MBA worauf fokussieren f�hrende Schulen?
W
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MBA-Ausbildungen: Bergsteigen als Teamerfahrung, Projekte gegen Kinderarbeit, internationale Vielfalt – wie europ�ische Business-Schools im Wettbewerb um Kunden punkten wollen
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SONDERBEILAGE DER FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND FREITAG, 29. APRIL 2011
A1
MBA in Europa
Mammon und Moral
Wie Business-Schulen verant-
wortungsbewusste Manager
ausbilden wollen Seite 6
www.ftd.de/ beilagen
Den Weg
zum Gipfel finden
Bergsteigen als Teamerfahrung, Projekte gegen
Kinderarbeit, internationale Vielfalt – wie
FTD/Marek Haiduk
europäische Business-Schools im Wettbewerb
um Studenten punkten wollen
ups mit vielversprechenden Ideen, „Viele europäische Schulen sind inter- aufspüren“, sagt Bernard Ramanant- dig verändernden Welt etwas Krea-
Melanie Hofmann
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Andrang aus Asien denen man aber auch noch helfen kön- national so vielfältig wie in keiner an- soa, Dekan der HEC Business School tives zu erschaffen, Menschen anzu-
ne, ihre Firma weiterzuentwickeln. deren Region auf der Welt.“ Das in Paris. Führungsqualitäten könnten führen und Neues zu wagen“.
Ein Berg, 15 Frauen, 5895 Höhen- Anstieg Die europäischen Business- Die Mannheim Business School, schaffe ein einzigartiges Lernumfeld nicht in einem Klassenzimmer unter- Neues wagen auch die 15 Teil-
meter – das hat sich die Rotterdam Schulen sind gefragter denn je. Im ver- weltweit immerhin auf Platz 26 ge- für Studenten. Auch die IE Business richtet, sondern müssten langfristig nehmerinnen des Kilimandscharo-
School of Management (RSM) für gangenen Jahr ist die Zahl der Bewer- rankt, setzt 2011 vor allem auf Inter- School ist bemüht, ihr Programm ste- entwickelt werden. Auch die HEC Projekts der Rotterdam School of
2011 vorgenommen. „Es ist ein ganz bungen noch einmal deutlich gestiegen. nationalität. Im März hat sie ein tig fortzuentwickeln und anzupassen. thematisiert deshalb in ihren Kursen Management. Doch geht es dabei
spezielles Projekt für künftige Mana- neues Programm mit deutsch-chine- „Um wirtschaftliche Zusammen- soziale Verantwortung. Neu ist zudem nicht nur darum, einen Berg zu er-
gerinnen“, sagt Dianne Bevelander, Rangfolge Dabei ist Großbritannien sischem Fokus gestartet. Statt Angst hänge heute wirklich zu verstehen die Zusammenarbeit mit dem Guimet- klimmen. Die Frauen sollen während
Vize-Dekan für die MBA-Programme. mit Abstand am beliebtesten – wie vor der asiatischen Konkurrenz zu und künftige Krisen vorauszuahnen, Museum für asiatische Kunst in Paris. des einwöchigen Ausflugs lernen, wie
Die Teilnehmerinnen sollen bei dem schon in den Jahren zuvor. Es folgen haben, arbeitet sie mit ihr zusammen. müssen Studenten lernen, Fragen zu Hier sollen die Studenten nicht nur die wichtig Netzwerke und Zusammen-
Projekt nicht nur den Karriereberg, Frankreich, Spanien, die Niederlande Der Mannheim & Tongji Executive stellen, den Status quo zu hinterfra- asiatischen Kulturen besser kennen- halt gerade für Frauen in Topposi-
sondern auch den Kilimandscharo und die Schweiz. Deutschland belegt MBA ist auf eineinhalb Jahre angelegt gen und Verbindungen zwischen ein- lernen, sondern vor allem „ihre Fähig- tionen sind. Als Gruppe zur Spitze zu
erklimmen. Angeführt von Rebecca den sechsten Platz. und soll berufsbegleitend absolviert zelnen Events, Kulturen und Nationen keiten verbessern, in einer sich stän- kommen, das ist das Ziel.
Stephens, der ersten Britin, die den werden. „Unser MBA ist eine echte In-
Mount Everest bestiegen hat. Bewerber für europäische novation am internationalen MBA-
So wie die Rotterdamer Business- Programme Markt“, sagt Jens Wüstemann, Präsi-
Schule setzen auch andere europäi- Anzahl 2010 nach Ländern dent der Mannheim Business School.
sche Managementschmieden auf Auch staatliche Schulen versu-
neue Schwerpunkte und Fördermög- Indien 20 569 chen, den Anschluss zu den hoch-
lichkeiten, um im Kampf um die Stu- preisigen Managementschmieden in
denten mithalten zu können. Die Fi- China 8759 Europa zu schaffen. Die Hochschule
nanzkrise ist vorbei, Bewerberzahlen Pforzheim hat ihr MBA-Programm
steigen, Unternehmen zeigen wieder Deutschland 6075 vor zwei Jahren komplett überarbeitet
mehr Bereitschaft, berufsbegleitende und zwei Spezialisierungen einge-
MBA-Programme zu unterstützen. USA 5674 führt: Innovationsmanagement und
Der Fokus liegt 2011 und 2012 vor Nachhaltigkeit. Ein Beispiel: Im zwei-
4399
FTD/jst; Quelle: Graduate Management Admission Council, 2010
allem auf zwei Aspekten: Globali- Frankreich ten Semester befassen sich Studenten
sierung und Führungsethik. des MBA International Management
„Wir setzen dieses Jahr vor allem Italien 2445 mit ökonomischer Globalisierung und
auf experimentelle Programme“, sagt nachhaltiger Entwicklung. In einem
Bevelander von der RSM: „Die Stu- Griechenland 2291 Praktikum hat sich ein Student dann
denten sollen fühlen, berühren und Dörfer in Indien angeschaut und mit
schmecken, was sie sonst nur theore- Großbritannien 2067 einem deutschen Konzern ein Kon-
tisch lernen.“ Das, was bisher in Dis- zept entworfen, um diese zu nachhal-
kussionen und Präsentationen erar- Russland 1918 tigen Modelldörfern zu machen. Der
beitet wurde, soll jetzt tatsächlich aus- Vorschlag wurde weiterentwickelt
geführt und in der Praxis hinterfragt Kanada 1676 und im Fach Corporate Social Respon-
werden. Neben den bergsteigenden sibility aufgegriffen. Inzwischen wird
Frauen wird deshalb auch ein Nach- der Entwurf umgesetzt. „In den kom-
haltigkeitskurs unter dem Motto „Un- menden Jahren werden wir mit neuen
ternehmen im ökologischen Aspekt“ Studenten über Praktika, Abschluss-
angeboten. Das Klassenzimmer: ein arbeiten und wissenschaftliche
Baumgarten. Der Gedanke hinter der- Begleitung weiter daran arbeiten und
lei außergewöhnlichen Lehrmetho- noch mehr daraus lernen“, sagt Jürgen
den ist schnell erkannt: Die Studenten Volkert, Professor in Pforzheim: „So
sollen lernen, einen anderen Blick auf bringen wir den Studenten nicht nur
die Materie zu werfen, sollen das Nachhaltigkeit bei, sondern wir sind
theoretisch Gelernte hinterfragen. auch selbst aktiv daran beteiligt.“
„Soziale Verantwortung ist mehr Die Relevanz von Führungsethik
ins Zentrum der Schulen und auch der hat die IESE Business School in Ma-
Studenten gerückt“, stellt Martha drid schon vor einigen Jahren erkannt
Maznevski fest, Direktorin des MBA- und sogar in ihrem Leitbild verankert.
Programms der Schweizer Business „Bei uns ist das Thema Ethik nicht auf
School IMD in Lausanne: „Deshalb spezifische Kurse begrenzt, die Frage
sollen unsere Studenten noch inten- nach den Folgen des Handelns wird in
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siver lernen, welche Maßnahmen sie jedem Kurs mit behandelt“, erläutert
entwickeln können, um Probleme zu INHALT
....................................................................................................... Dorothee von Canstein von der IESE
erkennen und zu lösen.“ Die IMD hat Business School. Gerade jetzt, nach
kürzlich ein komplett neues Pro- Forschung Weshalb Business-Schulen der Finanzkrise und den Vorwürfen,
gramm für 2012 vorgestellt, das die mit einer guten Forschung mehr die sich viele Business-Schulen an-
Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Studenten anlocken. Seite 2 hören mussten, sieht man sich bei der
stärker fördert. Die Inhalte, die die IESE in dieser Einstellung bestätigt.
