PP 430 in RTF combined by wulinqing

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PP 430 128-134 Waehrung & Wirtschaft Jan 25


                           Währung und Wirtschaft
                    Mitteilungsblätter der Deutschland Versicherungsbank A.=G.
                                            Berlin W 10
                    Nummer 2       Königin=Augusta=Strasse 19 31. Januar 1925
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                           Ulrich von Beckerath (? Sehr wahrscheinlich! – J.Z.):

Bis zum 31. 12. 24 hatten Reichsbank und Rentenbank für fast genau 4 Milliarden Reichsmark bzw.
Rentenmark Papiergeld ausgegegeben. Dazu kommen noch für rund 400 Millonen Metalleld, das aber
infolge seines geringen Gehalts an Edelmetall auch nicht viel hoeher zu bewerten ist als Papiergeld. Es sind
also für rund 4,4 Milliarden Geld im Verkehr bzw. in den Kassen der Banken und anderer Stellen gewesen.
In der ersten Woche des Jahres hat dann dieser Betrag um rund 150 Millonen Mark zugenommen.

Den Einfluss einer Verminderung der Menge der Zahlungsmittel auf die wirtschaftlichen Verhältnisse
abzuschaetzen ist gegenwärtig unmöglich. Eine solche Abschätzung hat nur dann Wert, wenn man die
Veränderung der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes kennt.(*)
Wenn man z.B. weiss, dass die Umlaufsgeschwindigkeit sich überhaupt nicht oder nur unwesentlich
verändert hat, die Menge des Geldes aber erheblich vermehrt worden ist, dann kann man eine Erhöhung des
allgemeinen Preisniveaus mit großer Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Nun wissen wir aber tatsächlich über
die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes in Deutschland nur sehr wenig. Wir wissen nur, dass die
Neuordnung des Zahlungsverkehrs noch lange nicht durchgeführt ist, und dass fast täglich grosse
Wirtschaftskreise dazu übergehen, ihre Zahlungsweise zu ändern. Der Einfluss der Zahlungsweise (fast nur
ein anderer Ausdruck für Umlaufsgeschwindigkeit) ist aber sehr bebeutend. Man kann ihn sich etwa
folgendermassen klarmachen:

Im Jahre 1913 betrug die Summe der Umsätze in den Büchern der Reichsbank ungefähr 422 Milliarden, das
ist so viel, als das gesamte Nationalvermögen Deutschlands um diese Zeit wert gewesen ist. Man kann sich
nun vorstellen, dass keine Zahlung durch einfache Umschreibung in den Büchern der Reichsbank
geschehen wäre, sondern alle nur durch effekive Aus= und Einzahlung mit Bargeld. Die
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(*)Unter Geldumlauf soll hier jede Uebertragung von Geld verstanden werden, also nicht nur der
Zirkulationsprozess: Geld, Ware=Geld, den die ältere Sprache Geldumschlag nannte.
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Technik des Zahlungsverkehrs wäre dadurch allerdings erschwert gewesen, aber eine Unmöglichkeit hätte
keineswegs vorgelegen. Um eine solche primitive Art von Zahlungsverkehr aufrecht erhalten zu können,
hätte die Reichsbank nur einige Dutzend Milliarden Noten zu drucken brauchen. Eine Inflation wäre
dadurch nicht eingetreten, denn weil die Noten (J.Z.: Die zusaetzlichen Noten!) ausschliesslich zu
Abrechnungszwecken gedient haetten, wäre es nicht möglich gewesen, sie etwa in die Läden zu bringen
und sich dafür etwas zu kaufen. Abstrakt ausgedrückt: Die Umlaufsgeschwindigkeit des neu geschaffenen
Geldes wäre so gross gewesen, dass es keine Kaufkraft ausüben konnte.
(J.Z.: Besser wohl: Es waere fuer andere als Konsumereinkaeufe benoetigt und nur in diesen anderen
Bereichen schnell umgelaufen. Die Umlaufsgeschwindigkeit der Noten in den Haenden der Konsumer
waere nicht grosser geworden, auch nicht ihre Menge. Nur die durchschnittliche Umlaufsgeschwindigkeit
der Noten waere groesser geworden.- J.Z., 24.11.04.)

Aus dieser einfachen Betrachtung erkennt man, dass die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ein sehr
wichtiger Faktor ist, den man bei der Untersuchung der Geldverhältnisse eines Landes nicht außer acht
lassen darf. Wenn man guten Grund hat, zu vermuten, dass die Umlaufsgeschwindigkeit zwischen zwei
gegebenen Zeitpunkten unverändert geblieben ist, dann ist es allerdings erlaubt, den Faktor zu ignorieren
und allein aus der Veränderung der Geldmenge Schluesse zu ziehen. Anders liegt die Sache aber, wenn
man positive weiss, das die Umlaufsgeschwindigkeit sich verändert hat.

Kehren wir zu dem obigen Beispiel von den mehreren Dutzen Milliarden neuen Geldes zurück, das nur zu
Abrechnungszwecken ausgegeben wurde. Nehmen wir nun an, die Abrechnung vollzöge sich in etwas
weniger strengen Formen, als sie vor dem Kriege tatsächlich bestanden und bei der Reichsbank auch jetzt
wieder bestehen. Die Milderung möge darin bestehen, dass jeder die Zahlung, die ihm zu einem
bestimmten Termin obliegt, auch einen Tag später leisten kann. Es bedarf keiner langen Ueberlegung, um
einzusehen, dass hierdurch die Bedeutung der Geldmenge eine ganz andere wuerde als vorher.
Angenommen, eine Firma haette heute 1000 M. zu zahlen und morgen 1000 M. zu bekommen. Wenn ihr
nun für die Zahlung, die sie heute zu leisten hat, auch nur ein Tag Zeit gelassen wird, so kann sie 1000 M.
auf einen Tag ausleihen und für
                                           (Schluss von S. 1)

die Zinsen, die sie dafür erhaelt, abzüglich der Zinsen, die sie selbst für den Aufschub bezahlt, kann sie sich
irgend etwas kaufen. Die verminderte Umlaufsgeschwindigkeit der Geldmenge macht also, wenn auch nur
indirekt, einen Teil der Kaufkraft des Geldes frei, wenn kein Zins entgegenwirkt. Dadurch, dass die
Zahlungen auch nur um einen Tag aufgeschoben werden, kann das Geld seine Eigenschaft als
Abrechnungsschein verlieren und zu Geld im eigentlichem Sinne des Wortes werden.

(J.Z.: Die Nachfrage nach den Noten, d.h. ihr Rueckstrom, wird dadurch vermindert und damit, wenn sie
Zangskurs haben, verlieren sie an Kaufkraft, bzw. die Preise, Loehne etc., die dann in diesen Noten
ausgedrueckt werden muessen, wuerden schliesslich entsprechend steigen. Unter freiem Kurs gegen ein
stabiles Wertmass wuerden sie ein Disagio erhalten. – J.Z., 24.11.04.)

 Wird von der Strenge der Sitten im Zahlungsverkehr noch mehr nachgelassen und hat jeder nicht etwa nur
einen Tag oder einige Tage Zeit, um seine Schulden zu bezahlen, dann wird unvermeidlich ein Teil der
Zahlungsverpflichteten sich für den ganzen augenblicklich ersparten Geldbetrag irgend etwas kaufen,
anstatt nur den Zinsgewinn fuer die Zeit des Zahlungsaufschubs zu verwenden. Die Betreffenben hoffen
dann eben am Zahltage sich schon wieder auf irgendeine Weise liquide machen zu können. Eine solche
Lockerung der Sitten im Zahlungsverkehr wirkt also, wenn alles andere unverändert bleibt, genau wie eine
scharfe Inflation.
(J.Z.: Nur wenn die Noten Monopolgeld sind und Zwangskurs besitzen und Preise etc. in ihnen
ausgedrueckt werden muessen.- J.Z., 24.11.04.)

Man kann jeden von der Reichsbank ausgegebenen Gelbschein als mit der Verpflichtung belastet ansehen,
ihn innerhalb einer bestimmten Zeit weiter zu geben. Diese Verpflichtung brauchte gar nicht einmal von
der Reichsbank selbst auferlegt zu sein, es genügte vielmehr, wenn durch die allgemeinen wirtschaftlichen
Verhältnisse eine solche Verpflichtung geschaffen wuerde. Wenn z.B. die Wirtschaft für Steuern, Zinsen,
Mieten usw. sehr viel zu zahlen hat, dann wird der einzelne einen Geldschein durchschnittlich kuerzere Zeit
in seiner Kasse halten, als wenn wenig solche Zahlungen zu leisten sind. Es kommt nun aber noch hinzu,
dass die Reichsbank die Geldscheine tatsächlich mit der Verpflichtung ausgibt, sie ihr nach kurzer Zeit
wiederzubringen. Wenn die Reichsbank z.B. einen Wechsel ankauft, der nach vier Wochen fällig wird,
dann ist das ebenso, als wenn die Geldscheine selbst mit dem Obligo belastet wären, sich nach vier Wochen
wieder in den Kassen der Reichsbank einzufinden. Es ist aber klar, das man sich für einen Geldschein, der
einem nur auf vier Wochen überlassen wird, weniger kaufen kann, als für einen Geldschein, den man acht
Wochen oder länger behalten darf.
(J.Z.: Mir ist das nicht klar. Einmal ausgegeben, ist es ausgegeben, ob innerhalb von 4 oder 8 Wochen. Die
Auswahl ist auch in 4 Wochen gross genug. Abgesehen, natuerlich, von der Moeglichkeit die Scheine fuer
7 Wochen auszuleihen, mit Zinsgewinn, und dann in der 8. Woche den Betrag plus Zinsen auszugeben. –
J.Z., 24.1.04.)

Man kann sich nicht nur weniger dafür kaufen, man ist auch mehr eingeschränkt bei der Auswahl dessen,
was man kauft. Ist das Geld nur ganz kurzfristig ausgegeben, etwa auf ein paar Tage, dann wird der
Empfänger sich wahrscheinlich überhaupt nichts dafür kaufen, sondern nur unaufschiebbare
Verbindlichkeiten damit begleichen oder aber es weiter verleihen. (J.Z.: Hoechstens fuer die paar Tage!)
Das Geld nimmt dann wieder die Eigenschaft eines bloßen Abrechnungsscheines an.
In Anbetracht der Kurzfristigkeit der allermeisten jetzt in Deutschland bestehenden
Zahlungsverpflichtungen und in Anbetracht vor allem auch der Kurzfristigkeit, mit welcher die Reichsbank
selbst fast alles neu geschaffene Geld hergibt, kann man nicht ohne weiteres behaupten, daß das in den
2a

letzten Monaten des Jahres 1924 neu geschaffene Geld auch zusaetzliche Kaufkraft darstellt. Wenn die
Volkswirtschaft der Reichsbank oder anderen Banken das Geld mit ganz kurzer Frist zurückzahlen muss, so
können sich die jeweiligen Besitzer nicht viel dafür kaufen und sind jedenfalls auf die wenigen Arten von
Waren beschraenkt, die sehr leicht verkäuflich sind.
(J.Z.: Das bestreite ich. Machte B. wirklich zu dieser Zeit noch solche Fehler oder schrieb ein anderer
diesen Artikel?)

Um nun zu wissen, welche Rolle das Geld in der Volkswirtschaft spielt und um ferner zu wissen, ob die
neuen Noten der Reichsbank in den letzten Monaten eine Inflation bedeuteten oder im Gegenteil einem
dringenden Verkehrsbedürfnis abhelfen sollten (letzteres ist wahrscheinlich), so muesste man mehr als jetzt
ueber die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes wissen und über die Fristen, an welche zur Zeit die
Zahlungsverpflichtungen gebunden sind. Derartige Untersuchungen sind nun ganz überaus schwierig, und
es ist auch nicht abzusehen, wie sie in Deutschland angestellt werden könnten. Man hat auch schon vor
Jahrzehnten eingesehen, wie schwer es ist, die Umlaufsgeschwindigkeit festzustellen und damit den
Einfluss des Geldes auf die Volkswirtschaft und das allgemeine Preisniveau.
Jevons erklärte vor etwa 50 Jahren das Problem, die Umlaufsgeschwindigkeit zu messen, für ganz unlösbar.
Trotzdem hat einer der ersten gegenwärtig lebenden Nationalökonomen, nämlich Professor Irving Fischer,
versucht, aus Bankstatistiken Amerikas die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldez zu messen und die
Berechnungen durch direkte Beobachtung zu prüfen.

Er wandte sich zu letzterem Zweck an einige seiner Studenten und bat sie, ihn bei seinen Forschungen zu
unterstuetzen und ihm frei und offen mitzuteilen, wie lange sich im Durchnitt ein Dollar in ihren Taschen
bzw. auf ihren Bankkonten hielt. Das Ergebnis der Untersuchung war interessant, obwohl sich nur 113
Personen daran beteiligten, es ist in nachstehender kleiner Tabelle dargestellt.
(J.Z.: Hier hoere ich fast schon wieder den U. v. Beckerath sprechen, den ich von 1952 bis 1959
persoenlich kannte. Auch seine Geldideen haben sich anscheinend nur allmaehlich zu ihrer vollen Bluete
entwickelt. – J.Z., 24.11.04.)

Von den 113 Studenten gab im Durchschnitt jeder 660 Dollars im Jahr aus, während sich sein
Kassenbestand durchschnittlich auf 10 Dollars hielt. Daraus folgt eine Umlaufsgeschwindigkeit von 66,
d.h., wenn alle in gleicher Lage gewesen wären, so haette jeder Dollar 66 mal im Jahr den Besitzer
gewechselt. Die folgenden Einzelheiten der Statistik sind nicht ohne Wert:
____________________________________________

Jaehrliche im Durchschnitt Umlaufsge-
Ausgabe in Dollars      schwindigkeit
Dollars

   1 - 300  170       17
 300 - 600  450       59
 600 - 900  781       61
 900 -1200 1012       96
ueber 1200 1936      137
____________________________________________

Bemerkenswert ist die Tatsache, das die wohlhabenderen Studenten im Verhaeltnis weniger Geld als
Kassenbestand hielten wie die ärmeren.
      2b

Die allgemeine Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes in Amerika, berechnet aus Bankstatistiken, wurde von
Fisher in folgender Tabelle dargestellt:
Wie oft ein Dollar im Jahre den Besitzer wechselte

         mal            mal           mal           mal
1896     18,88   1900   20,4   1904   20,4   1908   19,7
1897     19.9    1901   21,8   1906   21,6   1909   21,1
1898     20,2    1902   21,6   1906   21,6   1910   21,—
1899     21.5    1903   20,9   1907   21,3   1911   21,—
                                             1912   22,-

Aehnliche Untersuchungen fehlen in Deutschland ganz und es hat auch nicht den Anschein, als ob sie in
absehbarer Zeit von irgend jemand angestellt würden.

Solange man aber den Weg nicht verfolgen kann, den das von der Reichsbank ausgegebene Geld nimmt,
und die Zeit nicht kennt, innerhalb welcher es zur Reichsbank zurückkehrt, ist es gewagt, eine Inflation
oder eine Deflation allein aus der Menge des von der Reichsbank ausgegebenen oder eingezogenen Geldes
zu schliessen.

                                               (Ulrich von Beckerath:)

                   Aus Volkswirtwirtschaft und Statistik
(Hierunter werden volkswirtschaftlich interessante Mitteilungen aus alter und neuer Zeit
veröffentlicht für die vielen Leser, die keine Musse finden, um sich in die Literatur zu vertiefen.
Beiträge sind stets willkommen.)


                                              Der französische Frank.

Der „Manchester Guardian" bringt eine praktisch und geldtheoretisch interessante Mitteilung über den
Abbsatz englischer und amerikanischer Wertpapiere in Frankreich. Diese Papiere werden oft zu einem Kurs
verkauft, der ihren Erwerbern nur 2 % Zinsen sichert. Die unter Beruecksichtigung des Kurswertes mit 12
% verzinslichen französischen Anleihen aber finden nur schwer Absatz. Das Auffallende am gegenwärtigen
Zustand des franzoesischen Geldmarktes ist nun, dass trotz des ganz offenbaren allseitigen und sicherlich
berechtigten Misstrauens gegen den franzoesichen Franken sich der Kurs doch ziemlich stabil hält. Die
Ursache dieser Stabilität ist die für die französische Vollswirtschaft bstehende Notwendigkeit, andauernd
sehr grosse Mengen von Franken anzuschaffen, z.B. für Steuern, für Mieten, für Löhne usw. Hierdurch
wird eine fortwährende starke Nachfrage nach Franken erzeugt, welche den Kurs stabil haelt trotz des
Misstrauens der Bevölkerung in die eigene Währung.

Schon Adam Smith hat hervorgehoben, dass Waehrungen stabil gehalten werden in erster Linie

(J.Z.: Fuer A.S. war das nur eine Nebenerkenntnis, die er nicht genuegend in seine allgemeinen
Waehrungsansichten eingebaut hat! – J.Z., 24.11.04.)

durch die Nachfrage nach Zahlungsmitteln in der betreffenden Waehrung und erst in zweiter Linie durch
das Vertrauen, welches die Wirtschaft in die Währung setzt. Die neueste Entwicklung des französischen
Franken bestätigt diesen in Theorie und Praxis oft übersehenen Satz auf das deutlichste.
(J.Z.: Wenn die Nachfrage nach Zahlungsmitteln nicht gross genug ist dann hilft, auf die Dauer, auch das
groesste aber ungerechtfertigte Vertrauen in die Waherung nicht. Sie wird entwertet. – J.Z., 24.11.04.)

                                             Die Italienische Waehrung.
Die italienische Währung ist in den letzten Tagen stark gesunken. Mitte Januar konnte man in Lonbon für 1
Pfd. Sterling einen Scheck auf Mailand im Werte von 119 ¼ Lire kaufen. Einen solchen Tiefstand hatte der
Lire nur einmal vorher erreicht, nämllich kurz bevor Mussolini sich der Regierung bemächtigt hatte: Im
Oktober 1922
                                                   3a
waren 117 1/2 Lire 1 Pfb. Sterl. wert. In Italien und sonderbarer Weise auch in einem Teil der deutschen
Presse wird vermutet, dass das Ausland gegen Italien spekuliert. Darauf ist folgendes zu erwidern:
Entweder ist die italienische Waehrung tatsächlich verschlechtert, d. h. es sind neue Noten oder neues
Giralgeld als zusätzliche Kaufkraft in den Verkehr gekommen, dann wird keine Massnahme der Regierung
den Verkehr hindern koennen, die tatsaechliche Verschlechterung in die Erscheinung treten zu lassen. Oder
aber die italienische Währung ist nicht verschlechtert, dann wird der Kurs wieder steigen, eben so sicher
wie ein unter Wasser gebrachtes Stück Holz wieder an die Oberfläche steigt.

Man erinnere sich an die Vorgänge bei der Frankenspekulation. In der ganzen Welt war plötzlich die
Meinung verbreitet, dass der Frank jetzt immer weiter fallen muesse, weil er einmal angefangen hatte zu
fallen. Die französische Finanz vermied auffallenderweise darauf hinzuweisen, dass der Notenumlauf doch
nur unwesentlich zugenommen habe (J.Z.: hatte?) und begann in das Geschrei über „Spekulation"
einzustimmen. Alle Welt war froh, Franken und Frankenforderungen zu Schleuderpreisen verkaufen zu
können. Dann aber begann der unvermeidliche Rueckschlag. In Frankreich selbst wurden
Frankenforderungen fällig. Wechsel, Mieten, Steuern und Zinsen mussten bezahlt werden. Schuldner, die
sich nicht hatten verblüffen lassen, darunter wahrscheinlich nicht zuletzt der Finanzminister und die Bank
von Frankreich, bezahlten ihre Schulden in entwertetem Geld, das sie billig gekauft hatten. Die Schuldner
aber, die sich hatten verblüffen lassen, darunter leider auch viele Deutsche, konnten zusehen, woher sie
Franken bekamen, und der Kurs stieg, infolge der forcierten Nachfrage ebenso rasch als er gesunken war.
Das Hauptgeschäft soll damals übrigens Morgan gemacht haben, der große Mengen von Franken kaufte als
sie am billigsten waren. Die französische Industrie aber, die scheinbar zu Schleuderpreisen verkauft hatte,
                                                   3b
sah ihre Forderungen plötzlich gewaltig aufgewertet, und die Käufer, die auf Ziel kauften, waren einfach
betrogen!

Ganz ausgeschlossen wäre es nicht, dass jetzt ähnliche Manöver mit dem Lire versucht werden sollen. In
diesem Falle wäre nicht London der Herd der Spekulation, wie die italienischen Zeitungen behaupten,
sondern Rom! Diese Meinung hat einiges für sich, obwohl das Preisniveau in Italien durch die steigenden
Devisenkurse schon merklich beeinflusst ist.

                                 Südafrika prägt wieder Goldmünzen.

Die Goldproduktion hat sich in den letzten Jahren sehr gehoben. Die Menge des englischen Geldes dagegen
hat sich in den letzten beiden Jahren nur wenig verändert. Daraus folgt ganz natürlich dass das Gold
gegenüber dem englischen Geld immer weniger wertvoll werden musste. Die Leser der Tagesberichte der
„Deutschland" werden sich erinnern, dass wir schon vor Monaten eine solche Entwicklung voraussagten
und mit einer Erreichung der Goldparität des englischen Pfundes im Laufe des Jahres 1925 rechneten. Das
scheint nun jetzt einzutreten.
Das Goldagio in England ist nur noch gering. In Südafrika aber haben es die Bergwerke billiger gefunden,
für eine halbe Million engl. Pfund in die Muenze zu schicken, als das Gold wie früher nach London oder
nach New York zu dirigieren. Die Transportkosten waren höher als die Kursdifferenz, der Goldpunkt war
erreicht. Die halbe Million Pfund neuer Goldstücke soll zu Lohnzahlungen verwendet werden.
Die Preise in Südafrika werden nächstens wohl erheblich steigen, wenn nicht etwas Besonderes geschieht
um einer solchen Steigerung entgegenzwirken.
(J.Z.: Aus anderen Berichten entnahm ich, dass England damals eine Deflationspolitik betrieb, mit dem Ziel
die Vorkriegsparitaet des Pfundes zum Gold wieder zu erreichen. Sie fuehrte, natuerlich, zu grosser
Arbeitslosigkeit. Nach weiteren Untersuchungen ueber die Goldproduktion im Verhaeltnis zu Preisen,
ausgedrueckt in Goldgewichtseinheiten, kam Beckerath zu der Schlussfolgerung, dass sie fast keinen
Einfluss auf die Preise hat. Die Menge der Gueter und Dienstleistungen stieg ebenfalls stark an und der
Gewichtseinheit des gesamten Goldbestandes pro Kopf nur sehr wenig. – J.Z., 24.11.04.)

                            Die Indexzahlen des Statistischen Reichsamtes.
Nach einer Meldung der Tagespresse hat die Regierung erwogen, die Indexzahlen für die
Lebenshaltungskosten nicht mehr wöchentlich zu veröffentlichen, sondern nur noch monatlich. Ein solcher
Schritt erscheint wenig geeignet, das Vertrauen des Volkes in die Währung zu staerken. Er muss ausserdem
zuletzt dahin führen, dass die an der Indexzahl interesieten Kreise eigene Berechnungen anstellen, und dass
dann auch die monatliche Berechnung durch dass Reichsamt viel weniger praktische Bedeutung hat als
heute die wöchentliche. Es wäre sogar zu wünschen, dass ausser der jetzigen woechentlichen Berechnung
noch eine tägliche angestellt würde. Für das deutsche Volk ist die Bewertung der Mark an jedem Tag durch
die eigene Volkswirtschaft ebenso interessant, wie die Bewertung an den Börsen des Auslands, die ihm
wenigstens einmal täglich oft aber mehrmals telegrapisch bekanntgemacht wird. Für einen geringen
Bruchteil der dafür aufgewendeten Kosten (J.Z.: ? )könnte man für einige der grössten Staedte eine sehr
gute deutsch Statistik aufmachen.
                                                   4a

(J.Z.: Etwa zwei Jahre spaeter schlug Beckerath selbst vor, dass sich die Festmarkbank nun auf monatliche
statt woechentliche Indexzahlen beschraenke. Das wuerde sogar Vorteile bieten! J.Z. 11/10/83. –
Wenigstens er selbst haette sich damit viel Arbeit erspart. Aber die Inflationsgefahr schien seinerzeit vorbei
zu sein, wenn auch ihre gesetzlichen Voraussetzungen noch immer gegeben waren. – J.Z., 25.11.04.)
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                                            Das Ausland und die Inflation.

Im Auslande ist immer noch die Meinung verbreitet, dass die Inflation wenigstens in Deutschland viel mehr
genutzt als geschadet hätte. Besonders die Bedeutung des damaligen hohen Beschäftigungsgrades der
Industrie
(J.Z.: Gegen Ende der Inflation stieg die Arbeitslosigkeit auch sehr! Stagflation! – J.Z., 25.11.04.)
wird immer noch falsch beurteilt. Deutschland hat damals einen grossen Teil seines Vermögens und seiner
Produktion einfach verschenkt. Die Ausfüllung der Luecken, welche dadurch entstanden, ergab allerdings
mancherlei Beschäftigung, war aber in Wirklichkeit ein großer Leerlauf. Viele engllische Geschäftsleute
sehen das aber nicht ein und drängen die Regierung, ihnen doch durch eine kleine Inflation zu helfen. Der
englische Finanzminister machte sich im vorigen Jahre sogar zum Sprachrohr dieser Bestrebungen und
verkündete pomphaft, die englische Währung muesse solange inflationiert werden, bis der letzte
Arbeitslose von der Strasse herunter wäre.
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(J.Z.: In einer Deflation, muessten solange neue und gesunde Zahlungsmittel ausgegeben werden, bis jede
unfreiwillige Arbeitslosigkeit beseitigt ist. Die Arbeitslosigkeit duerfte dann natuerlich nicht weiterhin
subsidiert werden.
Der Staat kann das nicht tun. Bei seinen zentralen Ausgaben herrschen in einigen Bereichen immer
Inflation und in anderen Deflation. Freie Notenbanken koennten Ausgaben dem Bedarf anpassen und die
Groesse ihrer Emissionen von Zahlungsmitteln wuerden durch den freien Kurs bestimmt. Solange sie zu
par mit ihrem Wertmass stehen wuerde keine Inflation vorliegen. Bei Kursverlust wuerden dann die
potentiellen Ausgeber sowohl wie Annehmer, im Eigeninteresse, weitere Emissionen verhindern. Wuerden
die Noten aber ein Agio erhalten, so wuerden, offensichtlich, weitere Ausgaben gerechtfertigt sein. Eine
Ladengemeinschaft, z.B., wuerde nicht mehr von ihrem eignen Geld ausgeben als sie sofort decken kann
und ihre Kunden wuerden nicht mehr von ihren Noten annehmen als sie gegenueber diesen Laeden
verwenden koennen und wollen. Die Kurse waeren separat fuer jedes Art von privaten Geldzeichen
anzugeben. Das Preissystem wuerde auch in dieser Sphaere arbeiten. Gutes Geld wuerde das schlechte
verdraengen.- J.Z., 25.11.04.)
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Neuerdings weist ein Mitarbeiter des „Manchester Guardian" auf die günstige Wirtschaftslage Frankreichs
hin und behauptet kurzerhand, weil die französische Währung jetzt schlechter sei als vor dem Kriege, so
muesse ein Zusammenhang zwischen dem guten Geschäftsgang in Frankreich und der Verschlechterung
des französischen Geldes bestehen. Den Vogel schoss aber die „Times" ab mit einer Aeusserung, dass es
das Recht eines jeden Staates sei, Inflation zu treiben.
Es hat allerdings nicht den Anschein, dass die Inflationisten in England in absehbarer Zeit siegen werden,
immerhin aber ist die Tatsache, dass es eine inflationistische Richtung in England gibt, nicht zu übersehen.

                                    Bevölkerungsstatistik und Presse.

Eine grosse Berliner Tageszeitung berichtete kuerzlich ihren Lesern, dass die amerikanische Statistik für
das Jahr 1922 einen gewaltigen Ueberschuss neugeborener Knaben gegenüber den neugeborenen
Maedchen ergeben habe. Es würden 911 831 Knaben und nur 863 080 Mädchen geboren. Die Zeitung
knüpfte daran die Bemerkung, dass in etwa 15 bis 20 Jahren die jungen Amerikaner sich ihre Bräute aus
Europa holen müßten. Eine solche Notiz ist zur Aufklärung des Volkes wenig geeignet, denn der
Knabenüberschuss von 5,7 Prozent ist durchaus normal. Schon vor mehr als 200 Jahren war man durch
Auszählung der Eintragungen in den Kirchenbüchern darauf gekommen, dass in allen Ländern immer auf
20 Mädchen ungefähr 21 Knaben geboren werden. In Deutschland ist der Ueberschuss fast immer ziemlich
genau 6 Prozent, in den letzten Jahren betrug er zwischen 7 Prozent und 8 Prozent. Gleichfalls seit über 200
Jahren bekannt ist die größere Sterblichkeit der Knaben. Der Ausgleich erfolgte in Deutschland vor dem
Kriege ungefähr beim Alter 30, es gab also mehr männliche Personen von 30 Jahren und darunter, als
weibliche. Durch den Krieg hat sich das Verhaeltnis etwas geändert, die Annäherung an den
Friedenszustand geht aber rasch vor sich.
                                                   4b

                              Die deutsche Rechtsprechung über das Gold.

Ein ganz überaus wichtiges Urteil hat unterm 24. November 1924 das Kammergericht gefällt: Es hat
festgestellt, dass man, um zwei zeitlich auseinander liegende Leistungen zu vergleichen, nicht nur ihre
Goldwerte vergleichen darf, sondern dass die Kaufkraft des Goldes (nicht also nur des Geldes)
berücksichtigt werden muss. Das Kammergericht hat daraus die kühne, aber volkommen richtige
Konsequenz gezogen, dass eine Leistung, z.B. eine Restkaufgeld=Hypothek, unter Umständen auch um
mehr als 100 Prozent aufgewertet werden kann. Aus der sehr umfangreichen Begründung seien die
nachstehenden Saetze hervorgehoben:

―Es ist aber weiter zu untersuchen, ob etwa ‗die allgemeinen Vorschriften‘, in dem erörterten Sinne
verstanden, eine Aufwertung ueber 100 Prozent des Gold=markbetrages verbieten. Diese Frage ist
unbedenklich zu verneinen. Es ist zunächst einmal festzustellen, dass die Aufwertung nach Goldmark
dasselbe bedeutet, wie die Aufwertung nach dem Dollar, denn die Goldmark ist nur eine abgekürtzte
Bezeichnung für 10/42 Dollar. Erst die 1. Durchführungsverordnung zur 3. (StNVO. vom 1. 5. 24 stellt die
Goldmark 1/2790 Kilogramm Feingold gleich. Betrachtet man die Aufwertungsrechtsprechung, so zeigt
sich, dass die Gerichte nach den verschiedensten Gesichtspunkten aufgewertet haben, es sind ausser dem
Dollar die Indices, insbesondere der Lebenshaltungsindex und der Grosshandelsindex, das Goldzollaufgeld,
der Umrechnungssatz des Reichsfinanzministers, die Zeilerschen Umwertungszahlen, die Entwickelung der
Löhne und Gehälter u. a. zugrunde gelegt worden. In der ersten Zeit der Aufwertungsrechtsprechung ist der
Dollar keineswegs überwiegend verwendet worden, erst als sich die Wirtschaft etwa von der Mitte des
Jahres 1923 ab auf die Goldmark 10/42 Dollar umstellte, griff die Aufwertung nach dem Dollar immer
mehr um sich, und wurde nun auch für die früheren Jahre, in denen der Stand des Dollars für die
inländische Bewertung der Mark noch ohne ausschlagende Bedeutung war, angewendet. Gegen diese
mechanische Verwendung des Dollarkurses, die den inländischen Verhältnissen nicht gerecht wird, ist
wiederholt Widerspruch erhoben worben (vgl. v. d. Trenck, W.24, S. 175, Anm. und 1180, Zeiler W. 24, S.
979, Neukirch W. 24, S. 1124, Abraham W. 24, S. 1192, Oertmamn W. 24, S. 1271, Friedländer W. 24, S.
1235, OLG. Düsseldorf W. 24, S. 210), trotzdem hat die Reichsregierung in der 3. StNVO zu diesem
Umrechnungsmassstabe gegriffen. Dass die Umrechnung nach Dollargoldmark zu hoechst unbilligen
Ergebnissen führt, veranschaulicht folgendes Beispiel:

Am 9. Februar 1920 stand der Dollar 103,75 M., am 21. Juni 1920, nach 4 Monaten, 33,25 M. Eine
Forderung von 100 000 M., entstanden am 9. 2., würde demnach einen Goldwert von 4000 GM., entstanden
am
                                                5a
21. Juni 1920, einen solchen von 12 500 GM. haben, und das obwohl in dieser Zeit sämtliche
Lebenshaltungsindices gestiegen waren. Es wuerde also ein Hypothekengläubiger, der am 9. Februar 1920
der Kaufkraft nach besseres Geld hingegeben hat, nur den dritten Teil des Goldmarkbetrages erhalten, den
ein anderer Hypothekengläubiger bekommt, der 4 Monate spaeter schlechters Geld hingegeben hat. Der
rein börsentechnisch entstandene und mehrmals von der Reichsregierung künstlich gestützte Dollar
(J.Z.: ? Reichsmarkkurs gegen den Dollar?) ist eben für die Jahre 1919-1922 kein zuverlaessiger Massstab
für die inlaendische Bewertung der Mark. Eine Vergleichung der Dollarkurse mit der Entwickelung der
inlaendischen Entwertung der Mark, gemessen an den Indices und der Steigerung der Loehne und
Gehaelter, zeigt dies mit völliger Klarheit. Besonders deutlich tritt es auch bei den Verkaufspreisen für
Grundstücke, insbesondere ländlich und gewerblich benutzte in Erscheinung, solche sind in den Jahren
1919-1922 vielfach zu Preisen verkauft worden, die, in Dollargoldmark umgerechnet, nur einen ganz
geringen Bruchteil des jetzigen Wertes der Grundstücke ausmachen.

Die Umrechnung nach dem Dollar muss nun freilich, soweit es sich um die Hypothek, die dingliche
Forderung handelt, hingenommen werden, dagegen liegt kein Anlass vor, den gleichen Massstab, der, wie
gezeigt, zu den größten Unbilligkeiten führt, auch bei den persönlichen Forderungen anzuwenden, hier gilt
es vielmehr, eine zuverlässigere und gerechtere Grundlage für die Aufwertung zu finden. Eine solche hat
das Reichsgericht in dem Urteil vom 28. November 1923 gewiesen."

Die neuere Rechtsprechung des deutschen Reichsgerichts und diejenige anderer deutscher Gerichtshöfe
über den Einfluss einer Veränderung des Geldwertes lassen die deutsche Justiz als die in diesem Punkt
vorgeschrittenste der Welt erscheinen. Die in den letzten Jahren gefällten Urteile werden für die
Rechtsfindung späterer Zeiten wahrscheinlich keine geringere Bedeutung haben, als etwa die Urteile
römischer Richter für die Ausbildung des bürgerlichen Rechts in der zivilisierten Welt.
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(J.Z.: Diese Rechtsprechung geschah aber erst NACHDEM das Unrecht und der Schaden angerichtet war!
Sie haette sich schon gegen das Zwangskursgesetz von 1909 richten sollen, das am 1.10.1910 in Kraft trat
und dann, zusammen mit der Aufhebung der Goldeinloesung die Inflationsfinanzierung des 1. Weltkrieges
auf deutscher Seite ermoeglichte und die daraufhin folgende und noch viel groessere Inflation. Aber, der
Zwangskurs wurde nicht abgeschafft, abgesehen von einer kurzen Zeit fuer die Rentenmark, und er bestand
auch fuer die DM und jetzt fuer den Euro. Gesetzgebung und Rechtsprechung lassen auch in dieser
Hinsicht sehr viel zu wuenschen uebrig. – Auch die Richter des Reichsgerichts besassen nicht genuegend
Zivilkurage oder genuegend volkswirtschaftliche Kenntnisse. - J.Z., 25.11.04.

                                                Zwei Arten von Inflation.

Die Lehren der Inflation sind an vielen ganz spurlos vorübergegangen. Das beweisen die im letzten Jahre
und sogar noch in den letzten Tagen erschienenen Aufsätze in manchen Zeitungen, worin behauptet wird,
dass jeder Zweifel an der Wertbeständigkeit der Währung eine Art Verbrechen an der Volkswirtschaft sei
und ungefähr so beurteilt werden muesse, wie etwa die Verbreitung ungünstiger Geruechte in Kriegszeiten.
Die so schreiben und predigen, verwechseln zwei sehr verschiedene Dinge miteinander, die allerdings beide
unter den Oberbegriff „Inflation" fallen. Es gibt eine Verschlechterung des Geldes, die vom Staat oder von
anderen Stellen (J.Z.: ??? Hoechstens ein voruebergehender Kursfall!) absichtlich betrieben wird und
welche im eigentlichen Sinne Inflation
                                                     5b

ist. Ausserdem gibt es aber noch eine Wertverminderung, gegen welche die ehrlichste Regierung fast
machtlos ist, das ist das Billigerwerden des Geldstoffes. Hierfür ein Beispiel:
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden bekanntlich in Nevada ganz überaus reiche
Silbervorkommen entdeckt. Die unvermeidliche Folge war, dass das Silber billiger wurde und seine
Kaufkraft sank. Was tat damals die deutsche Regierung? Stellte sie sich schützend vor die Silberwaehrung
und erklärte jeen für einen Störenfried der Volkswirtschaft, der die Entwertung des Silbers durch
Indexzahlen nachwies? Die deutsche Regierung tat das Gegenteil. Sie erklärte es für ihre Pflicht, die Sparer
und alle Besitzer von Geldforderungen zu schützen und dafür zu sorgen, dass nicht etwa ein Teil der diesen
zustehenden Kaufkraft in die Taschen der amerikanischen Silbergrubenbesitzer wanderte. Die deutsche
Regierungen veroeffentlichte selbst sorgfältige Statistiken über die Preise und die Silberproduktion, und
eines Tages erklaerten sie: Das geht nicht so weiter, wir muessen vom Silber herunter! Der Reichstag
stimmte zu, und man nahm das nächst kleinere Uebel an, nämlich das Gold.

Es sei dahin gestellt, ob dieses radikale Vorgehen der beste Ausweg war. Einige anerkannte Autoritäten auf
dem Gebiet der Währungspolitik sind heute der Ansicht, dass das Silber auch in seinem jetzigen
entwerteten Zustand noch ein brauchbares Zahlungsmittel sei, nur dürfe man es nicht so primitiv
gebrauchen wie früher. Zu diesen Autoritäten gehört der frühere franzoesische Finanzminister Caillaux.
Dieser wurde bekanntlich waehrend des Krieges als ―Defaitist" zu einer sehr schweren Gefängnisstrafe
verurteilt, weil er schon 1917 für einen vernuenftigen Frieden mit Deutschland eintrat. Sein Lehrbuch über
Finanzwissenschaft gilt aber in Frankreich auch heute noch als das beste seiner Art, und seine Kenntnis
wird von den Universitaeten bei jedem Studenten der Finanzwissenschaft vorausgesetzt.

Eine Silber=Indexwährung haette vielleicht ebenso gute Ergebnisse erzielt wie die Goldwährung und
mehrere schwere Uebelstände dieser Währung vermieden. Diese Uebelstaende lagen vor einigen
Jahrzehnten so deutlich am Tage, dass die schon damals praktisch und theoretisch widerlegte
Doppelwährung doch viele Anhänger gewann. Andererseits muss man aber natürlich anerkennen, dass die
Umstellung auf Gold vor 50 Jahren fast zwangsläufig war und tatsaechlich die öffentliche Meinung für sich
hatte.

Heute gleicht nun die Lage der Goldwaehrung in mancher Beziehung derjenigen der Silberwaehrung vor 50
Jahren. Wieder muss ernstlich untersucht werden, ob nicht die Ueberproduktion an Gold einen Teil der
Kaufkraft der Welt und besonders Deutschlands den Besitzern der Goldbergwerke zufuehrt. Durch eine
solche Untersuchung wird nicht etwa die Zahlungsfähigkeit der Regierung oder die Ehrlichkeit der
Reichsbank angezweifelt. Nicht darum handelt es sich, wie viele meinen, ob genug Gold vor=
                                                  6a

handen ist, um die Reichsmarknoten einzulösen. Diese Frage kann man wohl heute schon bejahen. Es
handelt sich vielmehr darum, ob man sich nach 20 Jahren für 1 Kilogramm Gold noch ebenso viel wird
kaufen können wie heute. Das hängt aber, wenn die Dinge so bleiben wie jetzt, weniger ab vom Goldschatz
der Regierung und der Deckung der Noten als von der Goldproduktion, auf welche die Regierung ja keinen
Einfluss hat.

(J.Z.: Er drueckte sich meist diplomatisch aus. Ueber die Goldwaehrung, die Goldeinloesung und die
Goldproduktion hatte er spaeter seine Meinung geaendert. Im allgemeinen trat er fuer die Freiheit des
Einzelnen in der Wahl des Wertmasses ein, d.h., fuer Wettbewerb auch auf diesem Gebiet, und meinte, dass
die Goldgewichtseinheit immer noch das kleinste Uebel sei verglichen mit allen anderen z.Zt. zur
Verfuegung stehenden oder vorgeschlagenen Wertmassen. Er trat auch fuer private Praegung und den
freien Umlauf von Goldmuenzen ein. Aber er erwartete, dass sich sich die Situation einer
Goldgewichtseinheit als bestes Wertmass in Zukunft aendern koennte. An eine schon in der Vergangenheit
vorgekommene Ueberproduktion von Gold glaubte er nicht mehr und belegte seine Meinung mit vielen
Berechnungen und Vergleichen. – J.Z., 25.11.04.)


Viele Geschaeftsleute unterliegen wieder einem anderen Missverstaendnis, das am deutlichsten vielleicht
ausgedrückt ist von einem amerikanischen Bankier, der seine Aeusserung stolz in die Presse lancierte. Der
Bankier meinte, er wäre immer der Ansicht gewesen, das es vorteilhaft sei, viel Gold zu besitzen, und er
liesse sich darin auch durch die neuen Theorien nicht irre machen.
Der gute Mann übersah nur eine Kleinigkeit. Selbst wenn Gold so billig wird, wie heute Aluminium, wird
es immer noch vorteilhaft sein, eine recht grosse Menge davon zu besitzen. Das hat noch niemand
bestritten. Unvorteilhaft aber ist es, sein Vermoegen in Gold anzulegen, waehrend der Entwertungsprozess
vor sich geht. Sollte aber einmal eine rueckläufige Bewegung eintreten, so ist es natuerlich unvorteilhaft,
sich in Gold zu verschulden, worüber jeder Hypothekenschuldner gern Auskunft geben wird, der während
der Jahre vor 1896 Goldzinsen zu zahlen hatte.

Waehrend in Deutschland immer noch viele bestreiten, dass solche Ueberlegungen praktischen Wert haben,
denken gewisse Leute im Ausland anders und haben in der Anlage 2 zum Dawes=Gutachten im Par. 9 klipp
und klar bestimmt:
„Falls behauptet wird, dass die allgemeine Kaufkraft des Goldes im Vergleich zu 1928 sich um nicht
weniger als 10 Prozent geaendert hat, sollen die deutsche Regierung und die Reparationskommission beide
in jedem zukünftigen Jahr das Recht haben, aus dem einzigen und alleinigen Grunde einer solchen
Veränderung eine Revision zu verlangen.

Die in diesem Pragraph ins Auge gefassten Veränderungen sollen auf Grund allgemein anerkannter
Preisindexzahlen (deutscher oder nichdeutscher) erfolgen usw.‖

Wie in Anbetracht dieser Bestimmung eine gerechte Verteilung der Reparationslasten zwischen den
Schuldnern und den Gläulbigern in Deutschland ohne eine Indexklausel in den Schuldverträgen möglich
sein soll, ist schwer zu sagen!

Die Regierung mag gute Gründe haben, die Waehrungsgesetzgebung so zu lassen, wie sie jetzt ist, das ist
aber für die Volkswirtschaft kein Grund, ihre Darlehensverträge nicht so auszugestalten, dass sie bei einer
Veränderung des Goldwertes weder den Glaeubiger noch den Schuldner schaedigen.

Honorar zu Beiträgen für diese Zeitschrift wird nicht vergütet. Der Abdruck ist frei, wenn die Quelle
angegeben wird.

                       Druck: R. Boll, Berlin NW 6, Schiffbauerdamm 19
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U.v. Beckerath                                                                            (ca. 21/3/1925) 135

                                 Besprechung mit Herrn Dr. Rittershausen
                            am 20. Maerz 1925 im Stadtbureau der Deutschland.

