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Bericht des Superintendenten auf der Kreissynode Dsseldorf

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                                     Bericht des Superintendenten
                              auf der Kreissynode Düsseldorf – Mettmann
                                        11./ 12. November 2005


Hohe Synode,

Es gibt Sätze, die sind einfach gut: Ecclesia reformata est semper reformanda. Die reformatorische Kirche ist immer wieder zu
reformieren. Er fußt auf den protestantischen Prinzipien sola scriptura, sola fide, sola gratia, allein die Schrift, allein der
Glaube, allein die Gnade.

Ich habe den Eindruck, dieser Satz steht heute als Chiffre für Veränderungen, die wir in Gesellschaft und Kirche erleben.
Manche sagen es etwas weniger theologisch: Das ganze Leben ist doch irgendwie eine Baustelle.

Die reformatorischen Aussagen können helfen, die aktuelle Situation zu verstehen und zu deuten. Sie können Veränderungen
anstoßen. Aber sie können auch blockieren, wenn sie zur Floskel werden, oder zum Erklärungsprinzip für alles.

Wir stehen vor großen Veränderungen. Jede Gemeinde, jeder Kirchenkreis und unsere Landeskirche spürt: „Weiterwurschteln
wie bisher“ führt nicht weiter – jedenfalls nicht mehr lange. Der Finanzdruck nimmt zu. Ich möchte die Situation nicht
theologisch überhöhen, sondern einmal würdigend für alle, die sich unserer Kirche engagieren, sagen. Die Zeiten sind im
Augenblick wirklich anstrengend. Dazu ist das „semper reformanda“ eben auch anstrengend! Es fordert Presbyterien,
Synodale, Ehrenamtliche und Hauptamtliche. Es kann leicht zu einer Überforderung führen und zur Verkrampfung. Es kann uns
aber auch dazu verhelfen, unsere Kirche und unsere Vorstellungen von ihr immer wieder auf Gott hin loszulassen.

Wenn das Reich Gottes „nahe herbei gekommen“ ist, dann lässt sich das „semper“ aushalten. Dann ist es nicht unser
„Struggle“ und Mühen, das uns weiter bringt. Dann bekommt das „semper“ einen versöhnlicheren Klang im Sinne von: Immer
wieder loslassen und dabei gewinnen. Immer dann, wenn dieses Loslassen gelingt im privaten Leben, aber auch in der
Kirchengeschichte, dann gab es am Ende ein Gewinnen!

Wir alle brauchen immer wieder die Erinnerung an die frohe Botschaft: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist
herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ ( Markus 1, Vers 15 ). Mit Gottes Hilfe stehen wir nicht am Ende
unserer Wege, sondern immer wieder am Anfang seiner Wege !

Zwei Veränderungsprozesse haben das vergangene besonders geprägt. Sie liefen parallel und haben sich überlagert. Sie haben
neue Prozesse ausgelöst, viele Gespräche und Sitzungen gefordert.

Erstens Verwaltungsprozess: Wir sind auf der Zielgeraden zu einer neuen Verwaltung zum Jahresbeginn 2006. Das
gelungene Modell der Diakonie im Kirchenkreis hat Pate gestanden. Das Instrument, eine von den Gemeinden besetzten
Koordinierungsgruppe, hat sich wiederholt als wirksam erwiesen!
Es ist ein taugliches, gutes Werkzeug für die Zukunft! Wir werden darauf zu sprechen kommen bei der Vorlage zu den
kreiskirchlichen Prioritäten und dem weiteren Weg, den wir auf dieser Synode verabreden.

Zweitens Prioritätenprozess: Der zweite Prozess, ein Weg, die Ressourcen und Aufgaben des Kirchenkreises zu
überprüfen, steht im Unterschied zum Verwaltungsprozess ganz am Anfang. In unserem Kirchenkreis wird solide und gut
gearbeitet! Unsere Referate haben in den letzten Jahren viel dazu beigetragen, das „Wir“ – Gefühl“ in unserem Kirchenkreis zu
fördern und die Bedeutung des Kirchenkreises in der Bergischen Region zu stärken:
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        Das Öffentlichkeitsreferat wirkt integrierend in den heterogenen Strukturen unseres Kirchenkreises, insbesondere
         der zerrissenen Presselandschaft. Der Internet – Auftritt unseres Kirchenkreises erfreut sich weiterhin sehr guter
         Resonanz, besonders nach seinem „Relaunch“ Mitte Oktober und dem Qualitätssiegel der Barrierefreiheit. In den
         umliegenden Kirchenkreisen Mülheim, Wuppertal und Solingen ist zu beobachten, dass die Öffentlichkeitsarbeit eine
         zunehmend hohe Priorität hat, was sich in Form von Stellenneueinrichtungen niederschlägt. Unsere
         Öffentlichkeitsreferentin ist Pfarrerin, das heißt, sie ist auch Predigerin in unseren Gemeinden und Seelsorgerin. Als
         Theologin bringt sie im Kontakt mit den Gemeinden, mit der Presse und in Krisensituationen, genannt „Krisen – PR“,
         eine spezifische geistliche Dimension ein, die nicht zu unterschätzen ist.
        Die Notfallseelsorge ist bei den Rettungskräften, bei Feuerwehr und Polizei hoch angesehen und auch bei den
         Kommunen und im Kreis Mettmann. Sie hat ebenfalls eine zusammenführende Funktion von „Kirche und Welt“. Sie
         ermöglicht ökumenische Brücken, wie zu dem neuen katholischen Kollegen Christoph Dörpinghaus ( 20 %
         Notfallseelsorge ). Auf die Bedeutung der Notfallseelsorge in den Unglücken diesen Jahres komme ich unter dem
         Stichwort Seelsorge noch ausführlicher zu sprechen ( Vergleiche Punkt 2.4.2 ). Der Notfallseelsorger ist ebenfalls
         Pfarrer, das heißt Prediger und Seelsorger.
        Das Familienbildungswerk arbeitet nicht nur in einem für die Bedeutung von Kirche existenziellen Aufgabenbereich.
         Es schafft Brücken über die Kerngemeindearbeit hinaus und birgt für die Zukunft ( Familienzentren ) die nötige
         Fachkompetenz und Integrationskraft. Auch hierzu später noch weitere Ausführungen ( Vergleiche Punkt 2.5 ).
        Über die inhaltliche Bedeutung von Jugendreferat, Kindergartenreferat und Schulreferat brauche ich dieser
         Synode nicht viel zu erzählen. Gerade unter dem Stichwort „Offene Ganztagsschule“ öffnen sich Perspektiven, die für
         das Miteinander von Jugendlichen, Eltern, Diakonie, Familienbildung einen Quantensprung bedeuten könnten. Hier
         kommt es zu einer vor langer Zeit noch unvorstellbaren Kooperationsmöglichkeit von „Kirche und Welt“.

