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					                                     4. Sitzung
             Der Forschungsprozess II




22.03.2011   Seite 1/18   IfMK, FG EM/PK, Methoden der empirischen Kommunikationsforschung
                                           SS 10, Dr. Christoph Kuhlmann
4.1 Messen
Unter Messen ist zu verstehen: die systematische nach
  bestimmten Regeln und Verfahren erfolgende Zuordnung
  einer Menge von Zahlen zu den Ausprägungen einer Variablen
  und damit zu bestimmten Merkmalen und Objekten und zwar
  so, dass die Relationen unter den Zahlenwerten den
  Relationen unter den Objekten hinsichtlich der gemessenen
  Eigenschaft entsprechen.

Messen ist die strukturtreue Abbildung eines empirischen
  Relativs in ein numerisches Relativ.
                                                       Numerisches
    3       4      2        5      2       6       1
                                                       Relativ


                                                                                                  Empirisches
                                                                                                  Relativ
  Vgl.: Schnell/Hill/Esser 1993: 143ff   .

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4.2 a Skalenniveaus

Nominalskala
Mit einer Nominalskala wird nur die Gleichheit bzw. Ungleichheit von
Objekten bezüglich einer Eigenschaft festgestellt.

Ordinalskala
Eine Ordinalskala gibt Informationen über die Rangordnung von Objekten
im Hinblick auf eine Eigenschaft.

Intervallskala
Eine Intervallskala bringt nicht nur zum Ausdruck, dass bei einem Objekt
eine Eigenschaft stärker vorhanden ist als bei einem anderen Objekt,
sondern zusätzlich, um wie viel stärker die Eigenschaft ausgeprägt ist. Bei
diskreten intervallskalierten Variablen sind die Abstände zwischen den
aufeinanderfolgenden Skalenpunkten gleich.


Vgl.: Schnell/Hill/Esser 1993: 148ff   .

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4.2 b Skalenniveaus

Ratioskala (Verhältnisskala)

Dieser Skalentyp hat zusätzlich zu den Eigenschaften der Intervallskala
noch einen absoluten Nullpunkt, der empirisch sinnvoll interpretierbar ist
(d.h.: Am Nullpunkt ist die Eigenschaft tatsächlich nicht vorhanden).

Absolute Skala

Zusätzlich zur Ratioskala finden sich bei der absoluten Skala auch
absolute Einheiten, was immer dann der Fall ist, wenn Objekte gezählt
werden.




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   4.3 Skalenniveaus


                 gleich/              mehr/                  Gleiche               Absoluter       Absolute
                ungleich             weniger                Abstände               Nullpunkt        Einheit
Nominal-           +                       -                       -                      -           -
skala
Ordinal-           +                      +                        -                      -           -
skala
Intervall-         +                      +                       +                       -           -
skala
Ratio-             +                      +                       +                      +            -
skala
Absolute           +                      +                       +                      +            +
Skala




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4.4 a Beispiele für Skalenniveaus

Nominalskala:

Mit wem haben Sie sich in der letzten Woche am häufigsten über Politik
unterhalten?

Familienangehörigen (1)                             Freunden (2)
Andere Person (3)                                   mit niemandem (4)

Kreuzen Sie Ihr Geschlecht an:                      männlich                     weiblich

Ordinalskala:

Wie häufig unterhalten Sie sich über Politik?

Nie (1) selten (2) ab und zu (3) häufig (4) dauernd (5)



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4.4 b Beispiele für Skalenniveaus

Intervallskala:

Bitte sagen Sie mir anhand der Skala, wie gern Sie sich über Politik
unterhalten. Die 1 bedeutet, Sie unterhalten sich sehr ungern über Politik,
und die 5 bedeutet, dass Sie sich sehr gern über Politik unterhalten. Mit
den Werten dazwischen können Sie ihre Haltung abstufen.

sehr ungern (1) – (2) – (3) – (4) – (5) sehr gern




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4.4 b Beispiele für Skalenniveaus

Ratioskala:

Schätzen Sie bitte einmal, wie lang Sie sich in der letzten Woche mit
anderen Personen über Politik unterhalten haben: __________min.

Absolute Skala:

Bitte sagen Sie mir, mit wie vielen Personen Sie sich in der letzten Woche
über Politik unterhalten haben. Bitte notieren Sie hier die Zahl Ihrer
Gesprächspartner: _____




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4.5 Gütekriterien

Jede realisierte Messung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

Wahrer Wert + Messfehler = Gemessener Wert

Zwei Arten von Messfehlern sind zu unterscheiden: Systematische und
zufällige Fehler. Ziel jeder Messung ist es, beide Messfehler möglichst
klein zu halten. Für die Beurteilung, inwieweit dies gelungen ist, gibt es
zwei Gütekriterien:

Reliabilität und Validität

Ein Instrument ist um so reliabler, je weniger zufällige Fehler die Messung
beeinflussen; ein Instrument ist um so valider, je weniger systematische
Fehler die Messung beeinflussen.


  Vgl.: Schnell/Hill/Esser 1993: 156ff   .

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4.6 Formen der Reliabilität

Intersubjektive Reliabilität:

Dasselbe Messinstrument wird von unterschiedlichen Personen auf
dasselbe Objekt angewandt.

Intertemporale (zeitliche) Stabilität:

Dasselbe Messinstrument wird mehrmals von derselben Person auf
dasselbe Objekt angewandt.

