zweites noch: Be-             lassen, kann gemessen werden an der Qualität der
trachten Sie die Ausstattung unserer Schulen. Auch        Volkshochschulen in den mittleren Städten. Wir
der Polytechnischen Schulen - der Herr Abgeord-           haben die Bildung dadurch zum Bürger gebracht.
nete Weiderbauer ist nicht hier – die Gemeinden           Wir haben die Bildung hin in den ländlichen Raum
müssen sie erhalten. Betrachten Sie die Ausstat-          gebracht, haben Entfernungen verkürzt und haben
tung unserer Schulen. Die meisten sind technolo-          allen die Möglichkeit gegeben, sich daran zu betei-
gisch bestens ausgestattet. 95 Prozent aller Schu-        ligen, ohne große Strecken zurücklegen zu müs-
len haben Zugang zum Internet. Und die Ausstat-           sen.




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Und ein zweites Beispiel, das das noch deutli-        Phase der Prüfungen und Schularbeiten passiert.
cher unterstreicht. Das E-Learning bzw. die Online-        Daher wäre es vernünftig, mit Jahresende auch das
Matura. Wo es möglich ist, von zu Hause, vom               Semester zu beenden. Was damit geht, wenn ich
Arbeitsplatz aus die Reifeprüfung nachzuholen in           wie gesagt das Schuljahr zwei bis drei Wochen
Kursen, die über Internet und über E-Learning pas-         vorverlege und zu Weihnachten das Semester be-
sieren. Ich zitiere dazu nur unsere Frau Landes-           ende.
hauptmannstellvertreterin Liese Prokop: E-Learning
lässt die fehlende Berufsreife schnell und günstig              Pädagogische Vorteile: Ich könnte auch im
nachholen. Bereits nach vier Semestern kann man            Jänner Schikurse abhalten, was derzeit nicht
in der Regel das Maturazeugnis in Händen halten.           machbar ist. Die Semesterferien als Winterferien
Mit E-Learning muss der Mensch erstmals nicht zur          der Wirtschaft belassen, wir brauchen sie dringend
Bildungseinrichtung, sondern die Bildung kommt             aus touristischen Gründen. Natürlich wird das erste
direkt zum Menschen. Das ist Erwachsenenbildung            Semester dadurch sehr kompakt. Und zwar so
in Niederösterreich! Und das sind nur zwei Bei-            kompakt, dass ich von den neun Wochen der
spiele wo ich glaube, dass auch die Erwachsenen-           Sommerferien eine Woche in den Herbst verlagern
bildung einen Quantensprung in diesem Bundes-              würde, in Absprache mit den Eltern, in Absprache
land Niederösterreich in der letzten Zeit vollzogen        mit den Pädagogen. Und wir hätten ein sehr kom-
hat.                                                       paktes erstes Semester auch im Sinne der Lehre-
                                                           rinnen und Lehrer mit einer Woche Herbstferien,
     Einen Satz noch zu den Schülerzahlen: Sie             die man von den neun Wochen der Sommerferien
haben argumentiert, dass die Schülerzahlen so              ohne Probleme herunternehmen könnte.
hoch wären. Ich sage Ihnen nur einige Zahlen noch
dazu. In den Hauptschulen ist es so, dass 2,5 Plan-             Ich glaube daher, dass diese Veränderung der
stellen pro Klasse vorgesehen sind. Dazu bräuchte          Ferienordnung in diesem Sinn einen pädagogi-
man durchschnittlich 25 Schüler. Der Durchschnitt          schen Mehrwert hätte, Vorteile für Familien brächte,
in Niederösterreich liegt weit drunter, bei 22. Und in     mehr Effizienz des Lernertrages und zusätzliche
der Volksschule bräuchte man, um dieses Plan-              Chancen für die Wirtschaft. Daher stelle ich, und
stellensoll einzuhalten, 22 Schüler pro Klasse             Herr Abgeordneter Cerwenka hat sich hier in dan-
durchschnittlich. Niederösterreich hat 19. Wir liegen      kenswerter Weise bereiterklärt, beizutreten, stelle
deutlich drunter!                                          ich folgenden Antrag (liest:)

     Und schlussendlich darf ich noch einen kon-                             „Resolutionsantrag
struktiven Vorschlag zur Ferienordnung einbringen.
Nachdem auch die Ferien diskutiert wurden in den                des Abgeordneten Mag. Heuras zur Gruppe 2
letzten Monaten und Wochen und immer wieder vor            des Voranschlages des Landes Niederösterreich
Schulschluss die leidige Feriendiskussion beginnt,         für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Schul-
habe ich einen ganz konkreten und konstruktiven            ferien.
Vorschlag, die Ferienordnung zu verändern.
                                                               Im Zuge der derzeit laufenden Feriendiskus-
     Ich sage Ihnen nur kurz die Eckpunkte dieses          sion sollte zur Neuordnung bzw. Umverteilung der
Resolutionsantrages zu den Schulferien. Es geht            Ferien im Sinne aller Betroffenen nachfolgendes
nicht um die Kürzung. Es geht um eine Verlagerung          Modell einer näheren Beratung unterzogen werden:
der Schulferien, indem man die Sommerferien um
zwei bis drei Wochen vorzieht. Und das hat fol-               Ein zwei- bis dreiwöchiges Vorverlegen der
gende, ganz beträchtliche Vorteile. Wir haben jetzt            Sommerferien in Begleitung flankierender Maß-
im Juni die wärmsten, die heißesten Tage, die                  nahmen kann Folgendes bewirken:
längsten Tage, die kürzesten Nächte. Das Klima,                achtwöchige Sommerferien, von Mitte Juni bis
die Temperaturkurve dürfte sich doch, und das                  Mitte August lassen die längsten Tage und die
geben auch Klimatologen zu, einigermaßen ver-                  kürzesten Nächte zur Erholung nutzen und
schoben haben. Mitte Juni die Sommerferien zu                  tragen dem Umstand der Temperaturverän-
beginnen, hätte folgende Auswirkungen: Wir könn-               derungen und der klimatischen Schwankungen
ten mit Jahresende und vor Weihnachten das Se-                 besser Rechnung.
mesterzeugnis verteilen. Die Weihnachtsferien sind
für mich ein pädagogischer Unsinn. Nicht was die              Das erste Semester endet damit unmittelbar
14 Tage Erholung betrifft, sondern sie sind deswe-             vor Weihnachten mit dem Beginn der Weih-
gen ein pädagogischer Unsinn, weil in der heißes-              nachtsferien und stellt eine kompaktere, päda-
ten Phase des Schuljahres der Schüler abrupt he-               gogisch sinnvollere und lernorientierte Einheit
rausgerissen wird und anschließend die heiße                   dar und vermeidet den Umstand, gerade in der




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    heißen End- und Prüfungsphase des ersten                   Schlussendlich darf ich sagen, dass die ÖVP
    Semesters durch zweiwöchige Ferien den                selbstverständlich dem Budgetansatz zur Gruppe
    Lernrhythmus zu verlieren.                            Bildung, Schule, Wissenschaft und Forschung die
                                                          Zustimmung gibt, weil ich glaube, dass Niederöster-
   Einwöchige Herbstferien sollen die nötige Ruhe        reich mit diesem Bildungsprogramm und mit der
    und Erholungsphase während des ansonsten              Bildungsoffensive bei allen Problemen doch auf
    kompakten ersten Semesters bewirken; bezüg-           einem Weg ist, der die Qualität der Bildung in Nie-
    lich des genauen Termins sollten pädagogische         derösterreich garantiert und unterstreicht. (Beifall
    Gründe und die Interessen der Schulpartner            bei der ÖVP.)
    ausschlaggebend sein.
                                                             Präsident Mag. Freibauer: Herr Abgeordneter
   Schikurse werden auch im Jänner wieder mög-           Weiderbauer ist ab 19.00 Uhr entschuldigt. Als
    lich, da dies aus organisatorischen Gründen           Nächster zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Hof-
    am Beginn eines Semesters weniger Probleme            macher.
    mit sich bringt.
                                                              Abg. Hofmacher (ÖVP): Herr Präsident! Ver-
   Das Ende des Schuljahres Mitte Juni ermög-            ehrte Mitglieder des Landtages!
    licht es überdies Familien kostengünstigere und
    daher unter Umständen leistbare Urlaubspla-                 Mein Vorredner hat bereits betont, dass wir
    nungen vorzunehmen.                                   auch im Bereich der Gruppe 2, Unterricht, Erzie-
                                                          hung, Sport und der Bildung und auch der landwirt-
     Eine Änderung der Ferienordnung im obigen            schaftlichen Bildung das Ziel der Top ten anstre-
Sinn bringt pädagogischen Mehrwert, Vorteile für          ben. Und ich finde es für unfair und ungerechtfer-
Familien, mehr Effizienz des Lernertrages und zu-         tigt, Herr Abgeordneter Dworak, wenn behauptet
sätzliche Chancen für die Wirtschaft.                     wird, es ist auch bekannt, dass wir seit 1995 Mit-
                                                          glied der EU sind, dass behauptet wird, die ÖVP
    Der Gefertigte stellt daher den Antrag:               strebt seit mehr als 50 Jahren dieses Ziel an. Wir
                                                          streben dieses Ziel an seit wir bei der EU sind und
    Die Landesregierung wird aufgefordert bei der         Erfolge sprechen bereits dafür, auch im Bildungs-
Bundesregierung anzuregen, dass in die Diskus-            bereich.
sion über die Änderung der Ferienordnung das
vorstehende Modell einbezogen wird.“                           Es gilt daher unserer volle Konzentration, nicht
                                                          nur für die Gegenwart, sondern insbesondere in die
    Und in besonderer Weise diskutiert wird im            Zukunft zu setzen. Einfallsreichtum, Flexibilität,
Sinne der gesamten ... (Unruhe im Hohen Hause.)           alles schneller und besser sind Schlagworte, die
Du hast mir nicht zugehört. An Weihnachten wird ja        auch im Bereich des Bildungswesens notwendig
überhaupt nicht gerüttelt. Ich halte es nur für päda-     geworden sind.
gogisch sinnvoll, die Schüler zu Weihnachten von
diesem Stress zu entlassen, unmittelbar nach den              Die Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich
Ferien ...                                                muss natürlich so ausgerichtet sein, dass unsere
                                                          Landwirte, unsere Bauern nicht nur Lebensmittel-
     Präsident Mag. Freibauer: Herr Abgeordne-            produzenten sind in der Zukunft, sondern dass
ter! Lass dich nicht ablenken, komm‘ zum Schluss,         auch die Bedeutung als Energielieferanten immer
weil die Zeit ist um.                                     mehr zunimmt. Wir, die wir politische Verantwor-
                                                          tung tragen, haben dafür die notwendigen Bedin-
     Abg. Mag. Heuras (ÖVP): Aber Herr Abge-              gungen zu schaffen und die dafür notwendigen
ordneter Cerwenka, jetzt noch einmal. Ich habe            Maßnahmen natürlich zu treffen.
vorher die einzelnen Punkte mit dir besprochen und
ich habe das so verstanden als würdest du dem                  Die Schienen in das neue Jahrtausend sind
zustimmen können. Ich kann auch gerne den Re-             bereits verlegt. Es kommt immer nur darauf an, wer
solutionsantrag in voller Länge vorlesen. Ich habe        hier am schnelleren fährt. Und dass die Entwick-
ihn genau in der Weise abgeändert wie du es ge-           lung im bäuerlichen Ausbildungsbereich bereits
wünscht hast. Und in dieser Weise liegt er nun vor        jetzt eine äußerst positive ist, davon kann man sich
und so darf ich ihn auch einbringen.                      im Foyer unseres Landhauses informieren. Ich




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


habe festgestellt, die meisten haben sich bereits              Meine geschätzten Damen und Herren! Große
bedient an den Informationsständen unserer Fach-          Bedeutung hat das landwirtschaftliche Schulwesen
schulen Hohenlehen und Unterleiten, die uns mit           auch für ein lebenslanges Lernen in den ländlichen
verschiedenen Gustos verwöhnen.                           Gebieten. Insbesondere der Angebote im Themen-
                                                          gebiet der Informations- und Kommunikationstech-
     Ich möchte aber zurück zum Budget kommen             nologie. Hier können wir die Nachfrage kaum be-
was das landwirtschaftliche Ausbildungssystem             friedigen. Und es ist daher gerade in diesem Be-
betrifft. Wir haben hier die Budgetzahlen ja vor uns,     reich durch ein noch intensiveres Bemühen eine
im ordentlichen Budget der Landwirtschaftsschulen         optimale Versorgung anzustreben.
6,5 Millionen Euro vorgesehen. Investitionen von
4,6 Millionen Euro und natürlich, was ich nicht un-           Abschließend möchte ich noch darauf verwei-
erwähnt lassen soll, das sind die prognostizierten        sen, dass ich weiß, dass neue Wege oft sehr müh-
Einnahmen wie Internatsgebühren, Verkäufe und             sam sind, aber in allen Fachschulen gibt es auf
Verschiedenes mit 6,56 Millionen Schilling. Das           Grund des modularen Systems Schwerpunkte. Was
heißt, diese Einnahmen erreichen zumindest die            auch auf den Einfallsreichtum der Verantwortlichen
ordentlichen Ausgaben.                                    in unseren Bildungsstätten ankommt. Es gilt daher
                                                          bei den unternehmerischen Aufgaben, welche das
     Selbstverständlich sind zusätzlich Personal-         landwirtschaftliche Bildungswesen betreffen, ver-
kosten für Landesbedienstete und Lehrer, aber von         schiedenste Schwerpunkte zu setzen, aber auch
den Lehrern werden uns ja vom Bund 50 Prozent             dass unsere Landwirte Engagement bewahren.
wieder refundiert. Und dass im Bereich der land-          Und ich meine, Geld in die Ausbildung investiert
wirtschaftlichen Ausbildung ein Umbruch stattge-          bedeutet sicher gut angelegtes Kapital für die Zu-
funden hat und noch stattfinden wird beweist uns          kunft unserer Kinder, unseres Heimatlandes Nie-
jeder unserer niederösterreichischen Schulstand-          derösterreich. (Beifall bei der ÖVP.)
orte. Und zwar wurden im Rahmen des landwirt-
schaftlichen Schulwesens bei der Standortqualifi-             Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
zierung für die Umsetzung des Schulkonzeptes              Herr Abgeordneter Dr. Nasko.
interessante neue Wege beschritten. Ich könnte
jetzt alles anführen, jeder unserer Schulstandorte            Abg. Dr. Nasko (SPÖ): Sehr geehrter Herr
wofür er sich qualifiziert hat.                           Präsident! Hoher Landtag!

     Wir haben natürlich Schwerpunkte, ein Ge-                 Das Fachhochschulwesen hat sich österreich-
samtkonzept, Schulzukunft, Reform des Moduls 1            weit sehr positiv entwickelt und auch in Nieder-
oder Weiterbildung oder Profilierung der Schul-           österreich ist mit den drei Hauptstandorten Wr.
standorte. Resultierend daraus, dass wir verschie-        Neustadt, Krems und St. Pölten eine gute Positio-
dene Baumaßnahmen bei unseren Schulen letztlich           nierung gelungen. Das Land Niederösterreich hat
treffen müssen. Und es wurde in der Vergangenheit         im Voranschlag für das Jahr 2004 knapp über fünf
einiges durchgeführt was die Fachschule Hohenle-          Millionen Euro vorgesehen. Als einen Meilenstein in
hen betrifft oder die Fachschule Gießhübl oder            Richtung einer einheitlichen, ausgewogenen und
Gaming oder die Fachschule Krems. Und es ist              gerechten Finanzierung sehe ich die im Vorjahr auf
eine unbedingte Notwendigkeit, dass weitere Bau-          Grundlage des Rahmenplans für das Fachhoch-
maßnahmen je nach Priorität durchgeführt werden           schulwesen in Niederösterreich abgeschlossenen
müssen.                                                   Förderverträge, die eine Subvention von 767 Euro
                                                          für technische und 646 für nicht technische Stu-
     Ich spreche hier an den unbedingt notwendi-          diengänge pro geförderten Studienplatz und –jahr
gen Internatsausbau einiger Schulen in Nieder-            vorgesehen hat.
österreich, was eine unbedingte Notwendigkeit ist.
Erfreulich sind bei unseren Fachschulen, bei den               Auf Grund des derzeit gültigen Rahmenplans,
landwirtschaftlichen Fachschulen und erscheint mir        der eine Entwicklung sowohl inhaltlich als auch
sehr wichtig, die ständig steigenden Schülerzahlen.       finanziell bis 2006 umfasst, ist abzulesen, dass an
Hatten wir im Jahr 1992/93 zirka 2.700 Schüler, so        studienplatzbezogener Förderung für alle drei
war die Tendenz sinkend damals, und jetzt haben           Standorte die Summe von 3,016.024 Euro veran-
wir wieder den gleichen Stand wie vor 10 Jahren.          schlagt ist.
Ich möchte aber schon eines betonen: Dass wir
Dienstposten 1992/93 von 458 hatten und jetzt bei             Insgesamt werden in Niederösterreich 18 Stu-
gleichbleibenden Schülerzahlen sind es 344. Ich           diengänge, fünf in Krems, neun in Wr. Neustadt mit
möchte betonen, der Betrieb funktioniert hervor-          einer Außenstelle in Tulln und Wieselburg sowie
ragend.                                                   der Studiengang militärische Führung und vier in




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


St. Pölten angeboten. Grundsätzlich kann Nieder-           Oberösterreich investieren zur Zeit massiv in den
österreich stolz auf das Erreichte sein. Sieht man         Fachhochschulausbau, wenn sich auch die genau-
jedoch die gesamte Entwicklung, die zunehmende             en Summen schwer ermitteln lassen, so ist diese
Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen                 Tatsache allgemein bekannt.
Standorten und den Bundesländern, die starke
Zunahme an Studiengängen im Nahbereich von                      In diesem Zusammenhang unter den genann-
Niederösterreich, wie zum Beispiel in Wien, in             ten Vorzeichen ist es, da bin ich überzeugt, not-
Oberösterreich oder der Steiermark, den Rückgang           wendig, den Rahmenplan für das Fachhochschul-
beim Interesse bei technischen Studiengängen, die          wesen in Niederösterreich, wo die Fördermittel so
angespannte Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation         gut wie ausgeschöpft sind, nicht bis 2006 fortzu-
sowie die Tatsache, dass das Bildungsministerium           schreiben, sondern dringend in Konkurrenz zu den
mit Schreiben vom 12. Mai für das Jahr 2004/05             genannten Bundesländern Zusatzkonzeptionen
keine zusätzlichen Bundesmittel für neue Studien-          vorzunehmen. Das Land Niederösterreich hat für
plätze zur Verfügung stellt und die Frage einer zu-        diese Zwecke ohnehin eine ausgezeichnete Stabs-
sätzlichen Bundesfinanzierung für 2005/06 erst             stelle in der Bildungsgesellschaft für Fachhoch-
geklärt werden soll, so stellt sich doch dringlich die     schul- und Universitätswesen.
Frage, wie in Niederösterreich künftig und zeitge-
recht darauf reagiert wird.                                    Meine Damen und Herren! Einen bedeutenden
                                                           Fortschritt bedeutet die Top-Stipendienaktion mit
    Die ursprüngliche Idee das Fachhochschulwe-            1,053.800 Euro. Doch hat die Praxis gezeigt, dass
sens zielt ja auf Regionalisierung ab und Etablie-         Änderungen in den Richtlinien anzustreben sind, da
rung von hochschulischen Institutionen, vor allem          ausschließlich Studienbeihilfenbezieher in den Ge-
an Standorten, die über keine Universität oder             nuss der Top-Stipendien kommen und jeder, der
Hochschule verfügen.                                       keinen Beihilfenanspruch hat, auch kein Top-Sti-
                                                           pendium bekommt.
     Nun muss festgestellt werden, dass Fachhoch-
schulen sich vor allem auch in traditionellen Univer-           Wenn nun die Donau-Universität und drei
sitätsstätten wie Wien, Salzburg, Graz, Innsbruck          Fachhochschulhauptstandorte mit zwei dislozierten
etabliert haben. In den Studienjahren 1995/96,             Standorten etabliert sind, ist es auch im Hinblick auf
1996/97 und 1997/98 führte Niederösterreich auch           die wirtschaftspolitische Standortpositionierung im
dank der Pioniertat in Wr. Neustadt österreichweit         internationalen Bereich unumgänglich, künftig sei-
die Tabelle bei der Studienplatzanzahl an. Nun hat         tens des Landes spezifische Forschungsförderun-
sich die Situation deutlich verändert. Von 142 ge-         gen zusätzlich zum Angebot des Bundes anzubie-
nehmigten Studiengängen befinden sich nur noch             ten. Ein erster Ansatz könnte mit dem heutigen von
18 in Niederösterreich, 32 in Wien, 24 in Oberöster-       mir eingebrachten Resolutionsantrag zur Förderung
reich und 23 in der Steiermark. Die angrenzenden           der angewandten Forschung an den Fachhoch-
Bundesländer, und vor allem die übermächtige               schulen durch das Land Niederösterreich sein. Ich
Konkurrenz im Studienbetrieb Wien haben unge-              darf diesen Resolutionsantrag verlesen (liest:)
heuer aufgeholt und machen den niederösterreichi-
schen Studiengängen in ähnlichen oder inhaltsglei-                            „Resolutionsantrag
chen Ausbildungsbereichen erhebliche Konkurrenz.
Dazu kommt noch, dass in Oberösterreich und im                  des Abgeordneten Prof. Dr. Nasko zur Gruppe
Burgenland keine Studiengebühren eingehoben                2 des Voranschlages des Landes Niederösterreich
werden, was eine weitere Wettbewerbsverzerrung             für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1, betreffend Förde-
vor allem für Wr. Neustadt und St. Pölten durch            rung des verstärkten Ausbaues von angewandter
ähnliche oder gleiche Studienangebote mit sich             Forschung an den Fachhochschulen durch das
bringt.                                                    Land NÖ.

     Niederösterreich hat bekanntlich keine Volluni-            Im Bereich des Universitäts- und Hochschul-
versität. Hat sich zwar mit der postgradualen Aus-         wesens stellen die Forschungsaufgaben einen
bildung der Donau-Universität bestens positioniert         zentralen Aspekt der Tätigkeit dar, wobei Grundla-
und sollte daher als flächenmäßig größtes Bun-             genforschung vorwiegend von den Universitäten
desland und einwohnermäßig knapp hinter Wien               betrieben wird. Angewandte Forschung jedoch
liegend gegenüber dem Bund darauf pochen, dass             nimmt vor allem im Bereich der Fachhochschulen,
der Fachhochschulstandort Niederösterreich bei             die unmittelbar von der Wirtschaft benötigte Spit-
künftigen Genehmigungen wieder stärker zum Zug             zenkräfte ausbilden, einen besonders wichtigen
kommt. Vor allem die Bundesländer Wien und                 Stellenwert ein.