Studenten morgens im Unterricht ler- Kooperationen Warum auch nam- Als große Herausforderung für die
nen, wenden sie nachmittags direkt hafte Business-Schulen immer häufiger Zukunft der MBA-Programme sieht
mit lokalen Unternehmen an. „So ler- zusammenarbeiten. Seite 3 von Canstein die Globalisierung: „Das
nen die Studenten, mit realen Proble- Thema kommt in vielen Curricula
men umzugehen und erkennen den Studienwahl Worin sich der Master noch nicht vor.“ Es gebe hier Nachhol-
Zusammenhang der bisher isoliert of Science in Management vom bedarf an den Managementschulen
unterrichteten Fächer“, sagt Maz- MBA-Studium unterscheidet. Seite 4 weltweit. „Wir brauchen in Zukunft
nevski. Beispiel: Die Marketing- hochkarätig qualifizierte Leute, die
entscheidung für ein neues Produkt Messen Wieso ihr Stellenwert bei der sich überall auf der Welt auskennen“,
kann wegen Finanzierungsproblemen Wahl der passenden Business-Schule stellt von Canstein fest. Die interna-
gekippt werden – im Marketingunter- geschwunden ist. Seite 5 tionale Ausrichtung vieler europäi-
richt werden aber in erster Linie Me- scher MBA-Programme sei deren
thoden gelernt und Kampagnen ent- Osten Wie Schulen Kenntnisse zu Ost- größte Stärke: „Wir haben viele Stu-
wickelt. Die größte Herausforderung europa vermitteln und beim Aufbau von denten aus der ganzen Welt in unse-
sieht Maznevski darin, Unternehmen Kontakten helfen. Seite 7 ren Programmen, weil wir in Europa
auszuwählen, die auch zur Lernstrate- eine viel globalere Sichtweise haben.“
gie passen. „Anfragen haben wir Klassenfahrt Warum Aufenthalte Dem stimmt Gonzalo Garland,
genug“, berichtet die Professorin. Ge- im Ausland die MBA-Programme Vizepräsident für Entwicklung an der
sucht werden letztlich vor allem Start- aufwerten. Seite 8 IE Business School in Madrid, zu:
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A2 MBA in Europa FREITAG, 29. APRIL 2011 FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
Tüfteln für den guten Ruf
Business-Schulen wollen mit Forschung ihr Image verbessern – das soll mehr Studenten anlocken
Führend in der Forschung
Nava Ebrahimi Europäische Schulen unter den Top 100 weltweit
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Charles Eliot, von 1869 bis 1909 Präsident der Har- Rang* Name der Schule Forschungspublikationen
vard-Universität, soll einmal von einem potenziel- 10 Insead 187
len Sponsoren gefragt worden sein, was er für eine
wirklich gute Universität brauche. 20 Mio. Dollar 21 London Business School 133
und 100 Jahre Zeit, soll Eliot geantwortet haben.
Weitaus mehr als 20 Mio. Dollar und etwas mehr 41 Tilburg University** 104
als 100 Jahre später ist Harvard eine, wenn nicht die,
Eliteuniversität mit weltweitem Ruf. Kaum eine an- 42 Erasmus University*** 80
dere Hochschule hat so viele Nobelpreisträger her-
vorgebracht. Dass die Absolventen der Harvard 73 HEC France 51
Business School hinsichtlich der Einstiegsgehälter
in internationalen Rankings stets einen der vorde- 91 Copenhagen Business School 31
ren Plätze belegen, ist ein Ergebnis dessen, dass
* nach Auswertung der Daten 2006 – 2010, Stand: 15.3.2011
Eliot und seine Nachfolger die besten Leute anwar- ** Faculty of Economics and Business Administration
ben und viel Geld in die Forschung steckten. *** Rotterdam School of Management FTD/jst; Quelle: Somweb.utdallas.edu
Bis heute gilt, dass gute Forschungsergebnisse
den Bekanntheitsgrad einer Schule erhöhen. Das So ist es kein Zufall, dass die Mannheim Busi-
lockt gute Studenten an, die wiederum gute Ab- ness School wissenschaftlich zu den aktivsten in
schlüsse machen und auf dem Arbeitsmarkt reüssie- Deutschland gehört, und die Absolventen zu den
ren. Das wirkt zurück auf das Renommee der Uni- Topverdienern zählen. Ralf Bürkle, Pressesprecher
versität, was deren Attraktivität für motivierte der Mannheim Business School, sieht einen indirek-
Wissenschaftler erhöht. Die Folge ist eine konstant ten Zusammenhang zwischen Forschungsintensität
hohe Forschungsleistung. Der Zusammenhang und Absolventengehältern, und zwar über den Um-
leuchtet ein. Doch in den vergangenen Jahren häuf- weg der verbesserten Lehre und erhöhten Reputati-
ten sich in der MBA-Welt die Stimmen, die den on. „Wenn das Lehrpersonal nur Ergebnisse anderer
Gewinn der Forschung für Business-Schulen an- wiedergibt, dann ist das mit Sicherheit nicht so fun-
zweifelten und teilweise sogar für schädlich hielten, diert, als wenn das Wissen aus erster Hand stammt“,
weil sie von den eigentlichen Zielen der Ausbildung erklärt er. Den Einwand, dass die Lehre zu theore-
ablenkten. tisch werde und die gerade bei MBA-Programmen
Eine neuere Untersuchung des amerikanischen gepriesene Praxisnähe verloren gehe, lässt Bürkle
Ökonomen Peter Golder, Professor an der Tuck nicht gelten. Die Betriebswirtschaftslehre an sich
School of Business, und seinem Co-Autoren Deban- sei praxisnah, es drehe sich auch in der Theorie um
jan Mitra hat nun jedoch ergeben: Der Trend zu reale Themen der Betriebsführung. „Die BWL hat es
mehr Wissenschaft an Business-Schulen, der seit da sicher leichter, denn das Erkenntnisobjekt ist
den 60er-Jahren anhält, kommt deren Image zu- schließlich das Unternehmen.“
gute. Die Einschätzung des Harvard-Präsidenten Dass die Schule in Forschungsrankings für deut-
Eliot, dass sich Reputation allmählich, mit der Zeit sche Verhältnisse relativ gut abschneidet, hat auch
aufbaut, bestätigt die Studie ganz klar. Denn die damit zu tun, dass die Publikationen der Professoren
positiven Effekte auf Bewerber, Wissenschaftler am BWL-Institut der staatlichen Universität Mann-
und Personalchefs, so Golder und Mitra, zeigten heim in die Wertung einfließen. Viele der Professo-
sich vor allem langfristig – wobei langfristig hier in ren halten Seminare in beiden Einrichtungen. Nicht
den meisten Fällen nicht 100, sondern maximal staatlich angebundene Schulen müssen die
sechs Jahre meint. Forschung hingegen komplett aus selbst eingewor-
FTD/Marek Haiduk
Die European School of Management and Tech- benen Mitteln, Sponsorengeldern und Studien-
nology (ESMT) in Berlin wurde 2002 mit dem Ziel gebühren finanzieren. Unter den rein privaten Insti-
gegründet, eine international anerkannte Business- tuten spielt daher in wissenschaftlicher Hinsicht
Schule in Deutschland zu etablieren, die in der Wis- neuerdings die ESMT eine Rolle, einzig länger
senschaftswelt mitmischt und deren Professoren in dabei und etabliert ist aber die WHU in Vallendar.
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den wichtigsten US-Fachjournalen veröffentlichen. Universität Köln. Damit gehört sie in Deutschland bereits in einem international anerkannten Fach- Deren Stoßrichtung war mit der Gründung 1984
Generell gilt die Zahl der wissenschaftlichen Publi- zu den Top Fünf. blatt veröffentlicht haben. „Bei den meis- und dem Namen vorgegeben: Wissenschaftliche
kationen des Lehrpersonals als wichtiger Indikator Jörg Rocholl, Associate Dean of Faculty an der Das klingt gut – doch was haben die Studenten Hochschule für Unternehmensführung. WHU-Rek-
dafür, wie stark die Forschung ist. Je nachdem, was ESMT, erklärt das damit, dass die Hochschule die davon? Rocholl sieht den Nutzen für die Kursteil- ten läuft der tor Michael Frenkel glaubt, dass manche Studenten,
als wissenschaftliche Publikation gezählt wird, Forschung von Beginn an großgeschrieben und nehmer unter anderem darin, dass die Lehrinhalte Entschei- die sich für die Hochschule entscheiden, diesen
fallen Rankings allerdings sehr unterschiedlich aus. gefördert habe. „Wir bieten jährlich rund 50 inter- den aktuellsten wissenschaftlichen Stand wieder- Faktor berücksichtigen. „Aber bei den meisten läuft
Die Datenbank der University of Texas at Dallas nationale Forschungsseminare an, außerdem unter- geben. „Ich merke, dass die Studenten höchst inte- dungsprozess der Entscheidungsprozess ganz einfach über die Re-
(UTD) zum Beispiel wertet nur die 24 führenden stützen wir unsere Professoren dabei, an internatio- ressiert vor allem dann zuhören, wenn ich über über die putation. Einige Rankings lassen den Forschungs-
Journale der bedeutendsten ökonomischen Fachdis- nalen Konferenzen teilzunehmen und unterstützen meine eigenen Forschungsfelder, etwa Banken- output inzwischen ja in die Gesamtbewertung ein-
ziplinen aus. Der UTD-Erhebung nach hat sich die das finanziell.“ Professoren müssten jährlich regulierung oder Verkaufsmechanismen für Wert- Reputation“ fließen.“ Die Ausbildungsstätte räumt ihren Profes-
ESMT in den vergangenen Jahren steil nach oben 100 Stunden Lehre leisten, das sei vergleichbar mit papiere, unterrichte“, sagt der ESMT-Dean. Laut MICHAEL soren laut Frenkel gut 40 Prozent der Zeit fürs
bewegt. Während die Einrichtung in den Jahren führenden amerikanischen Universitäten. Golder-Mitra-Untersuchung ist der Nutzen aller- FRENKEL, wissenschaftliche Arbeiten frei. Denn Forschung ist
2005 und 2006 unter den 400 forschungsaktivsten „Und in den ersten drei Jahren ziehen wir davon dings auch sehr konkret messbar, nämlich in Form Rektor WHU nicht nur teuer und langwierig; man muss auch viel
Schulen weltweit nicht einmal auftaucht, steigt sie bis zu einem Drittel ab, damit junge Professoren die höherer Einstiegsgehälter: Absolventen verdienen forschen, damit am Ende etwas übrig bleibt, das sich
2007 und 2008 auf Platz 187 ein, um dann 2009 und Zeit haben, sich in die Forschung einzufinden“, sagt demnach bis zu 750 Dollar jährlich mehr als Absol- durchsetzt. Und darauf ist eine private Uni wie die
2010 auf Platz 176 hochzuklettern, knapp hinter die Rocholl. Wer sich als Professor bewerben will, sollte venten weniger forschungsfreudiger Institute. WHU besonders angewiesen.
