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Sachstandsbericht ber Tsunami Projekt

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Sachstandsbericht ber Tsunami Projekt Powered By Docstoc
					 Sachstandsbericht über Tsunami-Projekte im Rahmen der Aktion
        „Hessen hilft den Flutopfern“ (Stand 31.01.2010)
Vor nunmehr fünf Jahren, als das ungeheuere Ausmaß der Tsunami-Katastrophe am 26.12.2004
langsam Gestalt annahm, und die Zahl der gemeldeten Todesopfer von zunächst wenigen Tausend
auf über 200.000 Tote und Vermisste anwuchs, entwickelte sich weltweit eine in diesem Ausmaß
bislang ebenfalls unbekannte Bewegung der Solidarität und Hilfsbereitschaft.

Auch in Hessen gründeten sich zahlreiche Initiativen, Vereine, Schulen und Kindergärten
sammelten, und unzähligen Menschen spendeten für die Opfer in Süd- und Südostasien.

Eine davon, die von der Hessischen Landesregierung, dem HitRadio FFH, dem Verband Hessischer
Zeitungsverleger und der Bensheim Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie ins Leben gerufene
Aktion „Hessen hilft den Flutopfern“ blickt nach fünf Jahren mit zufriedenen, gleichzeitig aber auch
nachdenklichen Blicken auf die bisher erreichten Ergebnisse.




In Indien waren vorwiegend die südöstlichen Küstenstreifen von den Zerstörungen betroffen.
Insgesamt waren knapp 900.00 Menschen unmittelbar von den Folgen des Tsunami betroffen. Auch
wenn die Zahl der Todesopfer mit knapp 8.000 Toten vergleichsweise gering war, richteten die
Fluten massiven wirtschaftlichen Schaden in der Region an. Knapp 123.000 Häuser und Hütten
wurden zerstört und machten die ehemals dort lebenden Familien obdachlos. Zudem wurde den


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Menschen, die vorwiegend vom Fischfang lebten, die Existenzbasis entzogen. Boote mit der
kompletten Ausrüstung (Motoren, Netze etc.) wurden entweder zerstört oder Raub der
zurückgehenden Wellen.

                           Zahl der   Betroffene
         Betroffene       betroffenen   Bevöl-     Zerstörte    Zahl der   Zahl der
Nr.       Distrikte         Dörfer     kerung    Häuser/Hütten Todesopfer Verletzten
  1 Chennai                         25      65.322            17.805           206              9
  2 Kancheepuram                    44     100.000              7.043          128            11
  3 Tiruvallur                        6     15.600              4.147            29             0
  4 Cuddalore                       51      99.704            15.200           617           214
  5 Villupuram                      33      78.240              9.500            47           30
  6 Nagapattinam                    73     196.184            36.860         6.063         1.922
  7 Tiruvarur                         0            0                0            21             0
  8 Thanjavur                       22      29.278                  3            30          421
  9 Kanniyakumari                   33     187.650            31.175           824           525
 10 Thoothukudi                     23      30.505                735             3             0
 11 Tirunelveli                     10      27.948                630             4             4
 12 Ramanathapuram                    0            0                6             6             0
 13 Pudukottai                      25      66.350                  1            15             0
      Total                        345     896.781           123.105         7.993         3.136

Weit über 1,6 Millionen Euro Spendengelder wurden gesammelt und in den Wiederaufbau von
fünf Gemeinden in Südindien investiert. Der Wiederaufbau der Fischerei aber auch Wohnungsbau,
Kindergärten, Frauenförderung, Förderung alternativer Einkommensquellen und berufliche
Ausbildung für die Jugend waren und sind Schwerpunkte der Programme. „Hilfe zur Selbsthilfe“,
d.h. nicht nur Hilfen kostenlos verteilen, sondern Eigenleistungen der Menschen beim Wiederaufbau
einfordern – ganz nach dem Prinzip des Stiftungsgründers Karl Kübel – war eines der
Hauptmerkmale der Hilfsprogramme.




