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                              deutsch-belarussische gesellschaft e.V.



                                   Newsletter                                   26. Juni – 26. Juli

                              deutsch-belarussische gesellschaft e.V. (dbg)
Inhalt                        Gegründet am 22.10.1999 in Berlin


Politik                9      E-mail: info@dbg-online.org

Wirtschaft           48

Kultur,
Bildung              69       Vorstand:                             Beirat:
                              Vorsitzender                          Dr. Jan Ulrich Clauss
Initiativen          72       Prof. Dr. Rainer Lindner              Dr. Gabriele Kötschau, MdL
                                                                    Peter Junge-Wentrup
Reportagen,                   Stellvertretender Vorsitzender        Tatjana Kreuch
Analyse,                      Dr. Dirk Tröndle                      Winfried Nachtwei, MdB
Interviews,                                                         Alexander Rahr
                              Tanja Fichtner                        Dr. Heinz Timmermann
Meinungen            91
                              Peter Liesegang                       Dr. Hans-Georg Wieck
                              Ingo Petz                             Uta Zapf, MdB
Meldungen           129
                              Dr. Astrid Sahm                       Prof. Jan Zaprudnik




                              Verantwortlich für den dbg-Newsletter:


                              Peter Liesegang                       Natalia Mikhailova
                              Europa-Universität Viadrina           deutsch-belarussische gesellschaft e.V.
                              peter.liesegang@dbg-online.org        natalia.mikhailova@dbg-online.org




                        Konto: dbg, Postbank Berlin, Nr. 499 585 106, BLZ 100 100 10
                           Vereinsregister Berlin-Charlottenburg Nr. 95 AR 1448/99
  Die dbg ist gemäß Finanzamt für Körperschaften I Berlin (StNr. 663 / 55 397) seit 12.7.2000 als gemeinnützig
                     anerkannt. Spenden und Beiträge können steuerlich abgesetzt werden.
                                                                                                   Seite 2


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder der dbg,
hiermit haben Sie die zweite Ausgabe des neuen und überarbeiteten newsletters der dbg erhalten. Es ist
etwas viel geworden, was aber wohl auch mit den Ereignissen (Bombe) in Minsk zu tun hat. Erfreulich
viel wird in der deutschen Presse auch wieder über Initiativen geschrieben.
Was die link-Liste am Anfang des newsletter anbetrifft, so handelt es sich um die der älteren Ausgabe.
Wir bauen auf Ihre Beteiligung und Unterstützung und freuen uns, wenn Sie uns weitere links zusenden,
die wir dann gerne aufnehmen werden.
Sollten Sie Hinweise zu Veranstaltungen mit Belarus-Bezug haben, so nehmen wir diese gerne in diesem
Newsletter auf, bei rechtzeitiger Zusendung.
Auch dürfen wir Sie auffordern, es uns mitzuteilen, falls die eine oder andere Adresse veraltet sein sollte,
falls jemand diesen Newsletter nicht mehr beziehen möchte, falls eine weiter Person hinzugenommen
werden soll, etc. Wir werden uns bemühen, diesen Ansinnen so gewissenhaft wie möglich
nachzukommen.
Mit den besten Wünschen und Grüßen,
Natalia Mikhailova, Peter Liesegang




                                      Minsk Forum XI
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf Sie hiermit auf das diesjährige Minsk Forum XI hinweisen. Es findet vom 13. bis 15.
November 2008 in Minsk statt.
Es wird sich den „Perspektiven in der Nachbarschaft zwischen EU und Belarus“ widmen.
Die Veranstaltung wird in Arbeitsgruppen und Panels zur Innen-, Außen- und Wirtschafspolitik
durchgeführt.
Weitere Informationen finden Sie ab dem 1. August 2008 unter www.minskforum.org

Mit besten Grüßen
Rainer Lindner
Vorsitzender des Minsk Forums

*******************************************
Prof. Dr. Rainer Lindner
Stiftung Wissenschaft und Politik SWP
Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit
Ludwigkirchplatz 3-4
10719 Berlin
Tel. 49 (0)30 88007 252
Fax 49 (0)30 880075252
Mob. 49 (0)172 9307647
Rainer.Lindner@swp-berlin.org
http://www.swp-berlin.org
                                                                                                  Seite 3


Nachrichten

http://www.bg.org.by                    Belarusskaya Gazeta, Russisch
www.charter97.org                       auf Englisch, Belarusisch, Russisch
http://www.ucpb.org                     auf Englisch, Belarusisch, Russisch
http://www.belarusnews.de               auf Deutsch
http://www.rferl.org/                   auf Englisch, Belarusisch
www.belreview.cz                        Belarusian Review, Englisch
http://www.interfax.com/com?item=Bela   auf Englisch
www.bdg.by                              auf Russisch
www.svaboda.org                         Radio Svaboda, Belarusisch, Teile auf Englisch
http://pahonia.promedia.by              auf Belarusisch
www.bialorus.pl                         auf Polnisch
http://www.einnews.com/belarus/         News auf Englisch
http://www.amnesty-berlin1310.de/       Belarus-Gruppe, Deutsch
http://www.amnestystudents.org/         Studenten ai Gruppe Bonn, Deutsch
www.mfront.org                          auf Belarusisch, Englisch
http://www.belmsd.org                   auf Belarusisch, Russisch, Englisch,
http://www.chernobyl.info/ru/           Tschernobyl-Infos, auf Deutsch, Englisch, Russisch
http://belarus.tol.cz                   News, Englisch
www.belta.by                            Belarussische staatliche Nachrichtenagentur, Belarussisch,
                                        Russisch, Englisch

www.tvr.by                              Belarussisches staatliches Fernsehen, Belarussisch, Russisch,
                                        Englisch, Deutsch (ausgewählte Radioprogramme)
Organisationen, Institutionen

http://www.germanembassy.org.by/de/home/index.php         Deutsche Botschaft MInsk
http://bhc.unibel.by                                      Belarusian Helsinki Committee
www.president.gov.by                                      Präsident der Republik Belarus, Russisch,
                                                          Englisch
www.belarus-botschaft.de                                  Botschaft der Republik Belarus in der
                                                          Bundesrepublik Deutschland, Deutsch und
                                                          Russisch
www.mfa.gov.by                                            Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten
                                                                                         Seite 4


                                                 der Republik Belarus, Belarussisch, Russisch,
                                                 Englisch

www.sovrep.gov.by                                Rat der Republik der Nationalversammlung der
                                                 Republik, Belarus, Russisch, Englisch

www.house.gov.by                                 Repräsentantenkammer der National-
                                                 versammlung der Republik Belarus, Russisch


Städte

http://www.evmaps.com.by       Karten von Belarus
www.ac.by/country/index.html   Engl., Russ., Belaruss.
http://www.grodno.by/          Hrodna, Russisch
http://w3.vitebsk.by/          Vitebsk, Russisch
http://www.brest.by/           Brest, Russisch
                                                                                                                                             Seite 5


                                              INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK ................................................................................................................................................9
   Lukashenko is Losing Popularity, Say Belarusians ...........................................................................9
   Vandals paint Lithuanian embassy ..................................................................................................10
   Repression in Weißrussland: Besuch von den Behörden.................................................................10
   Lukaschenko zeichnete Chavez mit Freundschaftsorden aus ..........................................................11
   Russland fordert neue Regeln für OSZE-Wahlbeobachter ..............................................................11
   Experte: Chavez kauft keine weißrussischen "Second-Hand"-Waffen ...........................................12
   Chavez bei Duzfreund Lukaschenko in Minsk ................................................................................13
   Weißrussland: Prozess gegen US-Bürger wegen Wirtschaftsspionage ...........................................13
   Belarus: Opposition kritisiert Besetzung der Wahlkommissionen ..................................................13
   KGB-Chef wird Leiter des Sicherheitsrats ......................................................................................14
   Nach Anschlag in Minsk: Präsident Lukaschenko nimmt Umbesetzungen vor ..............................14
   Regierungsgegner protestieren in Minsk gegen Inhaftierung Oppositioneller ................................15
   Gericht liefert Weißrussen nicht in Heimat aus ...............................................................................15
   Im Reich Lukaschenkos: Menschenrechtsausschuss fordert freie Parlamentswahlen.....................15
   Angebliche Staatsfeinde...................................................................................................................16
   Weißrussland: Festnahmen nach Anschlag......................................................................................17
   Internationale Wahlbeobachter sind nach Belarus eingeladen ........................................................17
   Belarus: Spitzenfunktionäre nach Anschlag entlassen.....................................................................18
   Vier Verdächtige nach Bombenanschlag festgenommen ................................................................19
   Menschenrechtsausschuss dringt auf freie und faire Wahlen in Weißrussland ...............................19
   Weißrussland: Präsident schränkt Online-Rechte ein......................................................................19
   Anschlag in Minsk: Präsident Lukaschenko schwebte in Lebensgefahr .........................................20
   Nach Explosion in Minsk: Lukaschenko droht Sicherheitsratssekretär mit Entlassung..................20
   Kritik an geplantem Mediengesetz in Weißrussland .......................................................................20
   Suche nach Bombenleger von Minsk geht weiter............................................................................21
   Lukaschenko: Sprengsatz war nicht gegen mich gerichtet ..............................................................21
   In Weissrussland greift die Angst um sich.......................................................................................21
   Geheimnisvoller Bombenanschlag in Minsk: Mutmassungen über Aktion des Regimes ...............22
   Minsk erklärt Bombe zur Tat von Rowdys......................................................................................23
   Weissrussland: Opposition nach Anschlag in Angst vor Verfolgung..............................................24
   Mit Nägeln gespickte Bombe bei Konzert in Minsk explodiert ......................................................24
   Mitgefühl für die Opfer des Bombenanschlags in Minsk ................................................................25
   Menschenrechtsausschuss besucht Belarus und Russland...............................................................25
   Zweite Bombe in Minsk entdeckt, Polizei sucht Täter ....................................................................25
   Bombenanschlag bei Staatsfeier in Weissrussland ..........................................................................26
   Bildung von Unionsstaat Russland-Weißrussland behindern innere Probleme und US-
   Raketenabwehr.................................................................................................................................26
   Nordic dialogue with Belarus ..........................................................................................................27
   Belarus’ President: education, science, innovation technologies are among Belarus’ priorities.....27
   OSCE media watchdog criticizes new Media Law..........................................................................28
   Deputy Minister of industry to become Belarus’s ambassador to Venezuela .................................29
   “Council of republic” approved Draft Law on Media .....................................................................29
   Action against construction of hazardous plant in Druzhny held in Minsk.....................................29
   Warschau geht auf Minsk zu: Polen will Kontakte zwischen EU und Weißrussland knüpfen .......30
   Belarusian Law Clamps Down on Media, Watchdog Says .............................................................30
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 Belarus brings new charges of commercial espionage against jailed US citizen Emanuel Zeltser .32
 PACE urges EU to lower Schengen visa fees for Belarusians ........................................................33
 Court dismissed appeal of European March organisers...................................................................33
 Putin confident of further integration with Belarus .........................................................................34
 Formal charges brought against US lawyer Zeltser, his secretary ...................................................34
 Alyaksandr Atroshchankau: “Conditions in Akrestsin Street prison are getting increasingly bad
 and harsh” ........................................................................................................................................34
 KGB accused US citizens Joseph Kay and Emanuel Zeltser of “economic espionage” .................36
 US, Belarus trade charges over jailed American lawyer .................................................................36
 Belarus: journalists protest new media law......................................................................................37
 Prosecutor General’s Office rejects probe into report implicating Belarusian government in arms
 sales to Colombian rebels ................................................................................................................37
 Online news sites protest new media laws in Belarus .....................................................................38
 Hugo Chavez can visit Belarus in end of July .................................................................................38
 Weißrussland: KGB beschuldigt US-Bürger der Wirtschaftsspionage ...........................................39
 Lukaschenko beendet "Anarchie des Internet" ................................................................................39
 Über das belarussisch-russische Gipfeltreffen in Brest ...................................................................40
 OSCE media freedom representative urges Belarus not to adopt restrictive media law .................41
 Belarus’ Constitutional Court vested with additional authority.......................................................42
 Belarus’ House of Representatives to mull over CEC decree June 27 ............................................42
 Andrei Sannikov: It’s treachery of Solidarity movements’ ideals...................................................42
 Belarus proposed online media law violates rights of journalists....................................................44
 Belarus Tightens Internet Control....................................................................................................44
 Israel names new Belarus envoy......................................................................................................44
 MFA Press Secretary Andrei Popov answering a question from the Media....................................44
 In Belarus beginnt der Parlaments-Wahlkampf ...............................................................................45
 Die Parlamentswahlen in Belarus finden am 28. September 2008 statt ..........................................46
 Weißrussland: News-Sites begehen Selbstmord..............................................................................46
Wirtschaft.............................................................................................................................................48
   Gomel oblast leading in grain crop harvesting campaign................................................................48
   Venezuela will demnächst den Wareumsatz mit Weißrussland verdoppeln ...................................48
   Neue Öloptionen für Weißrussland in Venezuela............................................................................49
   Alles muss raus! Weißrussland startet große Privatisierungsoffensive - „Wedomosti“ ..................49
   Neue Rechtsakte für weitere Privatisierung in Belarus ...................................................................50
   Die Aussichten der Zusammenarbeit zwischen Belarus und der Weltbank ....................................51
   Gazprom droht Minsk wegen Gaspreisen mit juristischen Schritten...............................................51
   Belarus takes big step with Velcom privatization............................................................................51
   Raiffeisen plays pioneering role with Priorbank..............................................................................54
   Belarus' surprise opening gambit .....................................................................................................55
   TelDaFax baut Kraftwerk für Strom aus erneuerbaren Energien in Minsk .....................................59
   Weißrussland: Minsk blickt ein wenig in den Westen.....................................................................60
   OMV-Wirtschaftsforum: Partner mit Perspektiven .........................................................................60
   Zwischen starkem Staat und schwierigem Steuersystem. Rechtliche und steuerliche
   Rahmenbedingungen in Belarus weiterhin problematisch...............................................................63
   Mehr Geld für Union zwischen Belarus und Russland....................................................................65
   Weißrussland fordert weiteren Rabatt auf Gaspreis ........................................................................66
   Venezuela to lend $500 million to Belarus......................................................................................66
   Government projecting GDP to grow by 10 to 12 percent in 2009 .................................................66
                                                                                                                                               Seite 7


  Borodin: Russia and Belarus can introduce common currency this year.........................................67
  Belarusian authorities didn’t pay for Russian gas............................................................................67
  Russia, Belarus to set main budget parameters for 2009 .................................................................67
Kultur / Bildung ...................................................................................................................................69
   Weißrussland: Geldstrafe für Bibellesen .........................................................................................69
   Mit 2,6 Promille an der Pfeife..........................................................................................................69
   Vatikan/Weißrussland: Bertone, volle Kraft voran..........................................................................69
   Kardinal Bertone in Belarus.............................................................................................................70
   "Diagilew Project" Initiative des dbg-Mitgliedes im Radio 91,2 ....................................................71
Initiativen .............................................................................................................................................72
  Grenzach-Wyhlen - Engagement wird von Jahr zu Jahr größer ......................................................72
  Minsker Knabenchor rührt Zuhörer .................................................................................................72
  Gäste aus Tschernobyl .....................................................................................................................73
  Tschernobyl-Kinder von der Kletterwand begeistert.......................................................................73
  Bei Regen wird gemalt und gesungen..............................................................................................74
  Erlebnistag für Kinder aus Weißrussland in Worms .......................................................................75
  Wohlklingender Hilferuf rührt Zuhörer in St. Georgen...................................................................75
  Pfarrer Ludwig von Behren erinnert an Tschernobyl-Katastrophe / Zeitzeugin berichtet...............76
  Auf dem Pferderücken eine Auszeit vom Alltag .............................................................................76
  Geplanter (Aus-) Flug von Tschernobyl- Kindern kräftig vernebelt ...............................................77
  Lions Club Homberg feierte ein Sommerfest mit Kindern aus der Partnerstadt .............................78
  Erstmals Problem bei Anreise..........................................................................................................78
  Kinder aus Tschernobyl bei der Marine...........................................................................................79
  Kinder aus strahlenbelastetem Gebiet in Weißrussland kommen nach Idstein ...............................79
  Vier Wochen Erholung: Kinder aus weißrussischem Gomel zu Gast in Brockel............................80
  Transport nach Weißrussland ..........................................................................................................80
  Blick in eine düstere Zukunft...........................................................................................................81
  Mädchen und Jungen aus Weißrussland für drei Wochen im Fläming ...........................................82
  Russischstunde mal anders: Schüler erhalten Besuch aus Tscherbobyl ..........................................83
  Ferien für die Strahlenopfer .............................................................................................................83
  Jugendbegegnungen mit Kindern aus Luninetz und Minsk.............................................................84
  Knaben aus Minsk singen ................................................................................................................85
  Begegnung - Kinder aus Oserany in der Grundschule.....................................................................85
  Drei Wochen Urlaub für Tschernobyl-Kinder .................................................................................86
  Erholung für geschwächte Kinder....................................................................................................87
  Ein Lächeln für Natascha.................................................................................................................87
  Kinder aus Tschernobyl besuchen Fridericus Rex: 17. Aufenthalt im Kreis Herford .....................88
  Gäste aus Weißrussland: Fahrerwechsel auf dem Rastplatz ............................................................89
  Helping children to overcome the Chernobyl legacy.......................................................................89
Reportagen, Analyse, Interviews, Meinungen .....................................................................................91
   Fly On the Wall In Belarus ..............................................................................................................91
   Opposition in Belarus klagt über Benachteiligung bei der Kandidatenaufstellung .........................92
   Staatsmacht geht gegen unabhängige Journalisten vor....................................................................93
   Latest Analysis on Current Developments in Belarus from Pontis Foundation ..............................94
   The comb-over Soviet-style tyrant who could soon be one of the West's favourite allies ..............95
   Who is behind the bombing in Minsk? ..........................................................................................100
   Kaum Oppositionsvertreter in den regionalen Wahlkommissionen ..............................................105
                                                                                                                                           Seite 8


 Jugend In Weissrussland: die Gehorsamen und die Ungehorsamen..............................................106
 Opposition in Belarus erwartet mehr Unterstützung der EU .........................................................109
 Der Druck auf Wahlbeobachter und Opposition in Belarus wächst ..............................................110
 Minsker Oppositionsführer Milinkewitsch: “Wir werden bei den Wahlen antreten“....................112
 How to Lower Schengen Visa Fees for Belarusians......................................................................114
 Freies Theater Belarus – Eine Reise von Berlin nach Minsk mit Dea Lohers "Die Schere" im
 Gepäck ...........................................................................................................................................114
 The Attraction of Belarussian Politics ...........................................................................................117
 Russia: Press Statements following Russian-Belarusian Talks .....................................................120
 Power Poker: An Examination into the Dynamics of the Current Relationship between Russia and
 Belarus ...........................................................................................................................................122
 Opening the European Commission’s Delegation in Minsk: Do EU-Belarus relations need a
 rethink? ..........................................................................................................................................122
 The EU’s Limited Response to Belarus’ Pseudo ‘New Foreign Policy’ .......................................125
 The Pregnant Regime: A Bolder Policy Giving Birth to Change ..................................................126
 New repressions against OUR HOUSE last week .........................................................................127
Meldungen, Veranstaltungen .............................................................................................................129
   Freiwilligendienste in Belarus und in der Ukraine ........................................................................129
   3. Minsker Sommerschule „Europa der Regionen“ .......................................................................130
   Das Festival der belarusischen Kultur Good-BY II: Berlin-Freiburg-Witebsk-Minsk..................131
   2. Tag der Deutschen Wirtschaft....................................................................................................132
   Die Staatsbibliothek zu Berlin bietet die Europäische Bibliographie zur Osteuropaforschung ....132
                                          POLITIK
Lukashenko is Losing Popularity, Say Belarusians
                                                                            angus reid, 26.07.2008
Many people in Belarus believe long-serving president Aleksandr Lukashenko is losing public
support, according to a poll by the Independent Institute for Social, Economic and Political
Studies (IISEPS). 43 per cent of respondents think fewer people would be willing to vote for him
now compared to 2006, when he won the presidential election.
In addition, 53.8 per cent of respondents say change is more important to them at this point, while
37.4 per cent argue for the preservation of the status quo.
Belarus seceded from the Soviet Union in 1991. In 1994, independent candidate Lukashenko won
the presidential election, boosted by his popularity after acting as chairman of an anti-corruption
parliamentary committee. Lukashenko remains the country’s president to this day.
In March 2006, Lukashenko won the presidential election with 82.6 per cent of the vote. The
Organization for Security and Cooperation in Europe (OSCE) said the ballot "did not meet the
required international standards for free and fair elections" and was "severely flawed due to
arbitrary use of state power and restrictions to basic rights."
Belarus will hold a legislative election on Sept. 28. Independents and non-partisans linked to the
Lukashenko regime currently control the House of Representatives. In late June, Lukashenko said
the upcoming ballot will be an example of freedom and transparency, declaring, "We want to
show the West, and Russia, how to conduct an election. We will do it so democratically that you
can be sure the outcome is real and see who has the people’s support. We want to do it openly,
democratically so that no one will criticize us and we can say: ‘What more do you people want
from Belarus?’"
Polling Data
In your opinion, has Aleksandr Lukashenko’s rating (that is, readiness of the country’s population
to vote for him at the next election) increased or decreased during the time passed since the last
presidential election?
   It has increased             17.6%
   It has decreased            43.0%
   It has remained the same     33.8%
   Not sure                    5.6%
What is more important for you today—preservation of the present state of affairs or its change?
   Change of the present state of affairs is more important         53.8%
   Preservation of the present state of affairs is more important   37.4%
   Not sure                                                         8.8%
Source: Independent Institute for Social, Economic and Political Studies (IISEPS). Methodology:
Interviews with 1,021 Belarusian adults, conducted from Jun. 2 to Jun. 12, 2008. No margin of
error was provided.
                                                                                            Seite 10


Vandals paint Lithuanian embassy
                                                                     baltictimes.com, 25.07.2008
In Minsk, on the night of July 25, a group of vandals painted the hammer and sickle, and other
Bolshevik symbols on the Lithuanian embassy. Authorities say that this was a in retaliation to the
Lithuanian law passed June 2008 that prohibits the use of Bolshevik and Communist symbols,
likenesses of former leaders, or Nazi symbols. Bottles with notes regarding people’s views about
the law were also found by the embassy. Officers at the embassy noticed the commotion and
Belarusian authorities were notified, and the case is now under investigation. According to a
press release from the Lithuanian Ministry of Foreign Affairs, Lithuanian Ambassador to Belarus,
Edminas Bagdonas said firmly that the situation must be clarified. According to the 1961 Vienna
Convention, the perpetrators should be tracked down and brought to justice.



Repression in Weißrussland: Besuch von den Behörden
                                                           taz.de, von Barbara Oertel, 24.07.2008
Nutzt der autoritäre Staatspräsident Alexander Lukaschenko die Bombenexplosion in Minsk vom
4.Juli, um unabhängige Medien zu terrorisieren?
Weißrusslands autoritärer Staatspräsident Alexander Lukaschenko holt zum nächsten Schlag
gegen unabhängige Journalisten aus. Diesmal traf es Dschanna Popowa, die Leiterin des
Verlagshauses Vitebski Kurer in Vitebsk. Am vergangenen Mittwoch drang rund ein Dutzend
Mitarbeiter der Behörde zum Kampf gegen organisierte Kriminalität in Popowas Wohnung ein.
Die Beamten, allesamt in Zivil, beschlagnahmten Disketten, Compact Discs sowie Bildmaterial.
Zur offiziellen Begründung hieß es, die Durchsuchung der Wohnung finde im Rahmen der
Ermittlungen zu einer Bombenexplosion in Minsk vom 4. Juli statt.
Bei der Detonation eines selbst gebauten Sprengsatzes während eines Open-Air-Konzertes im
Zentrum der weißrussischen Hauptstadt waren rund 50 Menschen verletzt worden. Kurz darauf
hatte Lukaschenko zwei Spitzenfunktionäre entlassen sowie 13 Personen - darunter mehrere
Oppositionelle - vorübergehend festnehmen lassen.
Olga Karatsch, Mitarbeiterin der Vitebsker Nichtregierungsorganisation Nasch dom (Unser
Haus), hält die offizielle Begründung für die Wohnungsdurchsuchung für vorgeschoben. Sie
glaubt, dass die Aktion eine Reaktion auf einen Brief von Popowa an die örtliche Innenbehörde
ist. In ihrem Schreiben vom 21. Juli hatte die 55-Jährige die Herausgabe der gesamten Auflage
des Vitebski Kurer M gefordert, die am 24. April 2008 ohne Angabe von Gründen beschlagnahmt
worden war.
Außer Dschanna Popowa, die zwecks weiterer Beweisaufnahme in die Verwaltung zur
Verbrechensbekämpfung gebracht wurde, fand sich am Mittwoch auch Olga Karatsch
unfreiwillig auf dem Polizeirevier wieder. Sie hatte einen Menschenrechtler begleitet, der der
Wohnungsdurchsuchung hatte beiwohnen wollen, aber von der Miliz daran gehindert worden
war. Dort versuchten die Beamten zunächst, die beiden dazu zu zwingen, sich fotografieren und
Fingerabdrücke nehmen zu lassen, verzichteten aber, als sie auf Widerstand stießen, auf die
Anwendung von Gewalt.
Der Druck auf kritische Journalisten wird nicht erst seit dem Anschlag verstärkt. Am 28.
September finden in Weißrussland Parlamentswahlen statt. Noch ist unklar, ob sich Lukaschenko,
wie bei den vorherigen Wahlen, durch Manipulationen, Fälschungen und Repressionen wieder
einmal ein ihm höriges Parlament verschafft. Oder ob er sich, im Sinnen einer vorsichtigen
Annäherung an den Westen, dieses Mal gnädig dazu herablässt, auch Vertreter oppositionellen
Gruppierungen antreten zu lassen.
                                                                                           Seite 11


Doch auf ein Einlenken Lukaschenkos deutet im Moment kaum etwas hin. So schrieb
beispielsweise das präsidententreue Blatt Belarus Segodnija (Weißrussland heute) unlängst,
oppositionelle Kräfte trügen die Verantwortung für den Anschlag vom 4. Juli, weil sie Hass in der
Gesellschaft säten.
"Der Anschlag wird missbraucht, um wieder härter gegen unabhängige Journalisten vorzugehen",
sagt Olga Karatsch. "Die Aktion gegen Popowa war nicht die letzte ihrer Art. Für die nächsten
Monate rechne ich mit zahlreichen weiteren Durchsuchungen, Verhören und auch Verhaftungen."


Lukaschenko zeichnete Chavez mit Freundschaftsorden aus
                                                                         russland.ru, 24.07.2008
Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat am Mittwoch seinen venezolanischen
Amtskollegen Hugo Chavez mit dem Orden der Völkerfreundschaft ausgezeichnet. Die feierliche
Zeremonie fand in einer Parkanlage in der Stadtmitte von Minsk statt, der seit wenigen Tagen den
Namen des Führers der südamerikanischen nationalen Befreiungsbewegung, Simon Bolivar,
trägt. Lukaschenko hob Chavez' große Verdienste um die Festigung und Erweiterung der
Freundschaftskontakte zwischen den beiden Ländern hervor. Danach haben die Staatsoberhäupter
Blumen zur Gedenktafel zu Ehren Simon Bolivars niedergelegt.


Russland fordert neue Regeln für OSZE-Wahlbeobachter
                                                                         russland.ru, 24.07.2008
Russlands Zentrale Wahlkommission fordert zu einer Reform der internationalen OSZE-
Wahlbeobachtung auf, schreibt die russische Zeitung "Wremja Nowostej" am Mittwoch. Gestern
hat Alexander Iwantschenko, Chef des Russischen Ausbildungszentrums für Wahltechnologien,
auf einer Konferenz in Wien entsprechende Vorschläge bekannt gegeben.
Wie er sagte, haben ausländische Beobachter vor allem "die Gesetze des Staates, der Wahlen
durchführt, sowie die nationalen Machtorgane, darunter Wahlorgane, zu achten".
Nach der Idee der Urheber des Dokuments soll diese Achtung sehr konkrete Formen haben. So
wird die OSZE aufgefordert, mit dem Empfänger "das Format der eigenen Missionen, die
Kandidatur des Missionsleiters, die Zahl der daran teilnehmenden internationalen Beobachter,
den Beobachtungszeitraum und andere, mit der Souveränität eines Staates verbundene Fragen" zu
vereinbaren.
Die Missionsleiter müssen "angesehene Politiker sein, die die Wahlprozesse auf professioneller
Ebene kennen". Von den anderen Beobachtern erwartet Russlands Zentrale Wahlkommission
"genügende Kenntnis des Wahlrechts und -prozesses" sowie "eine spezielle Vorbereitung".
Iwantschenko rät davon ab, "Studenten und politische Touristen" als Beobachter einzusetzen.
Außerdem schlägt die Wahlleitung vor, "öffentliche Äußerungen in den Massenmedien" über die
Ergebnisse des Monitorings vor Beendigung der Abstimmung und dem Vorlegen des Berichts für
den Ständigen OSZE-Rat zu verbieten. Den Beobachtern wird empfohlen, "eine unparteiische
Einstellung zu den nationalen Teilnehmern am politischen Kampf" zu zeigen und im vorläufigen
Bericht "politische Einschätzungen" zu vermeiden. Schließlich betont Iwantschenko, dass dem
die Wahlen durchführenden Land "die Möglichkeit einer Antwort" auf das Wahlgutachten der
Beobachter zu überlassen ist. Eine solche Antwort kann in Form von Kommentaren und
Hinweisen zum Beispiel als Anhang in den endgültigen Rechenschaftsbericht aufgenommen
werden.
Die europäischen Kollegen beeilen sich indes nicht, die Initiativen der russischen
Wahlkommission zu unterstützen. Botschafter Janez Lenarcic, neuer Direktor des Büros für
                                                                                         Seite 12


demokratische Institutionen und Menschenrechte (BDIMR), ist damit einverstanden, dass "der
Wahlbeobachtungsprozess nicht politisiert sein darf". Zugleich hebt er hervor: "Die heute
geltenden Beschlüsse aller OSZE-Länder führen solche Beschränkungen nicht ein."
Der Vorsitzende der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, Joao Soares, sagte seinerseits
ohne Umschweife: "Ich halte es nicht für notwendig, für die OSZE-Staaten zusätzliche
Verpflichtungen im Zusammenhang mit der internationalen Wahlbeobachtung einzuführen."
Ein ehemaliger russischer BDIMR-Mitarbeiter mit der Bitte um Anonymität sagte: "Wenn wir im
Prinzip zugeben, dass internationale Beobachtung nötig und wertvoll ist, können die Rechte der
Beobachter nicht beschränkt werden, sonst wird das Monitoring kontrollierbar. Keinerlei
Beschränkungen in Bezug auf die Missionszusammensetzung, die Abstimmung muss technisch
sein, damit den Mitarbeitern Hilfe erwiesen wird. Das übermäßige Streben nach 'Achtung' könnte
dazu führen, dass die Beobachter zu den vorbereiteten Wahllokalen hinbefördert werden. Sie aber
müssen die Möglichkeit haben, die Routen nach ihrem Ermessen zu wählen."
Hierbei gab die Quelle zu: "Einige Staaten benutzen die OSZE als Instrument der Legitimierung,
es werden Doppelstandards angewandt, bei denen die gleichen Verstöße in Russland und
Weißrussland einerseits und in Georgien und der Ukraine andererseits unterschiedlich beurteilt
werden."
"Diese Probleme müssen gelöst werden, doch vorläufig sind Russlands Vorschläge eher
hysterisch", sagte er. "Wir brauchen konstruktive Handlungen. Nur dann kann Russland, einer der
wichtigsten OSZE-Sponsoren, diese Organisation zur Gewährleistung seiner nationalen
Interessen nutzen."


Experte: Chavez kauft keine weißrussischen "Second-Hand"-Waffen
                                                                      RIA Novosti, 23.07.2008
Trotz enger Beziehungen werden zwischen Weißrussland und Venezuela wohl kaum
Waffengeschäfte zustande kommen.
So kommentierte Ruslan Puchow, Chef des russischen Zentrums für Strategie- und
Technologieanalyse, den heutigen Besuch des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez in
Weißrussland. Einige Experten vermuten dennoch, dass Chavez mit Präsident Alexander
Lukaschenko über den Kauf weißrussischer Waffen sprechen wird.
Weißrussland baue selbst keine Waffen, sagte Puchow. Die Kampftechnik und Rüstungen, die in
Weißrussland seit Sowjetzeiten geblieben sind, würden Chavez kaum interessieren. Chavez sei
keiner, der sich mit "Second-Hand"-Waffen eindeckt, sagte Puchow. Selbst bei Russland wollte
er zunächst statt der relativ modernen Su-30-Kampfjets die supermodernen Su-35 kaufen, die
noch nicht einmal von der russischen Armee selbst benutzt werden.
Laut Puchow wird Chavez mit Lukaschenko sehr wahrscheinlich über die Ausbildung
venezolanischer Militärs in Weißrussland verhandeln. "Die Militärausbildung in diesem Land ist
auf einem sehr hohen Stand." Außerdem könnte Venezuela in Weißrussland seine zuvor in
Russland gekauften Waffen warten lassen.
Im Juli 2006 hatten Chavez und Lukaschenko eine Vereinbarung über die gemeinsame
Produktion und Modernisierung von Waffen für das Heer, die Luftwaffe und die Luftabwehr
Venezuelas unterzeichnet.
                                                                                           Seite 13


Chavez bei Duzfreund Lukaschenko in Minsk
                                                                       RIA Novosti, 23.07.2008
Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat nach seinem Moskau-Besuch einen Abstecher
nach Weißrussland gemacht, um Präsident Alexander Lukaschenko einen Freundschaftsbesuch
abzustatten. Bei einem Treffen am Mittwoch in Minsk versicherte Lukaschenko, Weißrussland
sei Venezuelas treuer Freund. "Als Freunde sind wir bereit, jede beliebige Frage für Venezuela zu
lösen. Sag, was wir tun sollen, und wir tun das", sagte der weißrussische Staatschef zu Chavez.
"Ich freue mich, dass Du Zeit gefunden hast, Weißrussland zu besuchen." Chavez entgegnete, er
sei nach Minsk gekommen, um die Freundschaftsgefühle gegenüber dem weißrussischen Volk zu
bekräftigen.


Weißrussland: Prozess gegen US-Bürger wegen Wirtschaftsspionage
                                                                       RIA Novosti, 21.07.2008
In Weißrussland beginnt am 30. Juli ein Gerichtsprozess gegen den im März verhafteten US-
amerikanischen Anwalt Emmanuel Zeltzer, den der Inlandsgeheimdienst KGB wegen
Wirtschaftsspionage angeklagt hat. Das teilte Zeltzers Verteidiger Dmitri Gorjatschko am Montag
RIA Novosti mit. Nach seinen Worten wird der Prozess voraussichtlich unter Ausschluss der
Öffentlichkeit geführt.
Neben der Wirtschaftsspionage wird Zeltzer Drogenschmuggel vorgeworfen. Bei seiner
Verhaftung am 12. März in Minsk wurden bei ihm mehr als 100 Tabletten sichergestellt, die
Drogen und psychotrope Substanzen enthalten sollten.
Der geborene Moldawier Zeltzer war in den 1970er Jahren aus der damaligen Sowjetunion in die
USA ausgewandert und ist seit 1990 als Rechtsanwalt tätig. Einer der bekanntesten seiner
Kunden war der abtrünnige georgische Unternehmer Badri Patarkazischwili, der in diesem
Februar im Londoner Exil starb. Außerdem war Zeltzer in den Geldwäsche-Skandal bei der Bank
of New York verwickelt.


Belarus: Opposition kritisiert Besetzung der Wahlkommissionen
                                                                    Deutsche Welle, 17.07.2008
Die Bezirks-Wahlkommissionen für die Parlamentswahl im September stehen fest.
Oppositionsvertreter finden sich aber nicht in jeder Kommission. OSZE-Standards werden immer
noch nicht eingehalten, so die Kritiker.
Am 16. Juli hat die Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission von Belarus, Lidija Jermoschina,
die Besetzung der Bezirks-Wahlkommissionen für die Parlamentswahl am 28. September bekannt
gegeben. "Die Bezirks-Kommissionen stehen fest", sagte sie und erläuterte, wer ihnen angehört:
"An erster Stelle stehen Vertreter aus Arbeiterkollektiven: 222 Personen." 81,6 Prozent der von
Arbeiterkollektiven eingebrachten Nominierungen seien akzeptiert worden. An zweiter Stelle
kommen Jermoschina zufolge die Anträge von Bürgern, die zu 79 Prozent akzeptiert wurden.
Von ihnen wurden 583 Personen in die Wahlkommissionen berufen.
"An dritter Stelle stehen die gesellschaftlichen Organisationen – 356 Personen. 75 Prozent der
Anträge wurden akzeptiert. Und von den politischen Parteien, die an vierter Stelle stehen, sind
151 Personen in die Kommissionen berufen worden. 40,7 Prozent der Anträge politischer
Parteien wurden angenommen", so Jermoschina. Vertreter von Parteien haben somit einen Anteil
von 10,6 Prozent an der Besetzung der Kommissionen.
Die politischen Parteien, zu deren Aufgabe es gehört, sich an Wahlen zu beteiligen, sind im
                                                                                           Seite 14


Vergleich zu den Vertretern von Arbeiterkollektiven deutlich schwächer in den Bezirks-
Wahlkommissionen vertreten. Aber im Vergleich zu den vorangegangenen Parlamentswahlen
konnten Parteienvertreter ihre Präsenz in den Kommissionen ausbauen.
Zugenommen hat auch die Anzahl von Vertretern oppositioneller Parteien in den Kommissionen.
Jermoschina sagte in diesem Zusammenhang, sie habe sich dafür eingesetzt und habe allen mit
Nachdruck geraten, wenigstens einen Vertreter einer oppositionellen Partei pro Bezirks-
Wahlkommission aufzunehmen. Letztendlich kommen aber auf die insgesamt 1430 zu
besetzenden Posten nur 38 Vertreter oppositioneller Parteien. Somit wird nicht jede der insgesamt
110 Kommissionen wenigstens mit einem Oppositions-Vertreter besetzt.
Einen Tag zuvor hatte die Vereinigung demokratischer Kräfte mitgeteilt, von der Besetzung der
Wahlkommissionen werde abhängen, wie die Opposition mit den Wahlen überhaupt umgehen
werde. Mit anderen Worten: ob die Opposition Kandidaten aufstellen oder die Parlamentswahlen
boykottieren wird.
In diesem Zusammenhang äußerte sich der Führer der Vereinigten Bürgerpartei, Anatolij
Lebedko, im Gespräch mit der Deutschen Welle pessimistisch: "Das Glas ist eher halbleer als
halbvoll. Rechnerisch gesehen erkennen wir Fortschritt an. Aber dieser reicht nicht aus, um sagen
zu können, dass die OSZE-Standards eingehalten werden, und dass das Minimum erfüllt wurde,
das wir verlangt hatten und das die Staatsmacht hätte erfüllen können. Das Minimum war für uns
die Präsenz von mindestens einem Vertreter pro Kommission. Aber 60 Prozent der
Kommissionen bestehen ausschließlich aus Lukaschenkos Vertretern oder aus Personen, die
wirtschaftlich und finanziell von der Staatsmacht abhängig sind."
Vertreter der Opposition kritisieren ferner, dass die Besetzung der Bezirks-Wahlkommissionen
hinter verschlossenen Türen ablief. In den meisten Fällen sei es nicht möglich gewesen, an der
Sitzung des Exekutivkomitees der Gebiete teilzunehmen, wo über die Besetzung der
Wahlkommissionen entschieden worden sei.


KGB-Chef wird Leiter des Sicherheitsrats
                                                                     FOCUS online, 15.07.2008
Juri Schadobin, der Chef des weißrussischen Geheimdienstes KGB wird der neue Leiter des
Sicherheitsrates in Weißrussland werden.
Das gab das Büro von Präsident Alexander Lukaschenko am Dienstag bekannt. Der autokratisch
regierende Präsident hatte den bisherigen Leiter des Sicherheitsrates wenige Tage nach einer
Bombenexplosion auf einem Open-Air-Konzert in der Hauptstadt Minsk am 4. Juli entlassen. Bei
der Explosion wurden rund 50 Menschen verletzt. Lukaschenko gehörte zu den Zuschauern, blieb
aber unverletzt.
Die Opposition befürchtet, dass mit der Ernennung Schadobins zum neuen Leiter des
Sicherheitsrates die Unterdrückungsmaßnahmen des Regimes gegen Dissidenten verschärft
werden. Lukaschenko regiert seit 1994 und unterdrückt die Opposition und unabhängige Medien.


Nach Anschlag in Minsk: Präsident Lukaschenko nimmt Umbesetzungen vor
                                                                       RIA Novosti, 15.07.2008
Nach einem Sprengstoffanschlag in der vergangenen Woche in Minsk hat der weißrussische
Präsident Alexander Lukaschenko mehrere personelle Umbesetzungen vorgenommen. Der
bisherige Protokollberater Wladimir Makej wurde zum Stabschef des Präsidenten. Mit der
Funktion des Staatssekretärs des Sicherheitsrates ist Juri Schadobin betraut worden, der bisher
das Komitee für Staatssicherheit geleitet hatte. Er wurde in seinem bisherigen Amt als KGB-
                                                                                         Seite 15


Vorsitzender von Wadim Saizew, früher Erster Stellvertreter des Komitees der Grenztruppen,
abgelöst. Lukaschenko hatte in der vergangenen Woche den Staatssekretär des Sicherheitsrates,
Viktor Schejman, und den Präsidentenstabschef Gennadi Newyglas im Zusammenhang mit dem
Zwischenfall in Minsk abgesetzt.


Regierungsgegner protestieren in Minsk gegen Inhaftierung Oppositioneller
                                                                         Euronews, 15.07.2008
Im Zentrum der weißrussischen Hauptstadt Minsk haben am Dienstag Dutzende Menschen gegen
die Festnahme mehrerer Oppositioneller nach dem Anschlag auf ein Konzert protestiert. Mit den
Fahnen Weißrusslands und der EU unterstrichen sie ihre Forderung nach Meinungsfreiheit. Die
Polizei griff ein und drängte die Demonstranten vom Platz. Nach Angaben der Opposition
befinden sich noch immer mehrere Menschen in Polizeigewahrsam. Die Behörden hingegen
hatten die Festnahmen nie offiziell bestätigt.
Weißrussland gilt als die letzte Diktatur in Europa. Der autoritäre Präsident Aleksander
Lukaschenko geht hart gegen die Opposition vor. Nach dem Anschlag Anfang Juli hatte
Lukaschenko den Tatort besichtigt und eine Untersuchung angeordnet. Mehr als 50 Menschen
waren verletzt worden, als Unbekannte während eines Konzerts einen mit Schrauben gespickten
Sprengsatz zur Explosion gebracht hatten. Die Behörden stuften den Anschlag bloß als Werk von
Unruhestiftern ein. Die Opposition kritisierte, dass die Polizei bloß die Gelegenheit ergriffen
habe, gegen Regimegegner vorzugehen


Gericht liefert Weißrussen nicht in Heimat aus
                                                                             SWR, 28.07.2008
Das Pfälzische Oberlandesgericht Zweibrücken hält es für unzulässig, Straftäter nach
Weißrussland auszuliefern. Die Richter haben daher die Auslieferungshaft eines Weißrussen
aufgehoben und dessen sofortige Freilassung angeordnet.
Das Gericht bezweifelt die Rechtsstaatlichkeit der Strafverfahren und der Haftbedingungen in
Weißrussland. Vor allem sahen die Richter nicht gewährleistet, dass dort die Grundsätze der
Europäischen Menschenrechtskonvention eingehalten werden. In derartigen Fällen sei kein
deutsches Gericht völkerrechtlich verpflichtet, unfreiwillig zur möglichen Verletzung von
Menschenrechten beizutragen (Az.: 1 Ausl. 30/07).
Zusicherungen der weißrussischen Behörden, die Haftbedingungen nach den Grundsätzen der
Menschenrechtskonvention zu gestalten, werteten die Richter als nicht glaubhaft. Kritik gab es
auch an den Auskünften des Auswärtigen Amtes, die "allgemein und pauschal gehalten" seien.
All diese Zweifel der Richter kamen letztlich dem Beschuldigten zu Gute. Der Mann sollte auf
Antrag der Generalstaatsanwaltschaft in Zweibrücken wegen versuchten Einbruchs nach
Weißrussland ausgeliefert werden.


Im Reich Lukaschenkos: Menschenrechtsausschuss fordert freie
Parlamentswahlen
                                            bundestag.de, von Bernadette Schweda, 14.07.2008
Medienscheu sind deutsche Abgeordnete nicht. Dennoch war die Delegation des
Menschenrechtsausschusses eher unangenehm überrascht, als sie vor ihrem Treffen mit
Vertretern der weißrussischen Nationalversammlung in Minsk am 9. Juli mit Fernsehteams und
Journalisten konfrontiert wurde. Denn der medienstarke Empfang im pressefeindlichen Reich des
                                                                                            Seite 16


"letzten Diktators Europas" - wie der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko von seinen
Kritikern tituliert wird - deutete eher auf eine Inszenierung hin. Die Antwort der deutschen Gäste
darauf erfolgte nach dem Treffen via Pressemitteilung. Darin erklärten sie, "dass der Besuch der
Nationalversammlung keine Anerkennung als Parlament bedeutet" und sie "die gegenwärtigen
Mitglieder der Institution nicht als Parlamentarier eines frei gewählten Parlaments betrachten".
Gleichzeitig forderten Holger Haibach, Arnold Vaatz (beide CDU/CSU), Johannes Jung (SPD),
Burkhardt Müller-Sönksen (FDP) und Volker Beck (Grüne) im Namen des
Menschenrechtsausschusses freie und faire Wahlen in Weißrussland. Für diesen Fall sei eine
Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Bundestag und der Nationalversammlung möglich.
Die Delegation traf sich auch mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen,
Oppositionsparteien, ehemaligen politischen Gefangenen und mit den Vizeministern für Innen
und Justiz.
Ziel der Visite war, nach Auskunft des Delegationsleiters Haibach, zu schauen, ob sich die
Menschenrechtslage vor der Parlamentswahl im September verändert hat. Das Fazit Haibachs ist
ernüchternd: Trotz der Freilassung einiger politischer Gefangener habe sich "eigentlich nichts
getan". Die internationale Gemeinschaft müsse darauf bestehen, dass die OSZE in Weißrussland
vertreten wird. Notwendig sei auch, das Land weiter zu beobachten. Das größte Potenzial für die
Demokratisierung des Landes sieht Haibach in zwischenmenschlichen Kontakten - "zwischen
jungen Leuten, Studenten, Akademikern und allen gesellschaftlichen Gruppen". Je mehr die
Menschen den Eindruck gewinnen, "dass unser System positive Aspekte hat, desto schneller kann
es zu Veränderungen kommen", hofft der CDU-Politiker.


Angebliche Staatsfeinde
                                             Frankfurter Rundschau, von Knut Krohn,13.07.2008
Die Opposition in Weißrussland sieht ihre Befürchtungen bestätigt. Am Wochenende wurden
nach ihren Angaben in Minsk mehrere Menschenrechtler festgenommen. Ihnen werde
vorgeworfen, an dem Bombenattentat auf ein Konzert in der Hauptstadt vor gut einer Woche
beteiligt gewesen zu sein. Bei der Explosion eines vermutlich selbst gebastelten Sprengsatzes
waren mehr als 50 Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Die Behörden hatten das Attentat
zunächst als Rowdytum und nicht als Terrorakt eingestuft.
Nina Schidlowskaja, Ehefrau des Oppositionellen Miroslaw Losowski, sagte der russischen
Nachrichtenagentur Ria Novosti, dass ihr Mann sowie der Menschenrechtler Igor Korsak
festgenommen worden seien. Bei der Aktion seien ihre Wohnungen durchsucht worden: "Bei
meinem Mann wurde das Computerlaufwerk beschlagnahmt, aber auch einige Unterlagen und
Notizbücher. Bei Korsak beschlagnahmte man eine Tüte mit Schrauben und Muttern sowie
Gummihandschuhe, das heißt Dinge, die wohl jeder zu Hause hat."
Die Opposition berichtet zudem von weiteren Verhaftungen. Auch zwei Führungsmitglieder der
Vereinigten Bürgerpartei seien abgeführt worden. Die Behörden nutzten die Lage nach dem
Anschlag für ein ungerechtfertigtes Vorgehen. Die Festgenommenen hätten bei den
Parlamentswahlen am 28. September kandidieren wollen.
Der Chef der Sicherheitskräfte, Igor Kusnezow, erklärte lediglich: "Es wurden drei Personen
festgenommen. Unter ihnen sind Mitglieder, die einer nicht registrierten staatsfeindlichen
Organisation angehört haben und über spezielle Fertigkeiten beim Umgang mit Sprengstoffen
verfügen."
Die Sicherheitskräfte waren von Präsident Aleksander Lukaschenko nach dem Anschlag heftig
kritisiert worden. "Die Sprengladung explodierte an einem Ort, wo Polizisten und
Geheimdienstler angeblich herumgekrochen waren, um alles besonders scharf zu kontrollieren",
warf der Staatschef den Verantwortlichen vor. Offensichtlich möchte der diktatorisch regierende
                                                                                        Seite 17


Präsident vor den Parlamentswahlen Ende September die kritischen Stimmen zum Schweigen
bringen.


Weißrussland: Festnahmen nach Anschlag
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Gut eine Woche nach dem Bombenanschlag auf ein Konzert in der weißrussischen Hauptstadt
Minsk hat es nach Angaben von Menschenrechtlern 13 Festnahmen gegeben. Bei der Explosion
waren Dutzende Menschen verletzt worden. Unter den Festgenommenen seien mehrere
Oppositionelle, etwa der Leiter der Jugendorganisation der Weißrussischen Volksfront, Ilja
Bogdan, sagte Ales Beljatski.
Auch zwei Führungsmitglieder der Vereinigten Bürgerpartei, Michail Paschkewitsch und
Alexander Sergejenko, seien unter den Verhafteten. Die Behörden nutzten die Lage nach dem
Anschlag für ein ungerechtfertigtes Vorgehen gegen die Opposition, sagte Beljatski. Die
Festgenommenen hätten bei den Parlamentswahlen am 28. September kandidieren wollen.
Bei dem Anschlag in Minsk war am Freitag der vergangenen Woche ein mit Schrauben
gespickter Sprengsatz explodiert. Unter den Zehntausenden Besuchern eines Open-Air-Konzerts
in der Innenstadt war auch der wegen seiner autokratischen Herrschaft vom Westen geächtete
Präsident Alexander Lukaschenko. Allerdings hielt er sich vom Anschlagsort weit entfernt auf.
Anlass für das Konzert war der weißrussische Unabhängigkeitstag.


Internationale Wahlbeobachter sind nach Belarus eingeladen
                            Belarussische Botschaft, Berlin, Pressemitteilung № 29, 11.07.2008
Am 10. Juli 2008 hat das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Belarus eine
offizielle Erklärung über die Einladung internationaler Wahlbeobachter nach Belarus zwecks
Überwachung der Wahlkampagne und der Abstimmung bei den am 28. September
bevorstehenden Parlamentswahlen veröffentlicht. Dieser Schritt wird gemäß der internationalen
Verpflichtungen und einheimischer Wahlgesetzgebung des Landes unternommen.
Laut der Erklärung hat das Außenministerium am 9. Juli 2008 die entsprechenden offiziellen
Einladungen an das Exekutivkomitee der GUS und das Büro der OSZE für Demokratische
Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) gerichtet. Von dem Parlament werden die
Einladungen für die Wahlbeobachtung auch an die Interparlamentarische Versammlung der
Saatenmitglieder der GUS und die Parlamentarische Versammlung der OSZE gesendet.
Im Dokument wird es ausdrücklich betont, dass die Staatsführung von Belarus und die
Wahlorgane des Landes ihr Bestes tun und alle erforderliche Bedingungen schaffen werden,
damit die Parlamentswahlen fair, offen und demokratisch verlaufen könnten. Die belarussische
Seite wird die erforderlichen Bedingungen für die gehörige Ausübung durch internationale
Beobachter ihrer Mission gewährleisten.
Es wird des Weiteren unterstrichen, dass in der Wahlgesetzgebung von Belarus, im Gegensatz zu
einigen westlichen OSZE-Mitgliedsstaaten, breite Rechte für ausländische Beobachter verankert
sind. Andererseits gibt es auch Verpflichtungen, denen, wie es von der belarussischen Seite
erwartet wird, ebenfalls genau nachgekommen wird. Vor allem betreffe dies die
Nichteinmischung in die Wahlkampagne und strenge Beachtung der nationalen Gesetzgebung,
heißt es im Dokument.
Es wird die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass die Einschätzungen der internationalen
Wahlbeobachter sachlich und unvoreingenommen sein und sich auf konkrete Fakten stützen
werden.
                                                                                           Seite 18


Belarus: Spitzenfunktionäre nach Anschlag entlassen
                                                                    Deutsche Welle, 10.07.2008
Wegen der Bombenexplosion in Minsk vergangene Woche sind die Sicherheitsdienste in die
Kritik geraten. Täter und Motive sind weiter unklar. Der Anschlag nutze weder der Staatsmacht
noch der Opposition, meinen Experten.
Nach dem Bombenanschlag mit 50 Verletzten in Minsk hat Präsident Aleksandr Lukaschenko
den Staatssekretär des Sicherheitsrates, Wiktor Schejman, sowie den Leiter seiner
Präsidialverwaltung, Gennadij Newyglas, entlassen. In einer Pressemitteilung heißt es, Grund sei
ein "Arbeitsplatzwechsel".
Während einer Sitzung in der Präsidialverwaltung am 7. Juli hatte Lukaschenko allerdings das
Vorgehen der Behörden in der Nacht zum 4. Juli nach dem Anschlag während eines
Massenkonzerts anlässlich des Tags der Unabhängigkeit im Zentrum der belarussischen
Hauptstadt scharf kritisiert: "Den zuständigen Diensten ist es nicht gelungen, die Sicherheit der
Menschen zu gewährleisten, obwohl man dies in unserem Land machen kann. Der Zwischenfall
ist dort passiert, wo, wie man mir versichert, der Sicherheitsdienst, die Miliz, der KGB alles
gründlich untersucht hatten. Wie konnte das also passieren?", fragte Lukaschenko.
Lukaschenko selbst war bei dem Konzert ebenfalls vor Ort. Eigenen Angaben zufolge hielt er
sich nur unweit der Explosionsstelle auf. Er berichtete, er hätte persönlich zum Unglücksort
kommen und Anweisungen geben müssen, um eine Massenpanik zu vermeiden. Zahlreiche
Einsatzwagen hätten sich dort befunden, aber erst nachdem er dort eingetroffen sei, sei in die
Arbeit der Rettungsdienste Bewegung gekommen.
Laut Pressedienst des belarussischen Präsidenten wurde Sicherheitschef Schejman von
Lukaschenko scharf kritisiert. Dies hält der belarussische Politologe Walerij Karbalewitsch auch
für angebracht: "Wenn eine solche Explosion passiert, dann sind die Behörden schuld." Aber
Spekulationen, wonach der Anschlag von den Behörden selbst eingefädelt worden sei, um eine
Entlassung Schejmans zu provozieren, hält Karbalewitsch für unwahrscheinlich: "Die
belarussischen Machtorgane und Geheimdienste handeln nicht so eigenständig und verfolgen
auch nicht die Ambitionen, sich auf ein solch lebensgefährliches Spiel einzulassen."
Mit Schejmans Entlassung habe man bereits seit geraumer Zeit gerechnet, betonte Karbalewitsch:
"Schon länger war im Gespräch, er habe an Einfluss und Macht verloren." Dem Politologen
zufolge hat Lukaschenko jetzt eine Gelegenheit gefunden, die längst geplante Entlassung
durchzusetzen.
Auch der belarussische Experte Aleksandr Potupa meint, der offiziell angegebene
Entlassungsgrund sei nur formal. "Schejman ist der letzte Mann aus dem engen Kreis, mit dem
Lukaschenko seinerzeit an die Macht gekommen war. Er gehört zu den wichtigsten Männern, die
ihn an die Macht gebracht haben." Er sei sozusagen der "letzte Mohikaner", denn die anderen
seien längst nicht mehr an der Staatsmacht beteiligt, so Potupa.
Aber aus welchem Motiv heraus der Anschlag verübt wurde und von wem, ist nach wie vor
offen. "Diese Frage wird schwer zu beantworten sein, weil in der heutigen Situation keines der
bestehenden Subjekte, weder die Staatsmacht noch die Opposition, für sich rational einen Nutzen
daraus ziehen können", meint der belarussische Politologe Wladimir Mazkewitsch. "Man muss
eher davon ausgehen, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat, der aber unter einer
gewissen Protektion irgendwelcher Strukturen gehandelt hat", sagte er. Der Experte geht davon
aus, dass man den Anschlag dazu nutzen wird, Probleme bei der Umverteilung der Macht
innerhalb der Staatselite zu lösen.
Unterdessen wurden Berichten aus Belarus zufolge oppositionelle Aktivisten im Rahmen der
Ermittlungen vernommen, auch ist es zu Wohnungsdurchsuchungen gekommen, unter anderem
bei Nina Schidlowskaja, der stellvertretenden Vorsitzenden des Weltverbandes der Belarussen,
                                                                                              Seite 19


der ehemaligen Pressesprecherin des Ex-Präsidentschaftskandidaten Aleksandr Kosulin, der in
einem belarussischen Gefängnis einsitzt.
Nach belarussischen Polizeiberichten sollen inzwischen vier Verdächtige festgenommen worden
sein, die mit einer selbst gebastelten Bombe den Anschlag verübt haben sollen. Sie sollen
Mitglieder der nationalistischen Untergrundorganisation Weiße Legion sein, die sich zur Gewalt
im Kampf gegen staatliche Organe bekenne.


Vier Verdächtige nach Bombenanschlag festgenommen
                                                                           mz-web.de, 09.07.2008
Knapp eine Woche nach dem Bombenanschlag mit 50 Verletzten in der weißrussischen
Hauptstadt Minsk hat die Polizei vier Verdächtige gefasst. Den mutmaßlichen Tätern werde
Terrorismus vorgeworfen, teilte der Geheimdienst KGB nach Angaben der Agentur Interfax am
Mittwoch in Minsk mit. Die Beschuldigten sollen bei einem Konzert zum Tag der
Unabhängigkeit am Donnerstag voriger Woche selbst gebastelte Bomben gelegt haben. Die
Verdächtigen sollen laut Medien Mitglieder der nationalistischen Untergrundorganisation Weiße
Legion sein, die sich zur Gewalt im Kampf gegen staatliche Organe bekenne.
Der autoritäre Präsident Alexander Lukaschenko hat angekündigt, die Täter mit der «vollen
Härte» des Gesetzes bestrafen zu lassen. Die frühere Sowjetrepublik ist das letzte Land in
Europa, in dem die Todesstrafe angewendet wird. Der Präsident hatte nach dem Bombenanschlag
seinen Sicherheitschef und den Leiter seiner Präsidialverwaltung entlassen.


