Fusion von Gemeinwesen

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Philosophie  Management +  Weiterbildung          für  erfahrene      Führungskräfte Fusion  von Gemeinwesen Philosophie  Management +  Weiterbildung          für  erfahrene      Führungskräfte Das Nachdiplomstudium Philosophie+Management richtet sich an Führungskräfte aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik ab dem 40. Altersjahr. In drei aufeinander folgenden und aufbauenden Jahreskursen wird Orientierungswissen vermittelt. In gemeinsamen Diskussionen, Übungen und persönlichen Arbeiten wird ein Bezug zur eigenen Arbeitspraxis hergestellt. Immer komplexere Entscheidungssituationen erfordern eine umsichtige und distanzierte Betrachtungsweise der möglichen Auswirkungen. Die Philosophie mit ihrer zweieinhalbtausendjährigen Erfahrung in analytischer Betrachtung der alltäglichen Phänomene bietet eine hervorragende Grundlage, die eigene Denkund Handlungsweise zu reflektieren und neue Ansätze zu generieren. Die Weiterbildung in Philosophie+Management eignet sich für Führungskräfte mit Freude am Denksport, mit einer guten Beharrlichkeit und einer gesunden Portion Neugier. Das Nachdiplomstudium Philosophie+Management konnte durch die freundliche Unterstützung der Gebert-Rüf-Stiftung entwickelt und aufgebaut werden. Fusion  von  Gemeinwesen Freiheit Macht  Heimat Öffentlichkeit Management Summary Philosophie  Management  +  Heinz Näpflin  Gustav Bolfing  Charles Gyger  Otmar Wüest  Betreuung:   Dr.  Martin Brasser Universität Luzern,  NDS      Philosophie  Management +  Telefon            O41  32O  6O,  71  philomanagement@unilu.ch, www.philomanagement.ch Gustav Bolfing dipl. Ing. ETH, ist bei der RUAG Aerospace in Emmen als Leiter Fatigue Engineering tätig Charles Gyger dipl. Ing. FH, ist bei den Centralschweizerischen Kraftwerken AG als Leiter Netzservices tätig Heinz Näpflin ist bei der UBS Luzern als Leiter Marktgebiet Luzern, Ob- und Nidwalden tätig Otmar Wüest dipl. Forsting. ETH, leitete während vieler Jahre das Forstamt des Kantons Luzern und ist seit drei Jahren selbständiger Unternehmer und Inhaber der Firma WIMFor GmbH, vormals WMB-Beratung O. Wüest in Zürich und Ruswil Fusion von Gemeinwesen Freiheit Macht Heimat Öffentlichkeit Management Summary Heinz Näpflin Gustav Bolfing Charles Gyger Otmar Wüest Betreuung: Dr. Martin Brasser NDS PHILOSOPHIE + MANAGEMENT 1. Auflage: November 2006 Druck: Privo Print, Luzern 4 NDS PHILOSOPHIE + MANAGEMENT Grusswort Stadtpräsident Urs W. Studer Wenn sich zwei oder mehr Gemeinden vereinigen, dann gibt mindestens eine Gemeinde ihren Namen auf. Viele Menschen, die in dieser Gemeinde wohnen und sich dort beheimatet fühlen, befürchten dadurch einen Teil der eigenen Identität zu verlieren. Thomas Mann drückte das so aus: „Der Name ist ein Stück des Seins und der Seele.“ Gemeinden werden nicht zusammengelegt, um Menschen heimatlos zu machen. Gemeindezusammenschlüsse machen Menschen auch nicht heimatlos. Denn „Heimat ist kein geografischer Begriff. Man trägt sie in sich selbst“, weiss der russische Dichter Andrej Donatowitsch Sinjawski. Begriffe wie Heimat oder Identität sind starke Wörter, die einen direkt ins Herz treffen. Fusionsgegner beschwören darum gerne den Verlust von Heimat und Identität. Fusionsbefürworter dagegen argumentieren mit rationalen Begründungen: Mehr und bessere Leistungen für weniger Geld; mehr echte Mitspracherechte für Betroffene; markanterer Auftritt gegen aussen dank neuer Grösse und neuem Selbstwertgefühl usw. Die vorliegende Broschüre unternimmt den Versuch, die emotionalen Argumente vernunftmässig zu überprüfen. Vier Grundbegriffe bilden die Ausgangspunkte zu klugen Überlegungen: Freiheit, Macht, Heimat, Öffentlichkeit. Vor dem Hintergrund von Gemeindefusionen stossen die Autoren dabei immer wieder auf den Gegensatz von Verändern und Beharren. Während von Gemeindeexekutiven 5 NDS PHILOSOPHIE + MANAGEMENT Weitblick verlangt wird, sie also aufgefordert werden, Fakten und Einsichten zu sammeln und Chancen und Risiken zukünftiger Entwicklungen abzuklären, lässt sich in breiten Bevölkerungskreisen immer wieder die Angst vor Erneuerungen feststellen. Dieser Verunsicherung lässt sich nur mit ehrlicher, öffentlich allen zugänglicher Information begegnen. Wissen muss geteilt werden und damit auch Macht. Persönliche Macht abzugeben fordert so manchen Exekutivpolitiker heraus und macht ihn, wider besseren Wissens, zum Fusionsgegner. Ich wünsche der vorliegenden Studie viele Leserinnen und Leser, damit die Einsicht reift, im gemeinsamen Verbund mehr erreichen zu können als allein. Und so ein Mehr an Heimat zu gewinnen. Urs W. Studer Stadtpräsident 6 NDS PHILOSOPHIE + MANAGEMENT Grusswort Regierungsrätin Yvonne Schärli-Gerig Gerne komme ich dem Wunsch nach, für das vorliegende Management Summary zum Thema „Fusion von Gemeinwesen“ ein Grusswort zu schreiben. Denn die Lektüre hat mir zwei Dinge wieder klar gemacht. Zum einen machen die hier abgedruckten Überlegungen mit Nachdruck deutlich, wie wichtig es für den Erfolg von Fusionen ist, immer wieder die öffentliche Debatte zu suchen und sie offensiv zu führen. Durch die Aspekte Freiheit, Macht, Heimat und Öffentlichkeit liefern die Autoren den Stoff, aus dem diese Diskussionen gemacht sein sollten – in Luzern, in Littau, in Emmen und überall, wo Gemeindefusionen in Planung sind. Der Erfolg solcher Planungen an der Urne – und dies arbeiten die Autoren präzise heraus – entscheidet sich nicht allein an harten Fakten wie Geld, Effizienzgewinn oder bessere Nutzung von Synergien. Er entscheidet sich zu einem grossen Teil auch daran, dass es gelingt, den Bürgerinnen und Bürgern eine Identifikation mit dem Fusionsprojekt zu vermitteln. Durch dieses Summary wissen wir besser, woraus diese Identität gemacht ist: aus Freiheitserwartungen, Machtfragen, Heimatgefühlen und dies alles in aller Öffentlichkeit. Zum anderen ist mir beim Lesen klar geworden, was ein universitäres Studium leisten kann, wenn es in den Brennpunkt aktueller gesellschaftlicher oder politischer Fragen eingreift. Von wegen „ Elfenbeintum Wissenschaft“! 7 NDS PHILOSOPHIE + MANAGEMENT Hier werden Argumente und Positionen vorgestellt, die direkt aus dem wissenschaftlichen Diskurs heraus entwickelt und für die öffentlichen Diskussionen fruchtbar gemacht werden. Dafür sei den Autoren ausdrücklich gedankt! Ich wünsche dieser Broschüre eine weite Verbreitung und eine grosse Leserschaft! Yvonne Schärli-Gerig Regierungsrätin 8 NDS Philosophie + Management Inhaltsverzeichnis Grussworte Stadtpräsiden Urs W. Studer Regierungsrätin Yvonne Schärli-Gerig 5 7 1. Einleitung Martin Brasser Was heisst philosophisch über eine Fusion nachdenken? 11 2. Fusion von Gemeinwesen: Das Beispiel Luzern-Emmen 15 3. Freiheit Heinz Näpflin Freiheit – eine kurze Einführung Fusionsgedanken szenisch in die Köpfe tragen? Die drei Hauptrollen Sonderrollen Das Team der „Fusionstreiber“: gemeinsam auf der Bühne Hinweise und Voraussetzungen für das Gelingen 19 21 22 24 25 27 4. Macht Gustav Bolfing Fusion der Gemeine Emmen mit Luzern (Sicht der Macht) Meine Fragestellung 31 32 9 NDS Philosophie + Management Personale gegen systemische Macht Philosophische These Erkenntnisse und Folgerungen Empfehlungen für den Gemeinderat von Emmen Schluss 33 36 41 41 44 5. Heimat Charles Gyger Der Begriff Heimat Hat eine Heimat Grenzen und wo liegen diese? Folgerungen Handlungsempfehlungen: Modell 1 und Modell 2 Umsetzungsempfehlungen 45 47 48 49 50 6. Öffentlichkeit Otmar Wuest These Öffentlichkeit und Gesellschaft Öffentlichkeit und Fusion Ziel-Idee: Werkstatt Öffentlichkeit Netzwerk Stadt Erkenntnisse und Folgerungen Schluss 53 55 56 57 58 60 63 65 7. Ausblick Martin Brasser 8. Bibliographie 67 10 NDS Philosophie + Management 1 Kapitel Einleitung Martin Brasser Was heisst philosophisch über eine Fusion nachdenken? Gemäss einer 1998 durchgeführten Befragung sämtlicher Schweizer Gemeinden werden als Gründe für eine Fusion mehrheitlich folgende aufgeführt: • • • • Qualitätssteigerung der angebotenen Leistungen Senkung der Kosten Möglichkeit der Professionalisierung, Vereinfachung der administrativen Abläufe und Koordination Gründe gegen eine Fusion sind • • • Bürgernähe geht verloren, Identifikation mit der Gemeinde geht verloren, Gemeinde als Kernzelle der Demokratie verliert an Bedeutung. Erstaunlicherweise sind fast alle Argumente, die für eine Fusion aufgelistet wurden, sog. harte Faktoren. Jene, die gegen eine Fusion aufgeführt werden, sind hingegen durchgehend weiche Faktoren. Wenn wir diese Gegengründe etwas näher reflektieren, dann stellen wir sofort fest, dass diesen Gründen Ängste der Bürger zugrunde liegen. Im Detail heisst dies gemäss den Autoren der interdisziplinären Grundlagenstudie: es werden vielfach Befürchtungen über die Verschiebungen der politischen Machtverhältnisse 11 NDS Philosophie + Management geäussert und diese werden sogar als problematisch beurteilt. Politische Freiheiten, so fürchtet man, gehen verloren. Mit einem neuen politischen Gebilde scheint man sich nicht mehr als Heimat identifizieren zu können. Und die Öffentlichkeit fühlt sich unter einem Diktat, dem sie sich nicht aussetzen will. All das sind Denkmuster, die gegen Fusionen mobilisiert werden. Wer eine Fusionsidee umsetzen will, tut gut daran, sich mit diesen Denkmustern zu beschäftigen. Denn das Ziel eines Prozesses, an dessen Entscheidungsende der Bürger und die Bürgerin im Wahllokal stehen, muss es sein, ein möglichst breit abgestütztes und dadurch stabiles Schlussurteil zu finden. Dafür werden diese „weichen“ Themen mit Vorteil möglichst frühzeitig in den Prozess integriert: Freiheit, Macht, Heimat und Öffentlichkeit. Dazu sollen die Überlegungen in dieser Broschüre weiterhelfen. Die Frage der ökonomischen Betroffenheit (im Sinn von materiellen Vor- und Nachteilen für die Beteiligten) soll hier nicht im Mittelpunkt stehen. Wir sind überzeugt, dass diese Betroffenheit ebenfalls jeweils anders ausfällt, je nachdem wie man sich zu den Themen Freiheit, Macht, Heimat und Öffentlichkeit als Betroffener stellt. Für die folgenden Überlegungen setzen wir als ideales Szenario voraus: Die Fusion macht ökonomisch Sinn; sie ermöglicht daher eine Erhöhung des Dienstleistungsangebotes für die Einwohner der beiden Gemeinden bei gleichbleibenden Kosten oder die bisherigen Dienstleistungen können zu tieferen Kosten angeboten werden. Es ist betriebswirtschaftlich evaluiert, dass eine Fusion diesen wirtschaftlichen Vorteil bringen kann. Die staatsrechtlichen Aspekte sind geklärt. Das heisst sowohl nach Bundesrecht als auch nach der Staatsverfassung des Kantons Luzern ist der Zusammenschluss von Gemeinden zulässig. Ein Fusionswille liegt in mehr oder weniger erklärter Form vor. Das Problem wird für die politisch Verantwortlichen deshalb immer dringender: wie kann man Befürworter und Gegner einer Fusion möglichst frühzeitig ins Gespräch miteinander bringen? 12 NDS Philosophie + Management Unter diesen Voraussetzungen wird in den folgenden vier Beiträgen über vier Grundbegriffe nachgedacht, die bei jeder Fusion von Gemeinwesen auf der Ebene der Entscheidungsfindung eine zentrale Rolle spielen. Als Beispiel dient ein fiktives, aber gleichwohl nicht einfach aus der Luft gegriffenes Szenario: eine Fusion der beiden Gemeinden Luzern und Emmen. Die folgenden Überlegungen sind eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und Erkenntnisse, die die vier Autoren Heinz Näpflin, Gustav Bolfing, Charles Gyger und Otmar Wüest im Rahmen ihrer Diplomarbeiten gewonnen haben. Diese Diplomarbeiten wurden im Frühjahr 2006 zum Abschluss des Nachdiplomstudiums Philosophie+Management an der Universität Luzern eingereicht. In ihren Diplomarbeiten gehen die Autoren ausführlicher auf die im folgenden behandelten Fragen und Themen ein. 13 NDS Philosophie + Management 14 NDS Philosophie + Management 2 Kapitel Fusion von Gemeinwesen: Das Beispiel Luzern - Emmen Kurzabriss über den Fall Der Kanton Luzern zählte anfangs 2004 noch 107 Gemeinden. Mit dem Projekt Gemeindereform 2000+ hat der Kanton Luzern im März 2000 die Erwartungen im Hinblick auf die Zusammenschlüsse von kleineren Gemeinden erstmals in die Köpfe der Öffentlichkeit getragen. Mit diesem Projekt sollen die Gemeinden mehr Selbst bestimmung und Freiraum erhalten. Auslöser für diesen Schritt war einerseits der Ruf der Politiker bwz. Bürger nach Effizienzsteigerungen, verbunden mit einer Erhöhung des Dienstleistungsangebotes, und anderseits Kosteneinsparungen (Personal- und Sachaufwand). Am 1. Januar 2006 gibt es im Kanton Luzern noch 97 Gemeinden. Emmen In der Gemeinde Emmen (bestehend aus den beiden Dorfteilen Emmen und Emmenbrücke) steht seit einigen Jahren die Frage im Raum, mit welchen Massnahmen sich die Attraktivität der Gemeinde steigern lässt. Um diese Fragestellung zu besprechen und um "neue" Antworten zu erhalten, wurde vom 12. bis 15. Januar 2004 ein Syntegrationsseminar durchgeführt. 