Diplomarbeit Josef Egger zum Thema

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					                                Ernährung gestern – heute – morgen:
                     Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen




Ernährung gestern – heute – morgen
Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen

Inhaltsverzeichnis


Einleitung                                                                      2

Ernährung gestern                                                               2
       Der Zucker                                                              5
       Das Fett                                                                5
       Der Fleischkonsum                                                       5
       Alkoholische Getränke                                                   5
       Getränke im Allgemeinen                                                 5

Ernährung heute                                                                  6
       Artgerechte Ernährung                                                    7
       Bedeutung der Ernährung für Mensch,Umwelt,Gesellschaft                  11
       Einflüsse der Ernährung auf die Gesundheitssituation                    14
       Einflüsse der Ernährung auf die Umweltsituation                         17
       Einflüsse der Ernährung auf die soziale Situation                       19
       Lebens- oder Nahrungsmittel                                             20
       Verminderung von Veredelungsverlusten durch geringeren
        Verzehr tierischer Lebensmittel                                         23
       Ernährungstodsünden                                                     25
       Der Kohlehydrat-Anteil                                                  25
       Die Fettproblematik                                                     28
       Butter und Margarine                                                    29
       Die Eiweiss-Frage                                                       30
       Das gefährliche Zuckerspiel                                             31
       Schadstoffe in Lebensmitteln                                            34

Szenarien einer künftigen Ernährungsweise                                       35
    Gentechnik                                                                  36
     Transgene Tiere                                                           37
     Transgene Pflanzen                                                        37
     Transgene Micro-Organismen                                                37
     Einzelsubstanzen aus gentechnisch veränderten Organismen                  38
     Lebensmittelüberwachung                                                   38
     Auswirkungen der Gentechnik auf die Gesundheit des Menschen               38
     Auswirkungen der Gentechnik auf die Gesellschaft                          40
     Food Design                                                               42
     Lebensmittelbestrahlung                                                   43

Visionen                                                                        45

       Grundregeln für die Umsetzung der Vollwert-Ernährung                    48

Gesundheits-Wunsch des Verfassers                                               49

Quellennachweise                                                                50

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                      Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen




Einleitung

Der Grund meiner Themenwahl liegt in meiner beruflichen Vergangenheit und
Zukunft. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in ländlicher Gegend wurde ich schon
von Kindheit an mit der Aufzucht von Tieren, mit Milchwirtschaft, Ackerbau,
Gemüseanbau und Obstverarbeitung vertraut. Was mir damals nicht bewusst war,
aber mir aus heutiger Sicht umso klarer ist, bewirtschafteten wir unseren Hof rein
biologisch, da ich ständig mit den natürlichen Gesetzmässigkeiten von Sähen,
Wachsen, Ernten und Verarbeiten vertraut war, oder das sich ständig wiederholende
Wunder der Geburt eines Tieres, über dessen Aufzucht bis hin zur Schlachtung und
Zubereitung des fertigen Gerichts, keimte in mir so nach und nach der Wunsch,
später einmal Koch zu werden.
Nach der Berufslehre, verschiedenen Saisonstellen im In- aber vorwiegend im
Ausland, einer sehr erfolgreichen Karriere als Pâtissier, kündigte sich in mir nach 27
Jahren in der Luxusgastronomie die Sinnfrage an. Aufgrund dieses Vorkommnisses
und verschiedenen gravierenden äusseren Einflüssen, begab ich mich auf die Suche
nach einer für mich sinnvollen Tätigkeit für die Zukunft. Nach einigen Jahren des
Suchens war für mich der Entschluss gefallen, die Ausbildung als Gesundheits- und
Lebensberater in Angriff zu nehmen.




Ernährung gestern
(Quellennachweis 2)

Dazu möchte ich ein bisschen zurück in die Vergangenheit gehen. Nicht zu Adam
und Eva – nein viel, viel weiter zurück. Der Mensch, so wie er heute vor Ihnen steht,
ist nicht vom Himmel gefallen, sondern er hat sich über sehr lange Strecken
entwickelt und die Form unseres heutigen Körpers ist geprägt von den Leben der
Vergangenheit. Das ist nicht nur bei den Menschen so, sondern auch bei den Tieren.
Ein Delphin z.B. ist optimal angepasst an das Leben im Wasser. Das ist nicht nur bei
den Tieren so, sondern auch bei uns Menschen. Wir sind nicht angepasst an die
letzten 100-150 Jahre, sondern unser Körper sagt etwas aus über die langen
Strecken davor.
Gehen wir nun zurück zu unser aller Urururvorfahren, zum Australoputikus. Vor gut 4
Mio. Jahren lebte dieser Mensch in Afrika in der Gegend des heutigen Kenyas, einer
wunderschönen Welt mit Wäldern, grossen Wiesenflächen, Obst, Früchten und sehr
viel Wild. Er lebte am Waldrand, schlängelte sich mit seinen langen Armen durch
Bäume hindurch. Den aufrechten Gang beherrschte er einigermassen, aber der
stützte sich gelegentlich noch mit den Armen ab. Sein Kiefer war sehr ausgeprägt. Er
hatte einen vorstehenden Unterkiefer, breite Backenknochen und somit ein
hervorragendes Mahlwerk für die harten Nüsse, die er zu knacken hatte. Er war eine
sogenannte Erfolgsgatung und bewohnte gut 2 Mio. Jahre diese Gegend. Abgelöst
wurde der durch den ersten Menschen, dem Homohabilis. Er lebte ungefähr in der
gleichen Gegend vor ca. 2,5 Mio. Jahren. Würde uns dieser heute begegnen, wäre
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                              Ernährung gestern – heute – morgen:
                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



er klein, etwa 1,35 – 1,40 Meter gross, ca. 35-40 kg schwer und beherrschte den
aufrechten Gang. Mit ihm beginnt eine der längsten Epochen in unserer Geschichte,
nämlich die Jäger- und Sammlerzeit. Nun darf man sich das nicht allzu romantisch
vorstellen, denn dieser Mensch wurde mindestens so oft gejagt als er selbst jagte. Er
hielt sich mehr an das niedere Wild. Was er gegessen hatte, das ist heute bekannt.
Es war Kleinzeug, d.h. Schnecken, Schlangen, Insekten und Aas. Zugegeben, dass
ist nicht unserem heutigen Geschmack entsprechend, aber andererseits warum
sollen Austern eine Delikatesse sein und Schnecken frisch aus dem Gartenteich
nicht ? Das ist eine Frage des Gewöhnung, resp. des Standpunkts. 70 % waren
vegetarische Kost, bestehend aus Obst, Gemüse, Wurzeln, Pilze und
Blattschösslinge. Das war die Masse seiner Ernährung. Die vegetarische Kost hatte
einen Vorteil, sie lief nicht davon. Sein direkter Nachfolger war der Homoerektus. Er
war etwas grösser, d.h. ca. 1,40 – 1,45 m und hatte schon wesentlich besser gejagt,
lebte aber ungefähr um die gleiche Zeit. Er jagte mit Knüpeln, Speren oder
Steinspitzen und hat auch gelegentlich grössere Tiere erwischt. Auch er nahm
jedoch im wesentlich vegetarische Kost zu sich.

Nun kommen wir zum grössten Sprung in der Entwicklungsgeschichte vor 100-150
Mio. Jahren. Hier beginnt das Zeitalter des Neandertalers. Mit dem Neandertaler
beginnt die sogenannte Hightec Periode unserer Geschichte. Er konnte etwas mehr
als seine Vorgänger: er beherrschte das Feuer. Erst jetzt, nach ca. 4 Mio. Jahren war
der Mensch imstande, seine Nahrung zu kochen und zu braten. Bis anhin – über den
grössten Teil unserer Entwicklungsgeschichte – wurde alles gänzlich roh gegessen.
Angefangen beim Fleisch, über Wurzeln, Körner bis hin zu Blattschösslinge wurde
alles roh gegessen und dazu brauchte man sehr viel Kraft in den Zähnen. Der
Neandertaler jedoch hat seine Nahrung gekocht oder gebraten und das funktionierte
folgendermassen: er grub eine Lehmgrube, machte Feuer darin und erhitzte Steine.
Dann nahm er einen Fellsack, gab Wasser hinein und schmiss die heissen Steine
dazu, quasi nach dem Prinzip des Tauchsieders. Die Folge dieses Kochvorgangs
war das, dass der Neandertaler schon viel weichere Kost zu sich nehmen konnte.
Sehr gut sichtbar wird diese weichere Nahrungsaufnahme an der Form seiners
Kiefers. Dieser ragt nicht mehr vor und hat auch nicht mehr diese breiten
Backenknochen.

Danach, rund 40'000 Jahre vor unserer Zeitrechnung kommen wir zum
Homosapiens. Der Homosapiens das sind wir. Der grösste Unterschied zu früher
besteht darin, dass mit dem Homosapiens der Uebergang von der Jäger- und
Sammergesellschaft zur Ackerbau- und Viehzuchtgesellschaft begann. Ein
dramatischer Uebergang, denn nun begann man, nicht mehr Kräuter zu sammeln,
sondern man säte systematisch an. Das hatte zur Folge, dass man nun an einem Ort
bleiben und sich viel effektiver ernähren konnte. Diese dramatische Aenderung war
die Grundlage der heutigen Kultur und somit die Grundlage der heutigen
Getriedearten. Man nannte sie damals Emmer, Einkorn oder Dreikorn. Auf der Basis
dieser Ernährung bilden sich dann später die früheren Hochkulturen wie etwa bei den
Aegyptern, welche schon Getreide anbauten, es mit Sicheln ernteten und es zu Brei
stampften. Wie man dies heute in Afrika noch häufig beobachten kann. Man kochte
diesen Brei mit verschiedenen Gemüsen und Gewürzen. An Festtagen gab es dazu
noch Fleisch und Bier. Der Alltag jedoch bestand hauptsächlich aus Wasser und
Getreide. Wieviel diese Menschen zu dieser Zeit gegessen haben, wissen wir heute
nicht ganz genau. Was wir jedoch ganz genau wissen, ist, dass die römischen
Legionäre zu ihrer Zeit als Tagesration einen Becher Getreide, etwa ein knappes Kilo
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                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



gekamen. Dass man von einer solchen Menge ordentlich satt wird, kann sich wohl
jeder vorstellen. Genauso kann man sich vorstellen, dass es ein Mensch unserer
heutigen Zeit wohl nicht schaffen würde, ein Kilo Getreidebrei am Tag zu
verschlingen. Wenn man mit alten Menschen spricht, kann man sich vorstellen, dass
bis vor ca. 100-150 Jahren dieser Getreidebrei auf dem Land die gängige Ernährung
war, evtl. angereichert mit Gemüse, als Eintopf oder von Zeit zu Zeit mit etwas
Fleisch. Im Gegensatz zu dieser gängigen Ernährungsform gab es im Mittelalter
auch diese Orgien von Fleisch. Aber selbst denen folgten höchst nüchterne Perioden
mit sehr einfachen Gerichten.

Zusammengefasst heisst das folgendes: beginnend bei vor 4 Mio. Jahren mit einer
harten faserreichen Kost, die sich über den gesamten Zeitraum erstreckte bis vor ca.
10'000 Jahren. Dann erfolgte ein gewisser Wandel – Getreide statt der Wildpflanzen
– aber immer noch hart, faserreich, schwer zu kauen und das hin bis vor etwa 150
Jahren. Danach erfolgte der Bruch. Es fand eine Revolution in der Ernährung statt.
War früher die Ernährung hart, kalorienarm und faserreich, ist sie heute weich,
kalorienreich, süss, fett und eiweissreich. Grundsätzlich möchte ich dazu
folgendes sagen: es kann dabei nicht darum gehen, dass die kulturelle und
zivilisatorische Entwicklung des Menschen generell kritisiert und abgewertet und eine
Umkehr gefordert wird, im Sinne eines „zurück zur Natur“ oder sogar zur Steinzeit.
Es soll auch nicht eine idyllische Vergangenheit einer schlimmen Neuzeit gegenüber
gestellt werden.

Es ist klar, dass unsere Vorfahren durch ihre Lebensweise grossen Gefahren
ausgesetzt waren. Umbeln der Natur, Wundinfektionen nach Verletzungen,
bakteriellen Erkrankungen ohne Therapiemöglichkeiten und Hungerkrankheiten. Es
ist auch anzunehmen, dass sie nicht unsere Lebenserwartung in den entwickelten
Ländern erreichten, selbst bei Berücksichtigung der hohen Kindersterblichkeit. Es
geht viel eher darum zu fragen, wie und warum sich die Ernährung, die
Lebensgewohnheiten und das Verhalten in den letzten 10'000 Jahren verändert
haben und welches die Folgen davon sind. Wenn wir feststellen müssen, dass wir
unseren Vorfahren gegenüber in einigen Punkten im Nachteil sind, so dürfen wir
umgekehrt auch zur Kenntnis nehmen, dass sie in anderen Bereichen uns
gegenüber sogar überlegen waren. Sie hatten beispielsweise eine andere Beziehung
zur Natur, die auch uns modernen Menschen zugute kommen kann. Im besonderen
aber lohnt es sich, in bezug auf Ernährung und Bewegung Vergleiche mit unseren
steinzeitlichen Vorfahren anzustellen und die entsprechenden Erkenntnisse auf
unseren heutigen Lebensstil zu übertragen. Dabei werden sich zwar nicht generelle
Aenderungen, aber punktuelle Anpassungen unserer Lebensweise als lohnend
aufdrängen. Lassen Sie mich dazu folgende Worte von Professor Kollath
aufnehmen: „der Mensch ist das einzige Lebewesen, das seine Nahrung
zerstört bevor er sie ist. Die meisten Mensch glauben, weil sie von Klein auf
essen und trinken, sie können es auch. Dabei fand eine Verdrängung der
Rohkost durch die Kochkost statt, eine Verdrängung der Hartkost durch die
Weichkost und eine Verdrängung der natürlichen Lebensmittel durch
künstliche Nahrungsmittel.

Nun ein paar Beispiele zur Veränderung des Essverhaltens in den letzten 200
Jahren:



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Der Zucker
Zucker gab es in der Vergangenheit im Prinzip nie. Im Mittelalter gab es dann es
Zucker. Der damalige Jahresverbrauch betrug pro Kopf der Bevölkerung 2 Stück
Würfenzucker. Für eine Handvoll Zucker konnte man damals eine ganze
Ritterrüstung kaufen. Das wiederum entspricht heute einem Luxus-Auto. Dem
gegenüber beträgt der heutige Verbrauch an Zucker pro Kopf der Bevölkerung das
Gewicht eines Sackes von 50 kg/Jahr. Sicher gibt es Menschen, die weniger Zucker
konsumieren, was jedoch heisst, dass es andererseits Menschen gibt, die das
kompensieren. Das sind vor allem die Kinder. Die Kinder, die heute ihr gesamtes
Körpergewicht, zum Teil das doppelte Körpergewicht an Zucker verzehren und das
pro Jahr.


Das Fett
Fett war immer ein sehr wertvoller Stoff. Der Mensch brauchte Fett. Noch unsere
Grosseltern haben fettes Fleisch sehr geschätzt. Es war eine Delikatesse. Ich
persönlich kann mich gut an meinen Grossvater erinnern. Der heutige Fettkonsum
beträgt durchschnittlich über 50 kg pro Person und Jahr. Da wiederum ist es nicht
das Fett in reiner Form, wie z.B. Oele oder Butter, sondern tierische Fette in
versteckter Form. Genauso wie beim Zucker es nicht der Streuzucker im Tee oder
Kaffee ist, sondern der versteckte Zucker, z.B. in Cola, Ketchup bis hin zu den
Essiggurken. Gleich verhält es sich beim Fett.


Der Fleichkonsum
Fleisch wurde immer gegessen. In solchen Mengen jedoch wie heute – jedoch noch
nie. Wir essen heute 90 kg Fleisch pro Person und Jahr, dh jeder Mensch ist mehr
als sein Körpergewicht an Fleisch pro Jahr.


Alkoholische Getränke
Auch die alten Aegypter tranken schon Bier - gelegentlich und in kleinen Mengen.
Der Alkoholkonsum in unserer Zeit ist explodiert. Heute sieht es so aus, dass jeder
Mensch den Gegenwert eines Liters Bier pro Tag zu sich nimmt, d.h. es fand eine
Verdoppelung der Menge in den letzten 20 Jahren statt.


Getränke im Allgemeinen
Wenn früher das gängigste Getränke Wasser oder gelegentlich Tee war, dann sind
die Getränke heute um einiges süsser geworden. Süsse Säfte haben enorm
zugenommen, womit wir wieder beim Zucker sind. Aber über dieses Kapitel an
anderer Stelle mehr.




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                      Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen




2. Ernährung heute
(Quellennachweis 3)



Aus meiner ganz persönlichen Sicht ernährt sich heute ein Grossteil der
Bevölkerung in den Industrieländern falsch. Grundsätzlich ist es so, dass wir
zu fettig, salzig, süss und zu schnell essen. Der Mensch ist was er isst.

Die meisten Menschen glauben, weil sie von Klein auf essen und trinken, sie können
es auch. Prof. Kollath meint dazu: „der Mensch ist das einzige Lebewesen, das
seine Nahrung zerstört, bevor es sie isst“.
Für die meisten Menschen sind essen und trinken selbstverständliche Vorgänge. Sie
vermuten nicht, dass aus Macht der Gewohnheit auch grosse Fehler begangen
werden können. Ernährungsgewohnheiten werden in frühester Kindheit erlernt. Einen
starken Einfluss auf Ernährungsgewohnheiten haben auch die Lebensumstände, in
die jeder Mensch eingebunden ist; so z.B. die Arbeitsbedingungen, die
Lebenssituation, sozialer Status, etc. Daher ist es nicht verwunderlich, dass
natürliche Regelmechanismen wie Hunger und satt sein nicht mehr reibungslos
funktionieren und wieder neu gelernt werden müssen.

Hier ein paar der häufigsten Ernährungsfehler, die sich auf unsere Gesundheit sehr
nachteilig auswirken können:

       Industrie-Nahrung, raffinierte Nahrung, Weissmehl-Produkte sind in jeder
        Form tote, unausgewogene, mangelhafte und urkraftlose Nahrung. Sie kann
        auch durch künstliche Zusätze nicht verbessert werden. Die moderne
        Landwirtschaft (Viehwirtschaft) und der grosse Kartoffelanbau verdrängten
        immer mehr die wichtigen Getreide-Arten als Urnahrung des Menschen.

       Eiweiss-Ueberfluss: der Bedarf an Eiweiss wurde lange Zeit überbewertet und
        führte zu übermässigem Genuss, speziell von tierischem Eiweiss. Der Mensch
        kann mit ausgewogener Ernährung absolut gesund, ohne tierisches Eiweiss
        leben. Pflanzliches Eiweiss ist vorzuziehen. Fleisch und Milchprodukte wurden
        in den letzten Jahrzehnten zu der den Menschen nicht entsprechenden
        Hauptnahrung.

       Missbrauch von Zucker auch in Gebäck, Schokolade, Tafelgetränken und in
        der Säuglingsernährung.

       Tafelgetränke enthalten meist enorme Mengen Zucker, Aromatstoffe und
        künstliche Zusätze. Sie dienen schliesslich nicht mehr als gesunde
        Durstlöscher, sondern als überflüssige Genussmittel.

       Zitrusfrüchte, Importfrüchte und Gemüse aus fremden Klimazonen sind
        unnötig und im Ueberfluss auch sehr problematisch für unsere Gesundheit.
        Naturgemässe      Saisonprodukte    wurden     dank     der    modernen
        Konservierungsmethoden       und  der  Tiefkühlung    zur   naturwidrigen
        Ganzjahresnahrung.
       Missbrauch von Genussmitteln wie Kaffee, Alkohol, Nikotin, usw. hat
        verheerende Folgen.

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                      Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen




       Kaugummi kauen ersetzt leider kein gesundes Kauen, sondern ist eine sehr
        naturwidrige Gewohnheit, wobei die Produktion von Speichel und
        Verdauungssäften angeregt wird, die dann für die Verdauung gar nicht
        gebraucht werden. Auch diese schlechte Gewohnheit führt zu einer
        Disharmonie in unserem Verdauungssystem.



Die hastige Lebensweise führte nicht nur zu einer gesundheits-feindlichen
Verbreitung der Fertignahrung, sondern der Mensch verlernte dabei auch das
richtige Kauen. Ohne richtiges Kauen und Einspeicheln der Nahrung, die eigentlich
nur zu Brei gekaut in den Magen gelangen sollte, ist eine gesunde Verdauung nicht
möglich. Denken Sie dabei an die sehr zutreffende, v.a. in Oesterreich übliche
Bezeichnung „Mahlzeit“. Es darf daraus kein Schnell-Imbiss werden.