Wir werden morgen erste Diskussionen darüber führen, wie wir diese hohe Qualität mit geringeren Mitteln sichern können; wie
der Weg aussehen könnte; wie das Verhältnis von Ortsgemeinde und übergemeindlichen Diensten neu auszuhandeln ist und
organisiert werden kann.
Wir werden immer wieder begreifen müssen: Die Ortsgemeinde, die Referate, die Bildungswerke, die Verwaltung, das
Rechnungsprüfungsamt, die Landeskirche alles das ist auch Kirche, Leib Christi, Salz der Erde, Licht der Welt!

Das „sola gratia“ – allein aus Gnade - braucht Gestalt. Es braucht Gestalten, Hand und Fuß. Es braucht Gesichter und
menschliche Wärme. Dann wird es antworten können auf die Dissonanzen und Katastrophen, die viele Menschen in ihrem Leben
aushalten müssen. Dann hat sie Sitz und Stimme auf der bunten Bühne unserer Gesellschaft.

Wir brauchen den Blick auf den Kirchturm, aber auch immer wieder darüber hinaus. In diesem Sinne arbeiten                  die
kreiskirchlichen Referate mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, auch denen zur Anstellung und im Sonderdienst und mit         den
Presbyterien zusammen. Sie stellen neue Schnittflächen zwischen Kirche und Gesellschaft her. Auch in                       der
Öffentlichkeitsarbeit, im Familienbildungswerk, in der Notfallseelsorge, im Schulreferat, in der Fachberatung              für
Kindertageseinrichtungen geschieht „Gemeinde“!

Wir alle wissen, es kostet Kraft, Veränderungsprozesse auszuhalten. Veränderungen wecken Ängste; Ängste erzeugen
Widerstand. Das ist der eine Teil. Doch es gibt auch eine Lust auf Neues, Gestaltungskraft und Kreativität. Manchmal wünsche
ich mir die Freiheit der Kinder Gottes: Lust zu bekommen, Fehler machen zu dürfen, um daraus zu lernen. Lust haben zu
verwerfen, aufzubauen, auseinander zu nehmen, zu tüfteln, neu zusammenzufügen
So verstehe ich die Verse aus Prediger 3, wo von diesen verschiedenen gegensätzlichen Zuständen des Lebens die Rede ist.
Alles hat seine Zeit! Die Extremzeiten und die Zeiten dazwischen sind jeweils nötig, weil sich aus allem miteinander das Leben
formt. Und Gott ist den Menschen in ihnen allen nahe!

Protestanten – und das sollte man bei Veränderungen mit bedenken – leben in einer besonderen Spannung: Weil wir eben ganz
und gar Menschen sind, wollen wir Orientierung, Leitung und Führung. Wir wollen Sicherheit und Struktur. Andererseits sind
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wir auch misstrauisch gegenüber allen Formen von Obrigkeit. Dies ist keine besondere Marotte, sondern begründet im
theologischen System:
Jeder ist unmittelbar zu Gott: Luther sagt: „ Jeder Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem
untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“. Im Hintergrund steht die
biblische Aussage von 1. Korinther 9, 16, wo Paulus die Spannung seiner Existenz beschreibt: „Ich bin frei in allen Dingen und
habe mich zu eines jedermanns Knecht gemacht“. Nach diesem protestantischen Urempfinden wird bei uns gespielt, auch wenn
wir möglicherweise alle, protestantisch bescheiden, das Gegenteil behaupten.

Diese protestantische „Spielregel“ begleitet diese und alle anderen Synodaltagungen. Mit ihr im emotionalen Synodalgepäck
steht die Vorlage des KSV zur Diskussion über zukünftige Schwerpunkte, ihre Finanzierung und Organisationsform vor einer
ihrer natürlichen Belastungsproben.

Ich möchte dafür werben, diese Vorlage vor allem als das zu nutzen, wozu sie gedacht ist, als Ausgangspunkt gemeinsamen
Diskutierens.
Mit ihrer Erstellung erfüllt der KSV den Auftrag der Synode vom 8. Juni, den Prioritätenprozess einzuleiten und zu gestalten. Im
Fortgang ist es wichtig, geeignete Wege der Gemeinde- und Synodenbeteiligung zu verabreden und für die einzelnen
Prozessbeteiligten, Gemeinden, Synode, Referate, KSV die jeweiligen Aufgaben zu formulieren. Wir arbeiten damit an der
gemeinsamen Aufgabe der Gestaltung von Kirche, von Ortsgemeinde und den vielen anderen kirchlichen Orten.1

Ich möchte an dieser Stelle den Rahmen aufzeigen, in dem wir uns als Kirche zur Zeit bewegen:


1. Das Rahmenszenario 2030 und unser Kirchenkreis
Drei Thesen zur Situation der evangelischen Kirche in Deutschland werden seit einiger Zeit als Grund – und Rahmenszenario
beschrieben2 :

        Bis zum Jahr 2030 eine Halbierung der Finanzkraft und 30 % Mitgliederverlust.
        Bedeutungsverlust der Kirchensteuer, Notwendigkeit zur Erschließung alternativer Finanzquellen.
        Zunehmende Bedeutung und Radikalisierung von individueller Spiritualität.

Keine presbyteriale, synodale oder pastorale Leistungssteigerung wird diesen Trend aufhalten oder umkehren. Auch wenn die
aktuelle Haushaltssituation und die Planungen für 2006 teilweise Entspannung suggerieren, muss diese Perspektive immer mit
bedacht werden.

Die Einschätzung ist grobkörnig, aber nicht unrealistisch. Die Veränderung der gegenwärtigen kirchlichen Situation ist nicht
aufzuhalten.
Planung kirchlicher Zukunft im Jahr 2005 erfordert das Loslassen mancher Bilder, Vorstellungen und Einstellungen von
„Kirche“, mit denen wir alle gelernt haben, Kirche zu leben oder sogar zu lieben.

Wenn wir dabei nach Fehlern der Vergangenheit fragen, dann nur dann, wenn es darum geht, aus ihnen zu lernen. Oft wird mit
Recht die Fürsorge betont, die Gott seiner Kirche angedeihen lässt. Könnte es sein, dass wir zu lange in diese richtige und
wahre Aussage die Bewahrung der Strukturen ( sola struktura ) hineingehört haben?




1
  Eine gute Beschreibung dieser Aufgabe liefert Uta-Pohl-Patalong in ihrem Buch: „Von der Ortskirche zu kirchlichen
Orten, Göttingen 2004
2
  Vgl.: Thies Gundlach: Wohin wächst die Kirche? In: Pastoraltheologie 94/ 2005/6, 217 - 230
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Wir können lernen, den Blick in eine sich verändernde kirchliche Zukunft nicht zur Katastrophenübung werden zu lassen. Es
sollen keine Schubladenprodukte erzeugt werden, die niemand braucht. Es geht darum, wie wir uns für neue Aufgaben wecken
lassen und die Kräfte bündeln können.

Wenn Barmen sagt: „ (… die Kirche ) hat zu bezeugen, dass sie Gottes Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner
Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte“, dann gewinnt kirchliche Suche nach Synergien eine ganz
eigene Qualität.

