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Tage mit Gott

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					                                  Lukas 21,28

   „Für mich nicht!“ – oder: Warum schweigt Gott?
              Predigt 2 in der Reihe „Weihnachten in der Enhuber?“
                         von Pastor Friedemann Burkhardt



Meine Frau hatte eine Cousine und einen Cousin, die bereits mit vierzig starben.
In der Pubertät setzten gesundheitliche Beschwerden ein. Es begann eine Ärzte-
Odysee. Ergebnis: Es handelt sich um eine seltene, unerforschte und unheilbare
Stoffwechselkrankheit mit begrenzter Lebenserwartung.
Die Eltern gaben die Hoffnung nicht auf. Sie versuchten alles, um die Krankheit
zu stoppen. Eine Zeit schien das zu gelingen. Aber dann häuften sich
Krankenhausaufenthalte. Mitte dreißig kamen der Ausstieg aus dem Beruf und
die Berentung. Ihr Aktionsradius verkleinerte sich. Der geistige Zerfall begann.
Wenn wir sie besuchten, spürten wir die Frage: „Warum? Warum gerade ich?“
Irgendwann kapitulierte der Körper. Zuerst starb das ältere Mädchen. Und als im
Sommer klar wurde, dass auch bald der Sohn sterben würde, stand die Frage
zum greifen im Raum: „Warum lässt Gott das zu?“ Vor einigen Wochen ist er
gestorben. Jetzt kommt Weihnachten. Wer könnte es ihnen verdenken, wenn sie
sagen: „Für mich nicht!“

Zu einer früheren Gemeinde gehörte der Besitzer einer großen VW-Werkstatt.
Anfang der 90er hatte er stark investiert und die Geschäfte entwickelten sich gut.
Damals war er zur Gemeinde gekommen. In einer Bibelwoche entschloss er sich,
ganz neu anzufangen. Künftig wollte er mit Gott leben, wie Jesus es vorgemacht
hat. Er war nicht christlich erzogen. Mit 45 lernte er, die Bibel zu lesen und zu
beten. Mit Begeisterung, großem Einsatz und Freude begann er mit der
Gemeinde zu leben.
Ende der 90er begann VW, seine Vertragshändler immer mehr unter Erfolgsdruck
zu setzen. Ein gnadenloser Konkurrenzkampf unter den Händlern begann.
Plötzlich kündigten ihm wichtige Kunden die Geschäftsverbindung und gingen
zum Konkurrenten. Dann begann die Bank Druck zu machen. Es gab familiäre
Probleme. Vor einigen Jahren musste er Konkurs anmelden. Das war sehr hart.
Wir haben viel miteinander geredet. Und es ging auch um die Frage: „Warum?“

Vielleicht hast du auch viel Leid erfahren. Du siehst die schöne Weihnachts-Deko
und unser Motto „Weihnachten in der Enhuber“. Aber innerlich wendest du dich
ab und denkst: „Für mich nicht!“ – oder: Warum schweigt Gott.

Die Bibel möchte dir Mut machen, wenn du Leid erfahren hast: „Bleib bei der
Warum-Frage nicht stehen!“ Jesus ermutigt uns und fordert auf: „Seht auf,
erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“ (Lukas 21,28)
Weil ich Menschen kenne, die tatsächlich im Glauben von der bohrenden Warum-
Frage erlöst wurden und über ihr schweres Schicksal zu Frieden fanden, möchte
ich heute über das Thema sprechen: „Warum schweigt Gott?“

Dabei gebe ich einige Gedanken weiter, die mir bei der eigenen
Auseinandersetzung mit der Frage, aber auch in der Begleitung von anderen,
Friedemann Burkhardt: Warum schweigt Gott zum Leid in der Welt?               2


wertvoll wurden. Und dazu gehören zunächst einige Aspekte, die ich betiteln
möchte:
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1. Lerne Gott als Schöpfer anzuerkennen

