Docstoc

Katastrophenvorsorge Beitrge der deutschen

Document Sample
Katastrophenvorsorge Beitrge der deutschen Powered By Docstoc
					Katastrophenvorsorge

Beiträge der deutschen Entwicklungszusammenarbeit




                                       BMZ Informationsbroschüre 3|2010
                                                        K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




    Inhaltsverzeichnis


          Vorwort                                                                            3

    1.    Aspekte des Globalen Wandels – Warum ist Katastrophenvorsorge wichtig?             5
    1.1   Klimawandel – Entwicklungsländer sind besonders betroffen                         10
    1.2   Armut – Die Anfälligkeit gegenüber extremen Bedrohungen mindern                   14
    1.3   Verstädterung und Bevölkerungswachstum – die Katastrophenanfälligkeit
          wird sich erhöhen                                                                  17

    2.    Reduzierung von Katastrophenrisiken –
          Stand der internationalen und nationalen Debatte                                  20

    3.    Katastrophenvorsorge in der Entwicklungszusammenarbeit –
          Eine Schlüsselaufgabe für nachhaltige Entwicklung                                 27
    3.1   Risikoanalyse – Vorausschauende Planung von Investitionen im
          öffentlichen Sektor in Peru                                                       31
    3.2   Katastrophenvorbeugung – Präventive Maßnahmen in Mosambik                         33
    3.3   Katastrophenvorsorge im Wiederaufbau in Indonesien                                35
    3.4   Katastrophenvorsorge in Schulen – wie Sri Lankas Bildungsministerium
          sich nach dem Tsunami engagiert                                                   38
    3.5   Vorbereitung auf den Katastrophenfall – Beispiele aus Zentralamerika              40

    4.    Ausblick – Katastrophenvorsorge als langfristiges Engagement
          der Entwicklungszusammenarbeit                                                    44

          Literatur                                                                         47
          Abkürzungen                                                                       48
          Mehr Informationen                                                                50
          Impressum                                                                         52




2
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Zunehmend verursachen große Naturkatastro-
phen immense ökonomische und ökologische
Schäden, fordern viele Menschenleben und
bringen den Überlebenden außerordentliches
Leid. Nach Angaben der Vereinten Nationen
sind viele hundert Millionen Menschen
weltweit, vor allem in Entwicklungsländern,
durch Erdbeben, tropische Wirbelstürme,
Überschwemmungen und Dürren bedroht.

Armut, Nahrungsmittelknappheit, Obdachlo-
sigkeit, Seuchen und auch bewaffnete Konflikte
werden durch Naturkatastrophen ausgelöst
und/oder verschärft. Dies erschwert in den
betroffenen Ländern zusätzlich die Erreichung
der Millenniumsentwicklungsziele.
                                                      Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche
Katastrophen entstehen jedoch erst dann, wenn         Zusammenarbeit und Entwicklung
ein Naturereignis auf eine hierfür anfällige
Gesellschaft trifft. Die Ursachen für die höhere
Katastrophenanfälligkeit von Entwicklungs-
ländern sind vielfältig, unter anderem geringer      durch Prävention die Situation gefährdeter
Bevölkerungsschutz, schwach ausgeprägte              Länder nachhaltig zu verändern, insbesondere
Frühwarnsysteme sowie Fehlentwicklungen              durch die Übernahme von Eigenverantwortung
durch unzureichende Rechtsvorschriften und           im Bereich Katastrophenvorsorge. Die deutsche
Verwaltungskapazitäten wie zum Beispiel              Unterstützung reicht von Risikoanalysen über
extreme Verstädterung und illegale Besiedlung        Aus- und Fortbildung, Frühwarnung und infra-
gefährdeter Gebiete.                                 strukturelle Verbesserungen wie zum Beispiel
                                                     erdbebensicheres Bauen bis hin zu verschiede-
An dieser Schwachstelle setzt die deutsche Ent-      nen Maßnahmen der Anpassung an den Klima-
wicklungszusammenarbeit an. Sie hat zum Ziel,        wandel. Dabei bringen auch deutsche Institu-
die Anfälligkeit der Menschen gegenüber zer-         tionen ihre weltweit anerkannte Expertise
störerischen Naturereignissen zu verringern,         sowie die Privatwirtschaft ihr technisches
denn vorausschauendes Handeln kann die Zahl          Wissen ein.
der Opfer und die Schäden für Wirtschaft und
Infrastruktur deutlich reduzieren. Neben der         Angesichts der globalen Problemlage bedarf es
Verhinderung von Leid ist Vorsorge auch aus          globaler Anstrengungen, um die verheerenden
wirtschaftlicher Sicht effizienter als ein Wieder-   Auswirkungen von Naturkatastrophen in Ent-
aufbau nach Katastrophen.                            wicklungsländern zu begrenzen. Deutschland
                                                     hat sich mit der Unterzeichnung des Hyogo
Die Bundesregierung unterstützt Anstrengun-          Framework for Action der Vereinten Nationen
gen besonders gefährdeter Länder, Katastro-          daher verpflichtet, dazu beizutragen, Katastro-
phen zu verhindern beziehungsweise besser zu         phenvorsorge in Entwicklungspolitik und
bewältigen. Dies trägt dazu bei, die Zahl der Op-    -planungen zu integrieren, Institutionen,
fer von Naturkatastrophen zu begrenzen und            Mechanismen und Kapazitäten in der


                                                                                                        3
                                                           K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Katastrophenvorsorge zu stärken und diese          Diese Publikation gibt einen Überblick über
auch in Nothilfe- und Wiederaufbauprojekten        unsere Aktivitäten und Erfahrungen aus der
vorzusehen. Deutschland hat zur Erreichung         Praxis. Sie will konkrete zukunftsgerichtete
dieser Zielsetzungen nicht nur die Entwicklung     Ansatzpunkte für katastrophenvorsorgeorien-
einer EU-Strategie zur Katastrophenvorsorge        tiertes Handeln liefern und verdeutlichen, dass
in Entwicklungsländern aktiv unterstützt,          Prävention nicht nur aus humanitären Gründen
sondern ist Ende 2009 zusätzlich der Global        notwendig ist, sondern gleichzeitig spürbar
Facility for Disaster Reduction and Recovery der   positive Wirkungen für die wirtschaftliche Ent-
Weltbank (GFDRR) beigetreten. Dieser Fonds         wicklung unserer Partnerländer entfalten kann
unterstützt besonders gefährdete Entwick-          – eine Investition, die sich für alle lohnt.
lungsländer darin, Katastrophenvorsorge in
 ihren nationalen Strategien zu integrieren.       Ihr
Auf diese Weise unterstützt Deutschland ganz
konkret die Anstrengungen der internationalen
Gemeinschaft, gefährdete Entwicklungsländer
in ihren Zielsetzungen zur Katastrophenvorsor-     Dirk Niebel
ge systematisch zu stärken.                        Bundesminister




4
  K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




1. Aspekte des Globalen Wandels –
   Warum ist Katastrophenvorsorge wichtig?




                                             5
                                                                      K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Die Häufigkeit und Intensität von Katastrophen               Es ist zu erwarten, dass insbesondere in Entwick-
nimmt zu: Im Vergleich zwischen den Dekaden                  lungsländern verschiedene globale Trends das
1980 bis 1989 und 1990 bis 1999 hat sich die An-             Katastrophenrisiko dramatisch erhöhen. Dazu
zahl von Großkatastrophen von 63 auf 91 erhöht               gehören der Klimawandel, Verstädterung und
und der volkswirtschaftliche Schaden hat sich                Bevölkerungswachstum sowie Armut. Die folgen-
fast verdreifacht (siehe Abbildung 1). In der                den drei Kapitel verdeutlichen den Zusammen-
Dekade 1997 bis 2006 verursachten extreme                    hang zwischen diesen Trends und der Katastro-
Wetterereignisse allein 200.000 Todesfälle und               phenwahrscheinlichkeit sowie ihre Bedeutung
mehr als 450 Milliarden Euro direkte ökonomi-                für die Entwicklungszusammenarbeit.
sche Verluste (Germanwatch, 2008).




    Was ist eine Naturkatastrophe?                             Was ist Katastrophenvorsorge?


    Die Internationale Strategie zur Katastrophenvor-          Die Katastrophenvorsorge umfasst den gesamten
    sorge (International Strategy for Disaster Reduction -     systematischen und konzeptionellen Rahmen von
    ISDR) bezeichnet als Katastrophe eine Unterbrechung        Maßnahmen, die miteinander in enger Vernetzung
    der Funktionsfähigkeit einer Gemeinschaft oder Gesell-     stehen und vor Eintritt einer Naturgefahr mit dem
    schaft, die hohe menschliche, materielle, ökonomi-         Ziel ergriffen werden, negative Auswirkungen eines
    sche und ökologische Verluste verursacht und die           Naturereignisses auf die Gesellschaft zu begrenzen
    Fähigkeit der betroffenen Gemeinschaft oder Gesell-        oder zu vermeiden. Das zentrale Ziel ist die Verringe-
    schaft übersteigt, diese aus eigener Kraft zu bewäl-       rung des Katastrophenrisikos der Menschen, die in
    tigen. In Anlehnung an Definitionen der Vereinten          den von Naturgefahren gefährdeten Regionen leben.
    Nationen bezeichnet man Naturkatastrophen als              Die Verminderung des Katastrophenrisikos umfasst
    „groß“, wenn die Selbsthilfefähigkeit der betroff-         dabei zum einen die Reduzierung der Anfälligkeit der
    enen Regionen deutlich überschritten wird und über-        Bevölkerung selbst zum Beispiel gegenüber Erdbe-
    regionale oder internationale Hilfe erforderlich ist.      ben, Überschwemmungen oder Stürmen und zum
    Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn die Zahl der     anderen die Vermeidung der Entstehung neuer
    Todesopfer in die Tausende, die Zahl der Obdachlo-         Bedrohungen zum Beispiel Hangrutschungen durch
    sen in die Hunderttausende geht; oder wenn die             unsachgemäße Bodennutzung oder Überschwem-
    Gesamtschäden – je nach den wirtschaftlichen Ver-          mungen durch Abholzung an den Oberläufen von
    hältnissen des betroffenen Landes – bzw. die versi-        Flüssen.
    cherten Schäden außergewöhnliche Größenordnun-
    gen erreichen.




6
                                          K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




                                          Schäden durch große Naturkatastrophen




                                                                                                                                                             600




                                  100                             Anzahl großer Naturkatastrophen                                                            500
                                                                  Versicherte Schäden
                                                                  Volkswirtschaftliche Schäden*                                                 91
                                                                  (* in Milliarden US-Dollar in Werten von 2005)


                                  80                                                                                                                         400
Anzahl großer Naturkatastrophen




                                                                                                                                                                          Schäden in Mlliarden US-Dollar
                                                                                                                            63

                                  60                                                                                                                         300



                                                                                                        47




                                  40                                                                                                                         200

                                                                             27




                                  20              21                                                                                                         100

                                            1,6        48,1           7,1         87,5           14,6        151,7   29,9        247,0   1377
                                                                                                                                            ,        728,8
                                             1950–1959                 1960–1969                  1970–1979           1980–1989           1990–1999




                                        Quelle: Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, 2006


                                                                                                                                                                   Abbildung 1




                                                                                                                                                                                                7
                                                                                       K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Was beinhaltet Katastrophenvorsorge?


Katastrophenvorsorge setzt sich aus den folgenden                          negativen Auswirkungen eines Naturereignisses und seinen
Elementen zusammen:                                                        Folgen vorzubeugen und einen permanenten Schutz vor sei-
> Risikoanalyse,                                                           nen Wirkungen bereitzustellen. Die Maßnahmen können
> Katastrophenvorbeugung (Prävention),                                     baulich-technischer Natur (zum Beispiel Deiche) und nor-
> Vorbereitung auf den Katastrophenfall (Bereitschaft),                    mativ-immaterieller Natur sein (zum Beispiel Landnut-
> katastrophenpräventiver Wiederaufbau.                                    zungsbeschränkungen). Durch eine angemessene Vorbe-
                                                                           reitung auf den Katastrophenfall kann schnell undeffektiv
Ein Naturkatastrophenrisiko besteht, wenn eine Gesell-                     auf eine drohende Katastrophe reagiert werden. Wichtige
schaft Naturgefahren (Bedrohung) ausgesetzt ist, sie aber                  Bestandteile sind Notfallpläne, die Verfügbarkeit von Ret-
nicht über ausreichend Möglichkeiten und Fähigkeiten                       tungs- und Notfalldiensten, die medizinische Notfallversor-
verfügt, sich vor potenziellen negativen Auswirkungen zu                   gung, die schnelle und eingeübte Weiterleitung von War-
schützen (Vulnerabilität). In der Risikoanalyse wird die                   nungen und die Verfügbarkeit von Kommunikationsmitteln.
Naturgefahr mit der Vulnerabilität einer Gesellschaft ver-                 Frühwarnsysteme können als Bestandteil einer guten
knüpft, um potenzielle Schäden und Verluste vorab evalu-                   Vorbereitung die Auswirkungen von Katastrophen erheb-
ieren zu können. Dazu zählen die Berechnung von Eintritts-                 lich reduzieren. Denn durch ein gutes Frühwarnsystem
wahrscheinlichkeiten einer Naturgefahr, die Identifikation                 wird eine Bedrohung rechtzeitig erkannt und bewertet,
von Vulnerabilitätsfaktoren in der Gesellschaft, die Erstellung            Warnungen werden an die betroffene Bevölkerung und
von Schadensszenarien sowie die Evaluierung von Maß-                       Institutionen weitergegeben und diese reagieren ange-
nahmen, die im Katastrophenfall eine schnelle Wieder-                      messen. Der katastrophenpräventive Wiederaufbau zielt
herstellung sicherstellen. Die Fähigkeit einer Gesellschaft,               darauf ab, angemessene Lehren aus der Naturkatastrophe
mit Bedrohungen so umzugehen, dass sie funktionsfähig                      zu ziehen und Kriterien und Maßnahmen der Katastro-
bleibt, wird als Resilienz bezeichnet. Die Vorbeugung                      phenvorsorge bereits unmittelbar in den Wiederaufbau-
umfasst Aktivitäten mit dem langfristigen Ziel, den möglichen              prozess zu integrieren (zum Beispiel durch Baunormen).



    Vorsorge                                               Katastrophen-
                                                            vorbeugung
                                                            (Prävention)

                                                                                                 Vorbereitung auf den
                      Risikoanalyse                                                                Katastrophenfall
                                                                                                    (Bereitschaft)

                                                                  Natur



                                                     Naturgefahr      Vulnerabilität
                                                                                                        Katastrophe
                                                                  Risiko

                                                              Resilienz



                 Katastrophenpräventiver                    Gesellschaft
                                                                                                 Bergung und Rettung
                      Wiederaufbau



                                                         Humanitäre Hilfe
    Bewältigung




8
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Was sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Katastrophenvorsorge?


Katastrophen entstehen erst durch das Zusammentreffen            Frauen sind jedoch nicht nur Leidtragende in Katastro-
von einem Naturereignis (Bedrohung) und einer diesem             phensituationen, sondern Akteurinnen im Hinblick auf die
Ereignis gegenüber anfälligen (vulnerablen) Gesellschaft.        Reduzierung von Katastrophenrisiken. Deshalb ist die
Die Anfälligkeit (Vulnerabilität) einer Gesellschaft ist durch   Berücksichtigung von Gender-Aspekten essentiell für eine
eine Vielzahl von ökonomischen, sozialen, physischen und         erfolgreiche Katastrophenvorsorge. Good Governance –
Umweltfaktoren gekennzeichnet. Katastrophenvorsorge              also leistungsfähige politische Institutionen, klare nach
erfordert demzufolge, dass alle relevanten Sektoren (zum         dem Subsidiaritätsprinzip verteilte Verantwortlichkeiten
Beispiel Innere Sicherheit, Landwirtschaft, Bildung, Umwelt)     und Ressourcen sowie ein verantwortungsvoller Umgang
eingebunden und zivilgesellschaftliche Gruppen gleich-           des Staates mit politischer Macht und öffentlichen Res-
berechtigt beteiligt werden. Arme Bevölkerungsgruppen            sourcen – fördern eine erfolgreiche Katastrophenvorsorge.
und darunter Kinder und Frauen sind besonders von Kata-          Das angestrebte Ergebnis der Katastrophenvorsorge ist
strophen betroffen und müssen in die Lage versetzt sein,         die Verringerung des Katastrophenrisikos auf eine Größe,
sich und ihr Hab und Gut zu schützen und aktiv an lokalen        die gesellschaftlich akzeptiert und zugleich verkraftbar
Vorsorgestrategien mitzuwirken. Deshalb muss bereits             ist. Mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung sollte Ka-
bei der Analyse der Vulnerabilitätsfaktoren den besonde-         tastrophenvorsorge in Armutsminderungsstrategien inte-
ren Bedürfnissen von Frauen Rechnung getragen werden.            griert sein.



