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rztliche Versorgung Jahr der Entscheidungen hat begonnen

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rztliche Versorgung Jahr der Entscheidungen hat begonnen Powered By Docstoc
					Gesundheits- und sozialpolitischer Informationsdienst der
AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen                          Ausgabe 1/2011




                                                  Ärztliche Versorgung
                                    Jahr der Entscheidungen hat begonnen

                                                    Pflegeversicherung
                                          Nächste Reformrunde eingeläutet	

                                               Innovative Arzneimittel
                                         Zusatznutzen muss belegt werden

                                         Migranten und Gesundheit
                             Zugang zu Gesundheitsleistungen erleichtern
            Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
EDITORIAL                          gibt es bei uns einen
                                   Ärztemangel? Mit dieser
                                                                 2011 wird auch ein wichtiges Jahr für die Selbst-
                                                                 verwaltung. Die Sozialwahlen werden zu einigen
                                   Fragestellung hatten wir      personellen Veränderungen führen – auch bei
                                   schon das letzte „Forum       der AOK Hessen. Die konstituierende Sitzung
                                   aktuell“ überschrieben.       unseres neuen Verwaltungsrates wird Mitte
                                   Auch in dieser Ausgabe        September stattfinden. Natürlich werden wir Sie
                                   soll die Thematik wieder      in den nächsten Monaten ausführlich und regel-
                                   aufgegriffen und vertieft     mäßig dazu informieren.
                                   werden – die Diskussion
            wird uns schließlich im kompletten Jahr 2011 und     Und ein weiteres Thema liegt uns sehr am
            darüber hinaus beschäftigen. Für uns ist klar: Die   Herzen. 70 Prozent aller in Hessen lebenden
            Strukturen der ärztlichen Versorgung müssen          Türken sind bei der AOK versichert. Dies ist ein
            so gestaltet sein, dass sie im Ergebnis zu einer     immenser Anteil – und eine immense Heraufor-
            optimalen Versorgung für unsere Versicherten         derung. Schon in der Vergangenheit haben wir
            führen. Und optimal heißt: Zum einen müssen          einzelne Maßnahmen und Aktivitäten für Mi-
            die Leistungen qualitativ hochwertig und wirt-       granten durchgeführt. Diese sollen nun gebün-
            schaftlich erbracht werden, zum anderen müssen       delt und weiter intensiviert werden.
            Ärzte und Krankenhäuser für die Versicherten
            erreichbar sein. Die medizinischen Leistungen
            und die Vergütung für die Leistungserbringer
            müssen dabei in einem angemessenem Verhält-
            nis stehen.                                          Herbert Schneider
                                                                 Alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrates
                                                                 der AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen


            AUS DEM INHALT

            POLITIK                                              UNTERNEHMEN
            Seite 3                                              Seite 12
            Verwaltungskosten im Risikostrukturausgleich         Elektronische Gesundheitskarte:
            zielgenauer abbilden                                 Angedrohte Kürzung ist nicht sachgerecht
            KV Hessen: Frank-Rüdiger Zimmeck und                 Migranten: AOK Hessen möchte Zugang zu
            Dr. Gerd W. Zimmermann zum Vorstand gewählt          Gesundheitsleistungen erleichtern
            Seite 4                                              Seite 14
            Zukunft der ärztlichen Versorgung:                   Klaus Schüler im Ruhestand
            Jahr der Entscheidungen hat begonnen
                                                                 Seite 15
            Mehr Dirigismus – weniger Wettbewerb                 Social Media: Was hat die AOK Hessen damit
            Standpunkt Dr. Wilfried Boroch                       zu tun?
            Seite 6                                              AOK Hessen fördert Mädchenfußball in Hessen
            Hessische Neuregelungen für Rettungsdienst
            und Krankenhauswesen in Kraft                        SELBSTVERWALTUNG
                                                                 Seite 16
            Pflegeversicherung:                                  Nachgefragt: Mitglieder des Verwaltungsrates
            Nächste Reformrunde eingeläutet                      Klaus Nitschkowski und Jürgen Poths
            GESUNDHEIT                                           Seite 17
            Seite 8                                              Selbstverwaltung:
            Innovative Arzneimittel:                             Grundprinzip und Erfolgsgeheimnis
            Zusatznutzen muss belegt werden
                                                                 AKTUELL
            Seite 10                                             Seite 18
            Krankenhausrechnungen:                               Neue Reihe des WIdO:
            Regeln für Prüfungen vereinheitlichen                Versorgungs-Report 2011
            Seite 11                                             Heilmittelbericht 2010
            Selbsthilfegruppe „Turtle Helpers“
                                                                 Seite 19
            Unabhängige Patientenberatung Deutschland:           Krankenhaus-Report 2011
            Aus einem Modell wird Alltag
                                                                 Gert Nachtigal gestorben



 2	                                                                AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1
Verwaltungskosten im Risikostrukturausgleich
zielgenauer abbilden




                                                                                                      POLITIK
Mit der Einführung des Gesundheitsfonds           Verteilungsschlüssel 80:20 erzielt
wurde der Zuweisungsschlüssel für die Ver-        bessere Ergebnisse
waltungskosten im Risikostrukturausgleich         Eine Forschungsgruppe um den Essener Ge-
aufgrund fehlender Erkenntnisse über den          sundheitsökonomen Jürgen Wasem weist nach,
Zusammenhang von Morbidität und Höhe der          dass das beste Ergebnis erzielt wird, wenn bei
Verwaltungskosten zunächst befristet bis zum      der Zuweisung der Verwaltungskosten 80 Pro-
31. Dezember 2010 festgelegt. Demzufolge          zent nach Morbidität und 20 Prozent nach der
werden 50 Prozent der Zuweisungen in Höhe         Zahl der Versicherten verteilt wird. Die Auto-
der GKV-durchschnittlichen Verwaltungskosten      ren der Studie betonen in ihren Schlussfolge-
je Versicherten und 50 Prozent in Abhängigkeit    rungen:
der Morbidität je Versicherten zugewiesen. Das    • Bei einer Reform der Verwaltungskostenzu-
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat          weisungen müssen die Effizienzanreize be-
die Aufgabe, die getroffene Regelung zu über-       stehen bleiben, Anreize zur Risikoselektion
prüfen und gegebenenfalls eine Änderung vor-        sollten weitgehend neutralisiert werden.
zuschlagen.                                       • Die Verwaltungskosten einer Krankenkasse
                                                    steigen mit zunehmender Morbidität ihrer
Inzwischen haben wissenschaftliche Untersu-         Versicherten.
chungen gezeigt, dass es einen starken Zusam-
menhang zwischen Verwaltungskosten und Er-        Allerdings, so die Autoren, könne ihre Studie
krankung gibt, da Kranke Verwaltungshandeln       die Untersuchung des Bundesministeriums für
auslösen. Rechnungen müssen überprüft und         Gesundheit nicht ersetzen, da das BMG auf
beglichen, Anträge bearbeitet und Versicherte     eine breitere Datengrundlage zurückgreifen
beraten werden. Bei gesunden Versicherten         kann. (js)
fällt hingegen nur ein geringer Verwaltungsauf-
wand an, beispielsweise für den Beitragseinzug.
                                                    Wasem, Göpffarth, und Buchner: Zu-
Von daher ist es nachvollziehbar, dass der Mor-
                                                    weisungen aus dem Gesundheitsfonds
biditäts-Risikostrukturausgleich    zielgenauer
                                                    für Verwaltungskosten - ist eine Reform
gestaltet wird, wenn die Morbidität stärker be-
                                                    notwendig? In: Jahrbuch Risikostruktur-
rücksichtigt wird.
                                                    ausgleich 2009/2010, hrsg. v. Göpffarth,
                                                    Greß, Jacobs und Wasem, Heidelberg
                                                    2010, S. 155-168




KV Hessen: Frank-Rüdiger Zimmeck und
Dr. Gerd W. Zimmermann zum Vorstand gewählt

                      Die Vertreterversamm-       Zimmeck war bislang Mitglied des Hauptaus-
                      lung der Kassenärzt-        schusses und wurde zum Vertreter des fachärzt-
                      lichen Vereinigung Hes-     lichen Versorgungsbereiches in den Vorstand
                      sen wählte Mitte Januar     gewählt. Dr. Zimmermann vertritt weiterhin den
                      den Limburger Derma-        hausärztlichen Versorgungsbereich im Vorstand.
                      tologen Frank-Rüdiger       Frank-Rüdiger Zimmeck kündigte an, die Integra-
                      Zimmeck (Bild) zum          tion zwischen den einzelnen Fachgruppen weiter
                      neuen Vorsitzenden des      vorantreiben und die ärztliche Selbstverwaltung
                      Vorstandes. Er folgt in     als Stütze des Landes selbstbewusst und enga-
diesem Amt auf Dr. med. Margita Bert, die nicht   giert vertreten zu wollen. Dr. Zimmermann möch-
mehr kandidiert hatte. Im Amt des stellvertre-    te seine erfolgreiche Arbeit im Vorstand fortset-
tenden Vorsitzenden des Vorstandes bestä-         zen. Sein Ziel sei es, dafür zu Sorgen, dass auch
tigt wurde der Hofheimer Allgemeinmediziner       die Hessischen Ärzte und Psychotherapeuten an
Dr. Gerd W. Zimmermann.                           der bundesweiten Honorarentwicklung endlich
                                                  angemessen teilhaben können. (nst)




AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                               3
     Zukunft der ärztlichen Versorgung:
     Jahr der Entscheidungen hat begonnen