Menschenrechtsausschuss dringt auf freie und faire Wahlen in Weißrussland
                                                                            Bundestag, 09.07.2008
Der Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages hat sich heute mit Mitgliedern der
Nationalversammlung von Belarus im Parlamentsgebäude in Minsk getroffen.
Die Bundestagsabgeordneten brachten zum Ausdruck, dass sie die gegenwärtigen Mitglieder der
Institution nicht als Parlamentarier eines frei gewählten Parlamentes betrachten. Sie stellten klar,
dass der Besuch der Nationalversammlung keine Anerkennung als Parlament bedeutet. Sie
stellten eine Verbesserung der Beziehung zwischen dem Bundestag und der
Nationalversammlung für den Fall in Aussicht, dass die nächsten Parlamentswahlen transparent,
frei und fair ablaufen.
Wichtige Indikatoren hierfür sind: die Zulassung der Kandidaten der Opposition; die
Einbeziehung der Opposition in alle Wahlkommissionen; Zugang der Oppositionskandidaten zu
den Medien; transparente Überprüfung aller Verfahrensschritte bei der Wahl einschließlich der
Auszählung durch Wahlkommission und internationale Wahlbeobachter; Freilassung von
Alexander Kosulin und den anderen politischen Gefangenen.
Zuvor waren die Bundestagsabgeordneten mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen,
Vertretern der demokratischen Oppositionsparteien, ehemaligen politischen Gefangenen sowie
den Vizeministern des Innen- und des Justizministeriums zusammengetroffen.


Weißrussland: Präsident schränkt Online-Rechte ein
                                                testticker.de, von Maxim Roubintchik, 08.07.2008
Präsident Lukaschenko steht anscheinend kurz davor ein neues Gesetz zu unterzeichnen, das die
Pressefreiheit in dem osteuropäischen Land noch weiter einschränkt. Besonders betroffen sind
                                                                                         Seite 20


Online-Publikationen.
Der Medien-Druck in dem autoritär kontrollierten Land soll weiter anwachsen. Dafür sorgt ein
kürzlich vom Parlament mit großer Mehrheit abgesegnetes Mediengesetz. Am 28. Juni wurde
dieses einstimmig vom Rat der Republik angenommen und liegt nun auf dem Schreibtisch des
weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko zum Unterzeichnen bereit. Das neue Gesetz
schreibt eine Registrierung für alle Medien vor und soll die staatliche Kontrolle über Online-
Publikationen erweitern. Durch die neuen Regelungen fällt es der Regierung nun auch leichter
unliebsame Webseiten zu schließen und Journalisten zu inhaftieren, warnt die Organisation
Reporter ohne Grenzen.
In dem letztjährigen Ranking von Reporter ohne Grenzen landete Weißrussland auf Platz 151 von
169 der Länder mit der besten Pressefreiheit. Deutschland befindet sich in dieser Rangliste
übrigens auf Platz 20 und die USA auf Platz 48 (Inland) beziehungsweise 111 (außerhalb der
USA). Vorbildlich hingegen sind Norwegen und Island, die gemeinsam den ersten Platz belegen.


Anschlag in Minsk: Präsident Lukaschenko schwebte in Lebensgefahr
                                                                      RIA Novosti, 07.07.2008
Bei dem Sprengstoffanschlag in der weißrussischen Hauptstadt Minsk befand sich Staatspräsident
Alexander Lukaschenko den jüngsten Erkenntnissen zufolge im Wirkungsbereich der Bombe. Ein
Sprengsatz war in der Nacht zum 4. Juli während der Nationalfeier in Minsk explodiert und hatte
mindestens 50 Menschen verletzt. Nach Angaben der Ermittler wurden unter anderem Zuschauer
verletzt, die in unmittelbarer Nähe zum Präsidenten saßen, meldete die staatliche
Nachrichtenagentur Belta. Lukaschenko selbst erklärte, er glaube nicht, dass das Attentat gegen
ihn gerichtet gewesen sei. Die weißrussischen Behörden leiteten indes Ermittlungen wegen
"Rowdytum" ein. Zu den Ermittlungen wurden auch russische Geheimdienste hinzu gezogen.


Nach Explosion in Minsk: Lukaschenko droht Sicherheitsratssekretär mit
Entlassung
                                                                      RIA Novosti, 07.07.2008
Alexander Lukaschenko hat den Sekretär des weißrussischen Sicherheitsrates, Viktor Scheiman,
beschuldigt, wegen Untätigkeit für die Explosion im Zentrum von Minsk mitverantwortlich zu
sein und ihm die Entlassung angedroht.
"Sie als Zuständiger für Sicherheit haben keinen Finger krumm gemacht und schreiben mir
Berichte darüber, was dort geschehen ist. Ich weiß besser als Sie, was dort passiert ist. Wir
brauchen nun ein aufrichtiges Gespräch unter Männern", sagte Lukaschenko in einer Beratung zu
den bisherigen Ermittlungsergebnissen zu Scheiman.
Die Explosion erfolgte am Donnerstagabend während eines Konzertes und Volksfests anlässlich
des Tages der Unabhängigkeit auf dem zentralen Platz der Hauptstadt. Nach Einschätzung von
Experten war ein selbstgebastelter Sprengsatz verwendet worden. Insgesamt wurden 50
Menschen (vorwiegend Jugendliche) verletzt, Todesopfer hat es nicht gegeben.


Kritik an geplantem Mediengesetz in Weißrussland
                                                                      Der Standard, 07.07.2008
Eine weitere Einschränkung der Medienfreiheit im ohnehin autoritär regierten Weißrussland sieht
Reporter ohne Grenzen (ROG) in einem geplanten neuen Mediengesetz. "Wir fordern Präsident
(Alexander) Lukaschenko dringend dazu auf, dieses Gesetz nicht zu beurkunden, weil es den
                                                                                           Seite 21


bereits großen Druck auf die Medien noch weiter vergrößern wird", erklärte Rubina Möhring von
ROG Österreich am Montag in einer Aussendung.
Das Gesetz wurde am 28. Juni nahezu einstimmig vom Rat der Republik (dem Oberhaus der
Nationalversammlung) angenommen, es muss aber noch von Präsident Lukaschenko
unterzeichnet werden, damit es in Kraft treten kann. Das neue Mediengesetz schreibt eine
verpflichtende Registrierung für alle Medien vor, verstärkt die staatliche Kontrolle über Online-
Publikationen und erleichtert die staatliche Schließung von Medien.
Auch die europäische Kommission hat die geplante Beurkundung des Gesetzes verurteilt: "Ich
bedaure, dass das Parlament ein Gesetz angenommen hat, das die Medienfreiheit in Belarus noch
weiter einschränken wird", so die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Sie bezeichnet
die Pressefreiheit außerdem als ein "essenzielles Element der Demokratie". Weißrussland nimmt
im weltweiten "Ranking der Pressefreiheit" von ROG, aus dem Jahr 2007, Rang 151 von 169 ein.


Suche nach Bombenleger von Minsk geht weiter
                                                             Mitteldeutsche Zeitung, 06.07.2008
Nach dem Bombenanschlag in Weißrussland mit 50 Verletzten haben Geheimdienstexperten aus
Minsk und Moskau gemeinsam die Ermittlungen aufgenommen. 40 Menschen wurden am
Sonntag weiter in Krankenhäusern behandelt. Der weißrussische Präsident Alexander
Lukaschenko kündigte an, die Täter würden mit der «vollen Härte des Gesetzes» bestraft, wie die
Agentur Interfax meldete. In dem autoritär regierten Land wird weiter die Todesstrafe
angewendet. Der selbst gebastelte Sprengsatz war in der Nacht zum Freitag bei einem Konzert
zum Tag der Unabhängigkeit explodiert.
Lukaschenko versicherte, den politischen Druck im Land nicht weiter zu erhöhen. Die Opposition
hatte neue Repressionen befürchtet. Er gehe nicht davon aus, dass die Bombe gegen ihn gerichtet
gewesen sei, sagte Lukaschenko. Der von seinen Gegnern als letzter Diktator in Europa kritisierte
Staatschef dementierte Berichte, wonach er die Veranstaltung wegen der Explosion umgehend
verlassen habe. «Wenn man den Präsidenten in Sicherheit gebracht hätte, dann wäre Panik
ausgebrochen», sagte Lukaschenko. Stattdessen hätten sich die rund 500 000 Menschen
vernünftig verhalten.


Lukaschenko: Sprengsatz war nicht gegen mich gerichtet
                                                                      pr-inside.com, 05.07.2008
Der weißrussische Machthaber Präsident Alexander Lukaschenko ist nach eigenen Worten
überzeugt, dass die Explosion am Freitag auf einem Open-Air-Konzert nicht gegen ihn gerichtet
war. Der autokratisch regierende Präsident gehörte auch zu den Zuschauern des Konzerts. Bei der
Explosion wurden rund 50 Menschen verletzt. Festnahmen gab es zunächst nicht. Polizeisprecher
Alexander Lastowski erklärte, die Ermittlungen richteten sich gegen «Hooligans».
«Ich glaube nicht, dass es gegen mich gerichtet war», sagte Lukaschenko am Samstag. Er werde
die Explosion auch nicht nutzen, um noch härter gegen die Opposition vorzugehen. «Wir planen
nicht, nach dem Vorfall die Sicherheit zu verschärfen.» Lukaschenko regiert seit 1994 und
unterdrückt die Opposition und unabhängige Medien.


In Weissrussland greift die Angst um sich
                                  Schaffhauser Nachrichten, von Christian Weisflog, 05.07.2008
Nach dem Bombenanschlag in der Hauptstadt Minsk, mit über 50 Verletzten, fürchtet die
                                                                                           Seite 22


Opposition verschärfte Repressionen. Das von Präsident Alexander Lukaschenko autoritär
geführte Weissrussland wurde gestern vom Terror erfasst: Während eines Freiluftkonzerts zur
Feier des Unabhängigkeitstages in der Hauptstadt Minsk explodierte mitten in der
Zuschauermenge eine Bombe. Auch der Präsident war im Publikum.
Behörden sprechen von Rowdytum
Im Gegensatz zum terrorgeprüften Russland, wo bei ähnlichen Veranstaltungen
Personenkontrollen durchgeführt werden, war der Platz in Minsk frei zugänglich. Gemäss ersten
Meldungen forderte der Sprengsatz rund 50 Verletzte. Die Polizei riegelte den Ort sofort ab, die
Musik spielte allerdings weiter.
Die Behörden versuchten in ersten Stellungnahmen, den Vorfall herunterzuspielen. Doch
Einträge von Augenzeugen in Internetforen zeigen ein drastischeres Bild: «Mein Bruder war 30
Meter vom Explosionsort entfernt. Er sah über 30 Verletzte, mindestens einen ohne Arm. Sehr
viel Blut. Tote sah er nicht, aber es wäre durchaus möglich», schrieb ein Blogger.
Man werde alle möglichen Versionen in Betracht ziehen, beteuerte gestern der Minsker
Polizeichef Anatoli Kuleschow. Vermutlich handle es sich aber um gewöhnliches Rowdytum von
Leuten, die unzufrieden darüber seien, dass es in Minsk so ein schönes Fest gebe, fügte er hinzu.
Der russische Journalist und Weissrussland-Experte Pawel Scheremet ist jedoch ganz anderer
Meinung: «Es handelt sich um einen Terroranschlag», erklärte er gestern dem russischen
Radiosender «Echo Moskwy». Aber auch Scheremet ist sich nicht sicher, wer dahinterstehen
könnte. In den Reihen der Opposition sehe er keine solch radikalen Gruppierungen, obwohl die
Regimekritiker unter sehr harten Repressionen leiden würden, meinte der Journalist. Er sei aber
überzeugt, dass der Anschlag als Vorwand genutzt werde, um noch schärfer gegen die Opposition
vorzugehen und um im Vorfeld der Parlamentswahlen Ende September die apathische
Bevölkerung zu mobilisieren.
Regimegegner im Gefängnis
Die undemokratische Wiederwahl im Frühjahr 2006 brachte Lukaschenko in eine schwierige
Lage: Mit dem erneuten Affront gegenüber dem Westen machte er sich gleichzeitig zur Geisel
Moskaus. Der Kreml zwang Weissrussland in der Folge eine Verdoppelung der Gaspreise auf
und gewährte Minsk im Gegenzug grosszügige Kredite. Um sich aus der russischen
Umklammerung zu lösen, machte Lukaschenko daraufhin der EU vorsichtige Avancen.
Doch die Versprechungen von mehr Demokratie und Öffnung bleiben bisher auf der rhetorischen
Ebene stecken. Viele Regimegegner sind im Gefängnis, und regelmässig werden neue verhaftet.
In ihrem Vorbericht zu den weissrussischen Parlamentswahlen Ende September hält die OSZE
nüchtern fest: «Bei früheren Wahlen in Weissrussland wurden fundamentale Freiheitsrechte
missachtet. In dieser Beziehung gibt es keine sichtbaren Fortschritte.»


Geheimnisvoller Bombenanschlag in Minsk: Mutmassungen über Aktion des
Regimes
                                                                               NZZ, 05.07.2008
Bei einem Bombenanschlag in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sind in der
weissrussischen Hauptstadt Minsk bis zu hundert Menschen zum Teil schwer verletzt worden.
Eine oder mehrere Bomben explodierten kurz nach Mitternacht während eines offiziellen, von
den Behörden organisierten Open-Air-Konzertes etwas ausserhalb des Stadtzentrums, bei dem
zumindest am Anfang auch der autokratisch regierende Staatspräsident Lukaschenko anwesend
war.
Nach der Explosion wurde der Anlass zuerst nicht abgebrochen, was in Minsk zu etlichen
Spekulationen geführt hat und Organisatoren sowie Ordnungskräfte heftiger Kritik aussetzt. Ein
Teil der demokratischen Opposition äusserte am Donnerstag offen die Vermutung, die Urheber
des Anschlags seien innerhalb von Lukaschenkos Machtclique zu suchen. «Es ist möglich, dass
                                                                                          Seite 23


es sich hierbei um eine Vorwahl-Provokation des Machtapparats handelt», sagte der
oppositionelle Kommunistenchef Sergei Kaljakin. Als Argument für diese These wurde in
Oppositionskreisen die Tatsache gewertet, dass sich der Präsident entgegen sämtlichen
Sicherheitsstandards unmittelbar nach der Explosion an der Unglücksstelle einfand.
Höchstwahrscheinlich seien Hooligans für den Anschlag verantwortlich, mutmasste dagegen der
Minsker Polizeichef Kuleschow und präsentierte eine weitere nicht explodierte Bombe, die die
Polizei am Tatort sichergestellt haben will. Der weissrussische Vizeregierungschef Kosinets
berichtete, die Explosion habe 46 Schwer- und 54 Leichtverletzte gefordert; Tote habe es keine
gegeben. Die oppositionelle weissrussische Internet-Zeitung «Nascha Niwa» sprach dagegen von
insgesamt 65 Verletzten.


Minsk erklärt Bombe zur Tat von Rowdys
                                           Frankfurter Rundschau, von Knut Krohn, 04.07.2008
Die Feier zum Unabhängigkeitstag war auf dem Höhepunkt, da hallte ein lauter Knall über den
Siegerprospekt in Minsk. Die zentrale Straße in der Stadtmitte war kurz vor Mitternacht voller
Menschen, von denen viele an den Beginn eines Feuerwerks glaubten. Explodiert aber war eine
Bombe, die rund 50 Menschen verletzte. "Es gibt einige Schwerverletzte, aber keine Toten",
sagte der weißrussischen Innenminister Wladimir Naumow am Freitag nach Angaben der
russischen Agentur Interfax.
"Die Explosion war laut, eine kleine Rauchsäule stieg auf, es gab aber keine Blitze oder
Lichteffekte. Die Milizionäre an der Absperrung erzählen, dass ein Feuerwerkskörper
hochgegangen sei - nichts Besonderes", erzählte ein Augenzeuge kurz nach der Detonation. "Als
immer mehr Krankenwagen herangerast kamen, war aber jedem klar, dass irgendetwas passiert
ist." Erst am Freitagmorgen teilten die Behörden mit, dass es sich bei der Detonation um einen
Anschlag gehandelt hat.
Lukaschenko bleibt unverletzt
Nach Meldungen von weißrussischen Nachrichtenagenturen hatte sich bei den Feierlichkeiten
auch Präsident Alexander Lukaschenko aufgehalten, dem aber nichts passiert sein soll, obwohl
die Bombe in seiner Nähe explodiert sei. Das Staatsoberhaupt zeigte sich wenig später am Tatort
neben einem Denkmal für die Heldentaten der Minsker Bürger im Zweiten Weltkrieg.
Weißrussland feiert seit rund zehn Jahren seine Unabhängigkeit am 3. Juli im Gedenken an die
Befreiung des von der deutschen Wehrmacht besetzten Land durch die Rote Armee.
Nach ersten Erkenntnissen sei der selbst gebastelte Sprengsatz in einer mit Nägeln und Schrauben
gefüllten Tomatendose versteckt gewesen. Er explodierte, als Polizisten die verdächtige Dose
untersuchten. Kurz nach der Detonation wurde eine zweite Bombe gefunden, teilte das
weißrussische Innenministerium mit; sie konnte rechtzeitig entschärft werden.
Die Polizei sucht nach einem dunkelhäutigen Mann. Zeugenaussagen zufolge soll er das zweite
Paket abgestellt haben. Daran seien viele Fingerabdrücke und andere Spuren entdeckt worden, so
das Innenministerium.
Die Polizei stuft den Vorfall nicht als Terroranschlag, sondern als Akt des Rowdytums eines
Einzeltäters ein. Der Eindruck soll nicht aufkommen, dass sich eine geschlossene militante
Opposition gegen den autokratisch herrschenden Lukaschenko herausgebildet haben könnte. Die
Gegner des Staatsoberhauptes setzten bisher aber auch in der Tat nicht auf Gewalt.
Vor zwei Jahren, als die Opposition wegen Wahlfälschungen zu Massendemonstrationen aufrief,
kam es zwar zu Ausschreitungen; die Polizei griff aber schnell hart durch und trieb die
Demonstranten auseinander. Die Anführer der Opposition wurden verhaftet. Ende September
stellt sich Lukaschenko erneut zur Wahl und hat die Repressionen gegen seine Gegner verschärft.
                                                                                         Seite 24


Weissrussland: Opposition nach Anschlag in Angst vor Verfolgung
                                                                        Die Presse, 04.07.2008
Regime könnte Bombenexplosion bei Konzert als Grund für Durchgreifen gegen Gegner nützen.
Die Feier zum Unabhängigkeitstag, dem Tag der Befreiung von Minsk von den Deutschen durch
die Rote Armee am 3. Juli 1944, war am Höhepunkt, da hallte Freitag kurz nach Mitternacht ein
Knall über den „Sieger-Prospekt“ in Minsk: Die Straße, wo ein Konzert stattfand, war voller
Menschen, von denen viele an ein Feuerwerk glaubten. Es war aber eine Bombe, die mehr als 50
Menschen verletzte.
Weißrusslands diktatorischer Präsident Alexander Lukaschenko soll in der Nähe der Explosion
gewesen sein, er blieb unverletzt. Später zeigte er sich am Tatort neben dem Denkmal für die
Heldentaten der Minsker im Krieg. Laut Polizei war die Bombe in einer mit Nägeln und
Schrauben gefüllten Tomatendose. Sie ging hoch, als Polizisten die verdächtige Dose
untersuchten. Später fand man noch eine Bombe, teilte das Innenministerium am Freitag mit, sie
wurde entschärft. Die Polizei sucht einen dunkelhäutigen Mann, der laut Zeugen das zweite Paket
platziert haben soll.
Rowdy oder Polit-Attentäter?
Die Polizei stuft den Vorfall als bloßes „Rowdytum“ eines Einzelnen ein – wohl, um den
Eindruck zu vermeiden, dass sich eine militante Opposition gegen Lukaschenko herausgebildet
haben könnte. Seine Gegner haben im Kampf für ein Ende seiner Herrschaft bisher nicht auf
Gewalt gesetzt: Vor zwei Jahren, als die Opposition wegen Wahlfälschungen zu Massendemos
aufrief, kam es zwar zu Ausschreitungen, die aber nicht wesentlich eskalierten.
Im September stellt sich Lukaschenko zur Wahl: Sein Repressionsapparat hat schon den Druck
auf Gegner erhöht. Wohl darum fürchtet die Opposition, das Regime könnte die Explosion,
obwohl es sie herunterspielt, als Auslöser einer neuen Verhaftungswelle nützen: „Man muss
fürchten, dass die Behörden den Vorfall – unabhängig, wer dahintersteht – nützen, um den
Wahlkampf in für sie günstige Bahnen zu lenken“, meint Anatoli Lebedko, Chef der Vereinten
Bürgerpartei.


Mit Nägeln gespickte Bombe bei Konzert in Minsk explodiert
                                                                      Welt Online, 04.07.2008
Bei einem Bombenanschlag auf ein Konzert in der weißrussischen Hauptstadt Minsk sind mehr
als 50 Menschen verletzt worden. Der Sprengsatz detonierte am Freitag gegen 0.30 Uhr während
einer Open-Air-Veranstaltung zum Unabhängigkeitstag Weißrusslands in der Innenstadt.
Polizeisprecher Alexander Lastowski erklärte, die Ermittlungen richteten sich gegen Hooligans.
Innenminister Wladimir Naumow sagte, die Polizei habe später eine weitere Bombe gefunden,
die nicht explodierte. Wie der erste Sprengsatz sei sie mit Nägeln und Schrauben gespickt
gewesen. "Darauf fanden sich viele Fingerabdrücke und weitere Spuren, die uns helfen könnten,
das Verbrechen aufzuklären", sagte der Minister.
Ein Teil der demokratischen Opposition äußerte offen die Vermutung, die Urheber des Anschlags
seinen innerhalb von Präsident Alexander Lukaschenkos Machtclique zu suchen. Ein Indiz dafür
sei, dass sich der Präsident entgegen sämtlicher Sicherheitsstandards unmittelbar nach der
Explosion an der Unglücksstelle einfand.
                                                                                          Seite 25


Mitgefühl für die Opfer des Bombenanschlags in Minsk
                                          SPD-Bundestagsfraktion Pressemitteilung, 04.07.2008
Anlaesslich des Bombenanschlags in Minsk erklaeren Uta Zapf (SPD), Manfred Grund
(CDU/CSU), Marieluise Beck (Buendnis 90/Die Gruenen), und Michael Link (FDP):
Mit Bestuerzung haben wir von dem Bombenanschlag mitten in der Zuschauermenge eines
Freiluftkonzerts anlaesslich des Unabhaengigkeitstages der Republik Belarus in Minsk erfahren.
Unser Mitgefuehl gilt den mehr als 50 zum Teil schwer Verletzten und ihren Angehoerigen. Wir
wuenschen den Verletzten eine schnelle Genesung. Es ist zu hoffen, dass die Justiz die Taeter
dieses hinterhaeltigen Anschlags schnell ermitteln und seine Hintergruende aufklaeren kann.


Menschenrechtsausschuss besucht Belarus und Russland
                                                       Pressemitteilung, Bundestag, 04.07.2008
Vom 7. bis zum 13. Juli 2008 reist eine Delegation des Ausschusses für Menschenrechte und
humanitäre Hilfe nach Belarus und Russland. Geleitete wird sie vom stellvertretenden
Ausschussvorsitzenden Holger Haibach (CDU/CSU). Weitere Teilnehmer sind Arnold Vaatz
(CDU/CSU), Johannes Jung (SPD), Burkhardt Müller-Sönsken (FDP) und Volker Beck (Köln;
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN).
Im Mittelpunkt des Besuchs in Minsk werden die demokratische Entwicklung und die Situation
der Opposition und der Zivilgesellschaft stehen. Geplant sind Gespräche mit
Oppositionspolitikern, ehemaligen politischen Gefangenen und Journalisten sowie in der OSZE-
Vertretung und in der französischen Botschaft (Vertretung der aktuellen EU-Ratspräsidentschaft).
Auf der Agenda stehen auch Gespräche im weißrussischen Außen-, Innen- und Justizministerium
und Treffen mit Vertretern des IKRK und des UNDP-Büros. Angestrebt wird darüber hinaus der
Besuch eines Gefängnisses in Minsk.
Bei der Reise nach Moskau steht die künftige Entwicklung der menschenrechtlichen Situation
nach dem Wechsel im Amt des Staatspräsidenten im Vordergrund. Die Abgeordneten
interessieren sich u.a. für die Arbeitsmöglichkeiten von Nichtregierungsorganisationen, für die
Situation der Medien und den Stand der Versammlungs- und Meinungsfreiheit.
Vereinbart ist ein Treffen mit dem Duma-Abgeordneten Lipatkow, Koordinator der deutsch-
russischen Freundschaftsgruppe. Geplant sind auch Gespräche mit dem für Menschenrechte
zuständigen Direktor im russischen Außenministerium, Malginow, und mit dem
Menschenrechtsbeauftragten Lukin. Auch in Russland werden die deutschen Abgeordneten ein
Gefängnis besuchen.
Für Rückfragen steht Ihnen das Sekretariat des Ausschusses (Tel. 030 227-33550) zur Verfügung.


Zweite Bombe in Minsk entdeckt, Polizei sucht Täter
                                                                          aktuell.ru, 04.07.2008
Nachdem in Minsk durch die Explosion einer selbstgebastelten Bombe 50 Menschen verletzt
wurden, ist eine zweiter Sprengsatz in der Hauptstadt Weißrusslands gefunden worden.
Verdächtigt wird ein dunkelhäutiger Mann. Der erste Sprengsatz soll sich in einer Tomatendose
befunden haben. Er explodierte, als Polizisten die Dose ohne den Einsatz von Spürhunden
untersuchten. Bei der Explosion wurden insgesamt 50 Menschen verletzt. Entgegen
ursprünglichen Aussagen der Polizei gibt es drei Schwerverletzte. Kurz nach der Detonation
wurde auch eine zweite Bombe gefunden, teilte das weißrussische Innenministerium inzwischen
mit. Der Sprengsatz konnte entfernt werden. Die Polizei sucht nun nach einem dunkelhäutigen
                                                                                          Seite 26


Mann. Zeugenaussagen zufolge soll er das Paket abgestellt haben, dass sich später als Sprengsatz
entpuppte


Bombenanschlag bei Staatsfeier in Weissrussland
                                                                              NZZ, 04.07.2008
Bei einem Bombenanschlag während eines Openair-Konzerts sind im Zentrum der
weissrussischen Hauptstadt Minsk mindestens fünfzig Personen verletzt worden. Die Polizei
vermutet einen Einzeltäter hinter der Explosion.
«Es gibt einige Schwerverletzte, aber keine Toten», sagte der weissrussische Innenminister
Wladimir Naumow am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax. Mehrere Opfer seien operiert
worden. Nach ersten Angaben der Ermittler soll ein Unbekannter kurz nach Mitternacht (Ortszeit)
einen selbst gebastelten Sprengsatz unter den Zuschauerinnen und Zuschauern eines Konzerts bei
den Feiern zum weissrussischen Unabhängigkeitstag gezündet haben.
Unter den Gästen der Veranstaltung war auch Präsident Lukaschenko. Sein Sprecher schloss am
Freitag aber einen Anschlag auf Lukaschenko aus, der die frühere Sowjetrepublik seit Mitte der
neunziger Jahre mit eiserner Hand regiert. Lukaschenko besuchte noch in der Nacht den Tatort
neben einem Denkmal für die Heldentaten der Minsker Bürger im Zweiten Weltkrieg.
Augenzeugen berichteten, dass am Ort der Explosion Schrauben und andere Metallteile verstreut
lagen, mit denen die Zerstörungskraft einer Bombe erhöht werden kann. Viele der Opfer erlitten
Verletzungen an Armen und Beinen.
Die Polizei vermutet einen Einzeltäter hinter der Explosion. Hinweise auf einen terroristischen
Hintergrund gebe es vorerst nicht. Am Freitag entdeckten die Behörden einen weiteren
Sprengsatz. Durch die Untersuchung der zweiten, nicht detonierten Bombe erhofften sich die
Ermittler Hinweise auf den Täter, sagte der weissrussische Innenminister Wladimir Naumow
nach Angaben der Agentur Interfax.
Weissrussland feiert seit Mitte der Neunzigerjahre seinen Unabhängigkeitstag am 3. Juli im
Gedenken an die Befreiung der von der Wehrmacht besetzten Sowjetrepublik durch die Rote
Armee im Zweiten Weltkrieg.


Bildung von Unionsstaat Russland-Weißrussland behindern innere Probleme
und US-Raketenabwehr
                                                                       RIA Novosti, 01.07.2008
Die Parlamentarier von Russland und Weißrussland sehen die Hauptbedrohung für die Bildung
des Unionsstaates vor allem in den inneren Problemen beider Länder, aber auch äußere Probleme
wie die Stationierung von Teilen der US-Raketenabwehr in Europa behindern den Prozess.
"Ich möchte im Namen der Parlamentsabgeordneten des Unionsstaates Besorgnis äußern. Nach
meiner Ansicht hat das Hauptproblem einen internen Charakter...Denn nachdem wir den Vertrag
über die Gründung des Unionsstaates unterzeichnet und die Leitungsstrukturen gebildet haben,
entsteht der Eindruck, als würden wir nicht ganz begreifen, was wir nun mit diesen Strukturen
anfangen sollen", sagte der Staatsduma-Abgeordnete Anatoli Lokot bei einer Videokonferenz
zwischen Brüssel, Moskau und Minsk, die von RIA Novosti organisiert wurde.
Er ging auch auf äußere Probleme ein, die die Bildung des Unionsstaates behindern würden. Es
gebe zwar keine Widersacher in Europa, jedoch seien die Vorgänge "an unseren westlichen,
nördlichen und seit einiger Zeit auch südlichen Grenzen" besorgniserregend. Es handele sich
dabei vor allem um "Luftangriffsmittel", die derzeit im Baltikum ihren Dienst versehen würden,
sagte Lokot.
                                                                                             Seite 27


"Völlig unannehmbar ist für uns die Stationierung von Teilen des US-amerikanischen
Raketenabwehrsystems in Europa. Das bedeutet eine unmittelbare Bedrohung für den
Unionsstaat", sagte der Parlamentarier. Er betonte, das Unionstaats-Projekt habe in politischer,
ökonomischer und militärischer Hinsicht eine beispiellose Bedeutung für den Schutz der
Interessen Russlands und Weißrusslands.


Nordic dialogue with Belarus
                                               norden.org, by Jens Nytoft Rasmussen, 28.06.2008
A delegation of Nordic and Baltic MPs who visited Belarus and Ukraine, 24-27 June, to study the
effects of the Chernobyl disaster, agree on the need to continue dialogue with Belarus. They
were, however, unable to reach a consensus on whether or not the lesson of the disaster is that the
use of nuclear power should be ruled out.
Asmund Kristoffersen from Norway, who chairs the Nordic Council Environment Committee,
was accompanied on the study trip by Kristen Touborg (Denmark), Kaj Leo Johannesen (the
Faroe islands), Ilkka Kantola and Anne-Mari Virolainen (Finland), Raija-Liisa Eklöw (Åland),
Kolbrún Halldórsdóttir and Helgi Hjörvar (Iceland), Hans Frode Kielland Asmyhr and Ivar
Kristiansen (Norway) Jan Lindholm (Sweden), Ingmars Lidaka (Latvia) and Donatas Jankuskas
(Lithuania).
Touborg from Denmark saw no reason to moderate her opposition to nuclear power after
witnessing the effects of the Chernobyl disaster. "I was shocked by what I saw. The old cladding
on reactor 4 is no longer fit for purpose. The worst-case scenario is that it could cause a new
disaster as it will be some time before the new shell is in place. I have definitely not change my
mind about nuclear power," she said. Virolainen from Finland still supports building new nuclear
plants in Finland, however.
"Times have changed. We know a lot more now - including what happened in Chernobyl. A lot
of what we heard in Belarus was propaganda. The politicians we met were positive but
unrealistic. It's important to continue the dialogue though. We may be taking small steps, but
dialogue will get us there in the end," she commented.
The visit to Belarus made a strong impression on Lindholm from Sweden.
"The visit to Belarus was interesting but we have to weigh up the information we came away
with. The dictatorship there exercised an awful lot of control over who we met. As far as nuclear
power is concerned, any Swedish decision about new plants would not take effect until after 2029
anyway, so we will still have to solve our energy problems long before then," was his reaction.
Halldórsdóttir from Iceland also acknowledged the challenges. "Even though we've never used
nuclear power in Iceland, we do have Sellafield relatively close by. Pollution knows no borders.
That much became very clear after our visit to the restricted zone in Belarus. We only have one
planet - and it's our joint responsibility," she pointed out. In general, the delegation wishes to
continue dialogue with both the government and the opposition in Minsk.


Belarus’ President: education, science, innovation technologies are among
Belarus’ priorities
                                                                               law.by, 28.06.2008
The development of education, science and innovation technologies is one of the major priorities
of Belarus, Belarusian head of state Alexander Lukashenko said at the National Ball of University
Graduates on June 27.
The Belarusian President noted that Belarus is ahead of its neighbours in many social and
                                                                                              Seite 28


economic aspects. Over the recent years, universities in Baranovichi and Pinsk have been
established; new blocks of the existing universities and other facilities have been built. The
encouragement and support system of the talented students is successfully working.
The state does not leave the young people to the mercy of fate after the graduation. “The
mandatory post-graduation job placement that very few people like should be appreciated
because it offers safeguards for the graduates. Later the graduates will see it even more clearly
that the first job assignment is a great blessing,” the President noted.
According to the head of state, employers prefer to hire experienced specialists and do not want
to take trouble over graduates. This is why, the state had to make an appropriate administrative
response, Alexander Lukashenko said. “The status of a young specialist provides you with certain
legal and social guarantees, serves a springboard for your future. Then everything will depend on
you,” the head of state noted addressing the graduates.
Alexander Lukashenko wished all the 2008 university graduates the fulfillment of all they aspire,
a lot of joy and love. The Belarusian President also thanked heads of universities and professors
for their hard and conscientious work dedicated to the education of what will be the future of the
country. “Thanks to your efforts the Belarusian land sprouts with the seeds of the intelligent, kind
and eternal things; wisdom and knowledge are flourishing,” the President said.


OSCE media watchdog criticizes new Media Law
                                                                             naviny.by, 28.06.2008
Miklos Haraszti, the OSCE's representative on freedom of the media, has criticized the new
version of Belarus’ Media Law and urged the Council of the Republic of the Belarusian National
Assembly to vote it down.
On June 24, the House of Representatives passed the second, final, reading of the draft
legislation.    The    upper     chamber     is    to    debate    it    on     June     28.
“Unfortunately, against expectations in and outside Belarus, this draft establishes further
obstacles to the development of free media in the country,” Mr. Haraszti says in a statement
issued on June 27.
"The draft further extends the government's right to warn, suspend and close down media
outlets," Mr. Haraszti says. "A fuzzy requirement of ‘compliance with reality’ for media materials
was also introduced. We found in the draft complicated, burdensome systems of media
registration and journalist accreditation. The draft law does not offer sufficient measures to
prevent monopolization of the media. It does not protect in practice journalists' confidential
sources. It opens the possibility for restrictive future regulations on Internet-based media."
Mr. Haraszti has urged the Council of the Republic to return the draft law to the House of
Representatives. “I regret that almost none of the recommendations made by my Office were
included in the second draft of the law,” Mr. Haraszti says. “I hope that my concerns will be
incorporated in an upcoming draft, and that this version of the law will go substantially further in
meeting Belarus's international obligations on freedom of the media.”
The media law currently in place was adopted in 1995. In 2003, the Presidential Administration
sent a new version of the law for review, promising that it would invite international experts to
examine an elaborated draft.
In March 2007, Mr. Haraszti called for the liberalization of the current version of the law. The
OSCE media watchdog warned that "the existence of arbitrary registration and re-registration
requirements can threaten critical media at any point in time," explaining that "this threat is
particularly onerous in the lead up to a significant public event, such as a general election."
                                                                                              Seite 29


Mr. Haraszti recommended scrapping the "arbitrary system of permissive registration" for the
print press. "The possibility to refuse registration of print press outlets based on grounds of
content, subject matter or intended audience should be removed," he said. "Restrictions on
content, where applicable, should be provided for in general legal provisions and not used as a
basis to deny the existence of a newspaper."


Deputy Minister of industry to become Belarus’s ambassador to Venezuela
                                                                            Charter 97, 28.06.2008
A standing commission on international affaires and national security of the “council of the
republic” of the “national assembly” of Belarus recommended to appoint deputy minister of
industry Valyantin Hurynovich as Belarusian ambassador to Venezuela. “I’d like to bring to
notice that the commission has recommended to appoint deputy minister of industry Valyantin
Hurynovich as Belarusian ambassador to Venezuela,” the head of the commission Mikalai
Charhinets said at the 10th session of the “council of the republic”, Interfax reports.
He also said about the decision to recommend candidature of Alena Hrytsenka (head of the
department of foreign policy analyse at the Ministry of Internal Affaires of Belarus – IF) for a
post of Belarusian ambassador to the Netherlands, and candidature of Valery Kalesnik (head of
the department of international security and arms control at the Ministry of Internal Affaires of
Belarus – IF) for a post of ambassador to Turkey, Alena Kupchanka – for Hungary with
concurrent accreditation in Slovenia, Ihar Fisenka (head of the department of international
organisations at the Ministry of Internal Affaires of Belarus – IF) – for a post of ambassador to
Egypt with concurrent accreditation in permanent representative to the League of Nations,
Alyaksandr Syameshka (head of the department of bilateral relations with CIS countries at the
Ministry of Internal Affaires – IF) for a post of ambassador to the United Arab Emirates.


“Council of republic” approved Draft Law on Media
                                                                            Charter 97, 28.06.2008
The “council of the republic” of the “national assembly” of Belarus approved the Draft Law on
Mass Media.The document passed two readings in the “house of representatives”. It will come
into force after Alyaksandr Lukashenka signs it.
The Belarusian Association of Journalists received the text of the draft law only on the eve of the
debate on it. The BAJ lawyers analyzed the text of the law and made a conclusion that in case the
present wording of the law would be adopted, an irreparable blow would be made on independent
mass media, which would put them on the verge of disappearance, and in fact would end in total
destruction of independent media in the country.
The greatest concern is caused by the fact all online editions which are not registered in Belarus
as mass media could be blocked by the regime. Under the draft law on mass media, the list of
violations for which an official warning could be made to the editorial office, is imprecise and not
defined clearly, and it is possible to suspend issuing a mass media even after one warning. And
not only the Information Ministry, but any judge, prosecutor of official of any district capital
could issue warnings to mass media.


Action against construction of hazardous plant in Druzhny held in Minsk
                                                                             charter97, 28.06.2008
Activists of the “European Belarus” civil campaign organised an action on Vera Kharuzhaya
                                                                                              Seite 30


Street, close to Kamarouski Market. Young people wore respirators and made a slogan “Belarus
is not a dump” from sheets of paper. Besides, the activists spread around leaflets with information
about construction of an environment hazardous enterprise near Minsk.
It should be reminded that dwellers of the Pukhavichy districts, among them inhabitants of the
towns Druzhny, Svislach and Rudensk, rigorously oppose construction of a pesticide plant in the
district. Numerous protest actions were held in Druzhny town. Syarhei Abrazouski, activist of the
initiative group against plant construction was accused of organisation of the actions and the local
court sentenced his twice to fines of several millions.
Thousands of signatures of local inhabitants against construction of health and environment
hazardous plant have been collected by the initiative group and sent to the Presidential
Administration.


Warschau geht auf Minsk zu: Polen will Kontakte zwischen EU und
Weißrussland knüpfen
                                      Frankfurter Rundschau Online, von Knut Krohn, 28.06.2008
Warschau. Polen macht Ernst. Erst vor wenigen Tagen präsentierte Warschau in der EU das
Projekt einer neuen Partnerschaft mit den Ländern des osteuropäischen Raumes, nun sollen den
Worten Taten folgen. Mitte Juli wird der polnische Vize-Innenminister Piotr Stachanczyk nach
Minsk reisen. Das ist der erste Besuch eines hochrangigen Politikers aus der EU seit vielen
Jahren. Der autokratisch herrschende Präsident Aleksander Lukaschenko wird von den westlichen
Regierungen wegen der ständigen Menschenrechtsverstöße und der Unterdrückung der
Demokratiebewegung boykottiert.
"Wir hatten lange die Überzeugung, dass zu dem Regime kein Kontakt aufgenommen werden
sollte", begründete der Minister den Politikwechsel. "Aber wir sind inzwischen zu einer anderen
Überzeugung gekommen. Wenn wir das Zusammenleben der Menschen erleichtern wollen,
müssen wir mit dem Regime reden." Das heißt konkret, dass Stachanczyk in Minsk über
Erleichterungen im kleinen Grenzverkehr reden wird. Dazu zählen neue Übergänge und der
reibungslosere Ablauf bei den Kontrollen. Angeboten wird dem weißrussischen Autokraten auch,
Infrastrukturprojekte in der Grenzregion mit EU-Mitteln zu fördern.
Auf Wunsch der weißrussischen Behörden wird auch über eine deutliche Verringerung der Visa-
Gebühren geredet werden. Die betragen seit dem Beitritt Polens zum Schengen-Raum 60 Euro.
Polen erhofft sich davon natürlich auch einen Schub für die Demokratiebewegung in
Weißrussland. Allerdings tut Präsident Lukaschenko immer wieder sein Möglichstes, jegliche
Form der freien Meinungsäußerung zu unterdrücken. Vorerst jüngster Versuch ist ein neues
Mediengesetz, mit dem sich die Regierung die Kontrolle über die letzten unabhängigen Medien
im Internet sichern will. Danach sollen sich alle weißrussischen Medien neu registrieren lassen.
Da Radio und Fernsehen unter staatlicher Kontrolle stehen und es nur ein Dutzend unabhängiger
Zeitungen gibt, war das Internet praktisch die einzige unabhängige Quelle.
Belarusian Law Clamps Down on Media, Watchdog Says
                                                                          redorbit.com, 27.06.2008
Lawyers from the Belarusian Association of Journalists say a new law on mass media clamps
down on freedom of speech, a website has reported. The author said the new law strengthens
control over mass media by redefining regulations for re-registration and financing. The author
said accreditation will be more strict under the new law especially as it allows bureaucrats to
decide whom to accredit and to whom to deny accreditation and added it will be easier to close
media for "disseminating untrue information which could harm state or public interests". The
following is the text of the unattributed article, entitled "The new law on mass media is far more
                                                                                                 Seite 31


severe than the previous one", posted on the Belarusian human rights group Charter-97 website
on 23 June, subheadings have been inserted editorially:
Financing and re-registration
The law "On mass media", passed in the first reading of the House of Representatives [lower
house], makes the conditions under which independent media operate far more strict. Lawyers
from the Belarusian Association of Journalists, Mikhail Pastukhov and Yuryy Toporashev, say
that in this case we are not talking about changes to the law on the press, but about a completely
new law regulating the activity of mass media.
While mostly keeping the construction of the current law on the press, this bill introduces
significant new ideas in the legal regulation of press activity, which, should they be passed, could
be lethal to the development of independent journalism in the Republic of Belarus.
The first and most important new idea is the legal framework of the global computer network, the
Internet, as mass media. The regulations here will not only be carried out on the level of the law,
but in by-laws and regulations.
The bill includes Article 8 - Financing mass media. Pursuant to it, some media may be financed
from the republican or local budgets or other sources, while others will be banned from receiving
monetary funds or other property from foreign legal entities or anonymous sources.
The bill retains the request-permission order for registering media. It fully covers internet media
as well, with the addition that this will be determined by the government.
One must keep in mind that the bill makes the order of re-registering media more strict.
Specifically, if a media has not been published for more than six months (not a year, as is now the
case), then re-registration is obligatory.
Article 17 of the bill reads that media products may only be distributed by legal entities holding
the function of editorial boards at media, or which have contracts with them to distribute media.
This article also notes that distribution of internet media will be regulated by government acts.
Another new addition to the bill is setting up a Public Coordinating Council in the sphere of mass
information. Its composition and manner of acting will be determined by the Information
Ministry.
Accreditation and accountability
Significant changes are made to accreditation. Article 1 of the bill defines accreditation as
"presenting a journalist from the mass media the right to report on events organized by state
entities...[ellipsis as published]". Article 35 specifies the rules of accreditation. Part 2 reads that
the manner of accrediting journalists is determined by state bodies. That is, the issue of whom to
accredit and whom not to accredit will not be decided by the law, but by a bureaucrat. Clause 4 of
the article contains the categorical remark that journalists from foreign media may not carry out
their professional functions in the Republic of Belarus without accreditation.
Article 37, Information of limited access, may be considered one of the bill's odious articles. It
provides a list of information which ends with an allusion to other information which may be
reviewed in "legal acts of the Republic of Belarus.
In addition to this, Article 38 of the bill defines a list of information items which the media is not
allowed to disseminate.
The pinnacle of the bill is in Chapter 9, which envisions accountability for violating the law on
mass media. Pursuant to it, a written warning to the media's editorial board is the initial form of
accountability and it can be given for various reasons including for "disseminating untrue
information which could harm state or public interests", "disseminating information which is not
true and which discredits the honour, dignity or business reputation of natural persons or the
business reputation of legal entities or individual entrepreneurs" (Article 49). Written warnings
                                                                                            Seite 32


are given either by the Information Ministry or a prosecutor on any level.
The second measure of accountability is stopping the activities of mass media for a period of up
to three months, based on a decision from the Information Ministry covering a wide range of
violations (Article 50).
And finally, the most severe measure is to stop publication of the media. A decision on this is
taken by a court based on a suit filed by the Information Ministry or a prosecutor under the
condition that the media outlet or its founder (founders) received two or more written warnings in
the course of a year.
Significant amendments were made to Article 47 of the current law on the press which envisions
freeing media of accountability if they have reprinted information and in other cases. In the bill
(Article 52), mass media and journalists are deprived of this "privilege" in cases when
information is distributed which discredits the Republic of Belarus and also information which is
untrue or which discredits the honour, dignity or business reputation of natural persons or the
business reputation of legal entities or individual entrepreneurs.
Originally published by Charter-97 website, Minsk, in Russian 23 Jun 08. (c) 2008 BBC
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Belarus brings new charges of commercial espionage against jailed US citizen
Emanuel Zeltser
                                                                        pr-inside.com, 27.06.2008
The Belarusian KGB filed new charges of commercial espionage Friday against a U.S. citizen
who has been jailed for more than three months in the former Soviet republic.
The Russian-born Emanuel Zeltser is a lawyer whose clients have included late Georgian
billionaire Badri Patarkatsishvili, whose estate has become a subject of dispute. Zeltser's
imprisonment and concerns about his health have prompted protests from the United States. An
American doctor who was allowed to examine Zeltser, who is 54, in prison Thursday confirmed
that his health was failing.
KGB spokesman Valery Nadtochayev said charges of commercial espionage were brought
against Zeltser and another U.S. citizen, Joseph Kay, who has claimed some of Patarkatsishvili's
assets. The whereabouts of Kay, an ethnic Georgian, were not immediately clear.
The KGB did not explain the charges. Zeltser's defense lawyer, Dmitry Gorvachko, said he was
forbidden to reveal the essence of the new accusations. Political analyst Svetlana Kalinkina said
Patarkatsishvili owned several factories in Belarus, which his business partner Boris Berezovsky
would now like to take over. She claimed Berezovsky, a Russian tycoon who lives in exile in
London, and the Belarusian government were working in concert.
Berezovsky has spoken out against Kay's claims in interviews with Georgian journalists.
Patarkatsishvili's family also has challenged Kay's claims to the billionaire's assets.
Patarkatsishvili died suddenly in London in February.
Zeltser heads the non-governmental American Russian Law Institute in New York and is an
expert on organized crime and money laundering, particularly in former Soviet republics such as
Georgia and Belarus. He was detained March 12 as he arrived in Belarus. He has been charged
with using false documents tied to Patarkatsishvili and drug smuggling. The KGB confiscated
medicine from Zeltser that he said was for treating his diabetes and other illnesses.
                                                                                            Seite 33


PACE urges EU to lower Schengen visa fees for Belarusians
                                                                 Belarusskie Novosti, 27.06.2008
The Council of Europe Parliamentary Assembly (PACE) has urged the European Union and
European governments to lower Schengen visa fees and simplify visa procedures for Belarusian
citizens.
“Amongst Europeans, Belarussian citizens have to pay the highest fees to enter countries
belonging to the Schengen zone: 60 euros for a single-entry visa,” PACE said in a declaration
issued on June 26. “This sum amounts to almost one third of the average monthly salary in
Belarus. This, together with bureaucratic hurdles, creates overwhelming difficulties for ordinary
Belarussians, especially students, youth and business people, in traveling to Europe and reduces
even further their chances of coming into contact with other Europeans.”
“The Parliamentary Assembly of the Council of Europe, Council of Europe member States and
the European Union have constantly and repeatedly stated that the policy applied towards the
Belarussian authorities should not have any adverse consequences on ordinary Belarussians, who
should not be isolated,” the declaration said. “However, the EU has made it clear that it will
reduce visa fees only once Belarus joins the European Neighbourhood Policy.”
The declaration was signed by, among others, Andrea Rigoni, special rapporteur on Belarus in
PACE; Sinikka Hurskainen, head of the PACE subcommittee on Belarus; Estonia’s Andres
Herkel, who served as PACE rapporteurs on Belarus in the past; former PACE President Rene
van der Linden; Mikhail Margelov, head of the Russian delegation to PACE; and also Albanian,
Belgian, British, Czech, French, German, Hungarian, Latvian, Polish, Swedish, and Turkish
lawmakers.


Court dismissed appeal of European March organisers
                                                                            charter97, 27.06.2008
Judge Inna Yablakava took the chair. She left unchanged the decision of judge of the Soviet
district of Minsk Alena Murantsova. According to the decision, organisers of the European
March, held in Minsk on 14 October last year, must pay 1,400,000 rubles (660 dollars) to
Minskzelenstroi. It was the sum the suitor appraised “damage to the property of a legal entity”.
Material claims in suit were explained in this way: “15 October 2007, having come to work,
workers of Minskzelenstroi Tsentr department found out that after the mass rally loan of 300 sq
meters was damaged (trampled down) near Independence Avenue , a tree (linden) near the
Svislach river – 1 item, bushes (spirea) on the district from Yakub Kolas square to Kalinin square
– 27 items. An act of damage was drawn up.”
As it was already informed, the court of the Soviet district sustained claims of state-run road
maintenance firm “Gorremavodor” of Minsk city executive committee. Judges Syarhei Barazna
and Maryna Fyodarava required the applicants for the European March to pay more than 3,000
dollars. Taking into account Minskzelenstroi suit, a total sum of fines amounts to about 4,000
dollars.
Anatol Lyabedzka, leader of the United Civil Party, told to the website ucpb.org he was going to
“bring the situation to a logical conclusion” – to appeal to the Supreme Court of Belarus, then to
United Nations High Commissioner for Human Rights (OHCHR) in Geneva. He counts to
“enforce judges, who took consciously unlawful decisions, to pay for unlawful material suits”.
“Only then the judicial system will become clear and judges will observe laws,” he said.
It should be reminded that defendants of the suit are Viktar Ivashkevich, Vintsuk Vyachorka,
Yauhen Afnahel, Anatol Lyabedzka, Alyaksandr Milinkevich and Zmitser Khvedaruk.
                                                                                             Seite 34


Putin confident of further integration with Belarus
                                                                    Belarusskie Novosti, 27.06.08
Russian Prime Minister Vladimir Putin has expressed certainty that Belarus and Russia will
continue expanding their “bilateral partnership” without failures. “At a recent meeting in Brest
the presidents of our countries confirmed their mutual determination to expand partnership and
now our common task is to secure the unconditional implementation of this course,” Russia’s
RIA Novosti news agency quoted Mr. Putin as saying at a session of the Belarusian-Russian
Union State’s Council of Ministers.
The Russian premier called for filling the line toward a closer union with “breakthrough ideas,”
pointing to the need to create a full-fledged common economic space and customs union, as well
as remove obstacles to closer integration between the two countries. “The fulfillment of
agreements in the trade and economic sphere, securing equal rights for citizens, the
implementation of the agreement on Union State property will allow us to bring integration
processes to a qualitatively different, higher level, extra opportunities for the successful social
and economic development of our states will open up,” Mr. Putin said.
He noted a sharp increase in bilateral trade. “We’ve had a rise of more than 64 percent from
January through April alone. There was [an increase of] 30 percent throughout last year and we
were happy, and now there is 64 percent. It’s important to keep this pace,” he said.


Formal charges brought against US lawyer Zeltser, his secretary
                                                                 Belarusskie Novosti, 27.06.2008
Formal charges have been brought against US lawyer Emanuel Zeltser and his secretary Vladlena
Funk, held in custody in Minsk since March 12, the Committee for State Security (KGB) said in a
statement released on Friday.
The two are to answer charges of business espionage and the use of knowingly fake documents,
according to the statement. Mr. Zeltser also is facing a charge of smuggling illegal drugs into
Belarus. The pair were charged with using fake documents when they were arrested upon their
arrival in Minsk. On May 27, Mr. Zeltser was charged with drug smuggling over medications that
he brought into Belarus.
 Mark Zeltser, the brother of the US lawyer, claims that self-exiled Russian businessman Boris
Berezovsky orchestrated the arrest of Mr. Zeltser over the assets of the late Georgian billionaire
Badri Patarkatsishvili. When Mr. Patarkatsishvili died, his assets became the subject of a dispute
pitting the widow backed by Mr. Berezovsky, against his step cousin, Joseph Kay, who is
represented by Mr. Zeltser.
The KGB said in the Friday statement that it also instituted criminal proceedings against Mr. Kay
under     the    Criminal      Code's   article    that    penalizes    commercial     espionage.
On May 14, the Tbilisi City Court in Georgia recognized Joseph Kay as a legitimate executor of
the late Georgian billionaire’s assets.


Alyaksandr Atroshchankau: “Conditions in Akrestsin Street prison are getting
increasingly bad and harsh”
                                                                            Charter97, 27.06.2008
Today an activist of the civil campaign “European Belarus” Alyaksandr Atroshchankau has been
released from the prison in Akrestsin Street after a 15-day arrest. The activist of the “European
Belarus” was detained on June 12 during his visit to the KGB directorate for Minsk and Minsk
                                                                                                 Seite 35


region. For more than a year Alyaksandr Atroshchankau has been seeking return of computers
confiscated from his apartment one the eve of the European March held on October 14, 2007 in
Minsk. The oppositionist was taken to the court of Tsentralny district of Minsk, and there without
witnesses and a lawyer he was sentenced to 15 days of arrest for “contempt of a court” allegedly
demonstrated by him on April 22 in the court room of Tsentralny court Alena Illina, who passed a
sentence of 1.5 years of colony upon Andrei Kim, and two years of correctional labour and fines
to other participants of the protest rally of market vendors held in Minks on January 10.
Alyaksandr Atroshchankau told the Charter’97 press-center about details of the detention and his
stay in Akrestsin Street.
- Alyaksandr, how your detention was taking place?
- I was summoned to the KGB allegedly to be asked a few questions about office equipment
seized from my place before the European March. I came, but policemen of the Tsentralny police
department were waiting for me near the entrance already. I was immediately taken to the police
department, and then to the court. Policemen’s actions were extremely swift. I have never seen
such things before. In 15 minutes after the detention I was in the police department, and in 25
minutes – in the court. I was charged with alleged contempt to the court during the trial over
participants of the protest rally of market vendors a month before. Though I wasn’t detained
formally detained or arrested, my belt and phone were seized in the police department before the
trial. The trial was short. I filed a request to involve lawyer Vera Stramkouskaya, but my
application was refused. I was defended by a state lawyer who apparently had no experience.
Frankly speaking, after that trial my respect to Belarusian court hasn’t risen. Tatsyana
Paulyuchuk convicted me very quickly and without witnesses.
- On the very first day in the detention centre in Akrestsin Street an ambulance was called in to
you. What had caused your health problems?
- I developed heart problems. I was sitting in a stuffy, overcrowded ward where everybody was
smoking. In the hospital they quickly took readings of equipment, took a blood test, said that I
didn’t need hospitalization, and sent me to Akrestsin Street immedietely. Conditions were very
difficult, there were no walks, there was not enough food, and parcels are forbidden as you know.
I lost considerable weight. I had to hold my trousers so they wouldn’t fall (a belt and laces are
taken from the attested). There were from 5 to 12 persons in one ward with me. They were very
different people, mostly alcoholics, petty hooligans. Some had fits of alcoholic mania. It is hard
to stand psychologically. Absence of walks was one of the most difficult sufferings. It is rather
difficult to sit in a stone matchbox for 15 days without walks, both psychologically and
physically. You are simply short of fresh air. As time goes by, you start to be lame under the hat,
brain is short of oxygen. You read much more slowly. We were taken to a shower only two times.
It is too little, as it was hot at daytime. Search in the ward and personal search were held in the
ward four times: everybody goes out of the ward their face to the wall. People are made to put of
clothes, shoes, socks…
- Does it mean that incarceration conditions in Akrestsin Street prison haven’t changed?
- Every time I get in prison in Akrestsin Street, conditions are getting increasingly bad and
increasingly harsh. Before that I was sitting here in October in the run-up to the European March.
- Your wife Darya Korsak has sent a letter to the OSCE office with a request to visit the detention
centre in Akrestsin Street. Should international structures pay attention to the problem of
incarceration conditions for political prisoners there?
- Certainly, representatives of international structures should pay serious attention to it. Belarus is
an OSCE member, and it should stick to certain rules and agreements. And the OSCE should
demand the authorities to do so. Otherwise the role of these structures is not clear. They should
pay attention to political prisoners’ incarceration conditions. Moreover, in the run-up to the
                                                                                             Seite 36


precedential elections when a risk is high that prisons will be filled with political prisoners as
usual.


KGB accused US citizens Joseph Kay and Emanuel Zeltser of “economic
espionage”
                                                                            Charter97, 27.06.2008
The KGB investigatory department instituted a criminal case against US citizen Joseph Kay over
an article “economic espionage”. His lawyer Emanuel Zeltser has been accused today. US lawyer
Emanuel Zeltser is charged not only with “forgery” of official documents and “drugs possession”,
but also with “economic espionage”.
As Interfax learnt from the KGB Center of Information and Public Relations, Emanuel Zeltser is
accused of coming crimes over part 2 of article 380 (using fake documents, giving rights, by a
group of people by previous concert), part 2 of article 228 (narcotic substances smuggling), part 1
of article 328 (trafficking of narcotics, psychotropic substances and precursors), and part 1 of
article 254 (commercial espionage) of the Criminal Code of Belarus.
Moreover, as the agency has learnt, detained with Zeltser Russia’s citizen Vladlena Bruskova was
charged with committing of crimes over part 2 of article 380 (using fake documents, giving
rights, by a group of people by previous concert) and part 1 of article 254 (commercial espionage)
of the Criminal Code of Belarus.
The KGB investigatory department also instigated a criminal case against US citizen Joseph Kay
on the facts provided by part 1 of article 254 (commercial espionage) of the Criminal Code of
Belarus, the KGB press service informs.
Why was Emanuel Zeltser arrested in Minsk?
Emanuel Zeltser is a lawyer of US citizen Joseph Kay, a distant relative of Georgian businessman
Badri Patarkatsishvili. After Patarkatsishvili’s death on 13 February, J. Kay presented documents,
proving he was an executor of his will. The documents were prepared by E. Zeltser, but B.
Patarkatsishvili’s relatives say they were forged, after that E. Zeltser was detained in Minsk. On
13 May Tbilisi court has recognized Joseph Kay as a legitimate executor of the will, by this
confirming the documents are authentic. The details of Zeltser’s arrest are not officially
commented, as the case is has a status of a state secret.
On 27 May a case on part 1 of article 328 (possession and smuggling of illegal drugs) and part 2
of article 228 (drugs smuggling) of the Criminal Code of Belarus was instituted against E.
Zeltser. He hasn’t been presented the charged over the case, which doesn’t have a status of state
secret. Zeltser’s physician appealed to the Prosecutor General Office several times saying the
medicines, seized during the detention, are vital for his patient. He also said he had never
informed his patient the medicines contained the substances which cab be considered narcotics.
The US Department of State demanded the Belarusian authorities to release the American lawyer
immediately. On 25 April the United States consul Caroline Savage visited the arrested man.
According to the consul, Zeltser said to her he had been beaten on the second and third days of
his detention. The lawyer lost a considerable amount of weight, had difficulty walking and
talking.