www.ftd.de
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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND FREITAG, 29. APRIL 2011
MBA in Europa A3
Die Richtige finden
Basis Schulen, die in Qualitäts-
anspruch, Ausstattung und Stärke ihrer
Marke auf einem vergleichbaren Ni-
veau liegen, passen auch gut zusam-
men. Hier fällt es leicht, die Kräfte in
einem gemeinsamen Programm zu
bündeln.
Ziel Eine gute Partnerschaft entsteht
aus einer Situation der Stärke. Sie hat
das Ziel, den Teilnehmern ein breiteres
und besseres Programm zu bieten.
Partnerschaften dagegen, die nur die
Schwächen einer Schule verdecken sol-
len, sind aus Sicht der Studenten keine
attraktive Option.
Einsatz Verantwortliche aus allen
Schulen sollten sich für das gemein-
same Produkt einsetzen, eng bei seiner
FTD/Marek Haiduk
Weiterentwicklung zusammenarbeiten
und zu gleichen Teilen in das Programm
investieren.
Gemeinsam über Grenzen gehen
Schulen aus verschiedenen Ländern und Fachrichtungen arbeiten vermehrt zusammen – davon profitieren die Studenten
Der Wunsch nach inhaltlicher Die Rechnung scheint aus Teilneh- der Autoindustrie tätig. „Der MBA hat ten“, begründet der Controller, warum aus unpassenden. Diese Einsicht
Axel Gloger Spreizung des Angebots ist auch an mersicht aufzugehen. „Das neue Wis- meine persönlichen und fachlichen er diese Alternative nicht weiter ver- belegt ein Vorgang, der sich vor Jah-
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anderen Schulen ein guter Grund, sen konnte ich direkt einsetzen. Für Erfahrungen deutlich erweitert. Die folgt hat. Sein Weg in ein innovatives ren außerhalb des Bildungsmarkts ab-
Manchen Kunden ist das Beste noch neue Ehepartner zu suchen. Die FOM das Unternehmen bin ich als Mitar- perfekte Vorbereitung auf den nächs- Programm zeigt, dass die Schulen mit spielte: Die Bahn und Visa gingen
nicht gut genug. Breitling hat diesen verbündet sich derzeit mit chinesi- beiter attraktiver geworden“, sagt ten Karriereschritt“, preist Klüver die ihren angereicherten Angeboten rich- gemeinsam an den Markt, schufen
Wunsch nach mehr aufgegriffen – schen Hochschulen, um ihre Absol- Henning Klüver. Der Controller bei Ernte seines zweijährigen Einsatzes. tig liegen. Ob freilich jede Ehe von mit viel Werbeeinsatz eine kombi-
Käufern der Luxusuhren wird der Zeit- venten nicht nur auf das Business, der Mercedes Car Group nutzte gleich Ein normales Vollzeitprogramm Marken immer ein Erfolg wird, ist nierte Rabatt- und Bezahlkarte. Ob-
messer mit einer zweiten Marke auf- sondern auch auf den Zukunftsmarkt mehrere Standorte der IESE, um dort nach dem allgemeinen MBA-Stan- keineswegs sicher – aus mäßigen An- wohl das Produkt verschenkt wurde,
gewertet: Auf dem Zifferblatt glänzt China vorzubereiten. Limak, die den Global Executive MBA zu absol- dard wäre für Klüver nicht infrage bietern wird etwa auch durch eine Al- wollte es keiner haben – die Binde-
das Logo Breitling for Bentley. So Managerschule der Universität Linz, vieren. Zuvor war er bereits 15 Jahre in gekommen. „Zu hohe zeitliche Kos- lianz keine Topmarke. Ebenso wenig strichmarke erwies sich als Flop.
fühlt sich die Uhr auch noch wie ein wagte sich sogar noch weiter nach
schnelles Auto an. vorn. „Kunst verbündet sich mit
Breitling-Bentley ist das Indiz für Management“, so lautet das Credo
einen größeren Trend: Markenhoch- einer im vergangenen Jahr neu ein-
zeiten sind inzwischen auf vielen gegangenen Liaison. Der daraus ent-
Märkten gängig. Wer etwa zu seinem standene MBA der Fachrichtung Crea-
Rechner noch die Extraportion Gefühl tive Process Leadership wird aus zwei
will, kauft sich den Lamborghini-Lap- Fakultäten bespielt – von der Limak
top. Wem die Lila Pause nicht genug und der Kunstuniversität Linz.
ist, der greift zum Philadelphia- Die Programmbroschüre dieses
Frischkäse mit Milka-Geschmack. MBA-Studiengangs sieht aus, als soll-
Auch Bildungsanbieter machen ten hier Manager zu Künstlern hoch-
mit: „Auf dem MBA-Markt sind Alli- frisiert werden. Aber auf den zweiten
anzen inzwischen Standard“, be- Blick ist das Angebot durchaus zeit-
schreibt Karlheinz Schwuchow, Dekan geistig. „Die Manager sollen lernen,
der österreichischen Limak Business außerhalb der gewohnten Bahnen zu
School, die Entwicklung. Es gibt kaum denken“, sagt Professor Schwuchow,
eine Managerschule, die nicht koope- der für den neuen MBA verantwort-
riert. Die WHU bietet einen gemeinsa- lich ist. Künstler, Event-Veranstalter
men MBA-Abschluss mit der Kellogg und Regisseure treten in diesem Pro-
School, die Gisma verbündet sich für gramm neben den BWL-Professoren
ihren berufsbegleitenden Business- als Dozenten auf. „Das verändert die
Studiengang IMM mit gleich drei Mindsets“, sagt Schwuchow, kreative
weiteren Marken, darunter der Pur- Ansätze würden das sonst BWL-üb-
due University. Und der Trium MBA liche Denken in Marktanteilen und
zeigt in seinem Logo den Eiffelturm, Umsatzrenditen bereichern.
den Londoner Tower und das Empire Mit ihren innovativen Angeboten
State Building als Sinnbild von drei befreien sich die MBA-Schulen aus
Hochschulen, die einander die Hände der über Jahrzehnte währenden Enge.
reichen. Rigorose Auswahl der Studenten, ein
Aber was treibt die Schulen in den oder zwei Jahre Fallstudien und BWL
Wettlauf um immer neue Hochzeiten? büffeln, dann Graduation und Ab-
Sind es Zusammenschlüsse von Fuß- sprung in die Karriere: Dieses Modell
kranken, die gemeinsam wieder gilt seit der Finanzkrise nicht mehr als
laufen wollen? Oder haben Studenten das Nonplusultra der Management-
wirklich etwas von den Bindestrich- ausbildung. Die MBA-Schulen hegen
studiengängen? Der Blick auf die neue hier durchaus Selbstzweifel. „Wir
Allianz zwischen der ESCP Europe, müssen das Vertrauen in den MBA in
einer Wirtschaftshochschule in Ber- mancherlei Hinsicht wieder herstel-
lin, und der Hertie School of Gover- len“, sagte Dipak Jain, der neue Dekan
nance liefert darauf eine Antwort. Hier der Insead, auf einer Leadership-Kon-
können Studenten der beiden benach- ferenz an der IESE, die Anfang April in
barten Schulen Kurse der jeweils an- Barcelona stattfand. Seine Äußerung
deren mitbelegen. Das erweitert die zeigt, dass die Schulen auf der Suche
nach neuen Mehrwerten für ihre
............................................................................................................. Studenten sind.
