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Der l鋘dliche Raum - Probleme - Chancen - Perspektiven

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Der l鋘dliche Raum - Probleme - Chancen - Perspektiven Powered By Docstoc
					Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Sehr geehrte Damen und Herren!


Ich freue mich, Sie heute zu unserer Enquete „Der Ländliche Raum – Probleme, Chancen
und Perspektiven“ begrüßen zu können. Ich freue mich, dass doch einige Interessierte
unserer Einladung gefolgt sind. Ich habe mich bemüht, für dieses Thema auch ein
anspruchsvolles Programm zu entwickeln und ich glaube, dass wir heute die Zeit nutzen
sollten um unser Denken zu erweitern und um Grundlagen zu entwickeln, wie wir die
Probleme des ländlichen Raumes in der Zukunft auch in der Politik kärntenweit weiterbringen
können. Es sind einige besondere Persönlichkeiten hier, die ich namentlich begrüßen
möchte. An der Spitze Herrn Landesrat Dr. Martinz – sei herzlichst begrüßt. Ich möchte an
der Spitze von einigen und zwar von sehr vielen Bürgermeistern begrüßen, den Präsident
des Kärntner Gemeindebundes, Herrn 2. Präsidenten des Kärntner Landtages Hans
Ferlitsch. Es freut mich auch, dass die Spitzen der Fraktionen anwesend sind. Ich begrüße
Herrn Klubobmann Ing. Scheuch herzlichst, Herrn Klubobmann Dr. Peter Kaiser, Herrn
Klubobmann Mag. Grilc und Herrn Rolf Holub, der Grünen ebenfalls herzlichst.
Weiters ist es mir eine Freude auch den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Herrn
Walfried Wutscher zu begrüßen. Natürlich sind alle Damen und Herren Abgeordnete, alle
Vertreter der Ämter und Behörden herzlichst willkommen – auch die Vertreter der Medien,
der Presse seien herzlichst begrüßt und ich hoffe, dass wir Unterstützung bekommen in
unseren Bemühen hier, dieses Problem auch verstärkt an der Wurzel zu fassen und es
weiterentwickeln zu können. Meine Damen und Herren wir haben, wenn wir das Problem
insgesamt betrachten, dann entwickelt sich das Gefühl, dass der soziale und wirtschaftliche
Rahmen der Welt hier eine eigenartige Dynamik festzustellen ist und diese Entwicklung uns
über den Kopf zu wachsen scheint und dass wir zum Teil auch und wir in den Gesprächen
draußen in den Regionen aber auch in den Ballungsräumen uns unterhalten, die Menschen
der Meinung sind, das uns diese Entwicklung den Boden unter den Füßen entzieht, dass
sich eine – ich bin nicht mehr bei der Begrüßung der Referenten, darf aber trotzdem
herzlichst Herrn Vizekanzler außer Dienst Dr. Josef Riegler begrüßen. Wie gesagt, es befällt
uns ein Gefühl der Unsicherheit und viele fühlen sich zusehendst machtlos oder hilflos. Die
Frage steht im Raum, wie geht es weiter? Und eine solche Entwicklung ist auch dort spürbar
und besonders spürbar wo wir gemeint haben, dass die Welt noch in Ordnung ist, nämlich
draußen am Lande, in den Regionen. Doch wir müssen feststellen, dass die Globalisierung
auch in den Regionen, draußen wo die heile Welt zuhause ist, vor diesen Regionen nicht halt
macht. Man hat vor Jahrzehnten noch geglaubt durch den Ausbau von Infrastruktur und
anderen Einrichtungen, Bau von Wohnungen usw. Straßen, dass man hier diese Regionen
wirtschaftlich beleben könnte. Aber ich meine, dass hier doch diese Dinge sich als
Trugschluss herausgestellt haben, weil die Maßnahmen nicht tiefgreifend genug angepackt
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wurden, sondern dass man gemeint hat, mit Investitionen alleine könne hier etwas zustande
gebracht werden. Denn anstatt Arbeitsplätze zu schaffen und die Regionen wirtschaftlich zu
stärken, musste festgestellt werden, dass die Zentren viel schneller hier profitieren und
wachsen, denn die Menschen sind rascher aus den Regionen herausgekommen die
Unternehmer haben sich in den Ballungsräumen angesiedelt, die Arbeitsplätze sind dort in
den Zentralräumen gewachsen und sind verstärkt dort zur Verfügung gestellt worden. Nun
die Folge ist feststellbar, dass wir eine Ausdünnung durch Abwanderung der Menschen und
Stilllegung von Betrieben feststellen müssen, die Globalisierung ist also in den Regionen
sichtbar, spürbar, schmerzlich spürbar zum Teil angekommen. Nun beginnt man auch mit
voller Wucht jene Grundlagen zu zerstören, aus denen die Regionen bisher ihre Kraft
geschöpft haben, nämlich einerseits dieses Selbstbewusstsein des bodenständigen Denkens
dann    die   Verdrängung      des    Mittelstandes    der   tüchtigen    Unternehmer,     der
Wirtschaftstreibenden, die immer dünner dort vorhanden sind, dann weiters, dass diese
Vielzahl von sozialen Netzen in Auflösung begriffen sind, im Vereinsleben ist es sichtbar,
dass dort und da Schwierigkeiten entstanden sind, weiteres eine Grundlage die unversehrte
Umwelt, die auch natürlich diesen Betrieb der Zeit die Entwicklung der Zeit auch nicht
unversehrt hier erleben muss und zu letzten auch dass diese kulturelle Vielfalt, die unser
Land prägt, durch die Vielfalt in den Dörfern und Regionen, dass auch diese kulturelle Vielfalt
gefährdet ist. Und nun meine ich, ist die Politik gefordert und zwar zu einem Zeitpunkt, wo
wir sagen müssen, wir haben eigentlich keine Zeit mehr um zu reagieren um etwas
entgegenzusetzen dieser globalisierenden Entwicklung. Denn alleine immer auf die
Globalisierung zu schimpfen und sich zu fürchten ist da nicht sehr hilfreich und auch nicht
erfolgreich. Es gilt also hier die Fragen zu beantworten, welche Gegenstrategien können
überhaupt ergriffen werden, welche Gegenstrategien sind wir in der Lage überhaupt zu
ergreifen, welche Chancen gibt es denn überhaupt, gibt es welche – ich meine als Optimist
es gibt immer Chancen und zwar in großer Vielfalt, nur müssen wir sie richtig anpacken. Es
gilt die Frage zu beantworten, welche Stärken sind wiederzubeleben, dass wir das
Selbstbewusstsein zurückerhalten und es ist die Frage zu stellen, ob die Menschen diese
Herausforderung auch aktiv annehmen und letztlich glaube ich, ist es auch eine Frage, gibt
es noch so etwas wie ein Heimatbewusstsein oder eine Verantwortung für sein näheres
Umfeld, gibt es noch Solidarität? Und ich meine, dass auf diese Fragen heute sicherlich auch
Antworten erteilt werden können und werden, denn wir haben ein sehr hochkarätiges
Podium – ich freue mich sehr, dass es mir gelungen ist oder uns gelungen ist, Referenten zu
gewinnen, die etwas zu sagen haben, die nicht nur an das Heute denken – wie kann man
rasch etwas entwickeln sondern auch in die Zukunft blicken. Vielleicht dieses Gefühl des so
raschen Nehmen und uns ruhiger werden lassen um nachdenken zu können, was können
wir wirklich langfristig nachhaltig tun. Die Referate sollen uns die Hektik nehmen in der wir
uns ständig befinden, dass jeden Tag ein neuer Antrag gestellt wird und übermorgen sollte
schon dieser Antrag beschlossen werden und überübermorgen sollte vielleicht schon alles
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passiert sein – das ist ja nicht möglich, wir sollten mehr in uns schauen und dazu möchte ich
herzlich begrüßen – am Podium Herrn Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher als
Vorsitzenden des Wirtschaftspolitischen Ausschusses des Landes Kärnten. Ich darf Sie
herzlich begrüßen. Er ist ja in Kärnten kein Unbekannter, sondern er hat sich in den letzten
Jahren schon sehr bemüht auch uns zu helfen in andern Bereichen. Ich begrüße sehr
herzlich Herrn DI Dr. Josef Riegler, Vizekanzler a.D. als Ehrenpräsident des Ökosozialen
Forums Europa und Österreich. Ich begrüße sehr herzlich Herrn DI Dr. Heinz Kopetz als
Obmann des Europäischen und Österreichischen Biomasseverbandes. Es freut mich auch
Herrn Univ.Prof. Mag. Dr. Martin Seger, den Institutsvorstand für Geografie und
Regionalforschung an der Uni Klagenfurt begrüßen zu können. Und in Kürze eintreffen wird
auch Herr Univ.-Prof. Dr. Roland Girtler, Institut für Soziologie, von dem ich erwarte, dass er
uns in eine andere Welt führt nämlich in die Welt der Alpenkultur, er ist ja bekannt aus
verschiedenen Büchern, die er geschrieben hat, um uns auch noch etwas in diese Richtung
zu sagen.
Meine Damen und Herren, ich hoffe, dass wir eine gute Stunde oder mehrere gute Stunden
miteinander verbringen können, dass wir auch dann anschließend an die Referate
entsprechend uns miteinander unterhalten, denn es sollte so sein, dass ja viele Fragen, die
hier gestellt werden auch beantwortet werden mögen. Seppi willst du ganz kurz zu uns
sprechen oder willst du das dann in der Diskussion – ich werde dir gleich dann nach den
Referaten das Wort erteilen. Danke. So nun darf ich Prof. Radermacher ersuchen um sein
Referat.




Prof. Dr. Dr. Franz Josef RADERMACHER


Sehr geehrter Herr Präsident Freunschlag, sehr geehrter Herr Vizekanzler aD Josef Riegler,
sehr geehrte Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, meine sehr geehrten
Damen und Herren! Ich freue mich ganz besonders, dass ich heute morgen die Gelegenheit
habe in dieser Aussprache mitzuwirken. Ich bin besonders gerne gekommen, weil ich mich
dem Land Kärnten doch seit etwa sechs, sieben Jahren sehr eng verbunden fühle, in einer
nun schon sehr intensiven Wechselwirkung mit der Landesregierung, mit dem KWF, mit dem
wirtschaftspolitischen Beirat mit vielen Menschen hier im Land. Und in Zeiten der
Globalisierung ist Kärnten wirklich eine interessante Erfahrung, denn hier kann man sehen,
wie sich die Politik um einzelne Täler kümmert, in denen dann ein paar Tausend Menschen
wohnen, während wir gleichzeitig in Indien einen Bevölkerungszuwachs von 10 Millionen
Menschen pro Jahr haben. Also mir fällt immer die Diskrepanz auf. In 50 Jahren kommt in
Indien 70 mal Österreich dazu und in Kärnten beschäftigt man sich mit kleinen Tälern und
das ist so ein bisschen die Bandbreite mit der wir zu tun haben – es ist wunderbar in diesen
Tälern und wo anders ist die Not der Millionen und irgendwo wechselt das miteinander und
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der Präsident hat es ja schon angesprochen – ich will deshalb fünf Minuten verwenden um
so ein bisschen den Globalisierungskontext zu beschreiben, in dem man dann überlegt was
kann man bei sich für die ländliche Region tun. Ich stimme völlig mit dem Präsidenten
überein, dass die Globalisierung die Kraft ist, die letztlich überall die Dinge verändert; das ist
so wie ein entfesselter Explosionsball – es kommen so unglaublich viel Menschen dazu – es
werden so unglaublich viel neue Dinge ermöglicht aber vor allen Dingen, läuft ein massiver
Deregulierungsprozess für globale ökonomische Prozesse, das heißt, dass Finanzkapital
und die internationalen Akteure können sich sehr weitgehend befreien aus einer
Regulierung, die die Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung wiederspiegeln würde.
Man kann auch sagen die Demokratie wird total ausgehebelt und wir haben insbesondere
die Situation, dass die interessantesten Wertschöpfungssegmente praktisch keine Steuern
mehr bezahlen, Da läuft ein Umverteilungsprozess nach oben, der ist gigantisch wir haben
ein Buch von Zabet herausgebracht, alleine der Zuwachs im Vermögen der 700 reichsten
Familien in den Jahren 2004/2005 war 800 Milliarden Dollar – das kann man sich überhaupt
gar nicht vorstellen diese Größenordnung – 800 Milliarden Dollar bei nur 700 Familien, ein
Zuwachs der Vermögen um 60 % innerhalb von 2 Jahren bei großen Teilen der Bevölkerung
geht’s zurück und sozusagen an der Spitze kommen 60 % dazu in nur 2 Jahren, das ist ein
massiver Umverteilungsprozess. Die Globalisierung ist wie der Wind, wir können nichts
gegen die Globalisierung tun, aber die Globalisierung ist vollkommen falsch gestaltet, sie
könnte vernünftig gestaltet werden, sie ist vollkommen falsch gestaltet, sie ist so gestaltet,
dass einzelne profitieren und die profitieren zu Lasten anderer und wenn man hier einen
Blick   auf   die   ländliche   Region    wirft,   in   Brasilien   einem   Land   mit   enormer
Eigentumskonzentration am Boden, nimmt diese Eigentumskonzentration noch zu und sie
gehört internationalen Agrarkonzernen die letzten Endes dann aus dieser Fläche enorm
Wertschöpfung ziehen z.B. über die Veränderung der Zuckerverordnung in Europa. Wir
haben dasselbe Phänomen jetzt in Afrika – es werden Riesenflächen aufgekauft, im
wesentlichen wird darauf Biomasse produziert, um daraus irgendein Benzinersatz zu
machen, z. B für ein Land wie China zu Lasten der dort lebenden Bevölkerung, das heißt der
ländliche Raum ist im weitesten Sinne auch die Basis aus der man alles mögliche rauszieht
in die Zentren. Wenn man jetzt überlegt, was heißt das auf Dauer für unsere ländlichen
Räume, was heißt das für unsere Situation, dann haben wir eben mit den Folgen zu kämpfen
und die wichtigste Folge ist die Ausblutung der öffentlichen Budgets. Wobei es ganz
interessant ist, dass die, die am meisten diese Ausblutung befördern, nämlich die
Finanzleiter in den USA im eigenen Land mit der höchsten Verschuldung operiert, die es
überhaupt irgendwo gibt, d.h. wir meinen ja manchmal wir wären hoch verschuldet in
Europa, die tatsächliche Verschuldung der USA-Seite ist mehr als doppelt so hoch, die
tatsächliche Verschuldung der US-Privathaushalte ist auch mehr als doppelt so hoch, die
arbeiten bereits mit einer Manipulation der Statistiken, die haben vor 2 Jahren alle
öffentlichen Förderungen z.B. von Bauprogrammen aus dem öffentlichen Verschuldungsteil
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rausgenommen und haben das formal dem Financial-Sektor zugeordnet. Die USA haben
auch vor kurzem aufgehört, die Geldmenge M3 überhaupt noch festzustellen, d.h. eine der
wichtigsten Indikatoren über die finanzielle Lage wird jetzt statistisch nicht mehr festgestellt,
damit wir alle nicht wissen, wie die Lage ist. Wir tun uns die Maastricht-Kriterien an und die
andere Seite erzeugt das Wirtschaftswachstum im wesentlichen über Schulden, man kann
auch so sagen, wir liefern unsere Güter und bekommen dafür Geldscheine und aus meiner
Sicht, müssen wir uns für die nächsten 10 Jahre auf 2 potentielle Gaus einstellen. Der eine
Gau ist ein Ressourcengau mit einer Kollapssituation, die sich ins Ökonomische rein
fortsetzt, das andere ist ein Gau auf den Weltfinanzmärkten insbesondere letztlich induziert
über den Dollar möglicherweise mit einem bewusst herbeigeführten Währungsschnitt. Also
man kann sich viel vorstellen, die USA haben von einen Tag auf den anderen die Bindung an
Gold aufgehoben, die könnten auch von einem Tag zum anderen einen neuen Dollar
erfinden und alle Dollars die wo anders sind, um den Faktor 4 abwerten also man kann sich
eine Menge vorstellen und wenn man die multimilitärische Power hat, dann können die
anderen auch wenig dagegen machen. Also ich empfehle deshalb, dass man sich auf alles
einstellt und wenn ich das herunterbreche auf die Landespolitik, ich glaube eine der
vornehmsten Aufgaben jeder Landesregierung muss es sein, sich auf den Kollapsfall
einzustellen und zu überlegen, was habe ich im Sinne einer Rückfallposition für
Möglichkeiten für meine Bevölkerung vernünftige Verhältnisse zu erhalten, wenn es zu einer
Kollapssituation kommt. Und da kehrt sich interessanterweise ein bisschen die Situation
zwischen den Städten und dem ländlichen Raum um, wenn es um eine Art Restautarkie
geht, ist der ländliche Raum z. B. hier möglicherweise in einer besseren Situation sich noch
zu helfen als manches große Zentrum woanders. Also ich wäre im Zweifelsfall lieber in
Kärnten als in New York ums ehrlich zusagen und d.h. manchmal ist ein Nachteil auch ein
Vorteil und man sollte dies gedanklich mitschleppen. Nun, vor diesem Hintergrund habe ich
mir im wesentlichen 6 größere Punkte notiert, die mir für die Orientierung der Politik in
Kärnten in Richtung auf den ländlichen Raum wichtig erscheinen. Der erste Punkt, der
wichtigste Punkt, ist die gesellschaftliche Kommunikation über die Lage in der man sich
befindet, denn es ist für Menschen sehr viel einfacher mit einer Situation zurecht zu kommen
wenn man sie versteht als wenn man sie nicht versteht. Was insbesondere stört, ist, wenn
man ein völliges Missverständnis über seine Lage hat. Man hält es zur Not auch im
Dschungel aus aber man sollte wissen, dass man im Dschungel ist. Über Kommunikation
kann man auch sehr viele Kräfte freisetzen. Es ist ja für manche in der Region nicht ganz
einfach, sagen wir mal für junge Leute, die nachts in die Disco wollen, es ist in der Fläche
nicht ganz einfach, es lohnt sich trotzdem zu vermitteln, was man in der Fläche hat, was man
woanders nicht hat und als jemand, der nun von woanders herkommt, immer wenn ich hier in
Kärnten ankomme, fällt mir eins auf, der Satz „Da leben wo andere Urlaub machen“. Das ist
ein Satz, der trifft natürlich hier total zu, denn ich kann mir alleine 10 Sportarten vorstellen,
für die Leute in Berlin Monate planen, dass sie für viel Geld eine Woche irgendwohin
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können, damit sie dann in dieser einen Woche das machen, was man hier jederzeit machen
kann und zwar von zuhause aus und die fahren die eine Woche und da ist vielleicht noch
schlechtes Wetter und Sie, die Sie hier leben, können sich die schönen Tage aussuchen und
wenn schlechtes Wetter ist, dann können Sie an irgendwas arbeiten. Also man muss meiner
Ansicht nach vermitteln, den nicht monetären Teil von Wertschöpfung. Wir sind alle viel zu
sehr fixiert auf den monetären Teil der Wertschöpfung also dass was irgendwie BIP-relevant
ist. Aber wenn jemand z.B. in der Region vergleichsweise preiswert sich mit Selbsthilfe sein
eigenes Haus baut, dann erzeugt er einen Wert, den kann ein anderer in der Stadt mit dem
doppelten Gehalt über 20 Jahre gar nicht generieren d.h. ein Verständnis über die Vorteile,
die man hat in einer Situation, die durchaus auch Nachteile hat, ist meiner Ansicht nach ganz
wichtig um aushalten zu können was passiert ohne immer gleich nervös zu werden. Hier
sagte einer gerade, der Präsident sagte hier nicht immer im Ein-Wochen-Rhythmus, wir sind
hier in einer schwierigen Auseinandersetzung, die geht über Jahrzehnte, in der muss man
die Nerven behalten und da muss man lernen, wertzuschätzen was man hat um sich zu
stärken gegen andere, die besser scheinen als sie sind. Das wäre für mich der Punkt eins.
Der Punkt zwei: Wenn sie in einer durch Globalisierung induzierten Zentralisierung sind, was
bedeutet im weitesten Sinne wird die Fläche ausgeblutet und in einem gewissen Sinne
bedeutet dies durchaus das ganz Kärnten Fläche ist, dann ist Teil der Gegenstrategie, dass
man in der Fläche, die ausgeblutet wird, seine Zentren stärkt, was in einem gewissen Sinne
die eigene Fläche noch mehr ausblutet aber die Zentren der eigenen Fläche stärkt. Es ist
sozusagen als Gegenstrategie völlig unvermeidbar seine eigenen Zentren zu stärken. Also
wenn man was für die Region tun will in Kärnten aus globaler Sicht, muss man insbesondere
auch was für den Zentralraum tun. Das ist zwar auf den ersten Blick contraintuitiv, ist aber
als Verteidigung völlig unerlässlich, denn es geht ja darum, dass man an bestimmten Dingen
international teilhaben kann und der Weg der Teilhabe geht eben aus der Region zum
eigenen Zentrum und das ist in einer bestimmten Perspektive z. B. die Bezirkshauptstadt
und anschließend ist es Klagenfurt, Villach. Und zur Verteidigung ist beispielsweise der
Flughafen von höchster Bedeutung. Das ist manchmal nicht ganz einfach zu diskutieren mit
Leuten, die jetzt wieder vom Umweltschutz her kommen, na klar wir brauchen global mehr
Umweltschutz, wir brauchen alles mögliche, aber in einer Welt, die falsch geordnet ist, muss
man auch überleben und überleben heißt, dass man partizipieren kann wie andere und da ist
es unter Umständen wichtig, das man schnell wo hin kann und dass man schnell nach
Klagenfurt kann und von Klagenfurt schnell wegfliegen kann, ist für die ländliche Region
indirekt von höchster Bedeutung. Und es gilt genau für die anderen Dinge, die hier ja sehr
gut passieren, der Ausbau der Uni, die Uni mit einer technischen Fakultät ausstatten, die
Fachhochschulen stärken, die Uni mit der Fachhochschule koppeln, etwas tun im Bereich
eines Competencecenters für Technologie, entsprechende Firmen hinziehen, die höheren
Handelsschulen fördern usw. dies alles ist auch indirekt ein Beitrag zur Förderung der
Region, d.h. man darf die Region nicht gegen die Zentren ausspielen unter diesen
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Bedingungen, die wir haben, ist die Stärkung der Region unbedingt nötig, auch für den
ländlichen Raum. Nun kommen wir zum ländlichen Raum und zur Frage „Wo sind da die
Wertschöpfungspotenziale?“. Nun es gibt vieles, was man im ländlichen Raum nicht tun
kann, was man in bestimmten Großstädten tun kann. Aber es gibt interessanterweise einiges
was man im ländlichen Raum tun kann, was, sagen wir, dieselbe Qualität hat, als wäre man
in einem Zentrum ohne dass man im Zentrum sein muss. Der Schlüssel ist die moderne
Informationstechnik. Wenn man sich die Kosten für Infrastruktur anguckt, z. B. die Kosten für
Flughäfen, für Zugstrecken, für Autobahnen, für Tunnels sozusagen alles was physisch ist,
ist vergleichsweise sehr teuer. Vernetzung moderner Medien ist vergleichsweise sehr billig.
Sie haben z. B hier ein sehr interessantes Zentrum für die Beurteilung von Financial- Indizes,
das liegt auch am Berg so bei 900/1000 m Höhe, vielleicht eine Stunde weg vom Flughafen
aber ganz also irgendwo, wo man nicht erwarten würde, dass man sich im Zentrum von
Financial Business befindet, das geht ohne weiteres wenn man das richtige Thema und die
richtige Vernetzung hat. Sie haben da ja Aktivitäten laufen mit Homebase, ich finde das
einen ganz wichtigen Ansatz – letzten Endes braucht man Wertschöpfung – man braucht
insbesondere auch Wertschöpfungschancen für gut ausgebildete Leute, man braucht aber
auch neue Möglichkeiten, sich zu vernetzen. Ganz wichtig ist die Senkung der
Transaktionskosten etwa in der Wechselwirkung von einem lokalen Handwerker oder einem
lokalem Bauern mit einer Bevölkerung in 10/15/20 km Entfernung. Überall da können die
modernen Medien helfen. Also Sie fahren die Schiene ohnehin, ich will das nur unterstützen,
die Nutzung der modernen Medien in der Fläche ist eine der wenigen Möglichkeiten zur
vergleichsweise kleinen Kosten wenigstens sektoral eine Gleichheit der Bedingungen
herbeizuführen. Ganz wichtig ist mir der vierte Punkt: Die Landwirtschaft massiv und voll
fördern. Es gibt ein ambivalentes Verhältnis zur Landwirtschaft und viele wollen von der
Landwirtschaft eigentlich nichts mehr wissen, es gibt einen etwas merkwürdigen
amerikanischen Ökologen, den haben sie vor kurzem einmal gefragt, na was passiert denn
wenn in Folge einer Klimakatastrophe die US-Landwirtschaft kollabiert, ja? Hat er gesagt,
ach das ist doch vollkommen wurscht, sind nur 3 % vom BIP, wir werden dass dann schon
bei Financial Services rausholen. Gut der Mann hat nichts verstanden, ja. Der hat überhaupt
nichts verstanden, weil, dass die Landwirtschaft nur 3 % vom BIP ist, gilt nur solange, wie es
noch genug zu essen gibt und man die Sachen von irgendwo am Globus zu vernünftigen
Konditionen mit einer vernünftigen Logistik zu sich hinbringen kann. Sobald nicht mehr
genug da ist oder die Logistik nicht mehr funktioniert, ist Landwirtschaft das einzige was
interessiert. Also ich glaube, wir werden eine Renaissance der Landwirtschaft erleben über
die nächsten 20/30 Jahre weil wir in Riesenknappheiten reingehen und außerdem ist es mit
den 3 % vom BiP die falsche Betrachtungsweise, wenn ich mich einer Region oder Tal
bewege, da ist möglicherweise die Landwirtschaft einer der wichtigsten Faktoren überhaupt.
Also Landwirtschaft ist wirklich wichtig, es ist gut dass Österreich in den letzten EU-
Verhandlungen doch einiges herausgehandelt hat, es gibt ja eine Linie – ich meine die geht
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von Herrn Riegler zu Herrn Fischler und anderen, die auf EU-Ebene VTO-konform die
Möglichkeit   der   Förderung   der   Greenbox    durchgesetzt   haben,   im   Rahmen    der
Multifunktionalität. Also, dass man insbesondere den Erhalt regionaler Kultur, den
Umweltschutzaspekt, das Landschaftsbild etc. als Wertschöpfungsaspekte explizit machen
kann und dieses finanziell fördern kann. Das ist ein ganz wichtiger Punkt und man sollte
massiv alles tun was da im Raum steht, ich meine da gibt es die Leaderprogramme, da gibt
es andere Programme - ihre Landesplanung arbeitet daran, sie haben den KWF, sie sind ja
da ganz gut aufgestellt. Mir ist sozusagen wichtig, alle Förderungen mitnehmen und der
Landwirtschaft suggerieren wie bedeutsam sie ist und daran wirklich arbeiten auch unter
dem Aspekt der Restautarkie. Der fünfte Punkt sind die erneuerbaren Energien. Sie werden
ja noch mehr dazu hören. Über alles betrachtet, ist es auch wieder unter dem Autarkie-
Aspekt aber auch mit Blick z.B. auf die Entwicklung auf dem Ölmarkt ein ganz
entscheidender Punkt, dass es einem möglicherweise gelingen kann, sich von bestimmten
Absaugmechanismen zu lösen – gerade beim Ölpreis ist mittlerweile der spekulative Anteil
mehr als die Hälfte – Hedgefonds verdienen sich dumm und dämlich am Öl – man muss
wissen, dass der Preis der eigentlichen Förderung, der liegt bei Öl aus Saudi-Arabien
inklusive Verschiffung auf die großen Tanker und Transport bis Rotterdam – liegt unter 5
Euro, d.h. das wesentliche am Preis ist Spekulation, d.h. das ist einer der Mechanismen mit
dem man ausgenommen wird wie eine Weihnachtsgans. Wenn man dagegenhalten kann,
mit erneuerbarer Energie, ich bin ein Riesenfreund, ich oute mich hier, von Pellets. Mich hat
in besonderer Weise überrascht, das man wirklich aus Restholz mit der richtigen
Technologie die halbe Energiedichte von Erdöl rausholen kann, hat mich rein schon von der
technologischen Seite her beeindruckt, sicher geht noch mehr, man sollte dahin sein
Gehirnschmalz tun, sie sind in Kärnten ja ohnehin sehr weit führend, in Österreich sind sie
auch führend in erneuerbaren Energien, scheint mir ein interessantes Instrument zu sein, um
die eigene Situation zu verbessern. Kommt der letzte Punkt. Der letzte Punkt hat zu tun mit
Tourismus, mit Wellness. Das ist ein sehr interessantes Segment, vor allem weil man es mit
der Landwirtschaft koppeln kann, wenn es einem gelingt eine Art sozusagen Spitzenposition
zu erzielen. Ich verfolge das ein bisschen bei uns im Schwarzwald. Wir haben in
Baiersbronn, wirklich weit weg von den Zentren, haben wir eine Art Gourmet
Spitzensituation. Die Leute fahren 50 km/80km, die Leute übernachten, um in dieser
Gastronomie zu Abend zu essen. Es ist sozusagen merkwürdig, wo sich die Menschheit hin
entwickeln kann, insbesondere da wo beliebig viel Geld ist, aber tatsächlich wo beliebig viel
Geld ist, die fahren nach Baiersbronn und übernachten um zu Abend zu essen und für
dieses Abendessen ein paar 100 Euro auszugeben. So, das ist schon an sich ökonomisch
interessant, wenn man in diesem Umfeld operiert, aber das Schönste ist, dass es jetzt
gelungen ist, damit eine hochwertigste Landwirtschaft hochzupäppeln, die bestimmte
Qualitätsrinder produziert, die jetzt mittlerweile das Angusrind in Argentinien überrundet
haben. Also jetzt läuft sozusagen eine höchstwertigste regionale, landwirtschaftliche
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Produktion, die ihre wesentlichen Abnehmer in einer Spitzengastronomie hat, die wiederum
das Geld aus Zentren wie Stuttgart zieht. Was ich damit sagen will, hier sind eigentlich
optimale Verhältnisse für eine Art Tourismus, für eine Art Hotelbetrieb, für eine Wellness-
Schiene, die mir hier vollkommen unterentwickelt zu sein scheint, sieht man mal von so ein
paar Stellen am Wörthersee ab. Aber weiter hinaus in die Fläche ist da eigentlich sehr wenig.
Ich weiß, der KWF und andere haben schon darüber nachgedacht, wie man das induzieren
kann, ich bin da selber auch kein Fachmann dafür, aber im Vergleich zu anderen Regionen
meine ich, dass auch an dieser Stelle etwas drin sein müsste und gerade mit Blick auf
diesen spektakulären Nationalpark, den Sie haben, müsste doch an dieser Schiene irgendwo
was machbar sein, was die Werthaltigkeit des Raumes noch einmal steigert. Vielleicht soviel
als Input – vielen Dank.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke! Ich danke herzlich Herrn Prof. Radermacher für sein Impulsreferat und möchte Herrn
Vizekanzler Riegler ersuchen um seine Worte.