     Die politisch Verantwortlichen in Bund und           Auftakttermin im Dezember mit Staatsminister
     Ländern haben sich für 2011 Großes vorge-            Grüttner sollen nun Arbeitsgruppen zu den The-
     nommen: Die ärztlichen Versorgungsstrukturen         men
     sollen so umgestaltet werden, dass sie den He-       • ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung,
     rausforderungen einer alternden Gesellschaft         • vergütungs- und vertragsrechtliche Anreize,
     gerecht werden und regionale Besonderheiten          • neue Kooperationsformen und
     differenzierter berücksichtigt werden können.        • Ansiedlungsförderung
     Außerdem sollen die Versorgungssektoren bes-         mögliche Maßnahmen eruieren.
     ser verzahnt oder zumindest ihre Kooperation
     verbessert werden. Und schließlich sollen die        Beteiligt an diesem Diskussionsprozess sind
     Honorarregelungen für die Vertragsärzte noch-        neben dem federführenden Sozialministerium
     mals auf den Prüfstand. Mit dieser Themen-           die Landesärztekammer, die Kassenärztliche
     sammlung beschäftigen sich seit Januar zwei          Vereinigung, die Verbände der Krankenkassen,
     Bund-Länder-Arbeitsgruppen, um wesentliche           die Hessische Krankenhausgesellschaft, die Fa-
     Vorarbeiten für ein „Versorgungsgesetz“ zu lei-      kultäten für Allgemeinmedizin der hessischen
     sten, das im Laufe des Jahres 2011 dann seinen       Universitäten, der Hessische Landkreistag, die
     parlamentarischen Weg nehmen soll. Einen de-         Ministerien für Wissenschaft und Kunst sowie
     taillierten Termin- und Arbeitsplan gibt es hierzu   Finanzen.
     bislang nicht – und auch die Themenliste dürfte
     noch nicht abschließend geklärt sein.                „Als AOK Hessen haben wir uns in den Dis-
                                                          kussionsprozess eingebracht. Im Interesse
     Zu Jahresbeginn lieferte die Arbeitsgruppe Ge-       unserer Versicherten wollen wir an tragfähigen
     sundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion              Lösungen mitwirken, die in allen Regionen Hes-
     mit ihrem Papier „14 Vorschläge für eine Re-         sens eine adäquate Versorgung gewährleisten“,
     form der medizinischen Versorgung in Deutsch-        betont Dr. Michael Karner, kommissarischer
     land“ eine erste umfassende Vorlage für die an-      Leiter des Bereichs Gesundheitspartnerma-
     stehenden Beratungen der Regierungspartner.          nagement, den Anspruch der AOK Hessen. Die
     Auch dieses Papier betont allerdings zunächst,       politische Herausforderung dürfte nun darin
     dass kein generelles Versorgungsproblem be-          bestehen, das inhaltlich Wünschenswerte mit
     steht, sondern die jeweilige Situation vor Ort       dem bundes- und landespolitisch Möglichen
     differenziert zu beurteilen ist.                     abzuklopfen und die Rahmenbedingungen so-
                                                          wohl bundesgesetzlich als auch vertragsrecht-
     Parallel haben auch auf der Landesebene Akti-        lich entsprechend anzupassen. Das wird eine
     vitäten zum Thema „Sicherstellung der gesund-        spannende Aufgabe, deren Ergebnis noch völlig
     heitlichen Versorgung“ begonnen. Nach einem          offen ist. (jm)


     Standpunkt
     Dr. Wilfried Boroch, Hauptabteilungsleiter Unternehmenspolitik
     der AOK Hessen

       Mehr Dirigismus – weniger Wettbewerb
        Bei der Frage der „Sicherstellung der ärztli-     gung haben – dies gilt nicht zuletzt für Hes-
        chen Versorgung“ handelt es sich um einen         sen. Wir haben aktuell also weniger einen
        vielschichtigen und komplizierten Themen-         Mangel an Ärzten, sondern ein Allokations-
        komplex, bei dem insbesondere vier Aspekte        problem – auch wenn sich diese Situation
        zu berücksichtigen sind.                          perspektivisch verändern könnte.

        Zunächst brauchen wir eine gemeinsame             Aufbauend auf einer objektiven Situations-
        Sicht über die tatsächliche Ist-Situation.        beschreibung der ärztlichen Versorgung
        Denn geredet wird in erster Linie über re-        (status quo/perspektivisch) und der Mor-
        gionalen Ärztemangel, ausgeblendet wird           biditätsentwicklung der Bevölkerung soll-
        hingegen häufig, dass wir in den meisten          te zweitens die Bedarfsplanung angepasst
        Planungsbereichen derzeit eine Überversor-        werden. Diskutiert wird hier vor allem eine



4	                                                          AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1
  kleinräumigere Planung. Dies klingt char-                                   zwischen Bund und Ländern steht auf der
  mant, weil man mit dieser in unterversorgte                                 Agenda. Die Bundesländer wollen ihre Ein-
  Regionen Arztsitze zuteilen kann. Aber sind                                 flussmöglichkeiten zur Gestaltung der Ver-
  die Konsequenzen wirklich allen bewusst?                                    sorgung deutlich verbessern – vermutlich
  Denn wenn dies keine kostensteigernden                                      aber ohne hierfür finanzielle Verantwortung
  Mengenausweitungen mit sich bringen soll,                                   übernehmen zu müssen.
  muss man im Gegenzug in den überversorg-
  ten Bereichen auch Arztsitze streichen. Dies                                Aus dieser komplexen Ausgangslage sach-
  hätte z. B. eine erhebliche Einschränkung                                   gerechte und kostenneutrale Konzeptionen
  der Niederlassungsfreiheit zur Folge. Und                                   zur Reform der ärztlichen Versorgung zu
  grundsätzlich bedeutet dies mehr dirigisti-                                 entwickeln, ist eine Aufgabe, um die den
  sche Eingriffe anstelle der Stärkung von Ver-                               Bundesgesundheits- und die Länderminister
  tragsfreiheit und Vertragswettbewerb.                                       niemand ernsthaft beneiden dürfte. Denn:
                                                                              Neue Konzepte müssen nicht nur dem tat-
  Drittens stellt sich die Frage nach der                                     sächlichen Versorgungsbedarf der Bevölke-
  Attraktivität des Arztberufes und der Nieder-                               rung gerecht werden, sondern sollten das
  lassung in unterversorgten Gebieten. In die-                                Gesamtsystem auch perspektivisch befrie-
  sem Zusammenhang spielen zum einen die                                      den. In der Tat ist die Forderung der Ärzte-
  konkreten Arbeitsbedingungen der Ärzte, wie                                 schaft nach nachvollziehbaren, verständ-
  Vergütung, Arbeitsbelastung, Zulassungs-                                    lichen und leistungsgerechten Honoraren
  recht etc. eine Rolle, zum anderen aber auch                                in allen Regionen plausibel und begründet.
  allgemeine Infrastrukturgesichtspunkte, wie                                 Aber gleichzeitig dürften die Versicherten
  z. B. Betreuungsmöglichkeiten für Kinder,                                   kaum Verständnis dafür haben, dass sie
  das Schulangebot und Freizeitmöglichkei-                                    immer neu verunsichert werden und durch
  ten. Bedingungen also, die nicht allein durch                               finanzielle Mehrbelastungen am Ende „die
  die Akteure im Gesundheitswesen bestimmt                                    Suppe auslöffeln“ müssen. Denn das müss-
  sind. Diesbezüglich sind auch das Land und                                  te allen Verantwortlichen klar sein: Nach
  die Kommunen gefragt.                                                       dem deutlichen Beitragsanstieg zum Jahres-
                                                                              beginn 2011 kann 2012 nicht schon wieder
  Und viertens sind spezielle Interessenlagen                                 nach mehr Geld der Beitragszahler gerufen
  einzelner Akteure zu berücksichtigen. So                                    werden. Jetzt muss es zunächst einmal um
  geht es z.B. um die Rolle der Krankenhäuser,                                Qualität, Bedarfsgerechtigkeit und Wirt-
  die die aktuelle Gemengelage nutzen wollen,                                 schaftlichkeit gehen! Es bleibt zu hoffen,
  um den Durchbruch zum ambulanten Sek-                                       dass diese Aspekte angesichts der hochpo-
  tor zu erreichen – und damit natürlich auch                                 litischen Gemengelage und der Vielzahl der
  ihre Erlöse aufbessern möchten. Und nicht                                   beteiligten Akteure letztlich nicht auf der
  zuletzt dient das Thema dem politischen                                     Strecke bleiben.
  Kräftemessen – die Kompetenzverteilung




 Entwicklung des ärztlichen Honorars

   Angaben in Mrd. Euro gerundet (arztbezogen); 2009/2008 InBA und 2010 eigene Berechnungen auf Basis der Be-
   schlüsse des Erweiterten Bewertungsausschusses; Gesamtvergütung insgesamt; geometrischer Mittelwert; Angaben
   gerundet
                                                            durchschnittlich  durchschnittlich
                                                             1997 – 2007        2007 – 2010
                                                               +2,3% p.a.        +5,4% p.a.
                                                                                                                30,9   32,1
                                                                                                         28,8
                                                     25,3    25,8     25,9    26,4    27,3        27,4                    +4,7 Mrd. Euro
                                    23,9    24,6
           22,2    22,4    23,2




           1997    1998    1999     2000    2001    2002     2003    2004     2005    2006    2007       2008   2009   2010
   *Anmerkung: 2009 ohne Bereinigungsbeträge Selektivverträge • Darstellung: GKV-Spitzenverband




AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                                                               5
     Hessische Neuregelungen für Rettungsdienst und
     Krankenhauswesen in Kraft

     Zum 1. Januar 2011 sind in novellierter Form        Bei beiden Gesetzen wurde eine Reihe von Ein-
     das Hessische Rettungsdienstgesetz (HRDG)           wänden der Krankenkassen nicht berücksichti-
     und das Hessische Krankenhausgesetz (HKHG)          gt. So bleibt es bspw. beim Rettungsdienstge-
     in Kraft getreten. In beiden Sektoren gibt es re-   setz weiterhin unverständlich, dass Berg- und
     levante Neuerungen – als wichtigste erscheint       Wasserrettung als Teil des Rettungsdienstes
     die Bildung von regionalen Gesundheitskonfe-        angesehen werden. Bei beiden Aufgaben geht
     renzen im HKHG. Neben den Aufgaben, dem             es um Rettung aus existenziellen Notlagen ana-
     Ministerium Vorschläge zur Weiterentwicklung        log der Arbeit der Feuerwehren, nicht aber um
     des Krankenhausplanes zu unterbreiten und           medizinische Hilfe. Ein weiterer Einwand be-
     die Entwürfe der Krankenhausbauprogramme            traf die erhöhte Vorhaltung bei Großveranstal-
     zu beraten, sollen sie vor allem die regionalen     tungen. Diese ist nach Auffassung der Kassen
     Versorgungsstrukturen beobachten und in die         Teil des Katastrophenschutzes, weil die Regel-
     Diskussion bringen – z. B. um drohende Unter-       versorgung aufgestockt wird. (js)
     versorgung zu erkennen und Qualitätsdefizite
     aufzudecken. Neu ist auch die Beteiligung von
     Patientenvertretern. Es bleibt abzuwarten, wie
     praxisrelevant sich das neue Gremium zeigt
     und ob sich die Konstellation der Beteiligten
     bewährt.