Ein „fröhliches“, weil in Gott gegründetes, Selbstbewusstsein birgt die ganz realistische Chance mit „etwas“ weniger Angst und
weniger Widerstand nach dem notwendigen Umbauen, Neubauen, Aufbauen zu fragen.
Von so vielen Kanzeln an so vielen Orten, auf so vielen Seiten ist zu so vielen Malen von „Neuem“ zu hören und zu lesen gewesen
in unserer Kirche. Irgendwann müssen wir auch einmal damit anfangen, uns selbst damit zu meinen!

Die Orte und Formen unseres Herkommens waren lange für viele Menschen ein Zuhause. Hier haben sie sich wohl gefühlt, und
hier fühlen sie sich wohl. Neben allen Schwierigkeiten und Schwächen gibt es ganz viel Gutes von unserer Kirche zu sagen.
Gemeinsam steht uns die Aufgabe bevor von dort, wo wir herkommen, um neue Formen von Kirche zu verabreden. Was sollen
und wollen wir heute in unserer Gesellschaft sein? Wenn wir dabei ausschließlich bewahrend vom Bestehenden her denken,
werden wir nicht ausreichend offen für das Gegenwärtige und Kommende sein. In diesen Zusammenhang ist es gut, dass der
Rat der EKD und die Kirchenkonferenz sich auf eine „Umkehr der Begründungspflicht“ verständigt haben und folgenden
Grundsatz formulierten:

„Nicht mehr die lange oder gute Tradition einer Aufgabe ist ausschlaggebend, sondern
die zukünftige Bedeutung. Bei jeder finanziellen Unterstützung (durch die EKD ) muss die
Frage überzeugend beantwortet werden können, ob es für die Zukunft des
Protestantismus in Deutschland von herausragender Bedeutung sei, diese Aufgabe
fortzusetzen. Was würde der evangelischen Kirche fehlen, wenn es diese Aufgabe nicht
mehr gäbe?“
Vor zwei Tagen hat die EKD – Synode diesen Grundsatz im Rahmen ihrer finanzpolitischen Leitlinien noch einmal bestätigt.
Der viel zitierte Rückzug auf das Kerngeschäft, die Freilegung des „Alleinstellungsmerkmales“ hat ihre Berechtigung. Aber was
darunter zu verstehen sei, darüber herrscht keineswegs Konsens. Auch dies ist eine Aufgabe synodaler Verständigung oder
zumindest Annäherung. Eine Reduktion auf Kerngemeinde ist zu einseitig gesehen, da diese bestenfalls eine Schnittmenge zu 10
– 15 % der Kirchenmitglieder darstellt. Andererseits ist das ausgebaute Filialnetz unserer Kirche mindestens so gut, wie das
von Aldi oder Lidl oder anderen Marktketten. Aber auch bei diesen ist die Zeit der Aktionsware, der wöchentlichen
Schnäppchen–Aktionen nicht mehr so zugkräftig, man besinnt sich mehr auf das Kernangebot, Lebensmittel.

Das Zusammenspiel von Ortsgemeinde und kirchlichen Orten im Kirchenkreis wird in seiner Bedeutung weiter zunehmen. Dies
gilt meiner Ansicht nach ebenso für die nachbarschaftliche Verabredung und Zusammenarbeit von Kirchenkreisen in unserer
Region. Die guten Kontakte zum Kirchenkreis Niederberg und die Vernetzung von Aufgabenfeldern in der bergischen Region
zeigen, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.
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2. Rückblick auf das Jahr seit der letzten Herbstsynode
2.1. Vom „Alter“ zu den Prioritäten


                                                          Altersstruktur Hauptw ohnsitz / Nebenw ohnsitz


                          16.000
                                                                                              13.882
                          14.000
                                                                          12.207
                          12.000                                10.771
    Gemeindegliederzahl




                                                                                                       9.905
                          10.000              9.407                                 9.203
                                                       7.971                                                                               Hw
                           8.000
                                   6.242                                                                                                   Nw
                           6.000
                                                                                                                4.530
                           4.000

                           2.000                                  1.388     1.170                                        1.019
                                                          955                           581
                                       58        236                                             386      152      113       47   20 21
                              0
                                     0-9 J.   10-19 J. 20-29 J. 30-39 J. 40-49 J. 50-59 J. 60-69 J. 70-79 J. 80-89 J. 90-99 J.    100 J.
                             Alter                                                                                                +mehr




( Basis Gemeindemitgliederzahl am 30.06.05 – erstellt von Bernd Weyrauch )

Im Nachgang zur unserer letzten Herbstsynode stelle ich Ihnen diese Grafik vor. Nach meiner Beobachtung spiegelt sich in
unserer Situation die demographische Gesamttendenz. Wie soll man das lesen und deuten? Welche Schlüsse sollen daraus
gezogen werden. Zum Beispiel gibt es im Bereich der westfälischen Kirche ( Dortmund ) nach Auskunft unserer
Öffentlichkeitsreferentin Diemut Meyer eine Kirchenkreiskonzeption, die sich auf die Zielgruppe der 30 – 50 Jährigen
konzentriert oder andere Schwerpunktpfarrstellen / Schwerpunktgemeinden entwickelt hat. Im Blick auf den
Prioritätenprozess in unserem Kirchenkreis könnte diese Grafik und anderes statistisches Material noch einmal eine wichtige
Hintergrundinformation sein. Wie sie sehen, schlagen wir mit dieser Herbstsynode einen sachlogischen Bogen zwischen der
letzten Herbstsynode 2004 und heute.

2.2 Der Verwaltungsprozess und seine Folgen

Nach zwei Jahren intensiver Beratungen wird am 1.1.2006 das gemeinsame Verwaltungsamt im Kirchenkreis Düsseldorf –
Mettmann gegründet. Hierdurch kommt es schon im nächsten Jahr zu deutlichen Kostenreduzierungen und zu einer besseren
Kostentransparenz. Für den Kirchenkreis reduziert sich der Verwaltungskostenanteil um ca. 63.000 €, wie im Haushaltsplan
ersichtlich ist. Auch für die Gemeinden sind enorme Einsparpotenziale gegeben. Ein Treffen mit den Finanzkirchmeistern am
20. Oktober hat in erster Lesung einen Kostenverteilungsschlüssel beraten, der nach Rückbindung mit den Presbyterien /
Finanzausschüssen Ende November verabschiedet werden soll.


Mit dem neuen Verwaltungsamt sind neben dem Einspareffekt aber auch die Erwartungen von Innovationen und
Qualitätsverbesserungen verbunden. Das „Know How“ des „Neuen kirchlichen Finanzwesen“ ist schon jetzt vorgehalten. Die
Leitung des Verwaltungsamtes ist an den Entwicklungsprozessen auf landeskirchlicher Ebene beteiligt. Hier ist Expertenwissen
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vorhanden und wird auch von anderen kirchlichen Institutionen abgefragt. Somit ist das Ziel, in unserem Kirchenkreis ein
Kompetenzzentrum für die kirchliche Verwaltung zu werden nicht nur eine Vision.

