Nachdiplomstudium Philosophie + Management

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Nachdiplomstudium Philosophie + Management Kursstufe II Universität Luzern Kursstufe II als Weiterentwicklung der Kursstufe I Gültig ab Kurs 204, November 2006 1 Das NDS Philosophie + Management wird von der Universität Luzern angeboten. Die Kursleitung Prof. Dr. Enno Rudolph Gesamtleitung René Siegrist Co-Leitung Dr. Martin Brasser Co-Leitung Heidi Winterberg Sekretariat Sie erreichen uns unter folgender Adresse: NDS Philosophie + Management Postfach 2325, CH-6010 Kriens 2 Telefon 041 320 71 60, Fax 041 320 70 28 E-Mail: philomanagement@unilu.ch www.philomanagement.ch Dank: Die Ausarbeitung der ersten Kursstufe des NDS P+M wurde durch die Gebert Rüf-Stiftung mit einem grosszügigen Beitrag unterstützt. 2 Nachdiplomstudium Philosophie + Management Kursstufe II (NDK P+M II) Der gesamte Nachdiplomstudiengang «Philosophie + Management» umfasst drei Kursstufen. Sie bauen thematisch aufeinander auf. In der ersten Kursstufe wurden mit den Themen «Macht», «Gesellschaft», «Wahrheit» und «System» vier wesentliche denkerische Grundlagen gelegt. Diese Fundamente werden in der zweiten Kursstufe vertieft und in neue Perspektiven gestellt. Man kann diese thematische Weiterentwicklung so darstellen: Ohne die Strukturen einer Politik erreicht eine Gesellschaft keine raum-zeitliche Stabilität. Jede Macht, die ihre Wahrheit in Organisation umsetzen will, braucht ein Set von Strategien. Die Auseinandersetzung mit dem «System Marktwirtschaft» ruft unmittelbar die Frage nach dem Spielraum für die individuelle Freiheit hervor. Wahrheit ist die ideal gedachte Grundlage für alle Managemententscheide, deren Ziel es immer ist, sich durchzusetzen im System unserer Wirtschaft. Von hieraus ergeben sich die einzelnen Modulthemen der zweiten Kursstufe: Politik Strategie Freiheit Wirtschaft Lernziele der Kursstufe II Im NDK P+M II wird verstärktes Gewicht auf die Reflexion gelegt. Die Teilnehmenden stärken ihr Reflexionswissen nachhaltig. Sie werden befähigt, philosophisches Wissen in die Analyse ausgewählter Praxisfälle umzusetzen. Sie beherrschen die formalen Regeln der Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit. Ablauf Ein Kursjahr setzt sich aus vier themenspezifischen Modulen zusammen. Jedes Modul besteht aus einer Phase des Selbststudiums (Lektüre) und aus dem Präsenzunterricht. Dieser umfasst pro Modul einen Kurssamstag sowie einen zweieinhalbtägigen Block (Do-Sa Mittag). Der Samstagmorgen der Modulblöcke ist jeweils für die Einführung in eine philosophische Denkmethode reserviert. Die Module werden von einem Philosophiedozenten oder einer Philosophiedozentin betreut. Zusätzlich werden in jedem Modul Referenten aus der unternehmerischen Praxis eingeladen. Textgrundlage Unter dem Stichwort «Textgrundlage» werden im folgenden Lehrplan die wichtigsten philosophischen Autoren, die in einem Modul zur Sprache kommen, namentlich aufgeführt. Detaillierte Literaturangaben zu jedem Modul werden in einer separaten Literaturliste abgegeben. 