Klassifizierung der Vulnerabilitätsfaktoren
                                                                   Ökonomische Faktoren
                                                                   K sozio-ökonomischer Status
                                                                   K Armut und Ernährungslage
                                                                   K Betriebs- und Nutzungssysteme, Technologie,

                                                                     Saatgut und Anbaustruktur
         Physische Faktoren                                        K Einkommens- und Wirtschaftsstruktur
         K technische Bauweise/
                                                                   K Zugang zu Ressourcen und Dienstleistungen
           Qualität von Siedlungen                                   (Wasser, Energie, Gesundheit, Transport)
           und Gebäuden                                            K Reserven und Finanzierung
         K Basisinfrastruktur
                                                                   K Anreiz- und Sanktionssysteme für Prävention
         K Bevölkerungswachstum
                                                                   K Forschung und Entwicklung
           und -dichte

                                                                   Soziale Faktoren
                                                                   K traditionelle Wissenssysteme
                                                                   K Risikowahrnehmung
         Umweltfaktoren                                            K Bildung und Erziehung
         K nutzbarer Boden                                         K Rechtslage und Menschenrechte,
         K nutzbares Wasser                                          Besitzverhältnisse
         K Vegetation,                                             K Bürgerbeteiligung, soziale Organisationen
           Biodiversität/Wälder                                      und Institutionen
         K Stabilität der                                          K Rechtsrahmen, Normen, Gesetze
           Ökosysteme                                              K Politik, Korruption
                                                                   K Minderheiten, Alte, Junge
                                                                   K Gesundheitsstatus
                                                                   K Machtstrukturen und Zugang zu Informationen




                                                                                                                          9
                                                                 K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




1.1 Klimawandel – Entwicklungsländer sind                zu Hang- und Bergrutschungen kommen. Zahl-
    besonders betroffen                                  reiche Tier- und Pflanzenarten werden durch
                                                         veränderte klimatische Bedingungen abwandern
Der vom Menschen verursachte Klimawandel                 oder gar aussterben. Schon heute verändert der
ist spürbar geworden und dies weitaus schneller          Klimawandel das Angebot, die Qualität und die
und intensiver als ursprünglich prognostiziert           Verteilung von Wasserressourcen. Krankheiten
wurde. Bereits heute nehmen Extremwetter-                wie Malaria werden sich durch steigende Tempe-
ereignisse wie Starkniederschläge, Stürme, Dür-          raturen weiter verbreiten.
ren und Hitzewellen sowie der Meeresspiegel-
anstieg zu.                                              Der Klimawandel ist auch eine der größten
                                                         Herausforderungen für die Welternährungs-
In seinem vierten Sachstandsbericht zum Klima-           sicherheit. Die landwirtschaftlich nutzbare
wandel vom Februar 2007 prognostiziert der               Anbaufläche wird durch die prognostizierten
Weltklimarat (Intergovernmental Panel on                 Klimaveränderungen in vielen Regionen
Climate Change - IPCC) eine Erderwärmung                 zurückgehen. Die Produktivität vieler Anbau-
zwischen 1,1 und 6,4 Grad Celsius bis zum Jahr           gebiete wird sich teils drastisch verringern, der
2100, einen Anstieg des Meeresspiegels um 18             Preisanstieg von Grundnahrungs- und Lebens-
bis 59 Zentimeter sowie eine höhere Intensität           mitteln soziale und wirtschaftliche
von Starkniederschlägen und Stürmen. Grund               Spannungen provozieren.
hierfür sind die Emissionen von Treibhausgasen
(THG), insbesondere aus fossilen Energieträgern,
aber auch aus großflächiger Entwaldung.

Die Folgen des Klimawandels wirken sich – den
lokalen und regionalen Gegebenheiten ent-
sprechend – sehr unterschiedlich aus. So werden
in einigen Regionen vermehrt Dürren
auftreten, während es in anderen verstärkt zu
Überschwemmungen und Fluten kommen wird.
Durch die Gletscher- und Permafrostschmelze
wird es vielfach auch in Gebirgsregionen häufiger




Der vierte Bericht des Weltklimarats kommt zu dem
Schluss, dass die Intensität tropischer Stürme im Zuge
des globalen Klimawandels wahrscheinlich zunehmen
wird. Das Bild zeigt eine Satellitenaufnahme von
Hurrikan Isabel vor der Nordküste der Dominikani-
schen Republik im Jahr 2003.




10
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Von den negativen Auswirkungen des Klima-                auftretenden Extremwetterereignisse anzu-
wandels besonders bedroht sind sensible Öko-             passen, aufgrund ihrer Armut eingeschränkt.
systeme, Küstenzonen und Regionen mit be-                Sie spüren die Folgen unmittelbar und können
grenztem Anpassungspotenzial. Länder wie                 diese zumeist nicht allein bewältigen. Zudem
Bangladesch, Philippinen, Indonesien, Mada-              leben viele Menschen in Entwicklungsländern
gaskar, Mosambik oder die Länder Zentralame-             von der Landwirtschaft, die gegenüber Klima-
rikas, die ohnehin schon mit Überschwemmun-              veränderungen besonders anfällig ist. Darüber
gen und Wirbelstürmen umgehen müssen,                    hinaus erschweren die schwachen politischen
werden durch den Klimawandel verschärft mit              und institutionellen Strukturen staatlicher
Extremwetterereignissen konfrontiert.                    Institutionen sowie deren begrenzte finanzielle
                                                         Möglichkeiten, die Anpassung an den Klima-
Jedoch sind die Handlungsmöglichkeiten der               wandel und die Bewältigung des erhöhten
Menschen in Entwicklungsländern, sich an die             Katastrophenrisikos.
Veränderungen des Klimas und die häufiger




 Durch den Klimawandel beeinflusste extreme Wetterereignisse




                                       Anstieg des
                                                                  Dürre
                                      Meeresspiegels



                                                                               Höhere Intensität
                 Hochwasser                                                      von Extrem-
                                                                               wetterereignissen
                                            Klimawandel
             Gletscherschmelze
             und Auftauen von                                                   Anstieg der Ober-
             Permafrostböden                                                   flächentemperatur




                                    Hangrutschung              Wirbelsturm




                                               Schlammlawine




 Viele extreme Naturereignisse werden infolge des Klimawandels an Intensität
 und/oder Häufigkeit zunehmen.
                                                                                                    Abbildung 2



                                                                                                             11
                                                                         K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




 Wie kann dem Sicherheitsrisiko Klimawandel begegnet werden?


 In den Handlungsempfehlungen des Gutachtens ‚Sicher-              Klärung von Entscheidungsstrukturen sowie die Integra-
 heitsrisiko Klimawandel’ empfiehlt der Wissenschaftliche          tion der Katastrophenvorsorge in Bildungsprogramme
 Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen            berücksichtigt werden. Der Aufbau von Frühwarn-
 (WBGU, 2007: 11) im Rahmen der Initiative 6 ‚Anpassungs-          systemen sollte zudem in die Programme der Entwick-
 strategien für Entwicklungsländer unterstützen’, Katastro-        lungszusammenarbeit eingebettet sein.“
 phenvorsorge zu stärken:
                                                                 > „Katastrophenrisiken stärker in Entwicklungsstrate-
 > „Sektorübergreifende Ansätze in der Entwicklungs-               gien einbeziehen: Die Katastrophenvorsorge sollte be-
     zusammenarbeit entwickeln: Die Entwicklungszusam-             reits bei der Beratung von Poverty Reduction Strategy
     menarbeit sollte verstärkt sektorübergreifende Strategien     Papers [Armutsminderungsstrategiepapiere] sowie in
     zur Eindämmung von Katastrophenrisiken entwickeln und         den wesentlichen Programmen zur Armutsbekämpfung
     umsetzen. Dabei sollten insbesondere die Notfallvorsorge,     berücksichtigt werden.“
     die Anpassung der Landnutzungsplanung, die frühzeitige




 Versagen diese Institutionen zum Beispiel                       sich und ihre Lebensweise an lokale Klimaverän-
 dabei, Katastrophen zu bewältigen, können im                    derungen anzupassen.
 Extremfall ein Zusammenbruch der Infrastruk-
 tur und eine darauf folgende humanitäre Kata-                   Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit
 strophe zu schwer steuerbaren Abwanderungs-                     hat diese Herausforderung bereits aufgegriffen
 prozessen oder gar zu Krisen und Konflikten                     und unterstützt betroffene Länder in ihren
 führen. Daher gilt laut Wissenschaftlichem                      Anstrengungen, den Klimawandel abzufedern.
 Beirat für Umweltfragen der Bundesregierung,
 die Zunahme von katastropheninduzierten und                     So kündigte das Aktionsprogramm ‚Klima und
 -verschärfenden Konflikten als wahrscheinlich.                  Entwicklung’ des Bundesministerium für wirt-
                                                                 schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
 Das Ausmaß der beschriebenen und zum Teil                       (BMZ) aus dem Jahr 2007 an, die Maßnahmen
 schon spürbaren Folgen des Klimawandels                         zur Bekämpfung der Ursachen des Klimawan-
 hängt einerseits stark davon ab, ob es gelingen                 dels sowie zur Begrenzung der Auswirkungen
 wird, die Emissionen von THG in Zukunft deutlich                deutlich auszuweiten. Katastrophenvorsorge
 zu verringern. Insofern muss die Reduzierung                    kommt insbesondere bei der Begrenzung der
 von THG in die Atmosphäre als wichtiger Beitrag                 Auswirkungen des Klimawandels (Anpassung)
 zur Abschwächung des Klimawandels betrachtet                    zum Tragen. In Zukunft sollen dabei bei allen
 werden. Darüber hinaus sind jedoch Anpassungs-                  berührten Vorhaben systematisch Klimarisiken
 strategien an die veränderten klimatischen Ver-                 geprüft und – wo nötig – Katastrophenvorsorge
 hältnisse von elementarer Bedeutung. Wie stark                  im Rahmen von Anpassungsstrategien integriert
 sich der Klimawandel auswirkt, hängt demnach                    werden. Die Deutsche Gesellschaft für Technische
 also nicht nur von Stärke und Umfang der Klima-                 Zusammenarbeit (GTZ) GmbH ist in diesem Zu-
 veränderungen vor Ort ab, sondern auch von den                  sammenhang dabei, einen sogenannten Klima-
 Möglichkeiten und Fähigkeiten der Bevölkerung,                  Check zu entwickeln. Da die Katastrophenvor-


12
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




sorge bereits seit geraumer Zeit in zahlreichen               der“ und das Beratungsvorhaben zur „Katastro-
Projekten angewendet wird, können wichtige                    phenvorsorge in der Entwicklungszusammen-
erprobte Ansätze und Instrumente für Anpass-                  arbeit“. Das führte zum Beispiel in Mosambik
ungsstrategien bereitgestellt werden, wie zum                 dazu, dass sich die Behörden und die Bevölkerung
Beispiel die Risikoanalyse (siehe Kap. 3.1).                  auf die bestehenden und durch den Klimawan-
                                                              del verstärkten Katastrophenrisiken eingestellt
Bisher unterstützt die deutsche Entwicklungs-                 haben, indem sie ein lokales Hochwasserfrüh-
politik die Partnerländer bei der Anpassung an                warnsystem aufbauten und das Thema in lokale
den Klimawandel unter anderem über das                        Schulcurricula aufnahmen (siehe Kap. 3.2).
„Klimaschutzprogramm für Entwicklungslän-




           Schnittstelle zwischen Katastrophenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel



               Katastrophenvorsorge                            Anpassung an den Klimawandel



            Präventive Maßnahmen zur
          Verringerung des Katastrophen-                                 Anpassung durch:
            risikos (Risikomanagement)                                    - Bestimmung der Impacts
                             durch:                                             und Anfälligkeit;
        - Verminderung der Anfälligkeit der Gesellschaft             - Identifizieren von Maßnahmen
           - Vermeidung der Entstehung neuer Risiken                           und Priorisierung;
                                                                         - Steuerung von Anpassung
                        Aktionsfelder:
                                                                             über Sektoren hinweg
                        Risikoanalyse
                  Katastrophenvorbeugung
             Vorbereitung für den Katastrophenfall
                   Katastrophenpräventiver
                        Wiederaufbau




              Reduzierung der durch den Klimawandel bedingten Risiken
                                                                                                      Abbildung 3




       Mehr Informationen?

   > VN-Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change – UNFCCC): www.unfccc.int
   > Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC): www.ipcc.ch




                                                                                                                    13
                                                                                                K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




1.2 Armut – Die Anfälligkeit gegenüber                                           Laut Weltbank lebt etwa eine Milliarde Menschen
    extremen Bedrohungen mindern                                                 in absoluter Armut und mehr als 2 Milliarden
                                                                                 leiden unter Mangelernährung (World Bank,
Bei einem Erdbeben der Stärke 8,0 in Hokkaido,                                   2007). Arme Bevölkerungsgruppen haben nur
Japan, im Jahre 2003, kam ein Mensch ums                                         begrenzten Zugang zu Ressourcen wie Wasser
Leben, während im gleichen Jahr bei einem Be-                                    und sicherer Unterkunft, Bildung, Beschäftigung,
ben der Stärke 6,5 in Bam, Iran, 22.000 Tote zu                                  Land und Gesundheit und können keine finan-
beklagen waren. Diese Zahlen verdeutlichen,                                      ziellen und materiellen Rücklagen bilden. Sie
dass die Vulnerabilität einer Gesellschaft einen                                 sind deshalb besonders vulnerabel gegenüber
entscheidenden Einfluss auf die Auswirkungen                                     wirtschaftlichen Krisen und Naturgefahren.
eines Extremereignisses hat. Armut gilt als                                      Arme Menschen haben weniger Zugang zu
Hauptursache für Todesfälle im Zusammen-                                         Wissen und Informationen über eigene Mög-
hang mit Naturkatastrophen. Mehr als die                                         lichkeiten zur Risikoreduzierung. Wer arm ist,
Hälfte aller Katastrophenopfer sind in den                                       wandert häufig in die Slums der großen Städte
wenig entwickelten Ländern zu beklagen.                                          ab, die oftmals in Gebieten mit erhöhtem Risiko
                                                                                 für Naturgefahren liegen (siehe auch Kapitel 1.3).
Der Zusammenhang zwischen Entwicklung
und Vulnerabilität wird auch durch die Kombi-                                    Je nach Einkommen, Volkszugehörigkeit, städt-
nation des Human Development Index (HDI)                                         ischem oder ländlichem Lebensmittelpunkt,
der Vereinten Nationen mit den Daten von                                         Geschlecht und Alter unterscheidet sich die
2.500 Katastrophen zwischen 1991 und 2000                                        Vulnerabilität von Menschen in Armut gegen-
deutlich: Die Hälfte der Katastrophen ereignete                                  über Naturgefahren. Frauen und Kinder sind
sich in Ländern mit einem mittleren HDI, wäh-                                    besonders stark von Katastrophen betroffen –
rend zwei Drittel der Todesfälle in Ländern mit                                  hier ist ein Zusammenhang mit den hohen
einem niedrigen HDI zu beklagen waren. Ledig-                                    Analphabetenraten, der begrenzten Mobilität
lich zwei Prozent der Todesfälle bei Katastro-                                   und der hohen sozialen Abhängigkeit von
phen waren in Ländern mit einem hohen HDI                                        männlichen Verwandten festzustellen. In peri-
zu verzeichnen (Wisner et al., 2003).                                            pheren ländlichen Gebieten nehmen Frauen oft



     Die Beziehung zwischen Armut und Katastrophenanfälligkeit



                       Zu kurzgedachte Maßnah-
                                                                Armutsreduzierung
                       men zur Armutsreduzierung                                                     Armutsreduzierung kann
                         können die Anfälligkeit                                                     die Anfälligkeit mindern
                                steigern


        Negative Auswirkungen                                                                                  Positive Auswirkungen



                          Katastrophen können                                                          Katastrophen können
                         Erfolge bei der Armuts-                                                        Möglichkeiten zur
                       reduzierung zurückwerfen                                                      Armutsreduzierung bieten
                                                                    Katastrophen


     (Quelle: Nach GTZ/ DKKV/ Universität Bayreuth, 2005: 19/ Angepasst von: UNDP 1994, S.10)
                                                                                                                                Abbildung 4



14
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




gemeinde- und sozialorientierte Aufgaben wahr,                   die angespannte Lage der Menschen, deren
weil Männer gezwungen sind, andernorts ihr                       Haushaltseinkommen (livelihoods) ohnehin
Einkommen zu verdienen. Deshalb müssen ge-                       bereits unter der Armutsgrenze liegt.
rade Frauen auf Katastrophenfälle vorbereitet
und frühzeitig in die Planung und Durchführung                   Grundsätzlich muss das Potential der landwirt-
von vorbeugenden Maßnahmen eingebunden                           schaftlichen Entwicklung zur nachhaltigen
sein. Nur so ist sichergestellt, dass ihre Sichtwei-             Armutsbekämpfung wieder stärker mobilisiert
sen angemessen berücksichtigt und ihre Kapa-                     werden. Maßnahmen der Katastrophenvorsor-
zitäten von der Vorbeugung bis zur Reaktion                      ge und zur Anpassung an den Klimawandel
sinnvoll genutzt werden.                                         können helfen, Menschenleben zu retten,
                                                                 Produktionsausfälle zu reduzieren, die durch
Auf der Weltkonferenz zur Reduzierung von                        Dürren, Stürme, Überschwemmungen oder
Naturkatastrophen 2005 in Kobe, Japan, wurde                     veränderte Niederschlagsneigung verursacht
von Wissenschaftlern, Praktikern und Politikern                  werden (siehe Kap. 3.2). Darüber hinaus können
die Bedeutung der Katastrophenvorsorge für                       Informations- und Frühwarnsysteme als An-
die Erreichung der Millenniumsentwicklungs-                      knüpfungspunkte zur Vorsorge für Ernährungs-
ziele (Millennium Development Goals/ MDG)                        sicherheit dienen. Insgesamt muss die Anfällig-
der Vereinten Nationen betont, insbesondere                      keit der Landwirtschaft gegenüber extremen
des MDG 1, das auf die Beseitigung von extremer                  Naturereignissen und von Menschen gemachten
Armut und Hunger zielt.1                                         Einflüssen verringert werden.

