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PowerPoint Prsentation Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultt

Document Sample
PowerPoint Prsentation Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultt Powered By Docstoc
					             Prof. Dr. Johann Graf Lambsdorff
                          Universität Passau
                                          SS 2008



 r
       IS0                           MP

9. Währungsreserven und Währungs-
    politik bei konstanter Inflation
                  P0
                                  +
r0                                            Z
                                Px        –
                           Pm
        r'



                     Y                        Y

                                                  1
                        Literatur

Lambsdorff, J. Graf und C. Engelen (2007), Das
Keynesianische Konsensmodell, WiST,
Wirtschaftswissenschaftliches Studium, August, S. 387-
394.

Lambsdorff, J. Graf und C. Engelen (2008), Das
Keynesianische Konsensmodell einer offenen
Volkswirtschaft, WiST, Wirtschaftswissenschaftliches
Studium, erscheint demnächst. Vorherige Version
erschienen als Passauer Diskussionsbeiträge V-49-07.

Arnold, L. (2006), Makroökonomik, 2. Aufl., S. 195-213.


                                                          2
• Im Folgenden sollen modelltheoretische Überlegungen zur
  Währungspolitik Aufschluss darüber geben, in welcher
  Höhe Zentralbanken Währungsreserven halten.
• Dies tun sie zumeist mit dem Ziel, den Wechselkurs zu
  fixieren oder auf einem bestimmten Pfad zu halten.
• Wir unterstellen hierfür zunächst eine konstante
  Inflationsrate. Diese Annahme werden wir später aufheben.
• Das Modell besteht aus einer Gleichung für den
  Gütermarkt, einer geldpolitischen Reaktionsfunktion und
  einer Gleichung für den Devisenmarkt.



                                                            3
• Die Nachfrage auf dem Gütermarkt ist negativ vom realen
  Zinsniveau, r, abhängig.
• Ein Anstieg des realen Wechselkurses, wr=paw/p, verteuert
  US-Produkte, reduziert damit die mengenmäßigen Importe.
  Zudem werden Exporte begünstigt, so dass sich ein Anstieg
  des Außenbeitrags und damit der gesamtwirtschaftlichen
  Nachfrage ergibt.
• Für die IS-Kurve gilt damit:
  Y  b0  b1r  b2 w ;
    r                 r
                          b0 , b1 , b2  0.
• b0 bezeichnet hierbei exogene Einflüsse, z.B. durch
  gestiegene Staatsausgaben, sinkende Steuern, ein
  verringertes privates Sparverhalten, optimistischere
  Aussichten für Investitionen oder exogen steigende
  Exporte aufgrund einer anziehenden Auslandskonjunktur.4
• Wie im Modell einer geschlossenen Volkswirtschaft wird
  eine Taylor-Regel zur Bestimmung des von der
  Zentralbank gesteuerten Realzinsniveaus verwendet.
   r  r ' P Y  Y   I  ;
                 r
                                   r ', P , I  0
• Diese Gleichung bestimmt die monetäre Politik, und
  damit die MP-Kurve.
• In manchen Lehrbüchern findet sich noch die sogenannte
  LM-Kurve (Mundell-Fleming Modell), eine Kurve, bei
  der eine Konstanz der Geldmenge unterstellt wird. Diese
  weist Ähnlichkeiten zu der hier verwendeten MP-Kurve
  auf, ist aber unrealistischer und weniger praktikabel für
  die Modellbildung.
                                                          5
• Es wird eine Kurve für das Devisenmarktgleichgewicht
  eingeführt (Z-Kurve) :
                    Z    r  ra  ;   0
• Ist der inländische Realzins höher als der ausländische, so
  resultieren Kapitalimporte und damit eine Überschussnach-
  frage nach Euro bzw. ein Überschussangebot an Dollar.
• Zusätzlich könnte noch der Einfluss des Außenbeitrags auf
  die Devisenbilanz berücksichtigt werden. Dieser ist
  abhängig vom realen Wechselkurs, sowie in- und
  ausländischer Produktion:
                                  +       +
               Z    r  ra   A( w , Y , Y a )
                                   r