3 Themen und Dozierende im Überblick Politik SA DO FR SA Politik Politik Politik Einführung in wissenschaftliches Arbeiten II Strategie SA DO FR SA Strategie Strategie Strategie Spieltheorie Freiheit SA DO FR SA Freiheit Freiheit Freiheit Prognose Wirtschaft SA DO FR SA Wirtschaft Wirtschaft Wirtschaft Abschlussveranstaltung Prof. Dr. Rudolf Stichweh Dr. Kaspar Villiger Dr. Kaspar Villiger Cafe Philo Prof. Dr. A. Pieper Dr. Martin Brasser Dr. Martin Brasser Dr. Martin Brasser Lic.phil. Georges T. Roos Lic.phil. Roland Neyerlin Lic.phil. Roland Neyerlin Lic.phil. Roland Neyerlin Lic.phil. Hanspeter Tresch Prof. Dr. Enno Rudolph Prof. Dr. Enno Rudolph Prof. Dr. Enno Rudolph Dr. Martin Brasser 4 Dozierende und Referenten: Dozierende aus dem Bereich Philosophie Prof. Dr. Enno Rudolph Modul Politik enno.rudolph@unilu.ch Lic. phil. Roland Neyerlin Modul Strategie nebahr@bluewin.ch Dr. Martin Brasser Modul Freiheit martin.brasser@unilu.ch Prof. Dr. Rudolf Stichweh Modul Wirtschaft rudolf.stichweh@unilu.ch Dr. Kaspar Villiger Modul Wirtschaft Prof. Dr. Annemarie Pieper Abschluss Café Philo annemarie.pieper@unibas.ch 5 Referenten aus der Praxis In jedem Modul werden Referenten eingeladen, die ein philosophisches Thema von ihrer Praxis her beleuchten. Angaben zu den bisherigen Gastreferenten finden Sie auf der Website www.philomanagement.ch. 6 Modul Politik Dozent Philosophie: Prof. Dr. Enno Rudolph Wie wird auf Stufe I zurückgegriffen? Macht, die zur Schaffung und Prägung konkreter gesellschaftlicher Strukturen führt, vermittelt sich über das Medium der Politik. Das gilt für alle sozio-ökonomischen Einheiten vom kleinen Ein-Mann-Betrieb bis zum weltweit agierenden Grosskonzern. Unter anderem werden Platons «Staat» und Kants Idee einer «aufgeklärten Politik» in Auseinandersetzung mit der Theorie von Thomas Hobbes vertieft. Lernziele: Die Kursteilnehmenden entwickeln ein vertieftes Verständnis für die Unhintergehbarkeit des Politischen in allen Bereichen des gesellschaftlichen – gerade auch des wirtschaftlichen – Lebens. Die Kursteilnehmenden durchschauen die Logik politischer Prozesse und können mit deren Omnipräsenz besser umgehen. Praxisfelder: Wechselwirkung von Politik und Unternehmung, Staat und Wirtschaft Kurssamstag Thema: Politisches Verhalten zwischen Prähobbesianismus (Sophisten) und Normativität des Politischen (Platon) Inhalt: Beide, Rousseau und Hobbes, können auf ihre Weise den Anspruch erheben, Theorien vorgelegt zu haben, die der Definition des Aristoteles – der Mensch sei ein zoon politikon – eine Konzeption unterlegen. Im einen Fall besteht die Politizität des Menschen in seiner Fähigkeit, seine Naturwüchsigkeit zu seinen Gunsten sozial zu organisieren. Im anderen Fall besteht sie darin, seine Naturwüchsigkeit zu überwinden. Welches Programm der Geschichte des politischen Denkens wie auch der praktischen Politik tatsächlich mit der Idee des zoon politikon aufgegeben war, lässt sich am ehesten anhand der Ursprungskonzeption dieses Gedankens bei den Griechen verfolgen. Hier werden bereits die Weichen gestellt für die Beantwortung der Frage, ob Politik und Moral konvergieren können oder nicht. Textgrundlage: Platon 7 Block Thema: Politik als Erziehung und als Kompensat moralischer Unmündigkeit – Kants Kritik am Despotismus und an der Demokratie. Noch heute holen sich eine Reihe von kompetenten und zeitkritischen politischen Philosophen Rat bei Platon (Otfried Höffe) und verstehen die Entwürfe der Alten als geeignete und stabile Grundlagen für die aktuelle Frage nach einem Politikverhalten, das