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Religion macht Sinn

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Religion macht Sinn Powered By Docstoc
					Zum schwierigen Verhältnis
zwischen Jugend und Kirche
Ursachen und Handlungsoptionen



                  Regina Polak
         Institut für Pastoraltheologie
                Universität Wien
Interviewer: „Bist Du religiös oder
  Atheist?“

Jugendlicher: „Gar nichts, ich bin
 normal!“
Familien, Freunde und Freizeit sind
     das Wichtigste im Leben
 Freunde und Bekannte: von 53%, denen
  dieser Bereich „sehr wichtig“ ist, auf 72%
  gestiegen seit 1990
 Familie: von 67% auf 69%
 Freizeit: von 59% auf 61%
 Arbeit: von 42% auf 46%
 Religion und Politik: 6%
 Bei den Erwachsenen: Familie 89% - Arbeit 66%
  - Freunde 44% - Freizeit 39% - Religion 20% - Politik
  10%
        Jugendliche und Religion
 „Religion ohne Institution“ (Barz)
 „Postchristliche Religion“: Marginalisierung
    der christlichen Positionen
    „Jesus Christus ist der Sohn Gottes.“/Die Zukunft liegt im von
    Jesus Christus verheißenen Reich Gottes.“/“Der Glaube an die
    Auferstehung gibt meinem Leben Sinn.“:
    2% stimmen allen drei Items zu (Erwachsene:
    27%)
 Religiosität findet bei Jugendlichen kaum
    konkreten symbolischen Ausdruck
    (Kirchgang, Rituale, Kult …) – ist
    spiritualisiert-gnostisch-abstrakt
                  Gottesbilder
Das
traditionelle
christliche
Gottesbild wird
geringer, das
abstrakte
Wesen
dominiert.
Unsicherheit
und Ablehnung
nehmen zu.
           Gottesdienstbesuch