Manchmal komm ich mir ja vor wie im Gerichtssaal: Gott auf der Anklagebank,
ich als Pastor bin Pflichtverteidiger und mein Gegenüber spielt den Richter. Der
Prozess beginnt und die Anklage wird erhoben: „Gott, wenn du so allmächtig bist
oder so gut, wie dein Ruf, warum lässt du soviel Böses in der Welt zu?“ Am Ende
fällt das Urteil: „Schuldig!”
Aber das ist die verkehrte Fragestellung: Einen Gott, der auf der Anklagebank
sitzt, während wir auf dem Richterstuhl Platz nehmen, gibt es nicht. Wenn Gott
Gott ist, müssen wir anerkennen, wenn er sagt: „Meine Gedanken sind nicht eure
Gedanken, ... sondern soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch
meine Wege höher als eure Wege“ (Jesaja 55,8f).
Der Apostel Paulus sagt dazu sehr anschaulich: „Ja, lieber Mensch, wer bist du
denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister:
Warum hast du mich so gemacht? Hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus
demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht
ehrenvollem Gebrauch zu machen?“ (Römer 9,20 f)
Wenn Gott der Schöpfer ist, ist er souverän. Er könnte sicher manches erklären.
Aber anklagen lässt er sich nicht! „Warum?“ ist die falsche Fragestellung. Im
Gegenteil: Lerne Gott als Schöpfer anzuerkennen.

Im Krankenhaus sollte ich einen Mann Mitte 50 besuchen. Es hieß, er sei schwer
krank und man rechne mit seinem baldigen Sterben. Als ich kam, schien er sein
Schicksal zu akzeptieren und tapfer mit dieser Realität zu leben.
Da meint er: „Ich hab ne Frage, Herr Pastor. Über die muss ich mit einem
Theologen sprechen." Ich denke: „Vielleicht spricht er doch über seine
Situation?“ Da sagt er: „Im ZDF kam gestern eine Reportage über ein
Flüchtlingslager in Pakistan.“ Er schildert detailliert das Elend. „Nun kam mir die
Frage: Warum schweigt Gott zu all dem? Mein Kranksein und baldiger Tod sind
unbedeutend. Aber das Elend von Tausenden schreit zum Himmel. Ich frage Sie,
Herr Pastor: Gibt es eine göttliche Weltregierung?“
Es wurden einige längere Gespräche. Aber am Ende gelangten wir doch dahin,
wo er eigentlich hin wollte: zu sich selbst. Er war empört über das Elend in
Pakistan. Tatsächlich war er über eine viel dringlichere Sache empört: Seine
tödliche Krankheit. Aber es fiel ihm schwer, seinen Protest auszusprechen und so
wählt er den Umweg über Pakistan.
Die Frage, warum Gott zum Leid in der Welt schweigt, ist oft mit der Hoffnung
verknüpft, dass wir jetzt nicht beginnen, über die Unbegreiflichkeit Gottes zu
theologisieren, sondern anbieten, über die Frage hinter der Frage zu reden,
nämlich: „Warum gerade ich?“ Wen das Leben in die Schule nimmt, Gott als
Schöpfer anzuerkennen, der braucht Trost und Begleitung.

Jesus war einmal unterwegs „und sah einen Menschen, der blind geboren war.
Und seine Jünger fragten ihn uns sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser
oder seine Eltern, dass er blind geboren ist.“ (Johannes 9,1 f; vgl. Lukas 13,1-5)
Wohl gab es Leute, die eine Antwort auf die Frage nach dem Warum hatten: Das
war eine Strafe Gottes! Jesus macht klar: Diese Antwort ist falsch. Einen
zwingenden Zusammenhang zwischen dem Tun eines Menschen und seinem
späteren Schicksal gibt es nicht. Leid fordert dich heraus, Gott als Schöpfer
anzuerkennen.
Andere sehen im Leid ein Erziehungsmittel Gottes, weil Paulus einmal schrieb
„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“
(Römer 8,28) Doch ist dieser Satz ist nicht als Antwort auf die Frage nach dem
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Leid in der Welt gemeint. Gerade Paulus zeigt: Gott will uns nicht über die
Zwangsjacke „Leid“ zu sich führen und sagt: „Weißt du nicht, dass dich Gottes
Güte zur Umkehr leitet?“ (Römer 2,4) Das heißt: Das Gute, das Gott gibt, soll
uns für ihn die Augen öffnen.
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir eingestehen: Wir kennen oft nicht den Sinn,
warum Gott Leid zulässt. Letztlich versagen alle Theorien, die das Leid in der
Welt erklären. Biblischer Glaube gibt keine schlüssige, prinzipielle Antwort,
sondern fordert dich heraus: Lerne Gott als deinen Schöpfer anzuerkennen.
Dazu gehört für mich ein ernstes Thema, das ich heute einmal ansprechen will:



