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geschichte_der_medizin_in_japan-1911_bw

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									Dr.   med. Y. Fujikawa

Kurze Geschichte
S2y si/   der sis /z/
Medizin     in   Japan
               E3j?Si!HBaiimwijarinii




ft




      THE LIBRARY
           OF
     THE UNIVERSITY
     OF CALIFORNIA
      LOS ANGELES               RtHIMFHiKNsfiSe!:
                                Y.r-ir.r.i'Atutir.-'.rr.r.T-.
                                Llvt!i:l:i;uiirj d:;::::'fc!E4.'li
         Geschichte
                          der


Medizin                     in        Japan.
 Kurzgefasste Darstellung der Entwicklung der
      Japanischen Medizin mit besonderer
        Beriicksichtigung der Einfuhrung

           der europaischen Heilkunde
                    in    Japan




         Dr.   med. Y. Fujikawa.
                               ,




                      ->:o:<-




               Herausgegeben
                         vom

Kaiserlich-J apanischen    Unterrichtsministerium.



                TOKYO              1911.
                                                                             H/l
                                                                                           t

                                  Vorwort.

        Wie      die    Entwicklung           aller   Kunste          unci   Wissenschaften

von       der     Hohe     der    allgemeinen               Kultur der Menschheit

iiberhaupt abhangig              ist,    so    ist   au.ch die der Medizin, soweit

sie   Wissenschaft           und         Kunst         zugleich          ist,        untrennbar

damit verbunden.             So beherrschte der theurgtsch-mystischc
Charakter die Medizin                   aller        Volker wahrcnd der Periodc
ihrer      friihesten      Kulturentwicklung.                     Die         alt-chinesische

Medizin zog die hypotlietische                         Naturphilosophie zu Rate,

die auf spekulativem              Boden stand               ;   die    moderne dagegen
stiitzt   sich auf die     Methode naturwissenschaftlicherForschung
als die einzig richtige             und wahre.                  Somit        ist    die   Art und
Weisc           der    geschichtlichen           Darstellung             der        Medizin     in

Verbindung mit der derzeitigen Kultur, wie es                                          in dieseni

Werkc       geschieht, eine sehr cmpfehlenswerte.                                  Die ku'turge-
schicbtliche          Hehandlung der Geschichte der Medizin erscheinf
in    Japan           w.n so gebotener          und berechtigter,               je klarer     man
erkennt, dass die Einfjhrung der chinesischen Medizin iiber

Korea, und              die der curop;iischen durch die Hollander, mit

der       Uebernahme         der         fremden            Kulturen            aufs      innigste

verbunden war.              Einen bcsonders cngen Zusammenhang
hat       die    jetzige   japanischc            Medizin          mit        der Einfuhrung

muderner              Bildung.          Schon         die       ersten             Pioniere    der

europaischen             Kultur         brachten        die       medizinischcn               Wis-
senschaften in unser Lund, da sic nur iibcr                               diese   Briicke

freien   FJngang finden konnten, und wir Acrztc warcn                                 es,

die trotz dcr        heftigsten Agitation gewisser Parteien gegen

die   Einfuhrung dcr fremden                      Kultur deren           erste    Funken
sorgfaltig      geschiitzt       und    gepflegt          haben.         So haben     die

Mediziner zu alien Zeiten die                     Rc»lle wichtiger         Kulturtrager

gespielt,    und     in    der Geschichte           der    Medizin spiegelt sich

die   Entwicklung des Volks                  in    getreuem Bilde wieder.
      Es war kein           blosser Zufall, class das Unterrichtsmini-

sterium Herrn Dr.               Fujikawa           veranlasste,          diesen Abriss

ocv    medizinischen            Geschichte         Japans            fur die grossartig

angelegte Hygieneausstellung in                     Dresden zu                 schreiben

denn     die    deutsche         Medizin          fand    schon          vor   mehr   als

hundert Jahren            bei   uns Eingang durch                (\c\\    anatomischen

Atlas von      J.   A. Kulmus (Danzig                    1725), dessen muhevolle

Uebersetzung          aus       dem    Hollandischen            Mayeno, Sugita
und    Nakagawa                 iibernommen batten.                   Wenn       auch die
voriiegende Darstellung aus ausseren Grunden recht                                 knapp
gclialten    werden       inusstc, so wird         man doch          vielleicht   manche
Anrcgung zu          weitercr Uebcrlegung daraus schopfen konnen.

       Dass ich beim Erschcincn dieses Buchcs cinige kurze
einleitende     Worte mitgeben          durftc, hat        mir aufrichtige Freude

bcreitet,    und     ich    wiinsche      demsclben             sowie         dem durch
seine literarischen Arbeiten ruhmlichst bckannten Verfasser

den glvicklichsten Erfolg.
                    Tokyo, den         30.    Marz        191   1.       K.    3Iiura.
                      Inhaltsverzeichnis.



                                                             Seite

   I.    Die mythische Zeit                                    I


  II.    Bis zur   Nara   Zeit                                 4
 III.    Die Nara Zeit                                       10

 IV.     Die Heian Zeit                                      12

  V.     Die Kamakura Zeit                                   23
 VI.     Die Muromachi Zeit                                  26
VII.     Die Azuchi-Momoyama Zeit                            30
VIII.    Die Ycclo Zeit                                      41
 IX.     Die Mciji Zeit                                      87
Anhang    :   Kurze   Ubersichtstabclle   zur   Geschichte

        der Mcdizin in Japan                                 95
                      I.       Die mythische                                  Zeit.

                [Von der Urzeit                           bis    96 vor Chr.]

          Es    existieren eigentlich drei Quellen, auf                                  denen im
wesentlichen unsere ganze Kenntnis der mythischen Zeit
                                         15
in Japan beruht     i) das Kojiki (WIS),
                                      :
                                            d. h. Chronik

des Altertums              ;   2)     das Nihongi               (B^E),2)         d. h.   Japanische
                                                                         3)
Annalen          ;   und       3) die       Fudoki (H±bS),                    d. h.   Beschreibun-

gen        der       Provinzen.                 Natiirlich      ist   es       nur in sehr be-
schranktem Masse moglich,                                 in diesen Schriften           Angaben
iiber die Heilkunde jener Periode zu finden.                                          Doch sehen
wir       aus        denselben,             dass         ganz besonders zwei Gotter,
      Onamuji-no-Mikoto (XjZ&M'w)
namlich                                                                                         und
Sukunabikona-no Mikoto {'^^^tM^)                    -                                            mit

vereinten Kraften die Methode,                                   Krankheiten             zu   heilen,

erfunden haben sollen.

          Das        Kojiki     ist       das    erste   japanische      Geschichtswerk,      welches
     1)
von       Oho-no- Yasumaro                        im     5.   Jahre   der     Wado-Ara (712 nach
Chr.) verfasst wurde.

     2)   Das Nihongi, das zweite grundlegende Werk, wurde vollendet im
4.    Jahre der Yor5-Ara (720 nach Chr.). Die deutsche Ubersetzung von K.
F    1 o r e n z ist besonders wertvoll durch die
                                                  Fulle von sach- und sprach-

kundigen Erlauterungen, nebst Erganzungen aus anderen alten Quellen-
•werken.

     3)    Die Fudoki sind Landesbeschreibungen, welche auf Befehl der Kai-
ser in    Gem my 6 im 6. Jahre der Wado-Ara (719 nach                          Chr.) verfasst wurden.

Die       Verfasser sind         unbekannt              Wir   besitzen     nur   das Idzunw- Fudoki

vollstandig          sowie Bruchstiicke aus den Topographien von Bingo,                        Inaba,

 Tango, Hitachi         u. s.   w.
       Die Pathologie dieser Periode                        ist      erne rein thcurgische.
Die     Krankheiten         sind        das        Werk              der Gotter und              man
bezeichnete sie als „             Kam          i   -   no   -   Ke"         (f$M.) (Geist          der
Gotter).     Die Krankheiten wurden ausserdem                                     als ein       Werk
der     bosen       Geister,       oder            als      durch den Einfluss                     der
Damonen          hervorgerufen,           angesehen.                       Auch         der      Geist
eines Verstorbenen               ist   fahig,            seine        Mitmenschen              krank
zu machen.           Es waren aber                     nicht         allein      gottliche        oder
damonische           Einflusse,         durch             welche            die     Krankheiten
hervorgerufen wurden,                   sondern es                    traten       hierbei       auch
noch eine Reihe anderer Faktoren,                                     z.   B. Unzucht, oder
Unachtsamkeit          u.   s.    w. in Erscheinung.

       Entsprechend den Begriffen,                               die       man      sich      damals
von        den   Krankheiten machte,                            waren           Opfer,        Gebete,
Beschworungen, Zauberspriiche                            u. s.       w. die Hauptabwehr-
                krankmachenden Einflusse. Innerliche
mittel aller dieser
Anwendung von Medikamenten kam erst in spaterer Zeit
in Gebrauch. Darunter war Sake (       Reiswein) das                       M
Hauptmittel. Unter den Arzneimitteln, welche dem
Pflanzenreiche         entstammen, sind                         in    erster       Linie      Amaki
(#1£ Glycyrrluza glabra                 L.) t       Nikota           (A# Panax             Ginseng,
C.    A.    Mey),     Hohokashiwa                      (J?tr         Magnolia           hypolenka,
S. ct      Z) Ohoshi        {fcsfc      Rheum undulatum                           L.)    Inumame
(ES        Croton Tigluini         L)    zu er\vahnen. 1)

    Die Chirurgie scheint auf einer niedrigen Stufe der
Entwicklung gestanden zu haben.       Man wandte Be-
  I)  W. N.      Whitney hat in seinem Werke „ Notes on the History of
Medical Progress in Japan " verschiedene Medikamente erwahnt, die im
Altertume gebraucht wurden.             Diese          Beschreibung basiert hauptsachlich
auf   dem „Uyetsn Fa/ni"           (_fc.fE),       d. h.    Annalen            des Altertums.       Die
Echtheit dieser Schrift wird jedoch von                         guten      Kennern der        altjapani-

schen Literatur in Zweifel gezogen.
                             — —
                               3

streuung mit   dem Staube    der Seggen bei offenen   Wunden,
und Auflegen   resp.    Aufstreichen des Venusmuschel-Saftes
bei   Brandwunden      an.   Der Gebrauch des Aderlasses
scheint den Heilkunstlen dieser Periode bekannt gewesen
zu sein.
      Mineralbader     und Wassergiisse   kamen   haufig   zur

Anwendun^.
                                                  —4


                          II.     Bis zur Nara-Zeit.
              [Von 97 vor Chr.                          bis   709 nach Chr.]

        Es            steht      ausser Zweifel,              dass        die        Japaner schon
im      sogenannten                   Gotterzeitalter              auf         der    koreanischen
Halbinsel gcwesen                         sind.       Mit     den Chinesen                 sollen        sie

schon zur Zeit der                        Chou        (M): Dynastie (urn                    1500     vor
Chr.) verkehrt haben.                          Aber      es   waren nur              die   Bewohner
der siid-westlichen Hauptinsel                              Kyush u,             die dainals die
Uberfahrt nach                   dem        Festland unternommen haben.                              Die
offiziellen            Beziehungen zwischen den Japanern und                                         den
kontinentalen Nachbaren beginnen                                        erst    mit einer Nach-
richt aus                 dem    65   .    Regierungsjahre des Kaisers S u j                             i   n
(33 vor Chr.), nach der das Konigreich                                     Mimana                iHW)^
auf Korea einen Gesandten an den kaiserlichen                                                    Hof in
Y a in a          t   o    schickte.          Von       dieser          Zeit     an fanden die
fremden Dinge allmahlich                           in    Japan            Eingang.              Seit der

Eroberung                  des    Konigreiches S              i   1 1   a (ffrlD (oder            Sh     i
                                                                                                             -

rag     i)
             2)
                  duch        die Kaiserin            Jingo         drangen die kontinen-
talen    Kunste und Wissenschaften immer mehr                                              in   Japan
ein,    was auf dessen kulturelle Entwicklung                                               einen    be-
deutenden Einfluss                        ausiibte.     Zur Zeit des Kaisers                     Ojin
wurden von                 Pekche                 CSW)      (oder        K u d a r af*          aus die
konfuzianischen                   Analektcn             (Liin-yu          mW)         und        andere
chinesische Biicher nach                          Japan       eingefiihrt,           und burgerten

  1)    Kleines Reich an der Siidspitze der Halbinsel                            Korea.
  2)        im Osten der IlalbinseL
        Staat

 3)     Pekche war ein im Sudwestcn der Halbinsel liegender                                     Staat.
                                                — —  5


sich     nebst        der            chinesischen                Schrift            und    diversen
Wissenschaften             in    Japan               ein.

        Nach        einer japanischen                     Quelle           kam       schon    friiher

unter Kaiser         Kore
                        der Chinese J o f u k u aus T s i n g
                                         i


(i§)    auf der Suche nach dem Unsterblichkeitsmittel nach
Japan.          Unter seinen Reisegefahrten sollen sich auch
einige Arzte befunden haben.                                Aber        offentlich        wurde der
fremde Arzt zurn ersten Mai                               erst zur Zeit der                Dynastie
I n k y o bei einer Kranheit des Kaisers hinzugezogen.

Der Konig von S 1 a schickte namlich auf des Kaisers
                                 i   1


Verlangen einen                 tiichtigen               Arzt,        Kon-Bu              (ifcWt)   an
den kaiserlichen Hof.                         Dieser        traf      im     8.     Monat des        3.

Regierungsjahrs des Kaisers (414 nach Chr.) in                                            Yam a to
ein     und   heilte       den       letzteren            schnell        von seiner Krank-
heit.    Im    3.   Regierungsjahre des Kaisers                               Yuryaku(458
nach      Chr.)      kam auch                  ein    koreanischer                Arzt,     Namens
Tokurai              (f*3tO          aus       Kory6                 (WM.)    (oder Komcif* in
Japan an,            der sich                 mit seiner             Familie        in    Naniwa
niederliess.         Er beschaftigte                     sich ausschliesslich              mit      der
Heilkunde, die nach seinem Tode                                      in seiner Familie, sich

von      Generation              zu           Generation             forterbend,          andauernd
ausgeiibt wurde.

        Im    15.                K m me (552 nach Chr.)
                    Jahre des Kaisers                            i            i


wanderten                  Oyu-Ryoda (zEfa$i$fc) und die
                    der Arzt
Apotheker           Han- Ry oho 0MS) und Tei-Yuda
(TM PS)       von P e k c h e aus                    in    Japan             ein.    Sie brachten
damals auch                zugleich              verschiedene                Arzneimittel           aus
Korea          mit, wonach die koreanische Medizin sich                                              in

Japan         auszubreiten und kraftig zu bliihen begann.

  1)     Koryo       ist    das          im    Nordwestcn            der koreanischen       Ilalbinscl
stehende Staat.
                                      —6—
       In jener Zeit wurde auch der Buddhismus von                         Korea
nach    Japan            heriibergebracht. Die Lehre des             Buddhismus
gewann erst langsam und nach heftigem Widerspruch,
dann aber immer rascher und kraftiger an Boden.
Dadurch wurde ein ungeheurer Umschwung im Leben
und Denken des Volkes herbeigefuhrt, und die buddhis-
tischen Vorstellungen gingen in aller Gemiiter uber. Das
Volk musste auf den Gedanken kommen, dass Buddha
ein    viel    grosserer          Heiliger     sei,   als   die    einheimischen
Gotten        Fur die Wiederherstellung von der Krankheit
pflegte   man       zu   Budd      h a zu beten und infolgedessen waren
manche buddhistische                 Priester    zugleich als        Arzte    tatig.

Bei der Ankunft des Priesterarztes                    Kwan-Roku               (Wl$j)
aus   Pekche im             10.   Regierungsjahre der Kaiserin               Suiko
(602      nach       Chr.)        wurden vom Hofe einige                   Schiiler
auserwahlt,         um     bei    ihm Medizin zu studieren.
       Da     die   von den koreanischen Priestern mitgebrach-
ten    buddhistischen              Schriften     in    chinesischer        Sprache
verfasst waren, musste jeder, welcher den Buddhalehren
naher treten wollte, Chinesisch lernen.                      In der Folgezcit
wurden zahleiche junge Manner auf Staatskosten nach
China gesandt, um sich hier in den Wissenschaften
auszubilden.   Auf diesem Wege begann der wirkliche
Einfluss  der chinesischen Wissenschaften und Kultur.
Im 16. Jahre der Kaiserin Suiko (608 nach Chr.) wurden
E-Nichi, (1£B), Fuku-In (fS[3) und andere junge
Arzte nach          China       gesandt,   um   die   Heilkunde zu studieren.
Nachdem         dicse       Manner      sich     wahrend          eines   funfzehn-
jahrigen Aufenthaltes dort die Medizin der                           Tang      (^)-
Dynastie        angeignet          hatten,      kehrten      sie     zuruck    und
strebten in jeder           Weise nach Verbreitung der erlernten
Kunst     in J      ap a   n. Die in soldier Weise anfangs indirekt
liber   Korea,dann aber direkt von China eingedrungene
chinesische Medizin hat eine weittragende Anderung in
der bis dahin in         Japan          ausgeubten Heilkunde herbeige-
fuhrt.     Von           an begannen die Japaner die
                      dieser    Zeit

chinesische Medizin audi an der Quelle zu studieren.
     In dem im 2. Jahre der Taiho-Ara (702 nach Chr.)
vom      Kaiser   M o m m u abgefassten Gesetz-Kodex,                           „ Taiho-
Ryd CfcHW             " befinden sich auch Vorschriften uber das
Medizinal-        und     Unterrichtswesen, welche analog den
Einrichtungen der              Tan g-Dynastie                     ausgearbeitet waren.

Nach diesem Gesetzbuch                  zerfiel die          medizinische Schulan-
stalt, ebenso wie die Anstalten fur andere Wissenschaften,

in eine Hochschule {XM Daigaku) und in Provinzschulen

(®^       Kohtgahi).           Die medizinische Hochschule, die den
 Sitz in der Residenzstadt            hatte, sollte nur junge Leute

aus       den     Familien       vom          5.    Ranggrade             an    aufvvarts

aufnehmen,            wahrend     die     medizinischen                 Provinzschulen,

deren jede            Provinz    eine     besass, den jungen Leuten der
 Statthalterschaften Unterricht        Die Hochschule
                                                   erteilten.

 gehorte zur Medizinal-Behorde des Hofministeriums und
 zerfiel    in    5    Abteilungen,           namlich         :    Arzneikunde, Aku-
punktur,              Beschworung
                 Massage,                 Pharmakologie.          und
 Die Abteilung der Arzneikunde wurde weiter in folgende
 Fachzweige eingeteilt   Tai-ryo ( fH#£ Innere Medizin),
                                  :




 So-shu ( MW. Wund- und Tumorenheilkunde), Sho-so ('J/vh
 Kinderheilkunde).          Ji-Moku           -    Ko    -   Shi    (   5@ P^    Ohren-,

 Augen-,  Mund- und Zahnheilkunde). Die Akupunktur
 umfasste den Nadelstich und kleine Operationen. In der
 Massage-Abteilung lehrte man das Massieren, die The-
 rapie der Knochenbruche uud Verbandlehre.      Die Be-
 schworungsabtcilung                  hatte        den       Zweck,   in  den Be-
 schworungsformeln zu unterrichten,                          wurde aber spater ganz
                                         —8—
abgeschafft.       Fur jeden Fachzweig waren nur Fachlehrer
angestellt, die sich            ausschliesslich               der Schiilerausbildung
widmeten.       Die innere Medizin hatte                               7, die   Kinderheil-
kunde und Chirurgie je 5, die Ohren-, Augen-, Mund-
und Zahnheilkunde 4, die Akupunktur 4, die Massage 3,
die Beschworung 3 Jahreskurse.   Die Studenten wurden
alle auf Regierungskosten ausgebildet.  Die Priifungen
wurden monatlich einmal von den Lehrern ihrer Fakultat
und jahrlich einmal vom Chef der Medizinalbehorde des
Hofministeriums   vorgenommen     die  letzte  Pnifung  ;



machten      sie        vor    dem       Hofminister              selbst.         Nach       be-
standenem Examen wurden                           sie       zu „ Iski "     (||$Ji    Arzten)
ernannt.
     Ausserdem wurden 30 Frauen im Alter von                                           15    bis

25 Lebensjahren erwahlt und in der Geburtshilfe,                                      Wund-
heilkunde, Verbandlehre                  und Akupunktur ausgebildet.

     Unter         den        benutzten           Lehrbiichern             sind      folgende
chinesische    Werke           der   Su     i   (rW)-   und      Tang       (Jgf)-   Dynastie
in erster Linie zu             nennen       :




  Shao-pin-fang /]>&% (Ein Rezeptbuch)

  Chi-yen-fang      3$J§k~)]    (Ei n   Sammelbuch von Arzneiverordnungen)
  Kan-i-ching £?£,%&           (L'ber die       Akupunktur)

  Mo-ching    flftfcS   (Ein   Werk     iiber    den Puis)

  Hwan-ti-chen-ching ^fJJ-^S (Ein Handbuch der Akupunktur)
  Ming-tang W£t          (tiber die     Akupunktur)

  Liu-chu-ching         flfcjilS (Eine Abhandlung              iiber   die Akupunktur)

  Sin-siu-pen-tsao J8i&J$J£. (Neues                Werk       iiber die   Arzneimittellehre)




     Auch      solchen Leuten, welche                           die Hochschule              oder
die Provinzschulen nicht besucht batten,                                  wurde auf ihren
                            —9—
Wunsch von        der   Medizinalbehorde   die   Genehmigung
erteilt,   mit   den Studenten der    Hochschule    sich   der
Arztepriifung zu unterziehen.
                                    — IO —


                    III.     Die Nara-Zeit.
               [Von 710           bis     784 nach Chr.]

       In    der    politischen     Geschichte nennt             man gewohn-
lich   den Zeitraum von etwas               iiber    70 Jahren,        wahrend
dessen      Na ra     in der    Provinz      Y a m a t o als kaiserliche
Residenz- und Hauptstadt                fungierte, die N a r a-Zeit. Sie
dauerte      vom       3.    Jahr    der        Wado-Ara der Kaiserin
Gemmyo              (710 nach Chr.) bis         zum 3. Jahre der Enryaku-
Ara des Kaisers             Kwammu         (784 nach Chr.), in welchem
Jahre Nar          a als Residenz aufgegeben, und diese                     in    die

Provinz Yamashiro                   verlegt wurde.
       Der     in     der    vorigen       Periode         schon     eingefuhrte
Buddhismus hatte unter der Anregung des kaiserlichen
Hofes immer rascher und krafliger urn sich gegriffen.
Die Priester waren die Forderer des geistigen und
materiellen         Wohls     des       Volkes,      wie       die   christlichen

Monche       des Mittelalters        in   Europ a.          Audi auf     medizi-

nischem        Gebiete       haben        sie    einen      grossen     Einfluss

ausgeiibt,    da     viele Priester sich mit der               Krankenbehand-
lung beschaftigten.           Weil damals           bei der     Behandlung der
Krankheiten mehr Gewicht auf Gebet                       als   auf Arzneimittel
gelegt       wurde,     so   waren        die    Priesterarzte       sehr        hoch
geschatzt und ihre Zahl             nahm        rasch zu.
        Ein chinesischer beriihrnter Priester Namens                        K a n-
j i n (HE), welcher im 6. Jahr der Tempyo-Shoho-Ara (755

 nach Chr.) nach Japan kam, beschaftigte sich neben
 religioser Propaganda mit der Heilkunde und erlangte
                               II


als gelehrter  Kenner der Arzneimittelkunde einen guten
                                                Mutter des
Ruf. Er behandelte auch den Kaiser und die
                                                    er eine
letzteren bei einer Krankheit und heilte sie, wofur
Belohnung erhielt. Im 7. Jahre       der Tempyo-H6ji-Ara

(763  nach Chr.) starb er im 77. Lebensjahre. Ausser ihm
batten    verschiedene   andere      Priester    wie   H6z5 (&W
(aus   Pekche),     Horen     &&£) und          Hoei (&£)   wegen
ihrer Gelehrsamkeit in     der Medizin damals einen guten
Namen.
                                                      Zeit ist
       Auch   die Begriindung einer Charite in dieser

auf den Einfluss des Buddhismus zuriickzufuhren.
                                                    Nach
                                            Tempyo-Hoji-
den Annalen wurde schon im 2. Jahre der
Ara       nach Chr.) eine Charite auf Befehl der Kaiserin
       (758
Komyo         errichtet, urn darin arme Kranke aufzunehmen.
Bereits fruher war eine        solche Anstalt zur Aufnahme

alter Bonzen und bejahrter Kranken errichtet worden.
Auch ein Tempel zu Nara soil eine solche gehabt
                                                  auf
haben; als die grosste der Zeit gait jedoch die
 Anregung der Kaiserin       errichtete Charite.
                                              12




                IV. Die Heian Zeit.
               [Von 784               bis     1186 nach Chr.]

      Unter der      He     i   a n-Zeit verstehen wir den zirka vier
Jahrhunderte        langen        Zeitraum             seit       der        Verlegung der
Hauptstadt      nach       Heian                (jetzt   Kyoto)                durch Kaiser
Kwammu              in    der Enryaku-Ara (784                               nach      Chr.)    bis

zur   Begriindung          der        Militarregierung                  in    Kamakura
durch       Yoritomo Minamoto                                      in        der      Bunji-Ara
(1186 nach Chr.)           Im Anfang               dieser Periode stand                  Japan
ebenso wie     in    der vergangenen Periode mit                                   China         in
lebhafcem      Verkehr.          Da man              bei          alien       Gesetzen          und
Einrichtungen das Vorbild Chinas, das damals von                                                der
Tan g-Dynastie            regiert wurde,               nachzuahmen                    suchte,    so
brachte dies auch die Einfuhrung der chinesischen                                          Tvledi-

zin mit sich.       Die     chinesischen                 Werke, aus denen                       die
japanischen     Arzte       ihre            Kenntnisse            schopften,           stammen
samtlich aus der           Su     i     (#?)-    und     Tang                (ffi)-    Dynastie.
Namentlich waren es die folgenden                             :




  Ping-yuan-hou-lun (ffti&IMm) von Chao-Yuanfang (MfGJj) ( 6 *°
      nach Chr.)