„Die Manager sollen So wird es für die Studenten des
Multimarken-MBA der Gisma bald
lernen, außerhalb der einen weiteren Studienabschnitt ge-
gewohnten Bahnen ben. Zwei Wochen Mexiko-Stadt und
Puebla, dieser Programmpunkt steht
zu denken“ neu auf der Agenda des IMM, eines
internationalen, berufsbegleitenden
KARLHEINZ SCHWUCHOW,
Dekan Limak Business School
Business-Studiums. Auf der Suche
............................................................................................................. nach sinnvollen Ergänzungen fügten
die vier beteiligten Schulen dieses
wählbaren Inhalte – denn die Hertie Modul zusätzlich ein. „Unser Pro-
School bildet für Politik und öffent- gramm deckt damit alle wichtigen
liche Verwaltung aus, die ESCP für das Wirtschaftsregionen der Welt ab“,
Management. Wer in deren Executi- sagt Gisma-Leiterin Annegret Zu-
ve-MBA-Programmen auch Fächer an rawski, „Teilnehmer lernen ent-
der Politikschule belegt, wertet seine wickelte Regionen und Schwellenlän-
Ausbildung auf. der gleichermaßen kennen.“
„Teilnehmer entwickeln Schnitt- Auch die IESE verbreitert ihre Pro-
stellenkompetenzen“, sagt ESCP-Pro- gramme. Freilich wählt die spanische
fessorin Marion Festing, „sie lernen, Schule einen anderen Ansatz als ihre
wie eine Behörde tickt, wie in den öf- Wettbewerber: Sie kontrolliert die ge-
fentlichen Institutionen Entscheidun- samte Wertschöpfung selbst. Ihr Glo-
gen getroffen werden.“ Anwendbar ist bal Executive MBA ist ein Multi-Mo-
dieses neue MBA-Wissen sofort: Seit dul- und Multi-Standort-Programm,
der Finanzkrise mischt sich der Staat die Schule unterhält eigene Filialen in
wieder öfter in die Geschäfte der New York, Schanghai, Bangalore und
Unternehmen ein – Manager von im Silicon Valley, was die Globalität
morgen sollten deshalb wissen, wie des Programms sichert – auch ohne
Behörden und Regierungen funktio- den Rückgriff auf Partner, die ihre
nieren. eigene Marke einbringen würden.
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A4 MBA in Europa FREITAG, 29. APRIL 2011 FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
Für
besser aufgehoben. Das zeigt schon das Studenten-
profil: „Die MBAler kommen aus aller Herren Län-
der und mit allen möglichen Bachelor-Degrees“,
sagt Rudolf. Die Master-of- Science-Studenten hät-
ten dagegen einen BWL- oder allenfalls einen
jeden Typ VWL-Bachelor. Etwa 80 Prozent der Studierenden
kämen aus Deutschland, wogegen man im MBA-
Programm der WHU kaum auf drei Personen mit
der gleichen Nationalität treffe.
ein Master Wer also mit einem Bachelor in ökonomischer
Richtung abgeschlossen hat, muss sich entscheiden.
Entweder kann er mit einem Master-Studium wei-
termachen oder nach einigen Jahren Praxiserfah-
rung in ein MBA-Programm gehen. Hat sich der Kar-
Interessenten mit wenig rierestarter für ein Master-of-Science-Studium ent-
schieden, muss er sich wiederum überlegen, ob er
Berufserfahrung setzen auf das an einer Universität dem einer privaten Busi-
ness-Schule vorzieht.
den Master of Science in Das Studium an der Universität ist zwar günsti-
Management, Leute aus der ger, aber auch die guten Business-Schulen haben
ihre Vorteile: „Ein Master-of-Science-Studium an ei-
Praxis auf den MBA ner Business-School zahlt sich nicht nur durch die
internationalen Hochschulverbindungen oder das
weitreichende Alumni-Netzwerk aus, sondern auch
durch einen professionellen Career-Service“, sagt
Volker Stößel, Sprecher der privaten HHL Leipzig
Graduate School of Management. Die individuelle
FTD/Marek Haiduk
Betreuung und die Unternehmenskontakte eröffne-
ten deren Absolventen Einstiegsperspektiven, die
überdurchschnittlich sind und von Massenuniversi-
täten oft nicht geleistet werden könnten.
Allgemein sollten die Master-Anfänger bei der
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anmelden. Bestenfalls sollten die Studierenden vom ter-Absolventen mit guten Perspektiven für eine Auswahl der Hochschule für das Master-of-Science-
Oranus Mahmoodi
................................................................................................................................................................... Bachelor zum Master-of-Science-Programm über- Karriere in der Wissenschaft „MBA-Studen- Studium das Curriculum unter die Lupe nehmen.
laufen. Auf dieses dann noch einen MBA zu setzen, Der Master of Science in Management habe eine Werden etwa Praxisprojekte mit Unternehmens-
Die Verwirrung ist groß: Business-Schulen bekom- sei nicht empfehlenswert, rät Rudolf. Es sei eine ähnliche Grundlage wie der MBA, sei aber stärker ten sind eher partnern angeboten? Dass die WHU selbst über-
men zurzeit häufig Anrufe von Abiturienten, die ähnliche Ausbildung in einem späteren Stadium. reflexiv, erklärt auch Andreas Altmann, Geschäfts- Generalisten, haupt ein Master-Programm anbietet, liegt daran,
einen MBA und einen Master of Science in Manage- Der Master of Science ist forschungsorientiert führer des Management Center Innsbruck. Im Mas- dass sie eine private Institution ist. Die Mannheim
ment machen möchten – bestenfalls berufsbeglei- und soll die Grundlagen für den Ph.D. legen. Im ter-Programm werde Führungwissen hinterfragt. Master- Business School (MBS), der stärkste Mitbewerber
tend, beides zugleich und sofort. Immer wieder Master-Programm werde das Potenzial von Spe- Im Lehrstoff gehe es darum, Organisationsstruktu- Absolventen der WHU in Deutschland, offeriert nur MBA-Pro-
müssen die Vertreter der Schulen dann erklären, zialisten angesprochen, das Wissen gehe in die ren und Funktionsweisen von Märkten zu verste- gramme. Der Master of Science wird an der Mann-
warum das unmöglich ist. Tiefe, erklärt Jens Wüstemann, Präsident der hen. In Innsbruck und an anderen Business-Schulen eher Spezia- heimer Universität gelehrt. In der Regel bieten
Denn die beiden Programme haben zwar ähn- Mannheim Business School und Professor an der sei der Master theorieorientiert. listen“ Business-Schulen, die an Universitäten angeschlos-
liche Grundlagen, sprechen aber verschiedene Ziel- Universität Mannheim. Der Lehrstoff für MBAler Im MBA hingegen steht die Praxis im Mittel- sen sind, keinen Master an. So offeriert die Said
gruppen an. MBA-Programme richten sich grund- gehe dagegen in die Breite. „MBA-Studenten sind punkt. Hier lernen die Studenten Konfliktmanage- JENS Business School den MBA und die angeschlossene
WÜSTEMANN,
sätzlich an Studierende, die schon eine mehrjährige eher Generalisten, Master-Absolventen eher Spe- ment und werden stärker im Bereich der Soft Skills University of Oxford den Master of Science.
Präsident Mannheim
Berufserfahrung haben. Dementsprechend möch- zialisten“, sagt er. Der Mannheim Master in Ma- unterrichtet. An der WHU lässt Rudolf die Studie- Wie immer die Entscheidung ausfällt, die Wahl
Business School
ten MBAler aus dem Studium Erkenntnisse ziehen, nagement stehe in der Tradition der klassischen renden im MBA-Programm gruppenweise Fälle der Hochschule oder der Business-Schule ist letzt-
die sie relativ schnell in die Praxis umsetzen könn- deutschen Diplom-Betriebswirtschaftslehre. Die bearbeiten. „Die MBA-Studenten wollen immer die lich wichtiger als die des Programms. Ein Master in
ten. „Master-of-Science-Studenten haben idealer- Regelstudienzeit beträgt – wie in den meisten Pro- Anwendung sehen“, sagt er. Für Studierende, die Management an einer renommierten Hochschule
weise keine Berufserfahrung“, sagt Markus Rudolf, grammen – vier Semester. Die starke Forschungs- nicht unbedingt in die oberste Führungsliga möch- ist bei Weitem mehr Wert als ein MBA an einer
Prorektor der WHU Otto Beisheim School of Ma- orientierung könne die Studierenden genauso zu ten, reicht eine Spezialisierung in einem Master-of- mittelmäßigen Business-Schule. Der Karriereweg
nagement. Sobald jemand mehr als zwei Jahre gear- einer wissenschaftlichen Karriere animieren. Auch Science-Programm völlig aus. Wer mehr Interna- ist weder für MBAler noch für Absolventen von
beitet hat, braucht er sich bei der WHU erst gar nicht an der WHU in Vallendar rechnet man für die Mas- tionalität wünscht, ist bei einem MBA-Programm Master-Programmen in Stein gemeißelt.