2. Verstehe Gottes Schweigen als sein Gericht

Ganz am Anfang der Bibel wird von den hochkultivierten Städten Sodom und
Gomorra erzählt (1. Mose 19): Die Leute waren nicht ohne Religion. Sicher gab’s
auch ein paar Pfarrer. Bei Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen bemühte man
noch den lieben Gott. Aber sonst hat man Gott einen guten Mann sein lassen.
In Sodom wohnte auch Lot. Lot war ein gläubiger Mann. Ab und zu mahnte er:
„Irrt euch nicht. So kann man Gott nicht behandeln! Was der Mensch sät, das
wird er ernten!“ – „Don’t worry – be happy, Lot“, sagten die Leute, „du redest ja
wie ein Pastor! Take it easy!“
Aber dann kam die Katastrophe – Gott hatte Lot zuvor aus der Stadt geführt: Es
fiel Feuer und Schwefel vom Himmel. Vielleicht so, wie in den Bombennächten im
2. Weltkrieg als auch dieser Kirchensaal beschädigt wurde.
Ich stelle mir vor: Die Leute fahren aus dem Schlaf und rennen in die Keller. Dort
wird’s aber glühend heiß – wie im Backofen. Einer schreit: „Wir müssen raus!“
Alle stürzen raus. Aber draußen brennt’s.
Sie sitzen in einer Falle: Nette, ordentliche Leute. Alle hatten ihre dunklen
Geheimnisse – wie jeder auch heute. Im Keller wird’s immer heißer. Draußen das
Verderben. Da packt sie das Grauen. Einer ruft: „Leute, der Lot hat recht gehabt:
Gott lebt wirklich!“ Eine Mutter sagt: „Dann hilft nur noch beten!“ Da schreit der
Student aus dem 3.Stock: „Wer kann beten?“ Und plötzlich falten alle die Hände:
„Herr, erbarme dich! Wir haben verkehrt gelebt! Wir haben den Lot nicht ernst
genommen! Aber hör doch auf! Du bist doch barmherzig!“
Es passiert nichts! Nur das Brausen des Feuers ist zu hören. Da erheben sie die
Fäuste: „Gott, warum schweigst du?!“ Es bleibt still! Nur die Feuerbrunst ist zu
hören. Sie können beten oder fluchen – Gott antwortet nicht mehr!

Ich bin überzeugt: Es gibt eine Hölle. Aber nicht so, dass der Teufel dort Seelen
am offenen Feuer brät. Es ist die Hölle, wenn du zu Gott rufst und keine Antwort
erhältst! Ich kann nicht sagen: So ist die Hölle. Aber zwei Dinge weiß ich:
1. Für die Bibel gibt es eine Grenze. Die kann ein Mensch, eine Stadt, ein Volk –
auch Christen, Gemeinden oder Kirchen überschreiten: die Grenze der
Gleichgültigkeit gegen Gott. Jesus sagt: Geduld ist ein Prinzip Gottes. Aber er
sagt auch: Es gibt eine Grenze von Gottes Geduld und dann das Gericht (Lukas
13,6-9).
2. Ich bin Menschen begegnet, da spürte ich diese Grenze. Denen kam es eines
Tages in den Sinn: „Jetzt brauche ich Gott!“ Sie riefen den Pastor an. Sie
erinnerten sich an ihre frühere Zugehörigkeit zur Gemeinde. Sie versuchten
Kontakt mit Gott aufzunehmen. Und ich bemühte mich, ihnen zu helfen. Aber es
kam keine Kommunikation zustande. Wir sind heute schnell dabei zu sagen:
„Wer weiß, was die Leute noch aufgenommen haben?“ Das mag ja auch sein.
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Aber wir müssen auch die Tragik anerkennen: Sie waren wie verstockt. (Jesaja
63,17).

Zu Jesus kamen einmal Leute und erzählten von einer Katastrophe, die für sie so
unverständlich war, wie für uns der 11. September oder der Tsunami an
Weihnachten 2004: In der Stadt Siloah war ein Turm eingestürzt und hatte viele
Menschenleben gekostet. Alles fragte: „Warum lässt Gott das zu?“ Für viele war
die Sache klar: Die hatten Dreck am Stecken und Gott hat sie gestraft.
Aber Jesus sagt: So einfach ist das nicht. Auf die Frage „Warum?“ gibt es oft
keine schlüssige Antwort. Es ist eher eine Frage an euch: Hört ihr, wenn Gott
euch ruft? Und er sagt zu ihnen: „Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle auch
so umkommen.“ (Lukas 13,5)
Wenn ich unser Land ansehe in seiner Gleichgültigkeit gegen Gottes Wahrheit –
und dazu gehört für mich die soziale Ungerechtigkeit, dann bekomme ich Angst.
Aber: Wie kann ich umkehren? Dazu mein dritter Punkt:



