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RFHSS09 - Qype

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					Eine Bewertungsplattform im Web 2.0

Veranstaltung: „Multimedia“ Sommersemester 2009 Dozent: Bernd Schmitz

Benjamin Berlipp Svenja Cloß Daniel-John Riedl

Inhalt

Seite

1. 2.

Einleitung Bewertungsportale 2.1. 2.2. Was sind Bewertungsportale? Wo stehen Bewertungsportale im Web2.0? 2.2.1. Kommunikationsplattformen 2.2.2. Abgrenzung zwischen Social Communities und Bewertungsportalen 2.2.3. Hybridformate 2.3. 2.4. Wie werden Bewertungsportale rechtlich bewertet? Welche Gefahren bergen Bewertungsportale? 2.4.1. Für Bewertete 2.4.2. Für Bewerter

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3.

Qype 3.1. 3.2. 3.3 3.4. Ziel und Nutzen von Qype Gründung und Mehrwert Entwicklungen und Veränderungen bei Qype Funktionen der Website

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4.

Qype vs. andere Bewertungsportale 4.1. 4.2. 4.3. Welche anderen Bewertungsportale gibt es? Wo steht Qype im Vergleich zu anderen? Wer ist Qype?

Benjamin Berlipp 1. Einleitung

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Entscheidend für das Zusammenleben in einer Gesellschaft ist das Wechselspiel von Vertrauen und Misstrauen. Mit wem wir in Kontakt treten und Beziehungen aufbauen entscheiden wir danach, wie sehr wir jemandem vertrauen oder eben nicht vertrauen. Was wir anderen erzählen und über wen wir dabei reden, ist abhängig von Vertrauen und wie es bewahrt oder missbraucht wird. Je nachdem, wem wir unser Vertrauen schenken, entwickelt sich der Aufbau unseres sozialen Umfelds. Aber nicht nur da ist Vertrauen so wichtig. Geschäftliche Verträge werden geschlossen mit Leuten, denen wir vertrauen. Manchmal werden sie besonders ausführlich formuliert, gerade weil es an daran mangelt. Wenn wir also einen neuen MP3-Player suchen, in den Urlaub fahren wollen oder zum Arzt müssen, wählen wir als Ansprechpartner den vertrauenswürdigsten Anbieter. Das Problem dabei ist, dass wir nie genau wissen, wer das ist. Wenn wir herausfinden wollen, wem wir vertrauen können, ohne schlimmstenfalls mehrere Jahre in diese Entwicklung zu investieren, gehen wir instinktiv sehr gezielt und mit einer einfachen Methode vor. Wir fragen jemanden. Und weil mit der global verknüpften Welt die Zahl der Anbieter immer größer wird und unser enger Kreis an Vertrauenspersonen nicht mehr als Informationsquelle ausreicht, brauchen wir einen größeren Kreis. Im Internet finden wir diesen Kreis in allen anderen Menschen dieser Welt, die nach dem gleichen Vertrauen suchen. Damit wir aber auch den Kunden in Köln, Paris, New York oder Sidney finden, der uns von seinem Vertrauen in einen bestimmten Anbieter erzählen kann, brauchen wir ein Forum. Dieses Forum bieten Bewertungsportale. Ein Bewertungsportal, das große Bekanntheit erlangt hat, ist Qype. Wenn man bei der Suchmaschine unserer Zeit den Namen eines Restaurants oder einer Bar eingibt, weil man im Kurzurlaub einen schönen Abend verbringen oder nach einem Umzug etwas über den Italiener an der Ecke erfahren möchte, führt einer der ersten Treffer mit Sicherheit zu Qype. Aber wer oder was ist eigentlich dieser Qype und wieso kennen die jeden Laden in der Stadt?

Benjamin Berlipp 2. Bewertungsportale

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Um Qype zu verstehen, ist es zunächst notwendig, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie solche Angebote funktionieren.

2.1. Was sind Bewertungsportale? Bewertungsportale sind Internetplattformen, auf denen Nutzer Informationen zu Anbietern eingeben und abfragen können, deren Dienste sie online oder offline in Anspruch nehmen möchten oder deren Produkte sie erwerben oder nutzen möchten. Die jeweilige Community eines Portals versucht, einen Informationspool zu schaffen, mit dem sie den von einem Anbieter veröffentlichten Informationen entgegentreten und sie überprüfen und präzisieren können. Konkret bilden Nutzer über den Austausch von Meinungen und Erfahrungen ihre Kaufentscheidungen. Die persönlichen Schilderungen erzeugen mittlerweile größere Wirkung als die Aussagen der eigentlichen Anbieter. Im Jahr 2008 gaben 78% der Internetnutzer weltweit an, die Empfehlungen anderer Kunden erschienen ihnen am vertrauenswürdigsten. 60% der deutschen Internetnutzer bestätigten, vor einer Kaufentscheidung auf die Meinung anderer Nutzer zu achten. In den USA lag dieser Wert sogar bei 71%.1 Das liegt unter anderem daran, dass die Kunden den von PR-Profis geschriebenen Texten nicht mehr Vertrauen entgegenbringen als der sie täglich umgebenden Werbung, aber auch daran, dass häufig Nutzer Beiträge verfassen, die über Hintergrundwissen im jeweiligen Bereich verfügen und oft sogar als Fachleute auftreten können. Zusammen mit den eher emotionalen Laienberichten bilden sich dadurch auf Bewertungsportalen lebendige Strukturen, an denen man sich im Überfluss von Angeboten festhalten kann. Das erste Bewertungsportal wurde in den USA gebildet. Unter www.jobvent.com können Arbeitsuchende die Beiträge der anderen Community-Mitglieder nach Berichten über ihren potenziellen neuen Arbeitgeber durchsuchen und sich daraufhin
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http://www.focus.de/digital/internet/tid-9327/-teil-2-heimliche-entscheider_aid_266669.html