DI Dr.h.c. Josef RIEGLER


Dankeschön! Herr Landtagspräsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Auch ich
begrüße Sie sehr herzlich und bedanke mich für die Einladung zu dieser - wie ich meine -
bemerkenswerten Enquete. Es ist schon ein positives Signal, dass Sie im Bundesland
Kärnten mit einer Reihe von Initiativen – ich denke insbesondere auch an die geistige
Mobilisierung im Rahmen Ihres Innovationspreises und dass sich der Landtag in einer
Arbeitssitzung dieser Thematik annimmt – sehe ich ebenfalls als sehr positiv und
dankenswert. Für mich ist immer wieder ein Erlebnis, Franz-Josef Radermacher zu hören,
weil ich einfach feststelle, dass wir unabgesprochen, extrem viel Übereinstimmung haben in
der Einschätzung und auch in den geistigen Zugängen. Für mein Statement hängt damit das
Problem zusammen, dass ich nicht viel anderes erzählen kann, als ich mir für eine Strategie
zugunsten der ländlichen Regionen unter Gegebenheit der Globalisierung überlegt habe. Der
Landtagspräsident hat meines Erachtens präzise jene Fragen angesprochen um die es geht,
im Sinne eines offensiven Zuganges, denn die Globalisierung bejammern und zu erklären,
warum das so sein muss, dass bringt ja relativ bald jemand zusammen, aber zu sagen,
haben wir die Kraft und haben wir auch das geistige Potenzial konstruktiv gegenzusteuern,
darum geht es. Es wurde genannt, die Frage „Welche Stärken gilt es zu beleben?“ Die
Stichworte Heimatbewusstsein, Verantwortung und Solidarität sind angesprochen worden
und auch das Thema, wie weit der ländliche Raum, wie weit die Menschen in den ländlichen
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Regionen so etwas wie eine gewisse Autarkie in die Zukunft hinein sichern können. Wir
spüren es eigentlich von Tag zu Tag stärker, dass eine Form der Globalisierung wie sie
derzeit stattfindet, d.h. eine Globalisierung unter extrem unfairen Wettbewerbsbedingungen
und zum Teil auch einfach eine Globalisierung nach dem Recht des Stärkeren, also nach der
Dschungelphilosophie eine aggressive, destruktive Wirkung erzeugt. Viele sind davon
betroffen, rund um den Globus, aber auch wir werden zunehmend Betroffene als
Arbeitnehmer, als Unternehmer, als Bauern und ganz besonders betrifft die derzeitige Form
der Globalisierung natürlich einzelne ländliche Regionen. Es ist schon angeklungen, die
Entwicklungstendenzen in den ländlichen Regionen sind äußerst gegensätzlich. Ländlicher
Raum ist nicht gleich ländlicher Raum – wir kennen die Speckgürtel um die verschiedenen
Ballungszentren,   die eher    durch ungestümes Wachstum           und   durch   ungestümen
Flächenbedarf gekennzeichnet sind, mit all den Chancen, aber auch mit all den Problemen,
die sich daraus ergeben. Wir haben erfreulicherweise auch in den ländlichen Regionen zum
Teil gut florierende Wirtschaftszentren, sowohl im Bereich der industriellen und gewerblichen
Produktion, wir haben Unternehmen mit Weltmarktführerschaft, mit einer beachtlichen
positiven Ausstrahlung und trotz eines, anlässlich der Billigflüge, immer schwerer werdenden
Wettbewerbs, erfreulicherweise nach wie vor touristische Zentren mit einer sehr positiven
Dynamik in Richtung Beschäftigung, Einkommen und wirtschaftliche Entwicklung. Aber es
gibt die Sorgenkinder in den ländlichen Regionen und jeder der persönlich einigermaßen
verbunden ist und die Lebensverhältnisse kennt und darin Anteil nimmt, weiß worum es hier
geht. Es ist das Ausrinnen von Infrastruktur sowohl Öffentlicher als auch Privater alles unter
dem Diktat der leeren Kassen, warum das so ist, hat Radermacher angedeutet. Es ist der
Verlust von Betrieben damit von Arbeitsplätzen und Einkommenschancen und aus all dem
resultiert natürlich eine neuerliche Gefahr der Abwanderung, der Überalterung, des
Ausrinnens ländlicher Gebiete. Und das ist glaube ich das Problem, denn nach Außen hin
schaut unsere Welt ja durchaus heil aus. Es ist für mich immer ein Erlebnis, wenn man durch
unser Land fährt und sieht, wie gepflegt und wie schön und wie vital es scheint. Aber unter
der Decke wissen wir, bröckelt einiges ab. Und auf der anderen Seite sind gerade diese
ländlichen Regionen für unseren Staat, für das Land Kärnten sicher eines der wichtigsten
Potenziale. Es geht daher um die Frage, welche Strategien sind möglich und ich sage, es
werden differenzierte Strategien sein müssen. Es gibt nicht ein Modell und sagen so machen
wir es sondern es bedarf jede Herausforderung ihrer spezifischen Antwort. Im Grunde – und
das ist die Ausgangsüberlegung – für jede offensive Strategie, muss es darum gehen, die
momentan und sicher für einige Zeit noch weiterwirkende Dynamik der Globalisierung durch
eigengestaltete Möglichkeiten zu kompensieren. Das mittelfristige Ziel muss natürlich sein,
Globalisierung fairer zu gestalten und daher kämpfen wir gemeinsam Franz Josef
Radermacher und ich für dieses Projekt „Global-Marschall-Plan“, für weltweite soziale
Markwirtschaft. Wir müssen es schaffen, Globalisierung vernünftiger zu gestalten. Und es
wird dauern und wir können nicht darauf warten, sondern wir müssen fragen, wie können wir
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der   Konzentrationsstrategie,   der   unfairen   Wettbewerbsstrategie   aus   eigener   Kraft
entgegenwirken. Mit den Möglichkeiten, die ein Bundesland hat, mit den Möglichkeiten die
einzelne Berufs- und Wirtschaftsbranchen haben. Und da heißt für mich einfach die
Gegenstrategie Kooperation, die Gegenstrategie heißt Bündelung der Kräfte und das ist vor
allem die Überwindung geistiger Barrieren und die Überwindung gewisser eingesessener
Mentalitäten. Die Freude über den Erfolg des Nachbarn ist sehr oft weniger ausgeprägt als
der Neid. Und das ist meines Erachtens so banal das klingen mag, eine der entscheidenden
Herausforderungen. Wir müssen erkennen, dass Strategie eigengestaltet, positive
Entwicklung in ländlichen Regionen heißt, die Überzeugung und die innerliche Einstellung,
das der Erfolg des Partners auch mein Erfolg ist. Nur ein erfolgreicher Unternehmer in
ländlichen Regionen kann Arbeitsplätze bieten und kann die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
auch anständig bezahlen. Nur eine Landwirtschaft, die Chancen hat, kann ihre
wirtschaftliche Kraft in den ländlichen Regionen entfalten und umgekehrt wissen wir, dass
nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die über Jobs und Kaufkraft verfügen auch
Investoren und Käufer sein können. Also die Dinge sind eng miteinander vernetzt. Wenn wir
das schaffen, dieses Umlegen des Hebels in den Köpfen aber auch in der Mentalität, dann
haben wir die Grundlage für eigenständigen Erfolg bereits geschafft. Es geht also darauf
hinaus, dass wir dem gegenwärtigen Trend, der in Richtung Ausdünnung ländlicher
Regionen geht, eine Trendumkehr gegenüberstellen müssen und zwar aus eigener
Anstrengung heraus, d.h. eben wie gelingt es Arbeit in ländlichen Regionen zu halten und zu
schaffen, Arbeit vor Ort – Beschäftigung vor Ort, das Erwirtschaften von Einkommen, das
Tätigen von Investitionen und all das läuft letztlich darauf hinaus aus der Negativspirale,
Verlust von Wertschöpfung, in eine positive Spirale, Erhöhung der Wertschöpfung zu
gelangen. Der Weg dazu muss einfach sein, dass wir klar erkennen müssen, welche
Potenzial haben wir. Und ich meine hier Potenzial im Hinblick auf die Rohstoffe, ich meine
aber auch das Potenzial in Richtung auf das Können und die Qualität der Menschen. Der
Fleiß, die Kreativität, die Einsatz- und Risikobereitschaft sind insgesamt noch wichtiger als
die Vorräte an Flächen an nachwachsenden Wäldern und an irgendwelchen Bodenschätzen
und anderen Ressourcen. Und hier ist dann der entscheidende Punkt, dass wir jede nur
denkbare Möglichkeit erkennen müssen, dass wir regionale wirtschaftliche Kreisläufe
entwickeln beziehungsweise dort wo es sie erfreulicherweise gibt, dass wir diese stärken und
das ist der Gedanke, den ich vorher versucht habe anzusprechen. Globalisierung bedeutet
ja, dass die Finanzkraft sozusagen in großen Strömen weltweit unterwegs ist und für
ländliche Regionen heißt, die derzeitige Form von Globalisierung, dass das was die
Menschen in ländlichen Regionen verdienen und erarbeiten in einem hohen Maß wegrinnt,
aus der Region weggeht. Für Einkauf von Energie, für Einkauf von Textilien, für Einkauf
vieler Bedürfnisse des täglichen Lebens, ein Großteil davon stammt aus dem anderen Ende
unseres Globus. Und das was wir in der Region selbst haben, produzieren können,
verarbeiten können muss sehr oft unter seinem wahren Wert irgendwohin veräußert werden,
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sehr oft wieder in andere Teile der Welt. Das ist eines dieser Merkmale, der Art von
Globalisierung wie wir sie derzeit haben. Und daher und das ist meine Damen und Herren
wieder eine Frage zunächst der Bewusstseinsbildung, ist eine Frage der geistigen
Beschäftigung damit und das bedarf meines Erachtens eines ganz ganz breiten
Diskussionsprozesses – mit den Menschen in den ländlichen Gemeinden, dass sie nicht der
Verlockung nach der Schnäppchenjagd unterliegen. Aber zumindest bewusst zu machen,
dass Einkaufsverhalten ganz entscheidend mit der eigenen Existenz, mit dem eigenen Job
zusammenhängt. Das Investitionsverhalten ganz eng damit zusammenhängt. Und wenn wir
das zumindest einmal intellektuell drüberbringen, wenn wir das erkennen, dann besteht auch
die Chance, dass der eine und der andere mitmacht und sagt es ist tatsächlich wirklich
vernünftiger, Lebensmittel vom eigenen, heimischen Bauern zu kaufen oder Produkte vom
eigenen gewerblichen Unternehmer und es muss nicht alles dieser Versuchung der
Billigstprodukte, hinter denen ja wieder die brutalste Ausbeutung von Mensch und Natur
steht, unterliegen. Wenn wir das schaffen, dann werden Sie sehen, dass sich eine Vielzahl
von Ansatzpunkten ergeben. Einiges hat Franz Josef Radermacher schon genannt. Ich
möchte ein paar Punkte noch einmal konkretisieren. Und ich nenne ganz bewusst zunächst
die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft. Denn sie sind natürlich und bleiben der
entscheidende wirtschaftliche und gesellschaftliche Rückhalt unserer ländlichen Regionen,
d.h. wir müssen alles daran setzen, dass unsere bäuerlichen Familien eine Zukunftschance
und auch einen Zukunftsglauben behalten können. Ansatzpunkte alles was wir tun können
um die Wertschöpfung in den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben durch entsprechend
intelligente Betriebsführung und Betriebsorganisation zu verbessern, d.h. Marktleistung,
Veredlung, Vermarktung. Das Zweite: Alles was getan werden kann und da ist einiges
drinnen,   wie   wir   wissen,     zur   Kostensenkung:       bessere    Investitionsplanung,     mehr
Kooperationsbereitschaft. Drittens: Verstärkung der an sich guten Bemühungen möglichst
viel gemeinschaftlich zu organisieren: Genossenschaften, Gemeinschaften, Erzeuger
Maschinenringe all das ist ein Teil der offensiven Strategie. Vierter Punkt für die Land- und
Forstwirtschaft: Die Festigung und Weiterentwicklung intelligenter Erwerbskombinationen.
Die   Erwerbskombination     ist    eine   Chance       für   unsere    österreichische   Land-    und
Forstwirtschaft. Lassen wir uns das nicht ausreden. Sie macht unsere Land- und
Forstwirtschaft wesentlich krisenfester. Sie muss nur intelligent gemacht werden und sie
muss alle Möglichkeiten der bestmöglichen Berufsqualifikation nützen und daher klarerweise
der fünfte Punkte: Die Aus- und Weiterbildung, die ständige Weiterentwicklung in Richtung
der beruflichen und menschlichen Qualifikation. Zu den Offensivstrategien für ländliche
Regionen als gesamtes, ist bereits vieles angesprochen worden – ich möchte es zum Teil
unterstreichen und das eine oder andere anfügen. Ich halte für ganz wichtig, dass wir einfach
schauen, wo haben wir Kristallisationspunkte für die dynamische Entwicklung der Wirtschaft
in ländlichen Regionen z. B. Unternehmen, die sehr stark und erfolgreich exportorientiert
arbeiten können, wir haben solche und wir müssen einfach versuchen darum herum in Form
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von Netzwerken – neudeutsch sagt man Cluster, mittelständische Unternehmen aus
gewerblicher und industrieller Produktion zusammen zu hängen. Die Stärkung durch
Kooperation habe ich bereits angesprochen, was noch zu ergänzen ist meines Erachtens,
dass wir offensiv versuchen sollten, die gemeinsamen Lebensinteressen, der Menschen in
den ländlichen Regionen im Bewusstsein zu stärken und zu wissen ob Arbeiterfamilie, ob
Bauernfamilie, ob Gewerbefamilie alle haben miteinander gemeinsame Interessen, was die
Frage der Infrastruktur anlangt. Verkehrsmittel, Schulen, Gesundheitsversorgung alle
miteinander haben gemeinsame Interessen was die Finanzkraft ländlicher Gemeinden
anlangt und so gebe es noch vieles mehr. Ich glaube, dass wir diese Bündelung, der
gemeinsamen Lebensinteressen ganz dringend brauchen, denn der Verteilungskampf wird
nicht leichter sondern wird härter. Er wird härter innerhalb unseres Staates und noch mehr
natürlich wo es um kontinentale und globale Auseinandersetzungen geht. Ich hatte seinerzeit
in   der   Steiermärkischen   Landesregierung    die   schöne    Aufgabe    eine   Reihe   von
Verantwortungsbereichen insbesondere in Richtung ländliche Räume, politisch verantworten
zu dürfen und für mich war eines der wichtigsten zu versuchen, einfach die vorhandenen
Instrumente und die vorhandenen Finanzquellen gut aufeinander abzustimmen und
miteinander zu bündeln. Es ist oft gar nicht darum gegangen neue und zusätzliche
Budgetmittel aufzubringen, sondern Möglichkeiten der Wohnbauförderung, Möglichkeiten der
Infrastrukturfinanzierung, Investitionen im Umweltbereich, Investitionen im Bereich der
Ortsentwicklung und vieles andere mehr koordiniert einzusetzen und damit in einzelnen
Gemeinden und Regionen wesentlich mehr in Bewegung zu bringen. Darum geht es auch
heute. Es gibt eine Fülle von Instrumenten seitens der Europäischen Union, die Struktur und
Regionalförderung generell, die ländliche Entwicklung auf der anderen Seite und es gibt eine
Vielzahl von Instrumenten, die wir innerhalb unseres Staates unserer Bundesländer und
unserer Gemeinden haben. Diese gut aufeinander abzustimmen ist schon der halbe Erfolg.
Nebenbei gesagt und damit möchte ich schon zum Schluss kommen, haben wir in der
offiziellen Nachhaltigkeitsstrategie der Republik Österreich 2002 beschlossen, auch einen
gewissen geistigen Rückhalt und ich halte das für nicht unwesentlich, auch wenn es sich
nicht tagtäglich konkret auswirkt, aber wenn in diesem Leitbild für nachhaltiges Österreich
z.B steht, das Vorsorgeprinzip umsetzen und dann heißt es konkret das Erbe künftiger
Generationen ernst nehmen, wenn es heißt, Vielfalt erhalten, integrative Lösungen
anstreben, Regionalität und Subsidiarität fördern, lokale Identität stärken, dann ist das nicht
unwesentlich, denn ein offizielles Programm eines Staates könnte auch ganz andere Inhalte
haben, könnte sagen Konzentration und vieles mehr. D.h. wir haben hier durchaus auch
einen gesellschafts-politischen Rückhalt und den gilt es im Sinne gelebter Partnerschaften
zu stärken. Mein Bild von der Gestaltung und Entwicklung ländlicher Regionen läuft darauf
hinaus, dass es einerseits darum geht, dieses strategische Dreieck ökosozialer
Marktwirtschaft zu stärken, d.h. wir brauchen einfach Wirtschaft, wir brauchen eine starke
Ökonomie für Arbeit, für Einkommen, für die Finanzierung der Gemeinwohlerfordernisse, wir
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brauchen eine starke soziale Komponente im Sinne der Gewährleistung sozialer Sicherheit,
der Erhaltung und Entwicklung unserer Gesundheitssysteme und sozialen Netze, wir
brauchen die Ökologie im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit, der Sicherung gesunder
Lebensräume von Natur und Umwelt, auch als Zukunftspotential ländlicher Regionen und wir
brauchen als vierten strategischen Eckpfeiler all das was mit Kultur zusammen hängt, mit
geistiger Innovation. Von Tradition und Religion beginnend über die Investitionen in Bildung,
Weiterbildung, Qualifizierung und Forschung und Entwicklung, aber auch das was in der
Begrüßung angeklungen ist, nämlich die Festigung der emotionalen Verbundenheit mit den
ländlichen Regionen, die Festigung dessen was wir Heimatgefühl nennen. Ich glaube, dass
ist im Sinne der Krisensicherheit wahrscheinlich das Allerwichtigste und das ist eine Frage
der kulturell-geistigen Bemühungen und trotzdem dürfen wir nicht aufhören auch eine faire
Gestaltung des großen Rahmens immer wieder einzufordern, in Richtung unserer
Verantwortungsträger,   in   Gesetzgebung     und    Regierungen   und    in   Richtung   der
Verantwortlichen auf europäischer Ebene. Für mich war es ein Signal, dass der Präsident
der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, zu Beginn diese Jahres in einem großen
Interview Ethikregeln für die Weltwirtschaft gefordert hat und auch darauf hingewiesen hat,
dass es wichtig sein wird, so etwas wie eine Weltsozialpartnerschaft zu entwickeln. Ich halte
das für eine ganz, ganz entscheidende strategische Überlegung, die können wir nur sehr
indirekt beeinflussen, vieles andere können wir aber erfreulicherweise direkt gestalten und
dazu wünsche ich Ihnen Viel Erfolg!




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Dr. Riegler für den Bogen, den er gespannt hat, den Herr Prof. Rademacher auf
Internationalität aufgebaut hat, die Globalisierung hier in den Kontrast gestellt hat mit der
Regionalisierung und nun auch Dr. Riegler – wie soll ich sagen - in die Sache mit eingetreten
ist und hier ganz neue Aspekte auch uns vermittelt hat und ich glaube, dass wird eine
interessante Diskussion haben werden um auch noch konkreter diese angesprochenen
Punkte herauszuarbeiten. Jemand der nun konkreter werden wird, ist Dr. Heinz Kopetz, als
ein Kämpfer der Nachhaltigkeit, der erneuerbaren Energie nicht nur in Österreich oder der
Steiermark sondern international und daher habe ich die Ehre schon viele Jahre auch von
ihm zu profitieren, er hat mich überzeugt, dass das was wir in Kärnten 1991 erstmals
gemacht haben, nämlich ein Energiekonzept im Hinblick der Nachhaltigkeit, dass es immer
mehr an Bedeutung gewinnt und ich darf dich bitten zu uns zu sprechen.
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DI Dr. Heinz KOPETZ