Soviel zur Situation des heutigen Essverhaltens in den westlichen Industrieländern.
Natürlich ist es nicht so, dass sich 100% der Bevölkerung auf diese Weise ernähren.
Gott sei Dank möchte ich sagen. Aber dazu mehr an anderer Stelle.



Wir essen zuviel
(Quellennachweis 1)

Der durchschnittliche Mensch in Europa und den USA isst zuviel – Quantität statt
Qualität.
Zitat: „bei den alten Azteken war Fleisch essen eine Strafe“. In meinem momentanen
beruflichen Umfeld, einem Aluminium verarbeitenden Betrieb ist es nach wie vor so,
dass die Meinung vorherrscht, dass mindestens einmal pro Tag Fleisch in irgend
einer Form auf den Teller kommen müsste. Nun kann man sagen, dies sei für
einfache Arbeiter ein Status-Symbol, was zum Teil auch zutreffen mag. Ich habe die
Feststellung gemacht, dass unabhängig von Beruf und beruflicher Position, von
Stadt- und Landbevölkerung, von Jung und Alt, von Mann und Frau sich keine
wesentlichen Unterschiede feststellen lassen.



Artgerechte Ernährung
(Quellennachweis 4)

Die Ernährung zeigt uns vielleicht am deutlichsten, dass wir uns in biologischer
Hinsicht noch nicht sehr weit vom Tierreich fortentwickelt haben. Beobachten wir
Tiere in ihrer urnatürlichen Umwelt und Lebensweise, so können wir im Hinblick auf
sinnvolle Ernährung einiges von ihnen lernen. Sich zu ernähren wie ein Schwein
wäre für viele Menschen tatsächlich ein ziemlicher Fortschritt, der die Lebensqualität
drastisch erhöhen würde, insbesondere wenn wir an ein Wildschwein denken und
nicht an die bedauernswerte Abart des Hausschweines, das den Menschen auch in
seinen aufgezwungenen Ernährungsgewohnheiten ähnlich geworden ist.



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                              Ernährung gestern – heute – morgen:
                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Der österreichische Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz
sprach sogar von einer Verhausschweinung des Menschen, was er allerdings
nicht nur auf die Ernährung, sondern auch auf den Bewegungsmangel infolge
des dauernden Eingesperrtseins in zu enge Käfige bezog.

Kinder rennen täglich einige Kilometer bis sie dann in der Grundschule regelrecht
festgesetzt werden. Aber nicht nur was den Bewegungsmangel sondern auch was
die Ernährung angeht, nähern wir uns im Laufe des Lebens immer mehr unseren
Hausschweinen. Von ihren wilden Vorfahren können wir dagegen noch einiges
lernen.

Ein Wildschwein schnüffelt grunzend an allem bevor es davon frisst. Würden wir das
auch konsequent tun, könnten wir die meisten der notdürftig geschönten Supermarkt-
Produkte gar nicht mehr über die Lippen bringen. In sehr frühen Zeiten verliessen
sich auch die Menschen auf ihren guten Riecher, auf den bis heute unser enorm
grosses Riechhirn hinweist. Es gäbe gute Gründe, diesem mächtigen Riechhirn
auch heute noch mehr zu vertrauen und wieder Aufgaben zuzuerkennen.

In ihrem Verdauungstrakt sind sich Schweine und Menschen recht ähnlich und
erstere verköstigen sich überwiegend vegetarisch. Das Wildschwein ist zwar ein
Allesfresser, ernährt sich aber doch weitgehend vegetarisch. Wenn es zwischen
Wurzeln, Knollen und Eicheln auch einmal einen Käfer erwischt, wird es ihn nicht
verschmähen. Aehnlich dürften wir beim Obst auch ruhig einmal einen Wurm
mitessen. Fleischorgien aber, die Gemüse und Getreide zu Beilagen herabstufen,
sind auch unserer Gesundheit abträglich.

Vegetarier sind nachweislich gesünder und viel weniger krebsgefährdet als ihre
fleisch(fr)essenden   Kollegen.    Verschiedene   grössere   Studien     kommen
übereinstimmend zu diesem Schluss, z.B. die des ganz schulmedizinisch orientierten
Krebsforschungs-Institutes in Heidelberg.

Fressen wie ein Schwein wäre für uns also tatsächlich ein Vorteil und nicht das
einzige, was wir von unseren tierischen Verwandten lernen könnten.

So ist etwa nicht bekannt, dass sich Wildtiere mit der verständlichen Ausnahme
einiger Winterschläfer, ein ähnliches Uebergewicht zumuten wie Menschen. Offenbar
können sie besser einschätzen, was ihnen bekommt. Sogar bei notwendiger
Nahrungsenthaltung sind sie uns voraus. Im Krankheitsfall verzichten sie manchmal
für lange Zeit auf Nahrung, so dass alle Körpersäfte der Regeneration zufliessen
mussten. Erst allmählich hat sich der Mensch wieder zu dem sinnvollen
Verhaltensmuster zurück, bzw. empor entwickelt.

Während fast alle Tiere zu dieser einfachen und bewährten Diätmassnahme Zuflucht
nehmen, sind es noch immer vergleichsweise wenige Menschen, die diesen Schritt
schaffen.

Nun ist mit solchen Bemerkungen die Frage Vegetarismus oder Fleischkonsum
sicher nicht ausreichend zu klären. Wahrscheinlich ist sie gar nicht abschliessend zu
entscheiden, denn zu viele Komponenten spielen in das Thema hinein. Ausserdem
kann es auch keine allgemein verbindlichen Antworten geben, weil individuelle

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                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Faktoren vom Bewusstseinsstand bis zur unterschiedlichen Arbeitsweise mit
hineinspielen.

Sicherlich ist ein Fleischkonsum nicht an sich schlecht. Für Tiger und Löwen etwa ist
er einfach konkurrenzlos zu empfehlen. Nähern wir uns dem Thema von rein
medizinischen Standpunkten, spricht bei Menschen allerdings vieles für eine ganz
überwiegend vegetarische Vollwerternährung – ergänzt durch etwas Fisch und
Fleisch.

Betrachten wir etwa unser Gebiss, überwiegen die Mahlzähne bei weitem die
Schneide- und Eckzähne. An letzteren – Ueberreste der Reisszähne räuberischer
Vorfahren – lässt sich deutlich eine Tendenz zu friedlicher Ernährungsweise ablesen.
Wäre es unsere Bestimmung, uns nach Art von Raubtieren zu versorgen, hätten wir
auch deren Gebiss. Unseres weist uns dagegen mit seinen mahlenden
Mühlenzähnen als überwiegenden Pflanzen- ja Körnerfresser aus.

Aehnliches lässt sich vom Darm sagen, der bei uns viel zu lang für einen
Fleischesser ist. Vergleicht man die Körperlänge im Verhältnis zur Darmlänge, so
rangieren wir weit näher bei den Vegetariern als bei den Raubtieren. Allerdings muss
man fair messen und auch beim Menschen nur die Wirbelsäule oder bei den Tieren
auch die Hinterbeine hinzunehmen.

Unter dem Strich kommt bei solchen Erhebungen kein reiner, aber doch ein
überwiegender Vegetarier heraus.

Wir sind also von der Schöpfung deutlich harmloser gedacht, als wir uns heute
geben.

Noch bis ins letzte Jahrhundert galt Fleisch auf dem Land als ausgesprochenes
Festtagsgericht, das während der Woche kaum serviert wurde. In dem Masse in dem
wir es uns leisten konnten, machten wir dann jeden Tag ernährungsmässig zu einem
Festtag und begannen jene Fleischmast, die heute in den Industrie-Nationen für das
grosse Heer der Rheumatiker und Gichtpatienten sorgt und die Krankenkassen
schwer belastet.

Die entsprechenden Mitglieder bleiben ohne wirkliche Umstellung in Ernährungs-,
Bewegungs- und seelischer Hinsicht Dauerpatienten. Dass sich die Kassen aus
Sehnsucht auf bessere Zeiten schon einmal Gesundheitskassen nennen, ändert
allein leider noch wenig. In den letzten 50 Jahren ist in den deutschsprachigen
Ländern der Fleischkonsum um über 500 % gestiegen. Das aber entspricht nicht
unserer Art und schadet unserer Gesundheit. Hier ist allerdings darauf zu achten,
dass nicht generell Fleisch mit Eiweiss gleichgesetzt wird. Wenn heute von
Eiweissmast gesprochen wird, ist in der Regel die allgemeine Fleischmast gemeint,
die auch zahlenmässig sehr eindrucksvoll zu Buche schlägt.

Unsere Ernährungsgewohnheiten haben ganz generell in den letzten Jahrzehnten
dramatische Veränderungen durchgemacht, aber nirgends so deutlich wie beim
Anstieg des Fleischkonsums, nämlich um 90 % vom Ende der 50er bis zum Ende der
80er Jahre. Das allerdings ist nur die Spitze des Eisbergs, denn über die
Jahrhunderte haben wir bereits einen enormen Anstieg in diesem Punkt.

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In den letzten drei Jahrzehnten ist gleichzeitig auch der Anteil der ballaststoffreichen
Kost um 30 % zurückgegangen; der von Fett um 10 %, der von Süssigkeiten um 30
%, der von Obst, v.a. Zitrusfrüchten um fast 80 % gestiegen.
Der Anstieg des Verbrauchs von Zitrusfrüchten könnte durchaus einen positiven
Trend markieren, allerdings wird sich später unter dem Aspekt der thermischen
Auswirkungen der Lebensmittel zeigen, dass auch dieser eher ambivalent
einzustufen ist.

Dass Vegetarier trotz aller Untersuchungen, die ihren biologisch sinnvolleren
Ernährungsstil bestätigen, ein so schlechtes Image in der Bevölkerung haben, dürfte
an der Angst der Mehrheit vor jedem Umdenken liegen, aber auch an der teilweise
überzogenen Selbstdarstellung der Vegetarier, die sich gerne nicht nur als die
gesünderen, sondern auch als die besseren Menschen geben.

Oft wird der Vegetarismus von seinen Anhängern sogar in grotesker Weise als
Hinweise auf fortgeschrittene geistige Entwicklungsstufen stilisiert.

Wer die Strassenseite wechseln muss, weil ein Metzgerladen kommt, dessen
Ausdünstung die eigene sensible Schwingungsebene schädigt, wer glaubt, spirituell
schon soweit entwickelt zu sein, dass er kein Fleisch mehr verträgt, weist sich eher
als verwirrt, wenn nicht geschädigt aus.

Als Alles(fr)esser, der der Mensch nun einmal ursprünglich ist, muss ein gesunder
Mensch überschaubare Mengen Fleisch vertragen. Ist das nicht mehr der Fall, muss
man wohl von einem Symptom ausgehen. Allerdings sitzt dessen Ursache meist
nicht im Darm, sondern im Bewusstsein. Was man einmal gekonnt hat und nun nicht
mehr kann, ist ausserdem kein Zeichen eines Fortschritts. Andernfalls wäre es ja
auch ein Fortschritt, wenn man von den im Gymnasium erlernten Fremdsprachen
kein Wort mehr sprechen kann. Damit würde sich auch niemand brüsten.

Zu all den recht eindeutigen gesundheitlichen Argumenten für ein überwiegend
vegetarisches Leben kommt natürlich noch eine Reihe ethischer Erwägungen.
Immerhin waren auch viele Heilige – allen voran Franziskus von Assisi – Vegetarier.

Aber gerade bei ihm sollten wir nicht vergessen, dass auch er anders angefangen
hat, als er noch ein Lebemann und Geniesser war. Ganz unzweifelhaft ist die strikte
vegetarische Lebensweise nicht nur für Menschen, sondern erst recht für die
(ansonsten verspeisten) Tiere ein Vorteil.

Dass wir Weihnachten – das höchste Fest des Christentums, das sich ja als Religion
der Liebe versteht – zu einem Schlachtfest für Geflügel gemacht haben, ist sicherlich
bedenkenswert und wohl nicht im Sinne des Heilands, dessen Geburt mit
Fressorgien und Räuschen gefeiert wird.

Würden wir noch verbunden mit der Natur leben, würde uns die Entscheidung
natürlich leichter fallen. Wer öfter in die grossen braunen Augen eines Kälbchens
schaut, wird sein Fleisch anders bewerten, als jener, der es nur in Scheibenform
kennt.

Wer Enten- und Gänsefamilien im Teich vor seinem Haus schwimmen sieht, wird sie
zu Weihnachten nicht unbedingt braten wollen.
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An Kindern können wir noch häufig erleben, wie zartfühlend unsere Seele eigentlich
ist bevor wir sie recht brutal abhärten. Es auch noch Erziehung zu nennen, wenn wir
ein sensibles Kind endlich über Fischstäbchen und Hühnerwürfel (neudeutsch
Chicken Nuggets) zum widerwilligen Verzehr dieser Tiere bewegt haben, ist
zumindest eine Geschmacksfrage.

Kleine Kinder sind oft durchaus entsetzt über den Gedanken, ein Tier zu verspeisen,
abgesehen davon dass es vielen anfangs auch gar nicht schmeckt, weil ihr
Geschmackssensorium noch natürlicher ist.

Eine ehrliche Variante für unentschlossene Erwachsene ist es, nur das zu essen,
was sie von Anfang bis Ende zubereiten können. Wer, nachdem er ein Kalb
erschossen und dessen brechenden Blick standgehalten hat oder auch nur ein Huhn
eigenhändig geköpft und dessen kopfloses und minutenlanges Gezappel ertragen
hat, es danach ausnehmen, braten und mit Genuss verspeisen mag, kann sich
immerhin ehrlich nennen.

Den meisten Menschen in unseren Gesellschaften würden wohl schon der blosse
Besuch in einem modernen Schlachthof zuviel Ehrlichkeit ins Leben bringen; von
Ausflügen auf fast ausnahmslos tierquälerisch organisierte Hühnerfarmen ganz
abgesehen.

Unsere Unehrlichkeit besteht darin, dass wir solche Grausamkeiten durch unsere
Lebensart nötig machen, aber nicht dazu stehen.




Bei all diesen Ueberlegungen sollten wir uns trotz der mitschwingenden Emotion und
bei aller Tierliebe hüten, andere Menschen in ihren Ernährungsgewohnheiten zu
bewerten. Wenn jeder für sich versucht, seiner Seele zu entsprechen und seinem
Anspruch an Ehrlichkeit gerecht zu werden, ist uns allen letztlich am meisten gedient.
Erfahrungsgemäss wird nicht fanatisches beschimpfen anders denkender und
anders essender etwas ändern, sondern nur das eigene Beispiel, wenn es in
anderen Seelen jenen Bereich anrührt, der wachsen will und immer
entwicklungsbereit ist.




Bedeutung der Ernährung für Mensch, Umwelt und Gesellschaft
(Quellennachweis 5)



Die Bedeutung der Ernährung für den einzelnen Menschen liegt neben dem Genuss
und der Bedürfnisbefriedigung vor allem in ihrer Wirkung auf die individuelle
Gesundheit. Eine sinnvoll zusammengestellte Ernährung ist für die Gesundheit eine
wichtige Voraussetzung. Eine übermässige unausgewogene oder unzureichende
Ernährung kann dagegen gesundheitliche Probleme verursachen, wenn sie auf
Dauer praktiziert wird. Eine grosse Zahl ernährungsabhängiger Krankheiten kann in
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                    Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



der Folge auftreten. Aus diesem Grunde ist es wichtig, das Ernährungsverhalten auf
seine gesundheitliche Wirkung, d.h. seine Gesundheitsverträglichkeit zu untersuchen
und zu bewerten. Daraus sind Empfehlungen für eine gesundheitsverträgliche
Ernährungsweise abzuleiten. Hierbei ist nicht nur von den körperlichen Aspekten,
sondern vom umfassenden Begriff der Gesundheit entsprechend der Definition der
Weltgesundheits-Organisation (WHO) auszugehen. Gesundheit ist ein Zustand
vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens; nicht nur der
Abwesenheit von Krankheit oder Schwäche. Diese Definition stellt das Wohlbefinden
des einzelnen Menschen in körperlicher, geistig-seelischer und aus sozialer Hinsicht
in den Mittelpunkt und bezieht damit die gesamte Lebensqualität mit ein. Im
erweiterten Sinne kann hierzu unter anderem der Genuss beim Essen, die
Befriedigung weiterer Bedürfnisse, z.B. Kommunikation bei der Mahlzeit,
Ersatzbefriedigung, Prestige, sowie ein angemessener Aufwand an Kosten und Zeit
für Einkauf und Zubereitung der Nahrung gezählt werden.

Eine sehr umfassende Definition von Gesundheit wurde von der European
Community Biologists Association (ECBA) erarbeitet.

     1. Gesundheit bedeutet die volle Entwicklung von Leben.
     2. Gesundheit ist das völlige physische, geistige und soziale Wohlsein des
        Menschen.
     3. Gesundheit ist die Erfüllung aller primären Lebensbedürfnisse eines
        Individuums.
     4. Gesundheit ist die Fähigkeit trotz physischer und emotionaler Behinderungen,
        arbeiten und geniessen zu können.
     5. Gesundheit ist das Gleichgewicht aller vitalen Prozesse innerhalb eines
        Individuums und zwischen dem Individuum und seiner sozialen und
        natürlichen Umwelt.
     6. Gesundheit ist die annähernde Uebereinstimmung bestimmter Eigenschaften
        lebender Systeme mit vorgegebenen Sollwerten.


Ausser den gesundheitlichen Aspekten hat jede Ernährungsweise auch direkte und
indirekte Auswirkungen auf die Umwelt. Andererseits wirkt der Zustand der Umwelt
auch auf die Lebensmittelqualität und damit auf die Gesundheit des Menschen
zurück.

Die aktuellen Umweltprobleme erfordern das menschliche Handeln in allen
gesellschaftlichen Bereichen; auch den Beitrag zur Umweltbelastung zu untersuchen
und schädigende Einflüsse möglichst zu vermeiden, bzw. zu vermindern. Dies gilt
auch für den Bereich der Ernährung, speziell für Erzeugung, Verarbeitung,
Vermarktung, Zubereitung und Verzehr der Lebensmittel sowie für die Entsorgung
des Verpackungsmülls und der organischen Reste.

Die Gesamtheit aller dieser bei der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung
beteiligten Teilbereiche wird als Ernährungssystem bezeichnet. Die ökologische
Bewertung einer Ernährungsweise erfasst u.a. den Energie- und Rohstoffverbrauch,
die Schadstoff-Emissionen sowie die Müllentstehung in den einzelnen Teilbereichen
des Ernährungssystems, d.h. die Umweltverträglichkeit, resp. ökologische
Verträglichkeit.

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                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Hieraus können Konsequenzen für eine ökologische Gestaltung                      des
Ernährungssystems abgeleitet werden, einschliesslich Folgerungen für              ein
umweltverträgliches Ernährungsverhalten des einzelnen. Schliesslich gibt          es
Zusammenhänge zwischen dem Ernährungssystem und der Gesellschaft, d.h.           den
sozialen Aspekten innerhalb eines Staates und weltweit.

So existieren soziale Ungerechtigkeiten, besonders gegenüber Menschen in
Entwicklungsländern, beispielsweise die sehr unterschiedliche Entlohnung für
Arbeitsleistungen, die Existenzprobleme kleiner und mittlerer bäuerlicher Betriebe
und die weltweit ungleichen Möglichkeiten Nahrung zu erwerben. Zur
gesellschaftlichen Bewertung unseres Ernährungssystems werden die Wirkungen
auf diejenigen Menschen berücksichtigt, die in der Erzeugung, Verarbeitung,
Vermarktung und Zubereitung von Lebensmitteln arbeiten oder die in irgend einer
Weise von den Nachteilen des Weltagrarhandels, bzw. der Weltwirtschaft insgesamt
betroffen sind.

Diese Betrachtungen der Sozialverträglichkeit des Ernährungssystems dienen zur
Konzeption eines sozial verträglichen Ernährungsverhaltens. Ziel dabei ist, soziale
Gerechtigkeit weltweit zu fördern. Für Menschen in Entwicklungsländern heisst dies
beispielsweise Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und
Wohnung. Faire Entlohnung und eigene Gestaltungsmöglichkeiten der
Lebensverhältnisse.

Vielfach werden im Zusammenhang mit der Ernährung ausschliesslich
gesundheitliche physiologische Aspekte berücksichtigt und diese vorwiegend
analytisch betrachtet, d.h. hinsichtlich des Nährstoffgehaltes der Lebensmittel sowie
ihrer hygienischen und toxikologischen Eigenschaften. Oekologische und soziale
Aspekte bleiben dabei unberücksichtigt.