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eine Meinung dazu bilden, ob sie den angebotenen Job annehmen oder sich bei einer Firma bewerben sollten. Als deutsches Pendant dazu kam erst 2006 die Seite jobvoting.de auf den Markt. Das erste Bewertungs- oder Verbraucherportal im deutschsprachigen Internet ist ciao.de, ein Shopping-Ratgeber, der Preisvergleiche zu über sechs Millionen Produkten und Dienstleistungen anbietet. Wie bei allen Portalen müssen Nutzer sich auch hier registrieren, um Beiträge verfassen und das Angebot vollständig in Anspruch nehmen zu können. Mit der Zeit hat sich die Artenvielfalt unter Verbraucherportalen stark erweitert. Es gibt Portale zur Bewertung z.B. von Fluglinien, Hotels, Ärzten oder Rechtsanwälten. Online-Händler wie Amazon haben eine Bewertungsfunktion eingerichtet und Seiten zum Preisvergleich bieten die Möglichkeit, Händler und Produkte zu beurteilen. Auch ebay hat mit seinem Bewertungssystem ein internes Bewertungsportal, bei dem die Vertrauen schaffende Funktion solcher Portale besonders deutlich wird. Denn gerade bei ebay ist es durch viele öffentlich gewordene Betrugsfälle schwierig, das Vertrauen der anderen Mitglieder zu gewinnen. Der Nutzen solcher Portale ist also ganz einfach definiert: Interessierte erhalten Informationen, die den Entscheidungsprozess erleichtern können.

2.2. Wo stehen Bewertungsportale im Web2.0? 2.2.1. Kommunikationsplattformen Die markante Erscheinung des Web2.0 sind Social Communities. Die klassische Social Community ist eine Plattform, auf der man sich kostenlos anmeldet und alte Freunde trifft oder neue findet. Im Vordergrund stehen Chatten, Bloggen und natürlich Flirten. Man erstellt Fotoalben, drückt seine Interessen über die Teilnahme an Gruppen aus und informiert alle anderen über das eigene Leben. Die normalen Vorgänge des Smalltalk, der Bildung und Pflege eines sozialen Umfelds werden auf eine multimediale und weltumspannende Ebene erweitert.

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Manche dieser Communities sind reine Kommunikationsplattformen ohne eine bestimmte thematische Ausrichtung, andere konzentrieren sich auf spezielle Interessen oder soziale Merkmale. Es gibt Studenten- und Schülerplattformen, solche für Hundeliebhaber oder Kinofreunde und andere, die berufliche Netzwerke schaffen wollen. Insofern stellt sich die Frage, ob auch Bewertungsportale als Social Community betrachtet werden können.

2.2.2. Abgrenzung zwischen Social Communities und Bewertungsportalen Zunächst erscheinen die Angebote ähnlich. Nutzer können nach kostenloser Registrierung miteinander zu einem bestimmten Thema kommunizieren, in den meisten Fällen zu Qualität und Preis verschiedener Produkte. Bewertungsportale könnten also als Social Communities mit speziellen Interessen verstanden werden. Trotzdem gibt es Gründe, die beiden Erscheinungen nicht miteinander gleichzusetzen. Social Communities haben ihre Funktionen darauf ausgerichtet, den Kontakt zu anderen Personen zu ermöglichen. Über Suchfunktionen können Nutzer gefunden werden und es werden Kontaktlisten erstellt, die die Beziehungsgeflechte zwischen anderen Nutzern offenlegen. Die verwendeten Tools ermöglichen es, die eigenen Interessen zu kommunizieren und dadurch Gleichgesinnte zu finden bzw. die Beziehung zu ihnen zu festigen. Die Nutzung erfolgt, sieht man von den sogenannten Brand Profiles ab, aus rein persönlichen Gründen. Bei Social Communities steht also tatsächlich der Mensch im Vordergrund mit seinen musikalischen, politischen, filmischen, albernen, beruflichen und allen anderen denkbaren Interessen, die seine Persönlichkeit ausmachen. Die funktionale Ausrichtung von Bewertungsportalen hat ein anderes Ziel. Hier sind Suchfunktionen eingerichtet worden, die es ermöglichen, Produkte oder Dienstleistungen verschiedener Anbieter zu finden und das niedrigste Angebot oder das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu ermitteln. Die zum Einsatz gebrachten Tools ermöglichen die Kommentierung des Anbieters oder des Produkts und dessen Bewertung. Die Nutzung erfolgt hier also aus wirtschaftlichen Gründen. Persönliche Informationen werden nur insofern veröffentlicht, dass der einzelne Nutzer sein

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Interesse an einem Produkt und seine Meinung darüber äußert. Dies geschieht aber meistens in anonymisierter Form, wodurch besonders deutlich wird, dass das Ziel gerade nicht die Schaffung eines sozial relevanten Netzwerks ist, sondern nur die Bildung einer Art nutzergenerierter Stiftung Warentest. Bewertungsportale im klassischen Sinn sind aus diesen Gründen nicht als Social Communities zu bezeichnen.