Zu den Ursachen von Hunger und einer sich                        Die Forschungsstudie „Linking Poverty Reduc-
abzeichnenden, globalen Nahrungsmittelkrise                      tion and Disaster Risk Management“ (Verbindung
gehören auch durch den Klimawandel bedingte                      von Armutsreduzierung und Katastrophenvor-
Ausfälle bei der Nahrungsmittelproduktion                        sorge) aus dem Jahre 2005 bestätigt die sich
und in der Folge ein Anstieg der Preise für Grund-               gegenseitig verstärkenden Wechselwirkungen
nahrungsmittel wie zum Beispiel Getreide. Die                    zwischen Katastrophenanfälligkeit und Armut
erhöhten Preise für Nahrungsmittel verschärfen                   (GTZ/ DKKV/ Universität Bayreuth, 2005). Sie




                                                                              Armut zwingt viele Menschen an gefährlichen
                                                                              Standorten zu siedeln.




1   Dementsprechend soll die Zahl der Hunger leidenden Menschen bis zum Jahr 2015 im Vergleich zu 1990
                                                                                                                   15
    halbiert werden.
                                                                   K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




kommt zu folgenden Ergebnissen: Armut                    Bundesregierung Globale Umweltveränderun-
zwingt zur Übernutzung vorhandener                       gen‚ Sicherheitsrisiko Klimawandel’ (WBGU,
Naturressourcen, deren Folgen wie Boden-                 2007: 219).
degradation und Abholzung die Vulnerabilität
gegenüber Naturkatastrophen erhöhen. Tritt               Bisher ist es jedoch nur vereinzelt gelungen,
die Katastrophe ein, hemmt sie wiederum eine             Katastrophenvorsorge in PRSP zu verankern
nachhaltige Entwicklung, wodurch sich die Vul-           (siehe Kap. 3.2). Die Integration eines (kosten-
nerabilität gegenüber neuen Störungen weiter             intensiven) Präventionskonzeptes in eine natio-
erhöht. Insbesondere wenig entwickelte Länder            nale Strategie erweist sich als schwieriges
können ohne fremde Hilfe nicht aus diesem sich           Unterfangen. Es stellt eine Herausforderung
selbst verstärkenden Teufelskreis ausbrechen;            sowohl für die betroffenen Länder als auch für
ihre Kapazitäten zur Vorsorge vor und Bewäl-             die Gebergemeinschaft dar.
tigung von Katastrophen sind begrenzt.
Deshalb ist Katastrophenvorsorge und die                 Die deutsche Entwicklungspolitik zielt insge-
damit einhergehende Reduzierung der                      samt darauf ab, den Kreislauf aus Armut und
Vulnerabilität gegenüber externen Bedrohun-              Vulnerabilität zu durchbrechen. So geht gerade
gen ein elementarer Beitrag zur langfristigen            beim entwicklungsorientierten Wiederaufbau
Reduzierung der Armut. In der Studie wird                Armutsminderung mit Katastrophenvorsorge
empfohlen, in Hochrisikoländern Katastro-                einher. Häufig sind einkommensteigernde
phenvorsorge bereits bei der Erstellung von              Maßnahmen in der Landwirtschaft mit der
nationalen Armutsminderungsstrategiepapie-               Vorbeugung von Katastrophen eng verbunden:
ren (Poverty Reduction Strategy Paper – PRSP)            Beispielsweise werden Anbauflächen bei der
zu berücksichtigen. Dabei sind auch Sektor-              Anlage von Terrassen gleichzeitig vor Hang-
politiken und Entwicklungsstrategien von                 rutschungen geschützt und vergrößert. Die
der nationalen bis zur internationalen Ebene             zusätzliche Regulierung der Bewässerung führt
relevant. Armutsanalysen sollten durch Risiko-           zu direkt spürbar werdenden höheren Ernteer-
analysen ergänzt und konkrete Katastrophen-              trägen. Betroffene vor Ort erarbeiten adäquate
vorsorge bei der Budgetierung berücksichtigt             Strategien, die die Vulnerabilität der Menschen
werden. Diese Erkenntnisse unterstreicht auch            mindern und ihre Lebenssituation verbessern.
die Studie des Wissenschaftlichen Beirats der




        Mehr Informationen?

      > Armutsbekämpfung des Entwicklungsprogramms der VN
        (United Nations Development Programme Poverty Reduction – UNDP): www.undp.org/poverty
      > Millenniumsentwicklungsziele: www.un.org/millenniumgoals




16
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




                                                                               Hohe Bevölkerungsdichte
                                                                               in Megacities erhöht das
                                                                               Katastrophenrisiko. Erdbeben
                                                                               sind eine ständige Bedrohung
                                                                               in Manila.




1.3   Verstädterung und Bevölkerungswachstum –         Naturgefahren bedroht. Erdbeben, Vulkanaus-
      die Katastrophenanfälligkeit wird sich erhöhen   brüche oder Hochwasserereignisse haben in
                                                       Ballungszentren verheerende Auswirkungen
Nicht nur die Weltbevölkerung nimmt zu, auch           auf die Bevölkerung, falls Katastrophenvorsor-
die Bevölkerungsverteilung auf der Erde verändert      gemaßnahmen nicht ausreichend durchgeführt
sich dramatisch. 90 Prozent des weltweiten Be-         werden. Städte sind gegenüber Naturgefahren
völkerungswachstums der nächsten Jahrzehnte            durch zahlreiche Faktoren besonders vulnerabel:
wird in den Städten der weniger entwickelten
Länder stattfinden. Im Jahr 2015 wird es weltweit      > Im Vergleich zum ländlichen Raum sind die
58 Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern         potentiellen Opferzahlen in Städten durch die
geben. Nur zehn davon liegen in den Industrie-           hohe Bevölkerungsdichte erheblich höher.
ländern, die Mehrzahl in Entwicklungsländern.
Schon heute lebt rund die Hälfte der Weltbevöl-        > Durch die Konzentration von Gütern und
kerung in städtischen Zentren, im Jahre 2030             Dienstleistungen in Städten sind die poten-
wird dieser Anteil auf fast zwei Drittel steigen.        tiellen wirtschaftlichen Schäden enorm.
Bevölkerungswachstum und Verstädterung
kennzeichnen also besonders die Entwicklungs-          > Durch eine an Gefahren unangepasste
länder. Städte wie Manila, Mexiko City oder              Bauweise und die mangelhafte Umsetzung
São Paulo durchlaufen dabei einen extremen               oder gar das Fehlen von katastrophenpräven-
Urbanisierungsprozess, der die vorhandenen               tiven Baunormen ist das Zerstörungspotential
infrastrukturellen und sozialen Versorgungs-             hoch. Korruption ist häufig die Ursache für
kapazitäten bereits überlastet. Viele dieser             die mangelnde Umsetzung von Baunormen.
Metropolen sind aber zudem unmittelbar von


                                                                                                          17
                                                               K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




                                                                 Schnell wachsende Städte sind auf plötzliche
                                                                 Starkregen nicht ausreichend vorbereitet. Es
                                                                 drohen Überschwemmungen mit negativen
                                                                 Folgen für Mensch und Umwelt.




> Insbesondere Städte in Entwicklungsländern           > Die Risikowahrnehmung und Katastrophen-
  sind häufig mit unkontrolliertem und rasan-            vorsorgekapazitäten bei der Bevölkerung
  tem Städtewachstum und Slumbildung kon-                sind gering.
  frontiert. Durch die zusätzlich oft begrenzten
  risikoreduzierenden stadtplanerischen                > Unzureichende Notfall- und Evakuierungs-
  Kapazitäten liegen viele Ansiedlungen in               pläne und ungeklärte Zuständigkeiten zwi-
  Gefahrenzonen.                                         schen einzelnen Sektorbehörden und Zivil-
                                                         schutzorganisationen können im Katastro-
> Durch ungeklärte Besitzverhältnisse sowie              phenfall zu komplexen Ausfällen städtischer
  die Illegalität der Slums und Armut ihrer              Dienstleistungssysteme führen. Bei Katastro-
  Bewohner ist deren Widerstandsfähigkeit ge-            pheneintritt droht insbesondere in großen
  genüber Katastrophen vermindert. Geringes              Städten ein Zusammenbruch öffentlicher
  Einkommen und der begrenzte Zugang zu                  Ordnung - schnell ist im Katastrophenfall die
  verschiedensten öffentlichen Dienstleistungen          Trinkwasser- und Stromversorgung und die
  macht die sogenannten städtischen Armen                Erreichbarkeit von kritischer Infrastruktur
  besonders vulnerabel.                                  wie beispielsweise Krankenhäusern und Not-
                                                         unterkünften gefährdet. Im Extremfall kann
> Illegalität ist oft gleichzusetzen mit der Besied-     dies nicht nur Epidemien, sondern auch mas-
  lung hoch riskanter Standorte wie Flussniede-          sive Sicherheitsprobleme nach sich ziehen.
  rungen oder rutschungsgefährdete Hänge. Im
  Katastrophenfall ist eine effektive Kooperation      > Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von
  zwischen illegalen Siedlern und Zivilschutzbe-         Frühwarnmechanismen und übersektoralen
  hörden unwahrscheinlich. Auch nach der                 Katastrophenvorsorgemaßnahmen ist bei
  Katastrophe beim Wiederaufbau sind illegale            städtischen Regierungen und Behörden noch
  Slumbewohner benachteiligt, da sie auf jeg-            wenig ausgeprägt.
  liche Rechtsgrundlage verzichten müssen, die
  ihre Ansprüche rechtfertigen könnte.


18
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




> Industrieanlagen sind aus Mangel an Kennt-                   im Schulunterricht erfolgen. Katastrophenschutz-
  nissen unzureichend vor Gefahren gesichert,                  und Notfallpläne sowie die Bevorratung müssen
  was zu Umweltkatastrophen führen kann.                       geprüft und den heutigen und zukünftigen
                                                               Risiken angepasst werden. Die Bevölkerung und
> Ist eine Metropole von hoher wirtschaftlicher                alle relevanten Akteure wie Zivilschutz, Polizei,
  Bedeutung – beispielsweise ein wichtiger Ha-                 Krankenhäuser, Katastrophenschutzbehörden,
  fenstandort – kann eine Katastrophe überregio-               aber auch Stadtplanungsämter, Bau- und
  nale oder bei weltweiter wirtschaftlicher Ver-               Gewerbeaufsicht, Wasserver- und -entsorger
  netzung sogar globale Auswirkungen haben.                    und Bildungsbehörden sollten bei der Analyse
                                                               von Risiken und der Entwicklung abgestimmter
Vor allem Städte in Küstenregionen und an                      Maßnahmen beteiligt werden. Dies gewähr-
Flussdeltas sind durch die Grundwasserentnah-                  leistet, dass auf einen Katastrophenfall besser
me und durch das Gewicht der Gebäude verur-                    reagiert werden kann und beispielsweise durch
sachte Landabsenkung sowie die Abholzung                       die Berücksichtigung von Gefahrenzonen in der
von Wäldern an den Oberläufen von Flüssen mit                  Raumordnung langfristig die Anfälligkeit von
einem erhöhten Überschwemmungsrisiko kon-                      Städten reduziert wird. Auch die Einbindung
frontiert. Städtische und industrielle Ballungs-               des Privatsektors spielt eine wichtige Rolle: Ver-
räume in Entwicklungsländern lebenswerter                      sicherungen können ökonomische Schäden ab-
und sicherer zu gestalten, sind außerordentliche               federn und Industrieunternehmen ihre Anla-
Herausforderungen für den Staat und seine Ge-                  gen gegenüber Risiken schützen. Die deutsche
bietskörperschaften. In der deutschen Entwick-                 Entwicklungszusammenarbeit im städtischen
lungszusammenarbeit werden Ansatzpunkte                        Raum verfolgt den Ansatz, Gemeindemitglieder
für eine Unterstützung beim Aufbau von Katas-                  bereits bei der Risikoanalyse und schließlich
trophenvorsorgekapazitäten mit dem Ziel                        auch bei der Planung und Durchführung von
gesehen, die städtischen Dienstleistungen zu                   risikoreduzierenden Maßnahmen wie Früh-
verbessern, die Stadtplanung unter Berück-                     warnsystemen oder gemeindeorientierter
sichtigung dieser Aspekte zu gestalten und die                 Katastrophenvorsorgesysteme einzubeziehen
Gesetzgebung katastrophenpräventiv auszu-                      (siehe Kapitel 3.3). Katastrophenvorsorge in den
richten. Zunächst sollte die öffentliche Wahr-                 gefährdeten Agglomerationen ist eine unab-
nehmung für Katastrophenrisiken geschärft                      dingbare Voraussetzung für deren tragfähige
werden. Dies kann über die Medien aber auch                    Entwicklung und den Schutz ihrer Bewohner.
über die Auseinandersetzung mit Naturrisiken




      Mehr Informationen?

   > Cities Alliance - Cities without Slums: www.citiesalliance.org
   > Local Governments for Sustainability (ICLEI): www.iclei.org
   > Programm der VN für menschliche Siedlungen (United Nations Human Settlements Programme-UN-HABITAT):
      www.unhabitat.org




                                                                                                              19
                              K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




     2. Reduzierung von
        Katastrophenrisiken –
       Stand der internationalen und nationalen Debatte




20
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Angesichts verheerender Naturkatastrophen in        Arbeit vom Deutschen Komitee Katastrophen-
den 1970er und 1980er Jahren wurde von den          vorsorge (DKKV e.V.) weitergeführt. Das heutige
Vereinten Nationen (VN) die Internationale De-      DKKV ist Mittler zu internationalen, auf dem Ge-
kade zur Reduzierung von Naturkatastrophen          biet der Katastrophenvorsorge tätigen Organisa-
ausgerufen (International Decade for Natural        tionen und Initiativen und fördert national den
Disaster Reduction - IDNDR von 1990 bis 1999).      fachlichen Austausch zwischen Forschung, Politik,
Die internationale Staatengemeinschaft hat          Wirtschaft und Bildung. In einigen betroffenen
ihre Mitgliedsländer zu verstärkter Auseinander-    Ländern wurden ähnliche Plattformen zur Stär-
setzung mit und Implementierung von Maß-            kung der Katastrophenvorsorge eingerichtet.
nahmen zur Katastrophenvorsorge aufgefordert,
mit dem Ziel, die sozialen, ökologischen und öko-   1999 rief Kofi Annan, der ehemalige General-
nomischen Schäden und Folgen von extremen           sekretär der Vereinten Nationen, in seiner Ab-
Naturereignissen zu vermindern. Besondere Be-       schlussrede zur Dekade dazu auf, die Anstren-
rücksichtigung sollten aufgrund ihrer hohen Vul-    gungen weiterzuführen; weg von einer Kultur
nerabilität vor allem Entwicklungsländer finden.    der Reaktion hin zu einer Kultur der Prävention.
                                                    So werden nach der Dekade die Politiken durch
Während die IDNDR zu Beginn stark wissen-           die Internationale Strategie zur Reduzierung
schaftlich-technisch orientiert war und der         von Katastrophen (United Nations International
Schwerpunkt auf der weltweiten Umsetzung            Strategy for Disaster Reduction – ISDR) mit einem
vorhandener Technologien lag, rückte die            eigenen Sekretariat in Genf, weitergeführt.
Konferenz zur Reduzierung von Naturkatas-
trophen der Vereinten Nationen im Jahr 1994 in      Im Jahre 2002 wurde die Bedeutung der Kata-
Yokohama erstmals sozioökonomische Aspekte          strophenvorsorge für eine nachhaltige und
in den Vordergrund. Katastrophenvorsorge            sichere Entwicklung auf dem Weltgipfel für
wurde als Bestandteil einer nachhaltigen Ent-       nachhaltige Entwicklung (World Summit on
wicklung anerkannt und die ursprünglichen           Sustainable Development – WSSD) in Johannes-
IDNDR-Ziele um diesen Aspekt erweitert. Die         burg hervorgehoben. Damit erlangte die Katas-
Yokohama-Strategie „Für eine sichere Welt“          trophenthematik Zugang zu einer breiteren Öf-
(The Yokohama Strategy for a Safer World)           fentlichkeit, da viele Organisationen der Verein-
wurde als eine erste Richtschnur zur Minderung      ten Nationen Aufgaben erfüllen, die mehr oder
von Naturkatastrophen verabschiedet.                weniger Bezug zur Katastrophenvorsorge haben.