Lieber Präsident Freunschlag, geschätzte Präsidenten und Abgeordnete, meine sehr
geehrten Damen und Herren! Ich möchte mich zuerst herzlichst bedanken für die Einladung,
es macht mir wirklich große Freude hier in Krastowitz zu sein aus verschiedenen Gründen.
Erstens freue ich mich sehr, dass ich vor einem so qualifizierten Forum sprechen darf mit
wichtigen Entscheidungsträgern aus der Kärntner Landespolitik und ich habe in meiner
Laufbahn erlebt, dass oft viele gute Impulse von Kärnten aus gegangen sind und es freut
mich auch sehr, dass ich mich daran erinnere, ich darf davon ausgehen, dass ich vor 33
Jahren selbst einmal ein Jahr lang hier Hausherr gewesen bin, es war ein sehr schönes Jahr
und ich komme immer wieder sehr gern nach Krastowitz zurück. Ich möchte aber gleich ins
Thema eingehen und ich möchte mich nur ganz kurz bei meinen Vorgängern einklinken.
Wenn ich so mein Dorf beobachte, St. Margarethen bei Völkermarkt – wo ich an sich zu
Hause bin, dann habe ich natürlich selbst erlebt, wie sich der ländliche Raum in den letzten
40-50 Jahren verändert hat. Früher war ja die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft tragend
für die wirtschaftlichen Aktivitäten, hier hat sich einerseits durch die Rationalisierung der
Landwirtschaft und anderseits durch die Zunahme der Importe, durch den Wegfall der
Energieversorgung aus der Land- und Forstwirtschaft vieles verringert, sodass die
Landwirtschaft heute wesentlich weniger Mittel in den Raum tragen kann als in der
Vergangenheit. Aber ich glaube, dass wir jetzt an einer äußerst spannenden Wende stehen,
die zusammenhängt mit der Krise der traditionellen Energiewirtschaft und die neuen
Chancen, die sich hier entwickeln, die können wir umso besser begreifen, wenn wir diese
Krise der traditionellen Energiewirtschaft ein wenig genauer verstehen. Daher möchte ich ein
paar   Worte   darüber   sprechen.   Wir   sind     gewohnt,   seit   Jahrzehnten,   dass   die
Energieversorgung im wesentlichen auf Öl, Gas und Kohle basiert und in den Alpen beim
Strom zum Teil aus Wasserkraft und wird sind gewohnt, dass weltweit jedes Jahr mehr Öl
verbraucht wird und dieses Öl in immer höheren Maße auch produziert werden kann. Das
gleiche gilt auch für Gas. Und von den großen internationalen Experten, die in der
Energieagentur z. B. in Paris sitzen, wird es auch erklärt, dass es in den nächsten 20-30
Jahre so weiter geht. Ich habe erst vor kurzem wieder den Energy-Outlook der
Energieagentur durchgelesen aus dem Jahre 2001, wo sie schreiben, bis zum Jahr 2020 gibt
es soviel Öl, dass der Preis nie über 25 Dollar steigen wird und da habe ich mir schon
gedacht, offensichtlich fehlt auch den Experten irgendwo die wirkliche Sicht der Dinge, weil
alle Voraussagen der letzten Jahre sind durch die Entwicklung am Markt eigentlich ad
absurdum geführt worden. Und da muss ich wieder fragen, warum das so ist? Und es hängt
nun wirklich damit zusammen, dass wir in der Erdölförderung insofern an eine Wende stoßen
als es einfach nicht mehr möglich sein wird, jedes Jahr mehr zu produzieren. Wir werden
sicherlich noch in 30, in 60 in 80 Jahren Erdöl haben aber das was nicht mehr möglich sein
wird, wird sein, dass wir jedes Jahr den höheren Bedarf decken und dies führt nun dazu,
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nachdem die Nachfrage aber ständig größer wird, weil wir müssen uns vorstellen, wir alle
brauchen ständig mehr Erdöl und mehr Erdgas, die Österreicher, die Europäer, die
Amerikaner und erst recht die Chinesen und die Inder, aber wir haben immer mehr Regionen
auf der Welt, wo die Produktion zurückgeht, in den USA schon seit vielen Jahren, in
Norwegen seit 2, in England seit 3 Jahren und in Österreich schon seit 30 Jahren und dies
führt nun dazu – ganz unabhängig von den Produktionskosten, dass es immer mehr
finanzkräftige Länder gibt, die Erdöl kaufen wollen und wie viel den Volkswirtschaften
knappes Erdöl wirklich wert sein wird, dass werden wir wahrscheinlich erst in einigen Jahren
wissen, wenn wir sehen wohin sich die Preise entwickeln, wenn das Anbot wirklich einmal
zurückgehen wird und viele sagen, dass wird vielleicht schon in 2/3/4 Jahren sein, d.h. wir
werden dann noch Öl haben aber eben nicht mehr um 20 Dollar und 40 Dollar sondern
vielleicht um 80, 100 und 120 Dollar oder eventuell noch mehr. Und das ist faktisch die
gänzlich neue Situation, dass wir in Zukunft vor einem rückläufigen Anbot stehen werden
und vor einer steigenden weltweiten Nachfrage, die die Preise eben soweit hinauftreiben
wird bis sich wieder Anbot und Nachfrage auf einem wesentlich höheren Niveau einspielen
werden. Und das Gleiche gilt im Prinzip auch für Erdgas und ich glaube man soll diese
Situation nicht beklagen sondern muss sich überlegen, welche neuen Chancen bieten sich
daraus und welche neuen Möglichkeiten ergeben sich daraus und da möchte ich nur ein
kleines Beispiel erwähnen, das ich letzte Woche erlebt habe bei der ähnlichen Enquete im
europäischen Parlament, wo es darum ging, wie in Zukunft Europa seine Energieversorgung
sichern kann und da stand ein Abgeordneter aus Schweden auf, der dann erklärt: Also wir
haben in Schweden vor 20 Jahren begonnen die Biomasse zu entwickeln um die
Landwirtschaft zu unterstützen und heute sehen wir, wir brauchen die Biomasse, damit die
Wirtschaft noch Energie hat, das ist kein Thema der Landwirtschaft mehr sondern das ist ein
zentrales Problem der Wirtschaftspolitik, das wir in den nächsten 5 – 10 Jahren überhaupt
sicherstellen, dass die Energie bereitgestellt wird, die die Wirtschaft, die Gesellschaft
benötigt. Und es hängt damit zusammen, dass eben die Alternativen zur fossilen Energie
dringend gebraucht werden und dass viele die Dramatik der Veränderungen, die die Welt
überleben, noch gar nicht so richtig wahrhaben wollen. Denn wie sonst wäre es erklärbar,
dass innerhalb von 3 Jahren sich der Ölpreis von 20 auf jetzt, glaube ich, 75 Dollar verändert
hat und dass allein im letzten Jahr die Preise um ungefähr 20 – 30 Dollar gestiegen sind.
Und daher komme ich ganz kurz zur Frage, wenn es jetzt also wirklich wahr ist, das Öl so
knapp und teuer wird, was sind dann wirklich für Alternativen. Und hier möchte ich nicht – so
quasi meine Meinung zuerst bringen - sondern mich an einen Vortrag halten, den ich vor 2
Jahren in Alpbach gehört habe vom Nobelpreisträger, Physiker, Carlo Gubbia, der lange Zeit
Direktor eines Konzerns in Genf gewesen ist und der sich in einem Grundsatzvortrag über 1
½ Stunden mit der Frage beschäftigt hat „Die Zukunft der weltweiten Energieversorgung“. Er
hat dort so quasi alle möglichen Varianten analysiert aus der Sicht des Physikers. Die Frage
der Kernfusion, also die Ausweitung der bestehenden Kernideologie, die sogenannte
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Sequestrierung von Kohlenstoff als das man hergeht und man baut Kohlekraftwerke und
man versucht den Kohlenstoff irgendwo zu lagern und sonstige Ideen die es noch gibt und er
hat die Für und Wider aller Varianten penibel aufgezählt und ist am Ende, nach 1 ½ Stunden,
zu dem Schluss gekommen, es gibt auf lange Sicht in der Energieversorgung nur ein Ziel:
das ist auf der einen Seite Sparen und Energie effizient nutzen und auf der anderen Seite die
erneuerbaren Energien entwickeln. Die erneuerbaren Energien, das sind die Wasserkraft,
der Wind, die Solarkollektoren und die Biomasse und da und dort die Geothermie und nach
den Einschätzungen der Europäischen Union ist das Potenzial dieser erneuerbaren Energien
etwa so verteilt, das 80 bis 85 % des künftigen Potenzials auf die Biomasse fallen und 15 bis
20 % auf die anderen erneuerbaren Energieträger, d.h. es wird einfach die Biomasse in
Zukunft eine zentrale Rolle in der Energieversorgung spielen und es kommt dazu, dass es
auch neue Formen der solaren Energienutzung geben wird also nicht nur Fotovoltaik und
Solarkollektoren sondern auch Solarkraftwerke – die jetzt in Südspanien, Süditalien in
Pilotprojekten errichtet werden um auf diese Art und Weise Strom zu erzeugen. Mir geht’s
als darum, dass wir uns klar sein müssen, die Aufgabe vor der wir stehen, ist, der
tiefgreifende Umbau des Energiesystems hin zu effizienten Systemen auf der Basis
erneuerbarer Energie. Und das ist eine Aufgabe die wird Jahrzehnte erfordern und da ist
sehr viel Kapital notwendig, aber je früher und konsequenter wir jetzt damit beginnen umso
besser können wir uns auch international positionieren. Uns so gesehen, wenn man
überzeugt ist, das die Zukunft der Energieversorgung, die wir vielleicht in 40 – 50 Jahren
endgültig erreichen, die erneuerbare Energie ist, dann würde daraus folgen, dass wir
eigentlich nur mehr in erneuerbare Energie investieren sollten. Und da möchte ich gleichen
einen kurzen – so quasi Umweg machen nämlich zu aktuellen Fragen der Energiepolitik. Es
wird heftig diskutiert – ich weiß nicht ob es schon beschlossen ist – dass in Südösterreich
insgesamt 2400 Megawatt Gaskraftwerke errichtet werden, die jährlich ungefähr fast 2
Milliarden Kubikmeter Gas brauchen werden, das ist etwa 20 % des jetzigen
österreichischen Gasbedarfes, das wir zur Gänze importieren werden. Und wenn diese
Kraftwerke dann laufen, werden wir nicht nur CO2-Emmissionen wesentlich erhöhen,
sondern wir werden jährlich bis 700.000 Euro Richtung Osten zahlen müssen um das Gas zu
importieren, wenn wir es überhaupt noch bekommen. Und man kann sich ausrechnen was
es bedeuten würde, wenn wir diese Investitionen nicht in fossile Energie lenken, sondern in
Energiesparen, in erneuerbare Energie in dem wir z. B. eine Kampagne starten um Strom zu
sparen durch mehr Solarkollektoren oder indem wir die Windenergie ausbauen oder indem
wir auch die Biomasse stärker zur Stromversorgung einsetzen. Wir könnten dann die Gelder,
die wir in Zukunft in den Osten schicken müssen, weitgehend in Österreich behalten. Wobei
ich nicht sagen möchte, dass wir überhaupt kein Gaskraftwerk bauen sollen, es ist vielleicht
eines notwendig mit einem Drittel der Kapazität die jetzt diskutiert wird, aber es sind
sicherlich nicht derartige große Blöcke notwendig, die noch dazu die Energie, die wir dann
teuer kaufen zum großen Teil als Abwärme in die Luft blasen. Und deshalb habe ich immer
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das Problem bei solchen Veranstaltungen, dass wir zwar auf der einen Seite sehr gern die
hohen Ziele der Nachhaltigkeit und der erneuerbaren Energien predigen, aber wenn es dann
um Entscheidungen geht und um das Geld – das entscheiden dann sowieso andere – und
die denken weiter noch in den Denkmustern der traditionellen Energiewirtschaft wie gesagt
Öl, Gas und Kohle ist auch die Zukunft und dort wird investiert. Also wir sollten wirklich
überlegen, dass wir diese Zielsetzung erneuerbare Energie, das ist einfach die Lösung auf
die wir uns schrittweise zu bewegen werden, nicht von heut auf morgen sondern in
Jahrzehnten auch wenn wir den Weg heute beginnen sollten und diese Zielsetzung nicht aus
den Augen verlieren. Ich habe erwähnt, nach den Einschätzungen der Europäischen
Kommission entfällt überhaupt 80 % des Potenzials der erneuerbaren Energie auf die
Biomasse. Und da möchte ich ein bisschen genauer auf diese Thematik „ländlicher Raum
und Biomasse“ eingehen. Im Gegensatz zu den anderen erneuerbaren Energieträgern ist die
Biomasse extrem vielseitig, komplex und für viele so irgendwo in der Energienutzung nicht
ganz durchschaubar. Bei der Wasserkraft ist das einfach. man staut das Wasser, lässt das
Wasser über die Turbine laufen und hängt den Generator an und man hat Strom. Beim Wind
ist es ähnlich. Man stellt ein Windrad auf, der Wind blast und man hat Strom. Bei der
Biomasse hat man zunächst einmal eine Vielzahl von Rohstoffen, Nebenprodukte der
Forstwirtschaft angefangen von den Ästen, der Rinde, dem Industriehackgut, Nebenprodukte
der Landwirtschaft, Stroh, Gülle, Mist – man kann Energiepflanzen anbauen also etwa Raps
oder Getreide oder Zuckerrübe zur Alkoholerzeugung. Und man hat nicht nur diese Vielzahl
von Rohstoffen sondern wir haben auch eine Vielzahl von Umwandlungstechnologien – wir
können Biomasse verbrennen – für viele eine primitive Technologie, die viele irgendwo eher
ignorieren, wir können Biomasse vergasen und Strom erzeugen, wir können aus Biomasse
Wärme, Dampf erzeugen und Strom erzeugen, wir können Biomasse zu Zucker umwandeln,
vergären, Alkohol erzeugen, wir können Biodiesel erzeugen etc. Ich möchte aber nicht alle
Möglichkeiten aufzählen. Aber das Problem ist momentan, das mir derzeit auffällt ist, dass
aufgrund der vielen Möglichkeiten der Biomasse viele so ein bisschen die Orientierung
verlieren, was soll man jetzt wirklich machen. Also ich bekomme Studien in die Hand, wo
erklärt wird, dass man 30 % des Erdgasbedarfes Deutschlands mit der Biomasse decken
kann, die nächsten kommen und sagen, wir können 20 % des Treibstoffbedarfes aus Holz
decken und die Dritten erklären wieder, wir können so und so viel Strom erzeugen und wenn
ich das dann addiere dann sehe ich das immer die gleichen Flächen für diese Technologie
verwendet werden und in Summe dies in keiner Weise zusammen passt. Wir haben daher in
letzter Zeit einmal versucht, uns zu überlegen, welche Prioritäten in der Nutzung der
Biomasse sind notwendig und nach welchen Kriterien soll man hier auch Entscheidungen
vorbereiten und Beratungen durchführen. Und da kommen wir also zu 3 wesentlichen
Kriterien. Wir haben letzte Woche in Brüssel intensiv debattiert. Das erste Kriterium ist die
Effizienz der Umwandlung. Da möchte ich einmal zwei Beispiele bringen. Ich kann Holz
verbrennen, Pelletts oder Hackschnitzel, in modernen Verbrennungsöfen österreichischer
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Herkunft wo ich Wirkungsgrade bis 90 % erreiche bei minimalen Schadstoffen und wo
faktisch bis zu 90 % der Primärenergie in der Biomasse in Endenergie für den Konsumenten
umgewandelt werden. Ich kann aber auch wie es zum Teil in einigen Projekten leider
passiert, aus Biomasse Strom erzeugen mit traditioneller Technik und dann gelingts mir
vielleicht 25 bis höchsten 30 Prozent der Primärenergie in der Biomasse in Strom
umzuwandeln, d.h. mehr als zwei Drittel geht verloren. Wenn ich aus Biomasse Alkohol
erzeuge    so   habe    ich   Wirkungsgrade     von    40/50/60   Prozent    d.h.   je   nach
Umwandlungstechnologie, die ich wähle, entscheide ich, ob ich das drei- bis zu vierfache der
Energie gewinne, wie bei der Wahl eines schlechten Verfahrens. Das zweite Kriterium ist die
Frage der Hektarerträge, denn ich sehe also in Zukunft die Situation so, wenn in 5 oder 10
Jahren die Versorgung mit Eröl und Erdgas noch viel teurer sein wird und zum Teil auch
wesentlich oder regelrecht unsicher, dann wird einfach die Biomasse als der neue
Massenenergieträger enorm gefragt sein und das wirklich neue, knappe Gut wird die Fläche
werden, denn wir werden die Fläche benötigen zur Nahungsmittelerzeugung, zur
Futtermittelerzeugung, zur Rohstofferzeugung der Möbelindustrie etc. aber vor allem auch
für die Energieversorgung und dann müssen wir uns fragen mit welchen Pflanzen kann pro
Hektar die höchsten Energieerträge erreichen und in Verbindung auch mit welchen
Umwandlungstechnologie und da gibt es einige interessante Kennzahlen: wenn ich z.B. aus
Getreide Alkohol erzeuge so kann ich pro Hektar je nach Ertrag zwischen 1,0 bis 1,4 Tonnen
Öläquivalent substituieren. Wenn ich in einem anderen Beispiele hergehe und den Mais als
Ganzpflanze ernte oder überhaupt verbrenne so komme ich auf Energieäquivalente von 7
bis 8 Tonnen Öläquivalent. Wenn ich Mais in Bioanlagen nutze, liegen die Äquivalente bei 5
bis 6 Tonnen d.h. ich wollte mit den wenigen Beispielen nur zeigen, die Energieausbeute
hängt vom Umwandlungsverfahren ab, aber auch von den Pflanzen, die ich wähle, und ich
kann variieren von 1 Tonne Öläquivalent bis zu in den besten Fällen 6/7 Tonnen
Öläquivalent, d.h. ich muss mir überlegen, welche Pflanzen und welche Technologien
kombiniere ich, um zu hohen Energiebeiträgen bei hoher Effizienz zu kommen. Und das
dritte Kriterium, das wahrscheinlich das wichtigste ist, das sind die Kosten. Ich muss ja auch
überlegen, ich kann ja Biomasse sowohl in Wärme, wie in Strom, wie in Treibstoffe
umwandeln. Und die Frage „Was sind unter unseren Bedingungen die Produktionskosten bei
Wärme, bei Strom und bei Treibstoffe?“. Und da haben wir folgende Durchschnittswerte bei
den momentanen Preisen, die also derzeit für das Holz gezahlt werden – liegen die Kosten
für die Primärenergie je Kilowattstunde zwischen 2 und 2,4 Cent. Bei den Treibstoffen liegt
die Kilowattstunde bei 6 bis 8 Cent, beim Strom zwischen 10 und 15 Cent. Im Vergleich dazu
die Energie mit Heizöl kostet momentan etwa 7 Cent also fast dreimal so viel wie hier im
Hackgut, d.h. in anderen Worten: die kostengünstigste Verwendung der Biomasse ist in der
Wärmeerzeugung dann folgt die Treibstofferzeugung und dann folgt die Stromerzeugung.
Und wenn man jetzt diese Kriterien zusammen nimmt, kommen wir zu folgendem Schluss:
Es wäre richtig wenn wir in Zukunft die Prioritäten in der Biomasse so setzen, dass wir als
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erstes Ziel ansteuern, die Wärmeversorgung von fossiler Energie auf erneuerbare Energie
umstellen und hier glaube ich könnte der ländliche Raum eine Vorreiterrolle übernehmen in
Österreich aber auch in Europa, und hier hat Kärnten sicher auch sehr gute
Voraussetzungen und uns das Ziel setzten, dass wir zumindest in allen Bereichen außerhalb
der großen Ballungsgebieten systematisch die Wärmeversorgung von Öl und Gas umstellen
auf erneuerbare Energie und hier rede ich nicht nur von der Biomasse sondern natürlich
genauso von den Solarkollektoren in Verbindung mit der Biomasse und natürlich vom
Energieeinsparen. Denn mengenmäßig, wenn man sich hier Modelle für die Zukunft
durchrechnet, sieht man, dass der effiziente Umgang mit der Energie mengenmäßig
genauso viel bringen wird wie die erneuerbare Energie. Ich bring nur ein Beispiel – sie
werden wahrscheinlich auch immer wieder sehen, die Bemühungen auch in Kärnten mit
Energiesparhäusern oder Passivenergiehäusern wegen der empfindlichen enormen
Unterschiede. In alten Häusern ist der Energieverbrauch pro m2 und Winter 200
Kilowattstunden in neuen Häusern ist er 40- 50 und in Energiesparhäusern ist er 10 – 20
Kilowattstunden, d.h. ich kann auch den Energiebedarf halbieren oder auf ein Viertel
reduzieren und in der Verbindung sparsamer Energieumgang, Biomasse und Solaranlagen
ist es durchaus vorstellbar, dass wir bis zum Jahre 2025 in Österreich 60, 70 80 Prozent
unseres Energiebedarfes mit erneuerbarer Energie decken. Der Vorteil eines solchen
Konzeptes wäre, dass wir damit eine Fülle von Investitionen auslösen und damit natürlich
Beschäftigung schaffen – einmal bei der Investition selbst und dann auch natürlich bei der
laufenden Bereitstellung von Brennstoff und jeweils – gerade gestern am Abend im Radio
von einem Preisausschreiben, Preisverleihung einer Kärntner Isolatorengruppe Projekte
studiert wo z. B Ingolsthal im Metnitztal als Beispiel besonders hervorgehoben wurde, wo
wirklich sich eine Initiative, Persönlichkeiten aus dem Dorf zusammengetan haben und die
gesamte Wärmeversorgung von Öl auf heimische Energie umgestellt haben und damit einen
echten Impuls zur lokalen Entwicklung in diesem Dorf gesetzt haben. Ich glaube, dass
gerade das was meine Vorgänger betont haben, diese positive geistige Einstellung zu den
Chancen des ländlichen Raumes umgesetzt wird, wenn wir ganz konkret sagen, im
Wärmebereich stellen wir radikal auf erneuerbare Energie um und hier soll der ländliche
Raum faktisch die Vorreiterposition einnehmen. In der Frage der Stromerzeugung sind die
Möglichkeiten ebenfalls sehr vielseitig, wobei hier der Grundsatz gelten muss, dass man
Strom aus Biomasse nur erzeugen darf, wenn man auch die Wärme benötigt. Wobei hier,
leider, für kleine Anlagen noch keine wirklich ausgeklügelte Technologie zur Verfügung steht
also ich meine Anlagen unter 500 KW elektrischer Leistung – hier gibt es verschiedenste
Pilotprojekte mit Vergasung; es gibt eine Reihe von Bastlern, die hier bauen – ich glaube
man sollte diese sehr unterstützen, weil es wäre ganz wichtig, dass wir eben auch für kleiner
Heizwerke oder für kleinere Energieverbraucher zu Techniken kommen, wo man Strom und
Wärme erzeugt. Es gibt eine Firma in der Steiermark, die will im Herbst eine neue
Pelletsheizung auf den Markt bringen, die kombiniert ist praktisch jeder Hausbesitzer, der
                                            - 21 -

diesen Pelletsofen kauft, gleichzeitig auch 1 Kilowatt Strom erzeugt, sodass wir also faktisch
die Stromerzeugung dort konzentrieren, wo auch die Wärme benötigt wird und auf diese
Weise den Rohstoff Pellets optimal nutzen. Der Bereich Treibstoffe also Ethanol, Biodiesel
ist sicherlich für die gesamte Nutzung der Biomasse extrem wichtig, weil die Biomasse die
einzige erneuerbare Energiequelle ist, die überhaupt Treibstoffe liefert. Das gibt es bei der
Windenergie, der Wasserkraft und bei den Solarkollektoren nicht, aber nur die
Treibstofferzeugung erfordert große Flächen und die sehe ich zumindest im Süden
Österreichs eigentlich in dieser Menge nicht und ich glaube daher, dass das eher
Programme sind für Länder, die besonders große Agrarflächen haben. Aber ich komme also
jetzt zu einem Punkt, der mit dieser ganzen Frage der Nutzung der Biomasse
zusammenhängt, das ist die Frage der Rohstoffversorgung. Die Europäische Union hat erst
vor ein paar Wochen einen neuen Biomasseaktionsplan vorgestellt, wo das Ziel proklamiert
wird für die Europäische Union 80 Millionen Tonnen Öleinheiten zusätzlich bis zum Jahr
2010 aus der Biomasse zu erzeugen. Auf Österreich umgelegt sind das ungefähr 1,5
Millionen Tonnen Öl oder 6-700 Mill. Festmeter Holz und wir haben momentan die
Herausforderung, dass durch die starke Nachfrage nach Biomasse die Versorgung
zumindest derzeit nicht überall problemlos gewährleistet ist und ich glaube diese Forcierung
der Biomasse als Energierohstoff bedeutet auch eine tiefgreifende Veränderung der
Produktionsprogramme auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Wir müssen in Zukunft
verstärkt, gezielt Rohstoffe für den Wärmemarkt produzieren, nicht nur aus den
bestehenden, sondern auch auf den neuen Flächen sei es mit Kurzumtriebswäldern, sei es
mit   Muskantos    oder   anderen    Pflanzen   und    ich   glaube,   dass   hier   auch   die
landwirtschaftlichen Versuchsanstalten und die praktische Landwirtschaft enorm gefordert
ist, weil wir Innovationen brauchen, damit wir den Bedarf nach unseren Rohstoffen wirklich
bereitstellen können. Und die Möglichkeiten hier Einkommen zu schöpfen sind vielseitig –
einerseits durch eigene Investitionen – es gibt ja einige Beispiel von Fernheizwerken, von
Projekten andererseits durch die verlässliche Bereitstellung von Hackgut an die Abnehmer
und was mir auffällt, seit 2 Jahren ist, dass ja nicht nur kommunale Fernheizwerke oder
Einfamilienhäusern auf Hackgut oder Pellets umstellen sondern dass jetzt seit 1-2 Jahren
ganz massiv die gewerbliche Wirtschaft von Öl und Gas weggeht auf die Biomasse. Ob das
jetzt Hotels sind, Molkereien, Gewerbebetriebe also wir bekommen im Biomasseverband fast
täglich Anfragen von solchen Unternehmen, wie sie vorgehen sollen, damit sie endlich vom
Öl wegkommen und ihre Wärmeversorgung auf Biomasse umstellen und das bedeutet, dass
die Nachfrage nach Holz nach anderen agrarischen Rohstoffen zur Wärmeerzeugung rasch
zunimmt und es ist ganz entscheidet, dass es uns gelingt, dass eben die Landwirtschaft und
die Forstwirtschaft hier ein verlässlicher Partner ist, der zu vernünftigen Preisen verlässlich
die Rohstoffe bereitstellt und hier haben wir sicherlich aus der Sicht der Landwirtschaft ein
großes neues Aufgabengebiet vor uns, dass in den nächsten Jahren noch viel wichtiger
werden wird. Aber insgesamt kann man, glaube ich, sich relativ leicht ausrechnen, wenn es
                                             - 22 -

gelingt, so ein pragmatisches Programm umzusetzen, das wir als erstes Ziel im ländlichen
Raum weg von Öl und Gas wollen, hin auf die Wärme aus Biomasse und Solarkollektoren in
Verbindung mit Wärme einsparen, dann könnten wir damit auch in einem Land wie Kärnten
Hunderte Millionen Euro uns einsparen an Ausgaben für Energieimporte und könnten
systematisch, strategisch diese Ausgaben der Bevölkerung umlenken in Einkommensströme
in den Regionen, in den Gemeinden und damit faktisch Arbeitsplätze schaffen und vor allem
eben auch eine Energieversorgung schaffen, die auf Dauer sicher ist und die dazu führt,
dass in Zukunft die Menschen weniger Geld für Energie ausgeben, wie wenn sie mit Öl und
Gas heizen und dadurch auch mehr Geld für andere Güter übrig bleibt. Die Vorstellung, dass
das machbar ist, die wird ja von vielen nicht wirklich geteilt. Mit fällt immer wieder auf, dass
daneben doch wieder Vertreter der Ölwirtschaft kommen oder der Gaswirtschaft und sagen,
das ist alles schon richtig dort und dort aber bei uns wollen wir weiter bei Öl und Gas bleiben.
Und das ist jetzt mein Schlussappell: Ich glaube wir müssen wirklich erkenne, wir sind
historisch gesehen an einer echten Wende und da fallen mir oft ein, meine Vorlesungen an
der Bodenkultur, da haben wir gehört, im 18 Jahrhundert hat es da eine Denkschule der
Physiokraten gegeben in Frankreich, die erklärt haben so quasi Physiokraten also die
Herrschaft geht von der Natur aus und die Land- und Forstwirtschaft ist irgendwie so die
Basis der Wirtschaft. Und diese These ist ja dann relativ bald abgelöst worden ausgehend
von Adam Smith und den englischen Ökonomen die eben erklärt haben, der Handel bringt
den Wohlstand und nicht die Produktion und wenn man das historisch analysiert, dann sieht
man, dass das Aufkommen mit diesem liberalen Handelstheorien, zusammengefallen ist mit
der Umwandlung von Kohle, mit der Dampfmaschine in mechanische Energie und mit dem
Beginn des fossilen Energiezeitalters und wir sind jetzt genau so quasi am Höhepunkt, am
Scheitel des fossilen Energiezeitalters und jetzt wird es sich wieder zur Rückkehr entwickeln
und die Lehre der Physiokraten, dass - so quasi - die nachwachsenden Rohstoffe den
eigentlichen Reichtum eines Landes ausmachen, wird zunehmend wieder richtiger werden,
denn welche Rohstoffe haben wir in Zukunft, wenn einmal Öl und Gas weg sind. Die
wirklichen Rohstoffe des Landes sind die ausgebildete Bevölkerung und die fruchtbaren
Flächen und deswegen ist, glaube ich, auch so wichtig, dass wir in der Raumordnungspolitik
uns überlegen, wie wir sicherstellen können, dass fruchtbare Anbauflächen für die Zukunft
gesichert werden, denn wir werden sie dringend benötigen zur Nahrungsmittelerzeugung
und eben auch zur Energieerzeugung. Ich glaube und das ist jetzt mein letzter Gedanke,
dass auf diesem Gebiet die Globalisierung unter Umständen auch echte Chancen bringen
kann und zwar dann, wenn ein Land oder eine Region diese historische Veränderung der
weltwirtschaftlichen Situation früher als andere erkennt und neue Technologien schneller als
andere entwickelt und wenn es uns gelingt, dass wir in bestimmten Technologien Vorreiter
sind, so bieten sich hier enorme neue Exportmärkte weltweit an, die wir nutzen können und
das haben uns die Engländer und die Deutschen mit der Windenergie vorgemacht, das hat
bis zu einem gewissen Grad auch Kärnten gezeigt, mit der Entwicklung der Solarenergie, die
                                               - 23 -

hier besonders rasch – sehr rasch ausgebaut wurde – dank einer frühzeitigen Förderung des
Landes   und    es   kann    uns   auch   gelingen      bei   die   Entwicklung   der   modernen
Verbrennungstechnologie allenfalls in Verbindung mit Stromerzeugung – denn mir fällt auf,
dass buchstäblich von Chile bis Japan und von Kanada bis China laufend auch in Österreich
Fragen hereinlaufen „wie kann man mit der Biomasse effizient Wärme erzeugen, wie kann
man Strom erzeugen“ und das sind die Märkte der Zukunft – also ich glaube so wie die
Informationstechnologie in aller Munde ist so wird in den nächsten Jahren die Theorie zur
erneuerbaren Energie in aller Munde sein und wenn eben Länder schneller als andere sich
hier technologisch positionieren, schaffen sie sich hier Exportchancen, die auch wieder
enorme Arbeitsplätze sichern. In dem Sinn glaube ich also, dass hier der ländliche Raum
eine Funktion wieder zurückgewinnen wird, die er im Laufe der letzten 100 Jahre verloren
hat, dass eben neben der Nahrungsmittelerzeugung die Energieträgererzeugung eine ganz
wichtige Aufgabe wird, nicht nur für die Landwirtschaft sondern für die Gesellschaft und je
schneller und konsequenter wir das entwickeln mit dem Ziel im Lauf von 30,40,50 Jahren zu
einer erneuerbaren Energiewirtschaft kommen umso besser wird der wirtschaftliche Vorteil
für das jeweilige Land sein. Danke vielmals!




Erster Landtagspräsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Ich bedanke mich bei Dr. Kopetz für seine Ausführungen. Er hat uns also drastisch vor
Augen geführt welche Chancen und Möglichkeiten wir hier in Kärnten haben und hätten und
dass wir sicherlich hier auf diesem Wege, den wir begonnen haben, gerade auch im
Interesse der Wirtschaft in den ländlichen Regionen, der Wertschöpfung, der Arbeitsplätze
hier tätig werden müssen und ich freue mich nun Herrn Univ.-Professor Dr. Martin Seger
aufzurufen,    der   uns    berichten   wird    über    die    Bevölkerungsverschiebung,     den
Landnutzungswandel und die Nachhaltigkeit der regionalen Identität. Bitte Herr Professor!




O.Univ.-Prof. Mag. Dr. Martin SEGER


Danke vielmals. Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren!
Auch ich werde mich mit meiner Kernkompetenz beschäftigen, das ist Regionalforschung.
Ich habe für diesen Vormittag etliche Produkte unseres Instituts für Geographie und
Regionalforschung zusammengestellt und werde über fünf unterschiedliche Punkte in
Kurzform referieren: Landschaften und Landnutzung – also die Unterschiedlichkeit des
ländlichen Raumes in Kärnten wird zunächst vorgestellt, anschließend die Frage der
Bevölkerungsentwicklung über eine Zeitspanne, die es selten gibt – nämlich über 30 Jahre
und nach Ortschaften nicht nur nach Gemeinden dann über die Pendlerabfrage und über
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Erreichbarkeiten und schließlich Sozioökonomische Merkmale der Bevölkerung im ländlichen
Raum, und am Schluss geht es um die Kulturlandschaft. Und bei diesem letzten Punkt, wo
es um die Kulturlandschaft geht, da muss ich jetzt vielleicht schon vorausschicken, da
werden Sie gefordert – aber darüber später. Bitte! Landschaft und Landnutzung hier habe ich
drei Punkte erwähnt. Zunächst ein Überblick. Was sind den eigentlich unterschiedlichen
Gradienten, die den ländlichen Raum unterschiedlich machen in Kärnten, zum einem ist es
das Relief mit der Dominanz der Berg- und Beckenlandschaften auf der einen und auf der
anderen Seite. Zweitens die landwirtschaftliche Nutzung mit der Unterscheidung von
Ackerbau dominierten Gebieten und von den Grünlandgebieten. Drittens der Zentrum –
Peripherie-Effekt. Das will ich gleich in einer Folie zeigen und dann auch eine über den
Waldanteil. Und wenn wir vom Waldanteil sprechen, dann möchte ich darüber reden, dass
der Waldanteil wie wir alle wissen zunimmt, weil bestimmte Flächen heute nicht mehr
sinnvoll bewirtschaftet werden können. In dem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen
auf diesen Begriff Landnutzung als dynamisches System. Landnutzung als dynamisches
System soll heißen, die von der Land- und Forstwirtschaft genutzte Fläche, speziell die von
Landwirtschaft, vom Ackerbau und von den Grünlandnutzungen her, genutzte Fläche,
verändert sich im Laufe der Zeit in Abhängigkeit von der intensiven oder extensiven
Bewirtschaftung. Wir haben extensive Bewirtschaftungen hinter uns und wir tendieren immer
mehr zu intensiven Bewirtschaftungsformen, zusammen mit den Importen für Nahrungsmittel
führt das dazu, dass wir eigentlich ein zuviel an Fläche haben. Der Hofrat Greif vom
Landwirtschaftsministerium, der hat einmal gesagt, wir haben um 30 Prozent zuviel
landwirtschaftliche Flächen, das ist jener Anteil, der früher durch die Arbeitstiere verbraucht
wurde. Also die Zugkräfte, die Pferde und Ochsen usw., die haben soviel verbraucht. Und
wenn ich anschließe an meinen unmittelbaren Vorredner, so könnte man meinen, dass das
auch die Flächen sind, die eben für eine Bioenergienutzung durchaus zur Verfügung stehen.
Extensiv – intensiv – die Rentabilität der Flächen wird neu bewertet. Was wir seit 2-3
Jahrzehnten beobachten können, ist die Zunahme des Waldes, der Wald kehrt zurück als
Forstflächen in den höher gelegenen Gebieten, vielfach aber als Verbuschung und
Verbrachung von jener Grünlandfläche, die man nicht mehr nutzen kann. Für die
Raumplanung ergibt sich über längere Sicht dadurch das Problem der Offenhaltung von
Flächen, die wir zur Kulturlandschaft zählen. Ich möchte jetzt fortfahren und Ihnen hier
zeigen, die Unterschiedlichkeit des ländlichen Raumes, Beckenlagen versus Bergraum in
Grün. Eine genaue Analyse der Landnutzung in Kärnten zeigen die kommenden drei Karten,
wir sehen hier beispielsweise das Gebiet von der Saualpe mit den Streusiedlungsbereichen
und mit den kleinen Wäldern rund herum auf der rechten Seite das Lavanttal. Im Gegensatz
dazu stark besiedelt, dicht besiedelt der Raum zwischen Klagenfurt und Villach. Was ich
Ihnen hier zeige ist die sogenannte Realraumanalyse von Kärnten, ein Datensatz der an
unserem Institut erstellt wurde und der dem Land Kärnten zur Verfügung steht über KAGIS.
Also wenn sie Interesse an dieser genauen und differenzierten Analyse der Landnutzung
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Ihres Landes haben, KAGIS hat diese Daten bereit. Ein sehr peripherer Raum, in dem man
schon erahnen kann, dass er nicht zu den wirtschaftlichen positivsten Gebieten des Landes
zählt, das Gebiet zwischen Metnitztal und Gurktal. Und zum Letzten – ein Blick nach
Oberkärnten in die langgezogenen Täler des oberen Drautales und des Gailtales links unten
Kötschach-Mauthen beispielsweise. Soviel also zur Unterschiedlichkeit des ländlichen
Raumes und jetzt zu der schon angekündigten Bevölkerungsentwicklung. Gleich zu den
Trends – positive Trends. Der zentrale Raumrand, die Bezirkshauptorte und einzelne wenige
andere Standorte haben eine starke Bevölkerungszunahme während die extreme Peripherie
die Hochlagen und sonstige abseitige Lagen unter starken Bevölkerungsverlusten leiden.
1971 bis 2001 – normalerweise haben wir immer 10-Jahres-Intervalle und wir haben aber
das berechnet auf den Zeitraum in dem sich sozusagen mehr tun kann. Und 30 Jahre sind
auch ein Zeitraum, den wir alle mehr oder weniger noch überblicken können, wir können uns
noch erinnern in welchem Stand des Alters usw. wir waren im Jahr 71 und das Zweite was
ungewöhnlich ist an dem was jetzt kommt, ist, dass die Angaben nicht Gemeinden betreffen
sondern Ortschaften betreffen. Also Sie wissen jede Gemeinde besteht aus einer Vielzahl
von Katastralgemeinden oder Ortschaften und wir haben uns angeschaut, wie diese
Ortschaften sich bevölkerungsmäßig entwickelt haben. Hellblau heißt leichte Abnahmen,
zartrosa heißt leichte Zunahmen, die Blautöne sind dann starke Abnahmen bis zur Hälfte der
Bevölkerung ist verloren gegangen und mehr vielfach; die Rottöne sind starke Zunahmen.
Gerade dieses Bild haben wir vorher gesehen, dass sind die beiden Siedlungsgassen des
Drautales und des Gailtales und Sie sehen, wie im oberen Gailtal es durchaus eine Vielzahl
von Bevölkerungsverlusten gibt in den einzelnen Ortschaften und auch im Drautal allerdings
ein Punkt fällt da auf, der rote Punkt da oben ist Irschen, wo man zugleich auch sehen kann,
dass eine positive Regionalentwicklung in einer Gemeinde auch zu positiven Effekten und
Erfolgen führen kann. Dann das hier ist das Gebiet um Spittal an der Drau, wo man schon
sieht, das am Rande dieser Stadt es etliche Zuwächse gibt. Jetzt sind wir in diesem
peripheren Bereich des Metnitz- und des Gurktales und wir sehen zwei Dinge. Erstens eine
Fülle von kleinen Siedlungen, von kleinen Siedlungen und zweitens Bevölkerungsabnahmen,
wie sie nirgendwo anders sonst in der Häufung zu verzeichnen sind. Im Gegensatz dazu ein
durchaus interessanter positiv sich entwickelter Raum, das ist diese Großgemeinde
Wolfsberg und was sehen wir hier, wir sehen von Berg in das Tal, also die Siedlungen in
Hochlagen haben eher Abnahmen durchgehend im ganzen Lavanttal während eine
Zentrierung erfolgt in den talnahen Gebieten. Über das Problem Hüttenberg wollen wir gar
nicht reden. Anders verhält es sich im Zentralraum von Klagenfurt – Villach, wo die Ihnen
durchaus bekannte Bevölkerungszunahme hier deutlich zu sehen ist. Es ist aber nur die
gesamte Entwicklung eigentlich doch noch angenehmer eine Darstellung nach Gemeinden
zu sehen also noch einmal derselbe Zeitraum aber hier nach Gemeinden und die größten,
eine Vielzahl von Bevölkerungsabnahmen dort in der extremen Peripherie, leichte
Abnahmen bei dem Hellblau, leichte Zunahmen bei dem Rosa und dann natürlich der
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gesamte Zentralraum als ein Gebiet mit positiver Entwicklung, ganz typisch dabei, dass
Klagenfurt selbst nur mehr schwache Zuwächse aufweist. Wir kommen nun zur Frage der
Mobilität und provokant habe ich am Anfang gesagt, ländlicher Raum ohne Stadt ist Null also
der ländliche Raum braucht die Stadt weil wie die Vorredner das schon betont haben, es in
den letzten Jahrzehnten eine Konzentration der Arbeitsplätze in der Stadt bzw. im
stadtnahen Raum gegeben hat, daher ist also für den ländlichen Raum heute der städtische
Arbeitsplatz etwas grundsätzlich wichtiges. Das sehen wir am Beispiel der Stadt Spittal und
der Tageseinpendler nach Spittal, die hier dargestellt sind. Die meisten von Ihnen sind ja
soweit topografisch versiert, dass Sie wissen, dass da das obere Drautal ist und dass das
die Mölltal-Gemeinden sind und vielleicht ist es nicht uninteressant zu sehen aus Seeboden
kommen Tausend Einpendler täglich nach Spittal. Mit der Frage des Pendlerwesens im
Zusammenhang steht auch die Erreichbarkeit der Zentren. Einer meiner Dissertanten, Herr
Mag. Aichhöbel, der hat diese Erreichbarkeitskarten erstellt und wir sehen in welchem
Zeitaufwand man welchen Teil des Landes von Klagenfurt aus erreichen kann. Und jetzt
dasselbe von Villach und jetzt das Dritte noch bitte. Und wenn wir sagen, dass Klagenfurt
und Villach und die übrigen Bezirkszentren, Arbeitsplatzzentren darstellen, so zeigt diese
Karte, in welchen Bereichen man in 20 oder 30 Minuten eines dieser Zentren erreichen kann
und welche Gebiete außerhalb liegen. Es ist ein Frage der Definition, ab wann in der Statistik
jemand feststellt, eine Pendlerzone von über 30 Minuten sei unzumutbar usw. usw. –
entschieden wird das individuell, aber ich meine, die Karte ist durchaus etwas sehr
Instruktives. Wir sehen also die Negativbereiche des ländlichen Raumes, diejenigen, die
auch zusammenfallen mit der Abwanderung, was wir vorher schon gesehen haben. Mit
dieser Erreichbarkeit im Zusammenhang stehen so manche Veränderungen in der
Infrastruktur der öffentlichen Hand. Weil man sagt, man braucht heute nicht mehr die alten
Gerichtsbezirke, die sozusagen, wie Josef II das formuliert hat, in dieser Zeit eben
jedermann mit einem Ochsenfuhrwerk während eines Tages einen Gerichtsort erreichen soll
und wieder nach Hause kommen können – diese Distanzen haben sich verändert und auch
die Institutionen der öffentlichen Hand. Die Schießung von diesen Bezirksgerichten bedeutet
aber was ja auch von den Vorredner schon angesprochen wurde, eine Schwächung der
ländlichen Infrastruktur. Und wir schauen uns an, was da alles passiert ist. Also die
Bezirksgerichte – das werden wir gleich später sehen – dann die Gemeindereform von 1971
– so notwendig das ist, bedeutet sie doch die Schließung von 95 Gemeindeämtern, wie
immer man das beurteilt, Gendarmeriepostenreduktion eben auch um diese Zeit um 72 und
dann noch einmal in den letzten Jahren eine Reduktion, Volksschulen 1970 – 1980 68
aufgelöst und 1980 – 2000 nochmals 28 und jetzt noch einmal 14 und daneben sind 50 zu
Exposituren geworden. Das ist aber erst der Anfang. Also die Bevölkerungsprognose, die wir
kennen, nicht war, bedeutet ja zugleich, dass der ländliche Raum noch weiter an
Bevölkerung verlieren wird und dass mehr oder weniger zwangsläufig weitere Rückzüge der
öffentlichen Hand und andere Infrastrukturen werden folgen müssen. Jetzt schauen wir uns
                                              - 27 -