den beiden gegenläufigen Tendenzen – dem Partikularismus und der Globalisierung – auf kompetente Weise Rechnung tragen kann. Unterschiedliche Konfliktmodelle, die sich aus der Diskussion dieser Thematik ergeben und die Gegenwartsdiskussionen bestimmen, wie zum Beispiel die Frage des Verhältnisses von Recht und Politik, sind den modernen politischen Theoretikern wie auch den politischen Praktikern von der Antike eingestiftet worden. Ein Nachzeichnen der Denkgeschichte auf diesem Felde hilft nicht nur die Gegenwart besser zu verstehen, sondern erleichtert es auch, gegebenenfalls auf sie einzuwirken. Politik ist überdies ein Modell für alle Formen sensibler und organisationsbedürftiger menschlicher Interaktion. Es lässt sich die These vertreten, dass die Aktualität und das kulturelle «Mitspracherecht» der Philosophie in unseren Gesellschaften davon abhängen, inwieweit die Philosophie es versteht, die politische Philosophie zum übergeordneten Paradigma zu machen. Zu dieser Denkgeschichte gehört aber auch das Erbe, das seit der europäischen Aufklärung die politiktheoretischen Debatten massgeblich bestimmt. Ihr Wortführer – Immanuel Kant – hat realistische und utopische Gedanken eingebracht, die bis in die Grundlagendiskussionen um die Weltgesellschaft (UNO) hineinwirken. Die Grundsatzfrage, die heute überall auf mikro- und makrostaatlichen Ebenen diskutiert wird, wird vor allem im gegenwärtigen amerikanischen politischen Diskurs äusserst kontrovers verhandelt: Wieviel Freiheit und wie viel Gemeinschaftlichkeit darf und muss man fordern oder gewähren, damit ein kollektives Gebilde Bestand und Erfolg hat? Dabei gibt es wie schon im alten Athen zwei sich klar abgrenzende Lager: den sogenannten Liberalisten stehen die sogenannten Kommunitaristen mehr oder weniger unversöhnlich gegenüber. Worin besteht ihre jeweilige Position genau? Gibt es «dritte Wege»? Textgrundlage: Immanuel Kant Vorgesehene Praxisreferentin: Dr. Judith Stamm, Präsidentin Schweiz. Gemeinnützige Gesellschaft (http://www.sggssup.ch/sgg-ssup/sgg-welcome.asp) Nationalratspräsidentin 1997, ehem. Grossrätin Kanton Luzern Thema: Das Management des Patriotismus oder die Bundesfeier auf dem Rütli 8 Modul Strategie Dozent Philosophie: lic.phil. Roland Neyerlin Wie wird auf Stufe I zurückgegriffen? Die Erkenntnis dessen, was wahr oder was zumindest richtig ist, enthält den Anspruch auf Umsetzung in die Tat. Widerstände in Raum, Zeit und Gesellschaft verlangen vom Handelnden dort, wo er die Macht dazu hat, strategisches Denken. Unter anderem werden im Modul „Strategie“ Themen wie politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Systemkomplexe, Dialektik, Wissen und Macht vertieft. Lernziele: Die Kursteilnehmenden kennen verschiedene Facetten des Strategiebegriffs und ein Set hilfreicher Navigationsinstrumente zur Orientierung in komplexen, vernetzten und dynamischen Handlungssystemen. Die Kursteilnehmenden lernen das eigene strategische Denken und Handeln in seinen vielfältigen Bezügen kritisch zu reflektieren und so den eigenen Handlungsspielraum in der Praxis zu vergrössern. Praxisfelder: Umsetzung von Visionen und Unternehmenszielen Kurssamstag: Thema: Strategie steht im Plural Inhalt: Philosophieren nimmt seinen Ausgangspunkt in konkreten Erfahrungen. Am Anfang steht die dialogische Klärung