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Medienkriege - Die Rolle der PR-Agenturen in den Kriegen der Gegenwart _BND_ CIA_ MAD_ Mossad_ Terror_ Al Qaida_ Osama bin Laden_ Big Brother_ Orwell_ 1984_ by FlavioBernardotti1

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									Medienkriege – Die Rolle der PR-Agenturen in den
Kriegen der Gegenwart
von Jean Toschi Marazzani Visconti, „Il Corridoio“* (Auszug), 21.05.2007

Mit dem Fall der Berliner Mauer verloren die westlichen Länder, insbesondere die
USA, ihren „grossen Feind“, den Ostblock, auf den sich alle Befürchtungen der öf-
fentlichen Meinung des Westens konzentrierten. Es bedurfte der Schaffung anderer
Feinde, um die kommenden Kriegsereignisse zu rechtfertigen und den – alles ande-
re als idealistischen – Grund für die neuen Konflikte zu verdecken, die hauptsäch-
lich auf wirtschaftlich-geopolitischen Interessen beruhen: Militärbasen, territorial-
geschäftliche Vorherrschaft, Öl, Pipelines.

Die ausserordentliche Entwicklung der Telekommunikation in den letzten Jahren hat ein In-
formationssystem hervorgebracht, das so schnell ist, dass jedes Ereignis Tausende Kilo-
meter vom Ort des Geschehens entfernt live auf dem Bildschirm gezeigt werden kann. Die
Kontrolle und der Einsatz von Bildern ist von grösster Bedeutung.

Manipulation durch Medien

Unsere moderne Lebensweise, die um Arbeit und Wettbewerb kreist, hat den grössten Teil
der westlichen Bevölkerung vom Fernsehen abhängig gemacht. Die Menschen kommen
von der Arbeit nach Hause, drehen sofort den Fernseher an und lassen, ohne zu denken,
Bilder vorüberfliessen. Diese Art des Lebens hat ein Sammelbecken von Konsumenten
geschaffen, die für die Kommunikation besonders ergiebig und empfänglich sind.
In seinem Essay „Die notwendige Illusion“ erklärt der amerikanische Linguist Noam
Chomsky, dass es in demokratischen Regierungssystemen unerlässlich ist, die Öffentlich-
keit glauben zu machen, alle Handlungen seien richtig und gerechtfertigt. Um diese „Illusi-
on“ zu schaffen, ist daher ein raffinierter Einsatz von Bildern und Kommunikation ausseror-
dentlich wichtig.
Dies ist zweifellos die wichtigste Lehre aus all den seit 1989 produzierten Medienereignis-
sen – nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der UdSSR, der den
USA die Führung der Welt anheimstellte.

Detalils über Grausamkeiten der gegnerischen Armee weit verbreiten

Die geopolitische Neuordnung der Welt nach US-Vorgaben erzeugte eine Intensivierung
der raffiniertesten Systeme, um in der internationalen öffentlichen Meinung jene verein-
fachten Bilder zu erzeugen, die als Realität wahrgenommen werden sollten, um politische
Entscheidungen zu unterstützen, die unpopulär oder gegen Ethik und Völkerrecht erschie-
nen wären, wenn sie realistisch dargestellt worden wären. Die angelsächsische Mentalität
jener, die in den USA von jeher die politische Macht innehatten, auferlegt ihnen, dass jede
Handlung unter Achtung der Moral ausgeführt werden sollte. Ist das nicht der Fall, sollte
sie erfunden werden.
Nicht zufällig war es ein britischer Diplomat, Lord Arthur Ponsonby (1871–1946), der die
Hauptprinzipien der Kriegspropaganda formulierte, die auf vier Themenbereichen beruhen:

   ●   Es ist immer der Gegner, der den Krieg will.
   ●   Alle gravierenden Fehler des Feindes müssen in der Person seines Anführers oder
       seiner Regierung bekanntgemacht werden.
   ●   Unsere Motive für eine Kriegshandlung sind immer humanitär oder idealistisch.
   ●   Alle Details über die übliche Grausamkeit der gegnerischen Armee müssen weit
       verbreitet werden.(1)

