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Referenzierung von straenbezogenen Informationen mit Hilfe von

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Referenzierung von straenbezogenen Informationen mit Hilfe von Powered By Docstoc
					C. Vogt                                                                       107



 Referenzierung von straßenbezogenen Informationen
             mit Hilfe von Web Services
                                Christian Vogt
                             GIS Consult GmbH
                             vogt@gis-consult.de


ZUSAMMENFASSUNG

Für die Beschreibung der Örtlichkeit straßenbezogener Sachverhalte existieren eine
ganze Reihe unterschiedlicher Ordnungssysteme, die eine große Hemmschwelle für den
system- und projektübergreifenden Datenaustausch im Verkehrswesen darstellen.
Als Beitrag zu den Aktivitäten der Special Interest Group (SIG) Verkehr der GDI
NRW, die sich mit der Spezifikation von Übersetzungsdiensten zwischen den Ord-
nungssystemen beschäftigt, hat die Firma GIS Consult GmbH im Auftrag des Ministe-
riums für Verkehr, Energie und Landesplanung und des Landesbetriebes Straßenbau
NRW den Prototyp eines Web-basierten Referenzierungsdienstes entwickelt, mit dem
beliebige Koordinaten sowie Betriebskilometerangaben in das Netzknoten-
Stationierungssystem der Straßeninformationsbank NRW – NWSIB - umgerechnet wer-
den können.


EINLEITUNG

Für die Beschreibung der Örtlichkeit straßenbezogener Sachverhalte - bei-
spielsweise von Verkehrsschildern, Entwässerungseinrichtungen, Unfällen,
dynamischen Verkehrsinformationen (z.B. Level of Service) oder Stö-
rungsmeldungen - existieren eine ganze Reihe von Ordnungssystemen. Al-
lein beim Landesbetrieb Straßenbau NRW finden neben klassischen Koor-
dinatensystemen      Ordnungssysteme        wie     das     Netzknoten-
Stationierungssystem der Straßeninformationsbank NWSIB, die Betriebski-
lometrierung auf Bundesautobahnen oder die ALERT C Ortscodes des au-
tomatisierten Verkehrswarndienstes (RDS/TMC) Verwendung.
Die verschiedenen Systeme stellen eine große Hemmschwelle für den sys-
tem- und projektübergreifenden Datenaustausch im Verkehrswesen dar.
Aus diesem Grund beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der Special Interest
Group (SIG) Verkehr der GDI NRW mit der Spezifikation von Überset-
zungsdiensten zwischen den verschiedenen Ordnungssystemen.
Als Beitrag zu diesen Aktivitäten hat die Firma GIS Consult GmbH im
Auftrag des Ministeriums für Verkehr, Energie und Landesplanung und des
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Landesbetriebes Straßenbau NRW den Prototyp eines Web-basierten Refe-
renzierungsdienstes entwickelt, mit dem beliebige Koordinaten sowie Be-
triebskilometerangaben in das Netzknoten-Stationierungssystem der Stra-
ßeninformationsbank NRW – NWSIB - umgerechnet werden können.
Dieser Referenzierungsdienst mit Namen „Web Road Offset And Distance
Service“ (WROADS) lehnt sich in seinen Grundzügen an den Vorschlag
des „Web Coordinate Transformation Service“ (Diskussionspapier „02-
061r1“) des Open GIS Consortiums an und liefert als Ergebnis Informatio-
nen aus der Straßeninformationsbank NWSIB zu den gefundenen Straßen-
abschnitten in der Nähe einer vorgegebenen Koordinate bzw. eines Be-
triebskilometers zurück.
Neben der Bereitstellung von Umrechnungsfunktionen über Web Services
sollte mit dem Prototyp auch die Eignung mobiler Eingabegeräte wie Note-
books oder PDAs untersucht werden.
Zur anwendungsnahen Demonstration des Web Services wurden daher drei
Client-Applikationen realisiert: eine HTML-basierte Web-Applikation für
Notebooks bzw. PCs, eine für PDAs unter Windows Mobile 2003 ange-
passte Web-Applikation sowie eine WAP-Anwendung für Mobiltelefone.


