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Referat Schroeder

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Referat Schroeder Powered By Docstoc
					Univ.-Prof. Dr. Werner Schroeder, LL.M. /Universität Innsbruck

                             Monopol der Sportverbände
               - Veranstalterkonkurrenz bei Sportwettkämpfen -

A. Einführung
Nach einer Meldung der Tiroler Tageszeitung vom 12.4.200 kostet die Durchführung der
FIFA Fußball-WM 2006 (eine andere als die offizielle Bezeichnung darf man nicht
verwenden, will man keine Schadenersatzklage riskieren) die FIFA die Summe von € 553
Mio. Niemand muss deshalb fürchten, dass die FIFA Schaden nimmt, denn in derselben
Meldung wird berichtet, dass die FIFA im Jahre 2005 einen Gewinn von € 135 Mio. erzielt
hat. Ihre Gewinne aus der Veranstaltung der WM werden weitaus höher sein, vermutlich über
€ 500 Mio. Zum Vergleich: Die WM 1994 brachte der FIFA lediglich ca. € 50 Mio. ein.
Und ein Beispiel aus dem Autorennsport: Die Formula One Administration (FOA), die Firma
von Bernie Ecclestone, die die Verwertungsrechte in Bezug auf den Formel 1-Rennzirkus
hält, steigerte ihre Gewinne im Jahr 2004 auf $ 447 Mio., das ist doppelt so viel wie in 2002.
Umgekehrt zahlte FOA im Jahre 2000 an die Dachorganisation des Motorsports, die
Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) $ 360 Mio., um für die nächsten 110 Jahre
die kommerziellen Rechte an der F1 zu erhalten, was ein relativ guter Deal sein dürfte.
Und schließlich die Fußball-Champions League. Nach einer Meldung der UEFA nimmt sie in
der laufenden Champions League-Saison aus der Verwertung der TV- und Werberechte €
591,6 Mio. ein. Ein Großteil wird an die 32 Mannschaften ausgeschüttet, die an der
Gruppenphase teilgenommen haben. Ein erheblicher Teil verbleibt aber bei der UEFA.
Die monopolartige Stellung der internationalen Sportverbände bei der Durchführung von
Sportveranstaltungen – ich beschränke mich hier auf den internationalen Bereich als Beispiel
– ist also in wirtschaftlicher, aber auch in sonstiger Hinsicht attraktiv, denkt man die VIP-
Sonderrechte bei WM oder Olympiaden. Umgekehrt kann es niemanden überraschen, wenn
immer wieder an den Monopolen gerüttelt wird und einzelne versuchen, Sportwettkämpfe in
eigener Regie und ohne den Segen der Sportverbände zu veranstalten.

B. Das „ein Verbands-Prinzip“
Juristische Grundlage für die beschriebene Monopolstellung ist das ein Verbands-Prinzip,
teilweise auch ein Platz-Prinzip genannt.
Dieses ein Verbands-Prinzip basiert darauf, dass Sport traditionell in Verbänden organisiert
ist. Es hat zwei Merkmale:
- In fachlicher Hinsicht ist für jede Sportart grundsätzlich nur ein Verband ausschließlich
  zuständig, was nur selten durchbrochen wird, zB beim Profiboxen, für das sogar 5
  verschiedene internationale Verbände zuständig sind.
- In geographischer Hinsicht ist für ein bestimmtes Gebiet, d.h. ein Land, ein Kontinent oder
  die ganze Welt für jede Sportart nur ein Verband ausschließlich zuständig. So erkennt die
  FIFA in Europa nur die UEFA gemäß Art. 20 I FIFA-Statut an, nach Art. 10 Statut für
  jedes Land nur einen Mitgliedsverband.
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Aus beiden Merkmalen ergibt sich eine Verbandspyramide mit einer räumlichen und
fachlichen Monopolstruktur, an deren Spitze ein internationaler Sportverband steht.
Durchgesetzt wird das ein Verbands-Prinzip durch Regelungen in den Satzungen
internationaler, europäischer und nationaler Sportverbände, die ineinander greifen. Die FIFA
verlangt von den Konföderationen und den nationalen Verbanden die Befolgung sämtlicher
FIFA-Regeln, wozu auch das ein Verbands-Prinzip gehört. Zusätzlich wird die Alleinstellung
der Sportverbände dadurch abgesichert, dass die internationalen Sportverbände ihren
Mitgliedern untersagen, sich konkurrierenden Sportverbänden anzuschließen, Nach Art. 77
FIFA-Statut benötigen sie im Fußballbereich dafür eine Genehmigung der FIFA. Auf dieses
Prinzip werden dann durch die Statuten der nationalen Sportverbände auch die Sportvereine
und einzelnen Sportler verpflichtet. Ein Sportler kann deshalb eine bestimmte Sportart nur
innerhalb einer bestimmten „Verbandssportfamilie“ ausüben.