US, Belarus trade charges over jailed American lawyer
                                                                       earthtimes.org, 27.06.2008
Belarus and the United States on Friday traded accusations over an American lawyer jailed for
more than three months in a KGB prison. Emmanuel Zeltser, a US national and head of a human
                                                                                              Seite 37


rights NGO, was arrested by Belarusian police in mid-March on narcotics trafficking charges.
Doctors at a Minsk jail operated by the Belarusian KGB are refusing to provide Zeltser medicine
and are placing his life in danger, US diplomats said. Belarusian prosecutors have charged that
drugs Zeltser had in his possession at the time of his March 12 arrest were illegal, and as evidence
cannot be handed over to a suspect. Prison officials allowed an independent New York physician
to check Zeltser's health earlier this week, in response to a US embassy request. The check-up
showed Zeltser suffering from low blood pressure, ulcers, and a heart condition worsened by
prison manager's unwillingness to allow Zetser modern medicines, US embassy officials said.
Belarus' KGB reacted sharply to the US allegations, saying the doctor's visit had been
"unprecedented in Belarusian prison history," as KBG detainees by law have no right to visits by
outside medical personnel.
The dispute over Zeltser and his detention is only the latest in years of conflicts between the US
and Belarusian President Aleksander Lukashenko. US offcials have long criticised Lukashenko's
authoritarian regime, and called the former collective farm boss "Europe's last dictator."
Lukashenko for his part has accused the US of plotting his overthow by funding groups opposed
to his rulership


Belarus: journalists protest new media law
                                                                    editorsweblog.org, 27.06.2008
Belarussian journalists and bloggers issued an online protest last Wednesday by not posting
anything for an hour or using a black banner, lashing out against the "On Mass Media" law that
the government adopted "without public hearings and international expert examinations",
Belarussian Association of Journalists (BAJ) reported. As the last few years have shown,
independent Belarussian newspapers have the tendency of being shut down by the state. Instead,
many media outlets have found solace in cyberspace, according to the Boston Globe.
However, last Tuesday the House of Representatives of the Belarus National Assembly approved
the law after its second reading, Jurist reported. The BAJ said that the law violates the freedoms
outlined in articles 33 and 34 of the constitution.
Belarus media outlets are now banned from getting foreign financial backing and are required to
register with the government. Reporters Without Borders termed the law as "repressive" and
predict that censorship will increase, the Globe reported.
The government is trying to save Belarussians "from foreign propaganda" by attempting to
control the cyberspace, according to the Globe. Earlier this year, Belarussian journalists were
imprisoned or beaten up during a protest against Alexander Lukashenko, the current president. A
week later, a number of journalists' home were raided as the Belarussian KGB tried to look for
libel documents regarding Lukashenko, Jurist reported.


Prosecutor General’s Office rejects probe into report implicating Belarusian
government in arms sales to Colombian rebels
                                                                  Belarusskie Novosti, 27.06.2008
The Prosecutor General’s Office has rejected an opposition politician’s request for a probe into a
media report implicating the Belarusian government in sales of arms to Colombian rebels,
BelaPAN said. Anatol Lyabedzka, chairman of the United Civic Party and a leader of United Pro-
democratic Forces, sent the request to the Office last month.
“Since the information was distributed by sources whose reliability and objectivity raise doubts,
there are no grounds for conducting an inquiry into the matter and taking measures of
                                                                                             Seite 38


prosecutorial response,” the Office says in its reply to Mr. Lyabedzka.
Reporting with reference to a source in the Colombian government, the Spanish daily El Pais said
on May 10 that the Venezuelan president intended to supply the Revolutionary Armed Forces of
Colombia (FARC) with arms with the help of Belarus. The newspaper said that Belarus’
involvement was revealed in an e-mail found on a computer seized during a Colombian cross-
border raid on a FARC camp in Ecuador on March 1.
The e-mail, sent by FARC top member Ivan Marquez on February 8, reportedly said that Hugo
Chavez “considered with the Belarusian authorities the possibility of arms supplies.” “Our
Belarusian friend continues work on the package on ways to the black market to solve the
problems,” the newspaper quoted Mr. Marquez as saying in the message. The e-mail reportedly
said that a delegation “from the friend” was to arrive in the Venezuelan capital, Caracas, on
February 17 to discuss arms supplies to the FARC. “Angel asked us to be here and reach an
agreement with the delegation personally,” the e-mail said.
El Pais said that Angel was Mr. Chavez’s pseudonym and the man referred to as “our Belarusian
friend” was Viktar Sheyman, state secretary of the Security Council of Belarus and a member of
Alyaksandr Lukashenka’s inner circle. The newspaper said that Belarus contracted to supply
€720 million worth of weapons to Venezuela in 2007, and that the deal was negotiated by Mr.
Sheyman. Mr. Sheyman visited Venezuela between February 15 and 19. Earlier this month the
Prosecutor General’s Office warned Mr. Lyabedzka of punishment for a “knowingly false
accusation” in connection with his request.


Online news sites protest new media laws in Belarus
                                                   International Journalists’ Network, 27.06.2008
More than 12 independent Belarusian Internet news Web sites have protested the closure of their
sites by the government, some placing black banners on their home pages for one hour. The
protests follow parliament’s new media laws, which require Internet sites to register with the
government and obey state censorship regulations. Prior to the new media regulations,
independent outlets used the Internet to develop news sites, avoiding restrictions placed on radio,
television and print media.


Hugo Chavez can visit Belarus in end of July
                                                                            charter97, 27.06.2008
In the end of July Venezuelan president Hugo Chavez can visit Belarus again. As informed by
Extraordinary and Plenipotentiary Ambassador of Venezuela in Belarus Americo Diaz Nunez at a
press-conference in Minsk on June 27, in the end of July Hugo Chavez’ visit to Russia is
expected in the end of July. As said by him, it was announced during the visit of Venezuelan
Vice-President Ramon Carrizales to Moscow, BelaPAN informs. “So far it was traditionally so
that the route of the president of Venezuela passed through Minsk, that is why it is possible that
his third visit will take place in a month,” the diplomat said.
Venezuelan President visited Belarus two times, in July 2006 and in June 2007. In December
2007 Alyaksandr Lukashenka visited Venezuela. During his visit opening of a joint Belarusian-
Venezuelan oil-extracting enterprise PetroVenBel in the Venezuelan state Anzoategui took place.
A number of intergovernmental and interdepartmental agreements in different spheres were
signed.
Hugo Chavez also planned to visit Belarus (Russia and China) in February this year, but then
postponed his visit.
                                                                                            Seite 39


Weißrussland: KGB beschuldigt US-Bürger der Wirtschaftsspionage
                                                                        RIA Novosti, 27.06.2008
In Weißrussland hat der Inlandsgeheimdienst KGB den im März verhafteten US-amerikanischen
Anwalt Emmanuel Zeltzer wegen Wirtschaftsspionage angeklagt. Wie das KGB am Freitag
mitteilte, wird Zeltzer zudem Urkundenfälschung und Drogenschmuggel vorgeworfen. Als
mutmaßliche Komplize wurde Zeltzers Assistentin Wladlena Funk angeklagt. Der New Yorker
Rechtsanwalt war am 12. März in Minsk verhaftet worden. Laut den weißrussischen
Justizbehörden wurden bei ihm Drogen sowie psychotrope Substanzen sichergestellt. Der
geborene Moldawier Zeltzer war in den 1970er Jahren aus der damaligen Sowjetunion in die
USA ausgewandert und ist sei 1990 als Rechtsanwalt tätig. Einer der bekanntesten seiner Kunden
war der abtrünnige georgische Unternehmer Badri Patarkazischwili, der in diesem Februar im
Londoner Exil starb. Außerdem war Zeltzer in den Geldwäsche-Skandal bei der Bank of New
York verwickelt


Lukaschenko beendet "Anarchie des Internet"
                                                        telepolis, von Florian Rötzer, 27.06.2008
Am 24. Juni hat das weißrussische Parlament mit 96 gegen 2 Stimmen ein neues Gesetz für die
Massenmedien angenommen - immerhin eine Gegenstimme mehr als bei der ersten Lesung. Zwar
muss das Gesetz auch noch vom Oberhaus gebilligt werden, aber hier dürfte ebenso wenig
Widerstand aufkommen wie im Parlament. In dem diktatorisch von Präsident Aleksandr
Lukaschenko regierten Land werden die – meist sowieso in staatlicher Hand befindlichen -
Medien streng kontrolliert und kritische Journalisten verfolgt. Bislang gab es nur im Online-
Bereich noch die Möglichkeit für eine etwas freiere Berichterstattung und zur Artikulation von
Protesten und Kritik. Die Opposition will nun die EU und die USA auffordern, die Abgeordneten,
die für das Gesetz gestimmt haben, ebenfalls auf die Liste derjenigen Mitglieder der Regierung
von Belarus zu setzen, die wie Aleksandr Lukaschenko mit einem Einreiseverbot belegt wurden.
Schon letztes Jahr hatte Lukaschenko angekündigt, dass die "Anarchie des Internet" beendet
werden müsse. Daraufhin hatten weißrussische Betreiber von Websites im Ausland das LuNet
mit einem Journal oder Videobeiträgen auf YouTube gegründet, um gegen die Kontrolle des
Internet zu protestieren und unabhängige Berichterstattung zu unterstützen. Man habe sich China
zum Vorbild genommen, heißt es aus dem Informationsministerium, wo Webseiten im Ausland
mit unerwünschten Inhalten blockiert werden.
Mit der Einordnung von Online-Medien in die Massenmedien durch das neue Gesetz können nun
auch diese leichter kontrolliert und geschlossen werden. die Abgeordnete Natallya Pyatkevich,
die am 23. Juni gesagt hatte, dass es technisch unmöglich sei, das "Internet zu reinigen". Online-
Seiten werden nach dem neuen Gesetz nicht durch gesetzliche Vorgaben reguliert, sondern über
Dekrete. Nicht nur das Informationsministerium, sondern auch Richter, Staatsanwälte und
Bezirksverwaltungen können aufgrund einer Liste von Vergehen, die nach Kritikern ungenau
definiert sind und großen Freiraum lassen, Redaktionen von Online-Seiten eine Warnung
zukommen lassen. Mit einer zweiten Verwarnung kann bereits die Schließung verordnet werden.
Alle Online-Medien müssen sich nun ebenso wie Fernseh- und Radiosender registrieren, zudem
müssen sich nach Inkrafttreten des Gesetzes alle Medien erneut eine Genehmigung einholen.
Online-Ausgaben von Printmedien sollen sich von diesen nicht unterscheiden dürfen, allerdings
seien Kommentare und Diskussionen hier erlaubt, erklärte Yury Kulakouski, der Leiter der
Kommission für Menschenrechte und Massenmedien. Diese obskur erscheinende Regelung soll
verhindern, dass Zeitungen, die von der Regierung geschlossen werden, weiter online publizieren.
Unterbunden wird zudem, dass Medien in Weißrussland vom Ausland finanziell unterstützt
werden. Betreffen wird dies 30 Zeitungen und Sender, die auch von der EU zur Förderung der
                                                                                        Seite 40


Pressefreiheit finanziell unterstützt werden.
Man nimmt an, dass das neue Gesetz noch schnell vor den nächsten Wahlen im September in
Kraft treten soll, um Opposition und Kritik besser ausschalten zu können. Der unabhängige
weißrussische Journalistenverband BAJ protestiert gegen das Gesetz, das die Meinungsfreiheit
einschränkt und kritisiert, dass das Parlament es ohne öffentliche Diskussion und Anhörungen
durchgewunken hat. Viele Webseiten schlossen sich der Protestaktion an, am Mittwoch zum
Protest einen schwarzen Banner auf die Seiten zu stellen.
Auch auf andere Weise will Lukaschenko seine Macht festigen und Kritiker und Oppositionelle
in Schach halten. Angeblich finden gerade Gespräche mit Moskau statt, um eine Liste mit
Personen aufzustellen, die mit einem Reiseverbot belegt sind. Das Regime verhängt bereits
Reiseverbote u.a. für Oppositionelle, allerdings gibt es für sie noch die Möglichkeit, über
Russland auszureisen. Dieses Schlupfloch soll nun geschlossen werden. Die Einreise von
Personen, die auf der weißrussischen Liste stehen, in die Ukraine wird bereits von deren
Sicherheitskräften an der Grenze verhindert.
Vergleich des neuen Medien-Gesetzes mit dem alten auf Russisch –
http://www.charter97.org/ftpphoto/zn_SMI.htm


Über das belarussisch-russische Gipfeltreffen in Brest
                Pressemitteilung von Botschaft der Republik Belarus in Deutschland, 27.06.2008
Belarus und Russland bleiben dem geltenden Vertrag über die Gründung des Staatenbundes treu
und werden die bilaterale Integration weiter vertiefen. Dies wurde zum Abschluss der
Verhandlungen zwischen Staatspräsidenten von Belarus und Russland am 22. Juni 2008 in Brest
erklärt.
Wie der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko beim Gespräch mit seinem russischen
Amtskollegen Dmitrij Medwedew im engeren Kreis betonte, könne und müsse die Führung von
Russland und Belarus alles tun, um den Staatenbund mit realem Inhalt zu erfüllen. "Belarus und
Russland werden immer zusammen sein, unsere Völker werden nie separat voneinander leben",
unterstrich er.
Dmitrij Medwedew wies seinerseits darauf hin, dass auf der Tagesordnung des Treffens alle
wichtigen Themen stehen, darunter wirtschaftliche Kooperation, politische Kontakte,
internationale Zusammenarbeit. "Das ist gut, weil das Kontinuität und die Notwendigkeit
bedeutet, unsere Beziehungen auf der höchsten Ebene zu unterhalten", so der Präsident
Russlands.
Bei den anschließenden Verhandlungen im erweiterten Format wurde eine besondere
Aufmerksamkeit dem Bereich der wirtschaftlichen Kooperation gewidmet. Die beiden
Staatsoberhäupter haben sich einstimmig für den weiteren Ausbau des bilateralen Handels
ausgesprochen.
In der Abschlusserklärung haben die Präsidenten von Russland und Belarus die kontinuierliche
Entwicklung der bilateralen Beziehungen mit Genugtuung hervorgehoben und die Schwerpunkte
der weiteren Arbeit in diesem Bereich festgelegt. Dazu gehören vor allem die Vertiefung der
bilateralen Integrationsprozesse, Stärkung des Systems der kollektiven Sicherheit, humanitäre
Zusammenarbeit, Steigerung des Wohlstands der Bevölkerung von beiden Ländern.
Es wurde betont, dass Belarus und Russland im Laufe der Überführung ihrer Wirtschaften auf
innovativen Entwicklungsweg die Tätigkeit der Investoren beider Länder mit allen Mitteln
fördern sowie zur Schaffung der effizienten Gemeinschaftsunternehmen und Erweiterung der
Industriekooperation, auch im Rahmen der Programme des Staatenbundes, beitragen werden.
Die Seiten haben die Unifizierung der Gesetzgebung der beiden Länder, vor allem im
                                                                                             Seite 41


wirtschaftlichen Bereich, für sehr wichtig erklärt. Auf dieser Grundlage wird an der Bildung der
Zollunion sowie Realisierung der gemeinsamen tarifären und nicht-tarifären Politik intensiv
weitergearbeitet.
Zu den Prioritäten gehören auch die Entwicklung der regionalen Kontakte, Schaffung eines
effektiven Transitsystems und Kooperation auf dem Gebiet Atomenergie.
Es wurde des Weiteren ausdrücklich betont, dass Belarus und Russland alle Versuche der
Geschichtsumschreibung und Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges entschlossen
verurteilten. "Der politisierten Abhandlung der Geschichte müssen ehrliche wissenschaftliche
Debatten entgegengestellt werden. Nur auf dieser Grundlage kann Europa erforderliche Lehren
aus seiner schwierigen Geschichte ziehen, um die tragischen Fehler der Vergangenheit zu
vermeiden", hieß es im Dokument.
Belarus und Russland haben auch die Bereitschaft erklärt, ihre Aktivitäten bei der Lösung von
aktuellen internationalen Fragen zwecks Schaffung einer gerechten und demokratischen
Weltordnung weiterhin zu koordinieren.
Während des Pressebriefings haben die beiden Staatsoberhäupter positive Bilanz des
stattgefundenen Treffens gezogen. "Im Laufe der Gespräche in Brest ist es gelungen, viele
konkrete Fragen zu erörtern, darunter auf dem Gebiet Wirtschaft und Sicherung von gleichen
Rechten für Belarussen und Russen", so Alexander Lukaschenko. Dabei bezog er sich auch auf
die entsprechenden bilateralen Dokumente, die in Sankt Petersburg unterzeichnet und bereits
ratifiziert worden waren, laut denen die Bürger von beiden Staaten im jeweiligen Partnerland de
facto in allen wichtigen Rechtsfragen auf gleiche Weise und nicht als Ausländer behandelt
würden.
"Die Verhandlungen haben gezeigt, dass die Leiter beider Staaten die gleiche Einschätzung des
heutigen Standes und der Entwicklungsperspektiven der bilateralen Beziehungen haben. Das sind
sehr freundschaftliche, enge Beziehungen, und wir wollen alles daran setzen, um sie auf diese
Weise weiter zu entwickeln", betonte Dmitrij Medwedew.


OSCE media freedom representative urges Belarus not to adopt restrictive
media law
                                                                               OSCE, 27.06.2008
The OSCE Representative on Freedom of the Media, Miklos Haraszti, today called on the upper
chamber of Belarus's parliament not to adopt a draft law that would further restrict media freedom
in the country. "Unfortunately, against expectations in and outside Belarus, this draft establishes
further obstacles to the development of free media in the country," said Haraszti.
On 17 June, the draft Law on the Mass Media was adopted by the Chamber of Representatives,
the Parliament's lower chamber, without prior consultations with civil society. On 24 June, the
draft law passed the second reading in the lower chamber with only insignificant changes. It now
awaits approval by the Council of the Republic on 28 June and the President's signature.
On 18 June, the Representative on Freedom of the Media submitted a review of the draft law,
detailing the shortcomings of the draft and offering ways of correction. Haraszti referred to
several media freedom concerns regarding the draft.
"The draft further extends the government's right to warn, suspend and close down media
outlets," he said. "A fuzzy requirement of 'compliance with reality' for media materials was also
introduced. We found in the draft complicated, burdensome systems of media registration and
journalist accreditation. The draft law does not offer sufficient measures to prevent
monopolization of the media. It does not protect in practice journalists' confidential sources. It
opens the possibility for restrictive future regulations on Internet-based media."
                                                                                              Seite 42


"I urge the Council of the Republic to return the draft media law to the Chamber of
Representatives for further deliberation. I also propose that any upcoming media legislation is
carried out with the involvement of non-governmental organizations and the journalistic
community of Belarus," said Haraszti.
"I regret that almost none of the recommendations made by my Office were included in the
second draft of the law. I hope that my concerns will be incorporated in an upcoming draft, and
that this version of the law will go substantially further in meeting Belarus's international
obligations on freedom of the media."
Haraszti's Office has prepared a review of the draft law which can be found at:
http://www.osce.org/documents/rfm/2008/06/31899_en.pdf


Belarus’ Constitutional Court vested with additional authority
                                                                                law.by, 27.06.2008
The Constitutional Court of Belarus was vested with additional authority. Belarusian Head of
State Alexander Lukashenko issued the relevant decree #14 “On measures to enhance the
performance of the Constitutional Court of the Republic of Belarus” on June 26, BelTA learnt
from the presidential press service.
In particular, the Constitutional Court would exercise control over the validity of all laws adopted
by the House of Representatives of the National Assembly of Belarus and approved by the
Council of the Republic, before they are signed by the President.
The Constitutional Court was commissioned to give an official explanation of decrees and
documents related to the constitutional rights, freedoms and duties of the citizens.
The Constitutional Court also proposed holding checks at the suggestion of the Council of the
Republic into system-based and flagrant violations of the effective legislation committed by local
councils of deputies.
Besides, according to the commission of the Head of State, judges of the Constitutional Court are
vested with a right to check the validity of the avenues of the rule-making activity defined by the
president. The decree comes into force on the day of its official publication. The document is
submitted for consideration of the National Assembly of the Republic of Belarus.


Belarus’ House of Representatives to mull over CEC decree June 27
                                                                                law.by, 27.06.2008
On June 27, the House of Representatives plans to discuss President’s Decree #13 “On members
of the Central Election Commission of the Republic of Belarus”, BelTA learnt from the
parliamentary press service. The decree was signed on June 24. The parliamentary elections are
scheduled for September 28, 2008. Chairperson of the Central Election Commission (CEC) Lidia
Yermoshina is expected to present a report on this issue in the Oval Hall. The decree provides an
opportunity to the political parties that nominate their candidates to send their representatives to
the Central Election Commission with a right on deliberate vote.


Andrei Sannikov: It’s treachery of Solidarity movements’ ideals
                                                                             charter97, 27.06.2008
“There isn’t much new in the position of Polish diplomacy. For a long time a line to recognition
of the Lukashenka’s regime has been pursued confidentially, but today it was likely to be decided
                                                                                               Seite 43


to avow it. If information about new Poland’s approaches towards the situation in Belarus is true,
it can’t be named other than treachery of the Solidarity movement’s ideals,” Andrei Sannikov,
international coordinator of Charter’97, one of the leaders of the “European Belarus” civil
campaign, said.
“Polish people know well how efficient was a system of international solidarity in Poland’s hard
times, and we remember that this country wouldn’t have returned to Europe and become a full
EU member if it hadn’t been for support of freedom fighters and international pressure upon the
Polish communist regime. The fact that Poland will use its membership in the EU for weakening
the support of the democratic forces in Belarus evokes just perplexity and regret. I’m afraid
business interests of the Polish authorities can overrule considerations of morality and solidarity,”
Sannikov noted.
In addition, the politician showed his surprise of the fact the Polish authorities saw some signals
of the Belarusian regime demonstrating readiness to move towards Europe in the issue of human
rights.
“How is it possible to speak about positive signals of the Belarusian authorities, if the situation
with human rights in Belarus is getting worse day by day? Political prisoners are still in prisons,
cases of kidnapped opposition leaders are not investigated, repressions against the civil society
are strengthening, and the Belarusian authorities have made a list of democratic movement
activists, restricted to leave the country. How is it possible to see positive signs in adoption the
Law on Mass Media in the second reading by the “house of representatives”, the law, which is
targeted at complete elimination of free speech in Belarus?” one of the leaders of the “European
Belarus” wonders.
Sannikov notes that sanctions against the Belarusian officials can be lifted if the officials fulfil
some simple conditions. “Did Poland indeed chose the time to declare its new approaches in the
moment, when the Belarusian authorities are stirring up a conflict with the United States, the
reason of which is US sanctions for violations of human rights? The European Union didn’t
impose serious sanctions on Belarus. Opportunities for improving the relations with Europe are
open for Belarus. Personal sanctions against some Belarusian officials can easily be lifted if they
fulfil some very simple conditions, namely release of political prisoners and stopping of political
repressions. It would be the signals, the democratic countries should notice. But trusting the
representatives of the dictator regime is a height of naivety. Poland shouldn’t forget that the
number of killed, kidnapped and imprisoned opponents to the regime amounts by thousands in
the countries of the Latin America and Africa, on which no restrictions for violation of human
rights have been imposed,” Sannikov noted.
“Such actions of Poland would mean support of the Belarusian regime, not of the independence
of Belarus, as some Poland’s official representatives like to state. It makes the position of the
democratic forces considerably weaker in pre-election period and opens more opportunities for
the authorities to bargain with Europe to the prejudice of human rights in Belarus,” the politician
concluded.
It should be reminded that Russian “Novye Izvestiya” newspaper reports yesterday the Polish
diplomats working in Brussels tried to persuade their EU colleagues to lift or ease political and
economic sanctions against Lukashenka’s dictatorship. Their main argument is that any
restrictions against Minsk are useless, and top priority task is to “rescue Minsk from Moscow”.
Polish media write much about signals from Lukashenka’s administration showing the “current
Belarusian authorities are ready for concessions and better observing of human rights for the sake
of cooperation with the European Union.” As an officer from the Polish Foreign Ministry told to
“Novye Izvestiya”, “after Russian increased prices for gas and oil for Belarus, the economic
situation has got worse so much that Lukashenka desperately needs western loans to buy Russian
energy. He understands well that only restoration of Belarusian export to the EU counties can
help him to preserve the power.”
                                                                                            Seite 44


Belarus proposed online media law violates rights of journalists
                                                                   jurist.law.pitt.edu, 26.06.2008
Belarusian online news services and journalist organizations have denounced a proposed new law
[BAJ report] that would restrict online press freedom by requiring news services to register with
the government. The House of Representatives of Belarus' National Assembly approved the "On
Mass Media" law Tuesday after its second reading. Belarusian online news sources Wednesday
posted black banners and some temporarily stopped posting material in response. The Belarusian
Association of Journalists (BAJ) wrote that "it is unacceptable to consider and adopt a legal act
that infringes upon this fundamental right," protected by articles 33 and 34 of the Belarus
constitution. Reporters Without Borders also criticized the passage, writing: "The Internet has
until now been one of the few spaces where Belarusians could express themselves freely. We fear
that censorship will be stepped up." The proposal must be passed by the upper house of the
Assembly      and    then    signed     by    the    president   before    it   becomes      law.

In March, the Belarus KGB detained at least 16 journalists and searched their homes and offices
for materials that allegedly libeled Belarus President Alexander Lukashenko. The Belarus Deputy
Prosecutor General said that the searches related to an animated Internet cartoon that allegedly
insulted Lukashenko and had been broadcast on Belsat TV, a Polish-funded satellite television
channel. The BAJ argued that the searches were retaliation for media coverage of anti-
Lukashenko protests in Minsk earlier that week. In 2004 the Council of Europe severely
condemned the Belarusian government for its oppression of journalists, the Council will again
evaluate the status of journalists in the country following the approval of the proposed law.


Belarus Tightens Internet Control
                                      The St. Petersburg Times, by Yuras Karmanau, 26.06.2008
Belarussian lawmakers have given final approval to a crackdown on Internet journalism, one of
the last remaining independent sources of information in the country. The legislation also forbids
all Belarussian media outlets from accepting foreign funding, a restriction that will affect about
30 publications. The bill, drafted by President Alexander Lukashenko’s office and approved
Tuesday by lawmakers, “is among the harshest in Europe and throws Belarus back to the worst
Soviet times,” said Oleg Gulak, leader of the Belarussian Helsinki Committee, a rights group


Israel names new Belarus envoy
                                                                               jta.org, 26.06.2008
Israel appointed a new ambassador to Belarus. Eddie Shapiro will begin his work in Minsk at the
end of this year, Zeev Ben Arieto, the acting Israeli ambassador, told the Belapan news agency.
Ben Arieto's credentials are set to expire in approximately six months. Shapiro, 46, has worked at
Israeli embassies in Russia, Ukraine, Uzbekistan and Thailand. He came to Israel with his parents
from the former Soviet republic of Moldova at the age of 11. He has a degree in management
from Tel Aviv University.


MFA Press Secretary Andrei Popov answering a question from the Media
                                                                            isria.info, 26.06.2008
«Prime-TASS»: Can you comment on the reports that the Belarusian and Ukrainian Sides reached
agreement about the meeting of the presidents of Ukraine and Belarus, and the issue of the
border?
                                                                                               Seite 45


Answer: I would answer the second one first. I think once we have something specific springing
up here or a concrete decision we shall certainly let you know. As for the Belarus-Ukraine
dialogue as a whole, it is rather robust, as you know, in terms of trade and economy, in the first
place. Last year's turnover is in excess of $ 3 billion and it's very balanced which shows definitely
beneficial nature of the trade and economic relations for both countries.
Certainly, we are continuing our political contacts, making the texture of the political contacts
tighter, it's no secret at all. As you might remember, the Head of our country put it the same way.
Obviously, as the dialogue develops we are searching for a mutually acceptable date for the
meeting of the two presidents. It is still early, though, to talk about a specific timeframe.
However, I would put it strongly again that there's no secret there and we are continuing to make
sure the date is secured to the mutual accord.


In Belarus beginnt der Parlaments-Wahlkampf
                                         Deutsche Welle, von Gennadij Konstantinow, 26.06.2008
Ende September wählen die Belarussen ein neues Parlament. Präsident Aleksandr Lukaschenko
schließt den Einzug Oppositioneller ins Parlament nicht aus - möglicherweise eine Geste
gegenüber dem Westen, meinen Experten.
In einer Erklärung am 24. Juni teilte das belarussische Staatsoberhaupt Aleksandr Lukaschenko
mit, die Parlamentswahl am 28. September solle so transparent und demokratisch verlaufen, dass
bei der Weltgemeinschaft keine Zweifel an der Legitimität des gewählten Parlaments aufkämen.
Lukaschenko schließt zudem den Einzug oppositioneller Abgeordneter ins neue Parlament nicht
aus. Derzeit ist die Opposition unter den 110 Abgeordneten der Repräsentantenkammer der
Nationalversammlung nicht vertreten.
Die Belarussische Zentrale Wahlkommission, so dessen Sekretär Nikolaj Losowik, sei sogar
bereit, einer Vertretung Oppositioneller innerhalb der Zentralen Wahlkommission zuzustimmen,
wahrlich vorerst nur in beratender Funktion. "Der Präsident hat dem zugestimmt und wir denken,
wenn die Parteien sich auf ihre Kandidaten geeinigt haben, werden auch wir sehen, welche
Parteien bei den Wahlen antreten werden. Dann wird es ein entsprechendes Dekret geben", so
Losowik.
Opposition zeigt sich skeptisch
Die Opposition ihrerseits erwartet, wie schon bei den vorangegangenen Wahlkämpfen, nichts
Gutes von der Staatsmacht. Der stellvertretende Vorsitzende der Partei Belarussische Volksfront,
Aleksej Janukewitsch, meint: "Zweifelsohne werden die größten Schwierigkeiten durch
Einschränkungen entstehen, die von den zentralen, aber auch von den lokalen Behörden künstlich
geschaffen werden, um die Tätigkeit unserer Kandidaten zu behindern." Janukewitsch zufolge
muss man auch damit rechnen, dass Kandidaten an ihrem Arbeitsplatz, aber auch deren
Angehörige unter Druck gesetzt werden. Man müsse ferner davon ausgehen, dass die Behörden
gegen die Verbreitung oppositionellen Wahlkampf-materials und gegen Wahlkampf-
Veranstaltungen vorgehen würden.
"Seit 1996 wurde keine einzige Wahl in Belarus als demokratisch anerkannt. Die bevorstehende
Wahl wird sich wohl kaum wesentlich von den vorigen unterscheiden", sagte der Politologe
Aleksandr Klaskowskyj. Man müsse aber zugeben, sagte er, dass die belarussische Staatsmacht
heute stärker daran interessiert sei, vor dem Westen ein besseres Bild abzugeben.
Die Tatsache, dass Lukaschenko vor kurzem zu verstehen gegeben habe, er habe nichts dagegen
einzuwenden, wenn mehrere Oppositionelle ins Parlament einziehen würden, könnte
Klaskowskyj zufolge auch Teil eines Spiels, eine Geste, ein Zugeständnis sein, um die Wahlen in
den Augen des Westens demokratisch erscheinen zu lassen. "Warum diese Befehlsform? Weil
Russland sehr starken wirtschaftlichen Druck ausübt, wodurch politische Gefahren entstehen, und
                                                                                           Seite 46


deswegen braucht die belarussische Staatsmacht irgendwelche Brücken zum Westen", erläutert
der Politikwissenschaftler.
Keine Geschlossenheit unter Demokraten
Nicht alle Parteien, Bewegungen und Vereinigungen des belarussischen demokratischen Lagers
wollen sich an der bevorstehenden Parlamentswahl beteiligen. Die Konservativ-christliche Partei,
die größte oppositionelle Jugendorganisation Junge Front sowie einige weitere Vereinigungen
haben bereits erklärt, die Wahlen zu boykottieren. Die Mitglieder der Europäischen Koalition, der
unter anderem die Belarussische Sozialdemokratische Partei und die Partei für Freiheit und
Fortschritt angehören, werden möglicherweise getrennt von den Vereinigten demokratischen
Kräften bei der Wahl antreten.


Die Parlamentswahlen in Belarus finden am 28. September 2008 statt
                               Belarussische Botschaft, Österreich; Pressemitteilung, 26.06.2008
Erklärung: Der Autor versichert, dass die veröffentlichten Inhalte in dieser Pressemitteilung der
Wahrheit entsprechen und dem gesetzlichen Urheberrechte unterliegen.
Wahlbeobachter werden über den Wahlablauf in Belarus vollständig informiert.
Am 20. Juni 2008 traf der Präsident der Republik Belarus Alexander Lukaschenko mit der
Vorsitzenden der Zentralen Wahlkommission Lidija Jermoschina zusammen. Wie der
Pressedienst des Staatsoberhaupts mitteilte, wurden im Laufe des Gesprächs die Fragen der
bevorstehenden                               Parlamentswahlen                           erörtert.
Es wurde beschlossen, dass die Wahlkampagne am 24. Juni 2008 beginnen wird.
Dem Präsidenten wurde der Entwurf eines Dekrets über die Zusammensetzung der Zentralen
Wahlkommission vorgelegt. Laut diesem Dokument werden die an den Wahlen beteiligten
politischen Parteien ihre Vertreter an die Zentrale Wahlkommission als Mitglieder mit beratender
Stimme entsenden können.
Der Staatsoberhaupt und die Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission haben auch die Fragen
der internationalen Wahlbeobachtung besprochen. Es wurde vom Präsidenten erneut betont, dass
die Wahlen demokratisch und maximal offen durchgeführt werden sollen. Den einheimischen
und ausländischen Wahlbeobachtern sollen vollständige Informationen über die Vorbereitung der
Wahlkampagne sowie über die Tätigkeit der Wahllokalen und Wahlkommissionen am Wahltag
zur Verfügung gestellt werden.
 Am 24. Juni 2008 wurde von dem Präsidenten der Republik Belarus Erlass Nr. 344 über die
Durchführung    der    Parlamentswahlen      am   28.   September     2008     unterzeichnet.
Laut dem Dekret des Präsidenten der Republik Belarus vom 24. Juni 2008 Nr. 13 wurde allen an
den Wahlen beteiligten politischen Parteien das Recht gewährt, ihre Vertreter an die Zentrale
Wahlkommission als Mitglieder mit beratender Stimme zu entsenden.


Weißrussland: News-Sites begehen Selbstmord
                                                        the inquirer, von Ralf Müller, 26.06.2008
Die Pressefreiheit in Polens Nachbarland scheint weiter im Würgegriff der Regierung. Nun
stellten über ein Dutzend Nachrichtenportale aus Protest ihren Dienst ein. Eine Gruppe
unabhängiger Portale hatte sich zu diesem Schritt verabredet, um so im Land und wohl auch
international darauf hinzuweisen, dass die Überreste der Pressefreiheit in Weißrussland (Belarus)
im Schwinden begriffen sind. Dafür sorgen neue Medienkontrollgesetze, welche das Regime in
Minsk gerade in Kraft setzte. Die mit schwarzem Trauerflor unterlegte zeitweise Abschaltung
sollte symbolisch die Pressefreiheit zu Grabe tragen. Nun müssen sich alle Medien und vor allem
                                                                                       Seite 47


IP-Besitzer und Webportal-Betreiber bei der Regierung registrieren und der staatlichen Zensur
unterwerfen, um weiter im Geschäft bleiben zu dürfen. Kritik an der Regierung wird mit
Gefängnis geahndet. Jetzt wissen wir, wovon Schäuble träumt.
                                                                                           Seite 48



                                    WIRTSCHAFT
Gomel oblast leading in grain crop harvesting campaign
                                                                             law.by, 25.07.2008
A mass grain crop harvesting campaign is under way in the southern regions of Belarus, BelTA
learnt from the main plant growing department of the Ministry of Agriculture and Foodstuffs.
According to specialists, the Gomel oblast has cropped 15.2% of the areas under grain crops,
Brest oblast 6.4%. The Grodno and Minsk oblasts have harvested around 1%. The field works in
the northern Vitebsk and Mogilev oblasts will start in early August. In general, the campaign has
been slow as grain is still moist and unripe.
Nevertheless, sample harvesting showed that the yield is 274, 000 tonnes averaging 32.8 centners
per hectare. Last year the yield was 29.7 centners per hectare. More than 6,000 tonnes of grain
has already been supplied for the state needs, or 0,6% of the plan. The highest yield is in the
Grodno oblast - around 45 centners per hectare. The yield in the Brest oblast is also higher than
countrywide -more than 36.4 centners per hectare.
Some 66% of the areas under winter rape, or 170,000 hectares, have been harvested. The Gomel
oblast has cropped 89%, Brest oblast 85%, Grodno 81.3%. The Minsk and Mogilev oblast have
also crossed the 50% threshold. It is only the Vitebsk oblast that is lagging with its 38%. The
gross rape yield makes up 385,600 tonnes. The yield is 5 centners higher than last year and is at
22.7 centners per hectare. The yield in the Grodno oblast makes up 28 centners per hectare.
According to specialists, this year the conditions are more favourable for flax. Soil moisture is
sufficient. The flax has been pulled on the area of 7,600 hectares, which accounts for 5% of the
total area under flax. The Gomel and Brest oblast are leading in the flax harvesting campaign
rate.


Venezuela will demnächst den Wareumsatz mit Weißrussland verdoppeln
                                                                        Russland.ru, 24.07.2008
Venezuela will demnächst den Wareumsatz mit Weißrussland verdoppeln. Das machte der
venezolanische Präsident Hugo Chavez deutlich, der am Mittwoch zu einem Arbeitsbesuch in die
weißrussische Hauptstadt gekommen war
"Ich werde mit meinem Freund - Präsident Lukaschenko - besprechen, wie unsere
Zusammenarbeit vorangeht", sagte Chavez nach seiner Ankunft auf dem Flughafen von Minsk.
Nur zwei Jahre zuvor hatte er erstmals Weißrussland besucht. In diesem Zeitraum sei die
beiderseitig vorteilhafte Zusammenarbeit im handelspolitischen bzw. wirtschaftlichen Bereich
wesentlich vorangeschritten, sagte der venezolanische Staatschef. Des Weiteren sagte er, ein
Projekt zur Ölförderung werde erfolgreich in die Tat umgesetzt, gemeinsame Projekte zum
Zusammenbau von Schleppern, Autos sowie zur Gasifizierung einer Reihe von venezolanischen
Ortschaften unter Mitwirkung weißrussischer Experten befinden sich in einem
Vorbereitungsstadium. "Weißrussland ist ein heroisches Land, mit einem heroischen Volk",
betonte Chavez. Dabei fügte er hinzu, Venezuela wolle auch weiterhin die Zusammenarbeit mit
Weißrussland im handelspolitischen bzw. wirtschaftlichen, humanitären und politischen Bereich
festigen.
                                                                                           Seite 49


Neue Öloptionen für Weißrussland in Venezuela
                                                                       RIA Novosti, 23.07.2008
Das weißrussisch-venezuelanische Ölunternehmen Petrolera BeloVenezolana hat Zugriff auf drei
weitere Vorkommen in Venezuela bekommen. Wie der weißrussische Vizepremier Wladimir
Semaschko am Mittwoch mitteilte, ermöglicht die einschlägige Vereinbarung zwischen den
Mutterkonzernen      Belorusneft    und       PdVSA,       die     Förderungsmenge        des
Gemeinschaftsunternehmens in nächster Zeit auf zwei Millionen Tonnen jährlich zu verdoppeln.
Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko sagte zu Venezuelas Staatschef Hugo
Chavez, der am Mittwoch in Minsk eingetroffen ist: „Der Ausbau der vielfältigen Beziehungen
mit Venezuela hat eine hohe Priorität für die weißrussische Außenpolitik“. Chavez betonte, er
empfinde Ruhe und Seelenfrieden in Weißrussland. „Ich danke dir für die warmen Worte.
Venezuela ist auch deine Heimat“, sagte Chavez zu Lukaschenko.


Alles muss raus! Weißrussland startet große Privatisierungsoffensive -
„Wedomosti“
                                                                       RIA Novosti, 22.07.2008
Weißrussland wird Pipelines, Schifffahrtsunternehmen und Busdepots verkaufen, berichtet die
Tageszeitung „Wedomosti“ vom Dienstag.
Die weißrussische Regierung hat vor kurzem einen Privatisierungsplan für das Staatseigentum für
die Jahre 2008 bis 2010 vorgelegt. Der Staat will beispielsweise von der „Gomeltransneft -
Druschba“-Ölpipeline sowie von der Verwaltungsfirma „Republikanisches Unitares
Erdöltransportunternehmen Druschba (Freundschaft) von Nowopolozk“ Abschied nehmen.
Noch bis vor kurzem habe nichts darauf hingedeutet, dass Minsk seinen Anteil an der
„Druschba“-Ölpipeline verkaufen will, sagt Valeri Nesterow von Troika-Dialog und erinnert
daran, dass gerade durch diese Rohrleitung russisches Erdöl gen Westen fließt. Die Entscheidung,
die „Druschba“-Ölpipeline zu verkaufen, könnte mit dem Absicht Moskaus verbunden sein, das
Baltische Pipelinesystem (BPS-2) zu bauen, was eventuell zur Verringerung der Auslastung der
„Druschba“-Ölpipeline führen könnte, so Nesterow.
Zum Verkauf stehen nicht die Staatsbeteiligungen an den wichtigsten weißrussischen Raffinerien
- Mosyr und Naftan nahe Stadt Nowopolozk. Weißrussland habe die Idee, die beiden Raffinerien
zu privatisieren, noch nicht aufgegeben, doch feste Termine wolle es ebenfalls nicht nennen, so
Sergej Mussijenko vom Meinungsforschungsinstitut Ecoom (Minsk).
Die Behörden erklären, sie würden jeden Verkauf des Staatseigentums individuell behandeln.
„Die meisten Betriebsdirektoren haben Angst, die Kapitalisten aus Russland würden alles
aufkaufen. Doch wir werden so was bestimmt nicht zulassen“, erklärt Irina Barkowskaja vom
weißrussischen Staatseigentumsfonds der Nachrichtenagentur „BelTa“. Zunächst würden die 25-
prozentigen Aktienpakete angeboten werden, danach könnte die private Beteiligung allmählich
auch größer werden, so Barkowskaja.
In der Transportindustrie sollen gleich 143 Betriebe zum Verkauf angeboten werden, darunter
auch Bus- und Autodepots, Wartungsbetriebe der weißrussischen Eisenbahn, bauausführender
Betrieb „Belawtostrada“, die weißrussische Reederei und eine Schifffahrtsgesellschaft,
Schiffbaubetriebe in den Städten Pinsk und Gomel sowie Flugzeugreparaturwerkstatt in der Stadt
Orscha.
Die Betriebe, die bis dahin unter der Kontrolle des weißrussischen Industrieministeriums standen,
werden ebenfalls verkauft, darunter Minsker „MAZ“-Autowerk, der Industriekonzern „Minsker
Motorenwerk“, das Autoaggregatenwerk in der Stadt Baranowitschi, das Autowerk BelAZ, das
                                                                                          Seite 50


Werk für Gastechnik „Belgaztechnika“, das landwirtschaftstechnische Werk in der Stadt Gomel,
sowie das Minsker Werk für Fließbandproduktion.
Die weißrussische Rüstungsindustrie bietet ebenfalls ein paar Schnäppchen an, darunter das
Minsker Radschlepperwerk, das Konstruktionsbüro „Radar“, das Minsker Werk für
Elektromechanik usw. Die weißrussische Rüstungsindustrie ist besonders für die russische
Rüstungslieferanten interessant, denn sie könnte an den Modernisierungsprogrammen für die
ausländischen Kunden beteiligt sein, so Konstantin Makijenko vom Analysezentrum für
Strategien und Technologien


Neue Rechtsakte für weitere Privatisierung in Belarus
             Pressemitteilung № 32 der Botschaft der Republik Belarus in Deutschland, 21.07.2008
Am 17. Juli 2008 tritt das Dekret des Präsidenten der Republik Belarus № 7 vom 14. April dieses
Jahres in Kraft in vollem Umfang. Dekret hat den Aktienmarkt in Belarus wesentlich liberalisiert
und neue Schritte zur weiteren Privatisierung des Staatsvermögens beschlossen.
Bisher war der Aktienmarkt unter anderem durch das sogenannte „Vorkaufsrecht des Staates“
beim Verkauf von Aktien bestimmter Unternehmen beschränkt. Dies betrifft vor allem
Staatsunternehmen, die formell bereits in Rechtsformen des Privatrechts überführt wurden, deren
Aktien aber nicht veräußert werden durften (Moratorium). Diese Beschränkungen werden in drei
Stufen aufgehoben.
Ab 1. Juni 2008 wurde der freie Aktienhandel von Unternehmen mit großem staatlichen Anteil
(über 75 %) und von Unternehmen in Landwirtschaft eingeführt. Für Unternehmen ohne
staatliche Beteiligung bestätigt das Dekret dieses Recht noch einmal. Ab 1. Januar 2009 können
Aktien von Aktiengesellschaften mit einem Staatsanteil über 50 % ohne Beschränkungen
veräußert werden. Ab 1. Januar 2011 werden dann alle Beschränkungen aufgehoben.
Allerdings bleibt dem Ministerrat in Abstimmung mit dem Präsidenten vorbehalten, einen
Katalog strategisch wichtiger Wirtschaftsbranchen aufzustellen, so dass einbezogene
Unternehmen nicht privatisiert werden dürfen. Das neue Präsidentendekret ist ein wichtiger
Schritt für die Entwicklung eines modernen Aktienmarkts.
Gleichfalls wurde im Dekret festgelegt, dass die Privatisierung in Belarus auf Grund eines drei-
Jahre-Plans durchgeführt wird. Der Plan für 2008-2010 wurde von dem Ministerrat der Republik
Belarus mit der Verordnung der Regierung № 990 vom 8. Juli 2008 genehmigt. Staatliche
Unternehmen, die in private Hände gehen sollen, werden vorab in Aktiengesellschaften
umgewandelt und dann versteigert. Verordnung hat eine Liste von 519 (in 2008 - 176, in 2009 –
213 und restliche in 2010) Unternehmen der staatlichen Eigentumsform bestimmt, die in
Aktiengesellschaften umgewandelt werden.
Diese Liste enthält Betriebe in vielen Branchen (Automobil-, Landwirtschaftmaschinen- und
Werkzeugmaschinenbau,        Feinmechanik-       und     Optikgerätebau,     Textilindustrie,
Arzneimittelproduktion und andere). U.a. stehen in der Liste folgende große Unternehmen: in
2008 - MAZ, Motorenwerk, Mechanikbetrieb (Wawilovswerk) und „Termoplast“ in Minsk,
Autoaggregatenwerk in Baranovitschi, Startmotorenwerk in Gomel; „Zenit“ in Wilejka;
in 2009 – BelAZ in Zhodino, Werkzeugmaschinenbetrieb in Molodetschno; in 2010 –
Werkzeugmaschinenbetriebe in Minsk (Kirovswerk), Gomel, Orscha, Vitebsk.
Regierungsverordnung hat auch eine Liste von 147 früher umgewandelten Aktiengesellschaften
bestimmt, deren Aktien in 2008-2010 zum Verkauf kommen. Darunter sind Porzellanwerk,
Lagerbetrieb, Gerätebaubetrieb, Schuhfabrik "Lutsch“ in Minsk, Glasbetrieb „Gomelsteklo“ und
Trikotagenfabrik “8. März " in Gomel, Maschinenbaubetrieb in Bobrujsk und andere.
                                                                                            Seite 51


Die Aussichten der Zusammenarbeit zwischen Belarus und der Weltbank
             Pressemitteilung № 31 der Botschaft der Republik Belarus in Deutschland, 21.07.2008
Die Partnerschaft zwischen Belarus und der Weltbank entwickelt sich sehr konstruktiv. Dies
wurde vom Vizepräsident der Weltbank für Europa und Zentralasien Schigeo Katsu bei seinem
jüngsten Besuch in Minsk erklärt.
„Belarus stellt vor sich sehr anspruchsvolle Aufgaben und wir werden unser bestes tun, um die
sozialwirtschaftliche Entwicklung des Landes zu unterstützen“ – unterstrich der hochrangige
Vertreter der Weltbank. Wie er mitteilte, werde der Umfang der Finanzierung in den nächsten
vier Jahren nicht weniger als 400 Mio. USD betragen.
Im Dezember 2007 hat die Bank neue Länderstrategie für Belarus für den Zeitraum 2008 – 2011
erörtert, welche die Gewährung von langfristigen Anleihen vorsieht. Die Finanzmittel sollen dem
Land helfen, den globalen ökologischen und energetischen Herausforderungen gerecht zu
werden, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu fördern, den Schutz den bedürftigen
Schichten der Bevölkerung zu gewährleisten, so das Dokument.
Unter anderem sind für Dezember 2008 die Verhandlungen zwischen der Regierung von Belarus
und der Weltbank über die Gewährung eines Kredites in Höhe von 100-150 Mio. USD für die
Realisierung der Projekte im Rahmen des Staatsprogramms für Energieeffizienz durchzuführen
geplant.




Gazprom droht Minsk wegen Gaspreisen mit juristischen Schritten
                                                                         Russland.ru, 17.07.2008
Der russische Energiekonzern Gazprom hat Weißrussland mit juristischen Schritten gedroht, weil
das Land sich angeblich nicht an den vereinbarten Preis für Gaslieferungen hält. "Wenn die
weißrussische Seite ihren Verpflichtungen nicht nachkommt und nicht vollständig für das
russische Gas bezahlt, behält sich Gazprom das Recht vor, vor Gericht zu ziehen", erklärte
Gazprom am Mittwoch in Moskau.
Am selben Tag waren Gazprom-Vizevorstandschef Alexander Ananenkow und der
Generaldirektor des weißrussischen Versorgers Beltransgas, Wladimir Majorow, in der
russischen Hauptstadt zusammengetroffen.
Weißrussland und Gazprom hatten vom zweiten Quartal dieses Jahres an eine Erhöhung des
Abnahmepreises von 119 auf 128 Dollar je 1000 Kubikmeter vereinbart.


Belarus takes big step with Velcom privatization
                                            businessneweurope.eu, by Graham Stack, 17.07.2008
Velcom's new Austrian CEO Helmut Duhs does not hesitate to call the privatization of Belarus'
second-largest mobile operator by Telecom Austria, "the biggest step in privatisation for
Belarus." The 37-year-old Duhs hardly anticipated Minsk as a future posting, but since he took
over in November, Velcom has become a flagship for Belarus' new economic policy of openness.
The privatization has been a feather in the cap for President Alexander Lukashenko's privatization
programme, but the deal was mired in scandal to start with. Only a year ago, the Belarusian
government suddenly announced that its second-largest mobile telecom asset, then called Mobile
Digital Communications (MDC), had been clandestinely privatized for an undisclosed sum to a
shadowy Syrian investor called Ead Samawi, bringing with it accusations of insider dealing.
                                                                                              Seite 52


Samawi's business interests in Belarus allegedly originated with arms trading, and he was one of
the few foreigners in the country said to be close to the president. Ead Samawi also surfaced in
public shortly after the Syrian foreign minister visited Minsk on a state visit about two years ago.
Analysts point out that the state arms exporter Beltekhexport held 20% of the government's total
51% in MDC. Relationships between the Belarus administration and Samawi have had their ups
and downs since MDC was founded in 1998: Samawi even spent a night in a KGB detention cell
in 2003. But 2008 saw a number of televised love-ins between Samawi and Lukashenko, which
seemed to pave the way for the behind-the-scenes privatization. With a decade's delay, Belarus
seemed to be making the same transition from state-ownership to crony capitalism that Russia
and Ukraine had done in the 1990s.
This initial apprehension made the cheer greeting the Telekom Austria deal weeks later all the
louder: the Austria firm bought 70% of Samawi's holding company SB Telecom for €730m, with
a call option agreement for the remaining 30% exercisable in the fourth quarter 2010, valued at
approximately €320m. Suddenly a new optimism was in the air: Belarus seemed to be skipping
over the crony capitalism stage and looking instead to attract foreign investors – from the West.
The shift was a big surprise apparently for Telekom Austria itself, which first made contact with
the Belarusian government in 2007. The sum Telekom Austria paid SB Telecom, Duhs told bne,
was only a slightly higher valuation than the €550m the government belatedly this year said it had
received from SB Telekom for its 51% stake.
And now the government has said it intends to privatize the other two mobile phone companies as
soon as possible. The Belarusian market leader, MTS, a joint venture between Russian mobile
giant MTS (49%) and Belarus fixed-line monopolist Beltelecom (51%), looks set to see the
Russian company acquire an extra 2% for around $27m, according to the telecommunications
ministry. The third-placed BeST is likely to be acquired by Turkey's Turkcell when a price has
been agreed upon. So what only a year ago would have seemed fantasy, is now nearing reality:
the complete privatization of a key sector to foreign investors.
Duhs himself disputes that there has been any u-turn in government policy, arguing the
development is entirely logical. "Velcom was the first GSM operator in Belarus and Samawi was
always the driving force behind the company. The digital mobile industry was from day one,
competitive and liberalized. It simply made sense for the state to sell its stake when the market
had matured and the entrepreneurial stage completed. It made sense that the existing partner make
a deal, and then negotiate with an international investor."
President Lukashenko himself boasted to students at Belarus State University in February about
how profitable this strategy had been for the state: "We invested nothing at all [in Velcom] and
got around $600m for our stake," he said, adding that "billions" were being offered the state for
MTS, and for BeST even "with all its debts."
From the point of view of Telekom Austria, the attraction of the Belarus market lies in its great
potential for growth. "It is the only market we have with less than 100% penetration, in fact
around 70%, and currently our tariffs are 70% lower than in the next lowest market," explains
Duhs.
Velcom's monthly ARPU in the first quarter was €6.5, compared with Telekom Austria's ARPU
of €28.7 in Austria for the same period. In the Belarusian context, however, Velcom boasts the
country's highest ARPU due to its traditional focus on better-off users: market leader MTS
reported only €6.25 of ARPU in 2007.
Part of the reason for such low tariffs, besides competition, has been government involvement in
the branch, admits Duhs, and the ideology of a "socially-oriented economy." "This is a country-
specific approach," shrugs Duhs, "which requires a commitment from large companies. You have
to know and accept it before you enter the market."
                                                                                               Seite 53


One such commitment is for mobile operators to provide equal quality to all inhabitants, ie. to
ensure coverage of unprofitable rural areas. The rural population is an important government
constituency, and because Belarus is sparsely populated, operators have to invest a lot in their
networks relative to subscribers. In addition, the fixed-line operator Beltelekom is a state
monopoly offering the lowest call tariffs in Europe. "Mobile phone operators subsidise the fixed-
line operators," says Duhs.
So Velcom has no worries about a price war breaking out between the newly privatized operators
as happened in Ukraine 2006: "Prices are simply as low as they can get." Instead, Duhs welcomes
increased competition as stimulating market growth.
He also notes that Belarus is committed to WTO entry, which requires the liberalization of fixed-
line communications. "Positive signs by the government on such issues were a condition for us
entering the market."
But for all the low ARPU and social strings attached, the 3.2m Velcom subscribers now comprise
20% of Telekom Austria's mobile subscribers in a country with GDP growth averaging 8% per
year, with the first tenders for 3G licenses likely to take place this year. And Duhs is aiming
higher: for Velcom to be market leaders within five years, by providing more value-added
services while diversifying its subscriber base away from business users.
Regarding the investment climate as a whole, Duhs points to the Belarusian tax system as the
biggest obstacle. "It is by far the most complicated I have ever seen, with 42 taxes meaning that
huge administrative efforts are needed for compliance." And it's not just the number of taxes:
taken together, Belarus has the highest tax rates in region, says Duhs.
Duhs points out that Velcom enjoys a privileged position when it comes to dealing with
government, "because the privatization is perceived by all parties as a pioneer action and
supported as such." In general, he says, since foreign investors are still a novelty, government
works with them on a case-to-case basis, not yet having developed routinised procedures.
Duhs sees Velcom acting both as an "ambassador" for Belarus abroad, promoting the country as
an investment location, as well as for Austrian business investing into Eastern Europe. "The
Austrian approach regarding [foreign direct investment] is more flexible than in larger countries,
and Austria has always been a pioneer in entering East European markets. So it's not a
coincidence that the biggest sectors in Belarus are privatized first with the help of Austrian
companies."
Duhs points to Austria's historical links to Central and Eastern Europe. Metternich once quipped
that the Balkans start on the outskirts of Vienna, and it's no coincidence that the Austrian pioneers
in Belarus, Telekom Austria and Raiffeisen International, are both headed by men with roots in
the former Yugloslavia - Boris Nemsic and Herbert Stepic, respectively. Looking east comes easy
to them.
That is not all the two pioneering investors share: Belarusians might well imagine that yellow and
black are the Austrian national colours. Following rebranding, Velcom's new black on yellow
logo now perfectly matches the Raiffeisen emblem displayed by Priorbank. The new Velcom
brand aesthetics are also pioneering: The eye candy previously smiling from billboards has now
been replaced by sombre, even harsh, images of "real people," about which even Velcom's own
sales staff openly express their puzzlement.
But this, argues Duhs, is what foreign investment can bring – new approaches, new ideas, new
technologies. And thus, to explain the rebranding to staff, Duhs and his team did what few
Belarusian managers do – they launched a roadshow through Belarus to convince workforce on
the rebranding, explaining the concepts and answering questions openly. "There were a lot of
questions," smiles Duhs.
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Raiffeisen plays pioneering role with Priorbank
                                              businessneweurope.eu, by Graham Stack, 17.07.2008
Austria's Raiffeisen International is the Indiana Jones of the banking world. Even after Eastern
Europe became fashionable amongst international financiers in about 2004, the idea of buying
into Belarus crossed few people's minds. Now that Belarus has thrown open its doors and is
quickly becoming the hottest bank market in the region, banks arriving in the country will arrive
to find Raiffeisen has already been there for five years.
Priorbank was founded as an innovation in 1989 during the first wave of private bank start-ups by
a group of the county's largest manufacturing concerns, including truck makers MAZ. Oil
paintings of the banks' industrial founders still adorn the walls of Priorbank's headquarters, but
the bank was never reduced to a pocket bank: at the same time as serving large corporate clients,
as early as 1995 Prior was a partner of the European Bank for Reconstruction and Development's
Small and Medium Enterprise (SME) programme, and in 1997 the EBRD took a 27% stake.
Vladimir Dedioul, member of the Priorbank board responsible for risk management, says
Priorbank was then the country's third-largest bank, and its largest private bank. A greenfield
development in Belarus would have been difficult, but Priorbank was looking for a buyer. "So
Priorbank followed the typical East European pattern of taking on first a financial investor, then a
strategic investor," explains Dedioul, who has worked in the bank since it's founding.
The strategic investor came in the shape of Raiffeisen in 2003, which too first took a 50% stake
and subsequently increased it to 63.1%. "Our purpose was to find a source of long-term money
for the clients we knew well. Raiffeisen gave us know-how, technologies, finance," says Dedioul.
Austrian Bernd Rosenberg, originally from Raiffeisen International, now a member of the
Priorbank board responsible for international development, jokes that "White Russia" was
literally a blank on the map. But precisely this fact attracted Raiffeisen: "It's always better to be
first in the market and here as well we saw considerable potential for the future. We wanted to
cover the whole region."
All about timing
Raiffeisen chose the perfect moment to enter the market. From 2002-2007, Priorbank grew
explosively along with the Belarusian banking sector. Priorbank's loans to customers grew more
than eightfold, assets more than five times, equity trebled, and retail deposits rocketed four and
half times.
It's testament to the strength of Priorbank's position that, unusually for Raiffeisen, the bank still
uses the Prior brand, with the Raiffeisen emblem adjoined. "We were also lucky in that Priorbank
has always used yellow for it logo, like Raiffeisen," jokes Dedioul.
The Priorbank deal was pioneering for Belarus – and is seen as having kick-started a process.
"The Priorbank deal showed the government that foreign investors would act perfectly normally,
on the one hand, pay taxes, pay their employees, and also introduce much needed technologies
and improvement," a source at a competitor bank tells bne. "But Prior and Raiffeisen have had to
adapt a bit to realities. There was an initial euphoria in terms of public relations and openness, but
recently they have become more closed. They serve a number of state-owned companies."
Dedioul admits it has not been all plain sailing. However, he points out that the government has
been so convinced of the benefits from foreign investors, that it has moved from tolerating them
to actively seeking them – with a far-reaching privatization of the bank sector in the pipeline for
2008.
Dedioul claims the banking sector could go private "virtually overnight." The share of foreign
capital is currently just under 10% and there is a 25% cap on foreign bank ownership, but it is
widely believed that this will be changed. "People often imagine the Belarusian banking system
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totally belongs to the government. However, that's simply not the case: 23 of the 27 banks in
Belarus are already private." Admittedly, of the six largest banks, with about 80% of the total
assets, only Priorbank, the third largest, is currently private. "But the fourth, fifth and sixth largest
are all about to be privatised in the immediate future, and the two largest, Belarusbank and
Belagrobank, will hold IPOs."
Rosenberg says Priorbank is not worried about competition heating up. "We have first-comer's
advantages," he says. "And we have done a lot of work over the past five years. Since we arrived,
we have changed structures and approaches, switched from a three-tier to a one-tier structure,
made large investments in IT and personnel. These are changes that the banks that are going to be
privatised still have ahead of them. That will take time, and so we are far ahead of the field."
Rosenberg explains Priorbank strategy as being Raiffeisen's general approach tailored to suit
local conditions. "The Raiffeisen strategy is to be a universal bank strong in corporative banking,
where we are traditionally good, and to build up the retail area for private individuals and micro-
crediting. We have a very clear focus on SMEs and retail."
As an example of Raiffeisen's approach, Rosenberg points to the introduction of standardized
products for SMEs as being a general tendency – but "standardized products tailored to the
Belarusian market, not imported from Vienna."
IPOs postponed?
Priorbank recently qualified as an IPO partner for the Warsaw stock exchange – again, the first
bank in Belarus to do so. With the government announcing upwards of 75 IPOs of state-owned
companies to take place in the immediate future, this looks like a wise move to get a slice of the
action. However, Dedioul is sceptical that the government's proposals are realistic, given current
international market conditions, and calls some of the government rhetoric "absurd."
"I know several companies are working on this, but currently I think the market situation is
simply not favourable. IPOs shouldn't be a goal in themselves. In a way, it is ironic that Belarus is
turning to capital markets in a year that market situation is so unwelcoming."
Rosenberg agrees: "It is very difficult to jump from isolation to integration in one go, in one
year," he argues. "There's a whole science of how to do it: building up a credit history, working
with international institutions, with private placements, sovereign borrowings, country ratings. To
do it in one year is basically impossible."
The private sector in Belarus has had ground to criticize the government in the past, but it brings
home how swift the change in Belarus economic strategy has been to hear the private sector chide
the government – for being too ambitious in opening up fast.