2.2.3. Hybridformate Zwischen Bewertungsportalen und Social Communities stehen Angebote, die Bewertungsfunktionen mit sozialer Netzwerkbildung verknüpfen. Am Anfang steht auch hier die funktionale Ausrichtung eines Bewertungsportals. Dem werden dann Funktionen und Tools hinzugefügt, die denen einer Social Community entsprechen. So bietet etwa die Bildung von Gruppen Kommunikationskanäle zwischen Personen mit gleichen Interessen, die in räumlicher Nähe zueinander stehen und daher den Interessen gemeinsam nachgehen können. Im Gegensatz zu reinen Bewertungsportalen wird die Suchfunktion auch auf Personen erweitert, sodass gezielt Kontakt aufgenommen werden kann. Die Informationsfunktion des Bewertungsportals wird also mit der Netzwerkfunktion der Social Community verknüpft. Erforderlich für den Erfolg solcher Angebote ist allerdings, dass Dinge bewertet werden, die im sozialen Leben der Nutzer eine Rolle spielen. Ein gleich bewerteter Haartrockner oder eine Waschmaschine bieten noch keine Grundlage für die Bildung einer Beziehung und sei sie auch nur virtuell. Daher beschränken sich diese Formate auf die Bewertung von Dienstleistungen, die persönliche Interessen der Nutzer ansprechen. Denkbar sind dabei Bewertungsportale für Gastronomiebetriebe oder Kultureinrichtungen sowie Special-Interest-Bereiche. Über die im Netzwerk festgestellten gemeinsamen Interessen und Vorlieben können sich soziale Kontakte ergeben, die daraufhin aus der virtuellen Welt in die reale exportiert werden können. Das kehrt in gewissem Maße die Netzwerkbildung von Social Communities um, in denen meistens neue Kontakte dadurch entstehen, dass es vorher zu einer realen Begegnung kommt. Es ist also durchaus denkbar, dass bei

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konsequenter Weiterentwicklung der sozialen Funktionen aus diesen Hybridformaten letztendlich die eigentlichen Social Communities entstehen.

2.3. Wie werden Bewertungsportale rechtlich bewertet? Die rechtliche Situation bei Bewertungs- oder Verbraucherportalen ist Bestandteil einiger aktueller und abgeschlossener Verfahren. Portale wie www.spickmich.de und www.meinprof.de, auf denen Lehrer und Professoren von Schülern bzw. Studenten bewertet werden, sind nach der Klage einer betroffenen Lehrerin letztendlich vom BGH beurteilt worden.2 In dem vom BGH beendeten Verfahren zu spickmich.de wurden ein Verstoß gegen das BDSG und eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts der Klägerin abgelehnt. Es handelt sich bei den Bewertungen um Meinungsäußerungen, die die berufliche Tätigkeit der Klägerin betreffen, bei denen der Einzelne grundsätzlich nicht den gleichen Schutz wie in der Privatsphäre genießt.3 Allerdings ist dieses Urteil ausdrücklich nicht auf Bewertungsportale generell anzuwenden. Wie mit anderen Portalen umzugehen ist, muss jeweils im Einzelfall entschieden werden. 4 Trotzdem können einzelne Aspekte dieses Falls auch auf Portale wie das hier behandelte qype.de übertragen werden. Die Tatsache, dass spickmich.de wegen des rein beruflichen Bezugs der Äußerungen als rechtmäßig eingestuft wird, spricht für die Rechtmäßigkeit von qype.de. Hier wird nicht nur lediglich die berufliche Sphäre berührt, sondern Personen werden gar nicht erst zum Inhalt der Bewertungen gemacht. Es geht ausschließlich um die Bewertung der Gastronomie selbst. Eventuell könnte es zu Äußerungen über das Personal kommen, die aber auch hier in den meisten Fällen nur die berufliche Tätigkeit betreffen würden, zu der in dieser Branche natürlich auch die Umgangsformen gegenüber den Gästen zählen.

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BGHZ 23.06.2009, AZ: VI ZR 196/08 Pressemitteilung des BGH Nr. 137/2009 http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,631708,00.html

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So können also Bewertungen auf qype.de als geschützte Meinungsäußerungen betrachtet werden. Zu beachten ist jedoch, dass die Kommentare nicht die Grenze zur Schmähkritik oder Beleidigung überschreiten dürfen. Sobald es sich bei einem Bewertungskommentar aber um eine dem Beweis zugängliche Tatsachenbehauptung handelt, ist er nicht mehr von der Meinungsfreiheit geschützt. Hier ist die Rechtmäßigkeit eine Frage von wahr oder falsch. Zur Absicherung sollten Betreiber einen sogenannten "Abuse-button" einsetzen, über den Nutzer oder Betroffene auf etwaige Rechtsverstöße aufmerksam machen können.5 Diese Funktion ist bei qype.de mit dem unter jedem Kommentar befindlichen Link "Bedenklicher Inhalt?" vorhanden. Interessanter für die rechtliche Beurteilung des Portals qype.de dürften aber Verfahren sein, die z.B. Hotelbewertungen zum Inhalt hatten. Jedoch wird auch hier auf das Recht auf freie Meinungsäußerung abgestellt. Solange es sich nicht um Schmähkritik handelt und lediglich die persönliche Wertung des Kommentierenden zum Ausdruck gebracht wird, ist die Bewertung rechtmäßig.6 In den von qype.de eingesetzten AGB wird außerdem festgelegt, dass Kommentare mit solchen Inhalten, die in den genannten Gerichtsverfahren eine andere juristische Bewertung nach sich gezogen hätten, nicht gestattet sind und gegebenenfalls zur Kündigung der Mitgliedschaft führen.7 Insgesamt kann qype.de als rechtlich unbedenklich betrachtet werden, allerdings sind zur abschließenden Bewertung eventuelle gerichtliche Entscheidungen abzuwarten. Es erscheint allerdings wahrscheinlicher, dass in Streitfällen nicht qype.de selbst betroffen sein wird, sondern die kommentierende Person.

http://www.rechtzweinull.de/index.php?/archives/57-Rechtliche-Vorgaben-fuer-Bewertungsportalekonkretisiert.html
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AG Wolgast, AZ 1 C 501/07, www. juris.de http://www.qype.com/agb#6, http://www.qype.com/agb#9

Benjamin Berlipp 2.4. Welche Gefahren bergen Bewertungsportale? 2.4.1. Für Bewertete