Die bestehenden Vernetzungen innerhalb des Ernährungssystems erfordern jedoch,
negative Rück- und Nebenwirkungen des jeweiligen Handelns auf das
Gesamtsystem (oder dessen Teilbereiche) zu erkennen und zu vermeiden, bzw.
positive Effekte zu fördern.

Eine umfassende Sichtweise verdeutlicht, dass die Bewertung ausschliesslich
gesundheitlicher, d.h. nährstoffbezogener, hygienischer und toxikologischer Aspekte
heute nicht mehr ausreichen, um die Ernährung, bzw. das Ernährungssystem so zu
gestalten, dass die Bedürfnisse aller Menschen und die Anforderungen an eine
intakte Umwelt erfüllt werden können.

Ein neues Wissenschaftsgebiet, das sich mit diesen erweiterten Aspekten der
Ernährung befasst, ist die Ernährungs-Oekologie. Sie ist wie folgt definiert:

Ernährungs-Oekologie, eine interdisziplinäre Wissenschaft beinhaltet die
Wechselwirkungen der Ernährung mit dem einzelnen Menschen, der Umwelt und der
Gesellschaft. Anliegen der Ernährungs-Oekologie ist es, realisierbare,
zukunftsweisende Ernährungskonzepte zu entwickeln, die sich durch hohe
Gesundheits-Verträglichkeit, Umweltverträglichkeit  und    Sozialverträglichkeit
auszeichnen.



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Einflussmöglichkeiten der Ernährung auf die Gesundheitssituation

Die heutige Gesundheitssituation in der Bundesrepublik und anderen
Industrieländern ist im Grunde grotesk, denn noch nie waren die Möglichkeiten zur
Gesundheit so gut wie heute. Im letzten Jahrhundert forderten Cholera, Pocken und
Fleckfieber-Epidemien Hunderttausende von Toten. Lungenentzündungen und
Tuberkulose waren lebensgefährliche Krankheiten. Heute treten dagegen
Gesundheitsprobleme in        den Vordergrund,      die mit Bewegungsarmut,
Ueberernährung, Rauchen und hohem Alkohol-Konsum in Zusammenhang stehen.

So stieg der Anteil der Herzkreislauf-Erkrankungen, der Krankheiten der
Verdauungs-Organe und das Diabetis-Melitus, also der Anteil bedeutender
ernährungs-abhängiger Krankheiten an allen Todesfällen in Deutschland von 16 %
im Jahr 1925 auf 43 % im Jahre 1952 und auf 56 % im Jahre 1997.

Krankheiten werden als ernährungs-abhängig bezeichnet, wenn Fehlernährung bei
deren Entstehung oder Verlauf eine massgebliche Rolle spielt. In der BRD
entstanden durch ernährungs-abhängige Krankheiten 1990 Kosten in Höhe von ca.
42 Mia. € bei Gesamtausgaben im Gesundheitswesen von ca. 138 Mia. €.

Für die neuen Bundesländer wurden die Kosten ernährungs-abhängiger Krankheiten
im gleichen Zeitraum auf 12 Mia. € geschätzt, so dass sich für die gesamte
Bundesrepublik etwa 54 Mia. € ergeben. Im Jahre 1980 betrugen die Kosten von
ernährungs-abhängigen Krankheiten noch etwa 21 Mia. €, die Gesamtausgaben ca.
100 Mia. €.

Ernährungs-abhängige Krankheiten entstehen in Industrieländern durch eine
übermässige, unausgewogene oder bzgl. der essentiellen Nährstoffe unzureichende
Ernährung, die die Aufgabe der optimalen Struktur- und Funktionserhaltung des
Organismus nicht mehr erfüllen kann.

Wenn ernährungs-abhängige Krankheiten bereits aufgetreten sind, ist teilweise zur
erfolgreichen Behandlung eine Ernährungsumstellung allein nicht mehr ausreichend,
und es werden zusätzliche Therapie-Massnahmen notwendig.

Wirksamer und vernünftiger ist es, durch vorbeugende Umstellung der Ernährung die
Entstehung dieser Krankheiten zu verhindern. Leider ernährt sich nach meinen
Erkenntnissen etwa 1 % der Bevölkerung präventiv gesund.

Der Ernährungsbericht von 1980 nennt                    wichtige     ernährungs-abhängige
Gesundheitsstörungen und deren Häufigkeit

Darüber hinaus werden Krankheiten des Kreislaufs, Leberzirose, Pankreatitis,
Divertikulose, Divertikulitis und Anemien als ernährungsabhängig angesehen. Bei
zahlreichen Krebsformen, insbesondere Krebs von Magen, Dickdarm, Brustdrüse,
Gebärmutter und Prostata werden Zusammenhänge mit der Ernährung diskutiert.

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Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass Umweltfaktoren und hier insbesondere der
Ernährung bei den multifaktoriellen sehr komplexen und während langen
Zeitspannen ablaufenden Prozess der Krebsentstehung eine entscheidende
Bedeutung zukommt. Von einigen Experten wird auch bei Rheuma die Ernährung als
ein Einfluss-Faktor angesehen. Die durchschnittliche Lebenserwartung in
Deutschland ist von 36 Jahren für Männer und 38 Jahren für Frauen im Zeitraum
1871 – 1881 auf fast 73 Jahre für Männer und über 79 Jahre für Frauen im Zeitraum
1993-1995 gestiegen. Als Gründe sind die Beseitigung, bzw. erfolgreiche
Behandlung von gefährlichen Infektionskrankheiten, z.B. Cholera, Pocken,
Fleckfieber, die verbesserten materiellen Lebensbedingungen und die sinkende
Säuglingssterblichkeit zu nennen.

Dies darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Menschen heute schon in
jüngerem Alter und häufiger krank werden als noch vor Jahrzehnten. Gestiegene
Morbidität. Anhand der Sterbestatistiken ist erkennbar, dass Krankheiten wie
Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebsformen, Leberzirose und Diabetis Meditus
von 1958 – 1985 deutlich zugenommen haben.

Gründe für die festgestellte, gestiegene Krankheitshäufigkeit können aber auch sein,
dass die verbesserte Analytik bei Routine-Untersuchungen bestimmte Krankheiten
häufiger aufdeckt als früher; dass vor einigen Jahrzehnten viele
behandlungsbedürftige Erkrankungen nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit wie
heute behandelt wurden oder dass manche sich über Jahrzehnte entwickelnde
Krankheiten infolge des durchschnittlich gestiegenen Lebensalters sichtbar werden.

Untersuchungen gleicher Altersgruppen in verschiedenen Kulturen zeigen, dass
bestimmte Krankheiten wie Herz/Kreislauferkrankungen vom Lebensstil abhängen.

Junge Menschen in Industrieländern entwickeln teilweise die Grundlage einer
asymptomatischen Arteriosklerose, die bei Jugendlichen aus Entwicklungsländern
nicht vorzufinden ist.

Der      altersabhängige     Anstieg     des    Bluthochdrucks     ist   typisch     für
Wohlstandgesellschaften und bei Naturvölkern unbekannt. Es drängt sich die Frage
auf, worin die Ursachen für den Anstieg der Krankheitshäufigkeit liegen. Allgemein
sind die Veränderungen der Lebensbedingungen bzw. Gewohnheiten zu nennen, die
infolge der Zivilisation aufgetreten sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Art von
Zivilisation vermehrte Krankheitsfolgen nach sich zieht.

Bei der Diskussion der Krankheitsursachen gilt es nicht nur medizinische und
ernährungs-wissenschaftliche, sondern auch psychologische und soziologische
sowie wirtschaftliche und politische Aspekte einzubeziehen.

Gesundheitsgefährdende Einflüsse durch veränderte Lebensbedingungen können
sein:
    Belastende Arbeitsbedingungen, Leistungsdruck
    Störungen der zwischenmenschlichen Beziehungen
    Konkurrenz
    Schädliche Wohnbedingungen, Lärm
    Ungenügender oder schlechter Schlaf
    Ungünstige Kleidung
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      Bewegungsmangel
      Fehlernährung (Ueberernährung bzgl. Energie, Fett, isolierte Zucker, Alkohol,
       Protein, Salz und anderes
      Unausgewogene Ernährung bzgl. der Hauptnährstoffe Protein, Fett und
       Kohlenhydrate
      Mangelernährung bzgl. Vitaminen und Mineralstoffen, Ballaststoffen und
       sekundären Pflanzenstoffen
      Aufnahme von Schadstoffen, v.a. über Nahrung, Wasser, Luft und
       Strahlenbelastung
      Rauchen, Alkohol, Medikamenten-Missbrauch, Drogen und ähnliches



Für eine wirksame Krankheitsverhütung, bzw. Behandlung ist es unerlässlich, die
jeweiligen Einflüsse bzw. Ursachen zu kennen, die zu einer Krankheit führen.

Es reicht jedoch nicht aus, die Ursachen-Betrachtung auf die individuelle Ebene zu
beschränken, d.h. die Krankheit eines Menschen nur auf seine falsche Lebensweise
zurückzuführen und den Einzelnen allein dafür verantwortlich zu machen. Vielmehr
gilt es zu klären, wie es zu diesen gesundheitsgefährdenden Lebensbedingungen
kommt. Warum z.B. ein Mensch sich falsch ernährt ? oder warum die Umwelt mit
Schadstoffen belastet ist ?

Die Klärung dieser Fragen ist notwendig, wenn schon vorbeugend, prophilaktisch
präventiv etwas gegen Krankheiten unternommen werden soll und nicht erst dann,
wenn diese bereits vorhanden sind. Trotz der grossen Bedeutung der Ernährung für
die Gesundheit und trotz zunehmender Aufklärungsbemühungen herrscht in weiten
Kreisen der Bevölkerung immer die Unwissenheit und Unsicherheit bzgl. einer
vernünftigen gesunderhaltenden Ernährungsweise. Die Verunsicherung wird durch
interessen-gebundene Werbung noch verstärkt.

Von wissenschaftlicher Seite besteht jedoch im wesentlichen Einigkeit darüber, wie
eine Ernährung zusammengestellt sein soll, damit sie ernährungsabhängigen
Krankheiten vorbeugt: Ueberwiegend aus pflanzlichen ballaststoffreichen
Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte.

Die Realisierung einer gesund erhaltenden Ernährung ist demnach in erster Linie
kein wissenschaftliches Problem, sondern ein Informations- und v.a. ein Motivations-
und Verhaltensproblem. Es muss das Bewusstsein gefördert werden, dass jeder
einzelne für seine Gesundheit mitverantwortlich ist und entsprechende Schritte zu
seiner eigenen Gesunderhaltung unternehmen kann und soll. Zusätzlich sind
wirtschaftliche und gesundheitspolitische Massnahmen erforderlich.

Beim Ernährungsbericht von 1980 heisst es dazu: „ einem häufig falsch
verstandenen Recht auf Gesundheit sollte die Verantwortung für diese Gesundheit
an die Seite gestellt werden“.

Demjenigen, der eine erwiesenermassen gesundheitsschädliche Lebensweise mit
dem Recht auf Selbstverwirklichung verteidigt und Gesundheit und Krankheit als
Privatsache sieht, sollte deutlich gemacht werden, dass die Konsequenzen einer
derartigen Haltung schliesslich doch die Gemeinschaft der Versicherten zu tragen
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sind. Eine unabhängige gesundheitliche Aufklärung und eine Gesundheitsförderung
muss demnach im Interesse des Einzelnen und der Allgemeinheit unterstützt und
verstärkt werden.




Einflussmöglichkeiten der Ernährung auf die Umwelt-Situation

Die    heutige    Umweltsituation     ist  gekennzeichnet    durch    zahlreiche,
besorgniserregende Umstände, die teilweise miteinander verflochten sind. Zu
nennen sind u.a. chemische und radioaktive Schadstoff-Belastung von Luft, Wasser,
Böden und Nahrung. Treibhaus-Effekt und mögliche Klima-Veränderungen,
Zerstörung der Ozonschicht der Erde (Ozonloch), Waldsterben, Regenwald-
Abholzung, Bodenzerstörung durch Erosion, Verdichtung, Versalzung oder
Versteppung, Fluss-, Seen- und Meeressterben, Aussterben zahlreicher Pflanzen
und Tierarten und die Abfall-Problematik.

Die Ursachen für diese Umweltbelastungen sind v.a. durch den Menschen
hervorgerufene Emissionen oder andere Auswirkungen von bestimmten
Technologien; bei der Stromerzeugung, in der Industrie, wobei auch die Verbraucher
eine Mitverantwortung tragen, weil sie die hergestellten Produkte kaufen; beim
Verkehr, v.a. Kraftfahrzeuge und Flugzeuge; in der Landwirtschaft, in den
Haushalten, insbesondere durch Heizen, Waschen und Reinigen und bei Freizeit-
Aktivitäten.

Ein erheblicher Teil der genannten Umweltprobleme resultiert aus der Art der
Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung und Zubereitung unserer Lebensmittel sowie
der Entsorgung des Verpackungsmülls und der organischen Abfälle. Damit ist das
gesamte Ernährungssystem angesprochen.

Nach der Studie „zukünftiges Deutschland“ des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt
und Energie beträgt allein das Bedarfsfeld Ernährung mit 20 % zur gesamt-
gesellschaftlichen Material-Entnahme bei, d.h. zu den insgesamt in Bewegung
gesetzten Stoffströmen. Diese bestehen aus biotischen und mineralischen
Rohstoffen, fossilen Energieträgern, Bodenaushub, Erosion und nicht verwerteter
Rohförderung (Abraumhalden).

Knapp ¼ der 20 % entfällt auf den privaten Energieverbrauch bei Lebensmittel-
Zubereitung und Einkaufsfahrten, ein ¼ auf Transporte, Verpackung und
Infrastruktur, die verbleibende Hälfte auf Erzeugung und Verarbeitung in
Landwirtschaft und Ernährungsindustrie.

Somit trägt der Bereich Ernährung erheblich zur Umweltbelastung bei. Umgekehrt
steckt darin bei einer zunehmenden ökologisch orientierten, d.h. nachhaltigen bzw.
zukunftsfähigen Ausgestaltung ein bedeutendes ökologisches Einsparpotential.

Das Ernährungssystem beginnt mit der Vorleistungsproduktion für die
Landwirtschaft. Beispielsweise hat die Mineraldünger und Bestizid-Herstellung
Umweltauswirkungen durch den hohen Rohstoff- und Energieverbrauch sowie die

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                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Emissionen. Zu nennen ist auch die Gefahr durch katastrophale Chemie-Unfälle wie
in Seveso, Popal und Basel.

Die Landwirtschaft weist bei konventioneller Wirtschaftsweise einen hohen
Verbrauch an Primärenergie auf und bringt erhebliche Mengen an Mineraldünger und
Pestiziden aber auch an Tier-Arzneimittel in die Umwelt ein. Ausserdem sind die
Auswirkungen der Landwirtschaft auf die umgebenden Oekosysteme einzubeziehen,
z.B. die Gülle-Problematik bei der Masttierhaltung.

Auf die Erzeugung folgt im Ernährungssystem die Lebensmittelverarbeitung in
Industrie und Handwerk. Auch hier müssen Energie- und Rohstoffverbrauch u.a. an
Wasser sowie mögliche Schadstoff-Emissionen berücksichtigt werden.

Ein weiterer Bereich ist die Vermarktung der Lebensmittel sowie der
landwirtschaftlichen Vorleistungserzeugnisse und Rohprodukte. Hierbei sind häufig
Transporte zwischengeschaltet, die infolge von Konzentrationsprozessen und der
Marktöffnung innerhalb der EU noch zunehmen werden. Viele Transporte erfolgen
über weite Entfernungen, zum Teil sogar zwischen verschiedenen Kontinenten.
Wichtige oekologische Beurteilungskriterien sind wiederum der Energie- und
Rohstoff-Aufwand bei Verpackung, Transport und Kühlung sowie die der
Flächenbedarf und die Abgasbelastungen durch den Verkehr. Anschliessend erfolgt
die mehr oder weniger energie-aufwendige Zubereitung sowie der Verzehr der
Nahrung in Privat- und Grosshaushalten.

Der letzte Teilbereich im Ernährungssystem ist die Beseitigung des
Verpackungsmülls und der organischen Reste, wodurch Umweltprobleme bei der
Deponierung oder Müllverbrennung entstehen. Die Schadstoff-Emissionen in den
genannten Bereichen wirken nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die
Gesundheit des Menschen zurück, denn die toxikologische Qualität der Lebensmittel
kann nur so gut sein, wie die Umwelt in der sie erzeugt werden. Dies ist ein Beispiel
dafür, dass es Ueberschneidungen zwischen der Umweltverträglichkeit und der
Gesundheitsverträglichkeit der Ernährung gibt. Andererseits beeinflusst die Art
unseres Ernährungssystems den Zustand der Umwelt wie zuvor dargestellt.

Eine bewusste Ernährungsweise, d.h. die gezielte Auswahl umweltfreundlich
erzeugter, verarbeiteter, verpackter und vermarkteter Lebensmittel trägt zur
Schonung der Umwelt und zum geringeren Verbrauch an nicht erneuerbaren
Ressourcen bei.

Persönliche Entscheidungen für ein umweltverträgliches Verhalten sind im
Ernährungsbereich leichter in die Tat umzusetzen als in anderen Bereichen,
beispielsweise bei der Wahl verschiedener Stromerzeugungsmöglichkeiten; Strom
aus Solarzellen, Wasser-, Kohle- oder Atomkraftwerken.




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                    Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Einflussmöglichkeiten der Ernährung auf die soziale Situation

Die heutige soziale Situation weist weltweit sehr unterschiedliche Problembereiche
auf. Da eine umfassende Betrachtung nicht Ziel dieser Ausführungen sein kann,
werden hier einige ernährungsbezogene Probleme aufgeführt.


     1. Existenzprobleme der kleinen und mittleren bäuerlichen Betriebe in der
        Bundesrepublik, der EU und den Entwicklungsländern.

     2. Lebensmittel-Ueberproduktion in der EU sowie damit verbundene Kosten, u.a.
        für Lagerung und subventioniertem Export.

     3. Umfangreiche Importe von Lebensmitteln, Futtermitteln und anderen
        landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus Entwicklungsländern in Industrieländer;
        dadurch erfolgt teilweise in Entwicklungsländern eine Verdrängung der
        Nahrungsmittel-Produktion für die einheimische Bevölkerung.

     4. Ungerechter Welt-Agrarhandel, d.h. geringe Entlohnung und teilweise
        inhumane Arbeitsbedingungen für die Menschen in Entwicklungsländern.


Die gesellschaftlichen Ursachen dieser Missstände sind sehr komplex. Dabei stehen
wirtschaftliche und politische Interessen bei deren Entstehung und Aufrechterhaltung
im Vordergrund. Das Konsumverhalten der einzelnen Menschen beeinflusst in der
Gesamtheit aller Verbraucher die genannten Problembereiche; beispielsweise fördert
die hohe Nachfrage nach Fleisch in den reichen Ländern die Einfuhr kostengünstiger
Futtermittel aus Entwicklungsländern.

Dies kann zu einer weiteren Verknappung des lokalen Nahrungsangebotes oder
auch zur Vertreibung von Menschen führen, was zur Vergrösserung der städtischen
Slum-Gebiete oder zur Abholzung tropischer Wälder beiträgt, z.B. in Brasilien.

Aehnliches kann für Kauf von exotischen Früchten und Gemüsen, Kaffee, Tee,
Kakao, Tabak, usw. gelten. Hier muss allerdings stark differenziert werden, da die
Bauern in Entwicklungsländern mit bestimmten tropischen Produkten und bei
bestimmten Vermarktungsformen für den Export mehr Einkommen erzielen können,
als mit lokal verkäuflichen Lebensmitteln.

Dieser sogenannte komparative Kostenvorteil nützt den Entwicklungsländern, wenn
die Erlöse angemessen verteilt werden.

Ein weiteres Beispiel für die Verstärkung der beschriebenen gesellschaftlichen
Probleme durch den Einzelnen ist der Kauf von billigen Massenerzeugnissen, z.B.
von Schweinefleisch oder Geflügel aus Massentierhaltung. Dadurch und in Folge
einer verfehlten Agrarpolitik wird die Industrialisierung und Konzentrierung in der
Landwirtschaft in den Verarbeitungsbetrieben und im Lebensmittelhandel gefördert,
wobei die kleineren Betriebe wirtschaftlich immer weniger konkurrieren können und
vielfach ihre Existenz aufgeben müssen.

