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Von der Megalomanie des Geldes zur Megalomanie der Architektur

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Von der Megalomanie des Geldes zur Megalomanie der Architektur Powered By Docstoc
					Günther Moewes:
Von der Megalomanie des Geldes zur Megalomanie
der Architektur*
Dieser Beitrag stellt die erweiterte Fassung eines Vortrags dar, den der Verfasser am 29. Juni 2002 im Rahmen einer Tagung der
"Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung" im Lebensgarten Steyerberg gehalten hat. Der Vortrag wurde anlässlich der Emeritierung
von Frau Prof. Dr. Margrit Kennedy nochmals am 4. Juli 2002 im Fachbereich Architektur der Universität Hannover gehalten.


Das Drama der Geldentwicklung

Wirtschaft und Politik werden bekanntlich von Geldverhältnissen geprägt. Weniger bekannt
ist offensichtlich die Dramatik, die die Entwicklung dieser Geldverhältnisse derzeit annimmt,
welche geradezu katastrophalen Auswirkungen sie auf unsere künftigen Lebensverhältnisse
haben wird. Die Politik stemmt sich dieser Entwicklung nicht nur nicht entgegen, sondern
sucht sie nach Kräften zu bedienen oder sogar als "Modernisierung" schönzureden.

Sowohl nationale als auch globale Wirtschaften werden heute beherrscht vom Gegensatz
zwischen den privaten Vermögensüberschüssen und der von ihnen ausgelösten öffentlichen
und globalen Verschuldung. Beide wachsen exponenziell. Was exponenziell heißt, scheinen
nur wenige zu wissen: Die Geldvermögen der privaten Haushalte sind in Deutschland in den
17 Jahren von 1983 bis 2000 von 2.221 auf 7.560 Milliarden Mark gestiegen [1], das heißt
nominal im Mittel um 7,47 und real um etwa 5,97 % jährlich. Die Kurve dieser 7,47 % ist
außerordentlich stabil. Sie lässt sich bis zum Jahr 1950 zurück verlängern, ohne dass die
realen Werte nennenswert von ihr abweichen. Auch Zins- und Konjunkturschwankungen
bilden sich nicht ab, vor allem weil diese sich auf Vermögen ab einer Million Dollar generell
kaum noch auswirken. Dem gegenüber sind die Netto-Arbeitseinkommen von 1991 bis 2000
gerade einmal von 937 auf 1.115 Milliarden Mark gestiegen [2], das sind nominal im Mittel
jährlich 1,94 %, real etwa 0,44 %.

Das bedeutet: Wenn die Politik nichts Außergewöhnliches unternimmt, werden beide Kurven
auch in den nächsten 50 Jahren in gleicher Weise ansteigen, die Vermögen um 7,47 % und
die Arbeitseinkommen um 1,94 %. 7,47 % bedeuten aber: Verdoppelung alle 9,97 Jahre. Bis
zum Jahr 2050 würden sich die privaten Vermögen demnach nominal auf 227 Billionen Mark
versiebenunddreißigfachen – eine kaum vorstellbare Zahl. In der gleichen Zeit würden sich
die Arbeitseinkommen nominal gerade einmal auf 2,9 Billionen Mark
verzweikommasechsfachen. Das Verhältnis private Vermögen/jährliche Arbeitseinkommen
würde nominal und real vom heute knapp Siebenfachen auf das 96fache steigen. Die
Ungleichverteilung würde sich also vervierzehnfachen.

Schon heute sind bekanntlich die privaten Vermögen extrem ungleich verteilt. In Deutschland
haben die oberen zehn Prozent der Bevölkerung so viel wie die übrigen 90 Prozent
zusammen. In den USA haben sogar schon die oberen ein Prozent so viel wie die unteren
92 Prozent. Man kann sich kaum noch vorstellen, wie sich da die oben beschriebene
Vervierzehnfachung auswirkt.

In der gleichen Zeit werden sich auch die von diesen Überschüssen ausgelösten Schulden
eben falls nominal versiebenunddreißigfachen, weil Gesamtvermögen und Gesamtschulden
(Staat + Unternehmen + Private) stets parallel steigen, wenn auch leicht zeitversetzt. Daran
würde auch ein Abbau der Staatsverschuldung nichts ändern, weil dadurch nur
Staatsschulden auf private und Unternehmensschulden abgewälzt werden.

Nun wird man vielleicht sagen: Zumindest der exponenzielle Anstieg der Kapitalvermögen ist
doch positiv, denn wir haben ja auch erhöhten Bedarf: für den Aufbau in der dritten Welt, für
den ökologischen Umbau und den strukturellen Wandel. Tatsächlich fließt jedoch ein immer
größerer Teil der steigenden Überschüsse vom tatsächlichen Bedarf weg. Das liegt zum
einen daran, dass Geld aufgrund der Zinsmechanik grundsätzlich dorthin fließt, wo ohnehin

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schon Geld ist, und dort weg, wo es nicht ist, also gebraucht wird. Auch Börsengewinne
fließen eher zu den Großanlegern hin und von den Kleinanlegern weg, eine Tendenz, die
derzeit geradezu Betrugsdimensionen annimmt. Zum anderen wird auch bei optimistischster
Einschätzung des vorübergehenden Bedarfs für den sozialen, ökologischen und technischen
Wandel der Geldbedarf niemals in dem exponenziellen Aus maß ansteigen wie der
beschriebene Anstieg der Überschüsse. Schon jetzt vollziehen sich 94 % der
Geldbewegungen ausschließlich im spekulativen Bereich und nur noch 6 % im Bereich des
konkreten Güter- und Leistungsverkehrs. Da spekulative Anlagen unter dem Strich selbst
noch in einer Baisse höhere Gewinne versprechen als konkrete Investitionen, entsteht ein
weiterer Sog vom tatsächlichen Bedarf weg. Und auch diese Tendenz wird von der Politik
nicht kontrolliert, sondern allzu oft gestützt. Während die Bargeldmenge aus Angst vor
Inflation penibel überwacht wird, schießt die Kurve der privaten Vermögen immer vertikaler in
schwindelerregende Höhen.

Geldentwicklung und Arbeit

Das exponenzielle Geldsystem erzeugt einen ständigen, ebenfalls exponenziell steigenden
Anlagedruck. Immer größere Milliardensummen jagen täglich um den Globus auf der Suche
nach Anlage. Das hat auch dramatische Auswirkungen auf die Rolle der Arbeit. Der
exponenziell steigende Anlagedruck kann immer weniger vom realen Bedarf kompensiert
werden. Arbeit dient immer weniger der Deckung tatsächlichen Bedarfs und immer stärker
der bloßen Bedienung der privaten Überschüsse. Da aber die materielle
Existenzberechtigung der Bevölkerungsmehrheit weiter an die verschwindende Arbeit
gekoppelt bleibt, muss ein immer größer werdender Teil des zunehmenden Anlagedrucks
durch ständig neue Hinzuerfindung von Beschäftigung kompensiert werden, für die ein
unmittelbarer Bedarf nicht mehr besteht. Dieser Zwang zur ständigen Neuerfindung von
Beschäftigung über den realen Bedarf hinaus ist ein wesentliches Merkmal exponenziell
orientierter Geld- und Wirtschaftssysteme.