Zur Umsetzung der Yokohama Strategie                So liegt zum Beispiel die operative Hauptverant-
werden bereits seit 1996 im Europäischen Amt        wortung für Katastrophenvorsorge in den Ent-
für Humanitäre Hilfe (European Commission           wicklungsländern seitens der Vereinten Nationen
Humanitarian Office-ECHO) im Rahmen des             beim Entwicklungsprogramm (United Nations
Programms DIPECHO (Disaster Preparedness            Development Programme - UNDP). 2001 wurde
ECHO) Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge            das Büro für Krisenprävention und Wiederaufbau
in Entwicklungsländern unterstützt.                 (Bureau for Crisis Prevention and Recovery -
                                                    BCPR) eingerichtet, das sich explizit mit den An-
Als Folge der IDNDR und des Aufrufs der Verein-     fälligkeiten von Entwicklungsländern gegenüber
ten Nationen nationale Komitees zu gründen,         Katastrophenrisiken auseinandersetzt und die
wurde das „Deutsche IDNDR-Komitee zur Katas-        Prävention als eine Querschnittsaufgabe der
trophenvorbeugung“ in Bonn eingerichtet.            Entwicklungsprogramme und -politiken
Nach Ende der Dekade im Jahr 1999 wird die          betrachtet.


                                                                                                   21
                                                                      K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




                                                             1. es soll sichergestellt sein, dass Katastrophen-
     Katastrophenvorsorge ist eine                              vorsorge eine nationale und lokale Priorität
     Herausforderung für die internationale                     mit einer starken institutionellen Basis zur
     Gemeinschaft                                               Implementierung ist;
                                                             2. Katastrophenrisiken sollen bestimmt und
     „Wir sind überzeugt, dass Katastrophen unsere              beobachtet und Frühwarnsysteme gefördert
     Investitionen in Entwicklung in kurzer Zeit untergra-      werden;
     ben und deshalb ein Hindernis für nachhaltige Ent-      3. Wissen, Innovation und Bildung sollen
     wicklung und Armutsbekämpfung bleiben. Wir sind            genutzt werden, um eine Kultur der
     uns bewusst, dass Investitionen in Entwicklung, die        Sicherheit und Resilienz auf allen Ebenen
     die Katastrophenrisiken nicht angemessen berück-           aufzubauen;
     sichtigen, die Vulnerabilität erhöhen können. Deshalb   4. grundlegende Risikofaktoren sollen
     ist die Berücksichtigung und die Reduzierung von           reduziert werden; und
     Katastrophenrisiken, um die nachhaltige Entwick-        5. die Vorbereitung auf Katastrophen zur
     lung einer Nation zu ermöglichen und zu stärken,           effektiven Reaktion auf allen Ebenen soll
     eine der entscheidensten Herausforderungen für             gestärkt werden.
     die internationale Gemeinschaft.“
                                                             Aus der Weltkonferenz heraus leiten sich ver-
     Hyogo-Deklaration, angenommen in Kobe, Hyogo,           schiedene Initiativen zur Umsetzung des HFA ab:
     Japan, am 20. Januar 2005

                                                             > Aufbauend auf den zwei vorangegangenen
                                                               Frühwarnkonferenzen wurde 2006 die Dritte
                                                               Frühwarnkonferenz (Third International Con-
                                                               ference on Early Warning - EWC III) in Bonn
                                                               ausgerichtet. Unter dem Motto „From Concept
Unmittelbar geprägt von dem verheerenden                       to Action“ hatte die Konferenz die Förderung
Tsunami im Indischen Ozean fand im Januar                      von Frühwarnung als interdisziplinären und
2005 die zweite Weltkonferenz zur Reduzie-                     sektorübergreifenden Ansatz in Wissenschaft
rung von Naturkatastrophen (World Conferen-                    und Praxis zum Ziel. Im Ergebnis wurden die
ce on Disaster Reduction – WCDR) der Vereinten                 Rahmenbedingungen für die weltweite Im-
Nationen im japanischen Kobe statt. Sie war ein                plementierung von Frühwarnsystemen fest-
Meilenstein zu einer verbesserten Katastro-                    gelegt und konkrete Projektvorschläge zur
phenvorsorge: bisher erzielte Erfolge wurden –                 Förderung vorgestellt. Zwei der vorgestellten
auch von deutscher Seite – mit großem Erfolg                   Vorhaben (in Tadschikistan und im Süd-Kau-
vorgestellt, gemachte Fortschritte analysiert                  kasus) werden inzwischen von der deutschen
und darauf aufbauend mit breiter Zustimmung                    Entwicklungszusammenarbeit unterstützt.
ein gemeinsamer Rahmenaktionsplan verab-
schiedet (Hyogo Framework for Action – HFA),                 > Die Feststellung, dass internationale Hilfe
an dessen Umsetzung sich auch die Bundesre-                    nicht schnell genug in den betroffenen Ge-
gierung beteiligt. Der HFA bildet seither den                  bieten ankommt, führte 2005 zur Gründung
international bedeutendsten Handlungsrah-                      des Zentralen Nothilfefonds (Central Emer-
men der Katastrophenvorsorge. In ihm werden                    gency Response Fund - CERF) durch Beschluss
folgende zentrale Handlungsprioritäten für die                 der Generalversammlung der Vereinten Na-
nächsten zehn Jahre festgelegt:                                tionen. Die darin eingestellten Mittel ermög-



22
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




  lichen es, im Falle von Naturkatastrophen
  und bewaffneten Konflikten der betroffenen
  Bevölkerung schnelle Hilfe zukommen zu
  lassen. Auch Deutschland beteiligt sich an
  dem Fonds.

> Um international das Bewusstsein für die Re-
  duzierung des Katastrophenrisikos zu schär-
  fen, entstand 2006 die Globale Plattform für
  Katastrophenvorsorge (Global Platform for
  Disaster Risk Reduction - GPDRR). Die Plattform
  versteht sich als globales Forum für alle in der
  Katastrophenvorsorge engagierten Akteure
  und wird maßgeblich von der ISDR getragen.

> Mitte 2006 rief die Weltbank die so genannte
  Global Facility for Disaster Reduction and Re-
  covery (GFDRR) ins Leben, um mit Hilfe dieses
  Finanzierungsinstruments nationale Vorsor-
  gekapazitäten in den von Naturkatastrophen
  betroffenen Ländern zu entwickeln. Neben
  der spezifischen Förderung von Vorsorge-              Die Zweite Weltkonferenz zur Reduzierung von
  maßnahmen soll analog zum CERF auch hier              Naturkatastrophen in Kobe, Hyogo, Japan
  die Geschwindigkeit und Effizienz der inter-          (WCDR) bildete einen Meilenstein hin zu einer
  nationalen Hilfe zur Katastrophenbewälti-             besseren Koordination der internationalen An-
  gung verbessert werden. Die Weltbank                  strengungen.
  sichert die Grundfinanzierung, während
  Geberländer der GFDRR zusätzliche Beiträge
  beisteuern. Regionale Entwicklungsbanken
  in Lateinamerika und Asien präferieren ähn-
  liche Instrumente und Finanzierungsmecha-            sche Zentrum für Vorbereitung auf den Kata-
  nismen. Die GFDRR strebt dezidiert eine enge         strophenfall (Asian Disaster Preparedness
  Abstimmung unter den Gebern an und                   Centre - ADPC) und das Zentralamerikanische
  fördert gemeinsame Maßnahmen. So fanden              Koordinationszentrum für Katastrophen-
  zum Beispiel in Bangladesch und Madagaskar           reduzierung (Centro de Coordinación para la
  Multi-Geber Schadens- und Bedarfserhebun-            Prevención de los Desastres Naturales en Amé-
  gen nach Katastrophen statt.                         rica Central - CEPREDENAC).

> Daneben gibt es auch verschiedene regionale        Die genannten internationalen Initiativen zur
  Organisationen für Katastrophenvorsorge,           Katastrophenvorsorge unterstreichen die bereits
  die sich auf den zwischenstaatlichen Aus-          stattfindende Schwerpunktverschiebung von
  tausch, Studien und die Durchführung von           der Reaktion hin zur Prävention und zeigen,
  Katastrophenvorsorgemaßnahmen konzen-              dass der Umsetzung des HFA zunehmend
  trieren. Dazu zählen beispielsweise das Asiati-    Bedeutung beigemessen wird.



                                                                                                        23
                                                                            K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




     Die Hohenkammer-Charta – Herausforderungen im Bereich Katastrophenvorsorge



     Im November 2005 trafen sich 100 führende Vertreter internationaler Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen,
     Finanzexperten und Praktiker aus 30 Ländern in Hohenkammer bei München. Ihr Ziel: Die Partnerschaft von Politik,
     Wirtschaft, Wissenschaft und Betroffenen zu stärken und gemeinsam die zentralen Fragen der Risikoprävention zu
     lösen. Unter dem Motto „Weltweite Katastrophenvorsorge – Risikobewusstsein ist der Schlüssel“ beschäftigten sich
     die Experten mit den dringlichsten Aufgaben bei der Optimierung der Katastrophenvorsorge. Am Ende der Tagung
     verabschiedeten die Fachleute die so genannte Hohenkammer-Charta. Aus deren Sichtweise werden die zehn größ-
     ten Herausforderungen im Bereich der Katastrophenvorsorge wie folgt formuliert:




     Armut                                                        Verbreitung
     Menschen, die in Armut leben, sind besonders verletzlich.    Viel versprechende Ansätze des risikogerechten Vor-
     Armutsbekämpfung ist deshalb ein Schlüsselelement.           beugens auf Gemeindeebene, die heute bereits exis-
                                                                  tieren, müssen rund um den Globus übernommen und
     Menschen                                                     verbreitet werden.
     Bemühungen in der Katastrophenvorsorge müssen
     bei den Menschen in den Risikogebieten ansetzen.             Anreize
                                                                  Politische, rechtliche und wirtschaftliche Anreize sind
     Entscheidungsträger                                          notwendig, um Investitionen in Katastrophenpräven-
     Engagement der Entscheidungsträger auf Gemein-               tion zu fördern und die Prozesse zu beschleunigen.
     de- bis Regierungsebene ist die Grundvoraussetzung
     dafür, funktionierende Vorsorgemaßnahmen rasch               Versicherung
     umzusetzen.                                                  Risikotransfer wie Versicherungen und Solidarge-
                                                                  meinschaften hilft, die Verletzlichkeit von Regierun-
     Dialog                                                       gen und Menschen in Risikosituationen zu reduzieren.
     Der Meinungsaustausch zwischen den Beteiligten
     muss vorangetrieben werden, um ein gleiches Ver-             Bewusstseinsbildung
     ständnis für Probleme und Lösungen zu entwickeln.            Risikobewusstsein ist der Schlüssel für adäquate Maß-
                                                                  nahmen, bevor sich Katastrophen ereignen.
     Partnerschaften
     Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und die Betroffenen
     müssen mehr und besser zusammenarbeiten: Bünd-
     nisse – Public-Private Partnerships – müssen mit Leben
     gefüllt werden.


     Entwicklungspolitik
     Risikoprävention muss als zentraler Maßnahmenbes-
     tandteil in der Entwicklungszusammenarbeit und
     nationalen Programmen ausgewiesen und in diese
     implementiert werden.




24
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Parallel und komplementär zum oben skizzier-       Wichtigkeit der Katastrophenvorsorge im Kon-
ten ISDR-System fordern und fördern auch an-       text der Anpassung an den Klimawandel thema-
dere internationale Konventionen und Initiati-     tisiert.
ven die stärkere Berücksichtigung der Katastro-
phenvorsorge. So hält bereits die im Jahr 2000     Die Bewältigung des Klimawandels ist aus der
auf dem Millenniumsgipfel der VN in New York       Sicht der Bundesregierung eine globale Heraus-
verabschiedete Millenniumserklärung fest, dass     forderung. Unter deutscher G8- und EU-Verant-
im Zuge des Schutzes unserer gemeinsamen           wortung haben die Teilnehmer des G8-Gipfels
Umwelt die Anzahl und Auswirkung von natür-        in Heiligendamm zugesagt, die Zusammenar-
lichen und mensch-gemachten Katastrophen           beit mit den Entwicklungsländern bei der An-
reduziert werden soll (Paragraph 23 der Millen-    passung an den Klimawandel zu intensivieren.
niumserklärung). Einige Inhalte im Fahrplan
der Millenniumserklärung (Road map towards         Über die Agenda der internationalen Staaten-
the implementation of the United Nations Mil-      gemeinschaft hinaus, gibt es verschiedene un-
lennium Declaration) knüpfen an das ISDR-Sys-      abhängige Initiativen und Nichtregierungsor-
tem an. Sie beziehen sich auf folgendes:           ganisationen, die sich mit der Stärkung der
                                                   Katastrophenvorsorge beschäftigen. Dazu
> Die Entwicklung von Frühwarnsystemen;            zählt beispielsweise die 2005 von führenden
                                                   Experten bei einer Tagung der Münchener
> die Untersuchung der Ursachen von Katastro-      Rück-Stiftung verfasste Hohenkammer-Charta
  phen in interdisziplinärer und intersektoraler   (siehe Box). Diese fasst die dringlichsten Auf-
  Partnerschaft und die Reduzierung der Aus-       gaben im Katastrophenvorsorgebereich zu-
  wirkungen der Klimavariablen wie El Niño         sammen und fordert ein stärkeres Engagement
  und La Niña durch internationale                 der Privatwirtschaft.
  Kooperation;
                                                   International wird die Einbeziehung des priva-
> Regierungen sollen den durch Megacities          ten Finanzsektors in die Katastrophenvorsorge
  und die Besiedlung von Risikogebieten ver-       unter dem Schlagwort des ‚Risikotransfers’
  ursachten Problemen begegnen;                    geführt. An die Wirtschaftskraft von Entwick-
                                                   lungsländern und ihrer Bevölkerung angepas-
> Regierungen werden ermutigt,                     ste Versicherungsmodelle sollen im Falle von
  Katastrophenvorsorge in nationalen               Katastrophen eine rasche Unterstützung und
  Planungsprozessen, einschließlich                finanzielle Abfederung der Folgen gewährleis-
  Baunormen, zu berücksichtigen.                   ten. Risikofonds, gemeinschaftlich eingerichtet
                                                   von Ländern mit häufigen Naturkatastrophen
Neben der Armutsbekämpfung und den Millen-         wie in der Karibik, gewährleisten eine schnelle
niumsentwicklungszielen wird der Katastro-         Mobilisierung von Mitteln, die ein einzelnes
phenvorsorge international zunehmend durch         Land im Notfall nicht aufbringen könnte.
die Klimarahmenkonvention Bedeutung bei-
gemessen (siehe Kap. 1.1). Spätestens seit der     Im Rahmen der deutschen Entwicklungszusam-
13. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmen-      menarbeit wird die Privatwirtschaft zunehmend
konvention (UNFCCC - Conference of the Parties     erfolgreich in die Katastrophenvorsorge einbe-
13 - COP 13) auf Bali im Dezember 2007, bei der    zogen. In den so genannten öffentlich-privaten
die Diskussion über eine Nachfolge des Kyoto-      Partnerschaften (Public Private Partnerships -
Protokolls im Vordergrund stand, wird die          PPP) arbeiten der Staat und Privatunternehmen


                                                                                                25
                                                                         K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




     Aktionsrahmen der Bundesregierung zur                     unterstützt, ihre Plantagen an Klimaverände-
     Katastrophenvorsorge                                      rungen anzupassen und katastrophenpräventi-
                                                               ver zu gestalten. Aufbauend auf Risikoanalysen
     > Anwendungsorientierte Umsetzung von                     werden Maßnahmen zum Schutz und zur Anpass-
       Forschungsergebnissen auf dem Gebiet der                ung der Kaffeeproduktion an veränderte Pflanz-
       Katastrophenvorsorge spezialisierter wissen-            und Erntezeiten identifiziert. In Indonesien
       schaftlicher Einrichtungen                              werden Mikrofinanzanbieter durch eine PPP mit
     > Stärkung der nationalen und internationalen             der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft
       Komitees für Katastrophenvorsorge                       AG und der Bank Indonesia in der Entwicklung
     > Aufbau von fachübergreifenden Netzwerken                von nachhaltigen und kundenorientierten Ver-
       der Katastrophenvorsorge                                sicherungsdienstleistungen im Katastrophen-
     > Unterstützung von Erziehungs- und                       bereich unterstützt, die sich insbesondere an
       Ausbildungsmaßnahmen in Schulen, Univer-                Niedrigeinkommensgruppen richten. Sie sollen
       sitäten und in der Erwachsenenbildung                   armen Bevölkerungsgruppen ermöglichen, sich
     > Einrichtung von internationalen                         gegen existentielle Bedrohungen wie Über-
       Koordinierungsstellen für Frühwarnung für               schwemmungen, Stürme und Erdbeben
       Hochwasser, Feuer etc.                                  abzusichern.
     > Teilhabe an der Gestaltung und Formulierung
       der VN-Politik im Bereich der Katastrophen-             Durch Unterstützung einiger der dargestellten
       vorsorge                                                Initiativen sowohl durch das Bundesministerium
                                                               für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent-
                                                               wicklung (BMZ) als auch durch das Auswärtige
                                                               Amt (AA) zeigt die Bundesregierung, welche
                                                               Bedeutung sie der Katastrophenvorsorge bei-
zu beiderseitigem Nutzen zusammen. So kann                     misst. Im Jahr 2003 wurde zur Umsetzung der
zusätzliches Geld und Fachwissen für die                       Millenniumserklärung und dem Aktionsplan
Entwicklungszusammenarbeit gewonnen wer-                       von Johannesburg der nebenstehende Aktions-
den. Die Privatunternehmen profitieren in be-                  rahmen der Bundesregierung zur Katastrophen-
sonderer Weise – durch die zusätzlichen öffent-                vorsorge entwickelt.
lichen Mittel, durch das sektor- und landesspezi-
fische Know-how der entwicklungspolitischen                    Wie die deutsche Entwicklungszusammen-
Durchführungsorganisationen und durch die                      arbeit mit ihrem Konzept zur Nachhaltigkeit
Erschließung neuer Märkte für eigene Produkte                  und durch konkrete Projekte im Rahmen der
und Dienstleistungen.                                          Katastrophenvorsorge zur Umsetzung des HFA
                                                               beiträgt, verdeutlicht das folgende Kapitel.
Im Rahmen einer PPP wird beispielsweise eine
Kaffeekooperative in Lateinamerika dabei



         Mehr Informationen?