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                      Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



So fielen in der Bundesrepublik seit 1949 von 1,65 Mio. landwirtschaftlichen
Betrieben über 1 Mio. dem sogenannten „Hofsterben“ zum Opfer. Dies führt
wiederum zu einer finanziellen Belastung der Gesellschaft.

Selbstverständlich kann das Einkaufsverhalten eines einzelnen Menschen nicht
landes- oder weltweite Probleme lösen. Dies kann nur durch eine gemeinsame,
solidarische Haltung möglichst aller Menschen erfolgen. Hiezu sind allerdings
Aufklärung, Bewusstseins- und Verhaltensänderungen sowie grundlegende
politische   Weichenstellungen      erforderlich.   Mit   einem     verantwortlichen
Ernährungsverhalten ist ein individueller Betrag zur weltweit gerechteren Verteilung
der vorhandenen Nahrungs-Ressourcen zur Existenzsicherung kleinerer und
mittlerer landwirtschaftlicher Betriebe sowie zum Abbau weiterer sozialer
Ungerechtigkeiten möglich.



Lebens- oder Nahrungsmittel ?
(Quellennachweis 4)



Hinter solchen ethischen Ueberlegungen mögen jene zurückstehen, die sich der
Qualität der Nahrung annehmen. Trotzdem ist hier wohl der Ansatzpunkt, an dem
immer mehr Menschen allmählich bereit sind, umzudenken. Immerhin vergeht
praktisch keine Woche ohne eine neue Hiobsbotschaft aus der Nahrungsmittel-
Industrie. Ein Skandal jagt den nächsten, wobei wir sicher noch davon ausgehen
müssen, dass jeweils nur die Spitze des Eisberges überhaupt entdeckt wird.

Wollen wir vollwertig leben, müssen wir auch so essen. Fleischnahrung ist aber mit
wenigen Ausnahmen auf einem eher minderwertigen Niveau angesiedelt.

Das helle Kalbfleisch, das perverserweise hierzulande am meisten geschätzt wird,
muss von blutarmen, gequälten Kälbern stammen, denn gesunde Kälber haben nun
einmal gut durchblutetes rotes Fleisch. Aber auch anderes Fleisch aus der sowohl
tier- als auch menschenunwürdigen Massentierhaltung befindet sich in einem
erbärmlichen Zustand. Die oft über weite Strecken unter grausamen Bedingungen
verfrachteten Tiere sterben nach langer Todesangst in einem Panikzustand, der ihr
Fleisch mit Stresshormonen anreichert, die die Konsumenten notgedrungen
mitessen. Hierzu kommen noch jene Hormon- und Antibiotika-Mengen, die
geschäftsbewusste Züchter den bedauernswerten Kreaturen vorher eingeflöst
haben, um ihr Wachstum unter „sicheren Bedingungen“ zu beschleunigen.

Bedenkt man noch die Gefahren durch Seuchen wie BSE, deren Ursprung darin zu
suchen ist, dass man aus Profitgier pflanzenfressenden Tieren wie Rindern
Schafmehl zu fressen gab, der Schweinpest oder die Tioxin-Verseuchung des
Tierfutters ist es wenig ratsam, einfach weiterzuessen wie bisher. Da es aber im
Augenblick gar nicht denkbar ist, für die Millionen Fleischesser gesundes Fleisch zu
produzieren, bleibt sowieso nur eine unfanatische, überwiegend vegetarische
Alternative.

Ein weiteres Argument gegen den massiven Fleischkonsum aus Massentierhaltung
sind die ökologischen Begleiterscheinungen. Es ist schon verrückt, wie viel
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                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



hochwertiges pflanzliches Soja-Eiweiss im Augenblick an Schweine verfüttert wird,
um es in minderwertiges Schweine-Eiweiss zu verwandeln. Zur Produktion von
einem Kilogramm Fleisch brauchen wir zudem die x-fache Menge an Wasser im
Vergleich zu einem Kilogramm Brot. Bei jedem Sprung von einer Ebene zur nächsten
muss ungefähr die zehnfache Energiemenge verbraucht werden. Um ein Kilogramm
Rinderfleisch aus pflanzlicher Nahrung herzustellen, braucht man zehnmal soviel
pflanzliche Energie. Würde man versuchen, ein Kilogramm Löwenfleisch
herzustellen, bräuchte man dafür auch wieder ca. die zehnfache Energiemenge an
Rinderfleisch. Aber so verrückt sind wir noch nicht, dass wir das Fleisch von
Fleischfressern essen.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass weltweit riesige Rinderherden, die die Basis
für das Schnellfutter in einschlägigen Fastfood-Restaurants liefern, beachtliche Teile
der Erde kahl fressen und in ihren Därmen enorme Mengen Metangas produzieren,
das den globalen Treibhaus-Effekt verstärkt. Für diese Herden werden zudem die
letzten Reste jener Urwälder geopfert, die Oekologen auch als grüne Lunge der Erde
bezeichnen. Berechnet man all die Folgekosten aus dieser Art von Tierhaltung,
müsste ein einziger Hamburger über € 150.-- kosten. Auch unter solchen
Gesichtspunkten hat eine vorwiegend vegetarische Lebensweise also einige Vorteile
zu bieten.

Wer je den Uebergang von der Fleisch- zur Pflanzennahrung in ihren körperlichen
und vor allem seelischen Auswirkungen erlebt hat, kann auch die alte Erkenntnis
nachvollziehen, dass es – solange wir Schlachthöfe haben – auch Schlachtfelder
geben wird.

Dass der Mensch ist, was er isst, mag auf den ersten Blick sehr überzogen klingen.
Wer diesbezüglich persönliche Erfahrungen gemacht hat, wird aber doch bemerken,
dass zumindest die Tendenz stimmt.

Jeder Stahlarbeiter weiss aus Erfahrung, dass der Hochofen nur dann zu seiner
wirklichen Leistung und dadurch Bestimmung kommt, wenn er mit den richtigen
Materialien gefüttert wird. Der Autofahrer kommt auf gar keine andere Idee, als
seinem Wagen nur die besten Mineralöl-Produkte zuzuführen. Würde er statt
vorhergesehenem Super nur noch normales Benzin tanken, würde er negative
Auswirkungen auf die Leistung erwarten. Der sportliche Wagen würde wohl noch
fahren, aber unter seinen Möglichkeiten bleiben.

Wenn wir, die wir unseren Autos an den Tankstellen nur die besten Produkte
zukommen lassen, uns bewusst machen, was wir uns zum persönlichen Verzehr in
diesen Autotempeln kaufen, müssten wir verzweifeln. Wo für Autos ausschliesslich
erste Wahl angeboten wird, ist für Menschen nur minderwertigste Nahrung zu haben.
Von Lebensmitteln keine Spur.

Es ist kein Wunder, dass Untersuchungen zeigen, dass wir soweit hinter unseren
Möglichkeiten zurückbleiben. Die Art wie wir essen reicht zum Ueberleben (für eine
gewisse Zeit). Mit bewusstem Leben hat das wenig zu tun. Wenn man Versuchstiere
mit der Nahrung eines durchschnittlichen Amerikaners oder Mitteleuropäers füttert,
reduziert man damit deren Lebenserwartung nicht nur um 30 %, sondern gleichzeitig
auch die Qualität ihres Lebens. Diese Tiere verenden dann weit vor der Zeit ähnlich
elend wie die meisten Menschen an ganz vergleichbaren Zivilisationssymptomen.
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Füttert man diese Tiere dagegen mit einer kargen, vollwertigen und artgerechten
Kost, erhöht sich ihre Lebenserwartung um 25 % und die Lebensqualität nimmt
ebenfalls drastisch zu.

Noch weiter erhöhen lässt sich das Lebensalter durch freiwillige Phasen völliger
Nahrungsenthaltung, weshalb bewusste Hundebesitzer ihren Lieblingen zu deren
Bestem vereinzelte Fastentage zumuten.

Alles spricht dafür, dass diese Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind, und die
Frage drängt sich auf, warum die Hundebesitzer mit sich selbst nicht ähnlich
verfahren. Alle möglichen Studien über Langlebigkeit kommen zu ähnlichen
Schlüssen. Die Hundertjährigen auf dieser Welt sind fast ausnahmslos arme Leute,
die sich zeitlebens karg ernährt haben. Die meisten Menschen unserer Gesellschaft,
die uralt werden wollen, allerdings ohne dabei alt zu wirken, träumen davon, durch
irgendwelche Nahrungszusätze Langlebigkeit zu erreichen. Dabei wäre es sowohl
einfacher und billiger, vieles einfach wegzulassen; jedenfalls die Fleischberge und
das wenige, was wir wirklich brauchen in einem guten, d.h. vollfertigen Zustand zu
uns zu nehmen.

Die Machergesellschaft sucht aber natürlich ihr Heil in der Gegenrichtung. Man
versucht, Gesundheit zu produzieren und schluckt gerne eine Fülle von Verjüngungs-
und Durchblutungspillen, die alle eines gemeinsam haben: sie nützen nur ihren
Herstellern.

Paul Watzlavik hat das Prinzip treffend charakterisiert: immer mehr vom
selben; die Lösung aber liegt auf dem Gegenpool. Wir müssten allmählich
einmal wagen, etwas wirklich neues, qualitativ anderes zu versuchen. Wir
müssten umdenken und unser Heil in der Gegenrichtung suchen. Produziert ist
genug. Aufhören und geschehen lassen könnte die Lösung sein.

Tatsächlich geht die Art, wie das Fleisch, das wir verspeisen, herangezüchtet wird
viel mehr in seine Qualität mit ein, als sich die meisten modernen Menschen
klarmachen. Ueber die Hormone bekommen wir die Stimmungen der Tiere mit,
wobei spirituelle Menschen auch davon ausgehen würden, dass wir mit dem Essen
der Nahrung ganz allgemein für alles mitverantwortlich sind, was zu ihrer Produktion
notwendig war.

Aehnlich bekommen wir bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln all die Rückstände der
Pflanzenschutz- und Unkrautvertilgungsmittel mit, denen die modernen
Nahrungspflanzen ausgesetzt sind. Auch was die Pflanze zu sich nimmt, geht auf
uns über und damit auch all der Kunstdünger.

Noch problematischer sind die modernen Verfahren zur besseren Haltbarmachung
und Ertragssteigerung. Durch sie werden aus Lebensmitteln Nahrungsmittel, die
nicht mehr wirklich sättigen und die Bedürfnisse unseres Organismus auch nicht
mehr wirklich befriedigen. Eine moderne Erdbeere hat nach Angaben des
Ernährungsforschers Bodo Glukinsky Rostock um 67 % weniger Vitamine als
ihre Vorgängerin vor 15 Jahren. Die Lösung kann hier nun aber nicht im Versuch
liegen, sich die fehlenden Vitamine aus der Apotheke zu holen, denn es fehlen ja gar
nicht nur die Vitamine, sondern mit Sicherheit auch eine Fülle von Spurenelementen
und Mineralien sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln. Kenner der Situation
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                      Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



gehen davon aus, dass es an die 30'000 solcher Stoffe geben wird, wovon wir
bislang nur einen geringen Teil überhaupt kennen. Sie alle künstlich zu produzieren
und dann für viel Geld einzunehmen ist noch längst nicht möglich und wenn es dann
möglich sein wird, wohl für die meisten nicht erschwinglich. Viel einfacher und
langfristig billiger ist es, statt auf moderne, billige Nahrungsmittel hereinzufallen,
wieder auf altbewährte Lebensmittel zurückzugreifen, die all diese lebenswichtigen
Dinge noch natürlicherweise enthalten.

Wenn man schon Nahrungsmittelergänzungen erwägt, was bei besonderen
Situationen wie etwa langer Krankheit durchaus Sinn hat, hat es sich bewährt, auch
dass auf natürlicher Grundlage zu tun. In Mikroalgen haben wir z.B. eine
verblüffende Kombination von lebenswichtigen Stoffen, die zudem noch die
Entschlackung fördern. Eine andere gute Variante sind die von den Bienen auf
wunderbare Weise zusammengetragenen Mineralienschätze, wie Pollen, Gelée
royale und Propolis.

Fleisch ist ein besonders heikler Punkt, dabei aber nur ein Unteraspekt der Eiweiss-
Situation. Wenn wir allerdings diesen Punkt für uns geklärt haben, was die Quantität
und die Qualität angeht, haben wir das Schwierigste bereits geschafft. Dann stellt die
Umstellung von raffinierten auf naturbelassene Kohlehydrate und Fette nur noch eine
vergleichsweise geringe Anforderung dar.




Verminderung von Veredelungsverlusten durch geringeren Verzehr
tierischer Lebensmittel
(Quellennachweis 5)



In der Tierfütterung werden heute zur Produktion von Fleisch, Milch und Eiern
Nahrungsmittel eingesetzt, die direkt der menschlichen Ernährung dienen
könnten, z.B. Getreide oder Hülsenfrüchte, besonders Sojabohnen. So werden
ca. 53 % des in Deutschland geernteten Getreides in der Tierfütterung
verwendet. Dies ist als grosse Verschwendung anzusehen und besonders
gegenüber den zahlreichen hungernden Menschen in Entwicklungsländern
nicht zu verantworten. Durchschnittlich gehen 65 bis 90 % der
Nahrungsenergie und des Proteins pflanzlicher Futtermittel bei der
Umwandlung zu tierischen Produkten verloren, d.h. nur etwa 10-35 % der
eingesetzten Futtermittel bleiben in Form tierischer Erzeugnisse erhalten. Das
Tier benötigt den grössten Teil der Nahrungsenergie für den eigenen
Stoffwechsel sowie für den Aufbau nicht fleischliefernder Gewebe.

Von der gleichen Ackerfläche könnten folglich sehr viel mehr Menschen ernährt
werden, wenn die darauf angebaute Nahrung nicht für die Erzeugung tierischer
Produkte ver(sch)wendet würde. Eine Lösung des Welternährungsproblems ist
folglich bei einem hohen Anteil tierischer Lebensmittel praktisch nicht möglich.
Parallel mit einer Verringerung des Verzehrs tierischer Lebensmittel müssen
politische und oekonomische Massnahmen ergriffen werden, die darauf abzielen,
dass die Menschen in Entwicklungsländern die dort angebauten Lebensmittel zu
bezahlbaren Preisen erwerben können.
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Das Beispiel der Volksrepublik China, die auf 8 % der Weltackerfläche mit sehr
geringen Lebensmittel-Importen 22 % der Weltbevölkerung ernährt, verdeutlicht,
dass bei Vermeidung des hohen Fleischkonsums (in China durchschnittlich ca. 10 kg
Fleischkonsum pro Person und Jahr) die Ernährungsgrundlage und die Gesundheit
der Bevölkerung sichergestellt werden können.


Ausser den beschriebenen sozialen Problemen durch Veredelungsverluste treten
auch Umweltprobleme bei der Massentierhaltung auf, z.B. die Beseitigung der Gülle,
die Geruchsbelästigung und die vermeintliche Notwendigkeit zum noch intensiveren
Futtermittelanbau. Ein geringer Bedarf an Futtermitteln infolge geringeren Verzehrs
tierischer Produkte würde einen weniger intensiven, d.h. oekologisch verträglichen
Anbau ermöglichen.


Die Landwirtschaft trägt weltweit und zum Teil in erheblichem Umfang zur Emission
von treibhauswirksamen Spurengasen bei, v.a. Metan ......Stickstoffoxyd und
Kohlendioxyd. In erster Linie ist daran neben Nassreisanbau und Biomasse-
Verbrennung die Tierhaltung beteiligt. Intensive Massentierhaltung mit entsprechend
energiereicher Nahrung hat maximale Metanbildungsraten zur Folge. In
Energiebilanz-Messungen wurde festgestellt, dass bis zu 12 % der Futterenergie in
Form von Metan verloren gingen. In der Bundesrepublik Deutschland liegen in der
Anpassung der Tierfütterung, der Verringerung der Stückzahlen und der
Massentierhaltung Ansatzpunkte für eine Reduzierung der Metan-Emissionen.


Die EU-Agrarpolitik mit ihrem Agrar-Subventionismus verursacht einerseits hohe
Kosten für die europäischen Konsumenten. 1989 wurden 54 Mia. US$ an
Subventionen aus Steuergeldern bezahlt. Andererseits entstehen erhebliche
Produktionsüberschüsse bei Getreide, Rindfleisch, Milch und Butter. So wächst die
Agrarproduktion in der EU momentan doppelt so schnell wie die Nachfrage nach
Nahrungsmitteln. Die produzierten Ueberschüsse werden von der EU mit
Steuergeldern aufgekauft und entweder gelagert, an Tiere verfüttert, auf dem
Weltmarkt zu Dumpingpreisen verschleudert oder der Nahrungsmittelhilfe zugeführt,
besonders bei Obst und Gemüse.


Gerade die Länder der dritten Welt können bei diesem Subventionswettlauf nicht
mithalten, was der EU dabei hilft, neue Absatzmärkte und Weltmarktanteile zu
gewinnen. Auch wenn etwa 2/3 des gesamten Welthandels innerhalb der
Industriestaaten erfolgt, haben Dumpingpreise gravierende Folgen für die Länder,
deren Deviseneinkommen von einem oder wenigen Produkten abhängen, z.B. für die
Philippinen infolge niedriger Weltmarktpreise für Zucker. Ausserdem behindern die
durch Dumping-Exporte der Industrieländer gedrückten Weltmarktpreise in vielen
Entwicklungsländern       gerade    den      Aufbau     einer    konkurrenzfähigen
Grundnahrungsmittel-Produktion. Auf diese Weise wächst die Abhängigkeit der
Entwicklungsländer von den Industrieländern.




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Ernährungstodsünden
(Quellennachweis 4)



In den modernen Leistungsgesellschaften geht es längst nicht mehr um die
Frage, ob das Essen von der Kalorienseite her ausreichend zum Ueberleben
ist. Allein mit dem Uebergewicht der Deutschen könnte man die Hungernden
der sogenannten dritten Welt ein ganzes Jahr ernähren.

Es stellt sich heute viel eher die Frage, ob das, was wir essen unseren Organismus
noch mit all den wichtigen Vitalstoffen versorgt, um gesund und leistungsfähig zu
bleiben sowie Geist und Seele auf bestem Niveau zu nähren.

Da wir nicht einmal alle Vitalstoffe als Substanzen kennen, geschweige denn all ihre
Funktionen, ist es vermessen zu glauben, wir könnten sie isoliert in Pillen und
Pulverform zu uns nehmen, um eine ähnliche Wirkung wie durch vollwertige
Lebensmittel zu erzielen. Die ganze Situation, ursprünglich hochwertige biologische
Produkte durch Raffinierung zu degradieren, um hinterher vermeintlich notwendige
Vitamine und Mineralstoffe für teures Geld wieder hinzuzufügen ist höchst
bedenklich. Als einfache Lösung bietet sich an, natürliche Verbindungen und
Gemeinschaften von Vitalstoffen in der Nahrung gar nicht erst zu zerstören. Dann
kämen wir von Nahrungsmittel, die unser Ueberleben sichern zurück zu
Lebensmitteln, die uns Lebendigkeit schenken.

Seit vielen Jahren warnen Ernährungsforscher wie Kollath oder Brucker vor
dem Mangel im Ueberfluss und meinen damit nicht zuletzt das Fehlen von
Vitalstoffen in unserer minderwertigen modernen Kost. Wir essen nicht nur
zuviel, zu oft und zu schnell, manchmal zu spät und fast immer zu unbewusst,
sondern vor allem zu entwertet. Eigentlich enthält frisches Obst und Gemüse
ausreichend Mineralien wie etwa Magnesium. Durch die moderne landwirtschaftliche
Produktion ist das aber nicht mehr der Fall. Daraus den Schluss zu ziehen, nun
Magnesium-Kautabletten aus der Apotheke zu beziehen, ist ein Denkfehler, da
zusätzlich eine Menge anderer Vitalstoffe, die wir noch gar nicht kennen, in Industrie-
Obst und Gemüse fehlen.


Der einzig sinnvolle Weg ist es, diese Art von Produkten zu meiden und zu
Vollwertigem zu greifen. Je mehr Menschen biologisch natürliche Produkte
erwerben würden, desto preiswerter könnten diese bald angeboten werden.
Rechnet man die Nachfolgeschäden aus der Industriekost zusammen, sind die
Bio-Bauern schon jetzt die bei weitem preisgünstigere Alternative.