  Chien-chin-fang (=f-fcjj) von Sun-Sumo (jySigi)
  Tai-so-kin   (&$$&)      von Yang-Shangshen                     (^_h#)

      Schon zu dieser                 Zeit hatte die              japanische Medizin-
literatur   eine    grosse Anzahl nennenswerter                          Werke auf-
zuweisen.      Von       diesen       ist   zunachst das            Dai do Ruijuho
i'X\ulW\MJf)    (808 nach Chr.) zu erwahnen.                                   Das      Dai do
                                      — 13 —
Ruijuho        oder     ,,   Sammlung von Rezepten                    aus der Periode
Daido    "    wurde          auf Befehl      des Kaisers              He   i   ze   i        von
Hirosada Idzumo                         (tf!f|j£c$s0         und      Manao Abe
{^<^m=M)         Dieses Werk ist leider im Trubel der
               verfasst.

           gegangen und daher auf unsere Zeit nicht mit
Zeit verloren
herubergekommen.  Dass das heute den gleichen Titel
flihrende      Werk          nicht das      Original,            sondern       eine      Fal-
schung durch eine               spatere     Hand     ist,         unterliegt     keinem
Zweifel.       Den      bei    der Vollendung des                  Werkes an den
Kaiser erstatteten             Bericht flnden        wir          im Nihon - Koki
(B^f&IE), einer              auf Hofbefehl abgefassten                   Chronologie
fur   den Zeitraum von                792    bis   833.          Nach diesem Be-
richte bestand das             Werk    aus 100       Banden und                soil      eine
Sammlung        aller    Rezepte        aus alten Urkunden beriihmter
Familien in Dorfern und Shintotempeln und von bekannten
Landarzten enthalten haben.                    Das       Kiran-ho                ($lW~Jj')

wurde        auf Befehl         des    Kaisers       S   e   i   wa    wahrend der
Jokan-Ara (859           bis    876 nach Chr.) von                    Minetsugu
Sugawara           {^'W^M) und anderen beruhmten Arzten
abgefasst      und in 50 Bande geteilt. Auch dieses Werk
ist   spater verloren          gegangen.           Die       Echtheit      des          noch
heute unter diesem             Namen        existierenden          Werkes wird                   in

Zweifel gezogen.
       Das    I s   h i n h 6 (^>bJf), das im            5.      Jahre der Tengen-
Ara    (982    nach Chr.) von               Yasuyori-Tamba                              (i
                                                                                             5
                                                                                              }^
M&.)    verfasst wurde, ist das alteste der                       noch   jetzt      erhal-
tenen alten medizinischen Biicher Japans.         Der Verfasser
griindetc seine        Ansichten hauptsachlich auf die Angaben
des Ping-yuan-hou-lun (^^.I^Ibu) und trug auch aus
den in seiner Zeit von China eingefiihrten medizinischen
Werken Verschiedenes zusammen. Dieses Werk besteht
daher hauptsachlich             aus    Zusammenstellungen aus                           alten
                                              — 14 —
chinesischcn              Klassikern,          zu    denen          aber        einige         eigene
Bemerkungen und Beobachtu ngen des Verfassers hinzu-
kommen.   Der Inhalt des Werkes ist folgender     a)                                             :




Allgemeines.              b)    Akupunktur.           c)   Fu-byo (Krankheiten des
Pneumas)       d)        Krankheiten der Eingeweide.                           e)    Hautkrank-
heiten.       f)        Augen-,         Ohren-       und       Zahnkrankheiten.                       g)
Krankheiten               derHande und Fiisse. h) Abszesse und
Tumoren.           i)   Wunden. k) Kinderheilkunde. 1) Gynakologie
und Geburtshilfe. m) Hygiene,                          n)     B5-nai        (   J£ ft          Sexual-
hygiene),           o) Diatetik.          p) Arzneimittel.
          Das Werk              ist,    wie     aus        dem oben             Geschilderten
schon hervorgeht,                    eigentlich       nur     ein     Sammelwerk meh-
rerer medizinischer                    Zweigwissenschaften,                 aus           dem man
ersehen       kann,            wie     sich    die    medizinische                  Wissenschaft
in    Japan             entwickelt hat.             Wir      miissen natiirlich                 davon
absehen, den                  damaligen        Stand der medizinischen Wis-
senchaft       hier           ausfuhrlich       darzustellen          ;   es        sei    uns       nur
gestattet,     folgende Punkte kurz hervorzuheben                                     :




                                       A) Anatomie.            ])




          Die Anatomie im alten                     Japan           war eine nur a              priori

gedachte.               Sic    stammt,        wie    iiberhaupt           die ganze Medi-
zinlehre, aus             China.              Aus     einer alten geschichtlichen
Schrift konnen wir entnehmen, dass in China schon
im ersten Jahrhundert nach Christus ein enthaupteter
Verbrecher von einem Arzt seziert und die Organe
gcmesscn wurden.    Es ist hochst wahrscheinlich, dass
auch        sonst         noch         Zergliederungen                von           Tieren           zum
Vergleich herangezogen wurden.                                Weil aber Sezierungen

     i)   Vergl. Dr. G.         Osawa,        Zur Geschichte der Anatomie                 in   Japan,
Anatomischer Anzeiger, XI. Band, Nr.                   16.    1896.
                                                       15
                                                            —
in   China            nicht       gestattet             waren, so         ist     die   Anatomie
der       Chinesen          eigentlich               mehr        in    spekulativem             Sinne
betrieben worden.                    Anschauung be-
                                      Nach             chinesischer

steht der  Korper aus Fleisch, Knochen und Einge-
weiden. Unter den letzteren unterscheidet man 5 Zo
(Si)  und 5 Fu (If) Die Zo, d. h. „ Vorratshauser,"
sind die Haupteingevveide,                             zu denen Herz, Leber, Milz,
Lunge und Nieren                          gehoren.               Jedes        dieser    Hauptein-
geweide             entspricht                  und behersscht je
                                      einem Element,
eine Jahreszeit,             eine Farbe und einen Geschmack.   So
sind      :




                    Element       :       Jahreszeit                  Farbe        Geschmack
     Herz       :         Feuer,                Sommer,                rot,             bitter

     Lunge                Metall,               Herbst,                weiss,           scharf
     Nieren               Wasser,              Winter,                 schwarz,          salzig    ;




     Leber                Holz,                Fruhling,               blau,            sauer
                                          ("Die letzten
                                          \    1   8   Tage                             suss.
     Milz                 Erde,                                        gelb,
                                           jeiner jeden
                                           (   Jahreszeit


              Die Fu,     d. h. „     Herrenhauser," stehen den Hauptein-
geweidea            als Gehilfen zur Seite,  namlich Magen, grosser           :




Darm,           kleiner     Darm, Gallenblase, Harnblase, und " San-
tsiao"          (H#0      (d. h.      aus drei Teilen                   bestehendes           Heizor-
          ,J
 gan)
    Die verchiedenen Organe sind unter einander durch
Gefasssysteme verbunden.  Die letzteren kann man in
 zwei Arten einteilen                 ;       durch das eine Gefasssystem                        sollte


     i)       Der obere Teil   dieses Organs soil in der                  Herzgegend     liegen.       Es
 entspricht         etwa dem Duktus                thoracicus.    Das mittlere ist      als    Pankreas

 zu deuten.         Das   untere Organ             stellt   einen Abfuhrungsweg         dar.     Wahr-
 scheinlich sind es die Chyluskanalchen.
                                            — i6 —
das     Blut,     durch           das       andere         ein      Art des        Pneumas
zirkulieren.
        Bei     den Gefassen unterschied man                              ausserdem         14
regelmassige und 8 unregelmassige, je nach ihrer Lage.
Neben den oben              befindlichen Gefassen                      sollten     die soge-
nannten       „Yu-ketsu"                     (fft/C)     liegen.       Man    dachte sich
diese     als     Hohlungen                  zwischen            den     Knochen           und
Musklen,         durch        die           das     Pneuma von               den    inneren
Organen nachden ausseren zu wandern konne.



                                  B) Physiologie.

       Ebenso          phantastisch               wie     die Anatomie war                 die
Physiologie       dieser          Zeit.           Ihre     Grundlage bildete               die
Lehre von dem Doppelprinzip des Mannlichen (Positiven)
und Weiblichen (Negativen).    In dem menschlichen
Korper        sollten     (zwei         sich        entgegenstehende             Prinzipien
wohnen.         Dieselben              sind       die     Schopfer        des      belebten
Korpers         und     zirkulieren           im        letzteren      immer mit Blut
und Pneuma zusammen.                         Die Zirkulation            findet in     einem
dcr vorenvahnten Gefassysteme                            statt.

     Uber das Nervensystem herrschte fast vollstandige
Unkenntnis. Das Gehirn und Riickenmark wurden als
dem Knochenmark homolog angesehen.          Der Geist
scheint in verschiedenen Organen seinen Sitz zu haben,
so im Herzen, in der Leber, in den Nieren, und sogar
auch    in der    Lunge.

  1)    Hier muss       man       beachten,       dass    dieses    Gefasssystem nur       eia
reines Phantasiegebilde       ist,    und dass die Ansicht der damaligen Arzte
vom Umlauf       des    I3lutes      eine    ganz    andere     Bedeutung hatte      als   die
Harvey'sche.
                                             — —   i-j



                         C) Allgemeine Patliologie.
        Die Medizin dieser Periode                             fuhrt    die    Krankheiten
stets    auf eine           Hauptursache                 zuriick,      namlich       auf das
Pneuma.         Das         leztere          ist    iiberall     vorhanden.           In   der
Weltorganisation                stellt   es die 5            Elemente dar       :   Holz   (7^),

Feuer      Erde (±), Metall (&) und Wasser (7jc). Im
          bk),
Korper des Menschen bildet es die Lebensluft, welche
in   den Haupteingeweiden ihren                               Sitz     nimmt.       Falls das
Pneuma durch              die     Haut       in     den Korper eingedrungen                 ist,

wandert es nach den   Eingeweiden und wirkt hier als
feindliche Macht. Daneben spielen Kalte, Hitze, Wind,
Feuchtigkeit und Nahrung eine grosse Rolle.        Auch
Geschlecht, Alter und Konstitution sind vvichtige Fakto-
ren     bei   der         Pathogenese                  der    einzelnen        Krankheiten.
Innere        Momente,             wie         Leider^chaften                 und    Affekte,
werden auch              als eine der              Hauptursachen der Krankhei-
ten angesehen. In                dem     I s   h n - h 6 wurde ausserdem auch
                                                   i


die in den buddhistischen Sutras vertretene Ansicht iiber
die Entstehung der Krankheiten      ubernommen.    Nach
dieser letzteren sollen die Krankheiten durch Verande-
rungen        der        vier     Elemente               Feuer       (jJO,    Wasser       (tK),

Luft     (SU und Erde                (ifi)     erzeugt werden.



              D)    Spezielle Pathologie                       und Therapie.
    Die Menge der im Is hi n- ho erwahnten Krankhei-
ten ist eine erstaunlich grosse. Hier wurde oft jede
einzelne       Krankheit             je       nach       der     Verschiedenheit            der
Symptome            in      Anzahl neuer Kategorien aufgelost.
                          eine
Es gab z.            B. verschiedene Arten von Fieber, unter
denen die des               „    Sho-kan " {%%), d.                    h.     „ durch   Kalte
verursachten,"             die     wichtigsten waren.                    Mit diesem Na-
                                        — —iS


men      bezeichnete        man damals             alle      mit    Fieber verbun-
denen Krankheiten.                Die Pocken wu'rden daher                      als    eine

Unterart       von Sho-kan              betrachtet.          Beim Malaria-Fieber
unterschied         man      6     Arten     :     On-gyaku             'hmM      (Heisse
Form),        Kan-gyaku          MM        (Kalte       Form),          In-gyaku       %M
(die    mit    Magenstorungen verbundene Form), Rb-gyaku
$r$i (die     chronisch verlaufende Form), Sho-gyaku (die                      WM
auf Einfluss des Miasmas                   zuruckzufdhrende Form), Kan-
jilsu-gyaku        ThIBJS        (die     Falle,       bei    denen die Fieber-
anfalle sich jeden 2. oder 3.                    Tag   wiederholen).   Von den
Harnkrankheiten             kannten         die    Arzte       dieser          Zeit    den
Diabetes und vielleicht auch die Albuminuric Zahlreiche
Hautkrankeiten   werden beschrieben.    Von Interesse
ist     Erwahnung, dass die Lepra eine ansteckende
       die
Krankheit sei, die direkt von einem Menschen auf den
andern iibertragen werde.     Als Heilmethode werden
hauptsachlich der innere Gebrauch von Arzneimitteln,
daneben    Akupunktur und     Moxabution   angewendet.
Auch die theurgische Behandlung der Krankheiten durch
Amulette, Anbetung von Gotzenbildern u. dergl. war
sehr verbreitet.

                                  E) Chirurgie.
        Die    Chirurgie         beschrankte            sich       in    erster       Linie
auf das        Verbinden von              Wunden und Geschwuren                         mit
Salben        verschiedener         Art,     die       Inzision         oberflachlicher
Abszesse mit         dem     Messer,         das       Kauterisieren           mit     dem
            Geschwuren und beim Biss toller Hunde.
Gliiheisen bei
Gegen Blutungcn wurden Kompressen appliziert. Be-
streuungen         mit    Gips,     Auster-Schalen-Pulver und                         Kalk,
sowie        der   innere    Gebrauch von Salz kamen                            ebcnfalls
zur Anwenduncf.             Wunden am Darm wurden                           mit Faden
Aus dem Yamai-no-soshi (Sammlung von            allerlei   Krankheitsbildern)
         von   Mitsunaga Tosa (im           12.   Jahrhundert).

                          I.       Epilepsie.




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                                    — 19—
aus der Rinde des Maulbecrbaumes genaht.       Gegen
Entzundungen gebrauchte man Blutegel, Anlegung kalter
Steine      oder von Eisen, und sogar Bestreichen mit
Eiweiss.      Dass Atresia vaginalis von einem Arzt operiert
wurde,      finden wir in       einer Schrift      der        damaligen          Zeit
erwahnt.       Sonst abcr scheinen grosse Operationen damals
nicht ausgeiibt        worden zu        sein.   Uber     die Chirurgie             in
Japan        hat    Fukuyoshi           Omura          (^ttHilf)            in    der
Showa-Ara (834          bis   847 nach Chr.) ein Buch C h i-s 6-k                    i


(inzlfpE)    geschrieben,       das wohl die erste Monographie
auf diesem         Gebiete     in   Japan       war.      Es        stellte      aber
lediglich ein Referat uber die chinesische Chirurgie dar.




                         F) Augeulieilkmide.

            Von Augenkrankheiten haben                   die        Arzte jener
Zeit      Katarakte,     Konjunktivitis,        Amblyopic,            Amaurose
und Kornealgeschwiire erwahnt. Interessant ist es, dass
man gegen Nachtblindheit die Leber des Wildschweins
innerlich     verabreicht      hat.      Katarakte     wurden mit                der
Nadel     inzisiert.   Sonst war die Therapie der Augenkrank-
heiten sehr     diirftig.



                              G)    Geburtshilfe.

            Der Embryo          zeigt   Monat keine
                                         vor    clem     3.

Geschlechtsverschiedenhcit. Im 6. Monat entwickeln
sich die Muskeln und Knochen, im 8. Monat die Haut,
im 9. Monat die Haare. Die Schwangerschaft dauert 10
Monate.   Die Diatetik und Korperpflege wahrend der
Schwangerschaft war bei den alten Japanern sehr sorg-
faltig.     Die Wochnerinnen            galten als unrein       ;     sie   hatten
                                         —-20 —
darum eigene Gebarhauser. Bei der Entbindung wurden
Amulette und Beschworungen als Heilsmittel angewandt.
Fur das Erzeugen von Knaben oder Madchen existierten
genaue Vorschriften.




                              H)     Materia medica.

         Die Materia           medica war der wichtigste                       Teil   der
alten japanischen              Medizin.           Das Hauptwerk auf diesem
Gebiete heisst           Yakkei-Taiso (W&^-M)                   und wurde
in    der      Enryaku-Periode                (   in   der     letzten       Halfte   des
8.   Jahrhunderts) von               Hiroyo Wake                     (f [lMl^1#)      ver-
fasst.        Es    besteht        aus   2    Banden.          Als   Grundlage         fur
dasselbe soil das        Sin-siu-pen-tsao {M$%if^-) gedient
haben, ein         von dem Chinesen Su-ching {W°k) zur Zeit
der      Tang -Dynastie              verfasstes         Buch, das als          Lehrbuch
der Materia medica damals sehr   hoch geschatzt wurde.
In diesem Buche    werden 254 Arzneimittel, welche aus
dem Mineral-, Pflanzen- und Tier - Reiche stammen,
hinsichtlich ihrer Zubereitung, Aufbewahrung, Anwen-
dung und Wirkung behandelt.
         In    dem       Honzo-Wamyo                         (M^^IB^j).        das    von
Yasuyori Tamba                           (^ilkJilfH)         in   der    Engi-Periode
(901 bis            nach Chr.) verfasst wurde, sind 81 mine-
                   922
ralische,      509 pflanzliche, und 182 animalische Medika-
mente beschrieben.
         Verabreicht wurden die                    Arzneimittel         in    Form von
Pillen, Pulvern,          wassrigen Extrakten,                    Tinkturen, Dekok-
ten und Salben            ;   Niesmittel, wie           Rauch von verbrannten
Harzen,            Suppositorien             und       Bader      wurden        ebenfalls
angewandt.
                                              21

                                   I) Hygiene.

     Auf Anweisungen                   zur gesunden Lebensweise stossen
wir schon bei den alten Japanern.                                 Vieles,     was man                     als

hygienisch        aufzufassen           geneigt           ist,       war     aber            fur          die

damaligen Japaner ein religioses Gebot resp. Geliibde. So
hatten z. B. die Speiseverbote,     namentlich das des        —
Fleisches         der       Kuh —       ,     die             Reinigungsgebote                        nach
Leichenberuhrung, die Isolierung der                                  Kranken, das Ver-
brennen       der    Leichen            u.    s.   w. in erster Lime           zwar re-
ligiose,     mittelbar           aber         auch            eine    hohe       hygienische
Bedeutung.

      Das         erste        Buck         auf     diesem            Gebiete            war              das
Setsuyo-Yoketsu                               (flffi&gtk)            von     H   i   r   o   i   z    u   m   i



Monobe (W$&)                       (785           bis     860 nach           Chr.).              Dieses
Buch       soil    aus     20     Banden bestanden haben,                                ist          aber
leider spater verloren                 gegangen.

      In der letzten Halfte                   des 10.             Jahrhunderts               hat der
beriihmte Arzt            Yasuyori Tamba                                  W&MW                   in   dem
von ihm verfassten Buche                          I s   h n - h 5 sehr
                                                          i                          ausfuhrlich

uber Gesundheitspflege gehandelt (im 26. bis 29. Bd. des
Werkes).          Es waren              hauptsachlich                 Vorschriften                    iiber

Bewegung,          Schlaf, Arbeit, Diat, Sprechen,                            Kleidung und
Wohnung.            Besondere               Erwahnung                 verdient           die           hier

streng      geregelte           Diatetik.               Die       Vorschriften                   betreffs

Gebot       und     Verbot         der        Nahrungsmittel                  wurden                  sehr
streng,      zum          Teil     sogar           pedantisch               genau                befolgt.

Man        glaubte        an     die        Existenz           von        gevvissen              Ernah-
rungsmitteln,             welche            ein         Gift         im     Koper                 bilden,

wenn sie mit bestimmteu anderen Ernahrungsmitteln
zusammen eingenommen werden. Als wichtigstes Mittel
zur Korperpflege werden Massage, Gymnastik, Tiefatmcn
                                        — 22 —
unci    Bader angewendet.                In der Absicht               das        Leben zu
verlangern,       hat     man       viele    Medikamente              in    Anwendung
gebracht.         Eine         grosse       Rolle         spielte          die    sexuelle
Hygiene, die           man     damals als ein Teilgebiet der Hygiene
auffasste   und mit dem Namen „Bo-uai" (j?[*l) bezeich-
nete.     Eine hierauf bezugliche Monographie war in
zahlreichen        Exemplaren             verbreitet.           Darin       finden    sich

schr     genaue         Beschreibungen              und         Vorschriften         iiber

sexuelle Dinge.
        Die    offentliche       Gesundheitspflege              ist    bei       den altea
Japanern nicht aus den Kinderschuhen herausgekommen.
Bei grossen Volksseuchen war                        es    iiblich,     den Seuchen-
damon         clurch    Gebete      und      Beschworung               austreiben       zu
wollen.        In Epidemiezeiten             soil    man        oft    Raucherungen
zur     Reinigung        der      Luft      vorgenornmen              haben.         Sehr
bernerkensAvert         ist,    class   nian die Pockenkranken aus ihren
eigenen Hausern                vertrieb     und     sie    in   Isolierhausern         be-
handeltc.
                                       — 23 —


               V. Die Kamakura                                     Zeit.

               [Von 1187              bis 1333         nach Chr.]

       Als     Kamakura                 -    Periode        bezeichnen        wir          den
zirka 150 jahrigen              Zeitraum        nach        der     Begriindung der
Militarregierung          in     Kamakura                   durch      Yor     i   t   o   mo
Minamoto              in der Bunji-Ara.                Yoritomos                   direkte
Nachkommen            starben schpn nach drei Generationen aus,
und nun nahmen an                   ihrer Statt die Glieder             der    Hojo-
Familie       die    Ziigel     der Herrschaft sehr energisch in die
Hand.        Diese politische          Umwalzung              hat einen ausserst
grossen       Einfluss        auf die         allgemeine           soziale    Ordnung
ausgeubt.           Die      aristokratische           Kultur         der     He       i   a n-
Periode passte nicht            mehr
                                Kamakura-Periode, wo
                                            in der
unter der Militarregierung verhaltnismassig viel Volk in
den Vordergrund der Gesellschaft                           trat.    Als Vorgangs-
stadium der sozialen Wandlungen                            vollzog sich eine               Re-
form    der         Religion,        und      es     entstanden          jetzt         neue
volkstumliche         Sekten wie             die Hokke-shu,           die    Shin-sliti,

und     die    Ji-shu         die     alle      sich        krailig     auszubreiten
begannen.           In der     N a r a-Periode         hatte       der Buddhismus
seine Originalform bewahrt, in der                         Heia n-Periode zum
Teil   eine     Japanisierung           erfahren       ;     in     dieser     Epoche
zeitigte er     ganz neue eigentumliche Sekten.

    Schon friiher, ehe unter Kaiser Dai go die Ent-
sendung  von Gesandtschaften nach China abgeschafft
wurde, begaben sich nur noch vereinzelt Japaner zum
Studium nach China, und infolgedessen gingen die
                                         — 24 —
Hochschule zu           Kyoto            sowie die Provinzialschulen nach
und nach ihrem                Verfall          entgegen.          Jedoch      mit       dem
Wiederaufbliihen             des        Buddhismus,             besonders der           Zen-
Sekte, trat        auch der Verkehr mit                         China       erneut       ins
Leben.       So wurden zahlreiche                         Priester    hiniibergesandt,
ebenso kamen viele beruhmte chinesische Priester heriiber.
Kurz und        gut, die Kultur der             Kamakura-Periode                  ist   zwar
ihrer ausseren          Erscheinung nach nicht mit der glanzen-
den, imposanten Kultur der                     He   i   a n -Periode zu vergleichen,
aber bei genauerer Betrachtung kann                           man unschwer          erken-
nen,     dass    die     letztere        in    Wirklichkeit           nur eine Nach-
bildung der chinesischen               und Tang -Kultur
                                          Su    i   -                                   war,
wahrend      in der         Kamakur a-Periode die grossen                               poli-

tischen      Umwalzungen                 ein        eigentliches         Nationalgefuhl
hervorriefen.          Mit Recht kann                   man     behaupten, dass hier
die    Grundlage der japanischen Gesittung gelegt wurde.
Auch      das      Gebiet         der    Heilkunde            blieb durch         die poli-
tische    und    religiose        Reformation nicht unbeeinflusst. Die
Bliite    der    Medizin           in    der    Heia n-Periode             ist,    wie    in
der      vorhergehenden             N a r a -Periode, ausschliesslich den
Entlehnungen             aus       der  Tang -Medizin zuzuschreiben.
Dagegen         weist       die    Medizin der Kamakura -Periode
verhaltnismassig             grosse       selbstandige             Fortschritte          auf,

obwohl man damals immer noch                               in    dieser VVissenschafl
China        als    Stammland            verehrte.
       Es    gibt      in     dieser       Zeit         auch      eine    medizinische
Literatur.         Aus      dieser       ist    zunachst         zu      erwahnen das
Mannan-ho                   ($S5fc6f)i    welches von             Shozen Kaji-
wara        ($|KC'i£3?)   Showa-Ara (1314 nach Chr.)
                              in    der
verfasst wurde und aus 62 Banden bestand.    Das Funda-
ment dieses Werkes bildeten die chinesischen Werke der
Sung      (5tc)-Dynastie,          wie das      San-yin-fang (H0A1, das
                                   — 25 —
Cheng-huo-fang (BWj)                            das    Huo-chi-chu-
fang      {%WMf>h1S) u.      s.   w., aber es besteht nicht lediglich
aus    Exzerpten und Zussammenstellungen aus den chine-
sischen     Klassikern,       sondern bringt in          manchen Fallen
auch      eigene     Bemerkungen            des       Verfassers   ;       sogar
kritische    Stellen    finden      sich,   worm       die   Autoritat      der
alten chinesischen Fachschrifcsteller angefochten wird.

