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BSH Workshop Extremereignisse an der deutschen Kste Tsunamis

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BSH Workshop Extremereignisse an der deutschen Kste Tsunamis Powered By Docstoc
					BSH - Workshop
Extremereignisse an der deutschen Küste
"Tsunamis - eine Gefahr für unsere Küsten ?"

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
Bernhard-Nocht-Straße 78
20359 Hamburg




21. Juni 2005




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"Tsunamis - eine Gefahr für unsere Küsten?"


Was sind Tsunamis ?

Japanischer Begriff, der wörtlich übersetzt Hafenwelle bedeutet (tsu = Hafen, nami = Welle);
Bezeichnung für verheerende, plötzlich hereinbrechende Flutwellen mit bis zu 30 m Höhe;

Wie entstehen Tsunamis ?

Im Prinzip durch die schlagartige Verdrängung ungewöhnlich großer Wassermengen; hierfür
sind verschiedene Auslöser denkbar:
Seebeben:
• infolge dynamischer Kontinentalplattenverschiebung; so können an den Grenzen
    zwischen zwei sich reibenden Platten (z.B. eurasischer Platte und indischer Platte),
    starke Beben entstehen;
• im Nordatlantik sind Seebeben selten; die meisten unterseeischen Erdbeben
    verursachen keine Tsunamis (kritische Grenze ab Stärke 7);

Hangrutschungen:
• an steilen Kontinentalabhängen z.B. durch Erdbeben ausgelöst;
• diskutiert wird auch Destabilisierung durch Abbau von Bodenschätzen;
• potenzielle Hangrutschregionen sind die Kanarischen Inseln und Norwegen;

Vulkanausbrüche (im oder am Ozean):
erzeugen Tsunamis u.a. durch
• die seismische Erschütterung;
• Druckänderung bei unterseeischen Ausbrüchen durch heißes Magma
• Formation von Explosionskratern (Caldera)und Nachfließen von Wasser;
• für den Nordatlantik relevante Beispiele sind nicht bekannt

Meteoriten-Einschlag:
• einen Meteoritenregen auf die Erde hat es ca. 8200 Jahre vor unserer Zeitrechnung
   gegeben;
• nach geologischen Untersuchungen könnte ein betroffenes Gebiet zwischen Island und
   Norwegen gelegen haben;

Physik/Verhalten von Tsunamis ?

•   4000m tiefer Ozean: Geschw.:720 km/h (Düsenjet), Perioden 10 bis 30 Minuten;
    Wellenlängen: 120 bis 360 Km, Wellenhöhe: kleiner 1m
•   100m tiefes Schelfmeer: Geschw.: 115 km/h (PKW), Wellenlängen: 20 bis 60 Km
•   Aufprall: physikalisch am komplexesten Gegenstand aktueller Untersuchungen
•   Mehr dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Tsunami

•   Unterschied zu Gezeitenwellen?



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    Gezeitenwellen werden durch die gezeitenerzeugenden Kräfte (Mond, Sonne) erzeugt
    sehr gute Möglichkeit der Prognose, seit langer Zeit etabliert
•   Unterschied zu Monsterwellen ?
    Freakwaves werden durch Wind und Überlagerung mehrer Wellen erzeugt; sie sind eine
    Extremform des Seegangs Vorhersagbar sind Gebiete mit hohem Seegang,
    Monsterwellen selbst können noch nicht prognostiziert werden.

Tsunamis in Europa ?

•   Vor 8000 Jahren löste die Storegga-Hangrutschung von Norwegen einen Tsunami aus,
    der bis in die mittlere Nordsee registriert wurde;
•   1755 Seebeben von Lissabon: Stärke 9, Epizentrum im Seegebiet vor Lissabon, 40 bis
    60 Minuten später richten bis zu 15 m hohe Wellen schwere Schäden in den
    Küstenregionen Portugals an; nach ca. 4 Stunden bewegte sich eine 3-4 m hohe Welle
    durch den Kanal in Richtung Nordsee;
•   Bei den Kanarischen Inseln gab es in den letzten 200.000 Jahren 2 große
    Hangrutschungen; auf der Kanareninsel La Palma besteht die Gefahr einer instabilen
    Vulkanflanke, die ins Meer abrutschen könnte.

Wo gibt es Tsunami-Warnsysteme ?

•   Als internationale Zentrale gibt es seit 1948 das Pazifische Tsunami-Warnzentrum
    (PTWC) in Honolulu; dort sind inzwischen alle größeren Pazifikländer Nord- und
    Südamerikas, Asiens, und Australiens zusammen geschlossen;
•   parallel dazu haben sich nationale Flutwellen-Warnsysteme in Problemregionen mit
    Meeresgebieten von großer Wassertiefe entwickelt, die durch Seebeben gefährdet sind,
    unter anderem in Japan und Russland
•   die deutsche Meereswissenschaft hat dies bisher nicht intensiv untersucht;

Wie kann vor Tsunamis gewarnt werden ?

•   Allgemein gilt: man kann nur warnen, nicht vorhersagen, weil die Auslöser von Tsunamis
    nicht vorhersehbar sind;
•   Voraussetzung sind gut funktionierende geophysikalische und ozeanographische
    Beobachtungssysteme, wie Seismographen, Tiefseedruckpegel und Küstenpegel; eine
    Satellitenbeobachtung scheidet aus, da die kontinuierliche Abdeckung fehlt und die
    Datenprozessierung zu langsam ist);
•   zentrale schnellstmögliche Auswertung der erhobenen Beobachtungsdaten;
•   computergestützte Modellrechnungen zur Ableitung von Szenarien;
•   konkrete Gefährdungseinschätzung im Einzelfall + Warnung (Uhrzeit, Gebiet,
    Wellenhöhe)




Tsunami-Modellstudien in Deutschland?

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•   in den letzten Monaten wurden erste Rechnungen durchgeführt, u.a. vom BSH, dem
    Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften der Universität Hamburg, der
    Universität Bremen (Fachbereich Meeresgeologie) und der Universität Hannover;
•   die bisherige Simulation zur möglichen Wellenausbreitung in der Nordsee basiert auf
    Werkzeugen, die eigentlich für andere Zwecke konzipiert sind, z.B. das operationelle
    Modell des BSH für die Sturmflutwarnung;
•   für ein komplettes Tsunami-Modell für die Nordsee müssen Module vorhandener
    Werkzeuge angepasst oder neue Module entwickelt werden;

Vorhandene Infrastruktur in Deutschland ?

•   Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ) zur Beobachtung seismischer Aktivitäten;
•   Küstenpegel der Länder und der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV)
•   BSH als nationale Zentrale für Wasserstandsvorhersagen und Sturmflutwarnungen
•   Staatliche und regionale Einrichtungen des Katastrophenschutzes, die
    Bekämpfungsmaßnahmen in die Wege leiten;

Wird in Deutschland ein Tsunami-Warnsystem aufgebaut ?

•   Der BSH-Workshop dient der ersten gemeinsamen Voruntersuchung;
•   weitere intensive Untersuchungen werden zeigen, ob und ggf. was für die Zukunft
    erforderlich wird




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Tags: hohe, Welle
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