Das bildet sich zuerst einmal in drei Bereichen ab:

1. Staatlich subventionierte Überproduktion. Produktion von Leerständen und
Wirtschaftsruinen (Beispiele: Kohlehalden, Butterberge, Weinseen, Atomkraftwerk Kalkar,
Lausitzring, Main-Donau-Kanal)

2. Bürokratie, Regulierungswut, Gesetzesflut, Steuergesetzgebung, immer
undurchschaubarer werdendes Gestrüpp von Transfereinkommen und zugehörigem
Antragswesen.

3. Reparaturgesellschaft statt Vermeidungsgesellschaft. Künstliche oder fahrlässige
Verkürzung der Lebensdauer von Bauten, Computern, Kommunikationsmitteln, Glühbirnen
usw. Naturzerstörung erzeugt aufwändige "Renaturierung". Lebensmittelchemie, Umweltgifte
und unsinnige Ernährungsgewohnheiten erzeugen eine immer aufwändigere
Reparaturmedizin. Die wachsende Ungleichverteilung erzeugt Sozialreparatur,
Kontaminierung erzeugt Dekontaminierung. Verschmutzung erzeugt Reinigung, Verpackung
erzeugt Recycling usw.

Das alles schafft Anlagemöglichkeiten und damit "Arbeitsplätze". Mittlerweile ist die ganze
Wirtschaft des exponenziellen Geldsystems von solchen unsinnigen und vermeidbaren
Verfahren geprägt, deren einziger Sinn es ist, "Arbeitsplätze zu schaffen". Man tut nicht das
Nahe liegende, sondern stets das Abwegigere, weil Aufwändigere.

Ein immer größerer Teil unserer Wirtschaft provoziert von vornherein die spätere, gewinn-
und arbeitsplatzträchtige Reparatur, lebt von der vorherigen Zerstörung. Der
Beschäftigungsstaat mästet sich an seinen eigenen Fehlern. Unterlassene Vermeidungen,
Schäden, Zerstörungen sind stets willkommen.

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Das System paralysiert sich immer mehr selber, "es läuft sich langsam tot" [3] (Hazel
Henderson) und "erstickt an seinen eigenen Widersprüchen"[4] (Wolfgang Berger). Die
exponenzielle Geldvermehrung schließt eine Vermeidungsgesellschaft ebenso grundsätzlich
aus, wie eine erträumte Effizienzgesellschaft. Ohne Änderung des exponenziellen
Geldsystems bleibt alle Ökologie bloße Oberflächenreparatur. Die Nichtvermeidung, die
absichtsvolle Zerstörung mit dem Ziel nachträglicher Reparatur wird zum Politikprinzip.

Arbeitsbeschaffung durch Arbeitsvernichtung
Von der Inkaufnahme von Zerstörung bis zu ihrer mutwilligen Herbeiführung ist es nur ein
kleiner Schritt. Die Grenzen vom sogenannten "Wettbewerb" mit seinen Insolvenzen über
den Wirtschaftskrieg bis zum "modernen" kampf- und risikolosen Materialkrieg sind fließend
geworden. Reichen alle Erfindungen neuer Anlagemöglichkeiten nicht mehr aus, kommt es
zur explosionsartigen Entladung des Anlagedruckes, für den sich besonders Kriege eignen.
Noch nie hat sich die Hochfinanz dieser vierten Möglichkeit der Beseitigung von Anlagedruck
verweigert.

Beim "modernen" Materialkrieg wird der Wiederaufbau bereits vor Kriegsbeginn versprochen.
Mit diesem Ziel werden noch vor Kriegsende Firmenpools in den High-Tech-Ländern
gebildet. 60 Mrd. Kriegskosten erzeugen 60 Mrd. Wiederaufbaukosten. Das Kosten-
Wirkungs-Verhältnis ist ebenso unwichtig wie die völkerrechtliche oder moralische
Rechtfertigung. "Was immer es auch kostet, wir müssen siegen", sagte Tony Blair anlässlich
des Jugoslawien-Krieges. Richtiger wäre wohl gewesen: "Egal ob wir siegen oder verlieren,
Hauptsache, es kostet was." Und im Kaschmir-Konflikt hat Großbritannien jahrzehntelang
beide Seiten mit milliardenteurer Rüstung beliefert, bis genau drei Tage vor ihrem Aufruf an
die britischen Staatsangehörigen zum Verlassen der beiden Länder. Blairs anschließende
Reise in die Krisenregion wurde dann als "Friedensmission" deklariert. Kritik an den
Rüstungslieferungen bezeichnete er als "absolut bizarr". Die Verantwortung läge
"ausschließlich bei den beiden Ländern selbst und ihrer Bereitschaft zum Frieden"[5].

Bei der Auslösung moderner Kriege spielt die fossile Energiewirtschaft eine Hauptrolle. Sie
braucht Rüstung und Kriege nicht nur zur Sicherung der großen Ölvorkommen in Mittelasien
und Nahost, sondern auch zur Absatzsteigerung. Die Ölindustrie hat im Handstreich fast alle
Posten der US-Regierung sowie das Amt des afghanischen Präsidenten mit ihren
ehemaligen Angestellten besetzt. Und in Deutschland wird so getan, als sei die Wahl
zwischen zwei Autokanzlern eine zeitgerechte und aufregende politische Alternative.

Immer mehr Politiker und Polizisten, Piloten und Arbeiter besorgen das Geschäft der
Geldanleger. Ob ferngesteuerte Finanzoperation per Mausklick oder ferngesteuerter
Beschuss per Knopfdruck – das Geld kann und will die Wirkungen, die es anrichtet, nicht
sehen und erleben. Ein absehbarer Höhepunkt bei der Anlagebeschaffung wird erreicht sein,
wenn zwei ebenbürtige High-Tech-Nationen sich gegenseitig ihre Infrastrukturen zerstören.

Geld für die einen, Arbeit für die anderen
Die zunehmend zerstörerische Wirkung heutiger Arbeitsbeschaffung resultiert nicht nur aus
dem exponenziellen Geldsystem. Sie resultiert vor allem auch aus der weiterbestehenden
Koppe lung der materiellen Existenz der Arbeitenden und ihrer Familien an die
verschwindende Arbeit. Damit wurde eine Art Schneeballsystem installiert, das den
exponenziellen Effekt des Geldsystems aufnimmt, imitiert und bedient: Man lässt von
Arbeitern die Maschinen bauen, durch die sie dann überflüssig werden. Dann entlässt man
sie, nicht ohne vorher ihre Existenzberechtigung an eben jene Arbeit gekoppelt zu haben, die
man ihnen wegnimmt. Anstatt Arbeit abzuschaffen, wird so ein fiktiver Arbeitsbedarf immer
schneller exponenziell vermehrt: Je mehr Maschinen gebaut, desto mehr Arbeiter müssen
ersetzt, desto mehr Arbeit muss täglich neu hinzu erfunden werden. Aus Arbeitsabschaffung
ist Arbeitsbeschaffung geworden.