der eigenen Strategiebegriffe mittels Selbstdenken. Danach wird in die Semantik des schillernden Begriffs eingeführt und der Mensch als ein Strategien bildendes Wesen exponiert. Die Welt der Strategien ist so vieldeutig und komplex wie die Wirklichkeit selbst. Strategien sind Versuche mit Pluralität umzugehen. Die Philosophie der Postmoderne erkennt, anerkennt und verteidigt die radikale Pluralität der Wirklichkeit und eröffnet Einsichten in kluge Wege des strategischen Denkens und Handelns. Unerlässlich ist dabei das Wissen um die Formen von Strategien und ihren Typen. Henry Mintzberg hat eine solche Typologie vorgelegt und einleuchtend gezeigt, wie sich die vielen Beispiele von Strategien nach typischen Mustern ordnen lassen und wie mit dieser Vielfalt umzugehen wäre. Textgrundlage: Max Horkheimer, Hans Saner, Henry Mintzberg 9 Block Thema: Strategien als Ausdruck praktischer Klugheit und plural gewordener Vernunft Wie Strategien entstehen unter den Bedingungen von Pluralität, Komplexität, Zufall, Wissen und Macht Inhalt: Gerade für Führungskräfte ist strategisches Denken und Handeln entscheidend. Sie müssen die Kunst beherrschen, Weitsicht in Organisation zu übersetzen. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Systemkomplexe müssen auf ihre Alternativen hin durchleuchtet und manchmal bis in den inneren Widerspruch getrieben werden, um zum beabsichtigten Ziel zu gelangen. Wo dieses Vorgehen methodisch und reflektiert durchgeführt wird, liegen Strategien vor. Strategienbildung ist die Kunst und der Versuch, Handlungen perspektivisch anzulegen und unter Wahrung dieser Perspektivität zum Ziel zu führen. Dabei hat die Kunst der richtigen Strategien durchaus ihre Tücken. Strategien sind Probierversuche resp. Bewegungen, die die Wirklichkeiten und Fakten mit Möglichkeiten und Modellen durchmischen. Die reine Wahrheit kennt keine Strategie. Vermutlich deswegen bleibt sie eine blosse Idee. Auch verfahrenstechnisch fehlerlos durchgeführte Entscheidungen oder logisch einwandfrei durchdachte Verhaltenspläne gehorchen nie automatisch der Logik des Gelingens. Ihre Umsetzung ist ein Wechselspiel aus Absicht und Gelegenheit. Die Rekonsruktion der Strategien, die im Fall der «Versenkung der Brant Spar» von beiden Seiten – Shell und Greenpeace – vorangetrieben worden sind, soll lehrhaft die Regeln zeigen, die hier im Spiel sind. Überhaupt ist jede Umsetzung mit Risiken verbunden. Vieles bleibt unberechenbar, unbestimmbar und unbeherrschbar. Es gibt Irrwege und totalitäre Ansprüche mit verheerenden Folgen für Individuum und Kollektiv. Davor bewahren kluge Strategien, die ständig umgebaut und angepasst werden und deren kürzester Weg deshalb meistens nur über den Umweg zum Ziel führt. Die Spieltheorie versucht dieser Logik mit analytischempirischen Mitteln auf die Spur zu kommen. Neben fachlichem Wissen braucht es zu «richtigem» strategischem Verhalten in allen Fällen eine spezifische Klugheit. Einsichten in Zusammenhänge zwischen «Strategie und Wissen», «Strategie und (Ohn-)Macht», «Strategie und Risiko” sowie “Strategie und Totalitarismus” sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass die Umsetzung von Absichten und Anwendungsfelder dieser Klugheit gelingt. Textgrundlage: Robert Axelrod, Zygmunt Baumann, Wolfgang Welsch Vorgesehene Praxisreferenten: Dr. Daniel Vasella, Chairman and CEO Novartis AG, Basel Gesprächspartner für das Thema: Der Strategische Umgang mit Pluralität und Komplexität Heinz C. Rothermund, aktiver Verwaltungsrat in mehreren Firmen, ehem. Direktor Shell U.K. Thema: Wachsen am Widerspruch 10 Modul Freiheit Dozent Philosophie: Dr. Martin Brasser Wie wird auf Stufe I zurückgegriffen? Der Umgang mit der Zeit oder mit gesellschaftlichen Vorgaben findet im Spielraum von Determination und Freiheit, von Zwang und Selbstbestimmung statt. Unter anderem werden im Modul «Freiheit» die Phänomenologie, die Systemtheorie und die Herr-Knecht-Dialektik vertieft. Lernziele: Die Kursteilnehmenden lernen verschiedene Freiheitstheorien und Argumente ihrer Bestreitung durch die Neurowissenschaften kennen. Die Kursteilnehmenden erkennen, wo und wie Freiheit in der Managementpraxis konkret eingesetzt werden kann. Praxisfelder: Mitarbeiterführung, Entscheidungsfindung, Innovationsmanagement Kurssamstag: Thema: Ist Freiheit widerlegbar? Freiheit erster und zweiter Ordnung Inhalt: Man könnte verzweifeln an der Idee der Freiheit – angesichts der gigantischen Zwänge in der Lebens- und Arbeitswelt, angesichts der Mechanismen und Automatismen in den Tiefenschichten von Seele und Körper, angesichts unterschwelliger medialer Beeinflussung, angesichts der systembedingten Übermächte, gegen die kaum etwas auszurichten ist. Dem fügt die moderne Hirnforschung noch empirisch untermauertes Material hinzu: ausgehend von den Experimenten von Benjamin Libet wird von der Seite der Naturwissenschaft vehement an der Vorstellung gerüttelt, dass es da und dort noch Spielräume für eine Entscheidungs- und damit Verantwortungskraft des Individuums geben könnte. «Freiheit» gibt es für ihre Bestreiter allenfalls noch in der Form einer Illusion mit auto- und fremdsuggestiver Wirkung. Dagegen hat Harry Frankfurt an der ultimativen Relation von (Willens-)Freiheit einerseits und Übernahme von Verantwortung andererseits festgehalten und dies argumentativ zu belegen versucht, indem er zwischen einer «Freiheit erster Ordnung» und einer «Freiheit zweiter Ordnung» unterschieden hat. Textgrundlage: Harry Frankfurt 11 Block: Thema: Wie wird aus Willensfreiheit Handlungsfreiheit? Positionen der Existenzphilosophie Gegen die Deterministen, die alles Handeln auf externe «natürliche Ursachen» zurückführen, haben es die Verfechter der These von der Freiheit seit eh und je schwer. Sie müssen sich gegen eine Bestreitung behaupten, die sich vermeintlich auf besseres Wissen und den Augenschein berufen kann. Die Vertreter der Freiheitsthese sind in einer schwierigen Lage: sie müssen etwas beweisen, was sich selber nie direkt, sondern bestenfalls indirekt über seine Auswirkungen zeigen lässt. Aber alle diese Auswirkungen können immer auch als blosse Summe empirischer Ursachen gedeutet werden. «Freiheit» ist deshalb wie kaum ein anderes Thema in den Kontrast ihrer radikalen Leugner (insbesondere biologistischer Couleur) und ihrer vehementen Verfechter (insbesondere metaphysischer Couleur) eingepresst. Ihre Verteidiger wollen sie aus dieser Zwangslage befreien, indem sie sie als eine Form des Willens («Willensfreiheit») oder als eine Haltung (der «innere Abstand» etwa in der Philosophie der Stoa) oder als die Leitlinie für alle genuin humanen