Belarus' surprise opening gambit
                                               businessneweurope.eu, by Graham Stack, 17.07.2008
For a country long regarded as a regional backwater, Belarus has been full of surprises since
2007.
First came the "gas war" with Russia in January 2007, where Russia hiked prices for gas and
slapped export duties on oil - contradicting preconceptions about Russia using energy prices to
punish enemies, such as Ukraine, and reward friends like Belarus. Then came a bigger surprise
from the Belarusian side. After a decade of anti-Western rhetoric, the government announced a
whole raft of measures to open up the economy to foreign investment and liberalise the economy.
But doesn't take much to link the two.
"For a whole decade, nothing was done to support the private sector, and no one expected these
measures. Now we are hearing at a frequency of once a week cardinal measures decided on from
the president or government. And all these measures are extremely positive for entrepreneurs and
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the private sector," says Sergei Shaban, deputy chairman of the board of Belgazprombank.
Belgazprombank, the country's seventh largest bank in terms of assets and third largest in terms
of share capital, owned jointly by Gazprom and Gazprombank, handles the Belarus gas trade
accounting for the Russian giant, while lending to Belarusian small and medium-sized
enterprises. As such, it enjoys a unique insight into both state and private sectors. "Our opinion is
that the measures taken by the government and president are conditioned by the need to adapt to
new prices for energy," Shaban says. "Before the price hike, there were enough resources -
internal and also subsidized energy prices from Russia. This has ended, and companies need to
become more competitive, to upgrade their facilities, and this requires extra capital," says Viktar
Strachuk, senior partner in the Minsk branch of Deloitte & Touche.
Dmitry Kruk of the Institute of Privatization and Management, a think-tank that drew up
privatisation plans in the 1990s only to see them mothballed when Lukashenko came to power,
explains that the price hike for gas and the imposition of export duties on oil shipped to Belarus
threatened a lurch into the red for the trade balance, jeopardizing macroeconomic stability. The
hike in energy prices also looked certain to hit enterprise profitability, making investment in
upgrading facilities and making it more imperative to raise energy efficiency. But soaring world
oil prices in 2008 have removed any immediate necessity to liberalise. Belarus still enjoys a
"political" gas price of $128 per 1,000 cubic meters, and Belarus oil refining is still very
profitable. "So it's a paradox," says Kruk. "This year, the trade balance will be much more
favourable than last year, but the government efforts to attract investment are much more
concerted that ever before."
"It seems to be a strategic decision," he concludes. "Everybody actually expected a slowing of
reforms this year due to favourable external circumstances."
Between Europe and a hard place
Opening up the Belarusian economy seems both a concession to Russian demands, as well as an
attempt to limit Russian influence. "There is pressure from the Kremlin to open the economy.
Russia understood that it's more useful to use economic influence than political," argues Shaban.
According to Shaban, the move to privatization was sealed by the sale to Gazprom of Belarus gas
pipelines operator Beltransgaz as part of the gas deal reached in 2007. "Beltransgaz had important
symbolic value in terms of privatisation. We reckoned if this deal goes ahead, privatization will
continue. The Belarus government saw that nothing had changed, nothing terrible happened."
But analysts also argue that this year's wooing of foreign direct investment (FDI) is aimed at
western investors to prevent Russian economic domination. "The priority is investment from
western Europe, not Russian investment," says Kryuk. "There's a specific policy of restricting
Russian investment proportionally, it is evident at investment forums. Russian investment is too
political."
Deloitte's Strachuk agrees that the government is looking to balance sources of investment,
because there's already a lot of Russian capital, especially in the banking sphere. "Western
countries are still wary, but Belarus' neighbours such as Poland, Latvia and Ukraine are
interested. Also Persian Gulf countries are quite active here in real estate, and there are some
contacts with China and Korea. Basically, they want a mix," he says.
Not only has juggling east and west given liberalization a momentum of its own. The very
success to date of the "Belarusian economic miracle" - with regular 8%-plus GDP growth rates -
means that fixed capital investment is urgently required to renew and expand capacities. This was
illustrated on June 25, when the Lukomi power station, the country's largest, suddenly packed up,
causing outages across the country for both industrial and residential consumers.
Moreover, while the economy has benefited hugely from the export of goods to the booming
Russian market, competitiveness in terms of market share has been falling, as Soviet-era
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technologies become obsolete. And with the government still the owner of most large companies,
it could cash out to harvest a bonanza to finance infrastructural measures, such as constructing a
nuclear power plant to reduce its energy dependence on Russia.
Belarus simply has everything to gain from opening up, as Shaban argues: it is slap in the heart of
Europe, with an educated workforce, social stability, and good production capacities. And,
despite the conflict in 2007, "Belarus still has a huge price advantage in energy relative to other
European countries, and the government can exploit this to attract extra capital," according to
Shaban.
Targets for investment

"Every ministry and every authority now has a major priority to attract foreign investments,
having all been assigned certain targets in terms of millions of dollars of FDI to be attracted. Now
a major part of their day is spent meeting with foreign investors to achieve these targets," says
Strachuk.
As evidence of the government's reform efforts, it has publicly committed itself to leapfrogging
up the World Bank's ease-of-doing-business ranking from its current 110th position to a top-25
place by 2011. The most telling proof is that the privatisation of major companies is back on the
agenda. That includes the imminent privatization of the two remaining state-owned mobile
operators to Russia's MTS and Turkey's Turkcell; of fourth-largest Belinvest bank to Germany's
Commerzbank; and of giant truck builder MAZ to Oleg Deripaska's Russian Machines. Michelin
is also known to be interested in tyre producer Belshina. "There is an ambiguous logic about
privatization," says Kruk. "Enterprises that are currently profitable but facing an uncertain future
will be sold, as companies in a tight situation will also be sold." According to Kruk, companies
with stable profits such as Minsk Tractor Factory, potash giant Belaruskali, and the largest oil
refineries will remain in state ownership.
Crucial to stimulating investor interest in privatisation was the abolition in February of the
notorious golden share rule, which gave the government the right to intervene in the running of a
privatised company in the event of layoffs or losses.
Parallel to case-by-case privatization, as part of an institutional shift towards an investment-
friendly economy, government unitary enterprises are to be transformed en masse into joint stock
companies (JSC): 30% this year, and the remaining 70%, around 500 companies, through 2010.
Government plans then envisage IPOs for the new JSCs, but current market conditions, and also
the need to establish credit histories and introduce international accounting standards, make such
ambitious claims seem unrealistic for the immediate future, according to most analysts
Besides attracting strategic investors, the privatization of majority and minority stakes is intended
to stimulate the development of a stock market. To support this, earlier this year the tax on
securities trading was slashed from a prohibitive 40% to a profit tax level of 24%. A moratorium
imposed in the 1990s on trading shares in privatized companies was also lifted, and the
government passed an umbrella programme on "corporate securities market expansion program
for 2008-2010" in January, envisaging 25% free float of total shares by 2010. However,
considering the current embryonic state of the Belarus stock market, in conjunction with the
disarray on the global capital markets, most analysts agree it will be a long time before things
really start to take off here.
More significant in the short term are moves to streamline the tortuous tax system. With 42
different taxes, compliance is currently a nightmare, and the overall take high in comparison to
neighbouring countries. But in 2009, the government will introduce a flat rate income tax of 12%,
and reduce turnover tax, a major burden, by 2% to 1%, and possible phase it out entirely in 2010.

And it's not just taxes. "Worse than taxes themselves are the many mandatory payments that are
not taxes, but contributions to sector support funds not covered by tax law, but only by the budget
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law," Deloitte's Strachuk says.
Too much bureaucracy, not enough democracy
Nevertheless, a poll taken of foreign investors at the recent Minsk Investment Forum showed that
taxes were not the main obstacle to investment. "More serious was a general lack of transparency,
difficulties with regulations regarding pricing, and regulations regarding accounting in general,
which is very formalistic," Strachuk says. "The basic problem is bureaucracy and slow decision-
making."
Belgazprombank's Shaban agrees: "In Belarus, corruption, for example, is significantly lower
than in Ukraine and Russia. The problem lies in the speed of taking decisions."
The government has a number of programmes that provide tax incentives for investors, such as a
development programme for small and midsize towns, for "agricultural cities," and for
technology parks. However, some of these programmes also include administrative measures
compelling companies to contribute. There is still a mix of policies being applied.
An excess of bureaucracy is twinned with a dearth of democracy. It's still too early to say whether
the Belarusian economic liberalization could prompt political liberalization. To secure the foreign
investment from Western Europe needed to balance Russian money, President Alexander
Lukashenko has to do something about his image - and he promptly took first steps in this
direction in 2007, hiring Tim Bell, legendary British spin doctor for late Chilean dictator Augusto
Pinochet, Russian oligarch Boris Berezovsky and the McCanns, among others. The upcoming
parliamentary elections in September will be a litmus test of how far the administration is
prepared to put substance behind spin.
Minsk cabbies
Moving from the "Batka" of Belarus, as Lukashenko is referred to, to the Minsk cabby for a view
from the grassroots, Svetlana, one of Mink's few female taxi drivers, told bne that government
regulations forced her to change jobs. "Previously, I had a stall trading textiles," she says, but new
government regulations now forbid the self-employed from hiring additional workers, demanding
they re-register as firms, with all the accompanying costs and hassle. "There were demonstrations
against the regulations on the part of small-scale entrepreneurs in the centre of Minsk, but nothing
appeared about them on TV, it was all hushed up and then they were dispersed by force."
Another Minsk cabby, Grigory, a Hare Krishna acolyte, says he earns enough as a taxi driver,
without a family to support, to have visited India for six weeks this spring. Freedom to travel is
one thing. "But Hare Krishna are not allowed to celebrate on the streets in Minsk - in Moscow,
yes, but not in Minsk," he complains.
However, as a taxi driver in Moscow, he could hardly afford a six-week trip to India. This is one
of the paradoxes of Belarus. In Moscow, "official" cabs are rare; instead there are myriad of
gypsy cabs driven by migrant workers. In Minsk, the iron grip of Lukashenko means there is an
organized, competitive and efficient taxi market. Late night revellers debate which taxi service is
cheaper, much as they might discuss which mobile operator gives the best deal.
Under Lukashenko, Belarus identity is openly Soviet-rooted. Independence Day is no longer July
27, the declaration of sovereignty from the Soviet Union in 1991, but July 3, the liberation of
Minsk by Soviet troops in 1944.
But this is not the same as subservience to modern Russia. In some ways it's the opposite. Belarus
is proud of the "Soviet virtues" abandoned by Russia for "corruption and low morals." Ordinary
people often echo Lukashenko's boasts that he has prevented the appearance of oligarchs, bandits,
graft and ethnic strife - the plagues of modern Russia. As a visitor to Minsk watches diners in
Macdonald's actually clear their tables after eating, something unheard of in Moscow, there's a
possibility that this proud Soviet vestige might yet take on a European tinge.
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TelDaFax baut Kraftwerk für Strom aus erneuerbaren Energien in Minsk
                                                                          verivox.de, 10.07.2008
Für den Inhalt der folgenden Meldung ist nicht die Verivox GmbH sondern der Autor TelDaFax
GmbH verantwortlich.
Der erste Spatenstich am 10. Juli im weiß-russischen Minsk, bedeutet für TelDaFax und sein
Energiegeschäft den Start in eine neue Ära, denn das Unternehmen beginnt die Bauarbeiten für
sein erstes Stromkraftwerk. Mit der Realisierung einer ersten Deponiegas-Verwertungsanlage zur
Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien wird TelDaFax ENERGY von einem reinen
Energielieferanten darüber hinaus zu einem Stromproduzenten. Für die Verwirklichung dieser
und weiterer geplanter Verwertungsanlagen in Weißrussland wurde die TelDaFax EcoTech AG,
Minsk, gegründet.
Die Inbetriebnahme der Deponiegas-Verwertungsanlage ist für März 2009 geplant. Nach ihrer
Fertigstellung wird TelDaFax jährlich etwa 8.200 Betriebsstunden Strom in das Netz der
weißrussischen Hauptstadt Minsk einspeisen. Wie auch in Deutschland zählt die
Stromgewinnung aus Deponiegas in Weiß-russland zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Die
Gesamtinvestitionen für das erste Projekt in Minsk belaufen sich auf zirka zehn Millionen Euro.
Für die erfolgreiche technische Abwicklung dieses und anderer Projekte zur Erzeugung von
Ökostrom beteiligt sich TelDaFax an einem der führenden Unternehmen in dieser Branche, der
Innovation und Technik AG (IuT) aus Österreich. Als Dienstleistungsunternehmen in der
Umwelttechnologie verfügt "The IuT Group" über weitreichende Erfahrung in allen Bereichen
der Abfallwirtschaft und Produktion erneuerbarer Energien. Mit den Osteuropa-Aktivitäten von
TelDaFax ergibt sich eine dynamisch wachsende, weltweit tätige Zusammenarbeit von
Unternehmen, die sich auf Deponierückbau, Standortentwicklung, Recycling und Gewinnung von
alternativen Energien spezialisiert hat.
Mit einem Volumen von 31 Hektar Fläche und 45 Metern Höhe, etwa 14 Millionen Kubikmeter,
beinhaltet die Deponie bei Minsk zirka 20 Millionen Tonnen Hausmüll. Sie ist damit die größte
in Weißrussland und eine der größten in Europa. Das Gelände ist seit Februar 2008 für 15 Jahre
an TelDaFax verpachtet. Da dort zu einem großen Anteil organische Abfälle (Speisereste, Papier
und Grünschnitt) deponiert wurden, bildete sich seit dem Beginn der Lagerung 1958 besonders
viel Biogas (Deponiegas). Die Deponie befindet sich auf dem Höhepunkt der Biogasbildung, da
der laufende Betrieb im letzten Jahr eingestellt und eine fachgerechte Abdeckung nach
Ingenieurvorgaben von TelDaFax durch die Stadt Minsk ausgeführt wurde.
Aus 35 Gasbrunnen mit einer Tiefe bis zu 35 Metern wird bald Gas gefördert und über ein
Gasreinigungssystem an die Gasmotoren weitergeleitet, mit denen dann permanent Strom
produziert wird. Bereits Ende 2009 wird die Stromproduktion die Kapazität von drei Megawatt
erreichen. Nach dem weiteren Ausbau wird diese auf sieben Megawatt steigen. Damit können
rund 10.000 Haushalte in Weißrussland versorgt werden.
Klaus Bath, Vorstandsvorsitzender der TelDaFax Holding AG: "Wir freuen uns darüber, dass
TelDaFax nun einen bedeutenden Schritt in seiner Unternehmensgeschichte macht, in dem es zu
einem Ökostromerzeuger wird. Zudem sind wir Stolz, dass das Projekt für Weißrussland eine
große umweltpolitische Bedeutung hat, denn die CO2- Einsparungen, die alleine in der Anlage in
Minsk erreicht werden, belaufen sich etwa auf insgesamt 70.000 Tonnen CO2." Damit erreicht
das Land bedeutende Einsparungen und kann gemeinsam mit TelDaFax Kyoto-CO2-Zertifikate
vermarkten.
Für die Dauer der Pachtzeit werden etwa 10 Arbeitsplätze geschaffen. Auf dem Deponiegelände
entsteht nicht nur ein Bürogebäude für die Angestellten von TelDaFax in Minsk, sondern auch
ein Showroom mit der Visualisierung aller technischen Prozesse für Besucher aus der ganzen
Welt, insbesondere für Schulklassen, die sich das Projekt ansehen und sich direkt vor Ort darüber
                                                                                          Seite 60


informieren können.
Neben dem Projekt in Minsk will TelDaFax noch etwa vier weitere Deponie-gas-
Verwertungsanlagen in Weißrussland bauen. Nach der Inbetriebnahme der vier Standorte soll die
Gesamtkapazität der Deponieentgasungskraftwerke zirka 18 Megawatt pro Stunde erreichen,
womit TelDaFax zum größten Ökosstromproduzenten in den GUS-Ländern wird.



Weißrussland: Minsk blickt ein wenig in den Westen
                                                                 wirtschaftsblatt.at, 09.07.2008
Weißrussland will seine Raffinerien moderisieren und klopft bei österreichischen Banken um
Geld an – ein Zeichen der Öffnung gegenüber dem Westen, so WIIW-Experten.
Weißrussland ist nach Russland und Kasachstan das drittreichste Land unter den GUS-Staaten.
Dennoch klopfen die Weißrussen jetzt in Österreich an, um Geld für die Modernisierung zweier
Raffinerien – Naftan und Mozyr Oil Refinery – zu erhalten, hört das WirtschaftsBlatt aus gut
informierten Kreisen. „Wahrscheinlich könnten die Weißrussen das selber zahlen“, sagt Vasily
Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). „Aber für mich ist
das ein Zeichen: Weißrussland öffnet sich dem Westen gegenüber.“
Diese Öffnung ist seit einiger Zeit zu beobachten, so Astrov. Und bezieht sich auf eine gewisse
„Wegbewegung“ des Landes von Russland. Beide sind stark verflochten. Sogar von kompletter
„Vereinigung“ war bis vor kurzem immer wieder die Rede, erzählt Astrov. Doch der
weißrussische Staatspräsident Alexander Lukaschenko erkennt: Geschieht das wirklich, verliert
er seine Macht. Ergo: Eine gewisse Öffnung dem Westen gegenüber.
„Jetzt ist es spannend, was das wirtschaftlich für Weißrussland bedeutet“, so Astrow. Denn dass
die weißrussische Industrie so gut läuft – Wirtschaftswachstum von neun bis zehn Prozent –, ist
auf die starke Verflechtung mit Russland zurückzuführen. „Vor allem mittelklassige
Konsumgüter konnte Weißrussland dorthin exportieren“, so Astrov. Doch langsam setzt sich in
Russland die höhere Qualität durch.
US-Watchlist
Und: „Weißrussland profitierte seit Jänner 2007 nicht mehr von günstigem Öl aus Russland. Die
daraus gewonnenen Ölprodukte konnte Weißrussland auch in den Westen verkaufen, zu
Westpreisen. Die weißrussischen Raffinerien waren so unheimlich profitabel“, so Astrov.
Naftan und Mozyr brauchen jeweils 400 Millionen €, um zu modernisieren. Dann erzeugen sie
besseres Benzin, das sie nach Russland liefern können. Die qualitativ besseren Motoren dort
brauchen höherwertiges Benzin. Nächster Knackpunkt: Nur US-amerikanische Unternehmen,
genauer Conoco-Philips und Foster-Williams, haben die Technologie, um zu modernisieren. Aber
es gibt eine Watchlist in den USA, die eine Zusammenarbeit mit Weißrussland verbietet.
Dennoch gibt es Hoffnung für die beiden weißrussischen Raffinerien, die zueinander in
Konkurrenz stehen: Über westliche Unternehmen sollen die Weißrussen an die US-Technologie
herankommen, hört das WirtschaftsBlatt aus gut informierten Kreisen.


OMV-Wirtschaftsforum: Partner mit Perspektiven
                                                         Ost-West Kontakt, Special, 04.07.2008
Der Vorsitzende der Oberen Kammer des belarussischen Parlaments Gennadij Nowitzkij sprach
im Rahmen des OMV-Wirtschaftsforums in Hamburg am 30. Mai vom großen Interesse an einer
intensiveren Zusammenarbeit mit Deutschland. Schon jetzt sei Deutschland nach Russland
zweitstärkster Handelspartner.
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Der bilaterale Außenhandelsumfang habe sich von 2002 bis 2007 verdreifacht und betrage
insgesamt 3,2 Milliarden US-Dollar. Das Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft. Die erhöhten
Energiepreise hätten die belarussische Wirtschaft zu einer Reform gedrängt. So sei im letzten
Jahr das BIP um nahezu zehn Prozent gestiegen. Belarus plane den Bau eines eigenen
Kernkraftwerks in Zusammenarbeit mit den Firmen Siemens und Areva. Im Fokus der Regierung
stünde auch die Entwicklung des Agrarindustriellen Komplexes. Das Parlament sei intensiv an
der Verbesserung der Investitions- und Steuergesetzgebung des Landes beteiligt.
Der deutsch-belarussische Außenhandel belief sich 2007 auf lediglich zwei Milliarden Euro.
Gemessen am Volumen anderer Staaten der Region habe er sein Potenzial noch längst nicht
ausgeschöpft, erläuterte die GUS-Projektmanagerin des Ost- und Mitteleuropa Vereins (OMV),
Katrin Morosow, im Gespräch mit Dow Jones. Zum Vergleich: Der deutsche Außenhandel mit
der Ukraine belief sich im vergangenen Jahr auf mehr als sieben Milliarden Euro. Nachdem
Anfang 2007 die belarussischen Importpreise für Energieträger aus Russland erstmals in die
Höhe geschossen waren, bemüht sich die Regierung in Minsk merklich, die Effizienz der
Wirtschaft zu steigern und Investitionsbarrieren abzubauen. Die sechs Sonderwirtschaftszonen im
Land bieten zusätzliche steuerliche Anreize, die jetzt auch auf Ortschaften bis 50.000 Einwohner
ausgeweitet würden, um die Regionen zu stärken.
Morosow zufolge hielt sich am 30. Mai eine Unternehmerdelegation aus dem Minsker Gebiet in
Hamburg auf, der Firmen aus den Bereichen Konsumgüter, Informationstechnologie, Transport
und Logistik, Textil und Bekleidung, Maschinen und Anlagen sowie Automotive angehörten.
Gute Qualifikation der Beschäftigten
Auf dem vom OMV in der Handelskammer Hamburg organisierten Wirtschaftstag Belarus
nutzten diese Betriebe die Möglichkeit, ihr Leistungsspektrum potenziellen deutschen
Kooperationspartnern vorzustellen. So sei die in Witebsk ansässige Pilot GmbH auf den Handel
mit Computern und Zubehör spezialisiert. Die Firma könne Computerteile, Monitore, Drucker
oder Notebooks nach Deutschland liefern. Pilot unterhält in Belarus ein Servicezentrum für
Bürotechnik. Die Minsker Transportgesellschaft Westtransline biete Tür-zu-Tür-Beförderungen
von Einzel- und Sammelladungen an. Das 250 Mitarbeiter zählende Unternehmen verfüge über
einen Fuhrpark mit 100 Planenwagen der Marken Volvo und Scania mit russischer und
belarussischer Zulassung.
Insbesondere in den letzten beiden Jahren hätte es investorenfreundliche Regelungen gegeben,
die sich auch zügig umsetzen ließen. So erwarb die Langheinrich Weberei Ausrüstung GmbH aus
Schlitz bei Fulda im Brester Gebiet eine Fabrik, die heute mit ca. 100 Beschäftigten Bettwäsche
für Fünf-Sterne-Hotels weltweit produziert. Der Geschäftsführer Burkhard Oel lobt in seinen
Ausführungen insbesondere die gute Qualifikation der Mitarbeiter und die Zuverlässigkeit der
Partner vor Ort und signalisierte, dass die Produktion in nächster Zeit aufgestockt wird.
Thomas Knoll-Biermann, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Arzinger & Partner, riet
investitionsbereiten Unternehmern, zur Kontaktanbahnung mit belarussischen Partnern zunächst
eine Repräsentanz vor Ort zu gründen. Bei Exporten nach Belarus sei Vorkasse üblich. Allerdings
müsse die geltende 60-Tage-Frist beachtet werden. Eine Zahlungsabsicherung sei über die Euler
Hermes Kreditversicherung möglich.
Die belarussische Regierung unternehme derzeit große Anstrengungen, ausländische Investoren
für Geschäftsanbahnungen in den Freien Wirtschaftszonen des Landes zu gewinnen. In diesen
Regionen herrsche ein besonderes Zoll- und Steuerregime. So betrage die Gewinnsteuer nur
zwölf Prozent statt der sonst üblichen 24 Prozent. Ausländische Firmen, die sich in einer
Sonderwirtschaftszone engagieren, werden für die ersten fünf Jahre komplett von der
Steuerzahlung befreit.
Der Im- und Export sei zollfrei, so lange die Unternehmen nicht für den belarussischen Markt
produzierten. Knoll-Biermann verwies auf Einschränkungen bei der Preisgestaltung sowie eine
„hohe Regulierungsdichte im Arbeitsrecht“.
                                                                                            Seite 62


Wera Siratschewa, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handels- und Industriekammer
Belarus erklärte, dass momentan 360 Firmen mit deutschem Kapital im Land registriert sind,
darunter BASF, Bayer, Siemens und Lufthansa. Zur Schaffung eines großen einheitlichen
Binnenmarktes wollen Belarus, Russland und Kasachstan bis 2010 eine gemeinsame Zollunion
gründen. Etliche Verträge auf dem Weg seien schon ratifiziert.
Spitzenreiter auf dem Papier Belarus meldet weiterhin hohe Wachstumsraten
Auf dem Papier hat die belarussische Wirtschaft in den vergangenen Jahren ein rasantes
Wachstum absolviert, das zuletzt nur moderat an Dynamik einbüßte. Zentrale Wachstumsimpulse
kommen von der florierenden Konjunktur und Importnachfrage des dominanten russischen
Nachbarn. Steigenda Energiepreise schüren jedoch die Inflation und reißen Löcher in die
Leistungsbilanz.
Auf dem Papier hat die belarussische Wirtschaft in den vergangenen Jahren ein rasantes
Wachstum absolviert, das zuletzt nur moderat an Dynamik einbüßte. Das Wachstum von real 8,2
Prozent im Jahr 2007 konnte aber nicht mit dem BIP-Wachstun von 9,9 Prozent im Jahr 2006
mithalten.
Dennoch: Mit diesem Ergebnis zählt Minsk innerhalb der osteuropäischen Konkurrenz weiter zur
Spitzengruppe. Zentrale Wachstumsimpulse kommen von der florierenden Konjunktur und
Importnachfrage des dominanten russischen Nachbarn, so dass die gesamten belarussischen
Exporte 2007 nominal um 25 Prozent ausgeweitet wurden. Etwa 50 Prozent der Warenausfuhren
entfallen auf Energieträger und die Petrochemie, die in hohem Maß von den subventionierten
Gaspreisen profitieren.
Nach Presseberichten hat die russische Gazprom die Gaspreise zum Jahresbeginn von vormals 47
US-Dollar auf 100 US-Dollar und zum zweiten Quartal 2008 auf nun 128 US-Dollar pro 1.000
Kubikmeter verteuert. Dieser rapide Preisanstieg impliziert zwar spürbare Veränderungen und
erfordert weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. Er liegt jedoch unter dem
von der Ukraine zu entrichtenden Gaspreis. Westeuropa muss sogar einen ungefähr doppelt so
hohen Preis begleichen.
Binnenwirtschaft floriert – laut offiziellen Zahlen
Binnenwirtschaftlich generierten der private Verbrauch und die Investitionen mit
Steigerungsraten von real 13 Prozent respektive 15 Prozent die kräftigsten Zuwächse. Während
der private Konsum - wegen der anhaltend expansiven Lohnsteigerungen (2007: nominal 19
Prozent) mit zusätzlicher Kaufkraft ausgestattet - das Vorjahreswachstum exakt wiederholte,
verbuchten die Investitionen ein gegenüber dem Vorjahr halbiertes Wachstum. Minsk gehört zu
den weltgrößten Traktorenherstellern, so dass die Industrie ein entscheidender Impulsgeber
bleibt. Nach einem Produktionsplus von 8,5 Prozent im letzten Jahr war nach lokalen Angaben
im ersten Quartal 2008 sogar ein wieder anziehender Industrieoutput von 13,6 Prozent zu
verzeichnen, so dass das BIP in dieser Zeitspanne um 10,5 Prozent gestiegen sein soll. Somit
wird 2008 ein Wirtschaftswachstum von neun Prozent erwartet.
Der private Sektor spielt weiter die Rolle des Mauerblümchens, weil die industrielle Fertigung
sich überwiegend in staatlicher Hand befindet. Mit der anhaltenden Finanzierung maroder
Staatsunternehmen werden ineffiziente Strukturen am Leben erhalten. Kritiker des
Wirtschaftsmodells Lukaschenkos verweisen insofern zu Recht auf die Windfall-Profits
angesichts der kräftig subventionierten russischen Energieimportpreise, ohne die das
Konjunkturwunder kaum möglich gewesen wäre.
Energieschulden auf neuer Höhe
Der pulsierende Konsum sowie die erhöhten Rohstoffpreise haben der Teuerung einen weiteren
Auftrieb verliehen. Nach einer Inflationsrate von 8,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2007 liegt sie
seit Ende 2007 deutlich im zweistelligen Bereich, so dass für 2008 ein Preisanstieg von zwölf
Prozent prognostiziert wird. Der Gaspreisanstieg verkürzt jedoch die Liquidität der Regierung
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und des Energiesektors, die Energieschulden gegenüber Russland dürften weiter steigen. So soll
Moskau dem Land – nach einem Stabilisierungskredit von 1,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007
– auch 2008 mit zwei Milliarden US-Dollar auf die Sprünge helfen. Zudem lindern
unterstützende Leistungen aus China und von Hugo Chávez aus Venezuela die Lage.
Ausländische Investitionen verfünffacht
Die bereits 2006 erkennbare außenwirtschaftliche Schieflage hat sich infolge der neuen
außenwirtschaftlichen Konstellation von 2007 weiter verstärkt. Nach einem fast verdoppelten
Leistungsbilanzdefizit 2007 sollte 2008 ein nochmals ausgeweiteter Fehlbetrag von ungefähr vier
Milliarden US-Dollar registriert werden. Trotz des nicht unbedingt sonnig zu nennenden
Investitionsklimas, das weiterhin unter mangelnder Rechtssicherheit, einer hohen staatlichen
Regulierung, einem komplizierten Steuersystem sowie ausgeprägter Willkür und Korruption
leidet, verfünffachten sich die ausländischen Direktinvestitionen 2007 auf 1,8 Milliarden US-
Dollar.
Ausblick
Was wäre Belarus ohne seinen Nachbarn Russland? Ein kaum wettbewerbsfähiger Industriestaat
mit wenig Perspektive, könnte eine Antwort lauten. Hingegen kann sich Belarus mit Moskau im
Rücken gegenwärtig vergleichsweise gut behaupten. Das liegt zum einen an den subventionierten
Öl-      und      Gasimporten       sowie     den        Milliardenkrediten      aus      Moskau.
Zudem partizipiert Minsk an der dynamischen Konjunktur im Land des russischen Bären, die den
Absatz belarussischer Exportprodukte nach Moskau, dem mit Abstand wichtigsten
Handelspartner, garantiert. Insofern ist es wenig erstaunlich, dass Belarus auch 2007 das
künstliche Wachstumshoch fortsetzen konnte. An den aktuellen makroökonomischen Eckwerten
sind jedoch die gravierenden Strukturmängel einer reformarmen, unterkapitalisierten und von der
öffentlichen Hand dominierten Wirtschaft wenig abzulesen. Demzufolge steht der Lackmustest
für Belarus für den Fall bevor, wenn Russland als der alles stabilisierende Anker ausfallen würde.
Erste Auswirkungen der zwar verteuerten, im Vergleich zum aktuellen Weltmarktniveau aber
weiter ausgesprochen günstigen Energiepreise sind im reduzierten Wachstumstempo sowie einer
beschleunigten Inflation zu erkennen. 2007 hat sich überdies die Auslandsverschuldung nahezu
verdoppelt.


Zwischen starkem Staat und schwierigem Steuersystem. Rechtliche und
steuerliche Rahmenbedingungen in Belarus weiterhin problematisch
                                                Ost-West Contact, 07.07.2008, von Alexej Moros
 Die gute geografische Lage zwischen Russland und der EU, niedrige Lohnkosten und Preise
sowie eine relativ gut entwickelte Infrastruktur machen Belarus mit seinen knapp zehn Millionen
Einwohnern für ausländische Unternehmen interessant. Der Staat nimmt allerdings nach wie vor
großen Einfluss auf die Wirtschaft.
Die ausländischen Direktinvestitionen in Belarus sind 2007 weiterhin gestiegen. Trotz weiterhin
nicht einfacher wirtschaftlicher und administrativer Rahmenbedingungen sind derzeit knapp 400
deutsche Unternehmen in Belarus tätig, Tendenz steigend. Deutschland liegt unter den
ausländischen Investoren derzeit auf dem dritten Platz.
Ausländische Investitionen werden in Belarus durch das Investitionsgesetz von 2001 geschützt.
Danach haben ausländische Unternehmen dieselben Rechte wie belarussische
(„Inländergleichbehandlung“). Enteignungen sind nur unter engen Voraussetzungen möglich,
Entschädigungszahlungen sind zwingend – allerdings kommen Enteignungen ausländischer
Unternehmen praktisch nicht vor. Das Investitionsgesetz bestimmt auch, dass ein ungehinderter
Gewinntransfer ins Ausland möglich ist. Dies ist in der Praxis in der Tat so - jedoch findet immer
auch das zwingende Devisenrecht Anwendung, das teilweise technische Beschränkungen
aufstellt.
                                                                                            Seite 64


Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Belarus gilt das Doppelbesteuerungsabkommen
vom 30. September 2005, das seit 31. Dezember 2006 in Kraft ist. Mit Deutschland besteht ein
Investitionsfördervertrag, der deutsche Unternehmen besonders schützt. Wie belarussische
Unternehmen haben auch ausländische das Recht, sich in Sonderwirtschaftszonen oder „High-
Tech-Parks“ niederzulassen. Ansässige dieser Sonderwirtschaftszonen genießen gewisse
Steuervergünstigungen. Der Erwerb von Grund und Boden durch Ausländer ist in Belarus nach
wie vor nicht möglich.
Staat mit starker Kontrolle über Wirtschaft
Der belarussische Staat übt eine vergleichbar starke Kontrolle über unternehmerische Tätigkeiten
aus – und nimmt selbst über Staatsbetriebe am Wirtschaftleben teil. Insbesondere im
Steuerbereich stehen den Behörden weitgehende Rechte zu, während die Rechte der Steuerzahler
unterentwickelt sind. Die Rechtsschutzmöglichkeiten entsprechen nicht denen eines modernen
Rechtsstaates. Dies ist insbesondere insofern misslich, als Behördenentscheidungen teils
fehlerhaft und willkürlich erfolgen und die Eingriffsverwaltung stark ausgeprägt ist. Andererseits
ist der belarussische Staat häufig ein interessanter Auftraggeber für ausländische Unternehmen.
Bei der Vergabe durch die öffentliche Hand ist das belarussische Vergaberecht einzuhalten, das
unter anderem einige Besonderheiten für die Forderungsbesicherung vorsieht.
GmbH ist häufigste Gesellschaftsform
Nach belarussischem Recht haben sich ausländische juristische Personen bei den Steuerbehörden
zu registrieren, falls sie in Belarus tätig sind. Die Anmeldepflicht besteht für ausländische
Unternehmen, die mehr als 30 Tage am Stück oder über das Kalenderjahr über Unterabteilungen
kommerziellen Tätigkeiten in Belarus nachgehen (z.B. bei Montagetätigkeiten) oder über einen
bevollmächtigten Vertreter tätig werden. Die Registrierungspflicht besteht auch für ausländische
Unternehmen, die über ein Bankkonto bei einer belarussischen Bank verfügen oder bewegliches
oder unbewegliches Vermögen in Belarus besitzen, das eine Steuerpflicht auslöst.
Ausländische Unternehmen können in Belarus über Repräsentanzen, Filialen oder juristische
Personen tätig werden. Repräsentanzen sind in der Regel nicht-kommerziell und üben reine
Hilfstätigkeiten für das Stammhaus aus. Sie können besteuert werden, wenn sie über diesen
Rahmen hinaus tätig werden. Filialen kommen in der Praxis nicht vor.
Die drei am häufigsten vorkommenden Rechtsformen sind Gesellschaften mit beschränkter
Haftung, Aktiengesellschaften und sog. „Einheitsunternehmen“. Ausländische Investoren dürfen
durch alle Organisationsformen tätig werden, es gelten aber im Gesellschaftsrecht teilweise
Sonderregelungen für „Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung“ – dies sind nach
belarussischem Recht Gesellschaften, deren Stammkapital zu mindestens 20.000 US-Dollar aus
ausländischem Kapital besteht.
Schwieriges Steuersystem noch nicht umfassend reformiert
Das belarussische Steuersystem ist nach wie vor schwierig und vor allem in der praktischen
Anwendung für Unternehmen häufig problematisch. Grundlage des Steuersystems ist der erste
Teil des Steuergesetzbuches, der am 1. Januar 2004 in Kraft trat. Allerdings ist das neue
Steuergesetzbuch kein Reformwerk, sondern eher eine redaktionelle Zusammenfassung bisher
bestehender Steuergesetze.
Das Steuergesetzbuch regelt die Grundlagen des Steuersystems, die verschiedenen Steuerarten,
Rechte und Pflichten der Steuerzahler sowie allgemeine Definitionen und Verfahren. Der zweite
Teil des Steuergesetzbuches befindet sich schon lange in der Ausarbeitung, wann aber mit seinem
Inkrafttreten gerechnet werden kann, lässt sich noch nicht abschätzen.
In Belarus gibt es nationale sowie lokale Steuern und Abgaben. Im Steuergesetzbuch sind
verschiedene spezielle Steuerverfahren geregelt. Hierzu zählen u.a. das „vereinfachte
Besteuerungssystem“, die Besteuerung in Sonderwirtschaftszonen, die Glücksspielbesteuerung
und Lotteriesteuer, die einheitliche Steuer für Landwirtschaftsunternehmen sowie die einheitliche
                                                                                         Seite 65


Steuer für Einzelunternehmer. Nach dem Steuergesetzbuch zählen unter anderem Unternehmen
und Organisationen sowie natürliche Personen zu den Steuer- und Abgabenpflichtigen.
Der Autor. Alexej Moros ist Rechtsanwalt bei Rödl & Partner, Niederlassung Belarus.


Mehr Geld für Union zwischen Belarus und Russland
                                                                   Deutsche Welle, 03.07.2008
Der Etat des russisch-belarussischen Unionsstaates für das Jahr 2009 wird um mindestens 25
Prozent erhöht. Experten erwarten davon keine konkreten Erfolge. Denn das Geld diene vor allem
der Versorgung von Beamten.
Wie der russische Premierminister Wladimir Putin nach Abschluss der Sitzung des Ministerrates
des russisch-belarussischen Unionsstaates in Moskau erklärte, sollen mit der Erhöhung des
Unions-Etats vor allem Kooperations-Programme zwischen beiden Ländern weiterentwickelt
werden. Der belarussische Regierungschef Sergej Sidorskij unterstrich, die Premierminister
beider Staaten hätten den Auftrag erteilt, den nächsten Haushalt des Unionsstaates im Vergleich
zum Jahr 2008 um mindestens 25 Prozent aufzustocken, um die Programme mit konkreten
Inhalten zu füllen. Der Etat der russisch-belarussischen Union soll im kommenden Jahr 4,6
Milliarden russische Rubel (ca. 195 Millionen Dollar) betragen, von denen etwas mehr als ein
Drittel von Belarus beigesteuert werden muss.
"Unvernünftige" Ausgaben
Allerdings sehen unabhängige Experten die Erhöhung des Etats mit Skepsis. Der
Politikwissenschaftler Andrej Fedorow betonte, einige frühere vom Ministerrat der Union
geförderte Programme hätten keinen sichtbaren Erfolg gezeigt. Deswegen geht Fedorow nicht
davon aus, dass die neuen Finanzmittel effektiver ausgegeben werden.
"Man muss sich vor Augen führen, dass aus dem Haushalt der gesamte Apparat, die Bürokratie
des Unionsstaates, die Beamten mit Pawel Borodin an der Spitze, finanziert werden, aber auch
gewisse Medienprojekte", so Fedorow. Er fügte hinzu: "Darauf hatte seinerzeit auch der Chef der
Rechnungskammer, Stepaschin, aufmerksam gemacht, weil die Gelder sehr unvernünftig
ausgegeben wurden."
Nach Ansicht des Politologen trägt der Unions-Etat dazu bei, dass gewisse Produzenten in
Russland und Belarus im Geschäft bleiben können. "Insgesamt sind aber keine ernsthaften
Erfolge der Unions-Programme zu erkennen", so Fedorow. Der Experte erwartete auch in
Zukunft keine.
Nur "Kleingeld"?
Dem Leiter des Mises-Forschungszentrums, Jaroslaw Romantschuk, zufolge sind mit dem
Umfang des Unions-Etats keine grandiosen Ziele zu erreichen. "Auch wenn er 150 Millionen
Dollar betragen würde, wäre dies im Vergleich zum belarussischen Staatshaushalt, der 24
Milliarden Dollar erreicht, Kleingeld,", so Romantschuk. Der Experte sagte, von einem
wirklichen Nutzen könne keine Rede sein.
Romantschuk meint ferner, der Unions-Etat diene vor allem der Unions-Symbolik und versorge
außerdem die Beamten dieses "symbolischen Staates": "Sie selbst erstellen den Haushalt und
erhöhen diesen für sich selbst um 25 Prozent." Deswegen erwartet der Leiter des Mises-
Forschungszentrums auch nach der Erhöhung der Finanzmittel keine intensivere Entwicklung des
Unionsstaates.
                                                                                            Seite 66


Weißrussland fordert weiteren Rabatt auf Gaspreis
                                                                    Russland Aktuell, 01.07.2008
Minsk. Zwischen Russland und Weißrussland droht ein neuer Konflikt ums Gas. Minsk will trotz
gültigen Vertrags mit Gazprom weitere Rabatte durchsetzen. "Wir zahlen derzeit den Preis des
ersten Quartals, d.h. 119 USD pro 1.000 Kubikmeter", erklärte ein Sprecher der weißrussischen
Regierung. Die im Vertrag festgeschriebene vierteljährliche Preiserhöhung für Gaslieferungen
will Minsk nicht zahlen. Als Begründung macht Weißrussland fehlende Vereinbarungen für den
Transit geltend. "Bevor die Frage nach einer Preiserhöhung für Gas gestellt werden kann, muss
eine Transitvereinbarung unterzeichnet werden", sagte der Sprecher.
Weißrussland will mit Hilfe der Transitverhandlungen Druck auf den Lieferanten Gazprom
(Gasprom) ausüben. Russisches Gas fließt u.a. durch weißrussische Pipelines in Richtung Europa.
Schon einmal war Europa durch den Gasstreit zwischen den zwei slawischen Bruderstaaten in
Mitleidenschaft gezogen worden. Zum Neujahr stritten sich beide Parteien heftig über den
Gaspreis.
Weil Weißrussland in diesem Streit nachgeben musste, führte Präsident Lukaschenko schnell eine
Öltransit-Gebühr ein und Minsk zapfte die Pipelines nach Westen an. Transneft stellte daraufhin
kurzerhand den Hahn ab und legte damit auch Europa trocken.


Venezuela to lend $500 million to Belarus
                                                                 Belarusskie Novosti, 27.06.2008
Venezuela is to issue a $500-million loan to Belarus, Venezuelan Ambassador Americo Diaz
Nunez said at a news conference in Minsk on Friday.The ambassador said that all required
documents were being drawn up. As for a fund that the two countries intend to set up to fund
joint projects, Mr. Nunez said that it was "operating." He said that a package of projects to be
funded from the fund had already been prepared, citing the construction of housing in Venezuela
among major projects. "This project envisages a very big amount of investment," he said. "A
project to redevelop the central district of Caracas will demand several billions dollars alone."
The fund is to total $500 million with the entire sum to be contributed by Venezuela. "This will
be a renewable fund," the ambassador said, adding that it would accumulate more money.


Government projecting GDP to grow by 10 to 12 percent in 2009
                                                                 Belarusskie Novosti, 27.06.2008
Belarus' GDP is projected to grow by between 10 and 12 percent in 2009, the first deputy prime
minister, Uladzimir Syamashka, said at a joint meeting of the lower and upper chambers of the
National Assembly on Friday. He said that the target was set in the government's economic
forecast for the next year. Mr. Syamashka said that the projected GDP growth would be achieved
thanks to an increase in industrial output, the growth of construction and trade.
Industrial growth is projected at between 10.5 and 12.5 percent. Fixed capital expenditures are to
go up by 23 to 25 percent compared with 2008, while the population's real income is to increase
by 14 to 15 percent. The vice premier said that the tax burden would decrease by 1.2 percentage
points of GDP, which would make additional 1,400 billion rubels available for the "development
of economy."
                                                                                               Seite 67


Borodin: Russia and Belarus can introduce common currency this year
                                                                              charter97, 27.06.2008
State Secretary of the so called Russia-Belarus “union state” Pavel Borodin thinks the
governments of the two countries can introduce a common currency this year. “I think we finally
introduce a common currency on the territory of Russia and Belarus,” Borodin said at a session of
the Council of Ministers of the “union state”. “Concerning the final integration of the two states, I
can say there is a will of the governments of the both sides, but much depends on the presidents,”
Borodin said.


Belarusian authorities didn’t pay for Russian gas
                                                                              charter97, 27.06.2008
Belarus doesn’t fulfil its obligations upon payment for Russian gas. “Vedomosti” newspaper
reports it with a reference to a source in the government and Gazprom.
In the second quarter of 2008 the Belarusian party paid for gas for the first quarter, while
according to the contract of 31 December 2007 gas prices for Belarus depend on the European
prices and amounted to USD 119 in the first quarter of 2008, and USD 128 per 1,000 cubic
meters in the second one. Belarus pays 9 dollars less for 1,000 cubic meter since April, Gazprom
and Russian officials believe. Belarus purchases from Russia about 20 bln cubic meters of gas per
year. Thus, debt for a quarter can amount to USD 45 mln.
Minister of Economy of Belarus Mikalai Zaichanka said Minsk had resumed talks with Russia on
gas prices. According to him, if prices exceed USD 140 per 1,000 cubic meters by the end of
2008, it will have negative impact on the national economy and will cause budget deficit in
Belarus. Russia’s ambassador to Belarus Aleksandr Surikov said on 9 June gas prices could
amount to USD 200 in 2009.
Russian and Belarusian prime ministers Vladimir Putin and Syarhei Sidorski can discuss any
issues, including this one, on the today’s bilateral negotiations, Sidorski’s spokesman Alyaksandr
Tsimashenka told to “Vedomosti”.
The issue on gas prices for Belarus is already settled and nothing can be discussed there, a
governmental official told to “Vedomosti”.


Russia, Belarus to set main budget parameters for 2009
                                                                           ITAR TASS, 27.06.2008
The Russian-Belarussian Council of Ministers at its meeting on Friday will consider main
parameters of the United State's budget for 2009, a Russian government source told Itar-Tass.
The meeting will focus on two main themes -- budget and financial issues and programmes of the
United State, the source said. Russian and Belarussian ministers will consider the implementation
of the 2007 budget, make additions to the 2008 budget and set main budget parameters for 2009.
It must be approved, and work on the budget itself will start.
The budget will approximately amount to 4.615 billion roubles. Russia will provide about three
billion and Belarus about 1.6 billion roubles. It is a real budget, but not an estimate to support
state structures, the source noted.
In 2007, the United State's budget amounted to 3.782 billion roubles. The budget increased.
However, there is no task to increase state spending. The main thing is that everything must be
effective, the official said, admitting that not all the funds are used. Programmes are approved,
                                                                                              Seite 68


but every year about 0.5 billion roubles are returned to national budgets. There is such a problem
in Russia and in the United State. It is what will be discussed, that it is necessary to fulfill the
budget more effectively, and the budget discipline must be tightened.
Ministers will discuss a conception for the United State's development and a number of specific
programmes. Under discussion will be also ensuring of equal rights for Russians in Belarus and
Belarussians in Russia. The Belarussian side usually raises the issue, and now the Russian side
wants to discuss it. Russia is concerned over the information that Russian citizens have to pay for
the use of a number of roads, while Belarussians do not pay for it. Besides, Russian citizens have
no right to own land in Belarus as private property, according to the source.
The Council of Ministers will discuss united transport system functioning, border infrastructure
development and preparation of a new programme for scientific and technical cooperation in the
area of high technologies. It will be the first meeting with Vladimir Putin as Prime Minister
heading the Russian side. Putin is president of the United State's Council of Ministers.
Belarussian President heads the Supreme State Council. The meetings were held regularly
without fail in recent years, the source noted with satisfaction. As planned, the meetings are held
once in a quarter, he said, noting that there is no such association with any other state.
                                                                                           Seite 69



                               KULTUR / BILDUNG

Weißrussland: Geldstrafe für Bibellesen
                                                                             idea.de, 25.07.2008
In Weißrussland muss ein Christ eine Geldstrafe von 75 Euro zahlen, weil er mit Freunden die
Bibel gelesen hat.
Valentin Borovik habe versucht, eine Bibel-Diskussionsgruppe zu organisieren und sei dafür von
einem      Bezirksgericht   in   Grodno     bestraft    worden,      berichtet   die   britische
Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity Worldwide (Christliche Solidarität
Weltweit/CSW) in London. Die Richter hätten Borovik für schuldig befunden, gegen das Gesetz
für Gewissensfreiheit und Religion verstoßen zu haben. Er habe die Voraussetzungen nicht
erfüllt, um eine Gemeinde zu gründen und staatlich zu registrieren. Borovik hingegen erklärte, es
sei ihm gar nicht darum gegangen, eine Gemeinde zu gründen. Er habe lediglich in informellem
Rahmen mit Freunden die Bibel lesen und religiöse Fragen diskutieren wollen – ein Recht, das
ihm die Verfassung einräume. Bereits Mitte März und Ende April war Borovik wegen desselben
Vergehens von einem lokalen Gericht in der Provinzstadt Mostu verurteilt worden. Daraufhin zog
das Bezirksgericht Grodno als höhere Instanz den Fall an sich. Laut CSW-Generalsekretär
Mervin Thomas hat Borovik nichts anderes gewollt, als mit Freunden über seinen Glauben zu
sprechen: „Dieses Recht halten die meisten von uns in Westeuropa für selbstverständlich. Es ist
grotesk, dass diese Art von Menschenrechtsverletzungen immer noch in Europa vorkommt.“
Weißrussland ist überwiegend atheistisch geprägt. 60 Prozent der 9,8 Millionen Einwohner
gehören der russisch-orthodoxen Kirche an, acht Prozent sind katholisch. Daneben gibt es
evangelische, jüdische und muslimische Minderheiten.


Mit 2,6 Promille an der Pfeife
                                                                           sport1.de, 11.07.2008
Nach Spielende eines Erstliga-Spiels wurde bei einem Schiedsrichter in Weißrussland ein
Alkoholtest durchgeführt. Das Ergenis war alles andere als ernüchternd: 2,6 Promille. Dem Fifa-
Referee wurde von beiden Teams eine starke Leistung bestätigt. Erst nach dem Spiel fiel Sergej
Schmolik durch eine schiefe Körperhaltung und Torkeln auf. Der "Schiedsrichter des Jahres"
2005 fand den Weg in die Kabine nicht. Zunächst begründete er sein seltsames Verhalten mit
einem alten Rückenleiden - der Alkoholtest strafte ihn Lügen. Der Verband ermittelt.


Vatikan/Weißrussland: Bertone, volle Kraft voran
                                                                      Radio Vatikan, 03.07.2008
Zwischen Weißrussland und dem Heiligen Stuhl bahnen sich vielversprechende und positive
Beziehungen an. Dieses Resümee zieht Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone nach einer
Pastoralvisite in die frühere Sowjetrepublik. In der Hauptstadt Minsk hatte Bertone mit dem
Präsidenten Alexander Lukaschenko, dem Außenminister und dem für Religion zuständigen
Staatssekretär Gespräche geführt. „Die Treffen waren sehr positiv, und wir haben konkrete
Resultate erzielt: Es besteht die Aussicht auf ein Grundlagen-Übereinkommen mit Weißrussland,
das beide Seiten natürlich gründlich prüfen müssen. Wir haben auch gute Erfolge zu verzeichnen,
was etwa die Möglichkeit betrifft für den Bau neuer Kirchen, eines neuen Sitzes für die
Apostolische Nuntiatur und eines neuen Bischofssitzes in Minsk. Es ging auch um die
Anerkennung von Studienabschlüssen katholischer Institute. Der Präsident hat richtiggehend
dazu ermutigt, höhere Bildungseinrichtungen zu gründen. Ich denke wirklich, dass wir in
                                                                                           Seite 70


Weißrussland, so wie übrigens in den anderen Ländern Osteuropas auch, neue Wege eröffnet
haben,           die        bis         vor         kurzem          undenkbar          schienen.“
Die Diplomatie des Heiligen Stuhles, so Bertone weiter, schreite „mit zwei Flügeln“ voran. Das
eine sei das pastorale Engagement, denn die päpstlichen Repräsentanten seien per Statut dazu
verpflichtet, die Ortskirchen zu unterstützen. Das andere sei die Intensivierung der Beziehungen
mit den zivilen und nationalen Autoritäten. Er selbst, so Bertone, bemühe sich auf seinen
Pastoralreisen, die vom Papst angeordnet seien, in erster Linie darum, die Bischöfe und die
Diözesen zu besuchen. Lobende Worte fand der Kardinalstaatssekretär für die ökumenischen
Beziehungen sowie jene zwischen den verschiedenen Riten der katholischen Kirche in
Weißrussland. „Ich würde fast sagen, es ist ein Moment geradezu idyllischer Übereinstimmung,
des Respekts und der gegenseitigen Förderung der Initiativen der verschiedenen Kirchen“, so
Bertone wörtlich.