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Die Situation der Forschungsförderung stellt            Um jedoch die von der Wirtschaft so dringend
sich so dar, dass die Universitäten für ihre For-       benötigten Spitzenkräfte entsprechend ausbilden
schungstätigkeiten durch den Bund gefördert wer-        zu können und um die Kraft des Wirtschaftsstand-
den, weiters die Lehrbelastung des in hohem Um-         ortes durch entsprechende Forschungstransfer-
fang verfügbaren voll angestellten wissenschaftsfä-     leistungen in die KMUs Niederösterreichs zu entwi-
higen Personals im Bereich von 20-30 % liegt, wo-       ckeln, ist es notwendig, den Aufbau von ange-
mit ein hoher Freiraum für Forschungsaktivitäten        wandter Forschung an Fachhochschulen sowohl
mit vorliegender Basisfinanzierung gegeben ist.         personell als auch infrastrukturell seitens des Lan-
Ebenso existiert ein gut dotierter Wissenschafts-       des unabhängig von einer zu Beginn nicht gewinn-
fonds für Aufgabenstellungen der Grundlagenfor-         baren Drittmittelleistung der Wirtschaft zu fördern.
schung, weiters universitäts-intern gewidmete Do-
tationen zum Aufbau von gerätetechnischer Infra-            Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
struktur, Labors und zur Erneuerung dieser für die
Forschung unabdingbar notwendigen Geräte.                   Der NÖ Landtag möge beschließen:

    Fachhochschulen erhalten pro Student und                 Die Niederösterreichische Landesregierung
Jahr seit 1994 nominell gleich gebliebene Förder-       wird aufgefordert, im Rahmen ihrer zur Verfügung
beträge, die je nach Standortstadt und Bundesland       stehenden Mittel den Aufbau und den Ausbau der
in unterschiedlicher Höhe ergänzt werden. Das           angewandten Forschung an den Fachhochschulen
Land NÖ hat sich in seinem Fördermodell dem             in Niederösterreich personell und infrastrukturell zu
Bund angeschlossen, ebenfalls auf der nominellen        fördern. Dies stellt die Voraussetzung dar, dass in
bis heute nicht Index-angepassten Basis 1994.           späterer Folge entsprechende Drittmittel durch
Andere Bundesländer wiederum haben hohe Fi-             Wirtschaftsbeiträge generierbar sind.“
nanzierungsanteile betreffend des Aufbaus von
Labors und Infrastruktur übernommen.                        Ich danke schön! (Beifall bei der SPÖ.)

     Insbesondere für die Situation des FH-Wesens           Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
in NÖ kann festgestellt werden, dass sich auf Basis     Herr Abgeordneter Dr. Prober.
des hier vorliegenden Finanzierungsmodells eine
immer höhere Auslastung des wissenschaftsfähi-              Abg. Dr. Prober (ÖVP): Herr Präsident! Meine
gen Personals in der Lehre ergeben hat, was den         sehr verehrten Damen und Herren!
Freiraum für Forschungsaktivitäten laufend redu-
ziert hat, andererseits keine budgetären Spielräume          Ich möchte mich auch wie mein Vorredner mit
mehr gegeben sind, alte Laborinfrastrukturen zu         der Situation der Fachhochschulen in Niederöster-
erneuern bzw. neue Labors aufzubauen. Die Fach-         reich auseinander setzen im Rahmen der Gruppe
hochschulen NÖ sind somit immer weniger in der          2, Erziehung, Sport, Wissenschaft und Unterricht.
Lage, ihrem Forschungsauftrag nachzukommen
und insbesondere in ihren Standortregionen ent-              Zur Resolution, die hier eingebracht worden ist,
sprechend ausreichende innovative Impulse insbe-        vielleicht eine Vorbemerkung. Wir könnten uns
sondere im wichtigen KMU-Bereich auszulösen.            vorstellen von unserer Fraktion, hier mitzugehen
                                                        soferne ein Antrag auch inkludiert wird, dass die
      Eine Forschungspartnerschaft mit klein- und       Voraussetzung auch ist, dass der Bund hier mitför-
mittelständischen Wirtschaftsunternehmen, die die       dert. Das nur aus unserer jetzigen Sicht dazu.
wichtigsten Forschungs- und Entwicklungspartner
des gesamten österreichischen Fachhochschulwe-                            („Resolutionsantrag
sens sind, kann nur dann erfolgreich aufgebaut
werden, wenn entsprechende gerätetechnische                  der Abgeordneten Prof. Dr Nasko, Dr. Prober
Infrastrukturen am Fachhochschulstandort verfüg-        und Mag. Ram zur Gruppe 2 des Voranschlages
bar sind und ein damit verbundener personeller          des Landes Niederösterreich für das Jahr 2004,
Know-How-Aufbau erfolgt ist. „Vorleistungen“ die-       Ltg. 17/V-1, betreffend Förderung des verstärkten
ser Art werden in einigen Bundesländern Öster-          Ausbaues von angewandter Forschung an den
reichs, wie dies im Ausland üblich ist, von der öf-     Fachhochschulen durch das Land NÖ.
fentlichen Hand finanziert, da in dieser frühen
Phase dieses Expertiseaufbaues kein KMU bereit             Im Bereich des Universitäts- und Hochschul-
ist, eigene Förderleistungen beizutragen.               wesens stellen die Forschungsaufgaben einen




                                                      202
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


zentralen Aspekt der Tätigkeit dar, wobei Grundla-      Art werden in einigen Bundesländern Österreichs,
genforschung vorwiegend von den Universitäten           wie dies im Ausland üblich ist, von der öffentlichen
betrieben wird. Angewandte Forschung jedoch             Hand finanziert, da in dieser frühen Phase dieses
nimmt vor allem im Bereich der Fachhochschulen,         Expertiseaufbaues kein KMU bereit ist, eigene För-
die unmittelbar von der Wirtschaft benötigte Spit-      derleistungen beizutragen.
zenkräfte ausbilden, einen besonders wichtigen
Stellenwert ein.                                             Um jedoch die von der Wirtschaft so dringend
                                                        benötigten Spitzenkräfte entsprechend ausbilden
     Die Situation der Forschungsförderung stellt       zu können und um die Kraft des Wirtschaftsstand-
sich so dar, dass die Universitäten für ihre For-       ortes durch entsprechende Forschungstransfer-
schungstätigkeiten durch den Bund gefördert wer-        leistungen in die KMUs Niederösterreichs zu entwi-
den, weiters die Lehrbelastung des in hohem Um-         ckeln, ist es notwendig, den Aufbau von ange-
fang verfügbaren voll angestellten wissenschaftsfä-     wandter Forschung an Fachhochschulen sowohl
higen Personals im Bereich von 20-30 % liegt, wo-       personell als auch infrastrukturell seitens des Lan-
mit ein hoher Freiraum für Forschungsaktivitäten        des unabhängig von einer zu Beginn nicht gewinn-
mit vorliegender Basisfinanzierung gegeben ist.         baren Drittmittelleistung der Wirtschaft zu fördern.
Ebenso existiert ein gut dotierter Wissenschafts-
fonds für Aufgabenstellungen der Grundlagenfor-             Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
schung, weiters universitäts-intern gewidmete Do-
tationen zum Aufbau von gerätetechnischer Infra-            Der NÖ Landtag möge beschließen:
struktur, Labors und zur Erneuerung dieser für die
Forschung unabdingbar notwendigen Geräte.                    Die Niederösterreichische Landesregierung
                                                        wird aufgefordert, im Sinne der Antragsbegründung
    Fachhochschulen erhalten pro Student und            im Rahmen ihrer zur Verfügung stehenden Mittel
Jahr seit 1994 nominell gleich gebliebene Förder-       den Aufbau und den Ausbau der angewandten
beträge, die je nach Standortstadt und Bundesland       Forschung an den Fachhochschulen in Nieder-
in unterschiedlicher Höhe ergänzt werden. Das           österreich personell und infrastrukturell zu fördern.
Land NÖ hat sich in seinem Fördermodell dem             Voraussetzung dafür ist, dass der Bund dieses
Bund angeschlossen, ebenfalls auf der nominellen        Vorhaben als förderungswürdig anerkennt und
bis heute nicht Index-angepassten Basis 1994.           finanziell unterstützt. Dies stellt die Voraussetzung
Andere Bundesländer wiederum haben hohe Fi-             dar, dass in späterer Folge entsprechende Dritt-
nanzierungsanteile betreffend des Aufbaus von           mittel durch Wirtschaftsbeiträge generierbar sind.“ )
Labors und Infrastruktur übernommen.
                                                              Ich möchte einfach schon darauf hinweisen,
     Insbesondere für die Situation des FH-Wesens       dass ich glaube, dass die Entwicklung der Fach-
in NÖ kann festgestellt werden, dass sich auf Basis     hochschulen in Niederösterreich eine wirkliche
des hier vorliegenden Finanzierungsmodells eine         Erfolgsstory ersten Ranges ist. Meine sehr verehr-
immer höhere Auslastung des wissenschaftsfähi-          ten Damen und Herren! Das erklärt sich dadurch,
gen Personals in der Lehre ergeben hat, was den         dass in Wr. Neustadt die erste Fachhochschule in
Freiraum für Forschungsaktivitäten laufend redu-        Niederösterreich entstanden ist, die auch die größte
ziert hat, andererseits keine budgetären Spielräume     Fachhochschule gleichzeitig von Österreich ist. Ich
mehr gegeben sind, alte Laborinfrastrukturen zu         glaube, es ist ein Merkmal das durchaus recht-
erneuern bzw. neue Labors aufzubauen. Die Fach-         fertigt, dass man hier von einer Erfolgsstory spricht.
hochschulen NÖ sind somit immer weniger in der          Dasselbe, dass auch die Anzahl der Anfänger als
Lage, ihrem Forschungsauftrag nachzukommen              Studienplätze hier Niederösterreich nur ganz knapp
und insbesondere in ihren Standortregionen ent-         hinter Wien liegt. Und dass zum Dritten, das wurde
sprechend ausreichende innovative Impulse insbe-        auch erwähnt, in Niederösterreich die Weiterent-
sondere im wichtigen KMU-Bereich auszulösen.            wicklung des Fachhochschulwesens seit dem Jahr
                                                        2000 weiter professionalisiert und dynamisiert
     Eine Forschungspartnerschaft mit klein- und        worden ist.
mittelständischen Wirtschaftsunternehmen, die die
wichtigsten Forschungs- und Entwicklungspartner             Ich möchte daran erinnern, dass nach Einrich-
des gesamten österreichischen Fachhochschulwe-          tung der ersten Fachhochschul-Studiengänge 1994
sens sind, kann nur dann erfolgreich aufgebaut          es in den letzten Jahren gelungen ist, besonders
werden, wenn entsprechende gerätetechnische             die drei Standorte in Krems, in St. Pölten und Wr.
Infrastrukturen am Fachhochschulstandort verfüg-        Neustadt mit den zwei Filialstandorten in Tulln und
bar sind und ein damit verbundener personeller          Wieselburg entsprechend zu etablieren, zu festi-
Know-How-Aufbau erfolgt ist. ‚Vorleistungen‘ dieser     gen, auszubauen. Es gelang auch insgesamt 17




                                                      203
Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Fachhochschulstudiengänge aufzubauen. Und was            eine neue Qualität gibt. Und vor allem damit auch
die Anzahl der Studienteilnehmer betrifft, da kann       im internationalen Standortwettbewerb eine neue
man durchaus sagen, dass im Jahr 2000 von 2.300          Chance gibt. In diesem Sinne, glaube ich, ist das,
bis heute auf 3.300 Studierende aufgestockt wer-         was in Niederösterreich hier im Fachhochschulbe-
den konnte. Und dass wir auch guten Mutes sind in        reich entwickelt wird, ausgelöst worden ist, einfach
Niederösterreich, dass wir bis zum Studienjahr           unter dem Strich damit zu qualifizieren, dass hier
2004/2005 das bildungspolitische Ziel der Landes-        damit bessere Chancen entstehen für unser Bun-
entwicklungsstrategie mit 4.500 Studenten an den         desland, auch unter dem Vorzeichen der Notwen-
Fachhochschulen Niederösterreichs auch erreichen         digkeit was die EU-Erweiterung anlangt. In diesem
können.                                                  Sinne herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit!
                                                         (Beifall bei der ÖVP.)
     Ich glaube, dieses Ziel auch deshalb erreichen
zu können, weil für die Weiterentwicklung der                Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Fachhochschulen in Niederösterreich Krems mit            Herr Präsident Sacher.
dem Schwerpunkt internationales Management und
Unternehmensführung, in St. Pölten mit dem Be-               Abg. Präs. Sacher (SPÖ): Sehr geehrter Herr
reich Kommunikation und in Wr. Neustadt und sei-         Präsident! Hoher Landtag!
nen Filialen mit den Schwerpunkten Wirtschaft und
Technik für diese Weiterentwicklung seit dem Jahr             Ich möchte in aller Kürze zur Donau-Universität
2000, das wurde auch schon erwähnt, die Bil-             einige wenige Anmerkungen machen. Ich möchte
dungsgesellschaft für Fachhochschulen und Uni-           aber nicht versäumen, eine kleine Replik auf den
versitätswesen verantwortlich ist.                       Herrn Abgeordneten Kollegen Mag. Heuras zu tun.
                                                         Er hat von einer Bildungsoffensive gesprochen. Er
     Und ich bin schon auch der Auffassung wie           muss in einem anderen Jahrzehnt leben. Denn
mein Vorredner, ich habe das eigentlich so ent-          derzeit ist ein Bildungsrückschritt in die Steinzeit im
nommen und eigentlich darf ich das so interpretie-       Gange in Niederösterreich, sehr geehrte Damen
ren, dass diese Gesellschaft sehr gründlich arbei-       und Herren, was die Pflichtschulen betrifft. (Beifall
tet, dass sie sehr bedarfsorientiert arbeitet und        bei der SPÖ und Abg. Dr. Krismer.)
auch sehr kompetent arbeitet. Vor allem in dem
Bereich der Entwicklung eines Rahmenplanes für               Zur Donau-Universität, und hier darf ich wieder
die Entwicklung und Finanzierung des Fachhoch-           in den Konsens eintreten auch zum Kollegen Dr.
schulwesens, was ein wesentlicher Bestandteil der        Prober, Dr. Nasko um diesen Bogen Fachhoch-
gesamten Weiterentwicklung einerseits ist, und           schulen und diese Sonderform einer Universität
andererseits aber auch an einer Gesamtkonzeption         wieder zu schlagen.
gearbeitet wird, für die nächsten Jahren mit den
Prioritäten der Internationalisierung einerseits und          Die Donau-Universität hat eine super Entwick-
dem Ausbau von Forschung und Entwicklung.                lung genommen. Im Jahr 2002/03 hat sie den
                                                         höchsten prozentuellen Zuwachs an Studierenden
     Ich glaube, wenn man das im Gesamten sieht,         aller österreichischen Hochschulen und Universi-
dann hat das auch eine Perspektive, die durchaus         täten zu verzeichnen. Davon nahezu ein Drittel, 31
Niederösterreich in die Lage versetzen könnte,           Prozent Studierende und Studienlehrgangsteilneh-
vielleicht sogar an den ersten Platz der Bundeslän-      mer, die aus dem Ausland kommen. Und hier wie-
der hier vorzustoßen. Ich glaube, dass die jetzigen      derum sehr, sehr viele aus den EU-Erweiterungs-
17 Studienlehrgänge auf den Fachhochschulen              staaten. Und das finde ich eine ungeheuer wichtige
Niederösterreichs mit den Möglichkeiten des Voll-        Aufgabe, mit diesem Bildungsangebot dazu beizu-
zeitstudiums einerseits, aber auch zum Teil mit den      tragen, dass sich auch im akademischen Sinne hier
berufsbegleitenden Studien, mit den von mir vorhin       ein neues Europa entwickeln kann.
erwähnten Ausbau- und Entwicklungsperspektiven
vielen Niederösterreicherinnen und Niederösterrei-           Im Jahre 2002, und jetzt kommt der zweite As-
chern einfach neue Berufschancen ermöglicht,             pekt, hat die Donau-Universität 15 Millionen Euro
damit neue Einkommenschancen ermöglicht, aber            an Drittmitteln erwirtschaftet. Aus Forschungsauf-
damit auch neue Lebenschancen ermöglicht. Und            trägen und aus Gebühren, Studienbeiträgen, die
ich glaube, dass sie auch unserer Wirtschaft insge-      diese akademischen Fort- und Weiterbildung Ge-
samt die Rekrutierungsmöglichkeit von hochqualifi-       nießenden selbst aufgebracht haben bzw. die Fir-
zierten und bedarfsorientiert ausgebildeten Mitar-       men die hinter ihnen stehen.
beitern ermöglicht. Ich glaube auch das ist ein we-
sentlicher Punkt, dieses Fachhochschulprogramm,               Das bringt der Donau-Universität den absolut
das Niederösterreich unserem Wirtschaftsstandort         ersten Rang in der Eigenfinanzierung aller österrei-




                                                       204
Landtag von Niederösterreich            Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


chischen Hochschulen. 73,8 Prozent des gesamten                  Und zuletzt, wie gesagt, meine ich noch ein-
Jahresbudgets erwirtschaftet diese Bildungsein-              mal, dass man Initiative und Erfolg nicht dadurch
richtung aus eigener Kraft! Und jetzt könnte man             bestrafen soll dass man den Erfolgreichen sozusa-
meinen, eine solche tolle Leistung wird vom Partner          gen dann von hinten herum um seine wohl ver-
Bund, es ist ja eine Universität, die im Universitäts-       dienten, vertraglich zugesicherten Mittel kürzt.
gesetz des Bundes auch verankert ist, honoriert.
Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Und hier                    In diesem Sinne glaube ich, dass die Donau-
muss ich auch wieder sagen, von wegen Bildungs-              Universität Krems unsere Unterstützung braucht.
offensive.                                                   Vom Land hat sie es, bin ich mir sicher. Es wird,
                                                             gehe ich davon aus, hier mit größtmöglicher Mehr-
     Der Bund hat sich mit dem Land Niederöster-             heit dieser Beschluss Ende Juni kommen. Ich ver-
reich in einem Staatsvertrag vertraglich dazu ver-           lange aber auch, dass vom Bund entsprechende
pflichtet, den Betriebsaufwand zu decken. Und von            Mittel zur Verfügung gestellt werden. Danke! (Bei-
dieser Verpflichtung scheint er sich im laufenden            fall bei der SPÖ.)
Jahr und in Zukunft verabschieden zu wollen. Es ist
allen Ernstes vom Bundesministerium für Bildung,                 Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
von der Frau Bundesministerin Gehrer im laufen-              Frau Abgeordnete Rinke.
den Jahr eine Kürzung des Budgets um ein Viertel
veranlasst worden. Das heißt, die sind aus allen                 Abg. Rinke (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsi-
Wolken gefallen. Wo gibt es so etwas, dass man               dent! Hoher Landtag!
ein Budget, mit dem man in diesem laufenden Jahr
wirtschaftet, im Nachhinein um ein Viertel gekürzt                Herr Präsident Sacher hat alles vorwegge-
bekommt? Sozusagen ätsch, ihr habt ja eh 73 Pro-             nommen, ich bin begeistert. Auch der Herr Abge-
zent selbst erwirtschaftet, dafür bekommt ihr die            ordnete Dr. Nasko hat schon einiges gesagt, des-
Ohrfeige vom Bund. Wir nehmen euch dafür das                 wegen darf ich mich zum Kapitel Donau-Universität
Geld weg. Damit bestraft man diese Eigeninitiative,          ganz kurz halten. Erlauben Sie mir doch ganz kurz
damit spart man im wahrsten Sinne des Wortes zu              die Genesis die Donau-Universität noch ein biss-
Tode.                                                        chen nahe zu bringen um die Problematik wirklich
                                                             hier aufzuzeigen.
     Ich stelle in aller Öffentlichkeit auch hier wieder
die Frage, ob damit nicht der Bund gegenüber dem                  Die Donau-Universität wurde im April 1994 er-
Land Niederösterreich vertragsbrüchig geworden               richtet und nahm im Wintersemester 1995/96 mit
ist? Denn wir werden in der letzten Sitzung des              drei Universitätslehrgängen und 93 Studenten den
Landtages im Juni den Ausbau des Campus der                  Studienbetrieb auf. Im Herbst 2002 bot die Donau-
Donau-Universität Krems beschließen, wo alles in             Universität 55 Lehrgänge an, die von mehr als
allem – ich sage noch die Schilling-Ziffer – an die          2.300 Studenten besucht wurde.
450 Millionen Schilling investiert werden vom Land
Niederösterreich, das Land Niederösterreich diese                Die Lehrgänge umfassen ein sehr weites Wis-
Zusage einhält. Und der Bund stiehlt sich aus sei-           sensspektrum und insgesamt nahmen alle Abtei-
ner Zusage, aus seiner Verantwortung heraus.                 lungen eine positive Entwicklung. Die Abteilungen
                                                             heißen Wirtschaft und Managementwissenschaften,
      Es müsste jetzt mittlerweile eigentlich klar sein,     Telekommunikation, Information und Medien, Kul-
wie hoch das Budget wirklich ist, denn mittlerweile          turwissenschaften, Umwelt und medizinische Wis-
ist ja im Parlament die Budgetdebatte in Gang ge-            senschaften, Europäische Integration.
kommen. Und es würde noch interessieren, aber es
ist kein Ansprechpartner leider da, ich werde das                 Ein derartig erfolgreiches und zeitgemäßes
daher in schriftlicher Form machen an die zuständi-          Universitätsmodell wird europaweit nur schwer zu
gen Regierungsmitglieder, wie weit das Land Nie-             finden sein und sollte für diese hervorragenden
derösterreich von diesen Kürzungsmaßnahmen des               Leistungen auch mit der Sicherung seiner Zukunft
Bundesministeriums im laufenden und im kommen-               honoriert werden. Und das hat auch Herr Präsident
den Studienjahr verständigt oder informiert worden           Sacher schon betont.
ist. Ob das Land Niederösterreich eine solche Vor-
gangweise duldet. Und auch die Frage stelle ich, ob                Die innovative Kombination der Fachhoch-
sich das Land Niederösterreich das gefallen lässt.           schule Universität und Biomedizin in Kooperation
Was haben unsere Verantwortlichen getan um auf               mit der Privatwirtschaft sichert den Standort jeden-
der Einhaltung dieses Vertrages zu pochen?                   falls jenseits budgetärer Voraussehungen. Voraus-




                                                           205
Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


setzung dafür ist die hervorragende Kooperation           Budget höher ist, ist ganz einfach zu erklären:
mit dem Land Niederösterreich, die ja auch vom            Durch die Altersstruktur im Bereich der Lehrer-
Land Niederösterreich massiv unterstützt wird, und        schaft, das sind die Biennien die hier schlagend
eine betriebswirtschaftlich versierte Führungsper-        werden. Aber wie gesagt, das ist nicht richtig, dass
sönlichkeit, die über ausgewiesene Management-            die Lehrerbezüge gestiegen sind.
qualitäten verfügt.
                                                               Zur Bildung generell: Wir haben ein Problem.
     Wir werden daher, und ich denke, da sind wir         Wir haben ein Problem, nämlich die Bundespolitik.
alle eines Sinnes, wir werden daher weiterhin alle        Es ist schon von vielen Seiten gekommen und ich
unsere Kraft für die positive Entwicklung der             verstehe die Welt nicht mehr. Zuerst kürzt man
Donau-Universität einsetzen und insbesondere den          zwei Stunden um die armen Schüler zu entlasten.
Bund auffordern, die gesetzlichen Rahmenbedin-            Obwohl, wenn man es genau betrachtet, man drauf
gungen zu verbessern sowie eine angemessene fi-           kommt, dass im AHS-Bereich zum Beispiel die
nanzielle Unterstützung zu geben. Entscheidend für        ganze 8. Klasse fast auf null reduziert wird. Es fal-
den Erfolg der Donau-Universität wird eine konse-         len im Lauf der Schullaufbahn sechs Monate weg.
quente Haltung des Landes Niederösterreich ab-            Und wenn ich das jetzt mit der Matura rechne, dann
seits von temporären Befindlichkeiten des Bundes          gibt’s die 8. Klasse in Wirklichkeit in Zukunft nicht
sein.                                                     mehr. (Unruhe bei Abg. Lembacher.)

