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John Robert Ross Constraints on Variables in Syntax

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John Robert Ross Constraints on Variables in Syntax Powered By Docstoc
					       John Robert Ross: „ Constraints on Variables in Syntax“


I.     Einführung
       John Robert Ross’ Dissertation (1967) mit dem Titel „ Constraints on Variables in
Syntax“ wurde erst 1986 unter dem Titel „Infinite Syntax!“ veröffentlicht. In diesem Buch
versucht er Beschränkungen (constraints) zu formulieren, welche die Anwendung von
syntaktischen Transformationen einschränkt. In diesem Zusammenhang spricht er über
„copying transformations“ und über „chopping transformations“. Diese zwei Begriffe werde
ich später anhand von Beispielen erklären. Der wichtigste Begriff, welcher in diesem Buch
formuliert wurde, ist der Begriff der Insel.



II.    Thematik des Buches
1.     The A – over – A Principle
       Im zweiten Kapitel seiner Dissertation übernimmt Ross ein Paar Sätze aus Chomskys
Buch “Current Issues in Linguistic Theory”(1964) und diskutiert sie.
       (1)     Mary saw the boy walking toward the railroad station
So ein Satz wie in (1) ist zweideutig: es kann entweder heißen:
(1a)   Mary sah den Jungen zum Bahnhof gehen= Maria sah wie der Junge zum Bahnhof
ging
oder
(1b)   Maria sah den Jungen, der zum Bahnhof ging.
Wenn man diesen Satz in (1) als Relativsatz reformuliert, dann ergibt sich wieder eine
strukturelle Ambiguität:
Es kann entweder die Struktur haben:
a.     NP – Verb – NP – Complement             dies entspricht der Struktur in (1a)
oder
b.     NP – Verb – NP          dies entspricht der Struktur in (1b) (indem die zweite NP einen
Relativsatz in sich enthält)
Um das „A- over- A Principle“ zu erklären, nimmt Ross einen Fragensatz wie in (2):
(2)    Do you know the boy who(m) Mary saw walking to the railroad station?
       Kennst du den Jungen, den Maria zum Bahnhof gehen sah?




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Ein solcher Satz ist nicht mehr ambig. Es kann nur eine Lesart haben, und zwar mit der
Struktur NP – Verb – NP – Complement . Warum ist es so? Chomsky hat 1964 ein Prinzip
formuliert, welches besagt:


„In a structure … [A … [A … ] … ] … , if a structural description refers to A
ambiguously, then that structural description can only analyze the higher, more
inclusive, node A.


Dieses Prinzip verhindert die Struktur in (b) NP – Verb – NP (mit dem Relativsatz), indem die
zweite NP nicht mehr bewegt werden kann, da es einen Relativsatz enthält.
Ross hat dieses Prinzip als „the A – over - A Principle“ genannt und hat es als Anlass für die
Formulierung seiner Theorie genommen. Das Problem besteht darin, dass Ross dieses Prinzip
gleichzeitig zu stark und zu schwach findet. Chomsky selber findet Gegenbeispiele für seine
eigene Theorie. Ein solches Gegenbeispiel ist:
(3)    a.     Who would you approve of my seeing?
[ NP my seeing …. [NP who]]
      grammatisch
       b.     What are you uncertain about giving to John?
[NP giving what to John]
grammatisch




2.     Fälle, die von dem Prinzip korrekt abgedeckt werden

Jetzt stellt sich die Frage, welche Fälle korrekt von diesem Prinzip abgedeckt werden.
a.
Der erste Fall ist die Extraktion aus Relativsätze:


(4)    * Here is[ the snowball] which I chased the boy who threw at our teacher
                                             ungrammatisch
Der Relativsatz ist: „the boy who threw the snowball at our teacher”
Man kann die NP “which” nicht aus dem Relativsatz herausbewegen           Verletzung des „A-
over- A Prinzip“
b.
Das gilt auch für reduzierte Relativsätze:

                                                 2
(5)    *[Which bikinis] did she report[ all the girls wearing ] to the police?
                ungrammatisch


c.
Der zweite Fall, der korrekt abgedeckt wird, sind Komplemente von bestimmten Nomina
wie “fact”, „idea”, doubt“ u.s.w. Solche Nomina sind keine Brückennomina, das heißt
sie erlauben keine Bewegung.