       Als wichtige Werke sind ferner zu ervvahncn                     :




                 0>^tt£JE) von Yosai (%kM)- I2I 4-
      Kissa Yojoki
      Honzo Shikiyosho Ojc^Efi^^) von Tomotoshi                    Koreiiuine


      Idansho (i?f&$S>) von Tomotoshi Koremune.
      Shika-Kyoho (03#;^?£) von Nagamoto Tamba G£H£;ll2£)-
      Eisei-Hiyoho (M%M>g:&) von Yukinaga Tamba (#$tfTJ%1-
          Ein Werk   iiber   Hygiene.   1288.

      Ton-i-sho<M&%>)        von Shozen
                                      Kajiwara (WR*&£:) 50 Eande,
         Handbuch der inneren Medizin. 1308.
      Zofu Shoruisho (®0&$I$>) von Yukinaga Tamba.
      Kiho (&?£) von Norisane Tominokoji (^/>2S
                                        26   —



           VI. Die Muromachi Zeit.
           [Von 1334             bis    1568 nach ChrJ

       Nach dem Zusammcnbruch der                      Militarherrschaft zu
Kamakura            gelangte       unter         Kaiser    Goda       i   go    die
Regierungsgewalt wieder an                   den Hof       zuriick.       Jedoch
bildeten sich mit      dem Ausbruch              des Burgerkriegs in der
Engen-Ara zwei         kaiserliche Hofe, namlich der Siidliche
und der Nordliche.          Unter dem Kaiser der Norddynastie
begnindete nun      Takauji Ashikaga            seine Shogun-
Herrschaft,   die     den    Sitz in der         Muromachi- Strasse
in    Kyoto   hatte.     Aus diesem Grunde                 nennt     man den
hierauf folgcnden 230 jahrigen Zeitraum bis                       zum Beginn
der   Oda-Dynastie          in    der Eiroku-Ara (1568 nach Chr.)
die   Muromachi-                 oder    Ashikaga -Periode.                     Da
man    in den ersten sieben Jahrzehnten dieser                     Periode in
der Residenzstadt keinen nennenswerten Aufstand erlebte
und sich des Friedens erfreuen konnte, so gaben sich der
Shogun, die Daimyos (Landesfiirsten) und die grossen
Familien in den Provinzen den Vergnugungen und dem
Luxus hin.     Es haben inzwischen die Architektur.
Malerei,   Skulptur und andere Kiinste                    eine    grosse       Ent-
wicklung              Aber in der folgenden Onin-
            durchgemacht.
Ara waren innere Unruhen und Biirgerkriege an der
Tagesordnung.          Elf Jahre lang            kam      es   zwischen        den
beiden     Familien     Yamana                und    Hosokawa                   be-
stiindig   zu Feindseligkeiten.              Dabei gingen Adelshauser
und    Tempel allenthalben              in   Flammen       auf.    Die     atige-
                                             — 27 —
sammelten                Biicher      und Kunstschatze                       wurden            tneistens
vernichtet,  wahrend der                         Hofadel sich                nach alien Seiten
zerstreute.  Von diesem Augenblick an sank der Einfluss
der A s h i k a g a -Shogune, und das ganze Land wurde
zum Tummelplatz der Krieger. Es liegt auf der Hand,
dass  man im allgemeinen bei soichen Verhaltnissen
weder Lust noch Zeit hatte, sich dem Studium zu
widmen. Wohl gab es in Kyoto unter den Adeligen
noch          etliche          Gelehrte,          doch        erteilten                diese     keinen
Unterricht               mehr   ;     auch       die     Provinzialschulen                     gerieten
meistens in Verfall.                   Trotz       diesem allgemeinen Wirrwarr
fanden            sich    in    den        Provinzen          noch           einzelne          Landes-
fursten,          die als Beschiitzer der Wissenschaft                                   und Kunst
grosses           Lob     verdienen.         Gerade diesen Mannern haben die
Kanazawa -Bunko —eine Bibliothek zu K a n a z a w a
bei Kamakur a — die A s h k a g a-Gakko — eine Ge-       i


lehrtenschule zu Ashikaga in der Provinz S h m o                                                 i
                                                                                                         -


d   z u   k   e   — und        andere Biidungsanstalten                        ihre        Griindung
und        ihr     Bestehen           zu    verdanken.           Auch nach China
(   damals          unter       der    M    i    n g (W)-Dynastie ) gingen                           viele

Bonzen             zum         Studium           des Konfuzianismus und                               der
Heilkunde,               und        von     ihnen        wurde               die       Medizin        der
Ming -Dynastie                  in    Japan            eingefiihrt.

          Die       wichtigsten            der    chinesischen                Werke aus               der
Ming -Dynastie,                     aus denen die japanischen Arzte jener
Zeit ihre Kenntnisse schopflen,                              waren       :




    a)    Neiwaishang-Pienhuolun (ftftfg-^Mifra) ( 13 3 2 nac!l Chr. er-
          schienen) von Li-Tungyuen (^M.M)
    b)    Peiwei-Lun (W^foi) von Li-Tungyuen-
    cj    Lunshih-Pitwang (WM&M) ( l2 7^> n^c' 1 ^ Iir crschienen) von             -




          Li-Tungyuen.
    <1)   Tsushih-Nanchih (jHi^H^U) ('3 oS     - h Chr.  crschienen) von
                                                                1 >-'l



          Wang-Haoku           (EEjjW)-
 e)            Yuenjung
           Iiei -                    C^mtc^             l
                                                            I2 3i    nach        Chr-          erschienen)                   von
           Wang-Haoku.
 fj        Shihi-Tehsiao-Fang (-{&©?#&#) von Wei Yiklin (feftW)-
 g)        Kochih Yulun (&gctfcl&) ™n Chu-Tanhsi Gfcftgg).
 h)        Chufang-Fahui (M3j%&) von Chu-Tanhsi.
 i)        Yuchi-Weii (3iM®) von Liu-Shun (gi]&).
 j)        Ishu-Taichuan            (SS^)            von Hsiung-Chiin (B^O-

           Ausserdem               gibt    es     audi heute noch ziemlich                                                viele

Werke,              die    damals           von japanischen                       Arzten                         verfasst

wurden.              Unter dicsen sind zunachst zu erwahnen                                                          :




      i)    Fukuden-H6 (M$ljj) von                          Yuri.n     (;£&).       12          Bande.                   1362—
            1367-

      2)    Ruritsubo          (4430       von In-no (;&££)•                 *   Band.           I   ^   1   -




            Gozo      -   Shidaizu        (3SSfefc^l@) von             Takuan           (}?fig).                 1        Band.
      3)
            1401.

            Boshin-Ho                             von       Shiko Nakagawa                      ($)]]?&)                        2
      4)                            (MtojlF)
            Bande.         1451.

      5)    Zenku-Shu           (£AJD        von     Gekko OJgB)-                4 Bande.                1452.

      6)    Daitoku Saiinho tfc^Fl^) von Gekko.                                        1       Band.             1455-

      7     Gotaishinbun-Shu (3£g£5H£) von Shosai                                   (£®>                     3 Bande.
      8;    Enju-Ruiyo |§f£JS3S) von Shokei Taketa                                         (ttHflSS!)-                       Eia
            Werk      iiber    Hygiene.      1456.

      9)    Kinso Hiden              (&fiij$&(|£).          Verfesser        unbekannt.                  Ein              Werk
            iiber    Wundarzncikunst.             2 Bande.           1504.

 10)        Zokuten        -   Kohohiyosho           GMMflCtFfflfc)                     von          Joun                  Saka
            ($£&'&).           6 Bande.      l5o3.

 11)        Zoson-Fuekisho (i&taWSt^;                           von     Joken          Saka           0£?£jL)                   6
           Bande.
 12)        Chokushi-Hen (S4SHS) von Sanki Tashiro                                              (ffiffcHg).                     3
           Bande.
 13)        Wakyoku-Shti            OKM)          von Sanki Tashiro.                       1   Band.                 1503.

 14)        Shukan-H6 (j3g^) von Nakarai (##)• 1 Band. 1530.
 15)        Kbju Hiden (P^ttlS) von Chikayasu Tamba (ftft&M)-
            1 Band. 1531. Ein Werk iiber die Pathologic and Therapie
            der Mund- und Zahnkrankheiten.
 16)        Shinzohoi-Boshinho                  (ffi*$Wx*Li£-b~Jj)               von           Junho                     (igfflft

            13      Bande.      1564.      Eine    verbesserte,          vollst&ndig                 umgearbeitete
            Auflage des         Boshi.n-Ho (1451)
                                        — 29 —
  17)    Kwanreibikyu       -   Ho (^MMi&~)])             von    Tsunemitsu Watarae
         (£*&#)•          3_Bande.      1534.
  18)    Kwanreisokyushin-Sho ($£^|p:^f£$J>) von Tsunemitsu Wata-
         rae.    1   Band. 1534.       Ein Werk   iiber    Moxibustion.

  19)    Kadentaiyoshuken-Ho (§&@3g#5tift;#) von Joken Kushi-
         moto (AJ&fc&M)- l Band T S63- Ein Werk iiber Chirurgie.
                                            -




  20)    Kankohiyo-Ho (MM&WJj) von Keisan CSS)- 4 Bande.
         1560.       Ein Sammelbuch von Rezepten.


        Bemerkenswert            ist    besonders, dass sich verwundete
Krieger und solche schwachliche                       Personen,           welche sich
an      der     Kriegfuhrung            nicht     aktiv         beteiligen   konnten,
dem Studium            der Heilkunde widmeten.                     Als Spezialarzte
beschaftigten sie sich besonders mit der Behandlung von
Wunden, weshalb man                    sie als   " Kinso-i" (IkfflW) (Wund-
arzte) bezeichnete.
                                                  — 3Q


 VII. Die Azuchi-Momoyama Zeit.
                    [Von 1569                  bis       1615 nach Chr.]

         Im        1 1   .    Jahre der Eiroku-Ara erlangte                    Nobunaga
Oda               die        Herrschaft          iiber    Kyoto,             nachdem         er     die

unruhigen                     Daimyos (Landesfursten)                      unterworfen            hatte.

Nobunaga richtete                                spater       seine    Wafifen          gegen den
A s h k a g a -Shogun,
          i                                    setzte ihn ab,          und machte dadurch
im       i.         Jahre            der   Tensho-Ara            (1573       nach        Chr.)      der
Herrschaft der                  A s h k a g a -Shogune ein Ende. Nach
                                           i


dem Tode                      Nobunagas 1582 fuhrte H d e y o s h                   i                  i


Toyotom                       i    das Einigungswerk             fort,     und nach dessen
Tode          1   598 wiederum                 machte         sich     Iyeyasu Toku-
ga   w a zum                       tatsachlichen         Herrscher des           Landes.    Im
Jahre         1   603         liess sich   Iyeyasu vom                  Kaiser      zum Shogun
ernennen.                    So endigte im               I.    Jahre der Genna-Ara die
Toyotomi -Dynastie,                              welche mit            dem   grossen      Hide-
yo   s   h    i    begonnen            hatte.       Dieser Zeitraum, die                Azuchi-
Momoyama                              Peri ode,     dauerte          nur    zirka       50    Jahre
dennoch nimmt er                           fur    Japan           in    der Geschichte der
Politik           und Wissenshaft einen sehr wichtigen Platz                                        ein,

denn es wurde eine das Volkswohl befordernde Politik
angestrebt, und zudem fand das Christentum in Japan
Eingang,                in        dessen Geleitschaft auch die Wissenschaften,
besonders                    die    Heilkunde aus              Europa          nach          Japan
gelangten.

         Die chinesischen Werke, auf welchen                                     die damalige

japanische                   Medizin       basierte,          waren hauptsachlich             :   Ko-
                                          — —3i


chih-Yulun (#Mt!w) von Chu-Tanhsi
Tsushih-Nanchih (IWW&V) von Wang-hao-ko
(ZE£F£); Peiwei-Lun (Wmim) von Li-Tungyuen;
0W&) Lunshih-Pitwang (]8til!$J§8 von L                                                    i
                                                                                              -



Tungyuen; Tanhsi-Hsinfang (;F3-^L>&) von Chu-
Tanhsi; Tanhsi-Suanyao (fl-^^) von Chu-Tahsi;
Ihsiao-Chengchnan (HfUBI) von Yu-Tien-
m n (MXS:) Chufang-Fahui {Jmj?&%) von Chu-
  i                  ;



Tanhsi; Y c h W e        ii      i   -     i-i   {BeMWM) von           Liu-Shun
(H'JM) Mingi-Tsachao                          (gBg $£10 von          W ang-Lun
(life);     Ilin-Chiyao                      (g**S?£) von              Wang-hsi
(iM)   •      Die             Verfasser    der     hier     ervvahnten           Schriften

waren seiner Zeit beruhmte                        Arzte      der   Kin       (&)-        und
Yuen        (tc) -   Dynastien,           zum     Teil     auch    wirkten         sie    zu

Anfang der           Ming -Dynastie.               Sie     waren   iiber    die Patho-

genese      der      Krankheiten            ganzlich        anderer Meinung als
die   Arzte       der          vorhergegangenen             Periode.        So      nahm
man damals            an, dass die          Hauptursache der Krankheiten
auf aussere und innere Faktoren zuruckzufuhren sei. Von
den ausseren Einftussen sollten Feuchtigkeit und Hitze
die   wichtigsten     wahrend fruher in der Pathologie
                                sein,

der Tang -Dynastie das Pneuma und die Kalte eine
Hauptrolle spielten.  Als innere Faktoren betrachtete
man die Konstitution, Ernahrungsstorungen, Affekte und
korperliche          Anstrengungen.                     Man kann         hicrnach        die

Krankheiten          in        zwei Gruppen teilen          :




       i)     innere            Krankheiten,        bei     welchen        die     Krank-
              heitserreger durch                  die    Gefasse    in     den Korper
              eingedrungen sein                  sollen.

       2)     Aeussere Krankheiten, vvelche durch die Aufhe-
              bung der Funktionen      der   Haupteingevveide
              verutsacht wurden.
                                                                        — 32 —
          Als hervorragcnde Mediziner dieser Zeit sind                                                                                                            unter
anderen Dosan Manase (t&^il^iJiH), Tokuhon
Nagata (&&W&), Hidetsugu Takatori (S£$t
i^C) und Sokan Nanjd (i£Jii£^lS) zu wiirdigen.
    Dosan Manase       lufSilH) ist der Haupt-                                  (life


reprasentant                               der              damaligen japanischen                                                Medizin.                                 Ihm
verdankt                        die                 sogenannte                     Li-Chu-Schule                                           (^3c#&)                          in

Japan                      ihren Glanz.                               Die        Hauptschrift                                   Manases                                    ist

betitelt:                      Keiteki-Shu (MS).                                                                          Inhalt       :        i)        Durch
Pneuma verursachte Krankheiten                                                                    (ffljfi                  Fiibyo)         ;     2)       Durch
Kalte              verursachte                               Krankheiten        ($k% Shokan)    3) Auf                                          ;



Hitze              zuriickzufuhrende                                     Storungen (tfcil Chu-sho); 4)
Auf       Feuchtigkeit zuriickzufuhrende Storungen                                                                                             (^ii??                 Chu-
shitsu)        ;
                  Malaria ; 6) Dysenterie
                           5)                7)  Diarrhoe   8)                                                        ;                                               ;




Husten        9) „ Tan-in " (££i^ Hydrothorax ?) 10) Dyspnoe
                   ;                                                                                                                                                         ;



11)       Hydrops;     12)  Aszites   13)  Magenkrampf; 14)                         ;




„   Kakuran"                               (Cholera asiatica)                           ;       15)        Vomitus                    ;        16)    Magen-
erweiterung                            ;    17)             Kopfschmerz                     ;    18)                  Brustschmerz                        ;                19)
Bauchschmerz                                ;       20)      Lendenschmerz                                ;           21) Krankheiten der
Beine      ;           22)                 Krankheiten des Urins                                              ;           23) Bluterkrankun-
gen   ;        24) Epistaxis                                 ;     25) Hamoptoe                               ;            26)       Hamatomesis                             ;



27)       Hamaturie                             ;       28)       Darmblutung                         ;               29)        „   Rosai " (§&&
Lungenphthisis)                                     ;       30)       Tachykardie                     ;               31) Schwindel                           ;            32)
Pollution                  ;    33) Incontinentia urinae                                             und                  alvi   ;    34) Tierische
Darmschmarotzer                                         ;        35)        Epilepsie                  ;                  36)    Krampf               ;                    37)
Irresein               ;       38) Fistula ani                          ;       39)             Hamorrhoiden                               ;        40)                   Pro-
lapsus ani                     ;       41) Hautkrankheiten                                       ;    42) Verletzungen                                            ;       43)
Augen-, Ohren-, Nasen-, Zungen- und Zahnkrankheiten
44) Haarkrankheiten    45) Abszesse 46) Neubildungen              ;                                               ;                                                          ;



47)       Lepra                    ;       48)          Tetanus             ;     49) Alterskrankheiten                                                   ;               50)
Frauenkrankheiten und 51) Kinderkrankheiten.                                                                                                         Bezeich-
nend       ist                 cs,          dass in dieser Schrift Definition, Atiologie,
                                    — 33~
Symptomatologie                Diagnostik,    DifTerentialdiagnose,             Pro-
gnose unci Therapie der einzelnen Krankheiten ziemlich
ausfuhrlich bearbeitet sind.              Von   nicht geringer Wichtig-
keit   fur    die    Medizin       erwiesen     sich die Beschreibungen
der Alterskrankheiten.              M anase         behauptete, das Grei-
senalter      zeichne      sich     ebenso    wie    das    Kindesalter          im
physiologischen und pathologischen                   Verlauf des Lebens
durch       charakteristische        Eigentumlichkeiten aus.              In der
Tat gibt es nicht nur             viele   Arten     von    dem     Greisenalter
eigentiimlichen Affektionen, sondern es gibt                       auch    solche
Krankheiten, deren              Verlauf durch das Senium ein mehr
oder    weniger       verandertes         Geprage    erhalt.        Auf    diesen
Grund hat       Manas e          eine besondere Abteilung betreffend
Pathologie und Therapie der                  Alterskrankheiten,           die    bis
dahin von den arztlichen Gelehrten unbeachtet gebliebsn
waren, aufgebaut.

       Des      weiteren          verdient      besonders          Tokuho n
N a gat a       (zkBBIiS/fc)     erwahnt zu werden, der eine
                                                  neue
Schule   im Gegensatz zu den alt-chinesischen Theorien
griindete. Der Grundsatz seiner Lehre war Der Haupt-           :




zweck der Heilkunde soil sein, die Naturkraft zu unter-
stiitzen.     Es    sei   Unsinn, gegen den Willen des Kranken
die altherkommlichen arztlichen Vorschriflen                       streng inne
zu halten resp.           zu    befolgen.    Bei der Behandlung solle
man zunachst die Ursache der Krankheit ergriinden und
dann immer auf das Gemi'it der Patienten einzuv/irken
suchen.



       Bekanntlich waren es die Portugiesen, die zuerst das
Inaelreich      besuchten,         nachdem der beriihmte             veneziani-
sche Reisende         Marco Polo              schon im      13.    Jahrhundeit
                                                 — 34 —
der    Insel    „     Zipangu " Ewahnung                                getan       hatte,         welche
im Meere        ostlich           von          China              liegcn       sollte.           Die Por-
tugiesen,      von den Japanern zu jener Zeit                                       als     Nambanjin
(t&SLM, d.h. sudliche Barbaren                               bezeichnet, landeten erst in
der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts in                                       Japan. Nach
einer japanischcn Quelle aus jener Zeit,                                      dem Kyoroku-
Ki     (^J&IG),       ist   im     3.          Jahre der Kyoroku-Ara (1530 nach
Chr.) das erste Schiffder                         Nambanjin               (l-fafiJA)        in    Bungo
auf der Insel         Kyushu                    gesehen worden. Im                      1   1.   Jahre der
Temmon-Ara             (1542 nach Chr.) uairden diese                                        Nambanjin
nach der       siidlichen Insel                  Tanegashima                            verschlagen,
kamen jedoch spater Jahr fur Jahr, meist nur mit einem
Schiffe, zum Zweck des Handels an die japanischen

Kiisten.       Als sich schon allmahlich ein lebhafter Verkehr
zwischen        Portugiesen                     und         Japanern           entwickelt            hatte,

landete im        August               1   549        der    bekannte               Franciscus
Xavier          in    Kagoshima                             auf der Insel             Kyushu,           um
das    Christentum                in       J a p a n zu verkiinden. Dieser be-
deutende Mann, der                         ebenso viel Talent als Mut besass,
gevvann durch seine grosse                             Demut und                seine            Freigebig-
keit   gegen Arme und Kranke                                      die    Ilerzen der Japaner.
Die Anstrengungen seiner Nachfblger erwiesen sich                                                       als

hochst     erfolgrcich.                Anzahl der Einwohner
                                       Eine           gros.se

Japans          bekannte sich zu dieser fremden Religion, und
sogar mehrere               Fiirsten            traten        zu        ihr    iiber.            Uesonders
bemerkenswert               ist    es,         dass untcr den damaligen Jesuiten
sich heilkundige         Manner befanden. Als von dem Fiirsten
von    Bungo,           O t o m o S o r a zu F u 11 a i ein Kranken-
                                                        i     ,



haus     gegrundet                wurde,              iibernahm               ein    junger           Arzt,
Louis          A me
                  1          i    da       ,    ein    Mitglied           der Jesuitenmission,

  I) So wurden die damaligen Portugiesen                            in   Japan       genannt, weil sie
immcr von Sii.lcn hcrkamen.
die    unentgeltliche                arztliche            Behandlung             der       Kranken.
Dieser        Mann muss              in der         Tat als der            erste europaische
Arzt     in    unserem Lande betrachtet werden.                                      Ein Japaner,
Namens P o h            1   ,   soil      von den portugiesischen                          arztlichen
Missionaren die Arzneikunst erlernt haben.


       Im      ii.   Jahre der Eiroku-Ara (1568 nach Chr.) wurde
auf Befehl            von       Nobunaga Oda,                              der       anstelle         des
Shoguns         die   Regierungsgewalt                     ausiibte, eine grosse                Kirche
Nambanji,            d. h.       Kirche             der    Siidbarbaren, zu                 Kyoto
gebaut.         Mehrere portugiesische Missionare                                    warden aus
ihrem Vaterlande her zur Dienstleistung an dieser Kirche
entsandt. Zwei              A nfflte,     Y a r ii s      und    Ger   i   -   Gor     i
                                                                                           !)
                                                                                                welche
damals         an      dieser        Kirche           lebten,      grundeten               Kranken-
hauser,        bchandelten                die       Armen, besonders                  die Aussat-
zigen,        -and    fuhrtcn           audi         mit    grossem Erfolge                     Opera-
tionen aus.            Neben         ihrer arztlichen              Tatigkeit           waren          sic

auch   beflissen, mit            den andereu Missionaren Arzneipflanzen
auf    dem Berge                 I   buk        i    in    der    Landschaft               Om    i    bei
Kyoto           anzupflanzen.


       Erwahnenswert                   ist   fcrucr        noch die Lehrtatigkeit der
oben genannten arztlichen Missionare, deren Einfluss auf
unser gauzes             Reich            von       grosser      Bedeutung             war.           Mit
Recht kann man                       diese          Manner       als die        Begrunder der
Namban Ryu              Gclca, d. h. der Chirurgie der                               Sudbarbaren-
Schule bezeichnen.                     Wei)         ihre    Kunst hauptsachlich eine
chirurgische           war,          so      wurde         namlich             die    von        ihnen
cingefiihrte europaisclie Ileilmethode mit                                     diesem           Namen
beleet.


