Docstoc

f.a.q. müll-politik in tirol

Document Sample
f.a.q. müll-politik in tirol Powered By Docstoc
					FAQ Müllpolitik




         f.a.q. müll-politik in tirol

           ikb? ahrental? riederberg? heizwertreiche fraktion? mba?
                  amba? mva? pill? wirbelschichtverfahren?
                grüne antworten in sachen müll




Reader der Tiroler Grünen
                                                                      DIE GRÜNEN
                                                         FAQ Müllpolitik


     1.Müll in Tirol
     1.1 Wie viel Müll fällt pro Jahr in Tirol an?




     Insgesamt fallen ca. 185 000 Tonnen Müll an (Restmüll, betriebli-
     che Abfälle, Sperrmüll), deren unbehandelte Deponierung ab
     spätestens 1.1.2009 auch in Tirol gesetzlich nicht mehr erlaubt
     sein wird. Um diesen Anteil des Abfalls geht es in der Frage
     „Mülllösung für Tirol“.

     1.2 Welche Möglichkeiten der Verarbeitung bieten sich für
         diese Abfallarten?

     Der anfallende Müll lässt sich grob in 3 Abfallarten unterteilen:


                                                                         Seite 2
DIE GRÜNEN
FAQ Müllpolitik


     1) Hausmüll/Restmüll: Sollte idealer weise in einer mechanisch-
        biologischen Anlage sortiert werden. Dabei werden sowohl
        biologische Anteile (Verrottbares wie Papier oder Küchenab-
        fälle, Keramik, Wasser etc.) als auch Störstoffe wie zum
        Beispiel PVC und Metalle zur Wiederverwertung herausge-
        trennt. Übrig bleibt die so genannte „heizwertreiche Fraktion“,
        das sind in erster Linie vermischte Kunststoffe in lagerfähiger
        Form.
     2) Betriebliche Abfälle mit hausmüllähnlicher Zusammenset-
        zung: hier gilt aufgrund der Beschaffenheit dasselbe wie für
        den sonstigen Hausmüll.
     3) Sperrmüll: bedingt durch den geringen biologischen Anteil
        und den hohen Heizwert ist eine Vorbehandlung in einer
        mechanisch-biologischen Anlage wenig sinnvoll. Neben
        einem verbesserten Recycling wird hier die thermische
        Verwertung eingesetzt.

     1.3 Wer ist für das Thema Müll zuständig?
         Welche Kompetenzen haben die jeweiligen
         Zuständigen?

     An und für sich ist das Land (dzt. LR Hans Lindenberger) für die
     Behandlung des Mülls zuständig. Aufgrund eines Landtagsbe-
     schlusses von 2003 liegt die Kompetenz für den Löwenanteil des
     Tiroler Mülls (Innsbruck, Innsbruck Land und Schwaz) derzeit
     aber bei den jeweiligen Gemeindeverbänden.

Seite 3
                                                                DIE GRÜNEN
                                                      FAQ Müllpolitik


     1.4 Was ist die ATM? Was hat die IKB mit Müll zu tun?
     .
     ATM steht für „Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH“., die 1993 von
     den Abfallverbänden (104 Gemeinden) der Bezirke Innsbruck
     Land und Schwaz gegründet wurde. Aufgabe der ATM ist es, die
     Abfallentsorgung zu organisieren, sowie Umwelt- und Abfallbe-
     ratung anzubieten.
     .IKB steht für „Innsbrucker Kommunalbetriebe AG“, die unter

     anderem für die Abfallentsorgung der Landeshauptstadt Inns-
     bruck zuständig ist.
     .

     ATM und IKB sind zusammen verantwortlich für 116 000 Tonnen
     (2/3 des künftig zu behandelnden Mülls in Tirol). Im März 2003
     erhielten sie vom Landtag die Möglichkeit, die öffentlich-
     rechtliche Verantwortung für ihren Müll selbst zu übernehmen,.
     AAG steht für das von IKB und ATM gemeinsam gegründete
     Unternehmen „Abfallbehandlung Ahrental GmbH“. Die AAG
     reichte das Projekt einer mechanisch-biologischen Anlage im
     Ahrental (AMBA) ein. Diese Anlage wurde von LR Lindenberger
     als „nicht genehmigungsfähig“ bezeichnet, noch bevor alle
     Unterlagen am Tisch lagen. Die AMBA blieb im Genehmigungs-
     verfahren stecken.

     1.5 Wo wird momentan Müll deponiert?
     .
     Bis Ende 2008 wird noch in den Deponien Sölden, Roppen,
     Ahrental (Abschnitt III), Riederberg und Lavant unbehandelter
     Restmüll abgelagert.