     Weiters möchte ich gleich zu den Top-Stipen-               Und dann, das ist erwiesen, das kann ich Ih-
dien kommen. Auch hier hat Herr Abgeordneter Dr.          nen vorrechnen Frau Kollegin, das ist kein Problem.
Nasko schon alles gesagt. Ich darf nur ein paar           Und dann geht die Frau Minister her und sagt, wir
Zahlen noch hinzufügen. Die Stipendien werden an          müssen die Sommerferien kürzen und macht genau
Studenten einer Universität - positiver Abschnitt des     das Gegenteil von dem was sie vorher gemacht hat
ersten Studienabschnittes - und Studenten an              und belastet damit in wesentlich höherem Ausmaß
Fachhochschulen - Ansuchen ab dem 3. Semester             die Schüler. Und wie sie merkt, dass Widerstand
- mit Hauptwohnsitz in Niederösterreich vergeben.         aus allen Reihen kommt, wird nur mehr von einer
Zusätzlich werden Stipendien für postgraduale             Verschiebung gesprochen und nicht mehr von einer
Studien und Studienaufenthalte im Ausland, die auf        Kürzung. Über eine Verschiebung kann man
ein Inlandsstudium angerechnet werden, vergeben.          durchaus reden. Das ist ein Thema das diskutabel
Lehrlinge erhalten Stipendien bei Erwerb einer            ist. Und so sehe ich auch den Antrag des Kollegen
Zusatzqualifikation, zum Beispiel Fremdsprachen           Mag. Heuras.
oder Europäischen Computerführerschein. Bisheri-
ger Vergabestand per 31. Mai ist Inlandsstipendien,            Nur, wir Lehrer haben das Problem auf den
Universität: 1.436 Ansuchen mit 1,109.525 Euro,           ersten Blick sofort in die Sache hineinzugehen und
Inlandsstipendien Fachhochschule: 356 Ansuchen            sagen, das ist vorstellbar, das ist weniger vorstell-
mit 284.800 Euro, Auslandsstipendien mit 430.820          bar. Aber am zweiten Blick frage ich mich, brau-
Euro und Lehrlinge: 295 Ansuchen mit 68.274               chen wir überhaupt einen Antrag des NÖ Landta-
Euro. Insgesamt 1,893.420 Euro. Das zu Ihrer              ges, der keiner der Betroffenen ist? Sondern in
Information.                                              Wirklichkeit ist es die Schulpartnerschaft die be-
                                                          troffen ist, nämlich die Lehrer, die Eltern, die Schü-
     Ich hoffe, wir werden alle gemeinsam den rich-       ler und der Landtag teilweise, okay, das gestehe
tigen Weg für die Donau-Universität und Bildungs-         ich noch dazu. Brauchen wir aber einen Antrag um
hauptstadt Krems weiter gehen. Danke schön!               die Suppe auszulöffeln die sich die Frau Bundes-
(Beifall bei der ÖVP.)                                    minister mit dieser Diskussion eingebrockt hat?
                                                          Denn bei dem Antrag ließe sich auch viel diskutie-
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt             ren. Der Sommer beginnt am 21. Juni. Was ist
Herr Abgeordneter Cerwenka.                               wenn es im nächsten Jahr anders ausschaut. Dass
                                                          wir einen kühlen Juni haben und der August sehr
    Abg. Cerwenka (SPÖ): Sehr geehrter Herr               heiß ist. Wie schaut es aus mit den Praktiken? Es
Präsident! Hoher Landtag!                                 sind eine ganze Menge Faktoren, die man hinter-
                                                          fragen muss genauso wie die Festlegung auf
     Ich muss zuerst einiges klar stellen. Der Kol-       Herbstferien. Daher ziehe ich das nicht nur zurück,
lege Mag. Ram hat zuerst gemeint, es gibt eine            sondern unterstütze diesen Antrag auch nicht.
Steigerung bei den Lehrerbezügen. Das Gegenteil
ist der Fall. Durch die Einmalzahlung wird vieles              Seit Schwarz-Blau an der Regierung ist, ist
nicht pensionsrelevant, wir haben nur die 0,8 Pro-        nicht die Qualität unseres Systems gestiegen, son-
zent bekommen. Sondern warum die Summe im                 dern die Qualität wird noch aufrecht erhalten durch




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


das Engagement der Pädagogen und Pädagogin-               nicht unsere Kinder mit sechs Jahren schon zu
nen. Aber nicht durch die Rahmenbedingungen die           Pendlern. (Beifall bei der SPÖ.)
uns der Bund vorgibt. Denn in Wirklichkeit sind die
bildungspolitischen Maßnahmen ein deutlicher                   Denn in Wirklichkeit, was hängt alles dran? Die
Rückschritt. Nicht nur um Jahre, sondern um Jahr-         Gemeinden haben investiert. Da gebe ich dem
zehnte. Und ich kenne kaum eine Maßnahme, die             Kollegen Mag. Heuras vollkommen Recht. Wir ha-
eine Verbesserung gebracht hat.                           ben sehr gut ausgestattete Schulen und einen Teil
                                                          davon werden wir schließen müssen. Dann haben
     Das Sündenregister ist lang, beginnt bei den         die Gemeinden umsonst oder vergeblich investiert.
Studiengebühren, wo es auch im Zuge einer Stu-            Wir haben eine Verschlechterung der Struktur
dienbeihilfe oder eines Stipendiums keine Gerech-         durch den Mehrstufenunterricht. Erstens sind die
tigkeit geben kann, solange man nicht über die            Pflichtschullehrer mit Ausnahme der Sonderschul-
Aufrechnung des Einheitswertes diskutiert, solange        lehrer nicht ausgebildet Abteilungsunterricht zu
man nicht über die Steuergestaltungsmöglichkeiten         erteilen oder in ganz geringem Ausmaß. Dann
im Unternehmensbereich diskutiert. Und dann wei-          schauen wir nach, wer wirklich die Ausbildung hat,
ter gleich zum Finanzausgleich.                           das ist marginal, das ist ganz marginal.

     Das ist nicht nur kein gutes Ergebnis, sondern             Wir haben steigende Klassendurchschnitts-
mit dem Geburtenrückgang, mit der Senkung der             zahlen. Moderne Lehr- und Lernformen werden mit
Klassenschülerzahlen ist es in Wirklichkeit jetzt         großen Klassen, die bis 30 angefüllt sind, kaum
eine mittlere Katastrophe die auf uns zukommt.            oder schwierig durchführbar sein. Wird auf jeden
Und wenn Abgeordneter Maier zuerst festgestellt           Fall um einiges schwerer. Daher ist die Herabset-
hat, wie toll die Projekte im EU-Bereich sind, das        zung der Klassenschülerhöchstzahl ein Gebot. Und
stimmt schon, weil sich die Lehrer wirklich engagie-      ich erinnere mich, dass das auch schwarze Schul-
ren. Aber auf der anderen Seite ist zu sehen, dass        politiker oder Lehrervertreter immer gefordert ha-
viele Zusatzangebote einfach nicht mehr stattfinden       ben. Nur komischerweise in den letzten Monaten
können in den Schulen. Wir haben fast keine               hör‘ ich nichts mehr davon.
Native-Speaker mehr, wir können keine Freige-
genstände mehr machen im Bereich der unverbind-                Das Problem ist, dass der Bund nicht das Geld
lichen Übungen. Alles was die Schüler gerne ma-           hat. Und die Frau Minister sagt, da können wir nicht
chen kann nicht mehr angeboten werden, wo sie             drüber. Oder besser gesagt der Grasser’sche
mit Freude lernen, weil es einfach hinten und vorne       Sparstift in Wirklichkeit das verhindert. Es wird auch
am Geld fehlt.                                            gesagt, wir haben zu wenig Klassenraum. Ich
                                                          kenne diese Argumente. Wir werden in Zukunft
     Und was das Schlimmste ist, das wird sich die        Klassenraum in Hülle und Fülle haben durch die
nächsten paar Jahre zeigen. Wir haben heuer das           sinkenden Schülerzahlen. Also diese Argumente
erste Mal eine ganze Reihe von Klassenzusam-              fallen ohnehin weg. Und durch die sinkenden
menlegungen, Grundstufe 1, Grundstufe 2. Und              Schülerzahlen, durch die Einschränkungen bei den
jeder der sich im Bildungsbereich auskennt, weiß          Lehrern, weil es werden ja keine Lehrer gekündigt,
was das heißt. Das ist eine schleichende Schlie-          es werden ja nur Verträge nicht mehr verlängert,
ßung der Schule. Vor der wir in zwei, drei, vier Jah-     was aber genauso heißt dass sie keine „Hacke“
ren stehen werden.                                        mehr haben in Zukunft, wird das Schulsystem oh-
                                                          nehin billiger. Und jetzt streichen wir natürlich noch
     Achtklassige Volksschulen werden in den              finanzielle Mittel weg. Das kann es doch wohl nicht
nächsten Jahren vierklassig werden. Im Haupt-             sein!
schulbereich kommt das mit vier Jahren Verzöge-
rung. Wir können uns gerne gegen Ende der Peri-                Und wir haben auch schon eine ganze Menge
ode unterhalten und ich garantiere Ihnen, dass es         an gesellschaftspolitischen Problemen in den
in dieser Form eintreten wird. Und es wird auch           Schulen. Und daher möchte ich einen Antrag der
schon mittelfristig zu Schließungen kommen. Und           nicht neu ist, neuerlich wieder einbringen. Wir brau-
es erreicht uns Brief um Brief. Ich habe gestern erst     chen professionelle Unterstützung. Es gibt einige
einen Brief eines Pfarrers bekommen, der sehr             Versuche in diesem Bereich, die seit einigen Jah-
wohl auch den Konsens schließt, die Brücke                ren laufen. Sukzessive ausgebaut werden, aber
schließt. In Wirklichkeit was hier passiert ist, ein      von einer Flächendeckung sind wir immer noch weit
weiteres Beispiel der Ausdünnung im ländlichen            weg. Aber zumindest, Frau Landeshauptmannstell-
Bereich. Und daher fordern wir als Sozialdemokra-         vertreterin, bin ich sehr froh, dass wir das erste Mal
ten, bitte lassen wir die Schule im Dorf, machen wir      einen Ansatz im Budget von 160.000 Euro für die-




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


sen Bereich Schulsozialarbeit drinnen haben. Weil               Die Landesregierung, insbesondere Herr Lan-
bisher hat das immer aus anderen Bereichen be-             deshauptmann Dr. Erwin Pröll, wird aufgefordert,
deckt werden müssen in der Versuchsform.                   bei den zuständigen Bundesdienststellen vorstellig
                                                           zu werden und dahin zu wirken, dass das Überein-
     Und daher möchte ich das noch einmal drin-            kommen gemäß Art. 15a B-VG betreffend die Fi-
gend einbringen, dass wir wirklich zu einem flä-           nanzierung der Bildstellen dahingehend geändert
chendeckenden Einsatz von Schulsozialarbeitern             wird, dass für die Bezirksbildstellen geleisteten
über ganz Niederösterreich bezirksweise kommen             Mittel derart umgewidmet werden, dass für jeden
und auch einen Bedeckungsvorschlag machen der              Verwaltungsbezirk mindestens ein Sozialarbeiter
nicht neu ist. In Zeiten wie diesen brauche ich nicht      bestellt wird, damit im Sinne der Antragsbegrün-
mehr in jedem Bezirk eine Bezirksbildstelle. Wir           dung die derzeitige Versuchsphase in eine verbind-
haben heute EDV-Möglichkeiten, eine Videokas-              liche Betreuungsform umgewandelt werden kann.“
sette, eine CD, ein Datenträger ist relativ leicht
übersendbar. Und wenn ich da eine ordentliche                   Das ist der Antrag der Abgeordneten
Landesbildstelle ausbaue, kann ich unheimlich viel         Cerwenka und Weiderbauer. Ich ersuche Sie, die-
an Ressourcen einsparen. Und um dieses Geld                sem Antrag zuzustimmen. Denn ich glaube hier tun
könnten wir die Schulsozialarbeit durchaus finan-          wir unserer Jugend Gutes und können im präventi-
zieren. Und daher stelle ich den Antrag (liest:)           ven Sinn viele Auswirkungen verhindern. Ich
                                                           glaube, das rote Licht ist noch zu früh. Als Haupt-
                   „Resolutionsantrag                      redner in dieser Gruppe stehen mir 15 Minuten zu.

    der Abgeordneten Cerwenka und Weiderbauer                  Präsident Mag. Freibauer: Das war der Ab-
zur Gruppe 2 des Voranschlages des Landes Nie-             geordnete Dworak. Der Erste der sich meldet.
derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,
betreffend den Einsatz von Sozialarbeitern in                     Abg. Cerwenka (SPÖ): Da war ich vorgese-
Schulen.                                                   hen.

     Im Bericht der Landesregierung zum Be-                     Präsident Mag. Freibauer: Das hat Präsident
schluss des NÖ Landtages über die Unterstützung            Sacher hier eingetragen. Da steht 15 bei Dworak.
für SchülerInnen und Kinder zur Konfliktbewälti-           Gut. Also dann wird das verlängert um fünf Minu-
gung, Ltg.-908/A-2/30-2002, stellt der Landesschul-        ten.
rat für Niederösterreich fest, dass Angebote für
SchülerInnen, welche die Erhöhung von Eigen- und                Abg. Cerwenka (SPÖ): Gut. Dankeschön! Ich
Sozialkompetenz zum Inhalt haben, begrüßt wer-             muss noch einiges zum Bereich der Erwachsenen-
den.                                                       bildung sagen. Da gibt’s den Antrag der Freiheitli-
                                                           chen, der eine Wiederholung des Antrages beim
    Es besteht Übereinstimmung, dass es zweck-             letzten Mal war. Mehr Mittel für die Erwachsenen-
mäßiger ist, präventive Maßnahmen zu ergreifen,            bildung ist in Ordnung, bin ich sofort dafür. Nur
um bereits bei ersten Erscheinungsbildern anzuset-         haben wir das Problem dass da drinnen steht, das
zen, anstatt die für die Gesellschaft wesentlich           ist die Trennung in Objekt- und Subjektförderung,
teureren Auswirkungen tragen zu müssen.                    was für die Trägerschaften sehr problematisch sein
                                                           kann und daher können wir in dieser Form nicht
    Die Erfahrungen aus den Projekten in Neu-              mitstimmen.
lengbach, Wilhelmsburg und Melk zur sozialpäda-
gogischen Nachmittagsbetreuung von Schulkin-                    Das Land Niederösterreich bemüht sich in die-
dern, die durch ihre Verhaltensauffälligkeit im Alltag     sem Bereich, die Bundesländer sind unterschied-
(Schule, Familie, Freizeit) oder wegen einer hoch-         lich. Es gibt neun verschiedene Fördermodelle.
problematischen familiären Situation ohne eine             Wien ist hervorragend mit einem –zigfachen von
derartige stützende Betreuung in einem Heim un-            Niederösterreich. Aber Niederösterreich hat immer-
tergebracht werden müssten, sowie die Zunahme              hin in den letzten Jahren Hypoerlöse in diesen Be-
von akuten Fällen rechtfertigen den Einsatz von            reich eingebracht, sodass es schon ein bisschen
Sozialarbeitern in allen Bezirken, was vor allem           leichter ist, und hat jetzt im Ansatz wieder 50.000
auch durch die amtlich vorliegenden Anfragen von           Euro mehr drinnen.
verschiedenen Gemeinden deutlich wird.
                                                               Und wenn wir jetzt schon von Objekt- und
    Die Gefertigten stellen daher den Antrag:              Subjektförderung reden, die Objektförderung brau-
                                                           chen wir, dass die guten Einrichtungen wie Volks-
    Der NÖ Landtag wolle beschließen:                      hochschulverband, Bildungs- und Heimatwerk,




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


katholische, evangelische Bildungswerke usw. auch         türlich zu den Vorrednern einiges sagen und vor
ihren Verpflichtungen nachkommen können. Da bin           allem auch zum Kollegen Cerwenka mit dem ich ja
ich aber schon bei der Subjektförderung in einer          gemeinsam in der Erwachsenenbildung tätig bin,
anderen Schiene.                                          aber natürlich nicht mit allen Dingen einverstanden
                                                          bin die er gesagt hat. Ich bin sicher nicht der Ver-
     Bis jetzt wird Subjektförderung in erster Linie      teidiger der Bundesregierung. Wir haben heute
von Interessensvertretungen gemacht. Ob es Ar-            schon festgestellt, dass wir im NÖ Landtag eigen-
beitnehmerförderung ist, ob es der Bildungstausen-        ständig arbeiten. Wir sind nicht am Gängelband der
der der AK ist, aber ich sehe aus dem Bereich der         ÖVP des Bundes wie vielleicht andere Landesor-
Wirtschaftsseite nicht einen Minimalansatz hier           ganisationen in anderen Parteien. Aber so einfach
Unterstützung zu geben. Obwohl gerade die Wirt-           kann man sich das nicht machen dass man sich da
schaft auch Profiteur wäre, wenn die Mitarbeiter          herstellt und ganz einfach behauptet, das ist der
besser und vermehrt weiter gebildet werden. Und           Niedergang des Abendlandes was jetzt auf dem
daher gebe ich das den Wirtschaftsvertretern in           Schulsektor passiert.
diesem Haus sehr gerne mit, dass man nur ge-
meinsam im Weiterbildungsbereich mehr für die                  Und vor allem eines mit dem anderen ver-
Zukunft machen kann.                                      mischt. Auf der einen Seite eine Stundenkürzung
                                                          im AHS-Bereich und auf der anderen Seite jene
     Erwachsenenbildung steht in einer schwierigen        Dinge, die uns draußen in den Regionen natürlich
Situation. International mit der Erweiterung, mit der     auch schmerzen, nämlich der Geburtenrückgang.
gegenseitigen Anerkennung, mit der Zertifizierung,        Und da kann man, bitte, wirklich niemanden ver-
Pononiaprozess in Prag fortgesetzt. Wann es end-          antwortlich machen. Weder die Frau Bundesminis-
lich zu einer Lösung kommen wird ist noch nicht           ter Gehrer noch den Landeshauptmann noch sonst
absehbar. Wir stehen im Wettbewerb auch mit den           jemanden. Wenn es hier eine Entwicklung gibt,
anderen Staaten. Wenn ich das ganze Bildungs-             dann muss man dieser Entwicklung Rechnung
system hernehme, ich bin überzeugt dass heute             tragen. Und ich glaube, da sind hier alle gefordert.
noch einmal die Pisa-Studie zitiert wird. Schauen         Und einfach zu sagen, wie in dem Resolutionsan-
wir bitte nicht nach unten, schauen wir nach oben.        trag des Abgeordneten Dworak, man möge die
Es gibt Länder die vor uns stehen in der Pisa-Stu-        Klassenschülerhöchstzahl senken: Das ist zwar
die. Und das hat auch einige Gründe und darum             recht gut, aber wirkt sich natürlich regional unter-
kann man die gemeinsame Schule der 10- bis 14-            schiedlich aus. In Ballungsräumen muss ich zu-
Jährigen nicht so einfach vom Tisch wischen. Denn         sätzlich Räumlichkeiten schaffen und in anderen
Schul- und Bildungspolitik heißt Verantwortung            Bereichen wird es durchaus Räumlichkeiten geben.
tragen. Und wir können die Chancen unserer Kin-           Das heißt, man weiß heute gar nicht wie sich das
der nicht auf dem Altar der Globalisierung oder           auf die Gemeinden als Pflichtschulerhalter auswirkt.
einen sinnlosen Privatisierung in diesem Bereich
opfern. Denn was jetzt passiert heißt ja schon, dass           Zur Erwachsenenbildung möchte ich einige
immer mehr private Lerninstitute die Profiteure sind      Dinge sagen. Wir sind, glaube ich, auf einem guten
der Maßnahmen die von bundespolitischer Seite             Weg, wir liegen auf einem guten Niveau in Nieder-
gesetzt werden.                                           österreich. Und wenn ich den Voranschlag be-
                                                          trachte, so haben wir 2003 1 Million 108 Euro und
     Niederösterreich hat gute Ansätze, aber es           2004 1,160.000 Euro zur Verfügung für die Er-
kann nie genug sein im Bildungsbereich. Und es            wachsenenbildungseinrichtung. Das ist immerhin
wäre auch notwendig, dass wir hier die Stärke un-         eine Steigerung von 5 Prozent. Und dazu kommen
seres Bundeslandes auch im Bund einbringen, um            dann noch etliche Mittel aus den Gemeinden.
Chancen nicht gegen stupide Sparstifte einzutau-
schen. Ich ersuche Sie um Zustimmung zu unse-                  Wir dürfen ja nicht vergessen, gerade die Er-
rem Resolutionsantrag und sage Dankeschön für             wachsenenbildung wird hauptsächlich getragen von
die Aufmerksamkeit! (Beifall bei der SPÖ.)                den Vereinen, aber auch von den kommunalen
                                                          Einrichtungen. Und dort stehen sehr viele Dinge zur
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt             Verfügung. Zum Beispiel die Räumlichkeiten die zur
nun Herr Abgeordneter Nowohradsky.                        Verfügung gestellt werden, das Personal zum Teil
                                                          von den Gemeinden die hier mithelfen. Und auch
    Abg. Nowohradsky (ÖVP): Sehr geehrter                 natürlich verschiedene Bildungshäuser oder all
Herr Präsident! Hoher Landtag!                            diese Dinge. Das steht zur Verfügung. Man müsste
                                                          all das in einem globalen Budget zusammenfassen
     Im Bereich der Erwachsenenbildung möchte             und dann schaut schon die Situation anders aus.
ich einige Worte hier auch bringen, aber auch na-         Und daher kann ich, ist keiner da von den Freiheit-




