Ein Jahr nach dem Tsunami Jahresbilanz der

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Ein Jahr nach dem Tsunami Jahresbilanz der Powered By Docstoc
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                                                                     Sonderbeauftragte der Bundesregierung
                                                                     für die Partnerschaftsinitiative Fluthilfe

                                                     HAUSANSCHRIFT   Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin
                                                     POSTANSCHRIFT   11012 Berlin
                                                               TEL   +49 (0)1888 400-1011
                                                               FAX   +49 (0)1888 400-1012
                                                                     E-mail: christina.rau@bk.bund.de




                                                                     Berlin, den 08. Dezember 2005




             Ein Jahr nach dem Tsunami: Jahresbilanz der
                       Partnerschaftsinitiative Fluthilfe



Überwältigende Hilfsbereitschaft nach dem Tsunami
Am 26.12.2004 verursachte ein Seebeben vor der Nordspitze Sumatras drei Flutwellen,
die über 220.000 Menschen in den Tod rissen und weitere ca. 1.7 Mio. Menschen
obdachlos machten. Die verheerendste Wirkung hatte der Tsunami in Indonesien, Sri
Lanka, Indien, Thailand und den Malediven, aber auch Myanmar, Bangladesch und
ostafrikanische Küstenländer waren betroffen. In den touristisch erschlossenen
Küstengebieten des südlichen Thailands und Sri Lankas fielen auch viele ausländische
Urlauber der Tsunami-Katastrophe zum Opfer. Deutschland hat alleine 537 identifizierte
Opfer zu beklagen, 15 Deutsche sind weiterhin vermisst gemeldet.

Dieser schrecklichen Katastrophe folgte eine überwältigende Hilfsbereitschaft nicht nur
der internationalen Gebergemeinschaft, sondern auch der Zivilbevölkerung in den
Industrieländern. Bis heute, so eine Schätzung des Deutschen Zentralinstituts für soziale
Fragen, haben allein deutsche Bürgerinnen und Bürger 670 Mio. € für die Tsunami-Opfer
gespendet. Dies ist die höchste Spendensumme, die jemals anlässlich einer Katastrophe
in der Bundesrepublik Deutschland gesammelt wurde (im Vergleich: Spendensumme
anlässlich des Elbehochwassers 2002 350 Mio. €, des Erdbebens im Iran Weihnachten
2003 23 Mio. €, des Erdbebens in Pakistan und Indien Herbst 2005 ca. 20 Mio. €).
Erklären lässt sich dies durch eine Verkettung besonderer Umstände:

   -   die Verbundenheit vieler Deutscher mit der Tsunami-Region durch den Tourismus,
SEITE 2 VON 2        -   die durch den Tsunami verstorbenen und betroffenen Deutschen haben den
                         Schrecken der Katastrophe unmittelbar spürbar gemacht,

                     -   die allgemeine Spendenbereitschaft an Weihnachten,

                     -   keine konkurrierenden Nachrichten

                     -   sowie die intensive, reichbebilderte Medienberichterstattung über eine hierzulande
                         weitestgehend unbekannte Naturkatastrophe.

                Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder reagierte auf die Katastrophe mit der
                Zusage einer staatlichen Wiederaufbauhilfe von 500 Mio. € für die hauptbetroffenen
                Länder bis 2009. In seiner Neujahrsansprache 2004/2005 appellierte er an die
                Bürgerinnen und Bürger, langfristige, nachhaltige Partnerschaften für den Wiederaufbau
                einzugehen: von Stadt zu Stadt, von Schule zu Schule. Zur Unterstützung dieser
                „Solidarität aus gemeinsamer Verantwortung“, wie Gerhard Schröder die
                zivilgesellschaftliche Hilfe in der Einen Welt nannte, wurde im Januar 2005 die
                „Partnerschaftsinitiative Fluthilfe“ ins Leben gerufen. Am 27.1.2005 wurde Frau Christina
                Rau von Bundeskanzler Gerhard Schröder als Sonderbeauftragte für die
                Partnerschaftsinitiative der Öffentlichkeit vorgestellt.