Interinstrumentelle Stabilität:

Mit zwei unterschiedlichen Messinstrumenten wird bei demselben Objekt
dieselbe Dimension gemessen.




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4.7 Validität

Validität meint dagegen die Frage, ob mit einer Messung tatsächlich das
gemessen wird, was damit gemessen werden soll.

Man unterscheidet:

Inhaltsvalidität:

Inhaltsvalidität liegt vor, wenn möglichst alle Aspekte eines theoretischen
Konstrukts – aber nur diese und keine anderen – gemessen werden.

Kriteriumsvalidität:

Kriteriumsvalidität wird aus dem Zusammenhang zwischen den empirisch
gemessenen Ergebnissen des Messinstruments und einer anderen
Messung am gleichen Objekt ermittelt.
  Vgl.: Schnell/Hill/Esser 1993: 162ff   .

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4.7 Validität
Konstruktvalidität:

Konstruktvalidität liegt dann vor, wenn aus dem Konstrukt empirisch
   überprüfbare Aussagen über Zusammenhänge des Konstrukts mit
   anderen Konstrukten theoretisch hergeleitet werden können und sich
   diese Zusammenhänge empirisch nachweisen lassen.
Dafür ist es nötig, dass unterschiedliche Messungen eines Konstrukts
   ähnliche Ergebnisse produzieren (convergent validity), und dass die
   Messungen von zwei unterschiedlichen theoretischen Konstrukten
   auch empirisch unterscheidbare Ergebnisse hervorbringen.

                                         +
Konstrukt 1                                                         Konstrukt 2

             valide ?                                                           + (?)

Messung                                  +                           Messung
Konstrukt 1                                                          Konstrukt 2

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4.8 Verhältnis von Validität und Reliabilität

Eine Messung kann reliabel sein, wenn sie nicht valide ist!

Man misst dann wiederholbar und stabil, was man gar nicht messen will.

Beispiel:
Ich will wissen, wie häufig jemand Zeitung liest und frage in einer
Befragung: „Haben Sie eine Tageszeitung abonniert?“.

Die Antworten auf diese Frage werden sehr reliabel sein, messen aber
Zeitungslektüre nur sehr unzuverlässig (Kaufzeitungen, Lesehäufigkeit
ungleich Abo).




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4.8 Verhältnis von Validität und Reliabilität

Eine Messung kann nicht valide sein, wenn sie nicht reliabel ist.

Wenn die Messung immer andere Ergebnisse liefert, kann sie auch nicht
messen, was sie soll.

Beispiel:
Wenn ein Codierer in einer Inhaltsanalyse bei demselben Film einmal
Gewalt identifiziert, dann wieder nicht, dann misst diese Messung
offensichtlich auch keine Gewalt.

Aber:
Bei ausreichender Reliabilität ist eher auf eine Steigerung der Validität
Wert zu legen! Denn Reliabilität kann meist nur durch Beschränkung auf
„harte“ Indikatoren maximiert werden, was oft zu Lasten der Validität geht.




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4.9 Modell der Indexbildung

                                        Konstrukt



      Indikator 1          Indikator 2               Indikator 3                Indikator 4




      Messung 1            Messung 2                 Messung 3                  Messung 4



                                             Index




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4.10 Formen von Indizes

Additiver Index:

Die Werte der einzelnen Messungen werden addiert.
Die Einzelwerte gehen unabhängig voneinander in den Index ein. Beispiel:
Haushaltsausstattung

Multiplikativer Index:

Die Werte der verschiedenen Messungen werden miteinander multipliziert.
Wenn die Einzelwerte den Wert 0 annehmen können, kann damit der
Indexwert 0 werden. Die Einzelwerte sind also abhängig voneinander.
Beispiel: Sozialer Status

Gewichteter Index:

Die Werte gehen mit unterschiedlichem Gewicht in den Index ein.


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4.11 Beispiel additiver Index

Über welche Geräte verfügt Ihr Haushalt? Kreuzen Sie bitte an:

F1: Telefon                          F2: Anrufbeantworter
F3: Fernseher                        F4: Videorecorder
F5: Hifi-Anlage                      F6: Geschirrspülmaschine
F7: Computer                         F8: Drucker
F9: Modem                            F10: Auto
F11: Waschmaschine                   F12: Wäschetrockner

                      (Nein = 0, Ja = 1)

Einfach additiver Index:
I = F1 + F2 + F3 + F4 + F5 + F6 + F7 + F8 + F9 + F10 + F11

Gewichtet additiv:
I = F1 + F3 + F5 + F11 + 2 * (F2 + F4 + F6 + F7 + F9) + 3 * (F8 + F11) + 4 * F10.



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4.12 Beispiel multiplikativer Index:
Sozioökonomischer Status
                                                    Berufsposition                      Einkommen
         Bildungsabschluss                          (auf 100er Skala)                   netto


0        Keinen                                     1-14                                0-1000
1        Hauptschule                                15-28                               1001-2000
2        Qual. Hauptschule                          29-42                               2001-3000
3        Mittlere Reife                             43-58                               3001-4000
4        Fachabitur                                 59-72                               4001-5000
5        Abitur                                     73-86                               5001-6000
6        Studium                                    87-100                              > 6000

Multiplikativer Index:
Index SÖS = Bildung * Beruf * Einkommen

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