C. „Ein Verbands-Prinzip“ und das Monopol der Verbände für die
Durchführung von Sportveranstaltungen
I. Sinn des Monopols in Bezug auf die Durchführung von
Sportveranstaltungen
Grundsätzlich gewährt das ein Verbands-Prinzip jedem Sportverband das Recht zur
Durchführung von Sportwettkämpfen auf dem Gebiet, für das er verbandsrechtlich zuständig
ist. Er
- veranstaltet selbst oder vergibt Wettbewerbe, geknüpft an rechtliche, organisatorische,
  technische und finanzielle Bedingungen,
- entscheidet allein über Teilnahmebedingungen,
- legt die sportlichen Regeln fest,
- entscheidet über die Vermarktung der Wettbewerbe und
- entscheidet damit über Einnahmen von Verbänden, Vereinen und Sportlern.
Der Sinn des Prinzips liegt gerade in Bezug auf die Durchführung von Sportveranstaltungen
zunächst auf der Hand: Es geht darum, eine übersichtliche Organisationsstruktur zu schaffen,
Verwirrung bei Veranstaltern, Sportlern und Zuschauern zu vermeiden, ein einheitliches
Regelwerk zu schaffen, vereinfachte Organisation internationaler Sportveranstaltungen zu
ermöglichen und schließlich im sportlichen Wettbewerb Höchstleistungen zu erzielen. Das
setzt voraus, dass die sportlichen Leistungen vergleichbar sind, was nur unter gleichen, für
alle Teilnehmer verbindlichen Regeln möglich ist. Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht
haben      Zulassungsbeschränkungen        für     Sportveranstaltungen,     z.B.     durch
Lizensierungsverfahren ihre Berechtigung. Sie zwingt einige Bundesligavereine dazu, ihr
Budget so gestalten, dass sie am sportlichen Wettbewerb auf einer halbwegs soliden
Grundlage teilnehmen können.
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II. Mit dem „ein Verbands-Prinzip“ verknüpfte Konkurrenzverbote
Verknüpft mit dem ein Verbands-Prinzip sind üblicherweise Bestimmungen, mit denen der
Marktzutritt von Konkurrenten durch Veranstaltungen eigener Sportwettbewerbe erschwert
wird.
Bereits anlässlich der Gründung der FIFA 1904 in Paris wurden in den ersten FIFA-Statuten
folgende Punkte festgelegt, die das Selbstverständnis der Sportverbände belegen:
- die gegenseitige und ausschließliche Anerkennung der vertretenen Verbände,
- das Verbot für Klubs und Spieler, gleichzeitig für verschiedene Verbände zu spielen,
- die Anerkennung eines von einem Verband ausgesprochenen Ausschlusses durch die
  übrigen Mitglieder,
- die Durchführung der Spiele nach den Spielregeln der Football Association Ltd. und
- das Recht der FIFA, allein die Organisation eines internationalen Wettbewerbs
  übernehmen zu können.
Dies wurde auch umgehend durchgesetzt: Als 1906 die "English Ramblers", ein
improvisierter englischer Fußballklub, ohne die Genehmigung der englischen Football
Association auf dem Kontinent Spiele austragen wollten, verbot die FIFA zur Befriedigung
der FA ihren Mitgliedern, gegen diese Mannschaft anzutreten.
Und so ist es geblieben: Die aktuellen Art. 20 FIFA-Statuten fordern von jedem
Konföderationsverband, dass dieser internationale Klubligen nur mit seiner und der
Genehmigung der FIFA zulässt. Nach Art. 75 FIFA-Statut können außerdem internationale
Spiele oder Wettbewerbe zwischen Verbands- oder Klubmannschaften nur mit vorheriger
Zustimmung der FIFA stattfinden. Zusätzlich werden den Vereinen und Sportlern alle
sportlichen Kontakte außerhalb des Verbandssystems verboten (vgl. Art. 76 FIFA Statuten).
Das ganze wird in den Ausführungsbestimmungen der FIFA-Statuten noch durch
Meldepflichten und Sanktionen abgesichert. Ähnliches gilt auf europäischer Ebene innerhalb
des UEFA-System (vgl. Art. 49 UEFA-Statut).
Das bedeutet letztlich, dass sich der Regelungsanspruch des Sportverbandsrechts auch auf die
Durchführung von Sportveranstaltungen erstreckt, die außerhalb der Verbandspyramide
stattfinden! Die Versuche, einiger Vereine oder Sportler, sich der Pyramidenstruktur der
Verbände zu entziehen und eigene Sportwettkämpfe zu veranstalten, werden unterbunden.
Warum aber soll es nicht zusätzliche Spiele und Turniere geben, die nicht vom Dachverband
veranstaltet oder lizensiert worden sind?
Dies ist zu hinterfragen. Auch wenn das ein Verbands-Prinzip grundsätzlich sachgerecht
erscheint, sind nicht alle seine hier beschriebenen Konsequenzen zu akzeptieren. Es ist ja
bekannt, dass die Monopolstellung der Sportverbände missbraucht werden kann, da die
Durchführung von internationalen Sportveranstaltungen häufig außerordentlich lukrativ ist.
Deshalb sollte im Lichte des Europäischen Wettbewerbsrechts das Prinzip überprüft werden.
Wo ist das Prinzip unverhältnismäßig und wird überdehnt, insbesondere bezüglich des
Ausschlusses von Veranstalterkonkurrenz? Gibt es nicht weniger in die Rechte der Sportler
und Vereine eingreifende Mittel?
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III. Beispiele für Veranstalterkonkurrenz im Sportsektor