Die Intensität
des wöchent-
lichen Gottes-
dienstbesuchs
Jugendlicher
hat sich in
Österreich
halbiert.
      Binnenkirchliche Ursachen
 Nicht: mangelnde Zeitgemäßheit, im Gegenteil: zu stark
    angepasst – aber immer hinten nach
   Mangelnde Zeit-Gerechtigkeit: Die Kirche verpasst bzw.
    kennt die Schlüsselthemen und Lebenswelten der
    Jugendlichen nicht
   Altmodische, statt attraktive Antiquiertheit
   Kirchliche Milieuverengung und Ästhetik
   Unzureichende Sozialformen
   Sprache
   Zu wenig partizipatorische Strukturen, zu wenig Dialog
   Frauenfrage
   Sexualität
    Gesellschaftliche Ursachen
 Funktionale Zersplitterung der Gesellschaft:
  Religion als Teilbereich der Gesellschaft seit der
  Moderne
 Privatisierung der Religion
 Verstopfte religiöse Tradierungskanäle
 Religiöse Verwahrlosung und Analphabetismus
 Aber auch: Normalisierung in einer religiös
  pluralen Gesellschaft
 Und: Katholische Kirche als Sündenbock
       Religionssoziologische
              Ursachen
 Säkularisierung christlicher Werte – Liebe und
  Freiheit als höchste Werte, aber ohne den
  Zusammenhang mit Gott zu verstehen
 Institutionenkrise (noch)
 Transformation des religiösen Feldes: Neue
  Subjekte und Prozesse (Anspruch auf
  Mitsprache und Ökonomisierung)
 „Megatrend Religion“, „Respiritualisierung“,
  Wiederkehr der Religion in Politik (Islam) und
  Biographie (Spiritualität)
 Gestaltwandel der Religion: Dispersion,
  Diffusion, Liquidation, Inversion, Dekonstruktion
  (Höhn)
      Theologische Ursachen
 Spirituelle Schwäche der Kirche: mangelnde
  Gottverwurzelung und wenig leibhaftiger
  Ausdruck
 Eschatologische Krise: Krise als Heils- und
  Hoffnungszeichen – ecclesia semper
  reformanda
 Gottes Geist meldet sich zu Wort, wo er will –
  auch außerhalb der Kirche
 Und nötigt zur Rückbesinnung auf den Ursprung
 Daher auch keine schnellen Kochrezepte, wie
  man Jugendliche wieder gewinnen kann
Sozioreligiöse Typen/Jugendliche
   Religiöse Anschauungen
Die
inhaltliche
Orientierung
der
Religiosität
Jugendlicher
und
Erwachsener
ist ähnlich
pluralistisch.
                Spiritualität
 „Containerbegriff“ und „Zeugenotion“
 Abgrenzung und Symbolwort für die Hoffnung
  auf alternative Lebensmodelle in einer humanen
  Welt
 Verschiedene Dimensionen der
  „Sehnsuchtsreligion“ (Widl, Martin)
 Sicker-effeke auf die Jugendlichen
 Theologisch: Heils- und Hoffnungszeichen,
  Sehnsucht von Gott selbst, bedarf der
  Unterscheidung der Geister
 Hoffnungszeichen am Horizont
 Vernetzungskompetenz: privat und
  gesellschaftlich - Suche nach neuen Formen
  der Gemeinschaft
 Der Ruf nach Ethik: Jugendliche als
  Solidaritätspotential und Vorreiterinnen
 Re-Politisierung: Neue Formen
  zivilgesellschaftlicher Aktivität – insbes. bei den
  Jugendlichen
 Re-spiritualisierung: in den Städten bei den
  jungen Erwachsenen erwacht das religiöse
  Bewusstsein neu – zunächst abseits der Kirchen
                      Ressourcen
 der intelligenten Modernisierungsgewinner/innen
 Hohe Moralität: Verhandlungsmoral mit „Basiswert“
  Vertrauen; Verantwortung, Aufrichtigkeit, Disziplin.
 „Wertesampler“ - PLuralitätskompetenz: „sowohl
  – als auch“
 Sehnsucht nach alternativem Leben
 „Netzwerker/innen“ und „globales Bewusstsein“
 Optimismus und Selbständigkeit bezüglich der
  persönlichen Zukunft
 Offenheit für Religion und Spiritualität
  (Frankreich!)
           Handlungsoptionen -
             binnenkirchlich
   Mit der Jugend, nicht Für die Jugend
   Lern- und Gesprächsorte zwischen den Generationen
   Teams mit Leuten aus verschiedenen Milieus (Gal 3,28)
   Kooperation zwischen den Protagonist/innen verstärken
    (RU, Gemeinden, Bewegungen) – konzertierte Prozesse
    planen
   Kooperation mit den anderen Religionsgemeinschaften
   Neue Sozialformen – HINAUS!!! Zu den Orten, wo
    Jugendliche leben = person- und lebensraumorientierte
    Pastoral, keine Verwaltungspastoral
   Partizipation und Freiheit!
   Geschlechterfrage
   Achtung: Ästhetik!!! (Jugendkulturen)
   Missionarische Initiative (Bischof Wanke)
   Personen, Orte, Prozesse – GELD!!!
           Handlungsoptionen
           in der Gesellschaft
 Intelligente Reinstitutionalisierung – Freiheit,
  Partizipation, Ermächtigung
 Lobby für Jugendliche – in 30 Jahren eine
  Minderheit!
 Lobby für die Modernisierungsverlierer
 Die Stimme der Kinder und Jugendlichen sein
  und deren Interessen wahrnehmbar machen
 Gesellschaftspolitische Einmischungen
 Religiöse Bildung und spirituelle Kompetenz als
  gesellschaftspolitischer Auftrag – nicht als
  Sicherung von Privatinteressen
          Handlungsoptionen
         religionssoziologisch
 Empathisch-Kritischer Dialog mit den neuen
  Spiritualitäten (erneut: Frauen)
 Den religiös-spirituellen Wandel selbstbewusst
  mitgestalten und einmischen
 Unterscheidung der Geister
 Erfahrungsorientierte Spiritualität als Spezifikum:
  Erleben und reflektieren
 Binnenkirchliche Spiritualität als Ressource und
  Lernfeld
 Minderheitendasein als Ressource
             Handlungsoptionen
                theologisch
 GS 31: Diejenigen werden das Schicksal der Welt
    bestimmen, die ihr gute Gründe der HOFFNUNG geben
    können
   Einstellen auf gesellschaftliche Minderheitensituation:
    Trauer statt Depression, Freude statt Euphorie,
    Gestaltungswille statt Aggression
   Binnenkirchliche Versöhnung – eine zerstrittene Kirche
    ist wenig attraktiv
   Verschiedene Formen der Zugehörigkeit ermöglichen
    (Kirche als Drehscheibe, Oase, Relaisstelle,….. Erneut:
    Wanke) – theologisch sinnvoll!
   Rückbesinnung auf das Evangelium: Spirituelle
    Erneuerung und politische Positionierung
   ZEICHEN und Werkzeug sein – Gottesliebe darstellen –
    zwischen Kreuz und Auferstehung

				
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posted:8/5/2011
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