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Bewertungsportale bieten aber nicht nur Nutzen, sie bergen auch Risiken. Die Bedrohungslage auf der Seite der bewerteten Anbieter erscheint klar. Durch die unkontrollierte Anhäufung von Bewertungen kann ein durchaus relevanter Imageschaden entstehen, denkbar bis hin zum totalen Vertrauensverlust. Dieses Risiko wird verschärft durch die Möglichkeit, dass Mitbewerber mit pseudonymiserten Beiträgen bewusst schlechte bzw. falsche Meldungen abgeben können. Dem wird zwar meistens vom Betreiber entgegengewirkt, der Umgang mit den Beiträgen ist aber, abgesehen von der ähnlichen Regelung in AGB und Teilnahmebedingungen, von Portal zu Portal anders. Manche Betreiber setzen sogenannte Content Teams ein, die Beiträge analysieren und gegebenenfalls Nachforschungen anstellen, um die Berechtigung zur Bewertung zu überprüfen. 8 Dennoch kann nicht jeder Beitrag sofort überprüft werden. Es ist also möglich, dass ein Schaden entsteht, bevor ein Beitrag, der nicht den Teilnahmebedingungen entspricht, entfernt wird. Dass diese Gefahr durchaus ernst zu nehmen ist, zeigt sich auch darin, dass es mittlerweile Unternehmensberatungen gibt, die die Überwachung solcher Portale in ihre Angebotsstruktur aufgenommen haben.9 Einem drohenden Schaden durch schlechte Bewertungen entgegenzutreten, ist für die Bewerteten nicht nur schwierig, sondern teilweise sogar gefährlich. Der Versuch, durch die Abgabe positiver Bewertungen unter einem oder mehreren Pseudonymen die Gesamtbewertung zu verbessern, wird häufig durch die sehr aktive Web2.0Gemeinschaft aufgedeckt und führt dann zu besonders scharfen und ausdauernden Reaktionen. Die Folge ist eine Multiplikation des bereits entstandenen Schadens in seiner Intensität und Wirkungsdauer. Die wahrscheinlich einzige Möglichkeit der Reaktion ist der offene und ehrliche Umgang mit schlechten Bewertungen. Wer sich der Kritik stellt und die Web2.08 9

http://www.stern.de/computer-technik/internet/:Online-Bewertung-Pass%27/598352.html

http://www.infospeed.de/bewertungsportal_uberwachung.htm; http://www.focus.de/digital/internet/tid-9327/teil-3-heimliche-entscheider_aid_266670.html

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Gemeinde als Diskussionspartner auf Augenhöhe respektiert, wird schnell die Vorzüge solcher Netzeffekte zu spüren bekommen. Denn so schnell und wirkungsvoll das Netz anprangert und kritisiert, reagiert es auch positiv mit Lob und Empfehlung. Die durch Web2.0 geschaffene Transparenz hält also neben der Gefahr auch die Chance bereit.

2.4.2. Für Bewerter Die Gefahren für die Nutzerseite dagegen entstehen lediglich als indirekte Folge der Portalnutzung. Hier besteht das Risiko der in Punkt 2.3 angesprochenen rechtlichen Schritte seitens des bewerteten Anbieters, die eventuell Schadensersatzforderungen enthalten können. Solange die Beiträge sich aber in sachlich vorgetragener Kritik und Meinungsäußerungen erschöpfen, ist die Nutzung von Bewertungsportalen ohne Risiko. Denkbar ist zwar wegen der Vertragsfreiheit, dass der Anbieter nicht mehr bereit sein wird, den Nutzer als Kunden zu akzeptieren. In den meisten Fällen wird das aber auch nicht das Anliegen des Nutzers sein.

Svenja Cloß 3 Qype 3.1 Ziel und Nutzen von Qype

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Die Plattform Qype konzentriert sich hauptsächlich auf die Bewertung von Lokalitäten, Bars, Restaurants etc. während sie aber auch Tipps und Bewertungen zu anderen Einrichtungen abgibt, die jedoch im Vergleich zur Hauptfunktion wenig Prozente ausmachen. Hier einige kleinere Kategorien von Qype: Tierbedarf, Mode, Spielzeug. Die Mehrheit bilden die 39.000 angesprochenen Bars und Restaurants neben den die 1500 Beiträge zu 1.500 Friseuren 1.000 Buchhandlungen eher eine Minderheit bilden. Neben der Funktion des Bewertens und des Lesens von Kommentaren gibt es auch allerhand andere Funktionen, die der User von Qype tätigen kann. Als User gilt derjenige der sich bei Qype registriert. Diese Registrierung läuft wie bei allen anderen Communities ab. Einfach mit einem Namen anmelden und schon kann man qypen. Qype hat ähnliche Funktionen wie StudiVZ oder auch Facebook, denn allein das bewerten von Lokalem wäre zu oberflächlich.