Der Kohlenhydrat-Anteil

Die Todsünde Nr. 1 betrifft den Kohlehydrat-Anteil in der Ernährung. Wir sprechen
hier von Getreide, Weizen, Roggen, Hafer, Hirse, Mais, Reis, Buchweizen, Dinkel,
etc. und all seinen Folgeprodukten wie Brot, Nudeln, Mehlspeisen und Kekse. Die
Tatsache, dass wir uns von diesen Produkten als Nahrungsgrundlage entfernen, ist
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schon bedenklich. Dass wir die verbleibenden Kohlehydrate aber zum
überwiegenden Teil denaturieren wirkt sich auf unsere Gesundheit und vorher schon
auf unsere Leistungsfähigkeit katastrophal aus. Die Arbeit mit Leistungssportlern,
deren jeweilige Leistungsfähigkeit heute andauernd gemessen wird, hat das sehr
deutlich werden lassen.

Seit Menschengedenken diente das volle Korn mit all seinen gesundheitlichen
Vorteilen aber auch verarbeitungstechnischen Nachteilen als Basis. Der Nachteil ist
sicher die sehr begrenzte Haltbarkeit der Vollkornmehle. Die im Keim enthaltenen
hoch ungesättigten Fettsäuren oxydieren, d.h. sie reagieren chemisch mit dem
Sauerstoff der Luft. Das Mehl wird dabei ungeniessbar (ranzig).

Die Nahrungsmittelindustrie entwickelte einen Vorgang, den sie Raffinieren nennt,
um diesem wirtschaftlichen Nachteil der geringen Haltbarkeit zuvor zu kommen.
Dass Raffinieren in der wörtlichen Uebersetzung verfeinern heisst, ist ein besonders
makaberer Aspekt, denn dadurch wird das Mehl im Gegenteil robuster, haltbarer und
biologisch wertloser.

Ein volles Korn besteht immer aus einer Dreiergemeinschaft von stärkereichem Kern,
vitalstoffreichen Randschichten der Schale und dem hoch vitalstoffreichen Keim.
Diese Dreiergemeinschaft stellt eine Art biologisches Kernkraftwerk dar. Auf dem
Weg vom vollen Korn zum Auszugsmehl gehen gut 80 % der ursprünglich im Korn
enthaltenen Magnesiums, 60 % des Kalziums, über 70 % des Kaliums, des Eisens
und Phosphors, gut 60 % des Kupfers und 40 % des Chroms verloren. Es steckt
noch unendlich viel mehr in jedem Korn; Stoffe, die wir dringend brauchen, auch
wenn wir sie noch längst nicht kennen. Das ist andererseits das Beruhigende. Auch
ohne zu wissen, dass in jedem Korn und anderen Samen, in jedem Apfel und jeder
Birne tausende von Wirkstoffen stecken, kommen sie uns doch alle zugute, wenn wir
dies zulassen. Darin unterscheiden wir uns nicht vom Neandertaler, der von alle dem
noch gar nichts wusste und trotzdem seinen Apfel ass.

Durch den Raffinierungsprozess wird nun ein ursprünglich hochwertiges
Lebensmittel zu einem toten Nahrungsmittel degradiert. Bei erhaltenem kalorischem
Füllwert, aber ohne biologischem Vollwert, die Dreiergemeinschaft wird aufgespalten,
die Schalen und Randschichten vom Korn abgetrennt, der Keim wird ebenfalls
entfernt und übrig bleibt nur der stärkehaltige Kern. Eine tote, lange haltbare
Konserve. Der Keim als Essenz des sogenannten Kernkraftwerks des Lebens mit
seiner Vielfalt an Vitalstoffen, u.a. den für den Stoffwechsel so wichtigen
ungesättigten Fettsäuren und fettlöslichen Vitaminen – dem Vitamin B Komplex z.B.
wird entsorgt, die ballaststoffreiche Schale wird als Kleie in der Regel ans Vieh
verfüttert oder von verstopften Patienten auf der Suche nach Toiletten-Erfolgen
erstanden.

Die Randschichten dienten den Menschen früher nicht nur als Vitalstoff-Spender
(Mineralstoffe, Spurenelemente), sondern auch als Ballaststoffe, die eine natürliche,
geregelte Verdauung im Darm erleichterten. Auch wenn die Kleie dem Vieh durchaus
gegönnt sei, bleibt für uns Menschen bei diesem Vorgehen doch eine Summe von
Nachteilen. Mit dem kariösen Zahnverfall durch Entmineralisierung im Schulkindalter
beginnend, über Verdauungsprobleme wie Darmträgheit bis zur Verstopfung, aber
sekundär auch bis hin zu Gicht und Rheuma spannt sich der Bogen. Auf einen

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Nenner gebracht könnte man behaupten, grosser wirtschaftlicher Vorteil =
grosser gesundheitlicher Nachteil.

Die Rückkehr zur Vollwertigkeit wo immer möglich muss keine zwingenden
geschmacklichen Einbussen mit sich bringen. Im Gegenteil: einerseits hat der
flächendeckende massive Einsatz von künstlichen Aromastoffen zu einer
Vergröberung und Abstumpfung des Geschmacks geführt. Untersuchungen in den
USA zeigen bereits, dass die dortige junge Generation mehrheitlich die starken,
künstlichen Erdbeer-Aromastoffe dem Aroma echter Erdbeeren vorzieht. Aber ein
wirklicher Feinschmecker wird noch immer die Beere bevorzugen.

Die Situation ist diesbezüglich weiter fortgeschritten, als wir uns träumen lassen.
Wenn man die gesamte Weltproduktion an Erdbeeren auf den US-amerikanischen
Markt lieferte, liessen sich damit noch nicht einmal 5% des tatsächlichen Bedarfs
decken. Der überwiegende Teil des von der Nahrungsmittel-Industrie benötigten
Erdbeer-Geschmacks stammt von Aromastoffen, die durch spezielle Behandlung
einer australischen Holzart gewonnen werden. Und da Holz zweifelsfrei ein echter
Stoff aus der Natur ist, darf die Industrie dann beispielsweise auf den Fruchtyoghurt-
Becher schreiben „mit naturechten Aromastoffen angereichert“.

Die Tatsache aber, dass selbst hartnäckige Anhänger von Weissbrot, weissen
Nudeln und poliertem Reis während unserer Seminare angenehm überrascht sind
von der mediterranen, bzw. schweizerischen Naturküche lässt uns zuversichtlich
hoffen, dass – entsprechendes Verständnis vorausgesetzt – eine Rückkehr zu
gesünderen Ernährungsformen für viele möglich ist. Dieser notwendige
Entwicklungsschritt soll weder zu einer militanten Ablehnung aller Auszugsprodukte
führen, noch auf kosten von Geschmack und dem damit verbundenen Genuss am
Essen gehen. Wer im Urlaub auf einer griechischen Insel griechischen Salat ist, mag
mit ruhigem Gewissen auch das Weissbrot dazu geniessen. Natürlich befinden sich
bei jeder nationalen Küche Licht- und Schattenseiten im Hinblick auf den
Idealzustand einer artgerechten Ernährung. Aber leider scheint es vor allem die gut
bürgerliche deutsch-österreichische Küche meisterhaft zu verstehen, ihre
geschmacklichen Lichtseiten mit allzu vielen gesundheitlichen Schattenseiten zu
verbinden. Darauf angesprochen entgegnen ihre Verfechter, dass in Amerika noch
mehr Fastfood gegessen wird, dass in den Mittelmeerländern nur Weissbrot bekannt
ist und Eskimos fast ausschliesslich Fleisch und Fisch verspeisen, usw.

Warum aber nehmen wir offensichtliche oder frech behauptete Schwachstellen als
persönliche Ausrede und orientieren uns nicht an den jeweiligen Stärken einer
bestimmten Küche oder Ernährungstraditionen ? Bei den in unseren Breiten reichlich
vorhandenen Wahlmöglichkeiten ist es eine Wahl des Bewusstseins, nach dem
richtigen zu greifen. Aufgrund des mehr oder weniger eng begrenzten Egos, das auf
dem Grundsatz „mein Wille geschehe“ aufbaut, scheinen zuerst einmal
Krankheitssymptome und Leidensdruck für viele notwendig zu sein, um zum
individuell richtigen zu finden.

So ist es auch ein reines Bewusstseinsproblem, sich klar zu machen, dass alle
Fertiggerichte zwar kurzfristig praktisch oder billig, aber auf die Dauer auch
ungesund bis gefährlich sind. Sie enthalten kaum noch Vitalstoffe und meist jede
Menge verstecktes minderwertiges Fett. Mit Fett schmackhaft zu kochen ist kein
Problem. Ohne Fett zu kochen ist dagegen geradezu eine Kunst. Besser und
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gesünder wäre es, in bestimmten Situationen lieber gar nicht als falsch zu essen.
Diesbezüglich gibt einem regelmässige Fastenerfahrung eine wundervolle
Unabhängigkeit. Durch Fertiggerichte, die praktisch, ausnahmslos billig und auf
der Basis raffinierter und damit wertloser Grundstoffe hergestellt sind, wird der
Organismus langfristig zur Giftmüll-Deponie.

Wer diesem Weg in den Abgrund folgt, ist dann allerdings für punktuelle
Erleichterungen, auf die von Unternehmen in der Gesundheitsbranche immer
offensiver angepriesenen Nahrungsergänzungsstoffe angewiesen. Bei einer
gesunden, vollwertigen Ernährung bekommt der Körper genug Hilfen, um sich gegen
Umweltgifte zu wehren. Wer allerdings minderwertiges Obst isst, kann heute nicht
mehr damit rechnen, genug Vitamin C zu erhalten. Wer raffinierte und gehärtete
Fette verwendet, bekommt zu wenig Vitamin E und auch Selen ist nur in
naturbelassener Nahrung ausreichend zu haben. Mit ausreichenden Mengen dieser
drei Stoffe, die heute auch als Radikalenfänger bekannt sind, lässt sich tatsächlich
eine gute Form erhalten und vorzeitigen Alterungsprozessen vorbeugen. Aus den
schon erwähnten Gründen ist es aber sinnvoller und zielführender, sie neben
Tausenden anderer Vitalstoffe aus einer frischen, vollwertigen Nahrung als aus der
Apotheke zu beziehen.



Die Fettproblematik
Todsünde Nr. 2 betrifft das Fett im Nahrungsangebot. Hier geistern Begriffe wie
„gesättigte und ungesättigte Fettsäuren“, „tierisches und pflanzliches Fett“,
„kaltgepresstes oder raffiniertes Oel“ oft immer noch undifferenziert herum.
Geschichtlich gesehen hat Fett jenen schon angedeuteten herben Abstieg in der
Einschätzung hinter sich.

Genauere Betrachtung der historischen Situation führt zu dem Schluss, dass der
Anteil an tierischem Fett früher recht gering gewesen sein muss, weil Fleisch selten
und teuer war. Nur bei entsprechendem Jagdglück oder zu besonderen Festen
waren Fleischspeisen verfügbar. Aeltere Menschen berichten noch davon, dass nur
zu allen heiligen Zeiten Fleisch gegessen wurde. Der weitaus grösste Fettanteil in
der Nahrung kam seit Menschgedanken aus pflanzlichen Quellen. Die Herstellung
von Oel und anderen Fettformen war schon schwierig, die Aufbewahrung aber war
ein wirkliches Problem. Ein Grossteil der notwendigen Fette dürften die Menschen
früher durch das Verspeisen von Nüssen und Kernen bezogen haben. Mit
zunehmender        Kultur   wurde     aus      ölhaltigen    Früchten    wie     Oliven,
Sonnenblumenkernen oder Nüssen über eine rein mechanische Pressung Oel
gewonnen. Diese Art der Herstellung hatte den Nachteil des relativ geringen
Ertrages, aber den Vorteil, dass die hohe biologische Wertigkeit der Oele erhalten
blieb, denn die für uns Menschen essentiell ungesättigten Fettsäuren werden durch
diesen Pressvorgang nicht zerstört. Nachteile wie geringerer Ertrag und schlechte
Haltbarkeit veranlassten später findige Köpfe in der Nahrungsmittel-Industrie, die
Technik der Raffinierung des Oels zu entwickeln. Dabei wird mit fettlöslichen
Chemikalien der Oelgehalt aus dem Presskuchen, der nach der mechanischen
Pressung übrig bleibt, herausgewaschen. Dieses wird bei hohen Temperaturen
wieder getrennt, danach gefiltert, gebleicht, gefärbt, mit Antioxidanzen versetzt usw.

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                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



So wird aus einem ursprünglich qualitativ hochwertigen und für unsere Gesundheit
notwendigen Lebensmittel ein vitalstoffarmes totes Nahrungsmittel mit viel Füllwert
aber ohne Vollwert. Dies ist ein ähnliches Ergebnis wie bei der Raffinierung der
Kohlenhydrate.

Ungesättigte Fettsäuren, Vitaminkomplexe und viele andere Vitalstoffe werden durch
die beschriebenen Prozeduren zerstört. Der Ertrag ist aber mit dieser
Verarbeitungstechnik ungleich höher. Auf einen einfachen Nenner gebracht kann
wieder einmal festgestellt werden: wirtschaftlicher Vorteil = gesundheitlicher Nachteil.
Selbst wenn die Industrie das Ergebnis mit künstlich hergestellten Vitaminzusätzen
wieder aufzubessern versucht, bleibt das Resultat fragwürdig.

Fette und Oele dürften aber trotz dieser fragwürdigen Situation oder wegen etwaiger
Figurproblemen nicht einfach undifferenziert von unserem Speiseplan verbannt
werden, denn sie stellen einen wertvollen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung
dar. Die Forderung, Fett zu reduzieren gilt v.a. für die gesättigten tierischen
Fettsäuren und insbesondere für die versteckten Fette in der Nahrung.



Es ist in Zukunft eher noch viel mehr darauf zu achten, dass wir die richtigen Fette zu
uns nehmen, was tendenziell auf die pflanzlichen hinaus läuft. Aber auch hier sind
die raffinierten Oele zu meiden. Beste Qualität garantieren die geschützten
Bezeichnungen „kalt gepresstes Oel“ oder „kalte Erstpressung“ – im mediterranen
Bereich „extra vergine“. Das Angebot ist vielfältig und reicht von Oliven-, Nuss-,
Sonnenblumen-, Distelöl hin bis zum Leinöl , dessen besondere Qualität in der
Oel-Eiweiss-Diät der deutschen Fettspezialistin, Johanna Budwig, eine Rolle spielt.
Im täglichen Gebrauch sollten diese Oele niemals mitgekocht werden, sondern so
wie in der mediterranen Küche Suppen, Gemüse, Reis, Nudeln oder
Getreidegerichten sowie Salaten vor dem Servieren zugesetzt werden.

Die Forderung Nr. 2 lautet folglich, denn notwendigen Fettanteil in unserer Nahrung
über kaltgepresste pflanzliche Oele decken und den Anteil an tierischen Fetten
artgerecht einschränken.



Butter oder Margarine

Spätestens an dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob Butter oder Margarine zu
bevorzugen sei. Die Forderung Nr. 2 weist eigentlich in die Richtung Margarine, die
ja aus pflanzlichen Fettsäuren besteht. Diese Streitfrage ist jedoch spätestens seit
den Forschungsarbeiten von Johanna Budwig deutlich zugunsten der Butter
entschieden worden. Trotzdem versteht es die Margarine-Industrie,mittels
geschickter Werbung ihre Produkte als besonders gesund zu verkaufen und die alte
Streitfrage immer wieder aufs neue aufzuwerfen.

Jeder einzelne kann diese Frage für sich sehr leicht entscheiden, wenn er etwa nach
einer einwöchigen Fastenkur in sich hinein horcht und sich fragt, worauf er mehr Lust
hat. Da im Magen ein wässeriges Millieu vorherrscht, ist folgender Versuch
angebracht: wenn man etwas Butter in Wasser verrührt, entsteht eine milchige
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Flüssigkeit, ein Suspension von feinst verteilten Fetttröpfchen in Wasser. Bei den
meisten Margarinen entsteht bei gleichem Vorgehen aber nur ein Geschmier. Die
Margarine-Industrie behauptet zwar, dass sich in ihren Margarinen viele der
wichtigen hoch ungesättigten Fettsäuren befinden, jedoch werden diese vermutlich
im erhitzten Zustand hineinfliessen, da das Hineinschmieren unwirtschaftlich ist. Nun
lernt aber schon jedes Schulkind, dass hoch ungesättigte Fettsäuren sich bei jedem
Erhitzen sofort sättigen. Das ist auch genau der Grund warum man die wertvollen
Fette nicht kochen, sondern erst hinterher den fertigen Speisen zusetzen sollte, wie
in den mediterranen Küchen üblich. Vom Standpunkt der gesunden Qualität aus
sollte also auf jeden Fall Butter bevorzugt werden.



Die Eiweiss- Frage
Auf die Gefahren der heutigen Eiweiss-Mast durch übermässigen Fleischkonsum ist
schon ausführlich Bezug genommen worden. Immerhin ist das was die Schulmedizin
als Rheuma-Faktor bestimmt wohl nicht zufällig ein Protein. Perioden wo kein oder
kaum Fleisch zur Verfügung stand, zeichnen sich durch einen sofortigen und
drastischen Rückgang von Gicht und Rheuma aus, wie etwa die Nachkriegszeit in
Europa.

Natürlich darf man aber das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und völlig auf eine
eiweissfreie Ernährung zielen. Zu einer gesunden Ernährung gehört Eiweiss.
Menschen, die täglich grosse Fleischportionen vertilgen, sollten diese ihrer
Gesundheit zuliebe drastisch reduzieren. Die Tatsache, dass bestimmte Kulturen,
wie etwa die Indische über lange Zeit ganz auf Fleisch verzichteten, zeigt, dass die
Eiweiss-Versorgung aus pflanzlichen Quellen durchaus gleichwertig ist. Durch den
weit verbreiteten, übertriebenen Eiweisskonsum haben wir heute mit vielen
Verschlackungsproblemen zu kämpfen. Prof. Lothar Wendt geht nach ausgiebigen
Forschungen bzgl. der Eiweissfrage davon aus, dass ein direkter Zusammenhang
zwischen dem Eiweiss-Ueberschuss in unserer Nahrung und den meisten
Zivilisationskrankheiten besteht. Neben den schon erwähnten rheumatischen
Beschwerden spielt der Eiweiss-Ueberfluss wohl auch bei der Arteriosklerose, die in
den westlichen Leistungsgesellschaften oft schon nach der Pubertät einsetzt, eine
wesentliche Rolle. Der erste Schritt in Richtung Gefässverkalkung beginnt nämlich
nicht mit der Einlagerung von Kalk, sondern von Eiweiss-Bausteinen, dann erst von
Fetten, wie dem zu Unrecht so gescholtenen Cholesterin und schliesslich von Kalk.

Wer sich von Fleisch ernährt, sollte wie bei Kohlenhydraten und Fett nur qualitativ
hochwertige biologische Produkte kaufen, wobei diese Forderung nirgends so
schwer zu erfüllen ist, wie gerade hier. Jäger können noch sehr anschaulich erklären,
warum es so wichtig ist, das Tier mit dem berühmten ersten Blattschuss zu töten,
denn wenn es erst langsam, nach einem späteren Fangschuss verendet, schmeckt
das Fleisch weniger angenehm. Fleisch von angeschossenen, flüchtigen Tieren, die
über lange Zeit verfolgt wurden, ist zum Verzehr überhaupt nicht mehr geeignet.
Insofern ist die routinierte Tötungsmaschinerie moderner Schlachthöfe, deren
Atmosphäre von Blutgeruch und Panikgefühlen geprägt ist, völlig ungeeignet,
essbares Fleisch zu produzieren. Die Todesangst der Tiere verursacht die
Ausschüttung von Stresshormonen, die die Qualität des Vollwertes des Fleisches
erheblich negativ beeinflussen. Ein aufwendiger Ansatz in Richtung vollwertiges
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Fleisch ist der des ehemaligen Besitzers der Firma Hartha Wurst., der in Glonn bei
München auf einem Gut der nach ihm benannten Schweissfurt-Stiftung Tiere
artgerecht in Freilandhaltung aufwachsen und sie schliesslich rituell schlachten lässt.
Allerdings ist derart aufwendig produziertes Fleisch natürlich deutlich teurer und stellt
somit für die Allgemeinheit keine Lösung ihrer selbst durch Rinderwahn und
Schweinepest nicht zu bremsenden fleischlichen Appetits dar.