3. Höre Gottes letztes Wort in Jesus

Ich liebe die Türkei. Was mir dort besonders gefällt, ist das Handeln auf dem
Basar. Zum Beispiel wollte ich eine Wasserpfeife. Was ist eine Wasserpfeife wert?
Ich weiß es nicht, aber ich denke 30 Euro. Also sage ich zum Händler: „Ich hab 5
Euro. Meinen Sie, ich kann sie bekommen?“ Der Händler, ganz außer sich,
schreit: „Die kostet 60 Euro, aber auch nur für Schwaben, weil ich beim Daimler
gearbeitet habe!“ Ich sage, also gut: „Zehn.“ Er sagt: „Für 50 kannst du sie
mitnehmen!“ So handeln wir, bis ich sage: „Ok, 30 Euro! Das ist mein letztes
Wort.“ Wenn ich jetzt kein Kaspar bin, bleibt’s dabei.

Was ist Gottes letztes Wort? – Die Bibel sagt: „Nachdem Gott vorzeiten
manchmal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die
Propheten, hat er am letzten zu uns geredet durch seinen Sohn.“ (Hebräer 1,1f)
Gottes Sohn ist der, auf den wir im Advent warten: Jesus! Und Jesus ist Gottes
letztes Wort! Aber: Was hat uns Gott in Jesus zu sagen?

Es wird erzählt, wie Jesus einmal von vielen Menschen umgeben war (Matthäus
8,1-4). Auf einmal gibt es einen Tumult. Was war los? Etwas Furchtbares: Ein
Aussätziger war gekommen. Aussatz war grausam: Der Mensch verfault bei
lebendigem Leib. Deshalb schickte man Aussätzige in die Wüste. Und nun kommt
ein Aussätziger mitten in die Versammlung.
Mitten durch die Menge wird plötzlich ein Korridor frei. Dieser Aussätzige geht
nach vorn – durch die entsetzten Leute. Wie er vor Jesus steht, sinkt er nieder
und bereitet vor ihm sein ganzes Elend aus: „Herr, wenn du willst, kannst du
mich reinigen.“ (Matthäus 8,2) Und so muss es sein: Dein Elend muss vor Jesus!
Ich wünsche mir so, dass alle, die Leid tragen, dies vor Jesus bringen.
Nun geschieht das, was Jesus so einzigartig macht: Jesus wich nicht zurück und
sagte aus sicherer Distanz: „Steh auf! Sei rein!“ Nein, es heißt: „Jesus streckte
die Hand aus und rührte ihn an.“ (Matthäus 8,3) Jesus geht einen Schritt auf den
Kranken und Kaputten zu und legt ihm seine Hand auf.
Wenn ich mir dies klar mache, weiß ich, warum Jesus Gottes Sohn ist und ich ein
nur ein sündiger Mensch: Jesus war kein Schmutz zu eklig, kein Elend zu groß!
Jesus hatte keine Berührungsängste. Er erlöst die Leidtragenden!
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Die Frage war: Was hat uns Gott in Jesus zu sagen? Es ist die frohe Botschaft:
„Seht auf, erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“ (Lukas 21,28)

Wenn heute jemand da ist, der sich fühlt wie ein Aussätziger, weil ihm Schmutz
und Sünde anhaften, dann möchte dir Jesus jetzt die Hand auflegen und sagen:
„Sei gereinigt!“ (Matthäus 8,3)
Wenn du fragst: Warum schweigt Gott? – Gott schweigt nicht. Jesus ist das
menschgewordene Wort Gottes. Aber er hat dir nichts zu sagen, wenn du sein
letztes Wort nicht hören willst!“

Weil viele es nicht aushalten, wenn Liebe und Barmherzigkeit regiert, brachten
sie Jesus um. Sie kreuzigten ihn. Das war grausam. Das brachte Jesus in eine
tiefe Krise. Er begann zu fragen: „Warum?“ Die Bibel sagt, er habe geschrien:
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ (Matthäus 27,46)
Er erhielt von Gott keine Antwort. Dennoch blieb er bei der Frage „Warum“ nicht
stehen. Jesus erinnerte sich, was sein Glaube ist, nämlich: „Der Herr ist mein
Hirte; ... und ob ich schon wanderte durchs dunkle Tal, fürchte ich kein Unglück,
den du bist bei mir.“ (Psalm 23) Schließlich kann er sagen: „Vater, in deine
Hände befehle ich meinen Geist!“ und es heißt weiter: „Als er das gesagt hatte,
verschied er.“ (Lukas 23,46)
Man legte Jesus in eine Felsengruft, verschloss sie mit einer Felsplatte und stellte
ein römische Soldaten davor. Doch ein paar Tage später geht die Botschaft um:
Jesus lebt! Jesus ist nicht tot. Jesus ist auferstanden. Und diese Botschaft
verbreitet sich wie ein Lauffeuer – „zuerst in Jerusalem, dann in ganz Judäa und
Samarien und bis ans Ende der Welt.“ (Apostelgeschichte 1,8)