  1)   So lauten die wohl              (lurch Japaoisierung        entstellten        Namen      in   der
alten Schrift,       Nambanji Kbhaiki (Geschichte dor                  Si'u'l!)ar!)arenkirehe).
                                                          -36-
         Im       13.        Jahre              dcr        Tensho-Ara                (1585         nach       Chr.)
veibot     HideyoshiToyotomi,                                                      der damalige Reichs-
verwcser,           das            Christentum                       in      Japan          aufs       strengstei
rottete die christliche Religion mit                        Stumpf und Stiel aus
und verbannte                    alle       portugiesischen Missionare und damit
naturlichauch                    die         fremden Arzte aus Japan.       Zwei
japanische Schiiler dieser                                  portugiesischen arztlichen Mis-
sionare,       Zengoro                           (#fi£tf)            und        Yasue-mon                      ('M1i

fljH), liessen sich in                          Saka             i   nieder        und      iibten      hier        die
von      den       Portugiesen                        erlernte               Arzneikunst           aus.            Hire
Berufsgenossen                     und           Nachfolger                    machten         sich        spater
daran, einige            Werke                  zu veroffentlichen,                    und         so    breitete
sich     diese      Schule                  der           europaischen              Heilkunde            in        den
folgenden Jahrzehnten immer weiter aus.
         Von den hervorragenden Autoren dieser Schule
seien genannt vor alien   C h u a n Sawano (^IKV&JI:)
dessen     NambanGekasho                                             (\&Wt&W[Wt) zu den besten
Literaturprodukten                          auf dieseni Gebiete                          gehort.          Nachst
S   a \v a n o sei J u             -   a n      Handa                    (^EHlli&S) erwahnt, der die
Namban            RyTi       Gcka           gleichfalls              durch zahlreiche Einzelstu-
dien gefordert hat.                         Ferner seien als besonders bedeutend
hcrvorgehoben                :    K     i   c   h be
                                                  i          i       N   i   shi   (ffi"^"^§j)     ;    Chukei
Sugimoto (U&&M) AnsaiYoshida '(£E& 3t)                ;
                                                                                                               :
                                                                                                                      ;




Doki Kurisaki (^flnf^ift), Verfasser des dreiban-
digenKinso Shikake ( fr f!:©) d. h. der Methodc der         fi<J


Wundheilung Gen sen Yamamoto (lU^Sflij), Ver-
                         ;




fasser eines Handbuches der Chirurgie (IVTangai Shiiyo




    1)   Ein   portugiesischer                  Arzt,       dessen           eigentlicher    Name        uns        un-
bekannt    ist,    da    er       in    unseren Sehriften immer                     Sawano         oder   Nam-
ban Chuan           genannt wird.
                                                 — 37 —
    Die          Zahl          der        wahrend            dieser       Periode         verfassten
Schriften        ist    ziemlich gross.                    Von     diesen heben wir                    als

wichtigste           in       den.     einzelnen             Gcbieten          der       Heilkunde
hervor   :




                                     a)    Innere Medzin.

   Chiho Shinanhen                   Qfr&WW                von Dosan        Manase       (MMilH).
             15 Bande.         1570.
   Keiteki Shu (t^aS^fe) (Handbuch der praktisclien Medizin) von
       Dosan Manase. S Bande. 1571.
   Bensho Haizaiito W$MffiLPiW?&) von Dosan Manase. 3 Bande.
             1571.
    Kaden Shingyu CM&fc'Y-)                         vori   Kunitd Kiba        (#|S||JII1£>        l   Band   -



             1572.
    Saimin Ki (g|&a£)                     vori   Gensaku Manase            (ffiliiu|t£®|).    3 Bande.
             1574.
    Tan-yo-H6             (MM%)    von Sdkan Nanjo (Mffi^fg). 1 Band. 1575.
    Shokei Benji               Shj (ilfg$J&fl|) von Dosan Manase. 1 Band.
             1577.
    Roshizatsuwa                Ki     (^fiiplilSfE)         von    Dosan         Manase.         1   Band
             1577-
   Kiri-Gami ($J®0 von Dosan Manase.                                  1   Band.     15S1.

   Sammi-Hogen-Ka-Hiho                           (H'fifci£ll&!Kif&;Jf)      von    Kyuboku Kasuo
      mmxoo- 1 B ^-                                1583.
    Kiri-Gami Kikigaki                    Gl»tt#fl*SI#)    v°n   Mitsumasa Nakamura                   (ifift

             3fej0C).     I   Band.        15S5.
    I-no-C^             (g^^)          von       Tokuhon         Waz?.tz     G&|Hi&*0-           1    Band.
             1585.
    Baika Mujinzo (#j£Jr«iSii£) von Tokuhon Nagafa. 3 Bande. 1611.
    Igaku Tenshoki (S^3€IEIE) von Gensaku Manase (ffiift;M?J/l).
             3   Bande.        1607.


                                            b) Chirurgie.

    Gcka Dengo (ftft&fg)                         von   Jusen       Soya (#&&fll|)-               1    Band.
             1573 CO-
    Gairyo Shimmeishu (ftj&fflWIfe) (Neues Bach uber                                     die Chirurgie)
        von Hidetsugu Takatori (f^IR^O- 3 Bande.                                         1581.

   Geka Shokeiho (9tm&Q&1$)                            von   PCei-Yu (BRfi>          1    Band.       1582.
                                       — 38 —
Kwankotsu Hiroku (,&'fH&££)                     von Hanshosa: Yos'niinasu                  .',',-
                                                                                           i
                                                                                                    g|

    #£$>          2 Bande.          1585.
Kinso Chiji (&ffl}i&f£) von Kyaansai (A.338r> I Band. !594-
Kinso Hiden (felglJS&f^)- v erfasser nnbekannt 1 Band. 1595.
Geka Komasaraye (ftfflrftlfcW TOD Hidetsugu Takatori. 3 Bande,
    1606.

Gekasho     (##&)          von    Chaan Sawano G?£f&J£>                     2 Bande.
Kinso    Shikake          (fcfii]fti&)    von       Doki        Kurisaki   (I@*jr3tg>                1


    Band.
Geka Shinden (##&!¥) von                     Jian Yoshida            OgW&J€>           «   Band.



                          c)    Augeiikeilkimde.

Kin-ei   Roku     (^fojj&fc)     von Seigan             Majima ;'&&$=&        '-   l       Band      -




Ganryo Hiroku (HS^^U) von Togetsu (HU3> 1 Band. 15S8.
Chigan Ho (r&BSlfr) von Keian (Rfig> i Band. 15S9.
Can Hidensho (4Kf&f$l?) von Shinkin Majima (BI&3IJE)-                                                1

    Band.    1504.

Majima-Rya Ganka                                !

                                 (0tJb«iftflRf- r   !   von    Daichibo    Majima          (&&
    XBm           »   Band.         IS96.
Kancho Shokyo         C?gJg/h§|) von            Ryowun Majima (Jgg^f|>                              1

    Band.    1599.
Naisho Ichiryu Yojotekiden Kagami (ftUHfcti&WfSfS
    Behandlung des Stars; von Dohon Yamaguchi (iUrii&fc)
Namban-Rya Mokuishu                    'tSSflftHfJIfc) (Augenheilkunde dcr                     sfld-

    liarbarischen Schule) Verfasser nnbekannt.              3 Bande.




                          d)   Frauenheilkund
Sensha Fujinho (Ml&TtA~Jj) (Handbncb dcr GynSkologic) von
    Sokan Nanjo (fflB^g)- 3 Bande, 1547.
San/en-Sango Hisho (j&iW $?'[£&• ,•?) (Die Behandlung vor und
    nach der Gebnrt.) von Roan Nakarai ^^£^i )• 3 Btnde.        (




Chajo-Rya Tekijuzenkan ($&&£&&£> von Tatewaki Chajo
   <4>i£^7J>          1    Band,
Kaden Rydhdroku                (Sj£f#IU;£j:>        vo   '
                                                              Ishunsai Noritsuke (Mflt
   #&).      1   Band.         1581.
Joden Hiho       (icWifclfr) von         Ryuboku Kasuo              (fl}^^4fc).    3 Bande.
                                           — 39 —
                       e)        Kinderheilktmde.
Kachinho (££&&) von Sokei Itasaka (*UR**R)- Band x 577-                                    '




Kaden Shoniho {%.&'b%~)S) von Kokan Itasaka
Karei   Shoniho (igfft^a*) (Handuch der Kinderheilkunde)
    von Dosan Manase. i Band.




                        f)       Materia medica.

Ryakuyo       Shuseishu                   (n&Jfi&Kft)        von      Tsuneto        Kushimoto


Goyaku      Cbokudenshu (^Mf^fe) von Dosan Manase.                                                i


    Band.
Gikin Honzo        (&&#&)                   von    Dosan Manase.               2 BSnde.
                                                                  Band,
Nodoku    (tb#) von Dosan Manase.                            1

Shugo Sanshuben (lir^Hfl^f) von Tsunetatsu Kushimoto
    (*.&*«!&)• " Band "573-                  -



Chu Nodoku (|tBt#) von Dosan Manase. 1 Band. 1580.
Yakusei  Nodoku (i|'I4££#) von Gensaku Manase                                                  (M
    '^3iW-         2   B5nde      -        1608.




         g)    Akupunktur und Moxibustion.
                                                                                          und Moxi-
Shinkyu Shuyo 0K£&3?'> (Grundriss der Akupunkta
    bustion) von Dosan Manase. 1 Band.

Shinkyu Hiketsu (&&ft&) (Wichtiges Uber                                    die    Akupunktur und
    Moxibustion) von Isai Alisono                       (£pg|jSB8P         (
                                                                               lGl6 gestorben).   l


    Band.
              Zenron                                (Handbuch            der     Akupunktur    und
Shinkyu                          (M%.£m)
    Moxibustion) von Isai Misoso.                        1       Band.



                b)     Mund- und Zahnheilkundc.
 Chikayasu      Hiden 0&Sft&f£> von Mitsuyasu Chikayasu (fHg§
     %M)-      l   Band      -
                                      x   577.
 Shi-Sho (fHS) (Zahnheilkundc) von Onda (JgLffl)- > Band. I 592.
 Kochu Ryuji Hiyo (n$$ft})E®: ) (Handbuch der Mundheillumde)
     von Ansa! Kaneyasu (31U&$gf)-     Band      l6o °-           '        '
                          — 40 —
                     h)   Hygiene.
Kayu Roku (pJW££)   von   Dosan   J^lanas^.   i   Band.   15S0.

Enju Saiyo (5£^ffi^» von Gencaku Manase.            1   Band.     1599.
                                       — 4i —



                VIII. Die Yedo Zeit.

               [Von 1616              bis      1867 nach Chr.]

                                   Allgcmeines.

      Wie       schon          erwahnt,          endete        die     Toyotomi-
Dynastie im          i.    Jahre der Genna-Ara                   (1615       nach      Chr.).

Von da an         hatte         Iyeyasu Tokugawa                                die    Herr-
schaft    in    Japan            inne.      So begriindete              er     eine     neue
Dynastie,       die der        Tokugawa,                     welche unter fiinfzehn
Shogunen aus              dieser      Familie          bis    zum      1.      Jahre     der
Meiji-Ara       (1868          nach    Chr.)         bestanden       hat.      Zum       Sitz

der   Tokugawa -Regierung                            wurde     Yedo,           das jetzige
Tokyo,          bestimmt.          Man      bezeichnet daher diese Periode
als   Yedo -Periode                oder       Tokugawa -Periode.                          Im
Anfang     dieses Zeitalters             wurden             Wissenschaften,           Kunst
und     alle litterarischen           Bestrebungen gefordert.                       In erster

Linie     beobachten             wir     da          eine    VViederaufnahme              der
chinesischen Studien.                 Sehr bedeutend waren                   fur    Japan
die Arbeiten der               Sung      (5fc)
                                                 -   Philosophen, der Erneuerer
des Konfuzianismus.                   Die   leitende          geistige       Macht       der
Gelehrten war das System                      Chu-His                (SfcBc)    (1130     bis

1200     nach     Chr.).         Auf     die         Medizin hat dieses System
einen     unbedingt            massgebenden Einfluss                  ausgeiibt.         Die
Beschaftigung mit               der    chinesischen            Sung         (v!<)   -Medizin-

Literatur      war        in    der    letzten         Zeit der  Kamakura-
                                                         — 42 —
Periode         zuriickgegangen,                             doch         bemerken                      wir            wenige
Jahrzehnte nach                           Beginn             der     Tokugawa- Zeit                                        einen
erstaunlichen Fortschritt.




                                                  Li-Chu-Schule.

       Mit     dem Namen                             der        Li-Chu              {3fc%)-Sckule                   belegte
man       in   Japan             diejenige Schule, deren Arbeiten sich an
die   Lehre von                  L        i   ;i£)       (aus       der    Kin               :&-       Dynastie) und
C    hu    (%''   (aus der                    Yuen             it-   Dynastie) anlehnten.                                   Der
Begrunder dieser Schule war eigentlich                                                        Sanki Tashiro
(   EBTCHtbO gegen Ausgang der                                       Ash        i   kaga               -Periode, aber

Do san Manase                                           FftjlliSiMH)             war              es,        wie           schon
erwahnt,          der        diesc                Lehre         vveit      und              breit      im Lande be-
kannt machte.                 Die Ansichten                          Manases                           wurden durch
Gensaku Manase                                            itiimti^!^),                      seinen          Sohn,           und
durch seine Anhanger immer vervollkomninet                                                                       und sehr
geschatzt.           Die                  bedeutendsten                   der               hierher             gehorigen
Autorcn waren                :




   Zens h u Y a k u n                                i       (tjfc$$''i    fe^          •     I   526       bis        1
                                                                                                                           599)
Suha Had a (4*>KE                                        ,      1550            bis          1607);              Verfasser
mehrerer Werke, wie des S o                                         mo     11 -     C       h u    s   h6       (^fwjtlvrl>),

Igaku-Tekiyoho (^S^^iW^t Honso Joreisho
(*¥J¥0H»)               u.       s.   Seirin Manase (MiUM,
                                          w.;

1565 bis 161 1);                  Seijun Manase (ft|[«8JI .|fi) Gen-                                        :
                                                                                                                   ;




ya        Ok am o to                          (fflfcl/Mi,            1587           bis           1645),          der        be-

deutendste          Schiiler                      Gensaku                 Manases;                              Gentaku
Noma           (¥f HIJ 1rf%           ,       1   590    bis    1
                                                                    645)    ;     Gensh                 i   n    Yama             -
                                                              — 43 —
waki                      (llJflS^:^,               1598       bis              1678),             der auf Befehl                  des
Kaisers                   Gominoo                   ein      Werk              iiber      Hygiene,           Chokusen
Y6        j   u       r   oku               i'fch^TtkWBk)                  verfasst              Gensetsu
                                                                                                   hat   ;




I s   e   k       i       (j\-W#M             ,    1618      bis 1699)                >   Gentetsu Inouye
(#-h£St, 1783                                bis      1868).




              Wahrend                    der Meireki-                      und            Kambun-Ara                   (1665        bis

1672              nach              Chr.)          wurde               eine       neue             Schule          neben           der
Li-Chu-ScJmlc (^yfc#R) gegriindet.                                                          An      der       Spitze         dieser

neuen                 Schule                steht        die       Lehre          Kan so Ryus (MitM
Liu-Wansu)                                    und S h              i   wa        Chos ("JUT Chang-           ffl

Tsiihou).                               Die lezteren waren der Meinung, dass der
Mensch                     ein      Universum im Kleinen                                      darstelle.               Wie     jedes
Ding              in        der          Welt wird der Mensch durch das Doppel-
prinzip des Mannlichen                                        und Weiblichen beherrscht. Jedes
der Eingevveide entspricht einem Element.                                                                      Die letzteren
zirkulieren                      immer              in       der           Welt,           wodurch            5        Un      (S?S)
(eine             Art Pneuma) gebildet werden.                                                 Ausserdem                sollen in

jeder Jahreszeit andauernd 6                                                   Ki (/\M)             (eine      Art Pneuma)
regelmassig                         von           der        Erde zum Himmel aufsteigen und
vom Himmel                              zur        Erde zuruckwandern.                                       Die       Ursachen
der Krankheiten lagen danach hauptsachlich in Storungen
der Zirkulation der                                   Un und der                           Ki.       Die       Hauptvertre-
ter       dieser                 Schule             waren              T 6 a n Aiba                          (^M^Vfe) und
I c   h       i   no       s    h   i   n         II a   ya    s       h   i     (^TiT^lji^).                  Sa      mpaku
  i)          In          der    chinesiscken Philosophie behauptetc man, dass                                          alle   1



in der            Welt aus den                5    Elementen:                  I/oh       (;fc),    Feiier    (;Aj),    Erde       (J^),
Metall (^), und Wasser                              (?flc)   zusammen            gesctzt sind.
                                             — 44 —
Ajioka (^MHiVj), ein Schiiler von Aiba, und Ippo
Okaraoto (f33;fc— K2), ein Schiiler von Ajioka, haben
sich besonders urn die Verbreitung dieser                                            neuen            Schule
grosse Verclienste erworben.




                                            Ko-I-Ho.
          Das System C h u -                 H   i   s   hat im dcr Anfang                        Toku-
ga       wa    Zeit die philosophische Spekulation stark angeregt,

doch          traten     bald         darauf     Andersdenkende                            auf.           Toju
Nakae           (i6o3 bis 1648 nach Chr.) wandte sich zunachst
gegen         Chu-Hi             und ging dannzu                         Wang Yang-ming
(3i[l"PJ3)      iiber.          Dieses      System aber                      wurde          durch             den
Urkonfuzianismus wieder                       beseitigt.                 So sprach                J   i   n   s   a   i


ltd gegen das System C h                                 u   -   H   i   s     und     forderte                   die
Ruckkehr zu den echten                         alten konfuzianischen Lehren.
          Parallel       mit      der       Wiederherstellung des Urkonfuzia-
nismus wurde auf                  dem       mcdizinischen                     Gebiete        auch das
Studium der alten                      chinesischen              Werke           gefbrdert.                   Der
Begriinder dieser Schule                       war       Gen-i Nagoya                                 (&WkM.
     ,
         '.    Kr   betrachtete die Li-Clm-ScJiuIc (^'k (J&), weil auf                 :




dem System             der       S    u n g -Philosophic                     basierend,           als         cine
Verderberin            dcr       alten       chinesisch-medizinischen                             Lehren.
Infolgedessen wurden die                       Werke von                 Chang-Chung-
ching (igfti             nj
                           :)   aus der       T a n g -Dynastie,                     besonders das
Shanhan-Lun                      (W$$Wn),        als         Fundamentalwerk wieder
sehr hoch           geschatzt.              Auf diesem               alten Werke' fussend,
begriindete            man           eine     Schule             Ka-I-Ho             ("£!§//),                oder
Ko-I-Do {t\W&),                  d.    h.   alte echtc           Medizin-Schule.
                                              — 45 —
       Von den Arzten                        dieser     Schule           verdienen       unsere
Aufmerksamkeit nachgenannte Manner,                                      die   ich moglichst
in    chronologischer,                 nach      den    Geburtsjahren                geordneter
Folge, und zugleich                     mit      den   fur         sie   charakteristischen
Leistungen auffuhre.
            Gonzan Goto                        ({&/1SFJU       ,     1659      bis   1733), Be-
     griinder     der Ikki-Ryutai-Ron (— ;S^i!iy3ra),                           ciner Lehre,
     die die Pathogenese der                     Krankheiten auf Storuneren in




                                            Gonzan     Goto.


     der    Zirkulation               der    Lebenskrafl            zuruckzufuhren         ver-
     sucht.    Nach          ih
                              !
                                  m   soil die   Lebenskrafl: mit              dem Pneuma,
     welches          in   der Welt umlauft,   vollkommen identisch
     sein   und   '
                      alle    Dinge erschaffen und erhalten. Durch
     Kalte, Wind, Hitze, Feuchtigkeit, Ernahrungsstorungen
     und Affekte wird                   die      Zirkulation dieser              Lebenskrafl
                                         - 4 6-
  gestort.              Daraus   erhellt,   das     man      boi der       Behandlung
  der        Krankheiten          diese     Zirkulationsstorungen                     zu   be-

  seitigensuchen muss. Zu diesem Zweck hat Goto den
   Gcbrauch der Leber des Baren, rotcn Pfeffer, sodann
   Moxibustion, endlich Mineralbader empfohlen.
             Shu wan Kagawa     (ffyUJM, 1683 bis 1755),
   Verfasser cines umfangreichen Werkes iiber innere Patho-
   logic  I pp on d 6 Koyoigen (— ^'VitfT&fcSB"), sowie
             :




   cines          solchen        iiber    Pharmakologie            :     Yak u -Sen
   (^H)f          iii   denen er erfolgreichen Amvendungen der Mas-
   sage 15 und von Mineralbiidem beschreibt.
             To do Yoshimasu (gi^p                                 ,    1702 bis       1773),




                                    Todo     Yoshimasu.

       cin       sehr        angesehener          Praktiker,           begriindete         die,

   1)    Vergt.         Y.   Fujikawa,      Die    Massage    in       Japan,     Zcntralblatt

fiir   die Grenjgebiet <ler Medizin         und Chirurgic, 1S99.          Bd.   II.   Heft. 15.
                                    — 47 —
 „   Manbyo Ichidoku Ron                 "
                                             (H^—SIS),               d. h. die          Lehre,
 nach       der     als     Hauptursache                  bei    der            Pathqgenese
 aller      Krankheiten das Doku                    (Gift)       erne grosse              Rolle
 spielt.    Das Doku        soil sich stets          im Korper des Menschen
 vorfinden,        aber     erst    dann            die    Fahigkeit              krank        zu
 machen erlangen, wenn gewisse aussere                                         Einflusse auf

 dieses wirken.           Getreu dieser Lehre suchte                           Yoshimasu
 durch Luxantia, Vomitiva und Hidrotica die Entfernung
 etwaiger Gifte herbeizufuhren.
         Nangai Yoshimasu                          ($&M          ,       175°    bis      1813),

 Sohn       des Vorigen,           ist       der    Autor            des        sogenannten
 „Kiketsusui         Ron"          iMMMWk), d. h.   der                            Pneuma-
 Blut-Wasser-Lehre.                Nach dieser Theorie                             soil        der
 menschliche              Organismus               aus      Pneuma,               Blut      und
 Wasser bestehen. Storungen der Funktionen zeigen
 sich dann, wenn Pneuma, Blut und Wasser durch Gift
 beeinflusst werden. Im Grunde genommen handelt es
 sich  beim Nangai Yoshimasus chen System
 hauptsachlich nur urn cine Modifikation der Manbyo
 Ichidoku         Ron des    T 6 d 6 Yoshimasu.
         Kinzan Murai                         (M'-Jf-^OJ,            1722        bis      1815),
 bedeutender Praktiker               in      Kumamoto                      .    Seine      zahl-

 reichen Publikationen betreffen                          das    Gebiet           der     Man-
 byo Ichidoku    Yoshimasus.
                     Ron
         Sho-5Mine {ty&M ,1818 gestorben)                             Yedo,       in

 einer der beruhmtesten Schuler                           Todo Yoshimasus.
         Shinsai       Nakanishi                            (4, 2§i?0f,            1724        bis

 1   803)    in    Kyoto, Verfasser                        des       „   Sh6kan            r   on
 Bensei" (iS3tEl&fJfjE) und                               des        „   Sh6kan            r   o n
 Meisukai" {&%$&%%&).
      Als bedeutender Arzt dieser Schule                              ist      Gen-etsu
Kagawa            (HJll^fft) zu erwahnen.                       Er   ist       der Verfasser
                                        — 4.8-
cines japanischen              Werkes       iiber Geburtshilfe              :   San-Ron
GUnus),         das aus zwei Biinden besteht und im Jahre                               1765
erschienen         ist.   Bis dahin         war     die Geburtshilfe in               Japan
sehr        we nig    ausgebildet       und         ihre       praktische        Ausubung
lediglich in         Handen von Hebammen.                             Auf Grund             der
von ihm gemachten Erfahrungen                              bekampfte            Kagawa
die alte Ansicht, dass das                   Kind     bis       zum     10.      Monat im
Mutterleibe aufrecht stehe und sich erst                              bei       der   Geburt
umdrehe.             Er bamerkte            auch,     dass        der Gebrauch der
nicht       zweckmassigen Leibbinde 1} den Verlauf der Schwa n-
gerschaft          storen      konne.         Dagegen             sollen         Reibungen
des        Mutterleibes, die nach bestimmten                          Vorschriften vor-
genommen werden,                 zu empfehlen              sein.       Die       Extraktion
bei        Fusslage,      und    bei        Querlagen           die     Wendung             auf
den Kopf durch aussere und innere
Handgriffe           wurden auch von                Ka     -



ga         wa   angewendet. Tatsachlich hat
die        Geburtshilfe        nach     der      Lehre
Kagawas                   eine        selbstandige,
von         chinesischen         Einfliissen          un-
abhangige             Entwicklung              genom-
men.             Darum         kann         man      mit
Recht            Kagawa         als    den      eigent-
lichen           Begmnder        der        modernen               Gen-etsu Kagawi

japanischen Geburtshilfe bezeichnen.