30 Personen aus Gemeinderat, Einwohnerrat, Verwaltung, Wirtschaft, Schule sowie Bürgerinnen und Bürger haben sich zum Workshop "Wie steigert Emmen seine Attraktivität und positioniert sich neu für die Zukunft?" zusammengefunden. 15 NDS Philosophie + Management Aus 400 Ideen wurden 71 Vorschläge im Sinne von Massnahmenplänen konkretisiert. Eine dieser konkretisierten Massnahmen (Massnahme Nr. 70) wurde wie folgt definiert und präzisiert: "Fusion/Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden Der Gemeinderat soll die Möglichkeit einer Fusion oder anderen Formen der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden prüfen. Er zeigt die daraus resultierenden Vor- und Nachteile auf.“ "Haupttreiber" für die Fusionsidee in Emmen ist die Attraktivitätssteigerung. Am Workshop (12. bis 15. Januar 2004) "Wie steigert Emmen seine Attraktivität und positioniert sich neu für die Zukunft?" haben sich die Teilnehmer mit nachrangiger Priorität dafür ausgesprochen, dass der Gemeinderat die Möglichkeit einer Fusion oder anderen Formen der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden prüfen soll und dass der Gemeinderat die Öffentlichkeit betreffend Gemeinde-Fusion und Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden und Städten sensibilisieren soll. Die zur Zeit fehlende Dynamik in diesem Prozess lässt sich anhand der Aussage von Peter Schnellmann, damaliger Gemeindepräsident von Emmen, leicht belegen. In der NLZ (Neue Luzerner Zeitung) vom 21. Juli 2005 war zu lesen: "Eine Fusion ist für uns zurzeit überhaupt kein Thema." Und weiter bringt er zum Ausdruck, dass Emmen mit seinen 27 000 Einwohnerinnen und Einwohnern bereits die zweitgrösste Gemeinde des Kantons sei und die Gemeinde andere Probleme zu lösen habe. 16 NDS Philosophie + Management Luzern "Haupttreiber" für die Fusionsidee ist in Luzern die Raumplanung und die Erwartung neuer Wohnflächen. Luzern ist eine der wenigen mittleren und grösseren Schweizer Städte, die keine Nachbargemeinde eingemeindet hat. Die Stadt Luzern verfügt über ein beschränktes Angebot an Wohnflächen. Die teilweise noch verfügbaren Wohnlagen sind aufgrund ihrer Attraktivität verhältnismässig teuer. Als Folge davon stagniert nach Jahren des Bevölkerungsrückgangs die Einwohnerzahl. Durch einen Zusammenschluss würde Emmen ein erheblich grösseres und flexibleres Flächenangebot mit "in die Ehe" bringen. In diesem Zusammenhang sei der Luzerner Stadtpräsidenten Urs W. Studer zitiert, der in der Regionalzeitung REGION vom 6. Januar 2005 sagt: "Nur mit Fusionen der Gemeinden rund um Luzern wird aus dem urbanen Grossraum Luzern und Agglomeration ein starkes und attraktives Gemeinwesen." Zur Fusion Luzern-Emmen sagt er weiterhin: "Emmen könnte vom Markennamen der Stadt Luzern profitieren." 17 NDS Philosophie + Management 18 NDS Philosophie + Management 3 Kapitel Freiheit Heinz Näpflin Vorbemerkungen für die Leserin, den Leser Der nachfolgende Text ist eine Zusammenfassung meiner Abschlussarbeit, die ich im Rahmen des Nachdiplomsstudiums "Philosophie + Management" geschrieben habe. Dieser Text gibt einige meiner Erkenntnisse, die ich im Zusammenhang mit dem Fusionsthema "Emmen-Luzern" gewonnen habe, wieder. Es finden sich darin auch einige Empfehlungen für den Gemeinderat von Emmen. Nicht oder unvollständig herauslesen lässt sich in dieser Zusammenfassung der Weg zu diesen Erkenntnissen und Empfehlungen. Damit fehlt der Zwischenschritt (im Sinne der philosophischen Betrachtungsweise der Fusion im Blickwinkel des Freiheitsbegriffes), der für mich persönlich bei der Arbeit noch wichtiger war als das "Resultat" im Sinne von Empfehlungen. Freiheit: Eine kurze Einführung, ein paar Fragen und Thesen Freiheit ist nicht nur das Vermögen kurzfristig greifbare MomentanEntschlüsse zu treffen, sondern Freiheit ist auch und vor allem die Kunst, ein ganzes Leben nach eigenen Vorstellungen sinnvoll zu planen und zu leben. Ich denke, dass in einem solchen "Planungsprozess" die Auslöser für unsere Entscheidungen und Willensakte in einer verstrickten Menge von Wünschen, Empfindungen, 19 NDS Philosophie + Management Triebregungen einerseits und Umwelteinflüssen, Fremderwartungen und gesellschaftlichen Rollenmustern anderseits zu suchen sind und sich deshalb nicht immer glasklar unserem "ich selbst" zuordnen lassen. Für mich selber ist der Begriff der Freiheit zudem auch mit demjenigen der Verantwortung gekoppelt. Freiheit erlebe ich (auch) als einen kreativen Prozess. Meine Erfahrungen zeigen mir, dass der einzelne Mensch im Verlaufe seiner Entwicklung die Freiheit nach und nach zu entdecken und zu kultivieren imstande ist, indem sich sein instinktives, triebhaftes und unbewusstes Verhalten zum bewusst überlegten und individuellen Handeln verschiebt. Das ist die schöne Seite, wie der Freiheitsbegriff verstanden werden kann. Ich schiebe hier die Behauptung nach: Die Grenzen unseres Wissens und unserer Vorstellungskraft setzen uns auch Grenzen in der Möglichkeit unsere Freiheiten zu entdecken. Insbesondere in der Politik erlebe ich Freiheit als Schlüsselwort, um etwas einzufordern, obwohl die Fähigkeit, die Freiheit zu nutzen, den Bürgerinnen und Bürgern insgeheim abgesprochen wird. Ich kann Freiheit aber durchaus auch positiv ausleuchten: Freiheit als frei verfügbaren "Vermögenswert", um Gelegenheiten zu nutzen. Weil ich überzeugt bin, dass es eine Form der inszenierten Freiheit geben muss, stosse ich nach diesen Gedanken die Türe zu folgender These auf: Freiheit in der Politik lässt sich inszenieren. Wie kann das gehen? Das ist dadurch möglich, dass der Freiheitsspielraum der einzelnen (auch "kleinen") Bürgerinnen und Bürger vergrössert wird. Um das zu erreichen, braucht es eine Darstellungsform im Sinne einer Inszenierung. Der Identitätsverlust der einzelnen Bürgerin und des einzelnen Bürgers kann verhindert oder zumindest reduziert werden, wenn diese einen Platz auf der Bühne, neben der Bühne, vor oder hinter der Bühne einnehmen können. 20 NDS Philosophie + Management Dazu muss man die Fusionsidee aber in die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hineintragen. Wie kann man den Fusionsgedanken (szenisch) in die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger tragen? Am Anfang einer Veränderung steht eine Vision! Erfolgreiche Fusionen haben ihr Fundament nicht in erster Linie auf dem Baustoff "wirtschaftliche Notwendigkeit" aufgebaut. Es muss mehr dahinterstecken als die nüchterne Zahlenwelt, wenn Menschen für Veränderungsprozesse gewonnen und begeistert werden sollen. Das ist in einem Fusionsprozess von zwei Gemeinden nicht anders als in der Welt der Unternehmungen. Die Bürgerinnen und Bürger wollen wissen, ob ihnen durch einen Zusammenschluss in der Gesamtheit Vorteile erwachsen. Selbstredend haben nicht alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Kriterien ausgewählt. Zu einfach wäre es sonst für die "Fusionstreiber", die Taktik für eine schnelle Umsetzung auszulegen. Der Umgang mit den Gewinner- und Verliererkonflikten – das scheint mir eine der grössten Hürden im Fusionsprozess zu sein – verlangt nach höchster Aufmerksamkeit. Wenn durch den Zusammenschluss von Luzern und Emmen (mit oder ohne die anderen Agglomerationsgemeinden) das "Neue Luzern" entstehen soll, dann muss das szenisch in die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger getragen werden. Man kann sich also fragen: An was sollten wir also denken, wenn wir uns das Ergebnis des Fusionsprozesses "Emmen-Luzern" szenisch vorstellen? Der amerikanische Soziologe Erving Goffman geht in seinem Buch "Wir alle spielen Theater" von einer anderen Fragestellung aus. Sie setzt nicht beim Inhalt dessen an, was inszeniert, sondern mehr bei der Form dessen, wie die Inszenierung durchgeführt werden soll. Goffman untersucht, welche Rollentypen es geben muss, damit alle Betroffenen in den Prozess einer guten Entscheidungsfindung mit einbezogen werden können. Mir gefallen die Rollen- und Szenenbilder, mit welchen Goffman in seiner Untersuchung arbeitet. Er zeigt 21 NDS Philosophie + Management eindrücklich auf, dass die Selbstdarstellung ein notwendiges Element in der Lebensgestaltung der Menschen ist. Es ist mir daher einen Versuch wert, Rollen- und Szenenbilder auf die politische Bühne der Fusion Emmen-Luzern zu übertragen. Die drei Hauptrollen Nach Goffman werden folgende drei Hauptrollen unterschieden: die der Darsteller, die der Zuschauer und die der Aussenseiter. Es ist die wichtigste Aufgabe der Initianten einer Fusion, sich Klarheit zu verschaffen, welche Rolle sie selber im und nach dem Fusionsprozess einnehmen wollen und welche Mitspieler sie für welche Rollen gewinnen wollen. Im Gegensatz zur Neubesetzung in einem Bühnenstück können in einer Gemeindefusion nicht alle Rollen völlig neu und mit neuen Leuten besetzt werden. Die Aufgabe wird für die Fusionsinitianten demzufolge noch anspruchsvoller: Leute in bestehenden (Führungs-) Rollen müssen für den Reformprozess gewonnen werden und es muss ihnen bewusst gemacht werden, dass ihre (Führungs-) Rolle im neuen Stück noch völlig unklar sein kann. Hier spreche ich die Bereitschaft an, die Komfortzone (sozusagen mit dem Bühnenstück und in seiner Rolle vertraut zu sein) zu verlassen. Goffman nennt die Darstellung eines Einzelnen "Fassade" und darunter versteht er das standardisierte Ausdrucksrepertoire, welches der Einzelne im Verlaufe seiner Vorstellung bewusst oder unbewusst anwendet. Zur persönlichen Fassade gehören nach Goffman beispielsweise Amtsabzeichen, Rangmerkmale, Kleidung, Geschlecht, Alter, Rasse, physische Erscheinung, Haltung, Sprechweise, Gesichtsausdruck, Gestik und dergleichen. Achtung: Fusionsinitianten gehen oft davon aus, dass sie im Falle 22 NDS Philosophie + Management eines Zustandekommens des Zusammenschlusses in einer neuen Rolle gut positioniert sind, oder (z.B. altersbedingt) wenig zu verlieren haben. Das offene Bekenntnis einen allfälligen Machtverlust hinzunehmen wird ausbleiben. Das ist nachvollziehbar, aber es ist wichtig, sich das immer wieder vor Augen zu führen. Das kann hilfreich sein bei der Zusammensetzung des (Fusions) Ensembles. Es lassen sich wichtige Hinweise erkennen, ob Kandidatinnen und Kandidaten die Bereitschaft aufbringen, alte (lieb gewonnene) Rollen abzugeben und neue (noch unbekannte) Rollen anzunehmen. Beispielsweise dürften häufig eingesetzte Instrumente der persönlichen Fassade wie Amts- und Rangabzeichen keine solche Flexibilität vermuten lassen. Empfehlung: wer gehört zur Initiativgruppe? Die Initianten analysieren. Es braucht Fusionsinitianten, welche von der Möglichkeit eines persönlichen Machtverlustes ausgehen und sich die Freiheit im Sinne von "Alternativen suchen" vorstellen können. Leute mit diesem Profil werden im Prozess auch mit visionären Vorstellungen etwas einzubringen haben. Es braucht ausserdem von Anfang an die Gegner als konstitutiven Bestandteil der Gruppe, die die Fusion initiiert und reflektiert. Empfehlung: das angezielte Fusionsergebnis in aller Öffentlichkeit szenisch darstellen. Ein Fusionsforum bilden. Dies liesse sich ohne Schwierigkeiten einer breiten Öffentlichkeit auch szenisch darstellen. In einem Fusionsforum würde gezeigt, wie die Bühne des neuen Emmen-Luzern räumlich und gestalterisch aussehen könnte und welche Rollen es zu besetzen gibt. Folglich könnte sich daraus eine öffentliche Ausschreibung für die neuen Rollen geben. Mit dieser ersten "Aufführung" kann zumindest die Emotionalität der Bürgerinnen und Bürger geweckt werden, und zwar auch derjenigen, welche sich lediglich für eine Zuschauerrolle interessieren. 