Die Bekanntschaft zwischen Herrn Dr. Rittershausen und der Deutschland wurde vor etwas ueber einem
Jahr durch Herrn Regierungsrate Ott vermittelt.
Dr. R., ein Freund von ihm namens Friedrich und dessen Bruder hatten waehrend der Inflationszeit
beabsichtigt, eine Art Indexbank aufzumachen. In Anbetracht der grossen Schwierigkeit passende
Indexanlagen zu finden, wollten sie sich folgendermassen helfen:
Den Einlegern gegenueber wollten sie nach einem bestimmten Index haften, das Aktivge-schaeft der Bank
sollte aber durch Ankauf und Verkauf der Waren geschehen, welche dem Index zugrundelagen. Der ganze
Plan wurde schon seiner Zeit zwischen dem Genannten und mir durchgesprochen. Ich hielt ihn allerdings
damals fuer nicht ungefaehrlich fuer die Bank.
Ich knuepfte die Bekanntschaft mit Herrn Dr. R. dadurch wieder an, dass ich ihm meinen Aufsatz "Die
Zuverlaessigkeit von Indexzahlen uebersandte und ihn um eine Besprechung darueber bat. Bei dieser
Besprechung aeusserte sich Herr Dr. R. ueber die Index-Idee und meinen Aufsatz dem Sinne nach in
folgender Weise:

Den von mir in dem Aufsatz eingenommenen Standpunkt dass Indexzahlen ein zuverlaes-siger Wertmesser
seien, koenne er nach den von ihm gemachten Erfahrungen nicht teilen. Der Umstand, dass eine Autoritaet
wie Irving F i s h e r Indexzahlen ebenfalls fuer zu-verlaessig hielte, koenne ihn in seiner Ansicht nicht irre
machen.
Herr Dr. R. haelt es fuer ganz ausgeschlossen, dass nach den bisher ueblich gewesenen Methoden das
Urmaterial fuer Indexzahlen so gewonnen werden kann, dass die Indexzahl etwas wert ist. Herr Dr. R.
erklaerte mir folgendes:

"Ich habe mir vom Statistischen Reichsamt alle Waren angeben lassen, die dem Reichsindex zu Grunde
liegen, und habe mir
                                                  -2-
auch sagen lassen, woher das Reichsamt seine Preisangaben bezieht. Ich habe mich dann selbst mit den
Grosshandelsfirmen in Verbindung gesetzt und mit ihnen ueber die Preisfestsetzung jeder einzelnen Ware
eingehend verhandelt. Diese Verhandlungen waren sehr umstaendlich, hatten aber ein recht interessantes,
wenn auch deprimierendes Ergebnis. Der Begriff "Preis", der so klar und eindeutig zu sein scheint, wenn
man immer nur die Preisnotizen im Kurszettel liest, zerflattert geradezu, wenn man den Dingen auf den
Grund geht. Zunaechst einmal sind die Qualitaeten, die gehandelt werden, fast nie immer die gleichen.
Nehmen wir den Artikel Wolle. Heute wird Wolle aus Sueddeutschland auf den Markt gebracht, morgen
aus Norddeutschland, dann spanische Wolle, dann irgend eine andere Wolle. Die Qualitaetsunterschiede
sind sehr gross. Angenommen, eine Zeitlang ist gute Spanische Wolle gehandelt worden, die Ware ging
flott ab, und nun wird die viel schlechtere deutsche Wolle auf den Markt gebracht. Der Preis sinkt dann
scheinbar, in Wirklichkeit hat aber gar keine Senkung stattgefunden, sondern es ist eben nur ein
Qualitaetsunterschied beruecksichtigt worden. Dazu kommen noch vielerlei Umstaende, die ebenso wichtig
sind wie die Qualitaetsunterschiede. Der eine Einkaeufer hat grosse Mittel, zahlt bar und bekommt
infolgedessen einen grossen Preisnachlass. Der andere ists auf dem Markt wenig bekannt, zahlt nicht
einmal bar, sondern mit einem Akzept und verlangt langes Ziel. Der muss einen erheblich hoeheren Preis
bezahlen. Die Mitteilungen der Firmen an die Statistischen Aemter sowohl als die Preisnotizen in den
Zeitungen beziehen sich durchaus nicht immer auf dieselben Arten von Geschaeften, sondern die
Auskunftspersonen geben diejenigen Preise an, die tatsaechlich in den Fakturen erscheinen, ohne
Ruecksicht auf die Lieferungsbedingungen. Das beruht nicht einmal auf einer Fluechtigkeit der
Auskunftsperson, sondern darauf, dass die Statistiker nach den Nebenumstaenden gar nicht fragen, sondern
nur den Preis wissen wollen. Ueberaus wichtig ist auch noch die Art, wie die Ware angeliefert wird. Die
Transportkosten spielen eine ganz entscheidende Rolle; manchmal werden
                                                     -3-
sie auf die Rechnung gesetzt, manchmal nicht. Die Preisunterschiede an den einzelnen Boersen beruhen
zum guten Teil darauf, dass die Transportkosten von den betreffenden Boersenplaetzen zur verarbeitenden
Stelle sehr verschieden sind."

Ich fragte Herrn Dr. R., ob diese Ungenauigkeiten sich nicht ausgleichen, wenn man eine grosse Anzahl
von Waren zusammenfasst. Herr Dr. R. meinte, dass eher das Gegenteil der Fall sei. Die
Auskunftspersonen werden ganz wesentlich von der an der Boerse herrschenden Stimmung beeinflusst.
Wenn die Stimmung z.B. "fest" ist, so werden regelmaessig diejenigen Abschluesse als typisch angegeben,
welche die teuereren Qualitaeten betreffen, oder bei welchen sonst hoehere Preise erscheinen. Den
Auskunftspersonen ist es gar nicht gelaeufig, etwa aus den verschiedenen, ihnen zur Kenntnis gelangenden
Umsaetzen einen Mittelwert zu bilden, oefters waere ihnen dies auch gar nicht moeglich, selbst wenn sie es
wollten. Die Auskunftsperson wird daher immer denjenigen Warenpreis angeben, den sie selbst fuer
typisch haelt. Den Fehler einer Indexzahl unter ½ % herabzudruecken haelt Dr. R. auch bei groesster
Sorgfalt in der Gewinnung der Daten fuer ganz ausgeschlossen,
und abgesehen davon aber sind bei der Gewinnung des Materials ganz grobe Ungenauigkeiten
unvermeidlich. Auf Grund zahlreicher Stichproben ist Dr. R. zu der Ueberzeugung gelangt, dass hoechstens
1/5 des den Statistikern gelieferten Materials wenigstens von groben Fehlern frei ist.

                                                                                                      136
Ich fragte Herrn Dr. R., ob er seine fruehere Ansicht ueber Indexanlagen auf Grund seiner Erfahrungen jetzt
geaendert haette. Herr Dr. R. meinte, dass er noch zu keinem abschliessenden Ergebnis gekommen sei.
Dass in Zeiten der Inflation selbst ein schlechter Index besser ist als gar keiner, unterliege ja keinem
Zweifel. In Zeiten aber, wo nicht inflationiert wird, koennte man eher das Umgekehrte behaupten,
naemlich, dass gar kein Index besser waere als der beste, den man mit den gegenwaertigen Hilfsmitteln
zusammenstellen kann.
                                                      -4-
Es ist noch ein Umstand in Betracht zu ziehen, wenn man den Index einer Geldanlage zugrundelegen will.
Nehmen wir an, die Preise fuer Lebensmittel steigen in der ersten Haelfte der Woche um 50% ueber das
anfaengliche Niveau und sinken in der zweiten Haelfte um 10 % darunter. Nehmen wir ferner an, die Preise
fuer andere Waren, die nicht Lebensmittel sind, sinken in der ersten Haelfte der Woche um 10% und
steigen dann um 50%. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Bevoelkerung bei einem solchen Verlauf der
Preiskurve ihre Lebensmittel in der zweiten Haelfte der Woche einkaufen wird, ihre sonstigen
Bedarfsartikel aber in der ersten. Der "Konsum-Index" wird also im ganzen um 10% gefallen sein, der
Index des Statistikers aber fuer den Wochendurchschnitt wird eine ganz erhebliche Steigerung aufweisen.
Ich fragte dann Herrn Dr. R. nach seiner Meinung ueber den "Wertheim-Index", d.h. einen Index, den sich
ein sehr grosses Warenhaus wie etwa Wertheim auf folgende Weise selbst herstellen kann: Saemtliche
Umsaetze eines Tages werden notiert, und es wird gleichzeitig festgestellt, was die verkauften Waren am
Tage vorher gekostet hatten. Aus beiden Zahlen wird dann durch irgendeine Mittelwertbildung ein Index
berechnet. Herr Dr. R. meinte, dass ein solcher Index viele Vorzuege vor dem Index des Statistischen
Reichsamtes haette, er waere aber weit davon entfernt, einwandfrei zu sein. Nehmen wir das Beispiel der
"Weissen Woche". Ein solcher Ausverkauf wird lange vorher angekuendigt und hat zur Folge, dass
unmittelbar vorher und nachher Weisswaren so gut wie gar nicht gekauft werden. Wie soll man nun die
Umsaetze in Weisswaren der einen Woche vergleichen mit den Preisen der vorhergehenden Woche?
Ich besprach dann noch mit Herrn Dr. R. einige allgemeine Fragen, so z.B. ob voellige Stabilitaet des
Preisniveaus das Richtige sei, oder ob man es ohne sonderlichen Schaden fuer die Volkswirtschaft sich
selbst ueberlassen koenne. Ich vertrat die Ansicht, dass die natuerlichen Fortschritte der Technik etc. sich in
einer
-       5—
allmaehlichen Senkung aller Warenpreise auswirken muessten, und dass kein Grund bestaende, allein die
Glaeubiger hiervon auszuschliessen, die vielleicht gerade den Fortschritt ermoeglicht haetten. Es kommt
hier sowohl die Arbeiterklasse als Glaeubiger in Betracht, deren vermehrte Geschicklichkeit und Disciplin
fuer den technischen Fortschritt unentbehrlich ist, als auch die Klasse der Sparer ( Geldgläubiger), welche
die Produktionsmittel hergeben. Obwohl Irving Fisher diesen Standpunkt nicht einnimmt, scheint mir doch,
dass man diese beiden Klassen der Bevoelkerung von den Vorteilen einer Steigerung des Geldwertes nicht
ausschliessen sollte.
Wir sprachen ferner ueber das schottische Bankwesen, welches Herr Dr. R. bisher nicht kannte. Er begriff
es aber in weniger als 5 Minuten vollkommen und er fand sogar gleich ein passendes Wort fuer die
schottischen Banknoten und meinte, man koennte sie wohl "typisierte Wechsel" nennen.
Ich verabredete mit Herrn Dr. R. eine neue Zusammenkunft zu Donnerstag, den 26. Maerz.
Dr. R. berichtete noch einiges ueber Irving Fisher.
Er hat darueber gute Nachrichten von seinem Freunde Friedrich, der im vorigen Jahre zu Fisher reiste, um
sich mit ihm ueber die Indexbank zu besprechen. Friedrich kennt Professor Fisher seit vielen Jahren gut und
hoerte in seinem Kollek Nationalökonomie.
( Herr Friedrich ist uebrigens von seiner Reise nicht zurueckgekehrt, sondern verheiratete sich in Amerika
und lebt jetzt in Chicago.)
Fisher steht in Amerika mit seinen Index-Ideen so ziemlich allein. Das Interesse des Publikums an seinen
Werken ist praktisch gleich Null. Als Herr Friedrich Fisher besuchte, freute sich Fisher sehr, endlich einmal
mit einem vernuenftigen Menschen ueber die Index-Idee sprechen zu koennen. Auch bei den Studenten von
Fisher besteht kaum irgend ein Interesse fuer Indexfragen. Fisher beschraenkt sich denn auch bei seinen
Vorlesungen auf die ueblischen Gegenstaende eines volkswirtschaftlichen Kursus und prueft seine
Studenten

                                                    -6-
gar nicht einmal in Bezug auf ihre Kenntnisse in Index-Problemen.
Die Adressen von Herrn Dr. Rittershausen ist : Geschaeftsadresse: Deutsche Bodenkultur-
Aktiengesellschaft, W.10, Mathaeikirchstrasse 9. Telf.: Kurfuerst 992.
Privatadresse: Berlin-Lichterfelde, Kommandantenstrasse 1, Telf. Zehlendorf 512.

                                                                                            - Bth.



U.v.Beckerath
137 18.4.25. (V/Th.)
                                      Die Sicherheit der Spareinlagen.

Es gibt offenbar zwei Arten, durch welche eine Spareinlage unsicher werden kann. Die eine besteht darin,
dass die Waehrung inflationiert wird, die andere besteht darin, dass der Schuldner, bei welchem die
Sparkasse oder die Bank das Geld anlegt, zahlungs-unfaehig, d.i. bankrott oder illiquide wird. Die erste Art
soll hier nicht untersucht werden. Mit der zweiten Art hat man sich in Kreisen der Sparer deswegen wenig
beschaef-tigt, weil man das Problem fuer geloest haelt. Man sagt : Die Sparkasse gibt das Geld einfach auf
erste Hypothek aus. Alter Tradition zufolge stellt diese ja eine nicht zu ueberbietende Sicherheit dar. Damit
ist die Sache eigentlich schon erledigt. Man schlägt dabei sogar nach der Meinung vieler zwei Fliegen mit
einer Klappe, denn Hypothekengelder sind in der Regel Baugelder. Sparen und Befoerdern der
Bautaetigkeit sind nach dieser Ansicht also fast ein und dasselbe. So lag die Sache tatsaechlich 1913, und
so stellt sie sich auch neute noch dem groessten Teil der Sparer dar.
Hierbei wird aber eine Art von Risiko uebersehen, welche man als Terminrisiko bezeichnen koennte, und
die man 1913 vielleicht nicht so genau zu nehmen brauchte als heute. Was das Terminrisiko ist, ergibt sich
aus folgendem, allerdings nur konstruierten Beispiel. Angenommen, eine Sparkasse nimmt fuer eine
Million Dreimonatsgeld herein und leiht die Million in Form von Hypotheken wieder aus an Leute, die
bauen wollen. Tatsaechlich wird das Geld auch in Haeuser umgesetzt. Nun kommt aber irgend eine Han-
delskrisis, eine grosse Arbeitslosigkeit oder sonst eine wirtschaftliche Stoerung. Der grösste Teil der Sparer
verlangt mit der vorschriftsmaessigen, vierteljaehrlichen Kuendigung das Geld zurueck. Was dann? Vor
dem Kriege hätte eine solche Situation die Sparkasse kaum in Verlegenheit gebracht; sie haette die
Hypotheken lombardiert. Dabei haette es gar nicht viel ausgemacht, wenn sie einen viel hoeheren
Lombardzins haette zahlen müssen, als die Hypothekenzinsen selbst betrugen. Erfahrungsgemaess bringt
unter Wirtschaftsverhaeltnissen, wie sie damals
                                                      -2-
herrschten, der groesste Teil der Sparer schon wenige Tage nach dem "Run" das Geld wieder, und die
Sparkasse kann dann das Lombarddarlehn zurueckzahlen. Der Lombardzins fuer die kurze Zeit macht nicht
viel aus.
 Heute ist die Situation wesentlich anders. Ein Markt fuer Lombardgeld, speziell zur Lombardierung von
Hypotheken,ist tatsaechlich nicht vorhanden. Eine Sparkasse, die sich darauf verlassen wollte, im Notfalle
an den Geldmarkt appellieren zu koennen, koennte in eine sehr unangenehme Situation geraten. Es ist heute
einfach nicht mehr moeglich, kurzfristig hereingenonmenes Geld langfristig wieder auszuleihen. Das
Terminrisiko ist heute fuer jedes Geldinstitut eine sehr ernste Sache; man muss ihm dadurch Rechnung
tragen, dass man einen grossen Teil der Gelder mit denselben Kuendigungsfristen wieder ausleiht, mit
welchen man sie hereingenommen hat. Daraus folgt, dass eine Sparkasse oder eine Bank keine Hypotheken
hergeben kann, wenn ihr die Sparkapitalien nur mit kurzen Kuendigungsfristen anvertraut werden. Das ist
eine harte Tatsache, die man aber hinnehmen muss. Eine Belebung der Bautaetigkeit von Seiten der
Sparkasse ist also, wie die Verhaeltnisse jetzt liegen, unmoeglich.
Man muss sich ueber die Natur der Sparkapitalien vollkommen klar sein, bevor man sie einem bestimmten
Verwendungszweck zufuehren will. Wer heute spart, tut es, um im Falle der Not darueber verfuegen zu
koennen. Sogar derjenige, welcher sich Geld zuruecklegt, um damit nach laengerer Zeit einen groesseren
Einkauf zu machen, will doch, dass sein Geld ihm inzwischen gleichzeitig als Notgroschen dient. Leider
sind die Verhaeltnisse so, dass jeder Einzelne alle Ursache hat, so und nicht anders zu disponieren. Kein
Arbeitnehmer weiss heute, ob er nach vier Wochen noch in Arbeit steht, und kein Arbeitgeber weiss, ob
nicht in vier Wochen der groesste Teil seiner Kundschaft illiquide ist. Arbeitgeber und Arbeitnehmer
muessen daher, ob sie wollen oder nicht, ihr Sparkapital kurzfristig anlegen, wenn sie nicht ein sehr
schweres wirtschaftliches Risiko auf sich nehmen wollen.
                                                      -3-

Aus dieser Betrachtung folgt noch nicht, dass eine Bautaetigkeit groesseren Umfangs in Deutschland
ueberhaupt nicht wieder in Gang zu bringen ist. Die Moeglichkeit dazu besteht sehr wohl, und zu anderer
Zeit soll auch darueber gesprochen werden. Nur von Seiten der Sparinstitute hat das Bauwesen im
Augenblick so gut wie keine Foerderung zu erwarten. Was folgt daraus?
Und wenn es heute unzulaessig ist, die Sparkapitalien in der altgewohnten Weise in Hypotheken anzulegen,
wie sollen sie denn angelegt werden?
Der Umstand, dass das heute vorhandene Sparkapital seiner eigentlichen Natur nach ein Notgroschen ist,
bedeutet beim Lichte besehen, dass der Sparen in den Stand gesetzt sein will, sich evtl. zu jeder Zeit etwas
fuer sein Sparguthaben zu kaufen und zwar fast ausschliesslich Dinge, welche man in den Laeden erhalten
kann. Auch die fuer Lohnzahlungen reservierten Gelder der Arbeitgeber dienen im Grunde dem gleichen
Zweck. Die Arbeitnehmer sollen dadurch in den Stand gesetzt werden, sich in den Laeden etwas
zu kaufen. Diese Betrachtung erscheint hoechst trivial und selbstverstaendlich; sie erlaubt aber die wichtige
Nutzanwendung, dass die gegebene Stelle, diese Art von Sparkapitalien anzulegen, nicht etwa das
Baugewerbe, sondern der Einzelhandel ist bzw. Diejenigen Stellen, die ihn mit Waren versorgen. Die
Sparer wollen ihr Geld in Lewbensmittel, Kleidungsstuecke etc. umsetzen. Daraus folgt ganz einfach, dass
man jetzt schon die Gelder zur Herstellung dieser Dinge verwenden sollte, eben damit sie bereit liegen,
                                                                                                         138
wenn die Gelder bei der Sparkasse gekuendigt und ihrem eigentlichen Zweck zugefuehnrt werden.
Tatsächlich verfahren denn auch viele Sparinstitute in dieser Weise, wenn auch vielleicht nicht aus den
Gruenden, die hier dargelegt sind, und nicht in einer Form, die das ohne weiteres erkennen laesst. Die
bequemste und sicherste Geldanlage ist naemlich heute der Warenwechsel. Viele Sparinstitute
beschaeftigen sich damit, solche Wechsel zu diskontieren. Dadurch
                                                      -4-
erreichen sie aber nicht nur grosse Liquiditaet, worauf sie in erster Linie Wert legen, sondern auch gerade
das, was die Natur der Spareinlagen erfordert. Sie versehen die Produktion, welche die Laeden versorgt, mit
Geld.
Hierdurch ist aber die Liquiditaet der Spargelder nicht etwa garantiert, sondern sie ist nur ermoeglicht.
Auch bei dieser Anlage der Spargelder kann Illiquiditaet eintreten und zwar durch die Eigenart unseres
Geldsystems.
Die sogenannte Kreditrestriktion der Reichsbank vom April 1924 verhaengte ueber Deutschland eine der
schwersten Wirtschaftskrisen, die je ein Land betroffen hat. Das Wesen dieser Kreditrestriktion muss man
sich klar machen. Die normale Art, wie sich grosse Arbeitgeber mit Zahlungsmitteln zur Bezahlung der
Loehne versorgen, ist folgende. Sie reichen der Reichsbank einen Wechsel zum Diskont ein - man koennte
auch Umtausch sagen - und die Reichsbank gibt Noten dafuer her. Nach etwa vier Wochen muss der
Arbeitgeber selbst oder derjenige, dem er Waren geliefert hat, den Wechsel einloesen. Die Reichsbank
"praesentiert" den Wechsel. Dann bekommt die Reichsbank die Noten, welche sie hergegeben hat, wieder
und sogar noch einige mehr, naemlich den Diskont, und darin besteht der Nutzen der Reichsbank.
Angenommen, es gaebe in Deutschland 20 Millionen Lohnempfaenger, und jeder erhielte woechentlich im
Durchschnitt 25 Mark, so wuerde dies 500 Millionen woechentlich ausmachen. Wenn nun die Reichsbank
jede Lohnzahlung durch Hergabe von Noten gegen Wechsel unterstuetzt, so braucht sie doch nur etwa 2
Milliarden vorzuschiessen, denn in der fuenften Woche werden ihr schon von den Wechselschuldnern 500
Millionen zurueckgebracht, die sie dann wieder ausgeben kann. Hier ist angenommen, dass jede
Lohnzahlung von der Reichsbank finanziert wird, das ist natuerlich bei weitem nicht der Fall. Wenn sich
die Haelfte der Arbeitgeber die Loehne durch Diskontieren von Wechseln bei der Reichsbank beschafft, so
ist das sehr viel. Keinesfalls waeren also mehr als 1 Milliarde Goldmark
                                                      -5-
in Umlauf gekommen. Wie dabei eine Inflation entstehen kann, soll die Reichsbank oder diejenigen,
welche ihr Vorschriften machen, erst einmal erklaeren!
Sehr schlimm war, dass waehrend die Reichsbank - freiwillig oder auf Draengen der auslaendischen
Finanzgroessen - ihren Zirkulationsapparat ploetzlich still legte, die grosse Saugepumpe, genannt Steuer,
unermuedlich weiter arbeitete. Nach wenigen Monaten lagen in den oeffentlichen Kassen Deutschlands
mehrere hundert Millionen Goldmark un-taetig herum, waehrend die Arbeitgeber mehrere hundert tausend
Arbeiter auf die Strasse setzen mussten, eben weil ihnen die bei den Behoerden herumliegenden
Geldzeichen zur Entlohnung ihrer Arbeiter fehlten.
Gewiss ist folgendes: Fuer die Wirtschaft lag keine Veranlassung vor, die Vorraete, welche sie im
Ueberfluss besass, nicht den Beteiligten zukommen zu lassen. Die Waehrung hat schwerlich Nutzen davon
gehabt, dass in den Laeden die Lebensmittel und andere Vorraete verdarben, weil die Lohnempfaenger
ploetzlich zu Arbeitslosen wurden, die keine Kaufkraft ausueben konnten. Ueberhaupt hat das Schauspiel
welches Carlyle in den Worten darstellte: "Hier Millionen unverkaeuflicher Hemden, dort Millionen
nackter Ruecken", noch immer angezeigt, dass diejenigen, welche die wirtschaftliche Leitung des Landes
ausueben, ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. Ein volkswirtschaftlicher Vorteil ist durch eine derartige
Vergeudung von Energie noch nie entstanden.

Angenommen, die Volkswirtschaft haette im April 1924 und in den folgenden Monaten frei disponieren
koennen, welche Moeglichkeit haette sie gehabt, um den Mangel an Zahlungsmitteln zu beseitigen? Waere
es wirklich so ganz und gar abwegig gewesen, wenn sie sich die noetigen Zahlungsmittel selbst beschafft
haette?
Wir modernen Menschen sind durch die Presse aller Richtungen und eine Geldgesetzgebung, die das
Gegenteil von Vernunft ist, dahin erzogen, dass uns bei der Vorstellung eines nichtstaatlichen
Zahlungsmittels sofort ganz gruselig wird und die Nebenvorstellungen
                                                    -6-
"Unsoliditaet" oder gar "Falschmuenzerei" erwachen. Die Wirkung dieser Erziehung ist so tiefgehend, dass
wir sogar auf einen Sachwert, und sei es Gold, lautende Zahlungsmittel nur mit staatlicher Genehmigung
gebrauchen, und die blosse vom Staat ausgehende Erschwerung im Gebrauch solcher Zahlungsmittel diesen
sofort das Odium "Spekulation" oder "Wucher" anhaengt. Die Vorstellung, dass der Staat sich um die
Versorgung der Wirtschaft mit Zahlungsmitteln ueberhaupt nicht bekuemmert ist den meisten von uns ganz
unfassbar geworden. Demgegenueber muss aber doch die Moeglichkeit betont werden, dass die Regelung
des Geldverkehrs mit privaten Zahlungsmitteln weder eine Utopie noch eine Unsoliditaet bedeutet, dass
vielmehr im Gegenteil private Zahlungsmittel eigentlich das Normale sind, die vom Staate nur dann durch
eigne ergaenzt warden sollten, wenn sie aus irgend einem Grunde unzulaenglich warden. Ganz besonders
aber muss diese Moeglichkeit betont warden gegenueber einem zentralen Geldinstitut, welches nicht Herr
seiner Entschluesse ist, und welches jeden Tag von auslaendischen Finanzmaechten gezwungen warden
kann, eine Politik zu verfolgen, die fuer die deutsche Volkswirtschaft verderblich ist, wenn auch vielleicht
fuer jene Finanzmaechte sehr vorteilhaft ist.
                                                                                                        139
Das Volks weiss nicht, dass der groesste Teil des Zahlungsverkehrs schon heute durch private
Zahlungsmittel geschieht. Wechsel, Schecks und Bankueberweisungen vermitteln mehr als 99 % aller
Zahlungen. In dem Masse, wie das Bargeld im vorigen Jahre knapper wurde, gingen die Summen herunter,
auf welche die Wechsel ausgestellt wurden. Wechsel ueber M 25.- waren keine Seltenheit. Gewisse
Zeitungen stellten dies als eine "Verwilderung der Sitten im Zahlungsverkehr" hin - sehr mit Unrecht, denn
im Ausland liegen die Verhaeltnisse um keine Haar besser. In Frankreich lauteten die meisten Wechsel in
der Zeit vor dem Kriege auch nur ueber ein paar Frank. Die dort herrrschenden Verhaeltnisse lohnt es sich
wohl kennen zu lernen. Dr. Eugen Kaufmann sagte darueber in seinem Werk "Das franzoesische
Bankwesen", erschienen 1911, folgendes :
- 7 - (Diese Seite 7 fehlt mir leider noch. J.Z.
                                                    -8-
                                         beschaffungsmittel dient.)
Wie man sieht, hatten die Franzosen vor dem Kriege bis zu einem gewissen Grad das Problem geloest, den
Wechsel dem Einzelhandel bzw. dem Kleinverkehr dienstbar zu machen.

Noch viel vollkommener ist die Art, wie vor fast 200 Jahren in Schottland die Geschaeftsleute verstanden,
den Mangel an Zahlungsmitteln zu ueberwinden. Die schottischen Bankiers tauschten den Geschaeftsleuten
deren Wechsel um gegen solche, die auf die Bank selbst lauteten und auf gerade Betraege ausgestellt
waren, z.B. genau 1 Pfund Sterling. Fuer einen Schein ueber z.B. 17 Pfd bekam man etwa 17 Scheine je
ueber 1 Pfd. Bei Faelligkeit der urspruenglichen Wechsel mussten die Bankkunden entweder die
Gutscheine der Bank zurueckbringen oder bares Geld. Die Einrichtung wurde spaeter auf einen sehr hohen
Grad der Vollkommenheit gebracht. Der Name Banknote stammt aus jener Zeit und wurde fuer diese
Gutscheine angewendet. Das verdient bemerkt zu werden, denn in vielen Lehrbuechern der
Volkswirtschaftslehre findet man heute noch die Ansicht vertreten, dass die Depotscheine der englischen
Goldschmiede die ersten Banknoten mit bankmaessiger Deckung gewesen seien. Jene Depotscheine der
englischen Goldschmiede vor ca. 300 Jahren waren zwar ebenfalls ein privates Zahlungsmittel, sie waren
aber durch Gold bzw. Silber gedeckt und nicht durch Kredit.
Man kann sich leicht vorstellen, dass die damalige Geldaristokratie die Selbsthilfe der Geschaeftswelt mit
sehr scheelen Augen ansah. Der Zinsfuss wurde in wenigen Jahren auf ein paar Prozent gesenkt und war
damals nicht hoeher als vor dem Kriege bei uns. Die Einkuenfte der Besitzer von Metallgeld, zu denen auch
die maechtige Bank von England gehoerte, sanken sehr betraechtlieh. Allerlei Chikanen wurden deshalb
der Ausgabe privater Zahlungsmittel entgegengesetzt, von denen die schlimmste war, dass vom 1. Juni
1765 ab der kleinste Nennbetrag einer Note ein Pfund Sterling sein musste.
                                                    -9-

                                                                                                        140
Die Zahlungsmittelnot brachte die Geschaeftsleute aber auf einen andern Ausweg. Da sie das grosse Geld
oft nicht wechseln konnten, Kleingeld aber nicht aufzutreiben war, gaben die Ladenbesitzer Gutscheine aus
ueber kleine Betraege, auf welchen vermerkt war, dass sie in dem Laden des N.N. als bares Geld
genommen wuerden. Etwas Aehnliches kommt ja auch bei uns heute noch vor und gar nicht selten. Damals
kamen die Geschaeftsleute so oft in die Lage, solche Gutscheine auszustellen, dass sie zuletzt vorgedruckte
vor-raetig hielten oder Blechmarken anfertigen liessen, auf denen der Betrag eingestanzt war, zu welchem
die Marke gelten sollte. Unter dem Namen "Kraemermarken" findet man in der deutschen Literatur diese
Einrichtung manchmal erwaehnt. Anscheinend hat noch in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die
"Kraemermarke" in England eine grosse Verbreitung gehabt.
In Deutschland sind wir jetzt in einer ganz aehnlichen Lage wie die Geschaeftsleute in England und in
Schottland im 18. Jahrhundert. Die Illiquiditaet ist allgemein. Fuer den Sparverkehr hat diese Illiquiditaet
nur deshalb nicht viel zu bedeuten, weil so gut wie keine Sparguthaben da sind, die von ihr betroffen
werden koennte. Was wuerde aber geschehen, wenn etwa die Sparinstitute mehrere 100 Millionen in
Wechseln anlegen, und die Reichsbank verhaengt ueber die Volkswirtschaft wieder eine "Kreditrestriktion"
wie im April 1924? Wenn die Sparer durch ein solches Vorgehen gehindert wuerden die Guthaben
auszuzahlen (ausgezahlt zu erhalten! - J.Z.), dann wuerde in Deutschland der Spargedanke zum zweiten
Male totgeschlagen und gewiss wieder fuer viele Jahre. Erwaehnt zu werden verdient, dass die Reichsbank
Wechsel bei der Kreditrestriktion immer noch besser behandelte als Lombardkredite, die einfach eingestellt
wurden. Ein Geldinstitut, das damals etwa Hypotheken haette liquide machen wollen, waere noch sehr viel
uebler daran gewesen, als eines, das in Wechseln anlegte. Was hilft es also Forderungen zu erwerben - und
das ist sparen - wenn die Zahlungsmittel
                                                     - 10 -
fehlen, um die Forderungen zu uebertragen und speziell sie auf den Einzelhandel zu uebertragen? Hier gibt
es tatsaechlich nur eine Loesung :
Der Einzelhandel muss Gutscheine, Zertifikate, oder wie man das nennt, ausgeben, die in seinen
Verkaufsstellen fuer bares Geld angenommen werden, genau wie frueher in England und Schottland.
Ueber die Technik dieser Emission waere viel zu sagen. Es sollen hier nur die Grund-zuege angedeutet
werden. Das Schema koennte z.B. folgendes sein:

Die Stellen, welche den Einzelhandel mit Waren versorgen, also Fabriken, gewisse landwirtschaftliche
Betriebe, Grosshaendler etc. tauschen bei irgend einer Bank, welche dem Einzelhandel nahesteht, ihre
Wechsel gegen Gutscheine um, welche in den Verkaufsstellen gelten. Voraussetzung ist, dass die
Reichsbank die Diskontierung ausschliesslich wegen einer zu der betreffenden Zeit geuebten allgemeinen
Kreditrestriktion abgelehnt hat, nicht aber aus anderen Gruenden. Hierueber waere evtl. eine spezielle
Auskunft einzuziehen.
Die Bedingungen des Umtauschs der Wechsel gegen Gutscheine haetten im uebrigen die gleichen zu sein,
wie sie die Reichsbank bei der Diskontierung von Wechseln vorschreibt. Nach einer Frist von spaetestens 4
Wochen haetten die Wechselschuldner die Wechsel einzuloesen und zwar entweder mit Gutscheinen oder
mit barem Geld. Der Einzelhandel benutzt die bei ihm eingehenden Gutscheine natuerlich dazu, um die
Fakturen des Grosshandels bzw. derjenigen zu bezahlen, welche Gutscheine fuer ihre Wechsel bekommen
haben. Zur Annahme haben sich die betreffenden Stellen ausdruecklich zu verpflichten. Aus dieser
Verwendung der Gutscheine folgt natuerlich, dass die Bank des Einzelhandels nur an solche Stellen
Gutscheine ausgeben kann, welche in unmittelbarem und laufendem Ge-schaeftsverkehr mit ihm stehen. In
kleinen Orten ist die Einrichtung verhaeltnismaessig leicht durchzufuehren, in groesseren etwas
schwieriger, weil da viele Einzelhaendler unter einen Hut gebracht werden muessen. Unueberwindliche
Schwierigkeiten bestehen aber wohl nirgends.
Scheinbar steht der Ausfuehrung die Gesetzgebung ueber das Notgeld entgeben, aber auch nur scheinbar.
Die Gesetzgebung ueber das Notgeld betrifft
                                                     -11-
eben nicht kaufmaennische Anweisungen, sondern nur Notgeld, also ein Geld, das von oeffentliehen
Kassen angenommen wird. Das Gesetz war s.Zt. gegen Kommunen, Provinzen etc. gerichtet, die Notgeld
ausgegeben hatten. Wenn man das Gesetz auch auf private Zahlungsmittel von der Natur des Wechsels
ausdehnen wollte, dann muesste man die ganze Reichsbank einsperren, weil sie in einer im Oktober 1924
ergangenen Bekanntmachung nachdruecklich die Verwendung des Wechsels als Zahlungsmittel im
Verkehr der Geschaeftsleute untereinander forderte, was uebrigens sehr vernuenftig war.
Es sei erlaubt, die vorstehenden Asufuehrungen kurz zusammenzufassen.
Zum Sparen gehoert
        a..) ein guter, der Entwertung nicht unterworfener Index, zum allerwenigsten aber der Goldindex.
        b.) Vorkehrungen, um die Auszahlung der Sparguthaben zu gegebener Zeit zu sichern und die
Abwicklung des Auszahlungsgeschaeftes von schlechten Finanzgesetzen unabhaengig zu machen, seien
diese Finanzgesetze unmittelbar vom Ausland diktiert, wie die Dawes Gesetze, oder in Deutschland selbst
von Leuten ausgeheckt, die selbst nichts besseres kennen als die auslaendische, meistens sehr
rueckstaendige Finanzgesetzgebung.
                                                                                                        141
Illiquiditaet der Wirtschaft ist ebenso schlimm als Inflation der Waehrung, beides ist zu vermeiden. Die hier
ausgefuehrten Gedanken sind natuerlich nicht etwa neu. Der zu frueh verstorbene Direktor der Hamburger
Hypothekenbank, Bendixen, hat das Wesentliche ausgefuehrt in seinen beiden Buechern (Kein Titel
erwaehnt.)
  (Wahrscheinlich: "Wesen des Geldes" u. "Geld und Kapital", erwaehnt in PP 9. – J.Z.) erschienen bei
Duncker und Humblot, Muenchen. Die aeltere Literatur ueber den Gegenstand ist sehr umfangreich, hier,
wo es sich mehr um die praktische Seite handelt, soll aber nicht darauf eingegangen werden.
                                                                                                    - ck -
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                                        Ueber das Bankgeschaeft

                                   von Ulrich von Beckerath, 3.8.1925

(Anmerkung von John Zube : Dieser Entwurf stammt aus Professor Rittershausen's Mappe ueber sein
Skontobank Projekt - dass vielleicht auch verfilmt werden wird. Fuer mich sind dieser und der folgende
Beitrag interessant als erste Beispiele eines jahrzehntelangen Meinungsaustausches zwischen Ulrich von
Beckerath und Heinrich Rittershausen ueber Geld- und Finanzfreiheit. Wenigstens sind diese beiden die
fruehesten Beispiele die mir jetzt zur Hand sind. Soweit er mir zugaengig ist und ich Zeit, Energie und
Mittel dafuer habe, will ich allmaehlich diesen ganzen Meinungsaustausch verfilmen.)


Eine Gegenueberstellung der aelteren Ansicht und der neueren,
welche ungefaehr gleichzeitig mit dem Notenprivileg der Reichsbank aufkam.

(J.Z.: Banken, wie Staaten, sind immer mehr territorial, monopolistisch und zentralisiert worden und
dadurch einerseits maechtig, andererseits aber auch ohnmaechtig geworden (um Wirtschaftsprobleme
wirklich loesen zu koennen) und haben dadurch immer mehr Unrecht und Schaden anrichten koennen.
Nur freier Wettbewerb, fuer Notenbanken ebenso wie fuer Staaten, bietet einen Ausweg. – J.Z., 8.12.04.)

1. Neuere Ansicht:
Die Bank ist im Grunde eine Sparkasse; sie arbeitet mit dem Sparkapital des Bankiers und der Bankkunden.
Der Unterschied besteht eigentlich nur in dem beweglichen Aktivgeschaeft der Bank.

1. Aeltere Ansicht:
Die Bank ist ein Vermittlungsinstitut; sie dient dem Umsatz von Guetern und Dienstleistungen. Nur
ausnahmsweise und nebenbei beschaeftigt sich die Bank damit, Sparkapital zu acquirieren.

2. Neuere Ansicht:
Die Bank soll die Volkswirtschaft mit Produktionsmitteln versehen; sie soll Darlehen geben zur
Anschaffung von Haeusern, Maschinen, Transportmitteln und zur Durchfuehrung vqn
Bodenverbesserungen.

2. Aeltere Ansicht:
Die Bank soll helfen, die Produkte vom Produzenten zum Konsumenten zu befoerdern. Mit der
Beschaffung von Produktionsmitteln hat die Bank nur insofern zu tun, als diese schon als absatzbeduerftige
Produkte irgendwo lagern.

3. Neuere Ansicht:
Um ihrer Aufgabe dienen zu koennen, muss die Bank kurzfristig angelegte Gelder in moeglichst langfristig
arbeitende transformieren. Die Bank nutzt - wie eine Versicherungsgesellschaft - das Gesetz der grossen
Zahlen aus, betrachtet Abhebungen als "Schaeden" und rechnet darauf, dass Einlagen und Abhebungen sich
wie Praemien und Schaeden zum groessten Teil ausgleichen. Die "Spitze" ist langfristig anzulegendes
Kapital.
3. Aeltere Ansicht :
Um ihrer Aufgabe dienen zu koennen, muss die Bank das von Sparern und Kapitalisten langfristig
angelegte Geld ihrerseits kurzfristig anlegen; sie kann es gar nicht oft genug umschlagen. Die Aufgabe der
Bank beginnt da, wo die Aufgabe der Sparkasse endet. Kurzfristiges Geld in langfristiges umwandeln,
allein unter Ausnutzung des Gesetzes der grossen Zahlen, ist vom Standpunkt der Bank aus eine
Spekulation, der sie sich fernhaelt. Sie ueberlaesst das einer Sparkasse, welche eine Lombard-
Rueckversicherung nehmen kann.

4. Neuere Ansicht :
Die Liquiditaet der Bank wird in erster Linie durch neue Depositen bewirkt, in zweiter Linie durch die
Abzahlungen der Schuldner der Bank.

4. Aeltere Ansicht :
Die Liquiditaet der Bank besteht in Forderungen der Bank gegen ihre Schuldner, die in kuerzeren
Intervallen faellig werden, als die Forderungen der Glaeubiger gegen die Bank.

5. Neuere Ansicht :
Die Sicherheit der Bank wird durch Bestellung von Pfaendern erreicht und durch den Bruch dargestellt:
         Wert des Pfandes
         Schuld an die Bank.
5/1 ist ein normaler Satz, 5/2 ist viel verlangt und 5/3 ist nur ausnahmsweise noetig.

5. Aeltere Ansicht:
Die Sicherheit der Bank wird dadurch bewirkt, dass die Bank Forderungen von Produzenten


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fuer verkaufte Produkte erwirbt und den Produzenten veranlasst, dafuer Forderungen auf Lieferung von
anderen Waren anzunehmen. Der Hauptsicherheitsfaktor der Bank ist die Dringlichkeit der Nachfrage nach
den Produkten der Bankkunden. Diese Dringlichkeit garantiert den Umsatz.

6. Neuere Ansicht:
Die Bank legt alles darauf an, dass sie taeglich recht viel Bargeld einnimmt und ausgibt.

6. Aeltere Ansicht:
Die Bank kompensiert so weit wie moeglich; das Ideal der Bank ist, dass ihre Verrechnungsschecks einem
moeglichst grossen Wirtschaftskreis als bares Geld dienen.

7. Neuere Ansicht:
Die Bank leiht Geld aus und beschaeftigt sich mit den Sachwerten der Schuldner erst dann, wenn diese ihre
Schulden nicht bezahlen.

7. Aeltere Ansicht :
Die Bank leiht in der Form eines Geldgeschaeftes Produkte aus und nimmt auch Produkte zurueck. Bargeld
brauchen die Bankkunden nur fuer Zinsen und Provision aufzubringen.

8. Neuere Ansicht :
Lombarddarlehn an Warenbesitzer, damit diese ihre Preise halten koennen, liegen durchaus im
Geschaeftsbereich der Bank. Die Zinsen muessen nur dem Risiko entsprechen.

8. Aeltere Ansicht :
Lombarddarlehn sind ausgeschlossen, bei welchen auch nur der leiseste Verdacht besteht, dass mit ihrer
Hilfe Ware zurueckgehalten werden soll, anstatt verkauft zu werden. Ein Kapitalist kann solche Geschaffte
machen, eine Bank grundsaetzlich nicht.

9. Neuere Ansicht:
Die Bank bekuemmert sich solange nicht um die Verwendung des Geldes durch die Schuldner, als nicht
etwa unguenstige Geruechte ueber die Schuldner kursieren.

9. Aeltere Ansicht:
Die Bank leiht ihr Geld bzw. ihre Geldforderungen nur an Schuldner aus, die sich dem Programm fuegen:
das Geld muss von den Abnehmern des Schuldners oder von deren Abnehmern an die Bank
zurueckgebracht werden!

10. Neuere Ansicht:
Die Sparkasse ist ein unangenehmer Konkurrent der Bank, der bekaempft wird.

10. Aeltere Ansicht:
Die Sparkasse ist eine natuerliche Ergaenzung der Bank. Je mehr langfristiges Kapital in kurzfristiges
umzuwandeln ist, desto mehr verdient die Bank. Unter Umstaenden verlohnt es sich sogar, eine eigene
Sparabteilung aufzumachen.

11. Neuere Ansicht:
Die Bank hat selten ein Interesse an einer stabilen Waehrung; die Bank hat ein Interesse daran, die Inflation
zu befoerdern, wenn ein Teil der neuen Geldzeichen ihr unmittelbar als Depositen zufliesst. Die Bank wird
deflationistisch eingestellt sein, wenn zu befuerchten steht, dass die Kontoinhaber bei neuen
Preissteigerungen "in die Ware gehen".

11. Aeltere Ansicht:
Die Bank hat ein Interesse an moeglichst stabilen Preisverhaeltnissen, denn bei steigenden Preisen
entziehen sich ihr die Verkaeufer, bei sinkenden Preisen die Kaeufer.

12. Neuere Ansicht:
Die guenstigste Situation fuer die Bank ist eigentlich folgende: Bargeld ist sehr knapp und wird zu den
hoechsten Zinsen gesucht. Die Besitzer von Bargeld sind misstrauisch und bringen es zur Bank, die als
sicher gilt. Die Bank macht sehr hohe Zwischenzinsen. Diese Situation wird um so guenstiger, je mehr die
Geschaefte darniederliegen und alles von Bankkredit lebt. Der volkswirtschaftliche Zweck der Bank,
naemlich Produktionsmittel zu schaffen, wird dadurch zwar nicht erreicht, aber das ist ja auch – vom
Standpunkt der Bank aus gesehen – nicht sehr widchtig!!

12. Aeltere Ansicht:
Die guenstigste Situation fuer die Bank ist, wenn recht viel Produkte in recht komplizerter Weise umgesetzt
warden. Nur die Bank uebersieht diese Komplikationen und versteht es zu kompensieren. Das Monoplol
der Bank besteht in ihrem Interesse fuer volkswirtschaftliche
                                                                                                                   144

Zusammenhaenge und in ihrer genauem Kenntnis dieser Zusammenhaenge. Das Monopol ist nicht etwa das eines
Geldkapitalisten in einem geldarmen Gebiet.

 13. Neuere Ansicht :

 Die neuere Ansicht hat dazu gefuehrt, dass die Volkswirtschaft sich von den Banken zu emanzipieren sucht; Banken und
 Volkswirtschaft leben im Kriegszustand.

 13. Aeltere Ansicht :
Das natuerliche Verhaeltnis zwischen Volkswirtschaft und Bank, welches das eines Buendnisses ist, kann nur auf Grund
der aelteren Ansicht wieder hergestellt werden.



Anmerkung von J.Z.:
      Diese Lehre von privaten Notenbanken hat Beckerath dann fuer ueber 40 Jahre weiter verteidigt und ausgebaut. - J.Z.
19/1/83.

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      Ergebnis einer Besprechung mit Herrn Dr. Rittershausen.

                                Betrifft: Aufnahme von Landeskulturanleihen in der Schweiz
                                            von Ulrich von Beckerath, 29.9.1925.