1) Gründung europäischer Fußballligen außerhalb der UEFA
Beispiel Fußball-Champions League: Der wichtigste europäische Vereinswettbewerb wurde
1955 ins Leben gerufen. Der so genannte "Europäische Pokal" war jedoch gar keine Idee der
UEFA. Vielmehr initiierte die französische Sportzeitung L'Equipe dieses neue Turnier, das
am Mittwochabend unter Flutlicht ausgetragen werden sollte. Es wurden die bei den Fans
beliebtesten 16 Vereine eingeladen, die übrigens auch einstimmig die von der L'Equipe
vorgeschlagenen sportlichen Regeln annahmen. Erst später übernahm die UEFA dieses
Turnier. Warum soll also nicht eine verbandsunabhängige Organisation dieses Wettbewerbs
möglich sein? Dies wird seit einiger Zeit wieder diskutiert.
1998 stellte eine Sportrechteagentur das Projekt einer European Football League (EFL) vor,
die die Champions League der UEFA verdrängen sollte. Teil der EFL war die Super League
bestehend aus 18 europäischen Spitzenklubs, denen Startgelder von über 20 Mio Euro
garantiert wurden. Das Vorhaben wurde bei der EG-Kommission 1999 angemeldet, aber
letztlich nicht realisiert.
Es lebt jedoch zur Zeit in veränderter Form durch den Plan der sog. G 14 auf. Dies ist eine im
Jahre 2000 gegründete Interessenvertretung von mittlerweile 18 europäischen
Spitzenfußballklubs, zu denen aufgrund einer historischen Reminiszenz nicht nur Bayern
München, sondern auch Leverkusen und Dortmund gehören, was von vergangener Größe des
deutschen Fußballs kündet. Sie planen in einem „G 14 Vision Europa“ genannten Papier eine
eigene geschlossene Euroliga – außerhalb der UEFA-Hoheit.
Was die Überwindung von Zutrittsbarrieren auf dem Markt für europäische Klubwettbewerbe
betrifft, sind diese Spitzenvereine sind in einer recht komfortablen Situation. Sie
- sind keine Newcomer, sondern bereits bekannte und etablierte Teams,
- haben die besten Spieler durch Verträge an sich gebunden,
- verfügen meist über eigene Spielstätten und
- haben eigene Sponsoren und Werbeverträge, teilweise auch eigene TV-Verträge.
Man kann unter diesen Umständen davon ausgehen, dass die faktischen Voraussetzungen für
eine Konkurrenz zur Champions League gegeben sind – allein die rechtlichen Hindernisse
bleiben ein Problem. Es wäre zu fragen, ob im Falle eines förmlichen Antrages der Vereine
UEFA und der FIFA die nach Art. 49 UEFA- und Art. 75 FIFA-Statut erforderlichen
Genehmigungen erteilen müssten. Möglicherweise geht es den Vereinen aber auch nur darum,
Druck auf FIFA und UEFA auszuüben, um eine finanzielle Entschädigung für das Abstellen
ihrer Spieler zu Länderspielen zu erhalten. Die UEFA hat die Bestrebungen der G 14
zurückgewiesen, es gehe diesen nur um wirtschaftliche und nicht um sportliche Interessen.
FIFA-Präsident Blatter sprach sogar von „Kriegserklärung“.
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2) Gründung internationaler Motorsportserien außerhalb der FIA
Auch im Autorennsport gab es schon mehrfach Konflikte der FIA mit anderen Veranstaltern
von internationalen Rennserien, so etwa mit der 1994 gegründeten internationalen
Sportwagenmeisterschaft, die von der FIA 1996 untersagt wurde.
Auch in der F 1 droht seit Jahren die Spaltung, weil die Grand Prix Manufacturers
Association (GMPA) der Autohersteller (BMW, McLaren-Mercedes, Honda, Renault, Toyota
auf Konfrontationskurs zur FIA und der mit dieser kooperierenden FOA liegen. Die
Dreiecksbeziehung, die den F 1-Zirkus sichert, beruht auf dem Concorde Agreement
zwischen FIA, Formel 1-Teams und der FOA. Darin werden die Teilnahmepflicht und -
bedingungen festgelegt, das Preisgeld und die TV- und Werbeeinnahmen verteilt. Einige
Autohersteller haben Pläne für eine eigene Konkurrenzserie zur F 1 und das 2008 auslaufende
neue Concord-Agreement noch nicht unterschrieben.
Hier ist die Konkurrenzsituation schwieriger als im Fußball, schon weil die
Marktzutrittskosten im Autorennsport höher sind (Entwicklungskosten, überragende
Bekanntheit der bestehenden Marke F 1, begrenzte Verfügbarkeit von Rennstrecken usw.)