AUFGABENSTELLUNG

Das Ziel des prototypischen Referenzierungsdienstes WROADS ist es, die
Bereitstellung und Nutzung spezieller NWSIB-Funktionalitäten über Web-
Services anhand eines eingeschränkten Anwendungsfalles unter realitäts-
nahen Bedingungen zu demonstrieren.
Anwendungsfall
Im Rahmen der Erfassung von Straßenbäumen ermittelt ein Straßenmeister
seine Position im klassifizierten Straßennetz innerhalb NRW's über ein
mobiles GPS-gestütztes Notebook oder Tablet PC. Anschließend wählt er
sich z.B. über ein GPRS-Mobiltelefon in einen NWSIB-online-Dienst ein
und spricht dort einen Referenzierungs-Service an. Im Standard-Internet-
Browser wird dabei über den NWSIB-online Web Map Service (WMS) der
Kartenausschnitt automatisch auf den aktuellen Standort fokussiert. Außer-
dem werden ein oder mehrere innerhalb eines Suchradius um den Standort
über ein Map Matching gefundene Straßenabschnitte grafisch hervorgeho-
ben. Zurückgegeben werden für die aktuelle Position die entsprechenden
Angaben im Netzknoten-Stationierungssystem (gemäß Anweisung Straßen-
informationsbank - ASB): Straße, Abschnittsnummer, von/ nach Netzkno-
ten, Station, ggf. (für BAB) Kilometrierung und Blocknummer. Die plausi-
C. Vogt                                                             109



bilisierten Angaben übernimmt der aufnehmende Straßenmeister in sein
Erfassungsprotokoll.
Im weitergehenden Anwendungsfall erfolgt die Positionsbestimmung statt
mit einem Notebook über einen GPS-gestützten PDA. Die ermittelte Koor-
dinate wird über das Internet an den NWSIB-online-Dienst weitergeleitet
und spricht dort den Referenzierungs-Service an, der die entsprechenden
Informationen zum Ordnungssystem des Straßennetzes zurückliefert.
Rahmenbedingungen
Der NWSIB-Referenzierungsdienst erweitert die bestehenden Dienste von
NWSIB-online um zusätzliche Operationen und orientiert sich dabei an be-
stehenden sowie abzeichnenden Standards des Open GIS Consortiums
(OGC), insbesondere am Web Coordinate Transformation Service
(WCTS), der als Diskussionspapier in der Version 0.0.4 beim OGC vorliegt
(Dokument 02-061r1).
Weiterhin soll der Referenzierungsdienst als Fallstudie für eine spätere
Spezifizierung eines „Web Location Reference Translation Service“
(WLRTS) im Rahmen der Special Interest Group (SIG) Verkehr der GDI
NRW dienen.


