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Parasiten bei Rehen in NRW

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									 forschungsstelle                                                                                                                                                                                                                                                                                               forschungsstelle 

                                                                                                                                                                              Auch die Larvenstadien von Rachen­           wildvorkommen trennen. Die Gegenüber­
                                                                                                                                                                           und Hautdasseln des Rehwildes leben en­         stellung der Rehe aus beiden Bereichen
                                                                                                                                                                           doparasitisch.                                  indiziert einen Zusammenhang zwischen
                                                                                                                                                                              Kenntnisse zum Parasitenbefall von           Befallsstärke und Kondition des Wildes.
                                                                                                                                                                           Rehen in NRW basierten wesentlich auf           Die aus dem Bereich mit starkem Rehwild
                                                                                                                                                                           Sektionsbefunden von Fallwild, bei dem          stammenden Tiere beherbergten deutlich
                                                                                                                                                                           häufig Lungen­, Magen­Darmwurm­Be­              weniger Magen­Darm­Würmer – 1 396 im
                                                                                                                                                                           fall festgestellt wurde, selten Leberegel und   Vergleich zu 3 214.




                                                                                                                                                                                                                                                                              Foto: Dagmar Eickhoff
                                                                                                                                                                           gelegentlich Rachen­ und Hautdasseln               Der gedrehte Magenwurm Haemonchus
                                                                                                                                                                           sowie auf einer Untersuchung zu Sarko­          contortus wurde nur einmal bei einem
                                                                                                                                                                           sporidien und zwei zu Exkrementen.              der erstgenannten Rehe in geringer Zahl
                                                                                                                                                                              Welche und wie viel Endoparasiten ge­        nachgewiesen, jedoch bei 16 der letztge­
                                                                                                                                                                           sundes Rehwild in NRW beherbergt, zeigt         nannten Rehe mit 40 bis 3 150 Exem­
                                                                                                                                                                           eine Untersuchung aus dem Süden un­             plaren. Dieser Erreger gilt als besonders                              unterhautfilarie bei einjährigem Bock vom
                                                                                                                                                                           seres Bundeslandes: Dazu wurde die En­          pathogen, weil er dem Wirtstier merklich                               8. Juni 2009. Adulter Wurm im subkutanen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Bindegewebe. Überträger der häufigsten
                                                                                                                                                                           doparasitenfauna von 64 gesund erlegten         Blut entzieht.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                  unterhautfilarie des rehwildes ist die Ze­
                                                                                                                                                                           Rehen aus den Vorkommen Kottenforst,               Übereinstimmend mit allen neueren                                   cke Ixodes ricinus (holzbock).
                                                                                                                                                                           Buschhoven/Heimerzheim, Königsforst,            Untersuchungen sind Magen­Darm­Wür­




                                                                                                                                                          Foto: W. Lange
                                                                                                                                                                           Wahner Heide und Engelskirchen durch            mer nahezu bei jedem heimischen Reh
                                                                                                                                                                           parasitologische Sektion der Aufbrüche          vorhanden, dagegen ist der Befall mit
                                                                                                                                                                           qualitativ und quantitativ bestimmt.            Lungenwürmern deutlich geringer.
                                                                                                                                                                              Alle Rehe beherbergten Helminthen:              Unter Magen­Darm­Würmern wurden
 Während jetzt im frühjahr durch die Kitz­Idyllen die situation der rehe problemlos erscheint …                                                                            100 Prozent im Labmagen, 69 Prozent im          erstmals die Arten Nematodirus battus,
                                                                                                                                                                           Dünndarm und 89 Prozent im Dickdarm.            Nematodirus roscidus, Cooperia curticei

 Parasiten bei Rehen in NRW                                                                                   Krankheit, Nahrungsmangel, ungünsti­
                                                                                                            ge klimatische Umstände, ungünstiger
                                                                                                            Lebensraum und anhaltende Stressbelas­
                                                                                                                                                                           An zwei Rehen fanden sich auf den serö­
                                                                                                                                                                           sen Häuten des Verdauungstraktes je eine
                                                                                                                                                                           Blasenfinne (Cysticercus tenuicollis) und
                                                                                                                                                                                                                           und Oesophagostomum sikae bei Rehen in
                                                                                                                                                                                                                           Deutschland nachgewiesen.
                                                                                                                                                                                                                              Nematordirus battus ist bei uns vor
 Unter den Todesursachen des Rehwildes ist Parasitenbefall ein häufiger Befund.                             tung durch unterschiedlichste Störreize                        bei einem Reh vier Setaria-tundra­Filarien.     allem als Parasit von Schafen bekannt.
                                                                                                            setzen die Widerstandsfähigkeit herab                          Große Lungenwürmer fanden sich bei              Nematordirus roscidus und Oesophagosto-
 Bei stark abgekommenem Fallwild wird nicht selten durch Parasitenbefall verur-




