referat-forschungsseminar

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8/3/2011
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German
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34
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							           Kommunikation im Netz –
  zwischen „Virtualisierung des Lebens“ und
neuen Möglichkeiten der Selbstverwirklichung.
   Wirklichkeitsverhältnis & Verhalten von
Chattern – Inwiefern nehmen Chatter chatten als
               Traumwelt wahr?




Forschungsseminar   Tanja Trojer Franz Muigg   November 2005
Grundsätzliche Überlegungen
• Netzgemeinde vs. Gesamtbevölkerung

• Lurker vs. Poster

• Newbie vs. Oldbie

• Art des Forums: Vielfalt der „Theme Communities“:
  Esoterik-Chats, UFO-Sichtungen, Sport, Entertainment, Out
  of body experience,...

• Heavy User vs. Light User
Kommunikation im Internet

     Theoretische
           Ansätze
     Kanalreduktionstheorie

• CMC ist wegen fehlender
  Sinneskanäle im Vergleich zur Face-
  to-Face- Kommunikation defizitär und
  unpersönlich
      Herausfiltern sozialer
         Hinweisreize

• CMC führt wegen ihrer Anonymität zu
  Enthemmung und steigert sowohl
  prosoziales als auch antisoziales
  Verhalten
 Normative
 Medienwahl
• CMC- Nutzung wird durch die
  sozialen Normen im Umfeld
  beeinflusst und ist deshalb oft
  irrational und dysfunktional
             Soziale
    Informationsverarbeitung
• CMC ist genauso lebendig wie Face-
  to-Face- Kommunikation, denn
  nonverbale Botschaften lassen sich
  verbalisieren
             Simulation
• CMC liefert Freiheitsgrade in der
  Selbstdarstellung und begünstigt
  damit Täuschung, Authentizität und
  Selbstreflexion
     Imagination/Evokation

• CMC regt durch fehlende
  Sinneskanäle Projektionsprozesse an
                 und evoziert
                     sinnliche
                      Phantasiebilder
Theorien stehen eher in einem
 Ergänzungs- als in einem
 Konkurrenzverhältnis
 unterschiedliche
 Gültigkeitsbereiche
Studie 1:

Tina Fix: Explorative Motivstudie zur
jugendlichen Netzkommunikation
München 2001
                           Internetnutzung/Frequenz:
                           • fast täglich 40%,
Online-Fragebogen
                           • 2-3mal/Woche 42%
n=176 (13 bis 24a)         • der Rest 1x/Woche und seltener.
Durchschnittsalter: 17,9
                           Nutzungsdauer:
♀:♂ 47,9 : 52,1 %          ca. ¼ bis 1h, ¼ bis 1,5h, ¼ bis
                           2,5h und ¼ mehr als 2,5
                           Verteilung beim Chat ähnlich
Explorative Variablen etc.:

• Sozidemographische Daten
• Mediale und nicht mediale Freizeitaktivitäten
• Internetnutzung
• Motive und Funktione der Internetnutzung
• Nutzunsverhalten im Chat
• Motive und Funktion der Chat-Kommunikation
• Selbstpräsentation und Konstruktion von
  Identitäten
• Entwicklung von Sozialen Beziehungen
• Chatspezifischen Kommunikationsmerkmale
Tendenzen hinsichtlich Selbstdarstellung

    90
    80
    70
    60
    50
    40                                       Zustimmung
    30
    20                                       Ablehnung
    10
     0
         ehrlich und Beschr.      andere
            offen   entspricht   Identität
                     teilw. d.
                     Wahrheit
  Leitfrage 1: Welche Motive und Funktionen
  liegen der Chat-Kommunikation zugrunde?

Soziale Interaktion als wichtigste Funktion – „echte soziale
  Interaktion“ im Gegensatz zu anderen Massenmedien, d.h.
  synchrone Kommunikation




Beseitigung von Langeweile, Eskapismus und Ablenkung oder
  Stimmungsregulation stehen nicht im Vordergrund der
  Mediennutzung, vielmehr ist es die soziale Funktion bzw. die
  interaktionsermöglichenden Potentiale
Leitfrage 2: Inwieweit spielen eskapistische Nutzungsmotive zur
Befriedigung dysfunktionaler Bedürfnisse eine Rolle? Wird der Chat
genutzt, um vor Problemen im Real-Life zu flüchten?
Verwendung von Schein-Identitäten?

    Eskapistisches Motiv bei der CMC konnte nicht bestätigt
      werden (nur bei einer Minderheit) – negative
      Erwartungshaltung konnte nicht bestätigt werden.

    Bei dieser Minderheit: Idealisierung hinsichtlich der
      Selbstbeschreibung bzw. Verwendung von Schein-
      Identitäten

    Frage bleibt offen: Schein-Identitäten zum Abbau
      identitätsbedingter Kontaktbarrieren oder komplette
      Konstruktion fiktiver Identitäten.
Leitfrage 3: Inwieweit nutzen Jugendliche die Anonymität im
Online-Chat, um mit ihrer persönlichen Identität zu experimentieren?
Stellt das Spiel mit der eigenen Identität tatsächlich ein signifikantes
Nutzungsmotiv dar?