      Die Feingoldgrundlage wird nach Ansicht von Herrn Dr. Rittershausen ohne Schwierigkeit zu bekommen
      sein. Die Vertreter der Landwirtschaft haben bei den fuer die Genehmigung massgebenden Stellen sehr viel
      mehr Einfluss als die Kommunen und die Industrie. Wenn insbesondere Kommunen bei der Genehmigung
      der Feingoldgrundlage in letzter Zeit Schwierigkeit hatten, so duerfen diese Erfahrungen nach Ansicht von
      Herrn Dr. R. nicht verallgemeinert werden.
      Mit dem Hypothekenbank-Gesetz kollidiert die beabsichtigte Emission nicht. Wir konnten dies bei der
      Besprechung allerdings nicht verifizieren, da wir kein Hypothekenbank-Gesetz zur Hand hatten. Herr Dr.
      R. will sich aber hierueber nochmals genau informieren.
      Herr Dr. R. empfiehlt fuer die neue Anleihe die Form der Privat-Obligationen wie sie Schmalenbach in
      seinem Werk "Finanzierungen", 3. Auflage, Seite 369, genau beschreibt.
      Bei der Besprechung, ob die Emission durch die alte Aktiengesellschaft fuer Landeskultur geschehen sollte
      oder durch eine Neugruendung kamen wir zu folgendem Ergebnis:
      Der Stempel fuer Neugruendungen betraegt 5% vom Aktienkapital. Das Mindestaktienkapital betraegt M
      50.000.-. Der geringste moegliche Aufwand fuer Stempelkosten betraegt daher M 2.500. Dazu kann
      man noch ungefaehr ebensoviel fuer Einrichtungskosten rechnen. Das Aktienkapital selbst brauchte nicht in
      bar aufgewendet zu werden, sondern kann auch in Sachwerten oder anderen Werten bestehen, wenn auch
      vielleicht zur Zeit der Eintragung ins Handelsregister ein Bankkonto ueber 50.000 Mark nachgewiesen
      werden muss. Es fragt sich nun, ob das Prestige der Aktiengesellschaft fuer Landeskultur, die Aktien und
      die Verbindungen dieser Gesellschaft, die Differenz zwischen dem geforderten Kaufpreis der Aktien und
      den aufzuwendenden Barmitteln fuer eine Neugruendung wert sind. Diesen Wert wird man nicht zu
      ueberschaetzen brauchen. Der Zwischengewinn der A.G.f. Landeskultur aus den bestehenden
      Anleihevertraegen ist anscheinend gering. Expansionsabsichten derjenigen Kreise, welche seiner Zeit die
      A.G. gruendeten, sind nicht erkennbar, so dass man fast annehmen moechte, dass auch die frueheren
      Verbindungen inzwischen ziemlich locker geworden sind. Die alte Erfahrung, dass fruehere
      Geschaeftsverbindungen ihren Wert nur dann behalten, wenn das Geschaeft sich (wenn auch noch so
      langsam ) ausdehnt, wird auch hier Recht behalten. Das Prestige der A.G. ist allerdings hoch zu
      veranschlagen. Sogar in der neuen Auflage des Handwoerterbuchs der Staatswissenschaften ist die A.G. f.
      Landeskultur unter dem Artikel "Bodenkredit" erwaehnt.
      Dieser Plus-Posten wird aber vielleicht dadurch kompensiert, dass eine organisatorische Verbesserung bei
      der Aktiengesellschaft fuer Landeskultur nicht so leicht anzubringen ist wie bei einer Neugruendung - eine
      Verbesserung, die nachstehend in ihren Grundzuegen kurz dargelegt werden soll.
      Es ist wuenschenswert, dass das Emissions-Institut aus eigenen Mitteln irgend eine Haftung fuer die
      Sicherheit der Anleihen uebernimmt. Wie die Verhaeltnisse heute liegen, ist es nun aber nicht moeglich,
      durch Zeichnung von Garantiefonds oder von Aktien diese Garantiemiettel zu beschaffen. Da waere doch
      zu pruefen, ob die Garantie nicht auf dieselbe Weise beschafft werden kann, wie dies nach dem
      Siebenjaehrigen Kriege durch die Kreditvereine und Landschaften mit Erfolg versucht worden ist.
      Die Boden-Verbesserungs-Genossenschaften und die Wasserbaugenossenschaften, welche auf Grund der
      Gesetze von 1920 und 1913 gebildet werden, koennen sich zu einem Kreditverein zusammenschliessen,
      wobei die Mitglieder eine Solidarhaftung fuer Ausfaelle uebernehmen. Die Haftung der einzelnen
      Genossenschaften koennte begrenzt sein durch eine Summe, welche gleich ist dem aufgenommenen
      Darlehn.
      Der naechste Schritt waere vielleicht, sich mit dem zur Zeit ungefaehr 600 Genossenschaften umfassenden
      Verband der Bodenverbesserungsgenossenschaften in Verbindung zu setzen. Herr Dr. Rittershausen meint,
      dass beim Vorstand dieses Verbandes viel Verstaendnis fuer diese Organisationsform vorhanden sein wird,
weil sie durchaus den Traditionen der norddeutschen und insbesondere der preussischen Landwirtschaft
entspricht.
Die Solidarhaftung der verschuldeten Genossenschaften ist bei einer Neugruendung zweifellos leichter
herbeizufuehren als bei der A.G. fuer Landeskultur; unmoeglich ist sie natuerlich bei der letzteren auch
nicht. Man muesste nur in die Statuten der A.G.f.L.K. die Bestimmung aufnehmen, dass die Solidarhaftung
nur fuer Schulden gilt, die nach dem 1. Januar 1926 aufgenommen werden.
Wenn man alles pro und contra erwaegt, so koennte man zu dem Ergebnis kommen, dass der Mantel der
A.G. fuer Landeskultur keinesfalls einen groesseren Barbetrag wert ist, als 5000 Goldmark, das ist der
Baraufwand fuer eine Neugruendung. Der Zukunftswert der Aktien waere sehr reichlich abgegolten mit
dem Umtausch in Genussscheine im Nominalbetrag des Aktienkapitals (50.000 Mark), verzinslich etwa
mit 7% auf 20 Jahre. Wenn die gegenwaertigen Aktionaere ihren Aktien einen hoeheren Wert zuschreiben,
so sollte dies ein Grund sein, die
A.G. fuer Landeskultut ihrem Schicksal zu ueberlassen.

Als Firmenbezeichnung fuer die Neugruendung fand Her Dr. R. den Namen
―Kredit-Verein der Bodenverbesserungs-Genossenschaften A.G.‖
passend.
                                             Bth.

U. v. Beckerath                             7.10.25
146
                       Eine Moeglichkeit zur Verminderung des Waehrungsrisikos.

  Die Ansichten ueber Stabilitaet der Waehrung haben sich im Laufe der letzten Jahre sehr geaendert. Fuer
das Publikum einschliesslich Reichsbank sind die Begriffe: "Wert des Goldes" und "Stabilitaet der
Waehrung" identische Begriffe. Einige verlangen, dass diese Uebereinstimmung durch
Regierungsmassnahmen irgend welcher Art herbeigefuehrt werde. Irving Fischer schlaegt vor, die
Stabilitaet dadurch zu erreichen, dass die amerikanische Muenze Gold nach dem jeweiligen allgemeinen
Preisniveau kauft und verkauft. Keynes macht einen aehnlichen Vorschlag, verlangt aber, dass diese Politik
durch eine Diskontpolitik des Federal Reserve Board unterstuetzt wird. Aehnliche Vorschlaege sind von
andern Seiten noch in grosser Zahl gemacht worden.

Alle diese Vorschlaege beruecksichtigen einen Umstand nicht, der anscheinend zuerst von den russischen
Statistikern bemerkt worden ist und von ihnen mit "Preisschere" bezeichnet wurde. Unter "Preisschere"
versteht man die Erscheinung, dass Preisverschiebungen stattfinden, waehrend die Generalindexzahl stabil
bleibt. Man findet z.B. oefters, dass die Preise landwirtschaftlicher Produkte sinken und gleichzeitig die
Preise von Industrieartikeln steigen. Die Generalindexzahl bleibt stabil, die Landwirtschaft aber erfaehrt
alle Miszstaende einer Deflation. Nach schlechten Ernten findet sich nicht selten das Umgekehrte. Eine
Waehrungspolitik, wie sie von Keynes und von Fisher gefordert wird, schuetzt den Einzelnen offenbar
nicht vor den Einfluessen der "Preisschere". Dem-gegenueber kann man nun die Frage aufwerfen, ob nicht
ohne Mitwirkung des Staates ein Schutz moeglich ist, aehnlich wie vor 300 Jahren sich die Hamburger
Kaufleute durch Gruendung ihrer Giro-Bank vor den Schaeden der damals in groesstem Umfange
betriebenen Geldverschlechterung schuetzten.
Rein theoretisch betrachtet waere ein solcher Schutz vor der "Preisschere" oder, abstrakter ausgedrueckt,
vor anormalen Preisschwankungen einzelner Waren dadurch moeglich, dass Produzent und
                                                      -2-
Konsument sehr langfristige Lieferungsvertraege abschliessen. Man stelle sich einmal per impossibile vor,
dass die gesamte gegenwaertig betriebene Produktion auf grund von sehr langfristigen - etwa 5-jaehrigen -
Lieferungsvertraegen erfolgte. Wenn waehrend dieser 5 Jahre Stoerungen wie Kriege, Erdbeben,
Revolutionen etc. ausbleiben, so waere durch ein derartiges Vertragssystem nicht nur die Waehrung
vollkommen stabilisiert, sondern es koennte auch die "Preisschere" nicht in die Erscheinung treten. Die
Entdeckung neuer Goldfelder, und seien sie noch so ausgedehnt, koennte waehrend dieser 5 Jahre das
allgemeine Preisniveau nicht beeinflussen. Die vorhandenen Arbeitskraefte sind eben durch die
langfristigen Lieferungsvertraege nicht gerade gefesselt aber doch gebunden. Wenn aber tatsaechlich etwa
ein Heer von Goldgraebern wie im Jahre 1848 zu den neuen Goldfeldern zoege und dort grosse Massen
Gold herausholte, so wuerden sie doch kaum Gelegenheit haben, dieses Gold waehrend der 5 Jahre zu
verwerten. Die vorhandenen Waren fallen vorlaeufig unter die abgeschlossenen Lieferungsvertraege. Wenn
die Goldgraeber fuer ihr Gold waren kaufen wollten, so muessten sie die Industrie veranlassen,
Ueberstunden zu machen und waeren tatsaechlich ausschliesslich auf die waehrend dieser Ueberstunden
erzeugten Produkte angewiesen. Die unter diesen Umstaenden hergestellten Produkte wuerden dann
allerdings ganz besonders teuer sein, aber diese Teuerung wuerde das allgemeine Preisniveau zunaechst
noch gar nicht beeinflussen. Es kaeme noch ein schwerwiegender Umstand hinzu. Die Industrie koennte
ihrerseits mit dem Gold zunaechst gar nichts anfangen, da ja die Waren, die sie sich unter andern
Verhaeltnissen fuer das Gold kaufen koennte, durch die Lieferungsvertraege gebunden sind. Unter einem
derartigen Wirtschaftssystem waere das Graben nach Gold wahrscheinlich eine sehr unrentable Sache.
Hinzu kaeme, dass der Abschluss von so langfristigen Lieferungsvertraegen die Arbeitsgelegenheit auf
viele Jahre sicherte. Der Anreiz,
                                                       -3-
ein so gesicherte Arbeit zu verlassen, um in die Goldfelder abzuwandern, muesste schon ganz
ungewoehnlich gross sein, wenn er wirken sollte. Lieferungsvertraege, welche die ganze Volkswirtschaft
umfassen, sind natuerlich unmoeglich. Es waere aber doch zu pruefen, ob sich nicht Einzelne vor
anormalen Preisschwankungen einzelner Waren durch langfristige Lieferungsvertraege schuetzen koennen.
Was dem entgegensteht, ist wahrscheinlich ganz ausschliesslich die bestehende Gewohnheit des Verkehrs,
nicht aber rein wirtschaftliche, juristische oder technische Schwierigkeiten. Es waere nun zu untersuchen,
ob diese in der Gewohnheit des Verkehrs beruhenden Schwierigkeiten nicht doch in einzelnen Faellen zu
ueberwinden sind.
Am auffallendsten ist das Fehlen von langfristigen Lieferungsvertraegen in der deutschen Landwirtschaft.
Dass die Landwirtschaft an sich kein Feld fuer solche Vertraege waere, kann man nicht behaupten. Die
Tatsache, dass schon viele Jahre vor dem Kriege ein grosser Teil der daenischen Landwirtschaft durch sehr
langfristige Vertraege verpflichtet war, regelmaessig bestimmte Mengen von landwirtschaftlichen
Produkten aller Art (mit Ausnahme allerdings von Getreide ) nach London zu liefern, beweist, dass an sich
in der Landwirtschaft langfristige Vertraege moeglich sind. Hervorgehoben zu warden verdient, dass die
sehr ruehrige und geschickte Grosseinkaufsgesellschaft der englischen Konsumvereine mit dem System
derartiger Vertraege den Anfang gemacht hat. Im Jahre 1913 hatte diese Gesellschaft sech eigne Dampfer,
die zwischen England und Daenemark hin und herfuhren. Derartige Investierungen sind tatsaechlich nur
moeglich,
                                                     147
wenn durch sehr langfristige Vertraege dafuer gesorgt ist, dass das in solchen Dampfern angelegte Kapital
sich regelmaessig verzinst und amortisiert. Die Grosseinkaufsgesellschaft hat das System der langfristigen
Lieferungsvertraege nicht etwa auf Daenemark beschraenkt, sondern hat auch mit indischen Teeplantagen
Vertraege abgeschlossen, die ihr auf lange Jahre Tee zu stabilen Preisen sichern. Ob es
                                                       -4-
ihr gelungen ist, den gesamten Bedarf zu sichern, ist nicht bekannt.
Es besteht kein Grund, nicht auch in Deutschland etwas Aehnliches zu versuchen. Grossabnehmer aller Art
haben ebenso wie die Konsumvereine ein grosses Interesse daran, zu stabilen Preisen einkaufen zu
koennen. Kein Kaufmann veraendert gern seine Verkaufspreise und entschliesst sich dazu - aus
Konkurrenzruecksichten - nur im Notfall. Wenn irgend ein Kaufmann sicher ist, auf Jahre hinaus seinen
Bedarf zu einem stabilen Preis einkaufen zu koennen, dann wird er auch zu einem stabilen Preis verkaufen,
oder aber er wird sich bemuehen, durch Verbesserungen seines Betriebes Kosten zu sparen, entsprechend
seinen Preis zu senken, um die Konkurrenz zu unterbieten. Fuer den Produzenten, speziell den Landwirt,
waere der Abschluss derartiger Vertraege womoeglich noch viel wichtiger als fuer den staedtischen
Abnehmer. Wenn ein Gut eine Einnahme von 100 000 M gebraucht, um gut bestehen zu koennen, dann ist
es durchaus kein Ausgleich fuer den Gutsbesitzer, wenn er im ersten Jahre 120.000 M erzielt und im
naechsten Jahr nur 80.000. Die Unannehmlichkeiten, die ihm aus dem Mindererloes von 20.000 M
erwachsen, sind nur zum kleinen Teil auszugleichen durch einen Mehrerloes von 20.000 M im naechsten
Jahr. Stabilitaet ist, wie gar nicht bewiesen zu werden braucht, etwas positiv Wertvolles gegenueber einem
Ausgleich durch fortwaehrenden Wechsel von Verlust und Gewinn.
Wenn man versuchen wollte, derartige Vertraege abzuschliessen, dann wuerden die Interessenten sofort auf
zwei sehr wichtige Probleme hinweisen, die Z.Zt. tatsaechlich nicht geloest sind, aber geloest werden
muessen, bevor man an eine solche Sache herangeht. Diese beiden Probleme sind:
        die Auffindung eines gerechten Durchschnittspreises, welcher dem Vertrag zugrunde gelegt wird,
        die Anpassung des Vertrages an solche Veraenderungen des allgemeinen Preisniveaus,
        welche evtl. die Anwendung der clausula rebus sie stantibus rechtfertigen wuerden.
                                                     -5-
Die Auffindung eines gerechten Durchschnittspreises ist natuerlich ein ganz ueberaus schwieriges Problem.
Wenn bisher von den deutschen Landwirten in bezug auf im Preise so schwankende Produkte wie z.B.
Roggen keine langfristigen Lieferungsvertraege abgeschlossen sind, so ist vielleicht der Umstand daran
schuld, dass kein Verfahren bekannt war, um einen gerechten Durchschnittspreis festzusetzen. Das von der
Deutschland seit vielen Jahren in ihrer Praxis angewandte Verfahren der "linearen Ausgleichung" bietet
aber wohl ein Mittel, um wenigstens zu einem vorlaeufigen gerechten Durchschnittspreis zu kommen.
Wenn das Verfahren auch in der Anwendung auf die Preisstatistik noch ein wenig modifiziert werden
muesste, so sind doch jetzt schon die damit zu erzielenden Resultate recht beachtlich. Betrachten wir z.B.
die linear ausgeglichene Kurve der Roggenpreise von 1816-1914, welche hier beiliegt. Man erhaelt aus
dieser Kurve schon beim ersten Anblick den Eindruck, dass der unter Beruecksichtigung der Tendenz
ermittelte Durchschnittspreis ( in der graphischen Darstellung die letzte Ordinale rechts ) gar kein
schlechter Preis fuer einen jetzt abzuschliessenden Vertrag waere. Wenn man den Interessenten, also dem
Grossabnehmer sowohl als den Landwirten das Prinzip des Verfahrens klarmachen koennte, so waere es
nicht ausgeschlossen, dass sie bereit waeren, einen Lieferungsvertrag mit einem so konstruierten
Durchschnittspreis einzugehen.
Der Stelle, welche die Berechnungen ausfuehrt, wuerde dann natuerlich die Rolle des Maklers zufallen. Der
Makler muss selbstverstaendlich eine Provision haben. Die Provision muesste in diesem Falle etwa
folgendermassen berechnet werden. Wenn der Marktpreis fuer die landwirtschaftlichen Produkte unter dem
Vertragspreis steht, der Landwirt also von dem Vertrag einen Vorteil hat, dann zahlt er fuer die zu dem
hoeheren Preise umgesetzten Produkte eine Provision
                                                     -6-
von - sagen wir 5 % - der Differenz zwischen Marktpreis und Vertragspreis. Je tiefer die Preise fuer
landwirtschaftliche Produkte sinken, desto lieber wird der Landwirt die Provision bezahlen. Wenn
umgekehrt die Preise fuer landwirtschaftliche Produkte ueber dem Vertragspreis stehen, dann muessen die
staedtischen Abnehmer fuer die Differenz zwischen Marktpreis und Vertragspreis 5 % bezahlen und
werden ebenfalls die Provision um so lieber bezahlen, je hoeher sie ist. Um beiden Parteien den Verdacht
zu benehmen, dass die Berechnungen des Maklers nicht doch zugunsten der einen Partei angestellt sind,
muesste in den Vertrag noch die Bestimmung hinein, dass der Makler von der einen Partei hoechstens das 1
1/2 -fache an Provision wie von der andern beziehen darf. Dadurch haben beide Parteien die Garantie, dass
der Makler einen Vertragspreis herausgerechnet hat. welcher zwischen den berechtigten Wuenschen der
Parteien genan die richtige Mitte haelt.

Einen starren Vertragspreis kann man natuerlich nicht fuer lange Zeit festsetzen. Angenommen, es gaebe
einmal eine katastrophale Missernte wie etwa die von 1817 oder eine Rekordernte wie die von 1824, dann
wuerden beide Parteien Mittel und Wege finden, den Vertrag zu umgehen. Der Vertrag muesste daher die
Bestimmung enthalten, dass von
                                                                                                     148
einer gewissen Grenze ab der Vertragspreis doch dem Marktpreis folgt. Die Grenze koennte genau nach
dem System bestimmt werden, nach welchem bei den automatischen Vertraegen der Deutschland der
Ueberschaden bestimmt wird. Ob von dieser Grenze ab der Vertragspreis dem Marktpreis gleich mit 100%
folgt, oder ob man da eine Skala einschieben soll, waere noch zu pruefen.
Wenn zwei Wirtschaftskreise sich in dieser Form durch langfristige Vertraege gegenseitig verpflichten, so
ist dadurch nicht nur ihre Produktion stabilisiert, sondern es haben die beiden auch eine Art von
Waehrungsgemeinschaft konstituiert und sich dadurch - bis zu einem gewissen Grade - von den
Schwankungen der Landeswaehrung
                                                       -7-
emanzipiert. Eine Ausdehnung dieses Systems auf alle Produktionsverhaeltnisse wuerde, wie schon
eingangs erwaehnt, voellige Stabilitaet von Waehrung und Wirtschaft im besten Sinne des Wortes
bedeuten, naemlich ohne dass gleichzeitig eine Erstarrung damit verbunden waere. Vollstaendig ist dieses
Ziel natuerlich nicht erreichbar, wohl aber asymptotisch.
                                                                     Bth.

                                                                                                     149
(Blatt 149 gehoert zum obigen Aufsatz liess sich aber nicht erfolgreich von mir skannieren. Die
fehlerhaften Skannierun davon liess sich auch nicht von mir verbessern.
So gebe ich hier nur die Texteinzelheiten an. – J.Z., 27.11.04.)

Preis von 1000 kg Roggen in Mark von 1816-1914 (Durchschnittspreis fuer Preussen.)

Die rote Linie zeigt die durchschn. jaehrliche Preissteigerung von 5,4 0/00 pro Tonne.
Die blaue Gerade ― ―         ―           ―          ―           ― 61.5 Pfg. ― ―

Die vertikale Linie zeigt Preisveraenderungen von ca. 50 – 230 Mark an, die waagerechte die Zeit von 1816
– 1914.
Entnommen aus dem Statist. Jahrbuch fuer den Freistaat Preussen, Jahrgang 1922.

(Wer daran wirklich interessiert ist kann von mir diese Mikrofiche erhalten oder in einer guten Bibliothek
dieses Jahrbuch nachschlagen. – J.Z., 27.11.04.)
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                                                                                                                             150
                                                 Als Manuskript gedruckt.


                                    Deutsche Festmark=Bank
                                   Berlin W 8 * Friedrich=Ebert=Strasse 21
                                              (am Brandenburger Tor)
                                        Telefon: Zentrum 9458, 10480-10482
                                Jahrgang 1925                 Berlin, Dezember 1925
         ______________________________________________________________________________________________
                                     Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.



                                              Zur Waehrungslage.
     Aus unserem Kundenkreis wird haeufig die Frage an uns gerichtet, ob nicht angesichts der zunehmenden
Teuerung eine neue Inflation bestehe, und ob es erforderlich sei, sich irgendwie gegen bie Schaeden einer derartigen
Inflation zu schützen.

     Die Deutsche Festmark=bank beobachtet, ihrem Programm entsprechend, die Währungsverhältnisse seit langem.

    Das Ergebnis der bisherigen Beobachtungen auf diefem Gebiet überreichen wir Ihnen in dieser Denkschrift.
Wie Sie hieraus ersehen, glauben wir nicht, dass zur Zcit eine Inflation vorliegt.
    Die von uns in dieser Schrift niedergelegten Beobachtungen werden von uns ständig fortgesetzt werden.
                                                                                              Deutsche Festmark-Bank
                                                                       Der Vorstand
                                                                             Heuer         Gutowsky


                                Reichsmark, Pfund und Dollar.
                             (von Ulrich von Beckerath – nach meiner Meinung! – J.Z.)

Haben wir eine Inflation? Diese Frage wird jetzt vielfach gestellt, sie wird sogar in weiten Kreisen der
deutschen Volkswirtschaft bejaht. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist eben für das PubIikum die
nächstliegende Erklärung für eine Erhöhung des Preisniveaus eine Inflation.
Nun ist für die Volkswirtschaft nicht nur der tatsächliche Zustand der Währung von allergrösster
Wichtigkeit, sondern fast ebenso wichtig ist es, ob die öffentliche Meinung in Bezug auf den Zustand der
Währung richtig eingestellt ist. Das gilt vor allem für die Arbeit der Reichsbank, von welcher heute die
Volkswirtschaft mehr abhängig ist als von irgendeinem andern Faktor, und die auf die Meinung des
Publikums über den tatsächlichen Zustand der Währung weitestgehende Rücksicht nehmen muss. Hierbei
äußerte sich der Geheime Finanzrat Dr. Friedrich, Mitglied des Reichsbankdirektoriums, auf dem VI.
Deutschen Bank= und Bankiertag folgendermassen:
„Wird nun gar in der Wirtschaft, wie es tatsächlich geschieht, eine neue Inflation gefuerchtet oder erhofft
— und das drueckt sich gerade darin aus, dass die bisherigen Preisveränderungen frischweg als Inflation
gewertet werden —, so liegt eine psychologische Einstellung vor, die die Reichsbank zum Schaden der
Wirtschaft selbst zu noch groesserer Vorsicht zwingt; das aber bedeutet noch weitere Zurueckhaltung in der
Kreditgewaehrung.―
                                                                                                      151
Dass die Preisveraenderungen der letzten Zeit von vielen als Inflation gedeutet werben, wird also von einer
besonders massgebenden Persoenlichkeit audrücklich bestätigt.
Nun genügt es zur Beruhigung der öffentlichen Meinung natürlich noch nicht, dass offiziell versichert wird,
es bestehe keine Inflation. Viel wichtiger ist es, dass positive Gründe oder Tatsachen dargelegt werden, aus
denen sich die Unversehrtheit der deutschen Währung ergibt.

Der nächstliegende Massstab um eine etwaige Veraenderung der Währung festzustellen ist natürlich der
Kurs fremder Devisen, welche nicht der Repartierung unterliegen. And diesem Massstab gemessen
kann die Stabilitaet der deutschen Waehrung nicht zweifelhaft sein. Der Dollar steht unverändert
auf 4,20, und jeder kann von der Reichsbank Dollars bekommen so viel er will. Das englische Pfund schwankt
nur wenig mehr als vor dem Kriege und wird von der Reichsbank ebenfalls in jeder gewuenschten Menge
abgegeben. Die andern Waehrungen schwanken zwar ein wenig mehr, das laesst sich aber ungezwungen durch.
den Wechsel zwischen Angebot und Nachfrage erklären, zum Teil auch, wie auch beim franzoesischen
Franken, durch im Ausland vorgenommene, zweifelhafte Währungsexperimente.

    Nun ift aber der Kurs fremder Devisen kein untrüglicher Massstab; das ist während der letzten Jahre
von der Reichsbank, von den Gerichten, von Gelehrten und vielen anderen oft hervorgehoben worden. Gerade
die Belehrung darüber, darueber, dass der Kurs fremder Devisen nicht absolut massgebend für den Zustand
der Währung ist, mag heute viele dazu bringen, nur auf die Veränderungen der Kaufkraft der Mark zu
sehen und den Devisenkurs ganz ausser acht zu lassen. Man wird dieser Einstellung Rechnung tragen
muessen. Volle Gewissheit ueber den wirklichen Zustand der Waehrung kann auch wirklich nur eine
Untersuchung der Kaufkraft des Geldes liefern.

    Einseitig, ja falsch ist es, nur die Kaufkraft der Mark im Inland in Betracht zu ziehen. Man muss auch
die Kaufkraft anderer, nicht künstlich beeinflußter Währungen beobachten. Erst wenn sich bei der
Vergleichung starke Divergenzen ergeben, dann kann man behaupten, dass die Preisveraenderungen im Inland von
der Geldseite und nicht von der Warenseite her verursacht sind, und das die Stabilitaet der Kurse fremder
Devisen durch Intervention zustande gekommen, also eine künstliche und schwerlich eine dauernde ist.
Rein rechnerisch ausgedrückt heisst das, man muß die Veränderungen des Quotienten
           Parität mal Deutsche Indexzahl
                      Ausländische Indexzahl

beobachten. Wenn der Quotient sehr starke und ploetzliche Schwankungen
                                                                                                           2
zeigt, dann ist entweder die deutsche oder aber die auslaendische Währung nicht in Ordnung.

       Der obige Quotient führt in der Volkswirtschaftslehre die Bezeichnung „Kaufkraftparität".
Die erste Anwendung geschah durch den Berater der schwedischen Regierung, den Professor Cassel in
Storckholm. Mehrere Autoren, besonders Keynes, haben durch über mehrere Jahre sich erstreckende
Untersuchungen nachgewiesen, dass ein dem freien Geldmark überlassener Devisenkurs und die
Kaufkraftparitaet die Tendenz haben, sich aufeinander einzustellen. Die Veraenderungen des Kurses und der
Kaufkraftparitaet stimmen nie ganz genau ueberein, sie weichen aber auch nie sehr erheblich von=

                                                                                                       152
einander ab, so lange die betreffenden Waehrungen nicht inflationiert und nicht deflationiert werden. Diese
Tatsache hat große praktische Bedeutung. Die Beobachtung der Kaufkraftparitaet kann nämlich dazu dienen,
den wahren Zustand der Währung aufzudecken.

Nehmen wir an, eine mächtige Finanzgruppe wünde es unternehmen, mit der deutschen Währung Spekulation zu
treiben und triebe die Devisenkurse in die Höhe. Wenn die Kaufkraftparität diese Bewegung nicht
mitmacht, dann kann man daraus schliessen, das der Kurs ein spekulativer ist, ja, man kann sogar mit Sicherheit
darauf rechnen, das die Spekulation zusammenbrechen und sich vielleicht sogar gegen ihre Urheber wenden wird.
Wenn umgekehrt die Kaufkraftparitaet eine entschiedene Aufwärtsbewegung zeigt, die Kurse aber stabil bleiben, so
liegt der Verdacht nahe, dass eine versteckte Inflation die Ursache ist. Dieser Verdacht würde an
Berechtigung sehr gewinnen, wenn die fremden Devisen gleichzeitig repartiert werden.

Die Festmarkbank hat schon im Jahre 1924, als ebenso wie heute, von vielen die Stabilität der deutschen
Währung bezweifelt wurde, eine Kaufraftparität zwischen dem englischen Pfund und der Mark mehrere
Monate hindurch täglich berechnet. Die Berechnungen ergaben, dass die Währung intakt geblieben war. Die
Festmarkbank konnte übrigens auf Grund jener Berechnungen schon damals prophezeien, dass das englische Pfund
wahrscheinlich in absehbarer Zeit wieder seine Goldparitaet gewinnen werden.
(J.Z.: Das geschah leider durch eine absichtliche Deflationspolitik, nur unter dem Geldmonopol moeglich, die
Millionen arbeitslos machte. Eine rechtmaessige und vernuenftige Waehrungsreform braucht solche Opfer nicht.
Siehe darueber spaetere Schriften von Ulrich von Beckerath. – J.Z., 27.11.04.)

    Die Festmarkbank hat inzwischen ihre Berechnungen auf erweiterter Grundlage fortgesetzt. Die früheren
Berechnungen beruhten darauf, dass die Preise von 12 wichtigen und täglich notierten

                                                                                                          3
Waren verfolgt wurden. Das war schon ein großer Fortschritt gegenüber dem von Cassel, Keynes und andern
angewendeten Verfahren, wonach einfach die amtlichen Indexzahlen verwendet werden.
Die Erweiterung der Rechnungsgrundlagen für die Kaufkraftparität geschah zunaechst dadurch, dass einige
Waren hinzugenommen wurden.
Ferner wurde die Kaufkraftparität nicht nur zwischen England und Deutschland, sondern auch zwischen Amerika
und Deutschland beobachtet.
Schliesslich wurde die verschiedene Wichtigkeit der Waren fuer die Volkswirtschaft beruecksichtigt.
Letzteres war schwierig. Immerhin bot die Handelsstatistik aus der Zeit vor dem Kriege einen Anhalt. In
den Jahren 1912 und 1913 wurden von und nach Deutschland u. a. folgende wichtige Waren importiert bzw. Aus
Deutschand exportiert:

Import und Export zusammen
             Millionen Goldmark

Roggen           344,5
Weizen           964,1
Gerste ......... 835,8
Hafer .          307,2
Mais             245,1
Reis             292,0
Leinsaat         237,7
Kaffee ........ 472,2
Kakao            130,7
Tee .........      15,8
Pfeffer .          12,3
Zucker           390,4
Gold ........ 912,8
Silber           217,8
Aluminium . 64,9
Blei              96,7
Zink             190,3
Zinn             167,5
Nickel            29,6
Kupfer           689,8
Schweine-
Fleisch        54,4
Schmalz       230,0
Butter        246,3
Antimon =
 ½ Nickel      15,0
             7162,9
                                                                                                      153
     Die vorstehenden Zahlen sind dem Statiftischen Jahrbuch für das Deutsche Reich für 1915 entnommen.
     Die Art der Errechnung ergibt sich aus folgendem Beispiel:
                           Weizen:
                                             Millionen Goldmark
              1913 Import . . . . . 417,3
                „    Export . . . . .              87,6
              1912 Import ...................... 395,8
                „ Export . . . . . 63,4
                                                  964,1
Nicht richtig wäre es in diesem Falle gewesen, die Differenz zwischen Export und Import als Massstab für
die Wichtigkeit der Ware zu nehmen, es musste im Gegenteil hier die Summe genommen werden.
Eine Preisstatistik, welche dazu dienen soll, den Stand der Waehrung zu prüfen, muss sich möglichst
ausschliesslich auf Waren erstrecken, die im Aussenhandel eine Rolle spielen. Die Kaufkraftparitaeten
soll ja dazu dienen, die Währung zweier Laender miteinander zu vergleichen. Für eine solche
Vergleichung eignen sich nun zweifellos am beften solche Waren, welche der Handel erfahrungggemäss
bei Schwankungen der Währung dofort dem Export oder dem Import zufuehrt, um eben von den
Schwankungen der Währung Nutzen zu ziehen.
Auch wenn solche Waren für die ganze Volkswirtschaft vielleicht weniger wichtig sind, so eignen sie sich
doch zur Vergleichung besser als an sich wichtige Waren, die aber kein Gegenstand des Aussenhandels
sind, und deren Preis daher von der Valuta weniger beeinflusst wird. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich
z.B. nicht, Kartoffeln, Gemüse und aehnliche „sperrige" Güter zur Prüfung heranauziehen, weil solche
Waren nur durch ganz abnorme Valutadifferenzen aus ihren genwohnten Handelswegen im Inland in den
Aussenhandel abgelenkt werden; eine Ware wie Tee aber, die an sich viel weniger wichtig ist als
Kartoffeln, wird in ihrer Verkäuflichkeit sehr durch Valutaverhältniffe beeinflußt, wie wir ja alle von der
Inflationszeit her wissen. Die Preisschwankungen einer Ware wie z.B. Tee, werden daher Einfluesse von
der Geldseite her viel deutlicher zum Ausdruck bringen als dies etwa Schwankungen der Kartoffelpreise
tun würben.
        Es haette nun nahegelegen, sich aus der obigen Statistik ergebenden Goldmarkzahlen auch als
Relativzahlen für die Wichtig keit
                                                                                                          5
der Waren zu nehmen, also z. B Weizen als dreimal wichtiger anzusehen wie Zucker und Gold als nicht
ganz so wichtig wie Weizen. Viele Statistiken rechnen in der Tat nach einem analogen Schema, z.B. das
amerikanische Arbeitsamt und auch der amerkanische Professor Fisher bei seiner allwoechentlich
veröffentlichten Indexzahl.
Die Gewichte werden bei den amerikanischen Statistiken aber dem gesamten Handel, nicht nur dem
Aussenhandel entnommen, und doeses Verfahren ist scheinbar sehr naheliegend. Professor Fisher
bezeichnet es in seinem neuen Werk „The Making of Indexnumbers" sogar als das sich aus der Natur der
Sache Ergebende. Der deutsche Volkswirtschaftler, Professor Th. Laves, hat aber schon im Jahre 1890
gegen dieses Verfahren Einwendungen erhoben. Er wies darauf hin, dass auch die beste Statistik ja
unmoeglich die vielen Tausende von Umsätzen umfassen kann, die für eine richtige Indexzahl eigentlich in
Betracht zu ziehen wären. Jede Ware, die in die Statistik aufgenommen wird, vertritt daher gleichzeitig
eine ganze Anzahl ihr ähnlicher Waren, die aber nicht in der Statistik stehen. Dieser Umstand ist im so
wichtiger, als einander ähnlich Waren ganz entschiede die Tendenz haben, gleichzeitig im Preise zu
steigen oder zu fallen. Das ist auch natürlich, denn wenn irgendeine Ware betraechtlich im Preise steigt,
dann zieht der Konsum in der Regel auch Ersatzstoffe heran, wodurch dann einerseits die Preiserhoehung
auch auf aehnliche Waren ausgedehnt wird, andererseits aber die Preiserhoehung bei der am teuersten
gewordenen Ware der betreffenden Gruppe gehemmt
                                                                                                        154
wird. Man muss also die in der Handelsstatistik mit kleinen Betraegen erscheinenden Waren mit einem
hoeheren Gewicht einsetzen.
Laves hat den Vorschlag gemacht, bei Preisstatistiken, die nur einen kleinen Teil der eigentlich in Betracht
zu ziehenden Waren unfassen, nicht die sich unmittelbar aus der Beobachtung ergebenben Gewichte zu
nehmen, sondern sie zu radizieren, etwa wenn sehr viele Waren unberücksichtigt geblieben sind, die
Quadratwurzel zu nehmen. Dieser Vorschlag erscheint sehr beachtenswert und wird in der Praxis gewiss
bessere Ergebnisse liefern als das gegenwaertig in Amerika geuebte Verfahren. (Warum? - J.Z.) Die
nachher mitgeteilten Berechnungen der Festmarkbank sind entsprechend der Anregung von Laves
ausgeführt.
Von jeder sich aus der Statistik ergebenden Zahl ist also die Ouadratwurzel genommen, so dass die Waren
die folgenden statistischen Gewichte erhalten:


Antimon                   4
Pfeffer      .........    4
Tee                       4
Nickel     .........      5
Schweinefleisch
(Speck)                   7
Aluminium                 8
Blei    ….               10
Kakao     ........       11
Zinn                      13
Zink . . .               14
Leinsaat                 15
Schmalz                 15
Mais                     16
Butter . .              16
Reis                     17
Hafer                    18
Roggen                   19
Zucker                   20
Kaffee                   22
Kupfer . .               26
Gerfte                   29
Weizen                  31
Silber   .              50
Gold                   100
                       474

       Von diesen Waren konnte Roggen nicht für die deutsch=englische Kaufkraftparität verwendet
werden, weil er in England zu unregelmässig notiert wird und einige andere Waren nicht für die
deutsch=amerikanische Kaufkraftparität, weil sie in Amerika gar nicht oder unregelmäßig notiert werden.

        Es ist hier davon abgesehen worden, zur Gewinnung der Grundzahlen die Statistik aus der Zeit
nach dem Kriege heranzuziehen. Infolge der Besetzung des Ruhrgebiets und anderer Umstände ist die
Nachkriegsstatistik viel lückenhafter als die frühere, so daß diese, trotz der inzwischen eingetretenen
Veränderung aller Verhaeltnisse für unsern Zweck immer noch vorzuziehen ist.
                                                                                                       7
        Die obige Tabelle der Gewichte enthaelt für zwei Waren eine Korrektur und zwar für Gold und
Silber. Gold nimmt unter den Waren eine ganz besondere Stellung ein, was seine Eignung als Pruefstein
der Richtigkeit des Devisenkurses betrifft. Der Preis von Feingold kann sich z.B. vom Dollarkurs und vom
Pfundkurs nie weit entfernen, solange der Federal Reserve Board in Amerika und die Bank von England
Gold gegen Noten umtauschen. Das unterscheidet das Gold von jeder anderen Ware und erhebt seine
                                                                                                       155
 Bedeutung als Prüfstein für den Kurs von Devisen und speziell von Dollars und englischen Pfunden weit
 über das aus der Handelsstatistik zu vermutende Mass. Etwas Aehnliches gilt vom Silber. Fuer Silber ist
 wohl immer ein Markt, und je unsicherer alle Verhaeltnisse warden, und je schwerer andere Waren
 loszuschlagen sind, desto leichter ist in der Regel Silber abzusetzen. Besonders in China und Indien ist
 wohl jedes Quantum Silber abzusetzen, eventuellmit einem kleinen Abschlag gegenüber dem Tageskurs.
 Neuerdings haben sich auch Russland und Oesterreich als sehr aufnahmefähig für Silber gezeigt.
 Waehrend der lnflationszeit hat in allen Ländern ein plötzliches und starkes Ansteigen des Silberpreises oft
 eine neue Geldentwertung angekuendigt, während alle übrigen Anzeichen noch auf Stabilität zu deuten
 schienen. Das statistische Gewicht des Silbers musste daher hoeher angesetzt warden, als sich unmittelbar
 aus der Handelsstatistik ergab. Ohne einige Willkuerlichkeit war das nicht möglch. Jedenfalls erschien es
 nicht unpassend, dem Silber einen etwa doppelt so großen Einfluss auf die Parität einzuräumen als etwa
 dem Weizen. Das statistische Gewicht des letzteren betrug 31, das Gewicht des Silbers wurde daher von
 15 auf 50 erhoeht. Das statistische Gewicht des Goldes wurde dann als doppelt so gross wie das des Silbers
 angenommen und von 30 auf 100 erhoeht.

        Im folgenden sei nun die Berechnung der Kaufkraftparität an dem Beispiel der amerkanischen
 veranschaulicht. Die WarenIiste enthaelt, wie schon oben bemerkt, nicht alle Waren der vorstehenden
 Liste, weil die Preife der fehlenden nicht nach DeutschIand gemeldet werden. Die Berichte aus England
 sind vollständiger.

         Die Berechnung der amerikanoschen Kaufkraftparität geschah nun nach folgendem Schema:


 17. Januar 1925.
 d




          Amerika                              Deutschland

I.        II            III       IV.          V.              VI          VII.
Weizen    188 3/8       1,88375   14,448       3,6915           0,2555     262-259
Mais      135           1,5       18,816       4,0360            0,2145    212-217
Roggen    161 3/8       1,61375   15,740       3,3878            0,247     244-250
Hafer       62 3/4      0,6275    23,131       4,6725            0,202     192-212
Zucker       2,90       0,029     15,641       5,1420            0,32875     16 1/4-16 5/8,
Kupfer      14,90       0,149      3,0442      4,3608            1,4325    143.25
Zinn        57,00       0,57       0,79577     4.3369            5,45      540-550
Blei        10,50       0,105      4,3199      3,7151            0,86      85,5-86,5
Zink         7,80       0.078      5,8153      4,0998            0,705     70 -71
Silber      68 7/8      0,68875   45,160g      4,2733          94,625      94,25-95
Gerste    106,75         l,0675   20,395       4,8438            0,2375    225-250
Schmalz     16,85       0,1685    2.6919       4,9060            1,8225     90,5-91,75
Speck     18,50-18,75   0,18625   2.4354       5,4309            2.23      108-115
Kaffee    21,35         0,2135    2,1245       9,5603            4.5       215-235

 24. Januar 1925.

          Amerika                              Deutschland
I.        II            III       IV.          V.              VI          VII
Weizen    195 3/8       1,95375   13,330       3,7332          0,268       265-271
Mais      188           1,33      19,098       4,1729          0,2185      217-220
Roggen    176 1/2       1,765     14,392       3,8139          0,265       262-268
Hafer      61 1/2       0,615     23,602       4,6850          0,1985      194-208
Zucker      2,77        0,0277    16,375       5,3219          0,325        16 1/4
Kupfer     14,90        0,149      3,0442      4.2999          1,4125      141,25
Zinn       57,675       0.57675    0,78646     4,2076          5,35        530-540
Blei       10,0         0,1        4,5369      3,6514          0,805        80-81
Zink        7,60        0,076      5,9683      3,9689          0.665        66-67
Silber      68 ½ d       0,685      45,407g      4,3023       94,75          94,5-95
Gerste     109           1,09       19,974       4,8137         0,241      230-252
Schmalz 16,70            0,167       2,7161      4,9908         1,8375       91,5-92,25
Speck      19 -19,1250 0,190625 2,3795           5,3063         2,23        108-115
Kaffee      21,70        0,217       2,0903      9,4064         4,5         215-235
 In dieser Tabelle bedeutet :
    I.      Den Namen der Ware.
    II.     Die Boersennotiz, so wie sie aus Amerika gemeldet wird, teils in
            Dollars, teils in Cents ausgedrueckt
    III.    Alle Zahlen der Spalte II in Dollars
             umgerechnet.
    IV.     Auf Kilo umgerechnete Gewichtsmenge,
            Welche man in Amerika fuer 1 $ kaufen kann.
    V.      Preis der Gewichtsmenge in Spalte IV, ausgedrueckt in Mark. (Kaufkraftparitaet fuer die
            einzelne Ware.)
    VI.     Der Preis von Spalte VII., umgerchnet in Mark fuer 1 kg.
    VII.    Die deutsche Boersennotiz, so wie sie im Kurszettel erscheint.
                                                                                                        9

                                                                                                      156
 Die Spalte V enthaelt die Kaufkraftparitaeten, berechnet ueber die einzelnen Waren.

 Die Menge Roggen, für die man in Amerika einen Dollar erhält, kostete z. B. am 17. Januar 1925 in
 Deutschland 3,89 M.
 Man koennte die Kaufkraftparitaeten auch als Warendollars bezeichnen. Abgesehen von Zoll,
 Transportverhältnissen und andern Umständen wäre es also am 17. Januar 1925 vorteihaft gewesen,
 Schulden an Amerika mit Roggen zu bezahlen. Bei dem hohen Stand der amerkanischen Roggenpreise von
 damals haette man dann nur 3,89 M. fuer einen Dollar aufzuwenden brauchen, anstatt 4,20 M. für Devisen.
 Umgekehrt wäre es — wieder abgesehen von Zoll und Transport — für Amerikaner vorteilhaft gewesen,
 ihre Schulden an Deutsche mit Kaffee zu bezahlen, weil ihnen dann jeder in Kaffee angelegte Dollar nicht
 4,20 M., sondem 9,56 M. gebracht hätte.
 Schmaltz, in seinem Werk „Valutarisiko" rät den Exporteuren sehr, sich solche Paritaetentabellen
 anzulegen und daraufhin ihr Geschäft einzurichten. Der Rat erscheint durchaus berechtigt.