C. Konflikt des Veranstaltermonopols von Sportverbänden mit
Europäischem Kartellrecht

I. Anwendbarkeit
Betrachtet man die Durchsetzung des Veranstaltermonopols der Sportverbände im Lichte des
europäischen Wettbewerbsrechts, so kommt einem manches bekannt vor – denkt man an die
Vertriebsverträge, welche z.B. Kfz-Hersteller mit Autohändlern abschließen. Im Kfz-Handel
war lange Zeit der sog. selektive Vertrieb durch bestimmte Händler üblich, gekoppelt mit
einem Marken- und Gebietszwang, d.h. den Händlern wurde Exklusivität für ein bestimmtes
Absatzgebiet versprochen, gekoppelt an die Verpflichtung, nur eine Marke zu vertreiben. Ein
Markteintritt anderer Händler war dadurch ebenso ausgeschlossen wie eine Lieferung von
Fahrzeugen durch die zugelassenen Händler in andere Gebiete. Derartige Konstruktionen sind
aber mittlerweile durch das Europäische Wettbewerbsrecht untersagt – Sollen sie hingegen im
Sport zulässig sein?
In den letzten Jahren hat es eine ganze Reihe von Verfahren sowohl vor der Kommission als
auch vor dem EuG gegeben, die sich mit der Anwendung des Europäischen
Wettbewerbsrechts auf das Sportverbandsrecht befassen, zuletzt
- zu den Anti-Dopingregeln des IOC,
- zum FIFA-Reglement für Spielervermittler sowie
- zur Zentralvermarktung der Champions League-Rechte durch die UEFA bzw. der
  Bundesligarechte durch den Ligaverband.
Es gilt daher als gesichert, dass das Europarecht keine Bereichsausnahme für den Sport
anerkennt. Das gilt jedenfalls nach einer Formel des EuGH, soweit der Sport einen „Teil des
Wirtschaftslebens“ ausmacht – und das ist bei Marktzutrittsansprüchen von neuen
Sportveranstaltungen der Fall. Das trifft auch für die Organisation internationaler
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Klubturniere und sogar für Turniere mit Begegnungen zwischen Nationalmannschaften zu.
Allenfalls lässt sich noch darüber diskutieren, ob die Regeln mit ausschließlich sportlichem
Charakter für die Durchführung solcher Veranstaltungen nicht unter das Europäische
Wettbewerbsrecht fallen.