• Da dies letztlich für die Modellauswertung unerheblich ist,
  wird hier darauf verzichtet. Damit verläuft die Z-Kurve in
  einem r/Y-Diagramm horizontal.                           6
• Entgegen einer auch teilweise zu findenden Darstellung ist
  nicht der Nominalzins, sondern der Realzins entscheidend
  für Kapitalbewegungen.
• So werden Anleger erwarten, dass die Währung von
  Ländern mit einer hohen Inflationsrate nominal abwertet.
  Ist die Inflationsrate hingegen niedrig (geringer als
  diejenige des Auslands), so ist mit einer relativen
  Aufwertung der Währung zu rechnen.
• Anleger vergleichen daher nicht die nominalen Zinssätze
  zweier Währungsräume (i und ia), sondern subtrahieren
  jeweils die zu erwartenden Inflationsraten (i-r und ia-
  ara), da diese die zukünftige Abwertung der Währung
  angeben.
                                                              7
• Liegt die Inflationsrate des Auslands über derjenigen des
  Inlands und wird eine entsprechende Differenz von
  internationalen Anlegern erwartet, so muss auch der
  Nominalzins des Auslands höher sein, um die erwartete
  Abwertung des Dollar gerade zu kompensieren.
• Im Rahmen des 11. Kapitels werden wir uns kurzfristigen
  Wechselkursänderungserwartungen widmen. Für die
  Modellierung hier genügt es, Inflationsunterschiede und
  deren Auswirkung auf eher geringfügige, langfristige
  Wechselkursanpassungen zu berücksichtigen.




                                                              8
• Punkte unterhalb der Z-Kurve indizieren ein
  Devisenbilanzdefizit (mit „-“ markiert). In diesem Fall
  wird die heimische Währung zu wenig nachgefragt. Es
  existiert eine Überschussnachfrage nach der ausländischen
  Währung.
• Punkte oberhalb der Z-Kurve indizieren ein
  Devisenbilanzüberschuss (mit „+“ markiert) mit einer
  Überschussnachfrage nach der heimischen Währung.
• Ein Devisenbilanzdefizit, Z<0, hat zwei alternative Folgen.
• Entweder gleicht die Zentralbank dieses Defizit aus. Dann
  sinken in gleichem Ausmaß ihre Währungsreserven, R,
  gegenüber dem Bestand der Vorperiode, R-1.

                                                           9
• Alternativ steigt der Wechselkurs. Bei dem gestiegenen
  Wechselkurs ist der Dollar teurer geworden.
• Für Direktinvestitionen ist der Euro-Raum nun günstiger,
  da dort mit höheren Gewinnen gerechnet wird. Dem
  gegenüber hat der Dollar-Raum an Attraktivität verloren,
  da dort die lokalen Produktionsfaktoren vergleichsweise
  teuer sind.
• Internationale Anleger werden daher einmalig in den
  günstigeren Euro umschichten und damit das
  Devisenbilanzdefizit ausgleichen.
• Insgesamt folgt damit:
           wr  w1   R  R1  Z ;
                    r
                                            0

                                                           10
• Je stärker internationale Direktinvestitionen auf
  Wechselkursänderungen mit einer Anpassung ihres
  Portfolios reagieren, d.h. je größer , desto geringer fällt
  die Reaktion des Wechselkurses aus, die nötig ist, um ein
  Devisenbilanzdefizit auszugleichen.
• Ein Überschuss in der Devisenbilanz kennzeichnet ein
  Überschussangebot an Dollar, Z>0.
• Dies kann durch steigende Devisenreserven der
  Zentralbank absorbiert werden, R steigt.
• Falls dies unterbleibt, sinkt der Wechselkurs, d.h. der
  Dollar wertet ab.
• In diesem Fall lockt der günstigere Dollar
  Direktinvestitionen an, wodurch das Überschussangebot
  an Dollar ausgeglichen wird.                        11
• In der Realität werden Direktinvestitionen sehr langfristig
  geplant. Kurzfristige Devisenbilanzdefizite oder
  -überschüsse lassen hierdurch nicht ausgleichen.
• Allerdings werden Portfolioinvestoren die steigende
  Ertragsrate bestehender Anlagen in dem Währungsraum
  mit günstiger Währung antizipieren und für eine
  schnellere Anpassung der Devisenbilanz sorgen.