einmal die Sache mit den Gerichtbezirken an. Einer meiner Vorredner hat gesagt
Nebenzentren im ländlichen Raum stärken – ich glaub Sie waren es – und gerade diese aber
sind es, gerade diese Nebenzentren, die in den letzten Jahrzehnten der Modernisierung
unter Anführungszeichen zum Opfer gefallen sind. Jetzt möchte ich ihnen vorstellen, was für
eine Bevölkerung das eigentlich ist, die im ländlichen Raum lebt. Das Erste was wir uns
anschauen, ist, nach der amtlichen Statistik die sog. Sozioökologische Einheit – angestellte
und Beamte, d.h. wovon leben die Haushalte? Die Haushalte leben von Personen, die
Angestellte oder Beamte sind, in einem Umfang von 40 % in den Zentren, von 30-40 % - die
rote Farbe - im unmittelbaren Rand dieser Zentren, noch 30 – 35 % sind überall dort
Angestellte und Beamte – wo die rosa Farbe ist – und erst in der Peripherie sinkt der Anteil
von Angestellten und Beamten unter den Wert von 25. Das nächste Bild zeigt die Frage der
Überalterung. Natürlich in den Städten ist es zu erwarten, dass die Überalterung relativ
bedeutend ist, aber wir sehen – in der dunkelsten Farbe – dass eben auch der ländliche
Raum und hier wieder die schon bekannten peripheren Gebiete – auch da – unter
Überalterung leiden oder - sagen wir so - eine Überalterung aufweisen. Jetzt geht’s um die
Arbeitsplätze. Was ich bis jetzt vorgestellt hatte, war die im ländlichen Raum lebende
Bevölkerung und jetzt sprechen wir von den Arbeitsplätzen im ländlichen Raum und hier
sehen wir den Anteil von Maturanten und Akademikern. Sie sehen, dass er ja in den meisten
Bereichen unterdurchschnittlich ist – äußerst unterdurchschnittlich – was bedeutet, dass
entsprechende Arbeitsplätze fehlen. Land- und Forstwirtschaftliche Arbeitsplätze. Wie viel –
welche Bedeutung haben land- und fortwirtschaftliche Arbeitsplätze im ländlichen Raum.
Also wenn alle Pendler weg sind um 8 Uhr in der Früh oder um halb neun oder ich weiss
nicht wann, wenn alle Pendler weg sind, dann ist auf einmal der ländliche Raum zum Teil
durchaus noch ein Bauernland. Also wir sehen, dass hier beispielsweise von den
verbliebenen, von den nach dem Wegpendeln verbliebenen Arbeitsplätzen, sind über 50 %
im land- und forstwirtschaftlichen Bereich tätig, in diesen peripheren Gebieten und auch
sonst noch 30 – 50 in den orangefarbigen Räumen. Arbeitsplätze im Tourismus. Das zeigt
sehr deutlich die Heterogenität des ländlichen Raumes in Kärnten, Teile sind für den
Tourismus wirklich eine tragkräftige Basis und andere eben nicht. Und jetzt komme ich zu
einer Sache, die auch schon angesprochen wurde. Was macht Kärnten unverwechselbar
unter den verschiedensten Räumen, ländlichen Räumen in Österreich oder in den
benachbarten Gebieten. Woran erkennen Sie, dass Sie wieder in Kärnten sind, wenn Sie
von woanders kommen? Was ist es ? Natürlich ist es auch die Naturlandschaft und die
Berge und wir kennen die Täler usw. aber ganz wesentlich wird der ländliche Raum, wird die
Identität Kärntens geprägt durch das was Kulturlandschaft ist, das was gebaute Kultur ist und
ich hab es hier so hingeschrieben, Haus- und Gehöftformen, Bildstöcke, Kirchen etc, also
was bedeutet das für uns. Achtung und nachhaltiger Umgang mit dem was historisches Erbe
ist, nicht nur was die Schlösser betrifft sondern was die regionale Kultur betrifft. Hier ein Bild,
das ich von KAGIS bekommen habe – von der Abt. 20 – ich bedanke mich bei Mag. Gruber
                                              - 28 -

und beim Kollegen Fercher dafür – es zeigt die Vielfalt von Bildstöcken, Kapellen und
Kirchen im Umland von Klagenfurt und soll als Beweis dienen, wie sehr der ländliche Raum
die regionale Kulturlandschaft prägt und gestaltet. Den Kärntner Schopf, den erkennt man
noch, nicht – den es so nirgendwo anders gibt. Und jetzt komme ich zu einem anderen
Problem. Ich habe gerade gesprochen von regionaler Identität. und es wurde vorher schon
bei den Vorrednern mehrfach angedeutet, was es heißt Nachhaltigkeit zu leben und da
möchte ich Sie auf einen bestimmten Aspekt hinweisen, der gerade jetzt in eine
Entscheidungsphase kommt und der mit Nachhaltigkeit meiner Ansicht nach ganz wesentlich
zu tun hat, allerdings in der Form, wie es jetzt praktiziert wird, mit Nachhaltigkeit nichts zu tun
hat und Sie als die Abgeordneten zum Kärntner Landtag möchte ich bitten, die folgenden 2
Minuten sich ganz besonders zu Herzen zu nehmen und sich ein Urteil zu bilden. Es geht um
den Herzogstuhl. Auch ein Aspekt des kulturellen Ambiente. Und bei dem Herzogstuhl, da
geht es um folgendes: Früher in den Jahren wie ich zum Ersten mal nach Kärnten
gekommen bin um Vorlesungen zu halten, vor 30 Jahren, da war die Situation mehr oder
weniger so von Maria Saal aus gesehen, da hinten ist St. Veit, die Bundesstraße 17 war eine
ganz normale Bundesstraße und der Herzogstuhl mit den schönen Bäumen rund herum ist
entsprechend in Erscheinung getreten. Rund herum um den Herzogstuhl gibt es ein großes
Landschaftsschutzgebiet, damit die Fläche dort nicht verbaut wird. Trotzdem ist die heutige
zur Schnellstraße ausgebaute Straße gebaut worden und was jetzt geschehen soll, ist, dass
neben die Straße die an sich schon dort ist, die Autobahn von Klagenfurt nach St. Veit
gebaut wird. Was hat das zur Folge? 27 Meter ist so eine Autobahn breit, 1,2 Meter ist der
Herzogstuhl um Quadrat ungefähr und hier besteht jetzt die große Gefahr, dass eines der
wesentlichsten Kulturgüter Kärntens durch den Autobahnbau zu einer „Quantiteé negligable“
wird. Und ich bitte Sie sich zu überlegen, welche Maßnahmen man treffen sollte, um das
visuelle Ambiente rund um den Herzogstuhl zu erhalten. Der Herzogstuhl steht dabei nicht
für sich allein, sondern ist das Zentrum einer Reihe von kulturellen Sehenswürdigkeiten
erster Ordnung, d.h. nicht nur für die Identität der Kärntner selbst, sondern auch für einen
Kulturtourismus besonderer Qualität ist der Bereich des Herzogstuhles von größter
Bedeutung. Ich habe eben im Kulturgremium des Landes schon mehrfach darauf
hingewiesen und möchte Sie ersuchen sich Gedanken darüber zu machen, wie man diesen
Bereich von höchster Sensibilität jetzt durch Entscheidungen schützt, die wirklich den Sinn
nachhaltiges Handeln verdienen. Damit bin ich auch schon fertig und bedanke mich fürs
Zuhören.




Erster Landtagspräsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Ja, ich bedanke mich beim Herrn Prof. Seger sehr herzlich für seine Ausführungen, die uns
in den Bereich der Statistik, der Demographie, der Situation der Kärntner Bevölkerung eben
                                            - 29 -

Wohnen Arbeiten und Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes geführt hat und zum Schluss uns
noch etwas Besonderes ans Herz gelegt hat. Vielleicht werden wir einmal eine Exkursion
hinaus machen zum Herzogstuhl um das zu sehen, denn wenn die Abgeordneten einmal
etwas vor Ort wirklich anschauen und das bewusst aufnehmen, dann wird vielleicht die
Entscheidungsfähigkeit etwas anders ausschauen, als wenn man es nur von der Theorie
weiss. Dankeschön Herr Professor. Nun kommen wir zu unseren letzten Referenten, Univ.-
Prof. Dr. Roland Girtler, der uns nun etwas mitteilen wird, was uns vielleicht – wie soll ich
sagen – in eine andere Welt führen wird – ich kenne ja einige seiner Bücher, ich empfehle
Bücher von ihm zu lesen, die Jäger sollten das Buch der Wilderer lesen, oder die alten
Bauern - Aschenlauge und dann gibt es auch über die leichten Mädchen einige Bücher und
und und – also es ist empfehlenswert Girtler zu lesen. Herr Professor bitte!




Ao.Univ.-Prof. Dr. Roland GIRTLER


Ich werden mich da vorne hinstellen – es ist schon sehr spät – Sie wollen alle schon essen
gehen. Manche fliehen ja schon – manche sind ja schon auf der Flucht. Jedenfalls vielen
Dank! Übrigens die Beziehung leichte Mädchen – Bauern zeigt sich darin, das während des
Mittelalters bei den Mühlen die Bauern sich aufgehalten haben und Zeit hatten sich die
Dirnen zu fangen. Die großen Bordelle heißen ja Moulin Rouge – die rote Mühle, die
Verbindung besteht, ja – mittelalterliche Geschichten. Jedenfalls also vielen Dank für die
Einladung – ich wundere mich, dass ich eingeladen bin – ich bin ja überhaupt kein Spezialist,
ich bin kein Ökonom, kein Politiker, ich bin ein ganz ein harmloser Mensch, ich bin
aufgewachsen in Spittal am Phyrn in Oberösterreich, als Kind von Landärzten, bin 1941
geboren worden in Wien und durch die Kriegswirren sind wir nach Spittal am Phyn, meine
Mutter war die erste Landärztin, mein Vater war noch dieser klassische alte Militärarzt, ein
wilder Bursche, der, ja über den die Leute heute noch mit Hochachtung anreden – ja es ist
interessant, wir sind noch mit Rösser unterwegs gewesen. Damals gab es das Wort Pferd
nicht. Das Wort Pferd kommt aus dem lateinischen vom Paraderedus, d.h. das Dienstpferd,
das daneben geht, das Ross ist ein althochdeutsches Wort, dieselbe Wurzel wie Horst. Also
wir sind noch mit Rösser unterwegs gewesen nach dem Krieg, meine Mutter war mit dem
Motorrad unterwegs auch eine wilde Landärztin. Da bin ich aufgewachsen, ich habe diesen
Wandel dieser Kultur erlebt dadurch, dass die Schmiede in unserem Haus, die jeden Tag
durch so ein Hämmern zu hören war, ich bin durch diese Hämmern aufgeweckt worden. Die
Schmiede sperrte zu Anfang der 60iger Jahre – heute ist es ein Museum – ein Kulturschatz
in diesem Sinn ein Museum – ein Besuch lädt gern ein. Dann noch etwas hört auf, das auch
sehr interessant und wichtig war für mich, die Helden meiner Jugend waren die Holzführer,
die die schweren Bloch von oben runter gebracht haben und während der Winterszeit –
damals wurde der Wald geschont – also man konnte nur zur Winterszeit das Holz
                                            - 30 -