                                                                  Seite 4
                                                                  seite 4
DIE GRÜNEN
FAQ Müllpolitik


     2. Technische Fragen

     2.1 Was sind Rostfeuerung und Wirbelschichtverfahren?

     Bei der Gesamtmüllverbrennungsanlage
     handelt es sich um eine Anlage mit Rostfeue-
     rung, in der der gesamte Restmüll ohne vorhe-
     rige Sortierung verbrannt wird. Diese Form der
     Verbrennung ist aufgrund der Müllzusammen-
     setzung risikoreicher und insgesamt nicht auf dem Stand der
     Zeit, da die entstehende Energie großteils ungenutzt bleibt.
     Vorbehandelter Restmüll (genau gesagt: die heizwertreiche
     Fraktion) entwickelt zu hohe Temperaturen, um in einer Rost-
     feuerung verbrannt zu werden.
     Die Verwertung des aussortierten, brennwertreichen Restmüll-
     anteils bedarf einer „Wirbelschichtfeuerung“ welche für höhere
     Verbrennungstemperaturen ausgelegt ist. Derartige Anlagen
     werden meistens einem direkten Energieabnehmer angeglie-
     dert, wie zum Beispiel in Lenzing für die Papierherstellung. Da
     die aussortierte heizwertreiche Fraktion im Gegensatz zum
     unsortierten Müll lagerfähig und weit transportfähiger ist, kann
     diese als Ersatzbrennstoff zu der Zeit und an dem Ort eingesetzt
     werden, wo sie definitiv gebraucht wird. Das ist mit ein Grund für
     die wesentlich höhere Energieausbeute.




Seite 5
                                                                DIE GRÜNEN
                                                        FAQ Müllpolitik


     2.2 Was ist eine MBA?
     .
     Eine Mechanisch Biologische Anlage ist die
     Variante, die eine möglichst gute Sortierung
     des Abfalls garantiert. Nach der Zerkleinerung
     der gelieferten Abfälle erfolgt die Trennung in
     die heizwertreiche Fraktion (siehe 1,2 und 2.4)
     und in die biologisch zu behandelnde Fraktion (ca. 40%). Letzte-
     re wird in einer Rotte unter künstlicher Belüftung hygienisiert und
     kann anschließend deponiert werden. Die dabei entstehende
     Abluft sollte thermisch gesäubert werden. Die heizwertreiche
     Fraktion steht damit wesentlich homogener für eine Energiege-
     winnung zur Verfügung

     2.3 Was ist die heizwertreiche Fraktion?
     .
     Als heizwertreiche Fraktion versteht man jenen Teil des Rest-
     mülls, der nach der Aussortierung von Störstoffen, Metallen,
     nicht oder nur schwer brennbaren biologischen Anteilen und
     Wasser übrig bleibt. Er hat einen durchschnittlichen Heizwert
     von 15.000 - 18.000 kJ/kg und eignet sich zur thermischen
     Verwertung in Hochtemperaturöfen wie Wirbelschichtanlagen.

     2.4 Worin besteht der Unterschied zwischen einer Mechani-
     schen Anlage und einer MBA?
     .
     Eine MA und eine MBA haben den ersten Schritt gemeinsam: die
     mechanische Sortierung in eine heizwertreiche und eine biolo-
     gisch
                                                                     Seite 6
                                                                     seite 6
DIE GRÜNEN
FAQ Müllpolitik


     gisch zu behandelnde Fraktion. Danach ist die Arbeit der MA
     aber auch schon wieder getan. Während in der MBA weitere
     Sortierungsschritte (siehe 2.3) folgen, werden aus einer MA die
     Abfälle in unterschiedliche Müllverbrennungsanlagen (Rost-
     feuerung bzw. Wirbelschicht) transportiert. Somit ist die MBA die
     wesentlich umweltfreundlichere Variante.


     3. Schwarz-Rote Müllpolitik

     3.1 Welche Rolle spielt die ÖVP?
     .
     Die ÖVP hat das Verschleppen einer Lösung der
     Müllfrage jahrelang geduldet. Vor allem die
     Gemeinden mit ihren Abfallverbänden hatten
     starkes Interesse daran, dass die vorhandenen
     Deponien so lange wie möglich mit unbehandeltem
     Müll gefüllt werden um sich schnellstmöglich zu
     amortisieren. Eine Aussortierung und Verbrennung der heizwert-
     reichen Fraktion führt zwangsläufig zu weniger Deponiematerial
     und damit zu finanziellen Einbußen der Deponiebetreiber.
     Tirol hat daher die Deponierung von unbehandeltem Restmüll
     nicht wie in anderen Bundesländern mit 1.1.2004 beendet,
     sondern diese mittels einer Ausnahmeregelung vom Bundes-
     recht um weitere fünf Jahre verlängert. Die damit einhergehende
     Kostenbelastung für die Bevölkerung (Erhöhung der Altlastensa-
     nierungsabgabe siehe 3.5) hat die ÖVP in Kauf genommen.