                                                          12
           Ausgangslage


r
           wr
     IS0                  MP

                 P0        +
r0                           Z
                           –




                 Y             Y




                                   13
• In der Ausgangslage ist der nominale (und reale)
  Wechselkurs konstant, unabhängig davon, ob er von der
  Zentralbank fixiert oder den Marktkräften überlassen wird.
• Sofern nämlich der nominale Wechselkurs aufgrund einer
  stochastischen Störung sein gleichgewichtiges Niveau
  übersteigt, so würde auch der reale Wechselkurs steigen
  und es ergäbe sich eine Rechtsverschiebung der IS-Kurve.
• Diese induziert einen Anstieg des inländischen Realzinses
  und damit Kapitalimporte, welche den nominalen und
  realen Wechselkurs wieder sinken lassen.


                                                         14
 Expansivere geldpolitische Regel


r
      IS0                       MP

                            MP1
               P0 o
                =P               +
r0                                 Z
                           Px    –
                      Pm
       r'


                Y                    Y




                                         15
• Schwenkt die Zentralbank auf eine expansivere
  geldpolitische Regel ein, so verschiebt sich die MP-Kurve
  nach unten. Es resultiert kurzfristig im Punkt Pm ein
  geringerer Realzinssatz und ein erhöhtes Inlandsprodukt.
• Die Geldnachfrage wird einmalig ansteigen, da die
  Zentralbank den Realzins r gesenkt hat und gleichzeitig Y
  steigt. Dies ist allerdings nicht zentral für die
  Modellbetrachtungen.
• Es ergibt sich nun ein Devisenbilanzdefizit, da aufgrund
  der niedrigen heimischen Zinsen Kapital in den
  ertragreicheren Dollarraum abfließt.

                                                             16
• Im Falle fester Wechselkurse müsste die Zentralbank nun
  Dollar verkaufen und Euro ankaufen.
• Hiermit entzieht sie den Geschäftsbanken Liquidität.
• Die Banken benötigen aber diese Liquidität, da sie von der
  Zentralbank Banknoten nachfragen und gleichzeitig dort
  Mindestreserve halten müssen. Dies wird deutlich aus der
  Zentralbankbilanz. Die Summe dieser beiden Positionen
  wird auch als „monetäre Basis“ (B) bezeichnet.
• Daher werden die Banken die Nachfrage nach
  Zentralbankkrediten steigern. Dies droht, die Zinsen für
  solche Kredite in die Höhe zu treiben.
• Die Zentralbank wird mit einer erhöhten Zuteilung solcher
  Kredite reagieren, da sie das Zinsniveau gemäß der Taylor-
  Regel fixiert.                                         17
     Zentralbank (Stand April 2006 )
     Gold und               Banknotenumlauf
     Nettoauslandsford.     563            (C)
         (R)            342 Mindestreserve (inkl.    B
     Kredite an             Überschussreserve)       (ohne
     Geschäftsbanken        157            (MR)      Münzumlauf)
         (F)            400 Sonst. Passiva
     Sonst. Aktiva          274
                        314 Kapital und Rücklagen
                            62


• Die abnehmenden Währungsreserven werden also durch
  zusätzliche Kredite an die Geschäftsbanken neutralisiert.
• Wir sprechen daher im Punkt Pm von einer
  Zentralbankpolitik mit Neutralisierung.
• Aber der Punkt Pm kann nicht dauerhaft durchgehalten
  werden.                                                  18
•   Die Devisenreserven der Zentralbank, R, sind nach einer
    Weile aufgebraucht. Devisenverkäufe können von der
    Zentralbank dann nicht mehr getätigt werden.
•   Zwar könnte die Zentralbank sich international
    verschulden und hierdurch weitere Währungsreserven
    erhalten. Allerdings muss sie hierfür den Zinssatz r0
    bezahlen und erhält für die vergebenen, heimischen
    Kredite lediglich den niedrigeren Zinssatz des Punktes Pm.
    Die auftretenden Verluste begrenzen damit die Fähigkeit
    der internationalen Kreditaufnahme.