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Dieser Trick hat alle Industrialisierung praktisch auf den Kopf gestellt, alle Ökonomie in ihr
Gegenteil verkehrt. Er beraubt uns prinzipiell der Möglichkeit der Unterlassung. Er läuft aus
prinzipiellen Gründen aller Aufwandsminimierung, aller Rationalisierung, aller Sparsamkeit
und aller Vermeidung zuwider. Alle punktuelle Rationalisierung mündet in Arbeitsplatzabbau,
und aller Arbeitsplatzabbau muss dann durch künstliche Beschäftigungserfindung an anderer
Stelle wieder kompensiert werden. Vor allem aber: Managementfehler können die
Existenzen ganzer Belegschaften und ihrer Familien vernichten, während alle erfolgreichen
Managemententscheidungen allenfalls den Shareholdern zugute kommen.

Wir haben uns ein Wirtschaftssystem geschaffen, in dem Arbeitslosigkeit zunehmend durch
vernünftiges Verhalten erhöht und durch unvernünftiges Verhalten vermindert wird.
Sparsamkeit, Vermeidung, Unterlassung, Konsumverzicht und Beschränkung auf das
Sinnvolle bedeuten Abschwung. Überproduktion, sinnlose Transporte, Reparaturanfälligkeit,
Reparaturmedizin, Sozialreparatur, Bürokratie, Deregulierung, Verschwendung,
Verdummung, Verpackung, Vergiftung, Rüstung, Zerstörung und Kriege bedeuten
Aufschwung. Das würde auch durch eine verstärkte Konzentration auf sinnvolle und
vernünftige Arbeit, durch Aufbau in der dritten Welt, durch den ökologischen Umbau und
sinnvolle technische Innovation nur vorübergehend und nur zum Teil kompensiert werden.

Und das alles nur, um Vorwände zu konstruieren, damit das von den Vermögen und
Maschinen "verdiente" Geld nicht in die Taschen der "freigesetzten" Arbeitenden fließt,
sondern in die der nicht arbeitenden Kapitalbesitzer. Die einen ernten einseitig deren Früchte
und die anderen tragen einseitig deren Folgen. Aus dem großen, Jahrtausende alten
Menschheitstraum von der Befreiung von Arbeit durch die Maschine ist nichts geworden.
Geld ist mehr als genug da. Aber nicht diejenigen, die die Maschine von der Arbeit befreit
hat, dürfen das Geld einstecken, das diese für sie verdient, sondern die einen stecken das
Geld ein und die anderen müssen ihre Existenz weiter legitimieren, ausgerechnet durch die
verschwindende Arbeit. Wer immer nur "Arbeit, Arbeit, Arbeit" fordert, ohne nach deren
Gesellschaftsdienlichkeit und Verwertung zu fragen, trägt zur weiteren Entwertung der Arbeit
bei und bedient letztlich nur die Interessen des leistungslosen Kapitalbesitzes.

Wie konnte ein Profipolitiker wie der Bundeskanzler vor seiner Wahl 1998 die Halbierung der
Arbeitslosigkeit versprechen und die Wähler auch noch bitten, ihn bei der nächsten Wahl
beim Wort zu nehmen? Sah er wirklich nicht, dass die Arbeitslosigkeit nie wieder
nennenswert zurückgehen kann, weil dies prinzipiell der Industrialisierung widerspricht? Und
zwei Monate vor der nächsten Wahl versuchte er mit instrumentellen Mitteln nachzuholen,
was er vier Jahre lang nicht geschafft hat: Teillegalisierung der Schwarzarbeit als "Ich-AG",
Herausrechnen aller über 55jährigen, Erhöhung der Zumutung für die Jüngeren.[6] Dahinter
steht die alte Vorstellung, die sich leistungslos aufopfernde Kapitalseite müsse mit
Erziehungsmaßnahmen gegen notorische Faulheit angehen. Statt Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit werden die Arbeitslosen bekämpft.

Ein Staatswesen, das leistungslosen Kapitalbesitz und Rendite immer stärker entlastet und
belohnt, gesellschaftsdienliche Arbeit aber immer schlechter bezahlt und immer mehr
belastet – ein solches Staatswesen gibt sich selbst auf, verliert auf die Dauer seine
Glaubwürdigkeit und Existenzberechtigung. Die Grenze zwischen legaler und illegaler
Aneignung der leistungslos erworbenen Vermögen lässt sich kaum noch überzeugend
ziehen. Ein solcher Zustand endet zwangsläufig in Korruption und Mafia. Und diese spielt
sich wiederum hauptsächlich in zwei Bereichen ab: im Geldwesen und im Bauwesen.

Geldsystem und Architektur
Nirgendwo bilden sich die Geld- und Arbeitsverhältnisse deutlicher ab als beim Bauen. Zwar werden
grundsätzlich alle Lebensbereiche vom System der Überschüsse und Schulden geprägt.
Überall in den Industrieländern finden wir die gleichen exponenziell ansteigenden Kurven:
beim Landschaftsverbrauch, beim Verkaufsflächenangebot, bei den Gesundheitsausgaben,
bei den Zulassungszahlen der Anwaltskammern, bei den Personalkosten der

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Fußballbundesliga. Da weder Bevölkerungsanstieg noch der Anstieg des Arbeitsvolumens
die Ursache sein können, können es nur die exponenziell steigenden Geldvermögen sein.

Während dieser Einfluss jedoch in den anderen Bereichen weitgehend abstrakt, diskret und
unsichtbar bleibt, wird er durch das Gebaute visualisiert, im Positiven wie im Negativen, in
den Hochhauspalästen von New York und Hongkong ebenso wie in den Hütten,
Elendsvierteln und Slums von Lagos, Kalkutta und Mexico City und auf den Müllbergen von
Manila und Sao Paolo.

Architektur ist immer Abbild und Nachvollzug der Wirtschafts- und Geldgesetzmäßigkeiten,
nie mals verhält es sich umgekehrt. Gewiss, Architektur ist auch immer Abbild des Standes
der Technik. Aber auch die Technik ist bei näherem Hinsehen abhängig von den Wirtschafts-
und Geldgesetzmäßigkeiten: Ohne die ersten Kapitalzusammenballungen keine Flotten, kein
Kolonialismus; ohne Kolonialismus nicht die noch größeren Kapitalanhäufungen und ohne
diese keine Industrialisierung, und ohne diese wiederum kein Stahl, kein Auto, kein
moderner Verkehr, keine Kräne, keine Hochhäuser. [7]

Produktion von Leerständen zwecks Arbeitsplatzbeschaffung

Wie kaum ein anderer Bereich dient das Bauwesen heute immer weniger realer
Bedarfsdeckung und immer mehr bloßer Arbeitsplatzbeschaffung. Über reine Ersatzbauten
hinaus werden Neubauten praktisch nur noch gebaut, um Arbeitsplätze zu erhalten. Ein
veritabler Bedarf besteht kaum noch. Seit 1990 wurden allein in Ostdeutschland 600.000
Wohnungen gebaut, obwohl 1990 schon 400.000 leerstanden. Heute stehen 1,3 Millionen
leer. Das sind 15,8 % des Bestandes.[8] Gleichwohl wurden Wohnungsneubauten allein im
Jahr 2001 noch mit 3,1 Milliarden Mark öffentlich gefördert, die Altbausanierung dagegen nur
mit 1,7 Mrd. Mark. Auch die Eigenheimzulage ist für Neubauten nach wie vor doppelt so
hoch wie für Altbauten. Lediglich in westdeutschen Großstädten besteht ein Fehlbedarf von
insgesamt etwa 100.000 Wohnungen jährlich einschließlich Ersatzbedarf, während zum
Beispiel Kassel und Hannover Leerstände von 13 und 8,2 % aufweisen.