Seite 7
                                                               DIE GRÜNEN
                                                       FAQ Müllpolitik


     3.2 Welche Rolle spielt die SPÖ?
     .
     Nachdem die GRÜNE LRin Eva Lichtenberger
     den Weg für die Mechanisch Biologische Müllbe-
     handlung geebnet hatte, wurde ab 1999 unter SP-
     LRin Gangl die Gesamtrestmüllverbrennung
     forciert. Diese war aufgrund des Widerstandes
     der betroffenen Bevölkerung nicht umsetzbar und
     so erklärte sich LH-Stv. Gschwentner 2003 mit der von den
     Verbänden angestrebten Lösung einer MBA im Ahrental einver-
     standen. Ab der Amtsübernahme von LR Lindenberger im
     Jänner 2006 ging der Trend in der SPÖ trotzdem zur Gesamt-
     müllverbrennung. Mittlerweile bringt Lindenberger noch weitere
     Orte für eine MVA ins Spiel. Neben Kundl und Wörgl sind für die
     SPÖ derzeit Weer, Radfeld und Hall die 'heißest diskutierten'
     Standorte.

     3.3 Welche Kosten entstehen durch dieses Hin und Her in
         der Müllfrage?
     .
     In der Tiroler Abfallwirtschaft wurden durch das politische Fehl-
     handeln bzw. Nichthandeln über 100 Mio. € in den Sand gesetzt!
     Weil das Land Tirol nach wie vor die Deponierung von unbehan-
     delten Abfällen zulässt, muss die Bevölkerung erhöhte Altlasten-
     sanierungsbeiträge zahlen. Die Mehrkosten für die Jahre 2004
     bis 2008 belaufen sich laut einer Studie des Instituts für Umwelt-
     technik der Universität Innsbruck auf 56 Mio. €., das sind täglich
     über 30 000 Euro!

                                                                    Seite 8
                                                                    seite 8
DIE GRÜNEN
FAQ Müllpolitik


     Die bisherigen Planungskosten für die AMBA belaufen sich auf
     ca. 4 Mio. Euro und sind - nach heutigem Stand - in den Sand
     gesetzt worden. Dazu kommen die bisherigen Ausbaukosten für
     die AMBA, die nicht genau beziffert werden können.




     Die Deponie Pill wurde wasserrechtlich nie genehmigt und
     gefährdet das Grundwasser des Inns. Ein höchstgerichtliches
     Urteil verfügte die Entfernung der Altlast um 93 Mio. Euro, mittler-
     weile wurde aus der groß angelegten Entfernung eine Schmal-
     spursanierung. Mit den derzeit veranschlagten Kosten von 7,5
     Mio. Euro, von denen das Betreiberunternehmen gerade einmal
     1,16 Mio. bezahlen muss, wird die Nachsorge etliche weitere
     Millionen an öffentlichen Geldern verschlingen.
     Auch der Deponie Riederberg bei Wörgl wurde aufgrund einer
     Verordnung des Landeshauptmanns die Weiterdeponierung
     vom 1.1.2004 bis 1.1.2009 ermöglicht. Allerdings wäre der
     Betreiber gesetzlich dazu verpflichtet, für die Nachsorge eine
     Sicherheitsleistung beim Land zu hinterlegen - andernfalls dürfte
     laut Abfallwirtschaftsgesetz die Deponie nicht mehr betrieben
     werden. Diese geschätzten 20 Mio. Euro hat das Land nicht
     rechtzeitig eingefordert. Damit droht das Land um diesen Betrag
     umzufallen und es haftet schlussendlich wieder einmal die
     öffentliche Hand für die ordnungsgemäße Nachsorge mit Kosten
     von ca. 20 Mio. Euro.

Seite 9
                                                                 DIE GRÜNEN
                                                            FAQ Müllpolitik


     4. Grüne Müllpolitik

     4.1 Grundsätzliches:
     .

     Grundsatz einer nachhaltigen Müllpolitik ist
     „Vermeiden vor Verwerten vor Verbringen“.               LA Maria Scheiber

     Jede Abfallbehandlung muss sich einer Überprüfung stellen,
     inwieweit sie dieser, auch im Abfallwirtschaftsgesetz normierten
     der obersten Priorität „Abfallvermeidung“, entgegenkommt oder
     gar zuwiderläuft. Eine Gesamt-Restmüllverbrennungsanlage für
     Tirol ist dabei der schlechteste Weg, da diese – einmal errichtet –
     aus betriebswirtschaftlichen Gründen eine höchstmögliche
     Auslastung haben muss. Jede Müllvermeidung wäre in diesem
     System unerwünscht, teuer und somit über Jahrzehnte blockiert.