herunterbringen, diese Holzschlitten, die diese Leute hatten, es war ja nicht so leicht diese
schweren Bloch herunterzubringen, man musste da gute Rösser haben, man hat meistens
Stuten genommen, die waren gescheiter haben sie gesagt, Stuten wussten wann die
Sperren eingelegt werden mussten, kennt das noch jemand - wenn man die Ketten unten
einlegt, damit das langsamer fährt, die wussten das und dies hörte sich auch auf Anfang der
60iger Jahre. Diese Schlitten hatten so Kloppen und dieses Kloppenläuten hat mich
aufgeweckt. Das verändert sich – heute wird während des ganzen Jahres Holz geführt.
Diese Holzknechte waren so die Helden meiner Jugend – das waren starke Burschen, waren
hoch angesehen im Dorf, waren übrigens auch Wildschützen in den 50-iger Jahren. Einer
dieser Herren, der hat mir wirklich sehr viel geholfen, ist ein so alter Holzknecht und der hat
gesagt: Ich habe eine Frau geheiratet mit 4 unehelichen Kindern aber die waren dann eh alle
von mir, hab ich gesagt. Das waren noch echte Helden nicht? In dieser Kultur bin ich
aufgewachsen. Habe dann studiert und bin in Kremsmünster in die Schule gegangen,
Klosterschule, da habe ich 1959 maturiert, bin nie durchgefallen, war aber ziemlich schlecht
in der Schule, meinem Vater war das nämlich wurscht, von den Noten her, Zeugnis habe ich
abgegeben mit 2 Sehr gut – in Religion und Turnen – Religion hatte ich ein Sehr gut weil der
Professor in der dritten Klasse gefragt hat, wann war das Konzil von Icea – niemand wusste
es – da war er ganz unglücklich und hat gesagt, wenn das jemand weiß, der bekommt bis
zur 8. Klasse ein Sehr gut und ich habe unter der Bank das Buch aufgeschlagen und 325
war das. Jedenfalls war Kremsmünster für mich, das Kloster Kremsmünster noch ein echter
Bauernhof, heute sind dort, wo die Ställe waren, Andenken zur Kultur, Säle – dort wo die
Kühe waren sind heute Leute, die sich irgend etwas anhören. Ich erinnere mich noch, wie die
Kühe jeden Tag aus diesem Meierhof getrieben wurden, ich erinnere mich noch an die
Knechte und Mägde in den 50-igern, die noch aus einer gemeinsamen Schüssel gegessen
haben. Der Moarknecht war der Erste der zum Essen begonnen hat und diese Welt hat sich
radikal verändert. Ich habe ziemlich lange studiert, ich habe von 1959 bis 1971 studiert, so
lange dürfen sie heute gar nicht mehr studieren. Bitte! Nein mein Vater hat mir gar nichts
mehr gezahlt, ich war Gemüseausführer und Bierausführer für die Brauerei Schwechat und
habe auch Gemüse ausgeführt. Ich habe eine gute Frau – ich habe geheiratet mit 23 Jahren.
Bei der kalabrischen Mafia, die auch aus einer bäuerlichen Kultur kommt, heißt es: der Mann
braucht 2 Sachen, amori donne cuore di preganti – die Liebe einer Frau und das Herz des
Wegelagerers – das macht den Mann aus – ja und ich habe eine gute Frau, die hat immer zu
mir gehalten und habe dann eben studiert – ziemlich lang. Ich habe Völkerkunde und
Naturgeschichte studiert – und bei Naturgeschichte musste ich auch an Ausgrabungen
teilnehmen. Da haben wir an jungsteinzeitlichen Siedlungen gegraben und damit beginnen
bereits Hofformen, der Mensch wird sesshaft in der Jungsteinzeit vor 6000-7000 Jahren und
da beginnen bereits Formen des Ackerbaus und Hausformen, die es bis in die 50-iger Jahre
gibt. Wie gesagt der große Wandel entsteht in den 50-iger Jahren – eine 5000-6000 Jahre
alte Kultur verwandelt sich rapid. Die Dörfer sind andere geworden, die Geschäfte gibt es
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nicht mehr, an den Rändern sind so Tempeln – so Einkaufs.. das Wort Tempel stimmt,
dieser ADEG oder andere ähnlich große Anlagen gekommen, zu denen man mit dem Auto
hinfahren kann und dort wird eingeschaufelt. Früher ist man in ein Geschäft gegangen um
etwas zu kaufen eine bestimmte Sache – heute wenn ich dort einkaufen gehe um Rosinen
zu kaufen, weiß nicht was ich da nicht noch alles kaufe – Sachen die ich gar nicht wollte.
Aber diese Ähnlichkeit der Kirche das stimmt, wenn Sie die Leute beobachten, sie gehen
über eine Kreuzweg, verneigen sich und zum Schluss ist der Opferstock, sage ich, nicht. Das
passt schön zum Rundgang – denn es hat sich verändert – diese Welt. Ebenso, das habe
ich jetzt auch beim herfahren gesehen, es haben sich radikal verändert die Wiesen. Heute
gibt es keine Blumenwiesen mehr, ich sehe keine Blumenwiesen. Es gibt sehr monotone
Wiesen, nur mit gelben Blumen – aber diese klassischen Blumenwiesen gibt es nicht mehr,
die sind verschwunden. Diese alte Welt, dass habe ich mit Trauer erlebt, wie sich das
verändert, Bauernhöfe werden zugesperrt. Ich habe 1971 nach dem Studium als Knecht
gearbeitet im Sommer beim Bauern im Waldviertel, so als Spaß und das war noch ein echter
Bauer. Ich habe geholfen bei der Ernte, er hat noch Kühe gehabt aber bald bin ich wieder
hingefahren, hat er die Kühe nicht mehr gehabt, er hat da so eine Hendlfarm eingerichtet, die
ihm jemand eingeredet hat. Er konnte gut verdienen. Jetzt vor 2-3 Jahren war ich wieder dort
und jetzt gibt es den Bauern nicht mehr, Wiener haben das gekauft, die tun Bauern spielen,
eine Katze haben sie, nicht. Ja das ist so, das gibt’s nicht, sie sagen sie sind Bauern, sie
haben Vieh, eine Katze. Gut aber so hat sich das verändert. Und mich haben Bauern immer
interessiert. Bauernkultur finde ich faszinierend, eben als Naturgeschichtler dann als
Völkerkundler oder Volkskundler – ich habe 1971 – 1972 eine Forschung in Indien gemacht
weil mich nämlich die Bauern interessiert haben, weil ich gehört habe, dass in Indien diese
Bauernkulturen zugrunde gehen und die gehen zugrunde. Da habe ich in so einer
Missionsstation gelebt in Kutjerat. Da habe ich eben gesehen wie diese Bauern zugrunde
gehen dort, diese indischen Bauern, und die ziehen in die Städte nach Bombay. Bombay hat
damals 5 Millionen Einwohner gehabt und heute hat es 15 Millionen, aber das sind Bauern.
Ich habe da einen Test gemacht. Ich habe da diese Institutionen beschrieben, die hatten
noch alte Bauerninstitutionen, für die es wichtig war den Boden, den gemeinsamen Grund
und Boden, jedes Jahr zu verlosen. Das gibt es heute in Siebenbürgen noch, es ist ganz
interessant, dass in Siebenbürgen der gemeinsame Boden angebaut wird, dann wird er nach
der Zahl der Bauern aufgeteilt und verlost. Das Wort Lus kommt ja heute noch vor als
Bauerngrund – gibt es hier nicht das Wort Lus – in Oberösterreich gibt es das öfters noch als
Bezeichnung dieser Gegend. Es hat eine Ähnlichkeit mit dem Germanischen, der Rat der
ältesten 5 Männer, hat indogermanische Wurzeln, fasst sich auf die Rigweda kann man es
sehr gut sehen, dass da gemeinsame Wurzeln sind. In dieser Rigweda sind übrigens Wort
für Wort die Merseburger Zaubersprüche in Indien , ich meine bei uns, die man 800 n. Ch.
bei uns gefunden hat oder aufgezeichnet hat, d.h. wenn sich z. B ein Ross, ein Pferd das
Bein bricht bên zi bêna, bluot zi bluoda,lid zi geliden, sôse gelimida sin! Bein zu Bein also
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Wort für Wort in der Rigweda wieder. Und diese Panjerat, das hört sich auch dort auf, hat
sich aufgehört und die Städte werden immer größer. Was mich auch dazu bewogen hat,
darüber eine Arbeit zu schreiben und über diese Arbeit bin ich dann Assistent geworden am
Institut für Soziologie und bin irgendwie – mir scheint dies alles wie ein Missverständnis –
meinen Freunden auch – bin Professor geworden usw. eine interessante Karriere,
Soziologe. Die erste Zeit als Soziologe hab ich so geschrieben, dass ich sie selbst nicht
verstanden habe, denn dann war typisch für die Soziologen, man muss so schreiben, dass
man nicht verstanden wird. Ich habe höchstes Ansehen genossen und dann habe ich so
geschrieben, dass mich die Leute verstehen, ich möchte so schreiben, dass die Leute es
lesen. Dann bin ich zu Bauern gegangen, herumgezogen, habe es dann den Bauern zu
lesen gegeben, die waren hochbegeistert – ja das ist wichtig für mich, dass die das lesen
auch über Sandler, ich habe auch über Sandler geschrieben. Die Bauern und Sandler, die
Ganoven haben eine große Ähnlichkeit, nicht was den Charakter anbelangt, sondern was die
Sprache anbelangt, denn in diesen Randbezirken hat sich eine alte Sprache erhalten auch
wenn sie das jetzt – ich habe seit 2 Wochen kein Handy mehr, bewusst nicht mehr, wenn sie
mich anrufen am Handy, hören Sie, ich Roland Girtler habe mich gelöst vom Sklavenjoch,
dem Handy, es ist sehr angenehm. Da ruft meine Frau ein- oder zweimal am Tag an, wenn
ich weg bin, das genügt, wirklich, wir haben dauernd telefoniert ja gut jedenfalls – was wollte
ich erzählen, ja genau, große Ähnlichkeit die zwei, weil sich bei beiden, Randbezirke unserer
Kultur, alte Wörter halten, während andere verschwinden. Die Sandler-Sprache ist
althochdeutsch. Ich habe einmal einen Sandler gefragt, was machst du heute, hat er gesagt:
“Du geb ma di Rippn ein“ – ich konnte mir nicht erklären, Rippe heißt betteln und das habe
ich   dann   gefunden   in   einem   Vokabular,      das   ein   Vagabund,   vagabundierender
Wissenschaftler herausgegeben hat – da habe ich das Wort Ripar gefunden, Ripar, die
Geldtasche. Der Herr bringt ein ganzes Vokabular, dieser Herr, der die Gammlersprache
festgehalten hat, auf der ich aufgebaut habe, 18, 25 Schilling – von dem stammen die Lieder
„Kuckuck, Kuckuck ruft´s aus dem Wald“, „Ein Männlein steht im Walde“ auch in der
Gammlersprache – wer war das? Hoffmann von Fallersleben, der hatte ein solches
Vokabular, der hat sich ja selbst geadelt. Heinrich Hoffmann – warum soll ich mich nicht
selber adeln. Das war ein Herumzieher, das Lied eines Herumziehers – entschuldige dass
ich das erzähle, nur nebenbei – und bei den Bauern hab ich auch mit ganz alten Wörtern mit
Bauern gesprochen, denn das war mir wichtig in Gesprächen mit den Bauern zu reden um
diese Wörter festzuhalten – es waren so Testwörter, das kennen nur die alten Bauern, die
jungen nicht mehr, die ganz jungen in Oberösterreich bei denen ist es anders z. B für den
Dienstag – Irtli sagen sie und wissen Sie von wo das kommt. Das kommt von den Goten, die
7 Tage kommen von den Römern, nur der Dienstag ist dem Kriegsgott gewidmet, Mars
(Martedi) und germanisch ist das der Zios. Durch die Goten, die um 500 da in unsere
Gegend kommen mit den Bayern zusammen, kommt der griechische Kriegsgott herein, der
Ares, das hat sich dann bei den Bauern als Irtag?? erhalten und der Donnerstag ist im
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griechischen Penthennera ?? – der 5. Tag und Sonntag, das hat sich bei den Bauern als
Pfingsten erhalten. Genauso wie das Wort Pfoad, kennen Sie, das ist griechisch, heißt auf
griechisch das Hirtenhemd, es kommt durch die Goten zu uns und diese Wörter finde ich
sehr, sehr wichtig, dass diese nicht verschwinden. Oder Fertn (voriges Jahr), in
Oberösterreich sagen sie Fert – sagen sie in ganz Österreich, in Tirol sagen sie Ferstn, ich
will nur sagen wie wichtig diese alte Sprache ist, die verloren geht und das hat mich auch
bewogen, mich mit diesen Sachen näher zu beschäftigen. Peter Rosegger schreibt: „Es wird
aber ein schlimmes Ende nehmen, wenn die Gesellschaft, die den Bauernstand zugrunde
richtet, wie jener Schildbürger, der den Ast abschneidet, auf dem er sitzt. Da gibt es einen
berühmten italienischen Kommunisten, den man umgebracht hat, Pier Paolo Pasolini,
kennen Sie, und dieser schreibt dasselbe, interessanterweise, in den 60-iger Jahren. Er
schreibt wie wichtig diese alte Bauernkultur ist. Er ist Kommunist, er regt sich ziemlich über
die linke Schickeria auf und er wird auch angegriffen, wenn er sagt, es ist wichtig, man soll
diese vorindustrielle Kultur hochhalten aber leider geht diese bäuerliche Kultur verloren meint
er. Und er meint auch, dass wäre eine internationale Kultur, in der sich alte Wurzeln erhalten
hätten, alte Formen des Bodenbaus. Das Wort Kultur kommt ja von Agricola, der Bauer, von
Cola wie Boden bebauen. Der Bauer ist es, der Kultur geschaffen hat und ich habe mir
gedacht ich schreibe darüber. Was macht den klassischen, den echten Bauern aus? Der
heutige Bauer kann kein echter Bauer mehr sein, das ist unmöglich, haben wir ja gehört. Der
Bauer ist in einen ungeheuerlichen Druck geraten, der Herr Kollege hat das ja ganz gut
geschildert, dass der heutige Bauer die Wiesen dazu verwendet um Biogas herzustellen. Ich
habe da einen Bericht aus dem Spiegel, da geht hervor, dass in Ostdeutschland riesige
Mastanstalten entstehen, die wunderbar nachhaltig funktionieren, d.h. dass mit der Gülle
wird Biogas erzeugt, was ein großes Problem ist. Ja die Leute haben Strom, aber es ist zum
Nachteil des Tieres behaupte ich, der Umgang zum Tier hat sich wesentlich verändert und
das zeigt sich in diesen Mastanstalten. Gott sei Dank haben die Österreicher ebenso, wie
soll man sagen, Ideen, doch wieder zu dieser alten Bauerkultur zu finden in der das Vieh
geachtet war, in der das Vieh dazugehört hat. Wohl war das Vieh unter ziemlichen Druck,
aber man hat das Vieh einbezogen in die bäuerliche Welt. Bei uns war es so, wenn der
Bauer gestorben ist, dann sind Leute – da wurde 3 Tage aufgebahrt – ist auch etwas
verloren gegangen, geht auch aus hygienischen Gründen, glaube ich, nicht mehr, aber das
war wichtig, der bäuerliche Mensch hat sich vom Toten verabschiedet, er hatte eine enge
Beziehung zum Toten. Man musste 3 Tage hingehen, man saß um den Sarg und neben dem
Sarg stand Most und Brot, zuerst hat man gesungen bei uns und dann hat man getrunken
und gegessen, da hat es geheißen, manche sind nur wegen den Menschen hingekommen,
denn typisch für diese alte Bauernkultur war, dass ja alles verboten war. Aber Kultur in der
alles verboten ist, ist natürlich viel interessanter. Ja das ist auch heute noch. In den
bäuerlichen Kulturen ist alles verboten oder man macht eh alles. Man muss nur schauen, wie
man diese Kontakte herstellt. Und eine Möglichkeit war am gemeinsamen Bett, man hat auf
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die Menschen gewartet. Manche sind betrunken hingekommen – aber diese bäuerliche
Kultur haben wir heute noch in Siebenbürgen. Ich fahre seit 15 Jahren nach Siebenbürgen,
mit Studenten und beschreibe diese Kultur, da sagen sie übrigens noch Fertn, da habe ich
noch diese alten Wörter. Die Leute, diese Kleinbauern, haben ein paar Kühe. Und diese paar
Kühe die genügen für sie und für die anderen. In den rumänischen Zeitungen ist nach dem
Zusammenbruch des Kommunismus gestanden, die wollen nicht, dass unsere deutschen
Bauern auswandern, damit die leben konnten und können durch diese Bauern. Aber ich
versuche seit Jahren diese Kultur festzuhalten auch die Rituale und Symbole dieser Kultur
und etwas ganz wichtiges für diese alte Bauernkultur war, ist die Nachbarschaft. Der Bauer
brauchte den Nachbarn. Im Wort Nachbar steckt übrigens Bauer, der Nebenbauer. Er
brauchte den anderen um überleben zu können. Und in Siebenbürgen ist das Problem, dass
die jungen Leute wegziehen, es werden die Nachbarschaften immer kleiner, es besteht eine
Landflucht, gerade in Siebenbürgen. Man wandert lieber nach Österreich aus oder nach
Deutschland, dort habe ich Mac Donalds, das Symbol des Westens und darunter leiden die,
die fühlen sich verraten, die Bauern. Das letzte mal starb ein alter Bauer, übliche
Aufbahrung, 3 Tage, sitzt herum und dann wird der Sarg zum Friedhof getragen und das
Problem ist, dass die Nachbarschaft dort alles regelt, die Nachbarschaft kümmert sich um
das Grab und den Sarg und die fehlt diese Nachbarschaft, die jungen Leute sind weg. Ich mit
2 Studenten, darauf bin ich sehr stolz, da habe ich Bilder, haben das Grab geschaufelt und
dann haben wir auch den Sarg getragen. Dann haben wir am Tränenbrot teilgenommen.
Dort erlebt man noch diese alte Bauernkultur, zu der auch dieser Totenkult gehört, der auch
verschwindet – ich glaube in 10 Jahren gibt es ihn nicht mehr. In Rumänien haben wir noch
diese bunten Blumenwiesen. Ich habe noch nie so schöne Blumenwiesen gesehen wie in
Rumänien. Da haben sie eh so einen guten Film gebracht, mit den Schafhirten – von
Rumänien mit so Hirten, die gehören ja zu dieser Bauernkultur, Rumänien dürfte das einzige
Land Europas sein, dass sich mit den Wölfen und den Bären arrangiert hat. Die haben den
Bären vertrieben, sie sagen die Wölfe sind wunderbare Hunde man darf ihnen nur nicht zu
nahe kommen, man muss eben aufpassen. Diese Bauernkultur verschwindet und für unsere
alte Bauernkultur, das wollte ich eben sagen, denn es ist interessant, dass der Bauer durch
Jahrhunderte ein Rebell war. Der Bauer hat immer gekämpft und versucht, mit den
Schwierigkeiten fertig zu werden. Den Bauer hat man ja auf vielfältige Weise unterdrückt, der
Bauer durfte den Wald nicht betreten, die großen Bauernkriege 1525 in Deutschland und in
Oberösterreich 1650 – da ging es um das Jagdrecht, um den Wald betreten zu dürfen und
die Bauern ärgern sich auch, das geht auch bis ins vorige Jahrhundert, dass da die Leute die
Bauern da aufkaufen, diese Bauerngüter dann zuwachsen lassen, da gab´s eine Anfrage im
Reichstag um 1900, da beklagen sich eben Abgeordnete über den Fürsten Festetics, der hat
am Lunzersee große Flächen aufgekauft und alle Gebiete zuwachsen lassen. In der
Obersteiermark werden – das darf man auch nicht vergessen, da schreibt der Peter
Rosegger darüber, nach 1900 – das Buch „Jakob der Letzte“ kennen Sie ja – im Buch
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schreibt Rosegger, dass der Bauer eigentlich alles hat. Das Leder für die Schuhe wachst am
Rücken unserer Kühe, schreibt er. Wir haben alles und die müssen weg, die Bauern ziehen
weg, werden weggekauft und dann wächst es zu. Da schreibt Peter Rosegger eben, glaube
20.000 ha Bauerngüter werden versteigert in der Obersteiermark und da kaufen sie alles auf,
ich will keine Namen nennen. Bei uns in Oberösterreich kaufen Schaumburg-Lippe auf, dem
Herzog von Würthemberg dem gehört der ganz Briel und die betreiben frisch fröhlich
Forstwirtschaft. Jetzt gibt es in Hinterstoder schon einen Verein, der sich auflehnt dagegen,
der sagt wir brauchen Anbaugebiete, die wollen Weideflächen. Das ist ein großes Problem
die Alm im alten Sinn kann es nicht mehr geben aber müssen dankbar sein, wenn es Bauern
gibt, die diese Almen pflegen und auch die Kühe hinauftreiben, sie bekommen eh gut
bezahlt. Der Chef der Weltbank sagt, dass die Subvention für eine Kuh, die man auf die Alm
treibt, höher ist als das Einkommen der meisten Afrikaner. Sicher die Bauern sind auch
schlau, sie kennen sich da auch aus. Dieser Witz heißt, den kennen sie ja eh, dass die
Bauernkinder schon zu kleine Schuhe bekommen, damit sie schon früh zu jammern lernen.
Aber trotzdem sperren viele Bauern zu. Viele Bauern sind gezwungen zuzusperren. Man darf
ja nicht vergessen in Spanien, durch die Subventionsstrategie der EU, haben in den letzten
Jahren, glaube ich, 27.000 Bauern zugesperrt. 12 Großgrundbesitzer, habe ich gelesen,
bekommen soviel Subventionen wie 20.000 kleine Bauern, glaube ich. Und die Paradeiser,
die dort erzeugt werden, die kommen dann zu uns. Und nicht die burgenländischen
Paradeiser sondern die aus Spanien, das ist ein Riesenproblem, dass in Europa durch die
Globalisierung sich unheimlich viel ändert. Wir Österreicher sind eh gut. Ich behaupte, es
gibt ganz tüchtige Leute, und Spezialisten haben mir gesagt, dass die Österreicher ganz
tüchtig sind und versuchen, alte Bauerntraditionen weiter zu führen. Ich habe mich selber
gewundert, dass hier doch versucht wird, alte Bauerntraditionen hochzuhalten, zu den alten
Bauerntraditionen gehört nicht nur die Pflege der alten Sprache sondern gehört auch die
Sprache des Kulturgutes, wie Sie es richtig gesagt haben, Herr Prof. Seger. Der Pfarrer hält
die Messe, nicht eine Messe sondern eine Andacht und dieses Marterle, diese
Erinnerungsstelle an die alten Landärzte ist so an einer Grenze an einem Weg, an zwei
Wegen, die sich dort kreuzen, das finde ich wichtig, dass man das auch erneuert, wieder auf
viele Sachen zurückgreift. Wir haben eine interessante alte Kultur, eine alte Bauernkultur, die
leider eben verschwindet. Ich habe da etwas bei den amerikanischen Kulturantropologen
Interessantes gelesen. Der meint, dass die Kindererziehung sich heute total verändert hat. In
dieser alten Bauernkultur auch Handwerkskultur, war es typisch, ich habe es noch erlebt,
dass der Bub mit dem Vater aufs Feld gegangen ist und mit dem Vater gearbeitet hat. Der
Bub und auch das Mädchen wusste, was die Eltern tun, hatten einen engen Kontakt zu den
Eltern und hatten auch entsprechende Arbeiten zu leisten. Die Kindheit im modernen Sinn
gab es nicht. Das Kind wurde schon sehr früh eingespannt und das ändert sich. Und das
Problem, sagt dieser Kulturanthropologe, liegt darin, dass der junge Mensch heute nicht
weiß, was die Eltern machen, sie wissen es nicht und da kommt es zu diesen großen
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Auseinandersetzungen. Der Vater ist der Böse, auf alle Fälle, gut, er versteigt sich da in
etwas, er meint, dass die Frauen immer mehr die Erziehung übernehmen und die Burschen
gegen die Väter aufhetzen. Er meint, dass man das sogar im Fernsehen sehen würde bei
den Werbungen, dass die Frau, die macht einen Wischer, und alles ist weg, der Mann ist zu
blöd für so etwas. Ist Ihnen das schon aufgefallen? Es wird immer ärger, angeblich. Er
schreibt, dass die Frauen immer mehr diktieren und der Mann immer mehr zurückgedrängt,
mag sein, oder nicht? Stimmt es zum Teil? Irgendwie, was ich sagen will, dass das Kind
nicht mehr diesen Kontakt zu den Eltern hat. Zu mir hat eine Bauerntochter gesagt, „der Alte
hat gesagt“ für uns war es selbstverständlich, dass wir den Eltern gehorcht haben. Es gab
keine Auseinandersetzung, es gab keine Diskussion, wenn der Vater gesagt hat, dass wird
gemacht, dann haben wir es gemacht. Zu ihr hat ein Knecht gesagt, als sie klein war, du
musst das gern machen, was du nicht gern tust. Aber das hat sich verändert, Diese Welt hat
sich total verändert. Natürlich, die Menschen waren unter einem ziemlich harten Druck, aber
dieser Druck ist weg, wir leben heute in einer Welt der Bequemlichkeit, man könnte sagen in
einer Welt der Aristrokatie, in der die Arbeit zur Seite gedrängt wird. Typisch für diese alte
Bauernkultur waren 3 Prinzipien, Arbeit, Disziplin und Bescheidenheit. Und der Mensch ist
an der Arbeit gemessen worden. Es war zwar sehr hart, die Menschen hatten es zwar nicht
leicht, aber die Arbeit war wichtig und genau das ist auch in Siebenbürgen wesentlich für
diese Bauern. Diese Bauern stehen um halb fünf auf, jeden Tag und verrichten ihre Arbeit,
die haben eine große Disziplin, wenn die Arbeit gemacht werden muss, dann muss die Arbeit
gemacht werden, da gibt es keine Diskussion und ich erinnere mich, als Kind so an diese
bäuerliche Welt, in der wirklich hart gearbeitet wurde, in der die Kinder nach der Schule
arbeiten gegangen sind, die sind noch weit zu Fuß in die Schule gegangen und die waren
pünktlich dort, da haben auch die Eltern geschaut. Diese Disziplin oder auch Bescheidenheit
zu lernen, mit wenig auszukommen. Das ist ja heute etwas, was in Vergessenheit geraten
ist, dass man bescheiden sein muss, dass man mit wenig auskommt und die Leute hatten ja
auch nicht viel, das bisschen Gewand hat man geachtet und es wurde nichts
weggeschmissen, das Gewand wurde verwendet, die Sachen wurden gestopft, heute haut
man die Sachen weg. Man hatte nur ein dunkles Gewand, mit dem starb man auch, mit dem
wurde man auch begraben, stimmt´s nicht. Und diese Kultur hat sich radikal verändert und
ich habe mir gedacht, ich versuche dies in dem Buch festzuhalten, mit fällt jetzt noch was
Interessantes ein, ob das bei Ihnen auch so ist, etwas sprachliches. Wenn der Vater den
Buben hinausgeschickt hat und der Bub gesagt hat, es sind Zwee´ draußen, hat der Vater
gewusst, wer draußen ist. Das gibt es fast im ganzen Oberösterreichischen Sprachraum -
Zweg, Zwe oder zwoa – Zwe sind zwei Männer, Zwo sind zwei Frauen oder zwoa zwei
Ochsen oder so. Ich habe Ihnen nur gezeigt, wie wichtig die alte Sprache war. Peter
Rosegger    findet   diese   Sprache   ganz wichtig,   diese   altweltliche   Sprache,   diese
Bauernsprache, die man weitergeben sollte. Wie ich in die Schule gegangen bin, da wurde
verboten, solche Wörter zu verwenden, Pfoad war ordinär, Pfoad war furchtbar, wenn ich
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damals gewusst hätte, dass das ein griechischer Wort ist, hätte ich das dem Lehrer gesagt,
dass das aus dem Griechischen kommt, dass eine alte Kultur dahintersteckt. Der Bauer ist
mit einer alten Kultur verbunden. Der Bauer hat eine ganz interessante Kultur und er
übernimmt, der Bauer hat durch Jahrhunderte übernommen, übernommen von anderen
Kulturen, das sehen wir an den Wörtern. Die Bauern waren immer gescheit. Unsere Wörter,
die sich auf das Gemüse beziehen, sind lateinisch-arabisch, Radieschen – Radex, Zwiebel
ist Zeppula, Birne ist lateinisch, Zwetschke ist arabisch, da steckt die Pflaume von Damaskus
drinnen, das interessiert mich eben als Kulturwissenschaftler. Am 19. Juli 711 kommen die
Berberstämme hinein nach Spanien und bringen dort eine alte Kultur mit und diese
Gartenkultur von Spanien wird zu uns gebracht. Wörter aus dem Arabischen sind Spinat, wir
übernehmen es, Jacke ist übrigens auch Arabisch, Jacke heißt die Rüstung, Jopp ist auch
arabisch, wir übernehmen sehr viel. Und die Bauern haben da eine sehr wunderbare
Gartenkultur entwickelt und heute sehe ich das liebenswürdige Bäuerinnen diese alte
Gartenkultur weiter pflegen, dass ist etwas was wichtig ist, dass man noch weiter pflegen
kann, stimmt´s nicht? Hier wird alte Kultur weitergetragen, der Garten. Und mit diesem alten
Holzknecht, mit dem ich darüber gesprochen habe, da haben wir über das Wort nachhaltig
gesprochen und er sagte, dass findet er gar nicht furchtbar, weil nachhaltig ist alles, eine
Watsche (Ohrfeige) ist auch nachhaltig aber er findet das Wort besser: Ehrfurcht – vor dem
Leben Ehrfurcht, ich muss auch sagen, dass das ein schöneres Wort ist als nachhaltig, es
kommt aus der Forstwirtschaft, auf alles wird das übertragen. Eben gerade diese Ehrfurcht
zeigt sich auch im Garten, in der Bewirtschaftung des Gartens. Der Garten hat ja eine ganz
große Bedeutung für die Leute gehabt. Der Garten war des Armen Markt – im Mittelalter. Er
konnte mit dem leben. Die Siebenbürgener Bauern konnten durch den Garten überleben, im
Garten wuchs der Wein, sie hatten alles. Sie waren unabhängig. Verstehen Sie, mit dem
Garten kann ich überleben und so ein guter Bauerngarten ist etwas wunderbares. Wenn Sie
einen guten Bauerngarten sehen wollen, fahren Sie einmal nach Siebenbürgen. Ich fahre am
2. Juli wieder hinunter. Dort gibt es noch echte Bauerngärten, aber wer weiß noch wie lange.
Die alten Bauerngärten sind wesentlich für dies alte Bauernkultur. Dieser alte Garten ist
etwas herrliches, sagt auch Frau Anneliese, die Bäuerin in diesem Dorf, bei der wir wohnen
und die erzählt mir dann, wie wichtig der Garten ist, der Garten ist stark wichtig, durch den
Garten konnten sie überleben, weil sie eben den Wein hatten, den Hofwein. Und noch etwas
war wichtig für diese Bauern oder ist wichtig für die alte Bauernkultur, dass das Tier
unterwegs war, das Tier ist immer unterwegs. Es wurde bei uns auf die Weide getrieben,
Gott sei Dank gibt es heute Bauern, die das auch machen, aber zum Dorfbild gehörte das
Vieh. Das Vieh, das durch das Dorf getrieben wurde. Das habe ich auch noch dort, jeden
Tag in der Früh holt der Zigeuner die Kühe ab, bringt sie auf die Hutweide, den Ausdruck
kennen sie, den Ausdruck gibt es dort auch noch, und dort bleiben sie über den Tag und am
Abend kommen die Kühe zurück. Und diese Kühe werden gemolken eben vom Bauern. Die
Kühe dort haben, glaube ich 1500 Liter Milch im Jahr oder 2000. Die heutigen Kühe bei uns
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geben 8000, 9000 oder 10.000 Liter. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Aber diese sind
unterwegs, haben noch ihre Hörner. Ich war jetzt bei einem Biomarkt, in Nürnberg. Bauern
aus der ganzen Welt haben da ihre Biosachen ausgestellt und ich glaube, dass da viel
Schwindel ist. Da gibt es diese Demeter und die hatten dort große Bilder von Kühen mit
Hörnern und da hat gestanden: Unsere Kühe haben Hörner, daher geben sie bessere Milch
oder so. Und da habe ich mir ein Prospekt dort genommen und diese Kühe hatten keine
Hörner. Da habe ich sie dann darauf aufmerksam gemacht, auf diesen Widerspruch und
dann haben sie die Prospekte eingezogen. Also ich bin da ein bisschen skeptisch. Ich war
mit dem Fahrrad bei Herrn Sepp Holzer, ich war der einzige Radfahrer, es war voll, voll von
Autos und dann wollte er 30 Euro von mir haben, der Sepp Holzer. Da habe ich mich dann
geweigert zu zahlen. Der war mir unsympathisch, dieser Sepp Holzer, der hält die Leute zum
Narren. Da gehen Damen, bestimmte Typen von Damen sind da unterwegs, zwischen 50
und 60, glaube ich, da tun sie mit Bachblüten, und er geht herum wie ein Guru und erzählt
den Leuten, ich hab das nur von außen gesehen, das ist ja mit einem Gitter abgesperrt, ich
komme als normaler Mensch gar nicht dort hinein, jedenfalls habe dann mit den Bauern
herum darüber geredet und die haben sich schon sehr aufgeregt über ihn. Sie sagten, er ist
ein Showman. Er würde so Kerschlan verwenden und so Dinge. Ich glaube das langsam,
glauben sie es nicht? Auf jeden Fall ist es ein Riesenmarkt heute. Diese alte Bauernkultur ist
verschwunden, und nun versucht man, diese alte Bauernkultur in gewisser Weise, weil sie
doch interessant oder spannend ist und wichtig erscheint, doch irgendwie weiterzuführen,
aber das kann natürlich zu großen Problemen führen. Eine ganz wichtige Sache ist dieser
Urlaub am Bauernhof. Man biete den Fremden etwas an. Sachen, die es nie in der
bäuerlichen Welt gegeben hat. Diese Mutterkuh-Haltung gab es ja nicht, oder es werden
Hasen gehalten für die Kinder und da habe ich in einem Prospekt gelesen, eines solchen
Bauern, der Urlaub am Bauernhof anbietet, der verlangt – ich weis nicht - 10 Euro für eine
Führung, durch den Bauernhof. Richtig soll er machen, das ist ja das Schlechte, das sind
neue Formen, aber diese alte Bauernkultur ist verschwunden. Es sind neue Formen aber ich
meine man kann oder sollte sich an der alten Bauernkultur etwas orientieren und schauen,
was kann ich weitertragen von dieser alten Bauernkultur, wie der Garten, gewisse Rituale
und Symbole sind wichtig. Ich glaube schon das einiges da ist, das weiterführt werden sollte.
Deswegen habe ich das geschrieben. Auch ist es gar nicht so schlecht, wenn die Kinder
lesen in diesen Büchern, dass ihre Eltern noch hart arbeiten mussten, dass der Mensch
eben an der Arbeit und Bescheidenheit gemessen wurde. Das ist heute verloren gegangen,
man glaubt heute, man kann alles schnell erreichen, stimmt´s nicht? Ein bisschen Recht
habe ich. Ich glaube, dass diese Bauernkultur eine unheimlich spannende Kultur ist, die mich
immer fasziniert hat und über die ich einiges geschrieben habe. Ich glaube jetzt genügt es.
Das war jetzt lang genug. Es ist sehr freundlich, dass Sie nicht geflüchtet sind, dass Sie noch
da sind, ja aber ich glaube, dass das spannend ist, sich dieser Bauernkultur zu erinnern, mit
den ganzen Problemen und Schwierigkeiten, das war ja eine interessante Welt, eine Welt
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eben auch der Rebellion, darauf habe ich auch hingewiesen. Es gibt heute Gott sei Dank
wieder Bauern, die zu Rebellen werden. In Mexiko, die Sabbatisten, man greift zurück auf
altes. In Frankreich oder auch in Oberösterreich gibt es Milchbauern, die sich auflehnen. Es
ist ja schon wirklich pervers, es gibt Leute, die sind ja unglücklich, es ist pervers, wenn man
die Milch aus Holland einführt, es ist billiger, als wenn wir selber die Kühe melken. Und die
Bauern sind psychisch, manche sehr, sehr unglücklich. Es gibt in Deutschland – ich habe
das da - ein Sorgentelefon für Bauern. Bei diesem Sorgentelefon sitzen Psychologen oder
auch Bauern, beraten Bauern die Probleme haben, die psychische Probleme haben und die
werden anscheinend immer größer. Was die Beziehung innerhalb der Familie anbelangt
usw. weil diese alten Regeln fehlen. Diese alten Regeln sind verloren gegangen und mit der
neuen Situation werden manche oder viele Bauern nicht mehr fertig. Was sagen Sie dazu?
Haben Sie gewusst, dass es so ein Telefon gibt? Es ist ein Riesenproblem was auf die
Bauern zukommt. Weil eben diese alten Formen des bäuerlichen Lebens, das eingebunden
war in die Nachbarschaft und auch in die Natur, hat sich wesentlich geändert. Gott sei Dank
gibt es noch österreichische Bauern, die noch alte Traditionen weiterführen. Also, danke
herzlichst.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Ich bedanke mit bei Herrn Prof. Roland Girtler herzlich für diesen doch sehr einmaligen
Vortrag, aber es war bewusst gewählt, um auch auf eine andere Seite den Blickpunkt zu
werfen um das vielleicht wieder in uns aufzunehmen, was wir vergessen haben oder was wir
vielleicht nicht so als wichtig erachtet haben. Sein Buch heißt „Der echte Bauer“ ich habe es
gelesen – das ist das Buch also – für alle, die sich interessieren. So jetzt können wir oder
sollten wir ein bisschen in eine Diskussion einsteigen, nachdem doch sehr hochinteressante
Vorträge und Meinungen hier positioniert wurden. Die Professoren und Referenten haben ja
wieder Platz genommen. Ich möchte vorweg bitten, Herrn Landesrat, dich, dass du vielleicht
aus deiner Sicht jetzt replizieren könntest oder Fragen noch an die Referenten hast. Bitte
Herr Landesrat!




Landesrat Mag. Dr. Josef MARTINZ


Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätztes Auditorium! Wir haben ja heute die Gelegenheit
nicht zum Sorgentelefon zu greifen sondern direkt zu unseren Herrn Professoren, die uns vor
allem was ländlicher Raum betrifft aus erster Hand und vor allem positiv und motivierend
Auskunft geben können. Ich freue mich und bedanke mich beim Herrn Präsidenten für diese
Enquete, es ist der ländlicher Raum ein ganz massives politisches Anliegen in Kärnten. Ich
                                            - 40 -

glaube alle Fraktionen stehen dazu. wir haben viele Maßnahmen, vom Bund herunter, die
direkt in den ländlichen Raum hineinwirken, ob es die ländliche Entwicklungsbudgetierung ist
2007 bis 2013 vom Bund, ob es im Land alle Maßnahmen sind um die flächendeckende
Landwirtschaft zu erhalten, deshalb ist es für mich wirklich auch eine Bestätigung, dass wir
am richtigen Weg sind. Ich war jetzt unlängst in China, in Shanghai, dort wird man mit dem
Begriff Masse konfrontiert. Oder wenn man die großen Lebensmittelindustriekonzerne
anhört, die uns erzählen, dass in Argentinien und Brasilien das Genfutter produziert werden
wird, das wird dann nach China transportiert, dort werden die Schweine gemästet und diese
Schweine werden dann nach Europa kommen oder wenn man diesen Ausführungen folgt,
dass Europa zu einem Museum verkommen wird, dann erdrückt einem das. Aber ich glaube
genau und auf der anderen Seite gibt dieses Bild uns die Kraft und auch die Motivation und
die Aufgabe, genau in unserem ländlichen Raum aktiv zu sein, weil die Antwort und die
Herausforderung kann nur dort liegen. Wir werden mit der Masse, wir werden mit der
weltweiten Globalisierung nicht mitmachen können, wir können nur in unseren Bereich, in
unseren Tälern und wenn es bis hinauf ins letzte Tal geht, mit der Motivation dort mit
unseren Maßnahmen versuchen mitzuhalten. Ich glaub das Land Kärnten ist hier sehr, sehr
rührig, hat auch in der Co-Finanzierung die entsprechenden Schritte gesetzt, und versuchen
ob es jetzt in der Biomasse ist, ob es jetzt im Ausbau der Infrastrukturen ist, der Wege, ob es
der Kampf um die Erhaltung der Kleinschulen ist, Ausbildung, ob es das Stärken der Zentren
ist, ist ja eine eigene Form der Zentren, wenn man unsere Bezirksstädte hernimmt, das sind
ja wirklich nur Minizentren, wir versuchen über die Gemeindeautonomien über die Stärkung
der Gemeinden letztlich auch dort Leben stattfinden zu lassen, Gesellschaften zu erhalten,
das Abwandern zu stoppen durch die Pendlerhilfen oder durch das – was ja auch ein
Phänomen ist – durch das verbesserte Wohnen, oder das Unterstützen im Wohnungsbereich
oder die neuen Initiativen wie Homebase, sehe ich z. B auch als eine Chance vor Ort die
kleinen Kreisläufe zu beleben und dort Wertschöpfung zu erhalten. Tourismus,
Landwirtschaft wissen wir – gehört direkt zusammen, sind 2 Chancen, die wir haben und
ergreifen. Und jetzt dazu – Herr Prof. Radermacher hat gesagt, der Erhalt der Restautarkie –
ich glaube, dass ist auch was wichtiges, was unterschätzt wird und da sehe ich für unsere
Landwirtschaft, für den ländlichen Raum schon viele Potenziale und Chancen und ich freue
mich eigentlich, dass wir heute diesen Impuls, diesen positiven Input mitbekommen.
Natürlich gibt es auch große Fragen auf uns zukommen, das eine die ich stellen möchte:
„Migration, eine Herausforderung speziell Kärnten wenn man die nächsten 30 Jahre vor sich
sieht – dann werden wir 10 % unserer Bevölkerung verlieren, wir haben heute aus den
Schaubildern gesehen, wo wir das verlieren werden, nämlich genau draußen ist Migration
eine Antwort, ist das überhaupt eine Möglichkeit und wie wäre das in der Form aufhaltbar?
Ich bedanke mich noch einmal und freue mich auf eine gute Diskussion. Dankeschön!
                                           - 41 -

Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Ich bedanke mich bei Herrn Landesrat für sein Statement und möchte bitten noch Fragen,
Bitten oder Wortmeldungen zu stellen. Wer hat noch eine Frage, die ihm am Herzen liegt?
Ich werde versuchen, das ein bisschen aufzulockern. Mich hat jeweils eine Frage sehr
interessiert. Nämlich die Frage „Globalisierung – Regionalisierung“. Ich glaube, dieses
Bewusstsein, dass wir durch Regionalisierung in der Lage sein könnten auch im Rahmen der
Auswirkungen der Globalisierung etwas zustande zu bringen, hat mir Hoffnung gemacht. Ich
möchte noch einmal auf Prof. Radermacher zurückkommen, der also hier besonders
Bildung, Technologie aber auch die Landwirtschaft als wesentlichen Motor einer solchen
Gegenbewegung oder eine Nischenbewegung – ich weiß nicht wie man das bezeichnen soll
oder bezeichnet hat – vielleicht kann er noch einmal konkret einen Vorschlag hier platzieren,
so dass wir auch das Bild im Raum noch einmal besser vor Augen haben. Dr. Riegler hat
also von der geistigen Einstellung gesprochen, das ist überhaupt hier mir aufgefallen, dass
wenig von Hardware und von Finanzen und Geld die Rede war, sondern eher von
Softwaredingen. Wie weit wir hier also Nachholbedarf haben in der Software, sozusagen
unserer Aufrüstung, Bündelung der Lebensinteressen und im Energiebereich glaube ich
haben wir schon gesehen, dass in Kärnten hier schon Chancen bestehen, Abkoppelung vom
internationalen Ölmarkt möglich, ich verweise nur, dass wir in Kärnten schon relativ gut
unterwegs sind und diese Optimierung der Einsetzung dieser Rohstoffe und die
demografische Frage hat ja schon Herr Landesrat gestellt, die für uns wahrscheinlich eine
der Wesentlichsten ist, denn dort wo weniger Menschen sind, geht die Wertschöpfung
zurück, d.h. dass das Einkommen, das Gesamteinkommen geht drastisch zurück. Wie stellt
man sich das vor, dass man das ausgleichen kann, denn wer soll also die Pensionen zahlen,
wer soll alle die sozialen Einrichtung, die Gesundheitsvorsorgen noch bezahlen, wenn wir in
10 Jahren in 30-40 Jahren nur mehr 500.000 Einwohner in unserem Lande haben, wie
schaut das aus, das wären also noch Fragen, die ich noch hier als Vorsitzender, wenn Sie
erlauben, noch einmal in den Raum werfe. Herr Dr. Kaiser hat sich gemeldet.




