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Vorlesung2007_9_netz.ppt - TU Ilmenau

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					              Vorlesung: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung




                                      Vorlesung
              Methoden der empirischen Kommunikationsforschung
                               Sommersemester 2007
                              Dr. Christoph Kuhlmann




                                      9. Sitzung
                                 Die Inhaltsanalyse




Dr. Christoph Kuhlmann                                            Sommersemester 2007
              Vorlesung: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung


  9.1: Definitionen der Inhaltsanalyse

  Die Inhaltsanalyse ist eine Forschungsmethode zur objektiven, systematischen
  und quantitativen Beschreibung des manifesten Kommunikationsinhalts.
  (Berelson zitiert nach W.Schulz 1994)

  Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen und
  intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler
  Merkmale von Mitteilungen. (Früh 1981/89)

  Die empirische Inhaltsanalyse ist eine Forschungstechnik, mit der man aus jeder
  Art von Bedeutungsträgern durch systematische und objektive Identifizierung
  ihrer Elemente Schlüsse ziehen kann, die über das einzelne analysierte
  Dokument hinaus verallgemeinerbar sein sollen. (Kromrey 1991)

  Die Inhaltsanalyse ist eine Technik, mit deren Hilfe durch die objektive und
  systematische Identifizierung von bestimmten Eigenschaften einer Botschaft,
  Schlüsse gezogen werden können über den Kommunikator, seine Intentionen,
  den Kanal (Medium), die Botschaft, die Wirkung auf den Rezipienten und den
  Rezipienten selbst. (Holsti 1969 nach W. Schulz)

Dr. Christoph Kuhlmann                                            Sommersemester 2007
              Vorlesung: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung


  9.2 Unterscheidungsdimensionen der Inhaltsanalyse




  Unterscheidungs-                                Ausprägungen
  dimensionen
  Wahrnehmungsmodus                Visuell         Audiovisuell         Auditiv

  Art der Zeichen                  Sprache         Geräusche/               Bilder
                                                     Töne
  Was wird gemessen?              Frequenz            Valenz           Intensität

  Gegenstand                            Form                         Inhalt

  Merkmalseigenschaft                   Latent                     Manifest

  Erhebungsform                       Codierer                    Computer



Dr. Christoph Kuhlmann                                            Sommersemester 2007
              Vorlesung: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung


  9.3 Einheiten der Inhaltsanalyse

  Codiereinheit
  Einheit des Medienangebotes, deren Merkmale codiert werden sollen (Bsp.:
  Wort, Aussage, Beitrag, Ausgabe).

  Kontexteinheit
  Einheit, die zur semantischen Klärung der Codiereinheit herangezogen werden
  darf.

  Untersuchungseinheit
  Einheit, über die Aussagen getroffen werden sollen.

  Beispiel: Codiereinheit Aussage, Kontexteinheit Absatz, Untersuchungseinheit
  Beitrag




Dr. Christoph Kuhlmann                                            Sommersemester 2007
              Vorlesung: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung

  9.4 Anforderungen an inhaltsanalytische Kategorien

        1. Vergleichbarkeit (Eindimensionalität)
        Alle Unterkategorien (Ausprägungen) einer Kategorie müssen sich auf eine
        Bedeutungsebene beziehen.
        Negativbeispiel: Codiereinheit ist der ganze Artikel
        Kategorie: Wichtigkeit des Artikels
        Unterkategorien: 1 – kleine Artikel
                          2 – mittlere Artikel
                          3 – besonders auffälliger Artikel
                          4 – Leitartikel




Dr. Christoph Kuhlmann                                            Sommersemester 2007
              Vorlesung: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung

Kategorie                             -Castingshow
„Fernsehformate“                         -Talkshow
in Wikipedia.de                      -Quizsendung
(inzwischen                           - Fernsehfilm
                             -Ärzte-/Krankenhaus-Serie            Inhalt
verschwunden!)
                                       -Doku-Soap
      Fiktionalität                  -Pseudo-Doku
                                        -Reality TV
                                       -Telenovela
                                     -Fernsehserie             Serialität
                                         -Miniserie
                                       - Seifenoper
                                      -Fernsehspiel
         Herkunft            - Japanische Fernsehserie
                                - Frühstücksfernsehen             Sendezeit
                                   -Late Night Show
                                    - Fernsehshow
                                          - Sentai
                                          - Sitcom
                                     - Teenie-Serie              Zielgruppe
              Funktion                 - Werbespot

Dr. Christoph Kuhlmann                                            Sommersemester 2007
                 Vorlesung: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung


Funktion                 Serialität            Sendezeit               Alterszielgruppe
- Unterhaltung           - Einzelsendung       - 9-12                  - keine spez. Zielgr.
- Werbung                - Miniserie           - 12-15                 - Kinder/Jugendliche
- Information            - Telenovela          - 15-18                 - Senioren
- Werbung                - Endlosserie         - 18-20                 - sonstige
- Verkauf                - sonstiges           - 20-23
- sonstiges                                    - 23-2
                                               - 2-9


Herkunft                 Fiktionalität         Inhalt                  Format
- USA                    - Fiction             - Politik               - Talkshow
- Japan                  - Faction             - Wirtschaft            - Quizsendung
- Frankreich             - Mischformen         - Kultur                - Castingshow
- GB                                           - Gesundheit            - Fernsehfilm
- Deutschland                                  - Justiz/Kriminalität   - Sitcom
- usw.                                         - Liebe/Erotik
                                               - usw.

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              Vorlesung: Methoden der empirischen Kommunikationsforschung

  2. Klassifizierbarkeit (Eindeutigkeit, Trennschärfe)
        Jede Codiereinheit darf nur einer Unterkategorie (Ausprägung) einer Kategorie
        zugeordnet werden.
        Negativbeispiel: Codiereinheit ist folgende Aussage: „FDP und CDU haben sich
        gegen den Vorschlag der SPD ausgesprochen.“
        Kategorie:         In der Aussage erwähnte Parteien
        Unterkategorien: 1 – FDP
                           2 – SPD
                           3 – CDU
                           4 – CSU
                           5 – PDS
                           6 – Republikaner




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  3. Vollständigkeit
        Jede Codiereinheit muss einer der Unterkategorien (Ausprägungen) von jeder
        Kategorie zugeordnet werden können.
        Negativbeispiel: Codiereinheit ist folgende Aussage: „Die Situation hat sich in
        den letzten Jahren weder verbessert noch verschlechtert.“
        Kategorie: Tendenz der Aussage
        Ausprägungen: 1 – sehr negative Aussage
                          2 – überwiegend negative Aussage
                          3 – überwiegend positive Aussage
                          4 – sehr positive Aussage




Dr. Christoph Kuhlmann                                            Sommersemester 2007
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    9.6 Bestandteile des Codebuchs

1. Allgemeine Codierhinweise
            Definition der Codiereinheiten
            Vorgehensweise bei der Codiereinheit

2. Kategoriensystem
            Bestimmung des Kategoriennamens
            Benennung von Kategorienausprägungen
            Zuordnung von Zahlen zu Kategorienausprägungen

3. Kategoriendefinitionen
            Was soll mit der Kategorie gemessen werden?
            Welche Aspekte der Realität sollen den einzelnen Ausprägungen der
                 Kategorie zugeordnet werden?




Dr. Christoph Kuhlmann                                            Sommersemester 2007
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    9.6a Beispiel Definition Codiereinheit (Kuhlmann 1999)

   Abgrenzung der Bundespolitik von Landes- und Kommunalpolitik:
   Um die Stichprobe überschaubar einzugrenzen, wird nur Bundespolitik
   codiert (zu der ja auch die Pressemitteilungen vorliegen). Weiteres
   Kriterium ist deshalb der bundespolitische Bezug: Codiert werden alle
   Begründungseinheiten, in denen Bundespolitiker in ihrer Funktion handeln
   oder sich andere Akteure auf das bundespolitische Handeln dieser Akteure
   beziehen. Ausgeschlossen sind also Landes- und Kommunalpolitik sowie
   internationale Politik, solange sie sich nicht auf Bundespolitik beziehen.
   Ebenso ausgeschlossen sind Einmischungen von Bundespolitikern in
   landespolitische Interna (Bsp.: Griefahn-Affäre in Niedersachsen, Stolpes
   Stasi-Kontakte in Brandenburg), nicht aber Äußerungen von
   Bundespolitikern zur Haltung der Länder in bundespolitischen Fragen, etwa
   im Bundesrat.
   Codiert werden allerdings Themen, in denen sowohl bundespolitische als
   auch andere politische Akteure Handlungskompetenzen besitzen (etwa
   Medienpolitik, Asylpolitik). Dies allerdings nur, wenn auch der
   bundespolitische Aspekt thematisiert wird (also keine reine
   Landesmedienpolitik, keine reine Landesasylpolitik).