                Ziele und Struktur der Partnerschaftsinitiative Fluthilfe

                Die Ziele der Partnerschaftsinitiative sind:
                1.       einen sichtbaren Beitrag zum Wiederaufbau der Flutländer zu leisten und
                2.       durch langfristige, nachhaltige Partnerschaften die Beziehungen zwischen den
                         Menschen in Deutschland und in den Flutländern zu vertiefen.


                Die Partnerschaftsinitiative ist ein Beratungs- und Koordinierungsangebot für diejenigen,
                die sich bei der Fluthilfe engagieren wollen, denen aber Projektpartner, Geldgeber,
                Länderkenntnis oder entwicklungspolitische Erfahrung fehlen. Die Partnerschaftsinitiative
                hilft im Rahmen ihrer Möglichkeiten, diese Komponenten zusammenzuführen. Die
                Partnerschaftsinitiative ist folgendermaßen organisiert:
                •    Christina Rau: Sonderbeauftragte der Bundesregierung für die Partnerschaftsinitiative
                     Fluthilfe: Außendarstellung und Koordination der Partnerschaftsinitiative,
                     Ansprechpartnerin für Bürger, Medien und Nichtregierungsorganisationen,
                     Vermittlung in problematischen Fällen
                •    Interministerieller Ausschuss Partnerschaftsinitiative (Staatssekretäre beteiligter
                     Bundesministerien sowie Beauftragte von Ländern und Kommunalen
                     Spitzenverbänden): politische Steuerung der Partnerschaftsinitiative während der
                     ersten Monate.
SEITE 3 VON 3   •   Interministerieller Arbeitsstab Partnerschaftsinitiative im Auswärtigen Amt
                    (Arbeitsebene beteiligter Bundesministerien, Bundesländer, Kommunen):
                    Abstimmung zwischen Akteuren in Bund, Ländern und Kommunen, Bearbeitung
                    politischer und behördlicher Vorgänge.
                •   Servicestelle Partnerschaftsinitiative/InWEnt: Anlaufstelle für deutsche Hilfeanbieter,
                    Prüfung der Hilfsangebote, Empfehlung bedarfsgerechter Projekte, Beratung bei der
                    Umsetzung der Projekte
                •   Partnerschaftsbüros an den deutschen Auslandsvertretungen in den Flutländern
                    Indonesien (Banda Aceh), Sri Lanka (Colombo), Indien (Chennai), Thailand
                    (Bangkok): Prüfung der Bedarfsmeldungen (zu Anfang auch Projektakquisition),
                    Projektprüfung und Beratung von Helfern vor Ort (Umgang mit Behörden,
                    Überwindung lokaler Hindernisse), Koordinierungstreffen mit
                    Nichtregierungsorganisationen und staatlichen Durchführungsorganisationen vor Ort


                Es liegt im freien Ermessen der Spender, das Beratungsangebot der
                Partnerschaftsinitiative anzunehmen. Daher bleibt die Verantwortung für die Projektwahl
                und -gestaltung grundsätzlich beim Spender sowie bei dem umsetzenden Projektträger.
                Viele Spender führen ihre Projekte von Beginn an in Eigenregie ohne Kontakt mit der
                Partnerschaftsinitiative durch.