23 NDS Philosophie + Management Sonderrollen Goffman spricht ausserdem von wichtigen Sonderrollen: der des "Denunzianten", des "Claqueurs" und des "Wartungsspezialisten". Nach Goffman kann mit der Einnahme einer dieser Sonderrollen jemand unter falscher Maske in eine gesellschaftliche Institution eindringen. Er beschreibt diese Rollen messerscharf: "Ein Denunziant in unserem Sinne ist einer, der vor den Darstellern vorgibt, Mitglied ihres Ensembles zu sein, dem somit gestattet wird, die Hinterbühne zu betreten und destruktive Informationen zu erwerben, und der dann das Schauspiel offen und insgeheim an das Publikum verrät." "Ein Claqueur ist also jemand, der wie alle anderen im Publikum, ein naiver Zuschauer zu sein scheint, in Wirklichkeit aber in die Ziele der Darstellung eingeweiht ist und im Interesse der Darsteller agiert." "Eine wichtige Rolle ist die des Wartungsspezialisten. Sie wird von Personen gespielt, die die materiellen wie geistigen Voraussetzungen für das Schauspiel liefern, das ihre Kunden vor anderen spielen." "Wartungsspezialisten sind insoweit Mitglieder des Ensembles, als sie die Geheimnisse des Schauspiels kennen lernen und es von der Hinterbühne aus sehen." Empfehlung: wie mit denen umgehen, die ihre Meinung im Lauf des Prozesses ändern? Viel Toleranz und vor allem nie hochspielen! Für mich besteht kein Zweifel: Diese Rollen treffen wir in der Politik und auch in der Geschäftswelt tagtäglich an. Darum gefällt mir die präzise Beschreibung der Rollen so wie das Goffman macht. Sehr oft gibt es Überläufer, die den Idealen einer Rolle nicht mehr treu bleiben wollen. Es ist heikel diese Geheimnis-Typen zu enthüllen und daher auch kaum vermeidbar, dass sich solche Rollenträger in ein Ensemble einfügen. Wir müssen das wissen und wir müssen 24 NDS Philosophie + Management damit rechnen. Ich sehe hier keinen eigentlichen "Schutzmechanismus". Diese Darsteller sollen die Rolle spielen (dürfen); es ist aber zu vermeiden, dass diese Rolle ins Zentrum gerückt wird und dass sie somit Nebendarsteller bleiben. Das Team der „Fusionstreiber“: gemeinsam auf der Bühne Wie schafft es ein (Fusions-)"Ensembles", eine Vision "zum Fliegen bringen" und die Herzen (Emotionalität) von anderen Menschen gewinnen? Nachdem wir uns vorher ansatzweise über das Rollenprofil der einzelnen Darsteller Gedanken gemacht haben, kommt nun die Frage nach der Zusammensetzung des Ensembles auf. Damit meine ich diejenigen Leute die sich in einer aktiven Rolle im Stück sehen und demzufolge auf der Bühne stehen wollen. Dieses Ensemble muss – und damit meine ich wie vorher ausgeführt die Fusionsinitianten - eine gemeinsame Vision entwickeln können und eine Vorstellung davon haben, wie Emmen-Luzern in fünf oder zehn Jahren aussehen soll. Das können nur Bürgerinnen und Bürger mit einem ausgeprägten Vorstellungsvermögen, mit guter Durch setzungskraft, mit Teamgeist und starken kommunikativen Fähigkeiten sein, die in der Lage sind, Visionen in Bildern zu vermitteln. Es braucht die verbissenen Pioniere, die eine Niederlage nicht mit einem persönlichen Freiheitsverlust gleichsetzen. Die Widerstände, die es in Erneuerungsprozessen zu brechen gibt, sind erheblich. Empfehlung: Auf Stürmer und Beweger setzen. An die Spitze des Ensembles müssen demzufolge "Beweger" gestellt werden, Stürmer und nicht Verteidiger. Man kann diese auch daran erkennen, dass sie in ihren verschiedenen Rollen nicht nur Siege sondern auch Niederlagen erlebt haben. Dennoch aber Menschen, die ins Gelingen verliebt sind, nicht ins Verlieren. 25 NDS Philosophie + Management Die Fragen der Zukunft Es geht darum, die Ausgestaltung der Bühne neu zu überlegen, da es offensichtlich ist: Die Lebens- und Wirtschaftsräume in der Agglomeration Luzern stimmen nicht mehr mit den politischen Räumen überein. Das heisst, dass Bürgerinnen und Bürger Dienstleistungen aller Art nicht ausschliesslich dort konsumieren, wo sie ihre Steuern entrichten und ihr Stimmrecht ausüben. Das trifft auch für die Bürgerinnen und Bürger von Luzern und Emmen zu. Daran ist vorerst nichts auszusetzen. Dennoch: Vor dem Aufbau der Theaterbühne und bei Veränderungsprozessen auf dem politischen Parkett stellen sich ein paar ähnliche Fragen. Schauen wir an, welche zunächst elementaren Fragen sich den Initianten eines Theaterstückes vor dem Aufbau der Theaterbühne stellen könnten: Welchen Raum haben wir, wie soll der Raum aussehen, den wir wollen? Welche Darsteller haben wir, welche Darsteller sollen sich auf dieser Bühne in welchen Rollen bewegen? Welchen Komfort und welches Erlebnis erwarten Zuschauer (und damit meine ich einen Grossteil der Bürgerinnen und Bürger)? Daneben gibt es auch noch Perspektiven, die weitreichender sind als das bisher besprochene. Das "Neue Luzern" (Luzern/Emmen/ Littau/Kriens/Horw/Ebikon) könnte zur dritt oder- viertgrössten Stadt der Schweiz werden. Auf dem neuen Stadtboden liesse sich nahezu das gesamte Angebot im kulturellen und sportlichen Bereich der Zentralschweiz finden. Oder in der Zukunftsperspektive dargestellt: Die Bürgerinnen und Bürger finden im neuen Raum die Leistungen, die ihnen gefallen und fühlen sich wohl im Schauspiel. Sie suchen nach keinem Angebot auf einer anderen Bühne. Um das "Neue Luzern" herum existiert eine neue Agglomeration mit mehr oder weniger selbstständigen Gemeinden/Städten wie beispielsweise Hergiswil, Malters, Neuenkirch, Rothenburg, Inwil, Adligenswil und Meggen, sozusagen als Spielfelder für komplementäre lokale Aufführungen. 26 NDS Philosophie + Management Konkrete Visionen: Warum also nicht eine Vorstellung über folgende Drehorte (und später definitive Austragungsorte) vermitteln. Ich spanne jetzt, da ich mir das Bühnenbild vorstelle, den Bogen bewusst über die ganze Agglomeration von Luzern: Das neue Sportstadium (Fussball und Leichtathletik) Luzern-Nord (früher Emmen) zu stehen. kommt in Die frei stehenden Industrieräume in der Emmenweid werden als Werkplatz für Kultur genutzt, es entsteht dort eine kleine Künstlerstadt. In Luzern-Süd (früher Kriens) wird ein attraktives Hallenbad mit Wettkampfarena gebaut. Auf dem Boden des früheren Horw wird in einem ehemaligen Gemeindeteil ein autofreies Freizeitgelände für Familien (Sport- und Bewegungsmöglichkeiten in Kombination mit Lernpfaden) geplant. Im ehemaligen Littau (auf dem Gebiet Littauerboden) entsteht ein KMU-Forschungszentrum. Ich sehe meine These "Freiheit in der Politik lässt sich inszenieren" bestätigt, indem die Fähigkeit zum Rollenwechsel eine Kernkompetenz von erfolgreichen Politikern (wie auch von erfolgreichen Schauspielern) ist. Damit wiederum Rollenwechsel überhaupt möglich sind, braucht es Raum für neue Inszenierungen. Hinweise und Voraussetzungen für das Gelingen einer Inszenierung der Fusion Emmen-Luzern Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Emmen müssen und wollen wissen wie die von ihnen gewählten Mitglieder des Gemeinderates über die Fusionsfrage denken. Die einzelnen Mitglieder des Emmer Gemeinderates sollen sich dezidiert für oder gegen eine Fusion mit Luzern aussprechen und ihre 27 NDS Philosophie + Management Argumente darlegen. Die Gesamtstimmung des Gemeinderates nehme ich als zurückhaltend, teilweise gar als deutlich ablehnend war. Das ist aber ungenügend und unpräzise, da pauschal. Jeder einzelne Gemeinderat soll seine Karten (was spricht aus meiner Sicht dafür und was dagegen) auf den Tisch legen. Das betrachte ich auch als Verpflichtung gegenüber den 30 Mitarbeitenden im Syntegrationsprojekt. Widersprüchliche Aussagen sind zu vermeiden. Einen solchen Widerspruch habe ich entdeckt in der Grussbotschaft des Emmer Gemeindepräsidenten Peter Schnellmann an die Delegierten des Kantonalen Gewerbeverbandes (KGL) anlässlich der Versammlung vom 12. Mai 2005 im Zentrum Gersag, Emmen brücke. In der Einführung zum Grusswort schliesst der Gemeidepäsident von Emmen eine Fusion der Gemeinde Emmen aus. Am Schluss der gleichen Grussbotschaft äussert sich Peter Schnellmann über die Zukunft von Emmen und weist mit Stolz auf die Ergebnisse des Syntegrations-Workshops hin. 71 Massnahmen seien auf den Tisch gekommen und es gelte diese nun umzusetzen. Vergessen hat der Gemeindepräsident die Massnahme Nr. 70. Frühest möglicher Einbezug der Bevölkerung: Strukturveränderungen sind heikle Prozesse. Sie stellen hohe Anforderungen an die Kommunikation und Information der Bürgerinnen und Bürger. Mittels einer Konsultativabstimmung könnte die Bevölkerung in der Frühphase in die Diskussion einbezogen werden (analog Gemeinde Wichtrach BE). Falls eine solche Konsultativabstimmung aus rechtlichen Gründen nicht durchgeführt werden kann, sollte eine Bevölkerungsbefragung ins Auge gefasst werden. Abhängig vom Resultat dieser Konsultativabstimmung oder Bevölkerungsbefragung soll spätestens sechs Monate später der Meilenstein "Start oder Nichtstart des Fusionsprojektes" gesetzt werden. Dieser Konsultativabstimmung /Befragung muss ein Informationspaket vorangehen, welches eine sachliche Diskussion ermöglicht. 28 NDS Philosophie + Management Die Fusionsdiskussion wird vorwiegend mit betriebswirtschaftlichen Argumenten geführt. Das ist der falsche Ansatz, weil die Bürgerinnen und Bürger auf diese Argumente kaum ansprechen, weil für sie die Transparenz in dieser Zahlenwelt einerseits fehlt und anderseits diese Zukunftsberechnungen infolge ihrer Vernetzung und Abhängigkeiten tatsächlich ein grosses Ungenauigkeitsrisiko aufweisen. Die Diskussion ist daher auf einer anderen Ebene zu führen: durch Zeigen und Sichtbarmachung der Zukunft, eben: durch Inszenieren, wie ich das zu beschreiben versuche. Nochmals: Am Anfang einer Veränderung steht eine Vision (und diese beginnt nicht mit dem neuen Gemeindewappen oder mit der Frage nach der Namensgebung). Zusammen mit Luzern eine Fusions-Hotlinie einrichten und/oder einen "Fusions-Letter" in die Haushalte der Gemeinden tragen. Bürgermeinungen abholen, diese reflektieren und zurückspiegeln. Der Gemeinderat muss zu Beginn der Fusionsverhandlungen sicherstellen, dass die Interessen der Emmer Bevölkerung im politischen Prozess wahrgenommen werden können. "Besitzstandzusicherungen" in der (neuen) Legislative und Exekutive in einer Uebergangsphase von z.B. vier Jahren. Es braucht bei jeder Reform starke Promotoren, welche in der Bevölkerung auf gute Akzeptanz stossen und hohe kommunikative Fähigkeiten besitzen. Da stellt sich sehr rasch die Frage: Wer steht für die Konsequenzen des Tuns ein? Wer entscheidet und kalkuliert mögliche Irrtümer ein (bei Eigenverantwortung kann ein Scheitern nie ausgeschlossen werden)? Es müssen für diese Fusionsfragen Persönlichkeiten ans Ruder, welche auch die Konsequenzen im Falle eines Scheiterns zu tragen bereit sind. Einen möglichen Ansatz sehe ich in der Bildung eines Projektteams bestehend aus vier bis sechs Personen, welches durch eine unabhängige Person geleitet wird. Selbstverständlich muss in diesem Promotorengespann auch ein Vertreter aus der 29 NDS Philosophie + Management Gemeindebehörde mit seiner Persönlichkeit das Projekt vorantreiben. Die Zusammensetzung der Kerngruppe könnte ich mir wie folgt vorstellen: unabhängiger Projektleiter Vertreter der Gemeindebehörde Vertreter des Kantons Vertreter einer Gemeinde, die eine erfolgreiche Fusion hinter sich hat o Vertreter einer Gemeinde, die eine gescheiterte Fusion hinter sich hat o o o o Zum Schluss ein Zitat zur Freiheit in der Politik. Der Philosoph Ernst Cassirer (1874-1945) sagt sehr schön: "Sobald der Mensch beginnt, sich über seine Handlungen Fragen zu stellen, hat er einen neuen und entscheidenden Schritt getan; er hat einen neuen Weg betreten, der ihn am Ende weit weg von seinem unbewussten und instinktiven Leben führen wird." Heinz Näpflin 30 NDS Philosophie + Management 4 Kapitel Macht Gustav Bolfing Fusion der Gemeinde Emmen mit Luzern (Sicht der Macht) In diesem Abschnitt wird der Fusionsprozess der Gemeinde Emmen mit Luzern philosophisch unter dem Fokus Macht reflektiert, um zusätzliche Aspekte zu entdecken, die bei einer Gemeindefusion zu beachten sind. Bekanntlich dominieren bei Fusionen von Wirtschaftsunternehmen in erster Priorität „facts and figures“. Weiche Faktoren werden und sind oft unterschätzt worden. Sie kommen vielfach erst bei der Umsetzung ins Spiel. Dazu zählt auch die Frage, wie bestehende Machtverhältnisse neu verteilt werden. Da der Begriff „Macht“ ein grosses Spektrum in der Philosophie umfasst, stütze ich mich bei der folgenden Begriffsklärung auf einige wenige, ausgewählte Machtdefinitionen. Bei der Erklärung des Grundbegriffes der Macht wird die Komplexität des Begriffes sofort evident. Je nach Zeitalter und Herkunft - und mit dem letzteren meine ich die wissenschaftliche Richtung (Geschichte, Soziologe, Philosophie, Psychologie, Ökonomie) - fallen die Definitionen sehr unterschiedlich aus. Dazu ziehe ich bei den Soziologen und Philosophen Max Weber, Niklas Luhmann, Arnold Gehlen, Thomas Hobbes und Niccolò Machiavelli bei. 31 NDS Philosophie + Management Da in einer Fusion die Machtverhältnisse von verschiedenen Personen und Gremien tangiert werden, habe ich im ersten Teil Fragen wie Was ist Macht (Machtbegriffe, Machttheorien, Entstehung der Macht)? Welche Unterschiede sehe ich zwischen der personalen Macht und einer systemorientierten Macht nach Luhmann? (Formen der Macht) Welche personalen Kräfte und welche systemischen Kräfte sind erkennbar und wie sind ihre Auswirkungen auf den Prozess der Fusion? Was bedeutet „Macht“ im Alltag? Welche Begriffe stehen mit „Macht“ direkt in Verbindung? beantwortet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen ziehe ich im zweiten Teil meiner Überlegungen Schlüsse für die Fusion „EmmenLuzern“. Meine Fragestellung Gegner von Fusionen machen geltend, dass der Machtpoker der Politiker nur zu gerne zulasten der Freiheit der Bürgerinnen und Bürger geht. Das muss so nicht stimmen. Denn die wahren Probleme mit der Macht liegen im Fall von Fusionen nicht dort, wo einzelne Mächtige ihre Kompetenzen missbrauchen oder überziehen können. Die eigentlichen Problemstellen liegen dort, wo zwei Typen von Macht aufeinander stossen und miteinander um die Vorherrschaft ringen: Die Macht einzelner Personen und die Macht anonymer Systeme. Um dies besser zu verstehen, werde ich zunächst die beiden genannten Typen von Macht vorstellen und dann einzelne Schnittstellen näher untersuchen. 