Kardinal Bertone in Belarus
                                                KAS Belarus, von Stephan Malerius, 30.07.2008
Der Besuch von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone in Belarus war die erste hochrangige
Visite eines Vertreters des Heiligen Stuhls im Land. Bei den Gesprächen in Minsk und in den
Regionen ging es auch um ein bilaterales Abkommen zwischen dem Vatikan und Belarus.
Staatspräsident Lukaschenko lud überraschend Papst Benedikt XVI. nach Belarus ein.
Zu Beginn seines offiziellen fünftägigen Staatsbesuches in Belarus wurde Kardinal Bertone am
Flughafen in Minsk mit militärischen Ehren begrüßt. Anschließend besuchte er ein von der
Caritas betriebenes Zentrum für krebskranke Kinder in der Nähe der Hauptstadt. Während seines
Aufenthaltes im Land traf Kardinal Bertone mit Präsident Lukaschenko, Außenminister
Martynow, dem Regierungsbevollmächtigten für religiöse Fragen, Leanid Gulaka, sowie mit dem
Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Belarus, Metropolit Filaret, zusammen. Weiterhin standen
ein Vortrag an der Belarussischen Staatsuniversität sowie eine Messe in der katholischen
Kathedarale der Heiligen Jungfrau Maria in Minsk auf dem Programm. Bertone besuchte auch
Grodno und Pinsk, wo er Mitglieder der nationalen Bischhofskonferenz traf.
Ein wichtiges Gesprächsthema während des Besuches von Kardinal Bertone war ein mögliches
Konkordat zwischen dem Vatikan und der Republik Belarus. Nach Polen wäre Belarus erst der
zweite postkommunistische Staat, der ein Konkordat mit dem Heilgen Stuhl schlösse. Dass es
gerade Belarus sein soll, überrascht, denn das Land ist in Europa weitestgehend isoliert. Belarus
wird seit 1994 von Präsident Lukaschenko autoritär regiert, der die meisten demokratischen
Grundrechte – inklusive Glaubens- und Gewissensfreiheit – außer Kraft gesetzt hat und die
wenigen demokratischen Aktivisten verfolgen lässt. Belarus ist als einziges europäisches Land
nicht Mitglied im Europarat, die diplomatischen Beziehungen zur EU sind angespannt, zwischen
den USA und Belarus schwelt seit Monaten eine ernste diplomatische Krise. Zwar stritt
Lukaschenko gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax strikt ab, dass der Besuch von Bertone
„ein Versuch sei, mit Hilfe der katholischen Kirche das Ansehen von Belarus in Europa zu
verbessern“, doch könnte dies in der Tat der Anfang einer Vermittlerrolle des Vatikans in den
Beziehungen zwischen Belarus und dem Westen sein, die seit Jahren in einer Sackgasse stecken.
Die Einladung zu einem Besuch in Belarus, die Lukaschenko an Papst Benedikt XVI. aussprach,
kam unerwartet. Ein Papstbesuch in Belarus scheint in naher Zukunft undenkbar. Da die
belarussische orthodoxe Kirche zum Moskauer Patriarchat gehört, dürfte Metropolit Filaret einer
solchen Einladung so lange nicht zustimmen, wie Alexej II. der Patriarch von Moskau ist. Dieser
unterstellt der katholischen Kirche immer noch Proselytismus und hatte deshalb bereits Papst
Johannes Paul II. den lang erhofften Besuch in Russland verwehrt. Auch der Vatikan dürfte von
einer Reise Benedikt XVI. nach Belarus ohne Zustimmung des Metropoliten absehen, um die
Spannungen mit der russisch-orthodoxen Kirche nicht noch zu verschärfen.
                                                                                            Seite 71


Gleichwohl ist der Besuch von Bertone in Belarus ein großer Schritt vorwärts, denn das
Verhältnis zwischen Saat und katholischer Kirche im Land war jahrelang schwierig: Noch vor
einigen Monaten schlossen die Behörden wiederholt katholische Kirchen, mehrere Geistliche
wurden zur Ausreise gezwungen. Im Frühjahr verhängte ein Gericht gegen einen katholischen
Priester eine Geldstrafe, weil dieser an einer Demonstration gegen die Regierung teilgenommen
hatte. Das Vorgehen des staatlichen Sicherheitsapparates gegen Seelsorger und Gläubige hat
seinen Grund: Die katholischen und protestantischen Gemeinden vorwiegend in den westlichen
Regionen von Belarus sind gesellschaftlich aktiver als andere Bevölkerungsgruppen und
engagieren sich nicht selten offen für eine demokratische Entwicklung des eigenen Landes. 14 %
der Bevölkerung in Belarus sind Katholiken, etwa 2 % Protestanten.
Zu den Hauptstreitpunkten zwischen Staat und katholischer Kirche gehören nach wie vor die
zahlreichen polnischen Priester im Land, 178 der insgesamt 181 ausländischen katholischen
Geistlichen kommen aus Polen. Hintergrund ist hier ein seit Jahren bestehender Konflikt um die
polnischen Minderheit in Belarus. Minsk wirft Warschau vor, mit Hilfe der Minderheit die Lage
im Land destabilisieren zu wollen, Polen dagegen beklagt eine aktive Unterdrückung von
Menschen mit polnischer Abstammung in Belarus. Ein weiteres Problem ist die noch nicht
abgeschlossene Erstattung von kirchlichem Eigentum, das während der Sowjetzeit enteignet
wurde.
Vor diesem Hintergrund sind der Besuch von Kardinal Bertone und die Verhandlungen zwischen
dem Vatikan und Belarus über ein Konkordat oder zumindest engere politische Beziehungen als
positive Zeichen zu werten. Die Initiative dazu ging offenbar sowohl von der Regierung in Minsk
als auch vom Erzbischof von Minsk-Mohilev, Tadeusz Kondrusiewicz aus. Die Gespräche
zwischen dem Vatikan und Belarus dürften ein interessanter Testfall auch in Hinblick darauf sein,
ob Lukaschenko zu einer liberaleren Politik in religiösen Fragen bereit ist. Anfang Juni hatte die
Belarussische Christdemokratische Partei bei einem Treffen in Brüssel dem Präsident des
Europaparlaments, Prof. Pöttering, eine Petition mit 50.000 Unterschriften übergeben, die für
liberale Änderungen in dem 2002 verabschiedeten restriktiven „Gesetz über die
Gewissensfreiheit und über religiöse Organisationen“ plädiert. Die Unterschriftenaktion war 2007
der mit Abstand erfolgreichste Versuch von unabhängigen Kräften, die belarussische
Bevölkerung für eine Unterstützung demokratischer Reformen im Land zu mobilisieren.
Papst Benedikt XVI. lobte kürzlich das nach seinen Worten gute Verhältnis zwischen Kirche und
Staat in Belarus. Er sei sich sicher, dass die Regierung in Minsk die Kirche weiter in ihren
Bedürfnissen unterstützen werde. Zugleich betonte er, der Heilige Stuhl werde nicht aufhören,
Belarus in seinen "legitimen Bestrebungen" nach Freiheit und seinen Anstrengungen zur
Demokratie zu fördern. Für Benedikt XVI. wurde in Luchai im Norden des Landes vor zwei
Wochen ein drei Meter großes Denkmal geweiht.


"Diagilew Project" Initiative des dbg-Mitgliedes im Radio 91,2
Das "Diagilew Project" ist eine Initiative des dbg-Mitgliedes Maksim Diagilew. Der Musiker und
Arrangeur aus Belarus lebt seit über sechs Jahren in Dortmund. Er hatte die Idee, die in
Deutschland lebenden belarussischen Musiker und Künstler musikalisch zusammen zu bringen.
Dieses Jazz-Ensemble verarbeitet nun belarussische Volksmusik, traditionelle belarussische
Lieder und verbindet sie mit eigenen Kompositionen, "um den Deutschen", wie Diagilew sagt,
"ein klares, spannendes und modernes Bild über unsere immer noch unbekannte Heimat zu
vermitteln".
Am 5. Juli 2008 hat Maksim Diagilew beim Dortmunder Radiosender Radio 91,2 ein längeres
Interview über seine Arbeit gegeben. Die Sendung, in der es auch viele Musikbeispiele zu hören
gibt, ist ab sofort im Internet verfügbar. Und zwar unter der Adresse:
www.myspace.com/maksimdiagilew
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                                    INITIATIVEN

Grenzach-Wyhlen - Engagement wird von Jahr zu Jahr größer
                                                                         Südkurier, 25.07.2008
Grenzach-Wyhlen - Bereits zum 18. Mal fand am Lise-Meitner-Gymnasium wieder eine große
Sammelaktion für Tschernobyl-geschädigte Kinder statt. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde
kurz vor dem Ferienbeginn wurden die zahlreichen Spenden von der Klasse 5c überreicht.
Derzeit befinden sich insgesamt 25 Kinder und zwei Begleitpersonen aus der vom
Reaktorunglück stark betroffenen Region an der Grenze zu Weißrussland auf Einladung der
privaten Initiatie "Rheinfelder Bürger helfen Tschernobyl-geschädigten Kindern" zu einem
Erholungsaufenthalt in der Hochrhein-Region. Es sind 23 Mädchen und zwei Jungen im Alter
von sieben bis elf Jahren. Die Kinder stammen aus besonders schlechten sozialen Verhältnisse.
Sie bringen wie immer nur das mit, was sie auf dem Leibe tragen. Hedy Bosch, Mitinitiatorin der
Rheinfelder Aktion, ist deswegen immer sehr froh über die Sammelaktion am Lise-Meitner-
Gymnasium Grenzach-Wyhlen, die jeweils unter der Leitung von Lehrerin Marion Stüber
stattfindet.
Marion Stüber hieß die Gäste im LMG willkommen. Die Aktion, die nun schon zum 18. Mal
veranstaltet wurde, sei nicht kleiner geworden, stellte sie erfreut fest. Abgegeben wurden
Kleidung, Schuhe, Schulranzen, Taschen und zahlreiche Spielsachen. Außerdem konnte Marion
Stüber noch eine Geldspende für die Kinder in Höhe von 200 Euro an Hedy Bosch überreichen.
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5c des Lise-Meitner-Gymnasiums hatten sich viel Mühe
gegeben, alle diese gespendeten Sachen zu sortieren und schön zu präsentieren. Hedy Bosch
wiederum richtete im Namen der Tschernobyl-Kinder großen Dank an die Schule sowie die
Eltern und vor allem die Gasteltern.
Wie sie erklärte, werde es immer schwieriger, Gasteltern zu finden. Im nächsten Jahr ist wieder
ein Aufenthalt Tschernobyl-geschädigter Kinder geplant. Interessierte Gasteltern können sich
jetzt schon bei Hedy Bosch melden ( 07623/679). Spenden: Geldspenden für den Aufenthalt:
Volksbank Rhein-Wehra, BLZ 68490000, Konto-Nummer 21343404, Stichwort: Spendenaktion
Rheinfelder Bürger helfen Tschernobylgeschädigten Kindern.


Minsker Knabenchor rührt Zuhörer
                                                              Schwäbische Zeitung, 24.07.2008
Herzlich hat Spaichingen den Knabenchor der russisch-orthodoxen Kirche aus Minsk zum
Auftakt seiner Konzertreise durch Süddeutschland aufgenommen. Nach dem Gottesdienst in der
Stadtpfarrkirche glänzten die Jungen mit einem kleinen Konzert.
Mit den glockenhellen Knabensopranen der zum Teil erst neunjährigen Sänger im Kontrast zum
brillanten Bass eroberte der Chor aus Weißrussland unter Leitung von Taissia Mironowa die
Herzen der Gottesdienstbesucher. Mit ihren Chorstücken zauberten die 17 Sänger bei der
Gestaltung des Gottesdienstes ein gewaltiges Klangvolumen in die Kirche.
Besonders das Kyrie bestach durch sein gesungenes inniges Flehen. Das Sanctus mit Benediktus
begleiteten Vladisiav Kozyrev am Keyboard, Nikolai Charnukha (Geige) und Sascha Serdjukew
(Bass), wodurch es zu einem besonderen musikalischen Genuss wurde.
Bei dem Konzert sparten die Besucher nicht mit Applaus und waren von den wunderschönen
Stimmen sehr beeindruckt. Einige Anwesende bedankten sich sogar mit Händedruck bei den
                                                                                        Seite 73


Knaben für den wunderschönen Gesang. In dem Chor "Wir singen dir o Gott" glänzte besonders
Alexey Birkus mit seiner klangvollen Bassstimme. Das Instrumentalstück "Dudka" ließ mit
Vladisiav Kozyrev am Keyboard und Sergei Yaruk mit der russischen Flöte ebenfalls aufhorchen.
Seit 15 Jahren organisiert Sigurd Quednow Konzertreisen im Sinne der Völkerverständigung für
den Minsker Knabenchor. Die Konzerte in Deutschland sind christlich und ökumenisch geprägt
und haben den Bau des ersten sozialen Objektes der russisch-orthodoxen Kirche in Minsk, das
Haus der Barmherzigkeit, gefördert. Der Spendenaufruf gilt zur Unterstützung des Altersheims
mit Waisenhaus in Minsk. Jeweils über 100 alte Menschen und Waisen finden in dem Haus
Heimat und Wohnung. Durch die Spendenfreudigkeit in unserem Raum ersang sich der Chor
bereits für zwei Millionen Euro Sachspenden, informierte Quednow. "Nicht zu vergessen sind die
tonnenweise Teigwaren, die unser Wohltäter Walter Weiß uns zufließen ließ", sagte Dirigentin
Mironowa in gebrochenem Deutsch.
Die anschließende Bewirtung von Ursula Link und Traudel Tausedfreund wurde zum 15.
Geburtstag der Tournee gereicht. Mit allerlei Leckereien, bunter Tischdekoration nebst einem
weißrussischen Nationalgericht mit Reis und Rindfleisch sowie einem zusätzlichen Geschenk
erfreuten die beiden Damen nicht nur die kleinen Sänger, sondern auch die Gäste. Zu ihnen
gesellte sich Bürgermeister Schuhmacher. Dieser zeigte sich überwältigt von den gesungenen
Darbietungen der Knaben und bat im kommenden Jahr um einen erneuten Besuch mit offiziellem
Empfang im Rathaus.


Gäste aus Tschernobyl
                                                                   Neumarkt online, 22.07.2008
NEUMARKT. Kinder aus Tschernobyl waren bei den Segelfliegern am Ottenberg zu Gast - und
durften auch mit abheben. Die Kinder-Gruppe aus dem Gebiet um Tschernobyl in Weißrussland
ist für vier Wochen in Franken und der Oberpfalz zu Besuch. Auf Initiative der evangelischen
Kirche in Stein wurden 98 Kinder eingeladen und in Familien untergebracht. So wurden
Alexandra und Alina, beide zehn Jahre alt, aus Mozyr (80 Kilometer von Tschernobyl entfernt)
von der Familie Resch in Schwarzenbruck aufgenommen. Über Mund zu Mund Propaganda hörte
Kurt Sternecker vom Aero-Club Segelflug Nürnberg davon und lud die Familie mit ihren
Gastkindern spontan auf den Flugplatz Ottenberg ein. Sie kleinen Gäste hatten einen
erlebnisreichen Nachmittag auf dem landschaftlich sehr schön gelegenen Flugplatz. Natürlich
durften sie auch mit dem Motorsegler ihr Gastland von oben anschauen


Tschernobyl-Kinder von der Kletterwand begeistert
                                                           Mitteldeutsche Zeitung, 22.07.2008
Mitglieder des DAV Sektion Südharz unterstützen Erfurter Verein.
Auf Einladung der Mitglieder des Deutschen Alpenvereins Sektion Südharz kamen 28 Kinder mit
ihren Betreuern aus der Region Tschernobyl nach Sangerhausen. Die Kinder sind derzeit Gäste
des Vereins "Kinderhilfe Tschernobyl Erfurt", der auch 20 Jahre nach dem Reaktorunfall die
Notwendigkeit sieht, den Menschen und besonders Kindern der betroffenen Region zu helfen.
"Unsere Gastkinder kommen aus den Städten Narowlja und Rogatschow und den in unmittelbarer
Nähe befindlichen Dörfern in Weißrussland", erklärt Sigrun Stein, stellvertretende Vorsitzende
des Vereins.
Den acht bis 14-jährigen Mädchen und Jungen wird während des Aufenthaltes in Erfurt ein
abwechslungsreiches Programm geboten. Sie besuchen Museen, die Ega und gehen baden. "Die
Gasteltern achten außerdem auf vitaminreiche und abwechslungsreiche Kost", sagt Sigrun Stein.
"Wenn sich die Kinder hier drei Wochen lang in unbelasteter Umgebung aufhalten können, stärkt
                                                                                           Seite 74


es nachweisbar ihr Immunsystem."
Durch ihren Kontakt mit der Ergotherapeutin Yvonne Schneidewind kam Sigrun Stein auf die
Idee, einen Tag nach Sangerhausen zu kommen. Ihr eigenes Gastkind war bereits mit Udo und
Yvonne Schneidewind bei einer Bergtour. Das hat ihm so gefallen, dass mit Hilfe der Mitglieder
des DAV Sektion Südharz ein Tag im Kletteratelier für die ganze Gruppe organisiert wurde.
Die Sangerhäuser Alpinisten hatten bereits vor zwei Jahren Kinder aus Tschernobyl eingeladen.
Auch diesmal übernahmen sie die Kosten für den Aufenthalt. Während eine Gruppe Gipshände
bastelt, versuchen andere Mädchen und Jungen bereits die Wände zu erklimmen. Als Ansporn
geht es zunächst eine leicht schräge Wand hinauf. Für jedes Kind, welches das unter der Decke
hängende Glöckchen anschlägt gibt es Beifall und es darf sich eine neue Kletterwand aussuchen.
Die Kletterei macht ganz schön hungrig und so klingt der Tag im Kletteratelier mit gemütlichen
Beisammensein bei Grillwürstchen aus.


Bei Regen wird gemalt und gesungen
                                                                 Rhein-Berg Online, 22.07.2008
43 weißrussische Kinder haben in Biesfeld drei Wochen ihre Gesundheit gestärkt. Schon seit
sieben Jahren lädt der Verein „Tschernobylkinder e.V.“ Kinder aus der durch das Reaktorunglück
1986 stark getroffenen Region Bobruisk nach Kürten ein.
Auch an einem programmlosen Tag mit Dauerregen wissen sich die strahlengeschädigten Kinder
zu beschäftigen, die nun seit drei Wochen in der Grundschule Biesfeld Erholungsurlaub machen:
Ein paar stehen neben einem Kassettenrekorder, singen fröhliche Lieder mit - Karaoke auf
Russisch. Ein Junge malt, nebenan puzzelt eine Dreiergruppe. Schon fertiggemalt ist ein Plakat
mit roten Herzen, die, an Luftballons gebunden, in die Höhe schweben - und 43 Unterschriften:
von jedem Kind eine. „Danke“, steht dort groß.
Von Reaktorunglück schwer getroffen
Seit sieben Jahren gibt es die Sommerurlaube für kranke, sozial schwache Kinder aus
Weißrussland. Noch immer ist ihre Heimat verseucht von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl
(1986); die Kinder leiden unter den gesundheitlichen Folgen. Mit frischer Luft und gutem Essen
sollen sie im Bergischen ihr Immunsystem stärken.
Englischlehrerin Ludmilla Puchalskaja ist jedes Mal als Freiwillige mitgefahren. „Ich tue es gern
- auch weil ich selbst Kinder habe.“ Ihre 13-jährige Tochter Olga ist zum dritten Mal dabei, Sohn
Maxim (10) schon zum vierten Mal. „Olga hat viele Allergien, Maxim hatte seit der Geburt Herz-
und Magenprobleme.“ So weiß Ludmilla Puchalskaja aus eigener Erfahrung um die heilende
Wirkung der drei Wochen in Biesfeld: „Olga ist einmal nicht mitgefahren - im Jahr darauf
wurden ihre Allergien wieder schlimmer.“ Wie gut der Urlaub tut, höre sie auch immer wieder
von den anderen Eltern: „Sie freuen sich, dass ihre Kinder Farbe bekommen und etwas
zugenommen haben.“
Gefährliche Lebensmittel aus dem Wald
Der Biesfelder „Tschernobylkinder e.V.“ arbeitet mit dem weißrussischen Verein „Wir sind die
Wiedergeburt“ zusammen. Die kleinen Gäste kommen aus der Region Mogeliow, viele aus der
Stadt Bobruisk. Puchalskaja: „Bei uns haben die Leute alle Arbeit, aber nur ein geringes
Einkommen.“ Oft reiche das Geld nicht für genügend Essen; wählerisch könne man da nicht sein.
Wie verstrahlt die Nahrung wirklich ist, wisse keiner. „Wir haben keine Geräte, um das zu
messen.“ Ab und zu warnten die Medien davor, in bestimmten Wäldern Beeren und Pilze zu
sammeln. Doch gerade das Beeren- und Pilzsammeln sei eine Einnahmequelle für Kinder: „Sie
verkaufen sie an der Straße und verdienen so etwas dazu.“ Wo die Früchte herkommen, frage
keiner.
                                                                                          Seite 75


Umso mehr genießen die Kinder und ihre sechs Betreuer in Biesfeld eines der letzten Essen,
frisch zubereitet von der katholischen Frauengemeinschaft: Champignonsuppe, Kartoffelpüree,
Frikadellen und Salat. Morgen geht's auf die 40-stündige Heimreise. Heute Abend ab 19 Uhr
veranstaltet der Verein ein Abschiedskonzert in der Turnhalle Biesfeld - mit Auftritten der
Tanzgruppe der Buurengarde, des Männergesangvereins, der Tschernobylkinder mit Gesang und
Tanz und der Senioren des Musikvereins Kürten. Der Eintritt ist frei, eine Spende für den Verein
willkommen.


Erlebnistag für Kinder aus Weißrussland in Worms
                                                                    bahnfahren.info, 22.07.2008
Rund 30 Kinder aus Shitkowitchi in Weißrussland, einer von der Tschernobyl-Katastrophe
betroffenen Stadt, werden jedes Jahr vom Verein “Kinder aus Shitkowitchi - Leben nach
Tschernobyl e.V.” nach Rheinland-Pfalz eingeladen.
Die Kinder, deren Immunsystem durch die ständig hohe Strahlenbelastung geschwächt ist,
verbringen hier vier Wochen Erholungsurlaub bei Gastfamilien und erkunden gemeinsam an
einigen Tagen die nähere Umgebung.
Einen dieser "Erlebnistage" organisieren schon zum achten Mal in Folge Bernd Pawel und sein
Team von DB Regio RheinNeckar, dieses Jahr am Donnerstag, 24. Juli. Nach der Begrüßung der
Kinder am Wormser Hauptbahnhof (Ankunft: 11.14 Uhr) geht es zunächst zur Besichtigung der
Einsatzfahrzeuge und Räumlichkeiten der Polizei sowie anschließend der Wormser Feuerwache.
Der Nachmittag steht ab 14 Uhr ganz im Zeichen von Spiel und Spaß und zahlreichen
Überraschungen im Wormser Tierpark und stellt jedes Jahr den Höhepunkt für die Kinder dar.
Mit dem Bus geht es abschließend zurück zur Bahn-Dienststelle Worms, wo mit dem Team von
Bernd Pawel gemütlich gegrillt wird und alle Kinder mit kleinen Geschenken verabschiedet
werden. „Die glücklichen Kindergesichter zu sehen ist für uns immer eine große Freude und
spornt uns jedes Jahr erneut an, diesen Tag auf die Beine zu stellen“, so Pawel. Wir laden Sie
herzlich ein diesen Tag zu begleiten.
Als Ansprechpartner für weitere Informationen zum Erlebnistag steht Bernd Pawel von DB Regio
RheinNeckar, Telefon 0621 830-4020 oder 0160 97430370, zur Verfügung


Wohlklingender Hilferuf rührt Zuhörer in St. Georgen
                                                  Südkurier, von Stephanie Jakober, 22.07.2008
Ein voller Erfolg war das Benefizkonzert, das der Männergesangverein Sängerbund und der
Werkschor der Firma J. G. Weißer am Sonntag in der katholischen Kirche veranstaltet haben. Mit
von der Partie waren etliche Solisten, ein Harfen-ensemble und das Vocalquartett des
Schwarzwaldgau-Sängerbundes. Mehr als 600 Besucher haben für die Initiative "Leben nach
Tschernobyl" gespendet.
Überwältigt zeigten sich die über 600 Zuhörer am Sonntagabend in der katholischen Kirche. Das
Benefizkonzert zugunsten der Aktion "Leben nach Tschernobyl - Hilfe für strahlengeschädigte
Kinder aus Weißrussland" war vom St. Georgener Männergesangverein "Sängerbund" und vom
Werkschor "Frontor" der Firma J. G. Weisser veranstaltet worden.
Besonders das Engagement von Helmut Wößner ist hervorzuheben. Der Chorleiter des
Sängerbunds ist der Ideengeber für das Benefizkonzert und hat etlichen Zeitaufwand in dessen
Umsetzung investiert. Seiner Einladung folgten die musikalischen Größen. "Die Künstler haben
auf ihr Honorar verzichtet", sagte Helmut Storz, Vorsitzender des Sängerbundes.
Mit dabei war unter anderem die Weilersbacher Chorjugend unter der Leitung von Karl Fleig.
                                                                                           Seite 76


Beim großen Finale des Benefizkonzertes traten die jungen Stimmen aus Weilersbach gemeinsam
mit den Männern des Sängerbundes und des Frontors auf, die sich noch mit Gastsängern aus
verschiedenen regionalen Chören verstärkt hatten. Bei Liedern wie "Lily of the Valley", "Ihr von
morgen, "Die Rose und "Vater unser haben die hellen Kinderstimmen und die dunklen tiefen
Männerstimmen einen hervorragenden Kontrast gebildet.


Pfarrer Ludwig von Behren erinnert an Tschernobyl-Katastrophe / Zeitzeugin
berichtet
                                            Vlothoer Anzeiger, von Doris Christoph, 20.07.2008
"Wir sind nur Haushalter des Garten Gottes", verwies Pfarrer i.R. Ludwig von Behren auf den
ersten Petrus-Brief. Dass der Mensch manchmal schlecht auf diesen Garten aufpasst, zeigte von
Behren in seiner Sonntags-Predigt am Beispiel der Tschernobyl-Katastrophe auf.
Zum Gottesdienst, den von Behren stellvertretend für Pfarrer Ralf Steiner in der Autobahnkirche
Exter hielt, waren auch Kinder aus Tschernobyl gekommen, die einen Teil ihrer Ferien im Kreis
verbringen.
Ihnen sprach von Behren zu, die Erinnerung an die Tschernobyl-Katastrophe aufrecht zu erhalten,
die sich am 26. April 1986 ereignete und noch immer schlimme Folgen für die Bewohner der
Region hat.
Davon berichtete den Gottesdienstbesuchern Swetlana Tschernikowa, die als Dolmetscherin und
Betreuerin der Gruppe nach Deutschland gekommen war. Sie schilderte als Zeitzeugin ihre
Erlebnisse der Katastrophe. Die Mutter zweier Kinder brachte in der Nacht vor dem Unglück
ihren Sohn Kiryll zur Welt. Den Bewohnern der um Tschernobyl gelegenen Region wurde das
Unglück zunächst verheimlicht. Ihr Sohn wurde mit verseuchter Milch gefüttert. Erst rund eine
Woche später konnten Swetlana Tschernikowa und ihre zwei Kinder das verseuchte Gebiet
verlassen.
Ihr Ehemann musste weiter in ihrem einstigen Heimatdorf nahe der Stadt Bragin, also in einem
Umkreis von 30 Kilometern Entfernung zur Unglücksstelle, bleiben, um die Schäden des
Reaktorunglücks zu beseitigen. Seine Frau und die Kinder konnten im relativ unverstrahlten
Lepel unterkommen.
Swetlana Tschernikowas Mann starb vor etwa zehn Jahren nach langer Krankheit an Gehirnkrebs.
Die Volkskunstlehrerin und ihre Kinder leiden an Schilddrüsenerkrankungen, ihr vier Stunden
vor dem GAU geborener Sohn hat zudem einen angeborenen Herzfehler, der durch die
Verstrahlung noch verstärkt wird. Swetlana Tschernikowa macht sich große Sorgen um ihre
Kinder.
Nach der bewegenden Schilderung Tschernikowas appelierte Ludwig von Behren, die
Reaktorkatastrophe und die davon Betroffenen nicht zu vergessen. Auch in Deutschland sah er
die latente Gefahr der Kernenergie. "Es wurde ein ganzer Landstrich aus der guten Schöpfung
Gottes herausgenommen, der so groß ist wie unser größtes Bundesland", führte der Geistliche vor
Augen. "Es ist Angst machend." Diese Ängste, die bei den Bewohnern der betroffenen Regionen
in Weißrussland stets gegenwärtig sind, sollten solidarisch geteilt werden. Auch daran erinnerten
die anwesenden Kinder. Diese hatten zu Beginn ein Lied in deutscher und russischer Sprache
vorgeführt. Zum Abschluss bekamen sie noch ein leckeres Eis und bedankten sich mit gebastelten
und gemalten Plakaten und Strohengeln dafür.


Auf dem Pferderücken eine Auszeit vom Alltag
                                                                  Vlothoer Anzeiger, 20.07.2008
30 Kinder aus Weißrussland besuchen Reiterhof Rethemeier / Tanzen und Singen zum Dank
                                                                                          Seite 77


Es ist ein Urlaub von einem Zuhause, das seinen Bewohnern Angst macht und ein 20 Jahre
zurück liegendes Unglück immer präsent hält. Für 30 Kinder aus Weißrussland sind die vier
Wochen, die sie im Kreis Herford verbringen, eine Auszeit vom Alltag.
Die mit dem Gemeinnützigen Verein "Kinder aus Tschernobyl" vor rund einer Woche
angereisten Jungen und Mädchen machten gestern Rast in Vlotho. Nach einem
Gottesdienstbesuch in der Autobahnkirche Exter (siehe Bericht oben) ging es für die Acht- bis
14-Jährigen zum Reiterhof Rethemeier, wo sie mit Hilfe von Mitgliedern des Reitervereins
Fridericus Rex ein paar Runden auf Pferderücken drehen durften.
Nach zwei Tagen Busfahrt waren die Kinder aus der Umgebung von Tschernobyl, wo sich 1986
ein Reaktorunglück ereignete, im Kreis angekommen. Hier wohnen sie für drei Wochen zunächst
im Kreisjugendheim in Rödinghausen, ehe sie die letzte Woche in Gastfamilien verbringen.
Die Kinder kommen aus bedürftigen Familien, wie Pfarrer Ludwig von Behren berichtet. "Viele
leben bei ihren Großeltern. Alkoholismus ist dort sehr verbreitet." Wo die Väter sich aufhalten,
sei oft nur schwer zu ermitteln. Und dabei brauchen die Kinder für das Visum die Unterschrift
beider Erziehungsberechtigter.
Alltägliches wie ein Fahrrad ist eine große Attraktion und Pferde werden eher als Arbeitstiere
gesehen, denn als Freizeitvergnügen, wie Dolmetscherin Valentina Antonenko berichtete. Umso
mehr Spaß machte den Kindern das Reiten auf den elf Pferden. Im Anschluss gab es noch ein
leckeres Essen. Die Kinder bedankten sich für den Tag mit weißrussischen Liedern und Tänzen.


Geplanter (Aus-) Flug von Tschernobyl- Kindern kräftig vernebelt
                                                                          Oberberg, 18.07.2008
Bergneustadt - Seit Anfang Juli sind neun Kinder aus Weißrussland im Oberbergischen zu Gast
und erleben jeden Tag etwas Neues. Heute ging es auf den Flugplatz Dümpel.
Bereits seit zehn Jahren existiert die Initiative „Die Kinder von Tschernobyl“ der evangelischen
Kirchengemeinde Wiedenest. Auch im Jubiläumsjahr luden die Verantwortlichen wieder
erkrankte Kinder in das Oberbergische ein. Die neun Kinder und ihre Begleiter des diesjährigen
Programmes wohnen für die Zeit vom 5. bis zum 26. Juli erstmals im „Käthe-Strobel-Haus“.
„Vorher haben wir die Kinder immer im CVJM-Haus in Höh untergebracht, sind aber jetzt sehr
froh, dass wir eine noch schönere Bleibe gefunden haben“, so Organisatorin Gudrun Irle. Die
neue Wohnstätte sei mit dem Wald, dem Spielplatz und den Schwimmanlagen ideal für die
Gruppe.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter haben für jeden Tag einen Ausflug geplant. Eine Dolmetscherin
und ein Arzt sind bei allen Ausflügen dabei und erleichtern beziehungsweise sichern so das
fröhliche Miteinander. Alle Teilnehmer besuchten bereits den Pferdehof „Steffens“, sahen sich im
„ Drei-Wetter-Zoo“ in Münster die Tiere an und hatten eigentlich für heute einen Flug mit einem
Segelflieger auf dem Flugplatz Dümpel geplant. Dieser musste jedoch leider aufgrund des
schlechten Wetters durch „Kaffee und Kuchen“ und einer Führung auf dem Sportflugplatz ersetzt
werden, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat.
Gudrun Irle und Margot Bockemühl sind als Initiatoren immer auf die Hilfsbereitschaft der
Oberberger angewiesen und freuen sich darüber, wie ihnen alle Menschen bei den Planungen
entgegenkommen. Der Verein, der sich allein durch Spendengelder beziehungsweise Aktionen
wie dem jährlichen Advents-Basar finanziert, hat es nun schon zehn Jahre geschafft, vielen
Kindern möglichst zwei Aufenthalte in Deutschland zu ermöglichen. „Es ist schön zu sehen, wie
sich die Kinder entwickeln und es ihnen besser geht. Da macht die anstrengende Arbeit doppelt
so viel Spaß“, so Bockemühl.
                                                                                               Seite 78


Auch die Spendenbereitschaft sei, knapp zwanzig Jahre nach der Katastrophe, ungebrochen: „
Die Oberberger haben eben noch ein Herz“, erklären die beiden. Für die Zukunft könne man zwar
nur von Jahr zu Jahr planen, so Irle weiter, aber finanziell sei das nächste Jahr gesichert. Noch bis
Ende des Monats werden die Urlauber in Bergneustadt beheimatet sein und dabei unter anderem
noch den Eckenhagener Vogelpark besuchen, ehe es am 27. Juli zurück nach Weißrussland gehen
wird.


Lions Club Homberg feierte ein Sommerfest mit Kindern aus der Partnerstadt
                                                                                  HNA, 18.07.2008
Homberg. Der Lions Club Homberg hat für die Kinder aus der weißrussischen Partnerstadt Stolin
ein Sommerfest ausgerichtet. Mit Eifer bastelten die 20 jungen Gäste Filzsouvenirs und
Stockpferde als Andenken für zu Hause. Im Anschluss ließen die Kinder zusammen mit ihren
Betreuern bunte Ballons in die Luft steigen, die die heftigen Windböen schnell in große Höhen
brachten. Die Idee dahinter: An jedem Luftballon hängt eine kleine Karte mit Namen und
Adresse des Absenders. Wer sie findet, kann zum Brieffreund eines der Stoliner Kinder werden.
Sie jedenfalls freuen sich auf Post aus Deutschland.
Die Freude der Kinder übertrug sich wohl auch auf das Wetter, es hörte auf, zu regnen. Nicht nur
das Grillfeuer sondern auch der Eiswagen von Lionsfreund Angelo Bressan waren dicht umlagert.
Auch im nächsten Jahr wollen die Homberger wieder Gastgeber für Kinder aus dem
Katastrophengebiet rund um Tschernobyl sein. Der Lions Club Homberg will nach eigener
Aussage auch weiterhin den Partnerschaftsverein Homberg-Stolin unterstützen und sich für die
Kinder aus Weißrussland einsetzen.


Erstmals Problem bei Anreise
                                                                 Kölnische Rundschau, 18.07.2008
Am Montag, 21. Juli, werden zum 16. Mal Kinder aus dem Katastrophengebiet von Tschernobyl
zu einem Ferienaufenthalt in Deutschland eintreffen. Dieses Jahr gab es unerwartete Probleme bei
der Anreise der jungen Gäste.
Erftstadt - Am Montag, 21. Juli, werden zum 16. Mal Kinder aus dem Katastrophengebiet von
Tschernobyl zu einem Ferienaufenthalt in Deutschland eintreffen. Dieses Jahr gab es unerwartete
Probleme bei der Anreise der jungen Gäste. Trotz intensiver Bemühungen des Vereins,
Schlafwagenplätze für die Kinder bei der weißrussischen Bahn zu buchen, wurden die
Bestellungen immer wieder zurückgewiesen. Um die Erholung nicht zum ersten Mal nach 16
Jahren kurzfristig absagen zu müssen, werden die Kinder dieses Jahr per Flugzeug anreisen.
Keines der 25 Kinder hat jemals in einem Passagier-Flugzeug gesessen. Nachweislich Flugangst
gibt es darum bis jetzt nur bei den mitfliegenden weißrussischen Betreuern.
Zur Freude des Kassenwartes konnte die belarussische Fluggesellschaft einen günstigen Tarif zur
Verfügung stellen, welcher nur geringfügig über den Kosten für eine Bahnreise liegt. Die Kosten
für den Verein seien dennoch beträchtlich, und leider habe die Spendenbereitschaft in den letzten
Jahren abgenommen, heißt es aus dem Vorstand. Die angenehme Kehrseite der Medaille: Den
Kindern bleibt in diesem Jahr stundenlanges Warten an den Grenzen und nicht selten eine über 30
Stunden lange Busfahrt erspart.
Nach der Ankunft in Frankfurt-Hahn um 14 Uhr am kommenden Montag werden die Kinder mit
einem Bus der RVK Euskirchen nach Lechenich gefahren und dort gegen 17 Uhr von den
deutschen Gastfamilien abgeholt. Anschließend erwartet die Kinder vier Wochen Ferien vom
oftmals tristen Alltag zu Hause. Der wichtigste gesundheitliche Aspekt für die Kleinen ist dabei
                                                                                          Seite 79


die frische rheinische Luft. Zudem gibt es von atomarer Bestrahlung unbelastete Nahrung. Ein bis
zweimal pro Woche stehen gemeinsame Unternehmungen mit dem Hilfsverein auf dem
Programm, so zum Beispiel der Besuch des Bubenheimer Spielelandes und des Wildgeheges
Hellenthal in der Eifel.


Kinder aus Tschernobyl bei der Marine
                                                                  Deutsche Marina, 18.07.2008
Am 17. Juli besuchten 30 Kinder aus Weißrussland den Marinestützpunkt Wilhelmshaven. Die
12 – 14jährigen sind Nachkommen von Opfern der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl
Der Super-GAU von Tschernobyl hat auch 20 Jahre später immer noch gesundheitliche Folgen
für die Menschen, insbesondere für die Kinder. Vermehrt treten bei ihnen Krebserkrankungen
auf: Leukämie und Schilddrüsenkrebs.
Eine willkommene Abwechslung stellten Ferientage in Norddeutschland für die Jugendlichen dar,
fernab vom Alltag in Weißrussland mit all den dortigen Problemen. Am frühen Vormittag
wurden die Kinder durch den Kommandeur des Marinestützpunktkommandos, Kapitän zur See
Frank Vehoff, herzlich begrüßt:. „Ich wünsche Euch einen schönen Tag mit viel Freude!“ Bevor
es mit dem Bus zur Barkasse ging, gaben die Kinder noch ein Ständchen und überreichten Vehoff
zur Erinnerung eine Matroschka. Das ist bekanntlich eine aus Holz gefertigte und buntbemalte,
ineinander schachtelbare, eiförmige Puppe mit Talisman-Charakter.
Während der Hafenrundfahrt mit einer Barkasse des Marinestützpunktes bestaunten die Kinder
die im Hafen liegenden “Dickschiffe“. Anschließend besuchten sie das Deutsche Marinemuseum
und erkundeten auf eigene Faust seinen Außenbereich. Mittagessen gab es in der Truppenküche
des Stützpunktes. Nach dem Essen ging es endlich auf ein Schiff der Marine, die Fregatte
BAYERN. Dort standen drei russisch sprechende deutsche Soldaten bereit, um die Kinder in drei
Gruppen durch das Schiff zu führen.
Ihnen wurde die Brücke, die Operationszentrale - auch „Gehirn des Schiffes“ genannt - sowie der
schiffstechnische Leitstand gezeigt. Anschließend konnten sie auf der zurzeit in Wilhelmshaven
liegenden russischen Fregatte NEUSTRASHIMY einen kleinen Rundgang genießen. Zum
Abschluss dieses schönen Tages bei der Marine bekam jeder junge Besucher als Geschenk ein
Gruppenfoto überreicht.


Kinder aus strahlenbelastetem Gebiet in Weißrussland kommen nach Idstein
                                                              Wiesbadener Zeitung, 17.07.2008
22 "Tschernobyl-Kinder" zwischen neun und vierzehn Jahren sind auf Einladung der
evangelischen Kirchengemeinden Idstein und Wörsdorf vom 2. bis 29. August zur "Erholung an
Leib und Seele" in Gastfamilien des Idsteiner Landes. Sechs Kinder sind zum ersten Mal dabei.
Die Gruppe wird von drei weißrussischen Pädagogen betreut.
Heimat der Kinder ist das südliche Weißrussland, rund 60 Kilometer nördlich vom
Unglücksreaktor Tschernobyl gelegen. "Auch nach der zunehmenden zeitlichen Distanz zur
Katastrophe im Jahr 1986 liegt weiterhin ein `Grauschleier` der radioaktiven Verseuchung über
dem Land", weisen die beiden Pfarrer Dieter Frey und Ralf Wolter auf die Bedeutung der
vierwöchigen Erholungsreise hin. Viele Kinder seien immungeschwächt, weil sich die Menschen
dort vor allem von Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten ernähren. "Viele sind gefährdet, an
Schilddrüsenkrebs oder Leukämie zu erkranken."
Die Mädchen und Jungen werden während ihres Idstein-Aufenthaltes vormittags im
evangelischen Gemeindehaus neben der Unionskirche zusammenkommen, um zu spielen oder
                                                                                            Seite 80


auch deutsch zu lernen. Ein Ausschuss hat außerdem ein interessantes Programm vorbereitet,
dazu zählen Grillfeste, ein Familienausflug, Besuche am Lehrbienenstand und bei der Feuerwehr,
Zelten auf dem Alteburg-Gelände sowie Fahrten zum Frankfurter Flughafen und zur Kletterwand
Flörsheim-Wicker.
Dem größten Vergnügen, dem Schwimmen, kann in Idstein leider immer noch nicht
nachgekommen werden. So sind das Waldschwimmbad Niedernhausen, das die Kinder
dankenswerterweise kostenlos besuchen dürfen, oder - bei schlechter Witterung - ein Hallenbad
in Wiesbaden beliebte Ziele.
Kontakt zu den Kirchengemeinden besteht unter anderem beim Gottesdienst am Sonntag, 10.
August, in der Unionskirche um 10 Uhr. Viele Helfer unterstützen wieder die Aktion, so auch die
Reservistenkameradschaft Idstein, die Heftricher und die Idsteiner Feuerwehr sowie der
Bogensportclub Oberauroff. Die beiden Pfarrer danken allen, die zum Gelingen der Ferienaktion
beitragen, vor allem auch den zahlreichen Spendern. Unterstützung erfahren die Idsteiner auch
durch die Aktion "Hoffnung für Osteuropa" der Landeskirche. "Die größte Belohnung ist immer
das Lachen der Kinder. Für sie ist vieles, was wir zum Leben haben, nicht selbstverständlich."
Spenden können auf die Konten der Evangelischen Kirchengemeinde Idstein, Vermerk
"Tschernobyl", überwiesen werden: vr bank Idstein Nr. 15 95 06, Bankleitzahl 510 917 00; Naspa
Idstein Nr. 352 140 015, BLZ 510 500 15.


Vier Wochen Erholung: Kinder aus weißrussischem Gomel zu Gast in Brockel
                                                            Rothenburger Rundschau, 17.07.2008
Sieben Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren aus der Region Gomel in Weißrussland, 120
Kilometer entfernt von Tschernobyl, sind derzeit zu Gast in der Kirchengemeinde Brockel.
Ein abwechslungsreiches Programm soll den Kindern geboten werden, um den Körper und die
Seele aufzutanken. Viel Spaß, Spiele, Basteln, Ausflüge und eine gesunde Ernährung zeigen nach
vier Wochen bei den Kindern erfahrungsgemäß eine sichtbare positive Veränderung.
Gastwirt Olaf Lüdemann ließ es sich nicht nehmen, für die Kinder etwas Gutes zu tun. Im
rustikalen Grillhaus lud er sie zusammen mit ihrer Gruppenleiterin ein und servierte ihnen leckere
Senf-Honig-Rippchen, Nackensteaks und Bratwurst mit verschiedenen Salaten und Soßen. In
einer gemütlichen Runde genossen die Kinder diesen Grillnachmittag und sagten ein herzliches
Dankeschön. Für das kommende Jahr werden noch Gasteltern gesucht, damit auch weiterhin
Kindern aus Gomel und Umgebung vier Wochen Lebensqualität geboten werden kann. Auskunft
erteilt Helmut Röhrs unter Telefon 04266/1716 und Waltraut Wittenberg unter Telefon
04266/1251


Transport nach Weißrussland
                                                                           Südkurier, 17.07.2008
Der Pfullendorfer Sigurd Quednow organisierte wieder einen Hilfstransport nach Weißrussland
ins "Haus der Barmherzigkeit" nach Minsk mit Gütern im Wert von 140000 Euro. Ab heute
gastiert der Minsker Knabenchor wieder in Deutschland, der in den kommenden drei Wochen
Konzerte gibt, deren Spendenerlös für das Kinder- und Altenhaus verwendet werden.
"Alles lief glatt. Nach zehn Minuten hatte der Lkw die Grenzkontrolle zwischen Polen und
Weißrussland bei Brest passiert", freute sich Sigurd Quednow, dass der Hilfstransport in die
weißrussische Hauptstadt Minsk so problemlos ablief. 8000 Stück Herbst- und Winterbekleidung
für Frauen und Männer, 300 Kochtöpfe, 250 Besteckgarnituren sowie 1200 Tafeln Schokolade
und Fahrräder im Wert rund 140000 Euro verluden Quednow sowie seine Helfer Josef Baur und
Alwin Schad in den Lkw der "Johanniter-Unfallhilfe" und schickten Fahrer Stefan Lehner auf die
                                                                                            Seite 81


2500 Kilometer lange Fahrt.
Im "Haus der Barmherzigkeit" wurde der Hilfstransport schon sehnsüchtig erwartet, den der
"Verein der Freunde Haus der Barmherzigkeit Fridingen" organisiert hatte, mit dem
unermüdlichen Vorsitzenden Quednow an der Spitze. Viele Firmen, die ihn seit Jahren
unterstützen, wollen allerdings keine Publicity, auch weil sie wissen, dass Quednow dafür sorgt,
dass jeder gespendete Euro und jedes Kleidungsstück bei den Bedürftigen ankommen.
Er hatte auch für diesen Transport wieder die ganze Logistik in die Wege geleitet und organisiert,
wobei die "Johanniter-Unfallhilfe" wieder den Lastwagen bereitstellte und die "Landesstiftung
Baden-Württemberg, Servicestelle Osteuropa" die Hälfte der Transportkosten übernahm. Fahrer
Stefan Lehner opferte sogar eine Woche Urlaub, um den Lkw über Polen nach Weißrussland und
zurück nach Deutschland zu bringen.
Ohne große Verzögerung an der weißrussischen Grenze und nach rascher Freigabe durch das
Zollamt in Minsk wurde im "Haus der Barmherzigkeit" der 18-Meter Aufleger entladen. Dort
werden die Kleidungsstücke auf Antrag und nach Überprüfung der jeweiligen Bedürftigkeit an
Wohnsitz-, Arbeitslose sowie an kinderreiche Familien abgegeben.
Die Kochtöpfe kommen teilweise in der Küche des Senioren- und Waisenhauses zum Einsatz.
Von hier aus werden täglich zusätzlich zur Verköstigung der Heimbewohner mehrere hundert
warme Mahlzeiten an notleidende Menschen ausgegeben. Gegen ein geringes Entgelt werden die
restlichen Töpfe an Antragsteller weitergeleitet. Die mitgebrachte Schokolade dürfen vor allem
Kinder genießen, sowohl die aus dem Heim als auch die der Hilfesuchenden Familien. So wird
der Partner des Fridinger Vereins, der russisch-orthodoxen Kirche und dem Metropoliten Filaret,
sichergestellt, dass alle Hilfslieferungen bei Menschen ankommen und nicht in dunklen Kanälen
versickern.
Ab heute gastiert bis zum 2. August wieder der Knabenchor aus Minsk in der Raumschaft
Sigmaringen-Tuttlingen-St.Georgen, um wie in den vergangenen 15 Jahren, mit Konzertauftritten
um Spenden für das "Haus der Barmherzigkeit" zu bitten.
Projekt Weißrussland: Der "Verein der Freunde Haus der Barmherzigkeit e.V. Fridingen a.D."
ermöglichte den Bau eines Kinder- und Altenheims in Minsk, in dem auch eine Krankenstation
und eine Suppenküche untergebracht sind. Küchen, Mobiliar, Kleider, Schuhe, Medikamente und
Instrumente im Wert von 2,2 Millionen Euro wurden gespendet. Spendenkonto: Kreditinstitut
Raiffeisenbank Donau Heuberg eG Kto-Nr. 187400008 (BLZ 64361359) Ansprechpartner:
Sigurd Quednow, Telefon 07552/ 4 04 11), E-Mail: sigurd@quednow-pfullendorf.de


Blick in eine düstere Zukunft
                                                              Kölner-Stadt-Anzeiger, 16.07.2008
Die "Initiative Tschernobyl-Kinder" bangt um ihr Fortbestehen. Die hohen Dieselpreise könnten
bedeuten, dass die Gruppe von Ehrenamtlern ihr Erholungsprogramm für Kinder aus der
Krisenregion einstellen muss.
Lohmar - Bald schon hallt Kinderlachen über den Hof von Marianne und Ferdi Grünacher. Bald
schon spielen dort Kinder aus Tschernobyl im Grünen und erleben einen erholsamen Urlaub in
Lohmar, bei dem sie Kraft schöpfen, Abstand von Armut und Krankheit gewinnen. Doch bereits
heute blickt die „Initiative Tschernobyl-Kinder“ einer düsteren Zukunft entgegen: Dem
Engagement droht das Aus. Grund dafür sind die horrenden Spritpreise.
„Wir wissen wirklich nicht mehr, wie wir das Geld dafür aufbringen sollen“, klagt Joachim
Bauer, der Vorsitzende der Initiative. Ein Loch von 700 Euro klafft in seiner Kasse. Und das
könnte dazu führen, dass die Lohmarer Gruppe, die seit 1991 junge Leute aus der nahen
Umgebung des Reaktorunfalls von April 1986 einlädt, im kommenden Jahr eben diese Einladung
                                                                                            Seite 82


nicht mehr aussprechen kann. „Eine Katastrophe“, sagt auch Ferdi Grünacher (64), der seinen
früheren Bauernhof in der Nähe von Naafhäuschen seit dem Beginn gerne öffnet, damit sich dort
Kinder und Gastgeber bei Spielen und Gegrilltem kennen lernen können.
Bisher haben die haben Organisatoren dieses Erholungsprogramms mit Spritkosten von 2200
Euro gerechnet, doch die steigenden Dieselpreise machen ihnen nun einen Strich durch die
Kalkulation. „Wir planen immer ein Jahr im Voraus“, erklärt Bauer (63). „ Die Tendenz ist aber,
dass die Kraftstoffpreise noch weiter steigen - auch in Polen und Weißrussland. Zurzeit sieht es
so aus, als könnten wir uns den Besuch der Kinder nicht mehr leisten.“ Denn: Die Lohmarer
holen die Kinder zu Hause ab und fahren sie mit einem eigenen Bus an die Agger. „Und der
schluckt leider 25 bis 30 Liter Diesel auf 100 Kilometern.“
Erst im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung dieses Fahrzeug, Baujahr 1989, der Initiative
zur Verfügung gestellt. Etwa 2000 Kilometer sind es von Lohmar von nach Hoiniki, dem
weißrussischen Heimatort der 35 Kinder, die am 2. August anreisen und bis zum 22. August
bleiben. Hoiniki liegt etwa zehn Kilometer von Tschernobyl entfernt. Am 27. Juli brechen Bauer,
Willi von Carnap und Werner Fröhlich mit dem Bus auf, um die Kinder abzuholen. Eine echte
Strapaze. „30 Stunden sind wir mindestens unterwegs“, ahnt Joachim Bauer und erinnert sich:
„Wir haben aber auch schon mal an der polnischen Grenze einen Zwangsstopp von neun Stunden
einlegen müssen.“
Leer ist der Bus übrigens nicht, wenn die Lohmarer den Zündschlüssel herumdrehen: 250 Pakete
mit Spenden für bedürftige Menschen nehmen sie mit auf ihrer Reise. Und nicht nur das: Die
Stadtverwaltung hat am Standort Scheiderhöhe ein Löschgruppenfahrzeug der Freiwilligen
Feuerwehr ausrangiert, das dann im Partnerort Hoiniki seinen Dienst aufnehmen soll. 27 Jahre alt
ist der Mercedes Benz, allerdings hat er erst 32 000 Kilometer „runter“. „Er ist prima in Schuss“,
versichert Feuerwehr-Chef Klaus Boddenberg, der das Fahrzeug der „Initiative Tschernobyl-
Kinder“ anvertraut, damit diese es nach Weißrussland überführt. Es ist seit 2005 das zweite
Geschenk dieser Art.


Mädchen und Jungen aus Weißrussland für drei Wochen im Fläming
                                                                Lausitzer Rundschau, 16.07.2008
Tschernobyl-Kinder verbringen ihre Ferien derzeit im Raum Dahme. Sie bleiben für drei Wochen
bis Ende Juli. Die Mädchen und Jungen aus der verstrahlten Region in Weißrussland sollen sich
an der sauberen Luft des Flämings erholen. Ihr Aufenthalt hat Tradition.
Die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Dahme ist Treffpunkt für die Gäste aus
Weißrussland. Dort werden sie überrascht. Evelin Kopsch und Michael Zieke von der VR Bank
Lausitz besuchen die Kinder. Die Marktleiterin und ihr Kollege kommen nicht mit leeren
Händen. Sie bringen einen Scheck über 500 Euro sowie einen großen Präsentkorb mit. „Wir
wollen damit die Leute unterstützen, die sich für andere Menschen engagieren“, sagt Evelin
Kopsch. Die VR Bank spende monatlich für ein soziales Projekt. Insgesamt 41 000 Euro seien es
im vergangenen Jahr gewesen.
Finanzspritze als Hilfe Ilona Radünz vom Arbeitskreis Tschernobyl ist dankbar für die
Finanzspritze des Geldinstituts. „Damit können wir den Aufenthalt der Kinder noch interessanter
und spannender gestalten“, sagt sie. Auf die 14 Mädchen und Jungen aus der Tschernobyl-Region
warten spannende Abenteuer in den drei Wochen ihres Aufenthalts. Sie besuchen zahlreiche
Freizeiteinrichtungen der Region, unternehmen Ausflüge etwa in die Hauptstadt.
Bereits der dritte Besuch „Berlin gefällt mir gut, auch Potsdam ist schön“, sagt Alexandra Olesik.
„Ich habe schon vieler interessante Sehenswürdigkeiten gesehen.“ Für die Zwölfjährige ist es der
dritte Besuch in Dahme. „Ich fühle mich sehr wohl hier, habe auch schon Freunde gefunden“,
erzählt Alexandra. Sie und die anderen Kinder wohnen jeweils eine Woche lang im Seminar für
                                                                                             Seite 83


kirchlichen Dienst und in Räumen der Fahrschul-GmbH in Dahme sowie im Reha-Gut der
Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Kemlitz. Die Wochenenden verbringen sie in Gastfamilien.
„Einige halten ganzjährig Kontakt“, erklärt Ilona Radünz. Sie ist dankbar für die anhaltende
Spendenbereitschaft und Gastfreundlichkeit der Menschen im Fläming und im Spreewald.
„Gastronomen laden die Kinder traditionell zu einem kostenlosen Essen ein“, erzählt sie und
ergänzt: „Der Besuch im Landgasthof in Uckro inklusive Disko sowie im Schloss der Gräfin zu
Lynar     in     Lübbenau      gehören      zu    den     Höhepunkten       für    die     Kinder.“
Schon im Vorfeld habe der Arbeitskreis zahlreiche Kleiderspenden erhalten. „Die Menschen
geben gern, weil sie direkt erleben, dass ihre Hilfe auch wirklich ankommt“, sagt Ilona Ra dünz.
Ina Urbanowitsch bestätigt das: „Die Kinder sind sehr dankbar, dass sie hier in Deutschland sein
dürfen“, so die Betreuerin der Gäste. „Der Aufenthalt tut ihnen sehr gut. Sie erholen sich, nehmen
viele schöne Erlebnisse und Eindrücke mit nach Hause.“ Der unbekümmerte Spaß und die
gesunde Luft würden die Gesundheit der weißrussischen Gäste stärken.
Spätfolgen der Katastrophe 1986 Erlebt haben die Kinder die Reaktorkatastrophe vor 22 Jahren in
Tschernobyl nicht. Doch sie würden unter dem Unglück leiden. Ihre kleinen Körper seien
geschwächt, anfällig für Krankheiten, so die Betreuer. Menschen mit Herz sichern den Mädchen
und Jungen den Aufenthalt in Dahme.