      > Hyogo Framework for Action (HFA): http://www.unisdr.org/eng/hfa/hfa.htm
      > Internationale Strategie zur Katastrophenvorsorge (International Strategy for Disaster Reduction – ISDR):
         www.unisdr.org




26
  K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




3. Katastrophenvorsorge in der
   Entwicklungszusammenarbeit –
 Eine Schlüsselaufgabe für nachhaltige Entwicklung




                                                     27
                                                         K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Wie in Deutschland, so liegt auch in unseren     unserer Partnerländer. Gleichzeitig ist im Zuge
Partnerländern die politische Verantwortung      der IDNDR und des Hyogo Rahmenaktionsplans,
zum Schutz der Bevölkerung vor Katastrophen      aber auch durch eigene Erfahrungen, in
und für die Gewährleistung der Sicherheit bei    unseren Partnerländern sowie innerhalb der
den nationalen Regierungen. Auf der nationa-     deutschen Entwicklungszusammenarbeit das
len Ebene werden der gesetzliche Rahmen ge-      Bewusstsein gewachsen, dass Katastrophenrisi-
schaffen und die Zuständigkeiten zwischen den    ken in den als besonders anfällig geltenden
einzelnen Sektorministerien festgelegt. Natio-   Ländern bei allen Vorhaben grundsätzlich
nale Regierungen sind Ansprechpartner, wenn      mitgedacht werden müssen. Um Entwicklungs-
es um internationale Unterstützung oder um       investitionen gegenüber Katastrophenereig-
Kooperationen mit anderen Ländern geht.          nissen abzusichern, strebt die deutsche
                                                 Entwicklungszusammenarbeit an, Katastrophen-
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit          vorsorge als sektorübergreifende Aufgabe
hat bereits in der Internationalen Dekade zur    nachhaltig zu verankern (mainstreaming of
Reduzierung von Naturkatastrophen (IDNDR)        disaster risk reduction). Dabei sind neben
(siehe Kapitel 2) begonnen, Partnerländer bei    konkreten Vorhaben mit unseren Partnerländern
der Etablierung von Katastrophenvorsorge-        auch die Instrumente und Strukturen der
strukturen zu unterstützen. Katastrophenvor-     deutschen Entwicklungszusammenarbeit
sorgeprojekte entstehen überwiegend in           selbst angesprochen. Es gilt, auch Verfahren und
direkter Folge von Nothilfemaßnahmen nach        Leitlinien so anzupassen, dass in der Folge
Katastrophen, da das Bewusstsein für die         Projekte katastrophenpräventiver ausgerichtet
Notwendigkeit von Vorsorge nach Katastro-        sind. Insgesamt will die deutsche Entwicklungs-
phen am größten ist – so auch die Nachfrage      zusammenarbeit damit sicherstellen, dass




                                                                                Mittels einer Erdbeben-
                                                                                simulation wird die
                                                                                Bevölkerung über
                                                                                erdbebenresistentes
                                                                                Bauen informiert.




28
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




> Projekte das Katastrophenrisiko nicht weiter                     Katastrophenvorsorge kann damit, wahrge-
  verstärken, sondern die bestehenden Risiken                      nommen als Aufgabe unterschiedlicher Sektoren
  reduzieren,                                                      auf lokaler, nationaler und länderübergreifen-
                                                                   der Ebene, eine nachhaltige Wirkung entfalten.
> die Vorhaben dazu beitragen, die Auswirkun-
  gen für die Menschen zu begrenzen,                               So finden Katastrophenvorsorge oder einzelne
                                                                   Komponenten daraus zunehmend Eingang in
> die Projekte selbst gegenüber Naturereignis-                     Programme der Dezentralisierung und Kom-
  sen abgesichert sind,                                            munalentwicklung, Umwelt, Wasser, ländliche
                                                                   Entwicklung, Stadtentwicklung und Bildung
> das bestehende Risiko von Naturkatastrophen,                     (siehe Abbildung 5). Wenn beispielsweise in der
  wo immer möglich, pro-aktiv reduziert wird.                      Landnutzungs- und Stadtplanung Risiken
                                                                   durch Naturgefahren von vornherein berück-
In dieser Ausrichtung liegt eine wesentliche                       sichtigt werden, werden bestimmte Nutzungen
Schnittstelle zu dem in der Entwicklungszusam-                     auf Risikostandorten von vornherein ausge-
menarbeit verfolgten Ziel der Armutsminderung                      schlossen und entsprechend verringert sich die
und der Beseitigung von Kapazitätsengpässen.                       Vulnerabilität der ansässigen Bevölkerung. Im




     Katastrophenvorsorge als Standardaufgabe in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit


     Innerhalb der deutschen Entwicklungszusammenarbeit            Ort vorgenommen, die Betroffenen werden an der
     wird Katastrophenvorsorge in Ländern mit Katastro-            Durchführung beteiligt. So wird lokales Wissen effektiv
     phenrisiko als Standardaufgabe betrachtet, die in unter-      mit technischem Know-how verknüpft und effizient
     schiedliche Sektoren und Vorhaben integriert wird. Die        zur Minderung der Vulnerabilität bzw. Stärkung der
     Planung wird dabei zusammen mit den Partnern vor              Widerstandsfähigkeit eingesetzt.


                                      Gesundheit                       Dezentralisierung



           Umwelt- und Ressourcen-                                                          Städtisch industrielles
              management                                                                    Umweltmanagement
                                                   Verankerung von
                                                 Katastrophenvorsorge
                                                        Risikoanalyse                              Anpassung an den
       Ländliche Entwicklung
                                                        Vorbeugung                                   Klimawandel

                                                        Vorbereitung

        Landnutzungsplanung                                                                   Stadtplanung
                                                 Rehabilitierung und Wiederaufbau




                         Bildung                                                        Rechtssystem

                                                   Wassermanagement
                                                                                                               Abbildung 5



                                                                                                                             29
                                                              K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Bildungsbereich kann in Schulen breitenwirksam        bauen. Die deutsche Entwicklungszusammen-
das Bewusstsein zu Katastrophenrisiken geschärft      arbeit unterstützt diese dabei auf vielfältige Art
und Evakuierungs- und Notfallübungen durch-           und Weise.
geführt werden (siehe Kapitel 3.4).
                                                      So werden nach Katastrophen im Anschluss an
Häufig ist der Umgang mit Katastrophen the-           die humanitäre Hilfe der Bundesregierung im
matisch auf den Katastrophenschutz und orga-          Rahmen der finanziellen und technischen Zu-
nisatorisch auf staatliche Institutionen des Zivil-   sammenarbeit mittel- und langfristige Wieder-
schutzes reduziert. Zwar sind letztere für die        aufbauprogramme durch das BMZ finanziert.
Reaktion auf und das Management von Kata-             Katastrophenvorsorge ist darin elementarer Be-
strophen unerlässlich, denn eine ihrer zentra-        standteil. Die entwicklungsorientierte Not- und
len Aufgaben liegt darin, die Bevölkerung auf         Übergangshilfe (ENÜH) soll zum fließenden
Katastrophenfälle durch Notfallübungen und            Übergang zwischen Soforthilfe und längerfristi-
Evakuierungspläne vorzubereiten. Jedoch sind          gen Maßnahmen beitragen, das Überleben und
die mit Katastrophenschutz befassten Behörden         eine soziale sowie infrastrukturelle Mindestver-
in der Regel mit der langfristigen Reduzierung        sorgung sichern und ist Ausgangspunkt für ei-
von Katastrophenrisiken überfordert. Sie haben        nen anschließenden Prozess der nachhaltigen
keine Weisungsbefugnis, wenn es um eine an-           Entwicklung.
gemessene Berücksichtigung von Katastrophen-
risiken in der Raumordnung, Stadtplanung,             Insgesamt betrachtet, nimmt seit der IDNDR die
Bildung oder Budgetplanung auf den unter-             Zahl der Vorhaben der deutschen Entwicklungs-
schiedlichen Ebenen geht. Dabei wären hier die        zusammenarbeit zu, die Katastrophenvorsorge
zentralen Schaltstellen, um Katastrophen effek-       entweder als eigene Zielsetzung aufweisen oder
tiv vorzubeugen. Deshalb befürwortet die deut-        sie innerhalb eines anderen Sektors in ihre Arbeit
sche Entwicklungszusammenarbeit die Veran-            einbeziehen. Dabei wird bereits im Lande
kerung der Katastrophenvorsorge in unterschied-       vorhandenes Know-how gezielt genutzt und mit
lichen Sektorministerien und entsprechend in          externem Wissen sinnvoll ergänzt. Wie die
unterschiedlichen entwicklungspolitischen             nachfolgenden Beispiele belegen, richten sich
Vorhaben.                                             die Projekte der deutschen Entwicklungszusam-
                                                      menarbeit differenziert an der Situation und
Für umfassende und funktionsfähige Struk-             den Bedürfnissen unserer Partner vor Ort aus
turen in der Katastrophenvorsorge sollten Zu-         und sind oft multilateral eingebunden.
ständigkeiten für konkrete Aufgaben nach dem
Subsidiaritätsprinzip so dezentral wie möglich        Immer aber gilt: Nur wer aus der Vergangen-
verteilt sein. Schließlich ereignen sich Katastro-    heit lernt, kann in Zukunft besser werden. Um
phen lokal und oft sind im Katastrophenfall           die Fortschritte und Erfolge der unterstützten
Zufahrtswege abgeschnitten. Entsprechend              Projekte zu erfassen, werden sie regelmäßig
müssen vor Ort zur Vorbeugung, Vorbereitung           und unabhängig auf ihre Wirkung und ihre
und Reaktion die nötigen Kapazitäten zur              Wirtschaftlichkeit überprüft.
Verfügung stehen.

Viele Länder, die besonders vulnerabel gegen-
über Katastrophen sind, bemühen sich bereits
selbst, Katastrophenvorsorgestrukturen aufzu-



30
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




3.1 Risikoanalyse – Vorausschauende Planung von             Perus im gesamten Jahr 2.272 Millimeter Nieder-
    Investitionen im öffentlichen Sektor in Peru            schlag anstelle von 60 Millimetern Niederschlag
                                                            in Normaljahren. Dieser heftige Regenfall
Seit 2006 wird in Peru landesweit bei öffentlichen          führte zu Überschwemmungen, Ernteverlusten,
Investitionsentscheidungen mit Hilfe von Risiko-            zerstörten Bewässerungskanälen und Häusern.
analysen geprüft, ob sie Katastrophenrisiken be-            100.000 Menschen verloren 1998 ihr Obdach.
einflussen. Das ist eine völlig neue Herangehens-
weise an die Investitionsplanung im Lande.                  Hangrutschungen und Überschwemmungen
                                                            zerstörten Straßenverbindungen, so dass die Be-
Peru ist häufig von Erdbeben, Dürren, Hangrut-              völkerung über mehrere Monate nicht über den
schungen und Kälteeinbrüchen betroffen. Zu-                 Landweg versorgt werden konnte. Der Gesamt-
sätzlich treten alle fünf bis zehn Jahre in Folge           schaden wurde auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt.
des Klimaphänomens „El Niño Southern Oscilla-
tion“ (ENSO) verheerende Niederschläge in den               Aber nicht nur die Niederschläge, sondern auch
ansonsten trockenen Küstenregionen Nordpe-                  eine unsachgemäße sowie nicht nachhaltige
rus auf. Dieses Naturereignis wird durch globale            Planung und Umsetzung von öffentlichen
Klimaänderungen noch verschärft. So fielen                  Investitionsprojekten sind mitverantwortlich
beispielsweise im El Niño-Jahr 1998 im Norden               für die enormen Schäden.




Risikoanalyse für öffentliche Investitionsprojekte in Peru


                                                                          Räumliche
               Analyse des Projektgebietes
                                                                         Risikoanalyse
                                                                                                       Int
                                                                                                          eg




  Entwicklung und Analyse von Bedrohungsszenarien
                                                                                                           ra




  für das Projektgebiet                                                                Raumord-
                                                                                                             tio
                                                                                                                ni




  - Art der Bedrohungen                                                                nungsplan
                                                                                                                  nP




  - Dauer, Intensität, Frequenz und mögliche Schäden
                                                                                                                   lan




  - Szenarien zur zukünftigen Auftrittswahrscheinlichkeit
                                                                                                                       un
                                                                                                                         gs




                                                                   Projekt-                      Sektor-
                                                                                                                         pr
                                                                                                                           oz




  Analyse der Anfälligkeitsfaktoren des Projekts                  umsetzung                      planung
                                                                                                                              es
                                                                                                                              se




  - Standort der einzelnen Projektelemente und deren
                                                            Int




    Anfälligkeit
                                                             eg




  - Fragilität                                                                   Projekt-                  Entwick-
                                                              ra
                                                                 tio




  - Grad der Resilienz                                                         evaluierung                lungsplan
                                                                     n
                                                                    in
                                                                       I nv




  Risikoanalyse für die verschiedenen Alternativen
                                                                          es
                                                                           tit




  - Abschätzung der Anfälligkeiten und der möglichen                                          Projekt-                 Haushalts-
                                                                              ion




    Schäden                                                                                formulierung                 planung
                                                                                 sp
                                                                                 ro
                                                                                    z es




  Analyse der Katastrophenvorsorgemaßnahmen für
                                                                                      se




  unterschiedliche Alternativen
  - Kosten-Nutzen-Analyse für die verschiedenen                                                Entwicklung und Priorisierung
    Katastrophenvorsorgemaßnahmen                                                                     von Projekten
  - Einbeziehung der Kosten-Nutzen-Analyse in die
    Beurteilung der verschiedenen Projektalternativen
                                                                                                                            Abbildung 6



                                                                                                                                    31
                                                              K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Gestützt auf diese Erkenntnis unterstützt die        Prioritätssektoren identifiziert, Abstimmungs-
deutsche Entwicklungszusammenarbeit über             mechanismen zwischen den verschiedenen
die Gesellschaft für Technische Zusammen-            Verwaltungsebenen etabliert und Verantwort-
arbeit (GTZ) das peruanische Finanz- und             liche in der Anwendung fortgebildet. Damit
Wirtschaftsministerium dabei, Investitionen          sollen auch eine kontinuierliche Systematisie-
standardmäßig auf ihren Einfluss auf                 rung und Überprüfung der einzelnen Integra-
Katastrophenrisiken hin zu überprüfen. Zu die-       tionsschritte erleichtert werden.
sem Zweck wurde eine Katastrophenrisikoana-
lyse in das nationale Planungssystem für öffent-     Als Ergebnis dieser Arbeit liegen nun regionale
liche Investitionen integriert – dem so genann-      Risikozonierungen für die wichtigsten Bedro-
ten SNIP (Sistema Nacional de Inversión Públi-       hungen vor. Zudem wurden die wichtigsten
ca). Das SNIP soll dazu beitragen, die Planung       Maßnahmen identifiziert, die in Form von
der öffentlichen Investitionen rationaler zu ge-     Projektvorschlägen in den Haushalt auf unter-
stalten, den Mitteleinsatz von öffentlichen          schiedlichen Ebenen eingebracht wurden. In
Finanzen zu verbessern sowie Kosten und Nut-         den Pilotgemeinden Castilla und Condesuyos
zen gegenüberzustellen. Dies geschieht auf al-       orientieren sich mittlerweile im Durchschnitt
len Ebenen – lokal, regional, national – und in      über 50 Prozent des Budgets an Kriterien der
verschiedenen Sektoren. Durch die risikobezo-        Katastrophenvorsorge. Vorher wurden diese
gene Evaluierung von Projektvorschlägen wer-         nur sporadisch berücksichtigt.
den Investitionen hinsichtlich ihrer Bedeutung,
Angemessenheit und Wichtigkeit zur Reduzie-          Die Erkenntnisse aus Peru belegen, dass gerade
rung von Katastrophenanfälligkeit beurteilt          das Zusammenspiel der verschiedenen poli-
und ausgewählt.                                      tisch-administrativen Ebenen, das für eine effi-
                                                     ziente Katastrophenvorsorge notwendig ist,
Das zentrale Instrument dafür ist die Risikoana-     enorm verbessert werden muss. Auch ist die
lyse. Sie zielt darauf ab, potenzielle Schäden und   Akzeptanz gesetzlicher Vorgaben höher, wenn
Verluste an einer Investition schon vor der Initi-   diese partizipativ erarbeitet wurden und auf
ierung zu erkennen und zu evaluieren. Zur            konkreten, praktischen Erfahrungen basieren.
angemessenen Integration der Risikoanalyse in        Die Integration der Risikoanalyse in Investi-
das SNIP wurden in Peru nationale und regiona-       tionsprojekte fördert daher deren Nachhaltig-
le technische Arbeitsgruppen gebildet,               keit und senkt Kosten.