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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND FREITAG, 29. APRIL 2011
MBA in Europa A5
Barbara Domschky
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Der Weg von der Weinbranche zu den erneuerbaren
Messe war
gestern,
Energien verlief für Nhu-Ly Hilber über einen MBA.
Nach sechs Jahren als Key Account Manager eines
größeren Weinunternehmens begann die Agrarwis-
senschaftlerin im September 2009 einen einjähri-
gen Vollzeit-MBA an der Tias Nimbas Business
School in Utrecht. Die deutsch-niederländische
Hochschule gehört seit mehr als 20 Jahren zu den
international führenden Business-Schulen und ist
an fünf Standorten, unter anderem in Taipeh, ver-
jetzt geht’s
ins Netz
treten. Für diese Schule entschieden hatte sich
Hilber nach intensiver Internetrecherche und nach-
dem sie einige Infoveranstaltungen von Hochschu-
len besucht hatte. Ausschlaggebend bei ihrer Ent-
scheidung war auch die freundliche und kompe-
tente Beratung in Utrecht. „Ich wollte nicht nur eine
Nummer sein, sondern einen persönlichen Kontakt
Erste Informationen über
mit Schulleitung und Professoren haben“, erläutert Business-Schulen holen sich
Hilber. Ein Messebesuch schien ihr als Entschei-
dungshilfe daher wenig hilfreich. Interessenten heute via
Den Wunsch der Interessenten nach einer inten-
siven persönlichen Beratung haben auch die renom- Internet – um dann direkt mit
mierten Business-Schools erkannt. Längst reicht
die bloße Präsentation der eigenen Vorzüge nicht der Wunschschule zu reden
FTD/Marek Haiduk
mehr aus. „Informationsmessen sind deutlich im
Abwärtstrend“, sagt Peter Augustin, Leiter der
Öffentlichkeitsarbeit an der WHU Otto Beisheim
School of Management in Vallendar bei Koblenz.
Die Schule kooperiert mit mehr als 150 Partner-
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schulen weltweit und wurde als eine der wenigen vergangenen Monaten in Nord- und Südamerika, MBA-Messe organisiert die QS World MBA Tour Auf diesen Trend haben die Messeorganisatio-
deutschen Hochschulen mit der begehrten Triple „Das persön- Russland und Deutschland präsent war. Die Hoch- ganzjährig Veranstaltungen auf allen Kontinenten nen mittlerweile reagiert. Waren früher zehn Minu-
Crown, den drei wichtigsten internationalen Güte- schule wurde 1889 gegründet und erhielt 2004 als und bietet zusätzlich mit ihrer World Executive ten das Maximum für ein persönliches Gespräch,
siegeln, ausgezeichnet. Nach ersten Recherchen
liche Kennen- erste deutsche private Hochschule die Akkreditie- MBA Tour eine spezielle Anlaufstelle für die Weiter- bietet heute auch die QS World MBA Tour Einzelge-
über die Internetseite der Hochschule und Gesprä- lernen, etwa rung der amerikanischen Organisation AACSB. Für bildung von Führungskräften. In einem etwas klei- spräche an und kombiniert ihre Basisveranstaltun-
chen mit Ehemaligen suchten die Kandidaten eher Jana Vogel, Marketingleiterin der HHL, sind Infor- neren Rahmen finden in Deutschland zweimal im gen mit medienübergreifenden Angeboten wie On-
das direkte Gespräch mit ihrer Wunschschule als durch Cam- mationsmessen für die Interessenten noch immer Jahr die MBA Days des Karrierenetzwerks E-Fel- lineporträts, Kontaktübermittlung und Anzeigen.
den kurzen Kontakt auf einer Messe. pusbesuche, eine gute Gelegenheit, um eine grobe Einschätzung lows.net statt. Über die Messen hinaus umwerben Bei den MBA Days von E-Fellows.net liegt der
Diese Einschätzung teilt Sabine Staritz, Leiterin über den Markt zu gewinnen, gebündelt erste die Schulen ihre Kandidaten mit regelmäßigen Fokus schon von Anfang an auf der Exklusivität der
der Abteilung Marketing, Sales & Corporate Relati- ist am Ende Gespräche zu führen und die eigenen Chancen aus- Campusveranstaltungen wie dem Tag der offenen Veranstaltungen. Das Karrierenetzwerk, das unter
ons der Mannheim Business School, eine von der oft der aus- zuloten. Doch das reiche den Business-Schools Tür, speziellen Informationstagen zu den unter- anderem auch Stipendien vergibt, wählt seine Be-
betriebswirtschaftlichen Fakultät der Universität letztlich nicht, um Anwärter für sich zu gewinnen. schiedlichen MBA-Programmen sowie über soziale werber größtenteils aus dem eigenen Stipendiaten-
Mannheim gegründete Schule für Management- schlaggeben- „Das persönliche Kennenlernen, zum Beispiel durch Medien und Netzwerke wie Xing oder Facebook. pool sowie aus anderen registrierten Mitgliedern
weiterbildung, die drei verschiedene MBA-Studien- de Punkt“ Campusbesuche, ist am Ende oft der ausschlag- Vornehmliches Ziel einer jeden Business-School ist aus. Zwischen 100 und 140 Interessenten werden
gänge anbietet. Messen seien zwar weiter ein Teil gebende Punkt“, gibt sich Vogel überzeugt. heute, möglichst frühzeitig durch eine individuelle dann mit rund 20 Schulen zusammengebracht. Auf
des Marketingplans der Schule, aber kein domi- JANA VOGEL, Viele Hochschulen haben ihre Messepräsenz in Beratung die Verbundenheit der Interessenten zur klassische Werbemaßnahmen kann dabei zuneh-
nierender. Vor allem die wichtige Zielgruppe der Marketingleiterin HHL den vergangenen Jahren reduziert und setzen nun Hochschule zu steigern. Auch wenn Messen noch mend verzichtet werden. Das Konzept „Die Besten
Bewerber mit mehreren Jahren Berufserfahrung in- verstärkt auf einen Marketingmix aus Online- und immer einen wichtigen Kern in den Marketingstra- treffen die Besten“ läuft gut, berichtet Christian
formiere sich zunehmend über andere Kanäle. Offlinekanälen, mit dem sie auf die speziellen Be- tegien der Business-Schools bilden, werden sie der- Lippl, Leiter der Abteilung Marketing und Stipen-
Die Handelshochschule Leipzig (HHL) ist nach dürfnisse ihrer Zielgruppen einzugehen versuchen. zeit verstärkt von Angeboten wie Probevorlesungen diatenbetreuung: „Wir haben mehr Anfragen als wir
eigenen Angaben nach wie vor auf der QS World So sind die Schulen meist nur noch auf ausgewähl- und vor allem persönlichen Beratungsgesprächen zulassen.“ Dieses Jahr habe sich sogar Cambridge
MBA Tour vertreten, in deren Rahmen sie in den ten Messen vertreten. Als größte internationale mit Mitarbeitern oder Ehemaligen flankiert. angemeldet.
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A6 MBA in Europa FREITAG, 29. APRIL 2011 FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
Alexander Tanner
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Mehr Programme, mehr Studenten
In der Finanzkrise haben Investmentbanker Milli- Europa Nicht nur die Zahl der Studenten, auch die
arden versenkt, Fondsmanager haben sich verzockt, Anzahl der Programme steigt deutlich. In Deutschland
Banken sind unter staatliche Rettungsschirme gibt es inzwischen rund 6000 Studierende und 280
geflüchtet. Die Öffentlichkeit schreit deshalb nun MBA-Programme mit unterschiedlichen Schwerpunk-
nach Managern mit ethischen Grundsätzen und ten bei 138 Business-Schools. Führend ist der briti-
sozialem Verantwortungsbewusstsein. „Soft Skills sche Markt mit etwa 120 Schulen, mehr als 350 Pro-
wie Integrität, Geradlinigkeit und Zuverlässigkeit grammen und 32 500 Studenten. Die Zahl der Schulen
sind gefragt. Und ein breit aufgestelltes Fachwis- in Europa insgesamt wird auf rund 500 beziffert.
sen“, sagt Karriereexperte Claus Müller-Thurau aus
Hamburg, der Unternehmen und Bewerber berät. USA Weltweiter Spitzenreiter sind nach wie vor die
Europäische Business-Schools sollen in ihren Vereinigten Staaten. Etwa 1000 Business-Schools
MBA-Programmen Manager mit den genannten bieten 290 000 Studenten mehr als 3000 Program-
Charakterzügen ausbilden. Doch die Schulen und me. Jährlich machen rund 120 000 Studenten einen
ihre Lehre sehen sich grundsätzlicher Kritik aus- MBA-Abschluss, insgesamt gibt es bereits drei Millio-
gesetzt. Ethik, Nachhaltigkeit und Verantwortungs- nen Absolventen. Auch mehrere Hundert Deutsche
bewusstsein seien nicht konsequent genug in die sind in den USA für ein MBA-Studium eingeschrieben.