Russischstunde mal anders: Schüler erhalten Besuch aus Tscherbobyl
                                                                      Wochenspiegel, 14.07.2008
Mit Brot und Salz begrüßten die Schüler der 8a der Sekundarschule am Schwanenteich am
vergangenen Dienstag knapp 20 Kinder zwischen sieben und 15 Jahren aus der Region um Minsk
in Weißrussland. diese waren in der letzten Woche auf Einladung des Magdalenen - Stiftes
Altenburg zwei Wochen zur Erholung in der Region. Barbara Hädrich, Russischlehrerin der
Schule hatte die zündende Idee. "Das ist meine erste Russischklasse seit 15 Jahren. Und da haben
wir die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und wollten den Unterricht einmal anders gestalten",
sagt sie. Durch Kontakt mit den Verantwortlichen kam der Besuch zustande. Generalstabsmäßig
plante Frau Hädrich mit ihrer Klasse den Tag. Durch das Internet und umfangreichen
Informationen im Unterricht bereiteten sich die Schüler auf den Besuch der Delegation vor. "die
Klasse hat das sehr gut gemacht. Ich kann alle nur loben", freut sich Barbara Hädrich. Nach
Ankunft der weißrussischen Kinder und einer kleinen Begrüßungszeremonie gab es zunächst
einmal für alle ein ordentliches Frühstück. durch Mithilfe der Eltern und zahlreicher Sponsoren
konnten kleine Geschenke für jedes der Gastkinder vorbereitet werden


Ferien für die Strahlenopfer
                                                  ad-hoc-news.de, von Karina Scholz, 14.07.2008
Paul Koch aus Schöppenstedt organisiert seit 1991 regelmäßig Urlaub für Tschernobyl-Kinder.
Paul Koch wollte damals vor allem eines: helfen. Als im April 1986 Block IV des sowjetischen
Atomkraftwerks Tschernobyl durch eine Kernschmelze und Explosion eine der schlimmsten
Umweltkatastrophen der Menschheitsgeschichte ausgelöst wurde, saß der heute 60-Jährige in
Schöppenstedt im Landkreis Wolfenbüttel und plante ein Zeltlager. Der ehrenamtliche
Jugendbetreuer war von den Fernsehbildern aus dem Katastrophengebiet geschockt. Vor allem
den Kindern aus Tschernobyl wollte er etwas Gutes tun. Schon seit 1991 organisiert er
regelmäßig gemeinsam mit anderen Helfern kostenlose Kinder-Freizeiten.
Aktuelle Politik Meldungen - Schöppenstedt (ddp). Paul Koch wollte damals vor allem eines:
helfen. Als im April 1986 Block IV des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl durch eine
Kernschmelze und Explosion eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der
Menschheitsgeschichte ausgelöst wurde, saß der heute 60-Jährige in Schöppenstedt im Landkreis
                                                                                           Seite 84


Wolfenbüttel und plante ein Zeltlager.
Der ehrenamtliche Jugendbetreuer war von den Fernsehbildern aus dem Katastrophengebiet
geschockt. Vor allem den Kindern aus Tschernobyl wollte er etwas Gutes tun. Schon seit 1991
organisiert er regelmäßig gemeinsam mit anderen Helfern kostenlose Kinder-Freizeiten.
Er erinnere sich noch an 1986, als wäre es gestern gewesen, sagt Koch. Als Jugendwart der
evangelischen Kirche organisierte er damals gerade ein Zeltlager, als im Westen die Nachricht
der Katastrophe verbreitet wurde - erst mehrere Tage nach dem Unglück vom 26. April. «Die
Behörden haben damals gesagt, die Kinder sollten in geschlossenen Räumen bleiben und die
Fenster sollten zu bleiben. Und wir planten ein Zeltlager!», erinnert sich Koch. Aller
Verunsicherung über die radioaktive Wolke zum Trotz fuhr er ins Zeltlager nahe Braunschweig:
«Das Gesundheitsamt hat gesagt, wenn die Kinder nicht aus Pfützen trinken, dann geht's.»
In den folgenden Monaten informierte sich Koch näher über die Folgen des Reaktorunfalls. Über
die Friedensbewegung nahm er Kontakt zu Menschen aus der Region um Tschernobyl auf.
Bereits 1991 lud er die ersten 30 Kinder aus der Ukraine und Weißrussland zu einer kostenlosen
Ferienfahrt nach Wolfenbüttel ein. Mittlerweile sind die Kinder-Erholungsfahrten das Herzstück
der Tschernobyl-Initative Schöppenstedt. Den Verein gründete Koch 1994, seitdem organisiert er
mit seiner Frau Irene und rund 30 ehrenamtlichen Helfern alle zwei Jahre eine Ferienfreizeit für
Kinder zwischen 8 und 13 Jahren im Freizeit- und Bildungszentrum Asse bei Wolfenbüttel.
An Programm mangelt es während des vierwöchigen Urlaubs nie. «Die Leute kommen auf uns zu
und laden uns ein», sagt Koch. Ob Ponyreiten auf dem Bauernhof, Schlauchbootfahren auf dem
Mittellandkanal, eine musikalische Begegnung im Schlossgymnasium Wolfenbüttel oder ein
Besuch im Phaeno-Museum in Wolfsburg: Solche Aktivitäten sind für die 40-köpfige
Reisegruppe dank Einladungen oder Spenden kein Problem. Obwohl die Mädchen und Jungen
kein Deutsch sprächen, seien die Fahrten beliebt. Alle zwei Jahre bekommen immer neue Kinder
und Betreuer die Chance, nach Schöppenstedt zu reisen. An den Wochenenden sind sie in
deutschen Gastfamilien untergebracht. «Aber immer zu zweit, damit die Sprachprobleme nicht zu
groß werden», sagt Koch.
Bis zu 30 000 Euro kostet den Verein eine Kinderfreizeit. Geld, das die Schöppenstedter bisher
immer über Spenden und mit Zuschüssen gesammelt haben. Trotz der Unterstützung, die er mit
seiner Arbeit erfährt, ist Koch enttäuscht über die unkritische Einstellung seiner Landsleute zum
Thema Atomkraft. Fühlte man sich 1986 auch als Deutscher noch persönlich betroffen, sei jetzt
eher das Gegenteil der Fall. «Damals herrschte Weltuntergangsstimmung - und heute ist alles
vergessen» sagt der 60-Jährige. Dabei sei auch Deutschland permanent von radioaktiver
Strahlung betroffen. Oft passiere es ihm, dass Leute sich für Kinder aus Tschernobyl einsetzten,
aber nicht als Atomkraft-Gegner angesehen werden wollten, erzählt der 60-Jährige.
Deshalb wollen Irene und Paul Koch mit dem Verein auch aufklären. Dazu Halten sie Vorträge
an Schulen und laden zu Informationsabenden mit deutschen Ärzten und ukrainischen Referenten
ein. «Den Strom aus ihrer Steckdose und ein Unglück wie in Tschernobyl, das bringen viele nicht
miteinander in Verbindung», sagt Koch. Selbst moderne Atomkraftwerke mit fortschrittlicher
Technik stimmen das Ehepaar Koch skeptisch: «Umso sicherer die Technik wird, umso eher ist
menschliches Versagen der Grund für ein Unglück», sagen sie.


Jugendbegegnungen mit Kindern aus Luninetz und Minsk
                                                            Neue Rottweiler Zeitung, 11.07.2008
Die Jugendbegegnungen mit Kindern aus Luninetz und Minsk in Weißrussland sind inzwischen
20 Jahre alt und bei den Veranstaltern der Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung
zu einer festen Einrichtung geworden. Auch in diesem Jahr sind wieder 16 Jugendliche in
Rottweil zu Gast. Sie haben in zwei Wochen ein breites Besuchs- und Ausflugprogramm
                                                                                           Seite 85


absolviert und nach ihren Aussagen "jede Menge Spaß" gehabt. Oberbürgermeister Thomas J.
Engeser hat zu einem Empfang in das Alte Rathaus eingeladen und sich über die umfangreichen
Aktivitäten informiert. So befassten sich die Jugendlichen im Rahmen einer Zukunftswerkstatt
mit "Klimaschutz und Energie", ein Thema, zu dem sie nach dem Reaktorunglück 1986 einen
ganz eigenen Bezug haben.


Knaben aus Minsk singen
                                                                       suedkurier.de, 10.07.2008
Die katholische Seelsorgeeinheit Oberes Bregtal darf sich auf ein seltenes Ereignis freuen. Der
Knabenchor der russisch-orthodoxen Kirche aus Minsk in Weißrussland unter Leitung von
Taissia Mironowa gestaltet den Gottesdienst am Sonntag, 27. Juli, um 10 Uhr in der Pfarrkirche
St. Cyriak in Furtwangen musikalisch mit. Der Gottesdienst wird von Pfarrer Markus von
Chamier zudem im byzantinischen Ritus zelebriert. Pfarrer von Chamier besitzt seit 2005 die
Erlaubnis der Ostkirchenkongregation in Rom, in diesem speziellen Ritus zu zelebrieren.
Beim Gottesdienst werden einfühlsame Gesänge aus der byzantinischen Liturgie geboten. Im
Anschluss an die Liturgie, die etwas länger dauert, als die gewöhnliche Sonntagsmesse, bringt der
Chor in einem kurzen Konzert einen kleinen Querschnitt aus seinem Repertoire. Dieses umfasst
sowohl russische Volkslieder als auch Gesänge aus dem sonstigen europäischen Liederschatz.
Den Auftritt des Chores aus Weißrussland ermöglicht der Vorsitzende des Vereins der Freunde
"Haus der Barmherzigkeit" in Fridingen, Sigurd Quednow aus Pfullendorf. Dieser Verein
unterstützt seit nunmehr 15 Jahren ein Seniorenheim und ein Weisenhaus in Minsk, in dem auch
eine Behinderteneinrichtung, eine Einrichtung für Nuklearmedizin, eine Armenküche und eine
Nähstube untergebracht sind. Die Geldspenden, die der Chor am Ende des Gottesdienstes
sammelt, kommen diesen Einrichtungen zugute in Form von Hilfslieferungen wie Kleidung,
medizinischem Gerät, Verbandsmaterial und Hilfsmitteln für Behinderte und Kranke. Für die
Mitglieder des Chores bittet der Verein um Spenden in Form von haltbaren Lebensmitteln und
Hygieneartikeln, die den Chormitgliedern auf ihre Heimreise mitgegeben werden können.


Begegnung - Kinder aus Oserany in der Grundschule
                                                                              gea.de, 10.07.2008
Sonnenbühl-Erpfingen. Zu Beginn sind alle noch etwas zurückhaltend: Die acht- bis
dreizehnjährigen Kinder aus dem weißrussischen Oserany und die Erst- und Viertklässler der
Erpfinger Grundschule. »Wir freuen uns, dass ihr uns heute besucht«, begrüßt Lehrerin Susanne
Bloch die jungen Gäste, die sich interessiert im Klassenzimmer umschauen. Zum Kennenlernen
hat sie ein Spiel vorbereitet: Alle stehen im Kreis, jedes Kind sagt seinen Namen und macht eine
Bewegung dazu. Namen und Bewegungen werden so lang wiederholt, bis alle im Kreis an der
Reihe waren. Das ist gar nicht so einfach, macht den Kindern aber viel Spaß. Alle lachen
miteinander.
22 Kinder, sieben Mütter und Dolmetscherin Irina Tishkovskaja sind seit fast drei Wochen im
Feriendorf Sonnenmatte Gäste des »Freundeskreises Kinder von Oserany«. Jedes Jahr organisiert
der Verein diese »Sommerfrische« für bedürftige Kinder und Jugendliche aus Weißrussland.
Jedes Jahr kommen einige mit, die dringend eine bestimmte Behandlung brauchen.
Neben dem »Standardprogramm« wie Ausflügen in die Bärenhöhle, in die Wilhelma, ins
Badkapp oder nach Reutlingen ist in diesem Jahr zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine
Begegnung mit Erpfinger Kindern vorgesehen. Das Experiment gelingt. Das Lachen verbindet.
Dass die russischen Kinder mit ganz anderen Buchstaben schreiben als die deutschen erfahren die
Grundschüler dann von den Gästen. Gegenseitig bringen sie sich in den beiden Sprachen bei, wie
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die Zahlen von eins bis fünf lauten. Die brauchen sie nämlich für das folgende Spiel auf dem
Pausenhof. Beim gemeinsamen Basteln von Papierblumen geben sich dann alle besondere Mühe.
Die bunten Blüten überreichen sich die Kinder aus Oserany und Erpfingen am Ende gegenseitig
als Erinnerung.


Drei Wochen Urlaub für Tschernobyl-Kinder
                                                           stuttgarter-wochenblatt.de, 09.07.2008
Naturfreunde laden Kinder aus der verstrahlten Region ein - Geld- und Sachspenden gesucht.
Untertürkheim. 22 Jahre liegt die Reaktorkatastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl zurück.
Viele Menschen - vor allem viele Kinder - leben bis heute in der verstrahlten Zone und sind
ständig radioaktiver Belastung ausgesetzt. Deshalb laden die Naturfreunde Untertürkheim
zusammen mit den Backnanger NaturFreunden schon seit 15 Jahren strahlengeschädigte Kinder
ein, in den Sommerferien drei Wochen in Deutschland zu verbringen. Auch dieses Jahr werden
20 Kinder aus Weißrussland im Naturfreundehaus Sechselberg im schwäbischen Wald erwartet.
Die Kinder kommen aus Buda-Koschelewo, das rund 120 Kilometer von Tschernobyl entfernt
und heute noch stark verstrahlt ist. Natürlich ist ein dreiwöchiger Aufenthalt nur ein Tropfen auf
dem heißen Stein. Aber ein wichtiger: Die Kinder können in unverstrahlter Umgebung mit
gesundem Essen auftanken, Ausflüge machen, Spaß haben. Da sie im Flachland aufwachsen,
fühlen sie sich hier beinahe wie im Gebirge. Sie werden von ehrenamtlichen Helferinnen und
Helfern betreut und von einer Übersetzerin begleitet. Jedes Jahr wählt die Partnerorganisation der
Naturfreunde in Weißrussland andere Jungen und Mädchen für den Erholungsurlaub aus. "Unser
Ehrgeiz ist, möglichst viele Kinder zu erreichen", sagt Margarete Hofstetter von den
Untertürkheimer Naturfreunden. Eine Ausnahme ist die zwölfjährige Vika, die schon zum
wiederholten Mal kommen darf, weil sie gleichzeitig medizinisch behandelt wird. Das Mädchen
hatte von Geburt an nur ein Auge und litt sehr unter dieser Missbildung. Im Jahr 2007 bekam
Vika in Deutschland einen künstlichen Augapfel eingesetzt. Mit dem kann sie zwar nicht sehen,
aber ihr Selbstbewusstsein und ihre Lebensfreude sind seither enorm gewachsen. Vika muss, weil
sie noch wächst, auch dieses Jahr wieder behandelt werden.
Den Aufenthalt der Kinder können die Naturfreunde trotz der vielen Ehrenamtlichen nur über
Spenden finanzieren. Alle Spender, aber auch alle anderen sind eingeladen, am Bergfest im
Naturfreundehaus Sechselberg teilzunehmen und selbst die Kinder zu erleben. Das Fest findet am
10. August ab zwölf Uhr statt.
Parallel zur Ferienaktion starten die Naturfreunde Untertürkheim eine Sammlung von Hilfsgütern
für Weißrussland. Gesucht wird saubere, gut erhaltene Kleidung für Babys, Kinder und
Jugendliche, warme Kleidung für Erwachsene, gute sportliche Schuhe und Sandalen jeder Größe
sowie Bettwäsche, Handtücher, Stoffe, Wolle und Schulranzen. Die Sachen können von Montag,
7. Juli bis Samstag, 19. Juli täglich von 15 bis 18.30 Uhr in der Fellbacher Straße 113 abgegeben
werden. Die Hilfsgüter werden mit großen Trucks in die Region Gomel gebracht. Pro Karton
entstehen dabei Kosten von rund fünf Euro: Deshalb sollten nur sehr gut erhaltene Dinge
verschickt werden - und es werden wieder Geldspenden gebraucht.
Das Spendenkonto für beide Aktionen lautet: Tschernobyl-Kinder, Naturfreunde Untertürkheim,
Konto 1 010 000 bei der Volksbank Untertürkheim, BLZ 600 603 96. Kontaktperson für
Rückfragen ist Margarete Hofstetter, Telefon 33 29 96.
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Erholung für geschwächte Kinder
                                                           rhein-berg-online.ksta.de, 07.07.2008
Wir können die Kinder nicht von ihren Krankheiten heilen, aber wir können ihnen eine gesunde
Ernährung und Erholung von dem Stress, den sie zu Hause haben, bieten“, erklärt Klaus Pimpels.
Kürten - Er ist der Organisator des Projekts, das Kindern im Alter zwischen neun und 15 Jahren
aus Bobruisk, einer Stadt in Weißrussland, drei Wochen Erholung im Bergischen Land bietet. Die
Kinder sollen sich hier von der Strahlenbelastung, welche durch die Tschernobyl-Katastrophe
1986 verursacht wurde, erholen.
Die Ehrenamtler aus Biesfeld bieten bereits seit sieben Jahren das Ferienprogramm für
weißrussische Kinder an. Finanziert wird das Projekt ausschließlich durch Spenden. Klaus
Pimpels erläutert die Probleme, die sich dadurch ergeben: „Es wird immer schwieriger, weil alles
viel teurer wird. Der Bus, mit dem die Kinder in Bobruisk abgeholt werden, kostet mittlerweile
über 5000 anstatt 3800 Euro.“ Die Kinder wohnen während ihres Aufenthalts in der Grundschule
in Biesfeld. Kleidung und Betten werden von den Johannitern sowie den Bürgern der Gemeinde
Kürten gestiftet. In der Kirchenkollekte wurde für die Kinder gesammelt, und die örtlichen
Geschäftsleute bieten Lebensmittel zu Sonderpreisen an. Klaus Pimpels freut sich über das
wachsende Engagement der Biesfelder: „Viele Leute haben spontan ihre Hilfe angeboten.“
Bei Ausflügen auf den Kölner Dom, in den Zoo und in das Schokoladenmuseum sollen die
Kinder ihre Sorgen vergessen. Ehrenamtliche Helferinnen aus der Gemeinde begleiten sie und
kümmern sich um eine gesunde Ernährung. „Das ist sehr wichtig, weil die Felder auf denen sie
Obst und Gemüse anbauen, verstrahlt sind“, betont der Organisator. Die russischen Ärzte
bestätigten, dass die Kinder, die an der dreiwöchigen Erholung teilgenommen hätten, bereits ein
stärkeres Immunsystem gebildet hätten.
Der größte Lohn für Klaus Pimpels ist es, „die Dankbarkeit und die Zufriedenheit in den
Kinderaugen zu sehen“


Ein Lächeln für Natascha
                                                             Schweriner Volkszeitung, 04.07.08
20 Stunden im Auto, 2600 Kilometer unterwegs - und das um zu helfen: Detlef Thom,
Maximilian Müller, Jürgen Höpfner, Peter Beutel und Michael Dinnebier vom Deutschen Roten
Kreuz (DRK) haben es auf sich genommen. Die Männer aus Bützow und Umgebung brachten
ehrenamtlich in Kooperation mit dem DRK Spenden zu Kindern und Behinderten nach Pinsk in
Weißrussland.
"Es ist immer etwas Besonderes, diese Reise anzutreten", sagt Michael Dinnebier. Die
Gastfreundschaft und die Schicksale, mit denen die Deutschen konfrontiert werden, hinterlassen
bleibende Bilder. Bilder, die sie immer wieder aufs Neue motivieren, zu helfen. "Es ist toll,
Menschen zu unterstützen. In Pinsk erkennt man, was es für wirkliche Probleme gibt", sagt
Dinnebier. Bei diesem Besuch konnten die Helfer Kindern im Heim mit Schreibutensilien und
Plüschtieren eine Freude machen. "Wir haben die Dinge vom Landwirtschaftsamt in Bützow
bekommen. Im Heim wurden wir mit einem Programm begrüßt. Die Gedichte und Lieder, die die
Kleinen gesungen haben, waren wirklich schön", erinnert sich Dinnebier. Sprachbarrieren oder
Verständigungsprobleme? Keineswegs. "Mit der Zeit kommt das Russisch, das wir in der Schule
gelernt haben, wieder. Außerdem war eine Dolmetscherin dabei", so Dinnebier. Unvergesslich
solche Momente wie der, als das kleine Mädchen Natascha ein Kuscheltier auspackt und sich
herzzerreißend freut.
Als Dank dafür erleben sie die Gastfreundlichkeit der Menschen in Pinsk. "Bei fast jedem Besuch
bekommen wir etwas zu essen. Es ist nur gewöhnungsbedürftig, dass die Menschen dort sehr viel
                                                                                              Seite 88


Knoblauch essen", sagt Dinnebier. Nur der Wodka danach mache die Sache erträglicher. "Danach
ist der Geschmack nicht mehr so stark", sagt der 48-Jährige.
Was Zuneigung wirklich bedeuten muss, lernten die fünf Männer beim Besuch eines Ehepaares
kennen. "Seit einer Schlägerei ist der Mann vom Kopf abwärts gelähmt. Seine Frau lernte den
Mann im Krankenhaus kennen. Seitdem sind die Beiden unzertrennlich. Das ist wahre Liebe",
sagt Dinnebier. Für diesen Mann brachten die Helfer ein besonderes Geschenk mit. "Wir haben
durch eine Spende einen Lift gekauft, mit dem die Frau ihren Mann alleine aus dem Bett heben
kann. Vorher benötigte sie dafür immer fremde Hilfe."
Wenn die fünf Männer ihren nächsten Besuch planen, steht ein klappbarer Rollstuhl ganz oben
auf der Liste der Mitbringsel. "Wir haben einen Mann kennengelernt, der an den Rollstuhl
gefesselt ist, weil dieser breiter als die Tür ist. Also kann der Mann nicht nach draußen", sagt der
48-Jährige. Durch Spenden beim Stadtfest Ende August in Bützow wollen die DRK-Helfer das
Geschenk finanzieren. "Wir versteigern unsere Gastgeschenke. Dabei ist auch selbst gebrannter
Wodka", verrät der Bernitter. Außerdem wollen die Männer den Kochlöffel schwingen und
Borschtsch kochen.


Kinder aus Tschernobyl besuchen Fridericus Rex: 17. Aufenthalt im Kreis
Herford
                                                                    Mindener Tagblatt, 02.07.2008
Der Verein "Kinder aus Tschernobyl in Herford e.V." meldet das erfolgreiche Ergebnis seiner
Bemühungen um Spenden. Darüber hinaus wurden Gastfamilien für den nächsten Aufenthalt der
Kinder vom 10. Juli bis zum 8. August gefunden.
Insgesamt 30 Kinder aus der Tschernobyl-Region in Weißrussland sind zum Erholungsaufenthalt
in Rödinghausen und im Kreis Herford eingeladen.
Die Kindergruppe aus Paritschi und Belynitschi wird begleitet von Pavel Aniskovets und
Swetlana Tschernikowa, die als Dolmetscherin die bisherige Übersetzerin Valentina Antonenko
entlasten soll. Den Grund verrät Ludwig von Behren, Vorstandsmitglied im Verein: "Valentina
soll die anstrengende Übersetzungsarbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht allein leisten."
Das vorbereitete Programm enthält neben Altbewährtem auch einige neue Punkte. Am Sonntag,
20. Juli, um 10 Uhr werden die Kinder wieder im Gottesdienst in Exter zu Gast sein, ab etwa 12
Uhr werden sie nun schon traditionell von den Mitgliedern des Valdorfer Reitervereins Fridericus
Rex auf dem Reiterhof Rethemeier empfangen. Der Umgang mit den Pferden gehört stets zu den
Höhepunkten des Aufenthalts im Kreis Herford, weiß von Behren.
Dass auch wieder der vom Lions-Club Bad Salzuflen und dem Vlothoer Mitglied Fred Strunk
gesponserte Ausflug in den Safari-Park Stukenbrock stattfinden kann, freut den Verein besonders.
In Rödinghausen ist für den 29. Juli wieder der von den Kindern gestaltete Kulturabend im Haus
des Gastes vorgesehen. Ludwig von Behren: "Die Vereinsmitglieder erwarten mit Vorfreude die
gemeinsame Zeit mit den Kindern und Freunden aus Belarus, zu denen inzwischen feste
Verbindungen gewachsen sind."
Der aktuelle Aufenthalt wird die 17. Auflage der Erholungssuche im Kreis Herford sein. In den
Anfangsjahren waren die Kinder zunächst in der Jugendherberge Vlotho und dann in den
Gastfamilien untergebracht. Ludwig von Behren, ehemals Pfarrer in Valdorf und Vorgänger von
Christoph Beyer, hatte sich bereits frühzeitig um die Erholung der Kinder gekümmert und war
auch nach Weißrussland gereist.
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Gäste aus Weißrussland: Fahrerwechsel auf dem Rastplatz
                                                                Kölner Stadtanzeiger, 30.06.2008
Seit 15 Jahren machen Kinder aus dem weißrussischen Minsk Urlaub im Rhein-Erft-Kreis. Nach
einer nicht ganz planmäßig verlaufenen Busfahrt kamen 23 Kinder und Jugendliche in Bedburg
an.
Bedburg Seit bereits 15 Jahren ermöglicht die Tschernobyl Kinderhilfe Bedburg / Erft Urlaube
für Kinder und Jugendliche aus dem weißrussischen Hauptstadt Minsk in Deutschland. Am
Samstagmorgen traf die erste Gruppe dieses Sommers pünktlich in Bedburg ein. Dank des
effektiven Krisenmanagements des Vereins. Denn ganz ohne Probleme verlief die Busfahrt von
Weißrussland nach Bedburg diesmal nicht.
Um drei Uhr nachts war noch alles in Ordnung. Der Bus überquerte wie geplant die deutsche
Grenze bei Frankfurt an der Oder. Doch dann wurde die Vereinsvorsitzende Sylvia Schiffer und
ihr Mann Josef von schlechten Nachrichten unsanft geweckt. Natascha Kisel, die als
Dolmetscherin den Bus begleitete und den Kontakt nach Bedburg hielt, hatte gerade erfahren,
dass der Bus nur bis zehn Uhr fahren darf, da nur zwei Fahrer an Bord waren und nicht, wie
vereinbart, drei. So hätte der Bus es höchstens bis ins Ruhrgebiet geschafft. Die 23 Kinder und
Jugendliche im Alter zwischen drei und 22 Jahren hätten erst neun Stunden später weiterfahren
können.
Fieberhaft suchten die Bedburger nun einen Weg, die Weiterfahrt zu ermöglichen. Also riefen sie
mitten in der Nacht bei Edmund Schumacher aus Kerpen an, einem befreundeten Busfahrer, der
sie nach kurzem Überlegen an Elke Musch aus Frechen-Habbelrath verwies, die ebenfalls einen
entsprechenden Führerschein hatte. Die sagte direkt ihre Hilfe zu und war bereit die Gruppe bis
Bedburg zu fahren. Auf einem Rastplatz bei Bottrop, etwa 90 Kilometer vom Ziel entfernt,
mussten dann nur noch die Busfahrer überzeugt werden, eine Frau ans Steuer zu lassen. „In
Weißrussland ist es Frauen verboten, Reisebusse auf internationalen Strecken zu fahren“, erklärt
Schiffer die Diskussion um den Fahrerwechsel. Den beiden Fahrer musste erst verständlich
gemacht werden, dass dies in Deutschland anders ist. So kam die Gruppe doch noch pünktlich in
Bedburg an, wo sie sich auf Gastfamilien aufgeteilt zwischen vier und acht Wochen erholen
kann.


Helping children to overcome the Chernobyl legacy
                                                                      Times and Star, 26.06.2008
A group of West Cumbrians dedicate a month to looking after youngsters affected by the
Chernobyl nuclear disaster. Every year, 12 children stay with families, organised by charity
Friends of Chernobyl’s Children, and are taken out and about with volunteers from the area. The
charity believes fresh air, good food, vitamins and exercise, even for just a month, can add years
to the life expectancy of children from Belarus. Another aim is to provide the children with love
and care. This year, a group of seven to 10-year-olds from Mogilev in Belarus are in West
Cumbria. Their hometown and the surrounding area was one of the worst-affected places
following the Chernobyl nuclear plant disaster in 1986. The land is still contaminated and
children are still at risk of contracting cancer or leukaemia. They have weakened immune
systems, pick up illnesses easily and families cannot afford basic medicine. Ten-year-old Nikita
Kabanov’s host parents are Denise and Kevin James, of Gilgarran. Denise, 48, said: “We don’t
have children so when Nikita arrived it was a bit daunting.
“It was also a culture shock. He didn’t speak English but I got a Russian/English picture
dictionary and we had a laugh learning words. “He’s always been lively and is so grateful for
everything. We sometimes stay at our caravan near Silloth, and the first time we went he had
never seen the sea before. “We bought a bucket and spade for £1.25 and he dug on the beach for
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four hours. While the other children on the beach got bored he kept going. It was amazing.” This
is the last year Denise and Kevin will have Nikita, but they plan to keep in touch and possibly
have him to stay at Christmas. Denise said she has loved being a host parent. She added: “It’s
lovely to have Nikita here. When the children arrive and get off the bus they have a grey pallor
and their hair lacks shine, so it is good to see them go back with some colour, looking healthier.
But it’s always dreadful saying goodbye.”
During their stay, the children have dental checks and eye tests in Cockermouth, where they are
given free glasses if needed. They are also given a year’s supply of multivitamins to take back
home, to boost their immune systems, plus medicine and warm clothing. The fun factor is also a
big part of the visit, and the charity organises an action-packed schedule to places such as
Keswick’s pencil museum and the Rum Story in Whitehaven.
Kate Wilson, group co-ordinator for FOCC north and West Cumbria, said: “The children are
selected by the education department in Belarus. They come for three years, then another 12
children can come over; as long as children in Mogilev need us we will continue to bring them
over. “We raise money locally and need to have enough for the air fares. We have a rota of
volunteers to help out, who do the dentist and optician runs, provide lunch or drive the minibus.”
To find out more or to donate to Friends of Chernobyl’s Children, visit www.focc.org.uk or email
Kate at katewilson@react-consultancy.co.uk
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    REPORTAGEN, ANALYSE, INTERVIEWS, MEINUNGEN

Fly On the Wall In Belarus
                                                     tradingmarkets.com, by Andy Heil, 25.07.2008
Belarusians are no strangers to the coercive tactics of Alyaksandr Lukashenka's security services,
it's not every day that the rest of us get to eavesdrop on such arm-twisting. But an audio recording
that came to the attention of our Belarus Service makes clear that it's just as ham-fisted as you
might imagine.Alyaksandr Mekh was a local activist and an engineer for the state gas monopoly,
Beltransgaz, when he declared his intention to run for the national parliament in the September 28
elections. Given Mekh's activities in the opposition Belarusian Popular Front (BNF), the KGB
was oon on the case. Mekh was summoned to a meeting in early June with a Beltransgaz district
executive, Uladzimir Halashka, and the KGB's top man in obryn, Andrey Basko. Less than four
weeks later, Mekh was out of a job and unemployable."
Here's some of what transpired at that June 4 meeting:
Basko: You're either with us or against us. That's it.
Mekh: What do you mean "with you"? I'm always with the people. I don't know.
If you're against me, so you're against. But I'm always with the people.
Basko: Don't make generalizations.
Halashka: You are forcing me to act within the limits of the law. You are
forcing me. You should choose between this [parliamentary candidacy] and
work.
Halashka: After elections, nobody in Kobryn will hire you. Do you understand
that?
Mekh: I understand.
Basko: Poland will hire him.
Halashka: Yes, Poland will hire him.
Basko: But in Belarus, it's unlikely.
Mekh: What does Poland have to do with it?
Halashka: Because you'll simply be unemployed. You're a smart person. Think
about what you're doing. You won't earn anything. How will you feed the
family? Nobody will hire you in Kobryn.
Basko: I think you'll forget about me as soon as you leave this room, right?
Mekh: If you insist that I remember you, I'll remember you.
Basko: You know if there's any publication on the Internet -- you know how o do such things --
I'll do everything within the limits of the law....
Copyright (c) 2006. RFE/RL, Inc. Reprinted with the permission of Radio Free
Europe/Radio Liberty, 1201 Connecticut Ave., N.W. Washington DC 20036. Cpyright (c) 2006.
RFE/RL, Inc. Reprinted with the permission of Radio Free urope/Radio Liberty, 1201
Connecticut Ave., N.W. Washington DC 20036.www.rferl.org
                                                                                          Seite 92



Opposition in Belarus klagt über Benachteiligung bei der
Kandidatenaufstellung
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Die belarussische Opposition klagt über ihre Benachteiligung bereits bei der Registrierung von
Unterstützergruppen für die Kandidaten. „Der Hälfte unserer Regionalbüros wurde die
Registrierung entzogen und sie mussten geschlossen werden.“, sagte Franak Viatschorka,
Mitglied der größten Oppositionspartei „Belarussische Volksfront“ am Mittwoch dem
Europäischen Austausch. „Deshalb können wir nur sechs Kandidaten bei den
Parteiversammlungen ernennen. Die Mehrheit wird durch die Unterschriftensammlung
nominiert“, teilte Viatschorka mit.
Am heutigen Donnerstag endet die Frist für die Registrierung der Unterstützergruppen für die
Kandidaten, die nicht durch die Parteiversammlungen für die Parlamentswahlen am 28.
September nominiert werden können. Diese Gruppen können eigene Kandidaten in den Regionen
aufstellen, wenn sie mindestens tausend Unterschriften pro Kandidaten sammeln. Da die Parteien
kaum über offiziell registrierte Strukturen in den Regionen verfügen, nutzen sie diesen Weg, um
eigene Mitglieder für die Parlamentswahlen am 28. September zu entsenden.
Die Initiative „Menschenrechtler für freie Wahlen“, an der sich mehr als 300 Menschenrechtler,
Juristen und Journalisten aus allen Regionen des Landes beteiligen, forderte am Donnerstag die
regionalen Wahlkommission auf, bei der Registrierung der Kandidaten Transparenz zu
gewährleisten. „Unseren Wahlbeobachtern wird nach wie vor der Zugang zu den Sitzungen der
regionalen Wahlkommissionen verweigert“, sagte Tatjana Revjaka, Sprecherin der Initiative
„Menschenrechtler für freie Wahlen“. „Wir verlangen von den Wahlkommissionen, mit den
lokalen Wahlbeobachtern zusammen zu arbeiten und von dem bisherigen Konfrontationskurs
abzusehen“, sagte Revjaka am heutigen Donnerstag dem Europäischen Austausch.
Die Koalition der oppositionellen Parteien, die Vereinigten Demokratischen Kräfte (VDK), will
in jeder der 110 Regionen einen gemeinsamen Kandidaten registrieren. Insgesamt werden 76
Vertreter der VDK durch die Unterschriftensammlung ernannt. Laut unabhängiger
Nachrichtenagentur „Belapan“ wurden am heutigen Vormittag bereits 39 Unterstützergruppen der
VDK registriert.
Viele Oppositionelle haben sich für den Weg über die Unterstützergruppen entschieden, denn
schon das Sammeln der Unterschriften bringt sie in direkten Kontakt mit den Wählern. „Unsere
Aufgabe ist es nicht bloß, möglichst viele Unterschriften zu sammeln, sondern dem Wähler
entgegen zu kommen und für unsere Programme zu werben“, sagte Viatschorka dem
Europäischen Austausch am Mittwoch.
Boykottrufe der Opposition werden lauter
Immer mehr Parteien wollen die Parlamentswahlen boykottieren. Wie die unabhängige
Nachrichtenagentur „Belapan“ heute mitteilte, soll die Liberal-Demokratische Partei des
ehemaligen Präsidentenkandidaten Sergej Gajdukevitsch an den Wahlen nicht teilnehmen.
Bereits gestern wurde bekannt, dass die regionalen Vertretungen der Oppositionspartei
„Vereinigte Bürgerpartei“ die Parlamentswahlen boykottiert werden, sollten ihre Mitglieder nicht
in die lokalen Wahlkommissionen aufgenommen werden. Auch die oppositionelle Belarussische
Sozialdemokratische Partei (Gromada) des ehemaligen Staatschef Stanislau Schuschkewitsch
erwägt einen Boykott der Parlamentswahlen. Die „Belarussische Volksfront“ will ihre
Entscheidung erst bei der Parteiversammlung am 10. August treffen. „Ohne massive
Unterstützung der Gesellschaft hat ein Boykott keinen Sinn“, sagte Franak Viatschorka dem
Europäischen Austausch am Mittwoch. „Es wird keine richtige Wahlen geben, deshalb fordern
wir die Wähler auf, ihr Stimmrecht auf der Straße zu verteidigen“, sagte Viatschorka weiter.
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Die Boykottrufe der Opposition werden nach der Zusammensetzung der regionalen
Wahlkommissionen immer lauter. Für die 110 regionalen Wahlkommissionen wurden bereits am
15. Juli insgesamt 1430 Mitglieder, darunter Vertreter der politischen Parteien, der
gesellschaftlichen Organisationen und der Arbeiterkollektive gewählt. Die Vertreter der
Oppositionsparteien konnten nur rund 2,2 % der Gesamtzahl der Sitze in den regionalen
Kommissionen belegen.
Wahlkommission erwartet Zufriedenheit bei der Opposition
In einem Interview mit der staatlichen Zeitung „Sowietskaja Belorussija“ sagte die Vorsitzende
der Zentralen Wahlkommission, Lidja Jermoschyna, am Mittwoch in Minsk, dass die Opposition
mit den Ergebnissen der Auswahl der Kommissionsmitglieder zufrieden sein sollte. „Sie haben in
den Wahlkommissionen viel mehr Plätze als bei den letzten Parlamentswahlen bekommen“, sagte
Jermoschyna. Sie warnte gleichzeitig die Unterstützergruppen vor dem Versuch, Unterschriften
von Wählern zu fälschen. Es sei schon vorgekommen, dass die Unterschriften, die ursprünglich
für einen berühmten Politiker auf leeren Formularen gesammelt worden seien, später für einen
anderen Kandidaten genutzt worden seien, sagte sie.
„Leider kann es ein Signal für die Wahlkommissionen sein, wie sie die Unterschriftenlisten
einiger Kandidaten überprüfen sollten“, konstatierte Tatjana Revjaka am Donnerstag. Die
Überprüfung der Unterschriften verlaufe widerrechtlich hinter verschlossener Tür und könne
nicht beobachtet werden. „Wir fordern daher die Wahlkommissionen auf, den Menschenrechtlern
das Monitoring aller Sitzungen, an denen Entscheidungen getroffen werden, zu ermöglichen“.




                                                      STATEMENT BY OLGA KARATCH
                                         LEADER OF THE “OUR HOUSE” CIVIC CAMPAIGN
                                                                   Ul. Chkalova 28-3-128
                                                                          210032 Vitebsk
                                                                              BELARUS
                                                           E-mail: office@nash-dom.info
Staatsmacht geht gegen unabhängige Journalisten vor
23.07.2008. Von 10.15 bis 12.12 Uhr haben Mitarbeiter der «Abteilung für den Kampf gegen
Organisiertes Verbrechen» des Gebiets Witebsk eine Hausdurchsuchung in der Wohnung von
Schanna Popowa, der Direktorin des «Verlagshauses Witebsker Kurier» durchgeführt. Dieses
Verlagshaus gibt die heutzutage einzige im Gebiet Witebsk registrierte unabhängige öffentlich-
politische Zeitung «Witebsker Kurier M» heraus.
Die offizielle Begründung der Hausdurchsuchung: «Im Zusammenhang mit dem Verbrechen
einer Explosion in Minsk am 4. Juli, bei Feierlichkeiten des Unabhängigkeitstages».
Es handelte sich um Milizionäre aus Minsk und Witebsk, die zum speziellen «Eingreif-Stab»
gehören, der unter der «Abteilung für den Kampf gegen Organisiertes Verbrechen» gegründet
worden ist. Es waren viele, etwa 10 bis 15 Menschen. Dem Bürgerrechtler und Journalisten
Walerij Stschukin wurde erlaubt, als Zeuge während der Hausdurchsuchung anwesend zu sein.
Im Anschluss an die Hausdurchsuchung wurde Schanna Popowa in die «Abteilung für den
Kampf gegen Organisiertes Verbrechen» des Gebiets Witebsk «zur Aufnahme von Beweisen»
abgeführt.
Auf der Miliz-Station wurde gesagt, dass es Verdachtsmomente gebe, dass die Direktorin des
unabhängigen Verlagshauses im Zusammenhang mit der Explosion in Minsk stehe. Infolge der
Durchsuchung wurden Disketten, Discs und Memory-Sticks beschlagnahmt. Die Miliz erklärte
dies damit, dass sich dort eine Zeichnung des Explosions-Körpers befinden könne. Die
Mitarbeiter der Miliz versuchten, auch einen Computer zu beschlagnahmen, aber da bereits bei
                                                                                           Seite 94


einer vorhergehenden Durchsuchung der Wohnung von Schanna Popowa der Computer
beschlagnahmt worden war, und die Milizionäre nur einen Teil dieses Computers zurückgegeben
hatten, war es ihnen diesmal unmöglich, den selben Computer ein zweites mal mitzunehmen.
Olga Karatsch, stellvertretende Direktorin des «Verlagshauses» ist davon überzeugt, dass die
Durchsuchung der Wohnung von Schanna Popowa in Verbundung steht mit ihrem Brief vom
21.07.2008 (also zwei Tage vor der Durchsuchung) an die «Abteilung für Innere
Angelegenheiten» des Witebsker Gebietes mit der Forderung, die konfiszierte komplette Auflage
der unabhängigen Zeitung «Witebsker Kurier» zurückzugeben, die ohne Angabe von Gründen
am 24.04.2008 beschlagnahmt worden war. Bis heute weigert sich die Miliz sowohl, eine
Begründung für diese Beschlagnahme zu geben, als auch die konfiszierte Auflage
zurückzugeben.
Überhaupt nicht gefallen hat der Miliz die Unterstützer-Gruppe, die sich bei der Wohnung von
Schanna Popowa versammelte. Aus irgendeinem Grunde führten Milizionäre die Durchsuchung
durch, von denen nicht einer in Uniform war, alle waren in Zivil. Anfangs stritten drei
Milizionäre in Zivil lange mit den Anwesenden darüber, ob sie sich in der Nähe einer Wohnung,
in der «Untersuchungsvorgänge laufen», aufhalten dürften. Die Milizionäre waren der Meinung,
dass das nicht ginge. Die Unterstützergruppe war davon überzeugt, dass dies möglich sei.
Daraufhin schlug die Miliz einen anderen Weg ein: sie versuchte, Wjatscheslaw Andrejew, Setzer
in der Zeitung «Witebsker Kurier M» aus irgendeinem Grunde auf die Milizwache des
«Eisenbahn»-Bezirks abzuführen, obwohl die Durchsuchung und auch der Wohnort
Wjatscheslaw Andrejews sich auf dem Territorium der Milizwache des «Oktober»-Bezirks
befindet. Als am Ende einige Menschen gemeinsam mit Schanna Popowa zum «Komitee für den
Kampf gege Organisiertes Verbrechen» losfuhr, wurde in der Nähe der «Gebiets-Abteilung für
den Kampf gegen Organisiertes Verbrechen» das Taxi blockiert von zivilen Automobilen der
Milizbeamten, Wjatscheslaw Andrejew wurde vom Auto aus abgeführt und auf die Milizwache
des «Eisenbahn»-Bezirks abgeführt. Olga Karatsch hat ihn als öffentliche Beobachterin auf die
Milizwache des «Eisenbahn»-Bezirks begleitet. Dort versuchte man ohne Angabe von Gründen
von Olga Karatsch und Wjatscheslaw Andrejew Fingerabdrücke zu nehmen und sie vor einer
Wand zu photographieren. «Sie wollten uns wie irgendwelche Verbrecher photographieren – ich
habe soetwas vorher nur in amerikanischen Krimis gesehen.» erzählte Olga Karatsch.
«Mitarbeiter der Miliz erklärten, dass es die bürgerliche Pflicht eines jeden Bürgers von Belarus
sei, «freiwillig seine Fingerabdrücke zu geben und sich photographieren zu lassen», damit sie uns
irgendwo registrieren könnten. Ich habe ihnen geantwortet, dass wenn die Miliz beginnt, ihre
bürgerliche Pflicht gegenüber den Bürgern zu erfüllen, meinetwegen auch ich dazu bereit sein
werde, meine bürgerlichen Pflichten zu erfüllen. Aber so lautet meine Antwort kategorisch
«Nein», solange nicht die notwendigen Papiere vorgelegt würden», erzählte Olga Karatsch. Nach
der natürlichen Aufregung und der kategorischen Weigerung, Fingerabdrücke zu geben, wurden
die jungen Leute freigelassen. Müssen wir mit neuen Übergriffen auf die unabhängige Presse
rechnen?


Latest Analysis on Current Developments in Belarus from Pontis Foundation
                                                                    nadaciapontis.sk, 21.07.2008
Dear friends and colleagues,
As the long hot summer lingers on, the Pontis Foundation is pleased to present the latest
analysis of the Belarus Public Policy Fund (BPPF), dealing with current developments in Belarus.
This newest paper focuses on the recent changes in the controlled transition the country is
currently experiencing. The rising influence of President Lukashenka’s son Viktar, alongside his
technocratic supporters have played a huge role in pushing aside the former elite power brokers
the ‘siloviki’, ostensibly grouped around the recently-dismissed Security Council chief Sheiman.
                                                                                               Seite 95


The bombing at the Independence Day celebrations earlier this month has only gone to reinforce
speculation surrounding the country’s transition and its future, which continues to lay firmly in
the grip of President Lukashenka. But a possible change on the horizon may appear in the form of
the President’s son, who may very well become the leading candidate in the 2011
elections. As surprisingly as this may sound, these developments could open up new
opportunities for the EU to tap into this transition process and encourage further changes.
A year ago, the Pontis Foundation published a brief entitled ‘There can be Only One’ suggesting
Aliaksander Lukashenka to be all-powerful. Recent changes in the regime suggest another player
has now arrived on the scene, thus giving rise to the Lukashenkas. This BPPF analysis outlines
what impact this newly established family clan can have for the future of Belarus.
This analysis is available at http://www.nadaciapontis.sk/en/13209
Enjoy your summer,
nadacia pontis / pontis foundation
grosslingova 59, 811 09 bratislava, slovakia
tel./fax: (421 2) 5710 8111 / 5710 8125
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The comb-over Soviet-style tyrant who could soon be one of the West's
favourite allies
                                                    dailymail.co.uk, by Peter Hitchens, 19.07.2008
Get ready for the coming transformation of Europe's last official dictatorship into a smiley,
freedom-loving friend of the West. Step forward Belarus and its President- for- Life Alexander
Lukashenko, about to be repackaged as Mr Nice - and perhaps to be ushered gently into the
European Union as his reward.
Stranger people have overcome such problems - much of the world continues to fawn on the
blood-encrusted tyrant Fidel Castro - and the faults of nastier countries have been conveniently
forgotten, especially in Africa, for the sake of wealth or power. But not often.
President Lukashenko seems intent on proving that absolute power can drive a man absolutely
loopy. He has recently taken to proclaiming that his four-year-old illegitimate son is also his heir.
His wife lives a reclusive life as a milkmaid in a remote farmstead.
Meanwhile, the President's opponents suffer a variety of sticky ends - truncheons and teargas for
the small fry, trumped-up charges and squalid jails for the bigger fish, total disappearance for
others.
Troublemaking journalists vanish too, or are found mysteriously knifed to death by persons
unknown. How do you solve an image problem like this? Well, ex-Comrade Lukashenko has
been chatting discreetly to none other than Tim Bell (Baron Bell of Belgravia to you), the man
whose matchless PR skills smoothed the edges of Margaret Thatcher, helped defeat Arthur
Scargill's coal strike and more recently alerted the world to the case of the murdered Russian
exile Alexander Litvinenko.
Also paying court to President Lukashenko is veteran Thatcherite smoothie Lord Parkinson, who
recently accepted an official invitation to the sinister Belarus capital Minsk and was welcomed
into the presence of Lukashenko himself.
Another visitor to Minsk is Patrick Robertson, who once provided his services to Chile's unloved
General Pinochet.
                                                                                               Seite 96


Belarus is one of the US State Department's proclaimed 'outposts of tyranny', a designation that
quietly replaced the old axis of evil. Since January 2005, Secretary of State Condoleezza Rice has
listed it along with Zimbabwe, Burma, Iran, North Korea and Cuba as a five-star pariah nation.
Should he take on the task of polishing Belarus, Lord Bell ought not to despair at this. For, as we
shall see, the official rules about who is, and who is not, a tyrant are remarkably flexible.
And having visited quite a lot of prison states, from present-day North Korea and Uzbekistan to
the old East Germany, I can vouch for the fact that, at first sight, this is the nicest despotism you
are likely to find in a long time. It even says 'I Love Belarus' on the police car number-plates.
And Minsk looks like a child's picture-book version of the old Soviet Union.
But this is a Soviet Union that has, unlike the original, learned how to clean its windows and
worked out how to make fridges that don't shudder all day, lifts that don't lurch and lorries that
can move without emitting plumes of oily brown smoke. There are no rust streaks on the freshly
painted blocks of flats. The buses rolling along the well kept boulevards are new and shiny, if a
little under powered when full of people and struggling to make it up the majestic slope of
Independence Avenue. The shops are full of food, clothes and furniture, and better still, you can
actually buy them. The official Press boasts of how Lukashenko has raised the standard of living
in a limited sort of way - the average monthly salary can now buy three times as many potatoes
(1,425lb, since you ask) as it could 13 years ago.
There are jobs for everyone, though some of the jobs are a bit odd. And in the modern post office
people are collecting their pensions on time, no small matter in a part of the world where millions
connect the collapse of Communism with the end of their own financial security, and long for the
secure past to come back.
See the troops of patriotic youth taking groceries to the old folk or sweeping the streets on
Saturdays without pay. Look at the smart new village halls out in the countryside, see the proud
young mothers collecting the keys of rent-free apartments as a reward for giving birth three times.
Look in vain for swaggering Mafiosi and their bodyguards, so common across the border in
Russia.
Notice the almost total absence of Western brands of clothes, food and cosmetics which line the
streets of modern Moscow. No Starbucks. No Pizza Hut. No KFC. No posters featuring foreign
models. The beauties of Belarus are officially protected from foreign competition, and
encouraged by State-sponsored beauty contests in which the President takes a startlingly keen
personal interest.
In the vastness of Minsk there are two branches of McDonald's and perhaps ten Coca-Cola
advertisements. Everything else is - or appears to be - local. A monumental new underground
shopping mall is free of the Western cargo cult that has taken over every other city in the former
communist world. Yet it is not a grimy dump, smelling of old fried potatoes and cabbage soup.
Far from it. If you want them, Minsk has all the clubs and modern restaurants you could desire.
If only the old USSR could have provided such things, the whole of history would have been
different. Lee Harvey Oswald, assassin of JFK, complained about the absence of such things
when, after defecting to Moscow in 1959, he was given a job and a (rather agreeable) flat in
Minsk. But as he wrote in his diary: 'The work is drab, the money I get has nowhere to be spent.
No nightclubs or bowling alleys, no places of recreation except the trade union dances. I have had
enough.' So he headed home, with the result we all know. Drabness is banned. See the joyous, yet
modern posters, using techniques - perhaps learned from New Labour - to make them look sunny
and homely.
The methods are new but the slogans are old: 'Prosperity to our city! Prosperity to our
motherland! This is a state which exists for its people! We are Belarus!' Yet some are openly and
blatantly like those of the old days - vast red and gold placards celebrate the long-ago liberation
from Hitler, using all the old signs except the hammer and sickle. Policemen and the KGB guards
                                                                                                Seite 97


who haunt the deserted streets near the President's office wear enormous peaked caps once
popular with Red Army generals, only perhaps a size or two bigger. A glowering monument to
State security 'heroes', built in the shape of a sword and shield - the old KGB coat of arms - is
piled with fresh, costly official wreaths. And there is even a bust of the grisly old monster Felix
Dzerzhinsky, founder of the KGB, whose statue in Moscow was the first victim of the crowds
when communism fell.
Opposite it is the huge yellow-ochre building where Belarus's KGB still functions under the old
name. Be very careful with your camera round here. Among the happy, happy crowds are an
astonishing number of middle-aged men just walking up and down with mobile phones in their
hands and nothing much to do. No wonder there's so little unemployment and so much order.
There's hardly any graffiti, either. Banksy would not flourish in Minsk. And, good heavens, even
the local lager louts put their empty cans in the litter bins before staggering (quietly) home.
Anyone would think they were being watched.
Please don't think this is a recommendation. Belarus is very nasty indeed if you are mad or brave
enough to challenge the State. In 1999, opposition leaders Viktor Gonchar and Yuri Zakharenko
simply 'disappeared' and are believed to have been murdered and buried in trackless forests by
death squads. Journalist Veronika Cherkasova was unwise enough to investigate an arms deal
between Belarus (which still produces a lot of military equipment) and Iraq. On October 20,
2004, she was stabbed 40 times by persons unknown and left for dead in her Minsk flat, with a
blade still stuck in her chest and bloodstains on her address book. Insultingly, the authorities tried
to pin the killing on her distraught family. Another awkward journalist, Dmitry Zavadsky, simply
vanished from the face of the Earth on his way to the airport in 2000.
Sometimes, foolhardy people take seriously the country's claim to be a democracy and contest
elections. This is unwise. If they try to hold rallies, phalanxes of riot police come jogging out of
secret barracks, clubbing and gassing anyone who cannot outrun them. Prison and spiteful
humiliation await anyone who pushes things too far.
Alexander Kazulin, a one-time colleague of Lukashenko, became too popular and was jailed in
2006 on ludicrous charges of 'hooliganism' and 'incitement to mass disorder' after taking part in a
wholly peaceful demonstration against the dictatorship. He even offered flowers to the police,
who responded by knocking him to the ground, beating him up and throwing him into prison.
Later, shortly before being locked up for more than five years, Kazulin said: 'We're not afraid of
tanks and violence; we're afraid of prisons and having no freedom. We're tired of living in a
spiritual prison.'
Mikhail Marinich, another former Lukashenko colleague who tried to oppose him, was
preposterously accused of stealing computers from the US Embassy. Despite the embassy
pointing out that no computers had actually been stolen, Mr Marinich duly went to jail.
Still more shameful is the case of Yuri Bandazhevsky, a scientist who criticised the State's
response to the Chernobyl disaster (a large part of Belarus remains severely contaminated). He
got an eight-year sentence for supposedly receiving bribes, though there was no material evidence
that he ever did so. The blatant, unrepentant repression continues even now. Several people who
put themselves forward as candidates in 'elections' planned for September 28 this year instantly
lost their State-controlled jobs.
You have to wonder why Mr Lukashenko, who made himself permanent leader in a 2004
referendum, bothers to hold these doomed polls at all. They seem designed mainly to encourage
democrats to step forward and get clubbed over the head.
Recently, things took a distinctly fishy turn. On July 3, an independence day celebration in Minsk
was interrupted by an explosion, just where a large number of young people were dancing to rock
music. Thousands of people all over the country, including many who could not possibly have
been anywhere near the scene, were arrested, interrogated and fingerprinted on the excuse of a
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'war against terror'. The idea that the opposition were behind the bomb was carefully fostered by
the State. You can still see the small scar in the turf where it went off and, despite a strong feeling
of being watched, I went to examine the scene.
Clearly, many are not fooled by the official version that this was anti-government terror - or the
official story that nobody was seriously hurt. A woman working nearby, falling into the hysterical
rumour-mongering that always infects censored states, claimed to me that nine people died. Who
knows? Though, judging from the small size of the crater, it seems far-fetched.
Most amazing of all, some incredibly brave soul managed to write the words 'Stop Terror' in blue
chalk on the pavement outside the KGB headquarters - the writing facing towards the building's
main entrance. I was lucky enough to see it during the few minutes it was allowed to exist. It was
obviously an accusation. I wouldn't give much for the chances of the culprit, who must surely
have been spotted by Minsk's secret army of plainclothes men, and whose life will now be
systematically ruined by the State.
Like Russia to the east, Belarus is ready to crush anything like the 'Orange Revolution' that
convulsed Ukraine. Yet at first sight, you can only tell it's not a free country from President
Alexander Lukashenko's continuing failed attempts to conceal his baldness. In any country with a
free Press, Mr Lukashenko would long ago have been mocked into rethinking his hairstyle. But
discreet portraits of him, proudly combed-over, are to be seen all over the place - a strange, small-
scale personality cult that is gradually becoming a serious problem.
In the many State shops, with their large, uniformed staffs, you will find a little corner containing
one (or sometimes two) portraits of the President, next to the national flag and the words of the
national anthem, which declares 'We are Belarus ... We are free to work!' And you may buy your
own copy, as I did. In which case the staff will reverently roll it up and wrap it in tissue paper,
lest it get damaged on the way home. As yet, no statues have been raised to him. He is still not
Kim Il Sung, but it may not be long before he is.
A series of startling weird events suggest that absolute power has gone absolutely to his head. He
has begun appearing in public, at ice-hockey games and church services, with his four-year-old
illegitimate son Nikolai, proclaiming that the bewildered child is his anointed successor. 'He is
going to be President,' he cackles. Then, irritably but incredibly, he all but confirms rumours that
the boy is the result of an affair with his personal physician, Irina Abelskaya.
Lukashenko, at least, can say what he likes - the one free man in a country of nearly ten million
who must do his will. Lukashenko is mysterious, an insignificant functionary risen to
extraordinary heights. It is hard to work out how he rose to his position, just as it is hard to work
out why tiny, indefensible, economically unviable Belarus even exists as an independent country.
It just seems to have been left lying around unclaimed after the Soviet Union collapsed in a cloud
of rust in 1991. Both are anomalies.
No biography of the President is permitted and his apparently dull past life as a collective farm
chief is lost in Soviet murk. But we do know he already has two sons - Viktor, 29, and Dmitri, 25.
Viktor is a 'national security aide' but Lukashenko jeers at him in public, dismissing him as a
useless weakling who will soon become even weaker. Meanwhile his spurned wife Galina toils as
a sort of milkmaid, in official obscurity, at a remote dairy farm deep in the forests of Belarus. She
is probably better off there. For here is another curious thing about this bizarre country.
I took elaborate steps to find an ordinary citizen, to find out how the people of this unusual
country really view their leader and his policies. For fear of giving the Belarus KGB any clue to
her identity, I will not go into the details of how I found her or where our conversation took place,
but if she knew she was talking to a Western journalist, it wasn't me who told her.
Was she really genuine? In this spy-infested nation, it is impossible to be sure. It is conceivable
that Viktoria, as I shall call her, was an official plant, cunningly introduced to me by an
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immensely subtle and all-embracing secret police. But what if she was not?
I discovered her in a small town remote from Minsk. She was almost blissfully happy to be in
Belarus. 'I am proud I was born and raised here,' she said. 'I never miss a chance to tell people I
am Belarussian.' She was particularly keen to stress this to Russians, who she thinks have got a
much worse bargain. 'Life is good here. I'm concerned that outsiders view my country as
somehow strange. They say we are not democratic. Well, I know that in a democracy you have
the right to criticise those in power. But I have nothing to criticise them for.'
She knew all about Lukashenko's peculiar family life and chatted in a relaxed way about his
goings-on much as a Westerner might speak of a Hollywood star's scandals. She spoke of a
carefully and thoughtfully revived countryside - unlike the blighted, drink-sodden, dying villages
of Russia. She was full of praise for the strong, Soviet-style community spirit - people look out
for their elderly neighbours and do voluntary work, patrolling and cleaning up the streets at
weekends. She believed that corruption was punished.
A lot of what she said sounds ludicrous but is almost exactly what many former East Germans
now say, as they muse nostalgically about the days when there was order and everything tasted
better. This kind of thing comes naturally from grizzled old Stalinists. It is rather odd hearing it
from a tanned, leggy brunette with a smart new mobile phone.
And yet I am not sure that most British people are that different. There is strong public support
for the steady suppression of British liberty. Tory MP David Davis's resignation, which prompted
a by-election, left more than half his constituency unmoved. Most people seem relaxed about
identity cards and 42-day detention, and the Government has quietly piled up near-dictatorial
powers with very little protest. A government that promised to get rid of street disorder and to
look after the old properly would get a lot of votes, with not too many questions asked about how
it would do the job.
If only President Lukashenko could discover oil or prove useful to the United States or the EU, I
think he would quickly find that his status as an 'outpost of tyranny' was cancelled. Uzbekistan, a
grim hellhole of repression, was for years a US ally because it hosted an American airbase.
Azerbaijan, another former Soviet republic with severe North Korean tendencies, is an honoured
friend of the United States, its election-rigging blithely overlooked. And it receives, though rather
quietly, visits from the Duke of York. Its leader, Ilham Aliyev, inherited power from his KGB-
veteran father. But he can beat up his opponents as much as he wants, for he has oil and gas.
Belarus has one strong card to play. As well as being on the main invasion road between Russia
and Germany, and so naturally rather insecure, it is also the route by which huge amounts of oil
and gas reach the West from Russia, costly and difficult to bypass. Probably thanks to this, it has
for years received cut-rate fuel from Moscow - and made a tidy living by selling it elsewhere at a
big profit.
But relations with the Kremlin are now not so good, and nor are the prices. With the subsidies
from the East drying up, Lukashenko knows that the arms trade alone will not keep him going.
He will have to look West for the cash and investment he needs to keep his tight, cunning little
state in being. That means us. Which is presumably why Lord Bell and Lord Parkinson have
become so welcome in the dark corridors of Minsk. That comb-over will have to go, though.
                                                                                                         Seite 100