SPEZIFIKATION DES NWSIB-REFERENZIERUNGSDIENSTES „WROADS“

In Anlehnung an die Notationen des OGC wurde für den NWSIB-
Referenzierungsdienst die Bezeichnung „Web Road Offset And Distance
Service“ (WROADS) festgelegt.
Aufgabe des WROADS ist es, Koordinaten unterschiedlicher Koordinaten-
systeme (mindestens Gauss-Krüger, 2. und 3. Streifen und geografische
Koordinaten im Format WGS 84) in das Netzknoten-Stationierungssystem
der NWSIB gemäß Anweisung Straßeninformationsbank ASB umzurech-
nen. Auch die Umrechnung von Betriebskilometern in diese Stationierung
(„offset distances“) wird mit diesem Dienst ermöglicht.
Dabei stellt der WROADS eine Erweiterung der bestehenden Dienste von
NWSIB-online dar.
Adressierung des Service
Für die Kommunikation mit OGC Web Services kommt derzeit fast immer
das Hypertext Transfer Protocol HTTP zum Einsatz; die Adressierung ei-
nes Service erfolgt dabei über einen sogenannten „Uniform Resource Loca-
tor“ (URL). HTTP unterstützt zwei Methoden zur Anfrage von Operatio-
nen: GET und POST. Bei HTTP GET erfolgt die Übergabe der Anforde-
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rungsparameter in Form von „Keyword-Value-Pairs“, die an die Service-
URL angehängt werden. Bei einer HTTP POST-Anfrage hingegen wird der
Request direkt in den Textkörper (body) der HTTP-Anfrage kodiert.
Da die Anzahl der zu übergebenen Parameter beim „Web Road Offset And
Distance Service“ stark limitiert ist und auch die bisherigen NWSIB-
online-Operationen alle auf HTTP GET basieren, erfolgte die Spezifikation
der WROADS-Operationen ausschließlich für HTTP GET.
Der „Web Road Offset And Distance Service“ WROADS unterstützt drei
Operationen: „GetCapabilities“, „IsReferenceable“ und „GetReference“.
Die Operation „GetCapabilities“
Ein Web Service sollte immer in der Lage sein, seine eigenen Fähigkeiten
zu beschreiben. Diese Operation des WROADS heißt „GetCapabilities“
und lehnt sich in seiner Form stark an die „GetCapabilities“-Operationen
des OGC Web Map Service sowie des Web Coordinate Transformation
Service an.
Da ein Service durchaus mehrere Operationen anbieten kann, muss bei der
Operation „GetCapabilities“ auch immer der Service spezifiziert werden.
Die Angabe einer Version ist optional. Der Aufruf für „GetCapabilities“
könnte folgendermaßen aussehen:
http://services.gis-consult.de/WROADS/GCGisService?
Request=GetCapabilities&Service=WROADS&Version=0.0.1&
Die Antwort des Servers ist ein XML-Dokument. Es besitzt unterhalb eines
Wurzelelements „WROADS_Capabilities“ zwei Sektionen: ein Service-
Bereich, der Informationen über den Service selbst beinhaltet, und einen
Capability-Bereich, der die Operationen des WROADS beschreibt. In die-
sem Bereich werden auch die möglichen Formate für Fehlermeldungen
(Exceptions) sowie die bekannten Koordinatensysteme beschrieben.
Die Operation „IsReferenceable“
Die zweite Operation, die vom WROADS zur Verfügung gestellt wird,
heißt „IsReferenceable“. Mit dieser Operation kann geprüft werden, ob der
Referenzierungsdienst in der Lage ist, die Koordinate eines bestimmten
Koordinatensystems in das Netzknoten-Stationierungssystem der NWSIB
umzurechnen.
Die möglichen Anforderungs-Parameter der Operation „IsReferenceable“
lauten „REQUEST“, „SOURCECRS“ und „VERSION“ (optional). Als
Werte für „SOURCECRS“ werden dieselben Codes benutzt, die auch bei
Web Map Services für die Beschreibung der räumlichen Bezugssysteme
verwendet werden (z.B. „EPSG:31467“ für Gauss-Krüger, 3. Streifen).
C. Vogt                                                              111