                 Einfiihrung der europaischen Medizi::.
           Nachdem        in    fruheren        Jahren          den     Europaern           be-
kannt geworden war, dass die Portugiescn einen ausserst

      1)   Der Gebrauch der Leibbinde         bei   Schwangeren        in   Japan     ist   sehr
alt    und wird auf die Kaiserin J      i   n g u zuruckgefiihrt.
                                    — 49 —
vorteilhaften      Handel mit dem Lande                      Japan           betrieben,
suchten die damaligen seefahrenden Nationen, die Spanier,
Englander und Hollander ebenfalls mit                      Japan Handels-
beziehungen anzukniipfen.             Von    alien      Nationen Europas
erhielten jedoch nur die Hollander,                      welche im             2.    Jahre
der Keicho Ara (1597 nach Chr.)                     auf der Insel              Hirado
an der Westkiiste von              Kyushu          landeten, die Erlaubnis
zum     freien   Handel.      Spater,       ini    18.       Jahre      der     Kan-ei-
Ara (164 1 nach          Chr.),    nahmen    sie ihren            festen      Wohnsitz
in    Deshima        bei    Nagasaki, und                    errichteten        so     die
erste     europaische      Niederlassung           in    Japan.              Als diese
dann mit der ostindischen               Handelsgesellschaft                    in     Ver-
bindung gebracht wurde,              entwickelte             sich      der     Handels-
verkehr zwischen ihnen und den Japanern zu einem recht
lebhaften.       Europaische Waren,               vor     allem         Arzneiwaren,
Safran,     Salpeter,      Borax,     Mercurius              sublimatus,         Alaun,
Gummi, Katechu,             Storax     liquida          u.   s.   w.     wurden         zu
dieser Zeit      von den Hollandern           in    das Reich                eingefuhrt,
mit   Ausnahme von           europaischen Biichern, deren Einfiihr-
ung im      7.   Jahre der Kan-ei-Ara (1630 nach Chr.) streng
verboten worden war.               Obgleich wahrend dieser Zeit der
Shogun durch strenge Gesetze jeden anderweitigen Ver-
kehr mit den Auslandern bei Todesstrafe verboten                                     hatte,
erhielten    doch die        Oranda-Tsuji,          d.       h.   die    japanischen
Dolmetscher        auf der         hollandischen             Faktorei,         die     Er-
laubnis, mit      den hollandischen Arzten                   in   Verbindung zu
treten,    urn    ihre    medizinischen Kenntnisse zu bereichern.
Die hollandische Regierung,                 welche damals                ihr    Augen-
merk besonders auf           die   Entwicklung des Handelsverkehrs
mit     Japan       gerichtet      hatte,    wollte          diesen      durch         die
Entsendung einiger gebildeter Artze                     unterstiizen.          Letztere
wurden im Reich gut aufgenommen                               und,      da     arztliche
                                                 — 5o —
Fremde im Verkehr mit Japancrn                                     nicht so eingcschrankt
wurden,          wie die anderen Auslander, welche nur Handel
treiben wollten, so bot sich ihnen bald Gelegenheit,                                                      mit
den        Eingeborenen                  unter     dem Vonvande von Kranken-
besuchen           in        nahere             Beriihrungzu  kommen.  Audi
machten            sich            die     hollandischen                Arzte                durch        ihre
Arzneikunst und einigen Unterricht                                      in    der        Mathematik,
Astronomic                  u.   s.   w.        den    Dolmetschern                  niitzlich,            nm
dafur deren Unterstiitzung                            zur        Erforscliung                des       Landes
zu        erhalten.          Uberdies begleitete der Arzt der hollandi-
schen Faktorei in                     Deshima               jedesmal den hollandischen
Gesandten, wenn dieser alljahrlich den                                       Hof des Shoguns
in    Yedo         ,    seinem             Befehl       zufolge     ,   besuchte.    Wahrend
seines          Aufenthaltes               in    Yedo             musste der hollandische
Arzt taglich mit den japanischen Hofarzten                                               sprcchen, die
allerlei         Fragen an                ihn stellen liessen.                Auf            diesc     Weise
befand           sich        sowohl         in     Nagasa k              i     wie            in       Yedo
gewissermassen ein Eingangstor, durch welches die curo-
paische Medizin ihren Einzug in                                   Japan         halten konnte.
           Zu den       beriihmtesten Arzten der                             hollandischen Fak-
torei Deshima zu
            in                                        dieser      Zeit       gehorte               Casper
Schambcrgen, der                      im                    Dienste           der            Hollandisch-
Ostindischen                Kompagnie im                    2.     Jahre        der            Keian-Ara
(1649        nach           Chr.)        nach     Japan            kam.         Wahrscheinlich
war        er der erste, der als Lcgationsarzt bei                                       der hollandi-
schen Gesandtschaft cine Reise nach                                     Yedo             machte, doch
ist       uns    seine           Lebensgeschichte                 vollstandig                unbekannt."
In        dem Werke von                    Nachod                 heisst       es
                                                                                    2)
                                                                                         :    ,,   Am       10.


     1)    Der Bench t im japanischen Werke Kangaku Kotohajime
(Sy^^ift) von      f i e m p a k u Sugita lautet folgendermasscn " Im 20.                          :



Jahre      der Kan-ei-Ara (1643 nach Chr.) wurde                         ein fremdes Schiff durch
einen      Sturm       an    die      japanische      Kiisle     verschlagen.        An        der     Seekiisle
                                                  — 5i—
November                 Genehmigung der Gesandtschaft
                         (1649) traf die
aus      Ye do                            am
                            November verliess Frisius
                           ein,    und             25.
in Begleitung von van Bronkhorst mit einem ansehnlichen

Gefolge von Niederlandern und Japanern, unter welchen
drei       Dolmetscher,                die       hollandische                        Faktorei.             Bei        dem
Zuge befand sich anch eine schon wiederholt vom Sho-
gun erbetene Personlichkeit.    audi horen wir zum               .    .    .




ersten           Mai,        dass     ein       Arzt die Hofreise mitmachte, eine
Einrichtung, die spiiter zur Regel wurde.                                                 .   .   .    Auch            der
hier       genannte               Arzt,     Caspar Schambergen,                                                       lasst

dem Namen nach                        auf einen Deutschen schliessen                                           ;    einige
Woe hen             vor der Hofreise waren vier junge Japaner nach
Deshima                     gebracht worden,                         um        hier taglich           im Wund-
heilen von               ihm gelehrt zu wcrden."

          Uber den                 Einfluss            dieses deutschen Arztes auf die
japanische Heilkunde kann ich                                             mich kurz fassen durch
die        Erwahnung                  des       tatsachlichen                         Nachweises,                     dass
eine           neue        Schule        der      Chirurgie                     Caspar-ryu-Geka,                     d. h.

C a s p a r'sche                   Schule        der Chirurgie, von                           seinen                Schii-


Y a mad a            bei    Nambu         gelandet,             warden die Schiffsmannschaften vom
dortigen  Gouvemcur nach Y                  e   d o geschickt. Unter diesen befand sicb ein
bolliindischcr Arzt, Namcns                 Kaspar,                   der auf Befehl des Shoguns einige
Jahre      in   Ye do        blieb.   Einige japanische Arzte sollen bei                              ihm gewohnt
haben,         nm   die Chirurgie zu studieren."                      Nach       einr andern Quelle soil der
Name       des Arztes nicht           Kaspar,                  sondern         Kasfuryans             sein.          Etwas
anders         heisst es       dem Buche K 5m 5 G e k a ($C3i^f.5f4)
                              in                                                                       :   „       Der hol-
landische Arzt              Kaspar kam im i. Jahre der Keian-Ara                                       (164S) nach
Y   cilo.           Er     unterrichtetc        hauptsachlich                  die   japanischen Dolmetscher
—von           denen besonders           Dem      1)   e   i    In        m a a (JJJiKf^^tei) zu envah-
                                                                                 t


nen      ist   —wahrend       seines Aufenthalts                 in       Nagasaki und Ye do in der
europaischen Heilkunde."
    2)     Nachod,             Die    Beziehungen                der           Niederlandischen ostlodischen
Kompagnie zu               Japan      im sielv.ehnten Jahrhundert.                        1S97.
lern      unci    Nachforgern           in     Ja   pa n      gegriindet     wurde.
Bemerkenswert             ist es,    dass die Schule der            hollandischen
Heilkunde neben der oben                      erwahnten       Namba,n-ryu-Gcka
in der medizinischen                Geschichte des          17.   Jahrhunderts   in

Japan           eine bedeutende Rolle spielte.


                              Oranda-ryu Geka.
          Ausser dem beruhmten                  Caspar            sind die   Namen
von       H o ff m a n n     (welcher 1650 nach             Nagasak i*kam),




                               Eikyu         Narabayashi.



A mans Katz
     1                        Banner (1663), Palm
                                    (1661),

(1666),         Stieven, William Ten Rhyne (1673)
u.   s.    w.    zu   nennen.        Gleichwie       ihre     Vorganger      unter-

richteten         diese     Arztc      wahrend        ihres       Aufenthaltes   in

Deshima               als   Arzte bei der            hollandischen       Handels-
kompagnie im Orient hauptsachlich                                                  die         Dolmetscher               in

der europaischen                       Heilkunde.                      Nachdem                 cinige       Dolmet-
scher             in      dieser        Weise die europaische medizinische
Kunst             erlernt            hatten, wurden sie endlich zu Arzten
ernannt                und          fugten       ihren               Namen                die       Bemerkung
Oranda-ryu Geka,                       d.    h. Chirurgie                       nach der hollandischen
medizinischen                       Schule,      bei.                Zu den beriihmten                          Arzten
dieser                Schule           gehoren                 Eikyu                      Narabayashi
(HtM^tftv             ,     1643           bis   171       1),        ein        Schiiler           Hoffmanns
und             Verfasser             eines          chirurgischen                        Werkes                Geka
S       de       11       (tff^*j?li)j           das             eigentlich                eitie          japanische
Ubersetzung des                        Werkes              von             Ambroise                       Pa    r   e    ist

(siehe unten !)                       Gempo
                           Ni s h {fSfcflt 1684 gestor-
                                ;                                           i                   ,



ben), der im Jahre 1673 am Mofe des Shoguns zum
Leibarzte ernannt wurde      Hoan Arashiyama (RUj      ;



lUi^c), Verfasser eines chirurgischen Werkes Koi-Geka
Sod en (%L%H&>!H%), Hochiku Katsuragawa (.&JI|
fltsft      ,    1664           bis        1747),      Hofarzt                   und       ein       Schiiler           der
hollandischen Arzte Dannerund Almanns Katz;
J   i Y o s h d a (^33 § f€ 1654 bis 7 3)» Verfasser des
        an                      i                          ,                          1    1


Werkes Sangokuryu Gekasho (EEMxfotWMS-)                                                                                       ;




S c u K u r s a k (Hf§Jr31
        i                   i 708 bis  i7^7) J h a k u           ,    1                    1          ;
                                                                                                            i


Murayama (H'lIlflfCl 1647                        ,                         bis     1706),           Verfasser des
Geka Zens ho (PWk^tWt)                                                ',
                                                                             die          lcztgenannten drei
Gelehrten wurden im Jahre 1691                                                   am       Hofe des Shoguns
zu Leibarzten ernannt.




                Im Anfang der                zvveiten                Halfte des 17. Jahrhunderts
wurden                die       ins    Hollandlische                       iibersetzten              Werke              von
Ambroise Pare in Japan eingefuhrt.                                                                        Eins          der-
selben, welches Y eikyu Narabayashi                                                                        urn      1688
                                        — 54 —
gekauft       hatte    mid das seine Nachkommcn                       kiirzlich      der
Universitat zu        Tokio        geschenkt haben, wird                   an dieser
aufbewahrt.           Dieses   Werk           des beruhmten          franzosischen
Chirurgen wurde damals von                    Yeikyu Narabayashi
ins Japanische         iibersetzt       und     unter dem Titel Geka       :




Sod en        (^l-^i^vt§)    im    3.   Jahre der Hoei-Ara (1706 nach
Chr.) veroffentlicht.          Ks war         dies eigentlich keine wortliche
Ubersetzung, sondern es waren nnr Referate                              aus jenem
Werke. Ganz dasgleiche war auch beim KinsoTetsu-
boku Ryoji (&ffl&WlMfe) von Gentetsu Nishi
(g5^@) der       Fall,   welches ebenfalls eine japanische Uber-
setzung des Werkes des                  Ambroise Pares                         ist   und
im     20.    Jahre    der     Kyoho-Ara               (1713     nach      Chr.)     pu-
bliziert     wurde.  Der Eindruck des Pare schen Werkes
war     in   unserem Lande ein so gewaltiger, dass die dama-
ligen    Beschreibungen           iiber   europaische Chirugie fast nur
Referate        aus    diesen      Werken              zur    Grundlage         hatten.
Besonders        bemerkenswert            ist,     dass       nach   der       in    dem
Werke        beschriebenen        Methode          cine       chirurgische Schule,
die Seikotsu Jitsu (*?'n*f^). in               Japan           gegiiindet wurde.




        Ein deutscher Arzt,         Eingelbert Kampfer, dessen
beriihmter      Name        unzertrennlich             mit     Japan       verknupft
ist,   kam im    3.    Jahre des Genroku-Ara (1690) als Arzt zur
hollandischen Gesandtschaft nach                        Nagasaki.          Wahrend
seines       zweijahrigen         Aufenthalts            in    Nagasaki              be-
gleitete er die hollandischen                 Gesandten zvveimal               an    den
Hof des Shoguns nach V                        do
                                     Er machte sich den
                                          e        .




Dolmetschern durch seine Arzneikunde zu dem Zwecke
nutzlich, sich fiber das damals noch geheimnisvolle Land
eine Fiille von naturwissenschaftlichen und ethnographi-
                                           —55     —
schen Nachrichten zu vcrschaffen                         ;     er unterrichtete            audi
einige japanischen Arzte in der europaischen Medizin.


       Derartig war der Stand der europaischen Heilkunde
in     Japan vom                  Beginn     der     zweiten            Halfte       des    17.
Jahrhunderts an             —zu     welcher Zeit             sie   durch Vermittelung
der Hollander im Lande eingefuhrt wurde                                 —   bis   zur ersten
Halfte        des     18.        Jahrhunderts.           Die        europa'sche            Heil-
kunde         in      Japan              wahrend         dieser         Zeit      war,      wie
oben      erwahnt,               eine     sehr     beschrankte              oder,       besser
gesagt,        eine       bloss         chirurgische          Heilkunst,          und      ihre
Ausbildung               und       Verwendung                beschrankte           sich     auf
Nagasaki                 und Yedo.           Die     Vermittler           zwischen          den
hollandischen             und japanischen               Arzten          waren die soge-
nannten         " Tsu-ji"           (Mi?)        oder        Dolmetscher,            die    die
fremde Sprache bloss aus geschaftlichen                                 Grunden         erlern-
ten,     weshalb            die    wissenschaftlichen               Bestrebungen            der
fremden Nationen ausserhalb ihres Interesses lagen.                                         Mit
Recht         konnen         wir    also     sagen,      dass       diese         Leute     die
Heilkunst von den hollandischen                              Arzten      mehr mit den
Augen         als    mit der Zunge gelernt haben.                           Auch      durften
damals         die       Japaner         hollandische          Biicher         wegen        des
strengen        Verbots,           auf    dessen        Ubertretung            die    Todes-
strafe    stand,         nicht      lesen,   ebenso           war ihnen der Besitz
hollandischer             Biicher        untersagt.           Unter       solchen          Um-
standen        kaiin        es    daher      keine      Verwunderung                 erregen,
dass die Oranda-ryu Geka                      oder die hollandische                   Schule
der Chirurgic wahrend so langer Zeit                               in   einem sehr         trau-
rigen Zustand war, da die Heilkunst sich fast ausschliess-
lich     in        den      Handen         der     Dolmetscher              und      anderer
ungelehrtcr           Leute        befand,    und da nur sehr wenig                       gebil-
dete Arzte sich praktisch mit ihr beschaftigten.
                                  -56-
                                 Rangaku
      Der Shogun          Tsunayoshi,                der achte Herrscher
der   Tokugawa -Dynastie,                 erkannte,     dass   Holland
das   einzigeLand sei, wo die Wissenschaft, vor allem
die   Himmels- und Heilkunde damals in voller Bliite
stand, und so erlaubte er im 5. Jahre der Kyoho-Ara

(1720    nach    Chr.)     die    Einfuhrung      hollandischer    Biicher
und Schriften.       Es war       cins der wichtigsten         Handlungen




                            Royotaku       Mayeno.



des     Shoguns,     den    innigen       Anschluss     der    japanischen
VVissenchaften       an     die        hollandischen     iminer    energi-
scher    zu   fordern.      In    hohem Grade bemerkenswert            ist

es    deshalb,     dass    der    I   lofbibliothekar   Bunzo A o k      i
                                            — 57 —
(W*3Ci&) und der HofarztGenjo Noro (ff^^t) auf
Befehl des Shoguns die hollandische Sprache erlernen
mussten, und zweitens, dass                        N    i   s   h   i    (®),      Yosh        i   o   (cijSt)

und andere gelehrte Dolmetscher im 2. Jahre der
Enkyo-Ara (1745) von dem Shogun die Erlaubnis erhiel-
ten, hollandische Bucher besitzen und lesen zu diirfen.

Unter            Umstanden hatte man sich die grosse
             solchen
Aufgabe               System zu schaffen, die hollandische
                      gestellt, ein

Schriftsprache lesen und verstehen zu lernen.     Zu den
epochemachenden    Leistungen auf diesem Gebiete gehoren
diejenigen der gebildetsten Arzte zu Y e d o    Vor allem                            .




kommt nach                    dieser      Richtung hin der glanzende                                   Name
von Ryotaku                   M aye no         (liijlfii:^),               eines Schiilers               von
Aok      i   ,        in Betracht.        Da ihm            zufallig ein           Exemplar             eines
hollandischen                Werkes       in die       Hande               fiel,     so    ergriff ihn

das    Verlangen,                  das Buch        in        der         Ursprache             zu lesen.
Unter        Aok         i   erlernte er daher das hollandische                                Alphabet
und nur etwa 500 Vokabeln. Infolge seines Verlangens,
das Hollandische noch welter zu erlernen, unternahm
Maye             11   o im    7.    Jahre der Meiwa-Ara                         (1770 nach Chr.)
eine     Reise               nach    Nagasaki.                           Seine       Lehrer Nishi
und    Yoshio,                     die   damals gelehrte Dolmetscher waren,
konnten jedoch                     nichts   weiter           tun,         als      dem beruhmten
Arzt nur                ungefahr         weitere     200 Vokabeln beizubringen.
Der    in         seinen       Hoffnungen getauschte                            Arzt kaufte              sich
nun einige hollandische medizinische Bucher und ein Wor-
terbuch und kehrte dann wieder nach Yedo zuriick. Ohne
Beihiilfe eines               Lehrers machte                 er         sich    an       das       Studium
dieser       Sprache               und    erlernte      sie,            nur     vermittelst            seiner
festen           Entschlossenheit            und            seines            fleissigen           Strebens
vortrefiiich.                Seine Uberzeugung von der Tuchtigkeit der
hollandischen                 Heilkunde        wurde                noch         durch         folgenden
                                              — 58-
Zufall verstarkt.              Am        4.   Marz, im      8.    Jahre       der     Mciwa-
Am      (177    1    nach    Chr.),      wohnte      May e no               der Zergliede-
rung ciner hingerichteten Japanerin, der                           Aocha-Baba
(W^r^c), zu           Kotsukappara                  bei   Yedo,     mit seinen Kolle-
gen Gempaku Sugita (t^EHSS), Hoshu Katsura-
gawa (&WMM) und Junan Nakagawa fipJtRM)
bei.    Als diese Gelehrte dann Vergleiche                                  zogen mit den
Abbildungen            in   den   Anatomischen T a b e                          1 1   e   11   von
Johann Kulmus, welche M a y e n o in Nagasaki und
zugleich Sugita in Y e do gekauft batten, iiberzeugten sic
sich selbst          da von, dass die Lage und Beschaffenheit der
innern Organe               ganz      genau mit den Beschreibungen                              in

den hollandischen Biichern ubereinstimmten, und dass die
Behauptungen und Beschreibungen der alten chinesisch-
japanischen            Werke        vollstandig           unrichtig         waren.             Die
Beobachtung dieser interessanten Dinge machte auf den
Geist dieser Gelehrten einen tiefen Eindruck.                                  Sie fassten
dahcr      sogleich         die     ersten      Plane       zur    Ubersetzung                 der
Anatomischen                Tabellen,          ciner       schwierigen              Aufgabc,
welche niemand              bis    dahin systematisch in Angriff genom-
men         Am nachsten Tag machte M ayeno sich
        hatte.

mit Gempaku Sugita, Hoshii K a s u r a g a w a                          t

S u n t a Mine (m (fM), Junan Nakagawa, S e
            i                                                                                   i
                                                                                                    -


tesu Kiriyama                      (fFil[IJ.iE£f)   und S h 6 e n Toriyama
(£5li!f£[sl)        ans     W'erk,       eine japanische     Ubersetzung des
anatomischen Werkes aus                       dem   Hollandischen zu beginnen,
eines   Werkes, welches urspriinglich von einem deutschen
Arzt,      Namens           Johann Adam K u m u s                   1           ,     verfasst
und spater           ins Holliindische iibertragen                 worden war.                 Es
hat ihnen so viele Miihe gekostet, wie                            Sugita            in seiner

Sch rift    Rangaku Kotohajime                                    (HlfMl^u)           angibt,
dass    sie         dariiber      vier    Jahre      lang     gearbeitet            und        das
                                          — 59 —
Werk            elf    mal    umgeschrieben habcn,                               ehe     sie     damit
zufrieden waren.
       Im        4. Jahre der An-ei-Ara (1773 nach Chr.) wurde
dieses          erste  ins  Japanische iibertragene anatomische
Werk            unter    dem     Titel    Ka        i   t   a   i



Shins ho ($W^),                           d.h.              ein

neues            Werk         fiber      Anatomie,
veroffentlicht.              Veranlasst         durch
die    ausserordentliche                Bescheiden-
heit    Mayenos,                  der     sich          von
selbstsiichtigen             Beweggriinden rein
erhalten          wollte,       zeichnete    Gem                -



paku              Sugita — sein             Kollege
und    Mitarbeiter — seinen                  Namen                        Gempaku         Sugita.

als Ubersetzer des                Werkes.
     Das neue anatomische Werk, das aus fiinf Banden
besteht, wovon einer die Tabellen enthalt, ist eine
                                                    fiir


die    japanische            Medizin      und           zwar          fur        alle   Zweige der
Wissenschaft epochemachende                                 und grundlegende Arbeit.
Die Publikation des                Werkes erwies                      sich        als    ein grosses

Verdienst,              durch    welches        eine                gewaltige           Reform        der

Medizin           in    Japan           herbeigefuhrt                 wurde.            Auf diesem
Gebiete           bewegte        sich    M aye no                    in     energischer Weise

weiter      ;    audi wurden von            ihtn einige erfolgreiche                           Abhand-
lungen zur hollandischen Sprachlehre herausgegeben. Kin
ganzer Kreis von gebildeten Arzten gruppierte sich urn den
grossen Mayeno, der den Mittelpunkt bildete. Von
diesen           Gelehrten,       meistens              seinen            Schulern,        die        eine

ruhrige Tatigkeit auf diesem Gebiete entfalteten,                                              will    ich

nur die hervorragendsten hier anfuhren                                     —
                Gempaku               Sug   i   t   a (teEH:£S               ,1733 bis 1817),
      der        sich    durch die        Herausgabe                      des obeu genannten
                                                              Co

Werkes                  Ka    i   t   ai S h i n              s   ho           in    Japan                das   grosste
Verdienst erworbsn                                   hat.         Er war                    ein         Mann von um-
fassender                   Gelehrsamkeit                         und               ausserst             freundlichem
Wesen. Ausser dem Kaitai Shins ho hat S u g                                                                         i   t   a
noch viele Werke verfasst. Unter ihnen seien                                                                            zu-

nachst genannt                            :   Yoka Taisei                                 (^^AJlt Handbuch
der         Chirurgie)                ;         Ter       i   aka          -   h5 -S a n                 (fizW'Mff'^th
Uber Theriak)                         ;       Yojd-Shichi-
Fuka mtk-k^J                                        Sieben Ver-
gehen               gegen                     die     Hygiene)
Ke      i   -       e   i         Yawa                    (M3&&M
Gesprache                    mit               dem         Schatten
eines               Menschen.                        Ein          Werk
iiber               arztliche                   Politik               und
Ethik)          ;           Rangaku Koto-
hajime                      (SS^^Jo                   Geschichte                      .   JjSLi'ili.1


                                                                                            Genzui Udagawa.
der Entwicklung der Rangaku).
            H o s h u Katsuragawa                                                     {fflWWM,               I750       bis

1808),              Hofarzt                   des     Shoguns,                      einer         der      txeschickte-

sten                Chirurgen                       seiner            Zeit.

Katsuragawa                                           war                  ein
Mitarbeiter desKaitai-shinsho
und wurde  spater zum Professor
an der medizinischen Akademie
zu Y c d o    (H SiSS Igakukan)
ernannt.                    Er hat                  das       Ka       i   j    6
B y6h6
  i                         (H'ih'H^Jj)                       verfasst,               /
die     erste               Monographie auf dem
Gebiete                 der           Schiffshygiene                           in            Gentaku Otsuki.
Japan.
            Genzui U d a                                  g a     w   a        (-;£[fljll#;l5a,     1 755 bis

1797),              welcher                   im     4.       Jahr             der         Kansei-Ara (1792)
                                  — 6i —
 das    Compendium medicinae                                          von Johannes
de      Gorter ins Japanische ubersetzte.
         Gennai Hiraga (^ftiJ^ffi 1733                      ,           bis   1779), ein
Naturforscher, der schon              im 7. Jahre der Meiwa-Ara
(1770) einige elektrische             Maschinen ausschiesslich nach
Abbildungen aus hollandischen Biichern erbaute.
        Gentaku Otsuki (J$ft#M                                    ,   1757    bis   1827),
Verfasser desRangaku K a                       i
                                                   -


tei      (MW=^B            Einfuhrung      in

die Rangakn), das im 3. Jahr der
Temmei-Ara (1783 erschienen).
Es ist dies die erste grammati-
sche Monographic iiber die hol-
landische       Sprache.         Ausserdem
hat er das     Kaitai-Shinsho
vollstandig         umgearbeitet       (1788
                                                                Genshin Udagawa.
herausgegeben).
        Genshin Udagawa                (^B3JI|^M-, 1769 bis 1834),
Verfasser                     Werkes I h a n T e i k 6
               eines anatomischen

(SfJSfifPDj das     n. Jahre der Kansei-Ara (1799)
                       im
herausgegeben wurde und aus
drei Banden besteht  es enthalt
                             ;



iiber   100 Kupfertafeln, die ersten
ihrer    Art Japan.
               in

        Zuio Unagami                   (#*_k           5^
HHg,       1757      bis     1810),    Ver-            j
                                                           ~-^A
                                         ;
fasser     eines       hollandisch-japa- ^E®,
nischen Worterbuches              Ha ma1               %
J is   ho {^J^^MIS),             des ersten
                                                                 Zuio Unagami.
Werkes auf diesem           Gebiete.
   Junan Nakagawa (4 jn$f/tf), ein Schiiler von
                                           J



Thunberg, Leibarzt am Hofe des Landesfursten
                                       — 62 —
     Saka    i    zu   Waka      s    a   .