Büroflächenleerstand in Deutschland im Jahr 2002: 1,7 Millionen qm,
Verkaufsflächenüberhang nach Angaben des Einzelhandelsverbandes: ca. 40 Mio qm. Und
das, obwohl Deutschland mit 105 Millionen Quadratmetern bereits 1,6 mal so viel
Verkaufsfläche pro Kopf hat wie zum Beispiel Großbritannien, und obwohl allein im Jahr
2002 nach Schätzungen des Einzelhandelsverbands etwa 15.000 Einzelhandelsbetriebe
schließen müssen.

Trotz dieses Überschusses an Verkaufsfläche rollt auf Deutschland eine Welle von
Bahnhofsneubauten zu, die alle das Ziel haben, dort möglichst viel neue Einzelhandelsfläche
unterzubringen. Natürlich kaufen die Leute dadurch nicht mehr, sondern diese
Einkaufsfläche wird aus den Innenstädten, vor allem aber aus den Kleinstädten der
Umgebung abgezogen. Das Großkapital vernichtet so mittelständische Existenzen und treibt
bisher Selbstständige in eine unterbezahlte Verkäuferexistenz in kunstbelichteten und
klimatisierten Supermärkten. Und Politik und Kommunen sehen tatenlos zu oder dienern
auch noch hinter den Investoren her, weil sie vermeintlich "Arbeitsplätze schaffen".

Die leergezogenen Altbauten weisen meist eine bessere und solidere Architektur auf als
Neubauten, verwahrlosen aber dennoch nach und nach, bis Oberbürgermeister und
Lokalpresse sie irgendwann als "Schandfleck" brandmarken und niemand mehr
wiedersprechen mag, wenn sie abgerissen werden. An die Stelle der großangelegten und
geplanten Abrisse der 1960er Jahre, etwa des Frankfurter Westends, ist heute so der
schleichende, kaum mehr bemerkte Abriss getreten.

Wie Geldmechanismen, Architekteneitelkeit und die Subalternität der Politik ineinander
greifen, kann man sehr schön am Beispiel des derzeit in der Planung befindlichen

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Dortmunder Bahnhofs sehen. Aus einem beschränkten Wettbewerb ging ein sogenanntes
"Ufo" hervor. Weltraumarchitektur hat heute die gleiche Funktion wie in den 1920er Jahren
die sogenannte "Streamline-Architektur": sie verheißt unüberbietbare Modernität. Aus diesem
Grunde finden die Millionärs-Quiz-Shows im Fernsehen alle in so einer
zusammengeschusterten Weltraumarchitektur statt. In manchen sitzen die Kandidaten sogar
in Raumkapseln.

Die Stadtväter träumten natürlich davon, dass ein solches Weltraum-Ufo Dortmund endgültig
vom Kohlenpott- und Blumenkübel-Image befreit. Die Nachteile stellten sich erst später
heraus: der hochliegende Gleiskörper war sehr breit, und das Ufo wirkte natürlich nur, wenn
es auch von beiden Seiten zu sehen war. Ein Kreis lässt sich aber nicht einfach in die Länge
ziehen. Er wurde also immer größer. Und da eine nur eingeschossige Scheibe von 100 m
Durchmesser auch nicht sehr eindrucksvoll war, wurde er auch immer höher. Das Volumen
stieg exponenziell.

Wie ein solches Volumen füllen? Die dringend gebrauchten Parkplätze ließen sich kaum in
dieser Höhe über den Gleisen unterbringen. Also erfand man zu den 30.000 Quadratmetern
Verkaufsfläche vor allem Freizeitaktivitäten. Ein tropisches Ozeanium sollte her usw. usw.
Irgendwann starb das Projekt dann wie weiland die paläontoligischen Riesenhirsche an
Hypertrophie.

Man fragt sich nur, wie es sich so lange halten konnte und mehrere 100.000 Mark
Planungskosten verschlingen konnte. Und das hat natürlich wieder mit der Logik der
Geldmechanismen zu tun: je größer, desto mehr vermeintliche Arbeitsplätze, desto mehr
Rendite für den Investor, desto mehr Honorar für die Architekten, desto mehr privates Kapital
untergebracht, desto mehr Anlagedruck beseitigt. Das Risiko tragen ja die Anleger,
allerdings vor allem die Kleinanleger.

Private Überschüsse und öffentliche Schulden

Nirgendwo bildet sich das Verhältnis von privaten Überschüssen und öffentlicher
Verschuldung so deutlich ab wie in Architektur, Städtebau und Landschaft. Die privaten
Überschüsse ergießen sich pausenlos in die Landschaft, wie in dem Märchen vom süßen
Brei. Seit 1960 ist die Siedlungsfläche vier Mal so schnell gestiegen wie die Bevölkerung. In
Deutschland werden täglich 130 Hektar Fläche zugebaut. In Nordrhein-Westfalen sind nach
Angaben des BUND inzwischen 21 % der Fläche versiegelt, fast so viel wie die gesamte
Waldfläche.[9] Städte und Gemeinden versuchen sich ständig Firmenansiedlungen und
Arbeitsplätze durch Angebote besonders guter Landschaftslagen abzujagen. Wie wir alle
wissen, wird dadurch zwar ständig Landschaft zerstört, aber in der Summe kein einziger
Arbeitsplatz neu geschaffen.

Im gleichen Tempo ist die Ausnutzung der innerstädtischen Flächen gesunken. In vielen
Großstädten (z.B. in Dortmund) stehen immer noch riesige innerstädtische Grundstücke seit
dem 2. Weltkrieg leer, weil die laufende Preissteigerung bei Hortung mehr abwirft als die bei
Bebauung. Der Anteil der Brachflächen und der notdürftig begrünten Brachflächen steigt
ständig.

Die Städte kommen mit der Aufbereitung aufgegebener Grundstücke nicht nach. Die
Investoren rechnen ohnehin nur noch in Kreditlaufzeiten von maximal 40 Jahren. Oft legen
sie aber schon nach 15 Jahren eine gezielte Pleite hin und hinterlassen der Stadt eine
sogenannte "Konversionsfläche". Das öffentliche Hinterherdienern hinter diesem
Städtebauschrott mit Steuermitteln ist inzwischen Thema von Bauausstellungen und
Hochschulwissenschaft. Richtiger wäre es vermutlich, Grundstücke grundsätzlich nur noch
gegen Hinterlegung einer "Abrisskaution" an private Investoren abzugeben (Kunibert
Wachten). Noch richtiger wäre es, überflüssige Kulturflächen zu renaturieren. Aber genau
das findet natürlich nicht statt, weil es nicht nur mit Aufwand, sondern auch mit Wertverlust

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für den Eigentümer verbunden wäre. Nicht einmal die IBA-Emscherpark hat das geschafft.