     Pflegeversicherung:
     Nächste Reformrunde eingeläutet

     Die Fakten zur Pflegeversicherung sind weitge-
     hend bekannt: Die Zahl der Pflegebedürftigen
     wird steigen, die Pflegeleistungen werden dem
     tatsächlichen Bedarf nicht gerecht und voraus-
     sichtlich ab 2014 wird die Pflegeversicherung
     unter Status-quo-Bedingungen in die roten
     Zahlen geraten. Daher wird 2011 die Pflege-
     versicherung auf der Agenda des BMG und
     der Regierungskoalition stehen. Schwerpunkt-
     mäßig wird es hierbei voraussichtlich um zwei
     Themenkomplexe gehen: eine Neufassung
     des Pflegebedürftigkeitsbegriffes und eine
     mögliche kapitalgedeckte Ergänzung der
     derzeitigen Umlagefinanzierung.

     Zur Erinnerung: Letztmalig hatte die Politik        fahren eine Ergänzung durch Kapitaldeckung,
     2008 Hand an die Pflegeversicherung gelegt.         die verpflichtend, individualisiert und generati-
     Auch hier wurden die Leistungs- und die Fi-         onengerecht ausgestaltet sein muss. Eine inter-
     nanzierungsseite angepasst. Seinerzeit wurden       ministerielle Arbeitsgruppe wird dazu zeitnah
     u. a. eine Dynamisierung der Leistungen und         einen Vorschlag ausarbeiten.“ Diese Arbeits-
     eine gesetzliche Freistellung für Angehörige        gruppe sollte eigentlich Ende 2010 ihre Arbeit
     (Pflegezeit) gesetzlich verankert. Im Gegenzug      aufnehmen, wurde jedoch zunächst zurückge-
     wurde der Beitragssatz von 1,7 auf 1,95 Pro-        stellt. Um den künftigen Finanzbedarf kalkulie-
     zent erhöht. Damit wurde die Grundstruktur          ren zu können, soll zunächst die Leistungsseite
     der Pflegeversicherung nicht angetastet. Das        geklärt werden – also insbesondere die Fragen:
     könnte sich jetzt ändern.                           Wer soll Pflegeleistungen erhalten? Wer gilt als
                                                         pflegebedürftig? Wie wird der Schweregrad die-
     Ergänzende Kapitaldeckung vereinbart                ser Pflegebedürftigkeit bestimmt? Und schließ-
     In ihrem Koalitionsvertrag haben die Regie-         lich: Welche Leistungen werden im Einzelnen
     rungspartner 2009 vereinbart: „ ... Daher brau-     vorgesehen?
     chen wir neben dem bestehenden Umlagever-



6	                                                         AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1
Ganzheitlicher Begriff der Pflegebedürftigkeit       lungen umgesetzt werden können – kostenneu-
Diese Hausaufgabe steht schon seit geraumer          tral oder mit vertretbaren Ausgabenzuwächsen
Zeit im Pflichtenheft des BMG: Anfang 2009           – ist hingegen politisch noch nicht beantwortet.
überreichte der Beirat zur Überprüfung des           Hiervon wird dann entscheidend die Frage der
Pflegebedürftigkeitsbegriffs seine Empfeh-           Finanzierungssystematik abhängen. Denn ggf.
lungen an die damalige Bundesgesundheitsmi-          müssten höhere Leistungen in der Gegenwart
nisterin Ulla Schmidt (SPD). Die Empfehlungen        und eine Kapitaldeckung für zukünftige Kosten-
zielten im Kern darauf ab, den Begriff der Pfle-     steigerungen gleichzeitig finanziert werden.
gebedürftigkeit ganzheitlicher zu fassen und zur     Und das in einer Situation, in der ab 2012 in
Klassifizierung nicht nur körperlichen Hilfebe-      der GKV immer mehr Kassen Zusatzbeiträge für
darf in Zeiteinheiten zu messen, wie dies heute      ihre Versicherten verlangen dürften.
zur Eingruppierung in die drei Pflegestufen vor-
gesehen ist. Dementielle Einschränkungen sol-        Ob dann am Ende neben der „Riester-Rente“
len künftig besser abgebildet und allgemeiner        mit einer „Rösler-Pflege“ eine weitere ergän-
Betreuungs- und Unterstützungsbedarf stärker         zende private Absicherung geschaffen wird,
berücksichtigt werden. Hierzu soll die Pflegebe-     kann derzeit wohl noch niemand absehen. Es
dürftigkeit durch den Grad der Einschränkung         könnte aber die wichtigste Weichenstellung für
von Fähigkeiten und Kompetenzen ausgedrückt          die Pflegeversicherung seit ihrer Einführung
werden. Soweit reicht sicher auch der inhalt-        werden. (rm)
liche Konsens. Die Frage, wie diese Empfeh-




  Eine zusätzliche Herausforderung wird die Gewinnung und Sicherung von qualifiziertem
  Pflegepersonal sein. Schon heute sind rund 30.000 Stellen im Pflegebereich nicht besetzt
  – und die Anzahl der Pflegebedürftigen wird weiter ansteigen. “Während der erwartete Ärz-
  temangel die politisch Verantwortlichen bereits bundesweit aufgeschreckt hat, ist der sich
  verstärkende Fachkräftemangel in der Pflege bislang kaum aufgegriffen worden“, reklamiert
  Herbert Schneider, der alternierende Vorsitzende des Verwaltungsrates der AOK Hessen.




 Prognose: Beitragssatzentwicklung der Pflegeversicherung

                                                                            Prognose des BMG, 2010
       Prozent
          3,0                                                                2,8
                                                         2,5       2,5
          2,5                                  2,3
                                   2,1
                          1,95
          2,0

          1,5

          1,0

          0,5

            0
                          2010    2014        2020      2030      2040      2050




AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                            7
             Innovative Arzneimittel:
             Zusatznutzen muss belegt werden
GESUNDHEIT   Zum 1. Januar 2011 ist das Arzneimittelmarkt-
             neuordnungsgesetz (AMNOG) in Kraft getreten.
                                                                 Sechsstufiges Bewertungsschema
                                                                 In einer Verordnung hat die Bundesregierung
             Dadurch werden neue Rahmenbedingungen               definiert, dass der Zusatznutzen patienten-
             bei der Markteinführung innovativer Arzneimit-      relevant sein muss. Der Verordnungsgeber hat
             tel gesetzt. Bisher konnten die Hersteller von      sechs Stufen festgelegt:
             patentgeschützen Arzneimittel den Preis eigen-      • Ein erheblicher Zusatznutzen liegt vor, wenn
             ständig und ohne Begründung festlegen. Hier            eine Heilung einer Krankheit möglich wird,
             soll nun angesetzt werden.                             eine erhebliche Verlängerung der Überle-
                                                                    bensdauer in Aussicht steht, schwerwie-
             Zentrales Element der Reform ist eine frühe            gende Symptome oder schwerwiegende Ne-
             Nutzenbewertung, über die der Gemeinsame               benwirkungen entfallen.
             Bundesausschuss entscheidet. Bis zu dessen          • Ein beträchlicher Zusatznutzen besteht, wenn
             Entscheidung gilt der vom Hersteller festgesetz-       eine Verbesserung der Therapie erreicht
             te Preis. Für die Nutzenbewertung legt der Her-        wird, Symptome abgeschwächt werden, eine
             steller dem Bundesausschuss ein Dossier vor,           moderate Verlängerung der Lebensdauer
             mit dem er den Zusatznutzen des neuartigen             möglich ist oder die Nebenwirkungen redu-
             Präparates belegt. Innerhalb von drei Monaten          ziert werden.
             muss der Gemeinsame Bundesausschuss ent-            • Ein geringer Zusatznutzen besteht bei einer
             scheiden, ob ein Zusatznutzen nachgewiesen             geringfügigen Verbesserung der Therapie,
             worden ist. Zur Bewertung kann der Ausschuss           einer Veringerung von leichten Symptomen
             die Dienste des Institutes für Qualität und Wirt-      oder von leichten Nebenwirkungen.
             schaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)          • Die vierte Stufe beinhaltet einen Zusatznut-
             in Anspruch nehmen. Sollte kein Zusatznutzen           zen, der aufgrund fehlender Datengrundla-
             anerkannt werden, fällt das Präparat unter ei-         gen nicht quantifizierbar ist.
             nen Festbetrag. Kann das Medikament keiner          • Die fünfte Stufe bedeutet, dass kein Zusatz-
             Festbetragsgruppe zugeordnet werden, findet            nutzen belegt wird.
             eine Preisverhandlung zwischen GKV-Spitzen-         • Die sechste Stufe bedeutet eine Verschlech-
             verband und Hersteller statt.                          terung der therapeutischen Ergebnisse im
                                                                    Vergleich zur bestehenden Standardthera-
             Bei einem anerkannten Zusatznutzen handeln             pie. (js)
             Hersteller und der GKV-Spitzenverband inner-
             halb eines Jahres nach Markteinführung ei-
             nen Erstattungsbetrag aus. Optional kann ein
             Hersteller Verträge mit einzelnen Kassen oder
             einem Kassenverband abschließen. Scheitern
             die Vertragsverhandlungen, wird eine Schieds-
             stelle aktiv. Diese muss innerhalb eines Vier-
             teljahres nach Abbruch der Verhandlungen
             entscheiden. Das Ergebnis gilt rückwirkend
             ab dem 13. Monat nach Markteinführung. Im
             Falle einer Schiedsamtslösung können sowohl
             der Gemeinsame Bundesausschuss als auch
             der Arzneimittelhersteller eine Kosten-Nutzen-
             Bewertung verlangen. Der Gesetzgeber erwar-
             tet durch das neue Verfahren zur Preisbildung
             Einsparungen in Höhe von 2 Mrd. Euro.