Humanitäre Operation im Interess eines multinationalen Unternehmens

Ein klassisches Beispiel ist die Haltung der Medien gegenüber dem endgültigen Sieg der –
von den USA geschützten – Taliban in Afghanistan im Jahre 1996. In diesem Fall wurde
über die entsetzliche Exekution des Oppositionsführers – Najibullah wurde zu Tode geprü-
gelt, sein Bruder wurde erhängt, und beide wurden über Tage dem Mob ausgesetzt – in
aseptischen Kommentaren berichtet. Es kamen keine entrüsteten Aufschreie angesichts
der barbarischen Art, in der die Taliban ihr koranisches Recht umsetzen oder über den em-
pörenden Sklavenstatus, in den die Frauen eingezwängt werden. Aber plötzlich wird alles
anders. Seit die USA in Afghanistan kämpfen, werden die Taliban als wilde Fanatiker und
Unterdrücker beschrieben.
Die Landung der Marines in Mogadischu – im Scheinwerferlicht der TV-Kameras und mit
den Segenswünschen des scheidenden Präsidenten Bush für die zum Scheitern verurteil-
te Operation „Restore Hope“ – ist ein weiterer Hinweis auf das Medien-Setting und bestä-
tigt die Bedeutung visueller Kommunikation, um ansonsten ungerechtfertigte Aktionen zu
verherrlichen. Der Hunger der Menschen am Horn von Afrika war derselbe, der auch den
Sudan peinigte. Aber dort hatten sie keine CNN-Grossaufnahme von den leidenden Ge-
sichtern ihrer Kinder. Daher existierte ihr Hunger nicht. Die geopolitischen Interessen
schlossen dieses Gebiet nicht mit ein, eine humanitäre Intervention war daher nicht nötig.
Eigentlich existieren Hunger und Epidemien nur, wenn sie am Fernsehbildschirm gezeigt
werden. Und sie werden nur dann am Fernsehen gezeigt, wenn hinter der humanitären
Operation das Interesse eines multinationalen Unternehmens steht. Im Falle der Aktion in
Somalia waren es vier Öl-Konzerne, welche die Bohrrechte eines umfangreichen Gebietes
gekauft hatten.(2)

Das wirkliche Drama wird durch das erfundene Drama verfälscht

Damit einhergehend war eine neue Form der Kriegsführung entstanden: zynisch, amora-
lisch, exzellent im Einbeziehen und Überreden von Millionen von Menschen. Man nennt
das Medien-Krieg. Die Herren dieses neuen Krieges sind die Kommunikations- und Bild-
Experten, die eng mit der politischen Macht verbunden sind. Verglichen mit der klassi-
schen Staats-Propaganda produzieren sie eine wesentlich raffiniertere Form der Kommu-
nikation. Unterstützt mit gewaltigen finanziellen Mitteln setzen sie dieselbe geistreiche
Psychologie ein, die auch von Werbekonzernen angewendet wird, um ein Produkt erfolg-
reich auf dem Markt zu lancieren.
Sie operieren in keimfreien Büros, Tausende von Kilometern von den Schlachtfeldern ent-
fernt. Ihre Waffen sind: ein Computer, ein Faxgerät, ein stets aktualisiertes Adresspro-
gramm, ausgezeichnete Beziehungen in den wichtigsten Fernseh-Netzwerken, in den
Pressekonzernen und unter Politikern und Regierungslobbys. Diese Anwender der neuen
Methode sind die „Agenturen“, ihre hauptsächlichen Klienten sind jene Staaten, Regierun-
gen, politischen Parteien, bezüglich denen entschieden wurde, dass sie ein bestimmtes
Spiel auf dem internationalen Schachbrett zu spielen hätten.
Die Verfahrenstechnik besteht darin, mittels einer Reihe von Strategien ein Bild des Klien-
ten zu schaffen und dieses zu bewahren: Dazu gehört die Ausnutzung jeder Nachricht ge-
gen den Opponenten, die – um den Skandal zu suggerieren? –, auch wenn sie nicht verifi-
ziert, aber von sicherer Wirkung in den Medien ist, in allen Presseagenturen verbreitet
wird. Wenn die Sensation – produziert durch Tonnen von beschriebenem Papier und ob-
sessiven Fernseh-Dreharbeiten – allmählich zu schwinden beginnt, wird eine andere Story
vorgeschlagen, um in der öffentlichen Meinung erneut Mitleid oder Entrüstung zu erregen.