32 NDS Philosophie + Management Personale gegen systemische Macht In den philosophischen Machttheorien wird grundsätzlich zwischen personaler und systemischer Macht unterschieden. „Personale Macht“ bedeutet, dass jemand die Fähigkeit hat, über jemanden zu bestimmen und so seine eigenen Interessen durchzusetzen. Personale Macht Personale Kräfte haben im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht. In einem Fusionsprozess finden wir immer so genannte Fusionstreiber und neben Betroffenen, die indifferent bleiben, auch immer Fusionsgegner. Gegnerische Strategien gehen von Verzögerung über Blockierung bis zur Verhinderung der geplanten Veränderung. Je stärker die Machtposition der Person ist, umso grösser ist ihr direkter und/oder indirekter Einfluss auf die übrigen Beteiligten. In unserem Falle sind vor allem bei den politischen Amtsinhabern personale Kräfte erkennbar. Als grossen Fusionsturbo und Vertreter der Exekutive hat sich im Jahr 2005 der Luzerner Stadtpräsident Urs W. Studer in allen Medien für eine Fusion von Agglomerationsgemeinden mit Luzern eingesetzt. In einem Interview in der Region vom 6. Januar 2005 sagt er: „Nur mit Fusionen der Gemeinden rund um Luzern wird aus dem urbanen Grossraum Luzern und Agglomeration ein starkes und attraktives Gemeinwesen. Die ideale Grösse einer visionären Stadt Luzern liegt bei gut 150'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Aber es gibt Hindernisse.“ Ich bin nicht sicher, ob er als ein Hindernis den Gemeinderat von Emmen meinte, denn auch ich konnte bis heute noch keinen überzeugten und öffentlich für die Fusion auftretenden Gemeinderat entdecken. Stellvertretend für alle anderen Gemeinderäte zitiere ich die Aussage unseres Gemeindepräsidenten Peter Schnellmann in der Neuen Luzerner Zeitung vom 21. Juli 2005 auf die von den vier Fraktionschefs des 33 NDS Philosophie + Management Einwohnerrates eingereichte Interpellation. „Eine Fusion ist für uns zurzeit überhaupt kein Thema.“ Weiter werden seine Aussagen ergänzt mit: „Emmen mit seinen 27'000 Einwohnerinnen und Einwohnern sei bereits eine grosse Gemeinde, die zweitgrösste des Kantons. Zudem habe man andere Probleme zu lösen.“ Er meinte damit das Sparpaket oder die Einbürgerungsproblematik, die man nun in den Griff kriegen wolle. Weitere personale Kräfte – hier müsste ich aber eher von virtuellen Personen sprechen – sehe ich bei den politischen Parteien. In der Stadt Luzern haben linke Kräfte mehr politisches Gewicht als beispielsweise in Emmen. Eine Fusion würde also auch die politischen Stärkenverhältnisse verändern. Systemische Macht Systemische Kräfte sind anonym und haben im Vergleich zu den personalen Kräften kein Gesicht. Wie der Name schon andeutet, gibt es viele verschiedene Systeme und damit auch für jedes System verschieden wirkende Kräfte. Ja sogar innerhalb des gleichen Systems gibt es antagonistische Kräfte. In einem Fusionsprozess kann ich nachfolgend einige wichtige Systeme ausmachen, wobei weder die Aufzählung umfassend noch die in ihren Systemen wirkenden Kräfte vollständig sind. Das System Bürokratie, das oft mit der Verwaltung gleichgesetzt wird, hat systemische Macht. Viele Bürger fühlen sich der Bürokratie ausgeliefert und möchten deren Einfluss beschränken. Auch hier besteht eine Wechselwirkung zwischen einem starken mächtigen System, dem ich ausgeliefert sein könnte, und dessen Dienstleistungen. Bei einer Fusion muss zwischen einer starken („grösseren“) und effizienteren Verwaltung und dem Ausgeliefertsein des Einzelnen gegenüber der Verwaltung entschieden werden. Die individuellen Bedürfnisse stehen hier den Bedürfnissen des 34 NDS Philosophie + Management Gemeinwohls gegenüber. In kleineren Gemeinden ist die Verwaltung weniger anonym und stärker personifiziert. Damit will ich sagen, dass der Bürger gegenüber einer kleineren Verwaltung sich wohler und weniger ohnmächtig fühlt. Als weiteres System sehe ich auch die Kultur, die von der Geschichte, dem Ort und den Bürgern geprägt ist. Eine aus meiner Sicht sehr entscheidende systemische Macht haben die heutigen Medien oder das Informationssystem. Nach dem Soziologen Helmut Schelsky nimmt die Macht der Medien in der westlichen Welt zu und bildet über die Massenmedien eine Art „Bewusstsein-Industrie“ für den Bürger. Bei der Fusion der Gemeinde Emmen mit Luzern könnten sie auch eine entscheidende Rolle spielen. Die Präsenz des Fusionsprozesses der Gemeinde Littau mit Luzern in der lokalen Presse und im Radio haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Emmen. Denn ich kann feststellen, dass sich die ersten Bürger und auch Politiker bereits zu fragen beginnen, ob Emmen mit seiner Haltung eine Chance verpasse. Die Auswirkungen der Pressemitteilungen oder auch die Macht der Medien werden hier ganz eindrücklich aufgezeigt. Der permanente Antagonismus besteht hier zwischen der systemischen Macht der Medien und der personalen Macht des einzelnen Gemeinderates. 35 NDS Philosophie + Management Philosophische These Der permanente Antagonismus zwischen personaler und systemischer Macht ist unumgänglich bei Gemeindefusionen. Diese Aussage kann ich belegen, weil eine Fusion sowohl die Macht der Systeme wie auch die Macht des Einzelnen verändert und sie sich in ihrer einseitigen Betrachtung gegenseitig im Wege stehen. Wenn ich die personale Macht als erstes betrachte, dann pflichte ich der Aussage von H.-J. Zoche zu, der sagt: „Jeder Mensch bedient sich je nach Vermögen und Fähigkeit zur Durchsetzung seiner Ziele der ihm zur Verfügung stehenden Macht“. Für politische Amtsinhaber, die mit der Aufhebung ihres Amtes und damit mit dem Verlust der Position rechnen müssen, steht direkt ihre personale Macht zur Disposition. Sie verlieren damit für sie das wahrscheinlich Gewichtigste, die Position. Auch ich beurteile diesen Verlust für sie als viel einschneidender als der Verlust der politischen Einflussnahme. Der permanente Widerstreit zwischen systemischer und personaler Macht zeigt sich bei ihnen durch das Ausnützen ihrer personalen Macht, um Argumenten gegen eine Fusion mehr Gewicht zu geben. Sie kennen die Bedenken und die Aversion der Bürger gegenüber einer anonymen nicht fassbaren Macht. Negative Aspekte der systemischen Macht wie z.B. Ausgeliefert-Sein, Ohnmächtigkeit gegenüber ihr, werden ins Zentrum der Diskussionen geschoben. Denn nur mit einer verhinderten, im schlechtesten Falle verzögerten Fusion können sie ihre Position und damit ihre personale Machtposition – dies aber nur auf Zeit - halten. Die systemischen Machtveränderungen möchte ich am Beispiel des politischen Systems und beim Verwaltungsapparat aufzeigen. Die neuen veränderten Zusammensetzungen der politischen Gremien werden in der Verteilungspolitik durch die inhaltlich veränderten gesellschaftlichen und sozialen Werte und Normen der Personen oder Systemangehörigen Änderungen erfahren, die den Widerstreit personaler Kräfte direkt hervorrufen. Die organisatorische Macht des fusionierten Verwaltungsapparates ist mächtiger gegenüber der ursprünglichen, aufgeteilten Verwaltung der beiden Gemeinden. 36 NDS Philosophie + Management Gegenüber dem einzelnen Bürger ist sie aber noch fremder, möglicherweise noch entfernter und vor allem mächtiger. Ich bin aber überzeugt, dass die Erkenntnisse des amerikanischen Volkswissenschaftlers John Kenneth Galbraith bezüglich Marktmacht auch auf die systemische Macht anwenden lassen. Nach seinen Überlegungen wird eine starke Macht(-position) eine entsprechende Gegenmacht aufbauen. Der Antagonismus kann dann sowohl innerhalb als auch zwischen der personalen und systemischen Macht erfolgen. Die klare und sachliche These unterstreicht aber, dass bei Machtveränderungen der Antagonismus zwischen personaler und systemischer Macht in einer Fusion von Gemeinden völlig normal, ja sogar notwendig ist. Der Einsatz der personalen Macht oder der systemischen Macht allein legt das Augenmerk nur auf einen Teil der Veränderung und würde gar keine Machtgrenzen setzen. Das bedeutet, dass weder auf das eine noch das andere für eine erfolgreiche Fusion verzichtet werden darf. Gewinner einer Fusion wird nicht, wer sie nur mit der personalen Macht oder nur mit der systemischen Macht von der Idee zur Realisierung führen möchte. Bei den Veränderungen der Kräfteverhältnisse kann ich sowohl eine Sicht der personalen wie auch der systemischen Macht ausmachen. Ein Beispiel von systemischen Machtveränderungen infolge des Wandels der Machtstrukturen belegt folgende Aussage: „Eine gewisse Zentralisierung der Macht auf die Kernstadt Luzern ist sehr wahrscheinlich. Damit verbinden sich aber auch Prioritätsverschiebungen, weil die Gesamtstadt andere Prioritäten erzeugt als die bisherigen Einzelgemeinden.“ Wenn ich diese Aussage auf die Fusion Emmen - Luzern übertrage, dann werden die stärker ländlichen oder auch durch die Industrie geprägten Belange von Emmen in der Gesamtstadt weniger relevant sein. Auch eine weitere in der Studie erwähnte Befürchtung teile ich. Die Bevölkerung der grösseren Gemeinde könnte die besseren Zugriffschancen (z.B. auf die Verteilung von Haushaltsmitteln auf die Ortsteile) haben und die kleinere „marginalisiert“ werden. Für diese Befürchtung wird entscheidend sein, wie die Repräsentanz der Vertreter der 37 NDS Philosophie + Management „übernommenen“ Gemeinde in Politik und Verwaltung geregelt werden wird und wie sich die neue Stadt gegenüber Emmen tatsächlich verhält. Nach der genannten Studie werden meine diesbezüglichen Befürchtungen nicht nur relativiert, sondern mit erwähnten deutschen Untersuchungen sogar widerlegt. Denn – unabhängig von ihrer politischen Repräsentanz – würden eingemeindete Ortsteile in der Gesamtstadt häufig sogar besser gestellt, wie die Untersuchung von Derlinques (1986) belegt: Erstens sind die Politiker hinsichtlich des Risikos der räumlichen Ungleichbehandlung besonders sensibilisiert und vermeiden alles, was diese Befürchtungen bestätigen könnte. Die Verwaltung der fusionierten Gemeinde wird zudem Sorge tragen, dass ihre Massnahmen „fair“, politisch kontrollierbar und nachvollziehbar bleiben. Machtveränderungen (personale und systemische) führen zu Verunsicherung und damit zu Angst in der Bevölkerung vor Änderungen. Ohne aktiven Einbezug der Betroffenen entsteht Widerstand in Form von Ablehnung, Behinderung oder Verzögerung des politischen Fusionsprozesses. Veränderungen bei Inhabern von personaler Macht (Exekutive, Legislative, Parteivertreter, Kommissionen, usw.) sind bei einer Fusion der Gemeinde Emmen mit Luzern offensichtlich und nicht zu umgehen. Am Beispiel der Veränderungen bei den kommunalen Behörden lässt sich diese Aussage leicht belegen. Die grössere Gemeinde Luzern mit ca. 60'000 Einwohner wird durch fünf Mitglieder in der Exekutive geführt und durch ein Gemeindeparlament mit 