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


lichen, hier bei diesem Resolutionsantrag - der          leistungen. Hier ist noch nicht hundertprozentig
Abgeordnete Cerwenka hat das ja schon erwähnt,           geklärt wieweit die Kultur und Erwachsenenbildung
das ist der ähnliche wie im Vorjahr wahrscheinlich       auch betroffen ist. Das würde bedeuten, dass hier
nur kopiert - kann ich genauso wie im Vorjahr nicht      sehr große Erwachsenenbildungseinrichtungen
zustimmen. Noch dazu wo man sagt, dass es zu             nach Österreich hereindrängen könnten. Es wäre
einer Basisförderung kommen soll, dass die erhöht        auf kurzfristiger Sicht natürlich auch in diesem Be-
wird. Wir sind alle natürlich dafür. Aber die Sub-       reich ein großer Konkurrenzkampf der sich wahr-
jektförderung, wo fange ich da an bei der Subjekt-       scheinlich so abspielen würde, dass die derzeitigen
förderung, beim Diavortrag oder bei der wirklich         Erwachsenenbildungseinrichtungen, die ja von
ganz intensiven Schulung. Daher können wir hier          Subventionen leben, durchaus dann gefährdet wä-
nicht zustimmen.                                         ren und natürlich auch diese kostengünstige
                                                         Struktur nicht mehr gegeben wäre.
     Was uns besonders freut in der Erwachsenen-
bildung ist natürlich, dass sich sehr viele auch eh-
                                                              Das sind einige Dinge die ich hier erwähnt
renamtlich hier einbringen. Dieses ehrenamtliche
                                                         habe. Zu den beiden Resolutionsanträgen haben
Engagement, das wir in sehr vielen anderen Be-
                                                         ich schon Stellung genommen. Und ich glaube, wir
reichen auch kennen, wir haben es ja heute gehört
                                                         sind trotz sehr vieler Sparmaßnahmen auf Bundes-
im Bereich des Feuerwehrwesens und all diesen
                                                         ebene in Niederösterreich gerade im Erwachse-
Dingen, gibt es natürlich hier auch.
                                                         nenbildungsbereich auf einem sehr guten Weg.
                                                         (Beifall bei der ÖVP.)
     Das müsste man auch natürlich in Stunden
bewerten, was kostet das, was bringt das Ganze.
Und wir können erst durch diese ehrenamtlichen               Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
Mitarbeiter ein flächendeckendes Bildungsangebot         Frau Abgeordnete Dr. Krismer.
leisten. Die Gefahr ist aber dabei, dass gerade
diese Ehrenamtlichkeit in ihrer Struktur gefährdet           Abg. Dr. Krismer (Grüne): Sehr geehrter Herr
wird. Zwei Gefahren liegen hier auf der Hand. Und        Präsident! Frau Landeshauptmannstellvertreterin!
da wirst du jetzt gleich sehen, Herr Kollege, dass       Werte Kolleginnen und Kollegen!
ich nicht immer unbedingt einer Meinung mit unse-
rer Bundesministerin bin. Denn während wir im
                                                                In der Gruppe 2 gibt es einen Unterabschnitt
Lande Niederösterreich im Erwachsenenbildungs-
                                                         und zwar jener Kindergärten, das sind 10 Prozent
ressort fünf Prozent plus haben erwarten uns auf
                                                         dieser Gruppensumme bzw. 2,2 Prozent des Ge-
Bundesebene sehr starke Kürzungen, was natürlich
                                                         samtbudgets für 2004. Das Kinderbetreuungsgeld
auch wiederum Förderungsschienen in den einzel-
                                                         sowie das nicht flächendeckende, weil nicht öffent-
nen Ländern geringer hält. Und vor allem eines:
                                                         liche Angebot in Niederösterreich drängt Frauen
Was hier die Erwachsenenbildung wirklich in den
                                                         immer mehr vom Arbeitsplatz weg. Unabhängig ob
Vordergrund stellen könnte, ist, dass die pädagogi-
                                                         wir gerade in einer Rezession sind oder nicht. Jetzt
schen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir zum
                                                         trifft es die Frauen wieder viel, viel mehr als eben in
Teil auch mitfinanzieren, dass es immer weniger
                                                         besseren Zeiten.
werden auf Bundesebene. Und das tut uns natür-
lich weh. Wir haben hohe Qualifikationsmerkmale in
den einzelnen Bundesländern. Wir haben auch die               Frau Landesrätin Mikl-Leitner ist jetzt gerade
Möglichkeit, nachträgliche Bildungsabschlüsse            nicht hier im Hohen Haus. Sie war aber jene Frau,
unseren Kunden und Kundinnen zur Verfügung zu            die uns vor einigen Tagen eine Studie präsentierte
stellen. Zum Beispiel Hauptschulabschluss und all        und aus der geht hervor, dass Frauen ein weitaus
diese Dinge, Berufsreifeprüfungen. Aber die Anfor-       höheres Bildungsniveau haben als Männer jetzt
derungen steigen immer mehr und daher wäre es            schon in Niederösterreich. Kann ich nur sagen
gerade hier sehr gut, und jeder Euro wäre hier sehr      bravo. Aber was bedeutet das und welche politi-
gut angewendet im Bereich der Erwachsenenbil-            sche Konsequenz hat so eine Erhebung? Das
dung. Denn die Einsparungen, die sich im gesam-          müsste nämlich bedeuten, dass wir flächendeckend
ten Bundesbudget hier bewegen sind so minimal            ein Angebot bräuchten. Denn dieser Kinderscheck
dass man sie fast gar nicht spüren würde. Würden         oder dieses Kinderbetreuungsgeld wie es richtig
aber der Erwachsenenbildung einen sehr, sehr             heißt, ermöglicht es Frauen nicht bei ihren Kindern
großen Vorteil bringen.                                  zu bleiben. Sie wissen genau, Frauen können es
                                                         sich ebenso wenig wie Männer leisten, länger als
   Zweite Gefahr auf die ich noch hinweisen              ein halbes Jahr vom Berufsleben fern zu bleiben.
möchte ist auf europäischer Ebene. Wir kennen das        Das ist ein gewaltiger Karriereeinbruch wenn nicht
GATS-Abkommen, das ist der Handel von Dienst-            sogar das Karriereende.




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     Hier ist Handlungsbedarf gegeben geschätzte          die Bienenkunde gefördert noch zum Beispiel das
Damen und Kollegen. Und es wäre hoch an der               Studium von Japanischem oder Chinesischem. Es
Zeit, wenn wir jetzt dieses Potenzial nützen würden       wird nur jenes gefördert was ganz schnell auch
und jetzt schon vorbauen würden für die kommen-           einen Nutzen bringt. Und auch dieser Nutzen ist zu
den Jahre. Denn Sie wissen auch genau auf Grund           hinterfragen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen.
der demografischen Entwicklung in Österreich, aber
auch in Niederösterreich werden wir in einigen                 Was bringt uns Niederösterreicherinnen un-
Jahren einen Arbeitskräftemangel haben. Und ich           term Strich die Donau-Universität Krems? Ich halte
glaube nicht, dass sehr viele Menschen aus dem            das für ein Prestigeobjekt, ein Aushängeschild das
Osten nach Niederösterreich kommen werden.                man sich leisten könnte wenn man auf dem Gebiet
Nein, wir haben ein gewaltiges Reservoir, das sind        der universitären Ausbildung einiges anzubieten
die Frauen, die zu Hause bei den Kindern sind.            hätte.Und das haben wir nicht. Ich glaube sogar
                                                          eher, dass wir so ein bisschen unser mangelndes
     Angemerkt, und weil ich es so wichtig erachte,       Selbstbewusstsein mit diesem Prestigeobjekt ver-
ist die Einrichtung, wir wissen, es gibt zwei große       decken müssen, kaschieren müssen.
Einrichtungen. Das Angebot ist ähnlich, ich spreche
von den Tagesmüttern. Meines Erachtens ist die-                 Ich bzw. wir haben Landeshauptmann Erwin
ses Service für Eltern, für Frauen, aber auch für         Pröll auch gewählt, weil ich ihm durchaus zutrauen
Männer mit Kindern im Grunde, ich sage es jetzt           würde, einige Institute nach St. Pölten zu bringen.
ganz polemisch, eine Ausbeutung von einigen               Es gab und gibt Reformen. Man versucht einige
Frauen, die sehr, sehr viele Kinder in einem              Institute zu schließen, man will nicht mehr ein An-
Betreuungsverhältnis haben müssten damit sich             gebot an mehreren Universitätsorten in Österreich
das auch wirklich rentiert. Und ich rede nicht davon,     haben, also im Bundesgebiet haben. Also ich kann
dass sie auch keine ausreichende soziale Absiche-         mir vorstellen, dass es Sinn machen würde und
rung haben. Die Alternative wäre wirklich eine            dass es anzustreben ist, dass wir einige Institute in
Ganztagskinderbetreuung und zwar auch für Kinder          St. Pölten haben. Wir haben eine Landeshaupt-
unter drei Jahren.                                        stadt, wo wir immer Landeshauptstadt hinzufügen
                                                          müssen, weil St. Pölten vom Selbstwertgefühl her
     Zumindest ein Herr der Freiheitlichen ist im         nicht ausreicht. In der Steiermark reicht Graz aus.
Saal, Herr Mag. Ram. Die Grünen können dem
Resolutionsantrag nicht zustimmen. Ich sage jetzt              Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich
schon immer auch auf kommunaler Ebene, bewah-             glaube, ein bisschen sollten wir uns zurücknehmen
ret uns vor Gutscheinen und Schecks. Also mir             von diesen Prestigeobjekten und sollten daran
hängen die irgendwie oben ‘raus diese Gutscheine.         denken in Kooperation mit dem Bund, aber auch in
Wir werden dem nicht zustimmen, weil uns fehlt            Kooperation mit der Öffnung der Europäischen
dann, mit diesem flexiblen System schafft man             Union Gelder zu lukrieren und vielleicht der univer-
auch die Möglichkeit, dass einige wenige Vereine          sitären Standorte und nicht postgraduale Ausbil-
sehen dort ist Geld zu machen. Das bedeutet aber          dungsstätten in Niederösterreich zu etablieren.
auch, dass wir keine Qualitätssicherung in diesem         Danke. (Beifall bei den Grünen.)
Bereich aufrecht erhalten können. Was wir wollen
sind hochqualifizierte Personen. Und da beginnt es            Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
schon teilweise auch bei den Tagesmüttern zu              Frau Abgeordnete Kadenbach.
bröckeln. Wir brauchen gut ausgebildetes Personal
für unsere Kinder.                                            Abg. Kadenbach (SPÖ): Werter Herr Präsi-
                                                          dent! Wertes Hohes Haus!
     Einem zweiten Teil möchte ich mich jetzt kurz
widmen. Und zwar jenem der die eigentliche For-                Ich möchte vielleicht auch gleich mit dem Re-
schung und Wissenschaft betrifft. Ich glaube, Zah-        solutionsantrag der FPÖ starten und darf ähnlich
len hat noch niemand meiner Vorredner, es waren           wie im letzten Jahr sagen, dass wir diesem Antrag
meistens Männer, genannt. 289, Unterabschnitt             nicht beitreten werden. Gründe sind bekannt. Ziel
289. Da reden wir von einem Prozent der Gruppe 2.         der Sozialdemokratie ist die kostenlose Kinder-
Das ist die eigentliche Forschung. Und wir sehen          betreuung auf allen Ebenen. Das heißt, dieser An-
darin ganz deutlich einen Trend der lautet, die           trag, dieser Scheck würde dem widersprechen.
schnelle, direkte Bildung Fachhochschule, Presti-
geobjekt Donau-Universität Krems, die werden in               Auf Initiative von Frau Landesrätin Christa
Niederösterreich gefördert. Nicht aber, oder keine        Kranzl wurde vor mittlerweile mehr als zweieinhalb
ausreichende individuelle Förderung, um es auch           Jahren die Initiative altersgemischte Gruppen ins
spitz zu formulieren, in Niederösterreich wird weder      Leben gerufen. Eine Initiative, die sich in Nieder-




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österreich innerhalb dieser sehr kurzen Zeit sehr                Sie lernen einen vollkommen natürlichen un-
großer Beliebtheit erfreut hat. Das beweisen die            gekünstelten Umgang mit Menschen, die sich ein
mehr als 100 derartigen Gruppen, die derzeit in             bisschen von denen, die sie sonst in ihrer Umge-
Niederösterreich als altersgemischte Gruppen ge-            bung haben, unterscheiden. Für sie ist ein Behin-
führt werden. Bei der Evaluierung dieser Gruppen            derter nicht jemand den es mit großen Augen zu
jetzt im Vorfeld stellt sich heraus, dass es überall        bestaunen gilt, für sie ist jemand, der eine Behinde-
immer nur positive Erfahrungen gibt und ich bin             rung hat, ganz im Gegenteil, jemand mit dem man
daher sehr zuversichtlich, dass dieses Projekt auch         offen reden kann, auf den man zugehen kann: Auf
in Zukunft mit einem derartigen Erfolg fortgeschrie-        den man aber in besonderer Weise Rücksicht
ben wird.                                                   nimmt, von den man oder von der man allerdings
                                                            auch selber lernen kann. Und ich glaube, dieser
     Diese Gruppen haben maximal 20 Kinder und              Austausch in diesen integrativen Gruppen ist etwas
vor allem, das ist wichtig dazu zu sagen, maximal 2         ganz besonders Wichtiges. Und ich glaube, wir
Kinder die unter drei Jahre alt sind. In einer Zeit, in     sollten uns bemühen, die finanziellen Vorkehrungen
der, wie wir heute schon mehrmals angesprochen              für diese speziellen Gruppen auch in Zukunft si-
haben, die Geburtenzahlen rückläufig sind, ist das          cherzustellen. (Beifall bei der SPÖ, Abg. MMag. Dr.
von zweifachem Nutzen. Sehr viele Kinder erleben            Petrovic und Abg. Mag. Ram.)
erst durch diese altersgemischten Gruppen die
Situation eines Familienverbandes, in der ein Kind               Wir haben weiters, um vielleicht noch ein paar
gleichzeitig Lehrender wie auch Lernender sein              Zahlen nennen zu dürfen, 216 Kinder in speziellen
kann. Ich glaube, das ist für jeden der mit kleinen         Integrationsgruppen, das sind Gruppen wo mehrere
Kindern oder Kindern überhaupt zu tun hat, sehr             Kinder mit besonderen Bedürfnissen sind. Diese
wichtig für das Selbstwertgefühl der Kinder. Dass           Gruppen sind demgemäß auch kleiner gehalten
sie erfahren, dass sie nicht immer nur jene sind            und sind maximal mit 15 Kindern. Und weitere
denen man beibringt wie etwas zu tun ist, sondern           5.238 Kinder mit weniger schweren Behinderungen,
die selbst ihre Erfahrungen, ihr Wissen schon wei-          die ebenfalls zusätzliche Betreuung erfahren.
tergeben können.
                                                                Wir haben in Niederösterreich derzeit 2.426
     Landesrätin Christa Kranzl kann aber nicht nur         Kindergärtnerinnen-Dienstposten. Und ich habe mit
auf diese Initiative stolz sein, sondern sie kann           einem Blick in den Dienstpostenplan doch mit et-
auch stolz darauf sein, dass in Niederösterreich in         was Bedauern feststellen müssen, dass für das
den Kindergärten eine vorbildliche Integration statt-       kommende Jahr um 20 Kindergärtnerinnen weniger
findet. Wir haben in Niederösterreich insgesamt,            vorgesehen sind. Ich nehme an, das ist die natürli-
und ich darf jetzt ein paar Zahlen nennen, weil in          che Entwicklung. Das würde mich aber dann auch
der Gruppe 2 die Kindergärten doch auch eine                im Sinne des Antrages den ich dann noch stellen
wesentliche Rolle spielen und diese Zahlen heute            möchte, freuen, wenn wir 2005 in diesem Bereich
noch nicht gefallen sind: Wir haben zirka 1.030             der uns doch allen sehr wichtig sein sollte, wieder
Kindergärten mit 2.080 Gruppen in denen 44.230              eine positive Entwicklung haben sollten.
Kinder so ungefähr betreut werden. Von diesen
44.230 Kindern gibt es aber auch eine Anzahl von                 Von diesen 2.426 bzw. 2.406 im nächsten Jahr
Kindern, denen unsere besondere Aufmerksamkeit              sind 99 ambulante Sonderpädagoginnen. Aber
gelten muss. Es sind Kinder mit besonderen Be-              nicht nur die Integration von Kindern mit besonde-
dürfnissen. Und ich glaube, es ist ein großer Fort-         ren Bedürfnissen, wie ich sie vorher geschildert
schritt, dass wir in Niederösterreich auch diesen           habe, sollte uns wichtig sein, sondern vor allem
Kindern mit besonderen Bedürfnissen die Integra-            auch – und das vielleicht auch im Hinblick auf die
tion in das Regelkindergartenwesen ermöglicht               baldige Erweiterung der Europäischen Union – die
haben.                                                      Integration von Kindern mit nicht deutscher Mutter-
                                                            sprache.
     Wir haben in Niederösterreich derzeit 490 Kin-
der mit besonderen Bedürfnissen, die in wohnort-                Diese Kinder sollen in unseren Kindergärten
nahen Einzelintegrationen ihren Kindergartenalltag          genauso willkommen sein. Sie sollen in unseren
erleben dürfen. Und wir haben in meiner Heimat-             Kindergärten keine fremden Elemente darstellen
gemeinde Großmugl ebenfalls eine solche Gruppe              und sie sollen in unseren Kindergärten aber auch
in die auch meine Kinder gehen. Und sie erleben             die Möglichkeit haben, ihre eigene Kultur an unsere
jeden Tag an dem die Nina bei ihnen ist mit beson-          Kinder weiter zu geben.
ders großer Freude. Die Nina ist ein Bestandteil im
Kindergarten geworden, der meine Kinder, glaube                  Ich glaube, dieser multi-kulturelle Aspekt kann
ich, auch eine besondere Erfahrung teilhaben lässt.         nicht deutlich genug herausgezeichnet werden. Es




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ist ebenfalls wie bei den Kindern mit den besonde-          trag beschlossen, der die flächendeckende Versor-
ren Bedürfnissen ein gegenseitiges Geben und                gung des Landes Niederösterreich mit interkultu-
Nehmen. Derzeit werden diese Kinder von 17 multi-           rellen MitarbeiterInnen zum Inhalt hatte. Damals
kulturellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern be-           befanden sich 13 Interkulturelle MitarbeiterInnen im
treut. Diese haben allerdings 4.000 Kinder zu               Dienst des Landes Niederösterreich. Diese Zahl hat
betreuen. Und wenn man die Zahlen ins Verhältnis            sich seither nur geringfügig geändert.
setzt, ist es natürlich leicht einsichtig dass das flä-
chendeckend für Niederösterreich nicht ausrei-                   Diese interkulturelle Betreuung findet großen
chend sein kann.                                            Anklang. Um den konkreten Bedarf zu ermitteln
                                                            sollte eine entsprechende Bedarfserhebung durch-
      Diese multi-kulturellen Mitarbeiterinnen tragen       geführt werden. Entsprechend dieser Erhebung
dazu bei, dass deutschsprachige Kinder Verständ-            sollten die erforderlichen Maßnahmen gesetzt wer-
nis für fremde Sprachen haben, dass sie vor allem           den.
auch Verständnis für fremdes Liedergut, für frem-
des Kulturgut entwickeln und auf diese Art und                  Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
Weise auch Verständnis für ein manchmal anders
geführtes Leben haben. Sie ermöglichen es aber                  Der Landtag wolle beschließen:
auch andererseits, dass zum Beispiel die Eltern
dieser Kinder in unseren Gemeinden leichter integ-              Die Landesregierung wird aufgefordert, im
riert werden. Wenn ein Kind, das nicht deutsche             Sinne der Antragsbegründung eine Bedarfserhe-
Muttersprache hat aus dem Kindergartenalltag sehr           bung durchzuführen und entsprechend dieser tätig
gut deutsch kann, dann wird es auch versuchen, zu           zu werden.“
Hause diese Sprache anzuwenden. Und ich kann
ebenfalls aus eigenem Erleben berichten, dass                     Ich darf Landesrätin Christa Kranzl und ihren
meine Kinder Freundinnen im Kindergarten hatten,            Amtsvorgängerinnen für die großartige Arbeit, die
die schon sechs oder sieben Wochen nach Kinder-             sie in ihrem Ressort geleistet haben, ein herzliches
garteneintritt mit Begeisterung deutsch gesungen            Dankeschön sagen. Und ich darf ersuchen, der
haben, alle Kindergartengedichte gesprochen ha-             Herr Klubobmann der ÖVP hat ja heute schon sehr
ben und die auch darauf gedrängt haben, mit ihren           viel lobende Worte für das Ressort gefunden, dass
Müttern deutsch zu sprechen.                                auch die zukünftige Amtsträgerin sich dieses gro-
                                                            ßen, wertvollen Erbes bewusst ist und es weiter
     Und gerade bei den Müttern und vor allem bei           entwickelt und umhegt und -sorgt. Danke! (Beifall
jenen aus dem islamischen Bereich ist es oft sehr           bei der SPÖ.)
wichtig, dass die Frauen auf diese Art und Weise
eine Chance bekommen die deutsche Sprache zu                    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt
erlernen. Denn es ist aus dem patriarchalischen             Frau Abgeordnete Adensamer.
System dort noch oftmals üblich, dass Frauen rela-
tiv wenig Zugang zur Gesellschaft haben.                         Abg. Adensamer (ÖVP): Sehr geehrter Herr
                                                            Präsident! Sehr geehrte Frau Landeshauptmann-
     Das heißt, es ist nicht nur im Interesse der           stellvertreterin! Hoher Landtag!
Kinder, sondern auch im Interesse der Gemeinden
und im Interesse eines integrativen Lebens auf                   Zunächst möchte ich Stellung nehmen zum
kommunaler Ebene, dass wir diesen Kindern die               Antrag von Herrn Abgeordneten Dworak. Als Päda-
Chance der multi-kulturellen Begegnung ermögli-             gogin bin ich für eine Reduktion der Klassenschü-
chen. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)                 lerhöchstzahlen. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich darf daher folgenden Resolutionsantrag ein-             Allerdings müssen wir zuerst die Folgekosten im
bringen (liest:)                                            Pflichtschulbereich, vor allem für die Städte und für
                                                            die Schulgemeinen im urbanen Bereich berechnen.
                   „Resolutionsantrag                       Wir müssen uns darüber klar sein, dass das näm-
                                                            lich nicht so wie es im Antrag steht, ohne Folge-
     der Abgeordneten Kadenbach und Adensamer               kosten geht. Das ist der Pferdefuß an dem Ganzen.
zur Gruppe 2 des Voranschlages des Landes Nie-
derösterreich für das Jahr 2004, Ltg. 17/V-1,                    Ich möchte mich jetzt mit meiner Wortmeldung
betreffend flächendeckende Versorgung mit Inter-            mit einem für unser Land und unserer Gesellschaft
kulturellen MitarbeiterInnen.                               besonders wichtigen Bereich beschäftigen, mit dem
                                                            sich andere auch schon beschäftigt haben, nämlich
    Bereits zum Voranschlag 2001 wurde vom                  mit der Betreuung unserer Kinder. Was mit dem
Niederösterreichischen Landtag ein Resolutionsan-           nicht gerade eleganten Wort Kinderbetreuungsein-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


richtungen umschrieben wird, ist für die Familien in      mehr als zwei Jahrzehnten, erfüllen diese in Nie-
unserem Land ein wahrer Segen.                            derösterreich ihre Aufgabe zur höchsten Zufrieden-
                                                          heit der Eltern. Dabei schätzen die Eltern, und das
     Unser Land Niederösterreich hat sich als Fa-         möchte ich ganz besonders hervorheben, die fami-
milienland Nummer 1 unter den Ägiden von Frau             liäre Umgebung, die flexiblen Betreuungszeiten
Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop              sowie die Tagesmutter als konstante Bezugsperson
besonders etabliert und gilt österreichweit als Vor-      für die Kinder. Hervorzuheben ist ebenso die be-
bild. Dafür ein großes Dankeschön an Landes-              sondere Qualifikation der 1.500 Tagesmütter und
hauptmannstellvertreterin Prokop. (Beifall bei der        der fünf Tagesväter, die sie in 35 Ausbildungsein-
ÖVP.)                                                     heiten erwerben.