Der Aufruf der Prüfung, ob die Referenzierung einer Gauss-Krüger-
Koordinate im 3. Streifen möglich ist, könnte somit folgendermaßen ausse-
hen:
http://services.gis-consult.de/WROADS/GCGisService?
Request=IsReferenceable&SourceCRS=EPSG:31467&
Die Antwort des Servers ist ein XML-Dokument, dessen Element „WRO-
ADS_ReferenceableResponse“ lediglich ein Attribut „referenceable“ be-
sitzt, das die Antwort der Anfrage („true“ oder „false“) beinhaltet.
Die Operation „GetReference“
Die Hauptoperation des WROADS ist „GetReference“. Mit ihr können Ko-
ordinaten aus unterschiedlichen Koordinatensystemen sowie Betriebskilo-
meter auf einer Straße in das Netzknoten-Stationierungssystem der NWSIB
gemäß ASB umgerechnet werden.
Wie bei den anderen Operationen des WROADS ist die Angabe eines Re-
quest-Parameters zwingend erforderlich, die Angabe der Version hingegen
ist optional. Durch die (ebenfalls optionale) Vorgabe eines Exceptions-
Parameters kann das Format beeinflusst werden, in dem Fehler vom Servi-
ce gemeldet werden. Die vollständige Liste der unterstützten Exceptions-
Formate kann dem Ergebnis der Operation „GetCapabilities“ entnommen
werden.
Bei der Suche nach Abschnitten in der Nähe einer Koordinate muss (analog
zur Operation „IsReferenceable“) mittels „SOURCECRS“ ein Ursprungs-
Koordinatensystem angegeben werden, die Vorgabe des Rechts- und
Hochwerts bzw. der geografischen Länge und Breite erfolgt - durch Kom-
ma getrennt- in einem „DATA“-Parameter. Außerdem kann der Suchradius
in Metern definiert werden. Wird die Angabe des Suchradius weggelassen,
erfolgt die Suche nach Abschnitten und Ästen im Umkreis von 50 Metern
um die Suchkoordinate. Der Suchradius wird im Extremfall auf 1000 Meter
begrenzt.
Soll nur das der Suchkoordinate nächstgelegene Ergebnis zurückgeliefert
werden, so kann dies durch die Vorgabe von „SEARCHMODE=nearest“
erreicht werden; das Weglassen dieses Parameter oder Belegung mit einem
anderen Wert liefert alle gefundenen Abschnitte und Äste innerhalb des
Suchradius zurück.
Die Suche nach dem Abschnitt oder Ast, der einer Gauss-Krüger-
Koordinate im 3. Streifen am nächsten liegt, könnte folgendermaßen for-
muliert werden:
http://services.gis-consult.de/WROADS/GCGisService?
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Request=GetReference&SourceCRS=EPSG:31467&
Data=3362154.9,5644437.46&Radius=50&Searchmode=Nearest&
Die Antwort des Servers ist ein GML-Dokument, deren „AoARefInfo“-
Elemente Angaben enthalten zu:
      dem gefundenen Abschnitt oder Ast;
      den begrenzenden Netzknoten (Kennung und, falls vorhanden, Name)
      und Nullpunkten;
      der maßgeblichen Straße des Abschnittes oder Astes (Straßenklasse,
      Straßennummer, evtl. Straßenbuchstabe und als Kennung die Straßen-
      bezeichnung);
      der Straßenabschnittsnummer (falls vorhanden);
      der Station, die der Suchkoordinate oder dem gesuchten Betriebskilo-
      meter am nächsten ist;
      dem Betriebskilometer und dessen Block an dieser Station (falls vor-
      handen);
      dem seitlichen Abstand der Suchkoordinate zu dem Abschnitt oder Ast.
      Liegt die Koordinate in Stationierungsrichtung gesehen rechts neben
      dem Abschnitt oder Ast, so ist die Suchentfernung positiv, ansonsten
      negativ.
Die Ermittlung der nächstgelegenen Abschnitte und Äste in der NWSIB
erfolgt mit Standardfunktionen des GIS („Nearest-Point“-Methode). Befin-
det sich die Suchkoordinate neben einer Straße in einer Kurve mit kleinem
Radius, so existieren unter Umständen mehrere Punkte mit gleicher Entfer-
nung. Beim Prototypen des Referenzierungsdienst WROADS wird dieser
Umstand jedoch vernachlässigt und nur jeweils ein Straßenpunkt pro Ab-
schnitt zurückgegeben (mit der jeweils kleinsten Station).
Die Suche nach Betriebskilometern erfolgt durch die Angabe von
„ASB:Bkm“ als Ursprungs-Koordinatensystem „SOURCECRS“. Der
„DATA“-Parameter beinhaltet in diesem Fall die Straßenbezeichnung, die
Kilometerangabe als Dezimalzahl sowie (optional) die Blockbezeichnung
(Angaben durch Komma getrennt).
Die Suche nach dem Abschnitt und der Station an einem bestimmten Be-
triebskilometer könnte folgendermaßen formuliert werden:
http://services.gis-consult.de/WROADS/GCGisService?
Request=GetReference&SourceCRS=ASB:Bkm&Data=A43,24.5&
C. Vogt                                                              113