48 Vertretern kontrolliert. Bei der Gemeinde Emmen sind die Zahlenverhältnisse ähnlich, nämlich ebenfalls 5 Mitglieder in der Exekutive und 40 Einwohnerräte. Nach der Fusion und einer schlanken politischen Behördenorganisation – schlank, um allfällige Fusionsgewinne nicht durch eine zunehmende Komplexität zunichte zu machen - werden nur unwesentlich mehr Mitglieder die neue fusionierte Gemeinde mit 87'000 Bürgern führen. Die Konsequenz führt zur Devise „mache aus zwei eins“. Wobei diese Aussage nur für die Gesamtsumme gilt. Für die Vertreter von Emmen wird das Verhältnis noch extremer sein: Eine Reduktion der bisherigen totalen Anzahl Vertreter führt zwingend für eine grössere Anzahl 38 NDS Philosophie + Management Amtsinhaber zum Verlust ihrer Machtposition. Obwohl die Aussage zum Machtverlust nicht zu widerlegen ist, muss ich beifügen, dass dies eine sehr einseitige Darstellung meinerseits ist. Als Emmer liegt mein Augenmerk etwas stärker auf der Seite Emmen. Ergänzend muss ich aber beifügen, dass neben dem Machtverlust auf der fusionierten Seite und damit ist nicht einseitig Luzern gemeint, auch ein Machtgewinn oder ein Ausbau der Macht erfolgen wird. Anstelle von Machtverlust und Machtgewinn wäre es besser von Machtverschiebungen zu sprechen. Denn die neuen Vertreter der Exekutive und auch der Legislative werden zukünftig mehr Stimmbürger zu vertreten haben. Ihre „regionale“ Verteilung wird aber unterschiedlich sein. Dies ist ein Knackpunkt für eine starke Förderung des Fusionsgedankens in der kleineren Gemeinde. Fusionswiderstände in Emmen könnten durch eine Sicherstellung einer angemessenen Emmer-Vertretung in den politischen Gremien abgebaut werden. Die Veränderungen bei der personalen Macht führen hier klar zum Widerstreit gegen die systemische Macht, die das neue politische System der fusionierten Gemeinde gewinnt. Potenzielle Verlierer von Machtpositionen können leicht eine einseitige Betrachtung in den Mittelpunkt stellen. Ohne ihre persönliche Betroffenheit in den Vordergrund zu stellen, können sie gegen eine Fusion auftreten. Durch das Festhalten oder sogar Festklammern an ihrer persönlichen Macht, die ihnen durch die Fusion gefährdet erscheint, verweigern sie direkt oder indirekt die Unterstützung des Fusionsprozesses. Sie spielen ihre personale Macht gegen das System aus und stellen eine gegenüber dem Bürger mächtigere und nicht geliebte Bürokratie/Verwaltung in den Mittelpunkt. Wenn in einem Fusionsprozess diese Vertreter dominieren und ihre Handlungsweisen eher defensiv geprägt sind, dann wird der Fusionsprozess unweigerlich ins Stocken geraten. Es gibt dann zuwenig Treiber des Fusionsprozesses. Es fehlen starke politische Vertreter, die die Idee der Fusion den Bürgern als Chance „verkaufen“. Neben dem Wandel der personalen Macht ist bei einer Gemeindefusion auch eine Veränderung der systemischen Macht verbunden. 39 NDS Philosophie + Management Dabei denke ich an das bekannteste System, das mit öffentlichen Ämtern inhärent verbunden ist. Die Verwaltung und damit die Bürokratie werden bei einer Fusion grösser, gewichtiger. Sie bekommen und nehmen in der Folge mehr Einfluss. Dies gilt bezüglich der räumlichen Zuständigkeit (erweitertes Gemeindegebiet), aber auch mengenmässig bezüglich der Anzahl zu bewilligenden Gesuche (87’000 Bürger gegenüber 60’000 resp. 27’000). Der Umfang der Verantwortung und Verantwortlichkeit nimmt zu. Der einzelne Bürger steht damit zwar einer hoffentlich professionelleren und effizienteren Dienstleistungsstelle, aber auch einem mächtigeren System gegenüber. Diese Aussage möchte ich mit dem nachfolgenden Beispiel verdeutlichen. Ein Gesuch z.B. ein komplexes Baugesuch würde schneller und professioneller abgewickelt. Der gefällte Entscheid wäre aber weniger diskutabel oder noch veränderbar. Bisher kannten die Bürger die entsprechenden Amtsinhaber und die nach Carl Schmitt so genannten Vorräume der Macht. In einer Fusion werden diese Vorhöfe nicht nur personell verändert, sondern auch örtlich neu verteilt. Bekannte und bisher funktionierende Beziehungsnetze stehen für den Bürger zur Disposition oder existieren im schlimmsten Falle nicht mehr. Einflusswege ändern sich und Orte der Amtsstellen z.B. Zivilstandsamt, Einwohnerkontrolle, Steueramt, Tief- und Hochbauamt, etc. werden neu verteilt. Die Bedenken der Bürger gegen diesen Wandel können abgebaut werden, wenn einerseits durch Information die Verunsicherung beseitigt, Vertrauen geschaffen und Perspektiven gezeigt werden. Andererseits ist auch der Einbezug der Bürger von ausschlaggebender Bedeutung, auch und gerade wenn sie skeptisch oder gar anderer Meinung sind. Wie Recht hat doch Michael Hammer in seinem Buch The Reengineering Revolution, der von Kurt Häfelfinger in dessen Handout Change Management – Umgang mit Widerständen gegen Veränderungen wie folgt zitiert wird: „Es ist ein fataler Fehler zu glauben, man könne Widerstand gegen Veränderungen vermeiden oder Menschen, die Widerstand leisten seien unverbesserliche Querulanten“. Widerstand gegen Veränderung ist ebenso normal wie unvermeidbar. Gleichwohl lässt er sich durch geeignete Massnahmen soweit reduzieren, dass er keine Gefahr für die Umsetzung der Veränderung mehr 40 NDS Philosophie + Management darstellt. Eine der wichtigsten Massnahmen ist die Kommunikation der Gründe für die Veränderung und dessen, was damit erreicht werden soll. Hier liegt in meinen Augen für eine erfolgreiche Fusion der Gemeinde Emmen mit Luzern die gegenwärtig noch weit grössere Schwachstelle als bei den fusionsbedingten Machtveränderungen. Erkenntnisse und Folgerungen Vertreter von Luzern wollen Luzern und die Agglomeration durch „Integration“ von Nachbargemeinden stärken und sehen eine Zukunft nur in einem Zusammengehen. Für mich ist diese Denkweise eine Art Globalisierungsdenken auf einer tieferen räumlichen Ebene. Vertreter der Exekutive von Emmen haben diesen Blickwinkel noch nicht erfasst, sehen ihre Zukunft in einer lokalen Sicht und können mit den neuen Machtverhältnissen noch keine neuen Sinnwelten erschliessen. Deshalb setzen politische Vertreter für die ContraArgumente primär weiche Faktoren ein, weil sie wissen, dass diese den Bürger weit mehr beschäftigen als harte. Schon die klare Zuteilung der Contra-Argumente auf weiche Faktoren zeigte mir, dass eine Zustimmung der Bürger zur Fusion nicht allein über die harten Faktoren möglich ist. Selbst noch so überzeugende wirtschaftliche Faktoren allein genügen nicht für eine Zustimmung zur Fusion. Empfehlungen für den Gemeinderat von Emmen Durch die intensive Beschäftigung mit der Fusion während des Jahres bin ich überzeugt, dass die Gemeinde Emmen mit Luzern fusionieren wird. Es dürfte aber in der heutigen Konstellation noch eine Weile dauern. Je früher der Gemeinderat von Emmen mitmacht, umso mehr kann er den Fusionsprozess mitsteuern und auch mitgestalten. Als überzeugter „Fusionist“ sollen die Gedanken als Tips verstanden werden. Selbst wenn sich heute der Gemeinderat 41 NDS Philosophie + Management von Emmen klar für eine Fusion aussprechen würde, wäre nicht automatisch sichergestellt, dass die Bürger der Gemeinde Emmen die Absicht des Gemeinderates vorbehaltlos unterstützen würden. Und genau hier, also bei den Bedenken der Bürger und den weichen Faktoren, sollen unsere Überlegungen für einen schnelleren Ablauf und direkteren Fusionsprozess in Betracht gezogen werden. Dabei könnten nachfolgende Gedanken als Hinweise hilfreich sein. In der Zeit der permanenten Veränderungen gehören diejenigen zu den Gewinnern, welche die Fähigkeit haben, die Bürger von der Notwendigkeit einer Veränderung zu überzeugen, sie für das Ziel zu begeistern, ihre Ängste zu verstehen und mit den daraus resultieren Widerständen vernünftig umzugehen. Gemeinde-, Einwohnerräte und auch Wähler müssen sich ihrer Rolle und Position bei einer in Diskussion stehenden Fusion bewusst sein. Es ist schwierig, den Wandel Wirklichkeit werden zu lassen, wenn der Beteiligte / Betroffene objektiv und/oder subjektiv durch die Veränderung etwas zu verlieren hat. Angst vor Machtverlust und damit verbundene Imageprobleme sowie Angst vor Wertschätzungsverlust können nicht nur bei politischen Amtsinhabern zu Widerstand gegen die Veränderung führen. Automatisch wirken sie als Bremser. Diese Haltung ist nicht zu verdammen, ja nicht einmal zu kritisieren. Denn mindestens eine der eben aufgezählten Rollen nimmt jede und jeder von uns ein. Wir alle sind keine Helden. Im tiefsten Inneren unseres Herzens halten wir an vermeintlich Bewährtem fest. Das mag nicht opportun sein. Menschlich verständlich ist es allemal. Behördenvertreter und dies gilt ganz besonders für den Gemeinderat müssen einen Weitblick haben, die Zeichen der Zeit wahrnehmen und den Mut haben flexibel zu handeln. Ich erwarte von ihnen, dass sie die Fusionsidee zuerst unabhängig von persönlichen Auswirkungen offen angehen und die Mitgestaltung der Zukunft von Emmen aktiv in die Hand nehmen. Wenn die Zeit für eine Fusion reif ist, müssen sie sich klar und konsequent dafür 42 NDS Philosophie + Management einsetzen und alle Bürger miteinbeziehen. Wenn sie von der Volksmeinung aufgrund der Macht der Medien plötzlich überrollt werden, könnte die nachfolgende Aussage Wirklichkeit werden. „Entweder sie gehen mit der Zeit, oder sie gehen mit der Zeit.“ Eine Fusion zwischen der Gemeinde Emmen und Luzern hat nur eine Chance, wenn genügend Promotoren aus politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Kreisen die Idee aktiv propagieren und mit wegweisenden Impulsen weiter tragen. Die Qualität der Promotoren ist entscheidend. Die Vision der Fusion muss dabei wie die Resultate des Syntegrationsseminars als Entwicklungsziel für Emmen von allen massgeblichen Stellen getragen und den Bürgern kommuniziert werden. Die klare und unmissverständliche Kommunikation, dass die Veränderung notwendig und sinnvoll ist, ist matchentscheidend. Allen Beteiligten und Betroffenen und dies gilt insbesondere für die politische Führungsmannschaft muss klar sein, dass neben dem Wunsch des Bewahrens auch der Wille zum Wandel für eine prosperierende Zukunft notwendig ist. In der grundsätzlichen Diskussion über eine Fusion soll thematisiert werden, was die Bürger von Emmen aus der Vergangenheit in die Zukunft hinüberretten und was sie ändern müssen. Dies bedingt ein Lösen vom dogmatischen und ein Hinwenden zum flexiblen Denken. Der bestehende Konflikt zwischen Selbst-bestimmen und Sichfühlen als Treibgut in einem mächtigen Strom, der seinen Lauf ständig verändert, muss von den politischen Behörden erkannt und entschärft werden. Deshalb darf die Veränderung nicht mit den häufig verwendeten Argumenten wie „notwendige Anpassung an das veränderte Umfeld“ oder „Abbau von ineffizienten Strukturen“ verkauft werden. Diese Aussagen suggerieren: wir liefern uns der Entwicklung aus, aber wir gestalten sie nicht. Bei solch phantasielosen Botschaften darf sich niemand wundern, wenn die Leute nicht mitziehen. Um eine Fusion und mit ihr den tiefgreifenden Wandel einfacher zu vollziehen, müssen die Bürger Vertrauen in die Behördenmitglieder haben und ein Klima der Sicherheit herrschen. Denn 43 NDS Philosophie + Management Menschen möchten sich nicht verändern. Sie haben Angst davor und fühlen sich bedroht, besonders in der heutigen anonymen, komplexen und technischen Welt. Massnahmen, die Vertrauen bilden und die Sicherheit erhöhen, sind einzusetzen. Bei der Kommunikation des Fusionsgedankens ist besonders darauf zu achten, dass Voraussagen problematisch sind, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Emmen muss in der Planungsphase einer Fusion mit Luzern sicherstellen, dass die politischen Vertreter nicht nur genügend in der Fusionsprojektgruppe, sondern auch später in den politischen Gremien vertreten sind. Schluss Veränderungen des Machtgefüges, genauer die Angst vor Machtverlust oder Machtzugewinn und damit die Angst, dass der eigene Einfluss eingeschränkt werden könnte, war das Thema meiner Überlegungen. In einigen Fusionsgegnern sitzt noch eine andere Angst: diejenige vor dem Verlust der eigenen Identität, die an allem festgemacht wird, was man als „Heimat“ erlebt. Darüber handelt nun der folgende Beitrag. „Man weiss nie, was daraus wird, wenn die Dinge verändert werden. Aber weiss man denn, was daraus wird, wenn sie nicht verändert werden?