3.2 Gründung und Mehrwert Qype ist eine Web 2.0 basierte Plattform auf der sich Menschen über die verschiedensten Dinge aus Ihrer Stadt austauschen können. Die User können Tipps zu Geschäften, Dienstleistern, Gastronomie, Freizeitangeboten und zu sonstige öffentliche Orten einer Stadt abgeben. Restaurants, Bars und Kneipen aber auch Ärzte, Friseure und Apotheken werden hier von der „Social Community“ bewertet. Jeder User von Qype kann Content lesen und auch selber schreiben. Qype wurde 2005 in Hamburg von Stefan Uhrenbacher gegründet und ging 2006 online. Investoren der Plattform sind Advent Ventures, Partech International, CatCap, Lukasz Gadowski, Axel Schmiegelow., auf die im Folgenden noch näher eingegangen wird. Die Idee für ein Portal mit Informationen, die man sonst nur im Freundeskreis bekommt, kam Stephan Uhrenbacher als er selbst nach einem guten Kindergarten in Hamburg suchte - aber nirgendwo die richtigen Tipps bekam. Stefan Uhrenbacher

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selbst ist schon 15 mal innerhalb Deutschland umgezogen und ist somit auch selbst daran interessiert Tipps zu bekommen. „Die Grundidee von Qype ist Kollaboration. Nur, wenn es Menschen gibt, die anderen ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben, in kostenlose Vorarbeit gehen, entsteht ein Nutzen. Konsumenten und Aggregatoren stehen dabei im Verhältnis 1:100. Auf einen Beitrag kommen 100 passive Nutzer.“ Qype gilt auch als interaktives Stadtmagazin, in der rund 10.000 Städte in Europa mit Kommentaren zu allerhand vertreten sind. Uhrenbacher hat außerdem auch einen Account bei Twitter und versorgt per Tweets seine Follower. Desweiteren hat er auch eine eigenen Qype-Blog, in dem Neuentwicklungen auf Qype beschrieben werden. Qype benötigte als Start-Up-Unternehmen Investoren, die die Plattform mitfinanzieren sollten. „Die Venture-Capital-Unternehmen Advent Venture Partners und Partech International finanzieren gemeinsam mit einem Kreis Angels einen deutlich siebenstelligen Betrag in das Start-up.“ 10Stefan Uhrenbacher kommentierte die Finanzierung der Plattform wie folgt: „Die Investoren, die allesamt zu den erfahrensten Experten der Internetwirtschaft gehören, bedeuten für uns vor allem mehr Kompetenz im Team. Jetzt haben wir die Ressourcen, den Aufbau unserer Community zu beschleunigen und Qype als besten Anbieter für lokale Empfehlungen weiterzuentwickeln. Und dies nicht nur für Deutschland, sondern für viele andere europäische Zentren.“ 11 Die Investoren von Qype sahen die Vorteile, die sich durch die Social-Community ergaben. Phillipe Collmbel, General Partner von Partech erklärte, dass Qype den Nutzer dazu veranlasst seine Erfahrungen zu teilen. „Immerhin bietet der einzigartige Dienst der Werbeindustrie einen radikal neuen Weg, um auf lokaler Ebene Zielgruppen anzusprechen.“ 12 Frederic Court, Partner bei Advent Ventures stellt vor allem heraus, dass Qype das bietet, was sonst nur innerhalb des Freundeskreise besprochen wird. „Wer eine wirklich glaubwürdige Empfehlung über ein Restaurant, Hotel oder Handwerker brauchte, fragte im persönlichen Umfeld. Heute geht das online schneller und einfacher. Die Kombination von nutzererstellten Inhalten und

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http://www.presseportal.de/pm/62986/879489/qype_gmbh http://www.presseportal.de/pm/62986/879489/qype_gmbh http://www.presseportal.de/pm/62986/879489/qype_gmbh

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Communiy-Elementen schafft einen neuen Typus Medien, der beides gleichzeitig ist: hilfreich und unterhaltsam." 13 Als Vorbild und zugleich Konkurrenz von Qype gilt die Nordamerikanische Plattform „Yelp“. „Yelp“ bietet ebenso wie Qype die Beitragsfunktion von allerhand verschiedenen Dingen in den großen Städten der USA an, wie New York, Los Angeles, Chicaco und viele andere. Es ist ebenso wie Qype eine Social-Community, auf der der User sein eigenes Profil erstellen kann, Beiträge über Bars, Restaurants etc. schreiben und bewerten kann. Laut Uhrenbacher gilt Qype aber nicht als Kopie von „Yelp“. „Yelp“ sei lediglich ein Vorbild von Qype, aber die Idee hätte Uhrenbacher selbst gehabt.

3.3 Entwicklung und Veränderungen bei Qype Qype hat sich schon zu Anfang direkt schnell entwickelt, ca. 5 Monate nach Gründung der Plattform gab es eine Designänderung hinsichtlich personalisierter Startseite, verbesserte Navigation für den User und moderneres Layout. Im Juni 2007 folgte eine Applikation für Facebook, durch die der User die Möglichkeit hatte Lieblingsplätze im Facebook zu platzieren.14 Zwei Monate später startete Qype mit einer Gutscheinaktion.15 Durch Kommentare konnte der User Credits sammeln und diese dann für Gutscheine einlösen. Auf die Verteilung der Creditpoints wird im späteren Teil der Arbeit noch eingegangen. Für 10 Credits gab es beispielsweise zwei Cocktails im Rheingold in Berlin. Nichtqyper konnten jedoch auch für nur einen Euro Gutscheine kaufen. Im selben Monat wurde eine neue Gruppenfunktion von Qype eingeführt, die „MicroCommunity“. Im Oktober 2007 wird qypen auch auf dem Handy möglich, hier kann

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http://www.presseportal.de/pm/62986/879489/qype_gmbh Vgl.:http://www.aleksmaksimow.de/blog/2007/06/27/deutsche-facebook-apps-qypecom/ Vgl.:http://www.qype.com/de/coupons