II.    Missbrauch             der     marktbeherrschenden                Stellung       der
Sportverbände
Der freie und unverfälschte Wettbewerb ist ein Ziel des EGV. Er wird gesichert, durch
- das Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen, dem eigentlichen Kartellverbot,
  in Art. 81 Abs. 1 EGV und
- das Verbot des Missbrauchs marktbeherrschender Stellung in Art. 82 EGV.
Beide Normen haben bereits im Sportsektor eine wichtige Rolle gespielt. Bei der
Durchsetzung des ein Verbands-Prinzips und der Monopolsituation der Sportverbände in
Bezug auf die Veranstaltung von Sportwettkämpfen geht es jedoch primär um eine mögliche
Behinderung des Marktzutritts durch den Marktbeherrscher und damit um Art. 82 EGV.

1) Sportverbände als „Unternehmen“
Art. 82 EGV verbietet die missbräuchliche Ausnutzung einer beherrschenden Stellung auf
dem Gemeinsamen Markt durch ein oder mehrere Unternehmen. Als Unternehmen wird jede
wirtschaftliche Einheit betrachtet, die Güter und Dienstleistungen anbietet.
Sportverbände sind jedenfalls Unternehmen iSd Vorschrift, soweit sie den Profisport
unmittelbar oder mittelbar über ausgegliederte Gesellschaften organisieren und hierbei selbst
wirtschaftlich tätig werden, z.B. als Veranstalter von internationalen Wettbewerben, wie der
FIFA WM oder der UEFA EM oder der UEFA Champions League. Das hat die Kommission
mehrfach festgestellt.

2) Marktbeherrschende Stellung
Um festzustellen, ob ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung, also eine Monopol-
oder Oligopolstellung innehat, sind zwei Schritte erforderlich.
- Zunächst ist der relevante Markt zu bestimmen.
- Sodann ist zu prüfen, ob ein oder mehrere Unternehmen diesen Markt beherrschen.
Die Abgrenzung des relevanten Marktes in sachlicher und räumlicher Hinsicht bestimmt
letztlich weitgehend die Frage der Marktbeherrschung: Je enger die Marktabgrenzung, desto
größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das betreffende Unternehmen diesen Markt beherrscht,
wobei Marktanteile von 50 % den Beweis für das Vorliegen einer marktbeherrschenden
Stellung liefern.
Nun wird man zweifellos eine marktbeherrschende Stellung der internationalen
Sportverbände bezüglich der Durchführung und Vermarktung internationaler
Sportwettkämpfe annehmen können. Die Kommission hat dies auch ausdrücklich unter
Hinweis auf die Monopolstellung der Sportverbände anerkannt. Auf dem Markt der
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Sportwettkämpfe sind die veranstaltenden Sportverbände die Anbieter und die an einer
Teilnahme interessierten Vereine und Sportler, die lokalen Veranstalter die Nachfrager.