“ Elias Canetti Gustav Bolfing 44 NDS Philosophie + Management 5 Kapitel Heimat Charles Gyger Eine Gemeinde ist einerseits ein politisches Gebilde zur Bewältigung von organisatorischen, wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben, und andererseits ist eine Gemeinde auch ein Gebilde mit sozialem Netzwerk, ein Wohnort, eine Heimat. Der Mensch als soziales Wesen und als Mitglied einer Gemeinschaft braucht zum Wohlbefinden ein Gefühl des Verbundenseins, ein Heimatgefühl. Die Gruppenzugehörigkeit und das identifikatorische Gemeinschaftsbewusstsein liefern wichtige Elemente für die persönliche Identität und Stabilität. Der Kern des Heimatgefühls ist die Sehnsucht nach der Normalität. Eine Fusion stellt diese Normalität und damit das Heimatgefühl und die Identifikation vorerst mal in Frage. Die vorliegende Arbeit weist auf die Zusammenhänge dieser elementaren Begriffe Heimat, Normalität und Identität hin. Zudem zeigt sie Möglichkeiten auf, die Bürger im stetigen Streben nach Normalität in einer Zeit des Wandels zu unterstützen. Der Begriff Heimat Heimat – was ist das? Antworten von jedermann und jederfrau Fragt man den Bürger auf der Strasse, was ihm Heimat bedeutet, so kommen gemäss Tagblatt vom 31. Juli 2004 folgende Antworten: Heimat ist ein bisschen alles. Ein bisschen Familie, ein bisschen 45 NDS Philosophie + Management Freunde, aber auch Sport. Samstag auf den Markt gehen, das ist auch Heimat. (63-jähriger Franzose, seit 39 Jahren in der Schweiz) Heimat ist für mich dort, wo ich akzeptiert werde, so wie ich bin. Zur Heimat gehört auch, dass man sie mitgestaltet und mitarbeitet. Heimat bedeutet für mich Geborgenheit. Aus diesen Antworten ergibt sich folgende Zusammenfassung: Gutes Leben in vertrauter, geborgener Umgebung, in der man integriert und akzeptiert ist und eine aktive Rolle übernehmen darf, das ist das Kennzeichen von Heimat. Heimat ist also "weniger ein Ort als etwas, das sich im Kopf abspielt." Heimat als Ort der Geborgenheit "Heimat, das ist für mich nicht allein der Ort, an dem die Toten liegen; es ist der Winkel vielfältiger Geborgenheit, es ist der Platz, an dem man aufgehoben ist, in der Sprache, im Gefühl, ja, selbst im Schweigen aufgehoben, und es ist der Flecken, an dem man wieder erkannt wird; und das möchte doch wohl jeder eines Tages: wieder erkannt, und das heisst: aufgenommen werden." (Siegfried Lenz, Heimatmuseum) Heimat ist, wo ich mich zu Hause fühle „Ich bin hier geboren. Ich bin hier aufgewachsen. Ich verstehe die Sprache dieser Gegend. Ich weiss, was ein Männerchor ist, was eine Dorfmusik ist, ein Familienabend einer Partei. Nur hier kann ich mit Sicherheit Schüchterne von Weltgewandten unterscheiden. Ich fühle mich hier zu Hause. Auch mir fällt es schwer, mir vorzustellen, dass sich jemand so zu Hause fühlen kann, wie ein Schweizer in der Schweiz. Ich leide unter Heimweh; aber es ist bestimmt nicht Heimweh nach der Schweiz, nur Heimweh nach dem Bekannten. Die Schweiz ist mir bekannt. Das macht sie mir angenehm. Hier kenne ich die Organisation. Ich fühle mich hier sicher, weil ich einordnen kann, was hier geschieht. Hier kann ich unterscheiden zwischen der 46 NDS Philosophie + Management Regel und dem Ausserordentlichen. Sehr wahrscheinlich bedeutet das Heimat. Dass ich sie liebe, überrascht mich nicht.“ (Peter Bichsel, Des Schweizers Schweiz) Heimat als Territorium In dieser Definition findet sich Heimat als Wohnung, Wohnraum oder Landschaft (geographisch), als Ort, an dem man heimisch ist, gerne lebt und mit dem man sich verbunden fühlt, als Ort, an dem man sich mit "seiner Lebensweise und Weltanschauung" wieder findet. Heimat als Marke In einer Zeit, da Ortsnamen als Markenzeichen geschützt und vermarktet werden (St. Moritz, Luzern) ist Heimat nicht nur Ort, sondern hat auch ein wirtschaftliches Potential. Bastian bezieht sich auf Vilfredo Pareto und Heiner Treinen, die meinen, nicht die Örtlichkeit, sondern deren Name löse die Gefühlszusammenhänge aus („Identifizierung mit einen Ortsnamen“). In diesem Zusammenhang sei auf die Rolle der Wappen als Markenzeichen der Heimat hingewiesen. Heimat als Ort der Orientierung Die Heimat bildet für die persönliche Orientierung einen Raum, in dem man sich an der Normalität, an den Werten, die in dieser Gesellschaft gelten sollen, ausrichten kann. Identität als Selbstdefinition ist Basis für ein soziales Leben in Normalität. Taylor beschreibt dies folgendermassen: „Ohne eine feste Identität steht man am Rande einer Krise - ist nicht nur sehr unglücklich, sondern faktisch ausserstande, sich normal zu verhalten.“ Hat eine Heimat Grenzen und wo liegen diese? Eine Heimat ist Refugium, hat dadurch aber auch die Funktion der Abgrenzung, Abschirmung gegen Fremdes, Unerwünschtes. Gemäss Waldenfels lässt die „Beziehung zur Heimat eine Skala von Affekten zu“ (Liebesheimat, Vernunftheimat, Dissonanz der Hassliebe). Als Kennzeichen von Heimat erwähnt er auch die „Abgrenzung 47 NDS Philosophie + Management und Abschirmung gegen Fremdes“. Die geographische Ausdehnung der Heimat ist individuell. Eine Fusion zwischen Emmen und Luzern wird diese Heimatgrenzen kaum beeinflussen. Für den einen bleiben die Grenzen der Heimat der eigene Gartenzaun, für den andern sind die Grenzen bereits weit ausserhalb der Schweiz. An Blochs Satz: "Heimat: das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war" fügt Waldenfels den Nachsatz „wo auch niemand sein wird; denn eine heimische Welt, die alle Fremdheit abstreifen würde, wäre keine Lebenswelt mehr, sondern ein Mausoleum.“ Der Lebensort ist folglich „wandelbar in den Grenzen, in denen ich selber es bin. Es gibt eine zweite oder dritte Heimat, schon der Heimkehrer aus der Fremde findet nicht dieselbe Heimat vor, die er verlassen hat.“ Heimat ist nicht statisch, Heimat wird laufend in einem Prozess erzeugt und verändert. Folgerungen Der Mensch hat ein Bedürfnis nach Verortung am Platz. Dem heutigen mobilen Menschen ist der Heimatbegriff etwas weggerückt, weniger präsent. Trotzdem ist gerade wegen der Mobilität ein Grundbedürfnis nach einem Refugium vorhanden. Heimat ist ein Urbedürfnis. „Man wählt sich die Heimat nicht aus. Heimat entstammt einem Prozess der Zu- und Aneignung, einem Heimischwerden.“ Heimat macht man selbst. „Heimat ist nicht durch Behaglichkeit definiert. Wer Heimat sagt, nimmt mehr auf sich.“ Um einen Heimatprozess zu stimulieren braucht es den Einbezug und das Engagement möglichst vieler Bewohner. 48 NDS Philosophie + Management Der Prozess der Schaffung resp. Erhaltung einer Heimat wird erleichtert durch die allmähliche Vermischung der Bewohner im definierten neuen Raum. Heimat braucht Symbole. Heimat braucht Stätten der Kultur, möglichst verteilt auf die Gemeinde, also auch eine Kulturstätte auf hohem Niveau in Emmen (z. B. für die Jugend). Als gutes Beispiel seien Paris oder London erwähnt, wo die Kulturorte über die Stadt verteilt sind. Wenn Heimat wandelbar ist, so ist Heimat auch machbar. Heimat ist förderbar durch raum-planerische und architektonische Eingriffe. Handlungsempfehlung Die folgenden Handlungsempfehlungen basieren auf der Annahme, dass Modell 2 von den folgenden zwei Grundmodellen angestrebt werden sollte: Modell 1: Die Fusion basiert hauptsächlich auf wirtschaftlichen und regionalpolitischen Überlegungen Da gesellschaftspolitische Themen bei diesem Modell zu Gunsten der sachpolitischen Themen ausgelassen werden, ergibt dies ein Potential für die Fusionsgegner. Kritische Stimmen werden Themen wie Verlust des Heimat- und Zusammengehörigkeitsgefühls, Verarmung des Quartierlebens, Verlust der Nachbarschaftssolidarität und der kulturellen Identität besetzen. Bei diesem Modell wird der Zusammenlegungs- und Identifikationsprozessprozess länger dauern. Es ist eher eine Assimilation als eine Integration. Die Gefahr besteht, dass integrationsfördernde Investitionen an der Urne wegen Ressentiments abgelehnt werden. Dadurch fehlen möglichst gut verteilte Stätten der Kultur und des Sports sowie fördernde Symbole. Das städtebauliche Bild wird kaum positiv gefördert. 49 NDS Philosophie + Management Modell 2: Die Fusion berücksichtigt verstärkt weiche Faktoren wie Heimat, Identität und Normalität Durch die frühzeitige Besetzung dieser Themen durch die Fusionsbefürworter werden die positiven Argumente einer Fusion gestärkt. Der möglichen Angst vor Veränderungen und Identitätsverlust kann aktiv begegnet werden. Bei diesem Modell wird der Zusammenlegungsprozess beschleunigt. Die Bürger interessieren sich für den Fusionsprozess. Die Stimmbeteiligung und das Engagement der Bürger nimmt zu. Die Vermischung der Bewohner geht rasch vor sich, das Vereinsleben wird belebt, öffentliche Investitionen werden an der Urne mit einem gewissen Pioniergeist und im Hinblick auf eine Erfolgsgeschichte befürwortet. Dadurch entstehen gut verteilte Stätten der Kultur und des Sports. Emmen wird für die ehemalige Bewohnerschaft von Luzern zu einem wichtigen Treffpunkt. Der Identifikationsprozess wird durch fördernde Symbole und städtebauliche Massnahmen gefördert. Es entsteht eine moderne, soziale, weltoffene, gegenüber Neuem aufgeschlossene Stadt mit wirtschaftlichem Aufschwung. Andere Gemeinden folgen. Die Integration ist nachhaltig, und die Bevölkerung ist in allen Gemeindegebieten heimisch, kann sich identifizieren. Es herrscht wieder eine neue Normalität. Umsetzungsempfehlung für Modell 2: Die Fusionberücksichtigt verstärkt weiche Faktoren wie Heimat, Identität und Normalität Keine Fokussierung auf Wirtschaftlichkeit Ein politisches System kann niemals nur eine Zielgrösse (z.B. Wirtschaftlichkeit) verfolgen. Berücksichtigt gehören auch Fragen der Identifikation, der Machbarkeit und der Überschaubarkeit für die Bürger. Langfristig stabilisieren sich Gesellschaften nur, wenn sie sich über Sozialisation Strukturen und Wertvorstellungen aufbauen und kollektiv aneignen. 50 NDS Philosophie + Management Themen wie Heimat, Normalität und Identität frühzeitig besetzen Während die Globalisierung zunimmt, suchen die Menschen vermehrt Halt bei einheimischen Marken. Schweizer Kreuz und "Ethno-Look" (Handtaschen und Jacken aus Militärwolldecken usw.) produzieren einen Heimateffekt. Der Begriff Heimat kann als Hilfsmittel zur Identifikationsstiftung dienen. Bei vielen Bürgern ist der Begriff Heimat ein unerlässliches Gegengewicht zur Globalisierung. Einbindung angesehener, gezielt ausgewählter Bürger als Promotoren Das Verhalten der Menschen ist, so Bastian, "in allen Bereichen von Wertvorstellungen bestimmt, auf die der Mensch sehr früh prägungsartig fixiert wird und die er mit hohen Emotionen verteidigt". Somit ist eine Fusion, die allenfalls noch nicht reif ist, mit viel Überzeugungsarbeit verbunden. Bei jeder Reform braucht es ein starkes Promotorengespann, das sich in der Diskussion mit den Bürgern sowohl der harten Fakten der Ökonomie und Politik wie der weichen Faktoren der Identifikation bewusst ist. Hier ist die Aussage von Rudolf Boehm im Vorwort zu Merleau-Pontys Buch "Phänomenologie der Wahrnehmung" zu bedenken: „Ein jeder Gesichtspunkt schränkt die Sicht ein". Heimat fördern durch raumplanerische und architektonische Massnahmen Waldenfels weist auf den möglichen Einfluss der Architektur hin: „Indem die Architektur Wohn- und Schlafräume schafft, prägt sie das Leben und Verhalten der Bewohner mit bis in ihre körperlichen Bewegungen und Posituren hinein. Eine Freitreppe geht man anders hinauf als eine Wendeltreppe“. Er schlägt u. a. das Schaffen von Zwischenräumen durch Vernetzungen und Verflechtungen von Räumen und Plätzen und das Gestalten von Strassen und Plätzen als Orten des Verweilens vor. 51 NDS Philosophie + Management Denn „Heimat ist nicht nur dort, wo man herkommt und wohin man immer wieder zurückkehrt, sondern auch dort, wo man sich bewegt und umtut.