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Schularbeitsthemen für die 8. Klasse



Thema 10: „Der Horizont des Habens“ – Analyse/Interpretation von Schnitzlers
Reigen

Setzen Sie die folgende Textstelle in Bezug zu Arthur Schnitzlers Reigen, indem Sie konkret
nachweisen, inwiefern die Aussagen Viktor E. Frankls für den Text Gültigkeit haben oder auch nicht.
Was verstehen die handelnden Personen im Reigen unter Liebe, was ist Sexualität für sie, was
bedeutet ihnen ihr Partner/ihre Partnerin ? Ihre eigene Position zum Thema Sexualität/Liebe sollte
deutlich werden.

       Der Horizont des Habens
       In unbewusster Absicht vorbeisehend an der geistigen Person des Partners ist aller Flirt, alle
       durchschnittliche Erotik von gestern und heute. Sie sieht nicht die Einzigartigkeit und Ein-
       maligkeit des Andern, denn sie will sie gar nicht wahrhaben. Diese Erotik flüchtet vor der
       Verbindlichkeit eigentlicher Liebe, vor dem Gefühl wahrer Verbundenheit mit dem Partner –
       vor der Verantwortung, die in solcher Verbundenheit liegt. Sie flüchtet in das Kollektive: in den
       »Typus«, den man jeweils bevorzugt und dessen mehr oder minder zufälligen Repräsentanten
       der jeweilige Partner darstellt. Es wird dann nicht eine bestimmte Person gewählt, sondern nur
       ein bestimmter Typus bevorzugt. Die Liebesintention bleibt an der wohl typischen, aber
       unpersönlichen äußeren Erscheinung stecken. Der vielfach am meisten bevorzugte weibliche
       Typus ist nun die unpersönliche Frau – die weibliche »Un-Person«, zu der man keine
       persönliche Beziehung haben muss, zu der man eine unverbindliche Beziehung haben kann,
       die Frau, die man eben »haben« kann und daher nicht »lieb haben« muss: sie ist Eigentum –
        ohne Eigenart – und ohne Eigenwert. Liebe gibt es nur zu einer Person als solcher, zur
       weiblichen »Unperson« kann es keine Liebe geben. Zu ihr kann es dann auch keine Treue
       geben: der Unperson entspricht die Untreue. Diese Untreue wird in solchen erotischen
       Beziehungen aber nicht nur möglich, sondern auch nötig. Denn wo die Qualität des
       Liebesglücks fehlt, muss dieser Mangel durch die Quantität des Sexualgenusses kompensiert
       werden; je weniger ein Mensch »beglückt« wird, um so mehr muss sein Trieb »befriedigt«
       werden.

       (Aus: Viktor E. Frankl: Ärztliche Seelsorge. Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse, S. 179)

				
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posted:8/2/2011
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