Die Konsequenzen sind katastrophal. Das wirkliche Drama wird durch das erfundene Dra-
ma verfälscht, ohne Sorge um die Zivilbevölkerung, die von diesem ausgeklügelten Spiel
betroffen ist. Ein Beispiel ist die unterschiedliche Bewertung der Grausamkeiten unter den
drei Parteien in Bosnien und deren interne Konflikte, wie sie sich in den Kämpfen zwi-
schen Muslimen und Kroaten in Mostar und zwischen Muslimen und Muslimen in Bihac
gezeigt haben. Die Sache Kosovos ist sogar noch komplexer, aber siegreich. Als Aus-
gangspunkt hatte sie Gegner, die auf Grund der politischen Wahl der westlichen Mächte
und früherer Investitionen in das Image gegen sie bereits verurteilt waren.
Fernsehen und Printmedien reagieren enthusiastisch auf die Anstiftungen dieser Image-
Vermittler, oft vergessen sie dabei ihre professionelle Genauigkeit zugunsten eines „Knül-
lers“ (Exklusivmeldung) und der von den Investoren grosszügig budgetierten Inserate, die
sich damit die Komplizenschaft der Medien sichern.
Während der Bombardierung Jugoslawiens zeigt mir General Pierre Marie Gallois die
Werbung grosser amerikanischer Unternehmen in den wichtigen französischen Zeitungen
und Magazinen. Diese plötzliche Präsenz von US-Labels in den Medien war ungewöhnlich
– das Gleiche geschah auch in den anderen weitergehend involvierten westlichen Ländern
– und könnte mit der Notwendigkeit in Zusammenhang gebracht werden, bei den Zei-
tungsherausgebern eine Selbstzensur zu erwirken, indem sie ihren Journalisten ein „poli-
tisch korrektes“ Verhalten vorschreiben.

Kein irakischer Soldat nach Kuwait ohne Einwiligung der USA

Zur Zeit des Golfkrieges hatte Kuwait eine grosse PR-Agentur in Washington engagiert,
Ruder&Finn Global Affairs, die sehr geschickt das Image ihres Klienten als Opfer gestalte-
te und Saddam Husseins Grausamkeit unterstrich. Der irakische Führer hätte nie gewagt,
einen einzigen Soldaten nach Kuwait zu entsenden, ohne zuvor das inoffizielle Einver-
ständnis der USA einzuholen. Eine nützliche Genehmigung, welche die benötigte Recht-
fertigung für den Golfkrieg ergab.
Die Vereinten Nationen hatten auf der Welle internationaler Empörung, die durch Fernseh-
und Pressenachrichten provoziert worden war, schwere Sanktionen und einen technologi-
schen Krieg mit verheerenden Folgen verhängt. Eine halbe Million Menschen sind gestor-
ben und die Kinder – heute nahezu eine Million – sterben weiterhin als Folge des Mangels
an Arznei- und Nahrungsmitteln und auch als Folge des im Krieg eingesetzen abgereicher-
ten Urans und anderer biologisch-chemischer Stoffe.
Die gleiche Agentur, die von Kuwait angestellt worden war, wurde zu Beginn des Jugosla-
wien-Konfliktes von Kroatien, der Muslim-Partei in Bosnien und der Opposition in Kosovo
engagiert. James Harff – damals Direktor von Ruder&Finn Global Affairs und heute Präsi-
dent einer ähnlichen eigenen Agentur – gab dem französischen Journalisten Jacques Mer-
lino ein Interview, das dieser in seinem Buch wiedergibt.(3)

Ethik und Moral kein Wert bei Propaganda

Im Gespräch über seine Auftraggeber in Jugoslawien, seine Strategie und dem daraus re-
sultierenden Erfolg sagte er:
„Zwischen dem 2. und 5. August 1992 brachte die New Yorker Zeitung „Newsday“ die Sa-
che mit den serbischen Konzentrationslagern heraus. Wir sind sofort auf den Zug aufge-
sprungen und haben drei grosse jüdische Organisationen kontaktiert: B’nai Brith Anti Defa-
mation League, American Committee und American Jewish Congress […] Die Parteinah-
me der jüdischen Organisationen für die bosnischen Moslems war ein ausserordentlich
gelungener Schachzug. Im Handumdrehen konnten wir die Serben in der öffentlichen Mei-
nung mit den Nazis gleichsetzen. […] Es ist nicht unsere Aufgabe, Informationen auf ihren
Wahrheitsgehalt zu prüfen […]. Unsere Aufgabe besteht darin, Nachrichten zu verbreiten,
sie schnellstmöglich in Umlauf zu bringen, damit die These, die unserer Sache dient, mög-
lichst als erste herauskommt. […] Wenn eine Information uns nützt, müssen wir sie sofort
in der öffentlichen Meinung verankern. Denn wir wissen sehr wohl, dass die erste Nach-
richt die einzige ist, die zählt. Es ist zwecklos, etwas zurückzunehmen, das führt zu nichts.
[…] Wir sind Profis. […] Wir werden nicht dafür bezahlt, dass wir moralisch gut sind. Und
selbst wenn Moral zur Diskussion stünde, hätten wir ein ruhiges Gewissen. Wenn Sie be-
weisen wollen, dass die Serben arme Opfer sind, versuchen Sie es, Sie werden ziemlich
allein dastehen.“