                Bilanz nach einem Jahr Partnerschaftsinitiative Fluthilfe
                Die Koordinations- und Beratungsleistung der Partnerschaftsinitiative wurde sehr stark
                nachgefragt: Über 1300 Hilfsangebote gingen ein. Die deutschen Partner wurden in ihrem
                Engagement beraten, für sie wurden vielfach Ansprechpartner in den betroffenen Ländern
                gefunden sowie entwicklungspolitisch sinnvolle Wiederaufbauprojekte identifiziert. Knapp
                300 Projektpartnerschaften für den Wiederaufbau zwischen Kommunen, Unternehmen,
                Schulen und Vereinen wurden auf den Weg gebracht und beraten, auf die über 600
                Hilfeanbieter gebündelt werden konnten. In den einzelnen Ländern stellt sich die Arbeit
                derzeit folgendermaßen dar:

                Indonesien: In der wegen des Bürgerkrieges lange Zeit für Außenstehende gesperrten
                Provinz Aceh waren die schwersten Zerstörungen und höchsten Opferzahlen (150.000
                Tote) nach dem Tsunami zu beklagen. Nachdem die Regierung in Jakarta die Provinz für
                ausländische Helfer öffnete, wurde in Banda Aceh eine Außenstelle der Deutschen
                Botschaft eingerichtet. Die Außenstelle betreut derzeit 50 Projekte mit einem
                Spendenvolumen von ca. 11 Mio. €. Mit Baumaßnahmen, Ausstattungs- und
                Mobilitätshilfe liegen die Schwerpunkte der Hilfe in den Bereichen Erziehung, Bildung,
SEITE 4 VON 4   Soziales und Wasserversorgung. Umgesetzt werden die Projekte der
                Partnerschaftsinitiative im wesentlichen von deutschen staatlichen Trägern (GTZ, THW).
                   •   Das Waisenhaus in Pidie wurde von der Help Alliance e.V. und den Städten
                       Meerane, Querfurt und Buchholz renoviert und umgebaut.
                   •   Die Firma ZF Friedrichshafen AG spendet 5 Schulbusse für das Verkehrsamt
                       Banda Aceh.
                   •   Die Partnerschaft der Universität Göttingen mit der Syiah-Kuala Universität Banda
                       Aceh sieht eine Kooperation in den Fachbereichen Agrarwissenschaft und
                       Tropenwald vor und finanziert dank einer großzügigen Spende der Firma Knorr-
                       Bremse sowie mit Mitteln des DAAD über 400 Stipendien.
                   •   Als einkommensschaffende und existenzfördernde Maßnahmen sind zudem das
                       Mikrokreditprogramm für Kleinunternehmer der Deutschen Sparkassenstiftung
                       sowie die Rehabilitierung des Berufschulzentrums Banda Aceh durch die
                       Organisation „Indogerm“ zu nennen, die von der Deutschen Botschaft Jakarta
                       unterstützt wird und die Spenden der Initiative „Wirtschaft hilft“ des BDI und des
                       Handelsblatts umsetzt.


                Sri Lanka: Sri Lanka ist nach Indonesien am stärksten von dem Tsunami betroffen
                (35.000 Tote). Die Deutsche Botschaft in Colombo betreut derzeit über 60 Projekte mit
                einem Spendenvolumen von ca.22,5 Mio. €. Bildung, Gesundheit und Hausbau sind die
                Schwerpunktbereiche der Hilfe, die von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen sowie
                von staatlichen Trägern umgesetzt wird.
                   •   Beispielsweise in den Partnerschaftsprojekte der Krankenhäuser Weiden und
                       Landsberg wurden gezielt Geräte gespendet. Personalaustausch und
                       Personalfortbildung ist vorgesehen.
                   •   Zehn Schulen werden von deutschen Partnern mithilfe der GTZ wiederaufgebaut.
                       Unter anderem bauen Bielefeld und Deutsches Rotes Kreuz gemeinsam eine
                       Schule im nordöstlichen Distrikt Mullaitivu wieder auf. Regensburg, Wolfsburg und
                       Hannover bauen Schulen im Distrikt Jaffna an der Nordspitze der Insel wieder auf.
                       Schulpartnerschaften sind geplant.
                   •   Mit Gerätespenden (Fischerboote, Netze) und Ausbildungshilfen werden auch
                       Einkommensmöglichkeiten geschaffen. Die schon 15 Jahre bestehende
                       Partnerschaft der berufsbildenden Schulen Wesermarsch zu der Seemannsschule
                       Galle soll nach der Beseitigung der Flutschäden intensiviert werden.
                   •   Mit großer Schnelligkeit hat die Initiative „Worms hilft“ im südlichen Dickwella
                       großartiges geleistet. Mit Hilfe auch der Stadt Mainz und des Landkreises Alzey
                       wurde vom Arbeitersamariterbund eine private Vorschule errichtet und im örtlichen
                       Krankenhaus eine Ambulanz sowie die Kinder und Frauenstation
SEITE 5 VON 5          wiederaufgebaut. Zusammen mit dem THW wird nun einen Männerstation
                       neugebaut.