“ Bedürfnis nach Verortung am Platz befriedigen "Die Herstellung einer starken gemeinsamen Identität" verlangt, so Charles Taylor, einen "höheren Grad an Engagement und Partizipation". Dieses Engagement kann gefördert werden durch den Einbezug möglichst vieler Bewohner, durch Förderung der regionalen Vereins- und Kennenlernaktivitäten sowie gemeinsamer Anlässe und sozialer Aktivitäten. Die Herausgabe einer speziellen Zeitung (Inhalt: Portraits und Berichte aus beiden Gemeinden, Abbau von Vorurteilen, Förderung der Toleranz gegenüber anderen Verhaltensweisen oder Wertebildern) kann das Engagement ebenfalls aktivieren. Das gemeinsame Erarbeiten eines Leitbildes und von Verhaltensnormen (gelebte Werte) verhilft ebenfalls zu einer rascheren und bewussteren Identifikation mit der neuen Gemeinschaft. Schaffung von neuen Begegnungsorten Ein wichtiges Element zur Unterstützung eines Fusionsprozesses ist die Schaffung von neuen überkommunalen Begegnungsstätten der Kultur und des Sports mit Symbolcharakter (Beispiel Berlin). Seetalplatz, Kasernenplatz, Baselstrasse, neue Stadien, Freizeitund Sportanlagen sind bewusst unter diesem Aspekt in ein Fusionskonzept miteinzubeziehen. Erzählen einer gemeinsamen Geschichte Eine Fusion ist dann erfolgreich, wenn die Beteiligten neben einer neu konstruierten Heimat, neben einer neu gefundenen Normalität eine gemeinsame Geschichte, Biographie erzählen. Eine gemeinsame Geschichte von EmmerInnen und LuzernerInnen. Identität als eine veränderbare Selbstgeschichte des Lebens. Charles Gyger 52 NDS Philosophie + Management 6 Kapitel Öffentlichkeit Otmar Wüest Im heutigen Spannungsfeld der Globalisierung wird die Aufgabenbewältigung für alle zunehmend komplexer. Diese Komplexität ist insbesondere auch bei den Gemeinden einer der Hauptgründe, der zur Prüfung einer Fusion veranlasst. Fusionen von Gemeinden sind Prozesse, deren Ergebnisse vor der Öffentlichkeit bestehen müssen. These In der Überzeugung, dass die Öffentlichkeit den zentralen Punkt einer demokratischen Gesellschaft darstellt, spielt diese Öffentlichkeit auch in einem Fusionsprozess die entscheidende Rolle. Aus dieser Überzeugung gelange ich zur These, dass eine Gemeindefusion weder in der Verwaltung noch im Gemeinderat, auch nicht in den Parteien, sondern im Netzwerk der Öffentlichkeit entschieden wird, und dass der Prozess einer Fusion um so zielgerichteter verläuft, je offener, transparenter und vernetzter die Werkstatt Öffentlichkeit funktioniert. Geschichte und Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft in Raum und Zeit Der Mensch beansprucht Öffentlichkeit. Er sucht und beansprucht kontinuierlich neue „Frei-Räume“: Mobilität, Verkehr, Reisen und vieles mehr. Gleichzeitig muss er dauernd neue Grenzen finden, um sich in diesen geöffneten, neuen "Frei-Räumen" wieder räumlich 53 NDS Philosophie + Management orientieren zu können. Der Umgang mit dieser Polarität zwischen Grenzen und Offenheit ist ein Kernpunkt in Fusionsprozessen, insbesondere bei öffentlichen Körperschaften. Die Freiheit zur Öffnung der Gesellschaft muss sich von innen her, aus der Öffentlichkeit entwickeln. Diese Freiheit zur Öffnung ist Ausdruck einer integrierten Ordnung, einer inneren Sicherheit. Wo zwischen Innen und Aussen Widerspruch herrscht, wird diese Freiheit nach Frank L. Wright nicht möglich. Privatheit und Öffentlichkeit konkretisieren sich im gebauten Aussenraum. Die Zugänge zur Öffentlichkeit sind die Wohnumfelder. Hier sind die wesentlichen Übergangsbereiche von der innenräumlichen Orientierung (dem Wohnraum) zur aussenräumlichen Partizipation (dem Umfeld) von Mensch und Gesellschaft. Wohnumfeld und Innenräume einer Stadt sind nach Bahrdt die primären Zugänge zur Öffentlichkeit als Plattform der Kommunikation und des politischen Engagements. Nicht die Gemeinde an sich, sondern Raumgestaltung und Raumbelebung schaffen Identität oder Entfremdung. Öffentlichkeit im Allgemeinen Der öffentliche Raum ist das Feld für die Gesellschaft, das Forum für die Demokratie. Eine Demokratie lebt von der Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit. Sie lebt von einer aktiven Öffentlichkeit. Repräsentanten dieser Öffentlichkeit sind die Bürgerinnen und Bürger, nicht die Exekutivmitglieder der Gemeinden. Die Sicherstellung des freien Raumes für das Funktionieren dieser Öffentlichkeit ist eine vordringliche Aufgabe der Gemeinden und deren Repräsentativorgane. Prozesse in der Öffentlichkeit unterliegen vielen unberechenbaren Parametern. Öffentlichkeit ist nicht wirklich und direkt steuerbar. Öffentlichkeit ist aber "mitzugestalten" über Information, Bildung, Aufklärung und Verlässlichkeit. Öffentlichkeit ist ein Raum von zentraler Bedeutung, den es zu pflegen gilt. 54 NDS Philosophie + Management Öffentlichkeit als virtuelle Persönlichkeit, als Raum und als Medium Öffentlichkeit Die Öffentlichkeit ist – so beschreibt sie etwa der Philosoph Charles Taylor - eine Art virtuelle Persönlichkeit, ein Subjekt. Die Öffentlichkeit hat kontroverse und viele Meinungen. "Etwas" oder "man" wird von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die Öffentlichkeit appelliert an die Macht im gesellschaftlichen Alltag. Sie appelliert an die Politik, an die Regierung, während letztere umgekehrt an die Öffentlichkeit appellieren. Öffentlichkeit ist somit zum einen Produzent der öffentlichen Meinung, zum andern passiver Adressat von Veröffentlichungen. Die Öffentlichkeit ist ein gemeinsamer Raum, in dem die Mitglieder der Gesellschaft unmittelbar oder durch Medien wie Presse und Fernsehen zusammenkommen, um Themen zu erörtern und um Meinungen zu bilden. Öffentlichkeit kann als Sphäre der Gesellschaft, in der sich die Willensbildung der Staatsbürger vollzieht, bezeichnet werden. Öffentlichkeit ist so gesehen ein realer Raum, der öffentlich, d.h. im Grundsatz für alle zugänglich ist, in dem sich Menschen begegnen und austauschen. Daneben beinhaltet Öffentlichkeit virtuelle Räume, in denen alles, was hier stattfindet, mittelbar über öffentliche Medien für alle zugänglich und diskutierbar ist. Öffentlichkeit steht hier für Begegnung, Austausch und Kommunikation. Öffentlichkeit ist Raum und Medium zugleich. Öffentlichkeit und Gesellschaft Nicht alles kann in diesem öffentlichen Raum bis zur so genannten Wahrheitsfindung, bis zur "Reife" dialektisch ausdiskutiert werden, bevor Entscheidungen fallen. Gut oder schlecht, wahr oder unwahr lässt sich oft erst nach den Entscheidungen, nach deren Umsetzung mit deren Auswirkungen feststellen oder beurteilen. Was für die Gesellschaft richtig, kann für das Individuum falsch sein, was morgen gut, kann heute schlecht sein oder umgekehrt. 55 NDS Philosophie + Management So gesehen ist die Öffentlichkeit theoretisch ein neutraler, «ausserpolitischer» Raum. In Wirklichkeit aber verleiht gerade diese offene und theoretisch neutrale, ausserpolitische Stellung der Öffentlichkeit eine besondere politische Macht, eine Art vierte Dimension, deren Wirkung schwer zu kontrollieren und zu steuern ist. Gleichzeitig ist Öffentlichkeit für die Selbstdarstellung aller Gesellschaften sehr wichtig. Sie wird inszeniert oder manipuliert. Nicht nur der Allgemeinheit Verpflichtete, Gutgesinnte, Wahrheitsliebende, Wissende, Erkennende, Helfende usw. bedienen den öffentlichen Raum. Der öffentliche Raum wird nicht einfach nach öffentlichen Interessen bedient, sondern sehr oft nach persönlich-individuellen Interessen. Aus der Sicht einer freiheitlich, demokratisch und föderalistisch strukturierten Gesellschaft besteht das öffentliche Interesse primär darin, den öffentlichen Raum bestmöglich als freien, offenen, fairen und ehrlichen oder eben als ausserpolitisch neutralen Raum für die Meinungsbildung zu pflegen. Öffentlichkeit und Fusion In dieser Vielheit spielt die Öffentlichkeit im Prozess der Fusion von Gemeinden eine Hauptrolle. Einerseits ist sie nicht "Teil der Fusion bzw. Fusions-Teil", denn Öffentlichkeit kann nicht fusioniert werden. Unabhängig einer Fusion lebt oder besteht die Öffentlichkeit in ihrer Vielfalt und Vielheit. Andererseits ist sie in diesem Prozess die Drehscheibe. Denn in der Öffentlichkeit entscheidet sich die Fusion, zumindest wird sie hier vorbereitet. In ihr erfolgt der Austausch, sie bietet das Forum oder die Plattform. Die Öffentlichkeit ist das Herzstück einer freien und sozialen Gesellschaft. In ihr lässt sich messen, ob hier und jetzt, frei und offen und in aller Transparenz alles über die Fusion ausgetauscht wird. Hier kommt die Taktik aller Individuen und Gruppierungen zum Tragen. Hier stellt sich die Frage nach der Kooperation unter den Individuen, nach dem Netzwerk unter den Individuen, nach der direkten Beteiligung der Einzelnen, der Bürgerinnen und Bürger. 56 NDS Philosophie + Management Es ist nicht Aufgabe der Gemeinde-Exekutive, der Repräsentativorgane der Gemeinde, über die Fusion zu entscheiden bzw. die Entscheidung durch Deklarationen vorwegzunehmen. Die Gemeinde-Exekutive hat Kenntnisse und Fakten zu sammeln, zusammenzustellen und mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Die Öffentlichkeit ist weder Arbeitnehmerrat noch Belegschaft der Exekutive. Die Öffentlichkeit ist Inhaber der Rechte. Es geht nicht um die Interessen der Exekutive. Es geht aber darum, alles zu tun, dass die Öffentlichkeit bestmöglich, offen und sachlich informiert wird, dass in der Öffentlichkeit das Interesse für die Thematik geweckt wird, dass die Öffentlichkeit als Forum funktionieren und in Kenntnis der Fakten als Summe der Individuen entscheiden kann. Ziel-Idee: Werkstatt Öffentlichkeit Zentrales Element eines gut funktionierenden Gemeinwesens ist die Vernetzung der Individuen in der Öffentlichkeit. Eine vernetzte Stadt ist ein funktionierendes Netzwerk, eine Werkstatt. Diese baut nicht auf Stadtgrenzen, sondern auf Regeln der Öffentlichkeit. Sie bleibt offen und lebt von einer Vielzahl von kleineren und grösseren Netzwerken. In der Werkstatt Öffentlichkeit wird das Netzwerk gepflegt. Das Ziel ist nicht Manipulation. Das Ziel ist Information und Austausch, Motivation und Synergienutzung. Öffentlichkeit und Netzwerk Mit der Entwicklung der Gesellschaft im neuen Kommunikations- und Globalisierungszeitalter haben sich die Ab- oder Ausgrenzungen jeglicher Art verändert, sowohl im privaten wie im öffentlichen Bereich. Bisherige Grenzen haben nicht mehr dieselbe Rolle und Bedeutung oder dieselbe Kraft: Das Individuum ist nicht mehr in gleichem Masse auf Sippe oder Familie, auf die eine Religion, die eine Partei, den einen Club, seinen Wohnort, seine Gemeinde oder seinen Staat ausgerichtet und fixiert. Das Festhalten an überholten Systemen oder das Fortschreiben von 57 NDS Philosophie + Management aufgelösten Grenzen täuscht oft viel mehr Sicherheit vor, als dass diese Grenzen und Systeme tatsächlich noch Sicherheit oder Orientierung bieten können. Diese Selbsttäuschung ist gefährlich. Sie unterdrückt eine bewusste Neuorientierung. Wir lassen uns stattdessen durch die laufenden Entwicklungen treiben. Wir tanzen auf Messers Schneide. Wir haben Teil am Fortschritt, bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt. Gleichzeitig neigen wir zur Bewahrung hinfällig gewordener Grenzen oder Formen. Wir stehen in der Mitte auf einem Bruch und sind mit der Ungewissheit dieser gebrochenen Mitte konfrontiert. Öffentlichkeit funktioniert als Netzwerk über Bewegung und Dynamik, über Offenheit und Durchlässigkeit. Die Globale Entwicklung macht deutlicher denn je, dass "Netzwerken" auf allen Ebenen, lokal bis international, horizontal wie vertikal und gegenseitig notwendig ist. Dieses "Netzwerken" ist komplexer denn je. Um das lokale Netz angedockt zu halten, braucht es angepasste Systeme oder Systemformen. Es braucht angepasste Bezugssysteme für den Ausblick wie für den Einblick, in denen Netzwerke nach allen Seiten und auf allen Ebenen Verbindungen aufnehmen und wirken können. Netzwerk Stadt «Interaction not place, that is the essence of the city and city life», so drücken es Franz Oswald und Peter Baccini aus. Der Fokus einer Stadt liegt bei der Interaktion, beim Netzwerk. Oswald und Baccini umschreiben in ihrem Werk "Netzstadt" die Urbanität wie folgt: «Das urbane Leben schafft eine Kultur, die von Unterschieden ausgeht und die auch von der Fähigkeit der Stadtmenschen genährt wird, mit Widersprüchen, Ungleichheiten und Konflikten meist friedfertig umzugehen». Vier Schweizer Architekten und ein Geograph (Herzog, Meili, Diener, de Meuron und Schmid) halten in ihren Visionen zur Schweiz fest: «Die Schweiz soll sich nach dem Prinzip der Differenzierung entwickeln. … Möglichst vielfältig (heterotop) soll das Leben in der Stadt sein, ein Platz für unterschiedliche Lebensentwürfe. 