Keinerlei Hinweis auf Massaker in serbischen Gefangenenlagern

Die „New York Times“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 22. August 1992: „Die US-Dienste
haben ihre Anstrengungen verdoppelt, aber sie haben keinerlei Hinweis auf ein systemati-
sches Massaker von Kroaten und Muslimen in serbischen Gefangenenlagern gefunden.“
Dieser Artikel erschien kurz nach den Aufnahmen eines britischen TV-Teams in Tiernopol-
je, wo dieses eine Gruppe Muslime hinter einem Drahtzaun filmte. Ausgehend von diesem
Film verbreiteten sich die Nachrichten über die neuen Vernichtungslager explosionsartig.
Das Bild der abgemagerten Muslime stellte die Welt auf den Kopf, noch immer repräsen-
tiert es das Ende der neuen Nazis am Ende des 20. Jahrhunderts und deren Konzentrati-
onslager. In Wirklichkeit handelte es sich um ein Flüchtlingslager, wo sich die Menschen
frei bewegen konnten. Das Team des britischen Fernsehsenders ITN hatte seine Kamera
innerhalb einer Umzäunung aufgestellt, die landwirtschaftliche Geräte schützte. Das Fil-
men durch den Zaun vermittelte den Eindruck, als ob die Männer Gefangene wären.(4)
Der gefälschte „Knüller“ hatte seinen Zweck auf jeden Fall erfüllt.
Niemand hat je darüber nachgedacht, dass das Fernsehteam nie irgendwelche Probleme
mit den serbischen Behörden hatte, wenn es um den Besuch der Lager ging, während
kein Reporter je ein kroatisches oder muslimisches Gefangenenlager wie Lora in der Nähe
von Spalato, Tarcin, andere rund um Sarajewo oder gar Capljna, wo die Kroaten Muslime
gefangen hielten, sehen oder photographieren konnte.
Die enge Zusammenarbeit zwischen der PR-Agentur und der auftraggebenden Regierung
hat eine – oft tödlich – wirksame Technik hervorgebracht, die auf vermehrte Vorteile zu Be-
ginn einer internationalen Konferenz oder auf Unterstützung für den Fall einer militärischen
Offensive gerichtet ist, die zu einer Verurteilung durch den Sicherheitsrat und einem darauf
folgenden Imageverlust in der öffentlichen Meinung führen könnte, wenn sich die Rechtfer-
tigung als nicht stichhaltig herausstellen sollte.
Die Schemata wiederholen sich. Eine Rufmordkampagne wird aufgezogen, indem die Me-
dien mit schrecklichen Enthüllungen über das Verhalten des Gegners vorangetrieben wer-
den, um ein negatives Vorurteil zu erzeugen, das sich tief im kollektiven Bewusstsein der
Öffentlichkeit verankern wird. Die Nachrichten werden oft zur Begünstigung des Kunden
zusammengestellt und interpretiert. Wenn sie einmal lanciert sind, wird jede Richtigstel-
lung oder jedes Dementi ignoriert. Die subtile Arbeit der Überzeugung ruft in der Öffentlich-
keit einen tiefen Hass auf das Objekt der Agenturbotschaft hervor. Die Menschen identifi-
zieren idealerweise im angebotenen „Feind“ die Ursache all ihrer täglichen Frustration,
und sie preisen die militärische Intervention und die Bombardierung, ohne rational über die
objektiven Gründe für das Problem nachzudenken. Sie denken auch nicht an die betroffe-
ne Bevölkerung: Männer, Frauen, Kinder, Familien wie ihre eigenen.