                Indien: Das Generalkonsulat in Chennai betreut derzeit 14 Projekte mit einem
                Spendenvolumen von ca. 5 Mio. € in Südindien. Wiederaufbau von Wohnhäusern und
                Schulen stehen im Vordergrund. Die Hilfe wird meist von Nichtregierungsorganisationen
                wie Malteser, Caritas, Karl-Kübel-Stiftung oder ihren lokalen Partnern durchgeführt. Da
                die kommunale und private Hilfe aus Deutschland sehr positiv aufgenommen wird,
                bestehen Chancen für langfristige Schul- und Kommunalpartnerschaften.
                   •   Die Stadt Bonn unterstützt zusammen mit dem Bonner Generalanzeiger und der
                       Deutschen Welthungerhilfe Gemeinden in dem Distrikt Cuddalore. Fischerei und
                       Wohnraum sollen wiederaufgebaut werden; zunächst wurden Lebensmittelpakete
                       geschickt.
                   •   Zusammen mit Caritas als Projektträger unterstützt die Initiative „Südbaden hilft“ –
                       insbesondere Freiburg, der SWR und die Badische Zeitung – die Region
                       Chengalpattu in Südindien mit Nothilfe, Fischerbooten, Hausbauprojekten und
                       beruflichen Trainingsmaßnahmen, von denen viele Frauen profitieren.
                   •   Die Stadt Würzburg, s.oliver und die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe helfen
                       in dem südindischen Distrikt Kanyakumari mit Fischerbooten und einem
                       Hausbauprogramm inklusive umliegender Infrastruktur (Wasser, Strom, Wege,
                       Straßenbeleuchtung) in der Gemeinde Toothoor.


                Thailand: Die Deutsche Botschaft in Bangkok berät eine Vielzahl deutscher
                Nichtregierungsorganisationen (z. B. Aktion Deutschland Hilft), lokaler Träger und privater
                deutsch-thailändischer Initiativen. Derzeit werden über 20 Projekte der
                Partnerschaftsinitiative betreut. Schwerpunkte der Hilfe sind die Bereiche Erziehung,
                Bildung, Gesundheit sowie die Unterstützung von Fischern.
                   •   Sieben Krankenhäuser und Krankenstationen wurden unter anderen durch die
                       Stadt Darmstadt, BILD hilft e.V. und die Firma Schering rehabilitiert und zum Teil
                       mit neuen Geräten versehen. Die Malteser und BILD hilft e.V. haben großzügig für
                       die Deckung des nach dem Tsunami erhöhten Bedarfs für Prothesen gespendet.
                       Die Malteser unterstützen zudem den Aufbau einer mobilen Orthopädiewerkstatt.
                   •   Ein Programm für Sport- und Freizeitangebote für vom Tsunami betroffene Kinder
                       wird von deutschen Spendern finanziert und von der UNODC (United Nations
                       Office on Drugs and Crime) und der thailändischen Hilfsorganisation Duang
                       Prateep Foundation in Gemeinden der Provinz Phang Nga umgesetzt. Integrale
                       Bestandteile dieser Angebote sind Elemente der Drogenaufklärung und der
                       Traumabewältigung.
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                Damit leistet die Partnerschaftsinitiative sowohl in der Nothilfe als auch im Wiederaufbau
                einen sichtbaren positiven Beitrag.