3)     Missbrauch
Sicher handelt es sich bei der Regulierung des Marktzutritts durch das Veranstaltermonopol
der Sportverbände um eine Wettbewerbsbeschränkung. Aber ist sie auch missbräuchlich?
Hier dürfte das Kernproblem beim Ausschluss von Veranstalterkonkurrenz liegen, denn nicht
die marktbeherrschende Stellung an sich, sondern nur deren Missbrauch ist schließlich
verboten.

a) Allgemeine Kriterien aufgrund der EU-Praxis
Es werden üblicherweise zwei Formen des Missbrauchs unterschieden: Beim
Behinderungsmissbrauch richtet das marktbeherrschende Unternehmen seine Marktmacht
gegen den Mitbewerber und drängt diesen mit leistungsfremden Mitteln vom Markt, zB durch
Kampfpreisunterbietung usw. Der Ausbeutungsmissbrauch ist dadurch gekennzeichnet, dass
das Unternehmen die Abhängigkeit seiner Marktpartner ausnutzt, zB durch erhöhte Preise und
unfaire Geschäftsbedingungen.
In Bezug auf Sportverbandsregelungen dürfte es vor allem um Ausbeutungsmissbrauch
gehen, der gegen vor- und nachgelagerte Wirtschaftsteilnehmer bzw. gegen die Verbraucher
gerichtet ist. Hier sind vor allem unfaire Geschäftsbedingungen zu nennen, die Sportler,
Sportveranstalter, Medien, Sportgerätehersteller und Zuschauer treffen können.
Ein derartiger Konditionenmissbrauch liegt nach der Rechtsprechung des EuGH vor, wenn
sachlich nicht gerechtfertigte Geschäftsbedingungen verwendet werden, was letztlich an Hand
einer Interessenabwägung überprüft wird. Ein Verstoß gegen Art. 82 EGV ist demnach im
Sportsektor anzunehmen, wenn den an das Sportverbandsrecht gebundenen Parteien
Verpflichtungen auferlegt werden, die für die Verfolgung an sich legitimer sportlicher Ziele
entbehrlich sind und deshalb die rechtliche Freiheit der Parteien unverhältnismäßig
einschränken.

b) Missbräuchliches Verhalten im Sport: Pauschales Verbot der Organisation
von und der Teilnahme an Konkurrenzwettbewerben
Diese unbestimmte Formel von der „sachlichen Rechtfertigung“ ist zu konkretisieren.
Grundsätzlich haben die etablierten Sportverbände am rechtlichen Schutz ihres
Veranstaltermonopols in Bezug auf Sportwettkämpfe durchaus ein berechtigtes Interesse. Sie
hatten die Idee zur Durchführung dieser Veranstaltungen und haben sie damit als Marke
etabliert, sie stellen die sportlichen Regeln und sie sind durch die Förderung von sportlichem
Nachwuchs dafür verantwortlich, dass die nötigen Ressourcen für Sportwettkämpfe überhaupt
existieren. Sie schaffen damit das Potential für und das öffentliche Interesse an
Sportveranstaltungen, an das neue Veranstalter als „free rider“ nun anknüpfen. Es ist daher
nach einer Abwägung der Interessen der Sportverbände und der konkurrierenden Veranstalter
zu suchen, die die Besonderheiten der jeweiligen Wettkampfform berücksichtigt.
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Juristischer Anknüpfungspunkt für Konkurrenzverbote im Sport ist zunächst das beschriebene
ein Verbands-Prinzip, das eine Doppelmitgliedschaft von Sportlern, Vereinen und Verbänden
untersagt. Dieses Verbot ist für sich genommen funktionsgerecht, wie der EuGH am Beispiel
von Genossenschaften dargelegt hat - aber darum geht es hier ja auch nicht, weil der
Konkurrenzveranstalter ja in der Regel gar kein eigenen Verband gründen will.
Es geht vielmehr um das an Vereine und Mitgliedsverbände gerichtete Verbot, sportliche
Konkurrenzveranstaltungen (jedenfalls ohne Genehmigung des Dachverbandes)
durchzuführen. Üblicherweise begründet der monopolistisch agierende Dachverband dieses
mit der Solidarität zum Verband, die nötig sei, um die Pflege des Sports sicherzustellen. Ein
vollständiges Verbot von Konkurrenz dürfte jedoch unverhältnismäßig sein, denn gewisse
Auflagen für weitere Veranstaltungen reichen in der Regel aus, z.B. die Forderung nach
- einem zeitlichen Abstand zur traditionell vom Verband durchgeführten Sportveranstaltung,
- Unterlassen einer Veranstalterkonkurrenz, die die Existenz des Verbandes und damit die
  bisherige Form der Organisation von Breiten-, Jugend- und Spitzensport gefährden würde,
- Einhaltung sportlicher Regeln, so dass das Ansehen des Sports nicht gefährdet wird,
- gewisser solidarische     Zahlungen    an   den    Dachverband      und/oder   Vereine   zur
  Nachwuchspflege.
Letztlich wird die Reichweite dieser Auflagen auch von der Art der Sportveranstaltung
abhängen. Ein einmaliges Sportereignis mit einem Wettkampf oder neues einzelnes Turnier
dürften eine geringere Konkurrenz darstellen als die Schaffung einer eigenen Liga, wobei aber
auch zwischen Einzel- oder Mannschaftssportarten zu differenzieren sein könnte.
Auch das an Sportler und Vereine gerichtete Verbot der Teilnahme an solchen
Konkurrenzveranstaltungen ist differenziert zu betrachten, wie die Kommission bereits
angedeutet hat. Ein pauschales Verbot, wie es in den FIFA- und UEFA-Statuten niedergelegt
ist, ist unverhältnismäßig. Teilnahmeverbote dürften nur dort sachlich gerechtfertigt sein, wo
die Gefahr besteht, dass Konkurenzveranstaltungen Bestand und Ansehen der Sportart
gefährden. Das könnte z.B. deshalb der Fall sein, weil sich das geplante Turnier oder die Liga
nicht nach sportlichen Kriterien, sondern primär nach wirtschaftlichen Kriterien richtet
(Problem bei absolut geschlossenen Lizenzligen nach US-Vorbild) oder nicht die etablierten
internationalen Sportregeln eingehalten werden.