 Es kommt nun darauf an, aus den 14 einzelnen Paritäten eine mittlere Parität zu finden. Zu diesem Zwecke
 ordnet man die 14 Paritaeten jedes Datums der Größe nach und prüft, um welchen Prozentsatz sie
 durchschnittlich zunehmen, bildet also für den 17. Januar 1925 die Reihe

                                             Weizen 3,6915
                                             Blei   3,7151
                                             Roggen 3,8878

 Dabei wird jede Ware als so oft vorhanden betrachtet, wie ihrem statistischen Gewicht entspricht. Es wird
 also z.B. Blei als 10 mal vorhanden betrachtet, Weizen als 31 mal, Silber als 50 mal usw. Als Mittel
 ergibt sich die Kaufkrafparität 4,6085 M. für einen Dollar zum 17. Januar 1925 und 4,6047 zum 24. Januar
 1925. Der mathematische Fachausdruck für diese Art der Mittelbildung heisst: Bestimmung des
 geometrischen Mittels unter Berücksichtigung der statistischen Gewichte. Diese Mittelbildung ist für
 preisstatistische Untersuchungen die weitaus beste.
 Man kann sie auch noch auf eine folgende Art rechtfertigen. Angenommen, eine Ware A koste 2 M. und
 eine Ware B 8 M. Das für eine Preisstatistik
                                                                                                       10
 richtige Mittel hiervon ist nun 4 und nicht etwa 5. Gleichwertig ist nämlich in der Preisstatistik einer
 Verdoppelung auf der einen Seite, eine Senkung auf die Hälfte auf der andern Seite. Einer Verdreifachung
 entspricht eine Senkung auf ein Drittel usw. Geht man im Beispiel von 4 aus, so kommt man auf 8 durch
 Verdoppelung und entsprechend auf 2 durch Halbierung.
Innerhalb einer Woche ist also der Warendollar ein wenig gesunken. Die Berechnung ergibt noch nicht, ob
die Ursache der Veränderung in der deutschen oder in der amerikanischen Waehrung lag. Vergleicht man
aber die Preise der einzelnen Waren, so findet man, dass sje in Amerika innerhalb der Berichtswoche um
0,461 und in DeutschIand um 0,379% gestiegen sind. Die Kaufkraft des Geldes ist also in Amerika in
etwas hoeherem Grade gesunken, woraus sich eine Senkung des Warendollars um 4/10 Pf. ergibit.

Die ZahIen 1+0,379% für Deutschland und 1 + 0,461% für Amerika stellen gleichzeitig zwei IndexzahIen
dar, bezogen auf den 17. Januar 1925. Das Rechenschema

Letzte Kaufkraftparität      x deutsche Indexzahl
                              amerikanische Indexzahl

d.i. 4,6085 x 1,00379
              1,00461

ergibt genau die neue Kaufkraftparitaet 4,6047, die man vorhin aus der direkten Vergleichung der Preise
vom 25. Januar 1925 in Deutschland und Amerika gefunden hatte.


                                                                                                      157
Es verdient sehr hervorgehoben zu werden, dass bei einer andern Art der Mittelbildung, als sie hier
angewendet wurde, eine solche Uebereinstimmung arithmetisch unmöglich ist. Dieser Umstand spricht
sehr zugunsten des geometrischen Mittels anstatt des gewöhnlichen (arithmetischen), welches sonst
meistens verwendet wird.

In dieser Weise hat nun die Feftmarkbank von Woche zu Woche und für die englische Währung sogar von
Tag zu Tag die Kaufkraftparitäten berechnet. Die Ergebnisse der von Woche zu Woche fortschreitenden
Berechnung sind in folgenben Tabellen enthalten und sind ausserdem in den beiliegenden Diagrammen
graphisch dargestellt. Zum Vergleich sind daneben die Kurse des englischen Pfundes angegeben. Für den
Dollar hätte sich eigentlich eine Angabe des Kurses erübrigt, weil der Dollarkurs seit der Stabilisierung
unverändert 4,20 M. betragen hat.


Datum       E          D          K           Waren-Pfd Geld-Pfd
                                              =19,75 mal
                                              K
28. 10. 24 1.-         1.-        1.-         19,75      18,925
 5. 11.     0,9823 0,9873         1,0050        86      19,100
12.             9755       9992         243   20,23        335
18.             9709       9965         364     27         390
26.             9622       9971         364     47         440
 3. 12.         9548       9994         466     67         540
10.             9594 1,0032             456     65         725
17.             9062       0213         670     88         700
23.             9702       0207         520     78         760
30.             9739       0285         561     86         840
 7. 1. 25       9711       0261         566     87      20,020
14.             9682       0336         676   21,09        010
21.             9623       0394         801     33         045
28.             9680       0455         800     33         135
 4. 2.       9674     0315       663         06     105
11.          9656     0312       679         09     065
18.          9611     0307       724         18     020
25.          9653     0332       704         14   19,995
 5. 3.       9613     0322       737         21   20,025
11.          9591     0291       730         19     050
18.          9433     0186       798         33     075
25.          9384     0141       807         34     090
 1. 4.       9239     0045       872         47     060
 8.          9141 0,9967         903         53     105
15.          9114     9934       900         53     100
22.          9093     9890       877         48     155
29.          9050     9947       991         71     345
 6. 5.       9051 1,0053       1107          94     385
13.          9043     0034     1096          91     380
20.          9057     0083     1132          99     415
27.          9130     0133     1098          92     425
 3. 6.       9134     0161     1124          97     410
10.          9197     0201     1092          91     420
17.          9155     0190     1130          98     415
24.          9163     0276     1214       22,15     425
 1. 7.       9111     0284     1287          29     415
 8.          9114     0297     1298          31     420
16.          9181     0329     1251          22     418
22.          9226     0396     1268          25     420
29.          9230     0437     1308          33     405
 5. 8.       9304     0522     1310          34     405
12.          9384     0524     1214          15     400
10.          9432     0454     1084       21,89     405
26.          9438     0316      930          59     405
 2. 9.       9411     0319      965          66     383
 9.          9408     0253      896          52     370
16.          9353     0223      927          58     365
23.          9294     0180      950          63     350
30.          9130     0089     1048          82     350
 1. 10.      9125     0102     1069          86     330
14.          9053     0107     1161       22,04     325


Die Bedeutung der Ueberschriften ist folgende:
E = die englische IndexzahI, bezogen auf den 28. Oktober 1924.
                                                                                                          12
D = die deuitsche IndexzahI, bezogen auf ben 28. Oktober 1924

      Beide Indexzahlen sind nicht amtlich, sondern von der F. aus eigenen Grundlagen berechnet.

K ist der Index der Kaufkraftparitaet, bezogen auf den 28. Oktober 1924.

Das Waren-Pfd ist die eigentliche Kaufkraftparitaet und gibt an, wieviel die Warenmenge, mit der man in
England 1 Pfd anschaffen konnte, in Deutschland wert war.

Als Geld-Pfd ist der Londoner Mittelkurs auf Grund der Angaben des Manchester Guardian genommen.




                                                                                                     158
Fuer die amerikanische Kaufkraftparität ergibt sich folgende Tabelle:

Daturn        A          D         K      Waren- $   Geld-$

                                          = 4,09
                                            mal K
13. 12. 24 1,-           1,-       1,-    4,09         4,20
20.           1,0093 1,0180 1,0087 4,12                    ―
24.               134          298 1,0161 4,15
                                                       ―
 3. 1. 25         355          341 0,9987 4,08         ―
10.               440          364 0,9928 4,06         ―

17.               584          732 1,0140 4,14         ―
24.               683          772 1,0131 4,14         ―
31.               786          750 0,9967 4,07         ―
 7. 2.            545          515 0.9971 4,07         ―

14. 2.            322          562 1,0233 4,18         ―

21.               251          516 1,0259 4,19         ―
28.               504          594 1,0085 4,12         ―
 7. 3.            232          525 1,0286 4,20         ―
14.           0,9878           342 1,0470 4,28         ―
21.               9769         266 1,0508 4,29         ―
28.               9494         295 1,0843 4,43         ―
 4. 4.            9014         74 1,1175 4,57          ―
11.               9390         41 1,0693 4,37          ―
18.               9039         33 1,1100 4,54          ―
26              9061      114 1,1162 4,56                  ―
 2. 5.          9152      173 1,1115 4,54                  ―
 9.             9277      318 1,1122 4,54                  ―
16.             9307      329 1,1098 4,53                  ―
23.             9389      413 1,1090 4,53                  ―
30.             9476      454 1,1033 4,51                  ―
 6. 6.          9641      521 1,0912 4,46                  ―
13.             9511      523 1.1063 4,52                  ―
20.             9437      518 1,1145 4,55                  ―
27.             9235      553 1,1427 4.67                  ―
 3. 7.          9095      618 1,1675 4,77                  ―
11.             9268      632 1,1471 4,69                  ―
18.             9348      688 1,1432 4,67                  ―
25.             9233      695 1,1584 4,73                  ―
 1. 8.          9295      696 1,1506 4,70                  ―
 8.             9499      869 1,1442 4,08                  ―
                                                                                                       13


15. 8.        9297     716     1,1526 4,71             4,20
22.           9877     538     1,1289 4,69                 ―
29.           9104     329     1,1345 4,64                 ―
 5. 9.        91(1»    390     1,1406 4,66                 ―
12.           9096     296     1,1318 4,62                 ―
19.           8776     147     1,1562 4,72                 ―
26.           8526     1,0021 11753     4.80               ―
 3. 10.       8538     0,9875 1,1666 4,78                  „
10.           8599     0,9943 1,1562 4,72                  ―



          Die Bedeutung der Ueberschriften ist folgenbe:

A ist die Amerikansche Indexzahl, bezogen auf den 13. Dez. 1924

D ist die deutsche Indexzahl, bezogen auf den 13. Dezember 1924.
        Beide Indexzahlen sind nicht amtlich, sondern von der Festmarkbank aus eigenen Grundlagen
        berechnet.

K ist der Index der Kaufkraftparität, bezogen auf den 13. Dez. 1924.

Der Waren=$ ist die eigentliche Kaufkraftparitat und gibt an, wieviel die Warenmenge, mit der man in
Amerika 1 $ anschaffen konnte, in Deutschland wert war.

          Der Geld=$ ist unveraendert gleich 4,20 M.

          Die Zahlen fuer K weichen manchmal scheinbar um 1/ 10 000 von dem Wert D : A bzw.
D : E ab, dies beruht auf Abkürzungen.

       Aus diesen Tabellen folgt nun mit groesster Gewissheit, dass in Deutschland keine Inflation
besteht und auch seit Beginn des Jahres in keinem Augenblick bestanden hat.

        Das Warenpfund und der Warendollar schwankten zwar erheblich mehr als das Geldpfund bzw. der
Gelddollar schwankte; daraus darf man aber nicht etwa folgern, das der Kurs des letzteren kuenstlich
niedrig gehalten wurde.
Auffallend erscheinen könnte ja der Umstand, dass das Warenpfund sowohl als der Warendollar seit einem
Jahre im ganzen steigende Tendenzen haben. Wenn man aber den Ausgangspunkt der Kurven betrachtet, so
wird sofort klar, dass das kaum anders sein kann. Das Waren-Pfd und das Geld-Pfd standen vor einem Jahr
auf ca. 19. Das war sehr weit unter der Paritaet. Aus diesem anormal niedrigen Stand des Warenpfundes

                                                                                                     159
sowohl als des Geldpfundes vor einem Jahr konnte man ohne weitreres den Schluß ziehen, das allein durch
Herstellung der Parität der Ausgleich früher oder später kommen mußte, wobei eine zeit weiliges
Auschlagen des Pendels nach der andern Seite sogar kaum
                                                                                                        14
zu vermeiden war. Bemerkenswert ist, dass Mitte September, als der deutsche Bankiertag stattfand, das
Warenpfund genau so hoch stand wie Mitte April dieses Jahres. Und doch hatten einige fest geglaubt, dass
gerade in dieser Zeit eine heimliche Inflation stattgefunden hatte. Der Stand des Warenpfundes spricht auf
das stärkste dagegen.

       Bei der Beurteilung der Berechnung ist in Betracht zu ziehen, dass die Warenliste der Festmarkbank
nur verhältnismässig wenig Waren enthält. Man kann nun mit einer nur wenige Waren umfassenden Liste
die Veränderungen des Geldwertes ziemlich genau verfolgen, weil — wie bekannt — .Hausse und Baisse
eine sehr entschiedene Tendenz haben, allgemein zu werden. Diese Tendenz kann also auch an
verhältnismässig wenig Waren veranschaulicht werden. Sehr umfangreiche Untersuchungen des
amerikanischen Arbeitsamts haben ergeben, dass man mit nur 12 Waren die Tendenz schon beinahe
ebensogut erfaßt wie mit 200 Waren. Der absolute Stand des Preisniveaus kann dagegen durch noch so
viele Waren nicht ganz genau dargestellt werden, weil hierzu nicht Hunderte von Waren, sondern
Zehntausende nötig waeren. Es soll damit gesagt sein, das der absolute Stand des Warenpfundes im
Oktober 1924 vielleicht nicht genau bei 19,7 lag, sondern vielleicht auch etwas darüber oder darunter. Die
Veraenderung vom 28. Oktober 1924 zum 29. April 1925 hat aber gewiss mit großer Genauigkeit 10%
betragen, gleichgültig von welchem Anfangskurs aus man rechnet. An den Kaufkraftparitaten sind die
Veraenderungen aber erhebIich wichtiger als der Stand zu Beginn der Beobachtung, und gerade die
Veraenderungen kann man ziemlich genau erfassen.

        Die Festmarkbank hat, um eine Kontrolle zu haben, die Kaufkraftparitäten auch noch mit andern
Indexzahlen als mit ihren eigenen berechnet.                 Es wurden die amtlichen, deutschen
Grosshandelsindexzahlen verglichen mit der Grosshandelsindexzahl von Professor Irving Fisher, welche
wöchentlich publiziert wird und der englischen des ―Economist". Die Uebereinstimmung ist trotz der sehr
verschiedenen Rechnungsgrundlagen gross, dabei enthalten die anderen Indexzahlen sehr viel mehr
Waren, welche vom Stand der Valuta nur wenig beeinflußt werden, wie z.B. im Inland erzeugte
LebensmitteI. Die gute Uebereinstimmung ist ein weiterer Beweis dafür, daß die Feststellung aus den
eignen Berechnungen der Festmarkbank, wonach in DeutschIand keine Inflation besteht, gut begründet
ist. Die Festmarkbank hat die Berechnungen nicht nur von Woche zu Woche,
                                                                                                     15
sondern für die englsche Kaufkraftparitat sogar von Tag zu vorgenommen.


       Diese von Tag zu Tag fortgeführte Berechnung der englischen Kaufkraftparität ergab, daß die
Bewegung des Warenpfundes in mehr als der Hälfte aller Fälle mit der Bewegung des Geldpfundes genau
übereinstlmmte. Diese Erscheinung beweist, daß die Methode brachbar ist, und die Devisenkurse auf die
Dauer nicht auseinandergehen koennen.
                                                                                                     160
        Manchen wird vielleicht die vorstehende Darlegung noch nicht beruhigen und er wird fragen: Ja —
aber hat man denn eine solche Teuerung, wie die letzte vor dem Kriege je erlebt?
 Es ist heute vergessen, dass die Preissteigerungen vor dem Kriege gar nicht selten viel größer gewesen
sind als heute. Nach den Untersuchungen von Otto Schmitz (Die Bewegung der Warenpreife in
Deutschland von 1851 bis 1902) waren die Indexzahlen von Januar 1879 bis Februar 1870 folgende:

        1879
Januar         96,97
Februar        96,44
Maerz ........ 95,91
April          96,43
Mai            97,87
Juni           97,11
July           97,24
August         99,14
September      100,95
Oktober        105,52
November 111,89
Dezember 115,04

        1880
Januar     118,14
Februar     118,34

         Von da ab sanken die Preise. Die Preissteigerung betrug faft ¼ innerhalb von 12 Monaten. Einige
andere Jahre weisen durchaus aehnliche Preissteigerungen auf.
         (U.v.Beckerath bemerkte oft: Nichts vergisst das Volk so schnell wie die Preise. – J.Z., 29.11.04.)
         Es wäre zu wünschen, dass die hier begonnenen Untersuchungen auch von anderer Seite fortgesetzt
würden. Richtige Ansichten über den Stand der Währung können gar nicht verbreitet genug sein.
                                                                                                             16
         Vielleicht sind hier noch einige Bemerkungen über die künftige Entwicklung der Kaufkraft des
Goldes angebracht. Kurz nach dem Kriege war das Gold in allen Ländern sehr entwertet. Das war
natürlich. Der Mangel an Waren war gross, während die Menge des in der Welt vorhandenen Goldes nicht
vermindert, sondern sogar noch etwas vergrössert worden war. Ausserdem waren die sonst untätig in den
Kellern der Zentralnotenbanken lagernden Goldmengen plötzlich mobil geworden, hatten in Amerika eine
in der Weltgeschichte noch nicht dagewesene Kaufkraft ausgeübt und das amerikanische Preisniveau auf
weit über das Doppelte des Niveaus von 1913 gesteigert. Seitdem ist eine gewisse Ruhe in der Bewegung
des Weltgoldvorrats eingetreten, und seine Kaufkraft hat sogar ein wenig zugenommen, wie das
Statistische Reichsamt in Nr. 20 des Iaufenden Jahrgangs seiner Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik"
zeigte.

        Die Kaufkraft des Weltgoldvorrats wird von zwei Seiten her in entgegengesetztern Sinne beeinflußt.
An sich wird die Goldproduktion mit jedem Jahre schwieriger, weil die Schaechte der Goldgruben immer
tiefer werden, und das Herausschaffen des Goldsandes immer mehr Arbeit macht. Je mehr Arbeit aber auf
die Produktion verwendet werden muss, desto wertvoller wird das Gold.
        Sehr wichtig ist ferner die Frage der Entlohnung der in den Goldbergwerken beschäftigten Arbeiter.
Hohe Löhne erhöhen auch hier den Wert des Produkts. In Südafrika werden fast ausschliesslich billig
arbeitende Eingeborene beschaeftigt. Deren Lohn absorbiert aber doch fast vollkommen das produzierte
Gold. Sollten Lohnkaempfe ausbrechen, so ist die ganze südafrikanische Goldproduktion gefährdet, denn
die englische Regierung wird schwerlich, wie sie es während des Krieges tat, den Goldgruben Zuschuesse
leisten. Nun ist aber der wirtschaftliche Friede in Suedafrika keineswegs gesichert. Es geht eine gewaltige
Welle der Auflehnung durch die farbigen Rassen. Ueberall, wo die Farbigen den Weissen als grosse
Massen von Arbeitnehmern gegenueberstehen, sind jetzt Lohn=
                                                                                                          161
bewegungen mit politischem Hintergrund häufig. Es ist das eine natürliche Folge des Weltkrieges, in
dessen Verlauf Hunderttausende von Farbigen als Gleichberechtigte mitkämpften. Die Farbigen wollen die
Gleichberechtigung, die damals nur ein Schein war, jetzt zur Wirklichkeit werden lassen, und ganz
besonders die Länder der Entente werden die Geister, die sie damals riefen, nicht
                                                                                                   17
wieder los. Dazu kommt noch, dass jede derartige Bewegung von Russland aus planmässig geschürt wird.
Die Möglichkeit, dass das Gold durch Stillegung der Goldgruben wieder einmal knapper word, sein Wert
sich erhoeht, oder was das Gleiche ist, dass die Preise sinken, das ist durchaus nicht ausgeschlossen.
Fuer
die allernaechste Zukunft ist allerdings eine solche Wendung nicht zu erwarten. Während des letzten
Jahres sind in Südafrika neue Maschinen aufgestellt worden, die eine erhebliche Verbesserung der
Produktion ermöglichen. Auch gewinnen die neuen Goldfelder in Canada sehr rasch an Bedeutung.
Besonders die Ergiebigkeit der Gruben am Porcupine River übertrifft alle Erwartungen. Auch klagen die
Metallhaendler in London über schlechten Absatz von Feingold, so dass der Preis für Barren vielleicht
noch sinkt und damit die Kaufkraft des Goldes.

Der Wert des Goldes oder mit andern Worten das allgemeine Preisniveau werden also von vielerlei
Umstaenden beeinflußt, die alle außerhalb des Machtbereichs irgendeiner Zentralnotenbank liegen. Dies
muss billigerweise berücksichtigt werden, wenn man die Bemühungen der deutschen Reichsbank, die
Währung stabil zu halten, beurteilen will.
                                          Oktober 1925.

                                    Druck von R. Boll, Berlin NW 6.

Zwar ist U.v.Beckerath nicht als Verfasser angegeben aber Beckerath arbeitete fuer diese Bank, dieser
Artikel zeigt seinen Stil und seine Gedanken und er war in einer Mappe enthalten der hauptsaechlich seine
Beitraege enthielt.
Als dann spaeter, in der 1927 Ausgabe, Dr. Stonawski zum gleichen Thema schrieb, beantwortete
Beckerath diesen Artikel, war also immer noch an diesem Thema interessiert. Ich habe noch eine ganze
Mappe mit seinen Ausarbeitungen der Kaufkraftpaeritaeten.        J.Z. 2/2/83. - Die folgende graphische
Darstellung, Blatt 162, ist das beste Resultat das ich mit meinem Skannierungssytem erreichen konnte. -
J.Z., 29.11.04.
                                                                                                    163
14. I. 1926.
  V/Th (Beckerath)

                               Die Berechnung der Kaufkraftparitäten
                               Deutschland - England von Tag zu Tag.

        Die Kaufkraftparität ist der Wert der ausländischen Geldeinheit in Mark und zwar so berechnet,
als ob das Zahlungsmittel Ware wäre.
        Beispiel:
        Am 1.5.24. kostete Silber vom Feingehalt 37/40 in London 32 15/16 Pence die Unze. Das heisst,
für 1 ₤ erhielt man 203 g Feinsilber. In Berlin kostete am gleichen Tage ein Kilogramm Feinsilber 90,75
Rentenmark.
        203 g kosteten daher 18,42 Rentenmark. Das heist: wären zwischen deutschen und englischen
Kontrahenten die Schulden anstatt in Geld in Feinsilber beglichen worden, so würde dies den gleichen
Effekt gehabt haben, wie die Ausgleichung in Geld zum Sterlingkurs von 18,42.
        Da in letzter Instanz alle Schulden von Land zu Land in Waren oder Dienstleistungen bezahlt
werden, so ist die Beobachtung der Kaufkraftparitäten wichtig. Auf die Dauer müssen sich sogar
Devisenkurs und Kaufkraftparität auf einander einstellen. Eine langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass
das zutrifft.
        Bei der Deutsohland sind seit über einem Jahr die Kaufkraftparitäten Deutschland - England
beobachtet beobachtet worden und zwar
        a) von Tag zu Tag,
        b) von Woche zu Woche.
Herr Dr.Ramin wünscht, dass die Beobachtung sich künftig sowohl auf die einzelnen Warenpreise
erstreckt wie auf den Durchschnittspreis. Zur Ausführung der betr. Berechnungen ist folgendes zu
bemerken.
        Verwendet wird ein Schema wie in Anlage I.
        Die erste Spalte links enthält den Namen der Ware. Es hat sich als zweckmässig herausgestellt,
die Sorte, den Lieferungstermin und den Ort
                                                         -2-
164
der Notierung in der Ausrechnung zu bezeichnen, weil bei fast allen Waren in dieser Beziehung
verschiedene Möglichkeiten bestehen. Wenn man z.B. zu Weizen, Mittelpreis, Berliner Notierung in
Verhältnis setzt

        at) Liverpooler Notierung, Lieferungstermin März,
        b)      ―          ―              ―          Dezember,
        c) Londoner        ―              ―               ―
        etc.
so ist das im Effekt so, als wenn man drei ganz verschiedene Waren vergliche. Dieser Umstand ist sehr
wichtig.
        Angenommen, es wird eine Zeitlang Weizen, Notierung Liverpool, Lieferung Dezember, mit
deutschem Weizen verglichen. Ploetzlich aber wird in Liverpool kein Dezember Weizen mehr notiert,
sondern nur noch März-Weizen und zwar sei dies etwa am 2.1. beobachtet. Dann bleibt nichts anderes
übrig, als künftig mit März-Weizen zu rechnen, zum 2.1. aber zwei Berechnungen auf zwei Blättern
anzustellen, eine mit Dezember-Weizen und eine mit Maerz-Weizen. Das Gleiche gilt, wenn etwa einmal
―morning call" Notiz verwendet wird und einandermal in Ermangelung dieser morning call-Notiz die
afternoon-call-Notiz. Oder, wenn Liverpool einmal gar nicht notiert und man dafür die Londoner
Notierung nehmen muß. Das ist umstaendlich, es lässt sich aber nicht anders machen, wenn nachher die
Kontrollrechnung richtige Resultate ergeben soll. Freilich muss man bei dieser Rechnmng von
vornherein darauf verzichten, für die Kaufkraftparität, berechnet über die einzelne Ware, eine
kontinuierliche Kurve zu erhalten.
Wenn das Urmaterial Diskontinuitäten aufweist, dann kann die Rechnung keine kontinuierlichen
Resultate ergeben. Angenommen, die Kaufkraftparität einer Ware zeigt folgende Werte:

       Datum: 5.       6.    7.      8.     9.     10.
       Wert : 18      18    18       -      -       -
                            17      17     17       17


                                                                                                    165
                                               - 3 -
       Am 7. is der Uebergang zu einer andern Notierung erfolgt. Dann ist die graphische Darstellung:
 5.     6.    7.     8.     9.                      5.      6.   7.    8.     9.

        Die Ordinate vom 7. hat also zwei Schnittpunkte, wie es sein muß.
Das Schreibwerk braucht durch die doppelte Rechnung nicht allzusehr vermehrt zu werden. Man begnügt
sich beim zweiten Blatt damit, nur die veränderten Notierungen und die veränderten Summen
einzutragen, im übrigen aber - etwa mit roter Tinte - zu bemerken: "Sonst keine Veränderungen
gegenüber Blatt I,"
        Das Rechenschema wird nach den Muster der Anlage X angelegt.
        In die erste Spalte I kommt der Name der Ware, in die zweite Spalte I a kommt der Ort der
Notierung, z.B. London. In die nächste Spalte I b die Sorte, z.B. bei Antimon foreign spot.
        In die nächste Spalte II kommt die englische Preisnotiz. Es wird gleich die mittlere Notiz
eingesetzt. Wenn z.B. da steht: from 66 s. to 66 s. 10., dann wird gleich 66 s. 5 eingesetzt.
        In die naechste Spalte III konmt der in £ umgerechnete Wert von Spalte II. Die Genauigkeit nuss
5 Stellen hinterm Konma betragen. Wenn man weniger Stellen nähme, dann wurde schon nach drei
Jahren mit ihren ca. 1000 Tagesnotierungen eine Ungenauigkeit der letzten Stelle eintreten
können.
        In die nächste Spalte IV wird eingesetzt, wieviel Kilo der Ware man für ₤ in England kaufen
kann. Dazu muss man die Gewichtseinheit kennen, in welcher die Ware notiert wird. Diese Einheiten
sollen später
                                                                                                    166
                                                     -4-
angegeben werden. Rechnerisch läuft die Konstruktion der Zahlen in IV darauf hinaus, dass die Zahlen in
III in einen konstanten Faktor hinein dividert werden. Vom Ergebnis sollen 5 Ziffern hingeschrieben
werden, z.B. 65,978 bei Weizen oder 3,93w3 bei Zinn.
         Man geht dann zunächst zu Spalte VII über, welche die deutschen Notierungen enthält, so wie sie
in der Zeitung stehen. Man kann der Bequemlichkeit halber die beiden in der Zeitung stehenden Werte
eintragen.
         In Spalte VI wird dann der Preis von 1 Kilo in Mark eingetragen und gleichzeitig das
arithmetische Mittel der Preise für Angebot und Nachfrage von Spalte VII genommen. Die Genauigkeit
muss evtl. bis zur 5. Dezimale gehen. Einen andern Mittelwert aus den beiden Preisen für Angebot und
Nachfrage auszurechnen, lohnt nicht der Mühe. (Man könnte anstatt a + b auch nehmen √ ab.)
                                                             2
         Man berechnet dann Spalte V einfach durch Multiplikation der Spalten IV und Vl. Das Ergebnis
soll 5 Ziffern enthalten, beim £ also 3 Stellen hinterm Komma.
         Damit ist der erste Teil der Berechnung ausgeführt. Ueber die bequemste Art, die
Preisnotierungen aufzufinden, sei folgendes bemerkt:
         Die hauptsächliche Quelle für die englischen Preisnotierungen ist der Manchester Guardian
(daily). Dieses Blatt hat sich während des Krieges und nachher mehr wie die meisten andern Blätter der
Deutschenhetze enthalten und hat sich einigermassen bemüht, objektiv zu sein. Man kann daher
annehmen, dass die Angaben des Manchester Guardian wenigstens keine bewussten Irreführungen sind,
was bei einigen andern englischen Zeitungen und erst recht bei amerikanischen keineswegs ganz sicher
ist.
                                                                                                    167
                                                 - 4a -
        Zunächst wird der Preis von Gold und Silber festgestellt. Ungefähr auf Seite 12 befindet sich der
Bericht über "Money and Stocks" (Geld und Geldanlagen). Dicht unter der kleinen Tabelle: Market
Discounts (Privatdiskonten) befindet sich der Preis fuer Silber und Gold. Notiert wird der Preis von 1
Unze Münzsilber vom Feingehalt 37/40. etwa in der Form 31 6 /16. Das heisst: 1 Unze Münzsilber =
28,7715 Gramm Feinsilber kosteten: 31 s 5/16 Pence = (31 s 5/16 d).
Genommen wird der Preis für "spot", d.h. für sofort lieferbare Ware ("forward" bedeutet Terminware.)
        Unmittelbar unter der Angabe für Silber steht der Preis für Gold. Notiert wird der Preis von 1
Unze = 31,104 g Feingold (vor dem Kriege Münzgold).
        Keynes meint, dass eine einzige englische Firma die Preise für Gold und Silber einigermassen
diktatorisch bestimmt. Das wird wohl stimmen, immerhin wird die Firma ihr Monopol bald durchbrochen
sehen, wenn sie sich mit ihren Notizen allzuweit von der wahren Marktlage entfernt.
        Beobachtet werden ferner folgende Metalle. (S.Seite 5)
                                                      -5-
                                                                                                    168

      Name                            Sorte                          Gewichtseinheit
____________________________________________________________________________________
__
Kupfer,         Copper                         electrolytic                         1 engl.Tonne = 1016
kg
Zinn,           Tin                            standard cash
Blei,           Lead                           English, closed at:
Zink,           Spelter                        Settlement price
Aluminium,      Aluminium                      export
Antimon,        Antimony                       foreigm spot ex warehause
Nickel,         Nickel                         keine Angabe der Sorte

       Es gelten für Kupfer, Zinn und Zink die Preise ganz unten unter der Überschrift: ―Official closing
quotations."
       Auf der gleichen Seite 10 befinden sich meistens auch die Notierungen für "Liverpool
Provisions". Wir benutzen davon die folgenden:

         Schmalz    Lard              americ. Refined                                112 engl. Pfund
         Butter,    Butter            Danish choicest                                      ―

Früher nahmen wir auch noch Speck, Bacon, Danish, dazu, neuerdings fehlt aber die entsprechende
deutsche Notierung. Wenn sie wieder erscheint, verwenden wir auch wieder die Liverpooler Notiz.
       Auf der gleichen Seite 10 befinden sich meistens auch die Notierungen für "General Produce".
Wir benutzen davon die folgenden:

a.) Liverpool

Zucker,             Sugar                 morning call, sellers,          den ersten Lieferungstermin
Kakao,              Cocoa                 fair fermented Accras, sellers, der da steht
Reis,               Rice                  Burma Kinds No. 2                    ―

b.) London

Kaffee              Coffee             Futures                            ―
                                       Gewichtseinheit = cwt = 50,802 kg.

Auf der gleichen Seite 10. steht meistens noch: Grain market. Wir nehmen davon:
                                                                                                        169
                                                 -6-
                                     Liverpool, Current Quotations
Weizen,      Wheat, No.l Manitoba                                     100 engl.Pfund = 45,359 kg
Hafer,       Oats, No. 2, Canada, white                               320 engl.Pfund = 146,150 kg
Mais,        Maize, River Plate                                       100 engl.Pfund = 45,359 kg
Gerste,      Barley, American maltin                                  400 engl.Pfund = 181,437 kg

        Früher nahmen wir noch Pfeffer und Tee hinzu. Die Preisschwankungen dieser Waren sind aber
so gross, dass man sie zur Prüfung der Währung nicht verwenden kann. Dazu kommt, dass die Art der
Notierung oft geändert wird, die gehandelten Sorten oft wechseln etc., so dass man keinen Anschluss an
die letzte Notierung findet. Immerhin sollten die Artikel von Zeit zu Zeit beobachtet werden , um zu
prüfen, ob sich nicht doch etwas daraus machen laesst.

(Hier hakte Bth. den Text ab mit dem Zusatz: "bis hierher!")

(Der folgende Paragraph wurde von mir aus dem Original abgeschrieben. – J.Z.):

        ―Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, dass das Schema zur Berechnung der Kaufkraftparitaeten
niemals als feststehend oder als abgeschlossen angesehen werden kann. Frueher beobachtete Waren
werden ploetzlich nicht mehr notiert, und neue erscheinen fuer mehrere Wochen ganz regelmaessig.
Unser System ist - - im Gegensatz zum Schema einiger Statistischer Aemter - - so eingerichtet, dass es
einen ganz beliebigen Wechsel der Waren vertraegt ohne unrichtig zu werden, und ohne dass irgendeine
Angabe fuer irgend einen Boersentag die Faehigkeit verliert mit der Angabe irgend eines andern
Boersentags verglichen zu werden. Letzterer Umstand ist sehr wichtig und nur um diesem Umstand
Rechnung zu tragen sind die Komplikationen geschaffen, die in andern Systemen fehlen.
Es sei hier bemerkt, dass die deutschen amtlichen Indexzahlen tatsaechlich - streng genonnen - nur mit
den Indexzahlen von 1913 vergleichbar sind, nicht aber untereinander. Wenn also z.B. die amtliche
deutsche Indexzahl von 120 auf 130 steigt, so darf man daraus nicht schliessen, dass das Preisniveau sich
um 1/12 erhoeht hat. Nun berechnet man aber doch die Indexzahlen um sie untereinander zu vergleichen,
nicht aber um sie auf 1913 zu beziehen. Die englische Indexzahl des "Economist", welche ungefaehr nach
dem vom deutschen Stat. Reichsamt angewendeten System berechnet ist, war im Laufe von wenigen
Jahrzehnten ganz unbrauchbar geworden, nur weil die Rechner sich die kleine Muehe sparten so wie die
D. (Deutschland) mit Logarithmen zu rechnen. Der Index der D. wird aber nach 100 Jahren noch eine
ganz korrekte Vergleichung zwischen irgend welchen Boersentagen ermoeglichen, vorausgesetzt, dass
das gegenwaertige System beibehalten wird.‖

                                                                                                              170
                                                  -7-
Ungefähr auf Seite 10 steht meistens die Abteilung "General Produce".

       Der Abteilung Liverpool entnehmen wir
Zucker. Sugar white, terminal market, morning call, sellers (weisser, Terminware, Nachfrage am
Morgen). Wir nehmen die erste Notierung in der Reihe, oder wenn da steht: from ... to …, dann nehmen
wir das Mittel aus diesen beiden Preisen.
Kakao: Cocoa, fair fermented Accras. Wir nehmen die erste Notierung der Reihe, aehnlich wie beim
Zucker.
Reis, Rice, Burma kinds No. 2. Wie bei Zucker.
Leinsaat, Linseed. Wie bei Zucker. Wenn in Deutschland kein Preis für Leinsaat notiert wird, dann kann
diese Ware nicht verwendet warden.

       Der Abteilung London entnehmen wir
Kaffee, Coffee, futures, die erste Notierung, im übrigen wie bei Zucker.

Ungefähr auf Seite 14 steht die Abteilung: Grain Markets (Getreidepreise). Wir entnehmen den
Liverpooler Notierungen, Unterabteilung: "Current Quotatlon".
Weizen; Wheat, für 100 1b, (Gewichtspfund a 463,59 Gramm, also sind 100 1b = 45,359 kg) No. 1 N.
Manitoba, Mittelwert aus Angebot und Nachfrage.•
Hafer, Oats, für 320 lb, das sind 145,15 kg. No.2, Canadian white, Mittelwert aus Angebot und
Nachfrage.
Mais, Maize, für 100 1b = 45,359 kg. River Plate, Mittelwert aus Angebot und Nachfrage.
Gerste, Barley, für 400 1b = 181,437 kg. American malting, Mittelwert aus Angebot und Nachfrage.

        Es soll nun noch ein praktisches Beispiel gegeben werden, wie
                                                                                                              171
                                                          - 8 -
eine Nummer des Manchester Guardian verarbeitet wird. Die nachstehenden Angaben sind der No. 24764
des Manchester Guardian vob 6.1.1926 entnommen.
Seite 12. Silber: bar silver, spot price .... 31 11/16 d
          Gold: The price of gold ………84 10 1/2
Ausserdem noch did Börsennotiz des £ - Kurses:
Berlin: 20,37 - 20,37 1/2, also mittl.Kurs 20,3725.
Seite 10.  London Metals.
           Blei: Lead …………………… English closed at £ 37.
           Aluninium: Aluminium ……. export £ 126.
          Antimon: Antimony ………. foreign Spot at £ 98-100 ex warehouse
                                                      (Mittelwert £ 99)
          Nickel: ................................... at £ 170 to £ 175 (Mittelwert 172 £ 10 sh)

Official closing quotations:
Kupfer: Copper………………………… electrolytic £ 65 15 s to £ 66 5 s (M.W. £ 66)
Zinn:      Tin ............................................ standard cash £ 288 to £ 288 5 s (M.W. 288/2/6)
Zink:      Spelter ………………………….. £ 39.18.9 to £ 39.-.- (M.W. 38/9/4 1/2)
        Liverpool Provisions.
Unter Quotations
Schmalz: Lard (per 112 lb) Amer. refined boxes 76/6-78/6 (M.W. -/77/6)
Butter:     Butter (per 112 1b) Danish choicest 180/0-184/0 (M.W. -/182/-)
        General Produce.
Liverpool
Zucker: Sugar - Morning oall, Januarj 14at eeller».
Kakao: Cacoa - Fair fermented Accras, Jan.-March Sellers at 37 s. f.o.b.
Reis:      Rice - Bursa kinds No.w, Jan.-Febr. Shipment ... 15 s 6 d
                                                                                                              172
                                                        - 9     -
per. London:
Kaffee:       Coffee      -      Futures …      March quoted 89 s. 9 d. per/wt.

       Grain Markets.
Liverpool: Current Quotations.
Weizen: Wheat (per 100 1b)           No. 1 N.Man. 13 s 9 d'
Hafer:   Oats (per 320 1b)           No. 2 Canada white         29. 0
Mais:    Maize (per 100 1b)          River Plate 7.8 - 7.8 1/2 (M.W. -/7/8 1/4)
Gerste: Barley (per 400 1b)          American malting 31 0

      Zu bemerkens ist noch, dass an Sonnabenden in Deutschland die Metallboerse und die
Zuckerboerse ausfallen. Die Parität kann daher nur fuer 5 Tage berechnet werden.

       Es sollen nun noch die Faktoren uebersichtlich susammengestellt werden, die man gebraucht, um
die Werte der Spalte IV aus denen der Spalte III zu berechnen. Diese Faktoren sind einfach die Anzahl
der Kilogramm bezw. Gramm (bei Gold und Silber), auf welche sich die englische Notiz bezieht.

          Übersicht = Konstante Faktoren zur Berechnung von Spalte IV.

Antimon:               1016
Nickel:                1016

Talg:                  50,802

(Speck                 50,802)

Aluminium:             1016

Blei:                  1016

Kakao:                 50,802

Zinn:                  1016

Zink:                  1016

(Leinsaat:             1016)
                                                                                                     173

                                                      - 10 -
Schmalz:          50,802
Mais:             45,359

Butter:           50,802

Reis:             50,802

Hafer:            145,15

Zucker:           50,802

Kaffee:           45,359

Kupfer:           1016

Gerste:           181,437

Weizen:           45,359

Silber:           28,7715

Gold:             31,104

Die eingeklammerten Werte werden augenblicklich nicht verwendet. Steht also etwa in Spalte III bei
Nickel 172,5, so rechnet man aus
                                     1016 = 5,8899.
                                     172,5
Wie schon bemerkt, werden insgesamt 5 Ziffern von der Zahl gebraucht. Die Zahl bedeutet, dass man für
1 £ an diesem Tage 5,8899 kg Nickel kaufen konnte.
        Man geht dann zur Feststellung der entsprechenden Notierungen in Deutschland ueber.
        In Deutschland ist die Notierung viel übersichtlicher und bequemer als in England. Ein Beispiel
macht die Sache vollkommen klar. Im Berliner Börsencourier No.20, vom 13.1.26 Abendausgabe und der
folgenden Morgenausgabe No.81 finden sich folgende Angaben.
                                                                                                     174
                                                  - 11 -
Berliner Produktenverkehr.
       Weizen, maerk. 249 - 255 (M.W. in Spalte VI: 0,252)
       Gerste, Sommerg. 183 – 210 (M. W. ― ―     ― 0,1965)
       Hafer, maerk.    160 - 171 (M.W. ― ―     ― 0,1655)

Amtliche Preisfeststellung:
       Blei, Januar        70 - 69,50 (M.W. in Spalte VI: 0,6975)
Berliner Metallbörse.
       Elektrolytkupfer       134,25           in Spalte VI: 1,3425
       Remelted Plattenzink 66-67               ―    ― ― 0,665
       Orig. Huetten-
       Aluminium (98-99%) 235-240               ―            2,375
       Reinnickel             340-350          ―             3,45
       Antimon Reg.           205-210          ―             2,075



Sueddeutsche Edelmetalle:
Pforzheim:
       Gold: 2,795-2,809                          ―        2802
       Silber 95,00-96,90 (erste u. letzte Notiz) ―          95,95

Magdeburger Zucker Terminbörse:
       Gemahlener Mehlis bei prompter Lieferung z.B. 2£6 M, so sind davon 11 M für Verpackung und
Steuer abzuziehen, verbleiben also 15 M für 50 kg oder für 1 kg (Spalte VI) 0,30

                                       Morgenausgabe No.21.
Marktberichte: Nahrungsmittelpreise, Berlin 13.1.
50 kg Kakao, fettarm    52 - 90 M.W. in Spalte VI      71/50 = 1,42
Schmalz, in Kübeln      91 - 92      ―            ― 91,5/50 = 1,83
Butter, Auslands-      188 - 196     "            ―   192/50 = 3,84
Reis, Rangoon        17,75 - 18,25 "              ―    18/50 = 0,36
                                                                                                     175
                                                - 12 -
Kaffee, Rohk.Brazil,    200 - 280    M.W. in Spalte VI 215/50 = 4,3

Hamburger Warenmaerkte:

        Getreide: Mais 186 - 189 M M.W. in Spalte VI:                0,1875
Notierung des Hamburger Metallvereins:
        Zinn, Januar 5,76 - 5,70        M.W. in Spalte VI:           5,73
        Das sind die Zahlen der Spalte VII bezw. der Spalte VI,
welch letztere sich als der mittlere Preis (Angebot + Nachfrage)
                                                    2
fuer 1 kg. bezw. 1 g daraus ohne weiteres ergeben.
Um nun die Kaufkraftparitaet, berechnet über die einzelne Ware, zu finden, hat man nichts zu tun, als die
Zahlen der Spalte VI mit denen der Spalte IV zu multiplizieren. Das Ergebnis setzt man unter
Verwendung der ersten 5 Ziffern in die Spalte V ein.
Beispiel: 1 kg Zinn, kostet in Deutschland M 5,10 (Spalte VI)
           3,9323 kg Zinn kosten in England 1 £.
Dann ist das ―Zinn=£‖ offenbar
                                       5,1 mal 3,9383 = M 20,055
wert. Mit andern Worten, wenn Schulden an diesem Tage mit Zinn bezahlt werden, dann ist das in Effekt
das gleiche, als wenn der Sterling-Kurs wäre
                                               1£ = M 20,055.
        Die Auswertung der Zahlen zu einer durchschnittlichen Kaufkraftparität soll in einer besonderen
Darstellung gezeigt werden.
____________________________________________________________________________________
__


Frl. M. Bloesz                                                         25.12. 26
176
(12.25.26. V/Th. )

                       Weshalb Indexkonten banktechnisch undurchführbar sind.

        Viele Schriftsteller haben ein Sparsystem mit Indexkonten befuerwortet, einige Banken haben
sogar Indexkonten eingefuehrt. Diese Konten muessen im Laufe der Zeit notwendig Verluste bewirken;
wieso, das erkennt man an folgendem, einfach konstruierten Beispiel.

       Datum      Einzahl. b.d. Bank in RM.    Index        Rueckdeckung beim
                                                       Gutschrift in
                                                            Geldnehmer der Bank
                                                       in Index-Mark
                                                            in Indexmark
____________________________________________________________________________________
___

 I.   10.2.26.         1188                   118,8        1000              1000
II. Neue Einzahlung,
    gleichzeitig Rueckzahlung von I.
     17.2.26           2364                   118,2        2000

                                              hiervon ab
                       1188 Goldwert bleibt          1000
                              erhalten
                      ________________________________
Anzulegen bleiben      1176                   118,2 Der Geldnehmer der Bank nimmt aber
den Betrag nur zu 1176 : 1,182 = 994,92 Indexmark.