CLIENT-APPLIKATIONEN

Zur Nutzung des Referenzierungsdienstes „Web Road Offset And Distance
Service“ (WROADS) unter realitätsnahen Bedingungen wurden drei
Client-Applikationen realisiert:
   eine HTML-basierte Web-Applikation für Notebooks und PCs,
   eine angepasste Web-Applikation speziell für PDAs sowie
   eine WAP-Anwendung für Mobilfunk-Telefone.




Abb. 1    Zugriff von Client-Applikationen auf WROADS

Alle Clients laden dabei die Web- bzw. WAP-Applikation direkt über das
Internet vom NWSIB-online-Server, der auf einem Apache-Tomcat-
Webserver (http://jakarta.apache.org) basiert.
Erst bei einer konkreten Anfrage an die NWSIB (z.B. in Form einer Kar-
tenabfrage oder einer Koordinatenumrechnung) greift der NWSIB-online-
Webserver auf einen speziellen NWSIB-Client zu. Dieser Client kann ent-
weder hinter einer Firewall stehen und auf den zentralen Datenbestand der
NWSIB zugreifen, oder zusammen mit dem NWSIB-online-Webserver vor
der Firewall beheimatet sein und einen redundanten NWSIB-Datenbestand
nutzen.
Client-Applikation für Notebooks und Desktop-PCs
Die Client-Applikation für Notebooks und Desktop-PCs soll einen einfa-
chen Zugang zum NWSIB-Referenzierungsservice WROADS ermögli-
chen. Aus diesem Grund wurde eine HTML-basierte Web-Applikation rea-
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lisiert, die mit allen gängigen Browsern bedient werden kann. Im Internet
ist die Beispiel-Applikation, die über eine umfassende Online-Hilfe ver-
fügt, unter folgender Adresse zu erreichen:
http://services.gis-consult.de/WROADS/index.html.
Der Nachteil einer solchen Web-Lösung besteht darin, dass mit standardi-
siertem Javascript (ECMAScript) nicht auf die lokalen Ressourcen des
Client-Computers zugegriffen werden kann und somit das Auslesen von
GPS-Geräten zunächst nicht möglich ist.
Deswegen wurde für die Einbindung von GPS-Empfängern die ActiveX-
Komponente von franson.biz (http://www.franson.biz) in einen Teil der
Web-Applikation integriert. Diese für den Endanwender kostenlose Kom-
ponente ermöglicht das Auslesen beliebiger GPS-Empfänger an einem
COM-Port im Format NMEA 183, ist aber für die restlichen Funktionen
der Web-Applikation nicht erforderlich.
Trotz der Einschränkungen bezüglich des Browsers bei der Anbindung von
GPS-Empfängern (das Ausführen von ActiveX-Komponenten ist mit
Browsern wie Mozilla oder Netscape nicht möglich), wurde auf die Umset-
zung eines browser- und plattformunabhängigen Java-Programms verzich-
tet, da die Akzeptanz von reinen Web-Applikationen höher ist als von An-
wendungen, die das Vorhandensein einer Java-Umgebung sowie den
Download des eigentlichen Programms voraussetzen.
C. Vogt                                                               115