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man dann eine Stadt auswählen, was man dort sucht und in welchem Teil der Stadt man es sucht.16 Im November 2007 plant Qype sich auch in Frankreich zu etablierten. Bisher gab es Qype nur in Großbritannien und Deutschland. So startet Qype im Januar 2008 auch in Frankfreich.17 Im Februar 2008 führt Qype die Ärztebewertung ein, am dem Zeitpunkt bestand also auch die Möglichkeit verschiedenste Ärzte zu bewerten. Zur Zeit erhält die Datenbank schon über 1000 Bewertungen von Ärzten.18 Im selben Monat wurde die Website mit Youtube verknüpft. Von nun an konnten in die Bewertungen auch Videos eingebaut werden, zum Beispiel um den Kommentar mehr zu unterstreichen.19 Außerdem wurden neue Suchfunktionen eingesetzt und optisch entstand ein neuer Stadtplan. Im März 2008 wurden erstmals Zahlen von der AGOF (Arge Online Forschung) veröffentlicht. Die Bewertungsplattform nahm den 76. Platz der AGOF-Charts ein mit 0,84 Unique Usern.20 Im Juni 2008 startet Qype seinen Auftritt in Österreich und er Schweiz pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft. Aktuell gab es zu der Zeit 840 000 Unique User, wobei aber nur 80 000 davon als Autoren aktiv waren. Die AGOF verzeichnete des weiteren 2 Mio. Visits und 7,6 Mio. Page Impressions. Nur 2 Monate später gab es schon 2,4 Mio. Visits und 8,7 Mio. Page Impressions in Deutschland. In Europa allgemein wurden 3,7 Mio. Visits und 13,6 Mio. PI’s verzeichnet. Im Oktober 2008 starte Qype auch in Spanien. Außerdem wurde eine neue Funktion eingeführt, die „Kalender-Funktion“. Hier kann der User nun eintragen, wo er wann hingeht und somit auch anderen Usern die Möglichkeit geben von Partys, Veranstaltungen etc. zu erfahren.

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Vgl.: http://www.golem.de/0710/55183.html Vgl.: http://sebastianvoss.typepad.com/markterfolgsblog/2008/05/voting-fr-den-g.html Vgl.: http://www.pcpraxis.de/index.php?option=com_content&id=2941&view=article Vgl.: http://de.blog.qype.com/tag/youtube/ Vgl.: http://de.blog.qype.com/2008/03/28/qype-bei-agof/

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Im Januar wurde eine Applikation für das iPhone entwickelt und ebenfalls für das Google-Handy G1.21 So können die User von Qype auch direkt vom Ort aus qypen und so die Kommentare und Bewertungen vielleicht noch mehr pushen. Im Februar 2009 verändert sich dann das Layout von Qype hin zum Retro-Look, der wieder im Trend ist. Hierbei ist die Farbwahl sehr reduziert auf Rot und Blau.22 Im März 2009 wollte Qype noch die Mobilekommunikation ausbauen und tritt in eine Kooperation mit Cellity, um damit mobil.qype noch mehr zu pushen und es nicht nur für iPhone und G1 User möglich zu machen von unterwegs zu qypen. 23

3.4 Funktionen der Website „My Qype“ beinhaltet folgende 10 Gliederungspunkte, die der User auf seine Seite abrufen kann. Diese 10 Ounkte sollen nun kurz einmal vorgestellt werden.24 1. Übersicht: Unter dem Punkt „Übersicht“ kann der User seinen Usernamen, sein Profilbild, seinen Wohnort, das Mitgliedschaftsdatum und seine Punktezahl ansehen. Auf dieser Seite wird rechts „meine Statistik“, „mein Verlauf“, „Kontakte von mir“ und „Fotos“ angezeigt. Auf der linken Seite stehen Beiträge von Usern, die mich aufgrund meines Wohnortes oder meines Alters interessieren könnten. Außerdem fällt auf die „Übersicht“ auch eine Suchoption, mit der ich schnell ein Restaurant, eine Schule oder ähnliches auffinden kann. 2. Meine Beiträge: Unter dem Gliederungspunkt „meine Beiträge“ erscheinen alle selbstverfassten Beiträge von mir, die ich nach Stichworten, Städten oder auch Kategorien filtern kann. 3. Meine Fotos: Hier erscheinen alle Fotos, die der User hochgeladen hat. Die Fotos sind kategorisiert unter verschiedenen Stichpunkten, wie zu Beispiel: Städte, Plätze

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Vgl.: http://www.iphone-ticker.de/2008/04/25/neue-web-apps-von-kicker-qype/ Vgl.: http://www.standart-tolleranz-maschiene.de/archives/215-Qype-goes-retro.html Vgl.: http://blog-de.cellity.com/2009/03/23/qype-lieblings-locations-ab-sofort-im-cellity-communicator/ Vgl.: http://www.qype.com/de

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oder Events. Das Vordergrundfoto des Ordners zeigt auch den Titel des Albums und die Anzahl der Bilder, die sich darin befinden an. 4. Meine Favoriten: Hier kannst du Beiträge auswählen, die du zu deinen Favoriten zählst, bei denen du findest etwas ist gut auf den Punkt gebracht oder gut geschrieben worden. 5. Meine Events: Unter „meine Events“ kann der User mit Hilfe eines Kalenders Events oder Festivals eintragen. Der User kann auch von anderen Usern Events in der jeweiligen Stadt sehen, die eingetragen wurden oder besucht und bewertet worden sind. 6. Meine Gruppen: Wie bei mittlerweile allen Social-Communities kann man in beliebige Gruppen eintreten oder Gruppen gründen. Man findet sowohl Gruppen einer Kategorie als auch Gruppen, die speziell auf die jeweilige Bar, den Arzt oder den Kindergarten ausgerichtet sind. 7. Meine Guides: dieser Gliederungspunkt ist etwas spezieller. Hier kann man Sammlungen anlegen oder finden, die einem nicht nur ein Restaurant oder ein Hotel angeben, sondern ein rauchfreundliches Restaurant und ein hundefreundliches Hotel. 8. Meine Kontakte: Hier werden alle Freunde und Bekannten des Qype-Users angezeigt, außerdem kann jeder User jeden anderen als „Freund“ in seiner Freundesliste aufnehmen. 9. Meine Komplimente: Unter diesem Punkt können die User sich gegenseitige Komplimente zu Beiträgen erhalten und auch verteilen. 10. Meine Einstellungen: Hier kann der User festlegen, wer dem User Nachrichten schreiben darf, entweder alle User oder nur diejenigen, die in der Kontaktliste des Users stehen. Außerdem lässt sich das Passwort ändern und der User ist in der Lage sein Profil einzuschränken.