Emotional bedeutet diese Neuorganisation natürlich auch: Loslassen! Die Presbyterien geben ein Stück der vertrauten
Alltagsarbeit ab. Aber – so ist es gedacht – bekommen mehr Zeit für andere Bereiche ihrer Leitungsarbeit.

Die Zusammenführung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der bislang eigenständigen Verwaltungen ist ein wichtiger
Prozess. Neben viel Bereitschaft, den Neuanfang mit zu gestalten und zu tragen sind natürlich auch hier Ängste und Vorbehalte
mit im Spiel. Meiner Einschätzung nach ist es aber in vielen gut geplanten und durchgeführten Gesprächen gelungen, die
Betroffenen so mit einzubeziehen, dass vorhandene Ängste aufgenommen und ihre Widerstände keine störenden Kräfte
entwickeln konnten. Allen daran Beteiligten in Verwaltung, Ausschüssen und Presbyterien gebührt in hohem Maße Dank und
Anerkennung!

Namentlich zu nennen sind Frau Dörner, Herr Rindermann, Herr Rüst und Herr Weyrauch. Diese vier Personen haben das von
der Großen Koordinierungsgruppe in sie gesetzte Vertrauen nicht nur erfüllt, sondern mit großem Engagement die Planungen
vorangetrieben. Aber auch zahlreiche ehrenamtliche Menschen sind für das Gelingen unverzichtbar gewesen. Lassen Sie mich
hier auf die namentliche Nennung der Beteiligten verzichten, um der Gefahr zu entgehen, jemanden zu vergessen, aber
nochmals die Unverzichtbarkeit ihres Beitrages ausdrücklich hervorheben.

Zum Gelingen der Verwaltungsneuregelung haben dann auch die Mitarbeitenden der kreiskirchlichen Referate und der
Superintendentur wesentliche Beiträge geleistet! Fairerweise sollte man nicht vergessen: Und die Diakonie, die Ende September
mit ihren Einrichtungen in die Friedhofstrasse umgezogen ist.
Im Hause Goethestrasse 12, bislang das Haus der Diakonie wird zum 1. Januar 2006 das Haus der Referate entstehen. Die
Botschaft dieses Umzug heißt, ungeachtet der pragmatischen Aspekte: Wir werden in Zukunft unser Angebot der
kreiskirchlichen Dienstleistungen noch stärker bündeln! Die verbesserte räumliche Nähe ermöglicht eine intensivere
Kommunikation und soll dazu beitragen, die verschiedenen Arbeitsbereiche qualitativ zu stärken. Wir wollen uns noch besser
gemeinsam aufstellen!

Auch dieser Folgeprozess ist mit vielen Emotionen verbunden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sehr konstruktiv an
diesen Veränderungen mitgewirkt und mitgestaltet, wofür ich auch noch einmal ausdrücklich danke!

In der Superintendentur wird es einen Struktur- und Personalwechsel geben: Frau Liedtke wechselt nach über 5 jähriger, sehr
erfolgreicher Tätigkeit aus der Superintendentur in das neue Verwaltungsamt, was den Horizont ihrer beruflichen Perspektive
ausweitet.

Frau vom Eigen übernimmt neben ihren bisherigen Tätigkeiten die Aufgabe des Sekreteriates für den Superintendenten.
Die Vernetzung von Sekretariatsarbeit im gesamten Hause, die als Aufgabe noch vor uns liegt, ermöglicht eine Halbierung der
Stundenzahl in der Superintendentur. Ob diese personelle Ausstattung den wachsenden Anforderungen gewachsen ist, muss
sorgsam beobachtet werden. Nach einem halben Jahr Anlaufzeit muss die Organisation des Hauses noch einmal überprüft und
sofern es nötig ist, nachgebessert werden.

Danken möchte ich Frau Liedtke und Frau vom Eigen, die mit großer Offenheit an die Neugestaltung gegangen sind. Auch Frau
Gottwein, Frau Meyer, Herr Draht, Herr Gerlach, Herr Hinterberg und Herr Wessel haben mit mir in vielen Einzelgesprächen und
gemeinsamen Runden die veränderte Struktur im künftigen Haus der Referate, Goethestrasse 12 vorbereitet. Auch sie haben
manches loslassen müssen, damit etwas Neues gewonnen werden kann! Ich danke Ihnen für den gemeinsamen Weg und freue
mich auf die vor uns liegenden Aufgaben.

2.3 Landessynode 2005 ( LS 2005 )
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Aus der Vielfalt der landessynodalen Diskussion möchte folgendes hervorheben:

2.3.1    25 – Jahre Rheinischer Synodalbeschluss Christen und Juden

In würdiger Weise ist die Landessynode 2005 mit dem eigenen Synodalbeschluss von 1989 umgegangen. Es ist in der 25 –
jährigen Wirkungsgeschichte dieses Beschlusses deutlich geworden, dass er einerseits auch in größeren Kontexten Türen
geöffnet hat: Andere Landeskirchen, die EKD und der gesamte jüdisch – christliche Dialog haben durch die EkiR wichtige
Anstöße erhalten. Andererseits ist der Beschluss in den Gemeinden sehr unterschiedlich rezipiert worden. Teilweise ist das
Thema vergessen, andererseits wird es sehr intensiv bearbeitet. Klarer Wille der LS ist, dass der Dialog Christen und Juden
auch auf Gemeindeebene in der jeweils möglichen Intensität weitergeht. Für den Trialog Christen und Juden und Islam hat die
Synode wichtige theologische Impulse gesetzt. Die Nacharbeit der Vorträge zu diesem Thema ist lohnenswert, auch für die
Ausschüsse Theologie und Gottesdienst in unseren Gemeinde.

2.3.2    Missionarischer Anstoß – „Vom offenen Himmel erzählen“

Nach einer Auswertung des Prozesses „Auf Sendung“ hat die Landessynode beschlossen, dass das Thema Mission in den
nächsten 5 Jahren ein Schwerpunktthema unserer Kirche sein soll. Den Gemeinden sollen geeignete Materialien und damit
Anregungen zur konkreten Umsetzung gegeben werden. Wenn ich mich an unsere vorletzte Kreissynode 2003 zum Thema
„Mission“ erinnere und an die zahlreichen Beispiele der Formen einer Weitergabe des Glaubens in unseren Kirchengemeinden,
so habe ich keine Sorge, dass diese Aufgabe bei uns aus dem Blick gerät. Allerdings gilt es auszuhalten, dass es auch bei uns
unterschiedliche Formen und Ausprägungen gibt, in denen die Weitergabe geschieht. Manchmal finde ich mich nahe bei der
These: Die beste Mission der Kirche erfolgt durch eine hohe Qualität ihrer klassischen Tätigkeiten.