        Die Bank haftet jetzt fuer 2000 Indexmark, hat aber als Aktivum nur 100 + 994,91 = 1994,92
Indexmark!
Keine Zinsspanne und keine Provision kann solche Divergenzen ausgleichen.
Andererseits ist es unmoeglich zu verhindern, dass Auszahlungen aus der Tageskasse stattfinden. Der
Schalterbeamte kann unmoeglich so rasch eine Verbindung mit den Schuldnern der Bank herstellen!
Es ist auffallend, dass in der ganzen umfangreichen Indexliteratur dieses technische Hindernis der
Durchfuehrung eines Sparverkehrs auf Indexgrundlage nicht behandelt ist. - Bth.

Von Frl. Bloesz selbst ausgearbeitet.
Bitte um Rueckgabe.
                      Bth.
                    29. 6. 33. (Notiz an Rittershausen.)
____________________________________________________________________________________
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(V/Gr) 27.12.26
177
                               Herrn Dr. Ramin vorzulegen. Bth. 27.12.26.


                               Die Berechnung der Kaufkraftparitäten
                                       England - Deutschland
                                      Amerika - Deutschland.

        Fast alle beobachteten Waren haben ausser der Tendenz, dem allgemeinen Preisniveau zu folgen,
noch eine mehr oder weniger starke Eigenbewegung. Diese Eigenbewegung ist bei einigen Waren so
stark, dass man prüfen muss, ob sie nicht für den von uns verfolgten Zweck zu stark ist. Beispiele:
        Als wir unsere Beobachtungen begannen, war auch Tee eine der beobachteten Waren. Es stellte
sich aber heraus, dass Tee zu Zeiten halbwegs stabiler Währung ein ganz ungeeigneter Prüfstein für die
Stabilität ist. Die Mitverwendung des Teepreises täuscht eine Veränderlichkeit der Waehrung vor, die in
Wirklichkeit gar nicht besteht. Wir mussten uns deshalb seinerzeit entschliessen, den Tee aus der Liste
der beobachteten Waren zu streichen, obwohl die Anzahl der für unsere Zwecke brauchbaren Waren nicht
gross war.
        Lange Zeit sind wir im Zweifel gewesen, ob der Preis von Nickel und von Aluminium sich noch
als Prüfstein eignet. Nickel bleibt sonderbarerweise in England manchmal wochenlang entweder ganz
oder fast stabil, während andere Metalle sich im Preise verändern und das allgemeine Preisniveau sich
ebenfalls hebt oder senkt. Offenbar wird der Preis von Nickel von einigen grossen Werken vielleicht
sogar nur von einem, massgebend fuer laengere Zeit bestimmt und nach diesem Preis richtet sich auch die
Börse.
[Etwas Ähnliches haben wir beim französischen Aluminium beobachtet!]
Man kann daher im Zweifel sein, ob nicht die Mitverwendung des Nickelpreises bei der Berechnung der
englischen Kaufkraftparität eine Stabilität vortäuscht, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.
        Aus dem Dilemma, Waren, deren Preise an sich zweifellos waehrungsempfindlich sind, wegen
der besonderen Art der Notierung
                                                       -2-
178
ausschalten zu müssen, kämen wir wahrscheinlich heraus, wenn wir die Parität England - Deutschland
und Amerika - Deutschland in Zukunft nur noch einmal monatlich berechneten anstatt einmal wöchent-
lich.
Eine monatliche Berechnung passt auch viel besser als die wöchentliche zu den gegenwärtigen ganz
geringen Schwankungen des allgemeinen Preisniveaus in England, Amerika und Deutschland.
Man könnte meinen, dass durch möglichst häufig wiederholte Berechnungen der Ueberblick besser
würde; das ist durchaus nicht immer der Fall.
Wir machten zuerst diese Erfahrung, als wir bei Berechnung der englisch-deutschen Kaufkraftparitäten
von täglichen zu wöchentlichen Intervallen übergingen. Die Kurve, welche die wöchentliche Berechnung
lieferte, war viel charakteristischer als die Kurve für die täglichen Berechnungen. Ich bin überzeugt, dass
die Kurve der monatlichen Berechnungen noch charakteristischere Züge aufweisen wird.
         Es kommt hinzu, dass unser Büro zur Zeit durch die für Paris notwendigen Berechnungen und
Zeichnungen stark beansprucht wird. Wenn bei der täglichen Arbeit etwa die Berechnung für eine
Kaufkraftparität und für unsere ausgesuchten französischen Papiere kollidierte, dann müsste zur Zeit
natürlich die Kaufkraftparität zurückgestellt werden. Dadurch dass die Berechnung zurückgestellt wird,
verliert sie aber natürlich an Wert. Derartige Kollisionen werden wahrscheinlich vermieden, wenn die
Paritätenberechnung nur einmal im Monat ausgeführt wird.
         Die französisch-deutsche Kaufkraftparität soll nach wie vor wöchentlich gemacht werden. Da bei
dieser Parität 16 währungsempfindliche Warenpreise verwendet werden, so wird dadurch auch die
deutsche Währung kontrolliert und besondere Vorgänge im Geldwesen, insbesondere eine versteckte
Inflation in Deutschland, würden bei Berechnung der deutsch-französischen Kaufkraftparität spätestens
innerhalb von 6 Tagen entdeckt werden.                                           –3-
179
       Ich bitte Herrn Dr. Ramin, sich damit einverstanden zu erklaeren, dass vom 1. Januar 1927 ab nur
noch die franzoesich-deutsche Kaufkraftparitaet woechentlich berechnet wird, die anderen aber nur
monatlich.
                                                                                              Bth.

―Einverstanden. R.‖


(Bth.) (July 1927?)
                                                                                                            180
                             Wie bei den Kaufkraftparitaeten der Festmarkbank
                                      die Mittelwerte gebildet werden

        Angenommen, man hat die drei Zahlen 2, 3, 4,5 dann kann man daraus auf allerlei Weise einen
Mittelwert bilden. Das Einfachste ist natürlich so zu rechnen
  2
+3
+ 4,5
  9,5 : 3 = 3 1/6.

Man kann aber auch anders rechnen und sagen:
2 mal 3 mal 4,5 = 27
Der Mittelwert ergibt sich aus: 3 mal 3 mal 3 = 27

2 . 3 . 4,5 ist also ebensoviel wie 3 . 3 . 3, folglich betrachten wir 3 als den Mittelwert der 3 Zahlen 2 - 3 -
4,5.
        Nehmen wir ein anderes Beispiel. Wir haben die 4 Zahlern 2 - 4 - 9 – 18. Der nach der
gewöhnlichen Methode berechnete Durchschnitt beträgt
                                         2 + 4 + 9 + 18 = 33 : 4 = 8 ¼.
Man kann aber auch rechnen
                                     2 mal 4 mal 9 mal 18 = 1296
Der Mittelwert ergibt sich aus : 6 mal 6 mal 6 mal 6 = 1296
Es ist also 2 . 4 . 9 . 18 ebensoviel wie 6 . 6 . 6 . 6, folglich betraohten wir 6 als dem Mittelwert der 4
Zahlen 2-4-9-18.
                                                              -2-
181
        Den aus der Summe der Zahlen berechneten Mittelwert nennt man das arithmetische Mittel oder
den einfachen Durchschnitt, das aus dem Produkt der Zahlen berechnete Mittel nennt man das
geometrische Mittel. Die Namen sind nicht garade sehr glücklich gewählt, sie sind aber seit ca. 100
Jahren allgemein im Gebrauch.
        Aus den beiden vorstehenden Beispielen ergibt sich schon die allgemeine Regel, wie man aus
irgendwelchen Zahlen das geometrische Mittel berechnet. Angenommen, es seien n Zahlen gewesen.
Dann multipliziert man alle n Zahlen miteinander, dann prüft man, welche Zahl dasselbe ergeben haette,
wenn man sie n mal mit sich selbst multipliziert hätte. Diese letztere Zahl ist dann das geometrische
Mittel.
        Man kann dieses Verfahren auch noch anders ausdrücken. Angenommen, man hat n Zahlen, aus
denen das geomtrische Mittel gebildet werden soll. Man multipliziert die n Zahlen miteinander. Dann
stellt man die Forderung: Es muss dasselbe herauskommen, wenn alle n Zahlen einander gleich gewesen
wären; wie gross haetten sie dann aber sein müssen?
        Das Verfahren laesst sich auch noch graphisch darstellen. Man nimmt einen Bogen
logarithmisches Papier und trägt am Rande die n Zahlen hinter einander ab. Die entandene Linie teilt man
in n gleiche Teile z.B. mit einem gewöhnlichen Zentimetermass. Jeder Teill ist dann das geometrische
Mittel.
        Man kann den Unterschied zwischen den beiden Durchschnitten sogar auf folgende Weise
ausdruecken: Ueberall wo die graphische Darstellung auf gewöhnlichem Millimeterpapier richtig ist, da
ist auch die gewöhnliche Durchschnittsbildnng richtig, also die aus der Summe der Zahlen. Wo aber die
Darstellung nicht auf gewöhnlichem Milimeterpapier erfolgen darf, sondern wo sie auf logarithmischem
Papier erfolgen muss, da ist der geometrische Durchschnitt das Richtige, und der andere darf gar nicht
angewendet werden.
        Preisvergleichungen sollte man ausschliesslich auf logarithmischem
                                                                                                              182
                                                      -3-

Papier darstellen, Angenommen, man vergleicht eine Reihe von Baumwollpreisen, die bekanntlich in
Dollarcents notiert werden (auch in Deutschland) und eine Reihe von Weizenpreisen, die in Dollars
notiert werden. Stellt man die Preise auf gewöhnlichem Millimeterpapier dar, so sieht es aus, als ob die
Weizenpreise ganz überaus unstabil gewesen wären, die Baumwollpreise sich aber kaum verändert
hätten. Stellt man aber die beiden Reihen auf logarithmischem Papier dar, so sieht man gleich dass eine
Preisveränderung von etwa 50 %, 60% oder irgend einem andern Betrag bei beiden Kurven den gleichen
Ausschlag ergibt.
        Es handelt sich nun darum; wie bildet man das geometrische Mittel in der Praxis? Manchmal
kann man sich in der oben beschriebenen Weise mit logarithmischem Papier helfen. Meistens ist das aber
nicht genau genug. Jedenfalls ist das Problem nicht ganz einfach. Man sieht z.B. der Zahl 1296 nicht
gleich an, dass sie gleich 6 . 6 . 6 . 6 ist. Hier hilft nun die Logarithmentafel. Besser als durch abstrakte
Regeln findet man sich durch ein praktisches Beispiel in die Handhabung. Nehmen wir wieder die 4
Zahlen 2 – 4 – 9 – 18. Zu jeder dieser 4 Zahlen werde der zugehörige Logarithmus aufgeschlagen und
man erhält:
log 2 = 0,3010300
log 4 = 0,6020600
log 9 = 0,9542425
log 18 = 1,2552725
Summe = 3,1126050
vorstehende Summe geteilt durch 4 ergibt 0,778 1513
Aus der Logarithmentafel ergibt sich, dass das genau der Logarithmus von 6 ist. Nach dieser Methode
können wir auch das allerste Beispiel behandeln.
183
                                                      -4-
log 2 = 0.301 0300
log 3 = 0,477 1213
log 4,5 = 0,653 2125
Summe = 1,431 3638
vorstehende Sume geteilt durch 3 ergibt 0,477 1213.
Aus der Logarithmentafel ergibt sich, dass das genau der Logarithmus von 3 ist.

         Bemerkenswert ist noch folgendes:
Schlaegt man in der Logarithmentafel den Logarithmus 3,112 6050 auf, den wir einige Zeilen vorher
gefunden haben als log 2 + log 4 + log 9 + log 18 so erhalten wir die zugehoerige Zahl 1296, also das
Produkt
2 . 4 . 9 . 18. Und weiter: Schlägt man zu den Logarithmus
log 2 + log 3 + log 4,5 = 1,431 3838 die zugehörige Zahl auf, so erhält man genau 27 = 2 . 4 . 9 . 18.

       Aus diesem Beispiel erkennt man schon, wie man mit Hilfe einer Logarithmentafel multiplizieren
kann. Das Nähere steht in der Einleitung einer jeden besseren Logarithmentafel und soll hier nicht
ausgefuehrt werden.

       Bei unserer Paritäten - und Indexrechnung wird ebenfalls das logarithmische Multiplizieren
angewendet, wie - das ergibt sich aus folgendem.
       Wenn die Paritaetenrechnung ergibt, dass der Warendollar gestiegen ist, so ist daraus nicht ohne
weiteres zu schliessen, dass nun die deutsche Währung schlechter geworden — oder gar kuenstlich
verwaessert worden ist. Es sind vielmehr folgende Möglichkeiten in betracht zu ziehen:

        1.) Das Preisniveau ist in Deutschland gestiegen, in Amerika aber gefallen. In diesem Falle ist
            allerdings die deutsche Waehrung schlechter, die amerikanische Währung aber besser
            geworden.
                                                                                                      184
                                                  -5-
        2.) Das Preisniveau ist in Deutschland gestiegen, in Amerika aber stabil geblieben. In diesem
Falle ist                   die deutsche Währung also schlechter geworden, die amerikanische dagegen
weder besser noch
            schlechter.

       3.) Das Preisniveau ist in Deutschland stabil geblieben, in Amerika aber gesunken. In diesem
          Falle ist
            die deutsche Währung weder besser noch schlechter geworden, die amerikanische aber ist
       besser
            geworden.

       4.) Das Preisniveau ist in Deutschland und in Amerika gestiegen, in Deutschland aber in
   höherem                 Masse, dann sind beide Waehrungen schlechter geworden, am meisten aber
   die deutsche, und die
            Kaufkraftparitaet (Warendollar) steigt.

       5.) Das Preisniveau ist in Deutschland und in Amerika gefallen, in Deutschland aber weniger als
           in
            Amerika, dann sind beide Währungen besser geworden, am meisten aber die amerikanische
       und die
            Kauftraftparitat (Warendollar) steigt.

       Alle 5 Möglichkeiten liegen also vor, wenn die Paritaetenrechnung ein Steigen des Warendollars
anzeigt.
       Die Paritätenrechnung kann natürlich auch ergeben, dass der Warendollar gefallen ist. Daraus ist
nicht ohne weiteres zu schliessen, dass die deutsche Währung besser geworden oder gar, dass die
amerikanische inflationiert worden ist; es sind vielmehr folgende Möglichkeiten in Betracht zu ziehen:

1.) Das Preisniveau ist in Deutschland gefallen, in Amerika aber gestiegen. In diesem Falle ist allerdings
die deutsche Währung besser, die amerikanische aber schlechter geworden.

2,) Das Preisniveau ist in Deutschland gefallen, in Amerika aber stabil geblieben. In diesem Falle ist also
die deutsche Währung besser geworden, die amerikanische aber weder besser noch schlechter.
                                                    -6-
                                                                                                       185
3.) Das Preisniveau ist in Deutschland stabil geblieben, in Amerika aber ist es gestiegen. In diesem Falle
ist die deutsche Währung weder besser noch schlechter geworden, die amerikanische aber ist schlechter
geworden.
4.) Das Preisniveau ist in Deutschland und in Amerika gestiegen, in Deutschland aber in geringerem
Masse, dann sind beide Währungen schlechter geworden, an meisten aber die amerikanische.

5.) Das Preisniveau ist in Deutschland und in Amerika gefallen, in Deutschland aber mehr, dann sind
beide Währungen besser geworden, am meisten aber die deutsche.

        Alle 5 Möglichkeiten liegen also vor, wenn die Paritätenrechnung ein Sinken des Warendollars
anzeigt.
        Anstatt der amerikanischen Währung kann man natürlich auch irgend eine andere Währung mit
der deutschen vergleichen, die insgesamt 10 Moeglichkeiten sind dann immer vorhanden.
        Die elfte Moeglichkeit, dass nämlich das deutsche und das ausländische Preisniveau vollkommen
stabil blieben, oder sich ganz genau im gleichen Verhältnis änderten, wird praktisch kaum je eintreten.
        Das Sinken des Preisniveaus ist hier mit einem Besserwerden der Waehrung gleichgesetzt und das
Steigen mit einem Schlechterwerden. Das sind populäre Ausdrücke, deren Berechtigung darin beruht,
dass der Geldbesitzer bei sinkendem Preisniveau besser daran ist und bei steigendem Preisniveau
schlechter. Man muss sich hüten ein Besserwerden (J.Z.: Hier nicht genuegend definiert. – J.Z.) der
Währung mit einem Besserwerden der Volkswirtschaft zu verwechseln. Beides hat gar nichts mit
einander zu tun. In Amerika z.B. stiegen von 1918 bis 1920 fast alle Preise gewaltig, die Löhne aber
stiegen noch mehr, und der Volkswirtschaft als Ganzes ging‘s gut. Von 1920 bis 1922 war das Gegenteil
der Fall. Umgekehrt lag der Fall in Deutschland. Vom Dezember 1923 bis zum Maerz 1924 sanken die
Preise beträchtlich,


                                                      -7-
                                                                                                          186
die Volkswirtschaft aber hatte Nutzen davon, von April bis Juni 1924 aber, als die Preise fast auf das
Vorkriegsniveau sanken, setzte eine der schlimmsten Depressionsperioden ein.
       Fahren wir zu unseren Parität an zurück.
       Nachdem festgestellt ist, ob Warendollar und Warenpfund gestiegen, gefallen oder stabil
geblieben sind, muss weiter festgestellt werden, welche der 11 Möglichkeiten eingetreten ist. Zu diesem
Zweck muss die Veränderung des deutschen sowohl als des ausländischen Preisniveaus festgestellt
werden. Wie das gemacht wird soll jetzt an einem Beispiel dargestellt werden.

Dem Manchester Guardian sind folgende Preisangaben entnommen:

                                        Preis am                                 Preis am 30. 6.1926
                                                                                 Preis am 23. 6.1926

                                23.6.26                      30.6.26


Antimon                         60/- /-                         60/-/-            1,-
Nickel                         172/10 /-                      172/10/-            1,-
Aluminium                     125/ - /-                       120/10/-            0,960 000
Blei                            30/ 2 /6                       30/ 8/9            1,010 373
Zinn                           273/17/6                       272/ 2/6            0,993 610
Zink                            33/ 9 /4 ½                     33/13/9            1,006 536
Mais                             - / 6 /8 1/4                   - / 6/7 1/2       0,990 654
Butter                           -/177/-                        - /175/-          0,988 700
Hafer                            -/ 29/-                        - / 28/4 ½        0,978 448
Zucker                           -/ 13/11 ¼                     - / 13/11 ¼       1,-
Kupfer                         65/- /-                         64/ 17/6           0,998 077
Gerste                          -/32/-                          - / 32/-          1,-
Weizen                          -/12/8                          - / 12/9          1,006 579
Silber                        30³/ 16                         30³/ 16             1.-
Gold                            -/84/10 ½                        -/84/11 ½        1,000 982

       Man erkennt, dass in 6 Faellen der Preis sank, im 5 Faellen stabil blieb und in 4 Faellen stieg.
Sind nun im Mittel die Preise gestiegen oder gefallen oder stabil geblieben?
Wenden wir das oben betrachtete Rechenschema an auf die Reihe
                                                                                                      187
                                                      -8-

                                        Preis am 30. Juni 1926
                                        Preis am 25. Juni 1926
dann wäre also zunächst das Produkt zu bilden:

1 . 1. 0,960 00 . 1,010 375 . 0,993 610 etc. bis 1,006 579 . 1 . 1,000 982

Es ergibt sich: 0,93489, also eine Senkung.
Wenn alle Preisveraenderungen einander gleich gewesen wären, dann hätte man ein Produkt aus 15
Zahlen erhalten
       x(1) mal x(2) mal x(3) etc. mal x (15), das ebenfalls 0,93489 ergeben hätte.
       Die Ausrechnung ergibt, dass das Produkt so ausgesehen hätte:
0,99552 mal 0,99552 etc. oder, wie man einfach zu schreiben pflegt:
                                         15
                                  0,99552\

       Im Mittel haben sich also die Preise im Verhältnis ron 1 : 0,99552 das sind ziemlich genau 4,5 %
gesenkt.
Die Ausrechnung des Produktes mit dem Endresultat 0,93489 hätte auf der Rechenmaschine geschehen
können, den Mittelwert 0,99552 hätte man durch Ausprobieren finden können, beides wäre aber
umständlich gewesen, rascher und sicherer rechnet man mit Logarithmen und zwar so:

log 1                              = 0,                  -1
log 1                              = 0,
log 0,960 000                      = 0,982 27123
log 1,110 373                      = 0,004 48173
log 0,993 610                      = 0,997 21595         -1
log 1,006 536                      = 0,002 82931
log 0,990 654                      = 0,995 92200         -1
log 0,988 700                      = 0,995 06453         -1
log 0,978 448                      = 0,990 53775         -1
log 1.-                            = 0,-
log 0,998 077                      = 0,999 16405         -1
log 1, -                           = 0, -
log 1,006 579                      = 0,002 84787
log 1. -                           = 0, -
log 1,000 982                      = 0,000 42627
Summe                              = 0,970 76069         -1
Wozu die Zahl gehört 0,93489.

                                                                                                      188
                                                     -9-
        Es ist hier eine 8-stellige Tafel angewendet worden, obwohl man eigentlich mit 6 Stellen
auskäme. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die Mühe des Interpolierens bei einer 8-stelligen Tafel am
geringsten ist, und ferner dass es bequemer ist alle 8 Stellen hinzuschreiben und damit zu rechnen als auf
die Abkürzung auf 6 Stellen Aufmerksamkeit zu verwenden.
        Wenn man jetzt wissen will, welche Zahl 15 mal mit sich selbst multipliziert ebenfalls 0,93489
ergibt, so hat man nur den zugehörigen Logarithmus, d.i. 0,970 76069 - 1 durch 15 zu teilen und zu dem,
was herauskommt in der Logarithmetafel den Numerus aufzuschlagen.
Die Zahl 0,976 76069 - 1 teilt man so durch 15, dass man zunächst einmal anschreibt
        14,970 76069 - 15
was offenbar ebenso viel ist, wie 0,970 76069 – 1. Dann teilt man 14,970 76069 - 1 durch 15 und erhält
        0,998.05071 - 1.
Zu diesem Logarithmus gehört als Numerus die Zahl 0,99552, welches das geometrische Mittel der 15
Preisverhaeltnisse ist.
        Man könnte auch sagen, die Zahl 0,99552 ist die englische Preisindexzahl an 30.6.1926, wenn
man die Preisindexzahl vom 25. Juni 1926 gleich 1 setzt.

       Die vorstehende Rechnung trifft noch nicht ganz das Richtige.
Gold erscheint mit dem gleichen statistischen Gewicht wie Antimon, obwohl doch der Preis des Goldes
zur Beurteilung der Währungslage sehr viel wichtiger ist als der Preis des Antimons. Das ist in der
Broschüre ―Reichsmark, Pfund und Dollar" ausgefuehrt. In dieser Broschüre ist gesagt, wie die
verschiedene Wichtigkeit der Waren berücksichtigt werden soll.
        Das Preisverhältnis für Gold soll z.B. nicht 1 mal gezählt werden, sondern 100 mal, das von Silber
nicht 1 mal, sondern 50 mal etc. bis zum Antimon, das nur 4 mal gezählt wird. Die Rechnung geschieht
dann wie folgt:


(J.Z.: Alle meine meine Versuche, den folgenden leeren Teil auszumerzen bringen Chaos in die
folgenden Zeilen. Wieder einmal: Dankeschoen – Herr Gates! – J.Z., 4.12.04.)
                                                                                                     189
                                                  - 10 -
Antimon           : 1,-        :   0,-              :     4:    0,-
Nickel            : 1,-        :   0,-              :     6:    0,-
Aluminium         : 0,960000   :   0,98227123 - 1   :     8:    0,85816984 - 1
Blei              : 1,010373   :   0,00448175       :    10 :   0,04481730
Zinn              : 0,993610   :   0,99721595 - 1   :    13 :   0,96380735 - 1
Zink              : 1,006536   :   0,00282931       :    14:    0,03961034
Mais              : 0,990654   :   0,99592200 - 1   :    16 :   0,93475200 - 1
Butter            : 0,988700   :   0,99506453 - 1   :    16 :   0,92103248 - 1
Hafer             : 0,978446   :   0,99053775 - 1   :    18 :   0,82967950 - 1
Zucker            : 1,-        :   0,-              :    20 :   0,-
Kupfer            : 0,998077   :   0,99916405 - 1   :    26 :   0,97826530 - 1
Gerste            : 1,-        :   0,-              :    29 :   0.-
Weizen            : 1,006579   :   0,00284787       :    31 :   0,08828397
Silber            : 1,0        :   0,-              :    50 :   0,-
Gold              : 1,000982   :    0,00042627      :   100 :   0,04262700




(In dieser
unabsichlichen
Leere herrscht
wieder einmanl
Microsoft und
laesst sich von
mir nicht
ausmerzen! –
Was man mit
einer Schreib-
maschine
einfach machen
kann, dass wird
durch Microsoft
und seine
―Hilfe)
oft erschwert.
J.Z., 4.12.04.)
                                                                        360 :       0,21533861
                                                                                   + 0,48570647 - 1
                                                                                     0,70104508 - 1 :
                                                                                          360 = 0,
                                                                                     0,99916967 - 1

Dadurch, dass alle Preisverhaeltnisse mehrfach gezählt sind, haben wir insgesamt 360 Preisverhaeltnisse
erhalten, während es vorher nur 15 waren. Wir muessen die Summe der Logerithmen d.i.           0,70104508 - 1
daher nicht durch 15 teilen, wie vorhin, sondern durch 360.
0,70104408 - 1 = 359,70104508 - 360, und dies geteilt durch 360 ergibt 0,99916957 – 1.
        Zu diesem Logarithmus gehört als Numerus die Zahl 0,99809. Diese Zahl ist der neue Mittelwert; er ist
groesser als der ohne Berücksichtigung der Gewichte erhaltene Mittelwert von vorhin d.i. groesser als 0,99552,
oder anders ausgedrueckt, die Abweichung des neuen Preisniveaus von dem an 23.6. erscheint kleiner. Das
Preisniveau is gesunken im Verhaeltnis von 1 zu 0,99809 oder um 1,91 %. Im Blatt 3 der Anlage ist die ganze
Rechnung wiederholt in der Form, wie sie bisher ausgeführt wurde und noch künftig ausgeführt werden soll. Die
deutschen Preise sind im Blatt 3 gleich mit verrechnet.
        Aus Blatt 3 erkennt man, dass die Kaufkraft des Geldes in Deutschland abgenommen hat um den sehr
geringen Betrag von 0,99‰ in England aber zugenommen hat um den gleichfalls sehr geringen Betrag von
1,91‰. Das Warenpfund hat daher in Deutschland eine kleine Wertzunahme erfahren.
                                                                                                           190
                                                     - 11 -
        Man kann es auch so ausdrucken:
Wenn der Besitzer deutscher Waren seine Waren gegen englische Waren vertauschen will, dann muss er
zunächst einmal etwas mehr deutsche Waren aufwenden um sich deutsches Geld zu verschaffen, eben weil die
Waren in Deutschland teuer (etwas teurer – J.Z.) geworden sind. Unabhängig davon aber muss er auch etwas
mehr deutsche Mark aufwenden um englische Pfunde anzuschaffen, weil das englische Pfund inzwischen an
Wert, d.h. an Kaufkraft gegenüber den englischen Waren gewonnen hat. Die Werterhoehung des
―Warenpfundes‖ gegenüber dem Stand am 23.6. 1926 beträgt
        Wert am 23.6. 26, mal deutsche Indexzahl
                                englische Indexzahl
oder
        Wert am 23.6.26. mal 1,00099
                                0,99809
oder
        Wert an 23.6.26. mal 1,00291, was eine Werterhoehung des Warenpfundes um 2,91 % anzeigt.
        Genau zu dem gleichen Ergebnis gelangt man, wenn man für den 23.6. sowohl als für den 30.6.26. für
jede einzelne Ware den Wert des Warenpfundes berechnet, den Mittelwert der verschiedenen Warenpfunde für
den 23.6.26. und den 30.6.26. feststellt und die beiden Mittelwerte mit einander vergleicht.
(Siehe Blaetter 1 und 2 der Anlage)
        Waren = £ am 30.6.26              20,970
        __________________               ______     = 1,00291
        Waren = £ am 23.6.26              20,909
wie vorhin.
        Hier ist der Platz eine sehr wichtige Bemerkung einzufügen. Die beiden Rechnungen, die hier so gut
uebereinstimmen, wuerden nicht uebereinstimmen, wenn man nicht mit Logarithmen rechnete. Würde man den
einfachen, arithmetischen Durchschnitt nehmen, dann ergäbe die Division der beiden Indexzahlen durcheinander
immer etwas anderes als die Division der beiden Waren = £ durcheinander. Eine solche Divergenz muss aber
Misstrauen erregen und sogar Verwirrung anrichten, denn es ist nicht einzusehen, weshalb man das eine der
beiden Resultate verwerfen und das andere
                                                                                                           191
                                                       - 12 -
andere annehmen sollte.
        Die Art, wie aus den Waren = £, berechnet ueber die einzelnen Waren, ein mittleres Waren =£ konstruiert
wird, ergibt sich aus Blatt 4 der Anlage. Das Ziel dar Berechnung sind die Warenpfunde eines einzelnen
Termins, z.B. des 30,6,26. zu einem Produkt zu vereinigen, etwa so:
  4          5        8
19,05 . 20,32 . 20,11 etc.
        Es sind hier der besseren Uebersicht halber nur 2 Dezimalen mitgenommen. Die darüber gesetzten Zahlen
bedeuten die statistischen Gewichte und sagen also, wie oft die Zahl in dem Produkt enthalten sein soll, es soll
also 19,05 (Antimon) 4 mal als Faktor enthalten sein, 20,32 (Nickel) 5 mal etc. Dieses lange Produkt von 360
Faktoren soll in ein anderes von 360 einander gleichen Faktoren verwandelt werden. Man findet als gleichen
Faktor 20,970. Diese Zahl ist also das mittlere Waren = £ am 30.6.26.
        Das Geld = £ haette eigentlich ebenso wie das Waran - £ steigen sollen, der Kurszettel zeigt aber, dass es
ein wenig gefallen ist und zwar um ungefähr ein Zehntausendstel,. Praktisch bedeutet das natürlich Stabilität.
Auch die Veränderungen der Warenpreiss sind ganz unbedeutend und sind ebenfalls mit Stabilität fast
gleichbedeutend.
Wenn die Kurse und die Preisschwankungen unter ein gewisse Mass sinken, so beeinflussen sie einander nicht
mehr.
                                                                                                             192
                                                     Blatt 1
23. Juni 1926 (Mittwoch.)

I.               II.                III.                IV.           V.                 VI.                         V
                                                                                                                     I
Antimon          60/-/-             60             16,933             17,356667    1,025;                   100-
Nickel        172/10/-             172,5            5,8898551         20,320000    3,45                     340-     I
                                                                                                            105
Alumi-        125/- -/-            125              8,128             19,304000    2,375                    235-
                                                                                                            350      .
nium;
Blei           30/2 /6              30,125:        33,7261411         20,404315    0.605                     61-
                                                                                                            240
Zinn         273/17/6           273,875:            3,7097216         20,718795    5,585                     60
                                                                                                            5,59-
Zink          33/9 /4 1/2       33,46875           30,356676          17,910439    0,59                     5,58
                                                                                                            58,5-
Mais            -/6 /8 1/4        0,334375 :      135,653084          22,247106    0,164                     160-
                                                                                                            59,5
Butter          -/177/-           8,85              5,740339          18,713505    3,26                      1681
Hafer           -/ 29/-           1,45            100,103448          20,220896    0,202                     197-,
Zucker          -/ 13/11 1/4      0,696875         72,899731          25,879405    0,355                     2076
                                                                                                               28,
Kupfer       65/- /-             65                15,630769          20,710769    1,325                       753
                                                                                                             132,
Gerste         -/32/-             1,6             113,398125          22,622926    0,1995                    5
                                                                                                             194-
Weizen        -/12/8              0,63             71,6194774         21,521653    0,3005                    301-
                                                                                                             205
Silber      30/ 3/l6              0,12578125      228,74236           20,964237   91,65                    90,4-
                                                                                                             500
Gold          -/84/10 1/2         4,24375           7,32936671        20,518562 2799,5                     92,9
                                                                                                        2790-2809
                                                                      20,909 geom. Mittel unter Beruecksich-
                                                                             tigung der stat. Gewichte.
1 £ = 20,445 Mk (Geld £ in London)

Es bedeutet:
     I. Namen der Ware.
    II. Die Boersenotiz, so wie sie aus England gemeldet wird, teils in £ , teils in sh und d ausgedrueckt.
    III. Alle Zahlen der Spalte II in £ ausgedrueckt.
    IV. Auf Kilo umgerechnete Gewichtsmenge, welche man in England für 1 £ kaufen kann
     V. Preis dar Gewichtsmenge in Spalte IV ausgedrückt in Mark (Kaufkraftparitaet fuer die einzelne Ware.)
    VI. Der Preis von Spalte VII, umgerechnet in Mark für 1 kg.
   VII. Die deutsche Börsenotiz, so wie sie m Kurszettel erscheint.
                                                                                                                    Blatt 2.
                                                      30.Juni 1926 (Mittwoch.)
                                                                                                                       193


         I.                   II.              III.      IV.                     V.          VI.             VII.
Antimon               60/- /-          60              16,933333            19,050000      1,125                110-115
Nickel              172/10/-         172,5               5,8898551          20,3200        3,45                 340-350
Aluninium           120/- /-         120                 8,4666666
                                                      ;8,4666666:           20,108333      2,375                235-240
Blei                 30/8 /9          30,4375          33,3798768
                                                      20,108355:            20,236550:     0,60625           60,75-60,50
Zinn                272/2 /6         272,125             3,7335783          20,833367      5.58                5,60-5,56
Zink                 33/13/9          33,6875          30,159555            17,869536      0,5925            58,75-59,75

Mais                   -/6 /7 1/2       0,33125       136,93283             22,183118:     0,162               158-160
Butter                 -/175/-          8,75            5,805943            18,927374:     3,26                    1,65
Hafer                  -/28/4 1/2       1,41875       102,30837
                                                      102,30857 :           20,870907      0,204               199-209
Zucker                 -/13/11/1/4      0,696875       72,899731
                                                      20,870907:            25,879405      0,355                  28,75
Kupfer               64/17/6          64,875           15,6608863
                                                      15,6608863            20,672370      1,32                 132
Gerste                -/32/0            1,6           113,398125
                                                      20,672370:            23,133218      0,204                200-208
Weizen                -/12/9           0,6375          71,1513725
                                                      113,398125 ;          21,096382      0,2965               297-296
                                                      23,133218
                                                      23,155218:
Silber                30 3/16          0,12578        228,74236             20,821273      91,025       89,75-92,3
Gold                -/84/11 1/2        4,247916         7,322178            20,527726    2803,5      2,795-2,812
Gold                -/84/11 1/2        4,247916        7,322178                          2805,5      2,795-2,812
                                                                            20,970 = geometrisches Mittel unter
                                                      20,527726
                                                                                     Beruecksichtigung der statist.
                                                                                             Gewichte.
              1 £ - 20,44375 = Geld-£
              (Mittelkurs nach der Notiz des Manch.Guard,)




              23.-30.6.1926                                                           Blatt 3. erster Teil            194

                    I.         II.      III.            IV                       V.                       VI.
              Antimon            4   1,-              0,-                     0,-                     1.097561
              Nickel             5   1.-              0.-                     0,-                     1,-
              Aluminium          8   0,960000         0.98227123       -1     0.85816984     -1       1,-
              Blei              10   1.010373         0.00448173              0.04481730              1.002066
              Zinn              13   0.995610         0.99721595       -1     0.96380735     -1       0.999105
              Zink              14   1.006536         0.00282931              0.03961034              1,004237
              Mais              16   0.990654         0.99592200       -1     0.93475200     -1       0.987805
              Butter            16   0.988700         0.99506453       -1     0.92103248     -1       1-
              Hafer             18   0.978448         0.99053775       -1     0.82967950     -1       1.009901
              Zucker            26   1,-              0,-                     0,-                     1,-
              Kupfer            26   0,998077         0,99916405       -1     0,97826530     -1       0,006226
              Gerste            29   1,-              0,-                     0,-                     1,022556
              Weizen            31   1.006579         0.00284787              0.08828397              0.986689
              Silber            50   1,-              0,-                     0,-                     0.993181
              Gold
              Silber          100    1,000982         0,00042627              0,04262700              1.001429
                              360                                             0,21553861
                                                                            + 0,48570647 - 1
                                                                              0,70104508 – 1 : 360 = 0,99916957 -1
23.-                        Blat 3, zweiter Teil, auch auf Blatt
30.6.1926                               194
     VII                          VIII.
0,04042867                  0,16171468
0,-                         0.-
0,-                         0,-
0,00089633                  0,00896330
0,99961114     -1           0,99494482 -1
0.99816378                  0,02570708
0,99467122     -1           0,91473952 -1
0,-                         0,-
0,00427880                  0,07701840
0,-                         0.-
0,99835788     -1           0,95730488 -1
0,00968710                  0,28092590
0,99418029     -1           0,81958899 -1
0,99702841     -1           0,85142050 -1
0,00062017                  0,06201760
                            0,61634636
                     +      0,5379871-1
                            0,15434507 : 360 = 0,00042874
                                                                    (Rechnung unter I. & II.)
                                                                         0,00042874
(To V) Num = 0,99809, daher Abnahme = - 0,191%                        - 0,00016957 - 1
(To VIII) Num = 1,00099, daher Zunahme = + 0,099%                        ist gleich
                                                                      + 0,00042874
In England senkte sich seit dem 23.6. das Preisniveau um 0,191 %      + 1,00000000
In Deutschland stieg seit dem 23.6. das Preisniveau um 0,099 %        - 0,00016057
                                                                       + 0,00125917
                                                                       ==========
Es bedeutet:
     I.      Namen der Ware.
     II.     Statistisches Gewicht der Ware.
     III.    Spalte 3 in Blatt 2 dividiert durch die entsprechende Spalte in Blatt 1 (=A.)
     IV.     log .A
    V.       log .A multipliziert mit entsprechendem stat. Gewicht.\
    VI.    Spalte 6 in Blatt 2 dividiert durch die entsprechende Spalte in Blatt 1 (-B.)
    VII.   log B.                            VIII. log B multipliziert mit entsprechendem stat. Gewicht.


                                                                                                           195

Kontrollrechnung                                                          Blatt 4

I.                    II.                     III.                 IV.                   V.
Antimon               4                       19,0500              1,27989498            5,11957992
Nickel                5                       20,3200              1,30792370            6,53961850
Aluminium             8                       20,1083              1,30337536           10,42700288
Blei                 10                       20,2366              1,30613755           13,06137550
Zinn                 13                       20,8334              1,31876015           17,14388195
Zink                 14                       17,8695              1,25211240           17,52957360
Mais                 16                       22,1831              1,34602224           21,53635584
Butter               16                       18,9274              1,27709096           20,43345536
Hafer                18                       20,8709              1,31954118           23,75174124
Zucker               20                       25,8794              1,41295420           28,25908400
Kupfer               26                       20,6724              1,31539090           34,20016340
Gerste               29                       23,1332              1,36423571           39,56283559
Weizen               31                       21.0964              1,32420835           41,05045885
Silber               50                       20,8213              1,31850784           65,92539200
Gold                100                       20,5277              1,31234029          131,23402900
                    360                                                                475,77454763 : 360 =
                                                                                          1,32159597

Die Kontrollrechnung der Vorwoche ergab 1,32033701                                       1,32033701
                                                                                       + 0,00125917
                                                                                         1,32159618
Es bedeutet:
    I.     Name der Ware.
    II.    Statistisches Gewicht der Ware.
    III.   Spalte 5 von Blatt 2 (Kaufltraftparität für die einzelne Ware) = K
    IV.    log von K
    V.     log X multlpliziert mit entsprechenden statstt. Gewicht.                                          (Bth.)

Abschrift                                                                                                             196
        BANKNOTEN SIND TYPISIERTE WECHSEL
        (Ein Brief von Ulrich von Beckerath.)
                                                                          Berlin, den 23. Dezember 1927.
   Lieber Herr Stonawki!
           Der Satz, auf welchem die ganze Theorie der Banknoten beruht, lautet: Banknoten sind typisierte
Wechsel!
    Nur wenn man diesen Satz ganz und gar in sich aufgenommen hat und ihn vorbehaltlos anerkennt kann man zu
richtigen Ansichten ueber Inflation, Deflation und die richtige Mitte zwischen beiden gelangen.
    Zunaechst folgt aus dem Satz, dass eine richtige Banknote keineswegs durch Sparkapital gedeckt sein muss, ja dass sie
nicht einmal durch Sparkapital gedeckt sein darf! Die eigentliche Grundlage sind die im Laufe des Jahres in der
Volkswirtschaft erzeugten Produkte und zwar gerade nicht die zum Sparen, sondern die zum Konsum bestimmten Produkte.
Nehmen wir ein Beispiel:
    Der Landwirt verkauft seine Ernte an einen Mueller und laesst sich von ihm Wechsel ueber M 20,000.- mit einer Laufzeit
von 3 Monaten geben. Die Notenbank tut weiter nichts, als die Wechsel gegen ihre eigenen, aber typisierten Wechsel
umtauschen. Der Umtausch geschieht unter der Bedingung, dass der Landwirt nach 90 Tagen entweder die Noten selbst
zurückbringt, oder aber bares Geld. Der Landwirt kauft sich nun fuer die M 20.000.—, welche er in Form von typisierten
Wechseln erhalten hat, in der Stadt allerlei: Duenge-mittel und Kleidung, Maschinen und Geraete. Die Haendler, bei denen er
gekauft hat, geben die Noten and die Fabriken weiter, die Fabriken geben sie an die Arbeitnehmer, die Arbeitnehmer bringen
die Noten in die Bäckerlaeden, die Baecker geben die Noten dem Mueller.
    Man schaetzt dass so ein Kreislauf hoechsten 90 Tage dauert.
    Nach Ablauf der 90 Tage geschieht nun folgendes.
Die Bank praesentiert dem Mueller den Wechsel ueber M 20.000.- und erhaelt dafuer vom Mueller die Noten. Damit ist auch
das Konto des Landwirts bei der Bank ausgeglichen.
    Dieser Zirkulationsprozess ist ganz huebsch dargestellt in einer Nummer der Rigaischen Rundschau ( ich glaube im
September ) wo der Notenumlauf der lettlaendischen Notenbank besprochen wird.
    Eine Sicherung gegen eine Inflation geschieht bei der Notenemission im wesentlichen durch zwei Vorkehrungen:
    1.) Die Noten duerfen keinen Zwangskurs haben. Wenn der freie Verkehr eine Note
          im Nominalwert von M 100 nur noch mit M 99.— bewertet, dann darf die Bank keine Noten mehr ausgeben.
    2.) Durch eine moeglichst kurze Laufzeit der Wechsel, 90 Tage sind das traditionelle Maximum. Vor dem Kriege kaufte die
          Reichsbank mit Vorliebe Wechsel an, die nur noch 60 Tage oder weniger liefen, weil diese Frist sich als die
          durchschnittliche Dauer ergeben hatte, waehrend welcher das Produkt vom ersten Produzenten bis zum letzten
          Konsumenten unterwegs ist.
    Wo ist in diesem Zirkulationsprozess Raum fuer Sparkapital? U.A.w.g.!!!
                                                            Frdl. Gruss
                                                                Ihr
                                                          gez.: U. v. Beckerath
             J.     F.    M.     A.     M.   J.   J.   A.   S.   O.    N.   D.    J.

                             Messzahlen fuer Saisonsschwankungen, AUSFUHR
                                       Wertzahlen von 1909 – 1913.



(Vertikal sind im Original Prozentsaetze angegeben von 90% unten bis 114 % oben. Waagerecht stehen die
Monate.
Weder in WORD noch als Abbildung konnte ich das Original getreu
skannieren oder anschliessend korrigieren.
Nicht einmal die Ueberschrift liess sich einschieben wohin sie gehoert. – J.Z. 4.12.04. )




Als Manuskript gedruckt                                                                               198


Deutsche Festmark=Bank
Berlin W 8 * Friedrich=Ebert=Strasse 21
               (am Brandenburger Tor)
                 Telefon: Zentrum 9458, 10490-82

Jathrgang 1927                               Berlin, Mitte Dezember 1927
Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.


Zur Währungslage.
         Ihrem Progrannn entsprechend, beobachtet die deutsche Festmark=Bank auch die
      Währungsverhältnisse seit langem.
          Die Entwicklung der Dinge während der letzten Monate, insbesondere die zunehmnende Teuerung
      sowie der angespannte Status der Reichsbank hatten zur Folge, dass vielfach aus unserem Kundenkreis
      die Frage an uns gerichtet wurde, ob eine neue Inflation drohe.
                     Nach unseren Feststellungen
                     besteht zur Zeit keinerlei Gefahr einer Inflation.
         Schon im Dezember 1925 hatten wir uns mit dieser Frage in der Broschüre „Zur
      Waehrungslage― befaßt. Ihre Fortsetzung sowie das Egebnis unserer weiteren Beobachtungen auf
     diesem Gebiet überreichen wir Ihnen in dieser Schrift mit dem Bemerken, das die
     Untersuchungen weitergeführt werden.


                                                     Deutsche Festmark-Bank



    Haben wir eine neue Inflation?
                             Nein!
              Die Verneinung der aufgeworfenen Frage geschieht aus folgenden Gründen,
    die im folgenden näher erörtert werden sollen:
            1. Die von äußeren Umstaenden beeinflußten Devisenkurse können nicht zur
                Beurteilung der Stabilität der Waehrung herangezogen werden. (*)
            2. Der ausgewiesene Devisenbestand der Reichsbank und seine
                Schwankungen sind ein unzuverlaessiges „Waehrungsbarometer―.
            3. Die Entwicklung der Diskontsaetze ist nicht anormal.