                                                           19
•   Nun steht die Verfolgung der monetären Regel im
    Konflikt mit einer Fixierung des Wechselkurses. Die
    Zentralbank könnte von der Regel abweichen, also ihre
    Politik nicht mehr nach der MP-Kurve ausrichten.
•   Sie verzichtet dann auf eine erhöhte Kreditvergabe an die
    Banken.
•   Die Banken bieten dann für die knappen
    Zentralbankkredite einen erhöhten Zinssatz.
•   Der Realzins wird so lange steigen bis der Punkt Po
    erreicht ist. Die Zentralbank hat sich hierbei für eine
    Politik ohne Neutralisierung der sinkenden
    Liquiditätsversorgung entschieden.
•   Im Punkt Po ist die Devisenbilanz wieder ausgeglichen
    und der Anpassungsprozess abgeschlossen.                  20
• Eine laxere geldpolitische Regel mit niedrigen Realzinsen
  ist bei konstanten nominalen Wechselkursen somit nur
  kurzfristig durchzuhalten.
• Die Verfolgung eines nominalen Wechselkursziels bietet
  damit den Marktteilnehmern eine Garantie, dass die
  Zentralbank nicht zu einer laxeren geldpolitischen Regel
  übergehen wird.
• Aus diesem Grund werden feste Wechselkurse oftmals
  eingeführt, um den Marktteilnehmern glaubhaft die
  Durchführung einer preisniveaustabilen Geldpolitik zu
  signalisieren.


                                                          21
• Statt einer Verteidigung des nominalen Wechselkurses
  könnte die Zentralbank zu flexiblem Wechselkursen
  übergehen.
• Das bei einer expansiveren geldpolitischen Regel erzielte
  Devisenbilanzdefizit bewirkt nun eine (nominale und reale)
  Aufwertung des Dollar (w ).
• Dies verschiebt die IS-Kurve nach rechts.
• Ein kurzfristiges Gleichgewicht ergibt sich im Punkt Px.
• Das Inlandsprodukt ist nun weiter angestiegen und der
  Realzins wieder auf seinem Ausgangsniveau.
• Wir sehen, dass bei einem flexiblen Wechselkurs die
  Zentralbank autonom über ihre geldpolitische Regel
  entscheiden kann.
                                                             22
• Hierbei tritt ein zusätzlicher Transmissionsmechanismus
  der Zentralbankpolitik auf: Der Wechselkurskanal.
• Die Zentralbank beeinflusst die Güternachfrage nicht nur
  über die Höhe der Investitionen (Zinskanal) und den
  Konsum (Vermögenskanal), sondern auch wie beschrieben
  über den Außenbeitrag.
• Die Existenz dieses Transmissionsmechanismus verstärkt
  die Zuversicht, dass Zentralbanken die Güternachfrage so
  steuern können, dass eine angemessene Auslastung der
  Wirtschaft gewährleistet wird.
• Im Rahmen der Ausführungen zu „Original Sin“ hatten wir
  allerdings auch Grenzen dieses Transmissionsmechanismus
  aufgezeigt.
                                                        23
•   Unsere Ergebnisse lassen sich auch bezüglich des
    „magischen Dreiecks der offenen Volkswirtschaft“
    auslegen (unholy trinity).
•   Dieses umfasst drei Ziele:
     1. Autonomie der Geldpolitik und Kontrolle des
        kurzfristigen nominalen Zinsniveaus
     2. Kontrolle des Wechselkurses
     3. Freier Kapitalverkehr
•   Der Modellierung war zu entnehmen, dass sich diese drei
    Ziele nicht simultan erreichen lassen.
•   So muss bei freiem Kapitalverkehr entweder auf eine
    Stabilisierung des Wechselkurses oder auf eine autonome
    Geldpolitik gemäß Taylor-Regel verzichtet werden.
                                                         24
     Expansive Fiskalpolitik

r                 IS1
            b0
      IS0                      MP
              wr
                          Pm
                   P0 x
                    =P          +
r0                                Z
                                –
                          Po




                    Y               Y




                                        25
• Im Folgenden betrachten wir einen exogenen Anstieg der
  Güternachfrage. Hierfür können vielfältige Gründe
  existieren. Beispielhaft hierfür steht eine Erhöhung der
  Staatsausgaben auf ein dauerhaft höheres Niveau.
• Dies verschiebt die IS-Kurve nach rechts. Aufgrund des
  Anstiegs des Inlandsprodukts wird die Zentralbank gemäß
  ihrer Reaktionsfunktion den Realzins erhöhen. Es ergibt
  sich ein Zwischenpunkt in Pm.
• Der Punkt Pm könnte sowohl einen Anstieg (wegen der
  steigenden Transaktionskasse) als auch ein Absinken
  (wegen des höheren Realzinses) der Geldnachfrage
  implizieren, dies ist für die Analyse ohne Relevanz.