    Dass diese Position als Familienland Nummer                Und nun komme ich zu Kollegin Dr. Krismer.
1 auch weiterhin gefestigt und ausgebaut ist, ist         Sie ist jetzt leider nicht da. Das Land Niederöster-
garantiert durch unseren neue Landesrätin                 reich unterstützt seit 2001 die Institution der Ta-
Johanna Mikl-Leitner, der wir alles Gute für ihre         gesmütter noch zusätzlich zu den bereits genann-
Arbeit wünschen.                                          ten Förderungen bei den Sozialversicherungskos-
                                                          ten. Und zwar übernimmt das Land den Dienst-
      Nun, sehr geehrte Damen und Herren, das             nehmerbeitrag. Voraussetzung ist allerdings, dass
Österreichische Institut für Familienforschung hat in     die Tagesmutter bereit ist, sich bei einem Rechts-
einer Studie, die Landeshauptmannstellvertreterin         träger anstellen zu lassen, bei einem Tagesmutter-
Liese Prokop 2002 in Auftrag gegeben hat, festge-         rechtsträger. Und dann bezahlt sie selbst keinen
stellt, dass Niederösterreich die Vollversorgung bei      Dienstnehmerbeitrag. Den Dienstgeberbeitrag be-
der Kinderbetreuung erreicht hat. Rund 46.000             zahlt der Tagesmutterrechtsträger. (Abg. Mag.
Kinder besuchen einen Kindergarten, 6.500 Kinder          Fasan: Aber wie viel Stunden? – Abg. Dr. Krismer:
sind nachmittags in Horten, dreimal soviele übri-         Wie viel sind in Baden?)
gens wie vor fünf Jahren, 5.500 Kinder werden von
sage und schreibe 1.500 Tagesmüttern, dabei sind               Andererseits sind um den flexiblen Wünschen
auch fünf Tagesväter, betreut und rund 1.600 Kin-         berufstätiger Eltern vermehrt gerecht zu werden,
der in 92 Tagesbetreuungsgruppen.                         weitere innovative Kinderbetreuungsmodelle entwi-
                                                          ckelt worden. Mit den „Flying Nannies“ und seit
     Und da professionelle Betreuung für die Kinder       2002 mit den „Mobilen Mamis“ kommt die Hilfe bei
keine Frage des Geldes sein darf, übernimmt das           der Kinderbetreuung direkt ins Haus.
Land nach der Formel gewichtetes Pro-Kopf-Ein-
kommen die Kosten besonders für Familien mit                   Beide Angebote sind daher hervorragend für
geringem Einkommen und bzw. oder für Familien             Babys, für Kleinkinder und für Familien mit mehre-
mit mehreren Kindern teilweise bis größtenteils.          ren Kindern geeignet. Wie sieht es nun bei den
Das geschieht sowohl durch direkte Zuschüsse an           Schulkindern aus? Wie schon gesagt, die Anzahl
die Eltern als auch durch Förderung der Einrichtun-       der Horte ist in Niederösterreich gewaltig gestiegen.
gen. Dafür sind für 2004 insgesamt über 10 Millio-        30 Horten mit 1.100 Kindern im Jahr 1990 stehen
nen Euro veranschlagt. Darüber hinaus verwendet           im Jahr 2002 172 Horte mit 6.500 Kindern gegen-
das Land die Ersparnisse durch die Einführung des         über. Zusätzlich übernehmen aber auch Tages-
Kinderbetreuungsgeldes für die Ausweitung der             mütter die Nachmittagsbetreuung von Schulkin-
Familienhilfe. Ab 1. Jänner 2003 beträgt die NÖ           dern. 33 Prozent der von Tagesmüttern betreuten
Familienhilfe bis zu monatlich maximal 436 Euro.          Kinder, das sind in Summe 1.750 Kinder ungefähr
Und gleichzeitig wurde die Laufzeit dieser Famili-        gehen in die Volksschule. Und 450 Kinder sind älter
enhilfe bis zum Kindergarteneintritt verlängert.          als 10 Jahre, also über das Volksschulalter hinaus.

     Bei der Gelegenheit möchte ich auch darauf                Wie sieht es nun bei den Kindern unter drei
hinweisen, dass Niederösterreich nach wie vor das         Jahren aus? Für die Kinder unter zwei Jahren wird
einzige Bundesland in Österreich ist, dass den            fast keine Betreuung außer Haus in Anspruch ge-
Kindergarten als wichtige Bildungseinrichtung am          nommen. Für Kinder unter drei Jahren hatten wir im
Vormittag kostenlos zur Verfügung stellt und für die      Jahr 2000 rund 300 Plätze bei Tagesmüttern in
Nachmittagsbetreuung nur einen sozial gestaffelten        Kleinkindergruppen oder Kinderkrippen angeboten.
Beitrag einhebt.                                          Davon wurden 2000 nur 200 Plätze genützt.

    Jetzt komme ich zu einer besonders beliebten              Allerdings ist allgemein festzuhalten, dass auf
und geschätzten Form der Betreuung von Kindern,           Grund der Bevölkerungsentwicklung ein weiterer
nämlich die der Tagesmütter. Schon seit 21 Jahren,        zahlenmäßiger Ausbau von Kinderbetreuungsein-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


richtung nur noch örtlich bei besonderem Bedarf                 (Zweiter Präsident Sacher übernimmt den Vor-
nötig ist. Wie in sogenannten Zuzugsgemeinden.            sitz.)

      Zusammenfassend stelle ich fest, Niederöster-           Die Kinderbetreuung ist ein Schwerpunkt in
reich leistet mit seiner breiten Palette an familien-     Niederösterreich. Und wir haben das in den vorher-
politischen Maßnahmen einen bedeutenden Beitrag           gegangenen Reden ja auch schon gehört. Und
zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und wird es       ganz besonders der Kindergarten, der von fast 100
auch künftig tun. Denn wir sind uns unserer Ver-          Prozent der 45.000 Kinder besucht wird, hat einen
antwortung gegenüber unseren Familien bewusst.            hohen Stellenwert. Und das schlägt sich auch im
                                                          Budget des Jahres 2004 mit 102,270.700 Euro
     Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete!           nieder.
Das Land wird auch in den kommenden Jahren das
erfolgreiche Konzept der Wahlfreiheit fortführen.              Und neben dem regulärem Kindergarten, der ja
Dass nämlich die Familien entscheiden wie sie ihre        am Vormittag kostenlos ist, aber wir sehen, dass
Familien- und Erwerbsarbeit selber gestalten. Und         am Nachmittag durchaus oft Plätze frei sind. Der
hier komme ich zur Kollegin Dr. Krismer zu der            Kindergarten am Nachmittag wird oft nur von 11
Aussage, die Frauen werden vom Arbeitsmarkt               Prozent der Kinder im Durchschnitt besucht. Das
gedrängt. Ich habe es satt, mir sagen zu lassen,          war sicher mit ein Grund dafür, dass auch die Ge-
dass ich mich vom Arbeitsmarkt drängen lasse. Es          meinden an uns herangetreten sind, auch die Bür-
gibt eine IFES-Studie die zeigt, dass die ge-             germeister, die gesagt haben, wir haben noch Mög-
wünschte Erwerbsform von Müttern mit Kindern              lichkeiten, wir haben noch Kapazitäten und wir
unter sieben Jahren die Teilzeitarbeit ist. Und Müt-      haben auf der anderen Seite auch Eltern, die gerne
ter, die Kinder in diesem Alter haben und Vollzeit        ihre Kinder unter drei Jahren in den Kindergarten
arbeiten, würden zu 52 Prozent lieber eine Teil-          geben würden. Und wir haben auch Volksschulkin-
zeittätigkeit haben. Und keine von diesen Frauen,         der für die wir eine Betreuung brauchen.
die schon eine Teilzeittätigkeit hat möchte auf Voll-
zeit wechseln. (Abg. Mag. Fasan: Wenn sie es                   Es ist schon angeschnitten worden von Frau
können!)                                                  Kollegin Kadenbach, dass hundert Versuche, hun-
                                                          dert Pilotversuche gestartet werden, wo Kinder
     Frauen würden überwiegend die Berufstätigkeit        unter drei Jahren und auch Volksschulkinder be-
bis zum Schuleintritt des jüngsten Kindes unterbre-       treut werden. Und es ist so, dass diese Versuche
chen. Dass dies natürlich in unserer Zeit heute           nun in der Endphase sind. Und die Frau Landesrat
problematisch für uns Frauen ist, das ist uns be-         Mikl-Leitner hat am 23. und 30. Mai Expertenrun-
wusst. Aber mit der gerade beschlossenen Pensi-           den abgehalten, wo eben die Erfahrungsberichte
onssicherungsform ist ein erster Schritt in die rich-     aus diesen Versuchen dieser Betreuung der Kinder
tige Richtung getan, nämlich die Erziehungsarbeit         auch berichtet und beraten wurden.
der Frauen, wie es Bundeskanzler Schüssel gesagt
hat, als politisch wichtige Zeit auch entsprechend             Es ist sicher notwendig, dass man genau dar-
anzuerkennen. (Abg. Kautz: Der Mann darf dann             über spricht, was sind die Vorteile, aber wo liegen
betteln gehen!)                                           letztendlich auch die Probleme. Es ist sicher eine
                                                          große Zufriedenheit da. Und ich selber habe auch
     Auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung         mit Kindergartenpädagoginnen gesprochen, mit
der Geburtenrate und der Erfüllung des Kinderwun-         Helferinnen, die sagen, manche Kinder sind sehr
sches der einzelnen Familien. Gewünscht werden            gerne, gehen sehr gerne in den Kindergarten, auch
nämlich in Niederösterreich zwei Kinder, realisiert       unter drei Jahren, mit zweieinhalb. Und viele
werden aber nur 1,3 Kinder. Ich halte also fest, wir      andere sind eben noch nicht geeignet. Und ich
als Familienland Nummer 1, wir schaffen die Rah-          denke mir, dass das enorm wichtig ist, eben von
menbedingungen, dass bei uns alle gewünschten             Fall zu Fall zu unterscheiden, ist mein Kind ge-
Kinder auch wirklich auf die Welt kommen können.          eignet oder ist mein Kind nicht geeignet. Denn ich
(Beifall bei der ÖVP.)                                    glaube, wir wissen das alle aus eigener Erfahrung,
                                                          die Eltern und die Kinder haben dass manche
    Präsident Mag. Freibauer: Zu Wort gelangt             Kinder sehr gerne in den Kindergarten gegangen
Frau Abgeordnete Lembacher.                               sind und andere eben noch nicht dazu reif waren.

    Abg. Lembacher (ÖVP): Herr Präsident! Ho-                 Es ist uns daher sehr wichtig und auch der
her Landtag! Sehr verehrte Frau Landeshaupt-              Frau Landesrat Johanna Mikl-Leitner, dass sie in
mannstellvertreterin! Meine sehr verehrten Damen          Zukunft im Bereich der Kinderbetreuung ein flexib-
und Herren!                                               les Modul anbieten will. Denn entscheidend ist ja,




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


dass die Kinder diese Möglichkeiten der Kinder-                Auch die Förderung von Privatkindergärten
betreuung bekommen die sie brauchen. Für die               wird in Zukunft verstärkt werden. Und derzeit gibt
einen ist es eben der Kindergarten, für die anderen        es 81. Auch die Kindergarten-Nachmittagsbetreu-
die Tagesmutter.                                           ung, der Einsatz der Helferinnen ist für die Zukunft
                                                           ein Schwerpunkt. Mir ist es sehr wichtig und auch
      Und ich bin auch der Meinung, dass man wirk-         uns und unserer Frau Landesrat, dass auch in
lich für jede Familie auch die Wahlfreiheit in Zukunft     Zukunft die Kinderbetreuung diesen hohen Stellen-
schaffen muss. Und meine Meinung ist die und               wert weiter hat. Dass die Kinder und die Familien
meine Überzeugung, dass die Eltern und die Fami-           jene Betreuung, die sie notwendig brauchen, be-
lien selber entscheiden müssen, was nehme ich für          kommen im Interesse der Familien, aber ganz be-
mich in Anspruch. Will ich mein Kind in den ersten         sonders – und das ist mir sehr wichtig – im Inter-
drei Lebensjahren selber betreuen? Brauche ich             esse der Kinder für ein gutes und glückliches Nie-
eine Tagesmutter oder eine Kindergartenhelferin?           derösterreich auch in Zukunft. (Beifall bei der ÖVP.)

     Das ist enorm wichtig um Familie und Beruf                Zweiter Präsident Sacher: Als Nächster ist
miteinander zu vereinbaren. Ich bin nicht dafür, die       Herr Abgeordneter Thumpser am Wort.
Frauen an den Herd zurückzudrängen. Das wollen
wir auf keinen Fall! Wir wollen aber auch für die              Abg. Thumpser (SPÖ): Sehr geehrter Herr
Zukunft funktionierende Familien. Und wir wollen,          Präsident! Werte Landesregierungsmitglieder! Ho-
dass Kinder optimal aufwachsen können. Denn                hes Haus!
glückliche Kinder sind Erwachsene von morgen, die
letztendlich auch mit ihrem Leben zu Rande kom-                 Zwei Vorbemerkungen: Die erste Vorbemer-
men. Und das ist, glaube ich, das wichtigste Anlie-        kung zum Kollegen Nowohradsky. Ich stimme mir
gen von uns allen.                                         dir überein, dass die Frage der Erwachsenenbil-
                                                           dung im Zusammenhang mit den GATS-Verhand-
    Neben diesen Kindergartenversuchen, und es             lungen einer möglichen Liberalisierung droht. Ich
wird sich nach der Evaluierung, nach der Prüfung           bitte das nur den Kolleginnen und Kollegen der
zeigen, wie weit das fortgeführt wird. Natürlich sol-      Bundes-ÖVP mitzuteilen um die dementsprechen-
len diese Einrichtungen, diese altersgemischten            den Weichenstellungen geben zu können. Aber da
Gruppen auf keinen Fall eine andere Einrichtung            sind wir d’accord.
konkurrenzieren. Wo es eben eine funktionierende
Hortbetreuung gibt oder Kindergruppenkrippen,                   Die zweite Vorbemerkung zum Kollegen
dann sollen die weiter geführt werden. Dafür bin ich       Weiderbauer. Er war bisher der Einzige, der den
auch.                                                      Bereich der Elternvereine hier erwähnt hat. Und ich
                                                           möchte das auch kurz tun. Weil ich glaube, dass
     Und wir haben von Family-Business auch ei-            die Elternvereine nicht nur eine schulpolitische,
nen Wettbewerb ausgeschrieben über familien-               sondern vor allem auch eine gesellschaftspolitische
freundliche Kinderbetreuungseinrichtungen. Und             Aufgabe haben. Und die gesellschaftspolitische
daraus ist in Stockerau die Gruppe Kunterbunt als          Aufgabe vor allem in dem Bereich besteht, Kindern
Preisträger hervorgegangen, wo eben auch diese             bei Schulveranstaltungen oder die an Schulveran-
altersgemischten Gruppen vorhanden sind. Und ich           staltungen teilnehmen wollen, und aus sozial
denke mir, dass das für die Zukunft auf jeden Fall         schwachen Familien kommen, diese zu unterstüt-
auch Modelle sein können.                                  zen und ihnen so den Besuch von Schulveranstal-
                                                           tungen auch ermöglichen zu können. Und ich
    Es gibt aber auch Kindergartenversuche die             denke mir, dass das ganz im Sinne des Herrn Lan-
mit 254.000 Euro gefördert werden. Da gibt’s also,         desrates Mag. Sobotka eine konstruktive Anregung
das ist auch schon angeschnitten worden, eine              zur Umsetzung in den nächsten Budgets ist, näm-
Kooperation mit anderen Tagesbetreuungsförde-              lich die NÖ Elternvereine dementsprechend in Zu-
rungen, mit Einrichtungen, vielleicht Tagesmütter          kunft zu stärken und stärker zu fördern.
und der multi-kulturelle Austausch, das ist auch
schon besprochen worden. Eine Supervision auch                 Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zwei Bemer-
der Kindergärtnerinnen und auch zusätzliches Per-          kungen zum Thema Berufsschulen und landwirt-
sonal für Versuchsprojekte. Und da ist auch der            schaftliche Fachschulen. Das eine ist die Ausbil-
Einsatz für arbeitslose Kindergärtnerinnen ein ganz        dung. Es kann in die Ausbildung der Jugend nicht
gutes Projekt das auch in der Zukunft wertvolle            genug investiert werden. Und wir sind in beiden
Arbeit leisten kann.                                       Schulbereichen, so glaube ich, am richtigen Weg.




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Es wird investiert in die Ausbildung. Es wird inves-       Sportvereine und über die Freiwilligen in den Sport-
tiert in die Gebäude und es wird investiert in die         vereinen geleistet werden müssen. Und deshalb
Maschinen und in die Ausstattung. Alleine gegen-           denke ich mir, wäre eine bessere Dotation in die-
über dem Voranschlag 2003 ergibt sich ein Mehr-            sem Bereich notwendig geworden. Auch um unter
bedarf an Maschinen und maschinellen Anlagen in            Umständen Trainerinnen und Trainer in sogenann-
einer Gesamthöhe von 179.700 Euro.                         ten Trendsportarten dementsprechend auszubilden
                                                           und den Jugendlichen die Ausbildung zukommen
     Auf der einen Seite ein lachendes Auge, weil          zu lassen.
selbstverständlich in die Jugend investiert gehört.
Auf der anderen Seite, werte Kolleginnen und Kol-                Stichwort Trendsportart: Meine sehr geehrten
legen, ein bisschen ein weinendes Auge, weil näm-          Kolleginnen und Kollegen! Eine Million Österreiche-
lich einnahmenseitig auch die Transferleistungen           rinnen und Österreicher besitzen ein Mountainbike.
der Gemeinden entsprechende sind, die in diesem            Die Hälfte dieser Besitzerinnen und Besitzer nutzt
Bereich gezahlt werden. Und gestatten Sie mir hier         es auch. Und Mountainbike und Rad fahren im
auch noch eine Zahl. In den letzten Jahren haben           Allgemeinen und Mountainbike im Speziellen ist –
sich die Gemeindebeiträge nur in diesem Bereich            und darüber sind wir uns glaube ich auch einig - in
um 18 Prozent erhöht. Um 18 Prozent sind die               den letzten Jahren zu einem Wirtschaftsfaktor ge-
Gemeindebeiträge in diesem Bereich gestiegen.              worden. Und dass dieser Bereich ein Wirtschafts-
Und wie Kollege Mag. Riedl in seiner Rede erwähnt          faktor ist, zeigt uns die Schweiz, zeigt uns Frank-
hat, die Schere zwischen den Aufgaben, Leistun-            reich, zeigt uns Bayern und zeigt uns Südtirol.
gen und Transferzahlungen auf der einen Seite und          Denn diese Länder haben dem Land Niederöster-
die zu zahlenden Beiträge und die nicht bestimmten         reich eines voraus: Sie haben mittlerweile die
Beiträge auf der anderen Seite wird immer größer.          Forststraßen für die Mountainbiker geöffnet. Und
Aber ich denke, für die Ausbildung unserer jungen          ich würde das auch als konstruktiven Vorschlag
Menschen ist es uns wert, selbstverständlich auch          jetzt verstehen darüber nachzudenken und auch in
als Gemeinden unseren Beitrag zu liefern.                  Zukunft darüber zu diskutieren, ob es nicht auch für
                                                           Niederösterreich möglich wäre, diese Forststraßen
    Werte Kolleginnen und Kollegen! 15 Rednerin-           unter Einhaltung der Fair Play-Regeln für die
nen und Redner waren zu diesem Kapitel hier am             Mountainbiker, diese Forststraßen den Mountain-
Rednerpult. Ein einziger, der Kollege Mag. Ram hat         bikerinnen und Mountainbikern, den Radfahrern,
bisher das Thema Sport erwähnt mit der Bemer-              zugänglich zu machen. Ich denke mir, dass ist nicht
kung es ist eh alles in Ordnung. (Abg. Mag. Fasan:         nur ein gesundheitspolitischer und gesellschaftspo-
Behindertensport!)                                         litischer Aspekt, sondern dass gerade wir mit der
Behindertensport, selbstverständlich. Die Erhöhung         Topografie in Niederösterreich auch einen wirt-
und Dotation, ist richtig.                                 schaftspolitischen Aspekt erzielen können.