                                                     Auf der Grundlage von Risikokarten können Zonen
                                                     identifiziert werden, die für Infrastrukturmaßnah-
                                                     men ungeeignet sind oder bestimmter Schutzvor-
                                                     richtungen bedürfen.




32
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




3.2 Katastrophenvorbeugung –                      katastrophe waren die Organisationsstrukturen
    Präventive Maßnahmen in Mosambik              vor Ort kaum vorbereitet. Es existierte kein Be-
                                                  wusstsein für die tatsächliche Gefahr, noch war
Mosambik zählt zu den ärmsten Ländern der         man sich der notwendigen Konsequenzen be-
Welt und gleichzeitig zu den am häufigsten        wusst.
und stärksten von Überschwemmungen, Zyklo-
nen und Dürren betroffenen Staaten Afrikas.       Seitdem hat in Mosambik ein Umdenken statt-
Insbesondere die Menschen im Einzugsgebiet        gefunden. Das Land hat große Fortschritte beim
des Búzi-Flusses werden regelmäßig von Hoch-      Aufbau eines Katastrophenvorsorge-Systems
wasser- und Sturmereignissen heimgesucht. Im      gemacht, das die nationale, regionale und loka-
Jahr 2000 hat die Flutkatastrophe 700 Men-        le Ebene umfasst. Die deutsche Entwicklungszu-
schen das Leben gekostet. Die Häuser und Ernten   sammenarbeit hat diesen Prozess unterstützt.
der Bauernfamilien wurden zerstört. Insgesamt     Nach der Flutkatastrophe im Jahr 2000 beteilig-
waren 4,5 Millionen Menschen von der Flutka-      te sie sich an der humanitären Hilfe und dem
tastrophe betroffen. Dies hat bei der mosambi-    Wiederaufbau. Um die Bevölkerung und die
kanischen Regierung, den Verantwortlichen         verantwortlichen Behörden auf Zyklone und
und der Bevölkerung den Wunsch nach vorsor-       Überschwemmungen vorzubereiten und Kata-
genden Maßnahmen geweckt. Zur Zeit der Flut-      strophenrisiken langfristig zu reduzieren, inte-
                                                  grierte sie Katastrophenvorsorge im Jahr 2003
                                                  in ein neues ländliches Entwicklungspro-
                                                  gramm. Auch in den Bereichen Dezentrali-
                                                  sierung und Bildung wurden Katastrophenvor-
                                                  sorgeaspekte eingeführt. Mittlerweile werden
                                                  die Erfahrungen auf andere Distrikte ausgewei-
                                                  tet und im Nationalen Institut für Katastrophen-
                                                  management (Instituto Nacional de Gestão de
                                                  Calamidades – INGC) institutionalisiert.




                                                  Mit Hilfe einfacher Mittel wird in Mosambik die
                                                  Bevölkerung im Einzugsgebiet des Buzi-Flusses vor
                                                  Überschwemmungen gewarnt.




                                                                                                      33
                                                          K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




                                                                     Gemeinsam mit der Dorfbevöl-
                                                                     kerung wird eine Risikoanalyse
                                                                     durchgeführt. Frauen und
                                                                     Männer sind gleichermaßen
                                                                     beteiligt.




Folgende Fortschritte konnten die von Fluten      > Katastrophenvorsorge und Klimawandel
betroffenen mosambikanischen Dörfer, Distrikte      wurden in den betroffenen Distrikten in die
und nationale Behörden mit deutscher Unter-         Lehrpläne der Grund- und Sekundarschulen
stützung in der Katastrophenvorsorge verzeich-      integriert und Lehrkräfte wurden entsprech-
nen:                                                end fortgebildet. Die Schulen arbeiten eng
                                                    mit den Dorfgemeinschaften zusammen. Es
> Die Katastrophenvorsorge ist ein zentraler        ist geplant, die positiven Erfahrungen mit
  Bestandteil des mosambikanischen Aktions-         den lokalen Curricula und Unterrichtsmateri-
  plans zur Armutsminderung (PRSP).                 alien auf die nationale Ebene auszudehnen
                                                    und später auf den regionalen Kontext im
> Die nationale Behörde für Katastrophenvor-        südlichen Afrika zu übertragen.
  sorge (INGC) ist in der Lage, Hilfsmaßnahmen
  im Notfall kompetent und effektiv zu steuern.   > Maßnahmen der Katastrophenvorsorge sind
                                                    in die lokalen Entwicklungspläne eingeflossen.
> Eine funktionierende Katastrophenvorsorge         Beispielsweise wurden Katastrophenrisiken
  mit Frühwarnsystemen, Notfallzentren und          im Zusammenhang mit landwirtschaftlicher
  Koordinierungsinstanzen ist in den betroffe-      Produktion, der Sicherung natürlicher
  nen Provinzen eingerichtet. Dazu gehören          Ressourcen, der Weiterentwicklung von
  Komitees für Risiko- und Katastrophenma-          Schutzmaßnahmen oder Entscheidungen
  nagement, in denen Männer und Frauen ver-         über Siedlungsstandorte berücksichtigt.
  treten sind. Diese betreiben ein gemeinsam
  mit der Münchener Rück Stiftung etabliertes     > Die Erfahrungen mit dem lokalen Frühwarn-
  Hochwasserfrühwarnsystem und führen im            system wurden zwischen Gemeindevertretern
  Notfall Evakuierungsmaßnahmen durch.              aus Zentralamerika und Mosambik ausge-
                                                    tauscht. Mittlerweile orientiert sich auch das
> Distrikte schulen ihre Mitarbeiterinnen und       Nachbarland Madagaskar an den in Mosambik
  Mitarbeiter zur Bedeutung des Klimawandels        gewonnenen Erkenntnissen im Bereich Kata-
  und die Möglichkeiten der Katastrophenvor-        strophenvorsorge.
  sorge.
34
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




3.3 Katastrophenvorsorge im Wiederaufbau         zentralisierungs- und Wirtschaftsförderungs-
    in Indonesien                                programmen umgesetzt. Exemplarisch sind
                                                 hier herausragende Beispiele genannt:
Indonesien gehört durch seine geographische
Lage zu den am häufigsten von geologisch be-     Management von Georisiken in Yogyakarta
dingten Katastrophen betroffenen Ländern         In Yogyakarta und Teilen der Provinz Zentralja-
weltweit: Der Tsunami am 26. Dezember 2004       va führte ein Erdbeben der Stärke 6,2 (USGS) im
forderte in Indonesien allein mehr als 160.000   Mai 2006 zu schweren Zerstörungen in der Re-
Todesopfer. Von 2000 bis 2008 wurden 49 Über-    gion. Die Folge waren mehr als 5.000 Todesop-
schwemmungen, 30 Erdbeben, 24 Hangrutsch-        fer; etwa 200.000 Menschen wurden obdachlos.
ungen, 9 Vulkanausbrüche und 2 Tsunamis          Insbesondere das Siedeln auf instabilen Boden-
registriert (EM-DAT 2008). Die städtische Be-    sedimenten (etwa lockere Küstensande) hat die
völkerung sowie die Infrastruktur (vor allem     Auswirkungen des Bebens verstärkt.
Gebäude, Versorgungsnetze, Straßen, Brücken)
sind im Falle solcher Naturkatastrophen stark    Um landesweit eine Verminderung der geologi-
gefährdet. Immer wieder kommt es zu großen       schen Risiken auf der Basis eines einheitlichen
Schäden für die Volkswirtschaft. Auf Bitte der   Regelwerks vornehmen zu können, hat die Re-
indonesischen Regierung unterstützt die deut-    gierung Indonesiens das nationale ‘Amt für
sche Entwicklungszusammenarbeit Indonesien       Geologie und mineralische Rohstoffe’ (Badan
bei der Bewältigung der Aufgabe, das Katastro-   Geologi dan Sumberdaya Mineral) aufgefordert,
phenrisiko zu reduzieren. Katastrophenvor-       das Gefährdungspotenzial dieser Georisiken zu
sorgemaßnahmen werden sowohl im Rahmen           bewerten und Richtlinien für deren Verminde-
von Wiederaufbau- und Nothilfeprojekten als      rung auch für die kommunale Verwaltungs-
auch in langfristig angelegten Bildungs-, De-    ebene zu erarbeiten. Auf Wunsch des indonesi-




                                                                   Darstellung der
                                                                   Landabsenkung in
                                                                   Semarang (Zentraljava)

                                                                   Unterschiedliche Farbkodierungen zeigen
                                                                   die jeweiligen Landabsenkungsgrade in
                                                                   Semarang, Zentraljava – und damit die
                                                                   potentielle Vulnerabilität gegenüber
                                                                   Überschwemmungen.


                                                                   K   keine Absenkung
                                                                   K   0-0,5 cm
                                                                   K   0,5-2 cm
                                                                   K   2-3 cm
                                                                   K   3-4 cm
                                                                   K   4-5 cm
                                                                   K   > 5 cm




                                                                   Quelle: BGR

                                                                                            Abbildung 7



                                                                                                           35
                                                          K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




schen Innenministeriums unterstützt die           erhöhen können. Weiterhin wurden Verwal-
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Roh-      tungsrichtlinien zur Raumplanung überprüft
stoffe (BGR) zusammen mit der Deutschen Ge-       und weiterentwickelt, um sichere Siedlungsflä-
sellschaft für Technische Zusammenarbeit          chen und Schutzeinrichtungen auszuweisen.
(GTZ) im Auftrag der deutschen Entwicklungs-      Die Risikokarten und die Planungsrichtlinien
zusammenarbeit seit 2006 das Amt für Geologie     dienen als Grundlage für die Berücksichtigung
und mineralische Rohstoffe bei dieser Aufgabe.    von Georisiken in der Raum- und Entwicklungs-
Dadurch sollen die Vulnerabilität gegenüber       planung auf lokaler und Provinzebene.
Naturgefahren insgesamt reduziert und die Le-
bensräume nachhaltiger gestaltet werden.          Im Rahmen der Wiederaufbauhilfe nach dem
                                                  Erdbeben unterstützte die GTZ im Auftrag des
So wurden umfangreiche Studien zur Boden-         BMZ die Planung von siedlungsbezogener
beschaffenheit und den jeweiligen Auswirkun-      Infrastruktur unter Berücksichtigung vorhan-
gen von Erdbeben durchgeführt und in Risiko-      dener Georisiken sowie den überwiegend in
karten dargestellt. Kommunalverwaltungen          Selbsthilfe der Bevölkerung geleisteten Wieder-
und Provinzregierungen sowie verschiedene lo-     aufbau. Außerdem wurde auf die Gründung
kale Interessensgruppen wurden dahingehend        und Stärkung eines Katastrophenvorsorge-
beraten, wie sie sich in Zusammenarbeit mit       Umlandverbandes der Distrikte um den Vulkan
Katastrophenschutzorganisationen, Fachinsti-      Merapi sowie auf die Bewusstseinsbildung und
tuten und Vertretern der Zivilgesellschaft bes-   Einübung von Verhaltensregeln bei Erdbeben
ser auf den Katastrophenfall vorbereiten und      und anderen Naturkatastrophen in weiten
die Erdbebenresistenz in gefährdeten Gebieten     Kreisen der Bevölkerung hingewirkt.




In Indonesien erlernen
lokale Gruppen den
Umgang mit Frühwarn-
systemen.




36
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Frühwarnung und katastrophenpräventiver            gefährdetes Land für den Wiederaufbau zur
Wiederaufbau nach dem Tsunami                      Verfügung gestellt, Gebäude werden an die
Nach einer Phase der humanitären Soforthilfe       Gefährdung angepasst und Fluchtwege und
und Nothilfe nach dem Tsunami vom 26. Dezem-       Schutzräume eingerichtet. Den kommunalen
ber 2004 standen der Wiederaufbau von Wohn-        und staatlichen Institutionen wird es durch CAP
häusern und sozialer Infrastruktur sowie die       ermöglicht, zügig, sachgerecht und koordiniert
Wiederherstellung gesellschaftlicher und wirt-     wichtige öffentliche Dienstleistungen unter
schaftlicher Grundlagen im Vordergrund. Damit      aktiver Beteiligung der Bevölkerung zu erbrin-
die häufigen Extremereignisse in der Region        gen. Auf Grund der großen Akzeptanz von CAP
nicht wieder so viele Opfer fordern, stärkt die    in der Bevölkerung und bei den Planungs-
Bundesregierung im Rahmen ihrer finanziellen,      partnern werden CAP-Dienstleistungen mittler-
technischen und wissenschaftlichen Zusammen-       weile von zahlreichen anderen Organisationen
arbeit lokale, regionale und nationale Katastro-   wie dem Roten Kreuz und der Caritas nachgefragt.
phenvorsorgestrukturen:                            So können heute die lokalen CAP-Teams ihre
                                                   Dienstleistungen über die Gründung einer
> Naturgefahren werden bei der partizipativen      Nichtregierungsorganisation formalisieren.
  Raumplanung für den Wiederaufbau berück-
  sichtigt;                                        Die durch die Bundesregierung unterstützte
                                                   Entwicklung eines indonesischen Tsunami-
> risikomindernde Baunormen und Techniken          Frühwarnsystems (German Indonesian Early
  werden angewendet und verankert;                 Warning System GITEWS) soll dazu beitragen,
                                                   dass die Region künftig besser für die Vorhersa-
> Vorsorgeaspekte werden in das Bildungs-          ge der Wellen und die rechtzeitige Reaktion der
  system integriert und                            Behörden und der Bevölkerung gerüstet sein
                                                   wird. Es ist Teil eines von der Zwischenstaat-
> ein Tsunami-Frühwarnsystem wird aufgebaut.       lichen Ozeanographischen Kommission (Inter-
                                                   governmental Oceanographic Commission -
Ein wichtiger Bestandteil des katastrophenprä-     IOC) der UNESCO koordinierten Warnsystems
ventiven Wiederaufbaus ist das so genannte         und ein lobenswertes Beispiel der internationa-
„Community Action Planning“ (CAP), innerhalb       len Zusammenarbeit in der Katastrophenvor-
dessen die betroffene Bevölkerung direkt in die    sorge. Die deutsche Entwicklungszusammen-
Planungsprozesse eingebunden wird. In Work-        arbeit ist hier vor allem für die sogenannte ‚letz-
shops und Arbeitsgruppen machen sich Männer        te Meile’ zuständig – das heißt dafür, dass eine
und Frauen mit Nachhaltigkeitsaspekten vertraut    Tsunami- Warnung tatsächlich die gefährdete
und erarbeiten gemeinsam Vorschläge, die von       Bevölkerung erreicht und diese gemeinsam mit
der Dorfgemeinschaft beschlossen werden.           den zuständigen Zivilschutzorganisationen an-
Besonders gefährdeten Familien wird weniger        gemessen reagieren kann.




                                                                                                    37
                                                          K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




                                                                Poster und Warntafeln verbunden mit
                                                                Notfallübungen helfen der Bevölke-
                                                                rung, sich bei einer Tsunami-Warnung
                                                                gezielt und schnell in Sicherheit zu
                                                                bringen.