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Um Hilfe gezielt und über vertrauenswürdige Kanäle zu leisten, wurden fünf Gemeinden mit einer
Bevölkerung von etwa 4.000 Menschen in einer Region südlich der Metropole Chennai an der
indischen Ostküste ausgewählt, einer Region, in der bereits langjährige indische
Partnerorganisationen der Karl Kübel Stiftung tätig waren. Die Chengalpattu Rural Development
Society (CRDS), das Hilfswerk der katholischen Diözese von Kanchipuram sowie die von
katholischen Ordensschwestern geleitete Palliagaram Udayam Society (PUS) wurden als Partner für
das Vorhaben ausgewählt. Von diesen beiden Organisationen wurden die nachfolgenden
Fischerdörfer als besonders betroffen bzw. bedürftig als Projektgebiet identifiziert.




                Ort                   Zahl der völlig zerstörten             Zahl der schwer
                                               Häuser                      beschädigten Häuser
    Devaneri                                     70                                 92
    Salvan Kuppam                                15                                  -
    New Edayur Kuppam                            18                                 13
    Pattipulam                                   10                                111
    Paramankeni                                  235                                 -
    Gesamt                                       348                               216

In den ersten Wochen nach der Katastrophe – bis etwa März 2005 - konzentrierten sich die
Maßnahmen auf die unmittelbare Nothilfe.

Folgende Maßnahmen bzw. Leistungen wurden aus Projektmitteln finanziert:

•     Verteilung von Kleidung für 614 Familien
•     Verteilung von Betttücher und Schlafmatten für 614 Familien
•     Verteilung von Kochutensilien (Töpfe, Teller, Essgeschirr, Plastikeimer etc.) für 614 Familien
•     Verteilung von 10 kg Reis pro Familie (für 614 Familien)
•     Verteilung von Essen für 614 Familien
•     Verteilung von Schulmaterialien an Kinder
•     Bau von 18 Notunterkünften


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•   Einrichtung einer Elektrizitätsversorgung für 240 Notunterkünfte
•   Einrichtung von Straßenbeleuchtung (42)
•   Befestigung (Böden) für 60 Notunterkünfte
•   Medizinische Versorgung (regelmäßige medizinische Camps) in allen Dörfern (einschließlich
    psychologischer Betreuung)

Ab April/Mai 2005 erfolgten die ersten Schritte zum Wiederaufbau bzw. zum Wiedereinstieg in die
traditionellen Berufs- und Einkommensbereiche. Es wurden schrittweise nachfolgende Programme
umgesetzt:

•   Einrichtung und Betrieb von 8 Nachhilfezentren für Kinder (541 Kinder)
•   Einrichtung und Betrieb einer Schneidereiwerkstatt (einschließlich Ausbildung)
•   Bereitstellung von 187 Booten einschl. Netzen und Außenbordmotoren
•   Bereitstellung von 6 Wassertanks mit jeweils 500 l Fassungsvermögen
•   Bau von drei Gemeindezentren in Devaneri und Nachbargemeinden
•   Bau von Gemeinschaftslatrinen in Devaneri
•   Bau von Brunnen und Handpumpen in Devaneri und Nachbargemeinden
•   Organisation und Aktivierung von 20 Selbsthilfegruppen (SHG), die gemeinsam sparen,
    abrechnen und Investitionen tätigen
•   Einrichtung von Abendschulen für Schulkinder, Anlage eines Spielplatzes
•   Bau von 424 Häusern (davon 163 in Devaneri, 44 in Edayurkuppam, 15 in Salvankuppam, 202
    in Paramankeni), von den Häusern in Paramankeni wurden 26 von „Hessen hilft“, 75 von der
    Andheri Hilfe und 101 von Caritas finanziert.