Ein weiterer bedenkenswerter Punkt ist die Frische des Fleisches. Aufgrund der
Leichenstarre ist ganz frisches Fleisch nicht geniessbar, sondern zäh wie Leder. Um
Fleisch überhaupt verzehren zu können, muss sich die Leichenstarre zuerst
auflösen, was nur durch Zersetzungsprozesse geschehen kann. Die Hausfrau fragt
aus diesem Grund beim Metzger, ob das Rindfleisch gut abgehangen sei. Sie
erkundigt sich damit dezent danach, ob die Verwesungsprozesse schon weit genug
fortgeschritten sind. Beim Wildbrett wurde lange Zeit der sogenannte „haute goût“,
der hohe Geschmack genossen, der aber nichts anderes als beginnender
Verwesungsgestank war. Es geht in Wirklichkeit also um die Frage, wie weit die
Verwesung schon fortgeschritten ist. Bei zu wenig Zersetzung – die Wissenschaft
kennt diesen Phänomen und spricht von autolythischer Zersetzung – ist das Fleisch
ungeniessbar, bei zu weit fortgeschrittenem Verwesungsprozess ist es dagegen
anrüchig. Es geht also auch hier, wie so oft, um den richtigen Zeitpunkt. Aus dem
beschriebenen Fäulnis-Aspekt heraus hat der schwedische Lebens-Reformer Are
Werland bereits in den 50er Jahren zum völligen Verzicht von Fleisch aufgerufen,
und eines seiner Bücher hiess dann auch „Warum ich weder Fleisch, Fisch noch Ei
esse“.

Wer um all das weiss und trotzdem weiter auf Fleischkonsum nicht verzichten will
oder kann, sollte zumindest vorsichtig und bewusst mit den geschilderten Problemen
umgehen. Auch und gerade bei Fleisch ist auf Qualität zu achten. Im Uebermass
genossen, liegen die schon beschriebenen Gefahren. Davon kommt die
Uebersäuerung, der wir uns noch gesondert zuwenden müssen, so wie die Zufuhr
von unkontrollierten Mengen an Hormonen und Antibiotika.

Beim Fischkonsum ist daran zu denken, dass Meeresfische aufgrund der
bedenklichen Lage der Weltmeere inzwischen erheblich belastet sind. Eine Portion
Thunfisch reicht schon, um die gerade noch zulässige Höchstgrenze der jährlichen
Quecksilber-Ration aufzunehmen. Andererseits enthalten aber gerade Fische aus
kalten Meeresgewässern für unsere Gesundheit wesentliche Fettsäuren.

Die Forderung Nr. 3 lautet folglich, den notwendigen Eiweissanteil in der Nahrung
vorwiegend aus pflanzlichen Quellen decken und den kleinen Anteil an tierischem
Eiweiss durch Fisch und Fleisch aus artgerechter Haltung bestreiten.



Das gefährliche Zuckerspiel
Wann immer hoch raffinierte Kohlehydrate über die Nahrung aufgenommen werden,
beginnt eine Kettenreaktion, die primär unsere Leistungsfähigkeit stark begrenzt und
langfristig negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. Diese Beobachtung,
die jeder bei sich selber nachvollziehen kann, lässt sich physiologisch leicht
durchschauen.
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Ein normales Frühstück bestehend aus einer Tasse Kaffee oder Tee, etwas Zucker,
einem weissem Brötchen bestrichen mit Marmelade oder etwas deftiger belegt mit
Schinken und Käse, vielleicht einem Stück Kuchen oder Croissant zieht Reaktionen
nach sich, die leistungsmindernd und gesundheitlich bedenklich sind. Viele der oben
genannten Bestandteile des Frühstücks enthalten raffinierte Kohlenhydrate wie
Auszugsmehle und Zucker. Betrachtet man die Blutzuckerkurve nach einer solchen
Mahlzeit, kann man einen unphysiologisch hohen Anstieg der Werte feststellen. Die
schnellen Energiespender sind allesamt Kunstprodukte, die in dieser Form und
Konzentration in der Natur nicht vorkommen. In den Jahrmillionen der Evolution hat
der Organismus wunderbar gelernt, sich auf alle Eventualitäten einzustellen. Da er
aber einen dermassen schnellen Anstieg des Blutzuckers nie erlebt hat, muss er
davon ausgehen, dass gerade ungeheure Mengen an Kohlenhydraten verschlungen
wurden und entsprechend grosse Mengen an Insulin ausgeschüttet werden müssen.

Die hohen Blutzuckerspitzen führen also zu einer starken Insulinproduktion der
Bauchspeicheldrüse, die dadurch ihrerseits versucht, diesem bedrohlichen Zustand
gegenzusteuern. Im Blut selbst befindet sich jedoch gar nicht soviel Zucker, da es
sich um ein Strohfeuer handelte. Deshalb ist das Endresultat ein starker Abfall des
Blutzuckers mit Unterzuckerung und all den negativen Folgen wie
Konzentrationsverlust, Einbruch der körperlichen Leistungsfähigkeit, inneren Unruhe
in Verbindung mit einem subjektiven Hungergefühl. Das liegt aber nicht etwa daran,
dass das gesamte Frühstück schon verdaut und verbraucht ist, sondern daran, dass
der Körper in seiner natürlichen Intelligenz bei Unterzuckerung immer auf
Nahrungsmangel schliesst. Von seiner Entwicklungsgeschichte her ist er einfach
nicht auf raffinierte Kunstprodukte wie Zucker und all die anderen Süssigkeiten auf
Zuckerbasis eingestellt.

Im Grunde genommen benötigt unser Organismus kein Gramm isolierten Zucker,
denn er kann sich den benötigten Zucker leicht aus den zugeführten, vollwertigen
Kohlenhydraten selber bilden und das natürlich ohne schädliche Folgen.

Zeitlich betrachtet fällt dieses Hungergefühl mit der Brotzeit oder Kaffeepause
zusammen, wo üblicherweise Zuckerhaltiges oder Raffiniertes aufgenommen wird.
Der selbe Vorgang wiederholt sich also nach dem zweiten Frühstück und so schaffen
es die Betroffenen, sich bis zum Mittagessen zu retten, das sie schon wieder mit
erheblichem Hunger erwarten. Dieses hält wieder nicht lange vor, und so kommt die
nachmittägliche Kaffeepause gerade rechtzeitig und hält nur knapp bis zum
Abendessen vor, an das sich eine Kette von Naschereien vor dem Fernsehen
anschliesst.

Der gesamte Organismus wird somit                 andauernd       zwischen   Ueber-   und
Unterzuckerung hin- und hergestossen.

Die Bauchspeicheldrüse, die diese Entgleisungen im Ernährungsverhalten mit
grossen Mengen an Insulin, jenem Stoff, der dem Zucker den Eintritt ins Zellinnere
ermöglicht ausgleichen muss, leidet am meisten unter diesem Missstand und reagiert
mit Erschöpfung, die sich im Alter als sogenannte Altersdiabetis (Diabetis Typ 2)
bemerkbar macht. Ernährungsbedingte Zuckerkrankheit ist im stetigen Steigen
begriffen und hänge ursächlich mit den dargestellten Essensgewohnheiten
zusammen.
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Natürlich lassen sich auch tiefere seelische Gründe für die Zuckerentgleisungen
finden und deuten. Das Grundproblem hat mit dem Thema Liebe zu tun, die im
Zucker eine symbolische Entsprechung findet. Tatsächlich kann man den meisten
dieser Naschkatzen schon beim Essen ansehen, dass sie sich damit etwas Gutes
tun wollen, wohl weil es sonst niemand tut und sie auch sonst keinen anderen Weg
finden, sich das zu schenken, was jeder Mensch fast so dringend braucht, wie die
Luft zum atmen, nämlich Liebe.



Moderne Zuckerorgien
Selbst wenn man einmal von den gesundheitlichen Risiken des Zuckerkonsums
absieht und nur den in unserer Gesellschaft so hoch bewerteten Faktor der
Leistungsfähigkeit berücksichtigt, stösst man auf erschreckende und manchmal auch
witzige Bespiele, die das oben beschriebene bekräftigen.

Untersuchungen der Unfallhäufigkeit bei Autofahrern ergaben erstaunliches: gerade
eine knappe Stunde nach der Tankpause häuften sich auf den Autobahnen die
Probleme, wo doch alle vernünftigen Menschen davon ausgehen, dass Pausen beim
Autofahren gesund sind. Das Geheimnis liegt auch hier meist beim Zucker. Während
nämlich die Autofahrer ihren Autos an den Tankstellen erstklassige
Mineralölprodukte kaufen, verordnen die meisten sich selbst eine unglaublich
minderwertige, meist auf Zucker basierende Diät. Ungefähr eine ¾ Std. nach einer
solchen Rast gelangen sie dann in den Unterzuckerbereich mit all den angeführten
Problemen vom Konzentrationsmangel bis hin zum Heisshungergefühl und sind
damit stoffwechsel- und konzentrationsmässig reif für einen Unfall.

Aehnlich, wenn auch weniger dramatisch ergeht es Schülern, die von ihren Eltern mit
Pausenbrötchen aus weissem Auszugsmehl oder noch schlimmer mit all den in der
Werbung kindergerecht aufbereiteten Pausen-Snacks wie Schoko-Riegel, Milch-
Riegel, etc. die von Zucker und Süssstoffen nur so strotzen, ausgerüstet werden.
Kurzzeitig für die Pause eben, bekommen sie darauf wirklich viel Energie um dann
während der folgenden Unterrichtsstunden in ihrer Unterzuckerung sanft
dahinzudämmern. Das Vollkornbrötchen erfreut sich dagegen bei den Schülern
geringerer Beliebtheit, denn die daraus gewonnene Energie steigt langsam an. Für
die Pause selbst bringt es kaum etwas, allerdings umso mehr für die Unterrichtszeit
danach, an der aber viele Schüler gar nicht sonderlich interessiert sind.

Verstärkt wird dieser Umstand noch durch das Trinken zuckerhaltiger Limonaden
und sogenannter Durstlöscher. Selbst motivierten Kindern ist es kaum möglich, bei
diesen Anschlägen auf ihren Stoffwechsel interessiert und aufmerksam dem
Unterricht nach der Pause zu folgen.

Wir machen es uns selbst und unseren Kindern mit all den süssen Zuckerprodukten
alles andere als leicht, sei es im Beruf, in der Ausbildung, im Alltag, beim Ausüben
von Hobbies oder bei Autoreisen. Was den Kindern noch ein süsser Dämmerschlaf
sein mag, der den Schulalltag angenehm schnell vergehen lässt, wird für den
Autofahrer oder den Arbeiter an einer gefährlichen Maschine gar nicht so selten zu
einem herben Erwachen und einer bitteren Lektion, manchmal sogar zu einer
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makaberen Art von süssem Tod. Die ruinierten Zähne, die nicht nur unter der
direkten Zuckereinwirkung leiden, sondern auch durch den Mineralstoffmangel als
indirekter Folge des Konsums von zuviele raffinierten Kohlenhydraten und die
vorzeitig erschöpften Bauchspeicheldrüsen sind dabei noch beinahe die harmloseren
Folgen.

Auf der anderen Seite gibt es viele ermutigende Erfahrungen, die den Ausstieg aus
der Welt, der in vieler Hinsicht raffinierten Süsskrams erleichtern könnten. Schon vor
20 Jahren sind Oesterreichs Skiflieger mit Vollwertkost der gesamten Konkurrenz
davongeflogen. Was aber Goldmedaillen und Weltmeistertitel im Spitzensport
möglich machte, kann auch im normalen Alltag Wunder wirken.


(siehe Hinweise Zucker-Problematik aus „Ernährung“ von Evelyne Langner und
Artikel über Zucker der Drogerie Hertenstein Luzern im Anhang)




Schadstoffe in Lebensmitteln
(Quellennachweis 5)



Die Menschen haben sich eine Umwelt geschaffen, die in kaum noch
überschaubarer Weise mit Fremd- bzw. Schadstoffen belastet ist. So werden in
Deutschland jährlich mehrere Millionen Tonnen an Abfallstoffen in die Flüsse geleitet.
Der Rhein beispielsweise, der etwa 20 Mio. Menschen mit Trinkwasser versorgt, ist
gleichzeitig grösstes Abwasserentsorgungs-System der Bundesrepublik. Um mehr
als das tausendfache der Einleitungsmenge in Flüsse, werden weltweit die Meere mit
Fremd-, bzw. Schadstoffen belastet. Die Meere sind nicht nur wichtige Klima-
Regulatoren, sondern auch die grösste globale Nährstoffquelle.

Das gleiche Schicksal teilt die Atmosphäre, in die 1994 allein von Deutschland mehr
als 20 Mio. Tonnen teils agressiver und toxischer Schadgase, z.B. Stickoxyde,
Schwefeldioxyd,     Kohlenmonoxyd,      niedermolekulare      flüchtige  organische
Verbindungen emitiert wurden. Die einschlägigen Berichte der globalen Belastungen
ökologischer Systeme mit anthropogenen Fremd- bzw. Schadstoffen verdeutlichen
die resultierenden Probleme.

Symptone gestörter ökobiologischer Systeme finden sich mittlerweile überall. Wald-,
Seen-,    Vogel- und Robbensterben, Algenblüten, Treibhauseffekt, Ozonloch,
genetische Erosionen usw. Dabei ist die aus menschlichem Verhalten entstandene
toxische Gesamtsituation auch mit den Instrumentarien moderner Biowissenschaften
weder aktuell zu bewerten, noch vorauszusagen.

Im Rahmen der ernährungswissenschaftlichen Fragestellungen ist jedoch v.a. von
Interesse, welche direkten toxischen Wirkungen durch antropogene Fremdstoffe in
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Lebensmitteln oder Trinkwasser zu erwarten sind. Dabei muss der Tatsache
Rechnung getragen werden, dass die chemisch-analytischen Instrumentarien
mittlerweile den Stoffnachweis in einem Konzentrationsbereich erlauben, in dem eine
toxikologische Ueberprüfung häufig nicht mehr möglich ist. So kann zwar der
Nachweis des Stoffes geführt werden, nicht aber der Nachweis seiner Schädlichkeit
oder Unschädlichkeit in den vorkommenden Konzentrationen.

Werden diese direkten, d.h. unmittelbaren Gefährdungspotenziale durch
anthropogene Kontaminationen von Lebensmitteln in Relation zu anderen vielfach
akzeptierten Risiken, z.B. Rauchen, Alkohol, Fettkonsum, Autofahren betrachtet, so
geht nach heutiger Erkenntnis von diesen anderen Risiken eine wesentlich grössere
Gesundheitsgefährdung aus, als von den Fremd-, bzw. Schadstoffen in
Lebensmitteln. Dennoch bleibt die Forderung bestehen, anthropogener Fremdstoffe
prinzipiell aus Lebensmitteln fernzuhalten.

Im Vergleich zu den direkten Gefährdungspotenzialen anthropogener
Umweltkontaminanten über Lebensmittel sind die Risiken durch diesen indirekten
systemvermittelten Wirkungen als wesentlich höher einzustufen. Noch kann kein
Wissenschaftlicher zuverlässig Hinweise geben, wie die synergistischen Effekte
anthropogener Umweltkontaminationen über abiotische Komponenten, Pflanzen,
Tiere und ökobiologische Systeme auf den Menschen rückwirken werden. So ist
durchaus denkbar, dass synergistische Effekte von Schadstoffen zu
Gleichgewichtsverschiebungen      ökologischer   Systeme      und    damit     zu
Umweltveränderungen grossen Ausmasses führen können, z.B. Klima-
Veränderungen. Effektive, die insbesondere die Nahrungsmittelversorgung erheblich
beeinträchtigen würden.

Ein vernünftiger Weg die natürlichen Ressourcen und damit auch Lebensmittel
Wasser und Luft von potenziell gesundheitsschädigenden bio, sozio und
ökotoxischen Substanzen freizuhalten, ist die Vermeidung ihrer Produktion und
Freisetzung. Dies trifft sowohl Agro-Chemikalien und Tierarzneimittel als auch
Lebensmittelzusatzstoffe und anthropogene Kontaminanten, die aus individuellen
und kollektiven Quellen an die Umwelt abgegeben werden.




Szenarien einer künftigen Ernährungsweise mit Hilfe
bestimmter Technologien wie z.B. Gentechnik, Food-
Design oder Lebensmittelbestrahlungen


Im Rahmen des europäischen Binnenmarktes finden die Verbraucher zunehmend
„neuartige“ Lebensmittel und Lebensmittelzutaten vor. In erster Linie handelt es sich
um Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren, isolierte
Substanzen, die mit Hilfe gentechnisch veränderter Organismen (GVO) produziert
wurden; z.B. Lebensmittelzusatzstoffe, Hilfsstoffe und Aromen, chemisch modifizierte
oder neu synthetisierte Bestandteile oder Erzeugnisse, z.B. Fett-Ersatzstoffe,
Bestandteile oder Erzeugnisse aus Organismen und Rohstoffen, die bisher nicht der
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                             Ernährung gestern – heute – morgen:
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menschlichen Ernährung dienten, z.B. Einzellerprotein. Derartige Produkte werden
unter dem Begriff Nouvelle Food zusammengefasst. Während zur Zulassung von
Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten aus gentechnischer Produktion mit der
europäischen Nouvelle Food Verordnung (EG 1997) ein neuer Rechtsrahmen
geschaffen wurde, werden Lebensmittelzusatzstoffe (EG 1989), Hilfsstoffe (EG 1979)
und Aromen (EG 1988) aus GVO weiterhin durch früheres EG-Recht reguliert.

Mit der zunehmenden industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln gewinnt eine
neue Disziplin an Bedeutung: das Food Design. Dieser Begriff bezeichnet den
Prozess der Entwicklung neuer Lebensmittel, die an spezifische Bedürfnisse des
Menschen angepasst sind. Häufig werden hierfür aus pflanzlichen oder tierischen
Rohstoffen oder aus Mikroorganismen gewonnene isolierte Substanzen sowie
chemisch synthetisierte Stoffe verwendet.

Ausserdem werden in absehbarer Zeit in der EU                                Richtlinien zur
Lebensmittelbestrahlung mit ionisierenden Strahlen zwecks                    Haltbarmachung
verabschiedet (Stand Februar 1999).



Gentechnik

In den letzten 25 Jahren wurden gentechnische Methoden entwickelt, die es
ermöglichen, aktiv in die Vorgänge der Vererbung einzugreifen. Die zentrale
Grundlage der Gentechnik stellt die Erkenntnis dar, dass die DNA aller Lebewesen
aus den vier gleichen Grundbausteinen aufgebaut ist. Durch unterschiedliche
Kombinationen dieser Bausteine ist eine nahezu unendlich grosse Vielzahl von
Genen vorstellbar. Gene sind einzelne Abschnitte des Erbgutes und tragen die
Information für den Aufbau aller Proteine des Organismus in sich. Mit Hilfe von
Gentechnik kann die Abfolge der Bausteine analysiert werden (Sequenzierung).
Weitere gentechnische Methoden sind z.B. Extraktion und chemische Analyse von
DNA, auffinden und beschreiben von Genen, chemische Synthese künstlicher DNA.
Ein Ziel dieser Methoden ist die Ueberwindung der natürlichen
Kreuzungsbarrieren, um die Herstellung gentechnisch veränderter,
sogenannter transgener Organismen zu ermöglichen, die neuartige, im Labor
veränderte Gene aus einem beliebigen anderen Organismus enthalten.

Um Eingang in den Produktionsprozess von Lebensmitteln zu finden müssen
gentechnische Methoden in das Methoden-Repertoire der klassischen
Biotechnologie aufgenommen werden, die sich wiederum aus der systematischen
Erforschung, züchterischen Verbesserung und industriellen Nutzung traditioneller
Kulturtechniken entwickelte. Die zukünftige Erzeugung von Sauermilch-Produkten,
Sauerkraut, Brot, Bier oder Wein durch die Stoffwechselleistungen gentechnisch
veränderter Organismen wird als moderne Biotechnologie bezeichnet.

Im Agrar- und Lebensmittelsektor hat die Gentechnik inzwischen in allen Bereichen
Eingang gefunden.



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1. Transgene Tiere

Gentechnische Methoden werden eingesetzt um das An- und Abschalten der
Wachstums-Hormonproduktion durch jahreszeitliche und entwicklungsbedingte
Einflüsse zu unterdrücken und einen gleichmässig hohen Pegel an Hormonen zu
bewirken. Das Ziel ist eine beschleunigte Wachstumsrate und eine verkürzte
Mastzeit, z.B. Lachse und Schweine mit kontinuierlicher Hormonproduktion. Weitere
Eigenschaften     wie   geringere    Stress-    und   Krankheitsanfälligkeit unter
Hochleistungsbedingungen sind aufgrund ihrer Komplexität gentechnischen
Methoden bisher in der Praxis nicht zugänglich.

Die Verwendung transgener Tiere ist derzeit (Stand Februar 1999) noch nicht für die
Lebensmittelerzeugung genehmigt. Die Herstellung transgener Lachse (Kanada) und
Schweine (Australien) mit kontinuierlicher Hormonproduktion ist aber schon soweit
vorangeschritten, dass die ersten Zulassungsverfahren vorbereitet werden.