             Doch nicht nur die Nutzenbewertung, auch an-
             dere strukturelle Änderungen werden durch das
             AMNOG initiiert. So können Arznei- und Medi-
             zinproduktehersteller Vertragspartner in der in-
             tegrierten Versorgung sein. Außerdem müssen
             die Ergebnisse von klinischen Prüfungen, in den
             die Wirksamkeit nachgewiesen wird, publiziert
             werden.




  8	                                                               AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1
Interview mit Prof. Dr. med. Jürgen Windeler,
dem Leiter des Institutes für Qualität und Wirt-
schaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG):


Wie beurteilen Sie die Rolle des IQWiG bei der
Nutzenbewertung von innovativen Arzneimitteln?

Gesetz und Rechtsverordnung stellen klar,
dass die frühe Nutzenbewertung Aufgabe des
Gemeinsamen Bundesausschusses ist. Er ist
Herr des Verfahrens, kann allerdings das IQWiG
beauftragen, insbesondere mit der Bewertung
des vom Hersteller eingereichten Dossiers.
Diese Bewertung soll objektiv nach wissen-                           Was halten Sie von der Definition des Zusatznut-
schaftlichen Kriterien stattfinden.                                  zens in der Verordnung der Bundesregierung?

Ich denke, dass das IQWiG in den letzten Jah-                        Das Wesentliche ist, dass der Zusatznutzen
ren unter Beweis gestellt hat, dass es die Kom-                      weiterhin als Verbesserung der Beeinflussung
petenz für diese Aufgabe besitzt. Sowohl die                         patientenrelevanter Endpunkte definiert ist.
Rolle, die der Gesetzgeber für das IQWiG in der                      Damit bleiben die bisher im Sozialgesetzbuch
frühen Nutzenbewertung vorsieht, als auch die                        definierten und der Arbeit des Instituts zu-
Umsetzung durch den G-BA in seiner Verfah-                           grunde liegenden Kriterien für Nutzen erhalten.
rensordnung, sehe ich als Beleg für das Ver-
trauen in das Institut.
                                                                     Bitte vervollständigen Sie: Nutzenbewertungen
                                                                     in der Medizin sind ...
Sind Sie enttäuscht, dass die Einschaltung des
IQWiG nicht zwingend erforderlich ist?                               ... unverzichtbar für eine gute Patientenver-
                                                                     sorgung.
Nein, gar nicht. Ich wünsche mir, dass das In-
stitut weiterhin durch die Qualität seiner Arbeit
zeigt, warum es eine gute Idee ist, das IQWiG
einzuschalten. Der Erhalt dieser Motivation ist
für ein wissenschaftliches Institut gesünder als
die Sicherheit eines Automatismus.




 Patentierte Wirkstoffe schlagen hoch zu Buche
            Umsatz in Mrd. Euro         Gesamtmarkt patentgeschützte Wirkstoffe
       15                               Innovative und verbesserte Wirkstoffe                           13,2
                                        Analogpräparate                                         12,6
                                                                                         11,6
       12                                          10,9
                                                                       10,0       10,3
                                           9,9
                              8,7                             9,0
        9
                 7,1
                                                                                                        6,9
                                                                                                6,5
                                                                                         5,8
        6                                           4,8                 4,8       5,0
                              4,0          4,4                4,4
                 3,2
                                                    4,5
        3                                  4,1
                              3,5                                       3,5       3,3    3,6    3,5
                 3,0                                          3,2                                       3,3

        0
                2000         2001         2002     2003      2004      2005       2006   2007   2008    2009

  Quelle: AVR 2010, Grafik: AOK-Mediendienst




AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                                            9
      Krankenhausrechnungen:
      Regeln für Prüfungen vereinheitlichen

      An jedem Arbeitstag gehen bei der AOK Hes-         abwägen, ob der Aufwand einer Einzelfallprü-
      sen etwa 1.660 sogenannte Aufnahmeanzeigen         fung gerechtfertigt ist, sondern auch das Kran-
      von Krankenhäusern ein – also Mitteilungen,        kenhaus würde bereits bei der Rechnungser-
      dass Versicherte stationär behandelt werden.       stellung mehr Sorgfalt aufbringen. Damit könnte
      Nach Entlassung und Abschluss der Behand-          die Fehlerquote der Abrechnungen insgesamt
      lung folgt eine Rechnung, deren Betrag sich        verringert werden, die nach wie vor beträcht-
      entsprechend der Klassifikation im Fallpau-        lich ist. Zwei von fünf geprüften Krankenhaus-
      schalensystem (DRG) bemisst. Ein Ablauf, der       abrechnungen erweisen sich als fehlerhaft. Eine
      verfahrenstechnisch einfach, inhaltlich aber oft   Prüfung des Bundesversicherungsamtes hat bei
      schwierig ist. Denn: Nicht jede Diagnosever-       den Krankenhaus-Rechnungsbeträgen eine Ein-
      schlüsselung, die einer Krankenhausrechnung        sparquote von 2,49 Prozent durch fehlerhafte
      zu Grunde gelegt wird, entspricht auch dem         Abrechnungen ergeben, was einem Rückerstat-
      tatsächlichen Erkrankungsbild des Patienten.       tungsvolumen von 1,5 Mrd. Euro entspricht.
      Diese medizinischen Fragen zur Abrechnung
      eines Krankenhausfalles kann die AOK aller-        Damit keine Missverständnisse entstehen: Bei
      dings nicht eigenständig klären. Die AOK er-       all dem handelt es sich fast ausschließlich um
      hält aus datenschutzrechtlichen Gründen kei-       Fehler in der Abrechnung – und explizit nicht
      ne Befunde und sonstige Unterlagen aus den         um vorsätzliche Falschabrechnungen, also
      Krankenakten. Dadurch wird die Fehlersuche         Betrug. Dass menschliche Erfassungs- und
      erheblich erschwert. Sie muss den Medizi-          Dokumentationsfehler in einem derart kom-
      nischen Dienst der Krankenversicherung (MDK)       plexen System wie der DRG-Abrechnung nie-
      beauftragen, eine entsprechende Überprüfung        mals vollständig ausgeschlossen werden
      vorzunehmen.                                       können, ist allen Beteiligten klar. Aber das
                                                         gemeinsame Bemühen muss darauf ausgerich-
      Doch vor diesem Verfahrensschritt steht ein        tet sein, die Fehlerquote möglichst gering zu
      erhebliches Hindernis: Sollte sich die Ver-        halten und die Finanzmittel zielgenau nach der
      mutung der AOK nicht bestätigen, dass eine         Schwere der Erkrankungen und dem Behand-
      Abrechnung fehlerhaft ist, muss sie eine           lungsaufwand zu verteilen. Eine gewissenhafte
      Aufwandspauschale von 300 Euro an das              Kontrolle ist letztlich auch im Interesse der
      betroffene Krankenhaus leisten. Diese „Straf-      Krankenhäuser, die ihre Abrechnungen bereits
      zahlung“ wird mit dem Verwaltungsaufwand           mit bestmöglicher Sorgfalt erstellen – sonst
      begründet, der auch für das Krankenhaus            bliebe der Ehrliche der Dumme. (jm)
      bei einer Prüfung durch den MDK entsteht.
      Die Regelung ist zwar durchaus nachvollzieh-
      bar, muss umgekehrt allerdings auch gelten:
      Denn Krankenhäusern droht keine derartige
      Gebühr, sollte sich ihre Abrechnung als fehler-
      haft herausstellen.

      MDK-Aufwandspauschale auch
      für Krankenhäuser
      Dass diese einseitige „Strafgebühr“ nicht sinn-
      voll sein kann, um eine sachgerechte Kontrolle
      des Abrechnungsgeschäfts zu gewährleisten,
      leuchtet ein. Deshalb fordert die AOK Hessen,
      das Anreiz- bzw. Sanktionssystem der Kranken-
      hausabrechnungen weiterzuentwickeln und für
      beide Vertragsparteien gleich auszugestalten.
      Dies würde bedeuten: Sollte sich herausstel-
      len, dass ein Krankenhaus fehlerhaft abgerech-
      net hat und diesen Fehler auch zu verantworten
      hat, wäre es ebenfalls mit einer gleich hohen
      „Strafgebühr“ von 300 Euro zu belangen. Dann
      würden nicht nur die Krankenkassen sorgfältig




10	                                                        AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1
Selbsthilfegruppe „Turtle Helpers“:
Erlebnisbericht einer 18-jährigen
Gastbeitrag von Isabelle Hilger