Aufgrund der Verschuldung der Städte sind die Stadträte gezwungen, nicht mehr den
Interessen ihrer Wähler zu folgen, sondern den Investoren fremden Geldes
hinterherzudienern. Seit 40 Jahren gibt es praktisch keinen Fachmann, keinen Politiker, kein
Feuilleton und keine Fernsehsendung mehr, die Zersiedlung, Landschaftszerstörung und die
daraus resultierende Entdichtung der Städte gutheißen. Man kann ganze Regale mit
Abhilfevorschlägen füllen (Gewerbesteuer nicht mehr an Kommunen, Strafsteuer auf
Brachflächen, keine Neuausweisung von Bauland in Außengebieten usw.). Geändert hat
sich absolut nichts. Es kann sich natürlich auch nichts ändern, solange der Anlagedruck der
privaten Überschüsse weiter ungebrochen exponenziell ansteigt.

All diese Abhilfemodelle setzen eben nicht bei den Geldüberschüssen an und erschöpfen
sich deshalb zwangsläufig darin, die vorgefundenen Negativentwicklungen einfach zu
bedienen oder sie gar zur großartigen theoretischen Forderung hochzustilisieren. Da wird ein
neues Leitbild der "perforierten Stadt" proklamiert [10], in der die Brachflächen einfach zur
Tugend erhoben und begrünt werden. Motto: "Schandflecken zu Oasen". Da wird der
Abschied vom Leitbild der "Europäischen Stadt", vom "heroischen Ganzheitsanspruch" und
von der klaren Trennung von "Stadt und Land" gefordert. "Chaos-Stadt", "Zwischenstadt",
"fraktale Ränder" und "Para-Ästhetik" heißen die neuen Schlagworte. Die achselzuckende
Bedienung der exponenziellen Geldmechanismen wird so auch noch als "Modernisierung"
ausgelegt – wie überall, wie bei der sogenannten Rentenreform, bei der Steuerreform, bei
der Regelung von Firmenübernahmen. Überall die gleichen Handlungsmuster.

Die Reduktion auf die Betriebswirtschaft und der Verlust des Raumes
Der Gegensatz zwischen privaten Überschüssen und öffentlicher Verschuldung verschlechtert nicht
nur einfach die monetären Möglichkeiten des Städtebaus. Er ist dem Städtebau prinzipiell
entgegengerichtet. Städtebau wäre seinem Wesen nach solidarische
Gemeinschaftsanstrengung. Das Primat der privaten Überschüsse und die daraus
resultierende öffentliche Verschuldung stellen demgegenüber das private Einzelinteresse
generell über öffentliches Gemeinschaftsinteresse. Es reduziert allen Städtebau auf die
bloße Addition privater Einzelinteressen und deren Bedienung.

Diese Reduzierung auf Einzelinteressen und freistehende Einzelgebäude durch den
Funktionalismus des frühen 20. Jahrhunderts vollzieht auch wieder nur eine Entwicklung aus
der Ökonomie nach: den Übergang vom Primat der "Nationalökonomie" zum Primat der
Betriebswirtschaft: Wegstapeln von Menschen nach betriebswirtschaftlichem Kalkül,
Konkurrenzprinzip, abstraktes Funktionieren in fremdbestimmter Arbeit, Arbeitsteilung,
Funktionstrennung, Einzelkiste. Aus Städtebau wurde Aufzählung, Aufreihung,
Lageristendenken.

Dieses rein betriebswirtschaftliche Verständnis wurde auch auf jene Lebensbereiche
ausgedehnt, die bisher nicht unmittelbar den Geldmechanismen unterworfen waren. Selbst
das Kochen zu Hause, bisher Bestandteil des täglichen Lebens, des Wohnens, der
geräumigen Wohnküche, wurde zum betriebswirtschaftlich durchrationalisierten
Produktionsvorgang. Beispiel: Frankfurter Küche. Sie war eine reine Arbeitsküche, im
Grunde eine verkleinerte Betriebsküche mit input, kürzestem Weg und output an der
sogenannten Durchreiche.

Diesem vordergründig betriebswirtschaftlichen Verständnis, diesem Primat des
Einzelinteresses über das Gesamtinteresse entsprach auch die Reduktion des Städtebaus
auf die bloße Addition freistehender Einzelgebäude. Diese wiederum hatte eine völlige
Veränderung des Raumverständnisses zur Folge: Das hatte es in der gesamten
Baugeschichte noch nie gegeben. Städte bau war immer die komplexe Organisation von
Gebäudemehrzahlen unter gegenseitiger Einfluss- und Rücksichtnahme. Diese gegenseitige

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Einfluss- und Rücksichtnahme manifestierte sich unter anderem in der Organisation des
Raumes. Der Raum war Ausdruck des kollektiven Gesamtinteresses. Er war deshalb primär.
Die Einzelgebäude waren Ausdruck des Einzelinteresses und deshalb sekundär. Sie waren
lediglich die Modelliermasse, mit der der primäre öffentliche Raum geformt wurde. Dieser
öffentliche Raum war genau definiert: man konnte immer sehen, wo er zu Ende war, wann
man einen Raum verließ und den nächsten betrat (Campo in Siena, Altstädte von Florenz,
Rothenburg und Prag, Champs-Elysees, Ramblas und Piazza Navona). Diese Raumbildung
war Inszenierung (z.B. von Prozessionswegen) und genau durchdacht. Die alten Schwarz
pläne zeigen das.

Der heutige Städtebau ist das genaue Gegenteil dieses vorindustriellen Konzepts. Egal, ob
man die zusammenhanglosen Geldspargel der Citys, die stumpfsinnigen Aufzählungen der
Plattenbauten oder das Schrottgewucher der Gewerbegebiete nimmt – der Stadtraum ist nur
noch bloßer undefinierter Gebäudeabfall. Er interessiert niemanden mehr. Es interessiert nur
noch das Einzelgebäude. Die Auflösung des Stadtraumes ist visueller Indikator der
Auflösung von Zusammenhängen, Gesamtinteresse und Gemeinschaft. In der "City of Bits"
(William J. Mitchell [11]) wird er nicht mehr benötigt.

In der vorindustriellen Architektur war das Einzelgebäude dem Wahrzeichen vorbehalten,
dem Logo. Und davon vertrug jede Stadt bloß ein oder zwei. Heute dagegen sind zumindest
die Citys regelrechte Wahrzeichensalate. Highlightopolis statt solidarischer Einordnung.
Städte bau wäre seinem Wesen nach solidarische Gemeinschaftsanstrengung, unauffällige
Einordnung, gegenseitige Rücksichtnahme.Beispiel Champs Elysées. An deren Stelle tritt
heute die punktuelle Konkurrenz, die möglichst bezugslose Selbstdarstellung von
Eigentümer oder Architekten, der Eigenerfolg auf Fremdkosten bis hin zur möglichst
wirksamen Beschädigung des jeweils anderen. Das Logo im Städtebau hat natürlich etwas
zu tun mit dem Logo der globalen Markenartikel. Es ist der Versuch, über die reine Bedarfs-
und Funktionserfüllung hinaus Aufmerksamkeit und letztlich Konsumbereitschaft zu erzielen.