Handlungen («Handlungsfreiheit») definieren. Man kann diese Handlungsfreiheit als den höchsten Grad derjenigen Freiheit verstehen, die mit dem Willen beginnt und bereits zur Haltung geworden ist, um sich dann in einzelnen Handlungen zu verwirklichen. «Freiheit» meint dann aber deutlich mehr als bloss einen Begriff: eine menschliche Grundeigenschaft oder – philosophischer gesprochen – das «Sein» des Menschen. Die Existenzphilosophen gehen davon aus, dass dieses «Sein» wie alles andere auch eine Struktur hat. Sie haben diese Struktur freilich unterschiedlich beschrieben, z.B. als eine stufenartig aufgebaute Verkettung unterschiedlich hoher Freiheitsstufen (Kierkegaard), als eine Alternative aus zwei konträren Welten (Heidegger) oder schlicht und ganz radikal als maximales Ethos. Diese Maximaltheorie der Freiheit hat Jean-Paul Sartre vertreten und dafür das Motto ausgegeben: «Wir sind verdammt zur Freiheit». Wie auch immer dieser Konflikt zwischen Freiheit und Determination entschieden werden mag: niemand kommt um die Berufung auf Freiheit herum. Wir brauchen sie immer wieder, spätestens dann, wenn Verantwortung eingefordert wird. Kein Wort hat je soviel – positive wie negative – Energie freigesetzt wie das Wort «Freiheit». In ihm steckt ein Versprechen. An ihm kippen Begeisterung und Motivation in Fanatismus und Missionierung um. Mit ihm aber kann man auch ganze Systeme zum Einsturz bringen. Worin liegt die mobilisierende und motivierende Kraft der Freiheit? Textgrundlage: Søren Kierkegaard, Jean-Paul Sartre Vorgesehener Praxisreferent: Pendent: MB 12 Modul Wirtschaft Dozent Philosophie: Prof. Dr. Rudolf Stichweh (Samstag), Dr. Kaspar Villiger (Block) Wie wird auf Stufe I zurückgegriffen? Das Wechselverhältnis von Philosophie im Sinn der Reflexion und Praxis im Sinn des handelnden Vollzugs wird in allen vorausgehenden Modulen der ersten und der zweiten Studienstufe primär von der Philosophie her aufgegriffen. In diesem Modul wird aus der Praxis heraus auf die Reflexion zu gesteuert – durch die These, dass alles Wirtschaften ein Arbeiten an und in einem Netzwerk ist, und durch den Versuch, die Grundfragen und Grundprobleme moderner Wirtschaft aus einer Reflexion auf die aktuelle Situation näher auf den Begriff zu bringen. Lernziele: Die Kursteilnehmenden verstehen die Logik, nach der Netzwerke funktionieren, besser und können sie somit gezielter für ihre Tätigkeit nutzen. Sie positionieren die Grundthemen und – fragen um das Wirtschaften in einem kohärenten Reflexionssystem. Praxisfelder: Networking, Wissensmanagement Kurssamstag Thema: Wirtschaft und Information; Was ist Information? – Netzwerke Inhalt: Im Block drehen wir diese Frage um und fragen: was macht deren Gemeinsamkeit aus? Die Antwort lautet: immer geht es um Information und darum, sie optimal zu verarbeiten. Das gilt für den Teil der Wirtschaft, der ausdrücklich mit Wissen wirtschaftet, nämlich die Universität und andere Bildungseinrichtungen ganz besonders. Aber es gilt auch für den gesamten Dienstleistungssektor und von einem grundsätzlichen Standpunkt aus für die Wirtschaft als solche: sie besteht im Umgang mit Information und ist selbst «Information». Mit ihr hat die Wirtschaft den Charakter «dynamischer Stabilität» gemeinsam. Wie sie steht die Wirtschaft bisweilen dem Ereignis und der Überraschung