2.3.3    Prioritätenprozess der Landeskirche

Zur Vorbereitung wesentlicher Spar-Entscheidungen bildete die Landessynode einen Strukturausschuss. Der
Strukturausschuss soll der Kirchenleitung konkrete Entscheidungsvorschläge für Schwerpunkte und Prioritäten künftiger
Arbeit und für strukturelle Einsparmaßnahmen vorlegen. Diese betreffen die Arbeitsbereiche des Landeskirchenamtes und die
ihm zugeordneten Ämter, Werke und Einrichtungen. Die Entscheidungsvorschläge des Strukturausschusses müssen das
notwendige Einsparvolumen von mindestens 20% der landeskirchlichen Umlage des Jahres 2006 und die Umsetzung der
Maßnahmen in 6 Jahren berücksichtigen.
Die Kirchenleitung wurde darüber hinaus beauftragt, zwei Arbeitsgruppen zu bilden. Arbeitsgruppe I hat die Aufgabe zu prüfen,
ob und gegebenenfalls welche rechtlichen Veränderungen innerhalb der presbyterial – synodalen Ordnung erforderlich sind,
um die Leistungs – und Funktionsfähigkeit und die Wahrnehmung der gemeinsam zu tragenden Verantwortung von
Kirchengemeinde, Kirchenkreisen und Landeskirche zukünftig sicher zu stellen. In einer Arbeitsgruppe II werden Fragen des
Dienst– und Arbeitsrechtes insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Gehaltsniveaus und der Sicherung der
Altersversorgung bearbeitet.
Eine Sonder – Landessynode wird am 8. und 9. Juni 2006 die bisherigen Ergebnisse auswerten und die notwendigen
Entscheidungen fällen.
Ich schätze die Entwicklung so ein, dass die Aufgabendelegation an die Kirchenkreise aus diesem Prozess heraus deutlich
zunehmen wird. Auch dies sollte in der Diskussion über Prioritäten im Kirchenkreis nicht aus dem Blick geraten.

2.3.4    Entlastungspfarrstellen

Nach der Ablehnung des „Hauptamtlichen Superintendenten“ hat die Landessynode das Entlastungspfarrstellengesetz
beschlossen. Generell ist jeder Kirchenkreis verpflichtet, eine Pfarrstelle zur Entlastung mit 75 % Stellenumfang einzurichten.
Diese Stellen kommen den Gemeinden zu Gute, aus denen die Superintendentin oder der Superintendent kommt. In der
Ausführung dieses Gesetzes gab es viele Unsicherheiten, etwa, ob eine Kreissynode noch beschließen müsse, was unsere am 8.
Juni des Jahres getan hat. Aber auch die Besetzungmodalitäten waren lange nicht eindeutig. Inzwischen haben sich manche
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Dinge geklärt. Die Landeskirche verfährt großzügig mit ihrem Besetzungsrecht und versucht die örtlichen Gegebenheit zu
berücksichtigen. Die kontroverse Art der Diskussion auf der Synode lässt aber die Frage aufkommen, ob Leitung und leitendes
Handeln in der Evangelischen Kirche überhaupt gewünscht ist. In dieser Sache und in der Hochhaltung des „Protestantischen
Prinzipes“ gibt es fundamental unterschiedliche Ansätze, wie man in fast jeder Presbyteriumssitzung zumindest erahnen kann.
Ich bin sehr froh, dass mein eigenes Presbyterium diesen Ball sofort aufgegriffen hat und am 26. Oktober Christian Dörr als
Pfarrer für diese Aufgabe gewählt hat. Somit kommt die Gemeinde wieder mehr zu ihrem eigenen Recht und erhält eine
Ressource, die sonst spürbar fehlt. Die Finanzierung dieser Stelle über die Absenkung der Umlage für die Overheadkosten von
7,60% auf 5,96% ist für unseren Kirchenkreis im Jahr 2006 ein Finanzvorteil von rund 135.000 €.

2.3.5    Die Wirksamkeit von kreissynodalen Anträgen an die Landessynode

Bei meiner ersten vollständigen Teilnahme an der Landessynode lernte ich das synodale Instrument „Anträge an die
Landessynode“ neu schätzen. In manchen Kirchenkreisen gibt es eine ausgeprägte „Antragskultur“, welche die Synode in Atem
halten und den Meinungsbildungsprozess steuern kann. Ich möchte unseren Kirchenkreis und die Synode an dieser Stelle
ermutigen und sie aufrufen, zu einem stärkeren Selbstbewusstsein zu finden und zu mehr Mut, auf gesamtkirchliche Belange
Einfluss zu nehmen.

2.4 Seelsorge – Erinnerung - Gedenken

Das zurückliegende Berichtsjahr war in vieler Hinsicht ein Jahr der Seelsorge.

2.4.1 60 Jahre Kriegsende

Ich bin froh, dass viele Gemeinden unseres Kirchenkreises den Anstoß aufgegriffen haben, Gemeindemitglieder in der
Erinnerung an das Kriegsende ( 60 – Jahre danach ) seelsorglich und gottesdienstlich zu begleiten. Auch das
Familienbildungswerk hat diesen Impuls aufgenommen und mit Hilfe des Öffentlichkeitsreferates gelang es sogar, das Thema
auf Ebene der EkiR stärker ins Gespräch zu bringen. Eine Woche war unser Kirchenkreis an vorderster Stelle auf der EKiR
Homepage präsent. Das dies nicht für das Heil relevant ist, versteht sich von selber. Aber für viele ältere Gemeindemitglieder (
Kriegskinder ) und erstaunlicherweise auch die jüngeren Generationen ( Kriegsenkel ) bis hin zu Konfirmanden war es heilsam,
neben der Flut von Medienberichten und Bildern von den eigenen Erlebnissen berichten zu können. Auch wenn die offiziellen
Gedenkfeiern verklungen sind, bleibt dies eine wichtige Aufgabe für die Seelsorge!

2.4.2 Netzwerke Seelsorge

Die Tsunami - Katastrophe zu Beginn des Jahres hat auch Menschen in unserer Gemeinden getroffen. Zusammen mit der
Airport – Seelsorge hat unser Notfallseelsorger Pfarrer Jürgen Draht in kürzester Zeit ein Netzwerk der Betreuung am
Flughafen Düsseldorf organisiert und viele Kolleginnen und Kollegen auch aus unserem Kirchenkreis waren dabei. Auch viele
Wochen und Monate nach den Ereignissen gingen die Kontakte weiter und sind bis heute nicht abgeschlossen. In einem
Dankesbrief an unseren Notfallseelsorger hat die Flughafenleitung Düsseldorf deutliche Wertschätzung an dieser Form der
Seelsorgearbeit zum Ausdruck gebracht. Eine erst vor kurzem durchgeführte Großschadensübung am Düsseldorfer Flughaben
zeigte, dass diese Spezialformen von Seelsorge eine hohe Integrationskraft für sonst sehr heterogene Gruppen ( Hilfskräfte,
Rettungsdienste, Polizei, Touristen und Kirche ) haben.
In der Frage Mitfinanzierung des Kirchenkreises Niederberg an unserer Notfallseelsorgestelle hat es noch einmal
Verhandlungen gegeben. Eine, wenn auch noch sehr kleine Türe hat sich aufgetan: Zum ersten Mal wird es in Niederberg eine
kreiskirchliche Kollekte geben, die unserer Notfallseelsorgestelle zu Gute kommt. Da wir um die Diskussionslage in Niederberg
wissen, sind wir hierüber erst einmal froh. Vielleicht gelingt es uns, im Laufe des nächsten Jahres oder der nächsten Jahre aus
jetzt noch kleinen Brötchen mal was Größeres zu backen.