Klubobmann Mag. Dr. Peter KAISER


Zwei grundsätzliche Bemerkungen nachdem das ganze eine politische Enquete ist oder
Enquete eines politischen Gremiums. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass man nicht in
den Fehler verfallen ist auch von den Referenten her, eine Trennung zwischen ländlichen
Raum und anderen Ballungsräumen, Städten und Konglomeraten zu ziehen. Ich glaube,
dass es hier wirklich wechselseitige Beeinflussungen in den Dependenzen gibt und ich
denken, dass nur eine gemeinsame Politik letztlich hier zu positiven Entwicklungen finden
kann und das Zweite was ich eigentlich bei allen Referaten auch bei Girtler gehört habe, ist,
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irgendwie ohne es offen auszusprechen, haben sie alle ein bisschen die Sehnsucht nach
Koordination. Es muss diese ganze Entwicklung koordiniert werden und daraus resultieren
jetzt zwei Fragen, die ich gerne stellen würde, weil sie, wenn die Antwort von mir antizipiert
wird, die ich indirekt herausgehört habe, alles andere den so zeitkonform werden. Das Erste
was ich herausgehört habe ist, dass wir eigentlich in einem Zeitalter der Deregulierung
lebend in Wirklichkeit nach Regulierungen schreien. Wir brauchen Regulierungen um
entsprechende Entwicklungen wie sie von unterschiedlichen Zugängen her von Ihnen
skizziert worden sind überhaupt weiterlenken zu können oder ich könnte es jetzt auch noch
radikal sozialpolitisch formulieren, wie es jemand gesagt hat, der Staat rinnt aus, das geht
auf Kosten der Ärmeren, der Schwächeren. Und die zweite Frage, wenn das so stimmt, dass
Regulierungen notwendig sind, reichen lokale, regionale, nationale Ebenen oder auch
internationale   Ebenen    überhaupt   aus,    bedarf    es   nicht   generell     einer   gewissen
Supranationalität auch mit Durchgriffsrechten, um dem, was derzeit sehr wild geworden sich
entwickelt hat, überhaupt noch Einhalt gebieten zu können. Letzter Punkt und fast schon
fragend nachdem ich das Vergnügen hatte mit Herrn Dr. Radermacher bei manchen
Symposien auch zusammen zu sein, der von Ihnen einmal zitierte Global-Marshall-Plan,
wäre es möglich ihn in ein paar Sätzen zu skizziere, damit das gesamte Auditorium von
diesem Denkansatz informiert wird.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke. Herr Abgeordneter Schlagholz.




Abgeordneter Hans-Peter SCHLAGHOLZ


Hohes Präsidium! Geschätzte Damen und Herren! Ich habe heute sehr viele Schlagworte
vernommen,       Vorsorgeprinzip,   Erbe   erhalten,    Globalisierung   kreativ     gegensteuern,
Ressourcengau und all jene Persönlichkeiten, die das heute in schönen Formulierungen
verwendet haben, deren Aufschrei vermisste ich, auf EU-Ebene, als es darum ging, die
Subsidiarität zu bewahren, d.h. unser Mitgestaltungsrecht, unsere Eigenverantwortung. Ich
verweise hier auf den Bereich der Freisetzung von genveränderten Stoffen vor allem in der
Landwirtschaft, hier wurde uns die Möglichkeit gänzlich genommen, unsere Mitsprache,
unsere Eigenständigkeit, unsere Selbstgestaltung auch zu wahren. Das wäre ein kreatives
Gegensteuern gegen Globalisierungstendenzen. Hier Forschung zu leisten, hier seine
Eigenständigkeit zu bewahren, das vermisste ich zur Gänze, das wäre Kreativität. Das
Zweite ist, wenn der hier anwesende Landesrat meint, die Budgetperiode 2007 bis 2013 die
Förderperiode wäre der richtige Weg, dann möchte ich meinen, für die Landwirtschaft ist es
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zu einem Großteil ein Holzweg und warum, das bestätigt auch der Herr Ex-Kommissar
Fischler. Den diese Förderperiode wird ja nichts was anderes bewirken, dass noch einmal
zwischen 20 und 30% sich aus der Landwirtschaft zurückziehen werden und dass diese
Förderperiode zwar die in den Gunstlagen weiterhin bevorzugt aber diejenigen in den
sogenannten Ungunstlagen, ich meine hier Bergbauern, Hochland usw. noch schlechter
gestellt werden sein als das in der Vergangenheit der Fall war.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Herrn Abgeordneten. Als nächster Herr Bürgermeister Wieser aus Mallnitz –
Nationalparkbürgermeister.




Bürgermeister Martin WIESER


Grüß Gott! Ich darf fragen, inwiefern regionale Währungen hilfreich sein könnten, um die
regionale Wirtschaft zu stärken oder die regionale Identität zu stärken und ob das Forum
Kärnten daran denkt, der Global Marshall-Plan Initiative beizutreten und diese dann auch
weiter zu tragen in Bund und EU? Danke.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Bürgermeister Linder aus Afritz




Bürgermeister Maximilian LINDER


Zwei Dinge: zum Herrn Dr. Radermacher: Wenn Sie uns auf der einen Seite erzählen, in den
USA werden gewisse Dinge, Schulden nicht mehr in die Statistik aufgenommen, umgekehrt
wir aber in Europa immer kleinlicher werden, ist das wirklich der richtige Weg, den wir gehen
oder sollten wir doch gewisse Dinge einfach freizügiger gehen lassen und nicht so genau zu
kontrollieren, zu schauen, zu beobachten. Und das Zweite zu Dr. Kopetz, zur Energie:
Glauben Sie nicht, dass wir Gefahr laufen, zwar die Technik voran zu treiben aber dass wir
nicht mehr schaffen die Rohstoffe zu liefern, es ist zwar Holz genug da, aber dass es die
bäuerliche Bevölkerung nicht mehr schaffen wird, das Holz zu liefern. Es sind immer weniger
Leute, immer weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und dass wir das einfach nicht
mehr bringen werden und schon heute kenne ich viele Fernheizwerke, die die Hackschnitzel,
                                           - 44 -

die Rinden aus dem Ausland holen, aus dem billigen Osten holen, glauben Sie nicht, dass
da die Gefahr besteht und sollte man da nicht begleitend Maßnahmen ergreifen, dass man
mit dem Vorantreiben der Technik auch die Gewinnung vorantreibt. Diese zwei Dinge
würden mich interessieren.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Als letzte der ersten Runde, Frau Abgeordnete Warmuth.




Abgeordnete Wilma WARMUTH


Geschätzte Damen und Herren! Wilma Warmuth ist mein Name. Ich arbeite im Ausschuss
für Familie, Soziales und Generationen im Kärntner Landtag und auch für den ländlichen
Raum. Mein Hauptanliegen ist eigentlich das, vielleicht könnten Sie mir hier sagen, welche
Maßnahmen könnte man setzen, dass man dieses Bewusstwerden der Lebensqualität im
ländlichen Raum verstärkt in die Menschen hinein pflanzt insbesondere in die Jugend. Dort
zu leben, wo man Urlaub macht, dieser Satz ist sehr schön, aber ich glaube, dass man hier
noch plakativer etwas schaffen müsste, was auch greift und der zweite Punkt ist auch die
Kaufkraft im ländlichen Raum. Wir wissen, wir sind in einer Erlebnisgesellschaft anderseits
wird gejammert, wenn die Kaufhäuser zumachen, der kleinen Gemischtwarenhändler und ich
denke mir, wenn es möglich wäre, wenn die Bevölkerung, die auspendelt, nur ein Drittel im
eigenen Ort wieder einkaufen, dass man sehr wohl hier, nicht nur die Kaufkraft, sondern die
Arbeitsplätze auch erhalten könnte. Ich darf daher ersuchen, haben Sie in dieser Richtung
auch ein Konzept, wie man derartige Mitverantwortung der Bevölkerung verstärkt ankurbeln
könnte?




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke. Das ist die erste Fragerunde. Vielleicht vorweg noch etwas was der Bürgermeister
Wieser betreffend Global-Marshall-Plan gesagt hat. Ich habe also auch besonders versucht
Leute hierher zu bringen, die in dieser Materie schon seit einigen und vielen Jahren arbeiten
und dass wir im Landtag allenfalls dieses Thema auch aufgreifen sollten, um uns mehr mit
dieser Frage zu beschäftigen und womöglich dann auch Beschlüsse zu fassen. Es sind
einige Bundesländer schon dieser Bewegung beigetreten und ich glaube, dass würde zur
Bewusstseinsaufwertung passen, weil es um uns geht, um die Regionen aber auch natürlich
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um ein globales, menschliches System zu entwickeln. So, wer wird anfangen. Herr Prof.
Radermacher. Bitte. Dr. Riegler.




DI Dr.h.c. Josef RIEGLER


Ich möchte nur zu 2 oder 3 der aufgeworfenen Fragen von meiner Seite etwas sagen. Wobei
ich sehr unvoreingenommen bin in der Beantwortung, weil ich meistens nicht weiß, welcher
Fraktion der Fragesteller angehört und das ist, glaube ich, gar nicht so schlecht. Es war die
eine Frage vom Präsident gestellt, der geistigen Einstellung. Und das zieht sich eigentlich
relativ stark auch durch weitere Wortmeldungen durch. Und ich glaube, hier sind wir
miteinander herausgefordert. Mir ist es zuwenig zu fragen, wo bleibt denn dein Aufschrei, die
Frage muss sich zunächst jeder an sich selber richten. Und das ist, glaube ich, wirklich das
zentrale Problem, wir sind ja insgesamt einer Maschinerie der Manipulation und der
Meinungsmache ausgesetzt, die ja nicht nur durch die frontale Form der Information läuft
sondern viel stärker indirekt durch das, was die Unterhaltungsindustrie liefert, d.h. von den
Fernsehsendungen, die die Kinder und die älteren Menschen nachmittags konsumieren bis
hin was die gesamte mediale Industrie beisteuert, wobei wir wissen, ein Großteil dieser
Unterhaltungsindustrie ist Made in USA. Und hier wird eine ganz bestimmte Form der
oberflächlich, materiell zugespitzten Lebensform vermittelt, zum Teil sehr subtil. Wie können
wir dem gegensteuern, durch eigenes Agieren. Und ich möchte bei einer konkreten Frage
auf das noch einmal zurück, aber ich glaube, das ist das um und auf und ich registriere, das
was mir Sorgen macht, ist eigentlich, dass ich eine gewisse Form der Resignation, der
Lethargie, der Passivität feststelle. Man sagt, das ist eben so und man begibt sich in den
Rückzug. Das ist der entscheidende Punkt. Solange die Bereitschaft da ist um seine
Existenz zu kämpfen auch um seine Lebensrechte zu kämpfen, ist eine Auseinandersetzung
offen. Aber sobald ich das Segel streiche, bin ich der anderen Tendenz ausgeliefert. Aber da
war dann konkret die Frage von Ihnen Frau Abgeordnete, der Bewusstseinsgestaltung. Nun
ich nenne einige ganz konkrete Akteure, die meines Erachtens auch sehr viel leisten und da
sollten wir als Repräsentanten der ländlichen Bevölkerung und insbesondere der Land- und
Forstwirtschaft noch mehr Kooperation suchen. Ich nenne ganz bewusst die Lehrerinnen und
Lehrer, die Kindergärtnerinnen und Kindergärtner. Das sind eine der wirklich stark
prägenden Elemente, die wir haben und im großen und ganzen gesagt, leisten vor allem
Kindergärten und Grundschulen relativ viel. In Richtung auch der Vermittlung von
Lebenswerten. Und es war ja für mich sehr spannend, Prof. Girtler wieder einmal zu hören
und diese drei Grundprinzipien bäuerlichen Lebens sind ein Teil von Weisheit. Ich nenne als
Zweites die landwirtschaftlichen, hauswirtschaftlichen Schulen aber auch viele andere
berufsbildende bzw. mittlere, höhere Schule, das ist ein Hort, wo geistige Prägung und
Vermittlung von Lebensinhalten geschehen kann. Und ich glaube, hier muss man auch den
                                           - 46 -

Lehrerinnen und Lehrern den Professorinnen und Professoren Partnerschaft und
Hilfestellung leisten, wenn wir wollen, dass Meinungsbildung im Sinne eines konstruktiven,
ländlichen Kulturverständnisses gelingt. Und das Dritte ist zum Beispiel eine Organisation
wie die Landjugend oder andere Organisationen der Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung
also das sind die Dinge wo wir selber etwas tun können. Die große Unterhaltungsindustrie ist
sehr oft außerhalb unserer Zugriffsmöglichkeiten. Wo wir schon auch Ansatzpunkte haben,
sind die regionalen Medien, auch der regionale Rundfunk und das regionale Fernsehen und
die leisten auch relativ viel, auch im Vergleich wieder zu den Großstrukturen. Wie ich
überhaupt meine, dass ist auch meine politische Lebenserfahrung, dass wir in Österreich in
Bezug auf ländliche Regionen und eine mittel und kleiner strukturierte Land- und
Forstwirtschaft noch relativ, ich sage relativ, gut dastehen, ist auch Teil unseres inneren
Staatsaufbaues. Die Autonomie der Gemeinden ist ein ganz entscheidender Eckpunkt. Wo
es eine gewisse Balancierung zwischen Interessen der Zentren und den Interessen der
Peripherie gibt und ähnliches gilt auch für alle Bereiche der Lebensgestaltung. Herr
Abgeordneter Schlagholz, Sie haben also angesprochen, Sie vermissen den Aufschrei in
Richtung Europäische Union. Für mich persönlich, für unsere Aktivitäten etwa im ökosozialen
Forum kann ich sagen, wir haben das immer wieder und wir tun das immer wieder, ich
verweise nur auf zwei unserer eigenen Publikationen 1999 „Die Bauern nicht dem Weltmarkt
opfern“, das war eine geistige Herausforderung in Richtung der Entscheidungsprozesse rund
um die Agenda 2000, entwickelt und konzipiert von Mitwirkenden aus Süddeutschland, der
Schweiz und aus Österreich. Vergangenes Jahr „Land in Gefahr – Zukunftsstrategien für den
ländlichen Raum“, wieder verstanden als eine geistige Herausforderung und ich glaube wir
müssen uns vor allem auch sehr konstruktiv mit Ideen und nachdrücklich in die europäischen
Diskussionsprozesse einbringen, viel stärker als bisher. Und da ist bitte jeder Bürgermeister
gefordert, jede und jeder Abgeordnete, natürlich die Repräsentanten der Mitgliedstaaten, es
gibt den Ausschuss der Regionen, es gibt den Wirtschafts- und Sozialausschuss, es gibt das
Europäische Parlament, es gibt die Möglichkeiten, dass Parlamente und Regierungen
offensiv in Richtung Europäische Union auftreten und zwar im Sinne auch eines konstruktiv-
gelebten Modells, subsidiär aufgebauten Europas und ich bin da ganz bei Ihnen, dass ist das
Um und Auf. Entweder gelingt es, ein solches Staatengebilde subsidiär zu organisieren, d.h.
gewisse Gemeinsamkeiten nach außen und in Richtung eines inneren fairen Wettbewerbes,
aber eigenständige Gestaltung der Lebensumstände im konkreten, es macht keinen Sinn
von Brüssel aus zu delegieren, wie der Käse auf einer Almhütte erzeugt werden muss, das
geschieht aber. Also hier ist enormer Veränderungsbedarf gegeben und in Bezug auf die
künftige, gemeinsame Agrarpolitik sage ich vor allem, wir müssen jetzt schon mobilisieren,
dass die Gestaltung einer gemeinsamen europäischen Politik für Landwirtschaft und
ländliche Regionen ab 2013 nicht völlig in die falsche Richtung geht. Es war mühsam genug,
2007 bis 2013 so hinzukriegen, wie es derzeit ist, mit all dem was man kritisieren muss
daran, aber das war ja nicht selbstverständlich und denken Sie ein dreiviertel Jahr zurück,
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wie sehr vieles überhaupt auf dem Spiel gestanden ist. Also hier geht´s um ein ständiges
Ringen und dieser Aufschrei den Sie einfordern, der muss meines Erachtens von vielen
geleistet werden. Zum Global-Marschall-Plan wird sicher Franz Josef Radermacher die
authentische Information geben. Für mich ist er – darum bringe ich mich so mit Leib und
Seele für dieses Projekt ein – ein Um und Auf für die Menschen in den ländlichen Regionen,
denn mit aller Anstrengung, die wir selbst mobilisieren, werden wir es allein nicht schaffen,
wenn uns eine globale Walze alles niederführt, was zum Teil in Jahrzehnten aufgebaut
worden ist, d.h. auch hier muss bewusst gemacht werden, dieses unfaire System, dieses
zutiefst ungerechte System mit dem wir jetzt konfrontiert sind, mit dieser extremen
Auseinanderentwicklung ist kein Naturereignis sondern ist menschengemacht. Das muss
einmal bewusst gemacht werden. Und die Auseinandersetzung um eine österreichische
Bank sind da vielleicht auch insofern eine Chance, dass man erkennt, was denn eigentlich
läuft, und das ist ja nur ein ganz kleines Beispiel, wie Geld umgeschaufelt wird. Und das was
die einen verlieren, haben inzwischen irgendwelche anderen gewonnen und sie gewinnen
noch viel mehr dazu auf Kosten des Mittelstandes und auf Kosten der Ärmeren. Also dieses
Thema müssen wir auch selbst verstärkt ins Bewusstsein rufen und daher, Herr Präsident,
herzlichen Dank auch für Ihren Hinweis Landtag. Es war ein Glücksfall für unsere gesamte
internationale Initiative, dass ausgehend von einer regionalen Veranstaltung in Kirchdorf in
Oberösterreich, da waren wir beide - ziemlich genau vor einem Jahr - und es war eine
Initiative, die von einigen Schulen in der Region ausgegangen ist, höhere mittlere Schulen,
und von einigen regionalen Akteuren, die gesagt haben, wir wollen etwas machen, wir wollen
konstruktiv etwas machen, wir wollen einen Stein ins Rollen bringen. Die beiden
anwesenden Mitglieder der Landesregierung, Stockinger und Anschober, haben von dieser
Veranstaltung den Impuls mitgenommen, dass das Land Oberösterreich gesagt hat, wir
wollen offiziell dieses Vorhaben unterstützen. Das war der erste Landtagsbeschluss, der
erste Regierungsbeschluss. Inzwischen sind wir österreichweit fast flächendeckend mit den
offiziellen Unterstützungen der Bundesländer durch und das hilft uns enorm, das hilft vor
allem auch euch, z. B in Deutschland damit zu argumentieren, dass es in Österreich
Teilstaaten gibt, die sagen, wir unterstützen offiziell ein solches Projekt durch
Globalisierungsgestaltung. Damit wird es von der privaten Spielwiese einiger ambitionierter
Menschen zu einer offiziellen politischen Angelegenheit und darum werden wären wir sehr
verbunden, wenn es Ihnen auch in Kärnten gelänge, in Einhelligkeit möglichst, ein solches
Vorhaben mitzutragen, damit möchte ich aufhören, weil das auch richtigerweise angeklungen
ist. Ich glaube wir sind so existentiell herausgefordert, dass dieses billige politische
Kleingeldmachen überhaupt keinen Sinn macht, sondern hier geht es um gemeinsame
gesellschaftspolitische Anliegen. Ob das jetzt sozialdemokratisch, christdemokratisch, liberal,
humanitär, ökologisch oder was immer von Hintergrund her ist, es sind gemeinsame
Lebensinteressen, der Menschen bei uns der gewachsenen Kultur, der gewachsenen
Strukturen und es geht letztlich um den Wettlauf eines europäischen Lebensmodells
                                            - 48 -

gegenüber eines nordamerikanisch, US-geprägten, oder einem chinesischen, das wird eine
große Herausforderung sein, und hier glaube ich geht es um Bündelung der Kräfte, geht es
um offensive Mobilisierung, geht es um Ideen und da soll man froh sein von welcher Ecke
die immer kommen und es ist ja kindisch zu glauben, weil es von der Ecke kommt, darf ich
es nicht unterstützen, wir müssen schauen gemeinsam unsere Existenzrechte zu
verteidigen.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Herr Dr. Riegler. Wir werden uns mit dem sicher noch beschäftigen. Wenn uns jetzt
Prof. Radermacher noch einmal über den Global-Marshall-Plan und darüber spricht, wer soll
was, wo entscheiden, das ist nämlich auch eine interessante Angelegenheit. Ich darf
vielleicht den Abgeordneten Damen und Herrn berichten, dass vor zwei Wochen, glaube ich,
war eine große Konferenz in St. Pölten über Subsidiarität und Verhältnismäßigkeit und dort
waren eigentlich sehr interessante Ausführungen, das haben fast alle in die Richtung
gesprochen, dass also da etwas geschehen muss, dass sich die EU zurücknehmen muss
sogar Verheugen, der ein großer Verfechter war dieser Erweiterungen usw. und dieses
Zentralismus, hat gesagt, er ist jetzt der was weiß ich wie viele 100 Richtlinien zurücknimmt,
also dass man die Regelungswut zurücknehmen muss, ob es passieren wird oder nicht, ist
ein anderer Punkt, aber es ist ein Umdenken da und ich glaube, im Verfassungsvertrag war
die Subsidiarität auch schon ein wenig weiter entwickelt, das kann jetzt natürlich nicht zur
Durchführung kommen, aber wir sollen sie dort leben und umsetzen, wo es möglich ist, wo
man also die rechtlichen Möglichkeiten haben. Gut, Herr Professor, bitte.




Prof. Dr. Dr. Franz Josef RADERMACHER


Also mir ist vorab mal wichtig die Subsidiarität ist bei uns in der EU ein Rechtsprinzip. Die
Frage ist natürlich was man darunter versteht. Aber als Prinzip ist es ein EU-Prinzip und wir
haben natürlich deshalb so viele Regelungen weil insbesondere die Akteure aus der
Wirtschaft diese Regelung wollen, z. B wollten die Bayern unbedingt, dass man in Bayern
kein niederländisches Bier verkaufen kann, mit der Begründung, die haben kein
Reinheitsgebot. Da haben die Niederländer gesagt, wir haben zwar kein Reinheitsgebot aber
die mittlere Lebenserwartung ist bei uns die selbe wie die in Bayern also man stirbt offenbar
an unserem Bier nicht. Und jetzt ist ja die Frage, soll man in Bayern niederländisches Bier
trinken dürfen als freier Mensch oder muss man in Bayern geschützt werden und darf nur
Bier trinken mit dem Reinheitsgebot, also das sind ja enorm viele, es gibt enorm viele
praktische Probleme in einem gemeinsamen Markt. Das Subsidiaritätsprinzip als solches ist
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ein Kernprinzip der EU. Aber ich komme jetzt zu der Frage, die der junge Mann in der
zweiten Reihe gestellt hat, nämlich – wie heißt er – Klubobmann Dr. Kaiser – sieht noch so
jugendlich aus – die Frage ist ja „Braucht man eine supernationale Struktur in Zeiten der
Globalisierung?“ Meiner Ansicht nach beantwortet sich die Frage von selber, ist ja unsere
Erfahrung in der EU und wenn man sieht wie die USA die Welt ausplündert und wie sie uns
ausplündern und wie sie die Mechanismen und das Weltfinanzsystem ausnutzen und ich
meine sie haben gerade in Österreich zwei Erfahrungen mit 2 Banken, die da irgendwo auf
irgendwelchen Plätzen im großen Spiel dabei waren, ja, und in diesem Spiel sind plötzlich
ein paar hundert Millionen auf der einen Seite oder der anderen Seite. Wobei wenn sie auf
der einen Seite schauen, werden sie sehen, dass einige wenige Akteure organisieren
permanent diese Spiele, weil in diesen Spielen 100-te Millionen auf private Konten wandern
und das ist das liebste Spiel, was sie alle miteinander spielen und das geht unter
Bedingungen, wo sie Regulierung nicht durchsetzten können. Und eben sagte doch, ich
glaube Sie waren es der es sagte, brauchen wir nicht Regulierung ja natürlich brauchen wir
Regulierung ist ja alles trivial, wir haben ja ein paar 100-te Jahre historische Erfahrung, wir
wissen das die besten Systeme entstehen unter vernünftiger Regulierung und mit Herrn
Riegler haben Sie ja, sagen wir einen – der zentralen Denker, der das ökosoziale
Rahmensystem der Ökonomie herausgearbeitet hat als Voraussetzung für Wohlstand,
Frieden, Zukunft. So das wissen wir ja alles, nur es global durchzusetzen gegen die Leute
die unglaublich viel Geld mit diesen Spielchen machen, das ist der wirklich harte Job. Und
der Global-Marshall-Plan, was ist der Global-Marshall-Plan? Der Global-Marshall-Plan ist der
Versuch, der Welt zu ermöglichen dahin zu kommen, wo wir Sonntags immer erklären, dass
wir hin wollen gegen die absolute Top-Profi-Truppe, die zwar auch so tut als wollte sie da hin
aber die genau da nicht hin will. Also die Frage ist wie kann man taktisch vorgehen gegen
eine so richtig tolle Profi-Truppe, die nur plündern will. Der Marshall-Plan sagt, lass uns 5
Dinge tun: Lass uns die Millenniumsziele durchsetzen, wenigstens die Millenniumsziele bis
2015 und d.h. jeder Mensch kriegt eine Ausbildung mindestens eine Schulausbildung. Der
zweite Punkt ist: Lass uns die dafür nötigen 100 Milliarden Dollar pro Jahr besorgen. Der
dritte Punkt ist: Lass sie uns möglich nicht besorgen aus dem Etat von Staaten wie
Österreich, die sind eh alle geplündert. So lass uns endlich globale Transaktionen belasten.
Die Marktfundamentalisten reden immer nur über die Subventionen in der Landwirtschaft.
Die größten Subventionen sind im Verkehr, der Verkehr ist hoch subventioniert zu Lasten der
Umwelt, damit ich die Landwirtschaft und den Industriearbeiter bei uns aushebeln kann und
das kann ich nur wenn der Transport nichts kostet. Also wird der Transport von allen
Abgaben befreit. Den muss man belasten. Also wir sagen, belastet endlich die globalen
Transaktionen d.h. auch schützt eure Mittelständler, schützt eure Arbeitnehmer, schützt eure
Bauern und belastet endlich die, die nur abzocken und nirgendwo Steuern zahlen und keine
Umweltbelastungskosten zahlen. Belastet die endlich! Der Vierte Punkt ist: Nutzt das Geld
damit wir endlich globale Regelwerke bekommen, die eine ähnliche Qualität haben wie die
                                             - 50 -

der EU, d.h. setzt in der WTO durch, dass man Umwelt, soziale und kulturelle Standards
beachten muss, z.B. kein Produkt, das von Kindern produziert wurde, darf im Welthandel
noch gehandelt werden und bezahlt dafür, dass alle Kinder in die Schule können, also
Kofinanzierung gegen Standards, also das ist das Anliegen des Global-Marshall-Plan man
kann sagen, die Mission von Herrn Riegler in einem kleinen Schritt bis 2015 so gepackt,
dass man eine Chance hat gegen Leute, die das absolut nicht wollen, die aber die
Millenniumserklärung im Jahr 2000 unterschreiben mussten wegen des öffentlichen Drucks.
Gut, wie kommt man dahin? Es ist wunderbar, dass jetzt mehrere österreichische
Bundesländer sich offiziell erklärt haben. Das hilft uns in der Tat in Deutschland, es sind jetzt
mehrere deutsche Bundesländer auch dabei und das schöne ist, dass die Österreicher das
in den europäischen Ausschuss der Regionen tragen wollen, so dass wir sozusagen von den
Regionen her die EU beeinflussen. Ich glaube, es würde sehr viel Sinn machen, dass
Kärnten das überparteilich auch tut, denn Kärnten hat ja das Programm K 2010
verabschiedet, dass war bereits vor der Zeit vom Marshall-Plan, ich bin ja hier seit 5-6
Jahren als Berater involviert, die Logik des Global-Marshall-Plan ist hier in dem Programm
K 2010 drin, das alle Fraktionen einvernehmlich beschlossen haben. Also jetzt wäre vielleicht
ein Moment, wo man so einen Schritt weit tun kann, aber das ist eine Frage der Politik hier
vor Ort, jedenfalls könnte Kärnten mithelfen, dass auch die österreichische Regierung etwas
mutiger wird, z.B. was die Belastung von Transaktionen anbelangt. Nehmen wir die
Belastung von Finanz-Transaktionen. Da tut sich die Regierung schwer, übrigens in
Deutschland auch, alle tun sich schwer, alle haben nämlich Angst vor der Macht der
Finanzmaschinerie, kann ich nachvollziehen, aber man kann so einen Beschluss fassen wie
die Belgier ihn gefasst haben. Die Belgier haben beschlossen, sie führen die Abgabe auf
Finanztransaktionen ein und sie gilt rechtlich sobald alle EU-Staaten dasselbe beschlossen
haben. Wenn sie nämlich so beschließen – bitte – ja aber sagen wir mal so – natürlich wäre
noch viel mutiger zu sagen, ich führ´s ein, aber dann ist ja immer das Argument, wenn ich
das tue, dann gehen die Finanzleute in das andere EU-Land. Wenn ich aber sage ich tue es
unter der Voraussetzung, dass es alle tun, kann keiner mehr sagen, ja du schmeißt ja die
Finanzleute bei dir raus, weil es passiert ja nur wenn die anderen es auch tun. Ich würde
mich z. B. sehr freuen, wenn die Österreicher und die Deutschen jetzt den Mut hätten
dasselbe zu beschließen, was die Belgier schon beschlossen haben, weil wenn 4 Parteien –
na Österreich ist unsere Hoffung, ja – sage ich jetzt aus deutscher Sicht – aber wir haben
auch ein Glück mit unserer großen Koalition und zwar im besonderen, weil die
Bundeskanzlerin eine Physikerin ist und die hat sofort verstanden, dass das System über die
Rahmenbedingungen nutriert wird und darum hat sie in Davos im Januar bei der Eröffnung
des Weltwirtschaftsforums am Heiligen Gral der Marktfundamentalisten, hat Fr. Merkel
erklärt, die dringendste Aufgabe, die jetzt international ansteht ist die Integration der sozial-
kulturellen Regime in die Ökonomie, die Extension der sozialen Marktwirtschaft auf den
Globus und das will sie zum zentralen Thema auf dem G8 Gipfel im nächsten Jahr in
                                            - 51 -