      Ich möchte kurz zum Thema Sport drei Bemer-               Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dritte Anmer-
kungen machen. Die erste ist, dass ich mir durch-          kung zum Thema Sport: Die Sportöffentlichkeit ist
aus gewünscht hätte, dass der Ansatz Sport ein             ohne eine Berichterstattung durch den ORF keine.
höherer ist. Dass vor allem bei den Ansätzen Ju-           Und zeitweise habe ich das Gefühl, die Österrei-
gendverbände und Jugendsport es eine Erhöhung              cherinnen und Österreicher bestehen aus Schifah-
in diesem Bereich gibt. Denn ich glaube da sind wir        rern, weil das hebt das Selbstwertgefühl, Österrei-
uns einig, Sport ist wichtig. Sport ist gesellschafts-     cherinnen und Österreicher bestehen aus Fußbal-
politisch wichtig, ist gesundheitspolitisch wichtig        lern, das ist dann die ausgleichende Gerechtigkeit,
und ist schlussendlich auch wirtschaftspolitisch           weil dadurch sinkt dann hie und da wieder ein
wichtig.                                                   bisschen das Selbstwertgefühl, oder bestehen aus
                                                           Formel 1-Enthusiasten, wo ja vom ersten Reifen-
     Und gerade in dem Bereich der Jugendver-              wechsel bis zur letzten Champagnerflasche mitt-
bände und des Jugendsports und dem Sportansatz             lerweile alles übertragen wird.
im Allgemeinen hätte ich doch eine etwas bessere
Dotation erwartet. Vor allem auch deshalb weil uns              Liebe Kolleginnen und Kollegen, Niederöster-
das, und wenn wir auf die Jugend Wert legen wol-           reich besitzt eine Reihe von hervorragenden
len in Zukunft, weil uns das in Zukunft ein besonde-       Sportlerinnen und Sportlern in den verschiedensten
res Anliegen werden wird. Weil jene Agenden, die           Disziplinen. Von den Schwimmern beginnend bis
zum Teil zur Zeit die Schulen noch über haben, und         hin zum Weltmeister im Tischtennis. Nur, ich habe
ob das jetzt Leibesübungen heißt oder nicht ist mir        mir die Übertragung der Tischtennisweltmeister-
einmal egal, aber jene Agenden, die zum Teil die           schaft aus Paris angesehen. Und viele Niederöster-
Schulen jetzt noch über haben, in Zukunft über die         reicherinnen und Niederösterreicher ... Wenn du




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


sportbegeistert wärst, vielleicht Kollege Mag. Fasan     und die zweiten Sportlerinnen des Jahres 2002 in
hättest du es auch gesehen, es wäre sehenswert           unseren niederösterreichischen Reihen. Dazu
gewesen. Und viele Niederösterreicherinnen und           kommt Werner Schlager als der Weltmeister des
Niederösterreicher haben wahrscheinlich ein Glück        Tischtennisbewerbes in Paris. Und man könnte
gehabt dass sie diese Übertragung gesehen ha-            viele noch weiter aufzählen. Im Fechtbewerb haben
ben. Warum? Weil sich der ORF vielleicht 20 Mi-          wir Weltmeister, im Gras-Schilauf und andere der-
nuten oder eine halbe Stunde vorher erst dazu            gleichen mehr.
entschlossen hat, dieses zu übertragen.
                                                              Und das ist wohl zweifellos eine großartige
     Meine sehr verehrten Damen und Herren!              Leistung, die auch im NÖ Sportbudget ihren Ur-
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor allem liebe          sprung hat. Einerseits dass wir nicht mutwillig hier
Kolleginnen und Kollegen der ÖVP! Machen Sie             den Sport zur Huldigung der Politik oder eines
Ihren Einfluss auch auf den ORF geltend, dass            übersteigenden Patriotismus verwendet - ein biss-
Sportübertragungen nicht mehr ausschließlich             chen Patriotismus kann man schon hineinlegen,
Fußball, Schifahren und der Formel 1 gewidmet            das tut uns ganz gut - sondern dass wir wirklich
sind, sondern dass Sportübertragungen im ORF             auch zur Ertüchtigung, zur vernünftigen Freizeit-
auch andere Sportarten betrifft. (LHStv. Prokop:         gestaltung, unsere Ansätze haben.
Ganz a neue Litanei! Davon reden wir seit 20 Jah-
ren, aber bitte!)                                             Ich werde nicht auf den Jugendsport eingehen,
Bitte tun. Frau Landeshauptmannstellvertreterin!         das wird mein Kollege Erber machen. Ich möchte
                                                         mich der baulichen Seite widmen. Über 3 Millionen
     Wir haben gestern eine großartige Veranstal-        Euro geben wir im Jahr für den Sportstättenbau
tung in Traisen gehabt. Die Fis-Grasschimeister-         aus. Hier gibt es laufend Verbesserungen, Verän-
schaften. Leider war zwar vom ORF so wie in den          derungen. Die angesprochenen Trendsportarten
letzten Jahren niemand vertreten, es hat auch des-       brauchen Sportstätten der neueren Art um adä-
halb keine Berichterstattung gegeben. Aber liebe         quate Sportausübung dort zu erreichen. Und ge-
Kolleginnen und Kollegen, sorgen Sie dafür, ma-          rade unser NÖ Sportbudget in der Verantwortung
chen Sie Ihren Einfluss auch im ORF, auch bei der        von Frau Landeshauptmannstellvertreterin Liese
Generalintendantin, die ja auch aus Niederöster-         Prokop, die selbst als Sportlerin und als die kom-
reich kommt, diesen Einfluss geltend. Und ich sage       petente Fachfrau für den Sport in Österreich hier
Ihnen, das wäre wahrscheinlich für den Brei-             hergenommen werden kann in vielen Entwicklun-
tensport die beste Sportförderung die wir machen         gen, in vielfacher Umsetzung von Dingen, die vor
können. Danke schön! (Beifall bei der SPÖ.)              der Zeit erkannt wurden und heute uns alle einer-
                                                         seits im Breitensport und im Spitzensport hier hal-
    Zweiter Präsident Sacher: Ich bitte Herrn Ab-        ten können.
geordneten Hiller zum Rednerpult.
                                                              Nun, im Wesentlichen ist der Fußball nach wie
    Abg. Hiller (ÖVP): Herr Präsident! Meine sehr        vor die Topspezies hier in der Richtung und bei den
geehrten Damen und Herren! Hohes Haus!                   Investitionen an Plätzen. Hier geht es vor allem
                                                         auch darum Modernisierungen durchzuführen.
     Mein lieber Kollege Thumpser! Gerade in Nie-        Nachdem Fußball im Wesentlichen großflächig,
derösterreich und schon gar nicht bei der ÖVP            gesamtflächig mit Plätzen, Spielflächen versorgt ist.
bleibt der Sport unerwähnt. Dafür sorgen wir jedes       Tennisplätze folgen, gehen jetzt etwas zurück,
Jahr in einer Kontinuität an Wortmeldungen. Ob           Mehrzweckhallen liegen im Trend, die vielerlei
uns jetzt die Sportereignisse gut anstehen oder          Sport und Bewegungsmöglichkeiten zulassen. Die
weniger gut sei dahin gestellt. Ich glaube, gerade       Stockschützenanlagen sind ebenfalls zu erwähnen
das Durchhalten und die langfristige Aufbauarbeit        und ein Trendsport ist zweifellos Beachvolleyball,
haben sich wirklich gelohnt, dass Niederösterreich,      das jedenfalls ganz besondere Anlagen braucht.
meine sehr geehrten Damen und Herren, das typi-
sche vormalige Land des Breitensportes einerseits             Nun als das Aushängeschild des NÖ Spit-
das geblieben ist und zum anderen ein Topsport-          zensports und deren Pflege und dessen Zugang ist
land in Österreich und auch im internationalen Ver-      zweifellos die Landessportschule in St. Pölten zu
gleich geworden ist, wenn die angesprochenen             nennen, welche sich bereits in der 6. Ausbaustufe
sportlichen Erfolge hier hergenommen werden kön-         befindet. Wir werden mit Anfang Dezember diesen
nen. Wir haben eine Europameisterin im Schwim-           Jahres eine dringendst benötigte weitere Mehr-
men und gleichzeitig die Gesamtweltcupsiegerin           zwecksporthalle zur Verfügung haben. Das zeigt,
Michi Dorfmeister. Die erste heißt Mirna Jukic, sie      dass St. Pölten gut angenommen ist und hier für
sollte man hier auch nicht vergessen. Die ersten         den niederösterreichischen Sport eine ganz große




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Bedeutung in seiner Entwicklung auf dem Quali-            tatsächlich auch eine gute Voraussetzung ist für
tätssegment hat.                                          spätere Spitzenleistungen. Ich werde auch kurz
                                                          zum Spitzensport Stellung nehmen.
     Auch in der Sportschule Lindabrunn stehen In-
vestitionen an. Einerseits wurde schon einiges an              Hervorheben will ich an dieser Stelle auch die
Modernisierungen hier gewährleistet. Hier gilt es         Leistung von Freiwilligen. Sehr vieles von den Ver-
nunmehr die weiteren Häuser zu modernisieren.             bänden wird freiwillig erbracht. Und ich möchte
Einerseits auf den Stand heutiger Möglichkeiten zu        stellvertretend für alle anderen zwei Verbände nen-
bringen, welche die Beherbergung, die Trainings-          nen, und zwar zum einen die Union und zum
möglichkeiten, aber auch ganz modern die Regene-          Zweiten den ASKÖ. Weil ich glaube, wenn man
rationsmöglichkeiten für die Sportler beinhalten.         über Jugendsport spricht, darf man gerade diese
Und wir sind guter Dinge, Frau Landeshaupt-               beiden nicht vergessen, wo hervorragender Sport-
mannstellvertreterin, dass wir auch im Rahmen der         betrieb und Sportvoraussetzungen geboten wer-
Abhaltung der Europameisterschaften für Fußball           den. Und gerade diese Verbände sind es, die die
im Jahre 2008 auch unsere Sportschule hier an-            Jungen und die Kinder bereits ansprechen. Ebenso
bieten können und hoffen, viele internationale            bemerkenswert ist, glaube ich, die Schwerpunkt-
Gäste auch vom Angebot für den niederösterreichi-         setzung in den Sporthauptschulen. Auch hier sieht
schen Fußballsport hier einerseits begrüßen zu            man die verschiedensten Zielsetzungen, vom
dürfen und davon auch überzeugen können.                  Schifahren bis hin zum Fußball und die Palette die
                                                          dazwischen liegt. Auch hier sieht man, dass hervor-
     Nun, mein zweiter Bereich, ganz kurz noch ei-        ragende Grundlagen geschaffen worden sind.
nige Bemerkungen, das ist der Behindertensport.           Ebenso möchte ich die sportlichen Schwerpunkt-
Es wurde schon sehr erfreut festgestellt, dass der        setzungen der AHS und BHS nicht vergessen.
Ansatz sich fast verdreifacht hat. Es sind die Mittel     Auch hier wird eine hervorragende Grundlage ge-
für die Behinderten auch in ausreichender Summe           schaffen. Durch die NÖ Nachwuchsförderung ist es
und Höhe geflossen. Aber es ist der Ansatz direkt         sehr oft überhaupt erst möglich, dass auch junge
besser dotiert und das ist, glaube ich, auch für das      Menschen an überregionalen bzw. nationalen Ver-
Jahr 2004 richtig und wichtig. Denn da finden in          anstaltungen teilnehmen. Und hier ist das Land
Athen die Olympischen Spiele statt und in Folge           Niederösterreich fast immer als Fördergeber unter-
dessen ist es üblich, dass die Paralympics für den        wegs, damit auch jungen Menschen bereits das
Behindertensport dann daran anschließen. Und              Messen mit anderen ermöglicht wird.
dass Niederösterreich seine Athleten zum heurigen
Jahr und dann speziell im Jahr 2004 auf dieses                 Außerdem erwähnenswert ist, dass es sehr oft
Ereignis vorbereiten kann und wir damit auch ga-          nicht möglich wäre, die notwendigen Sportgeräte
rantieren können, dass auch in dieser Spezies ei-         bzw. Ausrüstungsgegenstände, die immer teurer
nerseits die Athletinnen und Athleten in der sportli-     werden weil es immer komplizierter wird, auch an-
chen Betätigung Erfüllung finden können und die           zuschaffen würde es hier nicht das Land Nieder-
Erfolge natürlich auch ganz Niederösterreich zur          österreich geben, das mit ausgesprochener Groß-
Freude gereichen. In diesem Sinne bedanke ich             zügigkeit und ich glaube auch mit entsprechender
mich für diesen steten, guten Ansatz für den Sport        Effizienz diese Sportgeräte und Ausrüstungsge-
und für die Gesundheit der Niederösterreicherinnen        genstände unterstützt.
und Niederösterreicher durch das NÖ Landesbud-
get bei den Verantwortlichen. (Beifall bei der ÖVP.)           Landessportschule ist bereits angesprochen
                                                          worden von meinem Kollegen Hiller. Ich möchte
     Zweiter Präsident Sacher: Als Nächsten rufe          ganz kurz vielleicht noch sagen, Werner Schlager
ich Herrn Abgeordneten Erber zum Rednerpult.              ist angesprochen worden. Aber ich glaube, es ver-
                                                          dienen sich auch jene heute Erwähnung, die Spit-
    Abg. Erber (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsi-           zenleistungen erbracht haben in der Vergangen-
dent! Meine Damen und Herren!                             heit. Und zwar ist es um Spitzenleistungen erbrin-
                                                          gen zu können sehr oft notwendig, bereits beim
      Ich möchte Stellung nehmen zu Jugend und            Start mitzuhelfen. Gerade die Top-Sportaktion für
Sport und Nachwuchsförderung. Ich glaube was              Einzelsportler ist sehr oft eine Grundlage um wirk-
Niederösterreich auszeichnet das ist die Regiona-         lich ideale Trainingsmöglichkeiten vorzufinden und
lität insbesondere unserer Jugendausbildungs- und         auch das Training finanzieren zu können. Genauso
Leistungszentren. Wenn man sich diese Vielfalt und        die Fördergelder für Mannschaftssportarten.
diese Schwerpunktsetzung anschaut, dann, glaube
ich, steckt eines dahinter. Ein bewährtes, ein                 Ich möchte vielleicht ein paar herausragende
durchdachtes und ein ausgeklügeltes System, das           Leistungen erwähnen. Und zwar bei der Halle-




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neuropameisterschaft die Silbermedaille von Karin        tensauffälligkeiten durch Überbeanspruchung der
Mayr die ein beachtlicher Erfolg war. Ich glaube,        Natur ist von uns allen nicht gewünscht. Und ge-
wenn heute auch schon ein bisschen von jenen             rade beim Wildverbiss oder bei Verhaltensauffällig-
Sportarten gesprochen worden ist, die man nicht so       keiten des Wildes steckt manchmal dahinter ein
oft im Fernsehen sieht, sollte man eine Leistung         Fehlverhalten auch beim Umgang mit der Natur
nicht vergessen und zwar die Ultramarathonerfolge        und mit dem Mountainbiken. (Beifall bei der ÖVP.)
von Louis Wildpanner, der sowohl Europameister
wie auch Weltmeister im Ultramarathon geworden                Ich möchte vielleicht noch ganz kurz zum Kol-
ist. Und jeder, der diese Sportart kennt der weiß        legen Thumpser auch sagen, die Forderung nach
was dahinter steckt.                                     mehr Übertragung. Ja bitte, ich glaube, gerade der
                                                         Einfluss der in unserer Hand liegt und den wir auch
     Ebenso, und ich glaube nicht zum ersten Mal         geltend machen können auf den ORF, den sieht
hier erwähnt, weil schon seit Jahren oder fast           man jetzt. Und zwar mit der Schaffung von dem
schon ein halbes Jahrzehnt oder fast ein Jahrzehnt       Kanal TW1 als Ausbau, als Sportkanal. Und gerade
ein Leistungsträger und ein Aushängesport des NÖ         wer sich mit TW1 beschäftigt hat, der hat sehr viele
Sportes ist der Bahnradfahrer Franz Stocher mit          Spiele der Tischtennisweltmeisterschaft beobach-
seinen zwei Silbermedaillen. Auch er soll hier und       ten können. Und ich glaube, dass gerade für diesen
heute nicht unerwähnt bleiben.                           Kanal TW1 diese Sportarten, auch vielleicht Sport-
                                                         arten, die man sonst nicht in ORF1 und ORF2
    Ich möchte kurz auf den Kollegen Thumpser            sieht, eine Chance sind, um Publikum anzulocken
eingehen. Und zwar zum Mountainbike. Eines darf          und die Einschaltquoten dementsprechend in die
man dabei nicht vergessen. Ich glaube, gerade in         Höhe schnellen zu lassen. Weil dort wo keine Ein-
der Vergangenheit gab es irrsinnige Bemühungen           schaltquoten sind wird es natürlich auch schwierig
die Mountainbikestrecken auszubauen in Nieder-           sein, einen Fernsehkanal aufrecht zu erhalten.
österreich. Sehr oft auch mit Förderungen nicht aus
den Sportmitteln, sondern aus Fremdenverkehrs-
und Wirtschaftsförderungen.                                   Ich möchte zum Abschluss noch danken der
                                                         ganzen Abteilung die mit Sport beschäftigt ist. Weil
     Und ich glaube, auch das soll man nicht ver-        ich glaube, jeder, der mit der Sportabteilung bisher
gessen: Aktivland, Urlaubsland Niederösterreich in       zu tun hatte, der wird eines feststellen und mit mir
Verbindung mit Sport. Diesen Zusammenhang                teilen. Das sind nicht nur Beamte, sondern das sind
sollte man hier herstellen. Und gerade bei den           auch sportbegeisterte Menschen. Und ich glaube,
Mountainbikestrecken ist das sehr, sehr zutreffend.      dass das sehr, sehr wichtig ist, dass man Men-
Ich möchte aber auch eines sagen. Wo liegt das           schen in dieser Abteilung hat, die aus der Praxis
Problem? Und zwar sehr oft darin dass es noch            kommen, die eine Leidenschaft für den Sport haben
nicht sicher gestellt ist, wenn zum Beispiel Unfälle     und die auch in der Praxis erfahren sind. Stellver-
zustande kommen, wer dafür aufkommt. (Abg.               tretend für alle möchte ich hier danken dem Herrn
Thumpser: Die Haftungsfrage gehört geregelt! Ein-        Hofrat Binder, weil ich glaube, er ist wirklich zu
haltung der Fair-Play-Regeln!)                           Recht auch ein Aushängeschild der NÖ Sportförde-
Weil eines kann es ganz sicher nicht sein: Dass die      rung. Und jeder der mit ihm schon einmal ein Pro-
Landwirte dafür gerade stehen müssen dass sie            jekt umgesetzt hat, wird das, so hoffe ich doch,
ihre Güterwege, Forstwege zur Verfügung stellen.         bestätigen.

     Ich möchte auch dazu sagen, dass das natür-              Damit möchte ich ganz kurz noch zum Antrag
lich zu regeln ist bei aller Unterstützung der Moun-     vom Herrn Kollegen Cerwenka kommen. Und zwar
tainbikeidee. Und gerade das Erlauftal ist ja be-        der Auflösung der Bezirksbildstellen und dafür die
kannt für die herrlichen Mountainbikestrecken. Also      Einsetzung eines Sozialarbeiters. Ich glaube eben,
jeder, der sich für Mountainbike interessiert, der       dass ein Sozialarbeiter pro Bezirk zu wenig ist.
kann sich die Führer anschauen. Es gibt auch eine        Sondern dass gerade dadurch eine Ineffizienz er-
gute Gastronomie und da kann man das ausprobie-          reicht wird. Und das ist auch der Grund warum
ren wie schön das Mountainbiken durch das Alpen-         meine Fraktion, die ÖVP, diesem Antrag nicht zu-
vorland ist.                                             stimmen wird. Herzlichen Dank! (Beifall bei der
                                                         ÖVP.)
    Aber ich glaube, man darf dabei eines nicht
vergessen, dass auch die Rücksichtnahme auf das              Zweiter Präsident Sacher: Zu Wort gelangt
Wild nicht zu kurz kommen darf. Weil Verhal-             Herr Abgeordneter Dworak.