näher als der kalkulierbaren Planung. Und wie sie ist die Wirtschaft – nach der Beschreibung von Niklas Luhmann – ein System mit selbsterzeugter Ungewissheit. Betrachtet man die Wirtschaft als ein System aus Informationen, dann eröffnen sich neuartige Perspektiven auf ihre Chancen und auf ihre Risiken, aber auch auf ihre eigene Entwicklung. Ihr Schritt in die globalisierte Dimension geht parallel zum Aufstieg der Informationstechnologien mit der Befähigung zu raumübergreifender Interaktion. Die Grundlagentheorie für ein angemessenes Verständnis von Information haben am Beginn der «informationellen Revolution» Denker wie Warren Weaver oder Gregory Bateson gelegt – beides Forscher, die Mathematiker, Techniker, Theoretiker und empirische Forscher zugleich waren. Auf der Basis eines angemessenen Verständnisses davon, wie Information funktioniert und welche überragende Rolle sie für das Funktionieren von lokalen und globalen Märkten spielt, tauchen folgende Fragen auf: 13 Wie wirkt Information? Welche Art von Energie steckt in Informationen? Welche Risiken erzeugt sie? Wie kann man sie bewirtschaften? Um mit diesen Fragen zurecht zu kommen, hat sich in der Theorie der Wirtschaft und in der Praxis des Wirtschaftens eine besondere Form des Funktionierens etabliert: das Netzwerk. Es funktioniert äusserst erfolgreich als eine «small world», die ihre ungeschriebenen Gesetze hat. Textgrundlage: Niklas Luhmann, Warren Weaver, Gregory Bateson Block: Thema: Was ist Wirtschaft und wie kann man ihre grundlegenden Funktionsvorgäng bestimmen? Inhalt: Der Stoff gliedert sich in sechs thematische Einheiten: Wirtschaft und Staat: Ordnen und Handeln, Wohlstand, Wettbewerb Globalisierung und Standortwettbewerb: Chance und Risiko Standortqualität I: die politische Kultur, Demokratie, EU Standortqualität II: Staats- und Steuerquoten, Reformen Standortqualität III: Sozialstaat, Demografieproblem Freiheit und Verantwortung: der homo oeconomicus, Vertrauen, Eliten Textgrundlage: Vorträge von Dr. K. Villiger 14 Methoden Erster Methodensamstag Dozent: Martin Brasser Thema: Einführung in wissenschaftliches Arbeiten II Lernziel: Die Kursteilnehmenden beherrschen die formalen Standards wissenschaftlichen Arbeitens. Inhalt: Nachdem die Kursteilnehmenden sich in der ersten Kursstufe bereits ihren eigenen Arbeitsstil, ihre eigene Vorgehensweise und «Produktionstechnik» bei der Erstellung einer Qualifikationsarbeit angeeignet haben, lernen sie nun das formale Werkzeug kennen, das nötig ist, damit sich eine schriftliche Arbeit mit Recht «wissenschaftlich» nennen darf: Umfassendes Recherchieren, korrektes Zitieren und konsistentes Bibliographieren. Zunächst werden die Regeln sozusagen «trocken» erklärt und dargestellt. Dann wird an konkreten Beispielen praktisch geübt. Ziel ist die Beherrschung der formalen Standards wissenschaftlichen Arbeitens. Zweiter Methodensamstag Dozent: Lic. phil. Hanspeter Tresch Thema: Spieltheorie Lernziel: Die Kursteilnehmenden können Risikopotentiale mit Hilfe der Spieltheorie situieren. Inhalt: Methoden wie die Simulationstechnik und Theorien wie die Spieltheorie sind wichtige Bausteine einer Strategietheorie. Während dieses Methodensamstags lernen die Kursteilnehmenden die Grundprinzipien der Spieltheorie kennen. Sie werden sukzessive in immer komplexere