3.4 Katastrophenvorsorge in Schulen –             Katastrophenvorsorge im Bildungssystem zu
    wie Sri Lankas Bildungsministerium sich       berücksichtigen und zum Bestandteil ihres sek-
    nach dem Tsunami engagiert                    torweiten Ansatzes „Entwicklungsrahmen und
                                                  -programm im Bildungssektor“ („Education Sec-
Das Beispiel Sri Lankas zeigt, welche Möglich-    tor Development Framework and Programme“)
keiten das Bildungssystem eines Landes hat, das   zu machen. Damit wurden verschiedene Geber
Bewusstsein für Katastrophenrisiken zu schär-     eingebunden (zum Beispiel JICA, UNICEF, UNDP).
fen und Kinder sowie Lehrerinnen und Lehrer
nicht nur auf Notsituationen vorzubereiten,       Da die Thematik der Katastrophenvorsorge
sondern bei Bedarf sogar psychologisch zu be-     bisher nicht Bestandteil der Bildung in Sri Lanka
treuen.                                           war, mangelte es entsprechend an Fachkräften.
                                                  Die deutsche technische Zusammenarbeit, die
Sri Lanka ist häufig von Hochwasser, Hang-        bereits vor dem Tsunami als einzige Organisation
rutschungen, Wirbelstürmen und Dürre be-          auf allen Interventionsebenen im Bildungssystem
droht. Durch den verheerenden Tsunami 2004        arbeitete, wurde daher von dem Ministerium
war die Grundbildung Sri Lankas nicht mehr ge-    für Katastrophenmanagement und Menschen-
währleistet – Schulen waren zerstört oder wur-    rechte Sri Lankas gebeten, sich für eine sichere
den als Notlager genutzt. Darüber hinaus waren    Umgebung für alle Schulkinder einzusetzen.
die bereits unter ethnischen Konflikten leiden-   Die Planungs- und Durchführungskompetenzen
den Kinder mit ihren traumatischen Erfahrun-      des Fachpersonals im Bereich Katastrophenvor-
gen aus der Katastrophe allein gelassen.          sorge in Schulen sollten verbessert und die psy-
                                                  chosoziale Betreuung von Tsunami-betroffenen
Die Erfahrung mit dem Tsunami machte deut-        Kindern und Jugendlichen ermöglicht werden.
lich, dass vor allem Schulen und Kinder starker   Durch das Engagement des Partners und die
Bedrohung ausgesetzt sind. Dies veranlasste       hohe Motivation des Lehrpersonals als auch der
letztlich das Bildungsministerium Sri Lankas,     Schulkinder wurde seit 2005 viel erreicht:



38
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




> Aspekte der Katastrophenvorsorge sind in die    > um traumatisierte Schulkinder betreuen zu
  Curricula der Lehreraus- und -fortbildung in-     können, wurde ein schulpsychologischer
  tegriert. Landesweit wird das Lehrpersonal        Dienst aufgebaut, der bisher insbesondere in
  für Katastrophenvorsorge sensibilisiert und       den Tsunami- und Krisengebieten des Landes
  mit Katastrophenschutzübungen vertraut            zum Einsatz kommt.
  gemacht;
                                                  Das gemeinsame Ziel, eine sichere Umgebung
> im Rahmen einer Reform des Schulcurri-          für alle Schulkinder zu schaffen, macht auch den
  culums wurden Aspekte der Katastro-             Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den
  phenvorsorge in Schulfächern integriert;        verschiedenen ethnischen Gruppen möglich.

> Schulen führen gemeinsam mit Gemeinden          Um die Inhalte des neuen Curriculum umzuset-
  Katastrophenschutzübungen durch;                zen wurde Lern- und Lehrmaterial in allen drei
                                                  Sprachen (Singhalesisch, Tamil, Englisch) ent-
> nationale Richtlinien für die Sicherheit in     wickelt und verbreitet. Die Beteiligung aller
  Schulen wurden in Zusammenarbeit mit dem        ethnischen Gruppen an Katastrophenschutz-
  Katastrophenmanagementzentrum und den           übungen fördert das Bewusstsein, dass eine
  Gemeinden erarbeitet und in Pilotschulen        Katastrophe nur gemeinsam bewältigt werden
  umgesetzt;                                      kann.

                                                  Auf lange Sicht wird erwartet, dass sich die
                                                  interkulturelle Zusammenarbeit positiv auf das
                                                  Verhalten der Schulkinder und ihrer Familien
                                                  auswirkt und zu einem stärkeren Zusammen-
                                                  halt in der Gesellschaft beiträgt.




                                                  Zukünftige Lehrerinnen und Lehrer erlernen das
                                                  richtige und sichere Verhalten an Schulen. Aspekte
                                                  der Katastrophenvorsorge wurden landesweit in das
                                                  Curriculum der pädagogischen Hochschulen
                                                  integriert.




                                                                                                       39
                                                                 K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




3.5 Vorbereitung auf den Katastrophenfall –              phenreduzierung (Centro de Coordinación para
    Beispiele aus Zentralamerika                         la Prevención de los Desasters Naturales en
                                                         América Central - CEPREDENAC) bei verschiede-
Stärkung dezentraler Strukturen für die                  nen Aktivitäten der Sensibilisierung, Ausbildung
Reduzierung des Katastrophenrisikos in                   und Beratung zur besseren Vorbereitung auf
Zentralamerika                                           Katastrophen unterstützt. In den Pilotgemein-
                                                         den Guatemalas, Honduras, Nicaraguas und El
Zentralamerika ist die Region, die nach Südost-          Salvadors hat sich die Etablierung von lokalen
asien weltweit am stärksten von Naturkatastro-           Katastrophenvorsorgegruppen und partizipati-
phen betroffen ist: dazu zählen regelmäßig               ven Frühwarnsystemen mit einfachster Techno-
Dürren, Stürme, Überschwemmungen, Hang-                  logie bis heute bewährt. Diese stärken die Selbst-
rutschungen und Erdbeben. Als Hurrikan Mitch             hilfefähigkeit der Bevölkerung, die dadurch die
1998 massive Überschwemmungen und Hang-                  Risiken einschätzen kann. Sie erhält rechtzeitig
rutschungen hervorrief und dabei mehr als                Warnungen vor Überschwemmungen, ist auf
10.000 Menschen ums Leben kamen, hat die                 den Notfall vorbereitet und in der Lage, ihre Ge-
Bundesregierung – ergänzt um Mittel der Euro-            meinden rechtzeitig und koordiniert zu evaku-
päischen Kommission (ECHO) – das Zentralame-             ieren.
rikanische Koordinationszentrum für Katastro-




 Zusammensetzung der Akteure der lokalen Katastrophenvorsorge-Gruppe
 der Gemeinde San Francisco Menéndez


                                                                                         örtlich tätige Ärztin
                              Vertreter der anfälligen
                                                                  Polizei                 des Gesundheits-
                                   Bevölkerung
                                                                                            ministeriums



                                                                                       „Integrale Gesundheits-
  Zuckerrohr-Kooperative
                                                                                        vorsorge“ Projekt der
       „Cara Sucia“
                                                                                                WHO



 Partner Red Comunitaria             Katastrophen-         Bürgermeister
 (solidarisches Netzwerk               vorsorge-               COEM                   Lehrerinnen und Lehrer
     anfälliger Dörfer)                 Gruppe               munizipales
                                                            Notfallkomitee


      Jugend von freikirch-
                                                                                                CARE
     lichen Organisationen



                              Koordinierungsgruppe                                         NGO „Salvavida“
                                  des örtlichen             Landwirtschaftsamt         integrales Management
                                Frühwarnsystems                                          vom Wassereinzugs-
                                                                                          gebiet „Cara Sucia“

 (Quelle: GTZ, 2004b: o.S.)
                                                                                                   Abbildung 8



40
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




                                                                            Frühwarnung ist ein
                                                                            entscheidendes Element
                                                                            der Katastrophenvorsorge.
                                                                            Hierzu bezieht die deutsche
                                                                            Entwicklungszusammen-
                                                                            arbeit gezielt die Bevölke-
                                                                            rung ein.




Entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei die früh-   Gemeindeorientierte Katastrophenvorsorge
zeitige Einbindung relevanter öffentlicher und     und Frühwarnung im Norden Nicaraguas
zivilgesellschaftlicher Akteure auf allen Ebenen
in der Planung, dem Aufbau und Betrieb von         Wie man kostengünstig, zeiteffizient und unter
Frühwarnsystemen und Katastrophenvorsorge-         Einbeziehung der lokalen Bevölkerung ein
strukturen. Gemeindeverwaltungen kommt da-         langfristiges Katastrophenmanagement auf-
bei eine Moderations- und Koordinationsrolle       bauen kann, demonstriert die Deutsche Welt-
in den multisektoralen Katastrophenvorsorge-       hungerhilfe (DWHH) mit einem Projekt im De-
gruppen zu. Die Gruppen planen eigenver-           partement Estelí im Norden von Nicaragua. Um
antwortlich Maßnahmen zur Risikominderung          die Gefährdung der Gemeinde San Juan de
und setzen diese um, soweit es ihnen ihr           Limay durch Trockenheit, Überschwemmungen
begrenzter finanzieller Spielraum erlaubt.         und Erdrutsche zu bestimmen, wurden Ortsbe-
                                                   gehungen und Messungen vorgenommen
Durch die Einbindung und den Austausch mit         sowie Luftbilder ausgewertet. Daraufhin wurde
Katastrophenschutzbehörden entstanden              die Anfälligkeit für Gebietseinheiten anhand
wechselseitige Lernprozesse zwischen der lo-       der jeweils vorhandenen sozialen, wirtschaft-
kalen und nationalen Ebene über die Chancen        lichen, ökologischen und physischen Gegeben-
und Erfordernisse einer gemeindeorientierten       heiten berechnet. Auf diese Weise konnte für je-
Katastrophenvorsorge.                              den Ort der Vulnerabilitätsgrad bestimmt und
                                                   ein klares Profil bezüglich der verschiedenen
Darüber hinaus wurde der erfolgreiche Ansatz       Naturgefahren und der entsprechenden Vor-
durch die Zusammenarbeit mit der Regionalor-       sorgemaßnahmen erstellt werden. Dass sich die
ganisation CEPREDENAC auf weitere Gemein-          Anstrengungen lohnen, zeigte auch dort die
den in Zentralamerika und andere Naturgefah-       Hurrikan-Saison 2005: Selbst in den 15 Dörfern
ren ausgeweitet.                                   mit besonders hohem Katastrophenrisiko ka-
                                                   men dank des funktionierenden Frühwarnsys-


                                                                                                     41
                                                                         K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




tems keine Personen zu Schaden. Es ist also wenig                raufhin gründeten sie Ende 2001 mit deutscher
verwunderlich, dass mittlerweile Schneeball-                     Unterstützung den Gemeindezweckverband
effekte in benachbarten Regionen und anderen                     der Gemeinden von Zentral-Atlántida (Manco-
Entwicklungsländern zu beobachten sind.                          munidad de los Municipios del Centro de Atlán-
                                                                 tida - MAMUCA).
Gemeindeorientierte Katastrophenvorsorge
und intermunizipale Zusammenarbeit in                            Seither kennzeichnen interkommunale
Honduras                                                         Zusammenarbeit, Netzwerkbildung, Informa-
                                                                 tionsaustausch und wechselseitige Lernprozesse
Die honduranischen Gemeinden La Masica,                          die Vorbereitung auf den Katastrophenfall. Die
Arizona, Esparta, San Fransisco und El Porvenir                  gemeinsamen Anstrengungen führen zu einer
sind regelmäßig von Starkregenfällen und                         erheblich verbesserten Durchführung von Eva-
Überschwemmungen betroffen. Einzelne                             kuierungsmaßnahmen bei Starkregenfällen in
Gemeinden sind mit der Bewältigung und den                       der Region. Das gemeindeübergreifende Hoch-
anfallenden Kosten überlastet. Diese Probleme                    wasserfrühwarnsystem beschleunigt den Infor-
wurden von den Gemeinden erkannt und da-                         mationsfluss und ermöglicht ein rechtzeitiges,




     Kriterien für partizipative Planung




             Relevanz
                                           Effizienz
        der Aktivitäten für die
                                    der Leistungsfähigkeit der
      Sicherheit der Bevölkerung
                                    Gemeinden hinsichtlich der
          und die soziale und
                                    Umsetzung der geplanten
      wirtschaftliche Entwicklung
                                     (Vorsorge)Maßnahmen
          der Generationen



           Transparenz
                                       Nachhaltigkeit
      in den Entscheidungen und
                                       in der Organisation,
      der Zusage öffentlicher und
                                         Verwaltung und
       privater Finanzierungen
                                          Finanzierung
          sowie technischer
            Unterstützung




     Die partizipative Planung basiert auf den vier Kriterien Relevanz, Effizienz, Transparenz und
     Nachhaltigkeit. In Honduras wurden so beispielsweise Aktionspläne mit gekennzeichneten
     Interventionszonen erarbeitet.

                                                                                                     Abbildung 9



42
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




koordiniertes Handeln. Durch die Bündelung                punkte auf der partizipativen Planung, der Aus-
vorhandener Ressourcen konnten die Kata-                  und Fortbildung der lokalen Akteure sowie der
strophenanfälligkeit verringert und durch die             Verbesserung der finanziellen und personellen
direkte Beteiligung der betroffenen Bevölker-             Ressourcenausstattung vor Ort. Dadurch wur-
ung die Selbsthilfekapazitäten sowie die                  den Kosten reduziert, Innovationen in Gang
Ausgangsbedingungen für eine nachhaltige                  gesetzt und sowohl die Transparenz als auch
Existenzsicherung deutlich verbessert werden.             gute Regierungsführung gefördert. Nicht
Die positiven Auswirkungen reichen aber noch              zuletzt deshalb wurde MAMUCA von verschie-
weiter. Da das Projekt auch sektorübergreifende           denen nationalen Behörden als vorbildliches
Aspekte – etwa des Wassermanagements und                  Beispiel anerkannt und konnte nach Beendi-
der Landnutzungsplanung – beinhaltete, wur-               gung der deutschen Unterstützung selbst-
den lokale Ansätze weiter entwickelt und                  ständig neue Projektmittel akquirieren.
zukunftsfähige Lösungen auf die Bereiche
Umweltschutz, lokale Wirtschaftsförderung
und regionale Tourismusentwicklung
ausgedehnt. Auch hierbei lagen die Schwer-




      Mehr Informationen?


   > Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: www.bgr.bund.de
   > Centrum für internationale Migration und Entwicklung: www.cimonline.de
   > Deutscher Entwicklungsdienst: www.ded.de
   > Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit: www.gtz.de
   > Deutscher Caritasverband: www.caritas.de
   > Deutsches Rotes Kreuz: www.drk.de
   > Deutsche Welthungerhilfe: www.deutsche-welthungerhilfe.de
   > Diakonie Katastrophenhilfe: www.diakonie-katastrophenhilfe.de
   > GeoForschungsZentrum Potsdam: www.gfz-potsdam.de
   > Internationale Weiterbildung und Entwicklung: www.inwent.org
   > Kreditanstalt für Wiederaufbau Entwicklungsbank: www.kfw-entwicklungsbank.de
   > Technisches Hilfswerk: www.thw.de




                                                                                                       43
                               K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




     4. Ausblick –
       Katastrophenvorsorge als langfristiges
       Engagement der Entwicklungszusammenarbeit




44
K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




Naturkatastrophen sind schon immer Elemente        Naturereignisse noch verstärken. Durch den
der Bedrohung für Entwicklung gewesen. Ent-        Klimawandel schließlich steht die Katastrophen-
wicklungsländer sind in der Regel in weitaus ge-   vorsorge vor Herausforderungen neuen Aus-
ringerem Maße in der Lage, plötzlich auftreten-    maßes. Im Zusammenhang damit nimmt das
den Gefahrensituationen bestmöglich entgegen-      Risiko von Krisen und Konflikten, insbesondere
zutreten. Dabei geht es in erster Linie darum,     von Verteilungskonflikten um lebensnotwendige
die Anfälligkeit der Bevölkerung gegenüber         Ressourcen zu. Durch einen angepassten und
Naturrisiken wie zum Beispiel Erdbeben, Über-      gender-sensitiven Umgang mit Naturkatastro-
schwemmungen oder Stürmen zu reduzieren            phen und dem Klimawandel kann dieses
und die Entstehung neuer Risiken zu vermeiden,     Konfliktpotential jedoch entschärft werden.
um so Entwicklungsfortschritte zu sichern. Ka-
tastrophenvorsorge ist damit eine Schlüssel-       Katastrophenvorsorge liegt in erster Linie in der
aufgabe zur Sicherstellung nachhaltiger Ent-       Verantwortung des betroffenen Landes. Sie ist
wicklung. Sie ist eng verbunden mit dem über-      vor allem in Ländern mit hohen Naturrisiken
wölbenden Millenniumsentwicklungsziel der          von zentraler Bedeutung. Hier sollten Aspekte
Armutsbekämpfung (MDG 1), das ohne sie in vie-     der Katastrophenvorsorge verstärkt als fester
len Regionen der Welt nicht erreicht werden        Bestandteil in nationale Entwicklungsstrate-
kann.                                              gien (wie zum Beispiel Armutsminderungs-
                                                   strategien) und andere lokale, regionale und
Die Bundesregierung hat diesen Zusammen-           nationale Pläne integriert werden. Gesetzliche
hang unter anderem im BMZ Spezial „Auf dem         und institutionelle Rahmenbedingungen sind
Weg zur Halbierung der Armut“ nochmals be-         hierfür erforderlich, sektorale Ansatzpunkte für
tont:                                              ein zielgerichtetes Vorgehen müssen identifi-
                                                   ziert werden. Die Beispiele in dieser Materialie
„Folgenbewältigung allein reicht nicht aus. Um     haben gezeigt, dass die Reduktion der Katastro-
langfristig wirksam Menschenleben zu retten        phenrisiken auf vielen Ebenen ansetzen kann.
und Individuen und Volkswirtschaften vor           Wichtig ist jedoch stets, dass die potentiell
Schäden zu schützen, müssen bereits im Vorfeld     betroffene Bevölkerung sensibilisiert ist und
einer Naturkatastrophe alle Möglichkeiten aus-     damit schnell reagieren kann, weil sie unmittel-
geschöpft werden, damit deren Eintreffen           bar am Ort des Geschehens ist.
möglichst geringe negative Auswirkungen hat.
Damit ist die Katastrophenvorsorge wichtiger       Die vielschichtigen Prozesse können von der
Bestandteil jeglicher Strategie nachhaltiger       Entwicklungszusammenarbeit in unterschied-
Entwicklung.“ (BMZ, 2004: 28f)                     licher Weise unterstützt werden. Die deutsche
                                                   Entwicklungszusammenarbeit sieht vor allem
In den letzten Jahren gewinnt die Notwendig-       folgende Ansatzpunkte:
keit von Katastrophenvorsorge an Bedeutung,
da eine Zunahme der schädigenden Natur-            a) Sie setzt sich auf der Basis des gemeinsamen
ereignisse registriert wird.                          internationalen Aktionsplans (Hyogo Frame-
                                                      work for Action) in der internationalen Geber-
Einige globale Trends (zum Beispiel regional          gemeinschaft und in der EU für die Fortent-
ansteigender Bevölkerungsdruck auf natürliche         wicklung gemeinsamer Ansätze zur Katastro-
Ressourcen, Verstädterung, wirtschaftliche            phenreduzierung im Rahmen eines gemein-
Disparitäten) können die Risiken infolge einer        samen Vorgehens mit den Entwicklungs-
Zunahme von Anzahl und Stärke gefährlicher            ländern ein.


                                                                                                 45
                                                             K A T A S T R O P H E N V O R S O R G E




b) Um geeignete Vorgehensweisen zu erproben            Sektorstrategien einzupassen und schon bei
   und auf ihre Umsetzbarkeit hin zu überprü-          der Planung eines neuen Vorhabens in
   fen, fördert sie im Rahmen der Not- und Über-       besonders betroffenen Ländern eine Risiko-
   gangshilfe Pilotvorhaben, die dazu dienen, in       abschätzung durchzuführen, um geeignete
   besonders gefährdeten Entwicklungsländern           Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken
   auf nationaler, regionaler sowie lokaler Ebene      einzubeziehen.
   den Aufbau von geeigneten Strukturen
   gezielt zu fördern und den langfristigen          Das Ziel der Katastrophenreduzierung kann
   Wiederaufbau katastrophenpräventiv zu             nur erreicht werden, wenn alle Akteure aufein-
   gestalten.                                        ander abgestimmt an diesem Ziel arbeiten.
                                                     Hierbei ist die Entwicklungszusammenarbeit
c) Da je nach Risikolage spezifische Maßnahmen       mit ihrem Instrumentarium in besonderem Ma-
   erforderlich sind, strebt die deutsche            ße gefordert. Die Anstrengungen müssen dabei
   Entwicklungszusammenarbeit insgesamt an           prozesshaft verstanden und systematisch fort-
   – vor allem in den Bereichen Umwelt, Länd-        entwickelt werden.
   liche Entwicklung, Bildung und Gesundheit –
   die Zusammenarbeit verstärkt unter Berück-
   sichtigung katastrophenpräventiver Aspekte
   zu gestalten. Zielsetzung ist, dies in systema-
   tischer Form in die betreffenden Länder- und




46
A N H A N G




Literatur


> Auswärtiges Amt: Sind Katastrophen vermeidbar? Berlin 2004.
> BMZ: BMZ Spezial. Auf dem Weg zur Halbierung der Armut. Bonn 2004.
> BMZ: Mehr Wirkung erzielen.
   Die Ausrichtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit auf die Millenniums-Entwicklungsziele. Bonn 2005.
> BMZ: Entwicklung fördern – Armut bekämpfen. Entwicklungspolitischer Jahresrückblick 2005. Bonn 2006.
> BMZ: Klimakonzept Konkret. Aktionsprogramm „Klima und Entwicklung“. Bonn 2007.
> Bundesregierung: Positionspapier der Bundesregierung zur Katastrophenvorsorge im Ausland. Berlin 2007.
> Bündnis Entwicklung hilft: Wenn nichts passiert, ist viel erreicht! Nachhaltige Entwicklung als Katastrophenvorsorge.
   Dokumentation des Symposiums vom 14. November 2006. Bonn 2007.
> Department for International Development: Disaster Risk Reduction. A Development Concern. London 2005.
> Deutsche Welthungerhilfe: Vorsorgen ist besser als „heilen“. Bonn 2006.
> Dikau, R. und Weichselgartner, J.: Der unruhige Planet. Der Mensch und die Naturgewalten. Darmstadt 2005.
> EM-DAT. Centre for the Epidemiology of Disasters (CRED). Louvain 2008.
> Europäische Kommission: Europäische Solidarität mit den Opfern humanitärer Krisen.
   Die humanitäre Hilfe der Europäischen Union. Luxemburg 2002.
> Germanwatch: Global Climate Risk Index 2008.
   Weather-related loss events and their impacts on countries in 2006 and in a long-term comparison. Berlin 2007.
> GTZ: Handreichung Risikoanalyse. Eine Grundlage der Katastrophenvorsorge. Eschborn 2004a.
> GTZ: Katastrophenrisikomanagement im ländlichen Raum in Lateinamerika und der Karibik. Eschborn 2004b.
> GTZ: Gemeindeorientierte Katastrophenvorsorge und interkommunale Zusammenarbeit.
   Praktische Erfahrungen des Gemeindezweckverbands MAMUCA. Eschborn 2005a.
> GTZ: Nach der Flutkatastrophe. Zwischen Nothilfe, Wiederaufbau und Vorsorge. Eschborn 2005b.
> GTZ/DKKV/Universität Bayreuth: Linking Poverty Reduction and Disaster Risk Management. Eschborn 2005.
> International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies: World Disasters Report 2006.
> IPCC: Climate Change 2007. The Physical Science Basis. Cambridge 2007a.
> IPCC: Climate Change 2007. Impacts, Adaptation and Vulnerability. Cambridge 2007b.
> IPCC: Climate Change 2007. Mitigation of Climate Change. Cambridge 2007c.
> ISDR: Living with Risk. A Global Review of Disaster Reduction Initiatives. Geneva 2004.
> Münchener Rück: Topics Geo. Jahresrückblick Naturkatastrophen 2005. München 2006.
> UNDP: Human Development Report 2006. Beyond scarcity: Power, poverty and the global water crisis. Geneva 2006.
> Wisner, Benjamin et al.: At Risk: Natural Hazards, People’s Vulnerability and Disasters. London and New York 2003.
> WBGU: Welt im Wandel – Sicherheitsrisiko Klimawandel. Berlin, Heidelberg 2007.
> World Bank: Building Safer Cities. The Future of Disaster Risk. Washington, D.C. 2003.
> World Bank: Natural Disaster Hotspots. A Global Risk Analysis. Washington, D.C. 2004.
> World Bank: World Development Indicators. Washington, D.C. 2007.




                                                                                                                       47
                                                                                                        A N H A N G




Abkürzungen


AA            Auswärtiges Amt
ADPC          Asian Disaster Preparedness Center
BCPR          Bureau for Crisis Prevention and Recovery
BGR           Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
BMZ           Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
BRR           Badan Rehabilitasi dan Rekonstruksi (Indonesische Agentur für den Wiederaufbau)
CAP           Community Action Planning
CEPREDENAC    Centro de Coordinación para la Prevención de los Desastres Naturales en América Central
              (Zentralamerikanische Koordinationszentrum für Katastrophenreduzierung)
CERF          Central Emergency Response Fund
COEM          Comité de Emergencias Municipal, El Salvador
DIPECHO       Disaster Preparedness ECHO
DKKV          Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge
DWHH          Deutsche Welthungerhilfe
ECHO          European Commission Humanitarian Office
EEA           European Environment Agency
ENSO          El Niño Southern Oscillation
EU            Europäische Union
EWC           Early Warning Conference
EZ            Entwicklungszusammenarbeit
GEF           Global Environment Facility
GFDRR         Global Facility for Disaster Reduction and Recovery
GPDRR         Global Platform for Disaster Risk Reduction
GITEWS        German-Indonesian Tsunami-Early-Warning-System
GTZ           Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH
HDI           Human Development Index
HFA           Hyogo Framework for Action
IDNDR         International Decade for Natural Disaster Reduction
INGC          Instituto Nacional de Gestão de Calamidades
              (Nationales Institut für Katastrophenmanagement in Mosambik)
InWEnt        Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH
IOC           Intergovernmental Oceanographic Commission
IPCC          Intergovernmental Panel on Climate Change
ISDR          International Strategy for Disaster Reduction
JICA          Japan International Cooperation Agency
KfW           Kreditanstalt für Wiederaufbau Entwicklungsbank
KRM           Katastrophenrisikomanagement
KV            Katastrophenvorsorge
MAMUCA        Mancomunidad de los Municipios del Centro de Atlántida (Gemeindezweckverband in Honduras)
MDG           Millennium Development Goals
NOAA          National Oceanic and Atmospheric Administration
NRO           Nichtregierungsorganisation
OECD          Organisation for Economic Cooperation and Development
PPEW          Platform for the Promotion of Early Warning




48
A N H A N G




PPP           Public-Private-Partnership
PRSP          Poverty Reduction Strategy Paper
SNIP          Sistema Nacional de Inversión Publica (Nationales Planungssystem für öffentliche Investitionen in Peru)
THG           Treibhausgase
UN            United Nations
UNDP          United Nations Development Programme
UNEP          United Nations Environment Programme
UNESCO        United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation
UNFCCC        United Nations Framework Convention on Climate Change
UNFPA         United Nations Population Fund
UN HABITAT    United Nations Human Settlements Programme
UNHCR         United Nations High Commissioner for Refugees
UNICEF        United Nations Children’s Fund
UNOCHA        United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs
USGS          United States Geological Service
VN            Vereinte Nationen
WB            Weltbank
WBGU          Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
WCDR          World Conference on Disaster Reduction
WHO           World Health Organization
WMO           World Meteorological Organization
WSSD          World Summit on Sustainable Development




                                                                                                                   49
                                                                                                      A N H A N G




Mehr Informationen


> Amt für die Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten der VN
     (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs – UNOCHA):
     www.ochaonline.un.org

> Amt für Humanitäre Hilfe der EU (European Community Humanitarian Office – ECHO): www.ec.europa.eu/echo

> Asian Disaster Preparedness Center – ADPC: www.adpc.net

> Auswärtiges Amt: www.auswaertiges-amt.de

> Bevölkerungsfonds der VN (United Nations Population Fund – UNFPA): www.unfpa.org

> Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): www.bmz.de

> Büro für Krisenprävention und Wiederaufbau der VN (Bureau for Crisis Prevention and Recovery – BCPR):
     www.undp.org/cpr/index.shtml

> Cities Alliance – Cities without Slums: www.citiesalliance.org

> Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: www.weltbevoelkerung.de

> Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge: www.dkkv.org

> Deutsch-Indonesisches Tsunami-Frühwarnsystem: www.gitews.de

> Entwicklungsprogramm der VN (United Nations Development Programme – UNDP): www.undp.org

> Europäische Umweltagentur (European Environment Agency – EEA): www.eea.eu.int

> Gender und Katastrophennetzwerk (Gender and Disaster Network): www.gdnonline.org

> Globale Fazilität für Katastrophenrisikoreduzierung der Weltbank
     (Global Facility for Disaster Reduction and Recovery – GFDRR): www.worldbank.org/hazards/gfdrr

> Globale Plattform für Katastrophenrisikoreduzierung (Global Platform for Disaster Risk Reduction – GPDRR):
     www.preventionweb.net/globalplatform

> Hohenkammer-Charta: www.munichre-foundation.org/NR/rdonlyres/1AE833E6-C5E2-4B19-A172-
     B8FD605A76A9/0/HohenkammerCharta.pdf

> Hoher Flüchtlingskommissar der VN (United Nations High Commissioner for Refugees – UNHCR): www.unhcr.org

> Internationales Programm menschlicher Dimensionen des globalen Umweltwandels
     (International Human Dimensions Programme on Global Environmental Change): www.ihdp.unu.edu

> Internationale Strategie zur Katastrophenvorsorge (International Strategy for Disaster Reduction – ISDR):
     www.unisdr.org

> Internationales Komitee vom Roten Kreuz: www.icrc.org




50
A N H A N G




> ISDR Katastrophenvorsorge und Gender (ISDR Risk Reduction and Gender):
   www.unisdr.org/eng/risk-reduction/gender/rd-gender-eng.htm

> Katastrophenvorsorge in der Entwicklungszusammenarbeit der GTZ: www.gtz.de/disaster-reduction

> Klima-Check der GTZ: www.gtz.de/en/themen/laendliche-entwicklung/23930.htm

> Klimaschutzprogramm der GTZ: www.gtz.de/climate

> Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft: www.munichre.com/georisiken

> Nothilfefonds der VN (Central Emergency Response Fund – CERF):
   www.ochaonline.un.org/Default.aspx?alias=ochaonline.un.org/cerf

> Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der VN (United Nations Educational, Scientific and Cultural
   Organization – UNESCO): www.unesco.org

> Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Cooperation
   and Development – OECD): www.oecd.org

> Plattform zur Förderung der Frühwarnung (Platform for the Promotion of Early Warning – PPEW):
   www.unisdr.org/ppew

> ProVention Consortium: www.proventionconsortium.org

> Rat von Sachverständigen für Umweltfragen: www.umweltrat.de

> Umweltprogramm der VN (United Nations Environment Programme – UNEP): www.unep.org

> Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen: www.wbgu.de

> Zentralamerikanisches Koordinationszentrum für Katastrophenreduzierung
   (Centro de Coordinación para la prevención de los desastres naturales en América Central – CEPREDENAC):
   www.sica.int/cepredenac.org




                                                                                                                  51
IMPRESSUM


Herausgeber
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ),
Entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit


Redaktion
BMZ, Not- und Übergangshilfe, Welternährungsprogramm, Krisenstab


Grafische Gestaltung und Satz
F R E U D E ! design, Köln


Druck
Schloemer Gruppe, Düren
Gedruckt auf FSC-zertifiziertem Papier

Bildnachweis
Titel: GTZ; S. 3: BMZ; S. 5, 10: National Aeronautics Space Administration (NASA); S. 11 oben rechts: UN Photo/Ewan Schneider, unten rechts:
National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), oben links und unten links: GTZ; S. 15, 17: GTZ; S. 18: Michael Siebert; S. 20: UN
Photo; S. 23: Dr. Jürgen Weichselgartner; S. 27: GTZ; S. 28, 32-34: GTZ; S. 35: BGR; S. 36 - 39, 41, 42, 44: GTZ


Stand
Juli 2010


Bezugsstelle
Publikationsversand der Bundesregierung
Postfach 48 10 09 | 18132 Rostock
Tel. +49 (0) 1805 77 80 90 (Festpreis 14 Cent/Min., abweichende Preise aus den Mobilfunknetzen möglich)
Fax +49 (0) 1805 77 80 94
publikationen@bundesregierung.de


Postanschriften der Dienstsitze
BMZ Bonn                                           BMZ Berlin | im Europahaus
Dahlmannstraße 4                                   Stresemannstraße 94
53113 Bonn                                         10963 Berlin
Tel. + 49 (0) 228 99 535 - 0                       Tel. +49 (0) 30 18 535 - 0
Fax + 49 (0) 228 99 535 - 3500                     Fax +49 (0) 30 18 535 - 2501


poststelle@bmz.bund.de
www.bmz.de

				
DOCUMENT INFO
Shared By:
Categories:
Tags:
Stats:
views:81
posted:3/17/2011
language:German
pages:52