„Eine Fair Tax von bis zu 25 Prozent wäre

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7/7/2009
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2 DONNERSTAG, 18. SEPTEMBER 2008 WAHL 2008 wirtschaftsblatt.at INTERVIEW Herbert Paierl, Präsident des Management Clubs, fordert Steuervereinfachung und Privatisierungen ÖS TERREICH WÄHLT „Eine Fair Tax von bis zu 25 Prozent wäre gut“ Peroutkaπ (3) Weniger Steuern zahlen für alle, fordert Herbert Paierl. Und: Privatisierte Landesversorger könnten als Volksaktien zumindest zum Teil unter die Leute gebracht werden. WirtschaftsBlatt: Wann wird es eine Steuerreform geben? Herbert Paierl: Man muss hier das System grundsätzlich hinterfragen. Die Staatsquote muss von derzeit 49 Prozent auf 40 Prozent runter. Es reicht keine Tarifreform, bei der an ein paar Steuerschrauben gedreht wird. Das System muss vereinfacht, transparent und fairer werden. Was soll fair genau bedeuten? Es braucht eine Fair Tax. Sonderprivilegien müssen abgeschafft werden. Die Leute sollen weniger Steuern zahlen und die Leistungen des Staates müssen entsprechend bepreist werden. Nur die wirklich Bedürftigen sollen durch Transferzahlungen unterstützt werden und nicht zahlen, beispielsweise bei Studiengebühren. Wer soll das zahlen? Die Fair Tax sollte zwischen 20 und 25 Prozent liegen und ausgabenneutral sein. Das geht über eine Verwaltungsreform. Es braucht also nur mehr eine Steuer querbeet. Keine Doppelbesteuerung über Vermögenssteuern. Sie fordern mehr Wettbewerb. Was stellen Sie sich konkret darunter vor? Wettbewerb schafft mehr Wert. Das sehen Sie im Telekombereich. Zuerst gab es Ängste, dann verschwanden die Viertel-Telefone und die längeren Wartezeiten. Die Preise sind gesunken und die Teuerung wurde gedämpft. Wichtig ist, dass es einen starken öffentlichen Schiedsrichter, den Staat, gibt und ein faires Regelwerk. Haben wir den in Österreich? Österreich steht nicht gut da. Der starke, selbstbewusste Staat: das ist die Herausforderung. In Österreich haben wir wieder mal den Weg: „Man wird’s schon richten.“ Dabei brauchen wir dringend mehr Wettbewerbskultur mit strengen Spielregeln und Konsequenzen. So sind beispielsweise die Müllgebühren aufgrund der oligopolistischen Marktsituation von 2001 bis 2007 vier Mal so stark gestiegen wie die Durchschnitts- preise. Das machte ein Plus von 46 Prozent. Am liebsten wäre ich Wettbewerbskommissar in Brüssel, da kann man wirklich etwas machen und den Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, helfen. Sie kreiden auch das QuasiFernsehmonopol an. Wo würden Sie da „helfen“? Mit einer entsprechenden Aufsicht sollte man für mehr Freiheit sorgen. Und auch dafür, dass die Fernsehgebühren nicht nur an ein Unternehmen gehen. Auch ATV und Puls 4 sollten etwa für ihre Nachrichtensendungen Gebühren bekommen. Das Gebührenmonopol schadet dem ORF im Grunde sogar. Ohne würde sich die Unternehmenskultur schärfen. Hilft die Privatisierung auf dem Weg zum Wettbewerb? Prinzipiell sollte die Eigentümerschaft egal sein. Aber z. B. im Energiebereich macht der Staat die Spielregeln und ist gleichzeitig Spieler. Überhaupt könnte man die Landesversorger breit streuen und einen Teil als Volksaktie den Österreicherinnen und Österreichern schenken. Das Interview führte ESTHER MITTERSTIELER esther.mitterstieler@wirtschaftsblatt.at „Die Landesversorger breit streuen und einen Teil als Volksaktie den Österreicherinnen und Österreichern schenken“ Herbert Paierl Präsident Management Club KANDIDATENANALYSE TV-KONFRONTATION Das Ausland, das entzweit Analyse. Der Verkaufsprofi Niklas Tripolt analysiert die TV-Duelle der Spitzenkandidaten für das WirtschaftsBlatt. Dabei nimmt er die Themen Verkaufskompetenz, Glaubwürdigkeit, Körpersprache, Gestik, Mimik sowie Sprache und Sprachmuster unter die Lupe. Tripolt ist Mitbegründer der VBC (VerkaufsberaterInnencolleg) und geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, das sich laut eigenen Angaben in fünf Jahren zum Marktführer unter den Verkaufstrainingsinstituten entwickelt und mittlerweile auch Niederlassungen in Deutschland hat. APA/Hochmuth 60 Minuten, ohne an die Wirtschaft zu denken 0 Auch in punkto EU finden die beiden wenig Gemeinsamkeiten. Laut Strache ist der neue SP-Kurs „scheinheilig“. Faymann hält die Statements von Strache „nicht mehr aus“. SP-Chef Werner Faymann und H.C. Strache von der FPÖ starten die Konfrontation mit dem Thema Teuerung. Strache kritisiert die Erhöhung der Mineralölsteuer scharf. 