                      Ich bin 18 Jahre alt und     leitet. Herr PD Dr. med. J. Jonas ist der Betreu-
                                                                                                       Die Treffen der „Tur-
                      wohne in Kelsterbach.        er der Selbsthilfegruppe und hält oftmals sehr
                                                                                                       tle Helpers“ finden
                      Seit etwa drei Jahren        interessante Vorträge für die Gruppe und be-
                                                                                                       jeden zweiten Mitt-
                      habe ich eine autoim-        antwortet auch gerne Fragen, für die sich Ärz-
                                                                                                       woch um 18:30 Uhr im
                      mune      Schilddrüsener-    te keine Zeit nehmen können. Nicht nur Men-
                                                                                                       St. Marien-Krankenhaus
                      krankung namens Ha-          schen mit einer Schilddrüsenerkrankung sind
                                                                                                       in Frankfurt statt. Wei-
                      shimoto Thyreoiditis. Der    dort gerne gesehen, sondern auch die, die sich
                                                                                                       tere Informationen zur
                      Leidensweg ist lang und      für die Schilddrüse interessieren und für später
                                                                                                       Gruppe finden Sie unter
                      schmerzhaft. Man trifft      vorbeugen möchten. Wir freuen uns über jeden
                                                                                                       www.turtle-helpers.de.
auf viele Ärzte, die die Schilddrüse als Verur-    Neuen in der Gruppe.
sacher mancher Beschwerden gar nicht erst
wahrnehmen und die Schmerzen auf die Pu-           Wenn wir mal ehrlich sind, wissen die meisten
bertät schieben. Es gibt viele Menschen, denen     Leute noch nicht mal, dass die Schilddrüse im
es genauso geht wie mir, egal in welchem Alter     Hals liegt, sich wie ein Schutzschild um die
oder Geschlecht. Nach unzähligen erfolglosen       Luftröhre legt und viele wichtige Aufgaben hat.
Arztbesuchen machte mich eine Lehrerin mei-        Deswegen habe ich meine Abschlussarbeit für
ner Schule darauf aufmerksam, dass ich mög-        den Realschulabschluss über die Schilddrüse
licherweise Hashimoto Thyreoiditis habe und        und besonders über die Krankheiten gehalten.
hat mir einen Sportmediziner in meiner Nähe        Meine Lehrer, die mir die Note gegeben haben,
empfohlen.                                         waren sehr begeistert und einer sagte sogar,
                                                   dass ich mit diesem Vortrag meinen Doktortitel
Nicht jeder kann darauf hoffen, dass Mitmen-       hätte machen können. Meinen Vortrag habe ich
schen so aufmerksam und hilfsbereit sind.          mit den Worten „ohne die Schilddrüse wären
Deswegen gibt es Selbsthilfegruppen die ei-        wir alle einen Meter groß, dumm und würden
nem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die „Turt-   nicht existieren“ beendet, denn die Schilddrüse
le Helpers“ in Frankfurt am Main haben mir         ist ein lebensnotwendiges Organ, das leider un-
sehr geholfen. Die Treffen finden jeden zweiten    terschätzt wird.
Mittwoch statt und werden von Ingrid Staab ge-



Unabhängige Patientenberatung Deutschland:
Aus einem Modell wird Alltag

Ende vergangenen Jahres lief die insgesamt
zehnjährige Modellphase für eine unabhängige
Patientenberatung aus. Im Januar erfolgte nun
– nach einer europaweiten Ausschreibung – der
Zuschlag an eine Bietergemeinschaft aus Sozi-
alverband VdK Deutschland e.V., Verbraucher-
zentrale Bundesverband e.V. und dem Verbund
unabhängige Patientenberatung e.V.                 26 Mio. Euro aus dem GKV-System
                                                   Die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren die
UPD als Seismograph                                UPD in den nächsten fünf Jahren mit rund 26         Der hessische Standort
Die Bundesregierung hatte die Überführung des      Mio. Euro (jährlich 5,2 Mio.). Da auch Privatver-   der UPD befindet sich
Beratungsangebotes in die Regelversorgung          sicherte die Patientenberatung nutzen können,       weiterhin in Gießen. Die
beschlossen, so dass nun die Beratungsarbeit       hatten die gesetzlichen Kassen auf eine finan-      UPD ist bundesweit unter
fortgesetzt wird. Der Patientenbeauftragte der     zielle Beteiligung der Privaten Krankenversiche-    der kostenlosen Telefon-
Bundesregierung, Wolfgang Zöller, betonte bei      rung (PKV) gedrängt. Die PKV bezahlt jetzt zu-      nummer 0800-0117722
der Vertragsunterzeichnung die Funktion der        mindest ein neues muttersprachliches Angebot        zu erreichen und präsen-
Unabhängigen Patientenberatung Deutschland         für Ratsuchende mit Migrationshintergrund.          tiert sich auch im Inter-
(UPD) als „Seismograph“. Sie werde ihm künf-       (fd)                                                net: www.upd-online.de
tig über die ihr zugetragenen Beschwerden be-
richten.




AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                                                       11
              Elektronische Gesundheitskarte:
              Angedrohte Kürzung ist nicht sachgerecht
UNTERNEHMEN   Die Politik drängt zunehmend auf eine schnelle
              Einführung der elektronischen Gesundheits-
                                                                  Erheblicher operativer Aufwand
                                                                  Dies ist eine nicht unerhebliche Aufgabe, die
              karte – und hat mit dem GKV-Finanzierungsge-        die Kassen kurzfristig zu stemmen haben.
              setz (GKV-FinG), das seit diesem Jahr in Kraft      Auch die AOK Hessen. Im Klartext heißt das:
              ist, den Druck deutlich erhöht. Schaffen es die     Bis Ende diesen Jahres müssten seitens der
              Krankenkassen nicht, für eine bestimmte An-         AOK Hessen elektronische Gesundheitskar-
              zahl ihrer Versicherten die Karte zur Verfügung     ten an rund 150.000 Versicherte ausgegeben
              zu stellen, werden sie finanziell abgestraft. Im    werden. Bildbeschaffung, Kartenproduktion
              neuen § 4 Abs. 5 SGB V heißt es: „Bei Kranken-      und Lesegerätausstattung müssen beplant und
              kassen, die bis zum 31. Dezember 2011 nicht         rechtzeitig gestartet werden. Entsprechend
              an mindestens zehn Prozent ihrer Versicherten       sind externe Dienstleister auszuwählen und zu
              elektronische Gesundheitskarten nach § 291a         beauftragen.
              ausgegeben haben, reduzieren sich (...) die
              Verwaltungsausgaben im Jahr 2012 gegenüber          Natürlich setzt die AOK Hessen alles daran,
              dem Jahr 2010 um zwei Prozent.“                     dies im vorgegeben Zeitraum umzusetzen. Was
                                                                  aber nicht einfach werden wird, zumal aufgrund
                                                                  der Verwaltungskostendeckelung – ebenfalls
                                                                  durch das GKV-FinG – der Bewegungsrahmen
                                                                  der gesetzlichen Krankenkassen sehr eng ist.
                                                                  Hinzu kommt die Art der Sanktion: Es gibt kei-
                                                                  nerlei Zusammenhang zwischen der vorgese-
                                                                  henen Kürzung der Verwaltungskosten einer
                                                                  gesetzlichen Krankenkasse und der Einführung
                                                                  der elektronischen Gesundheitskarte. Die Dro-
                                                                  hung, eine pauschale Kürzung der Verwaltungs-
                                                                  kosten vorzunehmen, ist daher nicht sachge-
                                                                  recht. (nst)




              Migranten: AOK Hessen möchte Zugang zu
              Gesundheitsleistungen erleichtern
                                                                  Gesellschaft im Lande ist. Und mehr als das: Der
                                                                  Ausländeranteil bei der hessischen Gesundheits-
                                                                  kasse ist mit über 20 Prozent deutlich höher als
                                                                  im Durchschnitt der GKV. Etwa 340.000 Versi-
                                                                  cherte besitzen nicht die deutsche Staatsange-
                                                                  hörigkeit. Insgesamt sind Menschen aus nahezu
                                                                  200 Nationen bei der AOK Hessen versichert.

                                                                  Im Fokus stehen dabei die Menschen mit tür-
                                                                  kischer Staatsangehörigkeit, bilden sie bei der
                                                                  AOK Hessen doch mit Abstand die größte Mi-
                                                                  grantengruppe. Von den etwa 180.000 in Hes-
                                                                  sen lebenden Türken sind über 125.000 bei der
              Hessen ist nach Baden-Württemberg das Flä-          AOK versichert (nicht inbegriffen sind türkische
              chenland mit dem zweitgrößten Ausländeranteil       Einwanderer, die mittlerweile die deutsche
              – fast 12 Prozent der in Hessen lebenden Men-       Staatsbürgerschaft besitzen). Dieser beachtliche
              schen haben keinen deutschen Pass. Ein Blick auf    Marktanteil von etwa 70 Prozent macht deutlich,
              die Versichertenstruktur der AOK Hessen zeigt,      wie bedeutsam die Gruppe der türkischen Mit-
              dass sie durchaus ein Abbild der multikulturellen   bürger für die hessische Gesundheitskasse ist.



  12	                                                               AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1
Die AOK Hessen tut was
                                                     TOP 10 der ausländischen Versicherten
Daher hat die AOK Hessen nun ein weitrei-            bei der AOK Hessen
chendes Maßnahmenpaket geschnürt. Dies be-
trifft im ersten Schritt türkische Migranten. Bei         1 125.511 Türken
erfolgreicher Umsetzung soll das Programm
                                                          2     26.046 Italiener
perspektivisch auch auf andere Migrantengrup-
pen ausgeweitet werden. Alle sind uns wichtig.            3     14.156 Marokkaner

                                                          4     13.065 Griechen
Das Ziel ist vor allem eines: Migranten den Zu-
                                                          5     12.473 Jugoslawen
gang zu Gesundheitsleistungen zu erleichtern,                                  (Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien)
sprachliche Barrieren abzubauen und mehr
                                                          6     10.873 Kroaten
Transparenz zu schaffen. Es gilt, ihre Patienten-
souveränität zu stärken, damit sie in größerem            7     10.016 Afghanen
Maße eigenverantwortlich Präventionsange-                 8       9.217 Polen
bote und Gesundheitsleistungen in Anspruch
                                                          9       8.024 Pakistaner
nehmen können.
                                                         10       6.013 Russen
Hotline, Internet, Broschüren:
Mehr auf türkisch
                                                               340.333 Nicht deutsch
Im Zentrum steht die türkischsprachige Hot-
line, die unter 0180-1010200 erreichbar ist.                  1.160.744 Deutsch
Seit Mitte Februar kann sie genutzt werden, um                1.501.077 Gesamt
mit der AOK Hessen auf türkisch Kontakt aufzu-
nehmen. Dabei werden per Konferenzschaltung            Stand: 5. Januar 2011

zusätzlich noch Fachexperten ins Gespräch in-
tegriert. Für die Versicherten entstehen die glei-
chen Kosten wie bei unserer Service-Hotline.         Türken, darunter bilinguale Kurse, Veranstal-
                                                     tungen und regional bezogene Gesundheits-
Wichtige Informationen werden zudem auf              projekte. Hierfür wurde Mitte Dezember ein
www.aok.de/hessen in Zukunft auch in tür-
kisch angeboten und zu zentralen Themen –                                                                                   Bei der Vertragsunterzeichnung
                                                                                                                            (von links): Dr. Klaus Sinterhauf und
wie DMP/Diabetes Typ II, Krankengeld und Pal-
                                                                                                                            Dr. Yasar Bilgin von der TDG und
liativversorgung – werden die entsprechenden                                                                                Detlef Lamm, Bevollmächtigter des
Broschüren übersetzt.                                                                                                       Vorstandes der AOK Hessen