Abb. 2    WROADS Web-Applikation für PCs

Client-Applikation für PDAs
Für den erweiterten Anwendungsfall wurde eine Web-Applikation reali-
siert, die die geringere Auflösung von PDA-Displays sowie einen einge-
schränkten Funktionsumfang hinsichtlich Dynamic HTML und JavaScript
berücksichtigt.
Im Internet ist die Beispiel-Applikation für PDAs, die ebenfalls über eine
Online-Hilfe verfügt, unter folgender Adresse zu erreichen:
http://services.gis-consult.de/WROADS/pda/index.html.
Diese Web-Applikation kann sowohl mit Web-Browsern auf PCs und No-
tebooks als auch mit dem Internet Explorer unter Microsoft Windows Mo-
bile 2003 ausgeführt werden. Unter älteren Versionen von Windows Mobi-
le (Windows Mobile 2002) ist die Unterstützung von JavaScript im Internet
Explorer noch sehr eingeschränkt, so dass die Darstellung und Steuerung
der Kartenkomponente nicht einwandfrei funktioniert. Tests mit Browsern
unter Palm OS wurden nicht durchgeführt.
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Auch bei der Webapplikation für PDAs erfolgt die Einbindung von GPS-
Empfängern mit Hilfe der GPS-Tools von franson.biz. Leider gilt auch hier
die Einschränkung, dass die Ausführung der ActiveX-Komponente dem
Microsoft Internet Explorer ab Mobile Windows 2003 und somit der Win-
dows-Welt vorbehalten ist. Das Auslesen von GPS-Empfängern mit älteren
Versionen von Windows Mobile oder unter Palm OS funktioniert mit die-
ser Web-Applikation nicht.
Allerdings gestaltet sich die Realisierung plattformübergreifender Anwen-
dungen für PDAs generell schwierig. So existiert beispielsweise (noch)
keine Java-Umgebung von SUN, die Palm OS oder Windows Mobile un-
terstützt. Eine der wenigen Java-Umgebungen für verschiedene Mobilplatt-
formen ist „SuperWaba“ (http://www.superwaba.com.br), das allerdings
erst seit Mitte Dezember 2003 die für eine WMS-Integration erforderliche
Unterstützung von GIF/PNG und JPG beinhaltet und somit zum Zeitpunkt
der Realisierung des Prototyps nicht geeignet war.
Client-Applikation für Mobiltelefone
Bei Mobilfunk-Clients kommen externe GPS-Empfänger zur Positionsbe-
stimmung bislang nicht in Frage, da heutige Mobiltelefone über keine ge-
normte COM-Schnittstelle verfügen und sie bei drahtloser Übertragung wie
Bluetooth die notwendigen Protokolle meist nicht unterstützen.
Die Genauigkeit der Positionsbestimmung mit Mobilfunktechnologie selbst
hingegen ist vor der Einführung von UMTS für die angedachten Anwen-
dungsfälle des NWSIB-Referenzierungsdienstes nicht ausreichend. So er-
folgt die Handy-Ortung bei heute verfügbaren „Location Based Services“
in der Regel über die Bestimmung der Cell-ID des Mobilfunkbetreibers.
Die bisherigen Cell-ID-Verfahren ergeben je nach Antennendichte des Mo-
bilfunkanbieters eine Ortungsschärfe zwischen mehreren hundert Metern
und einigen Kilometern.
Neuere Verfahren, bei denen die Laufzeiten von Signalen mehrerer Sende-
stationen ausgewertet werden, erlauben zwar eine höhere Ortungsgenauig-
keit, benötigen aber entweder eine veränderte Technik in den Mobiltelefo-
nen oder zusätzliche Installationen auf Seiten des Mobilfunkbetreibers und
sind daher noch nicht flächendeckend verfügbar.
Deshalb wurde bei der Realisierung einer Client-Applikation für Mobiltele-
fone auf die automatische Positionsbestimmung verzichtet; die Eingabe des
Standorts als WGS84-Koordinate oder in Form eines Betriebskilometers
erfolgt manuell. Wegen der geringen Display-Auflösung von Mobiltelefo-
nen wurde auch auf eine Integration der Kartenkomponente von NWSIB-
online verzichtet.
C. Vogt                                                                117



Die Kommunikation zwischen dem Mobiltelefon und dem Referenzie-
rungsdienst WROADS kann entweder mit „Short Message Services“
(SMS) oder dem „Wireless Application Protocol“ (WAP) erfolgen. Da für
das Empfangen und Versenden von SMS zusätzliche Hardware (separates
GSM-Modul am Webserver) sowie die Interpretation und Übersetzung des
freien SMS-Textes in eine Service-Anfrage erforderlich ist, wurde die
WROADS-Beispielanwendung für Mobiltelefone als WAP-Applikation
realisiert, die unter folgender Internet-Adresse erreichbar ist:
http://services.gis-consult.de/WROADS/wap/index.wml.
Die WAP-Beispielanwendung kann sowohl mit „echten“ Mobiltelefonen
als auch mit WAP-Simulatoren aufgerufen werden.