            4. Der Zahlungsmittelumlauf musste sich entsprechend dem vergroesserten
                                                                                                         199

                Warenumsatz erhoehen.
            5. Die Konjunktur der Kaufkraftparitaeten ergibt, dass fuer die Stabilitaet
                der deutschen Waehrung keinerlei Befuerchtungen zu hegen sind.
            6. Die Berechnung der Kaufkraftparitaeten ergibt, dass fuer die Statilitaet
                der deutschen Waehrung keinerlei Befuerchtungen zu hegen sind. (*)

       (*) Ulrich von Beckerath markierte diese Saetze am Rande. Er unterstrich auch andere Worte
und markierte einige Paragraphen und nummerierte sie und antwortete dann, nach dem Nummern, auf
diesen Aufsatz von Herrn Stonawski, in seinem folgenden Brief.

2

Seit längerer Zeit tauchen immer wieder Gerüchte auf, die in verschiedenen Anzeichen des
Wirtschaftslebens den Beginn einer neuen Inflation in Deutschland sehen wollen. Als im Frühjahr dieses
Jahres der Bestand der Reichsbank an „deckungsfähigen Devisen" stärker als gewöhnlich abnahm, die
Devisenkurse ihre Paritaet weit ueberschritten hatten und teilweise den ( 1, 2 ) oberen Goldpunkt
erreichten, da wurde in einigen Blättern der Reichsbankleitung die Schuld an einer bestehenden
„verschleierten Inflation" in die Schuhe geschoben. Ebenso beunruhigend wirkte die zweimalige
Erhoehung des Reichsbankdislonts im laufenden Jahre und insbesondere aber das staendig steigende
Preisniveau. Ist die deutsche Währung tatsächlich gefährdet? ( 3 )

                                               1. Devisenkurse.
Zunächft sollen die Devisenkurse betrachtet werden. Wie aus dem Diagramm ersichtlich ist, lagen dieselben im
ersten Halbjahr 1927 weit über pari, gingen dann aber zurück und bewegen sich seitdem unter der Parität. Die
erreichten Extremwerte dieses Jahres betrugen am
                                              £                 $
                                      10. 5. 1927      20,505       4,222
                                      19. 10. 1927     20,378       4,183
                                      Parität =        20,43        4,198

Da der Goldeinfuhrpunkt nach England laut Berehnung der B.B=Z. ungefähr bei 20,487 Rmk. für ein Pfund
Sterling liegt, wurde derselbe im Mai überschritten, und damals war für den deutschen Importeur die Bezahlung
der englischen Waren in Gold rentabler als in Pfund Sterling. Im Frühjahr trat der Importhandel ( 4 ) zwecks
Bezahlung der Mehreinfuhr mit starker Nachfrage an den Devisenmarkt heran, was eine starke Erhöhung der
Devisenkurse zur Folge hatte. Die Reichsbank musste teilweise zu Repartierungen greifen und andererseits den
größten Teil ihres seit 1925 angesammelten Devisenbestandes, den die Wirtschaft aus den aufgenommenen
Auslandskrediten bei ihr eingereicht hatte, wieder hergeben, um das Steigen der Devisenkurse infolge der allzu
großen Nachfrage aufzuhalten. Inzwischen hatte sich aber die Reichsmark intervalutarisch befestigt, und die
Reichsbank erklärte,
3
dass sie Devisenkäufe in freiem Markt nicht mehr vornehmen wolle. Die Folge davon war, das der
Valuta=Erloess der Auslandsanleihen zur Zeit nur schwerer und zu schlechterem Kurse Aufnahme findet wie
vorher, als die Reichsbank als Käufer auftrat. Diese beiden Faelle sollen zeigen, dass für die Beurteilung der
Stabilität der deutschen Währung die Bewegung der Devisenkurse fast wertlos ist. ( 5 )
Die Reichsbank versteht es, ihren Devisenbestand sozusagen als Puffer wirken zu lassen, so dass extreme
Kursbildungen nicht stattfinden können. Der Wechselkurs muss naturgemäß ein ganz anderer werden, wenn die
Notenbank einen Teil des Devisenzuflusses abfängt oder einen Teil der Devisennachfrage vorweg befriedigt
und so den Zufluss sowohl wie den Abfluss daran hindert, am Devisenmarkt denjenigen Druck oder Zug
auszuüben, der dem Verhältnis von Angebot zu Nachfrage entspricht. ( Den letzten Absatz hatte Bth,
angestrichen. – J.Z.)
                                                                                                         200
                                            2. Devisenbestand der Reichsbank
                                                            3.
        Bedeutet der zeitweise recht erheblich zusammengeschmolzene Devisenbestand ( 6 ) der Reichsbank
eine Gefährdung der deutschen Waehrung? Hier muss gesagt werden, dass der von der Reichsbank
ausgewiesene Posten „deckungsfähige Devisen" nur ein Teil des tatsächlichen Devisenbestandes ist. Denn nach
dem Kriege halten es die meisten Goldwährungsländer für nötig, eine moeglichst hochprozentige
Notendeckung zu besitzen und ersetzen teilweise das schwer zu beschaffende Gold durch leicht erhältliche
Devisen, d. h. durch Auslandsforderungen, ( 7 ) die als Operationsreserven anstelle von zinslosem Gold zum
Teil and den ausländischen Plätzen bleiben. So beträgt nach Angaben des Handelsdepartements in den
Vereinigten Staaten die Summe der von Ausländern unterhaltenen Depositen zur Zeit fast anderthalb Milliarden
Dollar, die sich aus den Reserven verschiedener Notenbanken, den Privatguthaben auslaendischer Kapitalisten,
den üblichen Guhaben fremder Banken und aus solchen Geldern zusammensetzen, die aus den von Amerika
gewaehrten Auslandsanleihen stammen und auf Grund der Anleiheverträge vorläufig drüben bleiben. Da also in
den wöchentlichen Uebersichten der Reichsbank der Devisenbestand nur teilweise ausgewiesen wird und
andererseits die Höhe des Goldbestandes mitberücktigt werden muss, braucht man hinter einer größeren
Abnahme des Devisenbestandes nicht gleich eine neue Inflation zu vermuten. Die folgende Tabelle gibt ein
Bild derartiger Verminderungen in den letzten Jahren:
4

               Devisenbestand          Abnahme gegen den vorigen Termin
              in Millionen Rmk         in Millionen Rmk.
 7. 4. 1926       481,4
15. 4. 1926       278,4               203,0
 7. 6. 1826       355,9
15. 6. 1926       205,4               150,5
31. 1. 1927       421,1
 7. 2. 1927       293,4               127,7
14. 2. 1927       201,1                92,3

        Ebenso wichtig als die Devisen ist natürlich der Goldbestand der Reichsbank. Dieser Posten des
Reichsbankausweises behält, von kleinen Schwankungen abgesehen, seine langsam steigende Tendenz bei, wie
aus der folgenden Tabelle zu ersehen ist:
                                           Goldbestand der Reichsbank
                                                in Millionen Rmk
7. 1. 1926      780,7
7. 9. 1926     1144,0
7. 1. 1926     1208,1
7. 6. 1926     1492,0
7. 10. 1926    1616,3
7. 1. 1927    1881,2
7. 3. 1927    1844,0
7. 5. 1927    1849,8
7. 7. 1927    1802,1
7. 9. 1927    1852,6
7 11. 1927    1852,1
7. 12. 1927   1861,0
                                            3. Diskontsäze.

     Stellt die Erhoehung der Diskontsaetze ein beunruhigendes Moment dar? Ein Mittel zur Regelung der
Bewegung des
Preisniniveaus bildet die Diskontpolitik der Reichsbank, ( 8 ) d.h. die richtige Versorgung des Landes mit
Bankzahlungsmitteln (Banknoten und Scheckguthaben). Die Zentralbank gibt diese Bankzahlungsmittel an das
Publikum in Form von Darlehen und speziell in Form von Wechseldiskontierungen. Der Umfang der
Geldversorgung hängt aber hauptsaechlich ( 9 ) von dem Preis ab, den die Bank für ihre Kreditgewährung
nimmt, d.h. vom Reichsbankdiskont. Ein konstantes Preisniveau setzt voraus, dass die Reichsbank nicht durch
ihre Kreditgewährung irgendwie auf das Gleichgewicht auf dem Kapitalmarkt einwirkt, dessen Kapitalzufuhr im
grossen und ganzen durch die wirklichen Ersparnisse ( 10 ) des Landes bestimmt sein muss. Nimmt jedoch die
Reichsbank einen zu niedrigen Zinsfuss, so wird dieser Umstand Darlehnssucher anlocken, der Darlehnsbedarf
wird in einer grossen Ausdehnung befriedigt, was nur dadurch
                                                                                                            5

                                                                                                         201
moeglich ist, dass ein Teil des Darlehensbedarfs nicht mehr durch wirkliche Ersparnisse, sondern durch neu
geschaffene befriedigt wird. Um aber diese künstliche Schaffung von Kaufkraft einzuengen, erhoeht die
Zentralbank ihren Diskontsatz. Diesen Zweck haben wohl auch die beiden Erhoehungen des
Reichsbankdiskontes hauptsächlich gehabt. Die Kreditgewaehrung der Banken (besonders der Reichsbank), die
einen ungewoehnlichen Umfang anzunehmen drohte, musste zeitweise eingeschränkt werden. Wenn aber
trotzdem der Wechselbestand der Reichsbank sich gegenüber dem Vorjahre um rund 50 % erhoeht hat, so
braucht dies keine Beunruhigung hervorzurufen, da diese Vergroesserung eine Folge
des erhoehten Warenumsatzes zur Zeit der Konjunktur ist. Jener Passivsaldo der deutschen Handelsbilanz,
( 11 ) den die deutschen Importeure im Frühjahr bar in Devisen bezahlen mussten, brachte der Reichsbank für
die hergegebenen Devisen nicht Reichsmark, sondern Inlandswechsel ein und der Bestand der Reichsbank an
Wechseln und Schecks erhöhte sich beträchtlich. Ein guter deutscher Warenwechsel steht in keiner Beziehung
einem guten ausländischen Warenwechsel nach und deckungsfaehige Devisen sind ja weiter nichts als eben
Auslandswechsel.

Die Erhöhung des Wechselbestandes in der zweiten Hälfte ist aber ausserdem eine Saisonerscheinung, wie die
von der Frankfurter Zeitung aufgestellten Messzahlen für Saisonschwankungen zeigen. Die folgende Tabelle soll
das vorhin Gesagte in Zahlen darstellen:

     Ende           Reichsbankdiskont     Wechsel, Schecks                        Wechselbestand       M.Z.
                                          und Lombards der Reichsbank und der     bei den Banken
                     %                    Privatnotenbanken
                                          Mill. Rmk.                              Mill. Rmk.
Dezember 1926       6                     2374,0                                  2398 (Okt.)           131
Januar   1927       5                     1968,6                                  -                      84
Februar             5                     2272,5                                  2485                   84
März                5                     2514,8                                  -                    118
April               5                     2592,7                                  2488                   91
Mai                 5                     2957,8                                  -                      86
Juni                6                     3071,8                                  2383                 115
Juli                6                     3005,1                                  -                      85
August              6                     3162,1                                  2395                   85
September           6                     3325,1                                  -                    128
Oktober             7                     3273,6                                                       102
November            7                                                                                    94


Es bedeutet: M. Z. =Messzahlen für Saisonschwankungen „Wechsel und Lombards" der Reichsbank am
Monatsende 1901-13.
                                                                                                              6
        Aus dieser Zusammenstellung ist deutlich zu ersehen, dass seit der ersten Erhoehung des
Reichsbankdiskonts auf 6 % am 10. Juni dieses Jahres keine erhebliche Erhöhung des Wechselbestandes mehr
eingetreten ist ausser zu Ende September, die aber auf Saisoneinflüsse zurückzuführen ist.
        Ebenso ist die Erhoehung des Privatdiskonts in der zweiten Jahreshälfte eine Saisonerscheinung, die mit
der üblichen starken Beanspruchung des Geldmarktes um diefe Zeit zusammenhaengt und daher zu
Befürchtungen keinen Anlass gibt.




                   Privatdiskont an der    Messzahlen für Saison=
                   Berliner Börse in %     schwankungen ―Privat=
                   am Monatsende           Diskont‖ Berlin 1901—18
Dezember 1926      4 13/l6                 128
Januar  1927       4 1/8                    94
Februar            4 1/2                    86
März               4 3/8                   102
April              4 3/4                    88
Mai                5                        94
Juni               6                        98
Juli               5 7/8                    85
August             5 7/8                    89
September          6                       105
Oktober            6 7/8                   111
November           6 3/4                   121

                                                                                                           202
4. Zahlungsmittel=Umlauf.

       Wie sich aus den wöchentlichen Uebersichten der Reichsbank ergibt, hat sich der Umlauf an
Reichsbanknoten gegenüber dem Vorjahre um mehrere 100 Rmk. erhöht. Diese Erhöhung hätte inflatorischen
Charakter, wenn der Staat diese zusaetzlichen Banknoten benötigt hätte, um irgendwelchen Verpflichtungen
nachzukommen. ( 12 ) Da aber der Grund ( 13 ) des erhoehten Notenumlaufes in dem vergrösserten Umsatz als
Folgeerscheinung der Konjunktur zu suchen ist, erscheint derselbe solange unbedenklich. als der Verkehr dieses
Mehr an hereingepumptem Gelde benoetigt und Angebot und Nachfrage diese zusätzliche Kaufkraft regeln. Fast
jede Konjunktur bringt eine Erhoehung des Preisniveaus mit sich, dieses aber bedingt, solange die
Zahlungsmethoden unveraendert bleiben, einen vermehrten Zahlungsmittelumlauf. In der folgenden Tabelle ist
under dem ―gesamten Zahlungsmittelumlauf‖ die Summe des Umlaufes von Reichtsbanknoten, Renten=
                                                                                                               7
bankscheinen, Privatbanknoten, Scheidemünzen sowie die „täglich fälligen Verbinblichkeiten" zu verstehen.
Dabei kann man die Beobachtung machen, dass die täglich fälligen Verbindlichkeiten in der Regel zunehmen,
wenn sich der Umlauf an Reichsbanknoten verringert.

Am Monatsende Gesamter Zahlungsmittel= Messzahlen für Saifon=
               Umlauf                  Schwankungen ―Notenumlauf
               rund Millionen Rmk.     + Giroguthaben der Reichsbank am
                                       Monatsende 1901—13
September 1926 6055
Oktober        6028
November       5949
Dezember       6448
               AAOQ
               5949                    116
Januar    1927 5965                            93
Februar        5997                            92
Maerz          6189                          110
April          6238                            98
Mai            6379                            94
Juni           6435                          109
Juli           6424                            93
Auguft         6607                            92
September      6773                          113
Oktober        6764                            97
November       6435                           95

       Dass ausserdem der vergrösserte Zahlungsmittelumlauf in der zweiten Jahreshälfte ebenfalls eine
Saisonerscheinung ist, zeigt der Vergleich mit den Messzahlen.

        Ein erfreulichez Zeichen für das zunehmende Vertrauen in die Währung ist die Zunahme der
Spartätigkeit. Während eines Jahres stiegen die Spareinlagen von 2,71 Milld. Rmk. zu Ende September 1926 auf
4,34 Milld. Rmk. Ende September 1927, d.h. also um 1,63 Milld. Rmk. = 60 %. Ausserdem wurden seit der
Stabilisierung für rd. 10 Milld. Rmk. Obligationen und Aktien im Inlande untergebracht. Das Bestreben, einen
Teil der während der Inflation verloren gegangenen Kapitalien so bald als möglich aus eigener Kraft zu ersetzen,
macht also Fortschritte.




                                        5. Konjunktur und Preisniveau.

       Da im vorigen Abschnitt die Erhoehung des Notenumlaufs auf die Konjunktur zurückgeführt wurde,
andererseits aber des öfteren die 3Meinung vertreten wird, dass es sich in Deutschland nur um eine
Scheinkonjunktur handeln könnte, soll auf diese Frage etwas näher
                                                                                                              8

eingegangen werden, obzwar sie direkt mit unserem Thema nichts zu tun hat.
                                                                                                            203
       Bezeichnend für den günstigen Stand der Konjunktur ist vor allem die anhaltend rege Beschäftigung der
deutschen Eiseninduftrie. Einige charakteristische Konjunkturkennzeichen sind in der folgenden
Zusammenstellung enthalten:
                                                                                                            203

               Roheisen          Rohstahl           Wagengestellung       Zahl der Zahl der
               Erzeugung         Erzeugung          bei der Reichsbahn    Konkurse Erwerbslosen
               in Millionen      In Millionen       insgesamt in                   am Monatsende
               Tonnen            Tonnen             1000 Wagg.                     in 1000
September 1926 0,88              1,14               3637                  467      1409
Oktober        0,93              1,17               3950                  485      1309
November       0,98              1,25               3934                  471      1369
Dezember       1,06              1,30               3628                  435      1745
Januar 1927 1,06                 1,31               3216                  493      1827
Februar          0,97            1,23               3245                  473         1696
Maerz            1,08            1,41               3888                  557         1131
April            1,05            1,28               3489                  421          871
Mai              1,13            1,38               3790                  464          649
Juni             1,07            1,33               3709                  427          541
Juli             1,11           1,36             3905                   428         453
August           1,12           1,43             4059                   407         404
September        1,10           1,37             4086                   360         355
Oktober          1,14           1,41             4326                   445         340


                  Fertigwaren= Einfuhr von Rohstoffen Gesamt=      Gesamt=
                  ausfuhr       u. halbfertigen Waren einfuhr      ausfuhr
                  in Mill. Rmk. in Mill. Rmk.         in Mill.Rmk. in Mill.Rmk
September 1926 582,4            438,3                    823,4       836,4
Oktober        602,6            484,5                    990,1       879,8
November       578,2            504,9                    999,7       876,3
Dezember       665,1            557,3                   1060,5       882,5
Januar    1927    562,9         564,8                   1093,9       798,5
Februar           541,2         579,3                   1094,4       755,9
März              600,3         588,1                   1085,7       841,8
April             597,0         555,4                   1096,4       797,0
Mai               622,4         692,7                   1173,3       833,7
Juni              559,3         602,4                   1197,3       748,2
Juli              633,8         603,3                   1277,3       847,0
August            628,6         589,9                   1160,8       868,9
September         693,1         567,9                   1175,0       932,9
Oktober           718           594,5                   1244,8       960,9



      Die erhöhte Produktion Deutschlands wird am besten gekennzeichnet durch die steigende Einfuhr von
Rohstoffen und halbfertigen Waren, die verstärkte Erzeugung von Roheisen und Rohstahl sowie die ver=
                                                                                                            9

grösserte Ausfuhr von Fertigwaren. Wenn die Wagengestellung der Reichsbahn sich nur wenig über die Ziffern
des Vorjahres erhebt, so muss man beruecksichtigen, das die Zahlen für Herbst 1926 Rekordwerte infolge des
englischen Kohlenarbeiterstreiks bedeuten, Die Zahl der monatlichen Konkurse zeigt eine abnehmende Tendenz.
Ebenso günstig hat sich die Konjunkturphase auf die Arbeitslosigkeit augewirkt, die von ihrem Hoechststand im
Januar 1927 auf rd. 20 % dieses Wertes zurückgegangen ist. In den letzten Wochen ist allerdings infolge der
Einstellung von Aussenarbeiten und anderen saisonmässigen Einflüssen eine Erhoehung der Arbeitslosenzahl
eingetreten. Die Gesamtausfuhr Deutschlands ist ebenfalls im Steigen begriffen.
Die passive Handelsbilanz ist das natuerliche Ergebnis der konkunkturellen Stroemung sowie der steigenden
Auslandsverschuldung. ( 14 )
In den letzten 12 Monaten hat Deutschland nach Angaben des statistischen Reichsamtes etwas über 3 Milld.
Rmk. mehr ein= als ausgeführt (ohne Berücksichtigung der Reparationszahlungen). Deutschland nimmt seit über
3 Jahren fortgesetzt kurz= und langfristige Darlehen im Auslande auf, die unbedingt die materielle Form der
sichtbaren oder unsichtbaren Einfuhr annehmen müssen. Kredit ist leihweise ueberlassene Kaufkraft, ( 15 ) der
Darlehnsnehmer wird direkt oder auf Umwegen zum Kaeufer bzw. Nichtverkaeufer in denjenigen Laendern, in
deren Gelde der Kredit gewaehrt worden ist. Die bestehende Konjunktur fuehrt automatisch zur Mehreinfuhr
von Rohstoffen und Halbmaterial. Ein Blick in die Handelsstatistik lehrt, dass jede deutsche Hochkonjunktur
bisher mit einer stark ansteigenden Einfuhr fundamentiert worden ist und zu einer ausgesprochenen Passivitaet
der Handelsbilanz gefuehrt hat.
                                                                                                         204
       Stark beunruhigend wirkte die Entwicklung des Preisniveaus in Deutschland, welches seit dem Sommer
1926 in ständigem Steigen begriffen ist. ( 16 ) Ein Vergleich des Preisniveaus Ende Oktober 1927 mit
demjenigen Ende Oktober 1925 bzw. Ende Oktober 1926 ergibt folgenbe Veränderungen:
       - 2,1 % bzw. + 2,7 %, gemessen an den Groshandelsindexzahlen des Stat. R.=A.
       + 4,7 % bzw. + 5,6 %, ―             ― ― Lebenszahlungsindexzahlen des Stat. R.=A.
Gegenüber einem tiefsten Stand im Jahre 1926 ergibt sich eine biherige Erfhoehung um
      6,1 %, gemessen an den Grosshandelsindexzahlen des Stat. R.A.
      8,6 %, ―          ― ― Lebenshandelsindexzahlen ― ―
                                                                                                          10
Dass diese Erhöhung des Preisniveaus bezüglich der Stabilität der Währung keine Beunruhigung hervorzurufen
braucht, lehrt ein Vergleich mit den Schwankungen des allgemeinen Preisniveaus in der Vorkriegszeit in
verschiedenen Ländern, die teilweise noch groesser waren, ohne dass man die Währung irgendwie als gefährdet
angesehen haette.

Im Nachstehenden sind die Indexzahlen für Deutschland und für die Vereinigten Staaten während der Zeit von
1891 bis 1914 (bezogen auf 1913) gegenübergestellt. Die deutschen Indexzahlen sind entnommen dem vom Stat.
R. A. herausgegebenen Werk „Zahlen zur Geldentwertung", die amerikanischen dem vom Department of
Commerce herausgegebenen „StatisticaI Abstract of the United States‖.


A      B             C           D       E
       Grosshandels= Indexzahlen = B : C = D mal 4,20= Warendollar des Jahres,
                                         Wenn derselbe fuer 1918
       Deutschland Ver. Staaten          = 4,20 gesetzt wird.
1890    89,1           81        1,10    4,63
1891    95,0           80        1,19    5,00
1892    83,8           75        1,12    4.70
1893     77,0          77        1,00    4,20
1894     72,2          69        1,05    4,41
1895     70,5          70        1,01    4,24
1896     70,9          67        1,06    4,45
1897     77,1          67        1,15    4,88
1898     81,9          70        1,17    4,91
1899     82,2          75        1,10    4,62
1900     87,3          81        1,08    4,54
1901     81,8          79        1,04    4,37
1902     81,0          84        0,96    4,08
1908     80,3          86        0,93    3,91
1004     83,1          86        0,97    4,07
1906     86,1          86        1,00    4,20
1906     87,7          89        0,99    4,16
1907     98,3          94        1,05    4,41
1908     93,1          90        1,03    4,33
1909     93,2          97        0,96    4,03
1910     90,5        101         0,90    3,78
1911     97,2          93        1,05    4,41
1912   108,0           99        1,09    4,58
1913   100,0         100         1,00    4,20
1914   103,4          98         1,06    4,45

        Die Veraenderung des deutschen und amerikanischen Preisniveaus waehrend der letzten zwei Jahre zeigt
die folgende Tabelle. Deutschland wird charakterisiert durch die beiden Indexzahlen des Stat. R.A., für die
Vereinigten Staaten gilt die von Prof. Irving Fisher berechnete Indexzahl.
                                                                                                            11
                                                                                                         205

                                             Deutschland                 Vereinigte

                                        Grosshandels= Lebenshaltungs= Staaten
                                        indexzahl     indexzahl
                        August 1925      144.0          145,0
                        September        144,1          144,9
                        Oktober          142,9          143,5
                        November         141,4          141,4            159,1
                        Dezember         139,5          141,2            159,0
                        Januar 1926      135,8          139,8            159,2
                        Februar          134,3          138,8            157,6
                        Maerz            133,1          138,3            152,9
                        April            132,7          139,6            150,9
                        Mai              132,3          139,9            152,2
                        Juni             131,9          140,5            152,0
                        Juli             133,1          142,4            149,5
                        August           134,0          142,5            147,6
                        September        134,9          142,0            148,2
                        Oktober          136,2          142,2            148,5
                        November         137,1          143,6            150,9
                        Dezember         137,1          144,3            147,2
                        Januar 1927      140,3          144,6            145,5
                        Februar          139,1          145,4            143,0
                        Maerz            135,0          144,9            140,7
                        April            134,8          146,4            140,0
                        Mai              137,1          146,5            139,9
                        Juni             137,9          147,7            139,8
                        Juli             137,6          150,0            139,4
                        August           137,9          146,6            140,3
                        September        139,7          147,1            145,0
                        Oktober          139,8          150,2            146,0
                        November                        150,6

Das Weltpreisniveau wird wesentlich von den Vereinigten Staaten bestimmt. ( 17 ) Das allgemeine Preisniveau
in den Vereinigten Staaten ist im Laufe der letzten zwei Jahre um mehr als 10 % gesunken, doch scheint die im
August d. J. von der Federal Reserve Bank vorgenommene Senkung des Diskonts von 4 % auf 3 1/2 % diesem
Falle Einhalt geboten zu haben. Die amerikanische Indexkurve ist wieder im Steigen begriffen. Anders war die
Preisentwicklung in Deutschland. Von Mitte 1925 bis Mitte 1926 gingen die Preise um annähernd 10 % zurück
und bewegen sich seitdem, insbesondere die Lebenshaltungsindexzahlen, in ansteigender Linie. Die im Sommer
1926 langsam einsetzende Konjunktur, die Kündigung zahlreicher Lohntarife mit den folgenden
Lohnerhoehungen seit Anfang dieses Jahres ( 18 ) führten zu einer allgemeinen Erhoehung des Preisniveaus.
Wie der Vergleich mit der vorhergehenden Tabelle zeigt, können diese Preisschwankungen aber nicht als
anormal betrachtet werden und es wäre vollkommen verkehrt, darin das Anzeichen einer neuen Inflation
erblicken zu wollen.
                                                                                                             12
                                             6. Kaufkraftparitäten.

        Sprechen alle bisher in Betracht gezogenen Umstände gegen eine bestehende Inflation in Deutschland, so
sollen noch zum Schluss die Ergebnisse der Berechnung der Kaufkraftparitäten in Betracht gezogen werden,
die von der Festmark=Bank zwecks Beobachtung der Stabilität der Währung vorgenommen werden. Die
Grundlagen dieser Berechnungen wurden bereits in der eingangs erwähnten Schrift „Zur Währungslage" vom
Dezember 1925 eingehend erörtert und es soll daher nicht nochmals darauf eingegangen werden. Die
Berechnungsweise wurde weiter vervollkommnet und zur Rationalisierung der recht beträchtlichen Rechenarbeit
noch zweckmässiger gestaltet, blieb aber im Prinzip unverändert. Einige Aenderungen unter den gewählten
Waren haben sich im Laufe der Zeit als zweckmaessig erwiesen und sollen hier angeführt werden. Bei
Abschätzung der deutsch=amerikanischen Parität wurde Speck durch Talg ersetzt, es werden also weiter 14
Waren verwendet. Von den 22 Waren der deutsch=englischen Kaufkraftparität wurden 6 (Pfeffer, Tee, Speck,
Leinsaat, Nickel und Aluminium) weggelassen, so dass diese Abschätzung jetzt 16 Waren umfaßt. Ausserdem
wurden seit Anfang des Jahres die Berechnungen nur noch monatlich durdgeführt, da die Veränderung von
Woche zu Woche meist sehr gering war und die monatliche Berechnungsart ein bedeutend klareres Bild der
Entwicklung bei gleichbleibender Genauigkeit liefert.
       Im Folgenden wird die Berechnung der Kaufkraftparitaet an dem Beispiel der amerikanischen vom 7.
Dezember 1927 veranschaulicht unter Beruecksichtigung des geaenderten Schemas.
                                                                                                                                                       13
                                                                                                                                                  206
Abschaetzung der Kaufkraftparitaet zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika u. Deutschland.

A           B           C        D        E         F         G     H=       J=                K=    L= M= N= O=        P=
                                                                    D:B      F:B               E:C   G:C K:H L:J D:F E:G
Name     An der Boerse      Boersennotiz                          Boersennotiz
                                                                    DD/B F:B                  100 kg G:C K: H 100 kg Kaufkraftparit.
Preis am                                                            D:B
  +*                                                                                                                                    berechnet ueb
letzten
der      notierte Gewichts=     am                                       am                   kosten in                  kosten in      die einzelnen
Termin : Preis.
Waren menge in kg           2.12.1927                                 2.11.1927               USA $              Deutschld. RM          Waren am
am vorigen T.

            USA         Deut.   U.S.A.    Deut.     USA       Deut.     7.12.      2. 11.      7.12.    2.11..   7.12.     2.11.     USA       Deut.
                                cents               cents
Weiz. 31    27,216      1000    183,6     237,0     128,75    243,5     4,9052     4,6572      23,7     24,3     4.8316    5,2285    1,05325   0,97331
Rogg. 19    25,401      1000    105,625   238,5      96,0     235,0     4,1583     3,7794      23,85    23,5     5,7355    6,2179    1,10026   1,01489
Gers. 29    21,772      1000     84,0     244,0      73,75    243,0     3,8582     3,3874      24,4     24,3     6,3242    7,1736    1,13898   1,00412
Hafer 18    14,515      1000     61,875   206,0      52,5     206,0     4,2628     3,6169      20,6     20,6     4,8325    5,6955    1,17857   1,0
Mais 16 .   25,401      1000     91,0     214,0      82,875   192,0     3,5825     3,2627      21,4     19,2     5,9785    5,8847    1,09804   1,11458
Schm. 15    0,45359       50     12,35    78,3755    12,65     75,5     27,2272    27,8886     146,75   151,0    5,3899    5,4144    0,97628   0,97185
Talg 6      0,45359       50      8,375   63,0        9,0      63,0     18,4638    19,8417     126,0    126,0    6,8242    6,3508    0.93056   1,0
Zuck. 20    0,45359       50      2,81    15,2        2,82     14,0     6,1950      6,2171      30,4    28,0     4,9072    4,5038    0,99645   1,08571
Kaff. 22    0,45350       50     21,375   81,25      22,125   82,626    47,1241    48,7775     162,5    165,25   3,4483    3,3878    0,96610   0,98336
Kupf. 26    0,45359      100     14,20    135,0      13,37    127,5     31,3058    29,4760     185,0    127,6    4,3123    4,3256    1,06208   1,05882
Zinn 13     0,45359       1      59,0      5,49      56,5      5,22     130,0734   124,66 8    549,0    522,0    4,2207    4,1907    1,04425   1,05172
Blei 10     0,45359      100      6,50    44,5        6,25    42,375    14,3301     13,7790     44,5    42,376   3,1054    3,0753    1,04000   1,05015
Zink 14 .   0,4585       100      5,85    53,25       5,75    53,876    12,8971     12,6766     53,25   53,876   4,1288    4,2506    1,01739   0,98840
Silb. 50    31,104 g.     1      58,5     81,0       57,25    78,25      1,8808      1,8406    8100,0   7825,0   4,3067    4,2513    1,02183   1,03514
                                                                        **)



(*) Q = Statistisches Gewicht is added here. FUER DIE LETZTEN ZIFFERN BLIEB MANCHMAL KEIN
   PLATZ! E.g. in B, E, Deutschland & G. Deutschland, L, 2.11. – J.Z.
(**) Beckerath notierte hier: 1 g? = 1,88 cents oder 100 g = 1,88 $. Er fuegte auch das ―g‖ – Gramm Zeichen zur
Silber Reihe hinzu und die cents Eintragungen.

Zu M/N: Gewogenes geometrisches Mittel = 4,7320 4,8570 = Durchschnittliche Kaufkraftparitaeten
Zu O/P: 1,04917 1.02218 = Indexzahlen bezogen auf den vorigen Termin 4,8570

Datum:           Geld=$           Waren=$
2.11.1927        4,1895          4,8570
7.12.1927        4,1885          4,7320
                -0,02 %          -2,57 % = Veränderung gegen vorigen Termin.

Das durchschnittliche Preisniveau (14 Waren) ist in der Zeit vom 2.11. bis 7.12 1927 in U.S.A. um 4,92 %,
in Deutschland um 2,22 % gestiegen.

Kontrollrechnung: 4,8570 . 1,02218 = 4,7320 = Reichsmarkbetrag, den ein deutscher Warenbesitzer fuer die
                           1,04917            gleiche Warenmenge erhaelt, welche in U.S.A. 1 $ kostet.
                                                                                                             14
        Die Ergebnisse der fortschreitenden Berechnung im Anschluss an die bisher veroeffentlichten Zahlen
sind nun in den folgenden Tabellen enthalten und ausserdem in den beiliegenden Diagrammen graphisch
dargestellt. Zum Vergleich sind noch die Kurse des Pfund Sterling sowie der Dollarkurs angegeben.
        Für die englische Parität gilt die folgenbe Tabelle:
        Die Bedeutung der Ueberschriften ist folgende:
E = die englische Indexzahl, bezogen auf den 28. Oktober 1924.
D = die deutsche Indexzahl, bezogen auf den 28. Oktober 1924.
        Beide Indexzahlen sind nicht amtlich, sondern von der Festmark-Bank aus eigenen Grundlagen
berechnet.
K ist der Index der Kaufkraftparitat, bezogen auf den 28. Oktober 1924.
        Das Waren=£ ist die eigentliche Kaufkraftparitaet und gibt an, wieviel die Warenmenge, mit der man in
England 1 £ anschaffen konnte, in Deutschland wert war.
        Als Geld=£ ist der Londoner Mittelkurs auf Grund der Angaben des Manchester Guardian genommen.




Datum      E           D           K              Waren=£ Geld=£
           Englische   Deutsche    Kaufkraft=     = 19,75
           Indexzahl   Indexzahl   paritätindex     mal K
14.10.1925 0,9053      1,0107      1,1161         22,04   20,325
21.          9019          27        1115         21,95      330
28.          8987      0,9998        1123            97      355
 4.11.       9029        9949        1016            76      350
11.           9019       9961       1043            81      355
18.           9068     1,0004       1029            78      355
25.           9141        47          990           71      345
 2.12.        9141        46          988           70      338
 9.           9184         21         909           55      365
16,           9134     0,9908         845           42      365
23.           9058      9910          938           60      365
30.           9109      9966          988           60      380
 6.1.1926     9042      9941          991           71      373
13.           9026      9916          984           69      395
20.           8966      9845          978           68      425
27.           8922      9764          942           61      425
 8.2.         8985      9811          916           56      433
10.           8966      9800         928            58      425
17.           8934      9766         929            58      425
24.           8947      9765         911            55      424
 3.3.         8871      9783        1025            77      405
10.           8812      9746        1057            84      418
17.           8858        9803        1064         85        415
24.           8813        9808        1127         98        420
31.           8781        9857        1223      22.17        421
 7.4.         8774        9799        1165         05        423
14.           8794        9853        1202         12        414
                                                                    15
                                                                   207
          E           D           K            Waren=£ Geld=£
 Datum    Englische   Deutsche    Kaufkraft    = 19,75
          Indexzahl   Indexzahl   paritätind
                                  =«             mal K
21 4.1926 0,8811      0,9842      exi
                                  1,1167       22,06     20,419
28.         8806        9850        1182          08     433
19.5.       8837        9818        1108       21,94     430
26.         8826        9768        1065          85     428
 2.6.       8782        9695        1037          80     428
 9.         8783        9754        1103          93     435
16.         8813        9778        1093          91     443
23.         8806        9819        1148       22,02     445
30.         8789        9829        1181       22,08     444
 7.7.       8820        9945        1273          26     430
14.         8868        9962        1232          18     425
21.         8878        9899        1148       22,02     433
28.         8932        9945        1131       21,98     425
 4.8.       8919        9968        1178       22,07     425
11.         8870        9882        1138          00     425
18.         8835        9894        1196          11     415
25.         8812        9912        1246          21     378
 1.9.       8804        9850        1185          09     383
 8.         8729        9841        1271          26     384
15.         8767        9860        1244          21     385
22.         8654        9819        1344          40     370
29.         8589        9769        1372          46     365
 6.10.      8538        9797        1472          66     370
13.         8523        9737        1422          56     380
20.         8516        9695        1381          48     368
27.         8568        9777        1409          53     3?5
  3.11.     8534        9774        1450          61     378
10.         8582        9781        1461          64     423
16.         8564        9771        1407          53     429
24.         8566        9787        1422          56     431
 1.12.      8560       9774         1416          55     399
 8.         8606       9816         1403          52     398
15.         8580       9780         1397          51     383
21.         8559       9747         1385          49     374
29.         8554       9741         1385          49     362
31.1.1927 8584         9875         1500          71     465
 1.3.       8631       9842         1400          52     468
 1.4.       8568       9814         1452          62     481
 3.5.       8425       9908         1759       23,22     497
 8.6        8450       9912         1728          16     492
 4.7.       8326       9716         1667          04     490
 2.8.       8425       9789         1617       22,94     411
15.10.      8430       9587         1370          46     403
31.10.      8404       9523         1329          37     401
Für die amerikanische Kaufkraftparität ergibt sich folgende Tabelle:
        Die Bedeutung der Ueberschriften ist folgende:
A ist die amerikanische Indexzahl, bezogen auf den 13. Dezember 1924.
D ist die deutsche Indexzahl, bezogen auf den 13. Dezember 1924.
                                                                                                             16
        Beide Indexzahlen sind nicht amtlich, sondern von der Festmarkbank aus eigenen Grundlagen errechnet.
K ist der Index der Kaufkraftparität, bezogen auf den 13. Dez. 1924.
        Der Waren=$ ist die eigentliche Kaufkraftparitaet und gibt an, welchen Reichsmarkbetrag ein deutscher
Warenbesitzer für die gleiche Warenmenge erhaelt, welche in den Vereinigten Staaten 1 $ koftet.
        Der Geld=$ ist der Mittelkurs der Berliner Boerse.
                                                                                                          208

Datum A             D               K              Waren=$ Geld=$
      Amerik. Index Deutscher Index Kaufkraft=Par. = 4,09
                                    =Index           mal K
30.10.1925 0,8599      0,9943           1,1562          4,72     4,20
17.         8610         9940            1545            72       ―
17.
24.         8525         9726            1409            67       ―
31.         8571         9759            1386            66       ―
 7.11.      8580         9700            1305            62       ―
14.         8733         9761            1162            56       ―
21.         8795         9924            1283            61       ―
28.         8749       1,0008            1434            68       ―
 5.12.      8953       0,9964            1129            55       ―
12.         8785         9900            1269            61       ―
19.         8730         9703            1114            55       ―
24          8855         9846            1119            55      t―
28          8934         9916            1099            54       ―
31.         8976         9875            1001            50      t―
 9.1.1926   8956         9826             971            49      t―
16.         8887         9750             972            49      I―
                                                                  t
23.         8801         9561             863            44       ―
30.         8835         9506             760            40       ―
 6.2.       8826         9615             894            46       ―
13.         8651         9520            1004            50       ―
20.         8622         9482             997            50       ―
27.         8691         9445            1128            55       ―
 6.3.       8543         9466            1345            64       ―
13.         8620         9562            1359            65       ―
20.         8513         9543            1478            69       ―
27.         8576         9579            1437            68       ―
 3.4.       8578         9735            1620            75       ―
10          8597         9756            1619            75       ―
17.         8714         9931            1670            77       ―
24.         8689         9811            1561            73       ―
 1.5.       8565         9894            1827            84       ―
15.         8540         9898            1868            85       ―
22.         8466         9895            1967            89       ―
                                                                  ―
29.         8479         9878            1929             88      ―
 5.6.       8544         9846            1799             83      ―
12.         8620         9956            1826             84      ―
19.         8648       1,0095            1952             89      ―
26.         8496       1,0013            2068             94      ―
 3.7.       8540          189            2216           5,00      ―
10.         8704          319            2139           4,96      ―
17.         8901          182            1713           4,79      ―


                                                                                                            17
      A             D               K              Waren=$ Geld=$
Datum Amerik. Index Deutscher Index Kaufkraft=Par. = 4,09
                                    -Index           mal K
24.7.1926 0,8863       1,0171           1,1751          4,81     4,20
31.         8884          223           1783            82        ―
 7.8        8715          111           1879            86        ―
14.         8699          115           1906            87        ―
21.         8640          179           2063            93        ―
28.         8580          170           2137            96       4,197
 4.9.       8494          121           2200            99         199
11.         8675          136           1963            89         198
18.         8637          178           2066            93         197
25.         8608           86           1997            91         198
 2.10.      8620           43           1930            88         197
 8.         8435           15           2157            97         200
16.         8416            17           2186            98         200
23.         8481           148           2325            5,04       204
30.         8346            81           2368            06         204
 6.11.      8331           113           2429            08         208
13.         8297           165           2545            13         210
20.         8329           161           2492            11         212
27.         8827           164           2498            11         208
 4. 12.     8361           126           24?0            07         206
11.         8358           126           2406            07         203
18.         8366            62           2315            04         200
30.         8361            35           2290            03         205
28.1.1927   8456           199           2349            05         220
25.2.       8373           111           2365            06         217
29.3.       8155            93           2673            18         217
 3.5.       8326           367           2750            21         219
28.5.       8671           361           2223            5,00       220
24 6.       8563           154           2141            4,97       220
 2.8.       8558            32           2003            91         203
 1.9.       8674        0,9962           1759            81         205
15.10.      8721        1,0053           1802            83         188
 2.11.      8670            12           1824            84         1895
 7.12.      9096           234           1519            71         1885



Aus diesen Darstellungen ist deutlich zu ersehen, dass in Deutschland in dem betrachteten Zeitraum keine
Inflation bestanden hat und auch nicht besteht.
                                                                                                             209
        Wenn auch Warenpfund und Warendollar bis Mai 1927 steigende Tendenz hatten, so heisst das nicht,
dass die Reichsmark (intervalutarisch gemessen) dauernd im Werte gesunken ist. Wie die Zahlen von Irving
Fisher zeigten, ist das amerikanische Preisniveau in den letzten Jahren ständig gesunken, ebenso das englische.
Die deutsche Grosshandelsindexzahl betrug
        im Dezember 1924 = 142,5 %
        im Dezember 1925 = 139,5 %
        im Oktober 1927 = 139,8 %.
                                                                                                                  18

       Das deutsche Preisniveau hat sich also seit Ende 1924 um eine Kleinigkeit gesenkt, was auch mit den von
uns ermittelten Indexzahlen (s. Spalte D der beiden letzten Tabellen) übereinstimmt. Das englische Preisniveau
sowohl wie das amerikanische hat sich aber viel stärker gesenkt als das deutsche.

        Die natürliche Folge war ein fortwaehrendes Steigen von Warenpfund und Warendollar, beide nähern
sich also immer mehr ihrer alten Goldparität und streben dabei ihrem Ziel viel rascher zu als die Reichsmark. Die
Kaufkraft von Pfund Sterling und Dollar ist also in dem betrachteten Zeitraum viel staerker gestiegen als die
Kaufkraft der Reichsmark, welche seit Beginn der Beobachtungen annähernd unverändert geblieben ist.

         Seit Mai 1927 haben aber Waren=£ und Waren-$ ausgesprochen sinkende Tendenz, die vorigen
Verhältnisse haben sich teilweise umgekehrt. Wenn also im Mai d. J. keine Inflation in Deutschland bestand, was
sich ja inzwischen gezeigt hat, so muss aus der folgenden Entwicklung der Schluss gezogen werden, daß jetzt um
so weniger von einer Gefaehrdung der Stabilität der deutschen Währung gesprochen werden kann.

        Wir haben also in Deutschland keine neue Inflation!
                                                                                                                  19




                                                                                                             210
          Warendollar und Gelddollar




Druck: Berliner Boersenzeitung, Berlin W 8,
       Kronenstrasse 37.
                                                  22.12.27.
       Lieber Herr Stonawski,                                                                       211
Ihre Broschüre habe ich nun mal mit Ruhe durchgelesen. Meine Bemerkungen kommen ja jetzt, wo die
Sache gedruckt ist, und sogar die Zeitungen schon Auszüge daraus bringen, post festum. Auch ist das,
was ich zu sagen habe, rein theoretisch; deshalb aber vielleicht doch nicht überflüssig.
       Der erste Satz der Einleitung ist zwar eine von den Zeitungen oft wiederholte Behauptung, stimmt
doch aber nur zur Hälfte. Ich erinnere mich ganz genau, dass als der Dollar schon längst auf 100 stand, die
meisten Zeitungen immer noch behaupteten, das wäre gar keine Inflation, sondern nur eine
Devisenspekulation. Machen Sie sich doch bitte mal den Spass und versuchen Sie die Frage zu beantworten:
       Bei welchem Kursstand ausländischer Devisen ist eine Jnflation zu vermuten
       a) wenn kein Zwangskurs besteht?
       b) bei Zwangskurs?

        Der Satz Nr. 6 hätte wohl hinter wohl hinter dem Wort ―Währung‖ noch den Zusatz erhalten müssen
―zur Zeit‖.
Was Schacht oder einer seiner Nachfolger in Zukunft anstellen werden, ist ja aus den Kaufkraftparitäten
nicht herauszulesen.

       Zum Text hätte ich folgendes zu bemerken:

1.) Unter "weit überschritten‖ versteht man doch wohl nicht die geringen, weniger als 2 % betragenden
Schwankungen, die seit der Stabilisierung beobachtet sind. Das Wort sollte eigentlich für stärkere
Schwankungen reserviert bleiben.

2.) Anstatt "teilweise‖ muss es wohl heissen ―zum Teil‖.

3.) Ist das allgemeine Preisniveau tatsächlich beständig gestiegen?

