Lebenssituation und berufliche Belastungen von Medizinstudenten

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					                                                 Praktische Arbeitsmedizin


Lebenssituation und berufliche Belastungen
von Medizinstudenten
Thomas Muth, Silvester Siegmann und Sieglinde Schwarze

In der Zeit des Studiums sehen sich viele        Ergebnisse                                               persönlichen Zeitaufwand für Studium und Ne-
Studierende persönlichen Herausforde-            171 von 190 Studierenden haben sich beteiligt            bentätigkeiten insgesamt als sehr hoch ein: Im
rungen gegenüber: Ein völlig neues Lebens-       (90%). Studentinnen stellten dabei die Mehr-             Semester 58,4 Stunden (s=21,7), in der vorle-
umfeld, veränderte Lernanforderungen,            heit (n=99,58%). Das mittlere Alter lag, un-             sungsfreien Zeit 37 Stunden (s=27,6) pro Wo-
Trennung von Elternhaus und Freundes-            abhängig vom Geschlecht, bei 21,9 Jahren                 che. Abbildung 1 zeigt, welche Faktoren von
kreis oder auch schwierige finanzielle Be-       (s=2,8). Die meisten Studenten/-innen waren              den Studierenden als besonders belastend
dingungen. Psychische Beeinträchtigungen         21-23 Jahre alt (70%). Gut die Hälfte aller Be-          empfunden werden.
scheinen unter Studierenden weit verbrei-        fragten lebt bereits selbstständig in einer eige-
tet1. Mehrfachbelastungen sind häufig: Fast      nen Wohnung oder einer Wohngemeinschaft.                 In dieser Phase des Studiums spielen Belas-
zwei Drittel der Studierenden sind, in unter-    Von den Übrigen wohnen weibliche Studieren-              tungsfaktoren, die von anderen Erwerbstätigen
schiedlichem Umfang, nebenher erwerbs-           de eher noch bei den Eltern (29%), während               häufig genannt werden, wie Mobbing, sexuelle
tätig2. Zur Beteiligung an der Familienarbeit    von den Kommilitonen ein Platz im Studen-                Belästigung usw., überhaupt keine Rolle.
wie z. B. Versorgung und Pflege von Ange-        tenwohnheim bevorzugt wird (26%). Das Ein-
hörigen gibt es keine Angaben.                   kommen der hier befragten Medizinstudenten               Zusammenfassung
                                                 stammt im Wesentlichen aus der Unterstüt-                Die befragten Studierenden der Humanmedi-
Ziel dieser Arbeit ist eine erste Beschreibung   zung durch die Familie (Eltern). Dieser Anteil           zin an der HHU unterscheiden sich von ande-
der Lebensumstände und Belastungen von           macht im Mittel 65% der verfügbaren finanzi-             ren Studenten/-innen: Der Anteil erwerbstätiger
Studierenden der Medizin in Düsseldorf, um       ellen Mittel aus. Sowohl BAföG (17%) als auch            Studenten (54%) liegt hier unter denjenigen,
Ansatzpunkte für mögliche Präventionsmaß-        eigene Erwerbstätigkeit, mit 12% Anteil am               die z. B. aus Essen3 (66%) oder auch aus Ber-
nahmen abzuleiten.                               Einkommen, spielen insgesamt eher eine un-               lin4 (70%) beschrieben werden. Die Gruppe
                                                 tergeordnete Rolle.                                      von Studenten, deren Unterhalt wesentlich von
Die reguläre Arbeitsschutzunterweisung der                                                                den Eltern bestritten wird, ist mit 40% größer
Studierenden der Humanmedizin an der HHU         25% der weiblichen und 21% der männlichen                als in anderen Erhebungen2 (z. B. 12%). Die
wurde zu einer Befragung mit einem weitge-       Studierenden arbeiten regelmäßig neben dem               beschriebenen Belastungen resultieren aus
hend standardisierten Fragebogen genutzt.        Studium. Über die Hälfte aller Befragten ist we-         den spezifischen Gegebenheiten des Medizin-
                                                 nigstens manchmal erwerbstätig (54%). Die                studiums. Es ist deshalb zu erwarten, dass die
Diese Pflichtveranstaltung zu Beginn des kli-    ausgeübten Tätigkeiten haben sehr oft Bezug              Beanspruchung im Verlaufe des klinischen Ab-
nischen Studienabschnitts wird von den Stu-      zum Studium (Bereich Gesundheit und Pfle-                schnitts eher zunimmt. Der Zeitaufwand mag
dierenden meist in der Zeit vom 5.-7. Semes-     ge). Nachtarbeit fällt für 25% der Erwerbstä-            bisweilen überschätzt werden, ist aber wohl
ter besucht.                                     tigen an. Die Studierenden schätzen ihren                bereits in dieser Studienphase sehr hoch. Ver-



Abbildung 1: Belastungssituation bei Studierenden der Medizin




12                                                                                Muth, T. et al: Lebenssituation und ... ISSN 1861- 6704 Prakt. Arb.med. 2007; 9: 12-13
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änderungen sind im organisatorischen Bereich
zu fordern: Reduzierung passiver Phasen, Ver-                             Zur Person                                                  Zur Person
besserung der Kommunikation und die Entzer-
rung von Terminen und Aufgaben mit dem Ziel
einer Erweiterung der eigenen Gestaltungs-                     Dr. rer. san.                                           Prof. Dr. med.
möglichkeiten. Sinnvolle Angebote an die Stu-                  Thomas Muth                                             Sieglinde Schwarze
dierenden wären nach den oben geschilderten
Ergebnissen: Unterstützung beim Zeitmanage-                                                                            Komm. Direktorin des
                                                               Diplom-Psychologe,
ment und - besonders auch im Hinblick auf                                                                              Instituts für Arbeitsme-
                                                               MPH
spätere Anforderungen im Berufsleben - Hilfe-                                                                          dizin und Sozialmedizin
                                                               seit 1995 wissen-
stellung bei der Bewältigung emotionaler Be-
                                                               schaftlicher Mitarbeiter am                             der Heinrich-Heine-Universität Düssel-
lastungen.
                                                               Institut für Arbeitsmedizin und Sozial-                 dorf

Literatur                                                      medizin der Heinrich-Heine-Universität
1 Graf G, & Krischke NR: Psychische Belastungen und Ar-        Düsseldorf                                              sieglinde.schwarze@uni-duesseldorf.de
  beitsstörungen im Studium.
                                                               Arbeitsschwerpunkte:
  Stuttgart, Kohlhammer: 2004
2 Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Die     Psychische Belastungen,
  wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der     Gesundheitsförderung,
  BRD. 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks.
                                                               Prävention.
  Berlin: 2004
3 Nienhäuser W, Becker C, Jans M: Studentische Erwerbstä-
  tigkeit und Teilzeit-Studium.                                Thomas.Muth@uni-duesseldorf.de
  Forschungsbericht Universität Essen: 2000
4 DGB Berlin Brandenburg / Kooperationsstelle Wissen-
  schaft/Arbeitswelt: Studierende müssen Rechte am Ar-
  beitsplatz kennen. www.berlin-brandenburg.dgb.de/article/
  articleprint/4822/-1/348/ Stand: 13.3.2007




                                                                                            Muth, T. et al: Lebenssituation und ... ISSN 1861- 6704 Prakt. Arb.med. 2007; 9: 12-13




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