Einzelinteresse heißt auch "Funktionstrennung": Die Wohnungsbaugesellschaft will sich nicht
mit Kindergärten abgeben, die Lebensmittelkette nicht mit Wohnungen und die Stadt nicht
mit Lebensmittelläden. Und so stehen dann die Parkplätze im Gewerbegebiet nachts und im
Wohngebiet am Tage leer. Im Gewerbegebiet werden riesige, energieverschwendende
Flachdächer nicht als großzügige Freisitze genutzt, und im Wohngebiet hocken die Nutzer
auf winzigen, angeklebten Balkonen. Im Mansarddach des neobarocken Landgerichts lagern
die Akten in Südlage mit Fernblick, im Mietshaus nebenan wohnt der Rentner auf der
Nordseite im dunklen Erdgeschoss an der lauten Straße. Und über dem Flachdach des
eingeschossigen Supermarkts werden vier Geschosse verschenkt, die wir dann in der
Landschaft vor der Stadt wiederfinden. Ist das etwa Städtebau?

Wieder dominiert das Systemerhaltungsinteresse über das Interesse an tatsächlicher
Bedarfsdeckung. Wieder führt betriebswirtschaftliches Denken keineswegs in die Reduktion
von Kosten und Aufwand – alles bereits weiter oben beim verursachenden Geldsystem
diagnostiziert.

Geldverhältnisse und Ästhetik
Auch die Ästhetik von Architektur (ebenso wie das Design) war und ist immer in erster Linie
von den Geldverhältnissen geprägt. Sie folgte stets dem Prinzip der zwei Ästhetiken: einer
Ästhetik des Offiziellen und einer Ästhetik des Privaten. In der vorindustriellen Zeit spiegelte
sich das in dem Gegensatz zwischen höfischsakraler und profaner Architektur –
unübersehbar ein Gegensatz der Geldverhältnisse. Heute stellt sich diese Dualität dar als
der erbitterte Gegensatz zwischen der offiziösen Investitionsästhetik des Funktionalismus
und seiner postfunktionalistischen Folgeästhetiken einerseits und der 'privaten' Konsum- und
Warenästhetik andererseits.

Konsum- und Warenästhetik – das ist die Ästhetik der Baumärkte, des Gelsenkirchener

Günther Moewes - Von der Megalomanie des Geldes zur Megalomanie der Architektur                8
Barocks und der Einfamilienhäuser. Die Wahlmöglichkeiten zwischen 48 Farben von
Klobrillen oder 400 Arten von Haustüren wird als "Freiheit" deklariert. An die Stelle von
Ehrlichkeit, Reinheit, Werkgerechtheit und Materialgerechtheit tritt die Sehnsucht nach alten,
vorindustriellen Verhältnissen, tritt das "mehr Schein als Sein", das Abziehbild
feudalistischen Glanzes, die "Goldenen Betten im Grünen", die Billigattrappen eines
ersehnten Luxus. Auf der anderen Seite die akademische, funktionalistischöffentliche
Ästhetik des Bauhauses, des früheren Deutschen Werkbundes, der Hochschulen und
Fachzeitschriften, die puristische Ästhetik des Ehrlichen, Reinen, Werk- und
Materialgerechten. Sie versteht sich als Fachästhetik, erkennt externe Anforderungen an,
nämlich funktionale, technische und wirtschaftliche, lehnt aber alle Konzessionen an
sinnliche oder ästhetische Erwartungen, Grundbedürfnisse und Potenziale des Publikums,
der breiten Bevölkerung erbittert ab. Von der Mitscherlich-Schule wurde sie deshalb in den
1960er Jahren als "sinnlich reduzierte" Investitions- und Oberschichtenästhetik beschrieben,
als Ästhetik einer vermeintlichen funktionalen Elite, als Ästhetik der "Kolonialisierung" durch
den "weißen Mann". Bei besonderen Gelegenheiten, etwa bei der Diskussion um
Denkmalschutz, Dresdner Frauenkirche oder Berliner Schloss, prallen beide gnadenlos
aufeinander.

Diese Beobachtungen lassen sich im übrigen auch auf anderen Gebieten machen, etwa im
Verhältnis von E-Musik zu U-Musik, Hoch- und Vulgärliteratur, abstrakter Kunst und den
röhrenden Hirschen der Glasereischaufenster und im Internet. Selbst die sogenannte
"Subkultur" kann sich nicht immer den realen Geldverhältnissen entziehen.

Und noch zwei Eigenschaften haben die beiden gegensätzlichen Ästhetiken in Geschichte
und Gegenwart gemeinsam:
1. Ihr Anteil am Bauvolumen war und ist äußerst unsymmetrisch.
2. Die offizielle Theorie blendete und blendet den quantitativ bei weitem größeren Teil
zumindest in der jeweiligen Gegenwart geflissentlich aus.

Das braucht für die vorindustrielle Geschichte nicht besonders belegt zu werden. Theorie
und Baugeschichte beschäftigten sich immer zuerst mit der höfischsakralen Architektur,
obwohl deren Anteil an Objektmenge und Gesamtvolumen weitaus geringer war. Die
quantitativ überwiegende Profanarchitektur der Fachwerkhäuser, Dörfer und Bauernhöfe
wurde erst nach gehörigem Zeitabstand gewürdigt, meist zuerst als "Volksarchitektur" und
folkloristische Besonderheit.

Heute ist dieser Unterschied noch drastischer geworden. Die offiziöse Fach-Ästhetik des
Bauhauses und der "Folge-Ismen" macht noch nicht einmal fünf Prozent des Gebauten aus,
beherrscht aber ausschließlich Theorie und Fachdiskussion. Die übrigen 95 Prozent des
Gebauten haben keinerlei Aussicht, jemals von Fachzeitschriften, Fachliteratur, Feuilletons,
Hochschulbetrieb und gegenwärtiger Baugeschichte gewürdigt zu werden – ein
erstaunliches Phänomen.

Natürlich resultiert auch das aus den Geldverhältnissen. Hatte es vor der Industrialisierung in
der profanen Architektur noch so etwas wie eine Volksästhetik gegeben, so wurde von nun
an fast alle Architektur von einer zinseinnehmenden Oberschicht für eine zinszahlende
Unterschicht gebaut. Die Bevölkerung hatte keine Möglichkeit mehr, aktiv eine eigene
Ästhetik zu entwickeln außer einer rein konsumptiven. Schon der sogenannte "proletarische"
Backsteinbau, etwa des Ruhrgebiets, war ja nicht mehr von Proletariern entwickelt worden,
sondern von Nicht-Proletariern, die sich vorstellten, wie sich Proletarier wohl Ästhetik
vorstellen. Die von Proletariern selbst geplanten Häuser sehen anders aus.

Diese Warenästhetik bildet heute am ungebrochensten die Entropie des Wirtschaftens
visuell ab (Wir erinnern uns: Entropie ist der Zustand der auf ewig unumkehrbaren
Vermischung, in die alle Material- und Energieressourcen dieser Erde durch den Vorgang
des Wirtschaftens nach und nach überführt werden. Alle Arbeit, alle Wirtschaft, die Material

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oder Energie bewegt oder umsetzt, erzeugen Entropie, es sei denn, sie operieren auf
externer Sonnenenergie). Kaufhäuser, Supermärkte, Baumärkte, Gewerbegebiete, factory-
outlet-center, Einfamilienhausgebäude, Hochhaus-Citys, Skylines, Landschaften – alles ist
heute nicht nur materielle, sondern auch visuelle, visualisierte Entropie.