Who is behind the bombing in Minsk?
                                                                                       Our House, 18.07.2008
At the beginning of the 4th of July, at 00.20 AM, during a big concert on the occasion of the
officially organized Independence Day1, a hand-made bomb exploded. About 50 people were
injured, 46 were taken to hospitals, among them citizens of Russia and Ukraine. Currently 40
people remain hospitalized. The concert was also attended by Lukashenko, the dictator of
Belarus. The enforcement bodies instituted legal proceedings according to Article 339, Part 3, of
the Criminal Code of the Republic of Belarus (hooliganism). The next day the enforcement
bodies officially informed that they found another bomb at the concert site which did not explode.
There are a lot of strange facts around this sad event. They make it impossible to downgrade the
explosion as mere ‘hooliganism’.
Suspicious fact 1. We cannot miss the fact that shortly before it Lukashenko was talking about the
possibility of explosions. In his interview to one of the national newspapers, Komsomolskaia
Pravda, published just a day before, he was asked ‘For the coming Parliamentary Election
campaign, do you expect any public disturbances organized by your political opposition?’ His
answer is quoted below:
“There will be some activity for sure. But we are alert to the fact that the West is sick and tired of
our political opposition. Americans especially. Those Americans say ‘You do some real business,
then we give you money.’ What does it mean? It means public actions, street manifestations. If it
were pogroms and bombing… Then the payers would be just delighted even more.’
How did Lukashenko know that there will be bombing? If he did know that there is some group
of people planning public bombing, why didn’t he take any measures to prevent it? Everybody
knows that before any public action, however peaceful it may be, Belarussian enforcers arrest a
lot of people. If Lukashenko knew that somebody is plotting something evil, why didn’t he order
arrests this time? Maybe because for some reason the bombing was necessary for Lukashenko
himself?
Suspicious fact 2. Why did the bombing happen three months before the Parliamentary Election
campaign? The leader of the oppositional United Civil Party, Anatoli Lebedko, said
‘Whoever the terrorists may be, local lunatics, Osama bin Laden followers, or some secret
enforcement structures, the group currently in power will use the tragedy to fight against
democratic organizations during the Election campaign.’
The democratic organizations really do not need this terror act, because it means new searches,
arrests, and repressions. They already started. But Belarusian enforces will definitely profit from
it, to tighten their control on the everyday life, to launch repressions against their opponents
before the Parliamentary Election campaign. All this can be conveniently justified by the
bombing. Internet censorship, searches in the offices of democratic parties, arrests of innocent
people, illegal actions of Belarusian enforcers—all this will go as ‘fighting the terrorists’.
Suspicious fact 3. In relation to the bombing of the 4th of July, 2008 we cannot but remind you
the events before the Presidential Elections in 2006. During a press conference the leaders of
Belarusian enforcement bodies demonstrated a video record, showing an unidentified person,
who said that he was trained to commit terror acts on the territory of Belarus, and the training
took place in a special camp in Georgia. ‘We were trained to destabilize the situation in Belarus,
to start our actions after four schools in Minsk would be bombed.’ As you may remember, none


1
    July 3, 1994 was the day when the Nazi Army was driven out of Minsk, the capital of Belarus, by the Soviet
     Army. The group currently holding power in Belarus called it the Independence Day and made it their official
     holiday.
                                                                                              Seite 101


of the ‘trainees’ from those ‘camps’ was arrested. But even this single testimonial would be
enough to order an official investigation. Were any groups really trained for the terror acts at that
time, who are the trainees, where are they now? Why didn’t the authorities react at that
testimonial? Why was no investigation started? Why was there no public information about what
the authorities did to prevent the terror acts? Maybe because there were no such camps at all?
Maybe because those camps were invented by rezhym’s propaganda officers, in order to launch
more repressions?
Suspicious fact 4. Just before the official declaration of the Parliamentary Elections, on June 24th,
2008, there was a strange meeting of Lukashenko with Aleksandr Bortnikov, the Chief of the
Federal Security Service (FSS) of Russia. Below are Lukashenko’s words quoted:
We agreed to make very important decisions, not just on a global scale, and the citizens of our
countries will feel the consequences of those decisions.
A question arises: what could be topics for that meeting between the Chief of the Federal Security
Service of Russia and the formal President of Belarus? Those two persons simply must not agree
on any joint actions, because of their unequal statuses. There are some phrases from official news
in Interfax which cannot but arise suspicions:
Aleksandr Lukashenko thanked the governing bodies of the Federal Security Service of Russia
‘for the support which your organization provides to our country’. ‘Do not have any doubts that
we will return the favor—said the Belarusian President. Lukashenko is sure that developing their
cooperation, the special services of the two countries will put ‘a reliable block against unfriendly
countries and organizations acting towards Russia, as well as Belarus.’
What kind of support was the Russian FSS going to provide to Lukashenko during the
Parliamentary Elections? Can you imagine Aleksandr Lukashenko publicly thanking the CIA for
supporting Belarus (when he actually meant support for dictatureship and himself as its leader). It
sounds funny, does it not? Well, isn't the Russian FSS a special service of another country, just
like the CIA? Besides, the FSS may be linked to the terror acts and assassinations of journalists in
Russia, which were not investigated properly and those who ordered them were not found. What
are those suspicious ‘decisions’ which the citizens will ‘feel the consequences of’ soon?
Evidently, by ‘unfriendly organizations’ Lukashenko meant his political opponents. In the eve of
the Parliamentary Elections he regards any political rival as ‘unfriendly to the country’. The
‘unfriendliness’ means that the actions of those who do not want to strengthen monopoly in all
the spheres of Belarusian life. What methods can the FSS contribute to Lukashenko repressing
opponents? Mass arrests and searches of those who help democratic candidates make it look very
plausible that Lukashenko was personally interested in that bombing happen. If the bomb had not
exploded, Lukashenko would have to make up something like that.
Suspicious fact 5. Personal actions of Lukashenko look strange and suspicious: he personally
arrived to the place of explosion and was issuing instructions and orders. At the same time he did
not order to stop the concert… But supposing there would be a dozen more bombs planted on the
big concert site? That would be a direct threat to the life and health of the ‘President’ and all the
officials who escorted him. Why did he ‘took the personal command’ and did not leave the
dangerous place? Why didn’t he stop the concert? Is it a sign of a very hardened and brave
character? We have a huge pile of reasons to doubt it—it is enough just to mention thousands of
security officers deployed around and all the traffic (pedestrian included) completely blocked
when Lukashenko is visiting some Belarusian city. Or did he know for sure that there are no other
bombs? Aleksandr Lukashenko’s personal security force outnumbers those of Putin’s, or
Yushchenko’s, or Medvedev’s. Lukashenko’s personal guards’ activity is beyond any reason. The
citizens whose apartments’ windows face the streets where Lukashenko appears know it only too
well. Many people in Minsk, in Vitebsk, in Polotsk had to tolerate the visits of ‘wise guys in plain
clothes’ who ordered them to remove any linen from the balconies, close the windows, and do not
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approach the windows, otherwise the snipers shoot to kill. Lukashenko’s cowardice and fear for
his own life is well-known in Belarus, and it costs Belarusians huge amounts of money. In any
other case like that Lukashenko would flee for his life and hide in the deepest bunker. It looks
very much like he knew about the bomb and was aware that there would be no more explosions…
that is why he was dancing on to the accompaniment of ambulance sirens!!!
Suspicious fact 6. The negligence of Lukashenko’s personal security force looks suspicious.
According to all instructions they must prevent any presence of the leader in the places where
there is even a minor threat to his life. But on the 4th of July we saw quite the opposite—not only
Lukashenko was present there, he investigated the place of the explosion and ‘took personal
command’. I think it means that his security guards were sure that there would be no more
explosions on that square. How did they know it?
Suspicious fact 7. The enforcement bodies, ambulances, all other services were surprisingly quick
to react. Before the victims themselves understood what happened (many people thought it was a
firecracker), the enforcement officers were talking about ‘a bomb planted’. Just try to call an
ambulance in Belarus, even not to the crowded concert at night, but to your apartment during the
day, and then see how fast paramedics arrive. It will surely take quite a while. But here—the
ambulances managed to pick up all the injured and deliver them to hospitals, the ambulance
operator could distribute all the 50 injured to the city hospitals (which is not easy at all), the
medical doctors were all ready (evidently they have a lot of experience in treating injured by
explosives, as if it happens in Minsk every day). It looks very much like all the services were in
red alert and ready for something to happen. What special could they be waiting for? There have
been a lot of big concerts like that in the recent 10 years. No bombing happened whatsoever.
On the other hand, we can remember the Nemiga tragedy on Sunday, May 30, 1999. Huge
crowds of people were out on the central streets celebrating the Trinity Sunday, and on one of the
central squares a big youth show was organized. Suddenly a violent hailstorm broke out, and
crowd of young people rushed to the nearest underground passage. The crowd squeezed people
into the passage entrance, hundreds of people were trampled down and crushed. 52 people died
(42 young girls among them), and 150 more were seriously injured.
During that tragedy Belarusian authorities could not show any efficiency and promptness. They
showed panic, confusion, perplexity. But nothing like efficient and fast actions. How come they
did it so well this time? Maybe because authorities prepared the paramedics and enforcement for
that? If so, they knew about the bombing, and again did not make any attempts to prevent it…
Suspicious fact 8. The enforcement bodies are not actually looking for those who organized the
bombing, they just imitate the investigation. None of the criminals who planted the bomb was
found by now. Here we can remember two cases of bombing in Vitebsk, on September 14 and
September 22, 2005, when over 40 people were injured. Enforcers conducted thousands of
searches in personal apartments of absolutely innocent people. None of enforcers or lieutenants
provided apologies for those intrusions when they tossed the apartments and snatched personal
belongings. The moral damage was enormous as well—just imagine that they accuse you or your
close relative in mass bombing. No apologies whatsoever were provided. By the way, the
bombings in Vitebsk happened half a year before the Presidential election campaign, and about 2
months after the bombings in Vitebsk authorities introduced several new articles to the Criminal
Code, which did not prevent any real crime, but made democratic activities even more difficult in
our country.
Suspicious fact 9. To make up a bomb of the type which was used in Minsk on July 4, one has to
be a real expert. Besides, it was made so that casualties and the number of victims would be
minimal. All the damaging elements (nuts) were placed at the bottom, and they shot low. There
were no sharp objects, which would increase the damaging effect immensely. It looks like the
criminals were making the bomb to become a news starter, not to inflict casualties. Real terrorists
play quite the opposite—they try to inflict as much damage as possible. Did the criminals actually
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want to create ‘news items’?
Suspicious fact 10. After the explosion all -controlled FM radio stations broadcast pop music,
while many people were undergoing serious medical operations in the hospitals and the doctors
were not sure about the outcomes. Grotesque?
Suspicious fact 11. The very next day authorities gather five thousand people to rehearse a
military sport show in a village near Minsk. That is indicative. In a normal situation they should
have considered a possibility of another terror act and cancel any public gatherings, especially of
semi-military kind. That is a normal step to prevent any risks of putting the citizens in jeopardy.
However, officials seem to care only about one person in our country. Especially cynical were
various firecrackers during that semi-military show. They actually showed that officials have no
elementary concepts of moral values and compassion.
But how could Lukashenko profit from that terror act?
I am thinking about the meeting of Lukashenko and Lord Bell (one of the biggest PR managers in
contemporary Western Europe). Lukashenko’s behavior noticeably changed after that. First, he
revealed his illegitimate son. Second, he ‘took personal command’ at the bombing site and ‘was
governing the rescue operations’. Third, he dismissed Sheiman, the person with the most blood-
stained reputation for Western countries. I believe those elements are connected. Even more, I
think that they are devised by Lord Bell. But being a Western European, a representative of
another culture, Mr. Bell was completely unaware of what damage his counseling could bring, he
could not even reckon how his advice would be interpreted. I think Lord Bell is partially guilty in
the casualties of those 50 victims which suffered in Minsk on July 4, 2008.
Most probably, the dynamic and vigorous Lord Bell advised Lukashenko like this:
A) ‘Children always look good and improve the images. The audience regards you as a single
man, no family. For your previous image, the image of a strong and harsh dictator that was
beneficial. But now you want to acquire a more human touch, don’t you? You need a family. But
not another woman, no, a mistress should not be seen. 52% of your voters are women. You need
a small pretty child. In such a company even a very bad person would look better. And you must
play the loving father, who did not reject his illegitimate baby, on the contrary, you
acknowledged him and take part in his upbringing.’ That was Lord Bell’s first advice. But
Lukashenko is not able to see moral boundaries, because he has no any moral education, he is an
antisocial personality. He does not have that inner voice which tells people what is good and what
is bad and vulgar. He does not feel the boundaries beyond which the actions become immoral. So
he hastily digs up his illegitimate child, officially accepts him, and gives interviews about him on
every corner. And he breaks the norms even further, now he is taking the child with him on every
meeting, even very official one, just because he saw that the advice may work. Now Lukashenko
actually made the baby one of his official escort members. (There was a similar situation with
reflective elements for pedestrians. First the road police promoted them, then they began to
demand that every pedestrian would wear them, and now the road police officials try to make the
garment producers attach the reflective elements to outer wear.)
B) Lord Bell’s second advice: ‘You must become a hero in the public eyes, you must save
somebody from fire or perform some other heroic deed.’ Evidently the results of the first advice
were good, and Mr. Bell gives the second one: save somebody. Do some heroic action and then
advertise it. Well, but how to do that heroic action? How to save someone, if the only people you
have around are your personal bodyguards, and they are so dense that virtually nobody could get
to the body? The Belarusian climate is mild, no tornados, no tsunami, no earthquakes… But
nothing is morally impossible for Aleksandr Lukashenko. If he must save someone, then he
would create a situation when someone has to be saved. So an explosion is organized, a kind of
small one, no heavy casualties, (no deaths, any death would mean spoiling the image of ‘the most
stable country in the world’). And can also scare the voters with the bugaboo of ‘evil opposition
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conspiring dirty plots against innocent people’ (that is why shortly before he gave the interview to
the Komsomolskaia Pravda newspaper, trying to kill two birds with one stone). And now among
the injured and frightened people, here comes Mister Prince Charming saving them. That explains
the official news about ‘swift ambulances’ and editorials praising the efficiency of the rescue
services. That explains the news focus the general public was oblivious of. media placed the
main stress not on the explosion and the victims, but on the concert and on the rescue operations
(people must not have any reasons to ask themselves ‘how come that a terror act happened in the
most stable country in the world?’. Any information about the explosion would have been
distracting the public attention from the idea that Lukashenko HIMSELF was PERSONALLY
managing the situation and saving people. The cause of the terror act was not important, the main
topic was that HE HIMSELF was the rescuer.) This also explains that vague information about
how many bombs were actually found. One, or two, or three? It is also completely unclear when
the other bombs were found. Before the explosion or after it? However, Lukashenko did not take
into account those moral boundaries which he lacks but many people do have. Many citizens
were especially indignant that the show was not ordered to stop. Well, Lukashenko’s logic was
simple—the bombing was planned to be a successful PR action for his dear image. But the people
around paid for the concert tickets, didn’t they? Why to deprive them of the show? Lukashenko
thought that if the concert were stopped, then the audience with the tickets would get angry and
even might demand the money back. Which means that the number of those suffered would be
unreasonably big. ‘Let them dance and be happy in my name!’ he probably thought. Hence he
missed the moral aspect. By the way, you can have a look at the latest interview of Lord Bell—
the guy is really at a loss and having some second thoughts.
C) Lukashenko did not like the public reaction to the outcomes of Lord Bell’s advice (or rather to
the outcomes of the realization of Lord Bell’s advice). So he demands to fix it, as soon as
possible, with any means possible. That is why there are numerous talk-shows on -controlled
television proving that the explosion was organized by the radical opposition before the
Parliamentary elections. Lukashenko comes to Lord Bell again. The PR guru could give one more
advice, advice number 3: ‘You must get rid of Sheiman, because for Western democracies
Sheiman is a constant reminder of the way you were getting rid of your political rivals in the late
90s. If you dismiss Sheiman, it would look like you understood your mistakes, changed your
mind, and will soon become a more democratic leader.’ That is why Sheiman's dismission looks
so clumsy, so dragged in by the head and ears. Once again Lukashenko could not invent anything
better than to pose as ‘a kind and good ruler’ against the background of ‘bad bureaucrats’. He
pretends he punishes Sheiman for the inability to prevent the bombing. But he failed to show any
connection between Sheiman and the explosion (it would be more logical to dismiss Naumov as
the Chief of Police). People are puzzled. Sheiman's removal looks strange (not many people
actually knew Sheiman). Some days ago the bombing was not so much discussed, but now after
Sheiman's dismission it is a topic for heated discussions. It shook up the communities. Some
people even take pleasure in proving that it was who arranged the bombing. Until recently such
emotions were characteristic only to supporters, now the roles switched. supporters are silent,
and amateur detectives conduct verbal investigations, emotionally chatting about what
Lukashenko did and did not. Women are especially active in this, they call their friends, chat with
neighbors... They behave like real police officers interrogating a criminal.
To sum it up, we can say that in general and Lukashenko personally really did have a motive to
commit this crime. To improve their image in Western Europe and domestically, just like Lord
Bell advised. Enforcers had all the resources necessary to organize the bombing. If we remember
that odd personal gratitude Lukashenko expressed to the chiefs of the Russian Federal Security
for their services provided to the contemporary authorities in Belarus, then we can see a clear
picture of who orchestrated and who committed this horrible crime against Belarusian people.
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Kaum Oppositionsvertreter in den regionalen Wahlkommissionen
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„Menschenrechtler für Freie Wahlen“ beklagen Benachteiligung von Kandidaten
Bei der Zusammenstellung der regionalen Wahlkommissionen in Belarus bleiben Kandidaten der
Opposition weitgehend unberücksichtigt. Wie die Initiative „Menschenrechtler für Freie Wahlen“
am Dienstag in Minsk bekannt gab, werden vor den Parlamentswahlen am 28. September
voraussichtlich nur in 21 der insgesamt 110 regionalen Wahlkommissionen oppositionelle
Kandidaten vertreten sein. Die Wahlkommissionen in Belarus hatten am Montag die Ernennung
ihrer Mitglieder abgeschlossen, aber noch nicht offiziell bekannt gegeben.
„Diese Zahlen werden sich nach der offiziellen Bekanntgabe nur gering ändern“ sagte Tatjana
Revjaka, Sprecherin der Initiative „Menschenrechte für freie Wahlen“, an der sich mehr als 300
Juristen, Menschenrechtler und Journalisten aus allen Regionen des Landes beteiligen. Sie
beklagte am Montag in Minsk: „Von einer internen Kontrolle bei den regionalen
Wahlkommissionen kann keine Rede sein.“
Die Opposition hatte in jeder der 110 Regionen einen gemeinsamen Kandidaten aufgestellt.
Doch in den meisten Regionen konnten sich die Oppositionskandidaten nicht gegen die
Kandidaten der regierungsnahen Kommunistischen Partei Belarus, der Agrarpartei und der pro-
präsidentiellen     Bewegung     „Belaja  Rus“     durchsetzen     (Siehe     auch    dazu:
http://spring96.org/be/news/22775/).
Die „Menschenrechtler für freie Wahlen“ werfen den Verantwortlichen vor, die Kandidaten für
die Wahlkommissionen hinter verschlossenen Türen ausgewählt zu haben. Die
Oppositionskandidaten seien ebenso wie bereits vor den Parlamentswahlen im Jahr 2004 gar
nicht erst zu den Sitzungen der regionalen Auswahlkommissionen eingeladen worden, rügte
Revjaka. So seien die Vertreter der einzigen offiziell zugelassenen Menschenrechtsorganisation,
der Belarussischen Helsinki Komitees (BHK) in Minsk, Leonid Marchotko und Vladimir
Osiptschyk, zu den Sitzungen des Regionalen Exekutivkomitees und des Stadtrates in Minsk, die
für diese Region die Auswahl treffen, erst gar nicht zugelassen worden. Ebenso sei es in der
Region Brest gewesen, wo zwei weitere BHK-Vertreter, Vasil Berasnew und Vadim
Barschtschewski, an den Sitzungen der Auswahlkomitees nicht teilnehmen durften.
„Leider hat sich bei der Berufung der Wahlkommission seit den letzten Parlamentswahlen in
2004 kaum etwas geändert“, sagte Tatjana Revjaka. „Die Wahlkampagne kann bereits jetzt nicht
mehr als frei und fair gelten.“
Oppositionspolitiker Kozulin erwartet weitere Manipulationen
Die Opposition erwartet weitere massive Manipulationen bei der Stimmenabgabe und bei der
Auszählung der Stimmen. Alexander Kozulin, ehemaliger Präsidentschaftskandidat und einer der
prominentesten politischen Gefangenen in Belarus, teilte dem „Europäischen Austausch“ über
seine Tochter Olga Kozulina aus dem Gefängnis mit, die internationale Wahlbeobachtung werde
solche Manipulationen nicht verhindern können, „Die Regierung wird die internationalen
Wahlbeobachter sicher akzeptieren“, sagte er, warnte aber vor allem davor, dass bereits fünf Tage
vor dem eigentlichen Wahltag Stimmen abgegeben werden könnten. Diese vorzeitige
Stimmabgabe außerhalb der Wahllokale und ohne Beobachtung könne dazu führen, dass in den
Urnen bereits Stimmzettel untergemischt würden.
„Die EU sollte Belarus durchsichtige Wahlurnen schenken und fordern, dass sie bei den
Parlamentswahlen eingesetzt werden“, sagte Kozulin. Nur so könne ein Zugriff der Behörden auf
die Urnen verhindert werden. Der inhaftierte Oppositionspolitiker forderte die Europäische Union
auf, harte Bedingungen für die Abhaltung der Wahlen in Belarus zu stellen und aktiv dazu
beitragen, dass der Urnengang möglichst transparent ablaufen werde.
Die EU solle darüber hinaus von der Regierung in Minsk fordern, die Wahlbeobachter der
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Koalition der Oppositionsparten, „Vereinigung Demokratischer Kräfte“ zuzulassen und der
Opposition freien Zugang zu den Medien zu gewährleisten, sagte Kozulin. Am Wahltag sollten
die Auszählungsprotokolle fotografiert werden, um die Kontrolle der Ergebnisse in den
Wahllokalen und in den regionalen Wahlkommissionen zu erleichtern.
Festnahmen in Oppositionskreisen
Seit dem Bombenanschlag am 4. Juli in Minsk war es landesweit zu zahlreichen Festnahmen und
Hausdurchsuchungen gegen die Opposition gekommen. „Die Wahlen können nicht frei sein,
wenn politische Aktivisten wegen absurden Anschuldigungen festgenommen werden, überall
Durchsuchungen und Verhaftungen stattfinden und das Fernsehen schreckliche Lügen über die
Menschenrechtler verbreitet“, rügte Revjaka am Dienstag das massive Vorgehen der politischen
Führung in Belarus gegen die Opposition. Deren Aktivisten hatten bereits unmittelbar nach der
Gewalttat gefordert, Präsident Alexander Lukaschenko solle die Suche nach den Tätern nicht zur
Verfolgung der Opposition missbrauchen.
Eine Protestaktion der Opposition, an der sich am Montagabend im Zentrum der Hauptstadt 50
Aktivisten aus Solidarität mit den politischen Gefangenen beteiligten, verlief weitgehend ruhig.
Die Demonstranten wurden zwar von Spezialeinheiten eingekreist, aber es wurde niemand
festgenommen, sagte Franak Viatschorka, Mitglied des Nationalrates der Oppositionspartei
„Belarussische Volksfront“, dem Europäischen Austausch. „Sie haben in einem Kordon die
Demonstranten aus dem Zentrum von Minsk hinausgeschoben, um das Problem der politischen
Gefangenen zu vertuschen“, sagte er. Dabei sei der Vorsitzende der Vereinigten Bürgerpartei,
Anatolij Lebedko, verletzt worden und ins Krankenhaus eingeliefert.


Jugend In Weissrussland: die Gehorsamen und die Ungehorsamen
                                            Spiegel Online, von Nicholas Brautlecht, 15.07.2008
In Europas letzter Diktatur gehen junge Weißrussen zur Uni, arbeiten, starten ins Leben. Und
werden eingeschüchtert, aus dem Studium geworfen, in den Knast gesteckt - Präsident
Lukaschenko unterbindet jede oppositionelle Regung. Fünf junge Weißrussen erzählen, wovon
sie träumen.
Ende März hat Präsident Lukaschenko wieder durchgegriffen: Etwa tausend Menschen
protestierten in Minsk gegen ihn und seine Polit-Clique an der Spitze des Landes. Der Staat
schickte die Polizei los, die löste die Demonstration auf - mit Gewalt und Schlagstockeinsatz.
Etliche Demonstranten landeten hinter Gittern, darunter viele Jugendliche und Studenten.
Die Unterdrückung der Opposition ist Alltag im Land von Staatchef Alexander Lukaschenko.
Wer gegen ihn das Wort erhebt, dem wird der Mund verboten, der wird exmatrikuliert, verliert
seinen Job oder muss ins Gefängnis. Lukaschenko ist der letzte Diktator Europas.
Das Problem: Ein erheblicher Teil der Weißrussen vertraut ihm dennoch. Seit er an der Macht ist,
hat es das Land zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Seit 14 Jahren ist Lukaschenko im Amt -
und viele Menschen in Weißrussland denken, dass er für Stabilität steht: weil er das Land vor
dem Chaos bewahrt habe, mit dem der große Bruder Russland nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion lange zu kämpfen hatte.
Immer schön stillhalten
Selbst bei einer freien Abstimmung hätte Lukaschenko wohl gute Chancen auf eine Wiederwahl.
Viele Jugendliche haben nie einen anderen Präsidenten erlebt und sich an ihn gewöhnt, sie halten
es für normal, dass Lukaschenko die Freiheit der Menschen einschränkt. Oder sie nehmen es
zumindest hin. Viele leben ihren Alltag nach einer Devise, die der 25-jährige Programmierer
Alexander so umreißt: "Leg dich nicht mit dem Staat an, dann legt sich der Staat auch nicht mit
dir an."
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Weißrussland ist heute eine moderne Diktatur: Es gibt Wahlen - aber aufsässige Journalisten lässt
der Präsident zurückpfeifen. Es gibt auch Jugend- und Subkultur - aber einige Bands erhalten
wegen ihrer Musik und Texte keine Auftrittserlaubnis und keine Auftrittsangebote. Es gibt keine
Pressefreiheit, ein Großteil der Bevölkerung wird mit einseitigen Informationen gefüttert.
Im September soll ein neues Parlament gewählt werden. An Veränderung glaubt so gut wie
niemand, erst recht unter den jungen Leuten. Viele sehen ihre Zukunft im Ausland. Im
SchulSPIEGEL erzählen fünf junge Weißrussen von ihrem Leben in Lukaschenkos Reich und
ihrer Suche nach Glück.
Lena*, 20, Journalistenschülerin
"Ich studiere Journalismus an der Staatlichen Universität Minsk. Das ist alles sehr theoretisch. Ich
wünschte, die Professoren würden mehr auf Praxis setzen. Am meisten lerne ich durch meine
freie Mitarbeit bei einer Wochenzeitung, sie heißt 'Tourismus und Freizeit'.
Nicholas Brautlecht
Vor kurzem habe ich einen relativ kritischen Beitrag über eine beliebte weißrussische
Urlaubsregion geschrieben, den Bezirk Wizebsk. Darin ging es um die schlechten Chancen für
Unternehmer, dort ins Tourismusgeschäft einzusteigen. In der Gegend stehen nur staatliche
Hotels. Ich war mir nicht sicher, ob meine Zeitung den Text drucken würde. Aber mein Chef
winkte ihn durch, ohne Einwände.
Kurz nach der Veröffentlichung kam ein Anruf von der Präsidialverwaltung: Meine
Berichterstattung sei zu negativ, sagte der Beamte am Telefon. Er forderte mich auf, mich mit
Kritik in Zukunft zurückzuhalten. Meine Interviewpartner bekamen auch solche Anrufe. Das
zeigt: Das größte Problem hier ist die Regierung. Viele Menschen haben Angst zu sagen, was sie
denken.
Deswegen sind auch 2006 viele nicht zu den Protesten gegen Lukaschenko auf dem Oktoberplatz
gekommen. Einige meiner Freunde gingen trotzdem hin - die Polizei nahm sie fest und sperrte sie
ein. Als sie wieder frei kamen, flogen sie von der Uni. Sie haben Weißrussland den Rücken
gekehrt und studieren jetzt in Prag und Moskau. Ich habe immer noch Kontakt zu ihnen.
Noch mal zu meinem Artikel: Als ich nach einiger Zeit wieder nach Wizebsk fuhr, sah ich Leute
an Straßenecken stehen und Postkarten verkaufen. Das gab es vorher nicht. Zudem hörte ich, dass
die Zentralregierung grünes Licht für den Bau neuer Hotels gegeben hatte. Kneipen soll es in
Zukunft geben und Unterhaltung für Touristen. Ich bin mir sicher, dass mein Artikel zu diesem
Wandel beigetragen hat. Mir hat es Mut gemacht, das zu sehen.
Natürlich ist es hier schwierig, kritische Texte zu veröffentlichen, besonders bei den
Staatszeitungen. Dort herrscht Zensur. Ich habe einen Freund, der seine Position als
Politikredakteur bei einem Regierungsblatt nach drei Jahren kündigte, weil er sich wie gefesselt
fühlte. Ich glaube aber auch, dass man in unserem Land immer einen Weg finden kann, um einen
Artikel zu veröffentlichen. Wenn es bei den Zeitungen nicht klappt, gibt es ja noch das Internet."
*Name von der Redaktion geändert
Andrej, 25, Sänger und Mitgründer einer Metal-Folk-Band
"Weißrusslands Musikszene lässt sich in zwei Hälften teilen: Die Gehorsamen und die
Ungehorsamen. Das gleiche gilt für das Radio: Früher gab es einen Sender, der hat nur Rock
gespielt. Dann führte der Staat eine Quote ein. Jetzt müssen drei Viertel der Rundfunkmusik
weißrussischer Herkunft sein. Wer sich nicht daran hält, wird verboten. Jetzt spielt der Sender
fast den ganzen Tag Pop, weil hier gar nicht so viel Rock produziert wird.
Nicholas Brautlecht
Für mich ist Rockmusik eine Form von Protest: Unsere Band Litvin Troll spielt Heavy Metal und
                                                                                            Seite 108


mischt ihn mit mittelalterlicher Musik. Der Name steht für Patriotismus und Mythologie: 'Litvin'
ist eine alte Bezeichnung für Weißrusse. Der 'Troll' ist das Fabelwesen, das die Brutalität unserer
Musik verkörpert. Patriotismus bedeutet für uns, dass wir auf weißrussisch und nicht auf russisch
singen.
Wir spielen auch nicht nur Gitarre und Schlagzeug, sondern traditionelle Instrumente wie den
weißrussischen Dudelsack. Unsere Texte haben etwas schauerlich-märchenhaftes. Auf Live-
Konzerten über menschenfressende Hexen und Trolle zu singen, ist aber Tabu. Das entspricht
nicht den hiesigen Moralvorstellungen. Manchmal haben Clubbetreiber wegen unseres Musikstils
auch Bedenken, uns auftreten zu lassen - politische Texte machen wir aber nicht. Wir beteiligen
uns auch nicht an regierungskritischen Demonstrationen. Litvin Troll arbeitet lieber an der
kulturellen Front, ohne eins auf die Mütze zu bekommen.
Um als Musiker hier Geld zu verdienen, musst du ins Format passen. Die Band NRM zum
Beispiel singt belarussisch und war auch politisch aktiv. Sie verkaufte viele Platten und ist dann
bei einer Veranstaltung der Opposition aufgetreten - da wurde der Staatsmacht mulmig. NRM
und andere Musiker wurden zum Präsidenten vorgeladen, der zuständige Minister sagte: 'Wenn
ihr wollt, könnt ihr größere Konzerte geben, aber spielt nicht mehr auf den Kundgebungen der
Opposition'.
Die Musiker ließen sich darauf ein. Die Sache wurde aber bekannt und sorgte für einen Skandal
bei den Fans. Für viele hatten die Musiker ihre Glaubwürdigkeit verloren.
Wir nehmen mit Litvin Troll jetzt gerade unser erstes Album auf. Nebenbei jobbe ich noch in
einem Verlag. Wir hoffen, vor allem in Ländern wie der Ukraine, Russland und Lettland Geld zu
verdienen. Für uns spielt die Musik im Ausland."
Stanislaw und Dascha, beide 18, sind Schüler des Gymnasiums No. 12 in Minsk
Beim Gespräch ist auch die Vize-Rektorin der Schule anwesend. Als es zu politisch wird, funkt
sie dazwischen. "Darüber wollen wir jetzt nicht reden", sagt sie. Über ihre Träume dürfen
Stanislaw und Dascha aber sprechen.
Nicholas Brautlecht
Stanislaw: "Ich will Rockstar werden und irgendwann weltberühmt sein. Vor einem halben Jahr
habe ich mit meinen Kumpels eine Band gegründet. Sie heißt Underverse. Das setzt sich
zusammen aus 'Universe' und 'Underground': Wir spielen Heavy Metal, hartes Zeug, aber das
mag ich.
Ich bin der Sänger. Meine Songs handeln nicht von Liebe oder Glück, sondern vom Tod, von
Trauer und Angst. Die Musik ist mein Ventil. Ohne sie müsste ich meinen Druck auf der Straße
abbauen und mich mit anderen prügeln.
Ich bin überzeugt, dass wir ganz groß raus kommen können. Der Weg zum Ruhm führt aber nur
über das Ausland. Ich liebe mein Land und die weißrussische Sprache. Aber wir müssen berühmt
werden - und das geht nur mit englischen Texten. Nur so kann man uns auch in anderen Teilen
Europas verstehen. Da liegt die Zukunft, im Westen. Nicht in Russland. Die Russen denken nur
daran, ihre Macht wie zu Sowjet-Zeiten wieder auf unser Land ausweiten zu können."
Dascha: "Ich will Filmregisseurin werden. Ich will Filme drehen, die Menschen vor Glück zum
Weinen bringen, nicht weil sie traurig sind. Vorbilder habe ich eigentlich keine. Ich mag aber die
Filme von Quentin Tarantino und Federico Fellini.
Eigentlich will ich meinen eigenen Stil entwickeln, etwas Neues machen. Gerade habe ich
meinen ersten Streifen abgedreht. Es ist eine klassische Komödie mit Clowns in den Hauptrollen.
Einen von ihnen spielt mein Schulfreund Slawa. In meiner Freizeit beschäftige ich mich auch mit
der japanischen Kultur. Mein Traum ist es, irgendwann mal dorthin zu reisen."
                                                                                          Seite 109


Alexander, 25, Softwareprogrammierer
"Weißrussische Studenten müssen nach der Uni erstmal zwei Jahre für staatliche Betriebe
arbeiten. Du wirst einfach zugeteilt. Dafür ist die Uni kostenlos. Wenn du dich weigerst, den Job
anzunehmen, kommen nachträglich hohe Studiengebühren auf dich zu. Meine zwei Jahre sind
noch nicht ganz abgelaufen.
Nicholas Brautlecht
Ich arbeite als Programmierer für ein US-Unternehmen. Wir sorgen hier in Minsk dafür, dass in
Massachusetts in den USA mit der Software alles glatt läuft. Die Amerikaner lagern den
Arbeitsbereich aus und sparen so Geld. Das nennt sich 'Offshoring'. Wir profitieren auch, denn
unsere Gehälter sind höher als anderswo in Weißrussland.
Wenn du als Programmierer für ein normales Ingenieurbüro in Minsk arbeitest, erhältst du
zwischen 200 und 300 Euro im Monat. Bei Offshore-Firmen wie uns sind die Löhne mindestens
doppelt so hoch. Viel ist das trotzdem nicht. Die Mieten in Minsk sind teilweise so hoch wie in
Berlin. Wenn die Zeit vorbei ist, werde ich versuchen, so schnell wie möglich einen noch
besseren Job zu finden.
In meiner Freizeit spiele in einer Noise-Rock-Band. Der Musikstil ist alternativ, mit wenig
Harmonien. Große Auftritte hatten wir noch nicht. Das ist eher ein Hobby. Um wirklich gute
alternative Musik zu hören, fahren mein Kumpel Wiktor und ich immer nach Russland.
In St. Petersburg gibt es einmal im Jahr das Skif-Festival zu Ehren von Sergej Kurjochin. Er war
einer der ersten Jazz- und Avantgardemusiker in der Sowjetunion. Zu Konzerten nach Polen und
Litauen fahren wir selten. Dazu sind die Visa der EU einfach zu teuer und zu schwierig zu
bekommen. Weißrussland hat nur eine sehr kleine Szene für progressive Musik. Klar, ich kann
mir alles im Internet herunterladen, aber richtig gute Live-Musik gibt es nur selten.
Gerade habe ich gehört, dass Präsident Lukaschenko entschieden hat, dass bei jedem
Musikkonzert erstmal eine Genehmigung eingeholt werden muss. Unfrei oder etwa
eingeschüchtert fühle ich mich deswegen aber nicht. Es gibt eine ganz einfache Regel: 'Leg dich
nicht mit dem Staat an, dann legt sich der Staat auch nicht mit dir an'."




Opposition in Belarus erwartet mehr Unterstützung der EU
                                                                european-exchange.org, 08.07.2008
“Menschenrechtler für Freie Wahlen“ treffen in Minsk Delegation des Bundestages.
Nach dem Treffen mit einer Delegation des Deutschen Bundestages am heutigen Dienstag in
Minsk hat die Initiative „Menschenrechtler für freie Wahlen“ ausdrücklich begrüßt, dass es in der
EU offenbar ein wachsendes Interesse daran gibt, Belarus in den gesamteuropäischen Prozess
einzubeziehen. Der Vorsitzende des Belarussischen Helsinki Komitees (BHK), Alek Hulak, sagte
nach der Begegnung: „Wir erwarten von den Deutschen eine starke Unterstützung für die
Freilassung politischer Gefangenen in Belarus und die Abhaltung von freien Wahlen“.
Es war das erste Mal seit Beginn der Wahlkampagne für die Parlamentswahlen am 28.
September, dass deutsche Abgeordnete mit belarussischen Menschenrechtlern und Vertretern der
Opposition zusammentrafen, um sich über deren Lage zu informieren. Die Begegnung fand
unmittelbar vor offiziellen Treffen mit Vertretern der belarussischen Regierung statt.
Der Delegation des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Deutschen
Bundestag gehören die Bundestagsabgeordneten Holger Haibach (CDU/CSU), Arnold Vaatz
(CDU/CSU), Johannes Jung (SPD), Burkhardt Müller-Sönsken (FDP) und Volker Beck
(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) an. Sie wollen sich über die Situation der Opposition und der
                                                                                         Seite 110


Zivilgesellschaft vor den Parlamentswahlen im September 2008 vor Ort informieren. Im
Mittelpunkt des Besuches stehen Gespräche mit der belarussischen Opposition, mit Vertretern der
Zivilgesellschaft, ehemaligen politischen Gefangenen sowie Besuche der OSZE-Vertretung und
der erst kürzlich eröffneten EU-Vertretung in Minsk.
Bei ihrem Treffen mit der Initiative „Menschenrechtler für freie Wahlen“, an der sich rund 300
einheimische Experten, Juristen und Journalisten in allen Regionen des Landes beteiligen, stand
die Politik der Europäischen Union gegenüber dem Lukaschenko-Regime, der Opposition und
den belarussischen Bürgern.
Der Vizepräsident der Internationalen Menschenrechtsföderation in Belarus, Ales Bieliacki, sagte
nach dem Treffen in Minsk: „Was die internationale Zusammenarbeit mit dem Lukaschenko-
Regime anbelangt, sollten die Freilassung der politischen Gefangenen und die Gewährleistung
freier Wahlen zu Bedingungen für die Aufhebung der Sanktionen und Intensivierung der
wirtschaftlichen Kooperation mit Belarus werden.“ Die Opposition benötige mehr moralische und
materielle Unterstützung aus dem Ausland. „Die EU sollte mehr tun für oppositionelle Parteien,
zivilgesellschaftliche Organisationen und freie Medien, vor allem für den polnischen
Fernsehkanal für Belarus „Belsat“ und die belarussischen Radiosender im Ausland“; sagte
Bieliacki. „Für den einfachen Bürger erwarten wir niedrigere Visagebühren und eine
Vereinfachung der Ausstellungsprozedur.“
Europapolitiker beobachten die Wahlkampagne
Das Mitglied der Bundestagsdelegation, Volker Beck (Die Grünen) sagte nach dem Treffen mit
den Vertretern der Opposition: „Die weißrussische Seite muss wissen, ohne freie, transparente
und geheime Wahlen kann es keine Anerkennung der Regierung geben. Die Regierung muss die
Kandidaten der Opposition zulassen und ihnen auch den Zugang zur Presse ermöglichen.“
Bereits am Montag war die französische Botschafterin Mireille Musso, die wegen des derzeitigen
französischen EU-Vorsitzes die Brüsseler Politik repräsentiert, und Helga Schmidt, Leiterin des
Politischen Stabes des EU-Beauftragten für Außenpolitik mit den Vertretern der Zentralen
Wahlkommission zusammengetroffen, um über die Einhaltung der demokratischen Standards
während des laufenden Wahlkampfes zu sprechen. „Es ist wichtig, dass solche Treffen
stattfinden“, sagte Vorsitzende des BHK Alek Hulak. „Dies ist die einzige Möglichkeit,
gegenüber Belarus eine angemessene Politik zu betreiben“.
Auch der Generalsekretär des Europarates, Terry Davis, hatte sich am Montag in einem Interview
mit der unabhängigen belarussischen Nachrichtenagentur „Belapan“ angesichts der aktuellen
Menschenrechtslage in Belarus sehr besorgt gezeigt. Davis warnte die Regierung Lukaschenkos,
das Land könne erst Mitglied im Europarat werden, wenn „Präsident Lukaschenko die Beachtung
der hohen Standards der Demokratie, der Menschenrechte und der Oberhoheit des Gesetzes
einhalten wird“ (http://belaruselections.info/current/2008/chronicle/0042971/). Das Land hatte
1997 seinen Gaststatus im Europarat aufgrund der repressiven Politik von Präsident Lukaschenko
verloren.
Tägliche Verhöre und Durchsuchungen während des Wahlkampfes
Nach dem jüngsten Bombenanschlag in Minsk am vergangenen Donnerstag hatten Miliz und
Geheimdienst landesweit zahlreiche Menschenrechtler und Oppositionelle festgenommen und
Verhören unterzogen. „Es beginnt eine neue Welle der Massenpsychose in den Machstrukturen,
die vor allem gegen die Aktivisten der demokratischen Kräfte ausgerichtet ist“, erklärte die
Initiative „Menschenrechtler für freie Wahlen“ am heutigen Dienstag.




Der Druck auf Wahlbeobachter und Opposition in Belarus wächst
                                                                European Exchange, 03.07.2008
                                                                                         Seite 111


Der Wahlkampf in Belarus hat zwar gerade erst begonnen, aber die Ereignisse der letzten Woche
zeigen schon jetzt, dass die Wahlkampagne nicht unter fairen Bedingungen startet. Die Initiative
„Menschenrechtler für freie Wahlen“, an der sich rund 300 einheimische Experten, Juristen und
Journalisten in allen Regionen des Landes beteiligen, hat bereits in der ersten Woche der
offiziellen Wahlkampagne in den verschiedenen Regionen zahlreiche Schikanen gegen
unabhängige Wahlbeobachter und gegen die Opposition beobachtet.
Einschüchterungskampagne der Steuerbehörden
In verschiedenen Regionen des Landes haben die lokalen Steuerbehörden plötzlich bei
unabhängigen Wahlbeobachtern des Belarussischen Helsinki Komitees (BHK) und deren
Familien Steuerprüfungen eingeleitet. Der BHK-Vorsitzende, Alek Hulak, und die frühere BHK-
Vorsitzende Tatjana Protko, der Vizepräsident der Internationalen Menschenrechtsföderation
Ales Beliacki, der Mitarbeiter des BHK-Büros in Minsk, Zmitser Markuscheuski, sowie der
unabhängige Jurist Valentin Stefanowitsch wurden aufgefordert, ihre Steuererklärungen
abzugeben.
„Uns ist klar, dass diese Maßnahmen die Wahlbeobachter in den Augen der Wähler diskreditieren
sollen“, sagte Tatjana Revjaka, Sprecherin der Initiative „Menschenrechtler für freie Wahlen“ am
Donnerstag in Minsk. „Es ist der Versuch, unsere Tätigkeit zu blockieren. Anstatt die Wahlen zu
beobachten, sollen wir mit der Bürokratie kämpfen.“
Auch Oppositionellen, die bei den Parlamentswahlen am 28. September auf der Liste der
Vereinigten Demokratischen Opposition (VDO) kandidieren wollen, sind extremen
Einschüchterungskampagnen ausgesetzt. Vor allem Oppositionelle aus der Gomel-Region im
Südosten des Landes und deren Familien wurden dieser Tage einer detaillierten Steuerprüfung
unterzogen. Wie die Menschenrechtsorganisation „Charta 97“ bekannt machte, werden zwei
Aktivisten der VDO, Nikolaj Gavrilenko, und der Jurist den unabhängigen Gewerkschaften der
Elektroindustrie, Leonid Sudalenko, beschuldigt, sie hätten Erlöse aus dem Verkauf eines
Fahrzeugs nicht versteuert.
„Niemand hat etwas gegen eine Steuerprüfung. Aber wenn plötzlich alle Aktivisten, ihre Frauen,
Kinder und Eltern im Visier der Steuerbehörde stehen, handelt es sich um eine gezielte
Diskreditierungskampagne der Regierung“, beklagt Revjaka.
Erste Festnahme eines Wahlbeobachters
Bereits am 26. Juni wurde der BHK- Wahlbeobachter Eduard Balantschuk von der Miliz und dem
Inlandsgeheimdienst KGB festgenommen. Ihm werden Widerstand gegen die Staatsgewalt und
Vandalismus vorgeworfen. Balantschuk wurde bereits zu zehn Tagen Gefängnis und zu einer
Geldstrafe von rund 300 Euro verurteilt.
„Solche Anschuldigungen gegen die Aktivisten sind während der Wahlkampagne zum Alltag
geworden“, sagt Tatjana Revjaka. „Es ist sehr merkwürdig, dass gerade im Vorfeld der Wahlen
hunderte von sonst ruhigen Belarussen Rowdytum begehen. Noch merkwürdiger ist allerdings,
dass es sich dabei ausschließlich um Mitglieder oppositioneller Parteien und
Menschenrechtsaktivisten handelt“- betont Revjaka.
*Parlamentskandidatur führt zu Entlassung *
Am 30. Juni wurde Ales Meh, regionaler Vorsitzender der größten Oppositionspartei, der
Belarussischen Nationalfront, in der westlich gelegenen Region Kobryn ohne Angaben von
Gründen vom staatlichen Gasunternehmen „Beltransgaz“ entlassen. Er war dort als Ingenieur
tätig und kandidiert auf der VDO-Liste bei den Parlamentswahlen. Die Unternehmensleitung
hatte ihm angeboten, seinen Arbeitsvertrag zu verlängern, sollte er auf seine Kandidatur
verzichten.
Schwierige Lage der Medien
Nach der Verabschiedung des neuen Mediengesetzes durch das belarussische Parlament haben
die EU und die Parlamentarische Versammlung des Europarats (PACE) die neuen Restriktionen
                                                                                           Seite 112


gegen Journalisten scharf kritisiert. Die EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, Benita Ferrero-
Waldner, forderte am 1. Juli die belarussische Regierung auf, eine freie Berichterstattung vor den
Wahlen zuzulassen. Auch PACE-Sprecher Andrea Rigoni mahnte die belarussische Führung, das
neue Mediengesetz nicht umzusetzen. Er sagte, es sei für Präsident Lukaschenko eine „goldene
Gelegenheit“, auf diese Weise eine Annäherung an Europa zu demonstrieren.



Minsker Oppositionsführer Milinkewitsch: “Wir werden bei den Wahlen
antreten“
                                                                           Euronews, 03.07.2008
In die Politik kam der promovierte Physiker Alexander Milinkewitsch in der Endphase der
Sowjetunion – als Vize-Bürgermeister in seiner Heimatstadt Hrodna .1990 war das.
Bekannt über die Grenzen seiner weißrussischen Heimat hinaus wurde er 2005, als er bei der
Präsidentenwahl für die Opposition antrat. Die endlose Geschichte aus Behinderungen,
juristischen Tricks und Verunglimpfungen, mit denen Machthaber Alexander Lukaschenko bis
heute einen demokratischen Wandel in Weißrussland zu verhindern wusste, ist bekannt.
euronews: Herr Milinkewitsch, herzlich willkommen bei euronews. Wie ist zur Zeit die Lage in
Weißrussland, entwickelt sie sich zugunsten demokratischer Normen oder nicht?
Alexander Milinkewitsch: Ich würde sagen, wir haben eine Art “stauts-quo”. Einige politische
Gefangene sind freigelassen worden, andere wurden eingesperrt. Aber das Wichtigste ist , dass es
keine Wirtschaftsreformen gibt. Bezogen auf Investitionen sind wir eines der ärmsten Länder in
Europa, wir haben weder Modernisierung der Wirtschaft noch Effektivität oder Konkurrenz. Um
im Land das zu verändern würde man 2 bis 3 Jahre brauchen. Ich denke, das liegt im Interesse der
Opposition, im Interesse der einfachen Leute und auch der heutigen Machthaber. Das muss uns
gelingenn, anderenfalls käme ein Kollaps.
euronews: Was hat diese neue Welle der Unterdrückung der Opposition ausgelöst?
Alexander Milinkewitsch: Ich habe den Eindruck, dass die Machthaber etwa so denken:
“Gut, wir machen ein paar Zugeständnisse, um die Zusammenarbeit mit dem Westen zu regeln “.
Das sind keine Zugeständnisse, die europäischen Normen, europäischenh Werten entsprechen.
Aber gleichzeitig haben die Machthaber Angst, die Kontrolle über das Land zu verlieren, deshalb
wollen sie zeigen, dass sie alles beherrschen. Die Festnahmen betrachte ich als eine Geste der
Selbstbestätigung der Machthaber. Das ist natürlich ein Irrtum, denn es zeigt nicht Stärke
sonderen Schwäche.
euronews: Wenn die weißrussischen Machthaber vom Westen sprechen, betonen sie immer den
Unterschied zwischen Europa und Amerika. Hat das mit der schroffen Position von Washington
gegenüber Minsk zu tun?
Alexander Milinkewitsch: Es ist das Recht der Amerikaner, so zu handeln, es entspricht ihrem
Verständnis von der modernen Welt. Ich finde, dass Wirtschaftssanktionen in der Art, wie sie in
der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts angewandt wurden, nicht viel gebracht haben.
Sie führten dazu, dass sich Länder abkapselten. Und für mein Land, für Weißrussland, ist die
Konservierung dieser Isolierung einfach schlecht. Auch wenn sich das Land heute selbst isoliert.
Ich bin dafür, dass die Länder sich öffnen, ich finde, der Dialog sollte weitergehen trotz der
Schwierigkeiten der letzten Zeit. Der Dialog muss aber konkret geführt werden, es muss eine
Politik “Schritt für Schritt” geben. Vor allem müssen wir über die Freilassung der politischen
Gefangenen sprechen – aber von Seiten der Europäischen Union geht es um Wirtschaftshilfte im
Zusammenhang mit Reformen.
euronews: Sie haben Präsident Lukaschenko vorgeschlagen, bei der Regelung der Beziehungen
                                                                                           Seite 113


mit Europa zu vermitteln. Wurde dieser Vorschlag abgelehnt?
Alexander Milinkewitsch: Er blieb ohne Antwort. Das regt micht nicht auf, wenngleich ich gern
eine Antwort gehabt hätte. Schließlich sind wir Bürger des gleichen Landes. Wir können auf
unterschiedliche Weise in einer sehr komplexen politischen Situation agieren
– aber wir sind verantwortlich für das Land. – ich ebenso wie ein Arbeiter , ein Professor und vor
allem der Präsident.
euronews: Sie hatten jüngst ein Treffen mit den französischen Außenminister Bernard Kouchner.
Welche Fragen wurden besprochen?
Alexander Milinkewitsch: Es ging natürlich darum, dass Frankreich am 1. Juli die EU-
Ratspräsidentschaft übernimmt. Das gibt Frankreich die Möglichkeit zu weitreichenden
Initiativen. Für mich ist das sehr wichtig, weil es auch unser Land betrifft, weil es neue
Vorschläge geben könnte für die Zusammenarbeit. Wichtig ist natürlich, dass unsere Machthaber
einsehen, hier liegt eine Chance. Mit Frankreich haben wir traditionell gute Beziehungen. Der
Außenminister hat gesagt, dass Frankreich für gewisse Schritte die Initiative übernehmen werde –
aber auch Schritte von Seiten der weißrussischen Machthaber erwartet.
euronews: Unter welchen Bedingungen arbeiten Sie jetzt in Weißrussland?
Alexander Milinkewitsch: Meine Möglichkeiten sind eingeschränkt. Ich kann nicht im Fernsehen
auftreten. Man lässt micht gar nicht hinein. Ein einziges Mal in 5 Jahren haben sie mir die
Möglichkeit gegeben – als ich Präsidentschaftskandidat war. Ich komme nicht im Radio vor,
nicht in den staatlichen Zeitungen. Zum Ausgleich reise ich viel durch das Land.
In zweieinhalb Monaten habe ich 30 Orte besucht und dabei bemerkenswerte Begegnungen
gehabt. Man hat mich zwar immer wieder festgenommen, mir Strafzahlungen auferlegt, die
Reifen meines Autos zerschnitten… Aber gleichzeitig habe ich viel von den Menschen erfahren,
wie ihnen Meinungsfreiheit, Wahrheit fehlen und dass sie eine Hoffnung haben wollen.
euronews: Im Herbst stehen in Weißrussland Parlamentswahlen an. Können die Vertreter der
Opposition daran teilnehmen?
Alexander Milinkewitsch: Wir können nicht nur, wir werden teilnehmen. Und dieses Mal werden
wir darauf hinwirken, dass die harten Praktiken zur Anwendung des Wahlgesetzes geändert
werden. Zum Beispiel: Wenn sich ein Kandidat der Opposition zur Wahl stellt, dann muss er das
Recht haben, eine Person seines Vertrauens in die Wahlkommission zu entsenden. In den letzten
Jahren haben nur Vertreter der Staatsmacht die Stimmen ausgezählt. Wir müssen freien Zugang
zu den Medien bekommen. Und es muss Schluss sein mit der Diskriminierung von Wahlhelfern
von demokratischen Kandidaten, die oft ihre Arbeit verloren haben, Geldstrafen zahlen mussten,
im Gefängnis landeten. Wenn unsere Bedingungen akzeptiert werden und eine Opposition ins
Parlament kommt, dann wird das der erste Schritt sein zu einer Gesundung der politischen
Situation und zur Anerkennung dieser Wahl.
euronews: Sie haben gelegentlich von der Bedrohung gesprochen, die ein Anschluß
Weißrusslands an Russland darstelle. Gibt es diese Bedrohung noch?
Alexander Milinkewitsch: Ja, die Bedrohung existiert. Ich denke nicht, dass heute die Chance
besteht zu einem politischen Anschluß Weißrusslands an Russland. Aber die wirtschaftliche
Abhängigkeit wächst ständig. Unsere Wirtschaft funktioniert nicht effektiv, ist nicht
konkurrenzfähig. Wir müssen in Russland Kredite aufnehmen. Weißrusslands Schulden wachsen.
Und sie werden wahrscheinlich um 2010, 2011 herum eine solche Höhe erreicht haben, dass wir
praktisch ein Teil Russlands sein werden, weil total an Russland verschuldet. Darum spreche ich
davon, dass wir so schnell wie möglich Wirtschaftsreformen brauchen. Und hier sind unsere
Kontakte in Europa und in den Vereinigten Staaten so sehr wichtig, denn dort ist man an einer
Verbesserung der Lage interessiert, an einer weitreichenden Stabilisierung, an Berechenbarkeit
und an Demokratie.
                                                                                              Seite 114


euronews: Wie könnten sich nach dem Präsidentenwechsel in Russland die Beziehungen
zwischen Weißrussland und Russland ändern?
Alexander Milinkewitsch: Diese Frage zu beantworten fällt mir wirklich schwer, weil wir nur
sehr wenig über die Politik des neuen Präsidenten wissen. Ich nehme an, dass die Politik sich
nicht ernsthaft ändern wird. Es wäre mein Wunsch , dass Russland und Weißrussland nicht den
Versuch unternehmen, eine Art kurzlebige Staatenunion aufzubauen. Nötig sind pragmatische
Beziehungen, vorteilhaft für beide Länder. Mit zweiseitigen Verträgen, wie in der zivilisierten
Welt üblich. Nur solche Beziehungen haben eine Perspektive zwischen Russland und
Weißrussland .