2. Transgene Pflanzen

Zwei bedeutende Anwendungen sind die Entwicklungen von Kulturpflanzen mit
gentechnisch induzierter Herbizid-Resistenz oder Virus-Resistenz, erhöhte
Widerstandsfähigkeit gegen Total-Herbizide oder Virus-Erkrankungen. Daneben
können in gentechnisch veränderten Pflanzen neue Substanzen oder veränderte
Substanz-Profile produziert werden (z.B. Raps mit veränderter Oelsäure-
zusammensetzung) oder unerwünschte Eigenschaften unterdrückt werden (z.B.
Weichwerden von Tomaten). Ertragssteigernde Veränderungen wie die Erhöhung
der Fotosynthese-Effizienz sind aufgrund der Komplexität dieser Eigenschaften mit
den bisher entwickelten gentechnischen Methoden nicht möglich. Im Jahre 1994
wurde in den USA mit der Zulassung eines Antibiotika-Resistenzgens und seines
Proteins als Lebensmittelzusatzstoff der erste kommerzielle Anbau einer
gentechnisch veränderten Pflanze der Flaver Saver Tomate ermöglicht. Das
gentechnische     Ausschalten     des   Weichmachergens      wurde    als    nicht
genehmigungsbedürftig angesehen. Die Produktion der Flaver Saver Tomate als
Frischeprodukt wurde 1997 wegen agronomischer und geschmacklicher
Unzulänglichkeiten aufgegeben. Der Zulassungs-Antrag über vergleichbare Tomaten
in der EU wurde im Januar 1999 von den Mitgliedstaaten der EU nicht angenommen.
Derzeit sind nur wenige gentechnisch veränderte Pflanzen in Europa zur
Lebensmittelherstellung erlaubt. Deren Produkte können aber in einer Vielzahl von
verarbeiteten Lebensmitteln vorhanden sein.


3. Transgene Mikroorganismen

Der Einsatz gentechnisch veränderter Bakterien und Pilze ist grundsätzlich in allen
herkömmlichen biotechnischen Verfahren möglich, z.B. im Braugewerbe, in der
Fleisch- und Milchverarbeitung. Bisher wurde beispielsweise eine Produktivitäts-
Steigerung bei der Brotherstellung durch den Einsatz von Hefen mit verkürzten
Gärungszeiten oder die Entfernung des Alkohols bei der Produktion von

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alkoholarmem Bier durch         einen neuen Stoffwechselschritt in            gentechnisch
veränderten Hefen erreicht.

Gentechnisch veränderte Mikroorganismen werden seit 1982 kommerziell in der
Grossfermentation eingesetzt. Sie dienen u.a. der Produktion von Süss-Stoffen und
Aminosäuren sowie zur Herstellung von Enzymen, die zur Verzuckerung von
Zellulose (Zellulasen) oder zur schnelleren Bräunung von Backwaren (Xylanasen)
eingesetzt werden.


4. Einzelsubstanzen aus gentechnisch veränderten Organismen

Mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen oder gentechnisch
veränderten Zellkulturen von Tieren und Pflanzen ist es möglich, die Produktion von
Einzelsubstanzen billiger durchzuführen, z.B. Synthese von Vitaminen, Enzymen,
Lebensmittelzusatzstoffen, Futterzusatzstoffen oder Pestiziden. In der Folge können
klassische Rohstoffquellen oder Zulieferer vom Markt verdrängt werden, z.B.
gentechnisches Labverment statt pflanzlichem mikrobiellen Labersatzes und
tierischen Labverments.


5. Lebensmittelüberwachung

In der Lebensmittelüberwachung bieten gentechnische Analysemethoden neue
Möglichkeiten der Qualitätskontrolle, z.B. DNA Analyse auf patogene Keime. Zudem
gelingt die sichere Identifizierung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln nur
durch die Anwendung gentechnischer Nachweisverfahren, z.B. DNA auf Produkte
aus transgenem Soja.

Obwohl die Gentechnik bei der Herstellung pharmazeutisch wirksamer Substanzen
im medizinischen Sektor von Nutzen sein kann, ist ihre Anwendung bei der
Produktion von Lebensmitteln in Frage zu stellen. Die gentechnische Erzeugung von
Lebensmitteln bringt keine notwendigen Verbesserungen für die Lebensmittelqualität,
sondern beinhaltet eine Reihe ernst zu nehmender und bisher ungeklärter
potenzieller Risiken.



Mögliche Auswirkung der Gentechnik auf die Gesundheit des Menschen

Risiken für die menschliche Gesundheit ergeben sich aus den neuen
Produktionsweisen, die mit den GVO ermöglicht werden oder aus den GVO selbst.
Als Beispiel für solche neuen Produktionsweisen gilt der Einsatz von Total-
Herbiziden zusammen mit resistenten Pflanzensorten. Entgegen der Ankündigungen
der    chemischen     Industrie,   dass    Herbizid-Resistenz     die   Verwendung
umweltfreundlicher und toxologisch unbedenklicher Mittel fördere, führten bisher zwei
der gentechnischen Entwicklungen in Sackgassen:
Die Entwicklung antrazin-resistenter Pflanzen wurde nach dem Verbot des Mittels in
mehreren      Industriestaaten,     z.B.    1991     in      Deutschland      wegen
Grundwasserbelastungen eingestellt. Dass 1998 in den USA erlassene Verbot des
Herbizid-Wirkstoffs Promoxinil wegen Verdachts auf embrio-schädigende Wirkung
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                  Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



stellt die weitere Vermarktung des bereits zugelassenen Saatguts entsprechend
resistenter Pflanzen in Frage. Grundsätzlich ist festzustellen, dass durch die
Entwicklung     herbizid-resistenter Pflanzen die   Rückstandsproblematik   in
Lebensmitteln nicht gelöst, sondern nur verlagert wird. Ferner lassen erste
Versuchsergebnisse in Deutschland Zweifel aufkommen, ob tatsächlich deutlich
geringere Herbizid-Mengen als bisher benötigt werden, um die Beikräuter im
erwünschten Umfang abzutöten.

Durch die künstliche Neukombination genetischen Materials beinhalten transgene
Organismen selbst Gefahrenpotentiale für die Gesundheit des Menschen, die wegen
unzureichenden Forschungs- und Erfahrungsstandes nur schwer abzuschätzen sind.
Zwar ist der Informationsgehalt des neueingefügten gentechnischen Materials
bekannt, das entsprechende isolierte Protein kann im Labor auf seine Eigenschaften
getestet werden. Beim transgenen Organismus als ganzes sind Wechselwirkungen
zwischen dem eingefügten Gen und dem ursprünglichen Erbmaterial des Wirts-
orgasismus kaum Gegenstand systematischer Forschung. Einige im Verlauf von
Freisetzungen und industrieller Produktion eher zufällig dokumentierte
Beobachtungen zeigen, dass transgene Pflanzen die neuen Gene ausschalten
können oder dass durch Eingriff von Stoffwechsel in Stoffwechselwege unerwartet
schädliche Nebenprodukte wie Metoxyglyoxal auftreten. Durch solche
unvorhersagbaren Reaktionen der GVO kann die Produktsicherheit für Anwender
und Konsument gestört werden.

Werden mit Hilfe von GVO isolierte Substanzen erzeugt, treten im neuen Produkt
andere Verunreinigungen auf als in den bislang verwendeten konventionellen
Produkten. Es besteht die Forderung, diese neuen Produkte intensiv auf das
Vorhandensein toxischer und allergener Substanzen zu untersuchen. Welche
Gefahren sogar von hoch gereinigten Isolaten ausgehen können, wurde 1989 durch
Todesfälle und schwere Erkrankungen (EMS Syndrom) nach der Einnahme eines L-
tryptophanhaltigen Produkts aus gentechnischer Herstellung deutlich. Es konnte bis
heute nicht geklärt werden, ob der gentechnische veränderte Mikroorganismen-
stamm oder das zeitgleich vereinfachte Aufreinigungsverfahren das Auftreten der
toxischen Verunreinigungen hervorgerufen hat.

Das bisher in der Risiko-Abschätzung der Gentechnologie angewendete Additive
Risikomodell geht davon aus, dass sich gentechnische Eigenschaften in ihrer
Wirkung addieren. Methoden zur Einbindung nicht additiver sich verstärkender oder
abschwächender Effekte in die Risiko-Abschätzung fehlen bislang.

Die Erkenntnis, dass ein Organismus mehr ist als die Summe seiner Einzelteile und
dass Rückkopplungen zwischen allen Organisationsebenen auftreten, deren Ursache
und Resultate nicht genetisch vorherbestimmt sind, muss zur Entwicklung neuer
Methoden der Risiko-Analyse führen. Mit zunehmender Nutzung von GVO im Agrar-
und Lebensmittelsektor treten vermehrt empirische Belege auf, die die Grenzen des
additiven Risiko-Modells aufzeigen.

Als spektakulärer Fall dieser eindimensionalen Herangehensweise gilt die
Entwicklung von transgenen Lachsen, die eine andauernde Produktion von
Wachstumshormonen aufweisen. Um die für ein Lebensmittel erforderlichen
Zulassungskriterien zu erfüllen, wurde das lachseigene Hormongen verwendet, das
gentechnisch so umgestaltet wurde, dass das Hormon während des ganzen Jahres
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                              Ernährung gestern – heute – morgen:
                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



produziert wird. Der Hormongehalt im Tier aber nicht über dem normalen
Jahresmaximum liegt. Die chemische Analyse des Lachsfleisches zeigte kaum
Unterschiede zu konventionnellem Mastlachs. Demnach gilt der transgene Lachs als
ein den natürlichen Artgenossen gleichwertiges Lebensmittel. Unabhängige
biologische Untersuchungen ergaben aber, dass die Lachse eine andere
Jugendfärbung aufwiesen und ein verändertes Fress- und Schwimmverhalten
zeigten. Zudem traten nach einem Jahre schwere Deformationen am Kopf auf, die
zum Tode führten. Das eingeführte Gen hatte also deutlich mehr Auswirkungen auf
den Organismus als erwartet. Die biochemischen Substanzen und physiologischen
Veränderungen, die diesen unerwarteten Veränderungen zugrunde liegen, wurden
durch konventionelle lebensmittel-analytische Untersuchungen nicht erfasst; fliessen
also auch nicht in die Risiko-Analyse ein.

Die unerwartete Stabilität von DNA unterstützt die kritischen Stimmen in der weltweit
geführten Risiko-Diskussion über eine Uebertragung der in vielen GVO
eingebrachten Antibiotika-Resistenzgene auf menschliche und tierische Krankheits-
erreger. Antibiotika-Resistenzgene werden in der Gentechnologie zur Markierung
und Vorselektion von GVO im Labor eingesetzt. Durch den übermässigen Einsatz
von Antibiotika in der intensiven Tiermast und in der Human-Medizin verbreiten sich
derzeit Antibiotika-Resistenzen unter allen Mikroorganismen. Die Kontroverse
entzündet sich daran, ob die Uebertragung von Resistenzgenen aus GVO einen
relevanten Beitrag zu dieser gefährlichen Entwicklung leistet oder nicht. Der
Gebrauch von Antibiotika-Resistenzgenen ist inzwischen veraltet und ohne jeglichen
Nutzen für das Produkt und die Verbraucher. Aufgrund von Nutzen und Risiko-
Abschätzungen, die auf dem Vorsorgeprinzip beruhen, haben Staaten wie
Norwegen, Oesterreich, Luxemnburg und Griechenland den Import entsprechender
GVO und Produkten darauf untersagt. Das zuständige Gremium der Mitgliedstaaten
der EU hat bisher in 5 Fällen keine Zustimmung zur Zulassung von GVO mit
Antibiotika-Resistenzgenen gegeben (Industriekartoffel, Mais, Tomate und zwei
verschiedene Baumwollsorten).


Mögliche Auswirkung der Gentechnik auf die Gesellschaft
Gentechnisch veränderte Gene können in vielen Staaten der Welt als Erfindungen
patentiert werden. In den USA ist selbst die Patentierung unveränderter natürlicher
Gene möglich. Hier gilt die reine Entdeckung von Genen schon als Erfindung. Zudem
ist es in den USA möglich, transgene Pflanzen und Tiere sowie ihre Teile und
Nachfahren unter den Patentschutz zu bringen. Im Mai 1998 wurde eine
entsprechende EU Patent-Richtlinie verabschiedet, mit der auch in Europa der Weg
zur Patentierung von Tieren und Pflanzen geöffnet wird. Diese Politik stellt einen
weiteren Schritt dar um die Eigentumsverhältnisse und Verfügungsgewalt über
biologische Ressourcen aus dem öffentlichen in den privaten Sektor zu verschieben.
Mit der angestrebten Patentierbarkeit von landwirtschaftlichen Sorten und Rassen
wird die Abhängigkeit der industrialisierten Landwirtschaft von transnationalen Agro-
Chemiefirmen verstärkt.

Häufig werden gentechnische Methoden als Chance zur Bekämpfung von Hunger in
Entwicklungsländern dargestellt. Dieser Argumentation kann nur gefolgt werden,
wenn die Ursachen von Hunger auf das Problem einer unzureichenden
Nahrungsproduktion reduziert werden. Umfassende Analysen der Hunger- und
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                             Ernährung gestern – heute – morgen:
                  Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Armutsproblematik zeigen jedoch, dass durch die Fixierung auf eine technikzentrierte
Lösung keine dauerhafte und sozial gerechte Problemlösung erreicht werden kann.
Eine Erkenntnis, die auch aus der Geschichte der gescheiterten grünen Revolution
abgeleitet wird. Zudem widersprechen die weitreichenden Patente auf gene und
transgene Organismen den gesellschaftlich anerkannten Vorstellungen über
landwirtschaftliche Besitz- und Nutzungsrechte in vielen Entwicklungsländern und
werden häufig als moderne Form der Kolonialisierung empfunden.

Für die Landwirtschaft der Industrieländer werden gentechnisch veränderte
Organismen entwickelt, um traditionelle Produkte aus tropischen Ländern ersetzen
zu können und so die Abhängigkeit von diesen Staaten zu reduzieren, z.B. Raps mit
Laurinsäure statt Palm- und Kokosprodukten zur Kosmetikherstellung; Kakaobutter-
Ersatz aus hiesigen Oelpflanzen. Diese Entwicklung steht im Gegensatz zur
Absichterklärung, Hunger und Armut in Entwicklungsländern bekämpfen zu wollen.
Beim grossflächigen Anbau entsprechender transgener Pflanzen in Industriestaaaten
sind einschneidende Einkommensverluste in Entwicklungsländern wahrscheinlich.

Aber auch die Landwirte in Industrieländern werden voraussichtlich weiter an
Eigenständigkeit verlieren und noch stärker als bisher in die ökonomische
Abhängigkeit der Saatgut-Lebensmittel und Pharma-Industrie geraten, wenn
sie zukünftige Rohstoffe erzeugen, die auf gentechnischem Wege industriellen
Qualitätsanforderungen angepasst werden.

Nach Ansicht von Verbraucher- und Umweltverbänden sowie Herstellerverbänden
von Natur-Reformkost und ökologischen Lebensmitteln bieten die gesetzlich
festgelegten Normen und Verfahren jedoch keinen ausreichenden Schutz vor
gesundheitlichen und ökologischen Gefahren (Deutscher Naturschutzring 1992). Die
Berücksichtigung sozio-ökonomische Folgen der Gentechnik wurde bei der
Bewertung und Zulassung ihrer Produkte in der Gesetzgebung der EU im Gegensatz
z.B. zu Norwegen völlig ausser acht gelassen.



Folgende Forderungen zum Umgang mit Gentechnik ergeben sich aus Sicht
der Verbraucher und Umweltverbände:

1. Freisetzung
Freisetzungen    von   GVO    sollten untersagt      werden.      Gentechnische
Produktionsanlagen müssen GVO und DNA haltige Abfälle inaktivieren.

2. Handel mit GVO
Der Handel mit vermehrungsfähigen GVO, z.B. als Saatgut oder lebensfähige
Rohstoffe sollte ebenfalls untersagt werden.

3. Geltungsbereich
Der Geltungsbereich der Nouvelle Food Verordnung muss                        auf   weitere
Produktgruppen wie Hilfts- und Zusatzstoffe ausgeweitet werden.

4. Kennzeichnung
Lebensmittel sowie Zusatzstoffe, Hilfsstoffe und Aromen aus gentechnischer
Produktion sollten unabhängig von der Verarbeitungsstufe, z.B. Lezithin aus
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                             Ernährung gestern – heute – morgen:
                  Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



transgenem Soja in der Schokoladenglasur eines Kuchens und unmissverständlich
gekennzeichnet werden.

5. Risiko-Analyse
Es sind Umweltverträglichkeitsprüfungen und gentechnik-spezifische Gesundheits-
verträglichkeitsprüfungen zu fordern, die auf dem Vorsorge-Prinzip aufbauen.

6. Kontrolle
Kontroll-Gremien wie die Zentrale Kommission für biologische Sicherheit müssen
demokratisch gewählt und paritätisch durch Vertreter der verschiedenen
Interessensgruppen besetzt werden. Es ist zu fordern, dass nach dem Vorbild der
USA alle Gutachten, Unterlagen und Bewertungen, die innerhalb des
Genehmigungsverfahrens eine Rolle spielen, öffentlich zugänglich gemacht werden.

7. Haftung
Es muss eine Produkt- und Anwenderhaftung im Sinne des Verursacherprinzips mit
Beweislast auf der Seite des Produzenten angewendet werden.

8. Forschungsförderung
Eine Umlenkung staatlicher Fördergelder in umwelt- und sozial-verträgliche
Technologien, die zur Entwicklung von Produkten keine transnationale Konzentration
von Markt und Kapitalmarkt voraussetzen.



(PS. Sie Beilage „Lebensmittel aus der Retorte)

Food Design
Mit Hilfe von Food Design werden neue Lebensmittel, sogenanntes Designer Food,
entwickelt, die an unterschiedliche Bedürfnisse des Menschen angepasst werden
können. Dahinter steht die Vorstellung, dass die biochemischen Abläufe im
Stoffwechsel des Menschen und der daraus resultierende Bedarf an
Nahrungsinhaltstoffen inzwischen so weit erforscht sind, dass mit modernen
Methoden der Lebensmittelverarbeitung gezielt neue Lebensmittel „konstruiert“
werden können. Dabei kommen häufig isolierte Substanzen aus pflanzlichen oder
tierischen Rohstoffen oder aus Mikroorganismen sowie chemisch synthetisierte
Stoffe zum Einsatz. In der Regel werden die Produkte unter Zuhilfenahme diverser
Geschmacks- und Geruchsstoffe an die Verbraucherwünsche angepasst.

Bei der Entwicklung von Designer Food werden die verschiedensten Ziele verfolgt.
Je nachdem welches Ziel im Vordergrund steht, werden in den Lebensmitteln
entweder bestimmte Inhaltstoffe reduziert (z.B. Lightprodukte), ergänzt (z.B.
vitaminisierte Fruchtsäfte, Sportler-Getränke) oder ersetzt (z.B. Fettersatzstoffe).

Einer Sparte von Designer Food, den sogenannten funktionellen Lebensmitteln
(functional food) wird in naher Zukunft ein grosses Wachstumspotential
vorausgesagt, weil sie dem steigenden Bedürfnis vieler Verbraucher nach
Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit Rechnung tragen soll. Im
Allgemeinen werden darunter Lebensmittel zusammengefasst, die zusätzlich zu

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                  Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



ihrem Nährwert eine positive Wirkung auf die Gesundheit oder auf die körperliche
oder geistige Leistungsfähigkeit des Menschen ausdrücken.

Am Beispiel eines Joghurts kann dieses Prinzip verdeutlicht werden. Die ernährungs-
physiologische Funktion eines Joghurts besteht darin, dass es den Körper mit
wichtigen Nährstoffen wie Protein und Calzium versorgt. Die sogenannte
probiotischen Joghurts enthalten bestimmte Stämme von Milchsäure-Bakterien,
welche die Verhältnisse im Darm vorteilhaft beeinflussen können, was sich wiederum
positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Somit handelt es sich bei probiotischen
Joghurts um funktionelle Lebensmittel, da sie ausser ihrer ernährungs-
physiologischen Funktion einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen für die
Konsumenten mit sich bringen können. Die probiotischen Sauermilchprodukte sind
die grösste Gruppe der in Deutschland angebotenen funktionellen Lebensmittel.