       Die        Leistungen         der           genannten     Gelehrten          hatten
naturgemass weitere Fortschritte                        zur     Folge.        Es wurde
ein    System,         die   hollandische             Schriftprache          lesen        und
verstehen zu lernen und damit                         die     europaische         Wissen-
schaft     zur     Herrschaft zu               bringen, begrundet.                Dies     ist

die sogenannte           Rangaku          (MW?), das heisst wortlich " Die
Wisscnscliaft von          Holland" {Ran = abgekiirzter Name von
Holland,                Ga foi=Wissenscha.{t ). Die Begriindung
dieser      Schule       schuf eigentlich              erst    die    Basis        fiir   die
Entwicklung            der   europaisch-medizinischen                       Wissenschaft
in    Japan.
       Im wesentlichen erwarben                       sich der       Herausgeber der
Kaitai Shins ho                       (^f-ili^f^)Anhanger
                                                        und       seine
durch       die    Begrundung der oben genannten Rangaku
(M-^) hcrvorragende Verdienste                  um             den Fortschritt der
gesamten          Heilkunde      in       Japan.
       Im folgenden            soil       nun kurz berichtet werden, wie
sich     dieser        Fortschritt            in    Bezug      auf     die        einzelnen
Zweige der Medizin              ausgestaltete.


                                A) Anatomic.
       Zu    jener Zeit kannten die japanischen                             Arzte       gross-
tenteils     die       Anatomie nur nach dem chinesischen Sys-
tem.     Zwar war auch damals schon         die Anatomie nach
den Lehren der europaischen Medizin teihveise bekannt
geworden, aber die Vorstellungen vom menschlichen
Koiper       waren im grossen                      ganzen sehr ungenaue, zum
Teil     vollig        unrichtige.            So finden wir            z.    B.    in     dem
Oranda Geka Shi nan         (H^PeH^rtBl^) (1696 er-
schienen) nur 19 Knochennamen aufgefuhrt. Im Korper
                                       —     6-


sollen sich drei          Arten       von Gefassen bennden                  :    das erste
dient dazu das Blut              von der Leber, das                 zvveite      das    Blut
vom    Herzen nach den anderen Korperteilen                                 zu    treiben.

Das      dritte      dagegen          sind        keine          Saftwege,        sondern
Strange,       die    man       als    Organe der Empflndung ansieht
und  Nerubo (Nervus) nanate.   Das Blut stromt vom
Herzen und von der Leber aus.    Das des ersteren ist
rot und dunn, das des letzteren dunkel und dick. Die
Nahrung wird im Magen verdaut und                                  in    kleinen       Darm
zu Blut umgebildet.               Daraus kaim                man        leicht    ersehen,
dass sich       die    Kenntnis         der       Anatomie damals noch                    in

einem ausserordentlich traurigen Zustande befand.
       Der beruhmte Arzt Toyo Yamawaki (lilj^!^f^)
in    Kyoto hat schon im 4. Jahre der Horeki-Ara (1784)
die    Leichenoffnung            praktisch          ausgeiibt       und     cin    pracht-

volles    Werk Z 6 Shi                m~fc)       d. h.

Beschreibung              der     Eingeweide,
verofifentlicht.          Auf Grund          seiner
Beobachtungen                     gibt   Yama-
waki      in      dieser       Schrift eine ge-
naue Darstellung der Eingeweide.
Trotzdem konnten sich die Arzte
zunachst nicht von den chinesi-
schen Ideen iiber den Bau des
                                                                  Toyo Yamawaki.
menschlichen Korpers befreien.
    Unter solchen Umstanden hat das neue anatomische
Werke      K
         a i t a i S h n s h o das hervorragende Verdienst,
                                  i



zu     dieser      Anatomie als Wissenschaft in der
                   Zeit    die
medizinischenWelt Japans geltend gemacht und die
grosse Bedeutung des Studiums derselben eindriicklich
nachgewiesen              zu    haben.        Wie         tief   die    Spuren         waren,
welche      das       neue      Werk     iiber       Anatomie auf dem Boden
                                             -64 -
japanisch-wissenschaftlicher Anatomic                                   hinterliess,   beweist
ein     Blick      auf        die      Reihe         glanzender            Leistungen            auf
diesem        Gebiete.             Hierzu         erwahne ich einige                Literatur,

und     werde         eingehende              Beschreibungen,               urn     nicht         zu
wcitschweifig zu werden, durch dieses Verzeichnis ersetzen.

      Kaishi-Hen          ((jj?M§l Bericht iiber die           Zergliederung      einer       Leiche)
          vonNobuto Kawaguchi (MPfit1£)- x Band. 1772.
      Kaibo-Zu 0!j?|flJHI Anatomische Tabellen) von Tomon Yamawaki
                      1

          (Pljfil&r ?)-        *   Band.      J   775-
      Kaibo-Zu       (tfPSfliS)       von    Genshun Koishi              (/KETCtfe).      l    Band.
          1789.
      Kaitai Sagen (®?ttl&!i Einfiihrung in die Sektion) von Tajun
          Yuzuki $J;fcfc^)- I Band. 1799.
      Ihan-Teiko (Ut£$|$i Handbuch der Anatomie) von Shinsai Uda-
          gawa (^HJI|^^)- 3 Bandes. 1S05. Das Fundament dieses
          Werkes bilden die Werke von Brankarts, Parfin und Wins-
          low.
      Chotei     Kaitai       Shinsho             (MiTt&flUM^ Ganzlich umgearbeitete
          Auflage des Kaitai Shinsho) von                  Gentaku Otsuki (JzM~$LW)-
          13 Bande.           1S12.

      Seizo        (^HikSS Handbuch der Anatomic) von Tenzen
               Shikan
          Noro (2fS?cB> 12 Bande. 1S13.
      Kaitai Hatsumo (ft?f£§£;S£ Grundziige der Anatomie) von Koki
          Mitani      (HS&&>                ° Bande.       18 13.
      Kaitai Shin -y 6 (ffi$%L$$.W Uber die Anatomie) von                       Ryogen Kako
                        I Band.    1819.
          (ttl'S'Ki)-
      Dokan Shiroku     (»g§tl/.£ft Handbuch der Anatomie) von Bizan
          Koide OhffiM). 3 Bande. 1836.
      Kaitai Soku (MfSaJllJ Lehrbuch der Anatomie) von Ryotei Shingu
                      !
          (j(?l'$£'i}iJ!£)-   8 Bande.            1S58.   Eine japanische t'bersetzung des
          Werkes von Plenks.
      Parfin Kaibo Zufu (EffJ5ffi?8lJllllHI Anatomische Tabellen Par-
          fins) von        Hosaku       Saito (^flU^jft)-           l   Band.   Eine japanische
          L'bersetzung des          Werkes von Parfin.
       Die hier            genannten               Gelehrten        haben       sich          durch
selbstandiges Studium mit der                             Anatomie befreundet und
sie    haben         auch           verhaltnismassisf               viele       menschliche
                                          -6 -    5


Leichen            wahrend im allgemeinen zu damaliger
                seziert,

Zeit nur die Sektion von Hingerichteten gestattet war.
Die vortreflflichen Abbildungen in diesen Werken sind
nach eigcnen Beobachtungen gezeichnet, wahrend die
Ubersetzungen              der        hollandischen            anatomischen              Werke
nur zur Kollation benuzt wurden.                               Wenngleich wir vom
heutigen        Standpunkt aus uber die Werke dieser Gelehr-
ten lacheln, so            bahnten         tie        damals         doch eine          Reform
der anatomischen Kenntnisse in J a p a n                                 an.
       Ein      vortreffliches            Geschenk             ist      auch      den          zwei
Spezialitaten,         der Akupunkturund                      der      sogenannten             Sei-
kotsu-Jutsu (siehe unten!), durch den Erfolg                                    der anatomi-
schen Bestrebungen zu Teil                        geworden.             Die Akupunktur
ist   ein urspriinglich chinesisch-japanisches Verfahren, u bei
welchem         scharfe,     aber  Nadeln aus Silber,
                                          sehr        diinne
Gold oder Eisen an                                wo
                                   Nerven nahe an die
                                      Steilen,           die
Oberflache  treten, schmerzlos eingestochen wurden
gegen Neuralgie, Krampf und sonstige Schmcrzen. Da
bei diesem Verfahren natiirlich die Anatomie als die
Grundlage der Praxis, benutzt warden musste, so war
eine Art der Anatomie der ausseren Formen, welche
man      Keiketsu       ($£/C)           nennt,         schon         seit    den       altesten
                                 2)
Zeiten       ausgebildet.                Einen         grossen         Einfluss     auf         die
Keiketsu        gewann       die Einfiihrung der                      wissenschaftlichen
Anatomie         in    Japan.               Den Beweis                 clafur    liefern        die
Werke        Kotsu Kyo (Ml)                             und      Naikei Biran
(fid^M), von Sotetsu Ishizaka                                   (H^t^) verfasst, in
denen     die      darin     enthaltenen                anatomischen             Kenntnisse

  i)   Vergl.    Dr.   E.    Okada,              Uber    Hari        (Akupunktur) und          Kyu
(Moxenbchandlung)       in   Japan.         Centrablatt       fiir   die Grenzgcbiete d.        Me-
dizin u. Chirurgie.     Bd. VII, Nr.        II.   1904.
  2)   Vergl.    Die Anatomie            wahrend        der    rIeian-Z;it,     Ssite    12.
                                                     — 66 —
aus den europaischen Fachschriften entnommen sind.
        In        Bczug auf               die Gebiete der           sogenannten Seikotsu-
Jutsu (rfHHB)                  ist        das    Werk von           Bunken K a u m u
(&tS£©0,                 das        Seikotsu Shins ho (!!#»),                                      be-
sonders               bemerkenswert, weil                    darin        die     Knochen und
Bander nach den eigenen Beobachtungen des Verfassers
ganz genau beschrieben werden.    Als Hauptvertreter
dieser        Richtung              ist   noch bedeutender              Ryoetsu Hoshi-
no (MM&Ok),                     der,       nachdem           er    zuerst       viele    Sektionen
gemacht                und      die       BeschafFenheit            der     Knochen          genau
studiert hatte,                 im        10.    Jahre      der    Kansei-Ara (1798) ein
kunstliches Skeiett aus                              Holz   fertigte.   Weil damals die
Arzte nur mit grossen Schwierigkeiten                                       ein    menschliches
Skeiett in               die    Hande b^kommen konnten,                            so     hat     das
kiinstliche,              welches               so    ausgezeichnet          gearbeitet          war,
dass     man            es von        einem naturlichen ohne genaue Unter-
suchung                nicht        unterscheiden            konnte,       ihnen        grossartige
Dienste               geleistet.          Spater hat auch          Bunken Kaumu                    ein
kunstliches Skeiett aus                              Holz   hergestellt, das        ebenso aus-
gezeichnet gearbeitet war, wie das Skeiett                                        Hoshinos.

                                           E) Physiologic
        Erst            im     3.     Jahre der          Tempo-Ara (1836 nach                    Chr.)
wurde             unter        seinem japanischen
Titel    Igen Suyo (^1^^^),                                   zu
deutsch           :    die     Hauptgrundlage der
Heilkunde,                ein       Buch         iiber      wis-
senschaftliche                      Physiologie             von
C   h   6 e   i          Takano                      (i5ff £3S)
herausgegeben.                      Der     Inhalt dieses
Buches                griindet        sich       hauptsach-
                                                                           Ch5ei Takano
                          Werkc von Blumen-
                                                                                             "

lich    auf die
                                                           67      -
 bach           unci      Roosc.                Es       ist       bemerkenswert,        class       japa-
 nische Arzte aus diesem                                 Buche zum             ersten       Male     ihre
 Kenntnis                 der        europaisch                -   wis-
 senschaftlichen Physiologie schopf-
 ten.       In den darauf folgenden Jah-
 ren       wurden Richerands Nou-
veaux elements de physio-
logie von Genkyo Hirose {W<M
tc^)" und zugleich von Gempo
M     i   t s   uku     r   i       ffiWBW>                        ins
Japanische              iibersetzt.             Durch              die
                                                                           Genkyo       Hirose.
japanische              Ubersetzung der Ele-
ment a  physio1ogiae Ado 1p h                                              Y p e y s die im ,
                                                                                                3)


3-  Jahre der  Ansei-Ara (1856)                                             von     Genkyo
Hirose herausgegeben wurde,
ist   die         Lehre von der                 Irritabilitat
Ha Hers                den japanischen Arzten
bekannt geworden.      Ausserdem
wurden das Werk von P 1 e n c k4)
und das von L b a c k 5) ins Japa-
                                i


nische ubertragen.                         Dicse         Werke
wurden von den damaligen Arzten
mit frohem Herzen begriisst.                                              Gempo      Mitsukuri.


                                                C) Innere Medizin.
          Das Hauptgcbiet der japanischen Medizin,                                      die innere
Medizin,            wurde           erst    durch              die japanische        Ubersetzung

 1)       Jinshin Kyiui         (\% g&3L).           4 Bande.
 2)       Jinsei Kyogen         (\%MB.)-             * Band.
 3)       C/iisei   Ron     Offl/fefft).    3   Made.
 4)       Seiri   Soku (££|fllj) von R y 5 1 e i Shiny u                   .    1   Band.
 5;       Seiri   HatsumS (£3g^§g) von K an ay e Shi                           m amu    r       a
(&M> U                 Bandc.       1866.
                                                          — 6S —
des           Werkes von                     Johannes                              d e               Gortc                  r    stark be-
einflusst.                    Dieses erste ins Japanischc                                             iibertragene                       Buch
wurde im                      5.   Jahre der Kansei-Ara (1793 nach Chr.) von
Genzui Udagawa                                                (^[BJIliM)                              unter                 dem             Titel

Na        i   ka         Sen-yo              (ft^Bll:) publiziert. Danach hat                                                         CI16-
shuku Y o s h d a                      i           (iSBUekM) ein                            Werk            liber               das Fieber
Netsubyo Ron                                        (^^lw.                1881) verfasst.                                    Er       ist         ein

Schiller von G e n z                           it   i   Udagawa                                 und der                      erste prak-

tische          Arzt           fur innere            Medizin nach europaischem System
zu        dieser Zeit.                     Spater wurden                           die          Werke von Cons-
b       Anton
     r u c      h    ,"                              Stoe            r c      k    ,
                                                                                       2)
                                                                                                van                Swieten                         ,
                                                                                                                                                       ;)



Boerhaave, B                          4)
                                               i    s c   ho     rT,
                                                                         5)
                                                                              Con               r    ad        i
                                                                                                                   C)
                                                                                                                        ,   Lebert                 '\

T    i    s s   o    t
                         S)
                                   und       C      a n   s t   a    1
                                                                              9)
                                                                                            ins        Japanische                        uber-
tragen.                   Selbstverstandlich                          ist              es,           dass               diese          neuen
Werke damals                          grossartige Fortschrittc der inneren Medi-
zin in          Japan                 ermoglichten.

     1)       Taisei          Naika        S/'msei      (^^jft^ffcfiS)                          von         San-ei                    Ozeki.
(>bW.^$Q-                     3 Bande, 1824.
     2)       Ihd Kenki (g;#ffFg8)                      v0n     <•   ho shun Adachi (&£;&$).                                                           3
Bande.            1832.

     3)               (B%g$®W) von R an s u i Uno. Oj^-gj^)
              Seii Chiyo

     4)       Mambyo CMjwt (&£g^) von Scikcn Tsuboi (i^Mtft)-
15       ikxnde.

     5)       Iryo       Seuhi        (8&iE*S)                von        Gemboka                           It,.             (#&£#).                24
Bande.              1835.
     6)       Iso    Gyokkai        {^^^M)                von        Junzo Kodama                                           (!^3i!llg®>                3
Bande.          1S60.

     7)       Iryo       Shmsko flg$£f#) von                         II       s    h u       Tsubo                 i        (i?#}£$|).                 2
Btode.            1866.

     8)       Tissct      NoMa        She    (SMKftJft*)                      v0 »          R   )'   " e "         Em        a   (.M87II)-
     !   :ande.

     9)       Canstatt Ncdkasko (fflJftzkMftlffl?})                                    von S h         i   n   r   y         Ts   v   1> ..   i   ($$
#f£H)-               20 Bande.
                           Karl   Peter    Thunberg.
    Nacli   einem Kupferstich von Shuyen K on do in Nagoya. Dieses Bildnis
wurde im Kupferstichverfahren im Jahre 1828 hergestellt und dilrfte eines der ersten
sein, das auf dicse Weise in Japan reproduziert wurde.
                                                      -69 -
       Unter den europaischen Arzten, welche                                                                als   Gesandt-
schaftsarzte          nach       Japan kamen                            und        eiiien Einfluss                                       auf
den Fortschritt            in     der japanischen Medizin zu jener Zeit
gewannen, sind              in erster Linie                        zu nennen                    :




            Karl Peter Thun berg.                                                  Im               4.        Jahre                   der
  An-ei-Ara              (1775       nach Chr.) karn er                            als                  Arzt zur hol-
  landischen Gesandtschaft nach                                         Nagasaki                                  und un-
  terrichtete, gleichwie seine                                Vorganger, die Dolmetscher
  in     der        europaischen                          Heiikunde.               Seine                       damaligen
  klinischen             Vorlesungen hat                        Kogyu Yoshio                                               (W&l
  Wrtf
       1
           ),    der beruhmteste Schiiler                           Thunbergs,                                           gesam-
  melt und            spater         unter                den      Titeln          K m6 H                                i   j       i   k      i


  {%D&fflmZ),              Thunberg-Ku-
  den(          V a ^ jv '/ p %) und Komo-
  ryu       Koyakuho Vfc&timWS)
  publiziert.            Im jahre                     1776 be-
  gleitete        Thunbcrg                die hollandi-
  schenGesandten nach Yedo, und
  hier unterrichtete er                       auch cinigc                    A
  japanische             Arzte           in       der         euro-      '
                                                                             ffl

  paischen            Heiikunde.                      Von       sei-
                                                                                   K5gyn Yoshio
  nen Schiilern              in      Yedo                     seien
                                                                                                                             -




  zunachst            genannt        :        1   1   o   s   hu    Katsuragawa                                                  (   rii)   1




  MM)           und      Junan N a k a g a w a                                      (   '   I
                                                                                                1
                                                                                                    J   I   l^ffe)   .               Die
  beiden          letzteren          waren                die      Ubersetzer                           des       anatomi-
  schen Wcrkes von                        Ku mus      1             und damit                       die Begriinder

  der sogenannten                    Rangaku                  (sielie    oben!)

           B     cm h a      r   d   Keller,                       ein deutscher                              Arzt,              kam
  im       6.     Jahre      der Kansei-Ara                             (1794)              nach                  Yedo,
  woselbst          er     die       japanischen                    Arzte           in                      der   europai-

  schen Heilkunst unterrichtete.
                                                      — 70 —
          Hermann Retzke                                                aus           Deutschland,
Legation sarzt bei der hollandischen                                                   Faktorei    in     D   e   -


shima,                   begleitete zvveimal                           den hollandischen Gesand-
ten       nach                Yedo            .           Unter         ihm           haben    Gentaku
Otsuk               i         UsMlfM)                     und          andere          Arzte      die     euro-
paische Heilkunde erlernt.

          Herman n H e                                1   ke       ,   ein deutscher Arzt, Schii-

ler      von            Pie nek in Wien. Im 12. Jahre der
Bunka-Ara                 (181 5) kam er nach Nagasaki. Unter
ihm       erlernte             Ryotei Shingu                                         (W&tfrJM)    die     euro-
paische Medizin.

         Ph     i       1 i
                              p p    Fra              n z      von S         i   e   b o 1 d aus Wiirz-
burg.                   Er wurde im                       5.    Jahre der Bunsei-Ara (1822)
als      Arzt bei                   der       Faktorei in                 Deshima                 angestellt.
Da        ihn           das         Verlangen                   ergrirT,         naturhistorische          unci

ethnographische Studien                                        iiber     das          Land zu machen,
suchte er vor allem die Dolmetscher und einige Arzte
durch       seine              Heilkunst                      zu       gewinnen             und zu       seinen
Zwecken zu benutzen. Er liess es                                                     sich angelegen sein,
auf diese Weise das Volk und                                                          dessen     Regierung
naher kennen                    zu lernen.                     Die      Ilcilerfolge,         welche      von
S   i   e b o   1       d aufzuweisen hatte, haben bewirkt, dass ihm
als      erstem Europaer das Recht eingeraumt                                                     wurde, in
Nagasaki                        arztlichen                     Unterricht              zu     erteilen     und
Praxis auszuiiben.                        Er          gri'mdete          dann eine medizinische
Schule          zu            Naru        t       a   k   i    bei      Deshim a    und bildete
dort einige Schiller zu Arzten                                           aus.          Spater machte er
auch Krankenbesuche                                       in    den      Privat-Wohnungen von
Narabayashi                               und                 Yosh       i   o   ,     woselbst    er     seine
Schiiler klinisch                     und praktisch                          auf       dem     Gebiete     der
Medizin unterrichtete.
                                                 — ;i —




                                Philipp          Franz     von      Siebold.
      Nach    eineni    von dem beriihmtcn japanischen Botanflcer              Kanyen Iwasaki
gezeichneten     Bilde.        AIs    Siebold im       Jahre 1326 nach     Nagasaki kam, wohnte
Iwasaki        bei     ihin,    urn    Botanik    zu   Studieren.   Urn diese Zeit       soil   Iwasaki
das   r.:!d   seines     Lehrers        nacli    dem    I.eben   <:ei-cichnet   haben.
                                                             — 72
             Unter den                        Schulern             S   i       c b o   1   d    s   sind   vor alien
zu          nennen       :           Seikai Totsuka                                        (F$$Mf&),            der be-
riihmte Chirurg                           ;        Gemboku
It 6          ({?3C£;JH                           der        beruhmte
Kliniker           ;    Gendo Takeno-
uchi              tffrft£IS), ebenfalls Kli-
niker         ;        Genseki                                Habu
{i-^llffi),                          der                  bcriihmte
Augenarzt,                           der               schon         urn
i8co eine eigentiimliche Irridek-
tomie erfand                     ;   Choei Taka-
n o           (i^^S^), der                               oben        ge-                    Seikai Totsuka.

nannte Verfasser des Werkes                                                iiber       Physiologie          ;    Ry6     -


s   a   i    Ko        (iKii^f), der                     Augenarzt               in        Osaka.               Diese   in

der europaisch-wissenschaftlichen Medizin ausgebildeten
Arzte beschaftigten sich praktisch                                                 init      ihr, wahrend die

Leistungen der ubrigen                                         und         ihrer           Vorganger sich im
allgemeinen nur auf theoretischerh Gebiete bewegten.
            Mohn             i       ke       ,        der    im       i   .     Jahrc              der    Ka-ei-Ara
(1848             nach               Chr.)              nach         N*a g a           s    a   k   i                 Ihm
gebuhrt                das            Verdienst,                    die
Impfung            in        Japan                       eingefiihrt
zu          haben.               Im               7.    Jahre       der
Bunsei-Ara                   (1824)                    soil    Phi-
lipp              von                Siebold                       zum
ersten            Mai Lymphe aus                               Java
nach         Japan                   importicrt, spater
im          10.    Jahre              der              Tempo- Ara
(1837)            Lischur                     in        Deshima
                                                                                               Gernboku     I   to.
mit          aus        Java                           eingefiihrter
Lymphe geimpft haben. Die Vakzination zeitigte jedoch
damals keine Erfolge, da die Lymphe durch die lange
                                               ~73 —
     I^agerung ihre wirksame Eigenschaft eingebiisst hatte.


       Ausser den              bereits           erwahnten Lcistungen               ist   noch
hervorzuheben,            class      zu         clieser    Zeit die      Einfuhrung        der
Werke des beriihmten deutschen
Arztes   C hr stoph       ii 1
                               -                     W
helm Hufeland                             einen gros-
sen    Einfluss          auf den Fortschritt
in     der        japanischen                    Medizin
gewann.Hufelands Werk
Enchiridion   medicum
oder        Anleitung               zur         medicini-
schen     Praxis, Vermachtnis einer
                                                                     Gendo Takenoucbi.
funfzigjahrigen           Erfahrung                 (1833,
Berlin),             welches                  spater       von       H a ? e ra a a u      ins
Hollandische iibersetzt                        wurde,      drang      sofort   in   Japan
ein.     Koan Ogata                           (ft^^f^)          iibersetzte    einen      Teil
dieses   Werkes, und zvvar gerade den                                  wichtigsten,       wel-
chen     Hufeland               mit           dem    Titel      Praxis bezeichnet         hat,
zuerst      ins    Japanische                   und       pu-
blizierte       diesen        irn    14.       Jahre der
Tempo- Ara           (1843).                  Tatsachlich
brachte         dieses          Werk,               welches     |
Hush        i   Ke   i   k    e n    Ilcuu             (ViBc     1
I?®IjSP1)         betitelt           wurde,               den
damaligen japanischen                          Klinikern
einen grossen Gewinn                      ;    es    zeigte
ihnen,      wie    sic        systematisch                die
                                                                        Koan   Ogata.
Kranken behandeln konnten.  An-
dere Teile des oben genannten Werkes                                       Hufelands
iibersetzte       Seikei Sugita                            (UR$ffll)      ins Japanische
und    publizierte sie unter                     den Titeln          Saisei         Samp 6
                                                       74    —
(8§&H3f Die                drei Kardinalmittel                      der   Heilkunst)       und       I   -


Kai       (Wl& Die Verhaltnisse des Arztes). H u f e 1 a n d"s
Werk       iiber Kinderheilkunde wurde von S 6 d o Hori-

uchi $Hftf^£)                        ins        Japanische
iibertragen           und            im         io.     Jahre
der      Tempo - Ara                  (1839)            unter
clem      Titel      Yoyo Seigi                         (SHd
lull) herausgegeben.                        Ausserdem
wurden           Hufelands                            Werke
iiber    allgemeine Pathologie,                          Dia-
gnostik und Vakzination auch von
verschiedenen                  anderen            Autoren
                                                                            Seikei Su^ita.
ins japanische iibertragen.                            Durch
die     Ubersetzung                  seiner           wertvollen           Schriften      ist       der
grosse         Name         H       u fe    1   a nd     s        auch    denjenigen       Arzten,
welche          menials             eine        fremde             Sprache      erlernt        hatten,
vollig     vertraut             geworden.                    Bemerkenswert              ist,       dass
H ufelands Werk                                 zu     dieser
Zeit   — 1858 —        als die         Cholera           zum
ersten         Mai     sich         iiber       das ganze
japanische Reich verbreitete,                                als

das     wichtigste             Lehrbuch               betreffe

Behandlung                 dieser               Krankheit
empfbhlen            wurde.               Auch          nach-
dem     die     Jennersche
                      Methode
                                                                                  y
dcv Kuhpockenimpfung am Ende
                                                                            Sodo Horiuchi
der      ersten        Halite          dieses           Jahr-
hunderts        in   das Reich                  eingefuhrt           worden      war,     benutzte
man noch Hufelands Werk                                            als bestes    Lehrbuch der
Schutzimpfung.                      So scheint               es    uns,   als   sei   der grosse
Name       II   u fe   1   a   11   d durch            seine        wertvollen Schriften in

J a p a   !i    ebenso bekannt wie                       in       D e u t s c h la n d         .
                                          — 75 —
                                 D)        Chirurgie.