4.) Ob die Nachfrage am Devisenmarkt zur Bezahlung von Importen geschieht oder ob vielleicht englische
Firmen sich durch Vermittlung deutscher Bankhäuser in Berlin mit Dollars eindecken, das weiss man nie.
Im allgemeinen
                                                    -2-                                           212
ist Europa, ja die Welt, ein einziger Devisenmarkt, wenn nicht gerade irgend eine Gesetzgebung irgend ein
Land davon ausschliesst. Hierüber äussert sich schon Adam Smith in seinem Hauptwerk in Kapitel über den
Wechselkurs. Leihen Sie sich das Buch doch mal von Herrn Dr. Ramin aus!

5.) Meiner Ansicht nach ist aus dem Vorhergehenden beinahe das Gegenteil zu schliessen. Wenn die
Reichsbank sich bemüht auf dem Devisenmarkt ausgleichend zu wirken (was nebenbei gesagt eine ihrer
Hauptaufgaben ist, und was keinesfalls als ―Verfälschung" der Devisenkurse anzusehen ist) (? – J.Z.),
trotzdem aber "Spitzen‖ nach oben oder nach unten entstehen, dann sind diese Extremwerte gerade
verdächtig, denn sie lassen der Vermutung Raum, dass der Reichsbank die Mittel ausgegangen sind und hier
vielleicht tatsächlich inflatorisshe oder deflatorische Tendenzen in die Erscheinung treten.
In Wirklichkeit ist ein Devisenkurs, der sich längere Zeit erheblich über dem oberen Goldpunkt hält, ein ge-
radezu untrügliches Anzeichen einer Inflation. Auch hierüber hat sich Adam Smith ausgesprochen, so dass
auch heute nichts Besseres hierüber gesagt werden kann.

6.) Es muss wohl heissen: Das Zusammenschmelzen des Devisenbestandes, nicht aber der
zusammengeschmolzene Devisenbestand.

7.) Das stimmt nicht! Gold ist wenigstens ebenso leicht zu beschaffen als Devisen. Die südafrikanischen
Goldbergwerke wollen ja doch ihre Produktion absetzen! Tatsächlich ist denn auch der Goldbestand der
Reichsbank innerhalb von 3 Jahren auf fast das 2 1/2fache gestiegen.

8.) Dass man durch den Diskont das Preisniveau beeinflussen kann ist eine relative neue Entdeckung. Dass
eine Notenbank sogar das Preisniveau durch ihre Diskontpolitik beeinflussen soll, ist eine ganz neue, erst
nach dem Kriege erhobene Forderung. Einige Notenbanken stehen immer noch auf dem Standpunkt, dass
sie zwar den Preisstand beachten sollten, dass aber eine Einwirkung auf die Preise keine Aufgabe für eine
Notenbank ist. Meiner Ansicht nach haben die letzteren recht.

9.) Die am 7. April 1924 von Schacht begonnene Kreditrestriktion beweist, dass es viel wirksamere Mittel
gibt den Umfang der Geldversorgung zu regulieren als den Diskont.

10.) Dass man, um Wechsel zu diskontieren, Sparkapital in Anspruch nehmen muss, wird zwar von unseren
Regierungsräten und Zeitungsschreibern behauptet. Die Reichsbank selbst scheint ebenfalls dieser Ansicht
zuzuneigen. Vor dem Kriege galt diese Ansicht aber als grundverkehrt. Wenn Ihnen daran liegt hierüber mal
eine wirklich klare Auseinandersetzung zu lesen, dann nehmen Sie doch bitte mal das Kapitel ―Das Geld‖
                                                    -3-
im Hauptwerk von Adam Smith her. Aus neuerer Zeit finden Sie hierüber eine ganz ausgezeichnete Schrift
und zwar ―Das Wesen des Geldes‖ von dem leider zu frueh verstorbenen Direktor der Hamburger
Hypothekenbank, Friedrich Bendixen. Bendixen weist nach, dass gerade die Verwendung von Sparkapital
zur Diskontierung von Wechseln Inflation bewirken muss. (? Hoechstens unter Zwangskurs und
Notenmonopol, wenn vieles des Sparkapitals fuer Umsatzkredite, i.e., in Noten ausgegeben wird. – J.Z.) Es
handelt sich hier um das Schwierigste aber auch das wichtigste Kapital der Nationalökonomie. Wenn es
Ihnen Spass macht, können wir uns auch mal darüber unterhalten.

11.) Ob die Deutsche Handelsbilanz aktiv oder passiv ist, das weiss in Wirklichkeit kein Mensch. Solange
es eine Händelsstatistik gibt, d.i. seit über 300 Jahren, hat noch nie eine gestimmt. In Wirklichkeit ist die
deutsche Handelsbilanz genau wie die Handelsbilanz aller anderen Länder, weder aktiv noch passiv, sondern
geht mit /± 0 auf. Wer anderer Ansicht ist, der sollte doch mal gefälligst die Namen der deutschen Firmen
veröffentlichen, die angeblich jahrelang vom Ausland so viel gepumpt kriegen!

12.) Natürlich sollte man dem Staat keine Banknoten leihen, so ganz und gar katastrophal ist dies aber auch
nicht. Erinnern Sie sich bitte an die Ausweise der Bank von Frankreich. Wenn der Staat für seine Beamten
Geld zu Gehaltszahlungen braucht, dann pumpt er die Bank von Frankreich an, und diese gibt ihm, einfach
gegen Schatzwechsel, Noten. Das hat garnichts auf sich, wenn der Staat nur dafür sorgt, dass ihm diese
Noten ein paar Wochen später in Form von Steuern wieder zufliessen. Sind die Noten an den Finanzminister
in dieser Weise zurueckgelangt, dann gibt sie der Finanzminister der Bank von Frankreich wieder, und die
Sache ist erledigt. Inflation ist dabei unmöglich. Inflation kann erst entstehen, wenn die Bank die
Schatzwechsel andauert prolongiert.

13.) Anstatt ―Grund‖ müsste man wohl sagen "Ursache"

14.) Da bin ich ganz anderer Meinung.

15.) Kredit ist keineswegs immer nur überlassene Kaufkraft. Wenn Deutschland z.B. nach Italien für M
100.000,- Taschentücher exportiert, und stundet dem Italiener die M 100.000.- dann haben die Italiener doch
nur für M 100.000.- Taschentuecher und keineswegs Kaufkraft. Guthaben sind Kaufkraft, nicht aber Kredit.

16.) Der Preisstand ist wohl am richtigsten vom Durchschnitt der vergangenen Monate zu rechnen, nicht
aber vom tiefsten Punkt aus.

17.) Das stimmt aber nun tatsächlich nicht. Preiserhöhungen in Amerika sind für den deutschen Import
leider fast bedeutungslos. Das amerikanische Zollsystem wirkt nicht nur durch seine Höhe prohibitiv,
sondern auch durch seine eigenartigen Bestimmungen über das Dumping. Es ist da-
                                                    -4-
                                                                                                   214
her keineswegs selbstverständlich, dass ein hohes Preisniveau in Amerika Waren aus dem Ausland anlockt
und dadurch auch im Ausland eine Preiserhöhung hervorruft.

18.) Die Meinung, dass Lohnerhöhungen unter allen Umständen auch das Preisniveau erhöhen müssen, ist
so ein oller Zopp der Vulgärökonomen. Ohne mich auf theoretische Erörterungen einzulassen möchte ich
nur bemerken, dass das Lohnniveau sich in Amerika stark, erhöht hat zu einer Zeit wo die Preise sanken.
Lohnerhöhungen sind fast immer die Wirkung von Preiserhöhungen, nicht aber die Ursache.

So, das waers für heute!
                                                            Frdl. Gruss Jhr
                           Gez.:U.v. Beckerath.



(Wenigstens der Familienname wurde hier mal richtig skanniert. – J.Z.)
____________________________________________________________________________________

Messzahlen fuer Saisonschwankungen                                                           215
Wechsel und Lombards,
Bestand der Reichsbank am Monatsende 1901 - 1913
Senkrecht in % von 81 unten bis 131 oben.
Waagerecht: Januar bis Januar.
J.   F.   M.   A.   M.   J.   J.   A.   S.   O.   N.   D.   J.
(Bth. Papiere, ca. 1927. Ebenso die folgenden Kurven. – J.Z.)

Messzahlen fuer Saisonschwankungen

EINFUHR.
                                   Wertzahlen 1909-1913

(Die Skannierung gelang nicht. So versuche ich hier eine Nachzeichnung.
Microsoft Word macht es nicht einfach sondern schwer bis unmoeglich! – J.Z., 6.12.04.)

%

110                    x

108

106
                               x                                                         x
104
                                                                         x     x
102

100
                                       x
98     x                                     x     x                                          x
               x
96

94
                                                           x     x
92     J.      F.     M.      A.       M.    J.     J.     A.    S.     O.     N.        D.   J.

Ich finde keine freie Zeichnungs-Option in WORD mit der ich alle diese Punkte verbinden kann. Oder einen
Rahmen in den ich diese Kurvenpunkte uebertragen und dann verbinden kann.

Die Kurve beginnt in Jan. bei 98,
geht runter im Feb. auf 95,
steigt Maerz auf 110,
zurueck April auf 105,
runter im Mai auf 99,
runter im June auf 98,
bleibt Juli bei 98,
runter im August auf 93,
bleibt September bei 93,
geht hoch Oktober zu 103,
bleibt November be 103,
hoch im Dezember auf 105 &
geht im Januar runter auf 98. – J.Z., 7.12.04.


                                                                                                           217
Meßzahlen für Saisonschwankungen
                      Notenumlauf             + Giroguthaben der Reichsbank, am Monatsende 1901-
                      1913
Die Vertikale geht von Jan 93 herauf bis Dezember 116.
Ich kann sie aber leider nicht dort eintragen.
Beim erneuten Versuch einer solchen Eintragung ging die Kurve verloren!
– J.Z., 16.12.04.

Kurvenpunkte:
Januar 93
Februar 93
Maerz 110
April   98
Mai     94
Juni 109
Juli   93
August 92
September 113
Oktober 97
November 95
Dezember 116
Januar 95

(Ich gebe es auf Zeichnungen zu reproduzieren. Die Wortbeschreibung, wenn nurwenige Punkte darin sind, ist
einfach genug – und braucht nicht so viel Computer-Gedaechtnis. Wer daran interessiert ist kann sich mit
Millimeterpapier die Zeichnung selbst machen. – J.Z., 6.12.04.)


Messzahlen fuer Saisonschwankungen.                                                                   218
Privatdiskont Berlin 1901-1913 in %
                                               Januar       94
                                               Februar      86
                                               Maerz       102
                                               April        88
                                               Mai          94
                                               Juni         98
                                               Juli         85
                                               August       89
                                               September   105
                                               Oktober     111
                                               November    121
                                               Dezember    128
                                               Januar       94

Deutsche Diskontzahlen (Am Monatsende)                                                               219

Reichsbankdiskont %             Privatdiskont. %
Sep. 1926 6                        5 1/16
Okt. ―      6                          4 5/16
Nov. ―      6                          4 9/16
Dez. ―      6                         4 13/16
Jan. 1927    5                        4 2/16
Feb. ―      5                         4 8/16
Mar. ―      5                         4 6/16
Apr. ―      5                         4 12/16
Mai ―       6                         5
Juni ―      6                         6
Juli ―      6                         5 14/16
Aug. ―      6                         5 14/16
Sep. ―      6                         6
Okt. ―      7                         6 14/16


Irvin Fisher’s Indexzahlen.                                                                           220

Juli   1926 149.5
Aug.     ― 147.5
Sep.     ― 148.25
Okt.     ― 148.5
Nov.     ― 150.75
Dez.     ―   147.25
Jan.   1927 145.5
Feb.    ―   143
Mar.    ―   140.75
Apr.   ―    140
Mai     ―   140
Juni    ―  139.75
Juli   ―    139.5
Aug.   ―    141
Sep.   ―    145


Deutscher Emissionsmarkt im In- und Auslande. Millionen RM., 1927, Jan. – Okt.                          221
Inland           Ausland (Die Zahlen sind abgerundet u. eingeschaetzt von mir, vom Millimeterpapier
J. 200              25    abgelesen. – J.Z., 7.12.04.)
F. 575             25
M. 50               50
A. 50                0
M. 0                50
J. 0.1            160
J. 0.2            430
A. 0.2            125
S. 0               160
O. 0              575
Deutscher Emissionsmarkt im In- und Auslande.                    In Millionen RM.                        222

1924               1925         1926         1927 (10 Mon.)       1924-1927 Insgesamt
Inland     200      200         1300         1000                 2700
Ausland   1000     1250         1500         1650                 5300
Insgesamt 1200     1450         2800         2650                 5400

Einlagenbestand der deutschen Sparkassen am Monatsende 1926/27, in Milliarden RM.                        223
1926
S.   2,71
O. 2.83
N. 2.95               (Die Zahlen sind nur Annaeherungen, von mir vom Millimeterpapier abgelesen. – J.Z.)
D. 3

1927
J.   3.35
F. 3.575
M. 3.7
A. 3.85
M. 3.95
J.   4.025
J.   4.125
A. 4.25
S.   4.35                       Steigerung in 1 Jahr = 60 %

________________________________________________________________________________________

Deutsche Indexzahlen            1927                                                                 224

Lebenshaltungsindex Grosshandelsindex

J.   144.5             140.3
F.   145.5            139.1
M.   145               135
A.   146.4            134.8
M.   146.5            137.1
J.   147.5            137.9
J.   150              137.6
A.   146.5            137.9
S.   147              140
O.   150.25            -


Devisenkurse an der Berliner Boerse                                                                      225
3.1.1927 – 5.11.1927
(Die Kurven fuer Pfund u. Dollar haben so viele Eintragungen, dass ich mir die Konversion in Ziffern erspare.

Das Pfund stieg von ca. 20.402 auf 20.50 und fiel dann bis auf 20.39. Die Paritaet war 20.43.
Der Dollar stieg von ca. 4.203 auf 4.22 und fiel dann bis auf 4.19. Die Paritaet war 4.198.
Bei der letzten Eintragung, am 5.11.1927, stiegen beide Kurse wieder etwas.
(Alle Kurven sind in meiner Mikroficheausgabe von PEACE PLANS 430 wiedergegeben. – Eine Seite dort
photographisch reduziert zu reproduzieren kostete mich manchmal nur 0.02 bis 0.03 cents! Mit modernend
Computern, wenn sie funktionieren, kosted sie oft allzuviel an Computergedaechtnis. - J.Z., 8.12.04.)
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Staatsschulden in £ pro Kopf der Bevoelkerung                                                                              226

Nach einer Zusammenstellung des Berliner Tageblattes, (1927? – J.Z.) entnommen aus der Broschuere:
―Home, Colonial and Foreign Borrowing‖ von P.E. Gourjou und Hargreaves Parkinson, London.

(Waeren diese Zahlen damals genuegend publiziert worden dann haette das Geschrei in Deutschland, ueber die
angeblich unbezahlbaren Reparation Deutschlands, eine Beschwerde die Hitler zur Macht bringen half, bald
verstummen muessen.
Die Sieger, Grossbritannien und Frankreich, waren viel mehr verschuldet und die USA nur etwas weniger. Auch
jetzt werden Staatsschulden meist nicht im Verhaeltnis zum Kopf der Bevoelkerung und dem durchschnittlichen
Jahreseinkommen pro Kopf der Bevoelkerung berechnet und eroertert.
Aber die Tatsache, dass so gesehen, Staatsschulden oft noch ertraeglich erscheinen, bedeutet noch lange nicht ihre
Rechtfertigung. Sie sind ein Teil der Steuersklaverei.
Auch wird die Moeglichkeit der Bezahlung von Staatsschulden und Privatschulden in Einkaufsscheinen,
herausgegeben von lieferfaehigen Schuldnern, meist nicht genuegend erwogen. - J.Z., 7.12.04.)

Europa.              Britisches Weltreich Amerika               Ferner Osten
Grossbritannien 180  Australien 77        Vereinigte Staaten 36 Japan 9
Frankreich       96  Kanada      52       Argentinien        15 China 1
Schweiz           50 Suedafrika 32        Chile              12
Belgien           47 Brit. Indien 3       Mexiko            10
Italien          43                       Brasilien           6
Deuschland       41                       Peru               3
Holland          33
Spanien          28
Griechenland     21
Tschechoslovakei 16
Schweden         16
Jugoslavien      14
Oesterreich      12
Portugal         11
Rumaenien         4
Polen             3
__________________________________________________________________________________________

Ulrich von Beckerath                                                      20.2.28
                                                                                                                                  227
      (Notizen von U.v.Beckerath zu einem Schriftsatz von H. Rittershausen, der mir z.Zt. noch fehlt.
       - J.Z.)

Notenfreiheit (frueher Bankfreiheit genannt oder das Recht zur unbegrenzten Notenausgabe.) Muesste man das nicht erlaeutern?
Sollte man nicht sagen : Bankfreiheit ist das Recht der Bank jeden echten Warenwechsel gegen eigne, typisierte Wechsel ohne
Zwangskurs umzutauschen?
Disagio (Seite 8). Sollte man nicht hervorheben, dass das Disagio ( dieses absolut zuver-laessige Inflationsmanometer ) nur bei
Zahlungsmitteln ohne Zwangskurs moeglich ist?

Verpflichtung zur Einloesung. (Seite 8 ) Da kann ich die Ansicht der alten Banking=Leute nicht teilen. Auch typisierte Wechsel
darf man nicht sofort einloesbar machen. Es ge-nuegt, wenn die Bank bei Forderungen, die sie einzieht, die Noten zu pari annimmt.
Die Bank sollte ferner vereinnahmtes Geld mit Zwangskurs sofort ( binnen 24 Stunden ) zum Ankauf eigner Noten benutzen.
Weiter darf man nicht gehen.

Seite 10, unten. Ob der Zusammenhang zwischen Diskontierung von Handelswechseln und Arbeitslosigkeit von mehr als der
Haelfte der Leser a priori eingesehen wird?
                                                           -2-
Seite 12. Sollte man nicht erwaehnen, dass es sich in der Darstellung in erster Linie um solche Depositenbanken handelt, welche
Ladengeschaefte und damit indirekt Arbeitnehmer (Lohnempfaenger) zu Kunden haben?
Die Herstellung des Kreislaufes :
                         1.) Lohnempfaenger,
                         2.) Laden,
                         3.) Grosshaendler,
                         4.) Fabrikant, Landwirt,
                         5.)Lohnempfaenger,
ist ja der grosse Clou !

Seite 12 unten.
Ein Kanadier wuerde vielleicht folgende Gegenüberstellung vermissen :

Kanada
1.) Jeder echte Warenwechsel hat einen durch Tradition geheiligten Rechtsanspruch auf Diskont. (Umtausch!)

2.) Der eigentliche Zweck der Notenbank ist die moeglichst reibungslose Herstellung des obigen Kreislaufes.

3.) "Banking" ist ein natürliches Recht der Kaufleute, aehnlich der Redefreiheit der Buerger; es hat keine anderen Grenzen als

   die Vorsorge gegen Missbrauch des Bankrechtes erfordert.

                                                           -3-
Europa

1.) Dieser Gedanke ist dem europaeischen System ganz fremd.

2.) Der eigentliche Zweck der Bank ist : dem Staatswillen moeglichst Geltung zu verschaffen und seine
    Aussenpolitik zu foerdern.

3.) Das Notenmonopol ist eine Abart des alten Muenzregals. Jedenfalls ist "banking"
    seiner eigentlichen Natur nach ein Regal.

Seite 13, oben. Diese Klarheit kann meiner Ansicht nach durch durch Befreiung der Note vom Zwangskurs erreicht
werden.

Seite 13, vorletzter Absatz. Vorschlag zu einem Anfang : Auslaendische Zahlungsmittel, soweit sie auf irgend eine
Goldwaehrung lauten, duerfen in Deutschland kursieren und werden von den oeffentlichen Kassen angenommen.
(Fuer Goldgeld galt diese Bestimmung in Preussen bis etwa 1875.)
(Anm. von J.Z.: Einen sehr aehnlichen Gedanken glaubte Hayek in 1975 ( in "Choice in Currency" ) neu entdeckt
zu haben! )

Seite 14 oben. Das ist der Clou des Aufsatzes, ist die Darstellung nicht zu knapp ? Sollten nicht die ersten 5 Zeilen
wenigstens gesperrt gedruckt werden?

Seite 14, Mitte. Sollten die Banken nicht mit Namen genannt werden, die als Notenbanken in Frage kaemen, etwa
die 5 wichtigsten fuer jeden Staat?
                                                                                                                                 228
Seite 15 oben. Kann die Konkurrenz nicht nur unter der Bedingung effektiv werden, dass die Noten jeder der 50
Banken in ganz Europa zirkulieren, insbesondere bei Lohnzahlungen verwendet werden duerfen, so dass z.B. ein
Fabrikant in Manchester seine Arbeiter mit Pound-Noten einer Berliner Bank bezahlen darf? (Allenfalls auch mit
RM-Noten, wenn die Arbeiter sie nehmen wollen.)

Seite 16, oben, sehr richtig !

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(Blaetter 229 – 232, in PEACE PLANS 430, bringen nur die obigen Anmerkungen von Beckerath
handschriftlich.- J.Z.)
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                                                     Abschrift
                                                                                                               233
Ulrich von Beckerath 11.6.28
Berlin-Lichterfelde
Arndtstrasse 4

       Lieber Herr Dr. Rittershausen,

die beiden Drucksachen
a.) Prospekt des Entschuldungsvereins in Bonn,
b.) Aufsatz von Koelsch,
gebe ich Ihnen anbei mit bestem Dank zurueck.

         Der Entschuldungsverein ist ja ein dolles Dings! Ob er Mitglieder kriegt ???????
         Waere gar nicht unwahrscheinlich! Wollen Sie's nachmachen ???????
------------------------------------
         Der Aufsatz von Koelsch ist in ganz anderer Hinsicht wichtig, als K. selbst meint. In fast allen national-
oekonomischen Lehrbuechern findet sich ein Kapitel ueber die Gefahr der Uebervoelkerung. Die groessten Geister,
Mill, Darwin, Spencer und andere haben an diese Gefahr geglaubt. Ganz allgemein ist die Ansicht, dass nur unsere
sozialen Uebelstaende mit ihren Krankkeiten, Kriegen, Unfaellen etc. eine Uebervoelkerung verhinderten, und dass
bei einem auch nur geringen Nachlassen des sozialen Druckes sofort die Uebervoelkerung als ein noch viel
groesseres Uebel da waere!
Diese allgemeine Ansicht ist es, welche dem gegenwaertigen sozialen System den besten Teil seiner Kraft gibt und
die Kraft der Gegner laehmt. 's ist aber Stuss!

         Genau so, wie sich der Koerper des Einzelnen seine Phagozyten schafft, so schafft sich die Gattung junge,
unverbrauchte Individuen, um die ihr entgegenstehenden Hemmungen zu besiegen, bei Ameisen nicht anders als
bei Menschen. Die Fortpflanzung ist also eine Anpassungs-Erscheinung. Je geringer die Widerstaende sind, desto
geringer ist die Anzahl der Nachkommen — das ist das einfache Gesetz! Sinken die Widerstaende unter ein
gewisses Minimum, dann zieht sich die Gattung gesaettigt und befriedigt vom Schauplatz des Lebens zurueck und
stirbt schmerzlos und fidel aus! (Vermute ich !! )

Sehr beachtlich ist hierbei die statistisch wohl konstatierte Erscheinung, dass sinkende Natalitaet bei wachsendem
Volkswohlstand hoechst selten ein Zurueckgehen der Volkszahl bedeutet, fast immer wird sie durch eine
Verbesserung der Sterblichkeit ausgeglichen. Eine Degenerationserscheinung liegt also hier keineswegs vor.
Allerdings ist von wachsendem Volkswohlstand (der die Volksmenge steigert ) bis zu einem die Generationskraft
beinfluissenden Luxus eines ganzen Volkes (der die Volksmenge wahrscheinlich senken wuerde,) ein sehr weiter
Schritt, der bisher, soweit die Geschichte reicht, noch nie gemacht worden ist.
Ueberhaupt ist es mit der angeblichen Degeneration durch Luxus, auch bei sinkender Kinderzahl, so eine Sache.
Plutarch macht irgendwo die Bemerkung ( ich glaube in der Biographie des Artaxerxes ) dass die in Luxus und
Schwelgerei lebenden Volksklassen unter richtiger Fuehrung den andern militaerisch meistens ueber sind, und dass
nach einiger Uebergangszeit die "Schwelger" sehr gute Soldaten sind. Waren ja auch die Athener den Spartanern
meistens militaerisch ueber; nur als sie Sparta, Persien, Sizilien und noch ein paar andere gleichzeitig bekaempfen
wollten, unterlagen sie!
--------------------------------
Aber - - um auf das Metaphysische der Sache zurueckzukommen, - - die Erwaegung, ob der
Hedonismus des Aristippos nicht auf einem kleinen Umweg ebenso zum "Nirwana" fuehrt wie die Askesis der
Religionen, diese Erwaegung ist vielleicht die unmoralischste, die in der Philosophie moeglich ist; sie ist auch
bisher noch niemals ernstlich angestellt worden. Es waere aber doch erwuenscht, dass einer, der in Biologie und in
Philosophie gleich perfekt ist und sich den Teufel um Vorurteile kuemmert, den Gedanken zu Ende denkt !!!!!!
                                                      Frdl. Gruss Ihr
                                                      gez.: U.v. Beckerath.

Ueber den letzten Absatz siehe die in den letzten Jahren erschienenen Buecher von Robert Anton WILSON. J.Z.
30/1/83.
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H. Rittershausen                                                                      6. Febr. 1929     234
                                      Die Typisierungstheorie des Geldes.
                                              (Geld und Banken )
                                    oder Notenbanken gegen Arbeitslosigkeit.

Einleitung : Ein Kampf gegen Oberbegriffe.
               1.Die Versuche die Sozialoekonomik zur Wissenschaft zu machen.
               2. Wesen und Grenzen der Abstraktionsmethode.
               3. Gegenstand und Begriffe der neuen Wissenschaft unter Beruecksichtigung
                  der Abstraktionsgrenze.

1. Kap. : Das Lohngelderproblem der Fabrik und die Rolle der Banken.
2. Kap. : Typisierung und Versicherung als Schluessel zur Bank- und Geldtheorie.
2. Kap. : Der Weg der Waren und der Kreislauf des Geldes.
4. Kap. : Waren und Produktionsmittel;
         Geld und Kapital;
         Umsatzkredit und Anlagekredit;
         Kreditbanken und Anlagebanken.
         - Anhang : Diskontgeschaeft, Akzeptgeschaeft.
5. Kap.: Der Geldmarkt und der Kapitalmarkt.
6. Kap.: Die Geld- und Banksysteme.
7. Kap.: Die Entwicklung der Depositengrossbanken zu Notenbanken.

                                 Zur Einleitung : Ein Kampf gegen Oberbegriffe :

1. Neue Theorie, aber kein neues Gedankengebaeude. - Unwissenschaftlich im bisherigen Sinne. - Versuche, die
Sozoek. zur Wissenschaft zu machen : Kants Vorrede grosses Unheil,
Ad. Smith und die Klassiker, Roscher, Schmoller, Cannan, - Cassell, Schumpeter, J. Fisher; Max Weber -

2. Leibnitz. Lotze (?). Das System der Begriffe. - Wesen der Abstraktion. Grenzen der
Abstraktionsmethode: Hier die Fehler insbes. auch von Cassel, dem bedeutendsten er heutigen.
Unwichtigkeit der Preistheorie. Unmoeglichkeit, so jemals aus der Anarchie herauszukommen. -
- Vorbild der Jurisprudenz als Wissensch. auf einem noch schwierigeren Gebiete.
3. Forderungen : Enge Anlehnung an die Wirklichkeit, die mehr als bisher studiert werden muss.
Bisherige Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis : Analyse des taegl. Lebens eines Gelehrten.
Zeitungslektuere ( gibt den Durchschnitt der Lehrmeinungen der vor. Generation), Statistiken (auch gefaerbt, da
nur die Probleme ueberhaupt durch Statistiken erforscht werden, die schon oft gestellt sind). Nicht neue, wie
Muendelsicherheit, Laeden usw.
Die Begriffe der Wissenschaft muessen so konkret sein, dass sie ohne Gefahr verwendet werden koennen, z.B.
Laden.
Manche Probleme werden damit leider unzugaenglich, z.B. viel von der Preistheorie. Aber besser, als wenn der
Bolschewismus bestehen bleibt, der Turmbau zu Babel.
Dafuer andere Probleme genau und sicher zugaenglich, da die Aufgabe ist, Regelmaessigkeiten zu entdecken und
zu finden, wie die Machine funktioniert. -

Alle neuen und alten Definitionen sind abzulehnen, da die Sprache klar genug ist und Definitionen schon die
schwersten Fehler enthalten muessen. Sprache ist eben unvollkommenes Werkzeug, solange die Allg.
Charakteristik Leibnitzens noch nicht besteht.
Zitat Cannan. - Verwendung von nicht-fachlichen Oberbegriffen selbstverstaendlich gestattet, da nur
beschreibend, nicht Konsequenzen ziehend. -
Meine Lehre sehr unvollkommen, da mir die Vorarbeiten fehlen; trotzdem schon reiche Ergebnisse, besonders mit
Bezug auf meine Steckenpferde : Notenbankwesen, Aussenhandels-politik, Erwerbslosenfrage, Industriekredit.

1. Geld und Banken:

Notwendigkeit des Geldes : Geld nach A. Smith urspruenglich Mass- und Tauschmittel, z.B. Landwirtschaft,
Handwerk, Dorfmaerkte. - Sein Charakter aber ganz veraendert seit Aufkommen der Fabriken, deren Arbeiter
ausserhalb des Hauses wohnten, daher woechentlich entlohnt werden mussten und die keinen Kredit hatten.
Arbeitsteilung.

Lohngelderproblem der Fabrik : Finanzproblem der Fabrik : 1. die Produkte, obwohl nicht verbrauchbar,
woechentlich an die Arbeiter zu verteilen, 2. sie zu verteilen, ehe sie beim Kunden angelangt bzw. von diesem
verkauft waren.

Die Rolle der Banken : 2 er (zweier?, zweifache?) Loesung : Lohnungsmarken oder Hartgeld fuer die Arbeiter und
Wechsel (Anm. von Ri.: Wechsel waren auf andere Weise erfunden worden. Nun wurde die alte Form der neuen
Aufgabe dienstbar gemacht.) fuer die Kunden. Bedingung : Kunde (Detaillist ) muss die Marken annehmen; diese
Bedingung ist unmoeglich, da mit weiterer Arbeitsteilung der Kunde in einer anderen Stadt wohnt. Schwierigkeit
also : Fabrikanten haben als Eingaenge Wechsel, als Ausgaenge Marken; bei den Detaillisten umgekehrt. Loesung
: das Dazwischentreten der Banken. Sie wechseln Hartgeld in Wechsel und Wechsel in Hartgeld.
Aufkommen der Depositenkassen, zuerst in Schottland.

2. Typisierung und Versicherung :

Diese Funktion der Banken kann viel leichter aufgefasst werden als Typisierung. Eingehen darauf.
Dazu Versicherung. Banknoten, aber auch Hartgeld, = typisierte und versicherte Wechsel.
Wesen des Wechsels : typisierte Ware.
Wechselgeld und Scheckgeld.

3. Der Kreislauf :

Der ganze Kreislauf : kompliziert durch Grossisten. Durch Sparen und Kapitalbildung. Durch Hortung. - Seine
Elastizitaet: nie mehr und nie weniger Geld als noetig. - Historische Entstehung gleichgueltig; entscheidend, dass
die Hypothese einfacher ist und mehr leistet, als die frueheren. - Entscheidend immer die Laenge der
Lohnzahlungsperioden, muss sein = Verkaufsperiode. Canada u. Schottland.
4. Unterschied zwischen Umsatzkredit und Anlagekredit: Genaue Darlegung beider. Umsatzkredite durch
Notenbanken. Anlagekredit aus Spargeldern. Gleichheit der Lohngeldersurmme in beiden Faellen:
Konsumgueterproduktion aus Wechseln oder Maschinenproduktion aus Spargeldern.
2 Arten von Banken : Notenbanken und Finanzierungsbanken. Aktien und Obligationen u. Pfandbriefe auch
typisierte, z.T. versicherte Produkte, aber nicht der Notenbanken, sondern der Anlagebanken. Organisation des
industriellen Anlagekredits.

Diskontgeschaerft und Bargeld : Unmoeglich, zwischen Warenwechseln und Finanzwechseln richtig zu
unterscheiden. Mehrfach-mobilisierung von Waren durch Wechsel. Bleibt uebrig, sich auf Lohngelder zu
beschraenken.
Ausserdem Diskontgeschaeft erlaubt, das nur versichert und in Giroguthaben typisiert, um Skontogewinn zu
ermoeglichen. Ist aber vom Notengeschaeft scharf zu trennen. Unbares
Diskontgeschaeft.
Maengel der Banking-Theorie, zu bekaempfen.

Akzeptgeschaeft : Wesen. Verbreitung. Entspricht verzinslichen Noten, also Schatzscheinen. Wichtig am
Geldmarkt. Interurbaner Austausch der ueberfluessigen Salden (s.Foster).

5. Geldmarkt und Kapitalmarkt :

Geldmarkt = Saldo aller liquiden Bilanzposten aller Firmen, im tiefsten Sinne also Markt aller umlaufenden Waren
in doppelt typisierter Form.
Kapitalmarkt = Erklaeren : Saldo aller Anlageposten...

6. Die Zentralnotenbanken : Alle Laender ausser Canada. Trennung von Notengeschaeft und direktem
Diskontgeschaeft.
Portefeuille der Reichsbank vor dem Kriege : 3/4 Privatdiskonten, als Finanzwechsel.
Staat und Zentralbanken. Darlehen an den Staat. Schaedlich und fremd, besser durch Anleihen konsolidieren.
Notenbank nicht fuer langfr. Kredit da. Interesse der Allgemeinheit am Notenwesen angeblich grosser, als nur der
Industrie z.G. - Interesse des Arbeiters an der Bankpolitik.

7. Probleme der Zentralnotenbanken :

1. Unmoeglichkeit, Handelswechsel von Finanzwechsel zu unterscheiden, wenn man nicht das Konto fuehrt,
sondern die Wechsel von Banken kauft.
                                                                                                                236
2. Man akzeptiert nicht mehr, es ist daher unmoeglich, die nötige Menge Wechsel zu bekommen. Angst, die
Herrschaft ueber den "Geldmarkt" zu verlieren.

3. Das Aufkommen der Depositengrossbanken, die das Aktivgeschaeft an sich gerissen haben, indem sie statt des
unbeliebten Diskontkredits den Buchkredit gewaehren und alle Arten von Geschaeften machen, insbesondere
industrielle Finanzierungen.

4. Es kann jeden Tag durch Uebereinkunft oder Angst der Buchdepositaere gestuerzt werden.

5. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf einen falschen Punkt.

6. Das heutige Kernproblem ist der Ausgleich der Zahlungsbilanzen durch internationale Call-money-Ausleihung
und Anleihen. Auf diesen wichtigsten Faktor aber haben die Zentralnotenbanken keinerlei Einfluss.

7. Die Gelddeckungsbestiimrungen muten demgegenüber kindlich an; das System der Devisenguthaben in London
und New York schafft nur durchlaufende Posten, kostet Gold und taeuscht die Oeffentlichkeit!
8. Es gibt heute so wenig Warenwechsel, dass durch deren Diskont allein der Bargeldbedarf nicht befriedigt
werden koennte. Es muessen Finanzwechsel hinzugezogen werden, trotzdem das ungesund ist. Der Sinn der
Wechselunterlage ist damit verloren gegangen.

9. Die erforderlichen Kreditrestriktionen verursachen Arbeitslosigkeit.

Wurzel der Dauerkrise des Notenbankwesens : Sie tapsen im Dunkeln. Unheilbar. Zentralnotenbanken sind nicht
mehr Diskontbanken, sondern Bargeldbanken geworden.

Loesung : Entwicklung der Depositengrossbanken zu Notenbanken. Andere Loesung unmoeglich. Immer groessere
Krisen. In 30 Jahren muss es kommen. Uebertragung der Verantwortung auf die richtigen Schultern.
Unerwuenscht, aber nur die Besiegelung einer abgeschlossenen Entwicklung. Wendepunkt der Bankgeschichte das
Jahr 1900 (1908? 1909? - Ich bin kein Handschriftenexpert! - JZ.)

Devisenpolitik : Geld oder Devisenuebertragung vom Inland ins Ausland und zurueck unmoeglich. Handelsbilanz
und die Kreditbilanz, die die Loecher stopft. Primat der Handelsbilanz. Kurzfr. Auslandskredite oder Anleihen?

Reportgelder u. Industriekredit. …
                                                      Ende.
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H. Rittershausen                                                                            27.V.29 .

(Vier Notizen ueber das Schottische Bankwesen. 1 + 2 vom 27.5.29, 3 + 4 ohne Datum.)

1.      Zutreffend bemerkt Kerr S. 94, dass es "physikalisch unmoeglich ist,
dem Publikum mehr Noten aufzuzwingen, als es braucht."
        Man kann den Umlauf vermehren, aber nur, indem man Warenumsaetze bevorschusst, wodurch die
Warenmenge
stets pari passu steigt,
also ohne Inflation.
        Aber man kann ihn nicht durch Spek. Kredite vermehren, da die Noten sofort zurueckkehren; besonders
schnell, wenn sie durchs Clearing laufen.
        Beim Staatskredit haengt alles davon ab, welcher Art er ist. Ist es Umsatzkredit, so gibt es keine Inflation,
und wenn er noch so hoch ist. Ist es Kriegskredit pp., so kehren die Noten sofort zurueck ( vgl. i. J. 1923
Eisenbahnzuege voll Noten von Frankfurt nach Berlin ), und bringen die Bank in Gefahr, wie bei Spek.-Kredit.

2.     Lohngelder.                                                                            27.V.29.

       Aus Kerr S. 78 ergibt sich, dass die Schotten die Wichtigkeit der Lohngeldtheorie garnicht verstanden
hatten.
Dies ist ein Beweis, dass meine Theorie neu ist.

3.     Hauptgrund fuer die Unbekanntheit des Schottischen Bankwesens ist, dass die Schotten keinerlei Buecher
darueber produziert haben.

4.      Jevons, Geld, S. 329 bringt das schottische Bankwesen, herrliches Zitat ! und hat als einzigen Gegengrund,
dass die Englaender nicht Schotten seien!
                                                                   gez. R. 2/1/30 (?)
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H. Rittershausen                                                         7.7.29.

                                                 Giro statt Gold.

       Frueher war ein freies Notenbankwesen ohne den gemeinsamen Nenner Gold kaum moeglich. Heute sehr
wohl, da das Girosystem das Gold ersetzt!

       Heute muss die Notenbank die rueckfliessenden Noten taeglich in Giro bezahlen koennen, nicht in Gold.
Dieses Mittel ist viel strenger und wirksamer.

       Wichtige Veraenderung !

(Anm. von J.Z., 26/3/83 :
Ein gehoeriger Markt fuer solche Ideen muss endlich eroeffnet werden, einer der jedem offensteht, jederzeit!
"Release all creative energies! Nur dann koennen unsere Problem geloest werden - und schnell genug!
Vergl. insbesondere Peace Plans 20/1 und 183.)
Verrechnung in Goldgewichtseinheiten kann Einloesung in Goldgewichtseinheiten sehr gut ersetzen und kann viel
mehr umsetzen als moeglich wird durch die Verfuegbarkeit von metallischem Gold fuer Einloesungszwecke. –
J.Z., 7.12.04.
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H. Rittershausen                                                         7.7.29.

                       Zentralnotenbank groessere Inflationsgefahr als freie Notenbanken.

Die Moeglichkeit der Grossbanken, jederzeit irgendwelche festgefrorene Aktiva und illiquide
Industrieengagements der Reichsbank uebergeben zu koennen und dafuer Kassa zu bekommen, bedeutet eine viel
groessere Gefahr, als das Recht, unumschraenkt Noten auszugeben. (1)

Bei unserm heutigen System, wo die Reichsbank gegen Finanzwechsel (sog. Bankakzepte ) jederzeit Kassa und
Giro bereitstellen muss, hat jede Bank indirekt ein Notenausgaberecht, ohne aber irgendeine Verantwortung zu
tragen.
Beim freien Notenrecht muessen die Banken alle zurueckfliessenden Noten in bar honorieren (2), und Konkurs
ansagen, wenn sie das nicht koennen.
Bei unserem System dagegen koennen sie sich stets durch neue Diskontierungen fluessig machen.
Diskontieren bei der Reichsbank kann man unbegrenzt, wenn man mit Krach und Run droht, Noten ausgeben kann
man aber nicht 100 M mehr, als der Verkehr aufnimmt (3); ganz und gar nicht, um zurueckfliessende Noten zu
bezahlen.

(J.Z.: An den Stellen, ungefaehr, wo U.von Beckerath am Rande die Punkte 1-3 ansetzte,
habe ich (1), (2) und (3) notiert.
Die dazugehoerigen Notizen Beckerath's stehen mir z.Zt. nicht zur Hand, werden mir aber, hoffentlich. noch in der
Zukunft zur Verfuegung stehen. – J.Z., 26.3.83.
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H. Rittershausen                                      15.7.29.                                   240
                                               Quantitaetstheorie.
       Die Quantitaetstheorie ist auch in meiner Bankingtheorie verwirklicht, sogar besser, als in der Currency-
Theorie.
       Die Banking Theorie sichert naemlich, da sie eine absolute Anpassung an den Verkehrsbedarf bedeutet, die
gleichbleibende Hoehe des Preisniveaus trotz aller Veraenderungen der Umlaufsgeschwindigkeit, der Hortung pp.
durch eine immer correlate Veraenderung der Quantitaet.
       Die Currency-Theorie betrachtet die Dinge aus der Vogelperspektive, steckt nicht so tief in den
Einzelheiten des Verkehrsbedarfs und muss daher Schwankungen des Preisniveaus hinnehmen, da sie mit der
entsprech. Vermehrung und Verminderung der Geldmenge immer zu spaet kommt. Ja, sie braucht solche
Preisschwankungen, da sie ohne Bewegung des Preisindex nichts tun kann, um die Geldquantitaet anzupassen.
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H. Rittershausen                                                           4.8.29.

                                                   Goldabfluss.

Goldabfluss bedeutet
   1. entweder Erhoehung des Bestandes an Staatspapieren oder an Wechseln - bei gleichbleibendem
       Notenumlauf;
   2. oder gleichbleibenden Staatspapier- und Wechselbestand - bei sinkendem Notenumlauf. S. Gregory
      S. 55 ! In letzterem Falle wuerde nach Gregory eine Selbstkorrektur eintreten.

                                                   Geldumlauf.

Die ganze Geldumlaufstheorie aufnehmen in den Abschnitt:
"Das Gesetz des Rueckflusses" !

Einleitung.

Der Fehler DER HEUTIGEN Theorie ist es, dass sie die Gesetze der Zentralnotenbanken zu ermitteln trachtet,
ohne zu beachten, dass diese Zentralbanken nur ein Sonderfall der freien Notenbanken sind. Deren Gesetze
muessen also zuerst ermittelt werden.

(J.Z.: Ein Sonderfall der freien Notenbanken?
Man koennte ebenso sagen, dass Diktaturen nur die Sonderfaelle von freien Gesellschaften sind. Das trifft aber nur
dann zu, wenn sie von allen ihren Untertanen gewuenscht werden. Territorial, im grossen Massstabe, kann das aber
nicht erreicht werden.
Warum soll man primaer Monopolbanken untersuchen statt erst einmal die Moeglichkeiten von freien Banken zu
erforschen?
Was wuerde aus den Zentralbanken ohne ihr Notenausgabemonopol und ohne Zwangskurs fuer ihre Noten und
ohne irgendwelche anderen Privilegien und Maechte fuer sie?
Haben sie jemals oder oft so gewirtschaftet, dass sie ihr Monopol, ihre Privilegien und ihre Macht verdienen??? -
J.Z., 7.12.04.)
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U.v.Beckerath (?)                                                              (ca.1930)
                                                                                                     242
                                           Eine Deflation im alten Rom.

       Die Finanzgeschichte der alten Zeiten ist meistens eine Geschichte der Inflationen, hie und da aber sind
auch einmal Deflationen vorgekommen. In den Annalen des Tacitus ist eine solche Deflation unter Tiberius
berichtet; sie wurde durch zwei Arten von Ursachen bewirkt, die sich auch in unserer Zeit als sehr wirksam gezeigt
haben.

        Erstens wurde in der Staatskasse oder in diesem Falle vielmehr in der Schatzkammer des Caesars
uebermaessig viel bares Geld angesammelt und dem Verkehr entzogen.
        Zweitens wurden durch ein gut gemeintes aber schlecht durchdachtes Gesetz die Glaeubiger veranlasst,
ploetzlich ihre Guthaben zurueckzuziehen. Dadurch entstand eine ebenso ploetzliche weitere Nachfrage nach
Bargeld und zwar seitens der Schuldner.
        Drittens aber wurden der besitzenden Klasse, die nicht nur aus Glaeubigern bestand, sehr weitgehende
Vorschriften ueber die Anlegung ihres Vermoegens auferlegt und es wurde ihnen die Erwerbung bestimmter
Aktiven vorgeschrieben, was aber nach den damaligen Verkehrsgewohnheiten nicht ohne Aufwendung von
Bargeld geschehen konnte.