Lehre integriert, heißt es von vielen Seiten.
Ein Indiz für die Qualität der Ausbildung von MBA-Anbieter in Europa
verantwortungsbewussten Managern kann schon Anzahl der Schulen und Studienplätze in ausgewählten Ländern
die Auswahl der Studenten sein. Bekannte Institute Schulen Studienplätze/Studierende
wie die HHL Leipzig Graduate School of Manage-
ment, die European Business School (EBS) in Deutschland 138
Oestrich-Winkel, die St. Galler Business School oder 6000
auch die Mannheim Business School pochen auf
Großbritannien 120
harte Auswahlkriterien. Sie fordern zumeist Berufs-
32 500
erfahrung, breites Fachwissen und einen ersten Stu-
dienabschluss. Sehr gute Englischkenntnisse und Frankreich 60
FTD/jst; Quellen: MBA-Guide.de, Education Consult, Stand: Nov. 2010
ein erfolgreich absolvierter Graduate Management 3500
Admission Test sind obligatorisch. Ansonsten ach-
ten die Schulen auf eine stimmige Persönlichkeit. Spanien 40
Wer ausschließlich die persönliche Karriereleiter im 2000
Blick habe, hat an der Mannheimer Schule
Schweiz 40
schlechte Karten, sagt zumindest deren Präsident
1000
Jens Wüstemann. Und Christian Abegglen, Ge-
schäftsführender Direktor der St. Galler Business Niederlande 25
School, stellt fest: „Neben einem kritischen Geist 1500
FTD/Marek Haiduk
erwarten wir menschliche Reife und gefestigte ethi-
sche Werte.“ HHL-Rektor Andreas Pinkwart er- Österreich 15
gänzt, ein angehender Student zeichne sich durch 600
ein hohes Maß an Teamfähigkeit gepaart mit inter-
kulturellen, kommunikativen und sozialen Kompe- ropean Foundation for Management Development
tenzen aus. Diesen recht breiten Katalog an nicht und der britischen Association of Business Schools.
ganz einfach zu identifizierenden, aber gewünsch- In einem Ranking der von Studenten für nützlich
Mammon vor Moral
ten Charakterzügen prüfen die Institute anhand von befundenen Lerninhalte findet sich auch das Thema
Bewerbungs- und Empfehlungsschreiben sowie in Ethik – mit wenigen Prozent Zustimmung ganz am
persönlichen Gesprächen. Ende der Liste. „Ethik und Moral laufen bei vielen
Bei der inhaltlichen Ausbildung sehen die Ver- unter ferner liefen und werden eher abgelehnt“,
antwortlichen ihre Schulen gut aufgestellt. Pflicht- stellt Berater Kran fest. Grund dafür sei auch das
kurse in Ethik und ein soziales Projekt haben an der Business-Schools sollen verantwortungsbewusste Manager Marketing der Business-Schulen. Diese versprä-
Mannheimer Schule auch schon lange vor der chen in erster Linie, dass MBA-Absolventen 40 Pro-
Finanzkrise zum Standardprogramm gehört, beteu-
mit breitem Fachwissen ausbilden. Ethische Aspekte spielen zent mehr verdienen könnten. Es sei daher kein
ert Wüstemann. Ursachen und Auswirkungen der in der Lehre und bei den Studenten aber oft nur eine Nebenrolle Wunder, dass bei den Studierenden vorrangig
Krise würden zudem in den Lehrveranstaltungen betriebswirtschaftlich gedacht werde.
diskutiert. Die HHL Leipzig hat nach Auskunft von Je mehr sich die Finanzwirtschaft erhole, desto
Rektor Pinkwart schon 2004 einen Lehrstuhl für stärker würden Ethik und Nachhaltigkeit in der
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Wirtschafts- und Unternehmensethik eingerichtet. nebenher laufen.“ Sie müssten Grundlage der Lern- sektor habe trotz Krise kaum an Attraktivität für die Lehre wieder an Bedeutung verlieren, fürchtet Kran:
Und an der EBS beschäftigten sich Studenten im inhalte sein. Und Detlev Kran, Inhaber von Educa- Studenten eingebüßt. Die Mannheimer Schule und „Das dümpelt „Das dümpelt vielerorts langsam vor sich hin.“
Modul Leading Responsibly mit gegensätzlichen tion Consult in Brühl, der Hochschulen in Sachen die HHL beziffern ihre Quoten auf jeweils zehn bis Dabei geht es gerade für die renommierten Schulen
Zielen wie kurzfristiger Gewinn versus langfristige Qualitätsmanagement berät, mahnt: „Diese The- 15 Prozent. MBA-Absolventen europäischer Schu- vielerorts im Wettbewerb um Studenten, Dozenten und Spon-
Nachhaltigkeit, berichtet EBS-Dekan Rolf Tilmes. men müssen zwingend in jedem einzelnen MBA- len streben vor allem in Beratungen, Konzerne oder langsam vor soren um sehr viel – im immer diffuser werdenden
Experten wie Birger Priddat, Ökonom und Philo- Lehrschwerpunkt Berücksichtigung finden – sei es mittelständische Unternehmen – doch auch dort Überangebot an MBA-Programmen müssen sie
soph an der Universität Witten/Herdecke, begrüßen bei Strategie, Führung oder Marketing.“ sind Nachhaltigkeit und Ethik feste Grundsätze, die sich hin“ ihren qualitativen Wert verteidigen. „Natürlich
zwar, dass die Schulen die Aspekte Ethik, Nachhal- Besonders in der Finanzindustrie scheinen mehr mit der Krise neben Renditestreben und Kosteneffi- DETLEV KRAN,
müssen sie letztlich aber vor allem schwarze Zahlen
tigkeit und Verantwortung stärker thematisieren nachhaltig-denkende Manager vonnöten, die nicht zienz wieder stärker in den Fokus gerückt sind. Inhaber schreiben“, stellt Ökonom Priddat nüchtern fest.
und auch bereits vor der Krise in die Lehrpläne auf- nur den schnellen Profit im Auge haben. Allerdings Mangelnde Ernsthaftigkeit in Bezug auf ethi- Education Consult Doch in Zeiten, in denen sich gute Manager in
genommen haben. Die Themen blieben aber immer bilden die Business-Schools nicht in erster Linie für sche Werte scheint sich aber nicht nur in der Lehre der öffentlichen Diskussion nicht ausschließlich
eine Randerscheinung, kritisieren sie. In der öffent- die Finanzbranche aus. Einen relativ hohen Anteil zu finden, sondern auch bei den Studenten vorhan- durch großen wirtschaftlichen Erfolg, sondern nicht
lichen Diskussion zu den Ursachen der Finanzkrise hat die Zunft bei der EBS im Rheingau: „Etwa den zu sein. Das legt zumindest eine Befragung von zuletzt auch durch nachhaltiges Management aus-
standen sie dagegen stets im Zentrum. Priddat 20 Prozent unserer Absolventen gehen in die 723 MBA-Kandidaten aus den Jahren 2009 und zeichnen, können und müssen die Schulen ihrer
fordert eine konsequentere Integration: „Kurse zu Finanzbranche oder verwandte Beschäftigungs- 2010 nahe, durchgeführt vom Marktforschungs- gesellschaftlichen Verantwortung ebenfalls gerecht
Ethik und Nachhaltigkeit dürfen nicht einfach nur felder“, berichtet EBS-Dekan Tilmes. Der Finanz- institut Carrington Crisp in Kooperation mit der Eu- werden.
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FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND FREITAG, 29. APRIL 2011
MBA in Europa A7
FTD/Marek Haiduk
Auf den Zug
nen osteuropaspezifischen, stellt der MBA mit Fokus unter anderem auf die Doing Business in Central and Eastern an der Wirtschaftshochschule sogar
32-Jährige fest. Das Programm bein- Wachstumsmärkte Russland, China Europe wählen. Dieses findet an der noch ein ganz eigenes, deutschspra-
haltet etwa Finanzen, IT und Marke- und Indien für 60 000 Euro an, sowie Partnerhochschule in Kiew statt, chiges Central European MBA-Pro-
ting. Themen wie Globalisierung und einen 18-monatigen Teilzeit-Execu- Dozenten aus der Ukraine und ande- gramm absolvieren. Doch ab diesem
gen Osten
die Märkte von Central and Eastern tive-MBA. Neben der inhaltlichen ren CEE-Ländern unterrichten dort. Jahr geht dieser Kurs im European
Europe (CEE) runden das Programm Qualifikation spricht für ein Pro- „Wir fördern somit das Verständnis für Executive MBA-Programm auf, mit
ab. Außerdem steht neben Modulen in gramm in Moskau, dass Teilnehmer die Diversität der Märkte und Kultu- der Möglichkeit, das Zusatzmodul zu
den USA und China ein Modul in dadurch ein Netzwerk aufbauen. ren. Ferner dient das Auslandsmodul belegen. „Im Zuge der erfreulichen
St. Petersburg auf dem Lehrplan, in Beziehungen spielen in Russland dem so wichtigen Kontaktaufbau und wirtschaftlichen Entwicklung nach
springen dem Russland als Transformations-
land behandelt wird. Dekan Schlegel-
milch beobachtet denn auch, dass
viele Kursteilnehmer bei Firmen be-
nämlich weiterhin eine große Rolle.