                                                         26
• Der höhere Realzins bewirkt einen
  Devisenbilanzüberschuss.
• Sofern die Zentralbank den Wechselkurs stabilisiert,
  müsste sie Devisen kaufen.
• Hierdurch versorgt sie die Geschäftsbanken mit
  zusätzlicher Liquidität. Daher werden die Banken in
  geringerem Ausmaß Zentralbankkredite nachfragen.
• Da die Zentralbank den Zinssatz fixiert und kein
  nachfragebedingtes Absinken desselben hinnehmen
  möchte, wird sie diese Kredite in geringerem Ausmaß zur
  Verfügung stellen.


                                                         27
•   In der Zentralbankbilanz werden daher die
    Währungsreserven zunehmen und die Kredite an die
    Geschäftsbanken abnehmen.
•   Kurzfristig kann die Zentralbank mit diesen Maßnahmen
    den Punkt Pm realisieren.
•   Die Banken sind aber nach einer Weile aufgrund der
    Dollarankäufe durch die Zentralbank mit hinreichend
    Liquidität versorgt, so dass sie gar keine
    Zentralbankkredite mehr nachfragen.




                                                          28
•   Die Zentralbank könnte nun die Kontrolle über das
    Zinsniveau verlieren: Sobald die Währungsreserven der
    monetären Basis entsprechen, vergibt die Zentralbank
    keine Kredite mehr an die Geschäftsbanken. Sollte die
    Zentralbank dennoch solche Kredite anbieten, würden die
    Banken diese nur zu niedrigeren Zinsen aufnehmen.
•   In diesem Falle sinkt der Realzins bis der Punkt Po erreicht
    ist, denn dort ist die Devisenbilanz wieder ausgeglichen.
•   Die Zentralbank verzichtet im Punkt Po auf eine
    Abschwächung der anziehenden Güternachfrage, wie sie
    der Taylor-Regel entsprechend würde. Sie agiert nicht
    mehr gemäß MP-Kurve.
•   Entsprechend hat sich das Inlandsprodukt stärker
    ausgeweitet.                                            29
•   Alternativ zur Aufgabe der Neutralisierungspolitik könnte
    die Zentralbank sich aber auch bei den Geschäftsbanken
    verschulden, so dass F negativ wird. So emittiert z.B. die
    chinesische Zentralbank in hohem Ausmaß Wertpapiere,
    die von den Geschäftsbanken angekauft werden, und kann
    hierdurch die hohe durch Währungsreserven
    bereitgestellte Liquidität wieder abschöpfen.
•   Allerdings treten hierbei Verluste für die Zentralbank auf:
    Während Währungsreserven nur die Rendite r0 erzielen,
    müssen heimische Banken mit dem Realzins des Punktes
    Pm entlohnt werden.



                                                             30
                                          Balance Sheet, People's Bank of China

            15,000



            10,000
                                                                                                                                                                                                   Foreign Assets
                                                                                                                                                                                                   (net)

             5,000                                                                                                                                                                                 Claims on Banks
Mrd. Yuan




                                                                                                                                                                                                   abzgl. Bonds

                                                                                                                                                                                                   Currency outside
                 0                                                                                                                                                                                 Banks
                      M3 2005
                                M5 2005
                                          M7 2005
                                                    M9 2005
                                                              M11 2005
                                                                         M1 2006
                                                                                   M3 2006
                                                                                             M5 2006
                                                                                                       M7 2006
                                                                                                                 M9 2006
                                                                                                                           M11 2006
                                                                                                                                      M1 2007
                                                                                                                                                M3 2007
                                                                                                                                                          M5 2007
                                                                                                                                                                    M7 2007
                                                                                                                                                                              M9 2007
                                                                                                                                                                                        M11 2007
                                                                                                                                                                                                   Deposits including
                                                                                                                                                                                                   Reserve Money
             -5,000



            -10,000


                                                                                                                                                                                                                      31
•   Um solche Verluste zu vermeiden könnte auch die
    Mindestreserve erhöht werden und hierfür keine Zinsen
    bezahlt werden. Dies könnte allerdings zu
    Gewinneinbrüchen im Sektor der Geschäftsbanken füren.
•   Diese Argumente zeigen, dass eine Neutralisierung in der
    Realität evtl. nicht gelingt.