Deutschland machen. Das ist einmal die Folge dieser ganzen Bemühungen. Damit glaube
ich sind wir intellektuell einen großen Schritt weiter, an der einen Hälfte, die heißt, eine
andere Globalisierung gestalten, das ist die ganz große Herausforderung. Die andere Seite
wo wir heute stärker drüber reden ist, wie verteidigt man sich doppelstrategisch gegen den
Zugriff einer bestimmten Clique, die auch sehr stark die Medien kontrolliert und die
ausplündernd wirkt und wie verteidigt man sich zu dem Zeitpunkt, wo man so was wie den
Global-Marshall-Plan noch nicht hat. Da muss man sich intelligent verteidigen, das ist wo wir
jetzt eben drüber gesprochen haben. Ein entscheidender Punkt ist, dass Bewusstsein der
eigenen Bevölkerung zu mobilisieren, damit man besser aushält was man aushalten muss.
Was mir aber auch wichtig ist, man muss lavieren, das ist sozusagen für ordentlich Preußen
eigentlich nicht der Ansatz, aber ich sag man braucht hier fast eine Balkandimension, weil
die andere Seite trickst auch dauernd, also muss man selber auch tricksen und ich will so
zum Tricksen mit einem Beispiel aufhören, nämlich mit der Gentechnik. Da haben die
Österreicher ja zum Teil eine klare Position und die EU hat das auch lange offengehalten
nämlich bis wir sozusagen beim WTO-Schiedsgericht ohne zwingende Argumente
dastanden. Das ist jetzt eine Situation wo ich meine, dass man lavieren soll – ich finde ganz
gut, was die Schweizer gemacht haben. Die haben eine Volksabstimmung gemacht. Die ist
natürlich rechtlich bedeutungslos in der WTO ist die Volksabstimmung der Schweizer
bedeutungslos. Nichts desto trotz kann man argumentieren, wir sind Demokratie, wir haben
eine Volksabstimmung , wir können nichts machen. Also hätten Sie Volksabstimmung und
zwar gegen WTO Logik könnten sie vielleicht lavieren vor allen Dingen aber, das ist mir jetzt
der wichtigste Punkt, es ist viel zuwenig investiert worden in die intellektuelle Basierung der
eigenen Position. Das passiert überhaupt gar nicht, es gibt einfach keinen Generalstabsplan,
wie man sich gegen die andere Seite verteidigt. Die andere Seite ist super, die hat immer
Geld und baut immer Papiere und hat immer ihre Theorien und hat immer ihre Akteure, die
sind hoch konzentriert ihre Position durchzusetzen. Aber die andere Seite arbeitet
intellektuell nicht so konzentriert. Wir haben keine Papiere, wir müssten eine ganze Serie
von Papieren haben, warum die Gentechnik ungesund ist. Also vor kurzem kam einer zu mir
und sagte, er kann Vitalströme messen, er kann freie Radikale messen und er kann
sozusagen messen, dass bei gentechnik-veränderten Pflanzen eine Art Genstress auftritt,
der die Vitalität der Pflanzen mindert. Und ist mir im Moment vollkommen wurscht, ob das
stimmt oder nicht, ich bin aber sicher, da kann man eine Story bauen. Was man jetzt braucht
ist Riesenuntersuchungen, dieses und jenes und man muss nur Zweifel streuen. Also wenn
man seine Position hat, dann muss man sie intellektuell mit allen Mitteln verteidigen und
lavieren ist vollkommen zulässig, weil die anderen lavieren auch – Doppelstrategie.
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Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Herr Professor – ich darf vielleicht noch anknüpfen an die Spieler Weltbank, habe ich
mir hier hergeschrieben, Internationaler Währungsfonds und WTO – die hätten die
Werkzeuge wahrscheinlich, aber die tun es nicht.
Die müssen wir zwingen, es zu tun. Das ist unser Kern.
Entschuldigen   ich   habe    unlängst      von    einer   Befragung    gehört,    dass   also    die
Entwicklungsländer im Jahr mehr zurückzahlen an Schulden als sie jährlich bekommen und
nochmals soviel geht von den Geldern auf Konten im Ausland, dass die Reichen, die
wenigen Reichen dort abkassieren. Also das ist ja mörderisch was sich abspielt auf der Welt
und ich glaube, es ist auch ein Thema wenn wir sie im Kontext mit dem regionalen Anliegen
sehen, dann sind wir da auch kleinlich, wie sie sagen Betroffene oder große Betroffene – je
nach dem wie wir das sehen. Ja, darf ich vielleicht weiter Prof. Seger bitten zur
demografischen Entwicklung etwa zu sagen.




O.Univ. Prof. Mag. Dr. Martin SEGER


Über die demografische Entwicklung ist gar nicht so viel gefragt worden, aber Frau
Abgeordnete, wenn ich Ihre Wortmeldung so richtig in Erinnerung habe, ist es darum
gegangen, ob man nicht stärker einsetzen könnte den Aspekt und die Tatsache, dass wir da
leben wo andere zum Urlaub machen. Dazu möchte ich eine kleine Geschichte erzählen,
wenn sie stimmt, ist es okay vielleicht können einige das bestätigen, wenn sie nicht stimmt,
ist sie gut erfunden. Eine Kaugummifirma aus Skandinavien möchte in Österreich eine Fabrik
bauen und hat in Feldkirch in Vorarlberg einen Grund gekauft oder so irgend was und die
haben sich nicht ordentlich die Landkarte angeschaut und sind in Feldkirchen gelandet und
nicht in Feldkirch und die Landschaft hat ihnen so gut gefallen, dass sie beschlossen haben,
den Feldkirch-Standort nicht weiter zu verfolgen sondern sich in Feldkirchen anzusiedeln.
Stimmt das? Stimmt´s oder nicht? Also ist egal, was kann man daraus lernen? Man kann
daraus lernen, ja für Eliten und für solche Gruppen, die in der Lage                             sind,
Standortentscheidungen       zu   fällen,    ist   selbstverständlich    das      Ambiente   etwas
außerordentliches, welches Kärnten bieten kann und jede Betriebsansiedelungsgesellschaft
in jedem Bundesland ist in der Lage mit den Vorzügen, mit den Schönheiten usw. der
jeweiligen Region zu werben. Wir müssen das in extenso tun. Für die Bevölkerung, die im
ländlichen Raum lebt, stellt sich die Sache manchmal etwas anders dar. Warum leben sie im
ländlichen Raum? Weil sie weichende Erben sind oder weil genügend Parzellen
umgewidmet wurden und weil die Baugründe in der Distanz von Zentrum eben entsprechend
billiger sind und der Wunsch nach dem Einfamilienhaus, das man selber gebaut hat, wo man
jeden Ziegel in der Hand gehabt hat, das ist dort realisierbar. Ich erinnere mich an eine
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Kindheitsgeschichte oder aus meiner Schulzeit, ich komme aus Mödling und da gibt es wenn
man nach Maria Enzersdorf und dann Richtung Gieshübel fährt, wunderschöne Situationen
mit einem Blick über das gesamte Wiener Becken bis hinüber zum Leithagebirge und ein
Schulkollege hat dort gewohnt und ich habe gesagt: „Hörst ihr habt eine tolle Aussicht“ und
er hat darauf gesagt: „Ich sehe es gar nicht mehr“, weil es sozusagen seine alltägliche
Situation ist. Aber, was sind trotzdem die großen Vorteile in einer, ich sage jetzt nicht
landschaftlich schönen, sondern sozial intakten Situation zu leben, dass ist es, dass man die
Netzwerke hat, die von der Schule her in der Gemeinde aufgebaut werden mit den
Gleichaltrigen, mit der älteren Generation, mit den Verwandten usw. mit den Möglichkeiten
Sport zu betreiben da und dort usw. dieses Netzwerk schafft soziale Sicherheit und soziale
Zufriedenheit und das ist einer der Vorteile, die von der Landschaft unabhängig sind und
dennoch sehr wichtig für das Leben im ländlichen Raum.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Herr Professor. Bevor ich Dr. Kopetz ersuche zu den Fragen zu kommen, möchte ich
Ersten Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Strutz als Raumordnungsreferenten noch
begrüßen. Danke, dass Du gekommen bist und Vereinbarung war, dass Du ein kurzes
Schluss-Statement noch machst, hörst was jetzt noch gesprochen wurde und kannst Dir
vielleicht ein Bild davon machen. Es ist gegangen um die Frage der Rohstoff-
Zurverfügungstellung für Biomasse. Ich darf nur für Dr. Kopetz sagen, wir haben erhoben
und zwar Herr DI Dir. Sonnleitner von der forstlichen Ausbildungsstätte in Ossiach, dass in
Kärnten nachhaltig zusätzlich 500.000 Festmeter für die Wärmeherstellung zur Verfügung
gestellt werden und zusätzlich noch 800.000 Nutzholz und Industrieholz, d.h. 1,3 Millionen
Festmeter nachhaltig, ohne dass man den Wald dezimiert, zur Verfügung sein und dass
würden also umgelegt 1300 Arbeitsplätze, wenn wir das alles schaffen in den Regionen
geschaffen, nur damit Du siehst, welche Potenziale wir in Kärnten erhoben haben . Ich bitte
Dich, uns zu informieren, wie man das umsetzen kann oder ob es welche Möglichkeiten
schon gibt, wo das probiert wird.




DI Dr. Heinz KOPETZ


Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte auf die Frage konkret eingehen, es ist
richtig, dass momentan in Österreich da und dort gibt es auch in meinem Referat, es
gewisse Engpässe gibt in der Rohstoffversorgung. Das hängt damit zusammen, dass sich
die Energiemärkte enorm dynamisch verändern nicht nur bei Öl und Gas sondern auch bei
der Biomasse und das wir gerade heuer eine Situation haben, wo einige große Kraftwerke,
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die Strom und Wärme erzeugen, neu in Betrieb gehen und eben durch die gestiegenen
Ölpreise auch das Interesse von vielen Privathausbesitzern und Unternehmern an der
Biomasse steigt. Und man kann die Landwirtschaft nicht innerhalb von Monaten da
irgendwie umorientieren. Aber wir müssen uns vor Augen halten, dass einmal die Zahlen, die
Du genannt hast, wir haben darüber hinaus in Österreich noch über 100.000 ha Fläche
faktisch   stillgelegt   damit   wir   keine   Überschüsse   produzieren    und   wir   haben
Exporterfordernisse da und dort und wir können bei gewissen agrarischen Pflanzen die
Erträge, also die Rohstoffproduktion für die Biomasse deutlich ausweiten und ich glaube was
notwendig ist, ist dass wir, was den Wärme- und Strombereich anbelangt auch nicht nur an
die Forstwirtschaft denken, sondern auch an landwirtschaftliche Biomasse und das wäre
einfach und das habe ich auch irgendwie versucht zu erklären, in den nächsten Jahren uns
auf diesem neuen Markt von der Produktion her verstärkt ausrichten. In der Forstwirtschaft
läuft an sich schon viel auch die Mechanisierung der Holzernte, Ich glaube was wir auch
brauchen sind neue Formen von Kooperationsmodellen, die zwischen Anbietern und
Verbrauchern über einige Jahre mit gewissen Preisvereinbarungen. Mittlerweile führen die
höheren Energiepreise dazu, dass auch für die forstliche Biomasse etwas mehr gezahlt
werden kann und solche Preisvereinbarungen, die Möglichkeit bieten, dass man über den
Energiemarkt zu höheren Einkommen kommt, als im normalen Agrarmarkt, man muss sich
vor Augen halten, etwa dass z. B. der Energiewert in Getreide bewertet zu den jetzigen
Heizölpreisen fast dreimal so hoch ist wie der Preis, den der Bauer für das Getreide
bekommt, wenn er es normal am Markt verkauft und wir sehen also etwa in Deutschen
Bundesländern, die jetzt sehr stark in die Züchtung gehen, Richtung Energiekorn, um eben
einen Teil der Flächen direkt über Energiekorn in den Wärmebereich einzuführen. Und was
der Professor früher gesagt hat, dass man faktisch in Kärnten, gemessen an der Zeit vor
70/80 Jahren – 30 Prozent der Fläche nicht mehr benötigen, die vorher für Zugtiere
gebraucht worden sind, ich glaube, diese Flächen werden wir in den nächsten Jahren klug
und gezielt entwickeln für die Energieversorgung und ich glaube wirklich, dass man hier
relativ stark umdenken müssen, weil dass was da vor allem die Land- und Forstwirte
brauchen, ist eine gewisse längerfristige Sicherheit, dass sie das verkaufen können, dass die
Preise stimmen und es wollen auch die Betreiber von den Heizwerken, weil sie mittlerweile
sehen, dass sie ohne längerfristige Verträge unter Umständen die Rohstoffe nicht so
bekommen und ich glaube, dass wir alle gefordert sind sowohl jene, die die Heizwerke
betreiben also der Energiesektor wie die Land- und Forstwirte, dass wir diese neuen Modelle
entwickeln. Denn das Ziel muss schon sein, dass wir in Kärnten und in Österreich die
Rohstoffe im Land erzeugen, lokal, regional und nicht, dass wir sie importieren. Es gibt
andere Entwicklungen in Holland, wo man sagt oder in Belgien, wir bauen ein großes
Biomassekraftwerk zur Stromerzeugung an die Küste und wir holen uns die Pellets aus
Kanada. Das mag vielleicht in Holland berechtigt sein, weil es ja dicht besiedelt ist und wenig
Fläche hat. Aber wir haben genug Fläche und wir haben immer allein noch nach der
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Forstinventur momentan bei einem Zuwachs von 30 Millionen Festmetern nur einen
Verbrauch von 20/21. Also wir haben noch Möglichkeiten Zuwächse zu mobilisieren und ich
glaube, dass ist übrigens die gemeinsame Aufgabe, dass wir die gänzlich neuen Chancen,
die sich hier entwickeln auch nutzen, aber dass wird Zeit brauchen, weil wir können nicht in
der Landwirtschaft innerhalb von Monaten uns ändern, wir bauen ja alle Jahre nur einmal an,
bei der Forstwirtschaft überhaupt nur alle 50 Jahr aber ich glaube, dass wir das Potenzial
haben, dass zeigen alle Statistiken und hier glaube ich, dass wir durch Information, durch
Aufklärung zum Teil auch durch Anreize, durch neue Modelle solche Entwicklungen
vorausdenken und gemeinsam mit den Praktikern umsetzen.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke. Ich würde vorschlagen, dass wir noch eine Fragerunde eingehen. Bitte kurz sich zu
melden. Herr Klubobmann Ing. Scheuch, dann ist Herr Holub und dann der Herr rückwärts.
Bitte!




Klubobmann Ing. SCHEUCH


Meine sehr geehrten Damen und Herren! In aller gebotener Kürze vielleicht ist es natürlich
interessant hier über die Global-Player, über den Global-Marshall-Plan letztendlich auch zu
diskutieren und ich kann, glaube ich, hier über alle Parteien hinweg und suche somit
Blickkontakt zu meinem Klub oder zu den Klubobleuten des Kärntner Landtages hier schon
verkünden, dass zumindest von unserer Seite und ich denke auch über alle Parteigrenzen
hinweg es hier, würde ich einmal voraussagen, schon in der nächsten Landtagssitzung einen
gemeinsamen Antrag geben wird, diesen Global-Marshall-Plan noch beizutreten und das ist
glaube ich das Geringste, was wir hier machen können. Ich lade also die anderen Klubs und
Fraktionen ein, hier mitzumachen und ich denke, das wird möglich sein. Nun sag aber ich
und es sei mir dieser gedankliche Bruch hier auch gestattet, dass ich eigentlich ein
Verfechter bin, dass man zuerst natürlich schauen muss, dass es im eigenen Haus im
Mikrokosmos sozusagen gut funktioniert und aus der Sicht heraus glaube ich kann Kärnten
stolz sein wie es auch die Referenten hier gemacht haben, bis auf einen einzigen Punkt. Und
der würde mir ein Anliegen sein auch hier als Frage von Ihnen beantwortet zu bekommen,
Herr Vizekanzler außer Dienst, Herr Riegler hat es ja schon ein bisschen aus meinem Herz
hier gesprochen, nämlich wenn wir schreien wir sollen die Zentralräume stärken, Flughafen,
Uni, dann passiert das in Kärnten, nur ist der Versuch sehr groß, politisches Kleingeld hier
wieder zu machen und letztendlich auch zu erklären, dass das nicht prioritäres Ziel ist,
moderne Infotechnik, Breitbandtechnologie, passiert hier in Kärnten und man findet gleich
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wieder Kritik. Landwirtschaft fördern – ein wichtiger Punkt, glaube ich – es passiert hier in
Kärnten – findet oder fand dazu ein runder Tisch statt – Kritik ist gleich da und dasselbe
gibt’s beim Umweltschutz, bei der erneuerbaren Energie, wo Kärnten glaube ich im
Solarbereich sich bereits international messen kann und zwar wirklich im Vorderfeld und ihr
Nicken zeigt, dass das stimmt, dass hier Ziele, die definiert wurden, schon erreicht sind,
Tourismus, Nationalpark wurde angesprochen, wir entwickeln gerade einen Biosphärenpark,
wir haben hier eine Zusammenschau gemacht. Aber Kritik ist sehr schnell hier und ich
glaube hier ist die Politik über alle Parteigrenzen auch hinweg aufgefordert nämlich Punkt 1
von Prof. Radermacher in die Tat umzusetzen nämlich Kommunikation der Ist- Situation in
positiver Art und Weise, in positiver Manier plus Zielsetzung um sozusagen unter den Besten
noch besser zu werden, das wäre meines Erachtens wünschenswert, weil wenn man den
Menschen hier in Kärnten täglich sagt, ihr habt die Chancen, ihr seid wirklich weltweit
führend, auch im sozialen Bereich, dann ist hier glaube ich hier viel zu ernten. Ich möchte
nur ein kleines Beispiel noch schließend erwähnen: Wenn man sagt man hat die Standorte
letztendlich der Bezirksgerichte aufgelöst und ich mir diese Karte angeschaut habe, dann
stehen da erstaunlicherweise neue Strukturen an diesen Standorten, Winklern verfügt über
ein kleines Altersheim 50 Einheiten-Struktur, dasselbe ist in Gmünd, in meinem Heimatbezirk
und Sie wissen alle, dass auch in diesen Bereichen Großes geleistet worden ist, wo wir uns
nicht verstecken müssen und was wir auch vorzeigen können, d.h. das wären auch
Zukunftschancen, dass würde ich mir auch wünschen, diese Zukunftschancen im kleinen
Bereich noch genauer zu definieren auch von den Spezialisten um hier auch klare Vorgaben
für die Politik zu erreichen. Danke vielmals!




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Herrn Klubobmann Scheuch. Als nächsten Herrn Holub bitte!




Rolf HOLUB


Ich begrüße. Mein Name ist Rolf Holub. Meine Frage gilt dem DI Dr. Kopetz. Ich vermute
jetzt wirklich Einigkeit in was für Richtung wir gehen sollten in Bezug auf erneuerbare
Energie, wie die Zukunft ausschauen soll. Können Sie mir bitte erklären, warum man in
Südösterreich sprich auch in Klagenfurt genau in die andere Richtung geht mit diesen 3
Gaskraftwerken.
                                                   - 57 -

Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Ja. Dann hat der Herr dort rückwärts sich gemeldet. Wenn Sie sich bitte kurz vorstellen.




Herr PAYER


Ja, Guten Tag. Mein Name ist Payer. Ich arbeite für das Institut für das höhere Studium in
Kärnten in Klagenfurt und zwar hätte ich folgende Frage: Die Gemeinden sollen
Wachstumsmotoren spielen. 40 – 50 Prozent der öffentlichen Institutionen gehen von den
Gemeinden aus. Dann schaut die Situation in Kärnten so aus, dass es rund 30
Abgangsgemeinden gibt, d.h. es sind Gemeinden, die nicht einmal dem ordentlichen
Haushalt     ausgeglichen        halten    können,    sprich      über   keine   Mittel    verfügen     im
außerordentlichen Haushalt für Investitionen zu sorgen. Heute wurde viel gesprochen über
die Globalisierung und ihre Einflüsse auf Kärnten bzw. den ländlichen Raum. Herr Scheuch
hat gerade betont, dass er ein Verfechter ist, dass der Mikrokosmos stimmen muss, die
Frage ist jetzt folgende: Wir wissen, dass die Landeskrankenanstaltenumlage, die
Sozialhilfeumlage zusehends den finanziellen Spielraum der Gemeinden einengt bzw. es so
aussehen lässt, dass es zukünftig nur noch die Daseinsvorsorge wirklich sichergestellt
werden kann. Wie schauen die Bemühungen des Landes Kärnten aus, den Gemeinden in
Zukunft wieder mehr finanziellen Spielraum zu gestatten, weil Herr Riegler hat nämlich
angesprochen, dass die Gemeindeautonomie ganz wichtig ist. Also wer soll diese Autonomie
bezahlen.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke! Da wird vielleicht zum Schluss Herr Landeshauptmann-Stellvertreter was dazu
sagen.     So,   jetzt   haben     wir    Herrn   Direktor   DI    Sonnleitner   von      der   forstlichen
Ausbildungsstätte in Ossiach und dann noch der Herr rückwärts.




Herr DI SONNLEITNER


Ja ich möchte die Gelegenheit nützen um einige Worte zu Wald und Holz in Kärnten zu
sagen. Wir sind ja sehr, sehr gut aufgestellt, gleichauf mit der Steiermark, Herr Vizekanzler,
die „Grüne Mark“ und auch in Kärnten haben wir über 60 Prozent Wald. Das Potenzial wird
bei weitem nicht genutzt, muss man also sagen, so über den Daumen kann man sagen nur
die Hälfte des Zuwachses wird tatsächlich genutzt. Das hat aber auch seine Gründe, weil
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einfach der ländliche Raum sozusagen ausrinnt oder versiegt und ich sage hier, die kritische
Masse ist es, die wir aufrecht erhalten müssen. Wenn wir die Karten anschauen, die
geografischen, über die Siedlungsentwicklung und über die Konzentration in den
Zentralräumen so kommt es also irgendwann einmal so weit, dass die kritische Grenze
unterschritten ist und dann ist es aus, dann werden unsere Täler wirklich verwalden, damit
geht natürlich auch die Kultur verloren und auch der Lebensraum für unsere Zukunft in
diesem Sinne, sozio-ökonomisch gesehen und davor möchte ich warnen und deshalb die
große Bitte: in privatem und öffentlichen Bereich wirklich dafür zu sorgen, dass wir von der
Energieschiene, dass was Dr. Kopetz gesagt hat, dass wir das wirklich ernst nehmen und
dass wir das außer Streit stellen. Es ist auch gesagt worden, der Transportwahnsinn, der mit
der Globalisierung verbunden ist, bringt uns ja alle um und da müssen wir ebenfalls
gegensteuern. Wir wollen für die Energie die kurzen Wege machen. Also in jedem Bezirk auf
30 oder 50 km Radius sollte sozusagen eine Biomasse-Zentrale zuhause sein, wo man sich
so bedienen kann wie bei den anderen derzeit noch vorhandenen Energieträgern und die
Kosten wurden ja auch gesagt pro Kw-Stunde. Ein Kilogramm Öl kann durch 2 Kilogramm
Pellets oder durch 3 Kilogramm Holz ersetzt werden und beim Preis sehen wir, dass also die
fossilen Energieträger das x-fache kosten und der Strom sozusagen überhaupt fast
unfinanzierbar ist. Deshalb sage ich im privaten und öffentlichen Verkehr sollte die Politik die
Rahmenbedingungen so setzen, dass es also möglich ist. Das was in Klagenfurt passiert, ist
also wirklich nicht verständlich, was der Abgeordnete Holub sagt, aber auch in vielen kleinen
Bereichen der Schulzentren, der Gemeinden wird mit Strom geheizt. Ich sage Ihnen ein
Beispiel, dass eine Ortschaft im oberen Gurktal, wo ich zuhause bin, Patergassen, dort ist
eine Volksschule und eine Hauptschule und da wird seit Jahren, bitte sehr, seit Jahren
werden dort 50-70.000 Euro jährlich Stromkosten bezahlt, obwohl die grüne Biomasse beim
Fenster herein wächst. Und nun bin ich beim Geld und der Finanzierung, da muss man
wirklich dazu sagen, man hat gesagt, der ländliche Raum braucht die Städte für die
Entwicklung. Ich drehe die Frage um: Braucht die Stadt den ländlichen Raum oder bracht sie
den nicht? Und da sind wir beim Finanzausgleich der Gemeinden, wenn der Finanzausgleich
der Gemeinden nicht einmal überdacht wird, dass man sagt, Geld ist halt trotzdem etwas
wichtiges, wenn auch andere Werte wichtig sind, aber das Geld spielt also die Musik und
hier an die hohe Politik, bitte sehr, die Aufforderung wirklich diesen Finanzausgleich einmal
umzudrehen, auf den Kopf zu stellen, muss man sagen, damit die Gemeinden im ländlichen
Raum einfach wieder ein bisschen Luft kriegen und die Infrastruktur aufrecht erhalten
können, für das Wegenetz, für die Schulen etc. etc. brauche nichts dazu zu sagen. und das
ist also meine Bitte, und wenn man sagt, man muss vernetzt denken und kooperativ denken,
noch einen Wunsch an die Politik, das bitte sehr auch in der Politik ernst zu nehmen, wenn
wir von Euch nichts gescheiteres hören, dann könnt Ihr von uns nichts anderes verlangen. In
diesem Sinne „Glück auf“ für eine gemeinsame Zukunft!
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Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Herr DI Sonnleitner! Bevor ich dem letzten Anfrager noch das Wort erteile, möchte ich
nur – ich bin ja ein sehr großer Optimist – aber der Finanzausgleich ist glaube ich das
schwierigste Instrument, das empfindlichste Instrument, das wir in Österreich haben. Da geht
es nämlich um Zehntel-Prozent hin und her zwischen Ländern, Städten und Gemeinden und
- im Mittelalter haben sie nicht mehr darum gerauft – um diese Sachen. Ich meine, sinnvoll
wäre es, aber momentan nicht durchsetzbar, Millimeterarbeit. Bitte!




Christian PERKONIG von Biozentrum Kärnten


Wir haben heute einen sehr weiten und spannenden Bogen zum Thema ländliche
Entwicklung gespannt und bei all den Visionen sei mir auch ein sehr pragmatischer Zugang
zum Thema gestattet. Es liegt derzeit in einem Ausschuss des Kärntner Landtages ein
Antrag vor, deren Inhalt sich mit der verpflichtenden Verwendung von Biolebensmitteln in
öffentlichen Einrichtungen und Großküchen beschäftigt und ich denke mir, dass eine
Umsetzung und ein In-Kraft-Treten eines solchen Beschlusses vieles von dem was wir heute
im Laufe des Vormittags gehört haben, abholen würde und sehr vieles auch zur Stärkung
des ländlichen Raumes beitragen würde. Danke!




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke vielmals. Ich möchte noch einmal Dr. Kopetz bitten. Gehen wir von der Seite zu den
Schlussstatements. Bitte!