(6)    *Where’s the bikini which Tom mentioned the fact that Sue had worn ?
                             ungrammatisch
d.     Der dritte Fall ist die Extraposition. Dafür wurde kein Beispiel gegeben.


e.     Der vierte Fall ist Chomskys Fall in dem die Kopf NP einer komplexen NP
wegbewegt wird (siehe Beispiel 3).


f.     Der fünfte Fall ist eine NP, die direkt von einer NP dominiert wird:


(7)    *Whose did you find book?
            ungrammatisch


VI.    Eine NP, die ein Konjunkt in einer koordinierten NP ist:
(8)    *[What sofa] will he put the chair between [NP some table and ] ?
                 ungrammatisch


In seinem Buch “Current Issues in Linguistic Theory”(1964) hat Chomsky einen Vorschlag
für sein Prinzip formuliert: die Regel der Wh- Voranstellung kann nicht zwei mal auf
dieselbe Kette angewendet werden. Diesen Vorschlag nennt Ross die Condition 1. Auch
hier findet Ross Gegenbeispiele:
(9)    He told me about a book which I can’t figure out
       a.      whether to buy or not
       b.      how to read
       c.      where to obtain
       d.      what to do about


                                              3
aber
(10)      Which books did he tell you why/?whether/??when he wanted to read.
Ross’ Schlussfolgerung ist, dass Condition 1 zu stark ist, aber teilweise wahr. Wenn man
versucht, aus einem finiten Satz etwas herauszubewegen, dann ist es schlechter, als wenn man
aus einem infiniten Satz herausbewegt (vgl. (9) mit (10)).



3.        Tree Pruning

Im dritten Kapitel geht es um die Baumbeschneidung (Tree Pruning). Dabei stellt es sich die
Frage,         wie sollen Konstruktionen aussehen, wenn man auf Sätzen Transformationen
angewandt hat? Wie viel Struktur darf man wegwerfen? Ross formuliert eine Regel, die
besagt:
(11)      Delete any S node that doesn’t branch.
Ein solcher S- Knoten wäre etwas, was ein Adjektiv enthält.
Es wird auch gesagt, dass:
(12)      eine NP ist komplex wenn sie einen S dominiert
Das heißt, dass die Sätze:
(13)      a.       The man[S you met ]is happy
Tiefenstruktur:          The man is happy
                         You met the man
          b.       The man[ PP from Boston ]is happy
Tiefenstruktur:          The man is happy
                         The man is from Boston
dieselbe Tiefenstruktur haben, aber die Oberflächenstruktur unterschiedlich ist, da wir (in 13
b) keinen Satz mehr haben sondern eine komplexe NP (laut der Definition von Ross).


In einem Satz wie:
(14)      I called almost all of the men from Boston up
                         grammatisch
haben wir keine komplexe NP, deswegen ist „particle shift“ möglich.


Aber in einem Satz wie:
(15)      *I called the man you met up
                        ungrammatisch

                                                  4
ist „particle shift” nicht möglich, da wir eine komplexe NP haben und diese NPs erlauben
keine Bewegung.




4.      Ross’ Beschränkungen (Constraints)

Das vierte Kapitel ist das Kernkapitel des Buches. In diesem Kapitel formuliert Ross
Beschränkungen (constraints) für die syntaktischen Transformationen. Eine von diesen
Beschränkungen ist die Complex NP Constraint (CNPC). Diese Beschränkung besagt:


I.        CNPC:         No element contained in a sentence dominated by a noun phrase
          with a lexical head noun may be moved out of that noun phrase by a
          transformation.
Beispiele: siehe oben
                        NP


               NP             S


               N
                              X

Aber:

(16)    This is [the hat] which I’m going to see to it that my ward buys
                               grammatisch

Wenn man den Satz in (16) anschaut, dann sieht man, dass die NP „which“ über die komplexe
NP bewegt wurde. Jetzt stellt es sich die Frage, warum das möglich ist. In der von Ross
formulierten CNPC ist die Rede von einer komplexen NP die ein „lexikales Nomen“ als Kopf
hat. Der Kopf der komplexen NP in (16) ist „it“ und „it“ ist kein „lexikales Nomen“,
deswegen ist eine solche Bewegung zulässig. In diesem Fall wurde die CNPC nicht verletzt.
Dasselbe passiert im folgenden Satz:
(17)    The hat which I believed (*the claim) that Otto was wearing is red.
Wenn man aber das nicht lexikale Nomen “it” in (16) durch ein lexikales Nomen wie ” the
claim” ersetzt, dann wird die CNPC verletzt und der Satz ist ungrammatisch.
(18)    *The hat which I believed the claim that Otto was wearing is red.