Wegweisender Kooperationsvertrag
mit der TDG
Intensiviert werden soll auch die Kooperation
zwischen der AOK Hessen und der Türkisch-
Deutschen Gesundheitsstiftung (TDG). Ge-
meinsam möchten sie Versicherte mit Migra-           Kooperationsvertrag in Marburg unterzeichnet.
tionshintergrund besser über Prävention und          Bereits 2010 konnte in enger Zusammenarbeit
Gesundheit informieren. Beide Partner star-          einiges umgesetzt werden. Neben der Be-
ten im kommenden Jahr mehrere Projekte für           teiligung an einem Kochwettbewerb und Ernäh-


                         Zuständig für die Um-       boren und aufgewachsen. 1989 kam er nach
                         setzung der Maßnah-         Deutschland, 1995 zur AOK Hessen. Dort
                         men für Migranten bei       war er an verschiedenen Standorten meist
                         der AOK Hessen ist          als Kundenberater tätig. Ehrenamtlich ist er
                         der Fachkoordinator         daneben noch journalistisch aktiv, bspw. für
                         Necati Suözer. Er ist       die türkische Zeitung „Hessen Güncel“. Der
                         in Istanbul – wie er        42-jährige lebt in Frankfurt (Suözer: „Die
                         sagt: „der schönsten        zweitschönste Stadt der Welt“), ist verheira-
                         Stadt der Welt“ – ge-       tet und hat zwei Kinder.




AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                                                                                    13
      rungsseminaren für türkische Frauen wurden          deutscher Sprache verfügbar, doch bestimmte
      Selbsthilfegruppen für Rheumatikerinnen in          Krankheitsbilder kämen bei Migranten häu-
      drei hessischen Städten gegründet. Nun wer-         figer vor, z. B. Bluthochdruck, Adipositas und
      den die Aktivitäten deutlich ausgeweitet und        Diabetes. Detlef Lamm, Bevollmächtigter des
      damit eine deutschlandweit einmalige Koope-         Vorstandes der AOK Hessen, sieht deshalb
      ration gestartet. „Viele Migranten sind bei der     dringenden Handlungsbedarf: „Wir kümmern
      AOK versichert. Somit verfügt sie über breite       uns insbesondere um diejenigen Versicherten
      Erfahrungen und genießt in dieser Bevölke-          mit Migrationshintergrund, die von solchen An-
      rungsgruppe auch ein hohes Vertrauen“, sagt         geboten wegen sprachlicher und anderer Barri-
      Dr. Yasar Bilgin, Vorsitzender der TDG. Fast alle   eren ausgeschlossen sind.“ (nst)
      Präventionsmaßnahmen seien bisher nur in




      Klaus Schüler im Ruhestand:
      45 Jahre im Einsatz für die AOK

                             Zum Jahresende verließ       Krankenversicherung der Rentner (KVdR), Frei-
                             der langjährige Leiter der   willig Versicherte, Studenten, Firmenkunden etc.
                             AOK-Regionaldirektion        betreffen. Die Einnahmen mit einem Volumen
                             Mittelhessen die hes-        von heute mehr als neun Milliarden Euro lagen
                             sische Gesundheitskas-       ab diesem Zeitpunkt in seinem Verantwortungs-
                             se. Klaus Schüler ging       bereich.
                             nach 45-jähriger AOK-
                             Karriere in den Ruhe-        Außerdem war Klaus Schüler viele Jahre im Be-
                             stand – nach dem er im       reich der Aus- und Weiterbildung nebenberuflich
      November seinen 62. Geburtstag gefeiert hatte.      als Dozent sowie im Prüfungsausschuss tätig.
      Der Familienvater und Großvater aus Herborn         Die Möglichkeit junge Mitarbeiter und Mitarbeite-
      war bis zu seinem Ausscheiden Hauptabteilungs-      rinnen zu fördern und zu fordern war ihm immer
      leiter für das Einnahmenmanagement mit Sitz in      wichtig: „Das hat mir neben der Arbeit immer sehr
      Wetzlar.                                            viel Spaß gemacht. Ich habe mich dann wieder
                                                          an Dinge erinnert, die im Rahmen der täglichen
      Alles begann mit einer Zeitungsannonce. Auf-        Arbeit doch ein bisschen zu kurz kommen.“
      grund derer bewarb er sich 1965 bei der AOK in
      Dillenburg und durchlief eine dreijährige Ausbil-   Auf die Frage, wie er die Zukunft der AOK Hessen
      dung. Nach der Weiterbildung zum Diplom-Ver-        sieht, antwortet Herr Schüler: „Herausfordernd,
      waltungswirt hatte er schon früh Führungsver-       vor allem in Bezug auf die Dinge, die die Politik
      antwortung in verschiedenen Bereichen der AOK       steuert. Die finanzielle Ausstattung der AOK Hes-
      übernommen – von den Leistungen bis zu den          sen ist derzeit gut. Herausfordernd ist für die ge-
      Beiträgen.                                          samte Mitarbeiterschaft, die zukünftigen Hürden
                                                          zu meistern. Insbesondere im Wettbewerb muss
      1993 – mit der Gründung der AOK Hessen – über-      die AOK große Anstrengungen unternehmen, um
      nahm er direkt eine Hauptabteilung. Eine große      auf dem Krankenkassenmarkt wettbewerbsfähig
      Herausforderung bestand in der Zusammenfüh-         zu bleiben.“ (nst)
      rung aller Prozesse der 21 hessischen AOKn in
      diesem Bereich. Zu diesem Zeitpunkt hieß die
      Hauptabteilung noch nicht Einnahmenmanage-
      ment, sondern Kundenzentralaufgaben bzw. Zen-
      trale Kundendienste. Hier wurden alle Prozesse
      zusammengefasst, die den internen Dienstlei-
      stungsbereich z. B. Regress, Beitragssicherung,




14	                                                         AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1
Social Media: Was hat die AOK Hessen damit zu tun?

Wer-kennt-wen, Facebook, Twitter, Youtube,           Auch die AOK Teil von Social Media
Schüler-VZ usw. – Social Media gewinnt in der        Auch über Krankenkassen tauscht man sich on-
Kommunikation zunehmend an Bedeutung.                line aus. Marktstudien haben gezeigt, dass sich
Doch was ist das überhaupt und welche Aus-           AOK-Versicherte bei ihrer Krankenkasse sicher,
wirkungen hat es auf die AOK Hessen?                 gut aufgehoben und verstanden fühlen. Aber
                                                     spiegelt sich das auch im Web 2.0, der interak-
Social Media beschreibt die Interaktion ver-         tiven Weiterentwicklung des Internets, wider?
schiedener Online-Nutzer untereinander. Die          Um das beantworten zu können, beschäftigen
Zahl der Blogs, Foren und Netzwerke hat in den       sich die Landes-AOKn gemeinsam mit dem
letzten zwei Jahren enorm zugenommen. Das            AOK-Bundesverband mit Social Media. Seit
Internet wird nicht mehr nur genutzt, um sich        September 2010 wird ein monatliches Moni-
zu informieren, inzwischen steht bei vielen Nut-     toring durchgeführt. Es umfasst die Sammlung
zern der Austausch von Wissen, Kontakten und         und Analyse von Meinungen und Kommentaren
Informationen im Vordergrund.                        aus dem Internet. Auch die Beobachtung eige-
                                                     ner sowie von Wettbewerbern initiierter Social-
Daher ist der Einfluss von Social Media enorm:       Media-Aktivitäten ist möglich.
In Europa verbringen mittlerweile Menschen
mehr Zeit im Netz, als vor dem Fernseher. Und        Die Bilanz nach den ersten Monaten:
mehr Verbraucher vertrauen Empfehlungen              • Das Artikelvolumen ist mit monatlich rund
durch soziale Kontakte im Netz als bspw. der           1.900 Einträgen für die AOKn bundesweit im
TV-Werbung. Unter den Top 20 der deutschen             Durchschnitt sehr hoch.
Internetseiten befinden sich neun Social-Me-         • Die meisten Einträge lassen sich nicht einer
dia-Seiten, darunter Facebook auf Platz zwei.          bestimmten AOK zuordnen.
Würden die deutschen Facebook-User ein Bun-          • Mit rund 50 Prozent überwiegen Fragen und
desland bilden, wäre es nach der Einwohner-            Stellungnahmen zur individuellen Versiche-
zahl das viertgrößte.                                  rung und zu konkreten Leistungen.
                                                     • Mit etwa 80 Prozent sind die weitaus meisten
                                                       der Beiträge in neutraler Tonalität.
                                                     • Es bestehen deutliche Unterschiede in der
                                                       Anzahl der genannten AOKn. Die AOK Hessen
                                                       wird derzeit vergleichsweise wenig im Inter-
                                                       net diskutiert. (nst)

Vertrag mit HFV:
AOK Hessen fördert Mädchenfußball in Hessen

Die Kooperation der AOK Hessen mit dem Hes-          um-Partner des HFV, denn Mädchenfußball wird
sischen Fußball-Verband (HFV) wird 2011 inten-       von der Gesundheitskasse auch als Wertegene-
siviert. Dazu unterzeichneten beide Partner im       rator verstanden: Der Mannschaftssport erhöht
Januar einen umfassenden Vertrag. Erneut wird        Fairness und Sozialkompetenz. Deshalb wirkt er
die Gesundheitskasse als Hauptsponsor die            im besten Sinne persönlichkeitsbildend. (nst)
„Tage des Mädchenfußballs“ maßgeblich för-
dern. An sechs großen Veranstaltungen in ganz
Hessen sollen Mädchen im Alter von acht bis 15
Jahren Erfahrungen mit Teamgeist und Fairplay
sammeln. Weil Fußball ein Sport mit hoher Bewe-
gungsintensität ist, werden zudem die physische
Gesundheit und die mentale Fitness gestärkt. Da-
rüber hinaus engagiert sich die AOK Hessen auch
für die einwöchigen Mädchen Fußball Camps in
Grünberg und die 16 Mädchenstützpunkte. Dort
werden besonders talentierte Kickerinnen trai-
                                                                                    pmphoto-Fotolia.de
niert. Damit ist die AOK Hessen offizieller Premi-




AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                             15
SELBSTVERWALTUNG                                              Nachgefragt
                           Persönlichkeiten aus dem ganzen Land engagieren sich in der Selbstverwaltung der AOK
                           Hessen. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen zwei Mitglieder des Verwaltungsrates vor und
                           lassen sie zu aktuellen Fragestellungen zu Wort kommen.