         Tacitus schreibt :
         "Der Wucher war ein altes Uebel in Rom; in den haeufigsten Faellen war er es, der die Aufstaende und
Unruhen verschuldet hatte; deshalb suchte man ihn auch in der aelteren, noch unverdorbenen Zeit nicht
aufkommen zu lassen.
Zunaechst wurde durch die Zwoelf-Tafel-Gesetze bestimmt, dass der Zinsfuss nicht mehr als ein Prozent jaehrlich
betragen duerfe, waehrend seine Hoehe bis dahin vom Belieben der Reichen abhing.
Spaeter wurde er auf Antrag der Tribunen auf die Haelfte ermaessigt und schliesslich das Zinsennehmen
ueberhaupt verboten.
Durch eine Reihe von Gesetzen trat man dann den Umgehungen entgegen, die trotz aller Gegenmassregeln immer
wieder mit erstaunlicher Schlauheit versucht wurden.
         Jetzt war es ein Praetor Gracchus, dem man die Unter-
                                                          -2-
suchung der Angelegenheit uebertrug. Er sah sich durch die grosse Anzahl der Bedrohten veranlasst, dem Senat
ausfuehrlieh Bericht zu erstatten, und die Senatoren - von denen sich keiner ganz frei von Schuld wusste - reichten
ein Gnadengesuch beim Kaiser ein. Dieser bewilligte es, und so wurde eine Frist von einem Jahr und sechs
Monaten festgesetzt, innerhalb deren jeder seine Vermoegensangelegenheiten den Bestimmungen des eingangs
erwaehnten Gesetzes entsprechend ordnen konnte.
         Hieraus entstand eine Geldknappheit; denn allen Schuldnern wurden zu gleicher Zeit ihre Darlehen
gekuendigt und infolge der zahlreichen Verurteilungen und Vermoegenseinziehungen der letzten Zeit lagen
Massen gepraegten Silbers im Kronschatz oder Staatsschatz.
Ueberdies hatte der Senat zwar verordnet, dass jeder zwei Drittel seines Kapitals in Grundstuecken auf
italienischem Boden anzulegen habe. Aber die Glaeubiger kuendigten trotzdem die ganzen Summen, und die
Schuldner mussten, um ihren Kredit nicht zu schwaechen, wohl oder uebel zahlen. Da versuchte man es denn
anfangs mit Verhandlungen und Bitten um Nachsicht; dann gab es zahlreiche Prozesse, vor dem Praetor; aber
gerade das Auskunftsmittel, das man gefunden hatte, der Verkauf und Kauf von Grundstuecken, erwies sich als
ganz falsch, denn die Kapitalisten hielten all ihr aufgesammeltes Vermoegen fuer den Kauf von Laendereien
zurueck. Die massenhaften Verkaufsangebote drueckten die Preise herab; je verschuldeter der Einzelne war, um so
unguenstiger gestaltete sich der Verkauf fuer ihn, und viele verloren alles, was sie besessen
                                                          -3-
hatten. Der Verlust des Vermoegens untergrub aber wieder die Stellung und den Ruf.

Endlich schaffte der Kaiser Abhilfe. Er verteilte hundert Millionen Sesterzien an die Wechslerbanken und liess sie
zinslose Darlehen fuer drei Jahre ausgeben, und zwar an Schuldner, die dafuer Grundstuecke von doppeltem Wert
dem Volksvermoegen verpfaendeten. So fand sich der Kredit wieder ein, und allmaehlich kamen auch die
Privatglaeubiger wieder zum Vorschein. Die Kaeufe von Grundstuecken wurden jedoch nicht in der durch den
Senatsbeschluss vorgeschriebenen Weise abgeschlossen. Wie in der Regel bei solchen Dingen, war man am
Anfang streng und liess schliesslich alles gehen, wie es wollte."
       (Die Uebersetzung ist von A. Horneffer, Leipzig, 1909.)
       Aus der Darstellung ergibt sich, dass das neue Gesetz nichts Geringeres bewirkte als in einer hoch
entwickelten Volkswirtschaft deren wichtigste Grundlage, naemlich den Kredit, zu zerstoeren.
       Es ergibt sich aus der Darstellung ferner, dass die damaligen Verkehrsgewohnheiten wesentlich dazu
beitrugen das Uebel zu verschlimmern.
       Einfach waere es gewesen, wenn die verschuldeten Grundbesitzer den Glaeubigern ihre Grundstuecke
uebergeben haetten, etwa durch Vermittlung einer Terraingesellschaft. Dann waere sie ihre Schulden wenigstens
zum Teil los geworden, die Glaeubiger haetten der Anlagevorsschrift genuegt, und es waere nur ein Saldo
auszugleichen gewesen.
       Nun war die bargeldlose Verrechnung im Altertum und besonders in Rom zwar nicht unbekannt,
gegenueber dem neuen Problem versagte aber die ohnehin nur schwach entwickelte Technik.
       Es soll hier davon abgesehen werden, dass die neue Gesetzgebung sozial beinahe unmoeglich war, weil sie
den groessten Teil des italienischen Grundbesitzes in die Haende des zu seiner Verwaltung gar nicht befaehigten
roemischen Geldkapitals gebracht haette, es soll vielmehr nur die finanztechnische Seite in Betracht gezogen
werden.



                                                             -4-
                                                                                                      243
        Vor 150 Jahren waere man in Schottland mit dem Problem leichter fertig geworden als seiner Zeit in Rom.
Die Glaeubiger haetten die Wechsel ihrer Schuldner bei einer Bank gegen Noten mit Optionsklausel umgetauscht
(Optional Notes). Damit haetten sie die Grundstuecke von solchen Grundbesitzern gekauft, die gleichzeitig
Schuldner waren. Die Grundbesitzer aber haetten mit den Noten die Wechsel eingeloest, wenn die Bank sie
praesentierte. Schliesslich haetten die Schuldner ihre Wechsel in Haenden gehabt und haetten sie vernichtet. Die
Banken haetten ihre Noten zurückerhalten und haetten sie ebenfalls vernichtet.
An diesem Schema erkennt man, dass die schottischen Banknoten eigentlich weder Geld noch Geldersatz waren,
sondern nur in kleine Abschnitte aufgeteilte Wechsel. Die Glaeubiger waeren schliesslich im Besitz der
Grundstuecke gewesen, und das Weitere wuerde nicht der Gerichtsvollzieher, sondern der Gesetzgeber veranlasst
haben. Nur solche Kapitalisten, die nicht gleichzeitig Glaeubiger italienischer Schuldner mit Landbesitz waren,
haetten von der Einrichtung keinen Gebrauch machen koennen.
        Interessant ist auch noch, dass in Rom zuletzt der Staat selbst einen Teil des von ihm eingezogenen Geldes
zur Verfuegung stellte, um die schlimmste Kreditnot zu lindern. Auch wir hatten Zeiten, wo die am Geldmarkt
erhaeltliehen Kredite zum guten Teil wenigstens indirekt aus oeffentlichen Kassen stammten, die an Hypertrophie
litten. Man kann sogar mit einiger Wahrscheinlichkeit behaupten, dass der Kettenhandel mit Krediten aus
Staatsmitteln damals nicht geringer war als vor kurzem noch bei uns, obwohl Tacitus darüber nichts berichtet.
                                                      ********
(Keine Unterschrift, kein Datum, aber hoechst wahrscheinlich von U.v.Bth. verfasst. – J.Z.)

                                                                                                               244
                                        Die Cosmopolitische Union

(Verfasst von Werner Ackermann und Ulrich von Beckerath, ca. 1930. Hier entnommen aus einer Zeitschrift
meines Vaters, Kurt Zube: "Radikaler Geist", 1931. In dieser Serie bereits in Peace Plans 61-63 und 399-401 in
Englisch und Deutsch verfilmt. – J.Z.

Die Mitgliedschaft der Cosmopolitischen Union ist kostenlos.
Die Mitglieder befuerworten, ohne fuer ihre Person eine Verpflichtung einzugehen,
folgende Grundforderungen der Cosmopolitischen Union:

   I.)      Jeder hat das Recht zum Austritt aus dem Staat. (Vergl. Kirchenaustritt.)

   II.)     Cosmopoliten ( freiwillig Staatenlose) besitzen ueberall Einreise-, Niederlassungs- und
             Arbeitsrecht.

   III.)    Unfreiwillig Staatenlose koennen durch einfache Option entweder Cosmopoliten oder
            Staatsangehoerige werden.

   IV.)     Der Staat erkennt die Staatslosigkeit als Rechtszustand und die Cosmopoliten als
            internationale Minderheit im Sinne des modernen Minderheitenrechts an.

   V.)      Der Staat respektiert die Unabhaengigkeit einer Schutzstelle fuer Cosmopoliten und erkennt sie als
            im staatsrechtlichen Sinne vertragsfaehig an.
            Die Schutzstelle kann Zweigstellen mit konsularischen Befugnissen errichten.

   VI.)     Cosmopolitische Paesse und Personalausweispapiere, die den bei der Schutzstelle registrierten
            Cosmopoliten ausgestellt werden, sind von allen Behoerden anzuerkennen .

   VII.)    Im Kriegsfalle gelten Cosmopoliten als neutrale Auslaender.
            Der Staat hat weder im Frieden noch im Kriege das Recht, Freiheit oder Vermoegen von
            Cosmopoliten anzutasten.
            Cosmopoliten duerfen zu keinerlei Kriegsdiensten, Kriegshilfsdiensten, Kriegssteuern oder
            sonstigen Kriegslasten herangezogen werden.

   VIII.)   Ein Zwang zur Beibehaltung der Staatsangehoerigkeit darf auch im Kriege in keiner Form und
            unter keinem vorwand ausgeuebt werden.

   IX.)     Der Staat respektiert die Unabhaengigkeit gemeinnuetziger cosmopolitischer Einrichtungen,
            wie Fuersorgezentralen, Versicherungsanstalten, Bankinstitute, Rechtsstellen, Archive,
            Bildungs- und Erziehungsanstalten, Krankenhaeuser, Altersheime usw.
            Der Staat draengt den Cosmopoliten keinerlei Einrichtungen und Dienste auf, die die
            Cosmopoliten gewillt und faehig sind, sich selbst zu verschaffen, oder auf deren Gebrauch sie
            verzichten wollen.

   X.)      Der Staat prueft weitere Forderungen, die sich aus den Grundsaetzen der Cosmopolitischen Union
            ergeben.
            Auf Antrag der Schutzstelle tritt er mit ihr in Verhandlungen ueber den Ausbau der
            gemeinsam geschlossenen Vertraege ein.
            Ausfuehrungsbestimmungen, die auch die praktisch gebotenen Uebergangsbestimmungen
            enthalten, werden vom Staat und der Cosmopolitischen Union gemeinsam ausgearbeitet.

Beitrittserklaerungen zur C. U. nimmt entgegen : W.A.

("   " " " jetzt entgegen : John Zube, 35 Oxley St., Berrima, N.S.W.,Australia 2577. jzube@acenet.com.au
www.acenet.com.au/~jzube    www.panarchy.org     www.butterbach.net

Mein Vater traf U.v. Beckerath in diesem Kreis, war aber selbst nicht Mitglied. Bth. hatte einen Briefwechsel mit
W.A. der etwa drei Leitzordner fuellte. Er wurde bei einem Luftangriff zerstoert. Vielleicht ist aber davon noch
etwas bei den Erben von W.A. in Suedafrika erhaeltlich. Ich kenne ihre jetzige Addresse nicht. - J.Z., 3.12.83,
7.12.04.)
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                                           Déclaration de principes
                                        de l'UNION COSMOPOLITE
                                                 __________
        L'adhésion à l'UNION COSMOPOLITE est gratuite. Les membres souscrivent simplement, sans que cela
constitue pour eux aucune obligation personnelle, aux principes suivants dont l'U. C. poursuit la reconnaissance par
les Etats.
                                                               I
        Tout individu a le droit de sortir de l'Etat dont sa naissance le fait dépendre (comme le droit lui est déjà
reconnu de sortir de l'Eglise où ses parents l'ont inscrit).
                                                              II
        Les Cosmopolites (Anationaux volontaires) possèdent partout le droit de circuler, de s'établir et de
travailler.
                                                             III
        Les Anationaux involontaires (Heimatlose ou Staatlose) peuvent par simple option devenir soit
Cosmopolites soit ressortissants d'un Etat.
                                                             IV
        L'Etat reconnaît l'anationalité comme un état de droit et les Cosmopolites comme une minorité dans le sens
du Droit moderne des minorités nationales.
                                                              V
        L'Etat respecte l'indépendance d'un Centre protecteur pour les Cosmopolites et lui reconnaît les droits
légaux de représentation. Le Centre protecteur peut instituer des succursales avec attributions consulaires.
                                                             VI
        Les passeports et autres papiers d'identité cosmopolites, qui seront délivrés par le Centre protecteur aux
Cosmopolites régulièrement inscrits, doivent être reconnus par toutes les autorités.
                                                             VII
        En cas de guerre, les Cosmopolites sont considérés comme des étrangers neutres. L'Etat n'a le droit ni eu
temps de paix, ni en temps de guerre de porter atteinte à la liberté ou aux biens des Cosmopolites. Les
Cosmopolites ne doivent être soumis à aucune espèce de service militaire actif ou auxiliaire, d'impôts militaires ou
d'autres obligations militaires similaires.
                                                            VIII
        L'obligation de conserver sa nationalité d'Etat ne peut être imposée à qui que ce soit, même en cas de
guerre, sous aucune forme ni sous aucun prétexte.
                                                             IX
        L'Etat respecte l'indépendance des institutions cosmopolites d'intérêt public, telles que Caisses de
prévoyance, d'assurances, établissements bancaires ou juridiques, Archives, Institutions d'enseignement et
d'éducation, Hôpitaux, Asiles pour la vieillesse, etc. L'Etat ne peut imposer aux Cosmopolites une participation
quelconque à aucune espèce d'institution ou de services qu'ils sont désireux et capables de se procurer eux-mêmes,
ou dont ils répudient l'usage.
                                                              X
        L'Etat examine toutes autres revendications qui se fondent sur les principes de l'U. C. — A la demande du
Centre Protecteur, il entre en négociations avec lui pour la rédaction de conventions conclues d'un commun accord.
Les dispositions d'application, comprenant les dispositions transitoires exigées par la pratique, sont élaborées en
commun par l'Etat et l'Union Cosmopolite.

       Les déclarations d'adhésion à l'U. C. sont reçues par W. Ackermann,
       Berlin, W. 62, Kurfurstenstrasse 108.
                                                                  6 octobre 1930.
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(J.Z.: Werner Ackermann managed to escape from the Nazis and spent the rest of his life in South Africa.
Alas, there he was not free, either, to engage in such activities. He even had to ask me not to send him my ―Peace
Plans‖ issues any longer but to keep them for him! I doubt that he managed to take many of his letters and books
with him, when he fled, or that they were preserved somewhere in Germany.
I particularly regret the loss of his long correspondence with Ulrich von Beckerath, dealing mainly with the rights
of minorities, which filled 3 arch lever files, according to Bth. But perhaps his heirs managed to recover some of
his papers? – J.Z., 7.12.04.
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                                                                                                                       246
                                           APPEAL TO ESTABLISH A
                                           COSMOPOLITAN UNION

The following is a rough translation of an appeal in "Radikaler Geist" (Previously published also in Peace
Plans No. 5.)
(Radical Spirit ), a 1931 issue, in German, a type of review of unusual books, which brought, instead of a
review, short and significant extracts from the books and advertised them.
The group was founded by the writer Werner Ackermann, the draft was apparently influenced by Ulrich
von Beckerath. My father, Kurt Helmut Zube, was attending its meetings but was not a member.
Before the group could grow to any considerable size it was suppressed by the Nazis.
But it had also its internal difficulties. After existing for two years the idea that there could and should
also be competing court systems was still new to most members, according to Bth. Somehow, they had
assumed that the State's courts would continue to exist indefinitely once the right of individuals to secede is
introduced. All too few people are quite consistent in their beliefs.

I would like to see such a group revived, and be it only in order to bring, first of all, all relevant literature to
light. Then the ambition might be to approach all active minority groups with such a programme.

"Membership in the Cosmopolitan Union is free.
Its members support - without any personal obligation - the following basic demands of the Cosmopolitan Union:

                                                           1.
Everyone has the right to secede from the State like from a church.
                                                           2.
Cosmopolitans (people who have voluntarily renounced their State membership) possess the right to migrate,
settle, and work everywhere.
                                                           3.
Persons who have lost their nationality against their will, may by simple option become either cosmopolites or
members of a State.
                                                           4.
The State recognizes as rightful a condition of non-membership and recognizes cosmopolites as an international
minority according to modern international law.
                                                           5.
The State respects the independence of a protective association of cosmopolites and recognizes its right to conclude
treaties. This protective association may open branches with consular rights.
                                                           6.
Cosmopolitan passports and personal documents issued by the protective association to its registered members, are
to be recognized by all State departments.
                                                           7.
In case of war cosmopolites are to be considered as neutral foreigners. The State has neither in peace nor during
times of war a right to infringe freedom and property rights of cosmopolites. Cosmopolites may not be forced to
serve in the armed forces or auxiliary war services of a State, to contribute to war taxes or other expenses
connected with a war effort.
                                                           8.
Nobody may be coerced in any form and under any pretence to retain his nationality, not even in wartime.

                                                           9.
The State respects the independence of cosmopolitan benevolent and mutual benefit associations like welfare
centres, insurance companies, banking institutions, associations for legal protection, archives, educational and
training institutions, hospitals, homes for aged people, etc. The State will not force any institution or services upon
cosmopolites which the cosmopolites are willing and capable to supply themselves or which they do not desire.
                                                          10.
The State will investigate further demands resulting from the above fundamental principles of the Cosmopolitan
Union. Upon application by their protective association it will enter into negotiations concerning an extension of
the treaties concluded between them. Regulations concerning the detailed application of the above principles,
including rules for the period of transition, will be worked out between the State and the Cosmopolitan Union."

            "Ignore ... politicians ... don't ignore what is right." - Robert Brakeman, S.L.M.,6/76.
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                                            Zur Verrechnung des
                                   Unkostenbeitrages bei Tilgungshypotheken.

                                     Von DipL-Kfm. H. K oe p p e 1, Berlin.
                                 "Bankwissenschaft‖, Berlin, 5.3.1931, S.809-313.

         Auf die im Heft 17 der „Bankwissenschaft" von U. v. Beckerath über die „Verbuchung der laufenden
Unkosten und Abschätzung der Rentabilität bei Tilgungshypotheken" gemachten Ausführungen ist ein weniger
theoretisch als vielmehr praktisch schwerwiegender Einwand zu machen.
         Von Beckerath stellt in einem Beispiel (S. 584/585) dar, wie sich die Unkostenbelastung als Verringerung
der Einnahme und damit als Verringerung des Nominalzinssatzes auswirkt. Eine Schuld in Höhe von 10 000,- RM
ist, so wird angenommen, mit 10 Prozent zu verzinsen und in 5 Jahresannuitäten zu tilgen. Auf Grund dieser Be-
dingungen ergibt sich nach Spitzer (Tabelle V) eine Jahresleistung des Schuldners von 2 637,97 RM. Nun nimmt
von Beckerath weiter an, dass sich die Unkosten pro Jahr auf 391,70 RM belaufen. Setze man diese Unkosten von
der Jahresleistung des Schuldners ab, so ergebe sich für den Gläubiger eine, wenn man so sagen darf, Netto-
Einnahme von 2637,97 - 391,70 = 2246,27 RM. Diese Annuität entspreche nicht mehr den obenaufgestellten
Bedingungen. Zwar wären die Höhe des Darlehens und die Laufzeit gleichgeblieben, doch sei der Zinsfuß auf 4
Prozent p. a. gesunken. Die Nettoeinnahme entspreche also der Annuität eines 4prozentigen, 5 Jahre laufenden Til-
gungsdarlehens in Höhe von 10 000,- RM.

        „Danach darf der Gläubiger seine Forderung nur als eine solche ansehen, die ihm 4 Prozent bringt anstatt
10 Prozent." Soweit muß dem Verfasser zugestimmt werden. Wenn er sodann aber den Satz ausspricht, daß es das
einfachste sei, wenn der Gläubiger sich einen neuen Tilgungsplan auf der Grundlage einer Verzinsung von 4 Proz.
aufstelle, so muß diesem Verfahren widersprochen werden. Wie aus den beiden vom Verfasser aufgestellten
Plänen (für 10 Prozent und 4 Prozent Zins) hervorgeht, und von ihm auch selbst ausdrücklich betont wird, sind die
Schuldreste in beiden Plänen verschieden groß. Welcher Schuldrest ist nun bei vorzeitiger Fälligkeit der Hypothek,
etwa wegen Zahlungsunfähigkeit des Schuldners, bei der Zwangsversteigerung anzumelden? An dieser Frage
scheint m. E. die verschiedene Behandlung, die v. Beckerath der Verrechnung der Unkosten in den von ihm
gleichgesetzten beiden Plänen zuteil werden läßt, am schärfsten hervorzutreten.
        In der Praxis sind zweierlei Arten der Unkostenberechnung im Gebrauch. Das erste Verfahren läßt in
den Darlehensbedingungen nur einen Zins erscheinen. Ein besonderer Verwaltungskostenbeitrag wird nicht
erhoben. Bei dieser Methode hat das Realkreditinstitut bereits den Verwaltungskostenbeitrag in den Zins
einkalkuliert, wodurch dieser eine Erhöhung erfährt. Angenommen, das Darlehen sei normalerweise unter Fort-
lassung des Verwaltungskostenbeitrages mit 8 Prozent zu verzinsen. Erhebt nun der Gläubiger keinen
Verwaltungskostenbeitrag, so wird er dafür diesen Zins erhöhen müssen. Glaubt er mit einem Zuschlag von 1/2
Prozent auskommen zu können, so hat der Schuldner also nicht 8 Prozent, sondern 8 1/2 Prozent zu zahlen. Das
zweite Verfahren beläßt den Zins auf 8 Prozent, erhebt aber gesondert einen Verwaltungskostenbeitrag. Der
Schuldner hat also 8 Prozent und 1/2 Prozent zu zahlen, was in der Praxis nicht das gleiche ist, da die Berechnung
des Verwaltungskostenbeitrages für die gesamte Laufzeit unter Zugrundelegung des ursprünglichen Darlehens-
betrages vorgenommen zu werden pflegt.
        Das zweite Verfahren ergibt für den Schuldner eine höhere Belastung als das erste, da der 1/2prozentige
Zuschlag im ersten Verfahren ebenso wie der Zins vom jeweiligen Schuldrest zu zahlen ist. Als besonderer
Verwaltungskostenbeitrag vom ursprünglichen Darlehen berechnet, ergibt sich dagegen eine höhere Jahresleistung.
        Wenn nun v. Beckerath im 1. Tilgungsplan einen Zinssatz zugrundelegt, aus dem auch die Unkosten
gedeckt werden müssen, so wählt er damit das erste Verfahren. Im 2. Tilgungsplan dagegen geht v. Beckerath vom
„reinen" Zins aus und nimmt damit an, daß der Schuldner außerhalb dieser Zahlung noch einen Unkostenbeitrag zu
leisten habe. Denn praktisch bedeutet dieser Tilgungsplan nichts weiter, als daß der Schuldner eine Annuität von
2246,27 RM zu zahlen hat, die einen 4prozentigen Zins auf die jeweilige Restschuld und die Tilgungsrate enthält.
Dazu tritt noch der Unkostenbeitrag von 391,70 RM p. a., d. h. rd. 3,92 Prozent auf den ursprünglichen
Darlehnsbetrag.
                                                                                                                248
Aus der verschiedenen Zinshöhe ergibt sich nun aber eine verschiedene Tilgungsdauer. An dem gewählten
Beispiel tritt diese Verschiedenheit nicht ohne weiteres hervor, da die Anzahl der Annuitäten gleichbleibend
angenommen wird. Doch weist ein Vergleich der Restschuld etwa am Ende des 3. Jahres in den beiden von
Beckerath aufgestellten Tilgungsplaenen die Differenz auch bereits auf. Die Restschuld in dem auf 10 Prozent
Zins aufgebauten Plan ist größer als die entsprechende des auf 4 Prozent aufgebauten Planes. Klarer noch wird
diese Einwirkung des Zinssatzes, wenn nicht die Anzahl der Annuitäten fest bestimmt, sondern ein Tilgungssatz
etwa 1 Prozent, festgesetzt ist. Dann ergibt sich nach Spitzer                    (Ende von S. 810)
 (Tabelle Va), daß etwa bei 6 Prozent Zins und 1 Prozent Tilgung rd. 33 Jahresleistungen erforderlich sind. Stellt
man nun einen Tilgungsplan auf Grund eines Nettozinses von vielleicht 4 Prozent, aber gleichbleibender Tilgung
auf, so ergeben sich rd. 41 Jahresleistungen. Soll das Darlehen in der gleichen Zeit getilgt sein, so muß die
Tilgungsquote auf etwa 1,5 Prozent erhöht werden.

        Aus diesen Angaben ist noch deutlicher erkennbar, daß es nicht angeht, einfach den auf die Unkosten
entfallenden Betrag der Zinseinnahmen herauszunehmen, den eigentlichen Nettozins zu errechnen, und darauf
einen neuen Tilgungsplan aufzubauen. Grundlage ist und bleibt gegenüber dem Schuldner der im
Beckerath'schen Beispiel auf der Basis der 10prozentigen Verzinsung aufgestellte Plan. Nur innerhalb des
Betriebes sind aus den mit Recht von Beckerath betonten Gründen von den Zinseinnahmen gewisse Teile für die
Deckung der Unkosten abzuzweigen. Tabellenmäßig müßte sich sodann folgendes ergeben:

                             Tilgungsplan, maßgebend im Verhältnis zum Schuldner:

Jahr:             10% Zins auf
         Restschuld                Kapitalrueckzahlung,         Tilgungsrate = Zins +
         zu Beginndie Restschuld, enthalten i. d. Tilgungsrate: Kapitalrueckzahlung:
                  enthalten in der
        des Jahres:
                  Tilgungsrate:
_____________________________________________________________________________
1      10000,—         1000,—             1637,97               2637.97
2       8362,03         836,20            1801,76               2637,97
3       6560,27         656,03            1981,94               2637,97
4       4578,33         457,33            2180,14               2637,97
 5      2398,19         239,82            2398,15                2637,97

                      Verrechnung innerhalb des Betriebes (Unkostenfonds):

Jahr:   Bestand                   Ueberweisung von Ueberweisung Restbestand
                          Verzinsung
        auf dem                    Zinsen-Cto.:
                         des Bestandes:               an das     am Ende d. Jahres:
                                                   Unkosten-Cto:
___________________________________________________________________________________
1       —              —               600,—       391,70         208,30
       391,70         326,65
2.     208,30              8,33               501,72          391,70           326,65
3      326,65             13,07               393,62          391,7            341,64
4      341,64             13,67               274,70          391,70           238,31
5      238,31              9,60               143,88          391,70             —

Daraus wird auch klarer, worum es sich handelt. Sofern man die Verwaltungskosten in Prozenten auf das Kapital
dem Zinssatz zuschlagen will, ist eine einfache Addition nicht ohne weiteres möglich. Glaubt man mit 391,70 RM
p. a. pro 10000,— RM Darlehenssumme auszukommen, so kann man diese nicht einfach als 3,92 Prozent einem
reinen Zins von 4 Prozent zuschlagen. Wie das Beispiel zeigt, ist ein Zuschlag von 6 Prozent notwendig. Man ist
also gezwungen, zuerst diesen prozentualen Zuschlag genau zu errechnen, wenn man es nicht vorzieht, den
Verwaltungskostenbeitrag gesondert zu erheben. Welches Verfahren zu wählen ist, muß dem einzelnen
Realkreditinstitut und seiner Beurteilung der Kostenfrage überlassen
811
                                                                                                             249
bleiben. Abschließend muß aber nochmals betont werden, daß das Aufstellen zweier Tilgungspläne unmöglich
ist. Zu einem dem Schuldner gegenüber geltenden Plan darf nur eine Tabelle über die Entwicklung des zu
schaffenden Unkostenfonds treten.
                                    _______________________________

                                  Erwiderung zu dem vorstehenden Aufsatz.
                                         Von U. v. Beckerath-Berlin.

        Koeppel hat meinen Aufsatz mißverstanden. Ich habe nicht gesagt, daß für den Schuldner zwei
Tilgungspläne aufgestellt werden sollten, sondern — wie Koppel ja auch richtig zitiert — daß der Gläubiger sich
zwei Tilgungspläne aufstellen sollte, den zweiten natürlich nur um die Unkostenreserven rechnerisch möglichst
einfach zu bestimmen.
Daß man, anstatt einen zweiten Tilgungsplan aufzustellen, auch anders rechnen kann, habe ich auf Seite 585 an
einem Beispiel gezeigt.
Auf Seite 586 habe ich dann ausdrücklich die Aufstellung zweier Tilgungspläne, als das rechnerisch einfachste
bezeichnet.
Daß der Schuldner erfahren soll, mit welchen Hilfsmitteln sich der Gläubiger die Unkostenreserven ausrechnet,
habe ich nirgendwo angedeutet. Es entfallen also alle Folgerungen, die Koppel daraus zieht, daß ich angeblich die
Mitteilung des zweiten Tilgungsplanes an den Schuldner empfohlen haben soll. Auch ist es hiernach
selbstverständlich, daß für den Schuldner bei vorzeitiger Ablösung der Hypothek diejenigen Schuldreste
maßgebend sind, welche sich aus dem Tilgungsplan unter Zugrundelegung der vereinbarten Darlehensbedingungen
ergeben.

        Koeppel meint, es müsse dem Realkreditinstitut überlassen bleiben, ob es vorzieht, sich aus dem Zins eine
Unkostenreserve zu bilden, oder ob es lieber den Schuldner mit den Unkosten besonders belastet, wobei natürlich
im allgemeinen Unkostenreserven nicht zu bilden sind.
Demgegenüber ist aber doch darauf hinzuweisen, daß die Erhebung eines besonderen Verwaltungskosten-
Zuschlags stets beim Schuldner auf Widerstand stößt, nachdem ein Teil der Schuld getilgt ist.
Eine jahrzehntelange Erfahrung beweist, daß der Schuldner nach einigen Jahren, meistens sogar schon nach 2. oder
3, auf die Ungerechtigkeit eines gleichbleibenden Verwaltungskostenzuschlages bei sinkender Schuld hinweist.
Der Schuldner verfehlt sogar in der Regel nicht, darauf aufmerksam zu machen, daß im letzten Tilgungsjahr die
ihm belasteten Verwaltungskosten fast so viel ausmachen wie die Schuld selbst, und nicht selten bezeichnet der
Schuldner das ohne viel Umstände als „Wucher".
Nur da, wo die Tilgungsdauer sehr lang ist, und der Schuldner außerdem darauf rechnen kann, daß ihm nach
einigen Jahren eine Nachbeleihung in Höhe des getilgten Teiles der Schuld bewilligt wird — wie z. B. bei den
Landschaften vor dem Kriege — da findet sich der Schuldner ohne Widerspruch mit einem gleichbleibenden
Zuschlag ab.
812
       Man hat deshalb schon lange vor dem Kriege empfohlen, anstatt eines gleichbleibenden und daher
ungerecht scheinenden Zuschlags zur Tilgungsrate einen entsprechend höheren Zins zu fordern. Natürlich ändern
sich dadurch die Ablösungswerte ein wenig; die Aenderung ist aber so unbedeutend, daß sie weder auf die
Finanzgebarung des Gläubigers noch auf die des Schuldners Einfluß hat.
Durch das Einkalkulieren der Verwaltungskosten in den Zins ist sofort der Friede zwischen Gläubiger und
Schuldner wiederhergestellt, obwohl die beiderseitigen Leistungen dabei praktisch unverändert bleiben. Name ist
eben, wie fast immer im Geschäftsleben, keineswegs Schall und Rauch, sondern sehr wichtig.
       Wenn heute noch Realkreditinstitute einen gleichbleibenden Zuschlag fordern, so geschieht, dies wohl in
keinem Falle deshalb, weil etwa die „besonderen Verhältnisse" des betreffenden Instituts das forderten, sondern
entweder, weil die gegenwärtig im Dienst befindlichen Bearbeiter „neue Leute" sind, oder aber, weil sie die
manchmal nicht ganz einfachen Umrechnungen des Zuschlags in Zins nicht ausführen können. Ersteres trifft z. B.
durchweg auf die Bausparkassen zu, von denen viele einen gleichbleibenden Verwaltungskosten-Zuschlag
fordern; die Bausparkassen würden aber vielleicht anders rechnen, wenn ihnen die Erfahrungen der Vorkriegszeit
mit dieser Erhebungsmethode bekannt wären.
                                                                                                                813


                                                    Abschrift

                     Die Hauptursachen fuer unseren wirtschaftlichen Zusammenbruch
                          sind in den Fehlern unserer Geldwirtschaft begruendet.

                                 Von Dr. Gustav Ramin (17.9.1880 – 24.8.1941)
                                                25.7.31 (I/Bl.)

A.) Die Reichsbanknoten sind alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel und besitzen Zwangskurs. Infolge des
Zwangskurses kann die Reichsbank nicht erkennen, ob zuviel oder zu wenig Zahlungsmittel im Verkehr sind.
Wuerden bei Aufhebung des Zwangskurses die Noten unter 100% sinken, so waeren die ersten Anzeichen einer
Inflation gegeben und damit auch die Massregeln, die dagegen zu ergreifen waeren. Bei einem Steigen der
Reichsbanknoten wuerden die Anzeichen einer Deflation vorliegen.
Da es an einem (J.Z.: anderen?) sicheren Erkennungsmittel fehlt, ob der Verkehr eine ausreichende Menge von
Zahlungsmitteln hat oder nicht, ist die Reichsbankpolitik der letzten Jahre nur auf die mehr oder weniger grosse
Einsicht ihrer Leiter angewiesen gewesen. Aus Angst vor einer Inflation hat die Reichsbank fast dauernd eine
kuenstliche Zahlungsmittelknappheit herbeigefuehrt, die zu schwerster Belastung fuer die Wirtschaft gefuehrt hat.

B.) Das Monopol der Reichsbank fuer die Ausgabe von Zahlungsmitteln hat die Wirtschaft daran gehindert, die
Zahlungsmittelknappheit von sich aus zu beseitigen.

C.) Die jaehrliche Ausgabe fuer Lohnempfaenger der deutschen Wirtschaft betraegt rund 40 Milliarden. Dieser
Betrag musste stets in bar, d.h. in Reichsbanknoten, aufgebracht werden. Der Umlauf an Zahlungsmitteln der
Reichsbank kann auf rund 5 1/2 Milliarden geschaetzt werden. Um diese 40 Milliarden aufbringen zu koennen,
musste also dieser Betrag im Jahre etwa 7 mal seinen Kreislauf vollenden. Also auf der einen Seite ein furchtbarer
Druck auf die Beschleunigung des Umlaufs der Zahlungsmittel, auf der anderen Seite eine Verlangsamung bei dem
Absatz der Waren durch Verknappung und Verteuerung der Zahlungsmittel.
Die Beschaffung dieser Summe hat die Wirtschaft daher ausserordentlich belastet. Die indirekte Folge hiervon war,
dass das Realeinkommen der Lohnempfaenger ganz unnoetigerweise gedrueckt wurde.
Es haette nach einem Mittel gesucht werden muessen, um diese 40 Milliarden wenigstens teilweise in einen
bargeldlosen Abrechnungsverkehr hineinzubringen.
Es haette sich das Realeinkommen der Lohnempfaenger durch eine solche Massnahme um einen sehr grossen
Betrag erhoehen lassen.

Die Hauptfolgeerscheinungen dieser verfehlten Geldwirtschaft waren :
a) Zu hohe Zinsen. Die Beschaffungskosten fuer das kuenstlich verknappte Zahlungsmittel, die meistens ueber den
von der Reichvsbank festgesetzten Zins hinausgehen, wurden viel zu hoch. Infolgedessen konnte die natuerliche
Schuldentlassung bei der eintretenden Weltdepression nicht eintreten.
Die Wirtschaft ist davon abhaengig, dass ihre Schulden sich den sinkenden Preisen anpassen.
Dies geschieht unter normalen Verhaeltnissen in folgendem Rhythmus :
               Hochkonkunktur, hoher Zins, Illiquiditaet –
               absinkende Konjunktur, Einschraenkung der Produktion,
               Liquiditaet, sinkender Zins. (*)
Dieser Rhythmus wurde gewaltsam durch unsere Geldwirtschaft verhindert, so dass wir jetzt bei absinkender
Konjunktur steigenden Zins haben.
Die jetzigen Traeger der Wirtschaft muessen an diesen Auswirkungen einer verfehlten Geldwirtschaft zugrunde-
gehen.
Ein Absinken des Zinses muss mit allen Mitteln, in erster Linie durch Aenderung der Geldwirtschaft und in zweiter
Linie durch eine Beschraenkung des Anleihebedarfes der oeffentlichen Hand, erreicht werden.

b) Die Verknappung der Zahlungsmittel hat die Steuerbelastung bis zu einer nicht mehr tragbaren Hoehe getrieben.
Eine Ermaessigung der Steuern bei Absinken der Konjunktur oder wenigstens eine Aenderung des Steuersystems
(Ermaessigung der direkten Steuern, evtl. Erhoehung der indirekten Steuern ), oder doch wenigstens eine
Aenderung der Erhebungsmethode haette eintreten muessen.
Augenblicklich ist die Situation so, dass mit dem Eingang der Steuern groesstenteils ueberhaupt nicht mehr
gerechnet werden kann.

c) Ein voelliges Nachlassen der Nachfrage nach Sachguetern auf allen Gebieten, insbesondere auch auf dem
Grundstueckmarkt. Infolgedessen sanken z.B. Grundstuecke auf mehr als 50% im Preise.
Weitere Folge : Schwere Erschuetterung des Realkredits, eventuell voelliges Aufhoeren des Realkredits.

       Die freie Wirtschaft hat den Fehler gemacht, dass sie sich selbst nicht von den Folgen der verfehlten
Geldwirtschaft befreit hat.
Der Weg hierzu waere auch unter der heutigen Gesetzgebung moeglich, wenn durch die Einrichtung eines
bargeldlosen Verrechnungsverkehrs mittels Verrechnungsscheck eine gegenseitige Kompensierung von
Forderungen erfolgt, ohne dass die Zahlungsmittel der Reichsbank in Anspruch genommen werden.
       Die Wirtschaft koennte durch ein solches Mittel mit einem Schlage den Konsum auf allen Gebieten heben
und damit die Produktion verstaerken, statt wie jetzt sie einschränken zu muessen.
                                            ***********************

(*) Siehe Anmerkung am Schluss des Entwurfs von Ramin, 28.7.31.
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Abschrift :

Dr. Gustav Ramin, 27.7.1931 :

                                          I. Umlaufsmittel (Banknoten) :

1.) Umlaufsmittel dienen nur dazu, den sofortigen Tausch von Waren zu vermitteln. Die Umlaufsmittel sollen
daher moeglichst schnell, taeglich, ja sogar stuendlich ihren Besitzer wechseln. Je haeufiger sie den Umtausch
ermoeglichen, desto mehr erfuellen sie ihren Zweck.

2.) Umlaufsmittel koennen sich ohne Wertverminderung im Verkehr nur halten, wenn eine dauernde taegliche
Nachfrage nach ihnen besteht. Eine solche Nachfrage muss irgendwie erzwungen werden, was aber nicht mit
Zwangskurs identisch ist. Zwangskurs bedeutet erzwungenes Angebot.
3.) Die ausgebende Bank muss zur Erzwingung einer solchen Nachfrage gegen Hingabe der Umlaufsmittel
kurzfristige (Wechsel-) Forderungen erwerben, deren schnelle Rueckzahlungsverpflichtung eine solche dauernde
Nachfrage entstehen laesst und die erfuellbar sind in den betreffenden Umlaufsmitteln oder unmittelbar in dem
Wert, auf den sie umgestellt sind, z.B. Reichsmark, Gold, Roggen usw.
Die zu erwerbenden Forderungen muessen daher derartig sein, dass der Schuldner durch Verkauf von Waren and
das Publikum moeglichst taeglich Zahlungsmittel hereinbekommt und dadurch selbst zahlungsfaehig wird.
Der Schuldner muss die Forderung in Raten, am besten woechentlich, vielleicht taeglich abdecken.
Der letzte Teil der Schuld muss nach spaetestens 3 Monaten bezahlt sein.
Warum? Wenn das Darlehen auf drei Monate gegeben und taeglich 1/90tel zurueckgezahlt wird, so entsteht am
ersten Tage eine Nachfrage nur in Hoehe von l/90tel der ausgegebenen Umlaufsmittel. Dies ist schon wenig genug.
Noch weniger waere nicht zu verantworten.
        Grundsatz muss also sein, dass jede Stelle, die Zahlungsmittel ausgibt, diese Zahlungsmittel auch gegen
sich gelten laesst.

4.) Die ausgebende Bank hat nur die Aufgabe, derartige Forderungen, deren Kurzfristigkeit gesichert ist, zu
stueckeln, zu typisieren und damit verkehrsfaehig zu machen.
Das Umlaufsmittel soll daher seinem Wesen nach nur ein typisierter Wechsel sein.

5.) Die Rueckzahlung der Schuld durch den Schuldner kann in den Umlaufsmitteln der ausgebenden Bank und in
Landesgeld erfolgen.
Erfolgt sie in Landesgeld, so darf die Bank aus Gruenden der Sicherheit das Landesgeld nur dazu benutzen, um
ihre eigenen Umlaufsmittel aufzukaufen. Ausserdem vermehrt sie dadurch die Nachfrage und haelt den Wert ihres
eigenen Umlaufsmittels auf pari.

6.) Wenn eine genuegende und dauernde Nachfrage nach den Umlaufsmitteln durch den Schuldner besteht, so ist
ein Vertrauen zu den Umlaufsmitteln nicht erforderlich. Denn der Schuldner braucht kein Vertrauen zu seinem
Glaeubiger zu haben.
Die Notendeckung bei der Reichsbank ist nur aus psychologischen Gruenden erfolgt.
Das Beispiel der Rentenmark zeigt, dass ein Zahlungsmittel auch ohne Deckung von Waren (Gold etc.)
umlaufsfaehig ist.
Die Deckung der Rentenmark durch Grund und Boden hatte ebenfalls nur psychologische Bedeutung.
Praktisch haette diese Deckung im Notfalle versagt.

                                         II. Aufspeicherung der Kaufkraft

1.) Kaufkraft, die nicht sofort ausgeuebt wird, sollte in Forderungsrechten aufgespeichert werden, die moeglichst
langfristig sind, und nicht in Umlaufsmitteln (also kein Sparstrumpf ).
Die Aufbewahrung von Umlaufsmitteln zur Erhaltung der Kaufkraft zeigt stets an, dass in der Geldwirtschaft
irgend etwas nicht in Ordnung ist.

2.) Fuer die Verwaltung aufgespeicherter Kaufkraft sind Banken, die Umlaufsmittel herausgeben, nicht geeignet,
sondern nur Kreditbanken.

3.) Daher ist eine Bevorschussung von unverkauften Waren durch eine Umlaufsmittel-Bank nicht moeglich,
sondern nur durch eine Kreditbank.
Wenn die Umlaufsmittel-Bank gegen Verpfaendung von unverkauften Waren Umlaufsmittel herausgeben wuerde,
dann wuerde eine Nachfrage nach diesen Umlaufsmitteln wahrscheinlich erst in dem Augenblick entstehen, in dem
der Lombardschuldner sein Lombarddarlehen zurueckzahlen muss. Wenn dieser Lombardkredit beispielsweise auf
drei Monate gegeben wird, so braucht drei Monate lang eine Nachfrage nach Umlaufsmitteln nicht zu entstehen.
Ohne Nachfrage wuerde aber das Umlaufsmittel sofort an Wert verlieren und schliesslich vom Verkehr nicht mehr
genommen werden.
Wenn der Schuldner nach Ablauf der Darlehnsfrist nicht die nötigen Umlaufsmittel zur Rueckzahlung des Kredites
beschaffen kann, muessten die der Umlaufsmittel-Bank verpfaendeten Waren verkauft werden, Da dies
wahrscheinlich in sehr vielen Faellen gleichzeitig geschehen wuerde, wuerde durch diese Zwangsverkaeufe ein
Preissturz eintreten muessen, der zu grossen Schaeden fuer die Schuldner fuehren muesste.
Eine Lombardierung kann nur aus aufgespeicherter Kaufkraft, also aus Sparkapital erfolgen,

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4.) Die Umlaufsmittel-Bank koennte eine Prolongierung der gewaehrten Lombard-Kredite nicht vornehmen, denn
die Besitzer der Umlaufsmittel, die von dem Lombardschuldner die Umlaufsmittel erhalten haben, werden die
Umlaufsmittel bei der Bank einreichen und sich damit ein Guthaben bei der Umlaufsmittelbank begruenden, ueber
das sie in irgendeiner Form verfuegen wollen. Da eine Verrechnungsmoeglichkeit fuer diese Guthaben aber nicht
gegeben waere, so werden sie es als wertlos betrachten muessen.
Eine Umlaufsmittel-Bank, die Lombardkredite gibt, wird sich daher vielleicht ein halbes Jahr halten koennen,
kaum aber laenger.

5.) Es wird haeufig der Versuch gemacht, die Schaffung von Umlaufsmitteln mit der Gewaehrung langfristiger
Kredite zu verbinden. Solche Versuche sind stets gescheitert und mussten scheitern.

6.) Zurzeit ist es unzweckmaessig, die Forderungen der Bank anders als auf Reichsmark abzustellen. Anderenfalls
koennten fuer den Schuldner schwere Lasten entstehen.
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        Das Misstrauen in das gegenwaertige Kreditsystem hat zurzeit an vielen Stellen die Frage entstehen lassen,
ob nicht ausser den typisierten Dreimonats-Wechseln (Umlaufsmittel ) noch ein "typisierter Lagerschein" zu
Sparzwecken herausgegeben werden soll, der durch Ware zu decken waere. Hierbei ist aber zu beachten, dass die
Ware (Getreide ) einem natuerlichen Verbrauch ausgesetzt ist, ganz abgesehen von dem Verlust der Aufbewahrung
durch Schwund.


Ein Entwurf zu dem obigen Aufsatz wurde wahrscheinlich von Beckerath angefertigt. Oder B. hatte R. durch viele
Diskussionen schon in dieser Richting beeinflusst. – J.Z., 7.12.04.
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