c)    Trennung       von     wirtschaftlichen                   und        regulatorischen
Entscheidungsstrukturen im Sportverbandsrecht
Unabhängig von der konkreten Entscheidung der Dachverbände über die Zulassung von
Konkurrenz besteht schon aufgrund der bestehenden Strukturen im Sportverbandsrecht die
Gefahr von Missbrauch.
Die EU befasst sich bereits seit einiger Zeit in den Bereichen Telekommunikation, Energie
und Verkehr mit Marktzutrittsbehinderungen durch Monopolisten, die von diesen mit der
Aufrechterhaltung funktionsfähiger Strukturen begründet werden – die Parallelen zum
Sportsektor sind offensichtlich. Die EU verlangt nun, dass die Entscheidungen über den
Marktzutritt von Konkurrenten auf den von Monopolanbietern beherrschten Märkten auf der
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Grundlage objektiver Kriterien getroffen werden. Das setzt insbesondere voraus, dass die für
die Zulassungsentscheidung zuständige Stelle in der Lage ist, eine unabhängige Entscheidung
zu treffen, also keine Verquickung von sachlichen und wirtschaftlichen Interessen zu
befürchten ist. Das hat zu dem Phänomen des „Unbundling“ geführt, der Trennung von
regulatorischen und wirtschaftlichen Aktivitäten eines Monopolisten. Es hat sich vor allem im
Bereich der Netzaktivitäten wie Telekommunikation, Verkehr und Energie durchgesetzt.
Ein ähnliches Konzept scheint sich für den Sportbereich abzuzeichnen.
- Zunächst sind in den Verbandsstatuten klar definierte und objektive Kriterien für die
  Zulassung      konkurrierender     Sportveranstaltungen festzulegen.    Ungebundene
  Ermessensentscheidungen über die Zulassung von konkurrierenden Wettbewerbe, wie in
  den FIFA- und UEFA-Statuten vorgesehen, sind von vornherein missbräuchlich. Gegen die
  Versagung der Zulassung von Konkurrenzveranstaltungen muss außerdem ausreichender
  interner und externer Rechtsschutz bestehen.
- Sodann ist nicht anzunehmen, dass ein Sportverband eine objektive Entscheidung über die
  Zulassung eines Konkurrenzwettbewerbs trifft, wenn er diesen nicht nur unter dem Aspekt
  der Einhaltung einheitlicher sportlicher Regeln, sondern auch unter finanziellen Aspekten
  betrachtet, weil er am finanziellen Erfolg des bisherigen Wettbewerbs maßgeblich beteiligt
  ist. Das widerspricht dem Verbot, gleichzeitig Partei und Richter zu sein. Es muss
  gewährleistet sein, dass sportlich-regulierende und wirtschaftliche Interessen des
  Verbandes strikt getrennt werden.
Die Kommission hat diese Kriterien auf die Formel 1-Aktivitäten der FIA angewendet. Sie
hat im Jahre 2001 das gemäß Art. 82 EGV gegen die FIA geführte Verfahren eingestellt, weil
diese nicht nur einen freien Zugang zum Motorsport für alle Veranstalter gewährleistet, die
die einschlägigen sportlichen Regeln beachten, sondern auch die geforderte „vollständige
Trennung der wirtschaftlichen Aufgaben und Regelungsbefugnisse in Bezug auf die FIA-
Formel-1-Weltmeisterschaft“ vorgenommen habe. Allerdings hat sie sich schon damit
zufrieden gegeben, dass die FIA sämtliche kommerziellen Rechte an der F 1 gegen einen
Fixbetrag an die FOA von Bernie Ecclestone für 100 oder 110 Jahre (hier gehen die
Meinungen auseinander!) abgetreten hat. Ihr genügte die Versicherung der FIA, daher „keinen
kommerziellen Anreiz“ zu haben, Konkurrenzveranstaltungen zu begrenzen und sich auf eine
regulatorische Funktion zu beschränken. Es bestehe kein Interesse der FIA mehr, die F 1
gegenüber anderen Motorsportwettkämpfen zu bevorzugen.
Der von der Kommission propagierte Trennungsansatz mag in der Theorie richtig sein. Hier
wird er jedoch ad absurdum geführt, denn es wird nur ein Monopolist – die FIA – durch einen
anderen – die FOA – ersetzt. Solche Lösungen bringen für den Wettbewerb auf dem
Sportveranstaltermarkt wenig.