AUFBAU DER TESTUMGEBUNG

Die Testumgebung für den NWSIB-Referenzierungsdienst WROADS be-
steht im wesentlichen aus zwei Komponenten: Dem NWSIB-online-
Webserver, der die unterschiedlichen Client-Applikationen zur Verfügung
stellt sowie einem speziellen NWSIB-Client, der die konkreten Anfragen
(z.B. nach Karten und NWSIB-Daten) abarbeitet und unmittelbar mit dem
Webserver kommuniziert. Als Webserver kommt der Apache Tomcat in
der Version 5 zum Einsatz.
Die eigentlichen Operationen des WROADS werden nicht vom Webserver,
sondern von einem speziellen NWSIB-GIS-Client bearbeitet. Die Kommu-
nikation zwischen dem Webserver und dem GIS-Client erfolgt über einen
frei definierbaren TCP/IP-Port. Falls nicht eine Internet-Firewall die Kom-
munikation auf diesem Port unterbindet, kann der GIS-Client direkt auf die
NWSIB-Datenbank zugreifen. Ansonsten muss eine Kopie der NWSIB-
Datenbank für den WROADS benutzt werden, die dann in regelmäßigen
Abständen zu aktualisieren ist.
Beim GIS-Client handelt es sich um einen unter Smallworld 4.0 laufenden
NWSIB-Client, der um zusätzliche Java-Funktionen zur Kommunikation
mit dem Webserver ergänzt wurde. Der NWSIB-Client erzeugt die ange-
forderten Dateien (Bitmaps oder XML-Dateien), schickt sie an den Web-
server (der diese dann an den Web-Client weiterleitet) und löscht sie bei
Bedarf wieder. Somit erfolgt sowohl die Realisierung als auch die Abarbei-
tung der einzelnen Dienst-Operationen komplett in der Programmumge-
bung des Smallworld GIS (Magik).
Die Operationen, die von den WROADS-Client-Applikationen benutzt
werden und teilweise zum Standardumfang von NWSIB-online gehören,
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sind „GetMap“, „GetReference“, „HighlightCoordinate“, „HighlightOb-
ject“ und „Transform“.


SCHLUSSBEMERKUNGEN

Um die Eignung von mobilen Eingabegeräten wie Notebooks oder PDAs
sowie der hier vorgestellten Web Services zu untersuchen, müssen die Bei-
spielanwendungen noch unter realitätsnahen Bedingungen geprüft werden.
Dies könnte durch Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßenbau NRW erfol-
gen, die mit GPS-gestützten PDAs ausgestattet sind.
Ziel dabei ist es, Erfahrungen mit der Verwendung der Mobiltechnologie
zu sammeln und Anforderungsprofile für reale Anwendungsfälle zu erar-
beiten. Aus diesen Anforderungsprofilen könnte dann eine konkrete Bei-
spielanwendung für die Erfassung von punktbezogenen Straßeninformatio-
nen abgeleitet werden.
Begleitend dazu wird derzeit geprüft, inwieweit es potenzielle Nutzer des
Referenzierungsdienstes außerhalb des Landesbetriebs Straßenbau gibt. So
könnten die Möglichkeiten der Umrechnung von GPS-Koordinaten in das
Netzknoten-Stationierungssystem der NWSIB auch für Polizeibehörden
interessant sein, um z.B. die Verortung von Unfällen auf klassifizierten
Straßen zu vereinfachen.

				
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