     4.2 Mechanisch Biologische Abfallbehandlung
     .

     Basis der GRÜNEN Mülllösung ist die Sortierung in
     einer Mechanisch Biologischen Abfallbehandlung.
     Der biologische Anteil sollte idealerweise in einem
     Vergärungsprozess weiterbehandelt werden, wobei
     das entstehende Gas energetisch genutzt werden
     soll.

     4.3 Von der heizwertreichen Fraktion zum Ersatzbrennstoff
     .

     Die dabei abgetrennt “heizwertreiche Fraktion“ kann und soll in
     weiteren Sortierungsschritten tiefer getrennt werden. Je höher
     stoffe
                                                                          Seite 10
                                                                           seite 10
DIE GRÜNEN
     und sortenreiner die Qualität der so getrennten Ersatzbrenn-
     stoffe (EBS) ist, umso billiger ist deren Verwertung. Tirol hat es
     also selbst in der Hand, den Abnahmepreis zu steuern. Mit einer
     hochwertigen Aufbereitung bleibt auch der Großteil der Wert-
     schöpfung im Lande. Experten gehen mitunter davon aus, dass
     sich in absehbarer Zeit ein regelrechter Markt bilden wird. Inwie-
     weit dann für hochwertige EBS sogar bezahlt werden wird, lässt
     sich heute seriöserweise noch nicht abschätzen.

     4.4 ...und die Müllverbrennungsanlage?
     .
     Bei der Frage der Verwertung der Ersatzbrennstoffe
     geht es weniger um den Ort der Verbrennung, als
     um die Art der Verbrennung.
     Die wichtigste Voraussetzung ist die Sicherheit der
     jeweils betroffenen Bevölkerung. Eine thermische
     Verwertung macht dann Sinn, wenn damit schmutzige Energie-
     träger wie Kohle und z. T. auch Erdöl ersetzt werden und sie
     gleichzeitig durch beste Filtertechnologien bzw. geeignete
     meteorologische Verhältnisse am Verbrennungsstandort eine
     Verbesserung erreicht werden kann und keinesfalls eine Ver-
     schlechterung für die AnrainerInnen mit sich bringt – egal ob im
     Inntal oder in Kassel. Der Ersatz von Gas als verhältnismäßig
     saubere Energie (wenn auch nicht CO2 neutral) – ist in der
     Schadstoffbilanz zuwenig. Europaweit werden Millionen von
     Tonnen an hoch belastender Kohle verbrannt – Tendenz stei-
     gend. Hier liegt das größte Potential für eine wirklich akzeptable
     Schadstoffbilanz.

Seite 11
                                                                DIE GRÜNEN
                                                   FAQ Müllpolitik


Bei betriebswirtschaftlicher Betrachtung wird sehr schnell klar:
für eine eigene Müllverbrennungsanlage in Tirol ist das eigene
Aufkommen an heizwertreicher Fraktion zu gering. Selbst unter
Einberechnung der Gewerbeabfälle kommen gerade einmal
rund 80- 90.000 t. zustande. Laut Expertenmeinungen ist eine
Anlage erst ab ca. 300.000 t Jahresumsatz optimal wirtschaft-
lich. Das bedeutet, entweder wird es zu einer unwirtschaftlichen
Anlage mit zu hohen Entsorgungspreisen für die TirolerInnen
kommen, oder aber zu einem regen Import von Müll führen.

4.5 Die fünf relevanten „Ws“

Wie sieht
? es am Standort mit der Gesundheitsbelastung der
Bevölkerung und mit Inversionswetterlagen aus?
Wie sieht
? die Ökobilanz bei allen Schadstoffen aus?
Welcher
?Brennstoff wird damit ersetzt?
Wird in der Anlage ausschließlich Heizwertreiches aus Tirol
?
verbrannt?
Wie schaut
? die Wirtschaftlichkeit der Anlage aus?


Die Beantwortung dieser fünf relevanten Fragen führt zum
eindeutigen Ergebnis:
Die Inntalfurche eignet sich nicht für die Verbrennung der
heizwertreichen Fraktion!


Tiroler Grüne, März 2007
Für den Inhalt verantwortlich: LA Maria Scheiber

Entwurf: Paul Aigner, Christine Lackinger
Layout: Andrea Bendl
Druck: Swerak Druck, Innsbruck
                                                         DIE GRÜNEN

				
DOCUMENT INFO
Shared By:
Categories:
Tags:
Stats:
views:9
posted:8/8/2011
language:German
pages:12