58 NDS Philosophie + Management Und zwischen den verschiedenen Lebensformen soll produktive Spannung entstehen, Diskussion, Auseinandersetzung, Anziehung». Viele Gemeinden haben letztlich ähnliche Ziele betreffend Attraktivität, Finanzen, Wirtschaft, Entwicklung usw. Auf kleinem Raum werden dieselben oder ähnlichen Visionen verfolgt. Alle wollen letztlich das Gleiche und alle halten gleichzeitig ihre Eigenständigkeit für sehr wichtig. Daraus könnte einerseits anspornende und belebende Konkurrenz entstehen. Andererseits muss aber festgestellt werden, dass die Konkurrenz der heutigen Gemeindeautonomie mit ihren kleinräumigen Grenzen die Möglichkeiten zur Nutzung der Vielheit und der Differenziertheit zu sehr einschränkt. Das Netzwerk, die Werkstatt kommt nicht zur Entfaltung. Werkstatt Öffentlichkeit mit rhizomartigem Netzwerk Weder Zahlen wie Dichte und Grösse noch die Geschichte machen die Qualität einer Stadt und Gemeinschaft von heute aus. Entscheidend ist das Leben selbst, die Lebendigkeit, die Vielfältigkeit und die Offenheit. Der öffentliche Raum, die Öffentlichkeit ist Spiegel und Spielfeld von Lebendigkeit und Vielfalt, von Ruhe und Ordnung zugleich. Nicht die Lage des öffentlichen Raumes an sich, sondern die Vernetzung, die Transparenz, die Offenheit, die Möglichkeiten, die Begegnungen sind massgebend für Attraktivität und Wirtschaftlichkeit, für Sicherheits- und Identitäts-Empfinden. «Identität ist nicht der Grund, warum etwas existiert, sondern etwas ist nur, indem es von etwas anderem sich unterscheidet, das heisst, indem es different ist». Die Werkstatt Öffentlichkeit ist Teil des Systems Gemeinwesen. Die Systemgrenze ist dort zu finden, wo sich dieses System gegenüber der Umwelt abgrenzt und unterscheidet. Unterschiede sind nach Gregory Bateson «nicht in der Zeit oder im Raum lokalisiert», sondern in der Beziehung. Gemeinden und Städte, die im Grunde das Gleiche wollen, das Gleiche machen und den gleichen Idealen nachleben, grenzen sich von diesem System nicht mehr ab und werden Teil dieses Systems. Urbanisierung ist daher eine Frage der Systementwicklung. Eine Entwicklung, die real abläuft, sich wie 59 NDS Philosophie + Management ein Pilzgeflecht (Rhizom) über historische, emotionale oder politische Grenzen hinweg ausbreitet. Eine Entwicklung, die sich über territoriale Grenzen hinwegsetzt, über Grenzen, welche je länger je künstlicher erscheinen und reale Abläufe zwar nicht verhindern aber verkomplizieren. Erkenntnisse und Folgerungen Mit der Veränderung der Gesellschaft in Raum und Zeit, die sich im Globalisierungsprozess eindrücklich manifestiert, werden unsere Gemeindestrukturen und unser Föderalismus gefordert. Aus der Sichtweise von Philosophie und Management gelange ich in meinen vorangegangen Ausführungen zur Überzeugung, dass Öffentlichkeit und Netzwerk Schlüsselthemen zur Bewältigung dieser Herausforderung darstellen: Die globale, gesellschaftliche Veränderung in Raum und Zeit zieht Anpassungen bei unseren föderativen Gemeindestrukturen nach sich, welche prozessorientiert in der Werkstatt Öffentlichkeit angedacht, entwickelt und schliesslich netzwerkartig aufgebaut werden können. Veränderung in Raum und Zeit Realität ist die Veränderung. Eine wesentliche Aufgabe der Verantwortlichen heisst Aufklärung über die Wirklichkeit und Schaffung von Verlässlichkeit. Verlässlichkeit gegenüber der Öffentlichkeit erfordert bestmögliche Transparenz betreffend Eigen- und Individualinteressen. Gemeindestruktur und Föderalismus Kompetenz und Zuständigkeit Die Zuständigkeit, die Fusionsfrage in einer Gemeinde zu beantworten, liegt letztlich allein bei der Bevölkerung. Der Gemeinde- oder Stadtrat ist dafür zuständig, die Diskussion über die Fragestellung der Fusion sachlich, unabhängig (interessenund parteineutral), transparent und kompetent in der Öffentlichkeit 60 NDS Philosophie + Management zu gestalten. Die Öffentlichkeit darf rasche Antworten zum Vorgehen und transparente Informationen zum Verlauf des Prozesses und der Abklärungen über die Sachinhalte erwarten. Vorweggenommene "Quasi-Entscheide" über die Fusionsfrage dienen nur der Verwirrung statt der Versachlichung des Prozesses. Empfehlung: Fördern und stärken Sie als Gemeindebehörden die Kompetenz der Bevölkerung durch klare, transparente Informationen über Sachinhalte. Empfehlung: Lassen Sie emotionale Empfindungen als solche erkennen oder spüren und von den Sachinformationen wahrnehmbar unterscheiden. Voraussetzung für einen positiven Prozessverlauf ist vor allem eine uneingeschränkt offene Haltung der Gemeindeleitung (Exekutive) diesem Prozess gegenüber. Die Plattform zur Diskussion der Sachinhalte ist die Öffentlichkeit, der öffentliche Raum – offen für alle. Die Zuständigkeit über den Entscheid liegt bei der Öffentlichkeit und die Wahl liegt beim Individuum mit seinen demokratischen Möglichkeiten. Empfehlung: Mit einer glaubwürdigen Offenheit stärken Sie das Vertrauen der Bevölkerung an eine funktionierende Öffentlichkeit. Fusion oder Kooperation? Fusionen beseitigen Systemgrenzen, um Vereinfachungen im Zusammenspiel mit dem Umfeld zu ermöglichen und um dadurch das Entwicklungspotential zu erhöhen. Kooperationen unter Gemeinden dagegen bedingen zusätzliche Systemebenen, schaffen zusätzliche Entscheidungswege, binden zusätzliche Kräfte und schwächen nicht zuletzt das föderalistische Fundament der Gemeinde. Ohne Umbau von der Kleinräumigkeit mit wachsender Abhängigkeit zu einer grossräumigeren Eigenständigkeit dürfte 61 NDS Philosophie + Management der Föderalismus zunehmend geschwächt werden. Wir haben unsere Lebenskultur massiv umgebaut, ohne das strukturelle Fundament oder den strukturellen Systembau des Föderalismus anzupassen. Entscheidend ist, nicht in Respekt vor Grossem zu verharren, sondern Grossräumigkeit in unseren Köpfen zuzulassen. Empfehlung: Versuchen Sie Eigenständigkeit nicht nach der Grösse (räumlich, statistisch), sondern nach dem Potential einzuschätzen, um einem Fusionsprozess eine offene Ausrichtung zu ermöglichen. Ziel-Idee: Werkstatt Öffentlichkeit Öffentlichkeit Die Öffentlichkeit ist der freie Raum der sozial-liberalen Gesellschaft, wo sich Freiheit und Demokratie entfalten. Sie ist die Drehscheibe, die im demokratischen Prozess eine zentrale Rolle spielt. Die Zuständigkeit liegt bei der Öffentlichkeit, die Wahl beim Individuum. Die Öffentlichkeit ist die Sphäre der Gesellschaft, in der sich die Willensbildung der Staatsbürger vollzieht.) Eine primäre Aufgabe besteht darin, diesen öffentlichen Raum bestmöglich als freien, offenen, fairen, ehrlichen und politisch neutralen Raum für die Meinungsbildung zu pflegen. Die Meinungsbildung über eine Fusion hat in einem öffentlichen Rahmen zu erfolgen, wo Verlässlichkeit auf Transparenz, Sachlichkeit und Offenheit von Seiten der Führung gegeben ist. Nicht die Vielheit schafft Verwirrung, sondern die fehlende Transparenz. Undurchschaubarkeit schürt Misstrauen. Die Vielheit ist die Würze der Öffentlichkeit, das Salz für Debatten und Engagement der Individuen in der Öffentlichkeit. Empfehlung: Mit Aufklärung über Vielheiten und Differenzen fördern Sie eine Atmosphäre der Risikobereitschaft und Offenheit. 62 NDS Philosophie + Management Empfehlung: Mit konsequenter Transparenz erleichtern sie den Umgang mit den unabdingbaren Emotionen, welche bei Intransparenz vielmehr zu Unsicherheiten, Angst und Blockaden führen. Zentrales Element einer gut funktionierenden Öffentlichkeit ist die Vernetzung der Individuen. Zentrale Elemente einer gut funktionierenden Vernetzung sind Verbindlichkeit und Verlässlichkeit. Die Kunst bei der Netzwerkpflege liegt in der Balance zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Transparenz und Zurückhaltung. Die Öffentlichkeit definiert für sich, für ihr "Funktionieren", Spielregeln. Die Qualität der Werkstatt Netzwerk, bzw. der Werkstatt Öffentlichkeit, hängt wesentlich davon ab, dass auf die Einhaltung dieser Spielregeln Verlass ist. Empfehlung: Fördern Sie den Austausch zwischen Gemeinden und Kulturen wie zwischen den Individuen, damit der Umgang mit Differenzen zur Normalität und nicht der Rückzug in Abgrenzung zur Gewohnheit wird. Empfehlung: Nicht Menge oder Raffiniertheit der Spielregeln sind für die Qualität eines Fusionsprozesses entscheidend, sondern deren Verbindlichkeit. Schluss Die Veränderungen von Umwelt und Gesellschaft sind national wie international in Tempo und Ausmass gross. Während Distanzen und Zeiträume immer überblickbarer werden, scheinen Orientierungsund Integrationsfähigkeit zu schwinden und Angst- und Abwehrreaktionen zuzunehmen. Während das Bewusstsein für notwendige Strukturreformen als Antwort auf die laufenden Veränderungen steigt, manifestiert sich um so stärker der Hang nach Mustern und Traditionen, die Hinwendung zum Bekannten. In diesem Dilemma haben es bewusst angegangene Veränderungen im überblickbaren, kleinen Raum einer Gemeinde besonders schwierig. Zur 63 NDS Philosophie + Management Entkrampfung dieses Dilemmas sind neben der ökonomisch motivierten Reflexion immer drängender auch sozial und philosophisch motivierte Reflektionen gefordert. In der Kombination von Philosophie und Management bieten sich dazu geeignete Brücken. Otmar Wüest 64 NDS Philosophie + Management 7 Kapitel Ausblick Martin Brasser Was ist das Ergebnis der vorliegenden Überlegungen zum Thema „Fusion Emmen-Luzern“ unter den Gesichtspunkten Freiheit, Macht, Heimat und Öffentlichkeit? Alle vier Autoren sind der gemeinsamen Überzeugung, dass diese Fusion früher oder später kommen wird. Der Trend ist ganz klar. Die Frage an die politisch Gestaltenden ist: Wie lässt sich der Weg dorthin möglichst gut und effizient gestalten? Dazu sollen die hier dargelegten Überlegungen Hilfestellungen geben, a) durch die konkreten Tips und Empfehlungen, mehr noch aber b) durch die Diskussion der leitenden Grundfragen. Diese Grundfragen fordern als philosophische Grundbegriffe zum Denken und als soft factors zum praktischen politischen Handeln heraus. Die vier Autoren nutzen es aus, dass beides, das Denken und das Handeln, auf dieselben Grundprobleme zurückführen – zum Vorteil beider Seiten. 65 NDS Philosophie + Management 66 NDS Philosophie + Management Bibliographie 8 Kapitel Die folgende Literaturliste ist nur ein Auszug aus der viel längeren Liste aller verwendeten Literatur. Es werden nur die wichtigsten Werke aufgeführt. Gemeindefusionen allgemein Machbarkeit und mögliche Auswirkungen eines Zusammenschlusses der Stadt Luzern und der Gemeinde Littau, in: KPM-Schriftenreihe: Schriftenreihe des Kompetenzzentrums für Public Management der Universität Bern, Band 3, Bern 2004 Ladner, Andreas et al.: Gemeindereformen zwischen Handlungsfähigkeit und Legitimation. Ein Forschungsprojekt des Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Zukunft Schweiz“, Bern 2000 (Kurzfassung unter http://socio.ch/gem/gemreformen.htm) Ladner, Andreas, Steiner, Reto: Gemeindereformen im Kanton Zürich. Ein Überblick und Vergleich. Arbeitsbericht Nr. 52 des Instituts für Organisation und Personal der Universität Bern, Bern 2001 Steiner, Reto: Interkommunale Zusammenarbeit und Gemeindezusammenschlüsse in der Schweiz: Erklärungsansätze, Umsetzungsmöglichkeiten und Erfolgsaussichten, Bern 2002 67 NDS Philosophie + Management Freiheit Ferber, Rafael: Willensfreiheit, in: Philosophische Grundbegriffe Band 2, München 2003, 156-196 Goffman, Erving: Wir alle spielen Theater, München, 4. Auflage 2006 Macht Machiavelli, Niccolo: Der Fürst. Frankfurt 1990 Schmitt, Carl: Gespräche über die Macht und den Zugang zum Machthaber: Gespräch über den Neuen Raum, Berlin 1994 Luhmann, Niklas: Macht. Stuttgart 3. Auflage 2003 Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht. Autorität – Gewalt – Herrschaft - Technik, Tübingen 1992, Nachdruck 2004 Zoche, Hermann Josef: Macht Erfolg Sinn. Eine neue Ethik für Unternehmer und Manager, Paderborn 1996 Heimat Waldenfels, Bernhard: Heimat in der Ferne. Worin noch niemand war, in: Führ, Eduard (Hg.), Heimat. Wiesbaden 1995 Waldenfels, Bernhard: Grenzen der Normalisierung. Studien zur Phänomenologie des Fremden Band 2, Frankfurt 1998 Pabis. Eszeter: Anmerkungen zur Theorie und Konstruktion nationaler und narrativer Identitäten, in: Trans Nr. 15, Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften (http://www.inst.at/15Nr/05_13) Rolf, Thomas: Normalität. Ein philosophischer Grundbegriff des 20. Jahrhunderts, München 1999 68 NDS Philosophie + Management Öffentlichkeit Taylor, Charles: Liberale Politik und Öffentlichkeit, in: ders., Wieviel Gemeinschaft braucht die Demokratie? Aufsätze zur politischen Philosophie, Frankfurt a.M. 2002, 93-139 Oswald, Franz, Baccini, Peter: Netzstadt. Einführung in das Stadtentwerfen, Basel 2003 Deleuze, Gilles, Guattari, Félix: Rhizom, Berlin 1977 69

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