                           Klaus Nitschkowski                             Jürgen Poths
                           Versichertenvertreter und stv. Mitglied        Arbeitgebervertreter und stv. Mitglied
                           des Marktausschusses                           des Marktausschusses

                           Herr Nitschkowski ist 55 Jahre alt und seit    Der 70-jährige ist seit 1985 in der Selbstver-
                           Oktober 2005 Mitglied in der Selbstver-        waltung der AOK tätig – zunächst in der Ver-
                           waltung der hessischen AOK. Er ist stellver-   treterversammlung der AOK Wiesbaden.
                           tretendes Mitglied des Marktausschusses        Seit 2000 ist er im Verwaltungsrat der AOK
                                                                          Hessen. Er ist stellvertretendes Mitglied des
                           Der gelernte Modellschlosser-Industriemei-     Marktausschusses, Mitglied im Widerspruch-
                           ster aus Homberg/Ohm ist als freigestellter    sausschuss und im Landeshandwerksbeirat.
                           Betriebsrat bei der Fritz Winter Eisengieße-
                           rei GmbH & Co. KG in Stadtallendorf tätig.     Der Wiesbadener ist Geschäftsführer der
                                                                          in der Landeshauptstadt ansässigen Poths
                                                                          Steinmetzbetrieb GmbH und seit 26 Jahren
                                                                          Obermeister der Bildhauer- und Steinmetzin-
                                                                          nung Wiesbaden-Rheingau-Tausnus.

                                               Wie kann nach Ihrer Ansicht die AOK Hessen
                                                ihre derzeit gute Marktsituation festigen?

                           Im Mittelpunkt muss stehen, dass die AOK       Die AOK Hessen hat sich in den vergangenen
                           immer für die Versicherten und deren Belan-    Jahren sehr positiv entwickelt. Und die Men-
                           ge da sein muss. Und die wollen im Wesent-     schen vertrauen der AOK Hessen: Ende 2010
                           lichen eine sichere Krankenversicherung,       waren mehr Hessen bei der AOK versichert,
                           eine gute Versorgung und einen günstigen       als ein Jahr zuvor. Dies ist durchaus eine be-
                           Preis.                                         merkenswerte Entwicklung und bestätigt uns
                                                                          in unserer Zielvorgabe, weiter zu wachsen.
                           Und das bietet alles die AOK Hessen. Die
                           Zusicherung, im Jahr 2011 ohne Zusatz-         Bei den meist komplexen sozialrechtlichen
                           beitrag zu bleiben, ist das beste Argument     Fragestellungen muss die AOK Hessen dem
                           im Kassenwettbewerb. Dazu bietet die Ge-       Handwerk mit seinen zahlreichen Betrieben
                           sundheitskasse weiterhin attraktive Pro-       und Beschäftigten beratend zur Seite ste-
                           dukte und Tarife sowie kundenfreundliche       hen. Hinsichtlich der Fachkompetenz, der
                           Serviceleistungen.                             Kundennähe und des Services muss sie sich
                                                                          wie bisher deutlich positiv von der Konkur-
                           Die AOK Hessen ist und bleibt die größte       renz abheben.
                           Versichertengemeinschaft im Land. Dies
                           ist eine hervorragende Basis, um sich am       Wenn sie dies beherzigt, dann wird sie auch
                           Markt nicht nur zu stabilisieren, sondern      in Zukunft am Markt bestehen können.
                   (nst)   um weiter zu wachsen.



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Selbstverwaltung:
Grundprinzip und Erfolgsgeheimnis

„Ein Erfolgsgeheimnis unserer weltweit aner-       Krankenkassen: Selbstver-
kannten, robusten und erfolgreichen Sozialver-     waltung etwas anders
sicherung ist ihre dezentrale Verantwortungs-      Gewählt wird dann bei allen
struktur und Praxisnähe.“ Damit umschrieb          Sozialversicherungsträgern:
der CDU-Politiker Gerald Weiß in der vorletz-      Kranken- und Pflegekassen,
ten Ausgabe von „Forum aktuell“ eines des          Renten- und Unfallversiche-
Grundprinzipien unseres Sozialstaates: die         rungsträgern. Wie die Selbst-
soziale Selbstverwaltung. Und er weiß, wovon       verwaltung ausgestaltet ist,
er spricht. Schließlich ist Gerald Weiß Bundes-    ist jedoch unterschiedlich.
wahlbeauftragter für die Sozialversicherungs-      Im Regelfall gibt es drei Or-
wahlen und somit für die Durchführung der am       gane: Einen hauptamtlichen
1. Juni 2011 stattfindenden Wahlen zuständig,      Geschäftsführer, der die lau-
mit der die Mitglieder der Selbstverwaltung be-    fenden Verwaltungsgeschäfte
stimmt werden.                                     führt, einen aus mehreren
                                                   Personen bestehenden Vorstand, der den So-
Das Prinzip der Selbstverwaltung ist aber nicht    zialversicherungsträger nach außen vertritt,
nur in der Sozialversicherung bekannt. Sie gibt    sowie als oberstes Gremium die so genannte
es auch in anderen Bereichen:                      Vertreterversammlung, die den Vorstand und
• Kommunale Selbstverwaltung                       den Geschäftsführer wählt, den Haushaltsplan
  (z. B. Gemeinden, Landkreise)                    feststellt und die Satzung beschließt. Vorstand
• Berufsständige Selbstverwaltung                  und Vertreterversammlung bezeichnet man als
  (z. B. Kammern, Genossenschaften)                Selbstverwaltungsorgane. Sie sind mit ehren-
• Kulturelle Selbstverwaltung                      amtlich tätigen Personen besetzt.
  (z. B. Hochschulen, öffentlich-rechtliche
  Rundfunkanstalten)                               Sonderregelungen bestehen für die Kranken-
                                                   und Pflegekassen: Diese haben statt eines
Geschichte der Sozialen Selbstverwaltung           Geschäftsführers einen aus einer bis maximal
Wurde die kommunale Selbstverwaltung be-           drei Personen bestehenden hauptamtlichen
reits 1808 durch die Städteordnung des Frei-       Vorstand. Das Selbstverwaltungsorgan der
herrn vom Stein eingeführt, gilt als Geburtsjahr   Krankenkassen ist der Verwaltungsrat mit sei-
der sozialen Selbstverwaltung das Jahr 1881.       nen Ausschüssen und Beiräten. Dieser ist je zur
Denn bereits die „Geburtsurkunde“ der deut-        Hälfte aus Vertretern der Versicherten und der
schen Sozialversicherung – die Kaiserliche Bot-    Arbeitgeber besetzt. Aber auch hier gibt es eine
schaft vom 17. November 1881 – sprach von          Ausnahme: die Ersatzkassen. Dort gibt es in
der Lösung der sozialen Aufgaben „in der Form      der Regel nur Versichertenvertreter im Verwal-
kooperativer Genossenschaften unter staatli-       tungsrat – Ausnahmen, wie bei der Techniker
chem Schutz und staatlicher Förderung“. Nicht      Krankenkasse, ergeben sich durch Fusionen.
zuletzt durch den Erlass der Reichsversiche-
rungsordnung (RVO) im Jahr 1911 entwickelte        Der Verwaltungsrat der AOK Hessen besteht
sich die Selbstverwaltung weiter – bis zur         aus 30 Mitgliedern – neu konstituiert wird er
Gleichschaltung der Krankenkassen-Selbstver-       nach den diesjährigen Sozialversicherungs-
waltung durch die Nationalsozialisten. Staatli-    wahlen Mitte September 2011. (nst)
che Kommissare hatten dann das Sagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten Arbeit-
geber und Gewerkschaften beim Wiederaufbau           Was ist Selbstverwaltung?
als Sozialpartner eng zusammen und Bundes-           Durch Selbstverwaltung werden staat-
kanzler Konrad Adenauer hielt 1949 im Bundes-        liche Verwaltungsaufgaben an rechtlich
tag ein Plädoyer für die Selbstverwaltung der        selbständige Organisationen übertragen,
Krankenkassen. 1953 fanden die ersten Sozi-          um den Betroffenen eine eigenverant-
alwahlen in der noch jungen Geschichte der           wortliche Gestaltung zu ermöglichen.
Bundesrepublik Deutschland statt. Bis heute          Typische Organisationsform der Selbst-
ist insgesamt zehn Mal gewählt worden – in der       verwaltung ist die Körperschaft des öf-
Regel alle sechs Jahre.                              fentlichen Rechts. Die von ihr gesetzten
                                                     Normen ergehen im Normalfall als auto-
                                                     nome Satzungen.



AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                          17
                          Neue Reihe des WIdO: Versorgungs-Report 2011
AKTUELL                   Die angemessene Versorgung chronisch Kran-
                          ker stellt eine der zentralen Herausforderungen
                                                                            Anreizstrukturen mit ihren Auswirkungen auf die
                                                                            Versorgung. Einzelbeiträge sind der Koronaren
                          für unser Gesundheitssystem dar: Chronische       Herzkrankheit und der Herzinsuffizienz, dem Di-
                          Krankheiten verursachen hohe Kosten und be-       abetes mellitus und dem Schlaganfall gewidmet.
                          dingen häufig Arbeitsunfähigkeit und Pflegebe-    Der Diskussionsteil beinhaltet Themen wie ärzt-
                          dürftigkeit. Angesichts einer älter werdenden     liche Versorgung und ärztliche Bedarfsplanung,
                          Gesellschaft, aber auch durch neue Behand-        arztentlastende Versorgungsstrukturen und Te-
                          lungsmöglichkeiten, werden chronische Krank-      lemedizin. In seinem Statistikteil informiert der
                          heiten weiter zunehmen – sowohl im Umfang als     Versorgungs-Report 2011 ausführlich über das
                          auch an Bedeutung.                                Krankheitsspektrum, die Erkrankungshäufig-
                                                                            keiten und die Inanspruchnahme von Gesund-
                          Schwerpunktthema chronische Erkrankungen          heitsleistungen in Deutschland. Die Printaus-
                          Über Ausmaß und Behandlungsbedarf chro-           gabe wird durch ein Internetangebot ergänzt,
                          nischer Erkrankungen informiert der Versor-       das neben Abbildungen und Tabellen den kom-
                          gungs-Report 2011, indem er die Gesundheits-      pletten, statistischen Überblick über mehr als
                          versorgung sektorübergreifend untersucht.         1.500 Krankheiten bietet. (fd)
                          Für den vorliegenden Band wurden Behand-
                          lungsdaten von mehr als 24 Mio. Versicherten
                          ausgewertet. Der Versorgungs-Report 2011 ist                               C. Günster/
                          der Auftakt einer neuen Publikationsreihe des                              J. Klose/
                          Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)                                N. Schmacke
                          und legt bei dieser Startausgabe den Schwer-                               (Hrsg.):
                          punkt auf das Thema chronische Erkrankungen.                               Versorgungs-Report
                          Die Autoren analysieren das Versorgungsge-                                 2011, Schwerpunkt:
                          schehen mit Blick auf den Patienten und richten                            Chronische Erkran-
                          dabei den Fokus sowohl auf Steuerungsansätze                               kungen, Schattauer-
                          wie Disease-Management-Programme (DMP)                                     Verlag, Stuttgart,
                          und Patienten-Coaching als auch auf gesund-                                2011, 44,95 Euro
                          heitliche Rahmenbedingungen, Prävention oder



                          Heilmittelbericht 2010:
                          Jeder vierte Junge im Grundschulalter in Behandlung

                          Im Übergang vom Kindergarten zur Grundschu-       der Ergotherapie knapp 2,1 Mio. Leistungen an
                          le benötigen Jungen deutlich mehr Unterstüt-      die GKV-Versicherten verordnet.
                          zung bei ihrer Entwicklung durch Ergothera-
                          peuten oder Logopäden als Mädchen. Diesen         Physiotherapie – insbesondere bei älteren
                          Befund bestätigt auch der aktuelle Heilmittel-    Frauen– auf Platz eins
                          bericht des Wissenschaftlichen Instituts der      Klar an der Spitze der Heilmittelverordnungen
                          AOK (WIdO). So erhielt im Jahr 2009 fast jeder    stehen jedoch physiotherapeutische Leistun-
                          vierte bei einer AOK versicherte Junge logo-      gen, wie Krankengymnastik und Massage, mit
                          pädische Leistungen. Bei den gleichaltrigen       rund 31 Mio. Verordnungen. Diese Therapien
                          Mädchen waren es dagegen nur 16 Prozent. Im       kommen insbesondere bei älteren Frauen zum
                          Untersuchungszeitraum befanden sich zudem         Einsatz: Mindestens jede vierte Frau über 60
   H. Schröder & A.       13,5 Prozent der sechsjährigen Jungen und 5,5     Jahre hat 2009 Krankengymnastik oder eine
   Waltersbacher:         Prozent der Mädchen in einer ergotherapeu-        Massage erhalten – im Vergleich zu knapp je-
   Heilmittelbericht      tischen Behandlung, welche unterentwickelte       dem fünften gleichaltrigen Mann. Anlass der
   2010, Berlin, 2010     oder nichtvorhandene körperliche, psychische      Behandlung war in fast der Hälfte der Fälle eine
   als Download unter     bzw. kognitive Funktionen fördern oder erst-      Wirbelsäulenerkrankung.
   www.wido.de/           mals herstellen soll. Aus dem sprachtherapeu-
   heilmittel_2010.html   tischen Leistungsspektrum wurden 2009 insge-      Laut Heilmittelbericht haben Ärzte im Jahr
                          samt 1,7 Mio. Leistungen und aus dem Bereich      2009 rund 36 Mio. mal Leistungen der Physio-




 18	                                                                          AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1
therapie, Sprachtherapie und Ergotherapie            auf 4,1 Mrd. Euro. Rein rechnerisch hat im Jahr
verordnet - davon fast 14 Mio. für Versicherte       2009 somit jeder GKV-Versicherte 3,5 Behand-
der AOK. Die Kosten für die Versorgung der ge-       lungen im Gegenwert von insgesamt 58,60
setzlich Versicherten mit insgesamt 244 Mio.         Euro erhalten. (fd)
einzelnen Behandlungen beliefen sich 2009


Krankenhaus-Report 2011: Qualität durch Wettbewerb
Der Zusammenhang von Qualität und Wettbe-            Risikoadjustierung – also der Berücksichtigung
werb wird im neu erschienenen Krankenhaus-           der jeweiligen Patientenstruktur – deutliche
Report 2011 umfassend betrachtet. Die Beiträge       Unterschiede zwischen den Kliniken bestehen.
beleuchten den Stand der stationären Qualitäts-      Nach einer Datenauswertung des Wissenschaft-
sicherung in Deutschland, den Stellenwert von        lichen Instituts der AOK (WIdO) unterschreitet
Qualität im Markthandeln der Krankenhäuser           jede zehnte Klinik die statistisch zu erwartende
sowie die Nutzung von Qualitätsinformationen         Anzahl an Komplikationsfällen um mindestens
durch Patienten bei der Krankenhauswahl.             44 Prozent und gehört somit zum besten Zehn-
Denn: Patienten, die einen Krankenhausaufent-        tel, während am anderen Ende der Skala weitere
halt planen, brauchen nicht nur Informationen        zehn Prozent der Kliniken die erwartete Anzahl
über den Service eines Hauses, sondern vor           um mehr als 80 Prozent überschreiten. Dies
allem zuverlässige Auskunft über die Qualität        macht beispielhaft deutlich, dass es erhebliche    J. Klauber/
der Behandlung.                                      Unterschiede bei der Ergebnisqualität von Kran-    M. Geraedts/
                                                     kenhausbehandlungen gibt.                          J. Friedrich/J. Wasem
Vergleich zeigt große Unterschiede                                                                      (Hrsg.): Krankenhaus-
Hilfreich ist dabei die sogenannte Qualitätssiche-   Die Autoren des Krankenhaus-Reports 2011 ge-       Report 2011, Schwer-
rung mit Routinedaten. Hierbei werden Kranken-       hen auch der Frage nach, unter welchen Voraus-     punkt: Qualität durch
häuser für ausgewählte Behandlungen daraufhin        setzungen Qualität Vertragsgegenstand und da-      Wettbewerb; Schat-
verglichen, welche Komplikationen innerhalb          mit vergütungsrelevant werden kann. Zusätzlich     tauer-Verlag, Stuttgart
eines Jahres nach einem Eingriff auftreten. Ein      sind Darstellungen zu den ordnungspolitischen      2011; 54,95 Euro
aufwändiges statistisches Verfahren ermöglicht       Voraussetzungen eines qualitätsorientierten
einen fairen Vergleich der Krankenhäuser. Am         Vertragswettbewerbs und Beiträge zu den in-
Beispiel der Eingriffe für einen Hüftgelenksersatz   ternationalen Erfahrungen mit „Pay for Perfor-
lässt sich zeigen, dass auch nach einer solchen      mance“ enthalten. (fd)




                                GERT NACHTIGAL GESTORBEN
       Gert Nachtigal ist am 1. Februar 2011         fair und zielführend für die Zukunft der
       nach schwerer Krankheit gestorben.            Gesundheitskasse einzubringen. Er hat
       Er war von 1992 bis 2005 als Arbeit-          stets die Interessen aller Beitragszahler
       gebervertreter Vorsitzender des Verwal-       im Auge gehabt und maßgeblich dazu
       tungsrates des AOK-Bundesverbandes.           beigetragen, die AOK auf den Wettbe-
       In dieser Zeit hat er wesentlich dazu         werb vorzubereiten.
       beigetragen, den Wandel der AOK hin zu
       einem modernen Dienstleistungsunter-          Gert Nachtigal hat sich um die AOK in
       nehmen zu gestalten.                          hohem Maß verdient gemacht. Seine
                                                     Arbeit war geprägt von großem Sach-
       Dabei ist es ihm gelungen, die Interes-       verstand, starkem Engagement und viel
       sen der Arbeitgeber partnerschaftlich,        menschlicher Zuwendung.




AOK	Forum	aktuell	•	Jahrgang	2011/Ausgabe	1	                                                                                      19
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                    Telefon 0 61 72/2 72-0
                    Internet www.aok.de/hessen

Redaktionsbeirat    Dr. Werner Scherer, Herbert Schneider,
                    alternierende Vorsitzende des
                    Verwaltungsrates der AOK Hessen

                    Fritz Müller, Vorsitzender des Vorstandes
                    Dieter Bock, Stv. Vorsitzender des Vorstandes
                    Detlef Lamm, Bevollmächtigter des Vorstandes für
                    Gesundheitspartnermanagement
                    Dr. Wilfried Boroch, Leiter der Hauptabteilung
                    Unternehmenspolitik / Marketing

Redaktionsleitung   (und verantwortlich für den Inhalt)

                    Dr. Wilfried Boroch, Leiter der Hauptabteilung
                    Unternehmenspolitik / Marketing
                    Basler Straße 2
                    61352 Bad Homburg v.d.H.
                    Telefon 0 61 72/2 72-1 40
                    Telefax 0 61 72/2 72-1 39
                    E-Mail Dr.Wilfried.Boroch@he.aok.de

Redaktionsteam      Hauptabteilung Unternehmenspolitik / Marketing,
                    Abteilung Politik / Presse
                    Leitung: Ralf Metzger (rm)

                    Franziskus Dodel (fd), Jürgen Merz (jm),
                    Jochen Schubert (js), Norbert Staudt (nst),

Redaktionsschluss   14. Februar 2010

Layout und Druck    MARTINCOLOR
                    Kommunikation & Mediengestaltung
                    Westerbachstraße 47 · 60489 Frankfurt am Main

ISSN                1611 - 7395

				
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posted:3/15/2011
language:German
pages:20