How to Lower Schengen Visa Fees for Belarusians
  Belarusian Institute for Strategic Studies, by Dzianis Melyantsou and Vitali Silitski, 02.07.2008
The rise in Schengen visa fees and the expansion of the Schengen Zone to the Belarusian borders
in December 2007 not only substantially complicated the trans-border contacts but also caused a
negative effect for the image of the European Union itself inside Belarus. These tendencies are in
the entire contradiction to the intention to facilitate democratization of Belarus through a dialogue
with the society articulated by the EU. The absence of political will within the EU and reluctance
of official Minsk to make a step towards Europe do not allow solving the problem of high visa
prices for Belarusian with the help of central EU institutions. At the same time there are a number
of possibilities to relief the visa burden.
This document is aimed at studying the problem of Schengen visas and searching possible
mechanisms to resolve it:
http://www.belinstitute.eu/images/stories/documents/visappmay2008en_final.pdf




Freies Theater Belarus – Eine Reise von Berlin nach Minsk mit Dea Lohers
"Die Schere" im Gepäck
                                                        nachtkritik.de, 01.07.2008, von Anne Peter
Schnurstracks nach Osten. 18 Schlafwagenstunden, 960 Kilometer Luftlinie, zwei Ländergrenzen
und sehr viel flaches, grünes Land liegen zwischen Berlin und der weißrussischen Hauptstadt
Minsk. Das sind drei Fünftel der Strecke nach Moskau.
Am Stadtrand von Minsk, in einem kleinen, heruntergekommenen Haus, in dessen wildem Garten
sich Gerümpel stapelt, hat das oppositionelle Theater ein Obdach gefunden: Hier probt und spielt
das "Freie Theater Belarus". Belarus, so lautet der landessprachlichen Schreibweise gemäß auch
die korrekte Bezeichnung der ehemaligen Sowjet-Republik Weißrussland. Viele Belarussen legen
großen Wert auf diese Wortverwendung, um sich dadurch möglichst deutlich von den Zeiten
russischer und sowjetischer Vorherrschaft abzugrenzen.
Durch das Auge hindurch
Die Fenster des Hauses sind mit Styropor und schwarzer Folie verklebt, der Boden ist schwarz
lackiert. Zwischen dem ehemaligen Wohn- und Nebenzimmer hat man die Wand herausgerissen.
Wenn in diesem 36 qm großen Raum Vorstellungen stattfinden, drängen sich bis zu fünfzig
junge, meist studentische Zuschauer auf Bänken und Boden eng zusammen, die Schauspieler
stets zum Greifen nah. Heute Abend gehört dieser winzige Bühnenraum dem Besuch aus Berlin.
Gegen die Wand lehnt sich ein zierlicher Körper in türkisem Kapuzenshirt und Sporthose. Ganz
dicht, zunächst fast zärtlich schmiegt sich die junge Frau ans Mauerwerk, so als wolle sie darin
                                                                                            Seite 115


verschwinden. Oder durch es hindurch. Doch die Wand hält stand, der Körper prallt gegen den
Stein. Immer heftiger rennt die Schauspielerin Claudia Eisinger gegen die Wände um sie herum
an, stößt sich schließlich von ihnen ab und kreiselt mit geschlossenen Augen und ausgebreiteten
Armen, Flügeln gleich.
Im Alleingang spielt die 23jährige Berlinerin Dea Lohers dramatischen Prosatext "Die Schere",
eine verdichtete, an der sozialen Peripherie angesiedelte Vater-Mutter-Kind-Geschichte. Darin
entscheidet sich ein zwischen Fabrik-überarbeiteter Mutter und arbeitslos gewordenem
Alkoholiker-Vater ganz auf sich gestelltes Mädchen schließlich für den denkbar radikalsten
Ausweg aus der alltäglichen Trostlosigkeitsschleife: die Selbsttötung, "die Auslöschung des
Gehirns". Dort hinein stößt es sich, durch das Auge hindurch, die titelgebende Schere.
Im Seelenausnahmezustand
"Ich bin eine Stimme, die an die beteiligten Personen ausgeliehen wird", – Claudia Eisinger
wechselt virtuos zwischen den Rollen der einzelnen Familienglieder, wirft sich erst in diesen,
dann in jenen Seelenausnahmezustand und kehrt zwischendurch immer wieder zur ruhig
erzählenden Distanz zurück. Der Mutter verleiht sie streng-hektische Überforderungsgestik, den
Vater lässt sie "Biiiier!"-schreiend (und Wasser-spritzend) durchdrehen. Als Kind reckt sie ob
dessen Selbständigkeit eine trotzige Faust in die Höhe. Getragen wird die Schauspielerin dabei
live von der E-Gitarre des Komponisten Fabian Kalkers, der sie beim Wechseln von Stimmen
und Stimmungen stützt oder sie aufpeitscht, die atmosphärische Grundlage zum An-der-Wand-
Niedersinken oder betrunkenen Toben schafft.
"Als die Idee für das Gastspiel entstanden ist, hatte ich natürlich besonders diese Szene im Sinn",
sagt Regisseur Kai Ohrem (Jahrgang 1978) nach der Minsker Vorstellung über diese Gegen-die-
Wand-Sequenz. Auf seine Initiative hin ist die Produktion mit Unterstützung des Goethe-Instituts
aus dem kleinen Berliner Hinterhof-Off-Theater Eigenreich nach Minsk gereist, zum Freien
Theater Belarus.
Das Freie Theater ist eine Ausnahmeerscheinung in dem Land, dessen Präsident Alexander
Lukaschenko nicht nur von Condoleezza Rice der "letzte Diktator Europas" genannt wird. Mit
totalitärer Hand herrscht er über die zehn Millionen Einwohner, die weder demonstrieren noch
frei wählen, reden oder publizieren dürfen. Frei Theater machen natürlich auch nicht.
Rückzug in den Untergrund
Seit 2005 Vladimir Scherbans Inszenierung von Sarah Kanes "Psychose 4.48" am Yanka-Kupala-
Staatstheater verboten wurde, haben sich hier in der Initiative "Freies Theater" all jene
Theatermacher in den Untergrund zurückgezogen, die sich nicht von der staatlichen Kulturpolitik
auf dem sehr engen Raum eines – gelinde gesagt – antiquierten Kunstverständnisses
zusammenpferchen lassen wollen. Scherban gibt hier weiterhin meist den Regie-Ton an.
Eine Theaterlandschaft jenseits der Staatstheater mit ihren vom Kulturministerium streng
kontrollierten Spielplänen gibt es praktisch nicht. Und vor allem werden die Staatstheater von
Schwanensee-Ballerinen, opulenten Operninszenierungen, Partisanenstücken aus Sowjet-Zeiten,
russischen Klassikern und viel Boulevard geprägt. Hauptsache schön, unterhaltsam und harmlos.
Das Projekt "Freies Theater" sei erst beendet, wenn sich das politische System in ihrem Land
"von einem diktatorischen Regime zur Demokratie gewandelt hat", schreibt die Mitbegründerin
der Gruppe, Natalia Koliada, in einem Manifest auf der Website des Theaters. Sie leitet das
derzeit siebenköpfige Ensemble gemeinsam mit ihrem Mann Nicolai Khalezin, der selbst
Dramatiker ist, dessen Stücke jedoch offiziell nicht gespielt werden dürfen.
Sein neuestes Stück studiert er deshalb gerade wieder einmal undercover mit dem Freien Theater
ein. Es handelt von jenen Menschen, die in Belarus jährlich verschleppt werden und nie wieder
auftauchen. Der Stoff basiert auf der realen Geschichte eines befreundeten Ehepaars: Der
Geschäftsmann, der die Opposition unterstützte, verschwand 1999 spurlos, seine Frau lebt
mittlerweile in den USA.
                                                                                           Seite 116

Das Gastspiel als Geste
Bei Demonstrationen gegen das Lukaschenko-Regime auf dem zentralen Oktoberplatz am 25.
März diesen Jahres, den die Oppositionsbewegung in Erinnerung an die Ausrufung der ersten
unabhängigen belarussischen Volksrepublik im Jahr 1918 als "Tag der Freiheit" beging, sind
viele der friedlichen Protestierer festgenommen und teilweise zu zweiwöchigen Haftstrafen
verurteilt worden.
"Darunter waren auch Leute, die ich kannte", erzählt Kai Ohrem, der hier Anfang des Jahres mit
den belarussischen Schauspielern Dea Lohers Stück "Berliner Geschichte" inszeniert hat. Das
Freie Theater hatte ihn als Gastregisseur nach Minsk eingeladen, nachdem er Vladimir Scherban
im November 2007 im Rahmen einer Übersetzerwerkstatt in Frankreich kennengelernt hatte.
"Diese Arbeit zählt für die Schauspieler und mich mit zum Seltsamsten, das wir je gemacht
haben", meint er lachend. Und schildert, wie schwer es war, die Schauspieler, die nach der
Stanislawski-Methode ausgebildet und einen eher autoritären Regiestil gewöhnt sind, dazu zu
bewegen, eigene Ideen und Spielvorschläge einzubringen. Übrigens konnte er sich mit den
Schauspielern nur auf Umwegen verständigen, etwa über die französisch sprechende Assistentin.
Die Aufführung seiner Berliner Inszenierung des Stücks "Die Schere" in Minsk versteht er ganz
klar als eine Geste der Solidarität. "Als ich von den Repressionen im März hörte, wollte ich ein
Gastspiel hierher bringen, einfach deshalb, um den Leuten zu zeigen, dass man sie nicht
vergessen hat."
Baustelle Minsk
Dabei ist die Lage des Freien Theaters Belarus paradox: Während die Vorstellungen zu Hause
nur im Verborgenen stattfinden dürfen, ist die Truppe im Westen mittlerweile begehrter
Festivalgast, etwa bei der Wiesbadener Biennale oder dem Münchner "Spielart"-Festival. Die
Ausreise wird von den Behörden gestattet: Die Regierung hofft anscheinend, dass die Kunst-
Querulanten irgendwann einfach wegbleiben. Den Khalezins hat sie im Falle der Emigration
sogar finanzielle Unterstützung zugesagt.
Doch die kehren immer wieder zurück, so groß die Versuchung manchmal wohl auch sein mag.
Derart leicht indes möchte man dem Gegner das Feld nicht überlassen. Das unterstreicht auch Kai
Ohrem: "Die Baustelle ist hier, in Minsk", weshalb er auch seine Dea-Loher-Inszenierung dort
zeigen wollte.
Den wachsenden Hype um das Freie Theater Belarus im Westen betrachtet er mit Skepsis und
sieht die Gefahr, dass der einladende Westen in die "Exotismus-Falle" tappt, sich spannendes
Untergrundtheater einkauft, und dabei eher einem oberflächlichen Radical Chic verfällt, statt der
künstlerischen Substanz, die auch bei Einladungen des Freien Theaters Belarus in den Westen im
Zentrum stehen sollte.
Vor kurzem ließ man dem Freien Theater Belarus bei der Verleihung des Europäischen
Theaterpreises in Thessaloniki eine "besondere Erwähnung" zuteil werden, "aufgrund seines
Widerstands gegen die Unterdrückung durch die weißrussische Regierung". Vorgeschlagen
hatten dies drei prominente Unterstützer der Gruppe, Vaclav Havel, Harold Pinter und Tom
Stoppard. Stoppard hat in Minsk auch schon ein Seminar für junge belarussische Dramatiker
gehalten.
Premierenparties als Hochzeitsfeier getarnt
Auf diese ideelle Unterstützung ist das Theater ebenso dringend angewiesen, wie auf finanzielle
Hilfe. Die Schauspieler, die vorher fast alle an staatlichen Theatern engagiert waren, haben, seit
sie hier Theater spielen, bis auf eine Ausnahme inzwischen ihre Engagements verloren.
Weil sie in öffentlichen Theatern nicht auftreten dürfen, weichen sie auf andere Räume aus, auf
Cafés oder Privaträume. Sogar im Wald haben sie schon gespielt. Zwei Lokalen, die dem Freien
Theater Auftritte ermöglichten, wurde daraufhin die Lizenz entzogen. Vorstellungsdaten werden
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per E-Mail-Verteiler oder SMS weitergegeben – mittlerweile müssen schon Reservierungs-Listen
geführt werden, so groß ist der Andrang. Und das, obwohl im letzten September bei einer
Premiere das gesamte Team kurzzeitig verhaftet wurde. Das Publikum inklusive.
Im Grunde müsse man bei jeder Vorstellung darauf gefasst sein, dass irgendwann Leute von
Militär oder Geheimdienst – der in diesem, an Sowjet-Zeiten orientierten Land übrigens immer
noch KGB heißt – im Raum stehen, meint Maryia, die Managerin des Freien Theaters. Nicht
jedes Mal greifen sie auch ein. Ein wenig Schutz bietet zum Beispiel die Anwesenheit
ausländischer Diplomaten oder Journalisten. Premierenparties werden schon mal als
Hochzeitsfeier getarnt, mit echtem Brautpaar, versteht sich.
Vorstoß in Schweige- und Wegschau-Zonen
Wenn man jenseits der sozialistischen Plattenbaumassive durch die auffallend sauberen
Prachtstraßen der Minsker Innenstadt läuft, wo der Stuck an den historisierenden Fassaden aus
Beton und tatsächlich kaum ein Gebäude älter als sechzig Jahre ist, könnte man denken, hier
lebten ausschließlich glückliche Menschen. Sie sitzen in Cafés oder am Ufer der Swislatsch,
spazieren durch die großzügigen Grünanlagen und fahren im Gorki-Park Karussell. Überall
prangen Plakate, auf denen strahlende Menschen mit Militarmützen staatstragende Propaganda-
Parolen illustrieren. Später erzählt jemand, dass die Stadt nur deshalb so sauber ist, weil
Arbeitslose für einen Hungerlohn als Putz- und Gartentrupps verpflichtet werden.
Offiziell gibt es in Belarus freilich ebenso wenig Arbeitslose wie Alkoholiker, Drogenabhängige
oder Selbstmörder. Gerade deshalb ist es wichtig, den Blick auf jene abgelegenen Realitäten zu
richten, die in diesen Erhebungen nicht vorkommen. Einfach davon erzählen, was ist.
"Zone des Schweigens", so etwa heißt das jüngste Projekt Vladimir Scherbans, dessen dritter Teil
in Thessaloniki uraufgeführt wurde und der andere, inoffizielle Statistiken zum Ausgangspunkt
nimmt: Suizidraten, psychische Krankheiten, ungleiche Behandlung von Männern und Frauen.
Auch Dea Lohers "Die Schere" stößt in solche Schweige- und Wegschau-Zonen vor – und
gewinnt in dem fremden Kontext noch an Dringlichkeit. Claudia Eisingers Sturm gegen die
Wand: Der wird auf einmal sehr groß, an diesem Ort, wo so vieles zum Wände-Einrennen ist.
Freies Theater Belarus 111.dramaturg.org


The Attraction of Belarussian Politics
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And so the vast majority of us have again gathered together at the same time and place, the 9th of
May in Minsk. A celebration. Red and green tulips in hand, blending smoothly with official
banners, ribbons of dahlias looking like strings of medals, which have long been sold in markets
as military memorabilia, “Victory” posters and badges, official flags hanging from all state
structures, as if the capture of the city had taken place only yesterday – nothing but flags, put up
to make the dull city colourful – children with balloons, veterans with their medals, a parade – in
a word, a holiday on the streets and all around.
And further, people strolling about parks, looking at the attractions, the tempting smell of hot
shashlik and the aroma of foaming beer. In turn, at the appointed place and time, finally, the
evening salute. There are many of us, and we are all together. As everyone knows, we have had a
troubled history (difficult last week even), but we stood our ground and prevailed. Happy
Holiday!
But let us return briefly to the subject of us, who are many. Who are “we”? Who are the masses
of whom we speak? Dare we claim, that we speak of that majority who are of no consequence
when considered separately or as groups. i.e. they are equal in their insignificance in such a way,
that, in particular, they provide evidence of their own existence. Put more simply, this group, the
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group of nobodys, is a mass of nobodys. Or, similarly, but in a more complex manner of speaking
– a non-entity. Therefore, the nobodys are back in Minsk. We greet them. They are with us and
there is no doubt that in some way we are with them. As well. (salutes, champagne corks
popping, loud laughter).
But let us continue. The nobodys are not merely a material mass, grey and unworthy of
consideration. No, the nobodys are those amongst us, who are many, and could be any of us.
They accompany us like a shadow at midday, invisible in daylight hours because of the sun’s
perpendicular rays, but becoming more visible towards sunset, or in the absence of direct
sunlight. It is also impossible to say that nobodyism is just an imaginary concept – the product of
an unhealthy or healthy individual imagination. No! nobodyism is a part of all of us to some
degree, so that we are not isolated from others and can live in the company of others.
The problem consists of the fact that nobodyism, as an aspect of our existence, has a purpose,
form and structure that is very easily swamped by ideology. As a result we have terms like “the
masses”, the “face in the crowd”, the “small man” the “simple man”, the “madman”. As well, in
the case of Belarus we have an additional type that is becoming more and more prevalent than all
others (at least as far as we can see) – the excluded.
The equalisation and levelling of nobodys/nothings typically takes the following form: if you are
not with us, you are simply nothing. If you are not like us, you are nothing, you are invisible and
not recognisable. “We were victorious” means “You lost.” That is one of the slogans of official
ideology. But more of this later.
Having made these preliminary observations, let us turn our attention to the events which took
place and try to understand what kind of victory we celebrate on this day.
“Victory” as an amusement for tourists and politicians
At this point we will concentrate on the obvious fact that the annual celebration of “Victory Day”
has been turned into some kind of spectacle, a sham, a soap opera, the effect of which is to
overwhelm the event itself. However, from year to year it is possible to pick out various nuances.
We would like to turn our attention, as they say, to look not at what was planned by the rank and
file, an event for mass consumption and thus remained a matter of formal ritual, rhetoric etc. For
example, it was worth noting that straight after the official part of the celebrations, when the
latest “Heroes of the Day” finally left the stage and cleared the way for those wanting access to
the square, the Victory Monument like a magnet began to attract all other attendees, whose
actions began increasingly to resemble that of tourists. Endless photographs and videos were
taken, posing with veterans or next to historical objects, crowd scenes and banners with pictures
of Lenin and Stalin, which to the delight of the “tourists” displayed communists from Belarus. All
of this gave Victory Day its distinctive style of entertainment, one more attraction not far from
Gorky Park
One of the most interesting sights for the passing tourists was the gathering of foreign students in
the square (mostly of Chinese or Vietnamese extraction, but we’re not too good at making the
distinction). Firstly, it is the same because apparently for many of them the communist
symbolism is a reminder of home. So apparently it made it a joyous event for them due to the fact
that they, that is we, are also communists. But perhaps that isn’t healthy. Secondly, as regards
clothing, symbols, awards, not to mention the veterans themselves – in fact anything exotic,
anything authentic from this epoch, was swiftly identified as a valuable addition to a picture.
In the interests of justice, it is worth noting that in many respects the presence of these “student
tourists” has given a certain authenticity to the gathering in the square and has provided today’s
event with a global, international aspect, rather than transferring it into another piece of nostalgia
for the Soviet past, like some museum piece. One can also say that their existed a certain
international spirit (like the “Internationale” sung by the communists), with the proviso that in the
square there were gathered not people from different countries, but rather a group of friends.
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Victory after Dinner
Meanwhile, the evening part of the “Victory Day” holiday has been a great event for those in
nearby Gorky Park. People have had to be turned away. Judging by the influx of people, you got
the impression that access to all the festivities was free of charge. But no: there were as ever
charges and it was necessary to stand in numerous queues.
Nevertheless, despite these small problems the holiday proceedings went smoothly: the
atmosphere was sufficiently festive to allow people to relax and have fun. In a very European
manner many holiday makers found themselves places to sit on the ground, almost as though
some festival had taken place in the park or they were expecting to see a performance. However,
as often happens with us in the era of cultural famine, all those relaxing became self-absorbed
with their own understanding of the holiday and relaxation, as well as with quenching their thirst,
satisfying their appetites, and other basic necessities.
We remain far from civilised: public consumption of alcohol of varying strengths, even by quite
young people (we should note that the park is by definition meant to be for children). Here and
there were the sounds of intoxicated people, many of whom made a permanent impression on the
permanent fixtures in the Forest Park, who decided to take advantage of the holiday to move
events closer to the centre, in the absence of any basic services. There were even queues at the
male toilets. However, on the other side of the toilets an alternative queue formed for those who
could stand the wait no longer.
As regards the “cultural program” on this day, performances were offered by amateur groups,
which were intended to be as unpretentious as possible (which is understandable in a park for
children). However, in the absence of any alternatives there remained nothing else to do but clap
your hands and sing along with the complicated songs. They sang a number of couplets about the
“orange sky”, the “orange sea” and the “orange everything” with Soviet tanks in the background.
In a way it was an appeal to the “Orange Revolution”. But children and tanks? It was too
incredible a scenario by far.
Is it really intended that children can take it upon themselves to drive tanks and take care of
television networks and their staff, who are located on the opposite side of the street? Or can it be
that children are intended to be used to stop the enemy tanks? (How monstrous is this Belarussian
opposition! They want our children.)
No, this is simply a madness, a profanity, that is being put to you. In general you will understand,
dear reader, that no revolution of any kind occurred on this day – neither a political nor a cultural
one. The children sang as they well as they could and we give thanks for this.
In respect of the professional revolutionaries (Lenin and Stalin), of whom many different portraits
were on show: this was quite strange, but they were deployed for quite a different purpose than
demonstrating ideological support for the current regime. On the contrary: the communists
complained that they were not included in the official part of the celebrations. Moreover, they
even spoke out against the current regime, the BRYU (Belarussian Republican Youth Union). In
other words, beneath the portraits of the leaders of socialism there was real “opposition”.
A word about the opposition. In Victory Square it was noticed that several of their valorous
representatives decided to take part in this important event in order to subsequently be part of
treasured photographs, acknowledging their presence and participation in the events of the day.
Well, in that case, we respect their memories and our opposition “veterans”; they have earned
this.
However, unlike the fathers and builders of communism, possessed with political flair and nous,
as shown above ,the “Revolutionary Moment” has not been exploited by them (the opposition) in
the first instance (the Orange Sky) or in the second (in the square). This has again demonstrated
the utter inconsistency if our opposition, who have thus made yet another unforgivable mistake
on this day. When “Victory” was so close!
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Regretfully, or with satisfaction, it should be noted that politics in Belarus, to the extent that is
real, becomes a farce and a subject for photography of different subjects, one in which it is
necessary to be on one side or the other.
Let us hope, however, that our turn in this everlasting spectacle will come. If “we won” becomes
a case of “we won” in our own language.
We believe! We can! We prevail!




Russia: Press Statements following Russian-Belarusian Talks
                                                                        kremlin.ru/eng, 28.06.2008
DMITRY MEDVEDEV: Alexander Grigoryevich, colleagues,
Our talks have just ended, but I wanted to begin with something else: today is a special day in our
peoples' history. June 22 is a very tragic page and at the same time it is a special page in the
history of Russia and Belarus.
I am in Brest for the first time. The feat of those who laid down their lives here for their
Fatherland is truly unique, an act unprecedented in the history of humankind.
The defence of the Brest Fortress will forever remain one of the glorious pages in our shared
history. We bow our heads in memory of those who fell in the liberation of our Motherland. I see
the Belarusian President's invitation to visit the Brest Fortress and the city of Brest as an
opportunity to also pay tribute to the events that took place here many years ago.
Regarding the relations between our countries, I can describe them in no other terms but those of
strategic partnership based on the treaty establishing the Union State. All our relations are guided
by the main development outlines that form the foundation of the agreements between us.
We have reviewed our various cooperation projects and come to the conclusion that progress has
been good overall. It is enough to look at the figures already given today. They speak for
themselves. Our trade and economic cooperation continues to grow, and this is a good foundation
on which to build up our cooperation in other areas too, social and economic and also political
areas, all the more so as Russia's development and that of Belarus are very closely tied together.
The integration process that is based on our union treaty and the integration based on our other
international agreements also benefits our countries and peoples. Alexander Grigoryevich
Lukashenko and I agreed to continue to respect these agreements and continue enriching them
with concrete substance.
Making progress does not require us to set impossible goals. All we need to do is implement in
full the agreements we already have. It is enough to build up a set of real, substantial and
pragmatic projects and take the necessary economic and political measures and also the decisions
that will ensure our common security, and we are committed to working in all these directions.
Our talks today have shown that we have very similar views of the current situation and the future
outlook for relations between our countries. Our relations are very close and friendly and we will
do everything we can to ensure that they remain so.
I would especially like to thank Alexander Grigoryevich for choosing Brest as the place for our
first meeting. This is a symbol and a good sign. I hope that our future talks will bear evidence of
the decisions that we have taken here today in Brest.
Thank you for your attention.
ALEXANDER LUKASHENKO: Dmitry Anatolyevich, friends,
                                                                                              Seite 121


Continuing with Dmitry Anatolyevich's words about how more than fifty years have now passed
since the events that took place here, I want to say, first of all, that so long as these symbols live
on we will always be together and will always be unvanquished: herein lies the symbolism of
Brest.
Second, on a more personal note, I will not hide that I was watching Dmitry Anatolyevich,
observing his reaction from the moment he stepped foot on this sacred ground. In his eyes and his
behaviour I could see that he was thinking: good on the Belarusians for looking after this sacred
site we share.
It was hard to imagine 10–12 years ago that this citadel could look so fine. There was ruin not
only in people's heads but also here on this hallowed ground. We managed to preserve this site,
including with help from Russians. Many promised to help, but only Russians did, and we
restored this monument. As Dmitry Anatolyevich said afterwards, answering my question, this
work has been done with humanity, as human beings should do it in the face of God, so that
people can come here and not just remember those terrible days but also find a source of human
inspiration.
Truly terrible events did take place here. Today is a day of sorrow, but it is also a day of joy, for
this day showed us already that we could not be conquered. Through the explosions and flames
that abounded on that day we could see the common victory that would be ours five long years
later, in May 1945. The words `from Brest to Berlin' written on the Reichstag wall are very
symbolic. We saw this at the museum.
I would like to thank the Russian President for taking this spiritual and human step as President
and coming here to the Brest Fortress, to this land that we share. This is a sacred place for all of
us, and we Belarusians will never try to appropriate it for ourselves alone. We could sense that
among the people gathered in the square today probably half were Russians and half were
Belarusians.
This shows that this is also a place of pilgrimage for Russians, and we are happy to see this. Not
only Russians come here. We will preserve this sacred place for many, many generations to
come. This is what unites us, what makes us strong and invincible.
As for today, I would like to begin on a personal note here too and say that it is very important for
me, as I already said at the talks in expanded format, that from much of what was said by the
Russian President today, the eight years during which I worked with the previous Russian
President, were years in which we stumbled and fell at times, but in which we also had our
successes and overall made great strides forward.
This can be seen by looking at the lives of our peoples. There can be no inventing the fact that
people's lives are better today. There are still many difficulties, and there will be perhaps even
more difficulties ahead, but there can be no denying what Russia and Belarus have achieved. I
remember how after the collapse of the Soviet Union we were all but beggars, had lost our sense
of direction and could not see the way forward. We managed to haul ourselves up and move on. It
was very important for me to hear the Russian President's assessment, hear what we understand
very well: that we now have the foundation we need for moving forward.
Also very positive was that we discussed our packages of agreements, taking them apart, leaving
some issues still awaiting decision and moving ahead on others. There are some issues that are
very symbolic, very important for us, and we need to settle them today. As Dmitry Anatolyevich
said, these are political, economic, military-political and military-technical issues. There are
many such issues. They come up every day. Even if there are as many as 15-20 such issues, we
must take urgent action to settle them and show people that we are making progress.
Second, I also see as positive our commitment to the Union State treaty, to building our Union
State. This treaty is working today and neither side is trying to abandon its commitments. This is
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very important. It shows that the new President is committed to continuing the policy that the
Russian Federation has followed so far, and we in Belarus will also keep to this principle.
Of course, we also discussed many specific issues, economic issues, issues concerning equal
rights for our citizens. I am very thankful to the Russian side for ratifying the agreements that we
signed in St Petersburg two years ago. Practically all issues have been settled now. Our peoples
will never be foreigners to each other: Belarusians will be at home in Russia and Russians at
home in Belarus.
Of course, our dialogue will continue and we will come back to history and look ahead into the
future. We have a big agenda today. I don't hide the fact that I hope that we will look at the place
where the line was drawn beneath the existence of a once great state, and perhaps on this sacred
ground (it is good sacred ground, but I think it was somewhat desecrated in its time) will think of
something good for our peoples.
Thank you.
DMITRY MEDVEDEV: Thank you. I just want to say a couple more words.
I would like to thank Alexander Grigoryevich Lukashenko for the good weather and for the full-
on support for Russia's football team that we felt.
Thank you very much.
ALEXANDER LUKASHENKO: Thank you to you for ensuring that our talks took place in such
a good atmosphere.




Power Poker: An Examination into the Dynamics of the Current Relationship
between Russia and Belarus
                        Policy Paper by Andrei Liakhovich, Center for Political Education, Minsk
This policy paper has been prepared with the assistance of the Pontis Foundation based on the
research undertaken by the Center for Political Education and supported by the Belarus Public
Policy Fund. The aim of the fund is to provide direct support for Belarusian experts working on
issues of strategic importance and thus to stimulate public policy debate in Belarus.
The opinions presented in the paper are of the author exclusively, neither necessarily of the Pontis
Foundation nor of those of the Belarusian Institute for Strategic Studies. The paper is available at
the following address: http://www.nadaciapontis.sk/en/newsfromcountries




Opening the European Commission’s Delegation in Minsk: Do EU-Belarus
relations need a rethink?
Alena Vysotskaya Guedes Vieira, The Finnish Institute of International Affairs, Briefing Paper
18.                                                                                   07.04.2008
In the first months of 2008, the Belarusian leadership made some unprecedented declarations,
demonstrating its willingness to cooperate with the EU. In contrast to similar declarations in the
past, the current statements were supported by tangible cooperation-oriented steps on the part of
the official Minsk, including the decision on the opening of the Delegation of the European
Commission in the country and the release of several political prisoners.
The recent attempts of the Belarusian leadership to establish its own terms for the fulfillment of
                                                                                             Seite 123


EU demands on the one hand and the establishment of the Commission’s Delegation in Minsk on
the other, invite further consideration of EU-Belarus relations. Nevertheless, the existence of
concessions as far as the official Minsk is concerned should not be mistaken for a fundamental
change in the Belarusian approach towards the EU. As before, the official Minsk is not simply
promoting cooperation with the EU, but cooperation of a very special type, namely one whereby
it defines its own conditions, rather than adopting those defined by the EU, thus developing
something of a reverse conditionality.
The EU should clarify whether it can reward the Belarusian leadership for single cooperation-
oriented steps, and to what extent such rewards can be granted. In other words, the EU needs an
inventory of the instruments that are, or can be, employed in its policy towards Belarus. nAs far
as the character of different instruments is concerned, the EU approach might appear
contradictory, but this strategy is paradoxically the only way to move forward in its relations with
Belarus. If the EU wants to promote the democratisation of Belarus, it should try to find synergies
among its own measures and the policies of other actors. As the recent changes have
demonstrated, only a combination of pressures from different sides will create a sufficient basis
for EU leverage in Belarus.
Wind of change?
On March 7th 2008, after lengthy negotiations initiated back in November 2005, the European
Commission and Belarus signed an agreement establishing the Delegation of the European
Commission in the country. The event again raised hopes that the antagonism of the EU-Belarus
relationship was finally a thing of the past and both actors were ready for a new start. Such hopes
were boosted by the new, cooperative approach of the Belarusian leadership.
In particular, the decision on the opening of the Commission’s Delegation went hand in hand
with the sudden release of six internationally recognised political prisoners. The significance of
the prisoners’ release was further reinforced by the comments made by the President of Belarus,
indicating that on this occasion the respective continuously expressed demands of the EU had
been heard. This stance contrasted sharply with the traditional policy line, namely that of
rejecting the idea of any concessions for cooperating with the EU, criticizing the Union for
interfering in its domestic affairs and simply ignoring its demands. The activism of the Belarusian
approach towards the EU also contrasted with the uncertainty of the Belarusian policy towards
Russia, resulting from the redefinition of relations between two countries, as well as the
worsening Belarusian relations with the US following the introduction of economic sanctions
against a large Belarusian stateowned enterprise, Belneftekhim, in November 2007.
The sudden cooperation-oriented approach of the official Minsk raises the issue of a
commensurate response on the part of the EU. Although the Belarusian leadership has
demonstrated that it takes EU demands seriously and is ready for concessions in areas of the
highest relevance to the EU, it has still not fulfilled the majority of EU demands. Even with
respect to political prisoners, the EU requirements were not completely satisfied: the former
presidential candidate, Aliaksandr Kazulin, is still in prison, and the fate of the young activist
Andrey Kim is still hanging in the balance. Moreover, nothing has changed concerning the
traditional heavy-handed response of the government to participants in peaceful demonstrations,
like the entrepreneurs’ demonstration in Minsk in January 2008 or the one on the occasion of the
90th anniversary of the proclamation of the Belarusian People’s Republic in March 2008.
Escaping the conditionality logic?
EU relations with the incumbent Belarusian leadership have always been centred on the
conditionality principle. According to this principle, any improvement in the relationship needs to
be preceded by the fulfillment of EU demands by the target state in question. With its recent
decision on the release of political prisoners, the official Minsk has managed to reverse the
conditionality principle, interpreting it in such a way that the Belarusian leadership should be
rewarded for any cooperation-oriented steps, and that it should be able to define the exact form
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that the EU reward should take. In other words, ultimately, it should be the Belarusian
leadership’s prerogative to state the conditions for cooperation, not the EU’s.
While the relations between Belarus and the EU are focused on the conditionality issue, the
opening of the Commission’s Delegation seems to defy this logic. It is remarkable and significant
that the long negotiations between Brussels and Minsk on the Delegation were not linked to any
demands for concessions, neither from the official Minsk, nor from the EU. This dual stance
reflects the awareness of the necessity for a rapprochement, although for different reasons in
either case. The official Minsk is interested in the institutionalised expression of the
normalization of relations with the EU, first and foremost because it signals to Moscow that, if
necessary, alternatives to the foreign-policy orientation on Russia can be found.
The EU, for its part, is interested in creating any kind of basis for exerting an influence over
Belarus. In this sense, the opening of the Delegation reflects the failure of the existing sticks and
carrots of the EU, and the recognition of the fact that the EU needs to relax the conditionality
principle to allow some engagement with the country. In any case, the Commission’s Delegation
has a unique position in the EU-Belarus dialogue: although representing a direct channel between
the Belarusian leadership and Brussels, it seems to be situated outside the conditionality
framework which otherwise prevails in this relationship. In its day-to-day operations, the
Delegation will have to maintain a difficult balancing act, since it will always be faced with a
dilemma stemming from the conditionality as a fundamental principle in EU-Belarus relations on
the one hand, and the need for engagement with Belarus on the other.
How to organize and be responsible for the rapprochement with the Belarusian leadership without
granting political dividends to the regime? The issue is set to become more and more pressing as
the EU needs to find an adequate response to the single concessions offered by the official Minsk.
The danger in responding positively to a half-resolved measure is always such that it may never
be resolved completely, which in the case of Belarus may become acute as the issue at stake,
namely the release of political prisoners, is extremely sensitive. When the first prisoners were
released, the democratic opposition, as well as NGO representatives, expressed immense concern
about any positive response from the EU, because such a response could lull the political
leadership of Belarus into thinking that it had a bargaining chip in its hand. Thus, by reacting
positively, the EU would not achieve the desired effect, and would ultimately act against its own
principles by tolerating the trade-offs involving political prisoners. The EU urgently needs to
establish how far it is willing to go in rewarding the leadership for the cooperative steps along the
lines of reverse conditionality.
Attention should also be paid to the internal implications of the opening of the Commission’s
Delegation in Belarus. In particular, the democratic opposition in the country, both political
parties and NGOs alike, expect more support for their political activities on the road to the
democratisation of Belarus and the promotion of European values. It is important that the
Delegation, which has been formally installed with the aim of extending relations with the
government’s institutions, takes these expectations into account.
Devising the strategy of the Delegation in such a way would send a clear message to the
leadership of Belarus: the EU, although recognising the authority of the official Minsk to
introduce important changes, still needs the Belarusian leadership to prove that it will guarantee
the irreversibility of these developments.
Creating added value for EU-Belarus relations
Although it is too early to say whether and how the European Commission’s Delegation will
change relations between the EU and Belarus, the fact that a new office is opening in Minsk, as
well as its particular circumstances, allow some conclusions to be drawn regarding the particular
areas in which the possible added value for EU-Belarus relations can be created. The first point to
consider is that the EU, if it wants to increase its influence over Belarus, may have to behave in a
paradoxical way on occasion. The Commission’s Delegation in Minsk is an embodiment of this
                                                                                              Seite 125


fact. The EU decision to open the Commission’s Delegation to the Belarusian government was
clearly a step on the road towards a rapprochement. It could, however, hardly be justified by the
developments in the country around November 2005, when the application was submitted to the
government of Belarus. Subsequently in 2006, after the human rights record deteriorated and the
presidential elections were recognised as being far from free and fair, the EU introduced
sanctions against Belarusian High Officials, but did not withdraw the application for the
Commission’s Delegation. In this sense, the EU’s approach has been contradictory, but this
particular approach, paradoxically enough, has been and remains the only way to move forward
in relations with Belarus.
Secondly, the EU needs an inventory of the available instruments employed in Belarus, including
the particular conditions for their use. By addressing this problem, the EU would devise a basis
for a comprehensive strategy towards Belarus. So far, among all the instruments, the selective
employment of sticks, namely the lifting of some sanctions while maintaining others until the rest
of the EU demands are fulfilled, has been the most effective. However, it is debatable whether
lifting sanctions is adequate and justifiable at all when the human rights record is poor; and
whether one particular concession made by Belarus, such as the release of a political prisoner,
justifies lifting economic sanctions related to a completely different problem, namely the freedom
of the independent Trade Union in Belarus.
In any event, the EU, when choosing certain instruments, needs to show that it is not creating
some exclusive channel of communication with the Belarusian leadership. By overlooking this
danger, the EU is likely to fall into a situation where the opposition is marginalised and the
improvement of relations with the official Minsk occurs at the cost of securing contacts with the
people of Belarus in a broader sense. Therefore, the EU has to choose those measures that will
draw a clear distinction between the leadership of Belarus on the one hand and the population at
large on the other.
Thirdly, recent changes in Belarus have demonstrated that only a combination of pressures from
different sides will lead to an increase in EU influence. The exclusion of Belarus from the
Generalised System of Preferences could only become a significant signal in the context of the
pragmatisation of Russia-Belarus relations and US sanctions targeting Belneftekhim. Thus, the
EU needs to pay attention to the strategies of the respective actors and forge synergies among
them. In particular, this would make it possible to ascertain any potential increase in EU influence
and to pinpoint the optimal moment for the EU to engage the Belarusian leadership in dialogue.
In this connection, the Delegation in Minsk will play an important role by being able to
permanently evaluate the environment in which the leadership of Belarus operates, and by
remaining poised to react.
Fourthly, it is important to understand that the most important feature of the Belarusian foreign
policy is its position in the grey zone of influence between the EU and Russia. The official Minsk
might want to put forward its strengthened relations with Venezuela, China or Iran as diplomatic
achievements, but they are not, in effect, any real alternatives. The EU’s role in the foreign policy
of Belarus is unique because only the EU can be used as a counter-weight to the influence exerted
by Russia, and the reverse is also true, albeit to a lesser extent.


The EU’s Limited Response to Belarus’ Pseudo ‘New Foreign Policy’
                         Centre for European Policy Studies, Policy Brief No. 151, February 2008
Relations between the European Union and Belarus have seen little change since President
Alexander Lukashenko came to power in 1994. Belarus has languished in a state of selfimposed
political isolation despite the subsequent waves of enlargement – most notably, the 2004
enlargement which made Belarus a direct neighbour of the EU – and the formulation in 2004 of
the European Union’s Neighbourhood Policy (ENP). The EU’s dual-track approach of imposing
                                                                                           Seite 126


sanctions and trade restrictions whilst promoting democratisation in Belarus have so far yielded
minimal results.
The EU renewed its offer in December 2006 “to the people of Belarus” of closer cooperation, in
return for a series of democratisation measures, put forward in the form of an unofficial
document. Today, however, there still exists no framework for political dialogue at the highest
level between the EU and Belarus. The energy crisis between Belarus and Russia in December
2006-January 2007 created the impression that Belarus wished to move closer to the EU.
However, one year later, Belarus appears to have mended its fences with Russia and has toned
down its pro-EU rhetoric.
The aim of this paper, therefore, is to analyse whether the dynamics of EU-Belarus relations have
changed at all one year after the oil and gas crisis, and if so, whether the EU has succeeded in
increasing its leverage over the country. A first section briefly reviews the EU’s policy towards
Belarus since the coming to power of Lukashenko.
Next, the paper looks into the oil and gas crisis and examines if Russia has radically changed its
policy towards Belarus, by effectively ending the subsidies. Thirdly, we analyse Lukashenko’s
efforts to offset the effects of the oil and gas crisis and the seriousness of his pro-European
rhetoric. The fourth part attempts to verify whether there are any fundamental changes in the
dynamics of EU-Belarus relations following the oil and gas crisis and speculates on how the EU
can engage with the people of Belarus more effectively. Finally, the paper puts forward a series
of short-term and longerterm measures that the EU might consider, on the condition that Belarus
commits to addressing the most basic requirements in the field of human rights and
democratisation.
The full text is available for free downloading                   from    the   CEPS     website:
http://shop.ceps.eu/BooksList.php?category_id=6


The Pregnant Regime: A Bolder Policy Giving Birth to Change
                                              Pontis Foundation Belarus Policy Brief, 17.04.2008
For more than thirteen years Alyaksandr Lukashenka, the enigmatic leader of Belarus has been
able to surprise everyone whilst in reality, changing little. Making use of popular interest in
romantic notions of a “last dictatorship” or the last true outpost of the Soviet Union, Lukashenka
has been able to capitalize on Belarus’ geopolitical position during these past years. Meanwhile,
he deals with blackmail and keeps no gentlemen’s agreements in his attempts to reverse any
Western conditionality. Events in the last few weeks have reinforced this pattern. Thus, the row
with the US Embassy, the opening of an EU Delegation in Minsk, the surprisingly low price of
Russian gas for Belarus, the old-style police behavior on Freedom Day, as well as the crackdown
on independent media should all be analyzed within the framework of the current character of the
regime. Even though the regime's previous pillars of support, such as social benefits and
economic welfare, are taking a back seat, policies are unlikely to change as long as Lukashenka is
in the leadership seat. However, the contradictions of new developments may also suggest that
the regime is not as united as it was in previous years. Through recent actions, Lukashenka has
reaffirmed his unwillingness to ease his grip on power. The West, especially the EU must now
come up with a bolder policy to make use of the opportunities offered by a cautious transition
which Belarus must make its path.
This new Pontis Foundation Belarus Brief offers an analysis of these new developments and
proposes a tougher policy for the EU to help the pregnant regime of Belarus to give birth to a
healthy baby – change. The full text can be downloaded at:
http://www.nadaciapontis.sk/tmp/asset_cache/link/0000018867/BelarusBrief_April_0801.pdf
                                                                                            Seite 127


New repressions against OUR HOUSE last week
                                                     STATEMENT BY OLGA KARATCH
                                         LEADER OF THE "OUR HOUSE" CIVIC CAMPAIGN
                                                                   Ul. Chkalova 28-3-128
                                                                          210032 Vitebsk
                                                                              BELARUS
                                                            E-mail: office@nash-dom.info
On 26 March 2008, Pavel Levinov was arrested while observing the search by KGB agents of the
residence of another human rights defender. The human rights lawyer was arrested for allegedly
"using foul language", taken to Pervomayskiy district militia station and subsequently
hospitalized for high blood-pressure. On his release, Pavel Levinov initiated a dry hunger strike,
which lasted 15 days, in protest at his treatment. Following a court hearing which allegedly did
not respect due process, Pavel Levinov was convicted and sentenced in absentia to 10-days
detention and a fine of 700,000 rubles.
On 15 July 2008 Pavel Levinov reportedly met with the Public Prosecutor of the region of
Vitebsk. When leaving the Prosecutor's office he was approached by militiamen, who showed
him the court ruling regarding his10-days detention and brought him to the RAUS (District
Militia Station). Pavel Levinov then began to feel ill and so was brought by ambulance to the 2nd
City Clinical Hospital of Vitebsk. The on-duty cardiologist, having reportedly consulted with
someone by phone, refused to admit the human rights defender to hospital. When leaving the
hospital, Pavel Levinov lost consciousness and recovered only some hours later. On July 16,
Pavel Levinov was again brought to the Militia Station from the resuscitation ward to carry out
his sentence. Pavel Levinov is currently on hunger strike and the prison authorities are reportedly
refusing to allow him access to clean water provided by colleagues. Prison guards have informed
him that he can drink the prison water but he is concerned that it is unsanitary. OUR HOUSE
believes that the arrest and detention of Pavel Levinov comes as a direct result of his legitimate
and non-violent activities in defence of human rights. In view of reports of his ill-health, "OUR
HOUSE" expresses its concern for the physical and psychological integrity of Pavel Levinov.
On July 15, 2008 Olga Karach got a call on her mobile phone. The caller named himself as
Aleksandr Zuev, a police officer, and suggested that he needs to meet with Olga Karatch and ask
her about "something". Olga Karatch said "No meetings without official reason". The very same
day other leaders of the united democratic movement got similar calls from police enforcers.
On July 23, 2008, from 10.15 till 12.12 officers of Vitebsk Regional Department on Organized
Crime (Vitebsk UBOP) conducted a search in the apartment of Zhanna Popova, the executive
director of VITEBSK COURIER (Vitebski Kurier) Publishing House. The Publishing House
publishes VITEBSK COURIER M, the only officially registered democratic newspaper in
Vitebsk region, this is official newspaper which supports "OUR HOUSE" campaign. The official
pretext for the search was the investigation of the public bombing in Minsk during Govermental
official holiday on July 4, 2008. The search was performed by a group of enforcers from Vitebsk
and Minsk who are members of 'the Situational Group' specially created at the Department on
Organized Crime. They were quite a few-about 10-15 enforcers. They allowed Valeri Shchukin, a
human rights defender and a journalist, to be present at the search as a public representative.
After the search the enforcers took Zhanna Popova to Vitebsk UB OP office 'for interrogations'.
The enforcers said that there are suspicions that the executive director of VITEBSK COURIER
(Vitebski Kurier) Publishing House has some relations to the public bombing in Minsk. As a
result of the search, they took the diskettes, compact disks, and flash drives they found in the
apartment, explaining that the information carriers can have drawings and diagrams of how to
build a bomb. The enforcers made an attempt to take away the computer. However, during the
previous search in Zhanna Popova's apartment they already snatched her computer and then
                                                                                              Seite 128


returned only parts of it, so this time they could not snatch it again. Olga Karach, the leader of
"OUR HOUSE" CAMPAIGN, is sure that this search in Zhanna Popova's apartment is directly
related to her official letter of July 21, 2008, to the Chief of Vitebsk Region Police, where she
demanded to return the copies of VITEBSK COURIER M newspaper. The copies of this
democratic newspaper were snatched by the enforcers on April 24, 2008. No explanations for the
snatch have been provided by now, and the enforcers refuse to return the copies.
When a group of OUR HOUSE HUMAN RIGHTS DEFENDERS took a taxi and went to the
office of Vitebsk Regional Department on Organized Crime (Vitebsk UBOP), near the building
the taxi car was blocked by the private cars of the enforcers. The police officers drew Viacheslav
Andreev, an OUR HOUSE human rights defender, from the taxi car and took him to
Zheleznodorozhny Police Precinct of Vitebsk. Olga Karach went there with him as a public
representative. When Viacheslav Andreev and Olga Karach were delivered to Zheleznodorozhny
Police Precinct, the enforcers made attempts to take their finger-prints and take pictures of them
against a white wall. 'They were going to officially photograph us just like some criminals.
Before that I saw it only in American police movies,' said Olga Karach. The enforcers claimed
that 'we must let them take our finger-prints and take our full-face and side photographs, because
they need to register us in some database, and all this is the civil duty of every citizen of Belarus.
I answered that I would consider performing the civil duties like that only after the police would
begin performing their duties before the citizens, and I flatly refused to comply until
corresponding documents would be shown to me,' said Olga Karach. Viacheslav Andreev and
Olga Karach expressed their indignation and refused to comply with the enforcers' demands,
shortly after that they were released.
On July 23, 2008 OUR HOUSE HUMAN RIGHTS DEFENDERS in Baranovichi, Viacheslav
Bolbat, Viktor Tiapin, and Sergei Govsha, were taken to the local police precinct. The enforcers
took their finger-prints, their palm-prints, their saliva samples, and entered the data in some
database. The enforcers explained their actions with the public bombing in Minsk on July 4,
2008, and the corresponding investigation. However, they failed to explain relations between the
the public bombing and the human rights activists of OUR HOME, the organization which
distributes independent information, promotes civic education and protection of human rights,
and adheres to the idea of non-violent civic resistance to the destructive forces.
Well, the real reason for those illegal actions is evident. Soon we are going to have the
Parliamentary Election Campaign, and Belarussian authorities know very well that OUR HOUSE
CIVIL CAMPAIGN can mobilize the population and trigger civic actions. Now Goverment
authorities with the help of their enforcers try to repress the organization in advance, to frighten
the activists, to make them stop working and keep silence.
We want to state very firmly that no searches, arrests or threats, no prison terms or tortures
conducted by Belarusian enforcers will help them. Our civil campaign OUR HOUSE, will
continue working in any conditions, however hard they may become. Sooner Belarusian
enforcers, the group which currently hold power in Belarus, will choke in their own saliva, than
their threats and saliva samples taking could stop us!
                                                                                           Seite 129



                    MELDUNGEN, VERANSTALTUNGEN

Freiwilligendienste in Belarus und in der Ukraine
Der DRA vergibt ab *September 2008* noch zwei Stipendien, um Teilnehmer/innen aus
Deutschland einen sechs- bis zwölfmonatigen Freiwilligendienst in einer belarussischen und einer
ukrainischen NGO zu ermöglichen. Die TeilnehmerInnen des Freiwilligenprogramms werden in
sozialen Einrichtungen arbeiten und dadurch die Lebenssituation benachteiligter Gruppen in den
Regionen verbessern und sich für die Stärkung lokaler, sozialer Nichtregierungsorganisationen
einsetzen.
Das Freiwilligenprogramm in Belarus und in der Ukraine richtet sich an junge, engagierte
Menschen, die
§     Erfahrungen in sozialen Einrichtungen sammeln möchten,
§     bereits in Deutschland freiwillig/ ehrenamtlich tätig waren,
§   politisch interessiert und motiviert sind, sich für die Entwicklung demokratischer Strukturen,
Menschenrechte und die Zusammenarbeit in einem europäischen Netzwerk einzusetzen.
*Leistungen*
 Alle ProgrammteilnehmerInnen erhalten ein Teilstipendium. Darin enthalten sind Reisekosten
(bis 250,- ?), Unterkunft, Verpflegungspauschale von 100 ? pro Monat, Seminare und
Versicherung (Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung).
Vor Ort wird eine Unterkunft organisiert. Das Programm wird unter Vorbehalt der Bewilligung -
von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" bzw. durch das EU-Programm
"Jugend in Aktion" gefördert.
Die pädagogische Begleitung der Freiwilligen vor und während ihres Aufenthaltes in Belarus und
in der Ukraine stellt einen wichtigen Bestandteil des Freiwilligenprogramms dar. Das
Seminarprogramm beinhaltet ein Vorbereitungsseminar in Berlin, ein Einführungs und
Zwischenseminar in Belarus bzw. in der Ukraine sowie ein Auswertungsseminar in Berlin. Im
Rahmen dieser Seminare haben die Freiwilligen die Möglichkeit, sich intensiv mit thematischen
Aspekten des Programms auseinanderzusetzen, ihre persönlichen Erfahrungen und ihre
individuelle Entwicklung zu reflektieren und sich untereinander auszutauschen.
*Voraussetzungen*
Das Freiwilligenprogramm des DRA richtet sich an Teilnehmer/ innen:
§      die zwischen 18 und 30 Jahre alt sind,
§      die motiviert sind, Erfahrungen im NGO- Bereich zu sammeln,
§       die Offenheit und Interesse für eine der vorhandenen Aufnahmeorganisationen mitbringen
und
§      die mind. über Basiskenntnisse in Russisch verfügen **
*Bewerbung*
Wir haben einen freien Platz in Mohilev (Belarus) und in Donetsk (Ukraine) zu vergeben. Bei
Interesse bewerben Sie sich umgehend!
Bitte reichen Sie folgende Unterlagen ein:
§      Ausgefüllter Bewerbungsbogen (bitte beim DRA anfordern)
§      Aussagekräftiger tabellarischer Lebenslauf
                                                                                        Seite 130


§      Motivationsschreiben (1-2 Seite)
§      wenn möglich einen Nachweis der Russischkenntnisse
Nähere Informationen erhalten Sie bei:
Deutsch-Russischer Austausch e.V.
Evelyn Scheer
Brunnenstraße 181
10119 Berlin
Tel.: 030/ 44 66 80 24
Email: evelyn.scheer@austausch.org



3. Minsker Sommerschule „Europa der Regionen“
Minsk/Brest (Belarus), 12.-16. August 2008
Bewerbungsschluss: 1. Aug. 2008
Hintergrund und Zielsetzung:
Obwohl in der (geographischen) Mitte Europas gelegen, ist die Republik Belarus ein von
europäischen Integrationsprozessen weitgehend isoliertes Land. Dies betrifft in besonderem
Maße die Bildungs- und Jugendarbeit, die sich in Belarus zu sehr auf den nationalen oder
postsowjetischen Raum beschränkt. Die 3. Minsker Sommerschule „Europa der Regionen“ soll
daher den Austausch junger Studenten zwischen Belarus und der EU fördern. Den Studierenden
soll die Möglichkeit gegeben werden, sich gemeinsam mit der regionalen Vielfalt Europas und
ihrer Bedeutung für die individuelle und kollektive Identitätsbildung auseinanderzusetzen.
Die Sommerschule wird veranstaltet vom Institut für Deutschlandstudien (IfD) am Center for
International Studies (CfIS) in Minsk und der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte
„Johannes Rau“ Minsk, in Kooperation mit dem Europainstitut Klaus Mehnert in Kaliningrad und
dem belarussischen Jugendzentrum „Newline“. Gefördert wird die Sommerschule u.a. durch das
Kontaktprogramm Belarus der Robert Bosch Stiftung/DGO.
Programm:
Während der 5-tägigen Sommerschule werden die Teilnehmer mit Experten diskutieren, die sich
mit Fragen der regionalen Kooperation in Europa beschäftigen. Gleichzeitig können die
Studenten ihre Fähigkeiten zur Analyse und Politikformulierung durch Präsentationen,
Rollenspiele und Workshops vertiefen. Zudem ist ein Ausflug in die Grenzstadt Brest geplant, um
die besondere Geschichte dieser Stadt an einer Kreuzung Europas zu erfahren und
grenzüberschreitende Kooperationen auf regionaler Ebene in der Realität kennenzulernen.
Kosten:
Für die Reisekosten (inkl. Visagebühren) nach Minsk ist selbst aufzukommen, ebenso für die
(bezuschussten) Unterbringungs- und Verpflegungskosten in Höhe von insgesamt 100 EUR.
Zudem fällt eine Teilnahmegebühr von 50 EUR an.
Zielgruppe:
Auf die max. 40 Plätze können sich Studenten aus europäischen und außereuropäischen Staaten
bewerben. Die Arbeitssprachen der Sommerschule sind Deutsch und Russisch.
Bewerbung:
Bewerbungen – Lebenslauf und Motivationsschreiben – bitte bis spätestens 1. Aug. 2008 per
email an: Tobias Knubben, info@cfis-ifd.de
Information/Kontakt:
Institut für Deutschlandstudien (IfD) am Center for International Studies (CfIS)
                                                                                            Seite 131


Tobias Knubben
CfIS/IfD-Direktor, CIM-Fachkraft
pr-t Gasety Prawda 11
220116 Minsk
Tel./Fax: +375-29-272 20 92
E-Mail: info@cfis-ifd.de
Internet: www.cfis-ifd.de oder www.cfis.by




Das Festival der belarusischen Kultur Good-BY II: Berlin-Freiburg-Witebsk-
Minsk

24.07 - 02.08.2008 Berlin, Freiburg (Deutschland)
08.09 - 14.09.2008 Minsk, Witebsk (Belarus)
Die politische und kulturelle Isolation in Belarus fuehrt zur Etablierung der staatlichen Ideologie
in allen Bereichen des menschlichen Lebens, besonders in der Kultur und Bildung. Die
Hauptwirkung der Ideologie hat ihren Ursprung im Mangel der Information aus den alternativen
Quellen, was zur Entgegensetzung von Belarus und Europa fuehrt.
Fuer Wiederbelebung und Unterstuetzung der Solidaritaet von deutschen und belarussischen
Jugendlichen wollen wir ein Festival der belarussischen Kultur in Berlin durchfuehren. Die
universelle Sprache der Kultur ermoeglicht in einer sehr klare und spektakulaere Weise den
Zugang zur verschiedenen Seiten von Belarus. Durch die Werke der Zeitzeugen zeigen wir die
soziale, politische und kulturelle Lage in heutigem Belarus. Mittels Kulturveranstaltungen und
Podiumsdiskussionen geben wir Gelegenheit, eine aktuelle Information ueber Belarus zu
bekommen und engagieren viele neue Menschen in die Kooperationsprozess zwischen beiden
Laendern.
Thema 2008: „Kьnstler. Freiheit. Ideologie.“
In diesem Jahr moechten wir uns mit dem Thema „Kuenstler. Freiheit. Ideologie“ beschaeftigen.
Was fuer Ueberlebensstrategien und Moeglichkeiten es gibt fuer eine kreative Person, wenn der
Staat seine Macht gewaltsam ausuebt, und die Entwicklung der Kunst stark von der staatlichen
Ideologie gepraegt ist? Um diese Fragen zu beantworten, moechten wir zusammen mit zuerst
einen Blick auf die Geschichte der Avantgarde-Schule in Witebsk werfen. Dazu werden wir
erforschen, welche Gruende es dafuer gab, dass die talentierten Gruender dieser Schule Anfang
des XX. Jahrhunderts Witbesk verliessen und nach Europa migrierten. In Deutschland lassen sich
heute Spuren und Folgen dieser Migration in Bauhaus finden. Ebenso moechten wir untersuchen,
wie freie Kunst in Berlin zu DDR-Zeiten existieren konnte. Um die Unterschiede zu erleben und
die Zukunftsperspektive Europas zu verstehen, planen wir anschliessend, moderne Kunstformen
in Freiburg zu studieren. Die geschichtliche Bildung hilft den jungen Teilnehmern somit nicht nur
dabei mehr von der Geschichte des XX. Jahrhunderts zu verstehen, sondern auch Parallelen zur
heutigen Situation in Belarus zu ziehen.
Mehr Information finden Sie hier: http://goodby2.futureincommon.com/intro_de.shtml
                                                                                            Seite 132


2. Tag der Deutschen Wirtschaft
Thema:          Deutsche Unternehmenskultur.
Veranstalter:     Deutsch-Belarussischer Wirtschaftsclub unter Schirmherrschaft der Deutschen
                  Botschaft
Termin:           1. Oktober 2008, Mittwoch
Ort:              IBB
Konzept:           Im Rahmen der Deutschen Woche findet am Tage der regulären monatlichen
                   Klubveranstaltung eine ganztägige Veranstaltung unter o.g. Thema statt.
Dazu werden vormittags zwei Vorträge gehalten, nachmittags ein odermehrere Workshops zu
unterschiedlichen Themen angeboten sowie abends eine offene Podiumsdiskussion durchgeführt.
Abschließend wird zum Empfang mit vorwiegend deutscher Küche und Getränken geladen.

Ziele:              ● Vermittlung von Aspekten deutscher Unternehmenkultur an ausgewählten
                        Beispielen sowie Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede und deren
                                          Handhabung            im          Unternehmensalltag
                    ● Besondere Weiterbildungsangebote des Klubs für Mitarbeiter und
                                    Führungskräfte              der             Mitgliedsfirmen
                    ● Darstellung des DBWC und seiner Mitglieder als Botschafter deutscher
                                                                            Unternehmenskultur
                     ● Vermittlung einer erweiterten Auffassung von Unternehmenskultur
                                        (Bewirtung                  von                 Gästen)
                     ● Partner- und Netzwerkpflege sowie Imagegewinn aller Beteiligten


Inhalte:                  ●           Unternehmenskultur       /          Wertekultur
                          ● Kommunikative Herausforderungen der Unternehmensführung
                          ● Individuelles Menschenbild und adäquate Führungsqualitäten
                          ● Konstruktive Gesprächsführung
                          ● Die Kultur der Bewirtung als erweiterte Unternehmenskultur
                          ●   Andere Inhalte auf Wunsch
http://dbwc-minsk.org/index.php?option=com_content&task=view&id=22&Itemid=37



Die Staatsbibliothek zu Berlin bietet die Europäische Bibliographie zur
Osteuropaforschung
Datenbanken:
EBSEES - European Bibliography of Slavic and East European Studies jetzt als moderne, frei
zugängliche Datenbank im Internet an. EBSEES ist ein Gemeinschaftsprojekt von elf europäischen
Bibliotheken und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen aus Belgien, Deutschland, Finnland,
Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich sowie der Schweiz. Nachgewiesen sind
Bücher, Zeitschriftenaufsätze, Rezensionen und Dissertationen zu Osteuropa, welche in Westeuropa
publiziert wurden. Die neue Datenbank enthält mehr als 85.000 Nachweise aus dem Zeitraum 1991
bis 2007, die über die Internetadresse http://ebsees.staatsbibliothek-berlin.de recherchiert werden
können.

				
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