Damit zeigt der Weg Jesu eine Richtung, wie du mit dem Leben fertig werden
kannst, wenn dich die Frage quält: „Warum hat mich Gott verlassen? Warum
schweigt er? Warum lässt er das alles zu?“
Es ist der Weg des Vertrauens: Gott als mein Schöpfer hat einen guten Weg für
mich geplant. Ich glaube: „Der Herr ist mein Hirte.“
An Jesus zu glauben bedeutet: Wie er Gott zu vertrauen. Darum: Höre Gottes
letztes Wort in Jesus!


(Schluss)

Jesus erzählt von dem Vater mit den beiden Söhnen (Lukas 15,11-24): Einer
war ein bisschen aufmüpfig. Es war ihm zu eng daheim. Eines Tages erklärt er
dem Vater: „Ich zieh aus! Gib mir mein Erbteil. Ich möchte etwas sehen von der
Welt!“ Und dann wird erzählt, wie er geht und es heißt: „Er brachte sein Erbteil
durch mit Prassen!“ (Lukas 15,13)
Wir können uns das vorstellen: München ist eine Großstadt. Da kann man sein
Geld wunderbar loswerden. Und ausgerechnet da kommt eine wirtschaftliche
Krise. Er driftet völlig ab und muss sich mit Nebenjobs wie Schweinehüten über
Wasser halten.
Ich stell mir vor – das steht jetzt nicht in der Bibel: Da sitzt der arme Tropf bei
seinen Schweinen. Er hat Hunger. Und da macht er seinem Vater Vorwürfe: „Der
ist schuld! Wie kann der es zulassen, dass es mir so dreckig geht!“
So kommen mir manche vor: Sie haben Gott verlassen. Sie geraten in Not und
dann schreien sie: „Wie kann Gott das alles zulassen?! Warum schweigt Gott?!“
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Doch Jesus erzählt die Geschichte vom verlorenen Sohn anders: Es gibt eine
Stunde tiefer Wahrhaftigkeit in seinem Leben, wo er sagt: „Bin ich wahnsinnig!
Bei meinem Vater gibt‘s Brot die Fülle und ich verderbe im Hunger. Ich will mich
aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe
gesündigt.“ (Lukas 15,21)
Und er macht sich auf und kehrt heim! Sein Vater sieht ihn und läuft ihm
entgegen. Der verlorene Sohn sagt: „Vater, ich habe gesündigt.“ Da nimmt ihn
der Vater in die Arme und feiert ein riesiges Freudenfest.

Heute ist zweiter Advent. Die Kerze, die wir heute anzünden, soll euch an Jesus
Ermutigung erinnern: „Seht auf, erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung
naht!“ (Lukas 21,28) Aber du denkst: Wie soll für mich eine Erlösung aussehen?
Wie soll mir einer helfen können? Du fragst: Kann ich heimkehren?

Zu Beginn habe ich von meinem Freund erzählt, der mit einer Autowerkstatt
Konkurs ging. Das war ein jahrelanger Kampf und dann doch der Punkt, wo er
kapitulieren musste.
Vor zwei Monaten traf ich ihn. Obwohl er nun als Pensionär mit leeren Händen
dasteht, hat er seine Freude, Dankbarkeit und sein Vertrauen in Gott bewahrt.
Ja, er sagte mir sogar: „Durch den Konkurs hat Gott mich aus der Tretmühle
meines Betriebs erlöst. Ich hatte noch nie so viel Zeit mit meiner Frau und
Familie. Eigentlich fehlt mir nichts. Bei Gott bin ich in guten Händen.“

Vielleicht fragst du auch: Warum schweigt Gott?“, aber du weißt: Eigentlich
müsste ich umkehren – heimkehren ins Haus meines Vaters im Himmel.
Frage: Warum tust du es nicht? Kehr um! Geh den Weg, den Jesus weist.
Dann hörst du auch die Stimme Gottes!


(Gebet)

				
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