Die offizielle, funktionalistische Ästhetik kann demgegenüber nur begriffen werden als der
verzweifelte Versuch, dieser Lawine materieller und visueller Entropie idealistischen
Widerstand entgegen zu setzen und aus dem realen Geldsystem auszubrechen. Der
anspruchsvolle Architekt kann mit dem Gedanken nicht leben, bloßes Vollzugsorgan von
Geld- und Wirtschaftsmechanismen zu sein, bloßer "Systemkavalier". Er klammert sich
deshalb an die Illusion, es gäbe irgendwo eine Ästhetik, die autonom sei. Diese Illusion hat
stellenweise zweifellos zu kostbaren Ergebnissen geführt, die man nicht missen möchte, zu
kostbaren vereinzelten Solitären. Das Aussehen von 95 Prozent unserer Städte und
Landschaften hat sie kaum beeinflusst. Über 95 Prozent zum Beispiel der Einfamilienhäuser
werden nicht von Architekten gebaut.

Alle Ästhetik von Architektur und Städtebau ist also von den realen Geldverhältnissen
geprägt: 95 Prozent von dem erfolgreichen Versuch, sie zu bedienen und fünf Prozent von
den erfolglosen, aber kostbaren Ausbruchsversuchen.

Wie treulich Architektur und Städtebau dem Wandel der Geldverhältnisse folgen, erleben wir
gerade zur Zeit: Bis weit in die 1960er Jahre hatte auch der öffentliche Bereich Anteil an den
Überschüssen. Das öffentliche Bauen war deshalb von der funktionalistischen oder
vulgärfunktionalistischen Investitionsästhetik geprägt. Die Konsumästhetik war die private,
wenn auch nicht originäre Ästhetik der arbeitenden Bevölkerung. Inzwischen haben sich die
Geldverhältnisse umgekehrt: Die Überschüsse befinden sich auf der privaten Seite und die
Verschuldung auf der öffentlichen. Folgerichtig erleben wir derzeit, wie die Ästhetik dies
nachvollzieht. Über die Großinvestoren breitet sich die private Konsumästhetik in den
öffentlichen Investitionsbereich aus, sehr zum Verdruss des BDA, der Hochschulen und der
Fachzeitschriften (Beispiele: CentrO Oberhausen, Dortmunder Bahnhof, Weltausstellung
Hannover, Baumärkte, factory-outlet-center, Bauten im ehemaligen Ostblock).

Auch die Parlamentsentscheidung zugunsten der Rekonstruktion des Berliner Schlosses hat
mit diesem neuen, geldbedingten Siegeszug der privaten Konsumästhetik zu tun. Ob
Gelsenkirchener oder Berliner Barock ist ihr letztlich egal. Barocksehnsucht triumphiert über
Bankrottrealität. Vor dem technokratischen Funktionsdünkel der Fünf-Prozent-Moderne
flüchten die 95 Prozent auf der Woge des allgemeinen rollback ausgerechnet in die Arme
feudalistischer Symbolik. Zwar hatten auch historische Stile sich von den Bevölkerungen
nicht hineinreden lassen, waren aber wenigstens auf deren Zustimmung bedacht.
Ausgerechnet in den neuen Demokratien glaubte man, auf eine solche Bestätigung trotzig
verzichten zu können. Das ging nur solange gut, wie man das Geld auf seiner Seite hatte.

Natürlich sind Architektur und Städtebau nicht nur von Geldmechanismen abhängig, sondern
von vielen Parametern. Der Einfluss der fachlichen oder ästhetischen Theorien wird aber
offensichtlich stark überschätzt, der Einfluss der Geldmechanismen wird dagegen
offensichtlich stark unterschätzt. Der Einfluss der Theorie auf den Charakter des Gebauten
würde sich vermutlich vergrößern, wenn sie weniger eigenen, synthetischen und
idealistischen Postulaten folgte und sich stärker bemühte, den ökonomischen Ursachen der
großen Masse des Gebauten auf den Grund zu gehen.

Kapitalkonzentration und Gigantismus
Die ungeheuren Kapitalkonzentrationen erzeugen überall eine Tendenz zum Gigantismus.
Das gilt nicht nur für Großstaudämme, Großflugzeuge, Großstadien, Großbauten,
Firmenzusammenschlüsse und andere Großprojekte, das gilt auch zum Beispiel für die
Größenordnungen heutiger Futtermittelskandale (BSE, MKS, Nitrofen). Mit den
Größenordnungen wächst auch das Katastrophenrisiko, wächst die Verwundbarkeit.

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Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass wir uns langfristig an megalomane Technikformen
binden, die bereits zum Zeitpunkt ihrer Realisation überholt sind, etwa die Atomtechnik.

Großbauten hat es schon gegeben, lange bevor es Kapitalkonzentrationen der heutigen
Größenordnung gab. Sie waren stets die gewollte Darstellung von Machtkonzentration: in
der Sklavengesellschaft, im Kirchenstaat, in den großen Diktaturen. Worin liegt der
Unterschied zwischen den früheren Großbauten und den heutigen? Schon immer wurden sie
als notwendige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dargestellt. Die Paläste der Maharadschahs
wurden stets während der großen Hungersnöte gebaut. "Ihr müsst Paläste bauen, damit ihr
nicht verhungert", hieß es.[12] Und der britische Physiker Mendelsohn hat nachgewiesen,
dass die Bauzeitplanung der Pyramiden der Beschäftigung eines stets gleichbleibenden
Arbeitsheeres diente.[13] Auch damals entstanden ja Geld und Nahrungsmittel nicht erst
durch den Palastbau. Sie waren bereits vorher vorhanden. Die Leute hätten auch nicht
verhungern müssen, wenn die Pyramiden und Paläste nicht gebaut worden wären. Insofern
hat sich an der fiktiven Legitimationsrolle der Arbeit wenig geändert.

Geändert hat sich vor allem der unmittelbar sichtbare Zusammenhang zwischen dem
erzeugten Glanz und dem dadurch verursachten Produktionselend. Er ist durch die globalen
Geldströme zerrissen worden. Das Geld hat zunehmend eine Abstraktions- und
Verschleierungsfunktion. Die Bauarbeiter sind durch die Maschinisierung von dem
Produktionselend nicht mehr unmittelbar betroffen. Die Überschüsse erzeugen die ihnen
adäquaten Schulden und das damit verbundene Elend nicht mehr unmittelbar an den
Baustellen, sondern am anderen Ende der Welt, in den Slums und auf den Müllbergen von
Manila und Sao Paolo. Das Prinzip der Sklavengesellschaft existiert zwar weiter, ist eher
noch verstärkt, aber seine unmittelbare Lesbarkeit ist verloren gegangen. Sie ist verloren
gegangen durch eine gewaltige, über Jahrzehnte hinweg aufgebaute und schwer
durchschaubare Konstruktion aus Banken, Börsen, Weltbank, WTO und IWF, die mittlerweile
als naturgegeben angesehen wird.