2.4.3 Schulseelsorge
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Unter diesem Stichwort tut sich zur Zeit ein neues Aufgabenfeld in der Lehrerfortbildung auf. Mit einem Kursangebot im PTI
wird der Tatsache Rechnung getragen, dass es im Kontext Schule immer mehr Bedarf nach seelsorglicher Begleitung bei
Schülern und Lehrern gibt. Unser Schulreferent hat diese Entwicklung im Blick und wird für unsere Kirchenkreise die weitere
Diskussion begleiten und zum gegebenen Zeitpunkt praktikable Vorschläge für eine regionale Umsetzung machen.

2.4.4 Seelsorge und Strukturveränderungen

Die Bewahrung seelischer und körperlicher Gesundheit in Zeiten des Abbaus oder einschneidender Veränderungen ist nach
meiner Einschätzung ein wichtiges Thema in unseren Gemeinden und im Kirchenkreis. Nicht nur in ihrer Rolle als Arbeitgeber,
sondern auch intern im Umgang mit Ehrenamtlichen, vor allem in Leitungsgremien, ist die Kirche in besonderer Weise
gefordert. Nicht selten führen sachliche Differenzen oder die Härte von Auseinandersetzungen auch zu persönlichen
Verletzungen, Zerwürfnissen und Rücktritten.

2.4.5 Quersubventionierte Formen von Seelsorgearbeit: Telefonseelsorge - Airportseelsorge

Immer wieder wird unser Kirchenkreis gefragt, ob und wie er sich an überregionalen Seelsorgeaufgaben finanziell beteiligt. In
Zeiten einer bewussteren Finanzplanung hat der KSV die Förderung dieser Aufgaben überprüft und zurückgefahren.
Hintergrund ist nicht eine abschätzige Haltung gegenüber der Arbeit, gerade in der Telefonseelsorge, sondern die Tatsache,
dass angefragte Finanzmittel zur Deckung eines kirchlichen Gesamthaushaltes verwendet wurden. Dieses widerstrebt dem vom
KSV favorisierten Prinzips einer Direktförderung von Person oder Institution. Die Gestaltung dieser Formen von
Seelsorgearbeit und ihre Finanzierung bleibt ein gesamtkirchliches Thema und gehört nach meiner Ansicht auf die
landessynodale Diskussionsebene.

2.5 Familie

Ein großes gesellschaftliches und kirchenpolitisches Thema heißt „Familie“. Auch die kommende Landessynode 2006 sollte sich
diesem Thema widmen, was aber leider um ein Jahr verschoben ist. Ich bin froh, dass wir durch die Arbeit unseres
Familienbildungswerkes unmittelbar in den aktuellen Diskussions– und Aktionsprozessen beteiligt sind. Im vergangenen
Sommer wurde unter der Regie des Familienbildungswerkes im Kreis Mettmann der Bundeswettbewerb „Bündnis für Familien“
verankert und es kam bei der Preisverleihung „Familienfreundlicher Betrieb“ zu einer Vernetzung von Kirche, Kreis und den
teilnehmenden Betrieben. Hierdurch ergaben sich neue Querverbindungen von Information, Kommunikation und gegenseitiger
Wertschätzung. Eine wichtige Herausforderung für die Zukunft unserer Gemeinden liegt in dem von der neuen Landesregierung
eingebrachten Willen zur Bildung von lokalen „Familienzentren“. Bei seiner Visitation des FBW am 29. September hat der KSV
diese Entwicklung sehr positiv aufgenommen und sie eingebracht in die Vorlage zur Prioritätendiskussion.

2.6 Diakonie

Auch das zweite Jahr des Bestehens der Diakonie gGmbH in unserem Kirchenkreis ist positiv, das heißt wirtschaftlich
erfolgreich verlaufen. Eine Mitarbeiterin mit dem Aufgabenschwerpunkt Fundraising, Frau Martens, wurde eingestellt und hat
bereits in kurzer Zeit beachtenswerte Aktionen initiiert. So wurde am 22. Oktober zusammen mit dem Golfclub – Mettmann ein
Benefizturnier organisiert, dessen Erlös der nächsten Stadtranderholung der Diakonie in Mettmann zu Gute kommt.
Allerdings beobachte ich auch erfreuliche Eigeninitiativen der Gemeinden in Richtung Fundraising und Schaffung alternativer
Finanzierungswege: Hervorheben möchte ich besonders die Aktion der Kirchengemeinde Ratingen „Zukunftskinder“, eine
Stiftung für die Jugendarbeit und die weiterhin erfolgreiche Aktion des CVJM Haan „Stark für die Jugend“, die ein nachhaltiges
öffentliches Interesse hervorgerufen hat.

2.6.1    Ein Jahr Hartz IV
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Aus meiner Sicht als Gemeindepfarrer habe ich den Eindruck, dass die Folgen der mit Hartz IV eingeleiteten politischen
Maßnahmen auch in den Gemeinden sichtbar werden. Viele Gemeindemitglieder sind vom Verlust oder zumindest einer
deutlichen Gefährdung des Arbeitsplatzes betroffen. Dies sind nicht mehr „nur“ diejenigen, deren Chancen ohnehin schlecht
waren. Wie unsere Gemeinden mit dieser Entwicklung umgehen können, dafür gibt es noch keine Rezepte. Es ist sicher zunächst
eine seelsorgliche Aufgabe, aber auch eine Herausforderung an die bisherigen Konzepte von Ehrenamtlichkeit.

2.6.2 Runder Tisch Alten und Krankenhilfe

Wie bereits im letzten Jahr angekündigt, habe ich zusammen mit Assessor Michael Diezun einen Runden Tisch zum Thema Alten
– und Krankenhilfe einberufen. Dieser hat sich mehrfach getroffen und eine bessere Kommunikation der Einrichtungen
untereinander bewirkt. Ansätze zu einer organisatorischen Zusammenlegung sind geprüft worden, aber zur Zeit auf Grund der
unterschiedlichen wirtschaftlichen und konzeptionellen Situation der einzelnen Einrichtungen nicht entscheidungsreif. Wichtig
ist in diesem Zusammenhang auch, dass die beiden Evangelischen Krankenhäuser Mettmann und Ratingen Gespräche
aufgenommen haben. Ob es zu einer engeren Zusammenarbeit kommen wird, ist allerdings derzeit noch nicht abzusehen. Die
Treffen dieses Runden Tisches – übrigens unter Beteiligung der Diakonie - werden fortgesetzt.