4) Beeinträchtigung des zwischenstaatlichen Handels
Die sog. „Zwischenstaatlichkeitsklausel“ soll die Anwendung des Art. 82 EGV auf Fälle
beschränken, die für den Gemeinsamen EU-Markt wirklich relevant sind. Sie wird in der
Praxis extensiv ausgelegt. Es genügt, dass der Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung
hierzu geeignet ist. Offensichtlich ist dies bei europäischen Sportwettbewerben, wie der
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Champions League, der WM oder der EM. Eine Zwischenstaatlichkeit kann auch bei rein
innerstaatlichen Monopolen gegeben sein, z.B. weil dieses Markteintritt eines ausländischen
Bewerbers behindert.

D. Resüme
Den meisten Sportrechtsexperten ist nicht erst seit der berühmten EuGH-Entscheidung im Fall
Bosman klar geworden, dass die Autonomie der Sportverbände im Europarecht seine Grenze
findet. Dort, wo es nicht ausschließlich um sportliche, sondern jedenfalls auch um
wirtschaftliche Belange geht, greift das Europäische Wettbewerbsrecht ein. Das betrifft
insbesondere das Monopol für die Veranstaltung von Sportwettkämpfen für Profis, da dieses
nicht rein sportlicher, sondern auch wirtschaftlicher Natur ist.
Ob es sich bei dem Ausschluss von Veranstalterkonkurrenz um einen Missbrauch der
Monopolstellung handelt, muss im Einzelfall an Hand der Art des betreffenden Wettkampfes
entschieden werden. Das scheint unbefriedigend zu sein, ist aber eine für das EU-Recht
typische Lösung. Die schlechte Nachricht für die Verbände besteht darin, dass prinzipiell alle
ihre mit Hilfe des ein Verbands-Prinzips monopolistisch abgesicherten Veranstaltungen auf
dem Prüfstand des EU-Rechts stehen. Die gute Nachricht besteht darin, dass sich mit der
Kommission stets Lösungen finden lassen, vorausgesetzt, die Sportverbände sind
kompromissbereit. Allerdings sollte die Kommission konsequent die von ihr selbst
propagierten Grundsätze anwenden und strikter auf die Trennung der wirtschaftlichen und
sportlichen Aktivitäten der Sportverbände achten.

				
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