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Neben dieser Beschränkung findet man auch eine der ersten Formulierungen der Cross- over
Condition. Die Cross – over Condition besagt, dass man das Wh- Element nicht über ein
Element bewegen kann, das dasselbe Index hat (keine Koreferenz).
(19)   a.     The mani who said he was tall
       b.     *The mani whoi hei said was tall     Verletzung von Cross- over Condition


wegen Koreferenz.


Die zweite formulierte Beschränkung ist die Coordinate Structure Constraint.


II.    Coordinate Structure Constraint(CSC): In a coordinate structure, no conjunct
may be moved nor may any element contained in a conjunct be moved out of that
conjunct.
                     NP


              NP            NP


              N
                            X

(20)   He will put the chair between [some table and some sofa].
       *[What sofa] will he put the chair between [some table and ]?
                       ungrammatisch


Da die NP “what sofa” ein Element des Konjunkts „some table and sofa“ ist und sie aus dem
Konjunkt bewegt wurde, wurde die CSC verletzt und der Satz ist ungrammatisch.
Innerhalb dieser Beschränkung formuliert Ross ein Paar Regeln und Konventionen, die eine
solche Bewegung zulassen.
a.     Across – the – Board Movement ist eine solche Regel. Diese Regel besagt, dass die
Bewegung eines Element aus einem Konjunkt zulässig ist, wenn alle Konjunkte gleichzeitig
bewegt werden.




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b.        Die Pied –Piping Konvention.
          Pied-Piping: Any transformation which is stated in such a way as to effect the
reordering of some specific node NP, where this node is preceded and followed by variables
in the structural index of the rule, may apply to this NP or to any non-coordinate NP which
dominates it, as long as there are no occurrences of a coordinate node, nor of the S node,
on the branch nonconnecting the higher node and the specified node.


Mit anderen Worten , wenn man eine Transformation auf eine untere NP anwenden kann,
dann kann man sie auch auf eine obere NP anwenden. Eine NP darf man nicht „pied pipen“
wenn sie einen S enthält.
(21)      a.       The boy [NP whose [N loud playing the piano]] I disliked was a student.


                                             Adj       Nomen
          b.       * The boy[NP, S whose [VP playing the piano loudly]] I disliked was a student.


                                               Verb            Adv. (da “loudly” ein Adv. ist, muss
„playing“ein Verb sein).
(21 b) ist ungrammatisch, weil die NP aus einer anderen NP herausbewegt wurde, die einen S
enthält        Verletzung der Pied- Piping Konvention.
Nebenbei spricht Ross über die Umgebung des obligatorischen Pied- Piping. An dieser Stelle
wir die Left Branch Condition (LBC) formuliert.
          LBC: No NP which is the leftmost constituent of a larger NP can be reordered out
of this NP by a transformational rule.
(22)      a.       How sane is Peter?
          b.       *How is Peter sane?



(23)      a.       [How tall a man] did she marry ?


          b.       *How tall did she marry a man?




Bemerkung: Ross nutzt die Etikette NP für eine Konstituente wie „how sane“!


Die letzte Beschränkung , die Ross formuliert, ist die Sentential Subject Constraint (SSC)

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            SSC:      No element dominated by a S node may be moved out of that S if that
S is dominated by an NP which itself is immediatelly dominated by S.
So eine Konfiguration ist nur möglich, wenn dieses S ein Subjektsatz ist.


(24)        a. The employees expected [that the employer would fire some workers]
            b. [That the employer would fire some workers ] was expected by the employees.
            c. Who did the employees expect [that the employer would fire ]?



            d. *Who was [that the employer would fire ]expected?