Wer sich mit dem MBA zugleich
Osteuropakenntnisse aneignen will,
wird allerdings auch an Business-
Austausch mit gleichgesinnten Füh-
rungskräften“, sagt Marion Festing,
Akademische Leiterin des European
Executive MBA an der ESCP Europe.
der EU-Osterweiterung hat die ESCP
Europe ihr Executive-MBA-Angebot
konsolidiert“, erläutert Festing. Mit
anderen Worten: Die beiden Teile
Bei MBA-Programmen mit Osteuropa- schäftigt sind, die in Osteuropa inves- Schulen in Deutschland fündig. Die Das Interesse an Osteuropa ist Europas gleichen sich an, und in nicht
tieren oder Investitionen dort planen. Teilnehmer des European Executive groß: Aktuell hätten rund die Hälfte allzu ferner Zukunft wird ein Osteuro-
schwerpunkt können Studenten wichtige Das gilt ebenso für die Bled School MBA an der ESCP Europe in Berlin der Teilnehmer in Berlin das Zusatz- pa-MBA so überflüssig sein wie etwa
of Management/International Exe- zum Beispiel können das Zusatzmodul modul gewählt. Bis 2010 konnte man ein Frankreich-MBA.
Kontakte in die aufstrebenden Staaten cutive Development Center (IEDC) in
Slowenien. Der Düsseldorfer Konsum-
knüpfen. Angebote gibt es dort, aber auch güterhersteller Henkel, auf Wachs-
tumskurs in CEE, hat seine Manager
in Deutschland hier ausbilden lassen. Die Business-
Schule, idyllisch am Bleder See gele-
gen, gilt heute als das beste Institut
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der Region. Auf Initiative der sloweni-
Nava Ebrahimi „Wir fördern das schen Wirtschaftskammer nahm sie
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1986 als erste Managementschule in
Wer sich für Osteuropa interessiert Verständnis für Zentral- und Osteuropa den Betrieb
und mit dem Gedanken spielt, ein die Diversität der auf, mittlerweile hat sie angesehene
MBA-Programm zu absolvieren, das Partner wie Insead in Paris und IMD
sich auf diesen Teil des Kontinents Märkte und Kulturen“ in Lausanne gewonnen. Ihr Fokus
spezialisiert, der sollte sich zunächst MARION FESTING,
liegt auf Managern, die eine Karriere
mit der Frage beschäftigen: Wo fängt Akademische Leiterin ESCP Europe im Dreieck Ljubljana-Kiew-Istanbul
Osteuropa an? „Ich kenne einen Ma- anstreben. Von den 3500 Studenten
nager, der stets zwei verschiedene pro Jahr stammen laut Schulleitung
Powerpoint-Präsentationen vorberei- 80 Prozent nicht aus dem kleinen
tet. Wenn er vor westeuropäischem Balkanstaat. Davon wiederum kämen
Publikum spricht, gehört Wien zu 40 Prozent aus west-, 50 Prozent aus
Westeuropa, vor osteuropäischem Pu- osteuropäischen Ländern. Dass die
blikum ist Wien schon Teil der Region IEDC auch bei Deutschen, Franzosen
Mittelosteuropa“, sagt Bodo Schlegel- und Italienern gut ankommt, mag un-
milch, Dekan der Wirtschaftsuniversi- ter anderem mit den deutlich niedri-
tät (WU) Executive Academy in Wien. geren Kursgebühren zusammenhän-
Tatsächlich kommt Österreich und gen: Zahlt man für den 14-monatigen
speziell Wien eine Art Mittlerrolle Executive MBA in Wien 39 000 Euro,
zwischen Ost und West zu. Wegen der muss man in Bled für das einjährige
Geschichte, einige Länder waren Teil Programm nur 23 000 Euro ausgeben.
der Monarchie, und heute, weil sich Fallstudien, die Stoff für den Un-
viele österreichische Unternehmen in terricht liefern, und der Erfahrungs-
osteuropäischen Ländern engagieren, austausch zwischen den Kursteilneh-
etwa die Erste Bank und der Mineral- mern vermitteln Osteuropakompe-
ölkonzern OMV. Das spiegelt sich in tenz; auch, wenn das nicht explizit
der Zusammensetzung der Klassen an Teil des Curriculums ist. Dafür stehen
der WU Executive Academy in Wien neben den Standardmodulen Fächer
wider, die mit dem internationalen wie Wirtschaftsethik und Arts and
Qualitätsgütesiegel Association of Leadership auf dem Lehrplan. Dazu
MBAs (AMBA) versehen ist. Von den lädt die Schule Künstler ein, deren
41 Teilnehmern des Kurses, der Ende Unterricht zum Nachdenken über
März begonnen hat, stammen 14 aus kreative Personalführung und Strate-
sieben verschiedenen osteuropäi- ....................................................................................................... gieentwicklung anregen soll.
schen Staaten, 16 Teilnehmer aus IMPRESSUM
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Platz für viel Kreativität und vor
Österreich, drei aus Deutschland. allem steile Karriereaussichten be-
Dieser Studentenmix hat unter an- Financial Times Deutschland scheinigen Kenner Nachwuchsmana-
Am Baumwall 11 · 20459 Hamburg · Tel. 040/37 03-0
derem dazu geführt, dass sich Damir www.ftd.de; E-Mail: leserservice@ftd.de gern, die den Schritt nach Russland
Haramina im vorigen Jahr für den wagen. Der anhaltende Boom der
Redaktion: Volker Bormann (verantw.), Johanna Hergt,
Executive MBA (Global) der WU ent- Thomas Strohm Wirtschaft, befeuert von hohen Roh-
schieden hat. „Die Zusammensetzung Gestaltung: Nicolai Gogoll stoffpreisen, führt dazu, dass qualifi-
Bildredaktion: Christian Kollrich
der Gruppe war derart, dass viele Stu- Infografik: Jens Storkan
zierte Führungskräfte fehlen – mit der
denten aus Ländern wie der Slowakei, Bildbearbeitung: FTD-Bildbearbeitung Folge, dass selbst mittlere Manager-
Rumänien, Bulgarien, Russland, Chefin vom Dienst: Dr. Hiltrud Bontrup gehälter in den vergangenen Jahren
Korrektorat: Kirstin Oehme-Mattheis
Slowenien und Kroatien stammen, in die Höhe geschossen sind. Den
Verlag: G+J Wirtschaftsmedien GmbH & Co. KG Nachwuchs liefern die Business-
sodass dadurch bezüglich persön- Geschäftsführer: Dr. Bernd Buchholz, Ingrid M. Haas
licher Erfahrungen und Diskussions- Postanschrift: Brieffach 02, 20444 Hamburg Schulen, die nach und nach entstehen,
themen sehr häufig die Lage in diesen Verlagsleiter: Jan Honsel, Albrecht von Arnswaldt die meisten davon in Moskau.
Gesamtanzeigenleiterin: Helma Spieker
Ländern zur Sprache kommt“, sagt er. Anzeigenleiter: Jens Kauerauf (FTD, htsi, enable), Eines der ambitioniertesten Pro-
Haramina ist in Ludwigsburg bei Martina Hoss (Capital, impulse, BÖRSE ONLINE), jekte ist die Skolkovo School of Ma-
E-Mail: sonderthemen@ftd.de nagement im Westen der russischen
Stuttgart geboren und aufgewachsen. Syndication: Picture Press Bild- und Textagentur GmbH,
Inzwischen lebt er als Geschäftsführer Koordination: Petra Martens, Anfragen: Isabella Kamauf, Hauptstadt, finanziell unterstützt von
einer Tochtergesellschaft des öster- Tel. 040/37 03-2590, E-Mail: kamauf.isabella@picturepress.de Milliardären wie dem FC-Chelsea-
reichischen Bauunternehmens Habau „Financial Times“, „Financial Times Deutschland“ and „FTD“ are Besitzer Roman Abramowitsch und
Hoch- und Tiefbaugesellschaft in registered trade marks of The Financial Times Limited and used politisch von ganz oben gefördert. Die
under licence.