       Wenn       auch      schon          Einiges          aus        der     Technik der
europaischen Chirurgie den japanischen                                  Arzten      seit   etwa
300 Jahren         bekannt            geworden war,                    so vermochten              sie

doch diesen Zweig der Heilkunst                                 erst    durch       das    Y6         i


Shinsho (1MWWW,                           " Neaes          Werk          ilber    Chirurgie"
von     Gempaku Sugita                              (t^E^S) und                  Gentaku
Otsuki          {XtffcP'M) (1822                nach   Chr.)           genauer       und aus-
fuhrlicher      kennen zu             lernen.          Es       ist    dies eigentlich die
japanische       Ubersetzung               eines       Teils           des     Werkes von
Lorenz Heister,                           indem es aus diesem                      die Einlei-

tung und die           Kapitel iiber Operationen,                            Wunden, Ver-
bandlehre, Aderlasse, Knochenbruche und -Verrenkungen
wiedergibt.       Eine Ubersetzung des                      Compendium                        i   n   -


stitionum chirurgie um                                     von        Joseph Jacob
von Pie nek       in    W   i   e n       wurde im         3.   Jahre der Tempo-Ara
(1832)    unter       dem       Titel       Yoka Shin sen                           {^fW\Wi)
von    Kincho           Sug       i   t   a (££EHB§§)             publiziert        und war
eigentlich      das    erste      systematische                  Lehrbuch der euro-
paischen Chirurgie in             Japan.
       Ausserdem         verdienen               von       chirurgischen             Werken,
die damals von japanischen Arzten verfasst                                     wurden,            die
folgenden      Erwahnung

      Kaijo Biyoho     ($£_rJni3c;2;) voa           Hoshu Katsuragawa               (&U)|HfJD)-
         2 Bande.
      Geka     Shako    (mW^J)             v '^ n   Genkan            Otsuki     CfcfSL£®0-           2
         Bande. Eine Ubersetzung von                Lorenz Heisters Werk                      iiber

         die   Verbandslehre.
   Yojutsu Chishin (WM'f&'fti lT berdie Technik der Anusoperation)
       von Genkan Otsuki CfcjR£f)0. 3 BSnde.
   Geka Hitsudoku (ftfa>j&fSl Uandbuch der Chircrgie) von Gerrjpo
         Miteukuri QSffcSSlf).              x   3 Bande.
   Tittmann Gekasho (aiisfi^r?*®) von Takudo                                   Funabiki    (,M
                                          - 76-
          &'M.)    Eine       Obersetzung      <lc^    chirurgischen           Werkes von             Titt-
          inann.
      Selius    Gekasho          (fllgljlt^-flft) von        Shunsai Otsuki (JzMfeB)-
          30    Bande.       Eine      Ubersetzung       des    chirurgischen Werkes von
          Selius.
      Geka-Iho (*r£rl£}£) von Takanaka Sato (f£g|£M»).                                      24 Bande.
          Eine Ubersetzung von            Stromeyers                Lehrbuch der Chirurgie.
          1865.
      Kyuri     Gekasoku QfiMPYftW von Ryotei Shin^a                                   (^TfgisCJg).
          2 Bande.
      Juso Sagen (^giJJ?ta" Einiges iiber dchusswunden) von Shunsai
          Otsuki CfcTO3£). 1 Band. 1S54.

        Mit der Darstellung der Fortschritte                                   in    der Chirur-
gie     wahrend dieser Zeit mochte ich mich nicht zu aus-
fuhrlich befassen,               doch mogen            als       hervoragendere Chirur-
gen jener Zeit Erwahnung finden                          Seikai Totsuka
                                                             :




(F>&%?M),         ein Schiiler           von       Siebold, der beriihmteste
Chirurg dieser           Zeit,        wurdc im 5. Jahre der Ansei-Ara
(1858)     zum       Leibarzt          am Hofe des Shoguns ernannt
(siehe oben!).
        Taizcn Sato                    (iicJiUM?&) hat              unter       dem     hollandi-
schen Arzte N            i   e   man      in    Nagasaki                      die chirurgische
Technik         erlernt,         kehrte       im      11.    Jahre            dev    Tcmpo-Ara
(1840) nach        Ye do            zuriick,        wo      er     sich       als    praktischer
Arzt     niederliess.             Spater siedelte            Sato             nach    Sakura
iiber   und     griindete hier ein              Krankenhaus.
        S e i sh u       Hanao k a                  (MJWtffl,             1   760     bis        1
                                                                                                     835),
der fruher die Keilkunst nach                            chinesischem System                           be-
triebea       hatte,      bildete        sich       selber         in   der         curopaischen
Chirurgie        aus,        nachdem           er     einige        japanische          Uberset-
zungen hollandischer Werke                          iiber    Chirurgie gelesen hatte.
Wir     besitzen von             ihm    verfasste           chirurgische Biichcr, aus
welchen         klar         hervorgeht,            dass         Manaoka                    in        den
theoretischen           Abschnitten                seiner         Schriften           zum            Teil
noch     de:i     Ansichten             der    chinestschen               Chirurgie              folgt,
                                                  77

wahrend dagegen                     die praktischen Abschnitte seine eigene

spatere        Erkenntnis             durchblicken              lassen,     deren    Haupt-
grundlage           das         europaische         System        ist.     Die Chirurgie
Hanaokas                 stand auf einer sehr
hohen         Stufe.           Unter den          durch
Hanaoka zum                     ersten     Male     aus-
gefiihrten          Operationen              kommen
in        erster   Linie        Exstirpation von
Tumoren,            besonders            von      Brust-
krebs, Amputation                      der        Extre-
mitaten,            Cheiloplastik,             Opera-
tionen        der            Hydrozele,      Zungen-
                                                                         Taizen Sato.
krebs,        Fistula          in    ano     u.    s.   w.
vor.         Gegen            Blutungen        warden           Kompressen,         ortliche

Ligatur            der        Gefasse      und      Kauterisation           in    rationeller

Weise verordnet.                     Besonders wichtig              ist   die    Einfuhrung
                                                                            x)
der schmerzlosen Operation in der Narkose.
           Gencho Momma                           {-fctuMM), der           ausgezeichnete
Schiller           des           oben        genannten
Chirurgen,           der         spate r     unter       von
Siebold            seine        chirurgische Kunst
weiter ausgebildet hat, envarb sich
um        die operative Seite              der Chirur-
gie        bedeutende           Verdienste.             Sein
grossartiges                  chirurgisches             Werk
Y 6 k a Hiroku                       (g£$$B&),          d. h.
" iviclitige        und Praxis der
                    Theorie
                                    Seishu Hanaoka.
CMrurgie" welches aus 19 Banden
besteht, veranlasste  den Aufschwung der japanischen
     1)Zur Betaubung benutzte Hanaoka eine Abkochung aus 5 Krautem
in  Getrankform   Akonitum, Datura alba, Angelica, Ligusticum, Cano-
                         :


selium. In einer Tasse heissen Wasscrs cin Paar Minuten stdien lassen,
den Abcruss niichtem trinken.
                                                7   8-
Chirurgie.         Von dtn glanzenden Taten                                     Homraas                   heben
wir    in aller Kiirze            folgende              hervor         :           im   4.          Jahre der
Ansei-Ara          (1857)    fthrte         er       di e       Amputation der Ober-
schenkel eines an Gangran crkrankten Patienten aus, im
5.    Jahre       der Ansei-Ara (1858) Steinschnitt durch Sectio
lateralis,       ausserdem andere schwierige Operationen, selbst
Exstirpation der Varicocele mit gutem Erfolge.

                             E) Augenheilkunde.
       Durch        die    japanische               Ubersetzung der                              Lehre von
der Augenheilkunde von                  Plenck                    in       Wien                 ist   die euro-
paische          Augenheilkunde zuerst den japanischen Arzten
bekannt geworden.                 Dieses neue ophtalmologische Werk,
welches          von    Kincho Sugita                                  (t^IBS5§)                    ins    Japa-
nische            und im
             iibertragen                                12.

Jahre der Bunka-Ara (18 15)                         her-
ausgegeben             wurde,     ist    betitelt           :



G a n k a Shinsho                       (B&ftff^,
Neues     Werk           iiber    die       Augen-
heilkunde).
      Hiernach wurde das                Ganka
Kinno            (flftftMS von          F   u   i   c   h   i


Honjo            foBH$'— )       veroffentlicht;
                                                                           Gencho Homma.
dieses    Werk          lesen wir mit               dem
grossten Interesse, weil sich darin ein Vergleich zwischen
den Ansichten der europaischen und chinesischen Augen-
heilkunde in Bezug auf Theorie und Praxis findet.
       Von       grossen Ophtalmogen dieser Zeit seien zunachst
genannt      :



         Genseki Habu (±$i£M                                               ,       1768         bis       1854),
     Leibarzt      am Hofe        des Shoguns, erlangte als Gelehrter
     der Augenheilkunde einen guten Ruf.                                               Habu            hat die
     curopaischc        Augenheilkunde                      bei        S       i   e   bo   1   d     studiert,
                                                — 79 —
     der im 12. Jahre der Bunsei-Ara (1829) nach                               Ye do   kani.
                  Ryosai Ko                (^^.^, 1799           bis    1846),   einer der
                        Siebolds, wohnte spate r in
     beruhmtesten Schiller
     Osaka und beschaftigte sich mit der Augenheilkunde.
    Im wesentHchen bezeichnen die Arbeiten von B a u -
duin    welcher im 1 Jahre der
              ,                           .




Bunkyu-Ara (1861) nach Naga-
saki kam, eine neue Epoche in
der japanischen Augenheilkunde.
Der Augenspiegel nach Helm-
holtz, Atropin und einige andere
Medikamente wurden                         seit   Ba    u   -


du    i   n       in     Japan           angewendet.
Ausserdem sollen     die  Opera-
                                                                       Genseki   Habu.
tionen   gegen Strabismus und
Plastik des Lides zum ersten Mai                                 von        ihm ausgefuhrt
worden sein.
                                        F) Geburshilfe.
          Es kann keinem                Zweifel unterliegen, dass der oben ge
nannte            Gen-etsu Kagawa
(SJU£$), der                    als   Reformator der
Geburtshilfe               in    Japan            zu   be-
zeichnen               ist,      die      Grundlagen
seiner            Kunst         in     einer    europai-
schen Schrift gefunden hat,                           wenn
er   auch gemass seinen eigenen
Beobachtungen                    als    Geburtshelfer
mancherlei               veranclert            hat.     In
                                                                        Ryosai   Ko.
dem im              2.    Jahre der An-ei-Ara
(1773)        verfassten              San-iku-hen                (M'flWi)     von   Bum-
paku Yamanobe                             (\l\M%i&) und im             3.   Jahre der An-
ei-Ara (1774) publizierten                      Sanka           Hatsumo          (MffiW'M)
                                                       — 8o —
von      Kakuryo Katakura                                         ()YM          t)    konnen      wir
Rcferate               aus         engllschen              und
hollandischen                          Schriften          iiber

Geburtshilfe finden.
        Unerwahnt                  bleibc nicht, dass
Operationen                   sowie           Instrumente
von       clen          japanischen                    Geburts-
helfern              jener        Zeit        angewendet
wurden.               Ausscr der               Extraktion
bei       Fusslage,                    der      Wendung                   Sansetsu Mizuhara.
auf          den             Kopf,            der  Wen-
dung             auf          den            Fuss,        der      Perforation             mit    dem
scharfen               Schliisselhaken                   kommt        noch           die     Extrak-
tion mit der Fischbeinschlinge                               {Tanganki $«8i3l)               in   Be-
tracht.               Diese             Operationen              sollen

Anfangs des                  19.       Jahrhunderts          gleich-
zeitig,          und          zwar           unabhangig            von
einander,              Sansetsu Mizuhara
(7j;K*H#r)             und Ransai Kagawa
(SlJMHI?) erfunden haben.                                Die Fisch-
beinschlinge               n (     )      wurde,           nachdem
man      sie in         heisscm              Wasser erweicht
hatte,       angelegt,                 mit    einer       iiber    die
beiden           Endstucke                   laufenden          Fisch-
beinplatte             ('>)      geschlossen             und dann
die   Enden             in    einen          holzernen Hand-
griff    (   4   )    gesteckt,              den der Geburts-
                                                   ;




helfer ergreift                  und so        extrahiert.     Da
diese Operation :,aber haufig                            am Kopfe          ||



des          Kindes                blutriinstige             Stellen
hinterliess,             benutzte            .Randai Ka-
gawa                  (SjllflfifSE)           an        Stellc     der               Tanganki.
                                            ;i
                                                  —
Fischbeinschlinge              bei    der Extraktion            ein seidenes       Tuch
(o) [Tento-ken $12011), des mit                        Hilfe       zweier Fischbein-
stabchen       (   A   )   um den Kopf       des Kindes gelegt und dann
mit einem eisernen Spatel ('"0 festgezogen wurde.                                  R a n-
ko   Kagawa                 (3?JHfUiO hat ein seidenes                Band an      Stelle
des Tuches bei dieser                 Operation angewendet (Sei-Ochu
*&$iM)-            Zum       gleichen     Zwecke gebrauchte                  Ryutei
Tatsu      n o (IrMMM.) ein seidenes Netz [Hotoki




        Tento-ken.                                              Sei-o-chu.


                               G) Seikotsu-Jutsu.
     Die           Seikotsu-Jutsu       (SE#flf)       war      eine    Schule       der
chirurgischen              Behandlung,      die       sich     ausschliesslich       mit
Knochenbruchen                und     -Verrenkungen                beschaftigte.     Sie
wurde     in       der      zweiten     Ilalfte    des       17.    Jahrhunderts      in
                               — 82 —
Japan     gegriindet,    und    die   Behandlung der Falle nach
ihrer   Regel   von    den     Spezialisten,   Seikotsuka   ,   {$k¥i%),




                      Hotoki   nach   Tatsuno.
                                                    -8 3 —
d. h.  Chirurgen, welche ausschliesslich Knochenbruche
und Verrenkungen behandeln, mit grosser Geschicklichkeit
betrieben. Was die Bedeutung dieser Schule anbetrifft, so
wiirde      es    zu      weit            fuhren, hier eine nahere Schilderung
davon zu geben                 ;    nur das Eine              mag erwahnt            werden, dass
die gewaltigen Fortschritte                              der Seikotsu-Jutsu             besonders
durch       die Leistungen                     von       Ken Ninomiya                     (mfJiJO
und       Bun ken Koumu                                   (fef%
jCffl.)   herbeigefiihrt wurden.                            Wir
heben           hier       einige                  wertvolle
Werke auf diesem                          Gebiete her-
vor   :     i)         Seikotsu  Han
(iE'H'fS)   von        Ken Ninomiya,
2)   Seikotsu                  Sh     i   11   s    h o (|g#
iffli)    von     B    11 11       k en        Koumu,
3) Seikotsu Yoketsu (^#
3oi'0 von Gento Yoshiwara                                                 Bunken Koumu.




          Die     Leistungen                       der   in   den        obigen       Abschnitten
genannten          Gelehrten                   und        ihrer    zahlreichen          Anhanger
hatten      naturgemiiss                  weitgehende Folgen.                        Schon im 4.
Jahre      der     Ansei-Ara                       (1857)     richteten        die    hollandisch-
medizinisch            ausgebildeten                     Gelehrten            eine   medizinische
Schule [Shutojo            WiaJffi) in               Ye do        cin.    Spater(i86o) ging
diese Schule in die                       direkte         Verwaltung der Regierung
uber      und     wurde             als        Seiyo        Igaknjo       (WlfcWl^ffi),     d. h.
europaisch-medizinische Anstalt bezeichnet.                                          Direktor war
zuerst      Gemboku                            I   to     (&M&1fr) diesem folgten
                                                                          \


Tokai Hayashi (WWi)                                        und Shunsai Otsuki
(XWfiffit),       und diesem endlich                          KoanOgata                (mWWi).
                                                            -8 4 -
Im        3.   Jahre der Bunkyu-Ara (1861) wurde die Organisa-
tion dieser                Schule               verandert               und           Ryojun Matsu-
moto             ({&^&flSU                zum           Direktor             ernannt                Sie       ist    wohl
als       der         Uranfang der heutigen medizinischen Fakultat
der Universitat zu                             Tokyo               anzusehen.
          Im         1.   Jahre der Man-en-Ara (i860) errichtete                                                    Ryo-
jun Matsumoto                                       auf Befehl des Shoguns ein Hospital
in        Nagasaki,            welchem medizinischer Unterricht
                                               in

erteilt         wurde, und zwar teils von hollandischen, teils von
japanischen Arzten.                                 Unter den ersteren                        istPompe von
Meerdervoort,                                           ein       hollandischer                    Marinearzt,         in

erster           Linie          zu       erwahnen.                  Er        unterrichtete                  die japani-
schen            jungen              Arzte                  ganz        nach
europaischem                     Muster.                    Zu seinem
theoretischen                    Unterricht                       benutzte                              -^IB* ,1




er        die         hollandische                      Ubersetzung                               jfJ    —     Jf
von       Virchows                        Zellularpathologie
und            Wunde                 r   1 i   c    h   s     Handbuch                I




der        praktischen                    Medizin.                 Erwah-             j




                                                                                              "
nenswert                  ist    ferner,                    dass        y.wcl             .




Schiller              aus        dem                Nagasak                   i
                                                                                  -



Hospital              Scitokukan                    (fraf"£S),          Ho-           '




                                   Pompe van
s e   i    1 1   6 und Hajime
                          {®%1$m
                     ,.,,,-,*.
                       ,     n,   Meerdervoort.
Hayashi <Mi[tL), im Jahre 862                                 ,
                                                                        1


als erste Studierende nach Holland gingen und an
einer der dortigen Universitaten studierten.                                                            Nach Pompe
van Meerdervoort kam Bauduin                                                                             im    2.   Jahre
der Bunkyu-Ara (1862) nach                                              Nagasaki                        an    Stelle des
ersteren, seit                  dem            1.   Jahre der Keio-Ara (1865) dagegen
war        Mansfeld als Direktor                                            tatig.

           Auch in Kyoto wurde                                               eine medizinische Schule
/unset Shorn                    (HJSJEtSBc)                  im    1.   Jahre der Bunsei-Ara (18 18)
                                                  S5

von  Ryotei Shingu (W&&M) gegriindet. Die
Ubersetzungen der Werke von Roose (Physiologie),
Blumenbach (Physiologie), Plenck (Anatomie,
Chirurgie, Gynakologie unci Kinder-
heilkunde),       C   o n   r       ad    i    (Allgemeine
Pathologie),           Gorter                       (Innere
Medizin      unci      Chirurgie),                Stoerk
(Innere       Medizin),                       Boerhave
(Innere       Medizin),                       H u fe   1   an d
(Innere Medizin),               Heister            (Chirur-
gie), Ip e y (Pharmakologie) wurden
hierbei als   die wichtigsten Lehr-
                                                                          Ryotei Shingu.
bucher benutzt.
       Ausser         den           oben         genannten             drei   medizinischen
Schulen      bestanden    auch                    einige      europaisch-medizinische
Schulen      in   den anderen Provinzen, von denen                                  vor alien
zu erwahnen sind                :




      Soyukwan    OttJisf)           in       Kanazawa.     Im    Jahre 1854 gegriindet
      Terashima       Gakumonjo                 (^MiTr)           in   Tokushima.    Im    Jahre
          1S5S gegriindet.
      Koseido C&J^^jt) in Yonezawa.
      Seitoku Shorn (figffitfPS) in Sakura-
      Saiseikwan (g|£gt) in Fukui. Im Jahre 1S56 gegriindet.
      Kodokwan (&ilt|) in MitO- Im Jahre 1837 gegriindet.
      Igakko (W&&0 in Hagi. Im Jahre 1S40 gegriindet.

       Aus    clem      oben              Geschilderten geht deutlich hervor,
dass die in       Japan                  eingefuhrten hollandischen                 medizini-
schen     Blicher,          die      ursprunglich            von        deutschen     Arzten
verfasst waren, schon                         nach einigen Jahren             ins Japanische

iibertragen wurden.  Ks sind nur die bedeutendsten dieser
japanischen Ubersetzungen hier genannt worden. Ausser
den   europaisch - medizinischen   Buchern wurde auch
wahrend       dieser Zeit eine                    ausserordentlich grosse             Anzahl
                             — 86 —
von Werken von den Griindeni den chinesisch-japanischen
medizinischen Schule verfasst. Doch kann ich cliese
hier nicht aufFuhren,   da der mir zur Verfligung stehende
Raum   es nicht gestattet.
                                        -s 7



                   IX. Die Meiji Zeit.

       [Von 1868 nach Chr.                            bis zur Gegenwari:.]

       In Folge der grossen politischen                               Umwalzung im                  I.

Jahre des      Nengo     Meiji (1868 nach Chr.)                             wurde auch            ein
systematischer Unterricht auf medizinischem                                        Gebiete ein-
gefuhrt.     Der     englische           Arzt                 Willis war      auf Grund
seiner Heldentaten         im       Biirgerkriege                     wahrend der prak-
tischen Umwalzung im Jahre 1869 zum Professor an
der medizinischen Akademie zu Ye do und zum Direk-
tor   des    dazugehorigen              Krankenhauses ernannt worden.
Es gelang ihm, den medizinischen                                      Unterricht daselbst
nach englischem Muster einzurichten.                                   Dessen ungeachtet
war    die Tatigkeit      dieses englischen                          Arztes       ohne       tiefere

Folgen, weil einige Professoren aus                                 Deutschland an               die
neu    gegriindete       Universitat                  berufen          wurden,        nachdem
K 6 a n Saga r a              ;         ?
                          (i |]f§:3i, ic)             und       Jun     I   wasa          (-^tfcffi.),

die damaligen        Rektoren der Universitat,                               an     die     Regie-
rung    eine    Denkschrift             gerichtet               hatten,      in    welcher        sie

darlegten, dass zur Zeit die deutsche Medizin den ersten
Platz in der       Welt einnahme, und dass darum unser medi-
zinischer      Unterricht  im wesentlichen nach deutschem
Muster eingerichtet werden musse.

       Unter    solchen           Umstanden                     kamen        die     deutschcn
Militarazte Oberstabsarzt                   ?vl   u   1   1   c r   und Stabsarzt          II o ff-

man n       nach   dem   rleutsch-franzosischen Feldzuge                              von 1871
als    Professoren       an       die        Universitat               zu    Tokyo              (das
ehemalige      Yedo).             Durch           die Tatkraft              der    leztgenann-
                                                — 88 —
ten Gelehrten wurde der                               Grund dazu                        gelegt,           dass           die

Schiiler der Universitat in vier Jahren                                                genaue Kenntnisse
der deutschen und lateinischen                                       Sprache, der Mathematik
und          Geometrie,            und        der      Naturwissenschaften,                                 als          da
sind Botanik, Zoologie,                             Mineralogie                   u.    s.   w.   gewannen,
um       dann Schritt vor Schritt                     in   einem Zeitraum von 6 Jahren
in die medizinischen Kenntnisse                                          und die klinische Tatig-
keit eingefuhrt zu werden.                             Die Tatigkeit von                                  M     ii 1 1   e   r

und          H o ffm a n n          ,    welche naturlich nur mit aufopfernder
Miihe und unter den grossten                                         Schwierigkeiten                       ausgeubt
werden konnte, war aber nicht vergeblich.         Die gross-
artigen Leistungen ihrer Nachfolger \V e r n i c h Gierke,                                            ,




Schulz,D6nitz, La,nggard,Disse, Ziegel,
S c r i b a und B a e 1 z haben die Erwartungen ihrer
                                                ,




Vorganger schon in den darauf folgenden Dezennien in
Erfullung gehen lassen. Ausser an der Universitat zu
Tokyo vvaren ziemlich viele europaische und amerika-
nische             Mediziner            in     dieser            Zeit            an      anderen                Statten

Japans                  tatig.     Von        diesen         sincl               bcsonders        zu            erwah-
nen   W heel e r (1871
         :                   874), Anderson (1 872   bis         1


bis 1879), im Marinekrankenhaus zu Tokyo; Mas-
s a si   Manning, Beukema im Provinzialkran-
              ,




kenhaus zu Tokyo;        Eldridge im Stadtischen
Krankenhaus   zu   Yokoha m a K r merins im                                  ;




Provinzialkrankennaus                           zu         ( )       s   a   ka    ;
                                                                                         J u n    k       e r      vo n
Langegg                       (1872      bis         1876),              Man sf eld                   (1876              bis

(1S77),            Scheube              (1877 bis           1881) im Provinzialkranken-
haus              und        an   der medizinischen                          Schule          zu           Kyoto;
Junghaus, R 6 r e 1 2                                 im         Provinzialkrankennaus                                    zu
Nagoya                   .