44 Heinz-Christian Strache Spitzenkandidat FPÖ Verkaufskompetenz ➤ Egal was Ingrid Thurnher fragt, die Antwort führt immer zum Ausländerthema. Dieses Kommunikationsjudo geht verkäuferisch betrachtet nur so lange gut, solange diese Technik nicht inflationär wirkt. Glaubwürdigkeit ➤ Wem glauben wir nun mehr? Straches 2500 Wohnungen für Ausländer oder Faymanns 700? Der Antwortcocktail aus ganz unterschiedlichen Themen lässt die Vermutung des fehlenden fachlichen Tiefgangs zu. Das raubt Glaubwürdigkeit! Körpersprache, Gestik, Mimik ➤ Offene Gestik, stabiler Blickkontakt. Wirkt heute etwas lockerer als zuletzt, auch die Mimik ist entspannter. Seine Gestik findet oberhalb des Tisches statt, im Aktionsbereich, und wirkt dadurch dynamisch. Sprache, Sprachmuster ➤ Seine Stimme wirkt heute tiefer und fester, das Sprachtempo ist immer noch hoch. Sammelt vermutlich Punkte bei seiner Klientel, wenn er von „Faymann, der am Nasenring gezogen wird“ spricht. Werner Faymann Spitzenkandidat SPÖ ➤ Auf die Frage: „Stimmt die Kapitalmarktsituation nachdenklich?“ antwortet Faymann: „Nachdenklich jedenfalls“ und betreibt Stimmungs- und Gedankenrapport. Er nimmt den Österreichern Angst, indem er von österreichischen Geschäften im EU-Raum spricht, die von der US-Finanzkrise nicht so betroffen sind. ➤ Punktet in seiner Kernkompetenz als früherer Wohnbau-Stadtrat mit Zahlen, Daten und Fakten: 220.000 Gemeindewohnungen, 10.000 pro Jahr, 9300 an Staatsbürger und 700 an Ausländer. Wiederholtes Mitschreiben während Straches Aussagen stärkt seine Glaubwürdigkeit. ➤ Seine Körpersprache signalisiert Sicherheit und Stabilität. Er setzt starke Gestik ein, wie er zum Beispiel seine Hand an die Brust führt, als er von der Liebe zu seinem Land spricht und Verbindendes vor Trennendes stellt, vor allem wenn es um das Ausländerthema geht. ➤ Positive Botschaften überwiegen, wie z. B. Positives der vergangenen 18 Monate: Rekordbeschäftigung ... Bei unterschiedlichen Ansichten gerade in der Ausländerfrage, unterbricht Faymann öfters als Strache und möchte sich damit auch klar abgrenzen. Faymann macht Beide wollen die In sich für die MWSt-Senkung Beim punkto Pensionisten auf LebensThema persönstark mittel Ausländer lichem krachen die Verhältnis beiden voll zueinander werden 21 39 aufeinander die Bruchlinien klar. Faymann „will das Land einen“ 16 31 Aus unternehmerischer Perspektive war beim TV-Duell zwischen SP-Chef Werner Faymann und seinem FP-Kollegen Heinz-Christian Strache wenig dabei. Ansatzweise um Wirtschaft ging es in puncto Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel von 20 auf zehn Prozent. Wobei Strache nach der Wahl „einen weiteren Umfaller“ der Sozialdemokraten erwartet. Faymann wiederum möchte die Senkung „möglichst vor der Wahl durchsetzen“. Ansonsten will sich der SP-Chef auf bekann- te Rezepte verlassen. „Der freie Zugang zu den Universitäten muss wie bei Bruno Kreisky in den 70er-Jahren gesichert werden.“ Damit eint Faymann und Strache zumindest die geplante Abschaffung der Studiengebühren. Wie die Lücke von mehr als 100 Millionen € in den Uni-Budgets finanziert werden soll, blieb offen wie vieles, was mit Finanzierung zu tun hat. (lech) Reaktionen und Anregungen bitte per E-Mail an: esther.mitterstieler@wirtschaftsblatt.at

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