Wie eben schon erwähnt, hat jeder Qype-User eine Punktzahl (Credits). Jedem User werden Punkte zugewiesen, die das Ranking des Users beeinflussen, das heißt ob er zu

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dem „Top-Usern“ gehört oder nur ein User ist, der gelegentlich mal in Qype aktiv ist. Für den ersten Beitrag auf Qype erhält ein User 4 Punkte, für jeden Weiteren Beitrag 3 Punkte, für jedes Foto und Video einen Punkt, für Bewertungen durch andere auch einen Punkt und für einen neuen Kontakt ebenfalls einen Punkt. So entsteht das Punktesystem. Je aktiver ein User also bei Qype ist, desto höher ist seine Punktzahl und desto weiter oben auf einer Seite sind auch seine Beträge zu lesen.

Daniel-John Riedl 4. Qype vs. andere Bewertungsportale

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In Deutschland grassiert der Hype um Bewertungen im Internet. Millionenfach geben Autoren ihre Erfahrungen mit und Meinungen über jegliche Dienstleistungen, Produkte, Locations, Veranstaltungen, Urlaubsziele, etc weiter. In Zukunft muss wohl so gut wie jeder Dienstleister damit rechnen, dass Kunden die Qualität der Leistungen im Internet – also für jedermann sichtbar – bewerten.25

Um die Qualität und das Potential von Qype feststellen zu können, muss verglichen werden. Hierzu soll zunächst klar sein, mit welchen anderen Bewertungsportalen sich Qype den Markt teilt. Da es unter den Bewertungsportalen große Unterschiede in der Ausrichtung gibt ist es nicht möglich Qype, als Bewertungsplattform für Restaurants, etc mit einer Bewertungsplattform für Fernreisen zu vergleichen. Deshalb sollen im Weiteren Bewertungsportale aus dem Bereich "Restaurant, Freizeit & Lokales" betrachtet werden.

4.1. Welche anderen Bewertungsportale gibt es? Die Frage nach dem grundsätzlichen Nutzen der verschiedenen Portale muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Natürlich geht es schlicht um Bewertung. Das diese schlichte Funktion jedoch starke Auswirkungen auf das Anbieterverhalten hat und die Beziehung Dienstleister-Kunde dynamisiert, wurde in den vorrangegangenen Kapiteln anschaulich dargestellt.

Laut einer Studie von focus.de handelt es sich bei den bekanntesten Portalen rund um "Restaurant, Freizeit & Lokales" um folgende Seiten.26

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Qype.de als altenatives Branchenbuch, 70000 Autoren schreiben über Restaurants, Locations, Artzte und andere Dienstleistungen in ihrem Heimatort. Es besteht eine sehr rege Community.

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http://www.golser.info/boom-der-bewertungsportale-27122008 http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps/reise-und-freizeit-erholung-garantiert_aid_263608.html

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max.de/cityguide als online Städteführer mit Insidertipps und Eventkalender. Mitglieder bewerten Hotels, Restaurants und Bars.

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townster.de als Verbindung aus Community und lokaler Suche. Durch ein ausgeklügeltes Matching Verfahren sollen lokale Informationen besser auffindbar sein.

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leisurefoxx.de als bundesweite Online-Freizeitplattform. Bewertung von Restaurants und anderen Angeboten.

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vagabund.biz als sehr junges Portal mit wenigen Kritiken. Bewertung von Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Hotels, etc. Zusatzinformationen beispielsweise über Eignung für Kinder.

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appetido.de als online-Speiseführer. Bewertungsportal für Restaurants und Bars. Speisekarten Online.

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restaurant-kritik.de als reines Bewertungsportal für Restaurants mit 56000 Bewertungen bundesweit. Rund 200 Restaurants bieten OnlinePlatzreservierungen.

Man spricht im Zusammenhang mit Seiten wie diesen, die ausschließlich darauf ausgerichtet sind "Kundenrezensionen" aufzunehmen, auch von Verbraucherportalen.27 Dieser Begriff stellt die wesentliche Funktion und den Sinn dieser Plattformen in den Vordergrund. Alle diese Verbraucherportale haben zum Ziel, dem Nutzer, Autor, Verbraucher die Möglichkeit zu geben, seinen persönlichen Eindruck von und seine Erfahrungen mit Bars, Restaurants und Locations im Allgemeinen mit einer möglichst großen Community zu teilen. So gesehen könnte hier von einer Mitbewerberschaft gegenüber Qype gesprochen werden. Allerdings lässt diese Sicht einige Aspekte unberücksichtigt, da sie lediglich die Funktionen der Seiten anspricht. Vergleichbar schwierig wäre solch ein Vergleich zwischen den SocialNetworking Diensten Facebook und StudiVZ. Nur weil StudiVZ einige ähnliche oder die selben Grundfunktionen hat wie Facebook, heißt dies noch nicht, dass von einem wirklichen Wettbewerb zwischen beiden Portalen gesprochen werden kann. Gerade bei
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http://de.wikipedia.org/wiki/Online-Bewertung

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Bewertungsplattformen spielt die zumindest nationale Verbreitung und eine möglichst große Community im Grunde die wichtigste Rolle.