                                                                                                                                                                                                                                                                              Foto: Jörg Weiler
                                                                                                            und machen Rehe besonders anfällig.                            neun Rehen aus Engelskirchen. Kleine            mum wurden bei heimischem Dam­ und
 sachte Auszehrung (Kachexie) festgestellt. Diese Individuen tragen in der Regel                                                                                           Lungenwürmer wurden bei Tieren aus dem          Rotwild mehrfach nachgewiesen.
 eine sehr hohe Bürde an Ekto- und Endoparasiten, die auf oder im Wirtstier leben.                          Endoparasiten gesunder Rehe                                    Kottenforst und Heimerzheim (je einmal),           Der für Damwild charakteristische Lab­
                                                                                                            in Nordrhein-Westfalen                                         dem Königsforst (fünfmal) und Engelskir­        magennematode Spiculopteragia asymme-
                                                                                                              Jedes Reh ist Träger von Parasiten, dar­                     chen (12 mal) nachgewiesen. In Kehlkopf         trica wurde nur bei Rehen aus Damwildvor­                              Absuchen von Zecken. lauscher mit nym­


 P
       arasiten leben auf Kosten ihres             Gerät diese Wechselbeziehung aus dem                     über gibt es europaweit sehr umfang­                           bzw. Luftröhre zweier im Mai/Juni erlegter      kommen gefunden: Kottenforst, Buscho­                                  phen.
       Wirtes. Sie sind Schmarotzer. Bei ge­    Gleichgewicht, führt Parasitenbefall zur                    reiche Literatur. Dies ist nicht verwun­                       Jungböcke aus Engelskirchen wurden we­          ven/Heimerzheim und Engelskirchen.
       sunden Individuen besteht ein aus­       Erkrankung bis zum Tod des Wirtes. Die                      derlich, weil der Parasitenbefall bei Rehen                    nige Rachendasselarven festgestellt.               Das Vorkommen der vor allem bei Scha­
 gewogenes Verhältnis zwischen Parasit          Stärke des Parasitenbefalles einer Rehwild­                 wie ein Seismograph auf ungünstige Ein­                           Insgesamt wurden bei 64 untersuchten         fen und Rindern parasitierenden Nemato­                                    REh-PaRasitEN iN NRW
 und Wirt. Dabei entzieht der Parasit dem       population ist ein Indikator für den Ge­                    wirkungen aus der Umwelt reagiert. Die                         Rehen Entwicklungsstadien einer Band­           denarten Ostertagia ostertagi, Ostertagia
 Wirt zwar lebenswichtige Stoffe, reizt und     sundheitszustand nicht nur der Individu­                    Bearbeitung der Parasitenfauna erfolgte                        wurmart undVertreter von 28 Nematoden­          bifurcata, Trichostrongylus colubriformis,                                    Folgende Arten wurden gefunden:
 verletzt die Ansiedlungsorgane und schei­      en, sondern der gesamten Population.                        sehr unterschiedlich, zunächst lag der                         arten nachgewiesen. Rehe aus Engelskir­         Cooperia curticei, Cooperia oncophora,                                     Labmagen: Haemonchus contortus,
 det giftige Stoffwechselprodukte aus,             Lebensumstände, die zur Schwächung                       Schwerpunkt mehr auf der genauen Art­                          chen beherbergten die artenreichste Hel­        Cooperia punctata und Nematodirus battus                                   Ostertagia leptospicularis, Ostertagia
 doch wirken die dadurch mobilisierten          von Wirtstieren führen, begünstigen Para­                   bestimmung des Parasiten. Die Stärke des                       minthenfauna im Magen­Darm­Kanal.               bei einzelnen, nahezu ausschließlich aus                                   ostertagi, Ostertagia trifurcata, Rinadia
 Abwehrkräfte des Wirtsorganismus dem           siten – mit der Folge, dass der schädigende                 Befalles und Veränderungen im Jahresver­                          Das Alter der Rehe hatte einen deut­         Engelskirchen stammenden Rehen in sehr                                     mathevossiani, Skrjabinagia kolchida,
 schädigenden Einfluss und weiterer An­         Einfluss der Parasiten Raum greift und die                  lauf fanden in jüngeren Untersuchungen                         lichen Einfluss auf den Magen­Darm­Ne­          geringer Zahl spricht für Kontakte zu                                      Spiculopteragia asymmetrica, Spiculop-
 steckung entgegen.                             Schwächung der Wirte verstärkt wird.                        Berücksichtigung. Weitere Untersuchun­                         matodenbefall. Kitze waren am schwächs­         Hauswiederkäuern.                                                          teragia böhmi, Osteragiinae, Larven 4,
                                                                                                            gen legten den Schwerpunkt auf die Be­                         ten befallen, der stärkste Befall wurde bei        Zusammenfassend ist festzuhalten, dass                                  Trichostrongylus askivali, Trichostron-
                                                                                                            ziehung zwischen der Stärke des Befalls                        etwa einjährigen Rehen gefunden.                die Befallsintensität untersuchter Rehe aus                                gylus axei