                                                          32
• Sofern die Zentralbank eine Politik der
  Wechselkursflexibilität verfolgt, werden keine
  Interventionen am Devisenmarkt durchgeführt.
• Der Devisenbilanzüberschuss wird ein Absinken von w
  induzieren.
• Hierdurch sinkt auch der reale Wechselkurs und die IS-
  Kurve verschiebt sich nach links.
• Dies erbringt eine Anpassung an das Gleichgewicht im
  Punkt Px. Dieses Gleichgewicht ist identisch zur
  Ausgangslage.
• Es ergibt sich ein vollständiges crowding-out, d.h. der
  Nachfrageanstieg durch die erhöhten Staatsausgaben wird
  vollständig durch einen wechselkursbedingten Rückgang
  des Außenbeitrags kompensiert.                          33
Exogene Senkung des Wechselkurses
 r
            IS0                 MP
      IS1
                  wr   P0=Px        +
 r0                                  –
                                       Z
                                Modifizierte
                                MP




                        Y              Y




                                               34
• Bei Wechselkursflexibilität sind häufige Schwankungen
  des Wechselkurses zu beobachten. Für diese sind nicht
  immer plausible Erklärungen möglich, sie können auch
  rein zufällig auftreten.
• Sinkt der nominale (und reale) Wechselkurs in dieser Art,
  so verschiebt sich die IS-Kurve nach links.
• Das gesunkene Inlandsprodukt veranlasst die Zentralbank
  zu einer Senkung der Realzinsen.
• Hierdurch werden Kapitalexporte induziert, welche den
  (nominalen und realen) Wechselkurs wieder steigen lassen.
• Das Anfangsgleichgewicht wird so wieder hergestellt.


                                                          35
• Im Zuge des Anpassungsprozesses ist ein
  Produktionseinbruch zu verzeichnen.
• Hier stellt sich die Frage, ob dies auch zu vermeiden wäre.
• Eine sofortige Verschiebung der MP-Kurve nach unten
  würde den Anpassungsprozess beschleunigen und einen
  Produktionseinbruch vermeiden.
• Dies ließe sich durch eine Integration der realen
  Wechselkurslücke in der Taylor-Regel berücksichtigen:
r  r ' P Y r  Y   I   w  wr  wr*  ;   r ', P , I , w  0
• Hierbei wird mit wr* der reale Wechselkurs im langfristigen
  Gleichgewicht bezeichnet.


                                                                    36
• Ist aufgrund einer zufälligen Störung der reale Wechselkurs
  niedriger als im langfristigen Gleichgewicht, so würde die
  Zentralbank einem drohenden Einbruch der
  Güternachfrage entgegen wirken.
• Die Zentralbank senkt unmittelbar den Realzins, wodurch
  die steigenden Investitionen einen Einbruch der
  Güternachfrage kompensieren.
• Hierbei stellen sich nun Kapitalexporte ein.
• Diese bewirken einen Aufwertungsdruck auf den
  Wechselkurs, welcher zu einer schnellen Rückbewegung
  zum Ausgangspunkt führt.


                                                          37
     Steigender Auslandszinssatz
r
        IS0
              wr↑              MP
              Po          Px        +
r1                                  –
                                       Z
                   P0 m
                    =P                +
r0                                       Z1
                                      –




                    Y                  Y




                                              38
• Die Realzinsen des Auslands steigen auf ein dauerhaft
  höheres Niveau, z.B. auf Grund eine hohen Nachfrage nach
  den dortigen Gütern und einer entsprechenden Reaktion
  der ausländischen Zentralbank. Dies induziert
  Kapitalexporte.
• In der Folge erhöht sich der Wechselkurs; die IS-Kurve
  verschiebt sich nach rechts, Punkt Px.
• Sofern hingegen der Wechselkurs fixiert wird, muss die
  Zentralbank Devisen verkaufen, ihre Währungsreserven
  sinken, das Gleichgewicht verharrt in P0=Pm.
• Werden die Devisenreserven knapp, so muss sie die
  Neutralisierungspolitik beenden. Die Liquiditätsversorgung
  der Banken wird knapp und der Zinssatz steigt, entgegen
  der Taylor-Regel. Wir landen im Punkt Po.               39
• Eine Verschiebung der Z-Kurve nach oben erfolgt, falls bei
  konstantem Auslandszinssatz das Vertrauen der
  Kapitalinvestoren in eine Region schwindet (z.B. in den
  Schuldendienst eines hoch verschuldeten Landes) und hohe
  Risikozuschläge verlangt werden.
• Dies war 1994/95 in Mexiko der Fall mit einem Anstieg
  des spread, also des Aufschlags gegenüber risikolosen
  Dollar-Anleihen, von 1300 Basispunkten.
• Die Währungsreserven sanken während dieser Zeit massiv.
  Darüber hinaus stellten internationale Kreditgeber (USA
  und IWF) weitere Währungsreserven zur Verfügung. Dies
  zeigt den Willen, den Wechselkurs zumindest tendenziell
  zu stabilisieren, also von der MP-Kurve abzuweichen.
                                                          40
                        5000.000
                                   10000.000
                                               15000.000
                                                           20000.000
                                                                       25000.000
                                                                                   30000.000
                                                                                               35000.000