DI Dr. Heinz KOPETZ


Ich möchte kurz zu einer Frage Stellung nehmen. Es gibt natürlich, um beide Seiten zu
hören, objektive Gründe für den Bau von Gaskraftwerken, die liegen darin, dass die
Kraftwerke St. Andrä, Zeltweg und jetzt auch Köflach zugesperrt werden sollen und dass
dann auch die KV-Leitung vom Burgenland Richtung Steiermark noch immer nicht gebaut ist
und dass der Stromverbrauch relativ rasch steigt und daher sagen die Experten, wir
brauchen neue Kapazitäten um die Versorgung von Strom in Österreich zu sichern.
Deswegen habe ich auch gesagt, ich bin nicht generell gegen Gaskraftwerke, aber mir
kommt vor, ein Drittel der Kapazität würde ausreichen, ich brauche nicht so riesige
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Kraftwerke. Auf der anderen Seite, wenn es wirklich so ist, dass wir an einer Wende in der
Energieversorgung stehen auch was die Verfügbarkeit von Gas und Öl anlangt und die
Preise aller Wahrscheinlichkeit noch weiter steigen, ist es wirtschaftlich ein Nachteil, wenn
wir jetzt so stark ins Gas investieren. Und wenn wir einen Teil des Geldes nähmen, um damit
z. B. Elektroheizungen umzubauen in Solarkollektoren oder Biomasseheizungen oder die
Warmwasserbereitung mit Strom umstellen auf Solarkollektoren, dann würden wir uns einen
Großteil dieser neuen Kapazitäten ersparen und wir hätten den Vorteil, dass wir von der
Sonne das warme Wasser auf Dauer haben oder von der Biomasse auf Dauer aus dem
Inland, und wir nicht immer mehr Geld ins Ausland überweisen müssen. Nur, warum
trotzdem so massiv in diese Richtung investiert werden soll, die Frage muss letztlich der
Vorstand vom Verbund und der Aufsichtsrat entscheiden. Ich kann es auch nicht
beantworten, ich kann nur darauf hinweisen, dass das gemessen an allen Parametern, die
sich abzeichnen, eine Fehlentscheidung ist, die wir alle wirtschaftlich irgendwo mittragen
müssen und ich weise darauf hin, dass man Einfluss nimmt, die Struktur redimensionieren
und es wäre schön, wenn ein Teil der kapitalkräftigen Unternehmen in der E-Wirtschaft sich
dazu entschlösse, 20-30 Prozent ihres Cashflow in erneuerbare Energie zu investieren und
nicht immer wieder in fossile Energie. Dann würden wir sehr schnell diesen Energiewandel
einleiten, der insgesamt auf lange Sicht einzig sinnvoll ist. Und ich kann wirklich nur hoffen,
dass hier noch ein gewisses Umdenken einsetzt, gerade aufgrund der Unsicherheit in der
Gasversorgung und doch das redimensioniert wird.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke sehr! Herr Prof. Girtler haben Sie ausgesprochen oder wollen Sie noch eine kleine ....




Ao. Univ.Prof. Dr. Roland GIRTLER


Es ist ernst – ich bin ein sehr lustiger Mensch. Aber was ich erzählte, war mir sehr ernst und
ich finde es auch großartig, was gesagt wird, dass gerade in Kirchdorf und ich bin ja aus dem
Bezirk Kirchdorf – mein Vater war dort Arzt und das die recht tüchtig sind und ich glaube,
dass man mit dieser alten bäuerlichen Kultur auch ganz gut leben kann. Man kann sie auch
verkaufen, vor allem die Leute dort, die von St. Pangratz wollten ein Museum machen, eine
Ausstellung und haben gesagt, die Bäuerinnen und Bauern, was können wir machen?
Machen wir ein Museum über Frauen und Arbeit – da haben sie gesagt, nein da kommt
niemand und sind dann auf die Idee gekommen ein Wilderermuseum aufzumachen – da bin
ich der wissenschaftliche Leiter und es geht ganz gut, weil dieses Wilderermuseum ganz gut
diese Geschichte der bäuerlichen Kultur darstellt. Da kommen sie von weit her und den
                                            - 61 -

Leuten gefällt es. Sogar der Ururenkel von Kaiser Franz-Josef hat sympathisiert, hat bereits
2 Geweihe abgegeben von Kaiser Franz Josef, die er geschossen hat. Ich will nur sagen,
dass diese Museen auch irgendwie wichtig sind um auf diese alte bäuerliche Kultur
hinzuweisen und das ist recht gut in Kirchdorf.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Herr Professor für den Hinweis.




O.Univ.Prof. Mag. Dr. Martin SEGER


Zwei ganz kurze Statements. Erstens zu Sonnleitner. Selbstverständlich braucht der Städter
oder der nicht landwirtschaftlich Berufstätige den ländlichen Raum und die Agrarlandschaft.
Zu der Agrarlandschaft sage ich immer, es ist das sogenannt agrarwirtschaftliche Paradoxon
von den Erwerbstätigen im ländlichen sind die wenigstens in der Landwirtschaft tätig aber
vom Landschaftsbild her, leben wir in einer intakten Bauernlandschaft – landwirtschaftlicher
Paradoxon. Das Zweite was ich sagen wollte, jetzt ist er leider nicht mehr da, Herr Scheuch,
er hat von der Mikro- und von der Makroebene gesprochen und die Makroebene, dass ist
das was sozusagen der Landtag auch beschließen möge, damit er dasselbe tut, wie alle
anderen Bundesländer das schon getan haben und die Mikroebene ist das, wovon ich in
meinem Referat geredet habe. Achtung – was jetzt entschieden wird in Bezug auf die
Autobahn und den Herzogstuhl, wird durch Generationen so bleiben, wie es entschieden
wird. Wie es entschieden wird, dabei hat auch der Kärntner Landtag eine große
Verantwortung und ich möchte bitten, dass diese wahrgenommen wird.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke! Es geht hier um die Schnellstraße beim Herzogstuhl, Herr Landeshauptmann-
Stellvertreter, die natürlich ein Problem darstellt gegenüber diesem wichtigen Wahrzeichen
Kärntens – es ist ja so eine Überdeckung, Untertunnelung oder Unterflurführung dort
wahrscheinlich – von dem ist die Rede. Bitte Herr Prof. Radermacher!
                                            - 62 -

Prof. Dr. Dr. Franz RADERMACHER


Also ich bin ja ein großer Verfechter der Doppelstrategie, man muss die globalen Fragen
lösen, man muss lokal intelligent reagieren und ich kann Herrn Scheuch nur zustimmen,
auch wenn er jetzt gar nicht mehr da ist, aber ich wollte sagen, ich bin ja der Vorsitzende
vom wirtschaftspolitischen Beirat, ich kriege sozusagen die politischen Entscheidungen ja
alle hautnah mit und wir diskutieren bis ins Budget hinein und die Krankenkassenanstalten
praktisch jede Problematik und ich bin sehr beeindruckt, wie hier in Kärnten intelligent
versucht wird, sich lokal zu verteidigen. Und ich glaube auch, dass es wirklich hilft, wenn
man sich sozusagen nicht zu sehr gegenseitig bekämpft sondern an einem Strang zieht in
intelligenter Verteidigung. Das betrifft insbesondere die Budgetfrage, weil am Ende des
Tages spielt das Geld immer eine große Rolle und wenn man sieht, wie die USA uns alle
über exorbitante Schulden aushebeln, wie geschickt die das machen, wie die die Statistiken
fälschen, wie sie uns in ein Maastricht-Kriterium-Gerüst hineinzwängen, wenn man nun
schon potentiell die Möglichkeit sieht, dass wir in ein paar Jahren einen Währungsgau
kriegen, ich halte das für eine sehr ernsthafte Perspektive, dann wird man nicht so blöd sein
sich zu Tode zu sparen; ja gut, wenn wir dafür die Zeit aufbringen wollen tun wir es; sie
wollen doch, dass mehr bei den Gemeinden ankommt und ich würde mich auch freuen,
wenn mehr bei den Gemeinden ankommt, nur wie die Lage ist, müssten sie eigentlich dafür
noch mehr mit Geld spielen. Alles was ich gesagt habe ist, ich finde es gut, dass man sich
nicht einen noch strengeren Sparkurs antut. Es laufen ja bei uns ein paar Verrückte durch
die Welt, die wollen, dass die öffentliche Seite noch mehr spart. Bei uns wird ja im Grunde
genommen die öffentliche Seite zu Tode gespart insbesondere dadurch, dass bestimmte
Akteure sich der Besteuerung entziehen. Unser größtes Problem, über alles betrachtet, ist
die Auszehrung der öffentlichen Haushalte. Wir haben so viele Schwierigkeiten auch im
ländlichen Raum nur wegen der Auszehrung der öffentlichen Haushalte. Ich habe an dieser
Stelle nur versucht zu erklären, warum wir im wirtschaftpolitischen Beirat nicht
argumentieren, einen noch strengeren Sparkurs zu fahren und dass ich froh bin, dass an
vielen Fronten versucht wird Dinge zu tun. Nehmen wir einmal die Krankenstruktur: das
Gesundheitswesen ist einer der zentralen sozialen Fragen. Natürlich kann man furchtbar
einfach sparen, indem man massiv in diese Struktur hineingeht. Damit geht ein Element der
Qualität des sozialen Ausgleichs natürlich sofort verloren. Hier hat man jetzt versucht mit den
Arbeitnehmern in einem Bündnis eine Perspektive zu machen, wo man gemeinsam die
Kosten herunterfährt aber nicht durch einen sozial brutalen Schnitt. Und ich glaube, dass ist
eine vernünftige Lösung, wenn man miteinander eine friedliche Basis erhält. Also noch
einmal meine Reaktion. Ich glaube, es ist gut, was in diesem Land versucht wird unter sehr,
sehr schwierigen Bedingungen, die viel tun zu haben mit der globalen Situation und viel zu
tun haben mit der relativen Situation Kärntens zu Österreich. So jetzt wollte ich aber noch zu
zwei anderen Dingen etwas sagen. Also der eine Punkt ist noch einmal das Energiethema:
                                           - 63 -

Ich glaube es wäre falsch für die Zukunft der Menschheit sich im Moment darauf zu
verengen, dass unsere einzige Lösung darin besteht, dass wir mit Biomasse und Sonne über
die Runden kommen – Herr Kopetz hat eine andere Variante auch noch angedeutet auf die
ich die größte Hoffung richte, dass ist die Geothermie und zwar in Form von
Supertiefgeothermie – 15 bis 20 km Tiefe. Wenn es gelingt diese Bohrtechnik zu entwickeln,
hat die Welt ihr Energieproblem gelöst und bekommt sehr viel preiswerter an jeder Stelle auf
dem Globus Energie als heute. Ich sage das nur deshalb, weil wir in Reaktion auf die Krise
im Bereich fossiler Rohstoffe im Moment die Tendenz entwickeln, die Sonne. Es mag sein,
dass noch besser als die Sonne der Kernreaktor ist, den wir im Boden haben. Und wir sollten
sozusagen immer 2 Dinge haben: die Sonne oder da unten – sicherlich nicht das Fossile,
aber möglicherweise ist da unten eine Lösung, die ist noch besser als die Sonne. Letzter
Punkt ist dieser Herzogstuhl: Ja, ich sage das deshalb, weil mir ist das Wort Lavierung
wichtig ist. Also wenn ich schon so einen tollen Herzogstuhl hätte, würde ich ihn nicht durch
eine Straße kaputt machen. Aber ich weiß auch, dass man eine Straße braucht. Jetzt gibt es
zwei Möglichkeiten: Entweder man kriegt irgendwie die Straße da weg, die kann unter die
Erde, die kann zur Seite, kann einiges gehen, aber zur Not muss man auch den Herzogstuhl
irgendwo anders hin tun. Ich sag mal rein – 10 Jahre später weiß eh keiner mehr, wo der war
und da könnte man vielleicht noch einen viel tolleren Herzogstuhl bauen, da könnte man
vielleicht noch so ein Areal herum machen und ein bisschen höher. Ist mir egal – also ich
würde jedenfalls nicht den Herzogstuhl mit der Straße kaputt machen aber ich würde mir in
jedem Fall die Flexibilität halten, eine Lösung zu finden – entweder die Straße woanders
oder der Herzogstuhl woanders.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Ja, es kommen viele Ideen zutage. Danke Herr Professor! Bitte Herr Vizekanzler!




DI Dr. h.c. Josef RIEGLER


Für mich war in den Jahrzehnten meines politischen Arbeitens eine der schönsten Dinge, die
Aktion „Lebenschancen im ländlichen Raum“ Das war so Mitte der 80-iger Jahre eine wirklich
breite, geistige Bewegung, aus der vieles konkret herausgewachsen ist, dass auch zum Teil
heute noch Aktualität hat, wie auch das Thema „Gerechterer Finanzausgleich“. Da kann ich
nur ermuntern zur Beharrlichkeit, ja. Es ist Millimeterarbeit, weil hier geht es um die
Verteidiger von Besitzständen. Wie überhaupt unser Grundproblem ist, dass ganze
ökologische Dilemma, es ist die Verteidigung der Besitzstände gegen die Erfordernisse der
Zukunft und darum sind alle diese Korrekturen auch so mühsam, aber dranbleiben,
                                            - 64 -

argumentieren, mobilisieren. Radermacher hat schon etwas ganz wichtiges ergänzend
aufgezeigt. Die schreiende Ungerechtigkeit in den heute existierenden Steuersystemen, Sie
wissen ja im Standort Wettlauf, sind Parlamente und Regierungen unter Druck,
Steuerkonzessionen zu machen um als Unternehmensstandort attraktiv zu bleiben oder zu
werden und das geht auf Kosten der Lebensqualität, das geht auf Kosten der Finanzierung
der Gemeinwohlerfordernisse, ganz der legale Bereich. Und dann kommt dazu jener
Bereich, dass eben für die größten Einkünfte oder die größten Vermögen, Steuervermeidung
über sogenannte Off-Shore-Plätze und Steueroasen etc. gelebt wird. Und das staunende
Publikum erfährt ja jetzt, was es da so alles gibt und wir wissen nur ein kleines Eckchen von
dem was wirklich läuft, aber das ist ein Teil dessen, das die Gemeinwohlbereiche notleidend
werden. Und das ist eben letztlich die Religion der neoliberalen Doktrin, das ist das Problem.
Die USA als Staat auf der einen Seite aber vor allem ist es dieser geistige Druck, dass jeder
sagt, na ja es muss heruntergefahren werden, es muss heruntergefahren werden, ist im
Sinne der Lebensqualität des Menschen verkehrt. Ich möchte sehr unterstreichen, dass was
gesagt wurde in Richtung mehr Gemeinsamkeit, auch zwischen unterschiedlichen
politischen Fraktionen in der Bewältigung der Lebensherausforderungen. Wenn ein
demokratisches System Bestand haben soll, dann braucht es die Rückendeckung durch die
Wählerinnen und Wähler und dann ist es notwendig, dass die Wählerinnen und Wähler
erkennen, hier wird daran gearbeitet, meine Probleme zu erkennen. Ich zitiere von
Bundeskanzlerin Merkel diesen einen Satz aus ihrer Rede in Davos, wo sie sagt: Wir stehen
vor der Herausforderung und dieser Herausforderung muss sich Politik stellen nämlich die
Globalisierung zu gestalten. Die Ängste der Menschen rühren zum großen Teil daher, dass
sie das Vertrauen darauf verloren haben, dass Politik die Folgen der Globalisierung gestalten
kann. Deshalb bin ich überzeugt, dass Politik auch in Zeiten der Globalisierung einen
Gestaltungsauftrag hat, und diesen Auftrag anzunehmen, dass ist die Herausforderung.




Erster Präsident DI Jörg Freunschlag


Danke Herr Dr. Riegler. Nun sind wir fast alle erschöpft, es ist schon 1 Uhr. Danke für die
rege Diskussionsfreudigkeit und für das Ausharren und ich darf Herrn Landeshauptmann-
Stellvertreter Dr. Strutz um das Schlussstatement bitten.




Erster Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Martin STRUTZ


Dankeschön Herr Präsident! Geschätzte Kollegen aus dem Landtag, aus den öffentlichen
Stellen! Ich möchte mich zunächst einmal stellvertretend auch für die Mitglieder der
Landesregierung recht herzlich bedanken bei Ihnen, Herr Landtagspräsident und den
                                              - 65 -

Vertretern des Landtages, dass Sie sich die Zeit genommen haben, gemeinsam mit den
Experten, einen Tag lang die Problematik vor Augen zu führen, die die Entwicklung im
ländlichen Raum aber ich würde das nicht abgekoppelt sehen, sondern die globale
Entwicklung in unserer Gesellschaft mit sich bringen, vor Augen führen. Es ist so, dass wir
vor dieser Entwicklung nicht die Augen verschließen können, es ist so dass – wie es Herr
Vizekanzler gesagt hat – eine tägliche Herausforderung ist und in diesem Sinne sehe ich
diese   Veranstaltung    als   einen   ganz      wichtigen   Beitrag,     weil   hier   nicht   nur
Entscheidungsträger sitzen im Landtag, wie sie sehr richtig sagen, die Entscheidungen, die
jetzt getroffen werden sind festgefahren auf Jahrzehnte, sind Entscheidungen, die
Generationen nach uns bringen, wo ich aber glaube, dass wir als politisch Verantwortliche
auf den verschiedenen Ebenen eine ganz wichtige Vorbildfunktion haben. Nicht nur uns
diesem Thema zu widmen – durch unser Handeln entgegenzusteuern, sondern vor allen
durch das persönliche Leben, durch das Ändern in unseren eigenen Köpfen, eine
Vorbildfunktion zu haben. Es ist zu wenig zu fordern, den ländlichen Raum zu erhalten. Es ist
zu wenig zu sagen, wir müssen die Infrastruktur in den Gemeinden finanzieren. Es ist zu
wenig zu sagen, wir müssen die Schulen erhalten – bin selbst für den Bildungs- und
Schulbereich zuständig, habe im heurigen Jahr 1.500 Kinder weniger, die im Volksbereich
eingeschult werden. Diese Entwicklung habe ich jährlich, d.h. ich habe innerhalb der
nächsten 5 Jahre 10.000 Kinder weniger, mit der gesamten Problematik, die angeschlossen
ist. Denn weniger Volksschulkinder sind in 4 Jahren weniger Kinder im Gymnasium, sind in
der Folge, weniger Mitglieder unserer Gesellschaft, die unser Sozialsystem erhalten und
finanzieren und da hilft´s nicht – sage ich einmal so – darüber nachzudenken oder so -
schade dass der Kollege Auer gegangen ist – zu fordern, dass eine Schule mit 4 Kindern
nicht geschlossen wird, sondern da geht es darum, wie ich selbst gegensteuere. Bin ich
bereit Kinder ins Leben zu setzen, sie heranzuziehen, mich auch dieser Verpflichtung zu
unterziehen. Und da muss man auch konkret die Frage stellen, wo konzentrieren wir unseren
finanziellen Mitteleinsatz. Wenn ich im Schulbereich bleiben darf, allein das Faktum, dass ich
weniger Kinder habe, beschert mir – ich möchte das an einem Beispiel bringen – die
Tatsache, dass ich 14 Millionen Euro in den Erhalt von Infrastruktur investiere, und jetzt
spreche ich nur vom Personalbedarf der Lehrer, den ich zukünftig nicht mehr haben werde,
dass ich eine Infrastruktur für 4 Kinder im ländlichen Bereich erhalte, wo ich beispielsweise
den Schulstandort oder die Kosten mit elektrischer Energie versorge oder bin ich bereit über
neue Formen in der Gesellschaft nachzudenken und diese auch in den Köpfen tatsächlich
zuzulassen, denn das ist das Entscheidende. Ich würde mit den 14 Millionen Euro, die ich im
heurigen Jahr für Lehrer zur Verfügung stellen muss, die keine Kinder mehr zum unterrichten
haben, darüber nachdenken, wo setze ich diese 14 Millionen sinnvoller ein, im Bereich der
Nachmittagsbetreuung     beispielsweise,   wie     kann   ich   die     Rahmenbedingungen       für
alleinerziehende Mütter, für Familien verbessern, damit sie wieder bereit sind, Kinder ins
Leben zu setzen, damit sie die Verantwortung für die Gesellschaft auch wieder erfüllen
                                           - 66 -

können. Und da glaube ich, es ist ja vom Podium – ich bedanke mich auch für diese
Wortmeldungen – klar auch dargelegt worden, dass wir in Kärnten, in einem kleinen
Mikrokosmos in dem wir leben, im Prinzip gute Strategien entwickelt haben. Ich glaube, dass
wir rechtzeitig erkannt haben, dass wir zwar global denken, aber regional agieren müssen.
Und der Spielraum ist ein bescheidener, ist diktiert durch Pläne, die uns die Europäische
Union vorgibt bis hin zur einfach auch demoskopischen Entwicklung, wo wir einfach
rechtzeitig erkennen müssen und rechtzeitig handeln können. Wenn wir beispielsweise das
Müttergeld einführen, wenn wir im Sozialbereich das Babygeld einführen, wenn wir
Schulbedarfsförderung wieder initiieren, dann sind das eine Reihe von finanziellen
Maßnahmen, die zwar kleine Schritte sind, die aber auch als ein deutliches Zeichen für
diesen Weg erkannt werden müssen. Wenn wir im Bereich der Wohnbauförderung
beispielsweise im neuen Gesetz verankert haben, dass wir im ländlichen Bereich eine
höhere Wohnbeihilfe, wenn jemand bereit ist im ländlichen Bereich sich ein Haus
anzusiedeln, damit auch Mittelpunkt seiner Lebensinteressen zukünftig haben wird, damit
auch vielleicht die Kinder wieder im regionalen Bereich in die Schule gehen und nicht im
Zentralraum und wir hier die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, ebenso wie wenn
jemand Solarenergie auf das Haus baut und nicht mit elektrischen Strom heizt, dann sind wir
hier richtig unterwegs. Ich glaube, was wir erkennen müssen ist, dass unser
Wirtschaftswachstum an eine gewisse Grenze angestoßen ist und dass wir einen
Paradigmenwechsel haben. ich glaube, dass wir von der Technologiegesellschaft in die
Informationsgesellschaft gekommen sind, dass aber auch diese Informationsgesellschaft
mittlerweile, wir sehen es, an einem Sättigungsgrad angelangt ist, wo auch keine
Arbeitsplätze oder der Zuwachs von vielen Arbeitsplätzen zu erwarten ist. Ich glaube jeder
ein Handy, jeder hat seinen Computer, der Computer übernimmt die Arbeit, ich sage einmal
Gott sei Dank, auch die manuelle Arbeit, teilweise auch die geistige Arbeit, die noch vor
Jahrzehnten von Menschen, von Personen gestaltet werden musste und hier geht es darum,
dass wir in unseren eigenen Köpfen und deswegen ist so eine Diskussion immer so wichtig,
neue Konzepte zuzulassen, beispielsweise im kulturellen Bereich, bin Kulturreferent des
Landes Kärnten und ich sehe, dass man mit Kultur enormen volkswirtschaftlichen Nutzen
erzielen kann, wenn es – Prof. Girtler lacht – mit einem gewissen Esprit und mit einem
Konzept verfolgt ist, beispielsweise wenn – egal wo auf der Welt, ein Künstler wie Christoph
den Reichstag umhüllt oder eine Brücke verwirklicht und Millionen Menschen dorthin pilgern,
dann habe ich dort einen volkswirtschaftlichen Nutzen, wenn wir beispielsweise darüber
nachgedacht haben, wie können wir unsere Ressourcen und Kärnten ist wirklich eine Insel
der Seeligen, wir haben eine so intakte Natur, die wir noch viel zu wenig nutzen in der
Vermarktung, sage ich jetzt einmal so, nicht in der Ausbeutung sondern in der Vermarktung.
Wenn wir das Thema Wasser zu einem Thema gemacht haben, wo uns noch vor Jahren
Zweifel gekommen sind. Ich kann mich selbst noch erinnern, wo wir in der Regierung
gesessen sind und der Landeshauptmann die Idee geboren hat und gesagt hat, machen wir
                                           - 67 -

das Thema Wasser zu einem Thema, einer Landesausstellung, ja so wie ihr die Idee gehabt
hattet, die Wilderer zum Thema zu machen. Wir haben gesagt, das Thema würde passen.
Mittlerweile haben wir bereits das Mölltal in Wirklichkeit volkswirtschaftlich nur mit dieser
Landesausstellung saniert, möchte ich einmal so sagen, möchte den Herren hier hinten auch
sagen, dass wir eine Entwicklung haben, wo wir die Abgangsgemeinden rückläufig haben,
wir haben keinen Zuwachs, sondern der zuständige Referent Rohr hat sich vor wenigen
Monaten darüber freuen können, dass wir in der Bilanz bei den Abgangsgemeinden um ca.
15 Prozent gegenüber dem letzten Jahr wieder rückläufig sind, d.h. Kärnten ist sich schon
bewusst, dass wir hier ein Problem haben und das wir gegensteuern. Ihre konkrete Frage
„Was tun wir für die Gemeinden, für die Entlastung der Gemeinden“. Ich sehe es schon so,
dass von der Spitze von Europa über die Bundesregierung über das Land sozusagen den
letzten die Hunde beißen oder der Kleinste ein großes Gewicht zu tragen hat, weil halt immer
nach unten delegiert wird, aber wir schon eine Entlastung für die Gemeinden gemacht haben
und da bin ich beim Kollegen Scheuch, man muss hier an einem Strang ziehen und darf
nicht doppelbürdig agieren. Wir haben ein Finanzpaket geschnürt für den ländlichen Bereich,
wir haben die Einnahmenseite für die Gemeinden eröffnet über Steuern, bin ich vollkommen
bei Prof. Radermacher, wo wir gesagt haben, Zweitwohnsitzabgabe – da stehen wir dazu –
soll man erhöhen, wer die Infrastruktur nutzt, soll zukünftig mehr Steuern zahlen. Die
Fremdenverkehrsabgabe haben wir auch aus gutem Grund erhöht, weil wir gesagt haben,
wer unsere intakte Umwelt nutzt, soll dafür auch etwas zahlen. Fahren Sie nach Amerika, da
treten Sie ein in den Nationalpark und müssen als Erstes einmal die Kreditkarte abgeben.
Und dann kommen aber die gleichen Leute, die die Entlastung für die Gemeinden fordern,
her- spreche konkret die Fraktion der ÖVP an – und protestieren im Landtag und sagen, es
darf keine Erhöhung der Fremdenverkehrsabgabe geben oder wir müssen die Besteuerung
der Zweitwohnsitzabgabe zurücknehmen. Und das ist ein bisschen das, was ich da auch
vermisse, was auch Kollege Scheuch angesprochen hat, dass man sich einen Plan, eine
Stoßrichtung gibt, unter die wir uns auch unterordnen, im Kleinen, dass muss ein Konzert
sein, wo wir im Prinzip diese Rahmenbedingungen vorgeben. Im Großen ist es der Marshall
Plan, im Kleinen sind es regionale Entwicklungskonzepte, ist es das Leitbild, dass sich das
Land Kärnten selbst gegeben hat, verankert im Regierungsprogramm, im Großen, wo wir
dem Thema „ländlicher Raum“ ein ganz wichtiges Kapitel gewidmet haben und wo wir auch
in den Bezirken diese Leitbilder entwickeln wollen, wo wir im Prinzip für jeden Raum ein
eigenes Konzept entwickeln müssen, wo wir uns in diesen neuen Bereichen, im Bereich
Kultur, im Bereich Natur aber auch im Bereich Soziales positionieren können. Da sind die
neuen   Arbeitsplätze   drinnen,   da   haben   wir   im   Prinzip   einen   naturschonenden
Wirtschaftskreis und da möchte ich einfach darauf verweisen, dass wir hier von Seiten der
Landesregierung auch von Seiten der Raumplanung, wenn ich den Abteilungsvorstand
Fercher hier sehe, auch gute Vorarbeiten geleistet haben, und es wird nicht von oben
oktruriert sondern das machen wir in Kommunikation mit den einzelnen Regionen. Wir haben
                                            - 68 -

jetzt auch einen Ideenwettbewerb „Grips“ gestartet, Vizekanzler Riegler war ja auch beim
Auftakt mit dabei, wo wir gesagt haben, wir müssen diese neuen Ideen einfach zulassen und
es wird an uns sein, ob wir das in unseren eigenen Denken, ob wir es in unseren eigenen
Köpfen zulassen, d.h. nicht zum Metromarkt nach Klagenfurt einkaufen fahren sondern
einfach vor Ort die regionale Wirtschaft unterstützen darüber nachzudenken, dass wir nicht
dagegen protestieren, dass die Schulen geschlossen werden sondern dass man einfach
Kinder ins Leben setzen und das wir auch im Umgang mit unserer Natur ein bisschen
sorgfältiger sein sollten, auch wenn der Herzogstuhl dagegen oder im Raume steht, muss ich
diese Schnellstraße nicht in der großen Dimension planen, das ist mein Zugang ein bisschen
zu diesem Thema, es hat einen Leitspruch gegeben vor Jahren „Die Entwicklung der
Gesellschaft orientiert sich an der Mobilität“, wie schnell komme ich von A nach B. Ich
glaube, dass man in Wirklichkeit umdenken müssen auch in dieser Hinsicht, die Frage ist
nicht ob man nicht aus strategischen Überlegungen, wenn die Wiener durch Kärnten
durchflitzen oder die Oststaaten durchflitzen, ob man nicht gerade aus diesem Grund in St.
Veit die Straße ein bisschen zurück bauen, weniger Belastung für die Umwelt, weniger
Unfälle, weniger Verkehr und die Leute müssen langsamer fahren, sehen die schöne Natur
und fahren vielleicht in Maria Saal ab, weil sie schon einen Hunger haben, das sind im
Prinzip die neuen Ideen, die wir zulassen sollten. Ich bedanke mich, dass die heutige
Veranstaltung da einen wichtigen Beitrag geleistet hat.




Erster Präsident DI Jörg FREUNSCHLAG


Danke Herrn Landeshauptmann-Stellvertreter für sein Schlussstatement, ich bedanke mich
bei Ihnen allen, also einen positiven Aspekt kann ich vermitteln, ich werde meinen Vorschlag
oder den gemeinsamen Vorschlag – wir werden das realisieren – die Frage dieses Global
Marshall Planes, dieses Beitrittes – ich werde alle Fraktionen einladen, demnächst, um hier
die Vorbereitung zu treffen um einen entsprechenden Beschluss im Landtag herbeizuführen
mit vorheriger Aufklärung – vielleicht können wir dann wieder einen Experten in den
Ausschuss bitten, um uns noch einmal – für alle jene, die heute nicht da waren – klar zu
machen, dass es doch auch aus regionaler Sicht wichtig ist, hier Souveränität zu üben.
Danke herzlich den Referenten. Es gibt noch einen kleinen Imbiss zur Aussprache – die
heutige Enquete ist damit beendet. Dankeschön!

				
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