Versuche einer mathematisch fundierten Erfassung von Risikopotentialitäten hineingeführt und mit der Erkenntnis der Spieltheorie konfrontiert, gemäss der – unter bestimmten Bedingungen – derjenige die höchste Überlebenschance hat, der im Wettbewerb die Verhaltesnorm von «tit for tat» am besten spielen kann. Welchen Regeln folgt er dabei am sinnvollsten? Dies und vieles andere versucht die Spieltheorie kalkulatorisch zu erklären – mit Einsichten, die in vielem überraschenderweise mit dem gesunden Menschenverstand zusammen fallen könnten. Textgrundlage: Robert Axelrod 15 Dritter Methodensamstag Dozent: Lic. phil. Georges T. Roos Thema: Zukunftsszenarien Lernziel: Die Kursteilnehmenden können systematisch Prognosen entwickeln Inhalt: Keiner weiss, was morgen sein wird – auch die Zukunftsforschung nicht. Sie verfügt aber über Instrumente mit überdurchschnittlicher Plausibilität, die dabei helfen können, das, was morgen sein wird, heute zumindest in alternativen Varianten und in den grossen Umrissen imaginieren zu können. Eine der grössten Leistungen der Zukunftsforschung ist es, diese Kraft der Imagination zu wecken – und dennoch auf dem Boden der Plausibilität zu bleiben. Dabei geht es nie um Prognosen irgendwelcher Art. Die Zukunft bleibt unbestimmt. Aber es geht um die Regeln zur Bildung von Szenarien, deren Wahrscheinlichkeit hoch ist und die dadurch bereits ihre zukünftigen Folgen sozusagen aus der Zukunft heraus zurückwerfen – nach hinten auf uns heute. Basis dieser Szenarienbildung ist eine internationale Studie, die Georges T. Roos in Zusammenarbeit mit weiteren Forschern erstellt hat und die er mit Erkenntnissen aus der aktuellen Zukunftsforschung anreichert. Vierter Methodensamstag Dozent: Prof. Dr. Annemarie Pieper Thema: Café Philo zu „Philosophie+Management“ Lernziel: Die Studierenden reflektieren auf zwei Jahre „Philosophie+Management“ Inhalt: Durchführung eines Café Philo zum genannten Thema. 16 Organisatorisches Stundenaufwand Die Studienzeiten verteilen sich wie folgt (Angaben geschätzt) Aufwand pro Modul Präsenzunterricht Literaturstudium Total pro Modul Total 4 Module 1 Qualifikationsarbeiten 1 Abschlussarbeit Total Aufwand Kursstufe II 25 Std. 30 Std. 55 Std. 220 Std. 30 Std. 90 Std. ca. 340 Std. Aufwand ganzer Kurs Die schriftlichen Arbeiten Für den erfolgreichen Abschluss der Kursstufe I ist eine Qualifikationsarbeit sowie eine Abschlussarbeit notwendig. Die Qualifikationsarbeit ist nach dem zweiten Modul zu verfassen, die Abschlussarbeit nach dem vierten Modul. Zulassungsbedingungen Zulassungsberechtigt sind alle Personen, die die erste Kursstufe NDK P+M I erfolgreich absolviert haben. Studienreglement Weitere Angaben zur Organisation und Durchführung des NDK P+M II entnehmen Sie bitte dem Studienreglement unter www.philomanagement.ch. Investition Die Kosten setzten sich aus folgenden Elementen zusammen:     Kursgeld Literatur Seminarhotel Zertifizierungs-, resp. Diplomgebühr Weitere Informationen Weitere Informationen zu den Kurskosten, die aktuellen Kursdaten, Stellungnahmen von Kursteilnehmenden etc. finden Sie unter www.philomanagement.ch. Dort sind auch Informationen zu weiteren Angeboten wie Tagesseminare oder Inhouse-Kaderförderung von «Philosophie+Management» aufgeführt. 17

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