5.     Die Regeln, die den constraints unterliegen.

Die Diskussion über diese Beschränkungen geht im sechsten Kapitel weiter. Die bisherigen
Constraints wurden bislang nur anhand von W- Bewegung illustriert. Im 6. Kapitel stellt Ross
die Frage, welche Regel diesen Beschränkungen unterliegen und welche nicht? Zu den
Regeln, die diesen Constraints unterliegen, zählt Ross die Exclamative Transformation und
die Comparative Deletion. Für die Exclamative Transformation formuliert Ross keine Regel,
aber es ist klar, dass die Regel nicht nur völlig lokal operieren kann, sondern auch
ungebunden (rekursiv).
(25)   a.      How brave everybody must think you expect me to believe he is!       man merkt,
dass es beliebig viele Elemente hinzugefügt werden können,


       b.      *How brave I know a boy who is!           der Satz ist ungrammatisch, da CNPC
verletzt wurde.
Genauso funktioniert es auch bei Superlativkonstruktionen:


(26)   a.      He’s the happiest that I’ve ever seen him.
       b.      He’s the happiest that any of my friends could estimate anybody would expect
               you to believe that I’ve ever seen him.
       c.      *He’s the happiest that we ever talked to the boy who had seen him
               Verletzung von CNPC


Für Comparative Deletion schaut sich Ross folgende Beispiele an:


                                               8
(27)   a.       Wilt is taller than I imagine anybody would ever guess that people had begun
expecting Red to announce that he was.
       b.       *Wilt is taller than I know a boy who is
       c.       *Wilt is taller than that Bill is generally believed


Es muss gezeigt werden, dass der richtige Satz nicht durch eine Constraint verletzt wird. Der
Satz in (27 a) ist grammatisch, er wird durch keine Constraint verletzt. Die Sätze in (27 b und
c)sind ungrammatisch, da in (27 b) eine Veletzung der komplexen NP und in (27 c)eine
Verletzung der Sentential Subject vorliegen.
Ross führt eine Unmenge von Konstruktionen auf, die aus Infinitiven relativ leicht möglich
scheinen, nicht aber aus finiten Sätzen. Relevant hierfür sind nur LBC und CSC.


(28)   a.       I have some papers to try to finish grading.
       b.       ?* I have some papers to announce that I’ve got to grade
In (28 a) handelt es sich um ein infinites Komplement, daher ist die Extraktion zulässig. Das
ist nicht der Fall in (28 b), in dem wir ein finites Komplement haben und die Extraktion nicht
zulässt.



6.     Die Regeln, die nicht den constraints unterliegen.

Es bleibt noch übrig zu sagen, welche Regeln nicht den Constraints unterliegen. Dazu
gehören die Regeln die ein Resumptivpronomen hinterlassen. Das Resumptivpronomen ist ein
Lückenfüller.


Zum Beispiel im Falle von Left Dislocation:
(29)   My father, that he’s lived here all his life is well- known to the cops
                         ⇓
                Resumptivpronomen
haben wir einen Satz mit einer „copying transformation“. Ross unterscheidet zwischen
„copying transformations“ und „chopping ransformation“. Die copying transformation ist
eine Transformation, die ein Resumptivpronomen hinterlässt. Die lange Bewegung kann
gerettet werden, wenn die ungrammatische Lücke durch ein Resumptivpronomen gefüllt ist.
Die Chopping Rules sind diejenige Regeln, die eine Lücke hinterlassen.


                                                 9
(30)   a.      He gave that girl my binoculars
       b.     *[Which girl] did he give my binoculars?


Für (30 b) behauptet Ross, dass es eine Regel geben soll, welche die Bewegung des indirekten
Objekts verbietet. Das wäre ein Beispiel für eine chopping rule. Diese lautet:
       „no element may be choped out of the environment [S NP V_ NP] unless the following
NP begins with a preposition“.



III.   Schlussfolgerung:

John Robert Ross gelang es die Formulierung von Constraints, welche die Anwendung von
syntaktischen Transformationen einschränken. Das Werk ist ein Steinbruch, da es auch viele
Daten enthält, die bis zum heutigen Tag nicht erklärt sind.




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