Kroatien, wo seine Eltern ursprüng- Gründer orientieren sich an Elite-
lich herkommen. Generell habe der Druck: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg; BZV schmieden wie Harvard oder der Lon-
Berliner Zeitungsdruck GmbH, 10365 Berlin; Druck- und Verlags-
berufsbegleitende Executive MBA zentrum GmbH & Co. KG, 58099 Hagen; Mannheimer Morgen don Business School. Die Schule bie-
eher einen globalen Charakter als ei- Großdruckerei und Verlag GmbH, 68167 Mannheim tet etwa einen 16-monatigen Vollzeit-
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A8 MBA in Europa FREITAG, 29. APRIL 2011 FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
Auf Klassenfahrt
in Chinas
Autofabriken
Trips ins Ausland gehören mittlerweile fest zu
FTD/Marek Haiduk
allen MBA-Programmen. Dort besuchen die
Studenten Firmen und Kurse an Partnerunis
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in Indien und direkt im Anschluss können die Schulen so die Internatio- zum Studienprogramm in Deutsch- absolviert wird. Je nach Programm be-
Melanie Hofmann
........................................................................................................................ zwei Wochen in China. Dort haben die nalität bieten, die sonst nur im zeitin- „Wesentlich ist für uns, land. Im zweiten Jahr folgt dann die suchen die Studenten der Mannheim
MBA-Studenten Partneruniversitäten tensiven Auslandssemester möglich Reise nach Indien und China – direkt Business School verschiedene Länder
Kathryn Farrow kann ihre Eindrücke besucht, an Vorlesungen teilgenom- ist. Während des Aufenthalts stehen vor Ort zu zeigen, wie nacheinander, jeweils zwei Wochen. und Städte für ihre Residencies: Der
von Indien noch gar nicht richtig in men und internationale, aber auch vor allem Unterricht an Partner- es wirklich läuft“ Je nach Zielland sind die Inhalte Wochenkurs beispielsweise fährt
Worte fassen: „Es war einfach so einheimische, Unternehmen besucht. universitäten und Unternehmens- angepasst: In Indien liegt der Fokus nach Paris und Oslo, dann nach Asien.
beeindruckend“, erinnert sich die „Ich war baff, als ich den Campus von besuche auf dem Programm. JÜRGEN WEIGAND, vor allem auf Social Entrepreneurship So viele Möglichkeiten haben die
Studentin der WHU Otto Beisheim Infosys in Bangalore gesehen habe – „Auslandsaufenthalte sind bei uns Akademischer Direktor WHU und Non-Profit-Organisationen, in Studenten des berufsbegleitenden
School of Management. „Der Kultur- die Größe ist einfach unvorstellbar“, seit vielen Jahren voll ins Programm China besuchen die Gruppen Indus- MBA an der Handelshochschule Leip-
unterschied war sehr prägnant, aber sagt Farrow. integriert“, bestätigt Jürgen Weigand, trieunternehmen wie Hyundai oder zig (HHL) nicht. Sie können nur ein
auch der Unterschied zwischen Reich Kurztrips ins Ausland sind inzwi- Akademischer Direktor der MBA-Pro- Henkel. Kathryn Farrows Klasse hat Auslandsmodul absolvieren. „Kurz vor
und Arm – trotzdem waren die Leute schen an fast allen Business-Schools gramme an der WHU. Zunächst besu- schon im Vorfeld des Chinabesuchs Ende des Programms bieten wir unser
so positiv, genügsam und gelassen.“ in Deutschland ein fester Bestandteil chen die Studenten die Kellogg School Fallbeispiele zu den Firmen vor Ort Global Immersion Seminar an“, sagt
Farrow war erst vor wenigen Wochen des MBA-Programms – vor allem im of Management und haben dort zwei bearbeitet – und musste die Ergeb- Torsten Wulf, Akademischer Direktor
mit ihrer Uniklasse für zwei Wochen berufsbegleitenden Executive-MBA Wochen lang Kurse, komplementär nisse dann vor Ort präsentieren. „Es des MBA-Programms an der HHL. Da
hat wirklich nochmal ein neues Licht es hierbei vor allem um die Erfahrun-
auf die Dinge geworfen“, sagt Farrow. gen an einer anderen Business-School
Und genau das erhofft sich ihre Busi- im Ausland gehen soll, schickt Wulf
ness-School auch davon: „Die meisten seine Studenten nach Boston. Hier
unserer Teilnehmer haben schon Aus- haben sie Vorlesungen und Kurse an
landserfahrung. Aber wesentlich ist namhaften Hochschulen wie dem
für uns, das mit Inhalten zu verbinden MIT, der Howard Business School
und dann vor Ort zu zeigen, wie es oder der Tufts University. „Es war ein
wirklich läuft“, erklärt Weigand. Cluster international renommierter
Die Auslandskurse gibt es auch für Business-Schulen“, sagt Christina
Vollzeit-MBAler: Die WHU setzt auf Dier, MBA-Absolventin der HHL.
Gruppenerlebnis statt individuellen „Und sehr interessant, dass wir uns
Austausch. „Semesteraufenthalte ma- mal mit anderen Business-Schulen
chen im Bachelor und im Master of vergleichen und in andere Lehrpläne
Sience Sinn, aber im postgraduellen und die Atmosphäre im Ausland rein-
MBA ist das Lernen in der Gruppe schnuppern konnten.“ Für Dier beson-
sicher interessanter“, sagt Weigand. ders interessant: Zu sehen, dass die
Auch Roswitha Kreller ist begeis- HHL international mithalten könne.
tert von ihrer ersten Residency zu- Das Programm in Boston war
rückgekehrt. So werden die Auslands- straff: „Wir waren jeden Tag erst an
trips an der Mannheim Business den Unis und haben dann abends noch
School genannt. Kreller und ihre Klas- Unternehmen besucht.“ Diese haben
senkameraden waren fünf Tage unter- sie selbst ausgesucht. Als einzige deut-
wegs, erst in Brüssel und dann in Rot- sche Business-School sind hier die
terdam. In der europäischen Haupt- Studenten maßgeblich an der Organi-
stadt ging es um die EU: Lobbying, sation des Trips beteiligt: Sie wählen
Europäische Kommission, Parlament. den Programmablauf aus und können
„Wir konnten vorher auswählen, eigene Kontakte nutzen, welche
welche Sprecher wir treffen wollten, Firmen vor Ort besucht werden. „Aber
in welche Richtung es inhaltlich also natürlich hat uns die HHL vor allem
gehen sollte“, erinnert sich Kreller. In bei den Universitäten mit wichtigen
Rotterdam wurde das Thema Supply- Kontakten unterstützt“, sagt Dier.
Chain-Management behandelt. So Der universitäre Teil ist für den
besuchte die Gruppe den Hafen und Akademischen Direktor der HHL be-
lernte dessen Präsidenten kennen. sonders wichtig. Früher ist die Schule
Zudem hatte sie Vorlesungen an der mit dem Global Immersion Seminar
Rotterdam School of Management. jahrelang nach Schanghai geflogen.
„Es war ein ganzheitliches Kon- Jetzt soll der Fokus aber auf dem Be-
zept von der Theorie bis zur Praxis“, such der Schulen liegen. Das Seminar
sagt Kreller. Besonders gut gefallen ist nicht verpflichtend, sondern Teil
hat ihr, dass sie erfahren konnte, wie des Wahlbereichs. „Aber eigentlich
der Unterricht an einer anderen Busi- gehen immer fast alle mit“, sagt Wulf.
ness-School abläuft. Als nächstes wird Auch, weil es ein schöner Abschluss
ihre Gruppe nach Schanghai und Sin- der gemeinsamen Studienzeit sei.
gapur reisen und sich dort vor allem Finanzieren müssen die Studenten
mit Emerging Markets und Interkul- übrigens einen großen Teil der Aus-
turalität beschäftigen. Danach steht flüge selbst. Die Veranstaltungen sind
ein Trip nach Madrid an. Kreller freut Teil der Studiengebühren, aber Flug,
sich schon auf die kommenden Resi- Bett und Verpflegung nicht. Trotzdem
dencies: „Erst im Ausland kann man sind sich die drei Studentinnen einig,
wirklich lernen, welche Probleme da dass sie die Klassenfahrten nicht mis-
auf einen zukommen können.“ sen wollen. So hätte sich Kreller ohne
Kreller studiert im ESSEC und die Residencies vermutlich gar nicht
Mannheim Executive MBA. Das ist für dieses MBA-Programm entschie-
ein berufsbegleitendes Programm, den: „Es ist wichtig für die Praxis,
das teils in Paris, teils in Mannheim Erfahrungen im Ausland zu machen.“
MBA-Auslandsaufenthalte
Pflicht- und Wahlaufenthalte ausgewählter Schulen
Schule Programm Anzahl/Dauer Ort der Pflicht/
der Aufenthalte Aufenthalte Wahl
WHU Full-Time-/ je drei Auslandsaufenthalte USA, Pflicht
Part-Time-MBA im Full-Time-MBA jeweils zwei Wochen Indien,
pro Land, im Part-Time jeweils eine China
Woche pro Land
HHL Part-Time-MBA eine Woche Global Immersion Seminar Boston Wahl
Full-Time-MBA ein Auslandssemester weltweit Pflicht
Mannheim Part-Time-MBA je nach MBA-Programm sind drei Oslo, Singapur, Pflicht
Auslandsaufenthalte von vier bis zehn Schanghai, Paris,
Tagen in verschiedenen Städten zu Brüssel, Rotter-
absolvieren dam, Budapest
Tias Nimbas Part-Time-MBA eine Woche Summer School Boston Wahl
FTD/jst; Quelle: eigene Recherche
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