4.2. Wo steht Qype im Vergleich zu anderen? Fraglich ist nun, ob diese anderen Portale als wirkliche Mitbewerber oder Konkurrenten Qypes gesehen werden können. Abgesehen von den Möglichkeiten und Funktionen, welche dem Nutzer auf den Seiten geboten werden, müssen Einflussfaktoren wie Verbreitung, Größe, Potential, etc berücksichtigt werden. Qype ist, wie bereits beschrieben, das europaweit größte und verbreiteteste Bewertungsportal. Grundsätzlich geht es bei allen Bewertungsportalen primär um den Aufbau einer Community, da ohne diese, den Nutzern für ein intensives persönliches Einbringen von Bewertungen der Anreiz und die Motivation fehlen würde. Da viele der "Mitbewerber" Qypes erst einige Zeit nach dessen Launch online gingen, fiel es diesen von Beginn an schwer sich als wirklichen Konkurrenten gegenüber Qype zu positionieren. Im Vergleich fällt auf, dass sich die meisten Funktionen auf den verschiedenen Bewerungsplattformen sehr ähnlich sind oder gar gleichen. Natürlich gibt es einige Portale mit speziellen kreativen und sicherlich auch sinnvolen Tools, wie zum Beispiel appetido.de mit der Möglichkeit, die Speisekarten von etwa 200 Restaurants online abzurufen.28 Allerdings stellt dieses, wenn auch kreative, Tool gerade bei der Betrachtung der nationalen Verbreitung von Qype, kein schlagkraftiges Argument dar.

Wichtig ist bei der objektiven Bewertung eines Bewertungsportals immer die Beachtung des wichtigen Faktors Reichweite. Autoren investieren keine Zeit und Mühe mit dem Wissen, dass ihre Beiträge von nur sehr wenigen Menschen entdeckt, gelesen und beachtet werden. Bewertungsportale leben durch die Masse an teilnehmenden Menschen.

Natürlich muss berücksichtigt werden, dass die einzelnen Portale trotz der gleichen Grundfunktionen, verschiedene Interessensgruppen befriedigen und informieren sollen. In 4.1 wurde sich auf den Bereich "Restaurant, Freizeit & Lokales" beschränkt,
28

http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps/reise-und-freizeit-erholung-garantiert_aid_263608.html

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da auch bei der Bewertung der Reichweite, der Faktor "Interessensgruppe" eine wichtige Rolle spielt.

Wenn beispielsweise ein national verbreitetes Bewertungsportal für Kunstausstellungen und -galerien gelauncht werden sollte, dürfte sich der Aufbau von quantitativer Reichweite sehr viel schwieriger gestalten als im Falle einer Seite für Restaurantbewertungen. Trotzdem könnte die Seite sehr erfolgreich sein, da sie speziell die Bedürfnisse aller Kunstkenner und -interessierten befriedigen würde.

4.3. Wer ist Qype? Neben der Untersuchung von Funktionen, Reichweite, Nutzerzahlen und sonstigen harten Faktoren spielt auch das Image welches ein Portal verkörpert eine wichtige Rolle. Was für Menschen bewerten hier eigentlich? Sind das im Allgemeinen Charaktere deren Bewertungen ich vertrauen kann? Empfinde ich die Community als authentisch? Dies allse sind Fragen, die sich bei der Betrachtung von Bewertungen im Internet, wenn auch nur unterbewusst in den Köpfen der Nutzer stellen. Der Nutzer machst sich sozusagen ein Bild von der Kultur der Community auf die er stößt. Auf die Entwicklung dieser Kultur hat ein Unternehmen vor allem in der Gründungsphase einen starken Einfluss. Die Art und Weise wie die Macher eine Kultur um das Bewertungsportal schaffen und sich entwickeln lassen können soll hier kurz beschrieben werden.

In den vorrangegangenen Kapiteln wurden detaillierte Informationen zur Entstehung und Entwicklung von Bewertungsportalen im Allgemeinen, sowie über die konkreten Funktionen von "Qype" gegeben. Hinter der Frage "Wer ist Qype?", auf welche wir in diesem Teil eine zumindest mögliche Antwort finden wollen, steht hier die Vorstellung einer gewissen Persönlichkeit dieses Tools. Geht es nach Stephan Uhrenbacher, Gründer von Qype, soll die Plattform in den nächsten Jahren zum vetrauensvollen Ratgeber heranwachsen.29 Die zustandekommende persönliche Atmosphäre, welche das Portal umgibt, hat ihren Ursprung weniger in der reinen Idee einer
29

http://www.fischmarkt.de/2006/10/stephan_uhrenbacher_wie_inhalte_in_websi.html#more

Daniel-John Riedl

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Bewertungsplattform, als viel mehr im von Beginn an konsequent verfolgten Web 2.0 Ansatz. Den allgemeinen weltweiten Trend des "User generated Content" aufgreifend, setzte Qype schon in den Anfängen nicht auf schweres Geschütz im Bereich Marketing und Werbung, sondern konkret auf die Bereitschaft der Menschen, sich mitzuteilen und ihre Erfahrungen, ihr Wissen weiterzugeben.

Qype setzte von Beginn an auf "Autoren" und Blogger um die Plattform bekannt zu machen. Anders als das amerikanische Pendant "Yelp" setzte Qype bei der Entwicklung und Bekanntmachung von Qype auf die Menschen selbst.30 Diese Strategie, den User, als möglichen Experten, in den Fokus zu rücken, führt zu einer sehr hohen Authentizität des Portals. Die User sehen sich als wirklich "Schaffende" und nicht nur als "Beiwerk" irgendeiner ausgeklügelten und finanzintensiven Marketingstrategie.

30

http://meedia.de/nc/background/meedia-blogs/dirk-manthey/dirk-manthey-post/article/qype-erreicht-jetzt-denbreak-even_100013391.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=1674


				
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posted:7/16/2009
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Description: Medienprojektarbeit von Studenten der RFH K�ln Studiengang Medienwirtschaft im Fach Multimedia