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    9.7 Definitionen von Kategorien und Unterkategorien

 1. Umschreibung der gemeinten Bedeutung der Kategorie und ihrer
        Ausprägungen

 2. Wörterlisten, die als Indikator für eine bestimmte Kategorie und /oder
         Ausprägung dienen (evtl. vollständige Listen)

 3. Nennung von Beispielen
            typische Beispiele
            Grenzfälle




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    9.7a Auszug aus einer Kategoriendefinition (Kuhlmann 1999)
   20 Zielbezug allgemein
      Def.: Bezug auf Ziele ohne Nennungen derselben.
      Bsp.: "Dies entspricht den Zielsetzungen unserer Regierung."
   21 Bezug auf unspezifische Ziele (außer Verständigung, Information, Kommunikation)
      Def.: Zielbezüge, aus denen nicht hervorgeht, woran die Erreichung des Ziels
      erkennbar wäre.
      Bsp.: "Armee der Einheit formen",
      Bsp.: "den Frauen Chancen eröffnen",
      Bsp.: "Steuerrecht reformieren."
      Bsp.: Es gehe darum, die Entwicklungen in der Informations- und
      Kommunikationstechnologie der nächsten Jahre nicht passiv zu erleiden, sondern ihre
      Chancen aktiv zu nutzen.
   22 Bezug auf spezifische Ziele (außer Verständigung, Information, Kommunikation)
      Def.: Zielbezüge, aus denen hervorgeht, woran die Erreichung des Ziels erkennbar
      wäre (Nennung des zu erreichenden Zustands, Bezeichnung der angestrebten
      Veränderung etc.). Erkennbar ist die Erreichung, wenn sie quantitativ oder qualitativ
      meßbar wäre.
      Bsp.: "Bundeswehr verkleinern",
      Bsp.: "Arbeitslosigkeit senken"
      Bsp.: "Die deutsche Industrie will den CO²-Ausstoß um 25% senken."
      Bsp.: "Eine flächendeckende Grundversorgung für alle Bürger soll jedoch gewährleistet
      bleiben, erklärte Bötsch."


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   9.8 Das Inferenzproblem in der Inhaltsanalyse




                                         Soziale
                                         Situation


                                              ?
                                 ?                     ?
           Kommunikator                  Medium                   Rezipient




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   9.9 Stichprobenziehung in der Inhaltsanalyse

   Probleme bei Zufallsstichproben:
   - Keine symbolische Repräsentation der Grundgesamtheit vorhanden
   - Stichprobenziehung extrem aufwendig

   Klassisches Modell: Künstliche Woche (geschichtete Zeitklumpen)
   Zufallsziehung eines Starttermins, dann Ziehung von insgesamt 7 * n Tagen
   durch Ziehung jedes x-ten Tages (bei x unteilbar durch 7)
   (Beispiel: Ziehung jedes 26. Tages bei Starttermin zwischen 1. und 26. Januar =
   14 Tage = 2 künstliche Wochen)
   - Begründung: Varianz der Ereignislage
   - Problem: großer Klumpungsfehler wegen Varianz der Ereignislage

   Computergestützte Zufallsstichproben?




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   9.10 Berechnung des Reliabilitätskoeffizienten

   Die paarweisen Übereinstimmungen werden für alle Codiererpaare berechnet.
   Die so berechneten paarweisen Reliabilitätskoeffizienten werden addiert und
   durch die Anzahl der Paarvergleiche dividiert.
   Beispiel: Vier Codierer haben die gleichen Texte vercodet. Die paarweisen
   Reliabilitätskoeffizienten sind in der folgenden Matrix eingetragen.
                   C1                 C2             C3               C4
  C1                                  0,78           0,74             0,89
  C2                                                 0,69             0,79
  C3                                                                  0,91

                          2*Ü
        Formel: Z = -------------------
                      (C1 + C2)

  Ü = Anzahl der übereinstimmenden Codierungen
  C1 = Anzahl der Codierungen von Codierer 1
  C2 = Anzahl der Codierungen von Codierer 2
  Der Reliabilitätskoeffizient wird für jede Kategorie einzeln berechnet u. ausgewiesen.

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   9.11 Beispiel zur Berechnung des Reliabilitätskoeffizienten


        Thematisierung von Wirtschaft in 18 Artikeln
        (0 = nicht thematisiert, 1 = Nebenthema, 2 = Hauptthema

 C1 1 1 1 1 2 0 0 0 1 0 2 0 0 1 1 1 1 0
 C2 1 1 2 1 2 0 0 1 1 0 2 0 0 1 1 0 1 0


      Z = (2 * 15) / (18 + 18) = 30 / 36 = 0.83




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