                0.000
     M1 1993
     M3 1993
     M5 1993
     M7 1993
     M9 1993
     M11 1993
     M1 1994
     M3 1994
     M5 1994
     M7 1994
     M9 1994
     M11 1994
     M1 1995
     M3 1995
     M5 1995
     M7 1995
     M9 1995
     M11 1995
     M1 1996
     M3 1996
     M5 1996
                                                                                                           Dollarreserven (in Millionen) der mexikanischen Zentralbank




     M7 1996
     M9 1996
     M11 1996
     M1 1997
     M3 1997
     M5 1997
     M7 1997
     M9 1997
     M11 1997
41
• Diese Interventionen waren aber nicht ausreichend, um den
  Wechselkurs zu stabilisieren. Es setzte vielmehr eine
  massive Abwertung des Peso ein. Diese verschiebt die IS-
  Kurve nach rechts.

                                                                                                                                          Peso pro Dollar


     9.000

     8.000

     7.000

     6.000

     5.000

     4.000

     3.000

     2.000

     1.000

     0.000
             M1 1993
                       M3 1993
                                 M5 1993
                                           M7 1993
                                                     M9 1993
                                                               M11 1993
                                                                          M1 1994
                                                                                    M3 1994
                                                                                              M5 1994
                                                                                                        M7 1994
                                                                                                                  M9 1994
                                                                                                                            M11 1994
                                                                                                                                       M1 1995
                                                                                                                                                 M3 1995
                                                                                                                                                           M5 1995
                                                                                                                                                                     M7 1995
                                                                                                                                                                               M9 1995
                                                                                                                                                                                         M11 1995
                                                                                                                                                                                                    M1 1996
                                                                                                                                                                                                              M3 1996
                                                                                                                                                                                                                        M5 1996
                                                                                                                                                                                                                                  M7 1996
                                                                                                                                                                                                                                            M9 1996
                                                                                                                                                                                                                                                      M11 1996
                                                                                                                                                                                                                                                                 M1 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                           M3 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                     M5 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                               M7 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                                         M9 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   M11 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              42
                0.000
                        10.000
                                 20.000
                                          30.000
                                                   40.000
                                                            50.000
                                                                     60.000
                                                                              70.000
                                                                                       80.000
                                                                                                90.000
                                                                                                         100.000
     M1 1993
     M3 1993
     M5 1993
     M7 1993
     M9 1993
     M11 1993
     M1 1994
     M3 1994
     M5 1994
     M7 1994
     M9 1994
     M11 1994
     M1 1995
     M3 1995
     M5 1995
     M7 1995
     M9 1995
                                                                                                                   Zinssatz am Geldmarkt




     M11 1995
     M1 1996
     M3 1996
     M5 1996
     M7 1996
     M9 1996
     M11 1996
     M1 1997
     M3 1997
     M5 1997
                                                                                                                                           • Als Folge der Verschiebung der IS- und MP-Kurven




     M7 1997
     M9 1997
                                                                                                                                             erhöhten sich die kurzfristigen Peso-Zinssätze deutlich.




     M11 1997
43
• Aufgrund des billigen Peso verbesserte sich der
  Leistungsbilanzsaldo. Dies kennzeichnet den Anstieg der
  Güternachfrage, wie von der verschobenen IS-Kurve
  indiziert.

                                  Leistungsbilanzdefizit (in % des BIP)


 0
      1990   1991   1992   1993      1994           1995          1996    1997   1998   1999   2000
 -1


 -2


 -3

 -4

 -5


 -6


 -7

 -8




                                                                                                      44
• Als Folge der hohen Zinsen ist im Zuge des
  Anpassungsprozesses das Inlandsprodukt gefallen. Dies
  erscheint plausibel, wenn die Verschiebung der IS-Kurve
  etwas Zeit benötigt.