  Theorie von Sherry Turkle: Chat-Rooms sind für Jugendliche
    virtuelle Spielplätze
  Keine Bestätigung – nur 10% wären diesem Nutzungsmotiv
    zuzuordnen

  Diese 10%: Spiel mit Identitäten, häufiger Nick-Wechsel
    Motiv: „Kommunikationsvorteile“ durch verzerrte
    Selbstdarstellung

  Pauschale Befürchtung des Identitätsverlustes (Deindividuation)
    durch CMC-Szenarien konnte nicht bestätigt werden.
      Gebrauch von Nicknames


         10%            feste Nicks
17%

                        Nick.Wechsel bei
                        neuen Chatroom

                        Immer neue Nicks
                        zum
                 73%
                        Identitätswechsel
Grobe Interpretation der Ergebnisse
Interaktive jugendliche (Jugendliche mit CMC-
   Aktivitäten) sind nicht die „vernachlässigten
   Computerkids“

Ein Großteil der Jugendlichen nützten CMC als
  Kommunikationsmedium zu „echten sozialen
  Interaktion“ und dies v.a. intentional, aktiv und
  selektiv, um neue Kontakte mit gleichaltrigen zu
  knüpfen

Herausforderung für das Erzieherisch/Pädagogische
  Umfeld der selbstverantwortlichen und aktiven
  Auseinandersetzung mit den „neuen Medien“
     Studie 2:Onlinestudie der
        Universität Bremen

• Thema: „Kommunikation und
  Identitätsbildung in Chats und Online-
  Rollenspielen“
• 143 Onlinefragebögen
• Probanden: alle Altersklassen,
  verschiedene Schulabschlüsse,
  verschiedenes Nutzerverhalten
Befragte Gruppen
Altersverteilung
Glauben Sie, dass Viel-Chatter ihre
 Real-Life- Kontakte reduzieren?
            (Wenig- Chatter)
Haben Sie Ihre Kontakte mit anderen
 Menschen im Real Life reduziert?
             (Viel-Chatter)
Können Sie sich vorstellen, dass das
 Chatten eine Realitätsflucht ist?
             (Wenig- Chatter)
Empfinden Sie das Chatten manchmal
 als "Flucht in eine andere Realität"?
              (Viel- Chatter)
Glauben Sie, dass Sie sich verändert haben,
  seit Sie im Netz mit anderen Menschen
              kommunizieren?
 Würden Sie sagen, dass Sie im Netz "Seiten"
Ihrer Persönlichkeit ausprobieren können, die
  Sie bislang im RL noch nicht ausprobiert
                   haben?
Haben Sie Möglichkeiten beim Chatten,
     die Sie im RL nicht haben?
      Genannte Möglichkeiten

• Äußere Merkmale werden irrelevant
• „erst denken, dann tippen“
• Immer jemand da
• „Offenheit“ durch Anonymität
• Themen, die die Personen emotional
  berühren
• Mehr Kontrolle über Gefühle
• Chatten fördert Toleranz
    Neue Möglichkeiten für Menschen in
      außergewöhnlichen Situationen

•   Körperlich behinderte Menschen
•   Mütter von kleinen Kindern
•   gehörlose und stumme Menschen
•   Menschen mit Sozialphobie oder
    Kontaktschwierigkeiten
Nachteile, die im Chat erfahren werden

• Nonverbale Inhalte fehlen  kann zu
  Unsicherheit und Missverständnissen
  führen
• Kein Feedback auf Aussagen wird
  gegeben
• „Flaming“ wird durch Anonymität gefördert
• Rechtsradikalismus und sexuelle
  Belästigung werden erleichtert
              Zusammenfassung
Aus den von uns gesichteten Studien geht hervor:

• Chatten als Möglichkeit zur Erweiterung der sozialen
  Interaktion
• Eskapismus, emotionale Regulation etc. stehen nicht im
  Vordergrund
• Neue Möglichkeit für Personen in außergewöhnlichen
  Situationen
• Keine ausgeprägte Disharmonie zwischen VR & RL


Dabei verzerren jedoch einige Variablen diese Aussagen:

• Alter und Geschlecht der Chatter
• Heavy User vs. Light User
Danke für die Aufmerksamkeit!
                          Bibliographie:
•   Döring, Nicola (2000a). Kommunikation im Internet: Neun theoretische Ansätze (Kap.
    12). In Bernad Batinic (Hrsg.), Internet für Psychologen (S. 509-548). Göttingen:
    Hogrefe.

•   Döring, Nicola (2000a). Identitäten, Beziehungen und Gemeinschaften im Internet (Kap.
    13). In Bernad Batinic (Hrsg.), Internet für Psychologen (S. 509-548). Göttingen:
    Hogrefe.

•   Studie 1:
    Fix, T.: Generation @ im Chat
    München: KoPaed Verlag 2001

•   Studie 2:
    Junge Erwachsene im Netz
    Kommunikation und Identitätsbildung
    in Chats und Online-Rollenspielen.
    Eine sozialpsychologische Untersuchung der Universität Bremen
    http://www.uni-bremen.de/~ipsnet/jein/html/berichthtml.htm

•   Prommer, E. & Vowe, G.: Computervermittelte Kommunikation: Öffentlichkeit im Wandel
    Konstanz: UVK Medien 1998

•   Turkle, S.: Leben im Netz
    Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 1998

						
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