                Die gute Kooperation mit nichtstaatlichen Hilfsorganisationen (etwa dem Bündnis
                „Gemeinsam für Menschen in Not – Entwicklung hilft“) und den Kirchen sowie mit den
                Strukturen der staatlichen deutschen Entwicklungszusammenarbeit hat zu diesen
                positiven Ergebnissen entscheidend beigetragen.

                Insbesondere einige von professionellen Organisationen der
                Entwicklungszusammenarbeit betreute Projekte haben das Potential, langfristige
                Beziehungen in die Tsunami-Region zu knüpfen und so echte Partnerschaften
                aufzubauen. Aus vielen guten, zunächst auf den Wiederaufbau konzentrierten Projekten
                können sich auch partnerschaftliche Beziehungen entwickeln, die mit dem Blick auf das
                realistisch Machbare weiterentwickelt werden können.

                Die Partnerschaftsinitiative hat mit der umfassenden Beratung der deutschen Helfer und
                mit den vermittelten Projektpartnerschaften neue Akzente zur entwicklungspolitischen
                Sensibilisierung und Weiterbildung der Bürger und Kommunen gesetzt und die
                zivilgesellschaftliche Solidarität zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und
                Lebensstandards gestärkt. Dank gebührt auch vielen Nichtregierungsorganisationen,
                Kirchen und Medien, die ebenfalls den Tsunami zum Anlass genommen haben, um über
                die Entwicklungsproblematik im Allgemeinen und die Flutländer im Besonderen zu
                informieren, und damit das Bewusstsein für die Idee der Einen Welt gefördert haben.



                Hindernisse und Schwierigkeiten bei der Hilfe

                Die Hilfe nach einer Katastrophe solcher Größenordnung kann nicht ohne Probleme und
                Fehler verlaufen. In den von der Flut betroffenen Ländern erschwerten bewaffnete
                Konflikte (Indonesien und Sri Lanka) sowie erhebliche soziale Ungleichheiten
                (Benachteiligung von Bevölkerungsgruppen wie den „Unberührbaren“ in Indien oder
                mangelnde Beteiligungsmöglichkeiten für Frauen) die Hilfe. Angesichts des Ausmaßes
                der Zerstörungen in Indonesien und Sri Lanka benötigten die Verwaltungsstrukturen
                dieser Länder viel Zeit, um nationale Wiederaufbaupläne vorzulegen. Da in diese Pläne
                alle Wiederaufbaubemühungen integriert werden sollten, mussten sich ausländische
                Helfer mit der Umsetzung ihrer Wiederaufbaumaßnahmen gedulden. Diskussionen um
                den Abstand neuer Siedlungen zum Meer, ungeklärte Eigentums- und Grundstücksfragen
                oder fehlende zivilgesellschaftliche Organisationen, die im schwer zerstörten Banda Aceh
                die Hilfsprojekte umsetzen konnten, verzögerten die Aufbauhilfe.
SEITE 7 VON 7   Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe wird der Wiederaufbau mindestens drei bis
                fünf Jahren in Anspruch nehmen. Hierauf mussten sich Spender und Medien einstellen
                und lernen, dass nachhaltige Hilfe nicht zugleich immer möglichst schnelle, sichtbare
                Ergebnisse produzieren kann. Insbesondere die Hilfeanbieter, die ohne professionellen
                Rat auf eigene Faust in der Flutregion helfen wollten, konnten oftmals die Nachhaltigkeit
                und Transparenz ihrer Hilfe und die Koordinierung mit anderen Akteuren der
                internationalen Hilfe nicht gewährleisten.