Massengräber von Srebrenica – Tausende von Leichen wurden von medizinischen
Experten nie gefunden

Die Belagerung der Stadt Gorazde in Bosnien ist ein Beispiel dafür. Sie wurde als eine of-
fene, schutzlose Stadt präsentiert, aber die Muslime hatten sie in eine Festung mit Waffen-
und Chemiefabriken umgewandelt. Die sogenannten heimtückischen serbischen Angriffe
waren nur eine Antwort auf den provozierenden Artilleriebeschuss durch die Muslime. Der
muslimische Beschuss fand unter den Augen der Unprofor statt.
Manchmal werden vergangene Episoden gespeichert, und sie warten auf eine passende
Gelegenheit. Es handelt sich um den Fall der berühmten Massengräber von Sebrenica,
die Tausende Leichen enthalten sollen. Tatsächlich haben die medizinischen Experten sie
niemals gefunden. Aber das Massengrab-Konzept ist häufig kurz vor einem wichtigen in-
ternationalen Treffen verwendet worden.
In Bosnien wurde die Technik der Bombenbilder von Beginn des Krieges an erfolgreich an-
gewandt. 1992, zu Beginn des Konflikts, kurz vor der Friedenskonferenz in London im Au-
gust, war es notwendig, dass die Serben, die an allen Frontlinien siegten, eine kleine Ge-
legenheit haben sollten, angehört zu werden. Alle Versuche, die internationale Sympathie
wiederzugewinnen, sollten unterlaufen werden.
Durch obsessive Bilder und Tonnen von Artikeln assistierte die internationale Öffentlichkeit
bei der Bombenexplosion in der Schlange der Wartenden in der Miskina-Strasse in Saraje-
vo, die den UN-Sicherheitsrat veranlasste, den Serben harte Sanktionen aufzuerlegen.
Was die Bomben auf dem Markt in der Markallé-Strasse in Sarajevo im Februar 1994 be-
ziehungsweise im August 1995 anbelangt, so riefen sie Medienstürme hervor: die Bombe
von 1994 explodierte vor dem internationalen Treffen in Genf, die andere lieferte der Clin-
ton-Administration die Rechtfertigung, ihre Luftschläge und Bombardierungen in der ge-
samten Republika Srpska zu starten, sogar weit entfernt von Sarajevo. Später erfuhren
wir, dass die Muslime für die Organisation der drei tragischen Vorfälle verantwortlich wa-
ren.(5)
Um die offensichtlichen Gesetzesbrüche zu verschleiern, die während der Bombardierung
von Jugoslawien stattfinden würden, haben die Nato und die USA auch Filmdrehbücher
eingeführt, während der wahre Zweck in der Kontrolle Kosovos bestand, um dort eine Mili-
tärbasis zu plazieren und das Gebiet besser zu überwachen, durch das gemäss Plan Pi-
pelines von den kaukasischen Republiken führen sollten.
Die OSZE-Beobachter in Kosovo verfügten, dass die jugoslawischen Milizen über jede Po-
lizeioperation gegen die UÇK Rechenschaft ablegten. Deshalb kam das makabere Szena-
rio von Racak im richtigen Moment. Die Entdeckung der albanischen Leichen musste der
Startschuss für die Kosovo-Operation sein. Obwohl die finnischen, weissrussischen und
jugoslawischen Pathologen bewiesen haben, dass alle tödlichen Wunden durch Geschos-
se aus Distanz verursacht und die Amputationen nach dem Tod vorgenommen worden wa-
ren, haben die OSZE-Beamten ihren Bericht nicht veröffentlicht, um die Mediensache zur
Beschleunigung der Nato-Intervention explodieren zu lassen.**