2.6.3     Die Kontakte zu Graf – Recke – Stiftung , Kaiserswerth und Theodor Fliedner Werk

Die Kontakte insbesondere zur Graf – Recke – Stiftung, aber auch nach Kaiserswerth sind im vergangenen Jahr verbessert
worden. Die im Zuge des Synodalbeschlusses zur Auflösung der Anstaltskirchengemeinde bei der Graf – Recke – Stiftung
aufgetretenen Konflikte sind beigelegt worden und haben zu einem konstruktiven Miteinander geführt. Unsere Kreissynode
konnte bereits am 8. Juni den Auflösungsbeschluss zurücknehmen, die Stiftung finanziert nun eine 100% Pfarrstelle, die mit
Pfarrer Redeker besetzt ist. Auch durch meine Mitgliedschaft im Kuratorium können viele Dinge im schnellen und persönlichen
Kontakt mit dem Vorstand besprochen werden. Einzelverhandlungen zwischen Gemeinden und der Stiftung zur Übernahme
gemeindlicher Altenhilfeeinrichtungen sind allerdings nicht zufriedenstellend verlaufen. Doch dies kann nicht ein Thema
synodaler oder kreiskirchlicher Diskussion sein.

Die Kontakte nach Kaiserswerth, insbesondere zur Verwaltungsleitung und dem neuen theologischen Vorstand, Pfarrer Dargel,
sind geknüpft und werden bei Bedarf genutzt.
Keine direkten kreiskirchlichen Kontakte gibt es derzeit zum Theodor–Fliedner-Werk und zu Hephata, wohl aber wegweisende
Kontakte auf Gemeindeebene.

2.7     Rechnungsprüfung

Am 29. Juni wurde ich zum Vorsitzenden der Gemeinsamen Versammlung des Bergischen Rechnungsprüfungsamtes gewählt. In
diesem Ereignis sehe ich nicht nur einen Vertrauensbeweis für unser, das heißt das federführende RPA. Diese Aufgabe
ermöglicht zugleich wichtige Kontakte zu den benachbarten Kirchenkreisen unserer Bergischen Region. In zunehmendem Maße
wird das Rechnungsprüfungsamt zu einem Seismograph gesamtkirchlicher Entwicklungen. Die Präsenz des RPA sichert den
Zugang zu aktuellen landeskirchlichen Entwicklungen und Veränderungen und ist eine unerlässliche Beratungsinstanz für die
KSV´s auch in gemeindlichen Konflikten. Ich stelle fest, viele strukturelle und personelle Konflikte haben mitunter eine brisante
„monetäre“ Komponente. Das RPA stößt in seiner Arbeit auf die Spitze manches „Eisberges“ und ermöglicht ein sachgerechtes
leitendes Handeln.

3. Nachbarschaft
3.1     Kontakte zum Kirchenkreis Niederberg

Die nachbarschaftlichen Kontakte zum Kirchenkreis Niederberg sind ein hohes Gut.
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Die gegenseitigen Besuche der Synoden sind schon lange eine Selbstverständlichkeit. Auch mindestens eine gemeinsame KSV –
Sitzung pro Jahr ist zum Standard geworden.
Darüber hinaus sind der Beirat des Schulreferates und das schon genannte Bergische RPA wichtige verbindende Faktoren. Ich
möchte an dieser Stelle den anwesenden Vertretern des Kirchenkreises Niederberg, Superintendent Breitbarth und dem
gesamten KSV danken für alle Offenheit auch in kritischen Fragen. Bei unseren Begegnungen ist oft festzustellen, das die
gewachsenen Traditionen unserer Gemeinden sehr unterschiedlich sind.

3.2   Die „Bergische Region“

Gemeinsam mit den Superintendenten der Bergischen Region, Wuppertal, Niederberg, Solingen, Leverkusen und An der Agger
gibt es 2 - 3 Treffen pro Jahr. Diese „Bergische Suppe“ ist eine wichtige Plattform zum Informationsaustausch und eine Basis
für eine vertiefte Zusammenarbeit. Durch Initiative des Kirchenkreises Leverkusen wurden Kontakte zur Personal – Service
Agentur der Bayer AG Leverkusen geknüpft. Diese Agentur hat signalisiert, dass sie auch Teile der kirchlichen
Personalverwaltung bearbeiten könne. Wir haben verabredet, dass dieses zunächst als Pilot-Projekt im Kirchenkreis Wuppertal
und Solingen erprobt und dann ausgewertet wird. Die Informationen werden unserem neuen Verwaltungsamt zugänglich
gemacht werden. Im Blick auf die Landessynode ist die „Bergische Suppe“ ein wichtiges Forum, um sich abzusprechen und in
gemeinsamen Anliegen möglichst mit einer Stimme zu reden und aufzutreten.

3.3   Ökumene

Mit Kreisdechant Motter hatte ich im Sommer ein ausführliches Gespräch. Wir beide sind ungeachtet gegenwärtiger
Diskussionen der Meinung, dass die gewachsenen ökumenischen Kontakte wichtig sind und gefördert werden sollen. Viele
unserer Gemeinden haben während des Weltjugendtages Gäste aufgenommen und Kirchen bzw. Gemeinderäume zur Verfügung
gestellt. Nicht alle Angebote von Evangelischer Seite wurden aufgenommen. Über den Papstwechsel im Frühjahr, Weltjugendtag
und die Auseinandersetzungen um die Einheitsübersetzung könnte man viel sagen, aber dies würde den Rahmen meines
Berichtes sprengen. Ich bin froh, das wir hinter gewisse ökumenische gemeinsame Traditionen wie den morgigen „Afrika“ Tag (
Treffen im Rahmen des konziliaren Prozesses ) gemeinsame Gottesdienste und Andachten, sowie gemeinsame Feste nicht mehr
zurück müssen. Die strittigen Fragen müssen aber weiter gestellt werden, wofür die gewachsenen örtlichen Beziehungen eine
stabile Basis bieten.
Ich verweise auf die sicherlich zutreffende Sprachform von der „Ökumene der Profile“, wie von Bischof Huber eingebracht und
auch im Synodalbericht für Konfessionsfragen benannt.