In Japan, dem Ursprungsland der funktionellen Lebensmittel und in den USA werden
mit dieser Art von Lebensmittel hohe Umsatzzuwächse erzielt. Als Inhaltstoffe
werden in erster Linie antioxydative Vitamine, Ballaststoffe, mehrfach ungesättigte
Fettsäuren, Milchsäure-Bakterien, sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralstoffe und
Aminosäuren verwendet.

Aus Sicht der Vollwerternährung wird Food Design bzw. Designer Food
insgesamt kritisch bewertet. Es bestehen Zweifel, ob Food Design zu einer
Verbesserung der Lebensmittelqualität beiträgt, auch wenn bei der
Entwicklung mögliche gesundheitliche Vorteile für den Verbraucher im
Vordergrund stehen, so bedeutet dies doch gleichzeitig, dass das Ausmass der
Lebensmittelverarbeitung erheblich zunimmt. In vielen Lebensmitteln werden
isolierte oder chemisch-synthetisierte Substanzen eingesetzt.

Ausserdem sind der damit verbundene Verpackungsaufwand und die zwangsläufig
entstehenden Lebensmitteltransporte aus ökologischer Sicht als ungünstig zu
beurteilen. Da die Entwicklung neuer Lebensmittel finanziell aufwendig und
risikoreich ist, können nur grosse Lebensmittelkonzerne die Aufwendungen tragen.
Dies fördert den Konzentrationsprozess in der Lebensmittelwirtschaft, was aus
sozialen Gründen als kritisch anzusehen ist.


Lebensmittelbestrahlung

Die Bestrahlung von Lebensmitteln mit ionisierenden Strahlen ist ein physikalisches
Verfahren zur Haltbarmachung. In etwa 40 Ländern der Erde ist die
Lebensmittelbetrahlung zugelassen, rund 25 Länder betreiben sie industriell.
Weltweit arbeiten über 170 Bestrahlungsanlagen mit dem Radioisotop Kobalt 60, das
bei seinem Zerfall Gammastrahlen aussendet. Seit einem Jahrzehnt werden
vermehrt auch Beschleuniger eingesetzt, die ionisierende Elektronenstrahlen
maschinell erzeugen.

Die ionisierenden Strahlen durchdringen das Lebensmittel und schädigen
insbesondere die Erbinformation in den Zellen DNA. Bei einer Schädigung der DNA
kann sich die Zelle nicht mehr teilen. Das bedeutet, dass z.B. die Entwicklung von
Mikroorganismen oder das Auskeimen von Pflanzen gehemmt wird.

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                      Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Je nach Strahlendosis lassen sich unterschiedliche Wirkungen erzielen:

     1. Keimhemmung von Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, usw.
     2. Bekämpfung von Vorratsschädlingen und Parasiten bei Getreide,
        Hülsenfrüchten, Trockenfrüchten, Fisch, Fleisch, usw.
     3. Reifungshemmung von frischem Obst und Gemüse
     4. Verlängerung der Haltbarkeit, z.B. bei Fisch und Erdbeeren
     5. Ausschaltung von bestimmten krankheitserregenden Mikroorganismen in
        Meeresfrüchten, Geflügel, Fleisch, Rohmilchkäse, Gewürzen, usw.
     6. Verbesserung der technologischen Eigenschaften von Lebensmitteln, z.B.
        höhere Saftausbeute beim Obst.

Obwohl es keine Beweise dafür gibt, dass Lebensmittelbestrahlung bei der
empfohlenen Dosierung gefährliche oder schädliche Wirkungen zeigt,
kritisieren die Verbrauchervertreter, dass bisher nur sehr wenige
Langzeitstudien an Menschen durchgeführt wurden. Danach besteht weiterhin
die Befürchtung, dass durch Bestrahlung geringfügige Veränderungen im
Lebensmittel erfolgen, deren Wirkung sich möglicherweise erst nach vielen
Jahren zeigt.

Möglichkeiten der Verbraucher-Täuschung sind beispielsweise dann gegeben, wenn
dem Verbraucher ein falscher Eindruck über die Frische oder den Gesundheitswert
von bestrahltem Obst oder Gemüse vermittelt wird. Die Bestrahlung von frischem
Obst und Gemüse wird in der Europäischen Union gegenwärtig nicht diskutiert.
Abgesehen davon ist eine durchgängige Kennzeichnung aller bestrahlten
Lebensmittel, bzw. Zutaten vorgesehen. Auch wurden in den letzten Jahren
verschiedene Methoden entwickelt, um die Bestrahlung von Lebensmitteln
nachzuweisen, so dass die Möglichkeiten zur Verbraucher-Täuschung gegenwärtig
nur gering sind.


Abschliessend ist folgendes festzuhalten:
Food Design, bzw. Designer Food werden in der Vollwerternährung kritisch bewertet,
da die Produkte vielfach mit isolierten oder chemisch-synthetisierten Substanzen
hergestellt werden und daher einen sehr hohen Verarbeitungsgrad aufweisen.

Die Lebensmittelbestrahlung ist als Technologie in Frage zu stellen. Da gegenwärtig
in der Vollwerternährung keine Notwendigkeit dafür gesehen wird und weiterhin
Bedenken dagegen bestehen, wird vom Einsatz der Lebensmittelbestrahlung
abgeraten.



(Quellennachweis 3)
Abschliessend ist zur Gentechnologie folgendes zu sagen:
Was sind die Ziele, die sie verfolgt:
   1. Kostengünstigere und problemlosere Herstellung
   2. Kostengünstigerer Vertrieb
   3. Längere Haltbarkeit
   4. Grössere Ernte-Erträge


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                                Ernährung gestern – heute – morgen:
                     Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



     5. Veränderte Zusammensetzung der Nährstoffe, z.B. Paranuss mit Sojabohne
         ergibt das Problem für Nuss-Allergiker
     6. Erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge
     7. Schädlingsbekämpfung
     8. Höhere Widerstandsfähigkeit gegen Unkrautvertilger
     9. Schnellere Verarbeitungsprozesse
     10. Weniger Kalorien
     11. Ersetzen von natürlichen Rohstoffen
     12. Schöneres Aussehen

Aber was ist schliesslich die Motivation der Gentechnologie? Es sind folgende
Motivationen auszumachen:

     1.   Artgrenzen überschreitender Genaustausch
     2.   Verkürzung natürlicher Entwicklungszeiten
     3.   Vermehrung in beliebig grossem Massstab
     4.   Technologie am Leben
     5.   Verletzung evolutionärer Naturgesetze
     6.   Neukonstruktion von Lebensformen
     7.   Provokation der Mitwelt


Die spezielle Risiko-Qualität der Gentechnologie beruht darauf, dass die Risikoquelle
           lebt
           sich selber vermehren kann
           sich auf andere Organismen übertragen kann
           über Jahre unbemerkt bleiben kann
           im Schadenfall nicht rückholbar ist


Wir schliessen daraus, dass die Gentechnologie Risiken für Verbraucher und Umwelt
beinhaltet möglicherweise nachteilige Auswirkungen auf die Gesellschaft unabhängig
davon, ob Verbraucher gentechnisch erzeugte Produkte kaufen oder nicht.
Ausserdem ist der Beitrag von Gentechnik zum Erhalt oder zur Steigerung der
Qualität eines Lebensmittels umstritten. Daher sollte sie nur dort eingesetzt werden,
wo sie lebensnotwendig erforderlich ist, nicht jedoch zur Erzeugung oder
Verarbeitung von Lebensmitteln. Mit Hilfe von Gentechnik hergestellte Lebensmittel
(Zutaten) sollten zumindest in jedem Fall unmissverständlich gekennzeichnet
werden, um den Verbrauchern die freie Wahl zu ermöglichen.




Visionen über eine Ernährungsform von morgen


Meine Vision einer zukünftigen Ernährungsweise ist eine vorwiegend vegetarische,
biologisch produzierte Vollwert-Ernährung mit sowenig wie möglich Fleisch und
Fisch. Um das zu erreichen brauchen wir

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                      Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



     1. eine im Einklang mit der Natur ausschliesslich biologisch produzierende
        Landwirtschaft
     2. Saisonales einheimisches Produkteangebot unter Berücksichtigung und
        Schonung der Ressourcen
     3. Eine auf ein Minimum beschränkte Fleischproduktion, ausschliesslich
        biologisch und artgerecht (damit würde sich der Hunger in der Welt drastisch
        verbessern; Stichwort: Tierfutter aus der 3. Welt für unsere im Ueberfluss
        produzierenden Tiermastbetriebe).

Voraussetzung dafür ist lediglich die kritische Auseinandersetzung jedes Einzelnen
mit seinem Essverhalten. Der Philosoph Hipokrates sagte schon dazu: „Eure
Lebensmittel sollen Eure Heilmittel sein und Eure Heilmittel sollen Eure
Lebensmittel sein“ – oder was Rüdiger Dahlke dazu meint: „eine Krankheit
kann viele Väter haben, aber die Mutter ist immer die Ernährung“.


(Quellennachweis 3)
Was sind nun die Prinzipien einer Vollwert-Ernährung:

        Lebensmittel möglichst wenig verarbeiten
        Isolierte und raffinierte Produkte meiden
        Pflanzliche Lebensmittel bevorzugen
        Fleischverzehr reduzieren
        Genussgifte meiden
        Sowenig Schadstoffe wie möglich aufnehmen – oder gemäss Prof. Kolad:
         „lasst unsere Nahrung so natürlich wie möglich“

Der von Kollath formulierte Grundsatz ist vernünftig und für jeden leicht merkbar.
Dabei betont Kollath ausdrücklich, dass er nie gesagt hat „lasst unsere Nahrung
natürlich“, sondern stets „so natürlich wie möglich“.

Das bedeutet, dass die Lebensmittel nicht völlig unverändert sein müssen und zum
Teil auch nicht sein sollten. Es gibt Lebensmittel, die um verzehrfähig zu werden, in
irgendeiner Form bearbeitet werden müssen (beispielsweise rohes Getreide und
manche Gemüsesorten). Ansonsten gilt der Grundsatz, Lebensmittel möglichst
wenig zu verarbeiten. Nur so ist der Gehalt an essentiellen Nährstoffen ebenso die
Zufuhr wenig beachteter, vielleicht auch noch unbekannter aber evtl.
lebensnotwendiger Nährstoffe gesichert.

Bei der Lebensmittelverarbeitung können zudem ungewünschte Substanzen
entstehen (z.B. die bei der Fetthärtung entstehenden Transfettsäuren). Ein weitere
Punkt, der für die Naturbelassenheit von Lebensmitteln spricht ist, dass bei der
Produktion     häufig     unerwünschte      Zusatzstoffe   verwendet       werden
(Konservierungsstoffe und Farbstoffe).

Isolierte und raffinierte Produkte sollen gemieden werden. Produkte wie
Auszugsmehl, Zucker, Süssigkeiten, Kunstprodukte und ähnliches bringen in der
Regel dem Körper nur Energie aber keine lebensnotwendigen Nährstoffe. Zum Teil
haben sie zudem noch andere negative Auswirkungen.


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                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Pflanzliche    Lebensmittel   sollen  bevorzugt     werden.    Vollgetreide   und
Vollgetreideprodukte, Obst und Gemüse, Nüsse, Samen und daraus hergestellte
Fette und Oele spielen die grösste Rolle in der Vollwerternährung. Es sind
hauptsächlich Kohlehydrat- und Ballaststoff-Lieferanten, die eine Fülle von
Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, natürlichen Farbstoffen, usw. mit sich
bringen.

Der Fleisch- und Eier-Verzehr sollte reduziert werden. Viele Gründe sprechen dafür,
die Vollwerternährung lakto-vegetabil durchzuführen, also eine Kost, die mit
pflanzlichen Lebensmitteln und durch Milch und Milchprodukte durchgeführt wird.
Kleine Mengen Fleisch, besser noch Fisch, könnten den Speiseplan ergänzen.

Wichtig dabei ist, dass Fleisch und Fisch als Ergänzung nicht nötig sind, um
gesunde, vollwertige Ernährung zu gewährleisten. Die Ergebnisse eines gross
angelegten Ernährungsversuchs in Berlin zeigen ganz deutlich, dass viele Gründe für
eine lakto-vegetabile Ernährung sprechen, und Fleisch und Fisch für eine gesunde
Ernährung nicht nötig sind.

Genussgifte sollen gemieden werden. Dies bezieht sich auf Kaffee, Schwarztee,
Alkohol, usw. Es sollen so wenig Schadstoffe wie möglich aufgenommen werden. Es
wird unterschieden zwischen Umweltschadstoffen, wie z.B. Schwermetallen,
Rückstände (Substanzen, die in der Landwirtschaft verwendet werden wie Pestizide
und Insektizide) und Zusatzstoffe, z.B. Farbstoffe und Konservierungsstoffe.
Produkte aus ökologisch ausgerichtetem Landbau sollen bevorzugt werden und auf
Zusatzstoffe (Zutatenliste !!!) soll bei der Auswahl der Lebensmittel geachtet werden.

Zusätzlich zur Gesundheitsverträglichkeit der Ernährung werden auch die
Umweltverträglichkeit und die Sozialverträglichkeit des Ernährungssystems
berücksichtigt. Das bedeutet u.a. möglichst ausschliesslich Erzeugnisse aus
anerkannt ökologischer Landwirtschaft zu verwenden, sowie Erzeugnisse aus
regionaler Herkunft und entsprechend der Jahreszeit zu bevorzugen. Weiterhin
werden unverpackte oder umweltschonend verpackte Lebensmittel bevorzugt sowie
umweltverträgliche Produkte und Technologien verwendet. Ausserdem werden
landwirtschaftliche  Erzeugnisse     bevorzugt,   die  unter sozialverträglichen
Bedingungen erzeugt, verarbeitet und vermarktet werden, u.a. fairer Handel mit
Entwicklungsländern. Mit Vollwert-Ernährung sollen hohe Lebensqualität, besonders
Gesundheit, Schonung der Umwelt und soziale Gerechtigkeit weltweit gefördert
werden.

Was soll nun mit Vollwert-Ernährung erreicht werden ?
Die Ernährungs- und             Gesundheitssituation gibt Anlass genug, über
Ernährungsumstellung nachzudenken. Es macht Spass, sich mit gesunder
Ernährung zu beschäftigen und neue Gerichte auszuprobieren. Nach einigen
praktischen Erfahrungen ist Vollwerternährung auch nicht aufwendig. Konsequent
durchgeführt, ist sie nicht teurer als herkömmliche Ernährung. Dazu kommt, dass
Vollwert-Ernährung, wenn sie liebevoll und sorgfältig zubereitet ist, hervorragend
schmeckt.




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                               Ernährung gestern – heute – morgen:
                    Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



Auflistung der diversen Punkte:

     1. Der Körper soll mit allen bekannten und nicht bekannten, aber möglicherweise
        lebensnotwendigen Nahrungsinhaltsstoffen versorgt werden. In der Nahrung
        müssen ausreichend Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe, Wasser,
        essentielle Eiweissbausteine, essentielle Fettsäuren und auch andere bisher
        weniger beachtete Stoffe, wie z.B. ätherische Oele, Fruchtsäuren,
        Bioflavonoide, Kollin, Lezithin und anderes vorhanden sein.
     2. Die Verdauungsorgane sollen aktiviert werden. Dies geschieht hauptsächlich
        durch Ballaststoffe, die ein enormes Quellvermögen besitzen und dadurch
        über einen Dehnungsreiz die Darmperestraltik auslösen. Sie verkürzen zudem
        die Passagezeit der Nahrung, machen den Stuhl gleitfähig und wirken sich
        günstig auf die Darmbakterienflora aus.
     3. Die optimale Entwicklung von körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit soll
        gefördert werden. Nur die Zufuhr aller lebensnotwendigen Substanzen in der
        richtigen Menge gewährleistet Gesundheit.
     4. Gesunderhaltung soll erreicht werden durch Ausbildung von Abwehrkräften
        (Immunsystem soll gestärkt werden).



Grundregel für die Umsetzung der Vollwerternährung in die Praxis

     1. Essen Sie als erstes möglichst bewusst und ohne Hast.
     2. Kauen Sie gut, schlingen Sie nicht und fangen Sie beim Frühstück damit an.
     3. Wenn Sie es mögen, trinken Sie zuvor einen warmen Kräutertee und
         schmecken ihn mit wenig Honig ab.
     4. Nehmen Sie Vollkorn in Ihr Frühstück. Es gibt viele Möglichkeiten der
         Zubereitung, ob Müesli, ob Brei, ob Porridge oder Vollkornbrot, resp.
         Vollkornbrötchen. Diese Gerichte sättigen besser und halten länger fit.
     5. Essen Sie in allen Variationen Rohmilch-Quark – mal pikant mit Kräutern,
         Sprossen und Gewürzen – oder süss mit Früchten, Trockenfrüchten, Nüssen
         und wenig Honig, Ahornsirup oder Birnendicksaft.
     6. Hauptmahlzeiten sollen immer mit Frischkost beginnen, und möglichst oft mit
         kalt gepressten Oelen zubereitet sein. Diese sind nicht nur wertvoller, sondern
         auch ergiebiger und dadurch brauchen Sie weniger.
     7. Fette Nahrungsmittel, v.a. fettes Fleisch und Wurst sollten Sie meiden. Die
         Vollwertküche bietet genug Alternativen.
     8. Am Aufstrichfett können Sie sparen, oft ist es überflüssig. Wechseln Sie
         zwischen und Butter und ungehärteter, wertvoller Pflanzenmargarine.
     9. Zucker sollten Sie nicht verwenden. Er hat keinerlei essentielle
         (lebensnotwendige) Nährstoffe, bringt unnötige Kalorien und macht schnell
         wieder hungrig. Wichtig ist, dass Sie wenig süssen und dann mit kleinen
         Mengen Honig, Ahornsirup, Rübensirup, flüssigem Obstzucker, Trockenobst
         oder Saftkonzentraten.
     10. Verwenden Sie auch Salz sehr sparsam. Nehmen Sie dafür mehr Kräuter und
         Gewürze.
     11. Weissmehl sollten Sie gegen Vollkornmehl austauschen; ebenfalls darauf
         hergestellte Produkte, z.B. Nudeln und andere Teigwaren. Vollwertprodukte

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                    Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen



         schmecken ausdrucksvoller und kerniger, so dass Sie Salz und
         Süssungsmittel sparen können.
     12. Als Getränke sollten Sie, wenn Milch, dann Rohmilch, besser noch Soja-,
         Hafer- oder Reismilch, ungesüsste Obst- und Gemüsesäfte, natriumarme
         Mineralwasser und Kräuter- und Früchtetees bevorzugen. Meiden Sie Kaffee
         und Schwarztee. Alternative wäre Grüntee.
     13. Bewahren Sie den vollen Wert der Lebensmittel durch richtige Lagerung, Vor-
         und Zubereitung.




Abschliessend möchte ich dazu noch folgendes sagen:
Ernährung ist nicht bloss schlucken von Nahrung. Ernährung ist auch
Kommunikation: eine Kommunikation zwischen drei biologischen Systemen:
    dem Lebensmittel, das egal ob Pflanze oder Tier selbst einmal lebendig war
      und seinen komplizierten Stoffwechsel in Gang halten musste,
    dem Oekosystem Darmflora (Mittler zwischen Nahrung und Mensch) und
    dem menschlichen Körper.

Zwischen diesen drei Partnern muss die Sprache stimmen.



Meine Wünsche an die Zukunft der Menschen in Bezug auf Ernährung sind
folgende:


Widerstehen Sie der Suggestionen der Werbeindustrie und den vielen unnötigen
Versuchungen in den Supermärkten.
Kaufen Sie bei Bauern, deren Angebot zwar viel kleiner, dafür jedoch viel gesünder,
ökologisch sinnvoller und energetisch wertvoller ist.
Ernähren Sie sich „artgerecht“, biologisch und bescheiden – nach dem Grundsatz
„weniger ist mehr“.

Ihr Körper wird es Ihnen mit Gesundheit, Vitalität, Spannkraft, Ausdauer und
Scharfsinn danken; und das bis ins Hohe Alter.


Mein Dank geht an die Schöpfung allen Lebens.




Josef Egger
Adligenswil, im farbenfrohen Herbst 2004
Diplomarbeit Josef Egger


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                   Eine kritische Betrachtungsweise, Szenarien und Visionen




Quellennachweis der Diplomarbeit



1.   Josef Egger

2.   Dr. med. Thomas Weiss „Krank im Schlaraffenland“ (Video)

3.   AAMI Kurs „Ernährung mit Gerhard Elias“

4.   Rüdiger Dahlke, Baldur Preiml, Franz Mühlbauer:
     „Die Säulen der Gesundheit“

5.   Körber/Männle/Leitzmann: „Vollwert-Ernährung“




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posted:7/9/2011
language:German
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