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Abg. Dworak (SPÖ): Herr Präsident! Hoher              Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzunehmen.
Landtag!                                                  Weiters sind pädagogische Erkenntnisse, so sie
                                                          gesichert sind, in das Bildungssystem aufzuneh-
     Sie erlauben mir noch einige Anmerkungen zur         men. Eines der grundlegenden pädagogischen und
Kollegin Adensamer und Herrn Kollegen Mag.                methodischen Erkenntnisse ist, je kleiner die zu
Heuras. Und zwar geht es um den Antrag auf Sen-           betreuende Schülerzahl, desto besser der Lehr-
kung der Klassenschülerhöchstzahl auf 25. Ich             und Lernerfolg, da eine individuelle Förderung
glaube, dieser Antrag geht sehr wohl auf die neuen        leichter erfolgen kann.
Anforderungen für eine positive Weiterentwicklung
unseres Schulsystems ein. Und wir dürfen auch                 Diese pädagogisch wertvolle Verbesserung
eines nicht vergessen. Dass wir im Bildungsbereich        würde außerdem auf Grund sinkender SchülerIn-
an die Schüler und Lehrer neue Anforderungen              nenzahlen weder für die Schulerhalter, noch für das
stellen, die gerade mit so einer Senkung hier positiv     Bundesbudget wesentliche Kosten verursachen.
erledigt werden können.
                                                              Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
      Und auch eines sei hier ganz klar gesagt, weil
es uns auch darum geht, die Klein- und Kleinst-               Der NÖ Landtag möge beschließen:
schulen im ländlichen Bereich zu erhalten. Von den
573 Gemeinden Niederösterreichs sind es wahr-                 Die Niederösterreichische Landesregierung
scheinlich nur sehr wenige Städte, die im nächsten        wird aufgefordert, sich bei der Bundesregierung
Jahr von einer Senkung der Klassenschülerhöchst-          dafür einzusetzen, dass eine gesetzliche Herabset-
zahl auf 25 betroffen sein könnten. Denn Tatsache         zung der Klassenschülerhöchstzahl von derzeit 30
ist, dass spätestens ab dem Schuljahr 2005/06 der         SchülerInnen auf 25 SchülerInnen erfolgt."
Geburtenrückgang so drastisch ist, dass selbst
auch der städtische, urbane Bereich davon nicht               Und vor allen Dingen meine sehr geehrten
betroffen ist.                                            Damen und Herren der ÖVP, ich lade auch Sie ein,
                                                          diesem Antrag als deutliche Verbesserung unseres
     Ich verstehe Ihre Sorgen auch als Kommunal-          Schulsystems beizutreten und diesem Antrag zuzu-
vertreter. Die sagen ja, welche Auswirkungen hat          stimmen. Herzlichen Dank! (Beifall bei der SPÖ,
eine Senkung. Aber geben wir uns doch nicht der           den Grünen und der FPÖ.)
Hoffnung hin, dass der Bund auf einen Antrag des
Landes Niederösterreich vor dem Schuljahr                      Zweiter Präsident Sacher: Als Nächster hat
2005/06 reagieren wird. Ich darf daher meinen An-         sich Herr Mag. Ram zu Wort gemeldet.
trag zurückziehen und bringe einen neuen Resolu-
tionsantrag ein (liest:)                                      Abg. Mag. Ram (FPÖ): Herr Präsident! Meine
                                                          sehr verehrten Damen und Herren!
                   „Resolutionsantrag
                                                               Kollege Dworak hat schon gesagt, dass wir
    der Abgeordneten Dworak, Weiderbauer und              seinem Antrag beitreten. Was den Antrag von
Mag. Ram zur Gruppe 2 des Voranschlages des               Herrn Mag. Heuras betrifft betreffend der Schulfe-
Landes Niederösterreich für das Jahr 2004, Ltg.           rien darf ich ankündigen, dass wir diesen Antrag
17/V-1, betreffend Senkung der Klassenschüler-            unterstützen und zustimmen. Dem Antrag des Ab-
höchstzahl auf 25.                                        geordneten Prof. Dr. Nasko sind wir ebenfalls bei-
                                                          getreten. Und dem Antrag der Abgeordneten
     In allen Analysen des Arbeitsmarktes wird auf        Cerwenka und Weiderbauer betreffend den Einsatz
die notwendige hohe Qualifikation von Arbeitssu-          von Sozialarbeitern in Schulen dem stimmen wir
chenden bei der Jobsuche hingewiesen. Je höher            auch zu. Dem Resolutionsantrag der Abgeordneten
die Qualifikation desto bessere Chancen auf einen         Kadenbach und Frau Abgeordneten Adensamer
Ausbildungsplatz, eine Erstanstellung, bzw. einen         werden wir nicht zustimmen. Danke schön!
Wiedereinstieg nach der Arbeitslosigkeit oder Ka-
renz. Dies bedeutet, dass ein optimales Bildungs-             Zweiter Präsident Sacher: Damit, Hoher
system ein wirksames Mittel gegen Jugendarbeits-          Landtag, ist die Rednerliste zur Gruppe 2 erschöpft
losigkeit oder Arbeitslosigkeit im Allgemeinen ist.       und ich ersuche den Berichterstatter um ein
                                                          Schlusswort.
     Das österreichische Bildungssystem ist sicher-
lich sehr gut. Trotzdem ist es notwendig, immer               Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Ich
wieder Verbesserungen und Anpassungen an die              verzichte!




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


     Zweiter Präsident Sacher: Ich bitte daher den      an den Fachhochschulen durch das Land NÖ.
Berichterstatter, nunmehr den Antrag zur Gruppe 2,      (Nach Abstimmung über diesen Resolutionsantrag:)
Unterricht, Erziehung, Sport und Wissenschaft zu        Ich halte fest, darf ich noch einmal festhalten, Herr
stellen.                                                Dr. Prober ist beigetreten. Es ist nur kein geänder-
                                                        ter Antrag da. Ich ergänze, auch Abgeordneter Dr.
     Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Ich           Prober. Ich bitte noch einmal um ein Zeichen der
stelle den Antrag, die Gruppe 2, Unterricht, Erzie-     Zustimmung. Danke, das ist einstimmig!
hung, Sport und Wissenschaft, mit Ausgaben von
1.024,261.600    Euro    und    Einnahmen      von          Antrag Nummer 20 der Abgeordneten
812,461.700 Euro zu genehmigen.                         Cerwenka und Weiderbauer betreffend Einsatz von
                                                        Sozialarbeitern in Schulen. (Nach Abstimmung über
    Zweiter Präsident Sacher: Ich lasse über die-       diesen Resolutionsantrag:) Das ist die Minderheit.
sen Antrag nunmehr abstimmen. (Nach Abstim-             Der Antrag ist abgelehnt!
mung über die Gruppe 2, Unterricht, Erziehung,
Sport und Wissenschaft:) Das ist die Mehrheit. Mit           Der letzte Antrag zu diesem Kapitel, Resoluti-
Mehrheit angenommen!                                    onsantrag der Abgeordneten Kadenbach und
                                                        Adensamer betreffend flächendeckende Versor-
     Wir kommen nun zur Abstimmung über die             gung mit Interkulturellen MitarbeiterInnen. (Nach
vorliegenden Resolutionsanträge. Resolutionsan-         Abstimmung über diesen Resolutionsantrag:) Das
trag Nummer 14 der Abgeordneten Mag. Ram und            ist mit Mehrheit angenommen!
Waldhäusl betreffend Abschaffung der Landes- und
                                                            Ich ersuche nun, zum Kapitel 3, Kunst, Kultur
Bezirksschulräte. (Nach Abstimmung über diesen
                                                        und Kultus, den Herrn Berichterstatter Abgeordne-
Resolutionsantrag:) Das ist die Minderheit, damit
                                                        ten Doppler zu berichten.
abgelehnt!
                                                            Berichterstatter Abg. Doppler (ÖVP): Die
     Antrag Nummer 15 der Abgeordneten Mag.             Gruppe 3, Kunst, Kultur und Kultus, beinhaltet die
Ram und Waldhäusl betreffend Einführung eines           Aufwendungen für Bildende Künste, Musik und
Kindergartengutscheines im Bundesland Nieder-           darstellende Kunst, Schrifttum und Sprache, Hei-
österreich. (Nach Abstimmung über diesen Resolu-        matpflege, Rundfunk, Presse und Film, sonstige
tionsantrag:) Das ist die Minderheit, abgelehnt!        Kulturpflege und Kultus.
    Antrag Nummer 16 der Abgeordneten Mag.                  Ausgaben von 63,492.900 Euro stehen Ein-
Ram und Waldhäusl bezüglich Erwachsenenbil-             nahmen von 903.300 Euro gegenüber. Der Anteil
dung im Bundesland Niederösterreich. (Nach Ab-          der Ausgaben am Ausgabenvolumen beträgt 1,38
stimmung über diesen Resolutionsantrag:) Das ist        Prozent.
die Minderheit, abgelehnt!
                                                             Ich bitte den Herrn Präsident, die Debatte ein-
    Der Antrag 17, ursprünglich von Abgeordneten        zuleiten.
Dworak, wird ergänzt um die Abgeordneten
Weiderbauer, Mag. Ram. Ich lasse daher abstim-               Zweiter Präsident Sacher: Danke für den Be-
men über den Antrag der Abgeordneten Dworak,            richt. Die Debatte ist eröffnet. Zu Wort gelangt Frau
Weiderbauer und Mag. Ram betreffend Senkung             Abgeordnete Schittenhelm.
der Klassenschülerhöchstzahl auf 25. (Nach Ab-
stimmung über diesen Resolutionsantrag:) Das ist            Abg. Schittenhelm (ÖVP): Sehr geehrter Herr
die Minderheit, abgelehnt!                              Präsident! Hohes Haus!

     Resolutionsantrag Nummer 18 des Abgeord-                Ich freue mich, dass ich als Vorsitzende des
neten Mag. Heuras betreffend Schulferien. (Nach         Kultur-Ausschusses hier in der Gruppe 3 ein Kul-
Abstimmung über diesen Resolutionsantrag:) Das          turbudget vorfinde, das wirklich zur Zufriedenheit
ist die Mehrheit. Der Antrag ist mit Mehrheit ange-     der Bürgerinnen im Land, aber auch der Kultur-
nommen!                                                 schaffenden ist. Dieses Kulturbudget könnten wir
                                                        ansiedeln auch im Bereich des Wirtschaftsbudgets,
    Wir kommen zum Antrag Nummer 19 des Ab-             des Tourismusbudgets, des Sozialbudgets, aber
geordneten Prof. Dr. Nasko, dem der Abgeordnete         vor allem im Bereich der Identität, so wie das unser
Mag. Ram beigetreten ist betreffend Förderung des       Herr Klubobmann Mag. Schneeberger heute schon
verstärkten Ausbaues von angewandter Forschung          angesprochen hat.




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode                3. Sitzung vom 16. Juni 2003


    Denn die große Vielfalt an Ausstellungen,             Viertelsfestival, wie man das bezeichnen möchte,
Aufführungen und Konzerten auf der einen Seite            konkrete Umsetzungsschritte getan.
von Menschen in den Regionen miterlebt und ge-
nossen, auf der anderen Seite von Menschen aus                Das erste Viertelsfestival, Sie wissen das, hat
der Region mitgestaltet. Und damit verstärkt sich         im Waldviertel stattgefunden. Und wir waren sehr
die Bindung der Menschen der Region, stärkt sich          besorgt, wie wird das ausgehen. Faktum ist und
die Verbindung untereinander und auch das Mit-            war, dass 80 Prozent der Kulturschaffenden und
einander vor Ort wird stärker ausgeprägt.                 der Bevölkerung zustimmten und eine Fortführung
                                                          dieser Art der regionalen Kulturwerdung stattfinden
      Und ich bin überzeugt, dass gerade im Hinblick      haben lassen. Das heißt, diese Fortführung
auf ein größer werdendes Europa diese Kompo-              wünschten.
nente eine ganz, ganz wichtige ist. Dass hier Tradi-
tionen nicht verloren gehen, sondern wieder revita-            In diesem Jahr ist das Industrieviertel Gast-
lisiert werden, wieder gelebt werden. Und dass hier       geber und das Weinviertel, ich sehe natürlich schon
die Kultur vor Ort gepflegt wird und verbreitet wird.     die Vorbereitung für das Jahr 2004. Industrieviertel,
                                                          die Spannungsbögen, Sie kennen das.
    Wenn wir heute immer wieder von der Qualität
eines Standortes sprechen, so gehört vor allem                 Meine sehr geehrten Damen und Herren! In
auch die geistige Infrastruktur, das kulturelle Erbe      den Landesvierteln wird Kulturarbeit an den Wur-
und das kulturelle Geschehen dazu. Das ist Stand-         zeln geleistet. Es wird Lokales und Globales vereint
ortqualität, und dass wir diese haben, hat sich ja        geboten. Traditionelle Verwurzelungen und interna-
auch bei der Volkszählung gezeigt.                        tionale Offenheit ganz einfach die kleine und die
                                                          große Welt präsentiert. Es wird Kunst und Kultur in
     Und es stellt sich heute, meine sehr geehrten        allen Regionen unseres Landes erlebbar gemacht.
Damen und Herren, heraus, das dass man damals
im Zuge des Werdens der Landeshauptstadt St.                   Ein derartig reges Kulturleben braucht aber
Pölten intensiv die Gleichrangigkeit der Landes-          natürlich ein funktionierendes Miteinander und eine
viertel diskutiert hat, richtig war. Und daher rührt      gelebte Partnerschaft, überhaupt keine Frage. Al-
auch der gemeinsame Beschluss einer besonderen            leine ist das nicht zu bewältigen. Nicht die Kultur-
Regionalförderung, die schon damals unsere Frau           schaffenden alleine, nicht das Land alleine, auch
Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop mit          nicht die Wirtschaft alleine. Aber in der Partner-
der Intention und unter dem Motto, das ganze Land         schaft Wirtschaft, öffentliche Hand, und auch pri-
ist Bühne, umgesetzt hat. In der Folge wurden im          vate Sponsoren. Hier sind sie natürlich gefragt. So
Rahmen einer Infrastrukturförderungsaktion mehr           ist es möglich, dieses rege Kulturleben auch zu
als 100 Kulturwerkstätten in den Landesvierteln, in       finanzieren. Und letztendlich ist dies ja auch eine
den Regionen etabliert und damit die Bühnen für           wichtige kultur-touristische und wirtschaftliche Initi-
kulturelle Aktivitäten geschaffen.                        ative und ein wesentlicher Impulsgeber für die Wirt-
                                                          schaft.
     Meine Damen und Herren! Dass der Weg rich-
tig war zeigt sich auch ein zweites Mal. Denn die              Und daher sage ich hier auch von dieser Stelle
Zielsetzungen haben sich nicht verändert, ganz im         aus den Kulturschaffenden, der Wirtschaft und den
Gegenteil. Wir haben sie verstärkt und beibehalten.       Gemeinden ein herzliches Danke. Und vor allem
Nämlich die Förderung der Eigeninitiativen vor Ort,       auch unserer zuständigen Abteilung im Land unter
die Eigenverantwortung der zahlreichen Kulturiniti-       der Leitung und Verantwortung von Herrn Hofrat
ativen am offenen Land. Die besondere Förderung           Dr. Joachim Rössl. Er und sein Team stehen nicht
der kulturellen Vielfalt durch Umsetzung eines um-        nur beratend zur Seite. Das heißt, dass hier wirklich
fassenden Kulturbegriffes und die Schaffung eines         Professionisten am Werk sind, sondern dass sie
landesweiten Kulturangebotes quasi vor der eige-          auch qualitäts- und finanzbewusst die Vergabe der
nen Haustür der Landesbürger.                             Mittel aufbereiten und zum Einsatz bringen. Und
                                                          das ist auch ein ganz wesentlicher Teil des Erfolges
    Und letztendlich wurde im Kulturförderungsge-         unserer Kulturarbeit im Lande.
setz 1996 die Möglichkeit jedes Menschen in jeder
Region des Landes auf Teilnahme am kulturellen                Hohes Haus! Das Kulturbudget für das Jahr
Prozess festgeschrieben. Auch das ist einzigartig         2004 beträgt immerhin, es wurde schon gesagt
im Bundesland Niederösterreich im Vergleich zu            vom Berichterstatter, 63,492.900 Euro, ein Plus von
den anderen. Und das Landeskulturkonzept 2000             über 2 Millionen gegenüber dem letzten Jahr. Und
hat hier aufgebaut und mit einem Viertelsfest oder        wenn man hier im Verhältnis dazu einen kleinen




                                                        223
Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


Bereich nimmt den man herausgreifen möchte, der            malpflege, die Finanzierung der viel beachteten,
viel zu wenig Beachtung findet, in seiner Auswir-          international viel beachteten und begehrten Denk-
kung aber enorm ist, nämlich die Denkmalpflege             malpflegebroschüre des Landes Niederösterreich.
mit immerhin einem Budgetansatz von 2,2 Millionen          Sie finden Sie unter der Rubrik sonstiges.
Euro. Denkmalpflege. Hier denken wir an verschie-
denste Denkmäler, Bauten etc. Ein Schwerpunkt im                Hohes Haus! Neben dem ordentlichen Budget
Einsatz der Mittel der Denkmalpflege liegt in der          stehen Sondermittel zur Behebung von Hochwas-
Unterstützung der Sanierungstätigkeit der nieder-          serschäden an denkmalgeschützten Gebäuden zur
österreichischen Stifte. Wir alle kennen sie, wir alle     Verfügung. Und nach einem Beschluss hier im
besuchen sie, wir alle sind stolz auf diese Bauten.        Hause am 11. September letzten Jahres war es
                                                           auch möglich, aus diesem Titel heraus diese Förde-
    Wobei ich hier im Besonderen die auf 10 Jahre          rungsmaßnahmen zu setzen. Bisher wurden
terminisierten Generalsanierungen des Stiftes              1,450.000 Euro bereits vergeben, weitere 323.400
Altenburg, das zuletzt ihnen ja sehr bekannt durch         Euro sind für Vorhaben gebunden und ein Restbe-
die Werbekampagne des ORF „Engel für Engel für             trag wird zur Unterstützung, Behebung der Schä-
Engel“ natürlich entsprechend beworben wurde.              den vor allem an Gebäuden im Privateigentum
Aber genauso auch die schon frühere begonnene              herangezogen.
Sanierung des Stiftes Herzogenburg, die ebenfalls
von den Medien sehr intensiv begleitet wurde.                   Hohes Haus! Wir sind stolze Besitzer, ganz
                                                           stolze Besitzer - Sie wissen es, nur wir denken
     Aber auch die Basilika in Mariazell erfuhr und        nicht so oft daran - von zwei Weltkulturerbestätten.
erfährt eine Zuwendung aus Mitteln der Denkmal-            Nämlich der Wachau und der Semmeringbahn. Und
pflege. Und eine Reihe von Pfarr- und Filialkirchen,       auch hier bieten wir, bietet das Land Niederöster-
bei denen es sich durchwegs um kunsthistorisch             reich den lokalen Vereinen Unterstützung in der
bemerkenswerte Bauten handelt, die oft im Ver-             Pflege dieses Weltkulturerbes. Und es soll aus
hältnis zu ihrer Größe und ihrem Umfang der Res-           Mitteln der Denkmalpflege die Errichtung eines
taurierungsarbeiten von einer kleinen Pfarrge-             Welterbezentrums und eines Kompetenzzentrums
meinde oder Gemeinde nicht erhalten, restauriert           im Schloss Spitz unterstützt werden.
werden könnten. Hier sind wir vom Land gefordert.
Und wir kommen dieser Verantwortung auch nach                    Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Da-
und gerne nach. Ob das hier die Filialkirche in            men und Herren! Die Förderung der Denkmalpflege
Kanning ist, die Wolfgangskirche in Kirchberg am           ist neben dem Erhalt des kulturellen Erbes, das
Wechsel, die Pfarrkirche Nappersdorf, St. Wolfgang         letztlich gelebte und gebaute Geschichte darstellt,
oder vielleicht viel noch mehr bekannt die                 solcher Art ein hohes, wie ich schon gesagt habe,
Minoritenkirche in Krems.                                  Identitätspotenzial für die Bürgerinnen und Bürger
                                                           in unserem Lande darstellt, auch ein bedeutender
     Meine Damen und Herren! Aber auch im Be-              touristischer Faktor und ein wichtiger Impuls für die
reich der Schlösser und Burgen kommt hier die              Bauwirtschaft, im Speziellen aber für das Baune-
Denkmalpflege der Budgetansatz für diese Berei-            bengewerbe. Und vor allem für die künstlerischen
che heraus. Und wenn ich hier anschaue das                 Leistungen der Restauratoren. Und daher wird
Schloss Ebenfurt, das Schloss Zell in Waidhofen            auch heuer durch einen Sonderpreis im Rahmen
a.d. Ybbs, das Schloss Reichenau an der Rax, das           der NÖ Kulturpreise diese Arbeit, diese Leistung
ja zur Zeit Stätte der Landesausstellung ist. Dort im      gewürdigt werden. Hohes Haus! Also ein Kultur-
Schloss Reichenau wurden ja die seltenen Schab-            budget, mit dem sowohl die Kulturschaffenden, vor
lonenmalereien restauriert in kleinster, schwieriger       allem aber die Menschen in diesem Land und auch
Arbeit. Und es ist eine Kostbarkeit daraus gewor-          die Wirtschaft zufrieden sein können. (Beifall bei
den. Ich nehme an, Sie haben sich das schon an-            der ÖVP.)
geschaut. Und wenn nicht, dann tun Sie das.
                                                               Zweiter Präsident Sacher: Zu Wort gelangt
     Aber wir haben auch noch andere Bereiche wo           Herr Abgeordneter Prof. Dr. Nasko.
hier ganz einfach aus der Denkmalpflege, aus die-
sem Budgetansatz hier die Unterstützung gegeben                Abg. Dr. Nasko (SPÖ): Sehr geehrter Herr
wird. Es werden nämlich auch denkmalgeschützte             Präsident! Hoher Landtag! Sehr geehrte Mitglieder
Häuser, die sich in Privateigentum befinden, aus           der Landesregierung!
Mitteln der Denkmalpflege gefördert. Und ein nicht
unbedeutender Aspekt, aber vielleicht nicht so sehr            Der Herr Finanzlandesreferent hat bei der Prä-
bewertet oder eigentlich bemerkt, nämlich die Ver-         sentation des vorliegenden Budgets den Zuwachs
wendung der Fördermittel aus dem Bereich Denk-             des Kulturbudgets um 4 Prozent mit der Notwen-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