4. Aus dem KSV

Die Arbeit im KSV ist auch in seiner neuen Besetzung vertrauensvoll und konstruktiv. Manchmal ist KSV – Arbeit auch Seelsorge
untereinander, wenn wie im letzten Jahr einzelne Mitglieder schmerzliche Lebenserfahrungen durchmachen. Die Hauptaufgaben
werden anspruchsvoller und teilweise auch aufreibender. Die Zahl der Sitzungstermine für Sonderberatungen hat
zugenommen, was für die KSV Mitglieder einen nicht mehr zu steigernden Zeiteinsatz bedeutet! Das Prinzip der gemeinsamen
Sitzungen zusammen mit den stellvertretenden Mitgliedern ist nach manchen Irritationen auf der letzten Kreissynode vom KSV
noch einmal überprüft und ausdrücklich bestätigt worden. In diesem Zusammenhang möchte ich ausdrücklich Pfarrer Martin
Letschert danken, der über viele Jahre treu und gewissenhaft die Position als 1. stellvertretender Skriba ausgefüllt hat. Sein
Rat und seine Beiträge fehlen uns. Aber sein Schritt ist zu respektieren und wir werden auf dieser Synode die Nachfolge regeln.
Auch Helga Vossieg wird nach dieser Synode ihr Amt als stellvertretendes KSV – Mitglied abgeben. Auch ihre Zeit im KSV, der
Einsatz bei den Visitationen und vieles mehr wird uns fehlen. Beiden gilt ein herzliches Dankeschön!


5. Aktuelles
5.1 Immobilien des Kirchenkreises
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Nach Verkauf des früheren Pfarrhauses Goldberger Strasse in Mettmann (ehemaliges Pfarrhaus für den Schulreferenten) hat
der Kirchenkreis noch neben seinem Hauptsitz Düsseldorfer Strasse und Goethestrasse das Pfarrhaus Helenenweg (Erbpacht)
und das Wohn– und Bürogebäude Bismarckstrasse. Über letzteres laufen seit geraumer Zeit Verhandlungen zum Verkauf oder
zur Vermietung an die Diakonie gGmbH in Mettmann. Leider ist auf Grund des Gebäudezustandes und der aktuellen Marktlage
eine große Differenz zwischen Gutachten und realen Marktwert. Die Diakonie hat für den KSV als Verhandlungspartner Priorität,
weil sich eine dortige Niederlassung gut in das Ensemble der Mettmanner „Diakoniemeile“ einfügen würde. Sollte allerdings mit
der Diakonie nicht bald ein tragfähiger Verhandlungsabschluss gefunden werden, wird der KSV das Gebäude auf dem freien
Markt anbieten müssen, um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden.

5.2 Grenzen des Kirchenkreises

Zur Zeit laufen unter Beteiligung der zuständigen KSV´s Gespräche zwischen den Kirchengemeinden Homberg und Düsseldorf-
Gerresheim wegen einer möglichen Übergabe des Pfarrbezirkes Knittkuhl nach Gerresheim. Der KSV hat zunächst die
Moderation dieser Gespräche aufgenommen und erwartet eine Gesamtentscheidung des Presbyteriums Homberg. Anschließend
nimmt der KSV, unter Berücksichtigung der Gesamtinteressen des Kirchenkreises, Stellung. Da es bei der möglichen
Veränderung auch um Kirchenkreisgrenzen geht, könnte diese Angelegenheit im kommenden Jahr auch eine synodale
Dimension bekommen.

Auch über das Thema innerkreiskirchliche Gemeindegrenzen möchte ich anregen, nachzudenken. Meine Einschätzung ist, dass
wir langfristig parochiale Strukturen erhalten können wie bisher, wenn wir in größeren nachbarschaftlichen Einheiten denken
und handeln!

5.3    Partnerkirchenkreis Beelitz – Treuenbriezen

Vom 28.10 – 30.10 hat die Reise einer kleinen Delegation nach Beelitz – Treuenbriezen stattgefunden. Erstmalig habe auch ich
einige Gemeinden und den Kirchenkreis kennengelernt. Nach meiner Einschätzung hat die Partnerschaft, 15 Jahre nach der
Wende, in der Zukunft noch einmal ganz andere Dimension. Die Zeit der Pakete, des Warentransfers ist vorbei. Sie war übrigens
für damaligen DDR – Gemeinden nicht nur ein Segen, sondern schuf auch Missstimmung, Neid, teilweise sogar Korruption, wie
wir jetzt erfahren haben. Viel wichtiger als Geldaustausch ist das Wissen voneinander, Informationsaustausch. Die im Osten
schon gemachten Erfahrungen mit Krisen und Strukturveränderungen, aber auch der theologische Austausch könnte uns in
Zukunft zu Gute kommen. Ich möchte zusammen mit dem Synodalbeauftragten, Pfarrer Udo Pickshaus vorschlagen, diese
Partnerschaft fortzusetzen und im genannten Sinne zu entwickeln. Im Frühjahr 2007 soll eine Gegeneinladung auf
Kirchenkreisebene stattfinden, was allerdings noch der KSV beraten muss.

5.4    Partnerschaft – Kongo

Im kommenden Frühjahr möchte der KSV die Initiative des Freundeskreises Kongo unterstützen, eine Delegation aus den
Partnerkirchenkreisen einzuladen. Auch in dieser Partnerschaft ist sehr deutlich, das Geldtransfer eine sehr existenzielle Hilfe
bedeutet, aber auch großen Schaden anrichten kann. Der KSV möchte die direkte Begegnung und den geistlichen und kulturellen
Austausch künftig stärker in den Vordergrund gestellt sehen, als das Thema Geld.

5.5. Kirchentag 2007

Zur Zeit laufen erste Gespräche zwischen dem Ev. Internat Hilden, der Landeskirche und dem Kirchenkreises über ein
mögliches internationales Theater Projekt, das auf dem Kölner Kirchentag im Juni 2007 präsentiert werden könnte. In der
Verbindung mit dem Jugendreferat und der gemeindlichen Jugendarbeit ist es möglich, für unsere Gemeinden und den
Kirchenkreis hiermit eine Veranstaltungsreihe mit hohem Identifikationsgrad zu entwickeln. Beraten wird zunächst im KSV und
nach Vorlage eines Finanzkonzeptes auf der kommenden Frühjahrssynode.
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6. Ausblick
Für uns alle, in den Gemeinden und im Kirchenkreis liegt ein arbeitsreiches, engagiertes und interessantes Jahr zurück. Die
kommende Zeit wird ebenso vielfältige Erfahrungen bereit halten und uns fordern. Mit Spannung erwarte ich die neue EKD –
Mitgliedschaftsstudie, die im Frühjahr 2006 erscheinen soll. Mit Spannungen erwarten wir die Veränderungen bei der
Landeskirche!

Ich wünsche uns, dass wir auf dieser Synode protestantisch – demokratisch selbstbewusst und respektvoll achtsam
miteinander umgehen und die breite Vielfalt der Meinungen und Überzeugungen einem Konsens näher bringen. Ich wünsche uns,
dass wir uns nicht in einem neoprotestantischen „sola struktura“ verfangen. Dazu helfen dann wieder die anderen drei
Kriterien und der Gedanke: eigentlich ist die Kirche ja nur ein Provisorium.

Eine lernende Institution.
Etwas wärmer formuliert: das „Haus das die Träume verwaltet“ ( Steffensky )
Und biblisch formuliert: Ein wenig schon „Die Hütte Gottes bei den Menschen“ (Offb.21)



Frank Weber 11. November 2005