Die Ergebnisse können sich heute sehen lassen. 187 Boote wurden wieder beschafft, Netze und
Außenbordmotoren, die ebenfalls Opfer des Tsunami geworden waren, wieder ersetzt. Darüber
hinaus wurden 20 Frauenselbsthilfegruppen gegründet, die heute nahezu eigenständig ihren
verschiedenen Aktivitäten – Spar- und Kreditprogramme, Betreib eigener kleiner Geschäfte,
Handwerk und Kleinhandel – nachgehen. Mit Berufsausbildungskursen wurden gerade für junge
Menschen aus den Fischergemeinden neue berufliche Perspektiven geschaffen. In Kindergärten und



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Abendschulen werden ca. 700 Kinder betreut, die ansonsten wahrscheinlich zum Großteil in die
Kinderarbeit abgerutscht wären. Neben Wasserpumpen, Toiletten und mehreren Gemeindezentren




wurden insgesamt 424 Häuser fertig gestellt. Die Caritas und die Bonner Andheri-Hilfe steuerten
gerade zum Hausbau zusätzliche Mittel bei, so dass das zunächst sehr ehrgeizige Ziel, fünf
Gemeinden vollständig wieder aufzubauen, letztlich erreicht werden konnte. Die aktive Mithilfe der
betroffenen Menschen aber auch die enge Kooperation mit den örtlichen Gemeindeverwaltungen
stehen ebenfalls für den Erfolg des Projektes.




Es gibt aber auch weiterhin Menschen und Siedlungen, die auch fünf Jahre nach der Katastrophe
nicht erreicht wurden. So auch die Menschen in Pooncheri, einer kleinen Hüttensiedlung am
Straßenrand südlich von Mahabalipuram.




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Kaum einen halben Kilometer weiter sind der Strand, regelmäßige frisch verputzte Häuserzeilen
und die neuen Boote zu sehen, die durch die nationale und internationale Hilfe nach dem
schrecklichen Tsunami des 26. Dezember 2004 an diesen Teil der Südwestküste Indiens gelangten.

Die Familien von Pooncheri waren nicht unter denen, die an der Tsunami-Hilfe Teil hatten.
Zunächst durchaus verständlich, konzentrierte sich die Hilfe auf die, die direkt betroffen waren, die
ihr Haus oder ihre Boote verloren hatten, die Opfer in den Familien zu beklagen hatten. Die
Familien in Pooncheri gehören den Irula an, einem Volksstamm, der ursprünglich in den ehemals
weitflächigen Waldgebieten Südindiens lebten. Abholzung und die drastische Einschränkung der
Waldnutzung trieb sie in den Fischfang in der Nähe von Mahabalipuram, ca. 60 km der indischen
Metropole Chennai (ehem. Madras). Mit Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft, im Fischfang und dem
Fang von Garnelen in den strandnahen Lagunen ernährten sie sich und ihre Familien.

Nach der Tsunamikatastrophe konzentrierte sich die Hilfe ausschließlich auf die Fischergemeinden
unmittelbar an der Küste. Die Irula von Pooncheri, obwohl ökonomisch genauso hart betroffen,
erhielten nicht einen Sack Reis aus den Hilfslieferungen.

Der Tsunami hat sich auch auf die Irula direkt ausgewirkt. Die Menschen in Pooncheri verloren
unmittelbar ihre Arbeit auf den Fischerbooten. Zum Teil erst viele Monate nach der Katastrophe
wurde der Fischfang wieder aufgenommen. Die Fischer erhielten in dieser Zeit eine regelmäßige
Notversorgung, die Menschen in Pooncheri wurden in diese Versorgung nicht einbezogen. Sie
gingen leer aus, da sie immer nur als Hilfsarbeiter auf den Booten tätig waren.

Der Fang von Garnelen – bislang eine der Haupteinnahmequellen der Menschen in Pooncheri - in
den flachen Lagunen wurde durch den massiven Eintrag von Sand und Salzwasser durch die
Tsunamiwellen drastisch reduziert. Zudem stiegen durch die Tsunami-Hilfen in der Region massiv
die Preise. All dies führte dazu, dass die Menschen in Pooncheri zunächst zu den Verlierern der
Katastrophe zählten.

Heute baut die Karl Kübel Stiftung auch für diese Menschen ein Stück neuer Zukunft auf. Häuser,
ein kleines Gemeindezentrum und die Gründung einer Frauenselbsthilfegruppe stehen auf dem
Programm, so dass die Familien in Pooncheri auch einen kleinen Teil der so dringend notwendigen
Hilfe erhalten.




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