digkeit begründet, die Identität und das Selbstver-       Schein bezeichnet wird. Kultur ist eine Lebensform,
ständnis des Landes zu stärken. Auch wenn das             ein Lebensprozess. Kultur bringt Kommunikations-
Kulturbudget nur 1,376 Prozent des Gesamtbud-             figuren hervor, schafft Beziehungsgeflechte zu
gets ausmacht, so bleibt die Steigerung ein erfreuli-     Menschen und ihrer Umwelt, zu ihrer Natur, zu ihrer
ches Zeichen. Dass dies keine Selbstverständlich-         Gestaltung von Städten und Landschaften. Weist
keit ist, zeigt die Bundessituation. Dort liegt das       auf die Zukunft hin und das immer mit dem Blick
Kulturbudget 2004 um 8,6 Millionen Euro unter dem         auf die Vergangenheit. Kultur ist Lebensform,
Niveau von 1999. Aber auch Beispiele in den Bun-          Gestaltung und Aneignung.“ Soweit das Zitat.
desländern wie etwa in Tirol sind hier anzuführen,
wo das Kulturbudget um 10 Prozent gekürzt wer-                 Ein weiteres Augenmerk der Kultur gilt der Er-
den soll.                                                 möglichung von Kunst und Kultur, nämlich der Ba-
                                                          sisförderung, für welche das Land beträchtliche
     Auf Grund dieser kulturellen Einsparungen auf        Summen investiert. Ich greife hier den Musikschul-
Bundesebene hört man, das dürfte auch für Nie-            bereich heraus. Obwohl das Kulturbudget im ge-
derösterreich gelten, von Hilferufen und Hiobsbot-        genständlichen Fall nicht steigt, sondern gegenüber
schaften von Künstlern, Kulturinitiativen und Kul-        den letzten beiden Jahren um etwa 200.000 Euro
turinstitutionen. Kultur ist etwas Wesentliches, das      zurückgenommen wurde, investiert das Land hier
zu jedem Menschen gehört. Da geht es um die               mit 17,352.700 Euro über ein Viertel seines ge-
Frage wer bin ich? Womit identifiziere ich mich?          samten Kulturbudgets. Und das zu Recht, bilden
Was ist mein Land? Alleine Musik und Theater sind         die Musikschulen doch die Basis für das gesamte
etwas total Essenzielles für jeden Menschen.              musikalische Wirken unseres Landes. Mit dem
                                                          Musikschulgesetz 2000 wurde für die 138 Musik-
     Niederösterreich hat zweifellos auch durch In-       schulen in Niederösterreich mit 30.847 geförderten
vestitionen im Zentralraum St. Pölten-Krems an            Wochenstunden im letzten Schuljahr eine solide
Landesidentität gewonnen. Weiters denke ich hier          Basis geschaffen.
an die Schaffung spezifischer Festivals wie des
Theaterfestes im Sommer, das im Gegensatz etwa                 Das ist Basisförderung. Es gibt dabei jedoch
zum Burgenland mit den zwei Hauptschwerpunkten            Ungleichheiten und diese sollten wir im gemeinsa-
St. Margarethen und Mörbisch mit seinen 18 Spiel-         men Interesse in der Zukunft aus der Welt schaffen.
orten von Amstetten bis Stockerau und immerhin            Konkret lässt sich die derzeitige Förderbasis auf
211.000 Besuchern im vergangen Jahr auf Vielfalt          eine einfache Formel bringen: 72,67 Euro werden
und lokale Verbundenheit setzt.                           pro Wochenstunde und Jahr ausgeschüttet. Dieser
                                                          Berechnungsschlüssel findet Anwendung für rund
     Oder etwa auch an die noch in den Kinder-            90 Prozent der Musikschulen mit einer Größe zwi-
schuhen steckenden Viertelsfeste, die demokra-            schen 80 und 500 Wochenstunden, deren Subven-
tisch-autonom organisiert vom Land jährlich mit           tion entsprechend dem Aufwand gewährt wird. Für
500.000 und vom Bund mit 220.000 Euro unter-              größere Schulen sieht die Rechnung anders aus.
stützt, insbesondere mit dem Pilotprojekt Wald-           Denn die Förderung ist gedeckelt. Die Kategorie
viertelfestival 2001 vorerst neue innovative Maß-         über 450 Wochenstunden fasst zahlreicher Musik-
stäbe setzen. Diese Erwartungen wurden beim               schulen von höchst unterschiedlicher Größe zu-
vorjährigen Mostviertelfestival in höherem Maße           sammen, die alle in gleicher Höhe subventioniert
nicht erfüllt. Brachte es doch weder inhaltlich noch      werden, während darunter in 50-Stundenschritten
wirtschaftlich die erhofften Ergebnisse.                  fein abgestuft wird.

     Auch wenn man versucht, beim diesjährigen                Am schlimmsten trifft diese Limitierung Wr.
Industrieviertelfestival aus Fehlern der Vergangen-       Neustadt und St. Pölten mit rund 1.000 Wochen-
heit zu lernen, wird man auch heuer in Folge der          stunden, die in den drei Jahren seit Inkrafttreten
Nicht-mit-Einbeziehung exemplarischer Gruppen -           des Gesetzes im Herbst 2000 bereits mehr als
wie gesagt das geschieht durch die Kulturvernet-          100.000 Euro zu wenig bekommen haben. Aber
zungsstellen – ja gerade der für das Industrieviertel     auch eine Schule, die beispielsweise nur 600 Wo-
besonders markanten Stätten schwer die Identifika-        chenstunden erhält, fällt bereits um 20 Prozent ihrer
tion mit dieser Region erreichen können. Auf unse-        rechnerisch korrekten Förderung um. Die Ungleich-
ren Antrag hin wird ja der Landesrechnungshof die         behandlung betrifft also die 11 niederösterreichi-
Vorgänge bei den Viertelsfesten untersuchen.              schen Musikschulen mit mehr als 500 Wochen-
                                                          stunden. Und das sind eine ganze Menge. Auch
    Meine Damen und Herren! Für Hilmar Hoff-              Perchtoldsdorf, Waidhofen a.d. Ybbs, Klosterneu-
mann bedeutet Kultur, ich zitiere: „Kultur ist ganz       burg, Mödling, Amstetten, Hollabrunn, die Musik-
gewiss nicht das was gemeinhin als schöner                schulverbände Ybbs, Fels, Staatz und Eggenburg.




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


So ist nicht einzusehen, dass eine unsinnig kurze          reich-Galerie in Wien ergeben. Wir verkennen nicht
Bemessungsskala die Subvention im ungünstigsten            die Initiativen, der immerhin mit 800.000 Euro do-
Falle halbiert. Weshalb durch eine Novellierung des        tierten Kunst im öffentlichen Raum bis zur Verlei-
Musikschulgesetzes 2000 eine lineare Erweiterung           hung von Kulturpreisen. Künstler müssen aber oft
der Skala notwendig erscheint.                             und immer wieder aufs Neue entdeckt werden. Es
                                                           genügt nicht, einmal eine Ausstellungsmöglichkeit
      Meine Damen und Herren! Wichtige identitäts-         zu haben. Vor allem wenn man davon lebt. Zu
stiftende Akzente setzen neben dem reichen                 überlegen wäre anstelle der exotisch-touristischen
Theatersommerleben in Niederösterreich vor allem           Expositionen auf der Schallaburg etwa Retrospekti-
auch die beiden großen Theater Baden und St.               ven unserer bildenden Künstler der 70er, 80er und
Pölten. Ihre finanzielle Situation ist seit 1994 durch     90er Jahre zu präsentieren. Laut der nach wie vor
unbefristete Förderverträge mit dem Land gesi-             grundsätzlich aktuellen Analyse zwischen Beruf
chert. Zur Betriebsfinanzierung bedarf es jedoch           und Berufung der sozialwissenschaftlichen Stu-
künftig der entsprechenden Valorisierung der Bud-          diengesellschaft über Künstler und Künstlerinnen
gets, etwa auf Basis der Erhöhung der Kollektiv-           verdienen diese nämlich mit ihrer künstlerischen
vertragspartner.                                           Tätigkeit netto rund 700 Euro, wobei Frauen mit
                                                           durchschnittlich 590 Euro deutlich weniger verdie-
    Da zumindest St. Pölten als Betrieb gewerbli-          nen als Männer mit durchschnittlich 810 Euro. Die
cher Art künftighin Kest-pflichtig werden könnte, ist      Mehrheit der hauptberuflich tätigen Künstler und
darüber hinaus längerfristig die Umwandlung in             Künstlerinnen muss daher entweder mit einem eher
eine gemeinwirtschaftliche Gesellschaft mit be-            geringen Einkommen das Auslangen finden bzw.
schränkter Haftung zu überlegen, die auch einen            einer zusätzlichen Nebenbeschäftigung nachge-
größtmöglichen wirtschaftlichen Handlungsspiel-            hen.
raum garantieren würde.
                                                                 Meine Damen und Herren! Wir sind als Gesell-
     Dazu kommt, dass beide Stadttheater im Ver-           schaft auch den Künstlern verpflichtet. Sie geben
gleich zu den anderen Bundesbühnen einen relativ           der Gesellschaft viel mit ihrer Kreativität, sie sind
geringen Unterstützungsbetrag aus dem Finanz-              keine bloßen Brosamenempfänger. Sie kreieren
ausgleich des Bundes erhalten. Der Bund signali-           Werte und dies erfordert Äquivalente. Darüber hin-
siert ja er wolle einen Teil der Zuschüsse der Bun-        aus aber muss es uns darum gehen, die Demokra-
destheater auf die Bundesländer umverteilen. Für           tisierung der Kunst weiter zu vertiefen. Der Zugang
diesen Fall müsste Niederösterreich als das am             zur Kunst muss ständig durch Vermittlungstätigkeit
meist benachteiligte Bundesland daraus Kapital             offen sein, erleichtert werden. Schon das Eltern-
ziehen. Eine repräsentativere Berücksichtigung             haus kann erste Ansätze bilden. Vor allem die
Niederösterreichs wäre nämlich längst überfällig.          Schulen sollen die Basis sein und die Medien kön-
Mit zusammen 2.128 Sitzplätzen erhalten die                nen hier sehr viel einbringen. Gut ausgebildete
Theater Baden und St. Pölten insgesamt 1,266.703           Lehrer und Journalisten können ideale Vermittler
Euro. Die Vereinigten Bühnen Graz mit nur 300              sein. Ich hoffe nur, dass die restriktiven Maßnah-
Sitzplätzen mehr erhalten mehr als das Dreifache!          men, und das richte ich jetzt an Kollegen Mag.
Hier wäre eine Anhebung des Bundeszuschusses               Heuras, Maßnahmen der derzeitigen Bundesregie-
für die beiden niederösterreichischen Bühnen am            rung nämlich, das zum Teil wirklich hervorragende
Platz. Man sollte eventuell auch die Bühne im Hof          kulturelle Leben an unseren Schulen nicht total
in St. Pölten oder auch das Festspielhaus mit zu-          demontieren.
sammen 1.400 Plätzen hier einbeziehen in die För-
derung.                                                         In die Kunstvermittlung gehören ferner päda-
                                                           gogische Initiativen wie das Westentaschenmu-
    Große Bedeutung haben für die Kultur in unse-          seum oder die Guckkastengalerie des Landesver-
rem Land die über 2.000 registrierten bildenden            bandes der Kunstvereine und des Kunstvereines
Künstlerinnen und Künstler. Sie geben dem Land             Süd-Ost. Kultur darf nicht nur in der Fertigung von
mit ihrer Kreativität sehr viel. Sie brauchen aber         Kulturgütern bestehen. Weit wichtiger nämlich ist
auch das Land als Auftraggeber und Förderer. Hier          ihr Gebrauch. Die aufgebaute, neue kulturelle Infra-
sind neben dem zentralen niederösterreichischen            struktur in Niederösterreich sollte meines Erachtens
Dokumentationszentrum für moderne Kunst die                nach langfristig neu konzipiert und organisiert wer-
blau-gelben Viertelsgalerien in Zwettl, Mistelbach,        den und einen starken Zukunftsbezug erhalten.
Weistrach und Bad Fischau wichtige Präsentati-
onsmöglichkeiten. Dazu gehört auch die Kirche St.              Niederösterreich ist mit seinen Vierteln und
Peter an der Sper in Wr. Neustadt. Eine neue Per-          seiner Herzregion ein starkes kulturelles Land. Der
spektive könnte sich mit der geplanten Niederöster-        Landtag hat mit Krems als Kulturhauptstadt eine




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Landtag von Niederösterreich           Tagung 2003 der XVI. Periode              3. Sitzung vom 16. Juni 2003


klare Ansage gemacht und auch umgesetzt. Und                    In St. Pölten haben Kulturbezirk und Stadt seit
ich sage das hier als St. Pöltner bewusst, denn wir        längerem eine gute Zusammenarbeitsbasis. Ge-
wollen wirklich hier keine Animositäten fortschrei-        meinsame konstruktive Überlegungen der letzten
ben, sondern es geht darum, Realitäten anzuer-             Zeit werden diese, so hoffe ich, auch noch sichtba-
kennen. Da können Sie Ihre Hand gerne hier her             rer machen. In der Presse wurde das ja vor einer
strecken, das freut mich. Ich will Ihnen das sagen,        Woche etwa sehr deutlich gewürdigt. Es grenzt an
wenn eine Infrastruktur vorhanden ist, dann müs-           ein kleines Wunder, dass es im kulturellen Bereich
sen wir sie anerkennen. Aber dann müssen wir sie           nun gelungen ist, Vertreter von Stadt und Land an
auch umsetzen und nutzen. Und da will ich auch             einen Tisch zu bringen. Und siehe da, in recht kur-
noch etwas sagen dazu. (Beifall bei der SPÖ und            zer Zeit konnte man in konstruktiver Zusammenar-
Abg. der ÖVP.)                                             beit Lösungen vorlegen heißt es dort. (Beifall bei
                                                           der SPÖ und Abg. Dr. Michalitsch.)
     Ich nenne in Krems die Kunstmeile mit Kari-
katurmuseum und Kunsthalle. Das Literaturhaus                   Nun, wir arbeiten seit langem daran. Und was
Niederösterreich, das künftige neue Zentrum für            ich vorher angedeutet habe, da würde ich hier mei-
europäische Regionalkultur von Kultur bis Kulinarik.       nen, dass wir die Ressourcen, die der Raum Krems
Die Filmgalerie im Campus der Donau-Uni bringt in          - St. Pölten - ich habe mit niemandem darüber ge-
Zusammenarbeit mit Filmarchiv und Filmmuseum               sprochen, weder mit meinen obersten Chefs usw.,
vor allem themenbezogene Retrospektiven. Dazu              noch mit Krems, noch mit dem Land. Aber man
kommen künftig postgraduale Ausbildungsmöglich-            könnte sich vorstellen, und es wurden einmal schon
keiten wie digitale Filmrestaurierung. Das erste           auch zwei Städte verschiedener Nationen als euro-
niederösterreichische Programmkino in St. Pölten           päische Kulturhauptstadt genannt, also haben den
hat eingeschlagen. Wurden pro Jahr 22.000 Besu-            Zuschlag bekommen. Wir könnten uns hier viel-
cher erwartet, signalisiert die erste Halbjahresbilanz     leicht zusammen tun, ein neues Ziel, eine neue
mit 32.500 Besuchern eine weit höhere Auslastung.          mögliche Anstrengung, Kraftanstrengung die uns
                                                           zusammenführt, Kräfte nicht nur reibt und zu nichts
    Seinen bewusst avantgantistischen Weg unter            führt, sondern dass wir ein positives Ziel haben.
neuer Leitung geht das NÖ Donaufestival. Die 75-           Und damit können wir dann kulturell zumindest
prozentige Auslastung wurde durch das Anspre-              Topregion werden. Danke! (Beifall bei der SPÖ und
chen entsprechender Publikumsströme im neben               Abg. der ÖVP.)
Krems neuen Hauptspielort Korneuburg gehalten.
                                                               Zweiter Präsident Sacher: Ein konsensuales
     Das neue Landesmuseum hat bereits jetzt               Kulturfeuerwerk! Als Nächste am Wort ist Frau
75.000 Besucher. Dieser Ansturm ließ erst die              Abgeordnete Lembacher.
Notwendigkeit gewisser logistischer und gastrono-
mischer Ergänzungen voll erkennen. Das Fest-                    Abg. Lembacher (ÖVP): Herr Präsident! Ho-
spielhaus kam bei einer jährlichen Dotierung von           her Landtag! Meine sehr verehrten Damen und
2,840 Millionen Euro in der letzten Saison auf             Herren! Sehr verehrte Frau Landeshauptmannstell-
43.000 Besucher. Hier hat sich das Tonkünstleror-          vertreterin!
chester als Ensemble fix etabliert. Verbessert
wurde nicht nur die Bindung ans Haus, sondern                   Die Landesausstellungen haben im Kulturleben
auch das Management samt Bewerbung des Or-                 Niederösterreichs einen sehr hohen Stellenwert.
chesters.                                                  Nach wie vor bemühen sich die verschiedenen Orte
                                                           Niederösterreichs und die Regionen darum, die
     Fest steht auch, dass das Orchester künftighin        Landesausstellungen in ihrem Gebiet abhalten zu
auch die ABC-Dancecompany des Festspielhauses              können. Seit dem Jahr 1960 werden die Lan-
künstlerisch begleiten wird. Mit der Gründung die-         desausstellungen bereits abgehalten und es haben
ser Truppe wurde dem Ruf Niederösterreichs als             fast 8 Millionen Besucher aus dem In- und Ausland
Kulturland eine neue Dimension hinzugefügt. Jedes          diese Ausstellungen besucht.
einzelne Ensemblemitglied einer Company ist ein
Star. Künftig werden sie Botschafter unseres Lan-              Nach wie vor sind es zwei Kernbereiche, die
des in der Welt sein. Ausstrahlen soll auch der            diese Landesausstellungen prägen. Zum Einen
Klangturm der im nächsten Jahr einer umfassenden           sind sie eine Kulturveranstaltung an ein breites
Nachrüstung unterzogen wird, um sich 2005 in               Publikum, von der Jugend bis zum älteren Men-
neuem Outfit und mit hoffentlich überzeugendem             schen, die ein Thema aufbereitet und so den Men-
Programm zu präsentieren.                                  schen näher bringt. Mit eingebunden in die Kon-




                                                         227
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2003 der XVI. Periode               3. Sitzung vom 16. Juni 2003


zeption und Aufarbeitung sind Wissenschaftler aus       förmigen Grabenanlagen stammen aus dem Mittel
dem In- und Ausland.                                    Neolithikum aus der Zeit 4900 bis 4500 vor
                                                        Christus. Sie bestehen aus drei konzentrisch an-
     Dem Zeitgeist entsprechend werden mit              gelegten kreisförmigen Gräben mit einem Durch-
Events-Charakter und dem Einbinden moderner             messer von 40 bis 180 Meter. Die Gräben haben
Technik die Themen den Besuchern näher ge-              einen spitzen, steilen Querschnitt, sind 4 bis 8 Me-
bracht. Ein Anliegen ist es, die Marke Landesaus-       ter breit und erreichen Tiefen von 3 bis 6 Meter.
stellung weiter zu positionieren. Dass dies schon
gelungen ist, zeigt die internationale Anerkennung           Sie werden in Zusammenarbeit mit der Zent-
auch dadurch, dass Leihgaben aus den verschie-          ralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ver-
denen Ländern zur Verfügung gestellt werden. Sie        messen und prospektiert und werden dann im
erhöhen die Attraktivität der Landesausstellungen.      Rahmen der Landesausstellung präsentiert werden.
Bei der heurigen Landesausstellung in Reichenau         Eine Kreisgrabenanlage wird in Originalgröße
a.d. Rax warten 1.200 Exponate aus der Theater-         nachgebaut werden um eben diese Dimensionen,
welt auf die Besucher. Erstmals ist die Welt des        die riesigen Dimensionen auch zu zeigen.
Theaters Gegenstand einer Landesausstellung. Die
Welt des Theaters um 1900 war eine faszinierende.            Die Vorbereitung von Seiten des Landes und
Und bildete durch viele Theaterexperimente die          der Region werden getroffen und die Gemeinden
Grundlage für das heutige Bühnengeschehen.              des Schmidatals wollen zugleich mit der Lan-
Ganz besonders reizvoll ist bei dieser Ausstellung      desausstellung die regionale Entwicklung voran-
dass Schauspieler live erlebt werden und die Besu-      treiben. Gleichzeitig wird auch über die Nachnut-
cher mit kurzen Szenen überrascht werden. Eine          zung intensiv beraten. Denn das Geld, das von
Multimedia-Show im Theater in Reichenau und ein         Seiten des Landes und von anderen Stellen kommt
poetisch inszenierter Themenweg im Kurpark ver-         und investiert wird, soll weit über die Landesaus-
vollständigen die Ausstellung.                          stellung für die Region wirksam sein.

     Als zweiter Schwerpunkt ist die Kooperation             Wir erwarten durch die Landesausstellung
mit der jeweiligen Region zu sehen. In die Vorbe-       wirtschaftliche Impulse für die Region und sind sehr
reitung wird die Wirtschaft, der Tourismus und wer-     froh darüber, dass Landeshauptmann Dr. Pröll, die
den die Gemeinden mit eingebunden und über die          Kulturabteilung und ECO-PLUS finanzielle Unter-
Nachnutzung ein Konzept erarbeitet. Arbeitsplätze       stützung zugesagt haben. Das ist notwendig, um
vor, während und nach der Ausstellung werden            auch im Jahr 2005 sowie bei den bisherigen Lan-
geschaffen. Besucher und Gäste beleben die Wirt-        desausstellungen eine Landesausstellung zu ha-
schaft und tragen so zur Umwegrentabilität bei. Im      ben die viele Gäste anlockt, viel regionalpolitischen
Jahr 2005 wird die Landesausstellung, und das           Erfolg für unsere Region bringt und das Image als
freut mich ganz besonders und ich bin sehr stolz        Kulturland Niederösterreichs und unseres Bezirkes
darauf, in unserer Region stattfinden. 7.000 Jahre      weit über unsere Grenzen hinaus bekannt macht.
alte bäuerliche Kultur und das Thema Helden wer-        (Beifall bei der ÖVP.)
den der Schwerpunkt in Helden beim Heldenberg in
Wetzdorf sein.                                               Zweiter Präsident Sacher: Hoher Landtag!
                                                        Wir haben vereinbart, dass wir spätestens um
     Das Thema Helden wird sich damit beschäfti-        21.30 Uhr schließen. Auf Grund der Rednerliste
gen, was bedeutet Heldentum, was sind Helden?           ergibt sich jetzt ein guter Schlusspunkt für den heu-
Sind es nicht auch Menschen die mit Einsatz ihres       tigen Tag. Ich unterbreche daher die Verhandlun-
Lebens den anderen helfen? War es vielleicht Berta      gen über den Voranschlag des Landes für das Jahr
von Suttner mit ihrem Einsatz für den Frieden?          2004. Die nächste Sitzung des Landtages findet
Oder sind es ganz einfach auch die Helden des           morgen, den 17. Juni 2003 um 9.00 Uhr statt. Die
Alltags? Die Kreisgrabenanlagen und mittlerweile        Beratungen über den Voranschlag werden mit den
sind 45 allein in Niederösterreich und da vor allem     nächsten Rednerinnen und Rednern der Spezial-
im Weinviertel bekannt, bilden einen weiteren           debatte zur Gruppe 3 fortgesetzt. Die Sitzung ist
Schwerpunkt dieser Landesausstellung. Die kreis-        geschlossen. (Ende der Sitzung um 21.10 Uhr.)




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