                Die Partnerschaftsinitiative Fluthilfe hat angesichts dieser faktischen Schwierigkeiten und
                hohen Erwartungshaltung einiger Spender regelmäßig um Geduld gebeten und die
                Qualitätsanforderungen für eine nachhaltige Hilfe betont. Kernbotschaften der
                Partnerschaftsinitiative an die privaten Helfer sind:
                   1. Qualität geht vor Schnelligkeit: Nachhaltige Hilfe benötigt Zeit, um positive
                        Wirkung zu entfalten.
                   2. Hilfe muss auf Augenhöhe mit den Betroffenen vereinbart werden. Das heißt,
                        sie muss bedarfsgerecht sein und die Verantwortlichen in Politik und
                        Verwaltung und besonders die Betroffenen vor Ort einbeziehen. Nur so ist
                        langfristig die Akzeptanz und positive Wirkung der Hilfe gewährleistet.
                   3. Bei der Verteilung der Hilfe dürfen vorhandene politische und soziale Konflikte
                        nicht verschärft werden. Auch benachteiligte Gruppierungen müssen in der
                        Hilfe Berücksichtigung finden.
                   4. Zu einer guten Projektpartnerschaft gehören drei Akteure: die deutschen
                        Helfer, die Betroffenen vor Ort und eine in der Entwicklungszusammenarbeit
                        erfahrene, ortskundige Organisation, die die Hilfe als Projektträger umsetzt. Es
                        zahlt sich aus, in überschaubarem Maße auch Kosten für die Arbeit einer
                        professionellen   Organisation    zu   tragen,     wenn    auf   diese   Weise    die
                        Nachhaltigkeit und Transparenz des Projektes sicher gestellt werden kann.
                   5. Helfer brauchen einen langen Atem, um ein Projekt zum Erfolg zu führen. Auch
                        die Betroffenen können von den Helfern keine Wunder erwarten. Erwartungen
                        und Forderungen sind auf ein realistisches Maß zurückzuschrauben.



                Ausblick

                Trotz der genannten Probleme und Schwierigkeiten hat sich die Partnerschaftsinitiative
                durch   Zahl   und    Qualität   der   vermittelten     Projekte   bewährt.   Sie   hat   die
                zwischenstaatliche Zusammenarbeit und die Hilfe der Nichtregierungsorganisationen
                und Kirchen sinnvoll ergänzt und in Deutschland entwicklungspolitische Bildung
                gestärkt. Damit hat sie zivilgesellschaftlich partnerschaftliches Engagement als einen
                neuen Weg in der Entwicklungszusammenarbeit aufgezeigt. Die Vernetzungen der
SEITE 8 VON 8   privaten Helfer mit professionellen Beratungsstellen sowie die Koordinierung und
                Kooperation mit erfahrenen Nichtregierungsorganisationen, Kirchen, staatlichen
                Stellen und Durchführungsorganisationen ist für das Gelingen ihrer Hilfsmaßnahmen
                elementar.

                Da seit dem Sommer der Finanzbedarf eingereichter Projekte die in Vermittlung
                befindlichen Spendenmittel übersteigt, konzentriert sich die Partnerschaftsinitiative auf die
                gezielte Werbung für angelaufene nachhaltige Projekte. Hauptziel ist jetzt, die wenigen
                noch nicht vermittelten Hilfsangebote, darunter eine größere Anzahl von Schulen, an
                Partner zu vermitteln. Angelaufene Projekte werden weiterhin nach Bedarf beraten und
                betreut, bis sie selbständig weitergeführt werden können. Hierfür werden bei InWEnt und
                in den betroffenen Auslandsvertretungen die nötigen Kapazitäten vorgehalten.

                Vom 09. - 14.12.2005 reist Frau Christina Rau nach Sri Lanka, um sich über den Fortgang
                der Projekte der Partnerschaftsinitiative zu informieren. Sie wird mit Menschen zusammen
                treffen, die von den Wiederaufbauprojekten profitiert haben, und mit Verantwortlichen für
                die Wiederaufbauprojekte und mit lokalen Entscheidungsträgern Gespräche über ihre
                Erfahrungen mit der Partnerschaftsinitiative führen. Sie wird von Medienvertretern
                begleitet, die so im Vorfeld des Jahrestages über den Wiederaufbau berichten können.

				
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