Diese gewaltige Konstruktion ändert aber nichts an einer Elementartatsache unseres
Geldsystems: Alle Überschüsse, die nicht durch Akkumulation von Arbeit erzielt werden,
können nur durch Schulden und Schuldendienste der jeweils anderen erzielt werden. Das
sollten sich auch all die genialen Entwerfer von futuristischen Megakonstruktionen vor Augen
führen. Wenn es noch stimmt, dass man mit 75 Euro ein Kind in der dritten Welt ein Jahr
lang vor dem Hungertod bewahren kann, dann kann sich jeder Großarchitekt und jeder
Großinvestor ausrechnen, mit wieviel hungertoten Kindern sein Gebäude erkauft wurde. Alle
Großbauten wurden zu allen Zeiten stets mit dem Elend der jeweils anderen erkauft.

Die Negativentwicklung der Geldverhältnisse wird jedoch von der Politik zunehmend nicht
nur nicht bekämpft, sondern einfach zum Positivziel umgedichtet. Alles Staatsversagen, alle
Flucht aus der Verantwortung wird auch noch als "Modernisierung" und
Privatisierungsgesetz ausgelegt: Ausstieg aus dem Arbeitgeberanteil bei den Renten,
Steuerentlastung für Spitzenverdiener und Konzerne, die Auflösung der Städte und
Landschaften – für alles erfindet eine hinterherdienernde Anpassungswissenschaft und -
politik Positivbegriffe.

Der Begriff "totalitär" wird von den Lexika definiert als "alles sich unterwerfend". Nicht nur
deshalb ist das exponenzielle Geldsystem totalitär, sondern auch vor allem, weil es alle
Versuche des Widerstands, der Notwehr und der Gegenmacht bekämpft mit drastischen
Einschränkungen der Bürgerrechte und Menschenrechte, wie wir das im Augenblick erleben.

Auch diese Auseinandersetzung zwischen Macht und Gegenmacht ist nicht neu. Das lehrt
das Gesetz vom Aufstieg und Niedergang der Imperien. Dabei war die Macht immer primär
und die Gegenmacht immer sekundär. Die Gegenmacht hat sich immer durch die
vorgefundene Macht definiert. Gleichwohl hat die Macht auch immer versucht, die
Gegenmacht wider besseres Wissen als primär darzustellen und sie mit ihren überlegeneren

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Mitteln zu bekämpfen, anstatt ihr durch Beseitigung der machtseitig erzeugten Ursachen den
Boden zu entziehen.

Oft hat die Gegenmacht vorübergehende Niederlagen hinnehmen müssen, etwa beim
Spartakus-Aufstand, bei den Bauernkriegen oder im Zweiten Weltkrieg. Langfristig hat sie
aber immer gesiegt; das Christentum über die Römer, die französische Revolution über den
Feudalismus und die Revolution von 1918 über den Neofeudalismus. Und wo immer die
siegreiche Gegenmacht sich als neue Macht etabliert hat, hat sie das "Ende der Geschichte"
verkündet, das heißt, die endgültige Überflüssigkeit aller Gegen macht. Und genau
deswegen hat sie immer die neue Gegenmacht erst heraufbeschworen.

Zusammenfassung
Anstatt die Bevölkerungen der Industriestaaten die Früchte der Industrialisierung in Ruhe
und Gelassenheit genießen zu lassen und die Maschinisierungsgewinne für den Aufbau der
Entwicklungsländer zu nutzen, treiben uns die exponenziellen Kapitalüberschüsse in immer
sinnlosere und zerstörerische Aktivitäten und die "dritte" Welt gleichzeitig in immer
hoffnungslosere Verschuldung. Die erste Welt nutzt die ihr leistungslos zufließenden
Geldströme rücksichtslos zur Unterdrückung auch der geringsten Widerstände mit den
Mitteln ihrer High-Tech-Rüstung.

Es wird gerne so getan, als sei die wirtschaftliche und soziale Lage das Ergebnis vieler
Parameter und Interessen, und das exponenzielle Geld system sei allenfalls eine Ursache
unter vielen. Diese Vorstellung ist falsch. Das Geldsystem ist stets die eine, alles andere
auslösende Ursache. Dieses Verhältnis ist unumkehrbar. Niemals lösen
Wirtschaftswachstum, Armut, falsches Arbeitsverständnis oder Landschaftszerstörung das
Geldwachstum aus, sondern immer umgekehrt.

Neu an der heutigen Auseinandersetzung ist nur ihr Gigantismus, die Dimension ihres
Katastrophenrisikos. Man bekommt davon eine Ahnung, wenn man sich Großstaudämme
und Großstadien einerseits ansieht und die extrem einfachen Produktionsmöglichkeiten
verheerender Massenvernichtungsmittel andererseits. Dieses Gefahrenpotenzial wird
sicherlich durch Irrationalismen und Fanatismen verschärft. Diese sind jedoch nicht die
eigentliche Ursache dieses neuen Katastrophen-Gigantismus. Die letztendliche Ursache ist
auch hier wieder die neue Dimension der Kapitalzusammenballungen. Und zwar in
zweifacher Hinsicht: zum einen hinsichtlich der neuen Größenordnung der technischen
Möglichkeiten und zum anderen hinsichtlich der neuen Größenordnung ihres
Verschuldungszwangs und der dadurch ausgelösten Verelendung und Emotionalisierung.

Wie die bereits erwähnten paläontologischen Riesenhirsche schaffen sich
Spätzeitensysteme ihre Untergangsgerätschaften und ihre Untergangsautomatik selber.
Diese Feststellung ist historisch gemeint und sollte keine Illusionen über den Zeitrahmen
aufkommen lassen. Der Untergang des römischen Reiches hat schließlich auch dreihundert
Jahre gedauert. Unabhängig von dieser Zeitdimension gilt jedoch: Wenn es der Politik nicht
gelingt, sich im letzten Moment ins Räderwerk zu werfen, ist der monetäre und soziale Crash
mathematisch unausweichlich. Fragt sich nur, wann und in welcher Form er eintritt.

Anmerkungen
01 Quelle: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank und Globus-Grafik, Süddeutsche Zeitung vom 10. Juni 1994.
02 Quelle: Grafik Süddeutsche Zeitung vom 4. Januar 2002.
03 Henderson, Hazel: Das Ende der Ökonomie, München 1985.
04 Berger, Wolfgang: Zehn Thesen, INWO-Symposium Steyerberg, 28. Juni 2002.
05 Frankfurter Rundschau vom 22. Juni 2002.
06 Vorschläge der "Hartz-Kommission" des VW-Personalvorstandes Hartz
07 Vgl. Zeitschrift für Sozialökonomie 130. Folge (2001), S. 19.
08 Angaben des Bundes deutscher Wohnungsunternehmer, in: Frankfurter Rundschau vom 4. Juli 2002.
09 Süddeutsche Zeitung vom 6. Juni 2002.
10 Süddeutsche Zeitung vom 6. Mai 2002.
11 Mitchell, William J.: City of bits, Berlin-Boston-Basel 1996.
12 Moewes, Günther: Weder Hütten noch Paläste, Berlin-Boston-Basel 1995, S. 88.
13 Mendelsohn, K.: Das Rätsel der Pyramiden, Bergisch-Gladbach 1987.


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