                                               Wachstum des BIP


       8


       6


       4


       2

       0
            1990   1991   1992   1993   1994          1995        1996   1997   1998   1999   2000
       -2


       -4


       -6


       -8




                                                                                                     45
• Die Inflationsrate reagierte anfangs kaum und stieg später
  stark an.
• Dies kann auf zwei Ursachen zurück geführt werden. Zum
  einen hat der günstige Peso die Exportwirtschaft beflügelt
  und damit spätere Preissteigerungen bewirkt.
• Zum anderen haben sich aufgrund des teuren Dollar
  Importprodukte verteuert, welche für einige Jahre die
  Teuerungsrate des Warenkorb ansteigen ließen.
                                                         Inflation (Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahr)

         60


         50


         40


         30


         20


         10


          0
              M1 1993
                        M3 1993
                                  M5 1993
                                            M7 1993
                                                      M9 1993
                                                                M11 1993
                                                                           M1 1994
                                                                                     M3 1994
                                                                                               M5 1994
                                                                                                         M7 1994
                                                                                                                   M9 1994
                                                                                                                             M11 1994
                                                                                                                                        M1 1995
                                                                                                                                                  M3 1995
                                                                                                                                                            M5 1995
                                                                                                                                                                      M7 1995
                                                                                                                                                                                M9 1995
                                                                                                                                                                                          M11 1995
                                                                                                                                                                                                     M1 1996
                                                                                                                                                                                                               M3 1996
                                                                                                                                                                                                                         M5 1996
                                                                                                                                                                                                                                   M7 1996
                                                                                                                                                                                                                                             M9 1996
                                                                                                                                                                                                                                                       M11 1996
                                                                                                                                                                                                                                                                  M1 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                            M3 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                      M5 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                                M7 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                                          M9 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    M11 1997
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               46
Beggar-Thy-Neighbour-Policy (Japan)
  r
        IS0
              wr↑             MP


                    P0             +
 r0                                  Z1
                              Px   –
              w*↑        Pm


                    Y              Y




                                          47
• Die Regierung und Zentralbank eines Landes könnten sich
  international Wettbewerbsvorteile dadurch verschaffen,
  dass sie ihre eigene Währung abwerten, also den Wert der
  ausländischen Währung erhöhen, wr↑.
• Dies kann in der Taylor-Regel berücksichtigt werden:
 r  r ' P Y r  Y   I   w  wr  wr*  ;   r ', P , I , w  0
• Hierbei wird wr* nicht als langfristig gleichgewichtiges
  Niveau des Wechselkurses interpretiert. Vielmehr gibt der
  Wert die Richtung an, in der eine Anpassung des
  Wechselkurses vollzogen werden soll.
• Wird ein höherer Wechselkurs gewünscht, wr*↑, so
  verschiebt sich der MP-Kurve nach unten, analog zu einer
  expansiveren Zentralbankpolitik.
                                                                     48
• Wir waren in den bisherigen Modellen nicht darauf
  eingegangen, wie die Zentralbank eine expansivere Politik
  durchführt. Hierbei wurde implizit unterstellt, dass die
  Versorgung mit Zentralbankkrediten erhöht wird, so dass
  die Banken für die üppige Liquidität nur noch geringere
  Zinsen zu zahlen bereit sind.
• Alternativ hierzu kann sie den Banken die zusätzliche
  Liquidität auch durch Ankauf von Währungsreserven
  bereitstellen.
• In diesem Fall bewirkt die Zentralbank aus eigener Kraft
  eine Überschussnachfrage nach Dollar, welche zu der
  erwünschten Anpassung des Wechselkurses führt gemäß:
           wr  w1   R  R1  Z ;
                    r
                                            0
                                                          49
• Der steigende Wechselkurs verschiebt dann die IS-Kurve
  nach rechts.
• Insgesamt ist damit das Inlandsprodukt stark angestiegen.
• Allerdings geht diese Politik auf Kosten anderer Länder, da
  sich dort analog ein Einbruch der Produktion einstellen
  muss. Aus diesem Sachverhalt resultiert die Bezeichnung
  dieser Politik als „beggar-thy-neighbour-policy“.
• Inwiefern diese aber langfristig durchführbar ist, wird im
  nächsten Abschnitt beleuchtet.
• In Japan stand eine solche Politik der Erhöhung des
  Wechselkurses lange Zeit einer schwachen Güternachfrage
  gegenüber, b0 niedrig, so dass insgesamt die
  Güternachfrage auf einem nachhaltigen Niveau verharrte.
                                                           50

				
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