„Rambouillet“ – Praktische Besetzung Serbiens

Das Rambouillet-Treffen schlug fehl auf Grund des speziellen, dem Übereinkommen bei-
gefügten Abschnitts, welcher die praktische Besetzung Serbiens beinhaltete, und die Nato
erklärte ihren „humanitären Krieg“. Die Bevölkerung floh von Kosovo nach Serbien, Albani-
en, Mazedonien, Montenegro.
Aber die Medien zeigten vor allem die Flüchtlinge in Albanien und Mazedonien. Es war der
Triumph des Absurden: die Folge der Bombardierung wurde in den Medien als Ursache
und Rechtfertigung für die Nato-Intervention dargestellt.
Als die Luftangriffe und ihre „Kollateralschäden“ begannen, eine gefährliche psychologi-
sche Wirkung auf die öffentliche Meinung zu haben, wurde, um die Situation zu glätten,
der jugoslawische Staatschef, Slobodan Milosevic, zum Kriegsverbrecher erklärt. Und die
Medien präsentierten der Öffentlichkeit einen weiteren öffentlichen Feind. Es war ein Ver-
fahren, um den Eindruck der Rechtmässigkeit des Bombardements zu erhärten und um
den Eindruck zu beseitigen, dass die serbische Regierung mit ihrem Widerstand dabei
war, moralisch das Spiel zu gewinnen.

9/11 bis heute kein Beweis für die Schuldigen

Vor kurzem waren wir live an der New Yorker Tragödie der Twin Towers beteiligt. Ein
schrecklicher Akt von Terrorismus. Die USA erklärten die Schuld Usama bin Ladins, al-Kai-
das und der Taliban. Und sie griffen Afghanistan an. Aber warum veröffentlichten sie den
Beweis ihrer Schuld nicht? Seit 1978 war George Bush – zu dieser Zeit CIA-Direktor und
später der US-Präsident, der den Golfkrieg gegen den Irak begann – mit verschiedenen
Mitgliedern der bin-Ladin-Familie in Öl- und Luftfahrtsgesellschaften verbunden: Arbuste
Energy, Harken, Houston Gulf Airport.(6) Wir dürfen nicht vergessen, dass bin Ladin seit
1992 in Bosnien war, wo er mehr als drei „afghanische“ Camps organisierte. Er erhielt die
bosnische Staatsbürgerschaft als Verdienst für seinen Krieg. Er war 1998 in Kosovo. Die
CIA wusste das. Verdeckt all dies noch etwas anderes? Andere Militärbasen, Öl, Pipelines,
zentralasiatische Hegemonie? Andere Kriegsspiele? Eines ist sicher, wir haben einen wei-
teren öffentlichen Feind erhalten, den dritten in etwas mehr als zehn Jahren.

(Übersetzung Zeit-Fragen)
* Il Corridoio, Viaggio nella Jugoslavia in guerra. La Città del Sole 2005, ISBN 8882922774

** Am 16. Januar 1999 eilte William Walker damals Chef der OSZE-Beobachtermission, (aber kein unbeschriebenes Blatt: laut Uno-Be-
richten deckte er als US-Botschafter Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkrieges in El Salvador und war in Contra-Aktivi-
täten gegen das sandinistische Nicaragua verstrickt) mit mehreren Kamerateams nach Raçak und erklärte das Ereignis vor jeder Unter-
suchung zum Massaker, zur Massenhinrichtung und behauptete unter anderem, man hätte Beweise für „Tötungen und Verstümmelun-
gen unbewaffneter Zivilisten“ gefunden, „viele aus extremer Nahdistanz erschossen“. Daran äusserte die leitende finnische Pathologin,
Dr. Helen Ranta schon damals Zweifel: die Schüsse kamen nicht aus nächster Nähe, sondern aus Distanz, und ihre Untersuchungen
legten den Schluss nahe, dass die von den Kamerateams gefilmte Szene arrangiert worden war, was sie auch dem Gerichtshof in Den
Haag mitteilte. Eher handelte es sich um Opfer eines Gefechtes zwischen serbischer Polizei und der UCK, denn unter den Toten befan-
den sich auch UCK-Soldaten.

(1) Anne Morelli, in: Michel Collon. Monopoly
(2) Michel Collon. Monopoly
(3) Albin Michel. Les veritées yougoslaves ne sont pas toutes bonnes à dire. Paris 1993
(4) Thomas Deichmann, Der Standard und Die Weltwoche vom 10. 2.1997, Novo 15. 1. 1997, De Groene Amsterdamer, 22.1. 1997, Li-
ving Marxisme 25.1. 1997
(5) Yossef Bodansky. Offensive in the Balkans
(6) Peter Allen. Bin Laden links to Bush. Daily Mail vom 24. September 2001




Link zum Artikel: http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2007/nr20-vom-2152007/medienkrie-
ge-die-rolle-der-pr-agenturen-in-den-kriegen-der-gegenwart/

								
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