                                                                                                            und Einwirkungen aus der Umwelt im                                Auch in Hinblick auf die Befallsintensi­     dem südlichen Nordrhein­Westfalen mit                                      Dünndarm: Trichostrongylus caprico-
                                                                                                            Lebensraum der Rehe.                                           tät war der Labmagen bei allen Rehen am         Magen­Darm­Würmern den Literaturan­                                        la, Trichostrongylus colubriformis,
                                                                                                              Zu Endoparasiten heimischer Rehe                             stärksten parasitiert, gefolgt von Dick­        gaben entspricht. Die Wurmbürde der                                        Cooperia curticei, Cooperia oncophora,
                                                                                                            zählen im Darmkanal parasitierende                             und Dünndarm. Rehe aus den Herkunfts­           Rehe aus Engelskirchen ist ohne Zweifel                                    Cooperia punctata, Nematodirus battus,
                                                                                                            Eimeria­Kokzidien, Sarkosporidien in der                       gebieten Kottenforst, Buschhoven/Heim­          im oberen Bereich angesiedelt.                                             Nematodirus europaeus, Nematodirus
      … zeigt sich
                                                                                                            Muskulatur, Toxoplasmen, einige Blut­                          erzheim, Königsforst und Wahner Heide              Die Ergebnisse der Studie wurden un­                                    roscidus, Nematodirus spp, Larven 4,
       besonders
  nach schnee­                                                                                              parasiten und Trichomonaden und die                            beherbergten durchschnittlich (geometr.         ter dem Titel „Beiträge zur Kenntnis der                                   Capillaria bovis
    reichen Win­                                                                                            besonders artenreiche Helminthenfauna,                         Mittel) 588, 688, 854 und 1 019 Magen­          Parasitenfauna des Wildes in Nordrhein-                                    Dickdarm: Chabertia ovina,
   tern wie dem                                                                                             bestehend aus Leber­ und Pansenegeln,                          Darm­Nematoden, die aus Engelskirchen           Westfalen, 1. Der Endoparasitenbefall des                                  Oesophagostomum sikae, Oesophagosto-
    letzten, dass                                                                                           Bandwürmern im Dünndarm und Finnen                             – dort wurden mit 10 225 und 12 052             Rehwildes” veröffentlicht, auf Anfrage an                                  mum venulosum, Trichuris globulosa,
       viele rehe                                                                                           von Fleischfresserbandwürmern auf den                          Exemplaren die höchsten individuellen           die Forschungsstelle kann eine Kopie zu­                                   Trichuris ovis
     (auch durch                                                                                            serösen Häuten der Körperhöhlen bzw. in                        Würmbürden gefunden – 2 351 Nematoden.          gesandt werden.                                                            Lunge: Dictyocaulus eckerti,
   Parasiten) so
     geschwächt
                                                                                                            Leber, Muskulatur oder Gehirn, sowie                              Im Herkunftsgebiet Engelskirchen ließ                                                                                   Varestrongylus capreoli
                                                                                                            Magen­Darm­Rundwürmer, Lungenwür­                              sich ein nördlicher Bereich mit starkem                                   Dr. Walburga Lutz                                Bauchhöhle: Setaria tundra,
                                                                                              Foto: Stüer




 waren, dass sie                                                                                                                                                                                                                         Landesbetrieb Wald und Holz NRW
      nicht über­                                                                                           mer und Filarien. Schließlich sind noch                        Rehwild von einem südlichen Bereich mit                      Forschunggsstelle für Jagdkunde und                           Cysticercus tenuicollis
          lebten..                                                                                          die Gliederfüßler zu erwähnen.                                 schwachen Rehen bei gleichzeitigem Dam­                             Wildschadenverhütung, Bonn


                                                    Rheinisch-Westfälischer Jäger · 5/2010                                                                                                                                     Rheinisch-Westfälischer Jäger · 5/2010

								
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