             Es     wurde          zu        weit     fuhren,                die       ausserordentlichen
Errungenschaften                   fur       unserc medizinische Wissenschaft, die
                                  -8 9 -
                                     Lehrern verdanken,
wir Japaner in erster Lime deutschen
ausfuhrlich zu besprechen.


                                                 nur    den    gegenwartigen
      Im folgenden mochte                 ich
                                                      kurzen       Worten    schil-
Stand der japanischen Medizin                   in

dern.
                                                   an der
      An Lehrstuhlen der medizinischen Fakultat
                                      Zeit je 3 fur Ana
                                                        "
Universitat zu T 5 k y 6 bestehen zur
                                                                           Physio-
tomie, Pharmacie,   4 fur Innere Medizin, je 2 fur
                                                   Pharma-
logie,   Pathologie und pathologische Anatomie,
                             je     einer       fur   medizinische         Chemie,
kologie,       Chirurgie,
                                          Augenheilkunde,            Kinderheil-
Pharmaceutic           Orthopadie,
                                  Laryngologie, Dermato-
kunde, Zahnheilkunde, Oto- Rhino-
            Syphilidologie, Gynakologie und
                                               Tokologie,
logie     und
                                                Diese sind
Hygiene, gerichtliche Medizin und
                                  Psychiatrie.
                                  japanischen Professoren,
ausschliesslich in den Handen von
        ihre    Fachausbildung hauptsachlich                  in    Deutsch-
die
                                                        Wien         und    Paris
land, und ausserdem zum                      Teil in
                                                zuerst an der Fakultat           in
erworben haben, nachdem                sie

               vollstandig vordgebildet worden
                                               waren.
T6kyo
                                          japanischen          Universitat       zu
         Ausser      der    altesten

 Tokyo          gibt   es   jetzt    in     Japan noch zwei jungere
 Universitaten, und         zwar die eine in     Kyoto, die im 32.
                            gegriindet                    wurde.       An    Lehr-
 Jahre der Meiji-Ara (1899)
                                                          dieser      Universitat
 stuhlen der  medizinischen Fakultat
                                    ™r Anatomie,          innere Medizin, je
 bestehen zur Zeit je 3
 2 fur Pathologie         und pathologische Anatomie, Chirurgie,
                     Physiologie, medizinische Chemie,
                                                        Pharma-
 je einer      fur
                Ophtalmologie,             und Tokologie,
                                          Gynakologie
 kologie,
 Kinderheilkunde, Dermatologie    und Syphilidologie, Oto-
                                   Hygiene, und Psychiatrie.
 Rhino- Laryngologie, Orthopadie,
 Die dritte Universitat befindet sich in
                                          Fukuoka und
                                                   — 90 —
wurde im            36. Jahre der Meiji-Ara (1903) gegriindet.                                      Die
Lehrstiihle              sind          ganz       ahnlich        verteilt        wie   die    an der
Universitat              zu     Kyoto.                  Die      Professoren,          welche        an
diesen Universitaten                         wirken,           sind   Landsleute         von       uns,
wie an der Universitat zu                             Tokyo.
        Ausserdem befinden                          sich in Japan
                                       noch 1 1 medi-
zinische   Akademien, Igaku Semmongakko (i§|£&PW-fx)>
unter         ihnen           6,       die        von     der     Regierung            unterhalten
werden,            namlich        Semmongakko, b)
                                   :     a)       Chiba        Igaku
Sendai Igaku Semmongakko, c) Kanazawa Igaku Sem-
mongakko, d) Okayama Igaku Semmongakko, e) Naga-
saki Igaku Semmongakko, f) Niigata Igaku Semmon-
gakko. Von den andern 5 Akademien werden 4 nicht
vom     Staat,       sondern von den                        Provinzen            unterhalten,       als
da sind        :    1)    Osaka Koto Igakko, wo                             in fruheren Zeiten
einige hollandische Arzte                           Bauduin, Elmerins          und
Mansfeld            zu Professoren ernannt waren                     Kyoto Igaku
                                                                             ;    2)

Semmongakko, wo                         fruher      der deutsche Arzt S c h e u b e
als Professor tatig                    war    ;     Aichi       Igaku       Semmongakko              in
Nagoya, an der seiner Zeit von Loretz Professor war                                                     ;




4) Kumamoto Igaku Semmongakko, wo ebenfalls fruher
einige        hollandische Arzte als                           Professoren unterrichteten.
Die     fjnfte,      Jikeikwai-Iin                  Igaku        Semmongakko,                ist   eine
in   Tokyo           befindliche                  Privatanstalt.            Diese      elf    medizi-
nischen Schulen wurden im allgemeinen nach                                              deutschem
Cluster eingerichtet.     Die Lehrer sind zwar alle Einheimi-
sche,     doch liegen die hauptsach lichen Lehrstellen stets in
den Handen                soldier,            die       ihre    Fachausbildung               in    Eu   -


r   opa   ,   besonders in                   Deutschland                     genossen          haben.
Der       Lehrplan              ist      ahnlich          dem         der    oben       envahnten
Universitaten             Tokyo, Kyoto                            und   Fukuoka.                   Die
Studienzeit          umfasst              vier       Jahre,       und        erst      nach       deren
                                              — 9i —
Absolvierung                 kann der         Titcl               ernes         „ Igakushi "                    (f|Jfi±

Dr. med.) erlangt werden.
       Um      ihre           Praxis        ausuben                 zu        konnen, bediirfen die
Arzte    in    Japan                 der Approbation, die                               durch Ablegung
einer        Priifung,              entsprechend                        dem Staatsexamen in
Deutschland,                        erlangt    wird.                     Doch wer das Diplom
einer    Medizinschule                  in    Japan                          hat,       ist        von           dieser

Priifung entbunden.


        Es    gibt gegenwartig in                         Japan                 eine      grosse Anzahl

von medizinischen Gesellschaften, unter denen die hervor-
ragendsten sind                :




          Tokyo                Igakkai         (Medizinische                            Gesellschaft                  zu

  Tokyo,                     1885      gegriindet,                    Vorsitzender             :        Prof.         K.
  Miura);                     Nippon Naika                        Gakkai            (Japanischer Kon-

  gress        fur       Innere         Medizin,                  1903         gegriindet)              ;       Nippon
  Geka Gakkai (Japanischer Kongress fur Chirurgie, 1899
  gegriindet) Kaibo Gakkai (Anatomische Gesellschaft,
                         ;




   1   893 gegriindet, Vorsitzender                                 :       Prof.   R.        Koganei);
  Dainippon                  Jibiinkokakai                (Japanische                   Oto-       Rhino- und
  Laryngologische                      Gesellschaft,                        1893        gegriindet,                Vor-
  sitzender          :   Prof.       W. O k a d a                   )   ; Nippon Ganka Gakkai
  (Japanische                 Gesellschaft                    fur                        1896
                                                                            Augenheilkunde,
  gegriindet, Vorsitzender                        :       Prof.         I. K 6 m o t o Nippon       )       ;




  Hifuka         Gakkai               (Dermato-Urologische                               Gesellschaft                  in

  Japan, 1901                      gegriindet, Vorsitzender                         :   Prof.       K. Dohi);
  Nippon             Fujinka           Gakkai                 (Japanischer                    Kongress                fiir


   P>auenheilkunde, 1902                              gegriindet, Vorsitzender:                                   Prof.

   G.    Hamada);                      Nippon Shinkei Gakkai (Japanische
   Gesellschaft fur Nervenheilkunde und Psychiatric, Vor-
   sitzende      :           Prof.     K.     M       i   u   r   a         und     Prof.          S.           Kur   e);


   Gan Kenkyukai                     (Japanischer Verein fur Krebsforschung,
                                                     — 92 —
    Vorsitzender                :    Prof.      T.            Aoyama)                 ;       ECokka Igakkai
 (Gesellschaft fur Gerichtliche Medizin                                              und Sozialc Medi-
 zin,            1883     gegriindet,                Vorsitzender:                    Prof.               K.           Kata-
yama);                   Nippon               Eisei          Gakkai (Japanischer Verein                                          fur

 Hygiene,                 Vorsitzender:                        Prof.        M.        Ogata);                           Nippon
Shonika                 Gakkai             (Japanische                 Gesellschaft                       fur          Kinder-
heilkunde, Vorsitzender                                  :    Prof.   O.     H   i   r    o   t   a       )   ;       Rikugun
Gun-i              Gakkai            (Militararztliche                     Gesellschaft,                              1884       ge-
griindet,            Vorsitzender                :           Generalarzt             Prof.            R.              Mori);
Sei-i-Kai                (Medizinische                       Gesellschaft,                1881                gegriindet,
Vorsitzender                :       Baron       Prof.          K.     Takak                i )    ;       Densembyo
Dosokai                 (Bakteriologische                       Gesellschaft,                     Vorsitzender
Prof. S.            Kitasato);                           Shoshin Ikai (Verein                                      fur       Arzt-
liche             Ethik und Deontologie, r888 gegriindet); Nippon
Hoken-i-Kyokai                           (Japanische                Gesellchaft                   fiir                Versiche-
rungsmedizin, Vorsitzender: Prof. T.                                                  Nakahama);
Nippon              iJyori          Gakkai           (Japanischer                Verein                       fiir       Patho-
logie             und     Pathologische                       Anatomic.               19 10                   gegriindet,
Vorsitzender               :        Prof.      K.    Yaraagi w a      Diese Gesell-   ).


schaften             befinden                 sich    in T o k y 6 und haben ihre
eigenen              Publikationsorgane,                          in       welchen die                                Abhand-
lungen ausschliesslich                              in       japanischer Sprache veroffent-
licht            werden    ;        zum       Teil       werden aber daneben deutsche
und englische Ausziige gebracht.
    Ausserdem werden ziemlich                                                    viele                medizinische
Zeitschriften               herausgegeben, von dencn in erster Linie
zu              nennen    sincl      :     Mitteilungen der                      med.                 Fakultat an
der Universitat                          zu    Tok y                  —Deutsch—
                                                                        Chugai                        ;




I j     i       Shi m     p 6       (In-      und auslandische medizinische Nach-
richten), cine                  Halbmonataschrift                      ;   X6ky6                      I j         i    S h   i   n   -


s   h       i   (Tokyoer medizinische Wochenschrift)                                          ;       IjiShim-
b u n (Medizinische Neuheiten), eine Halbmonatsschrift
                                 — 93 —
Igaku-Chuo-Zasshi (Zentralblatt fur Medizin),
einelalbmonatsschrift
         I            Chiryo Shimpo (Thera-
                                  ;




peutische      Monatsschrift)         ;     I j     i    Geppo (Medizinische
Monatsschrift)       ;   Nihon            I j   i       Shuho (eine Wochen-
schrift      fur   Medizinalangelegenheiten)                      ;   Ikai    J   i   h6
(ebenfalls     eine      Wochenschrift                  fur   Medizinalangelegen-
heiten) u. a.       m.
       Diese       Ausfiihrungen            durften           geniigen,     urn       ein

zusammenfassendes Bild von                          dem       regen    wissenschaft-
lichen       Leben       zu   geben,            das       unter       den   heutigen
japanischen        Arzten      herrsclit.
       Anhang


Kurze Ubersichtstabelle
             zur

  Geschichte der Medizin

        in   Japan.
                                              - 96



                 Die    folgende       chronologische        Tabelle     ist        nicht nur
       als       eine   Ubersicht       des    in    dea vorhergehenden Schilde-
       rungen dargelegten Materials zu verstehen, sondern auch
       als       eine   Erganzung der oben dargestellten                       Geschiclite
       der Medizin in            Japan.

                                 I.    Die mythische Zeit.

           Beginn    der  Heilkunst   durch   Onamuj i-no-
       M  k o t o und Sukunabikona-no-Mikoto. An-
             i


       wendung einiger Arzneimittel, Mineralbader und besonders
       Wassergiisse.


™™>'                             II.   Bis zur Nara-Zeit.

4H               Ein Arzt       Kon-bu         ausSilla        traf in   Yamato             ein,

       der der erste bei einer Krankheit des                      Kaisers           offentlich

       hinzugezogene             fremde       Arzt    war.    Von    dieser          Zeit    an
       wurde        die koreanische           Heilkunde allmahlich             in    Japan
       eingefuhrt.
45 8             Prinzessin      Takuhata             verubte Selbstmord, in Folge
       der        Verleumdung,          dass    sie    in    Buhlschaft        schwanger
       geworden         sei.     Auf Befehl    des Kaisers wurde der Leichnam
       geoffnet.        Im Bauche        befand sich aber keine Leibesfrucht,
       sondern es              wurde nur eine grosse Menge                 Wasser und
       ein       Stein vorgefunden.
 552       Ausbruch einer Seuche in alien Teilen des Reiches
       (Much vielen Autoren sollen dies Maseru gewesen sein)
                                                       — 97 —
554            Kin Arzt und zwei Apotheker aus                                 Pek       c   h e brachten
       aus     Korea                 verschiedenc Arzneimittel mit.
562            Erste 29 Einfuhrung chinesisch-medizinischer Biicher.
602            Ankunft                 des      Priesterarztes            Kwan Rok u -                  aus
       P   e   k   c   h   e   .




608            Einige               junge      Arztc        wurden nach          China           gesandt,
       urn die Heilkunde                       zu     studieren.          Einfuhrung           der   Heil-
       kunde der   Tang- Dynastie.
645            Zenna-no-Omi verordnete                                         zum       ersten      Male
       Milch als Krankendiat.
7.12           Begriindung                   von      medizinischen            Pi'ovinzschulen          und
       der medizinischen Hochschule in der Residenzstadt.


                                         III.       Die Nara-Zeit.
735            Erstes Auftreten der Pockenepidemie {Mogasa.)
755            Der             Priesterarzt         Kan       j    i   n aus   China kam               nach
       Japan.
75 s           In      Nara            wurde auf Befehl der Kaiserin                           Komyo
       eine Charite errichtet.



                                         IV. Die Heian-Zeit.
80S            Vollendung des Werkes Daido RuijuJw, welches auf
       Befehl des Kaisers    H e z e von Hirosada I d z u -
                                                       i       i


       mo      und         Manao Abe                       verfasst wurde.
860            In          diesem         Jahre        starb           Hiroidzumi               Al o   no-
       nob e,              Verfasser            des        Sctsuyo       Yoketsu,    eines       hygieni-
       schen Buches.
861            Dysenteric                trat      auf;       cine grosse Anzahl von Kin-
       dern unter zehn Jahren                          litt    an dieser Epidemic
863            Eine                bosartige       Hustcnkrankheit verbreitete                    sich   in
       alien Schichten der                       Bevolkerung.              Man      glaubte       damals,
                                                - 9 8-
           dass         diese      Epidemie     von    den    Fremden            eingefuhrt
           werde.
    868                Das     Kinran-ho      wurde    auf   Befehl        des     Kaisers
           S   e   i   wa    von   Minetsugu Suga w a r a                  und anderen
           beriihmten Arzten verfasst.
    959                Auftreten     einer    epidemischen        Krankheit        Fukure-
           yamai (Mx^K) (Parotitis).
    982          Das Islrinlid wurde von Yasuyori Tamba                                ver-
           fasst.  Das alteste unter den noch bis auf unsere                           Zeit
           erhaltenen alten medizinischen Buchern                   Japans.
    995                Yasuhori Tamba,                 Verfasser des        Is/iinho, ge-

           storben
    998                Ausbruch der Masernepidemie.               Man      nannte     diese
           Krankheit damals Akamogasa (^5feJ^)                     d. h.   rote    Pocken,
           weil die          Exantheme den Pocken        ahnlich,    doch im Gegen-
           satz zu diesen rot gefarbt war.
1029                   Auftreten der Fukure-yamai        (Parotitis).

1080                   Die Konigin von        Kory 6    verlangte einen tuchtigen
           japanischen Arzt an ihren              Hof geschickt zu habun.
10SS                   Masatada Tamba,                Verfasser      des    Irva/cn-Shd,
           gestorben.
1 1   79               Ausbruch      einer    epidemischen    Krankheit           Henamo
           (Windpocken).
1   184                Renki        verfasste   das    hygienische         Buch     CJtosei

           Ryoyo         ho.




                                    V. Die Kamakura Zeit.

1214                   Yosai       verfasste das hygienische      Buch Kissa        Yojoki.

1223                   Auftreten einer epidemischen Hustenkrankheit.
1288                   Yukinaga Tamba                 verfasste    das     Eisei-Hiyo/to,

           ein hvffienisches          Werk.
                                                         — 99 —
1302               In diesem Jahre starb                      N   i   n   s   h6    ,   der in der letzten
          Halfte           des      1   3.    Jahrhunderts ein                Lepraheim           inNara
          und spater             ein         grosses     Armenkrankenhaus                    in    Kama-
          ku   r   a gegriindet hatte.
1314               Das Mannan-hb wurde von                         Shozen Kajiwara
          verfasst.              Einfuhrung             der    Heilkunde der Sung- Dy-
          nastie.




                                        VI. Die Muromachi Zeit.
*3 6 5             Ausbruch                  einer     epidemischen                Hustenkrankheit             in

          Kyoto              und          anderen Teilen des Landes.
"3 6 9             Shokei Taketa                              ging        nach          China,         urn    die
          Heilkunde zu studieren.
•   379            Seigan Majima,                             ein beriihmter              Augenarzt und
          Begriinder             der         Majima-Schule der Augenheilkunde,                                ist

          gestorben.
1406               Epidemische Hustenkrankheit                                trat      im August      auf.
1408               i   m   j un j       breitete sich        das Mikkabyo,               d. h.   Drei-Tage-
          Fieber (Rubeola) in                        alien    Teilen          des       Landes    aus.
1428
                   Auftreten des Mikkabyo.
145 6              Shokei Taketa                             verfasste das hygienische                   Werk
          Yenju Ruiyb.
1463               Auftreten des Mikkabyo.

1512               Ein Hautauschlag                    kam     epidemisch vor, den         man da-
          mals Tbgasa (China-Ausschlag) oder                                     Ryukyu-Gasa (Loo-
          c   hoo      -   Ausschlag) nannte, weil                        man        glaubte,    dass diese
          Krankheit von                      China (To)               oder     Loochoo             aus nach
          Japan            eingeschleppt wurde.                       Es war namlich Syphilis.
•5 '3              Ausbruch einer Masernepidemie.
1528           Sozui Asai                        hat ein chinesisch-medizinisches                        Buch
                                                  — IOO —
        Ishotaizen drucken lassen.                     Es       ist   das erste dor gedruckten
        Biicher auf diesem              Gebiete in              Japan.
1537         Sanki Tashiro,                            Begriinder der                        Li-ChuSchulc,
        starb.

1546         S6k        a n    Nan      j   6 verfasste das Senshu Fufinho, ein
        Werk      iiber die      Gynakologie.
*55 6        Vom            Fiirsten        von,   B   u   11   go        ,       Otomo              S6          r   i   n   ,




        wurde         ein     Krankenhaus              fur       Arme                  und     Leprose                   in

        Fu   na   i    gegriindet, hier            ubernahm                   Louis Almeida,
        ein Mitglied der           portugiesischen Jesuiten mission,                                     als         der
        erste europaische          Arzt        in J a      p a n die                   arztliche         Behand-
        lung der Kranken.                   Ein     Japaner,                  Namens P o h               1   ,       soil

        von den portugiesischen arztlichen Missionaren die Arz-
        neikunst        erlernt        haben.          Einfuhrung                      der    europaischen
        Medizin.



                      VII. Die Azuchi-Momoyama Zeit.

1568         Eine           christliche       Kirche         wurde                in    Kyoto            gebaut.
        Zwei portugiesische                 Arzte,      Yar           i   i   s    und       Geri-gori,
        welche         damals      an        dieser          Kirche                lehiten,         giiindeten
        Krankenhauser,            behandelten              die        Armen,                 besonders die
        Aussatzigen.

1574         Vollendung des                   Werkes              Keitekishu,                 welches                von
        D6sa      11   Manase               verfasst       wurde und                    die    Hauptschrift
        der Li-Chu-SckuleJapan bildet. in

15 81        Ilidetsugu Takatori publiziertc                                                       das       Werk
        Geka Shinmeishu, durch das                           eine             Schule         der    Chirurgie
        Takatori-Ryu-Geka geschaffen wurde.

1589         Das Christentum wurde                         in         Japan              auf's       strengste
        verboten,       und      alle       portugiesischen                    Missionare           verbannt.
                                             — IOI
       Zwei      japanische          Schuler       dieser       portugiesischen                 Arzte-
       Missionare liessen sich in                 Saka      i   nieder,            der    eine       von
            Yasue-mon, veranderte seinen Namen
       ihnen,                                                                                            in
       Shosuke Ichibashi und beschaftigte sich                                                       als
       Chirurg.             Der   andere,     Zeng6r6               ,    pseudonym         :     S   e   i
                                                                                                             -

       suke Shimada,                     betatigte sich auf                  dem    Gebiete          der
       inneren Medizin.
1591      Hideyoshi Toyotomi hat eine Charite in
       Kyoto gebaut, zu deren Direktor Zenshu Yakuin
       ernannt wurde.
1595          D 6 s a n Manase,                         Hauptvertreter              der        Li-Chii-
       Schule,      ist     gestorben.
1596          Doki Kurisaki, der seit 574 die europaische       1

       Chirurgie in Luzon studierte, kam nach Nagasaki
       zuriick.         Er    erlangte      als   gelehrter Chirurg                  einen guten
       Ruf und          begriindete eine Schule der Chirurgie in                           Japan
       {Knrisaki- Ryu- Geka).
1597          Erscheinen der ersten Hollander                           in   Hirado.
              Diese Periode schliesst mit der Blutezeit der "                                    Nam-
       ban- Ryu- Geka."



                                  VI 11. Die Yedo                   Zeit.

1616          I s   a   i   Misono,          beruhmter Akupunkturist,                          gestor-
       ben.
1630          Tokuhon N a g a t a                  ,    beruhmter Kliniker, starb im
       Alter von            118   Jahren.     Einfuhrung                europaischer           Biicher
       in    Japan           wurde auf s     strengste verboten.

1634          Erste         Niederlassung         der    Hollander            in    Dcshima
       bei    Nagasaki.
1635          Narisada Fujiki,                         Begriinder der Suruga-Schulc
       der Akupunktur, starb im September dieses Jahres.
                                                           102       —
1648              G e n s h n Y a m a w a k verfasste auf Befehl des
                                 i                                   i



          Kaisers     Gominoo das hygienische Werk CJiokusen Yoju
          Roku.
1649              Der     deutsche           Arzt          Caspar Schambergen
          kam nach           Nagasaki                      im            Dienste            der    Hollandisch-
          Ostindischen Kompagnie.

1653              Mankd     Tai (Ifctl&) aus China kam nach Naga-
          saki    .    Unter ihm erlernte Seichoku Ikeda (itiiffl
          jEll)       spezielle      Pathologie            und Therapie der Pocken und
          grundete spater eine besondere Schule der Heilkunde, die
          sich ausschliesslich              mit Pocken                   beschaftigte              {Toka,     d.   h.

          Pockenheilkunde).

1654              Gensho Mukai                             verfasste              das         Komoryu-Geka-
          Hiyb        {U?£iM~y\f\W¥k)> ein chirurgisches                                Buch,        in   dem      er

          Vortrage des hollandischen Arztes Mestruans Jonan                                                        ins

          Japanische iibertragen, veroffentlichte.

1655              Griindung          einer      neuen            Schule            Ku-Cho-Schule.                  Im
          November         starb       Bokusai                  11       a   s   aka    ,    der    eine grosse

          Bibliothek       Asakusa Bunko                   in    Yedo              erbaut hatte.

1661              Chukei Sugimoto,                                   beriihmter Arzt der                    Oran-
          da-Ryu-Geka wurde zum Leibarzt
                             t
                                                                                  am Hof           des Shoguns
          ernannt.

1663              Das     erste        Werk        iiber         medizinische                     Geschichte        in

          Japan, Honchv                      Iko       (   ^MUt^)                 wurde            von    D6yu
          Kurokawa                   (MJIl.xkiiiifi)   verfasst.

1673              To an Aiba,                   Begrunder der Ryu-Ch-o Schule,                                     ge-

          storben.        Der hollandische Arzt                              William ten Rliync
          kam nach Nagasaki.
1681
                  Waichi Sugiyama                                        (t^l-U^P— )              griindete        die

          Fachschule        fiir     Akupunktur                 in       Yedo       .




r   688           Der      hollandische                Arzt              Hoffmann                    kam      nach
                                                                 — io3 —
          Nagasaki.              Unter ihm eflernte                           E     i   ky u       Narabayashi
          europaische Chirurgie.
1690              Kampfer kam                            nach            Nagasaki.
1691              J   i   a nY o s h d a Doyu K u r s a k
                                                i            ,                                     i       i    und    J   i
                                                                                                                               -


          haku            M uraka m wurden zu Leibarzten am
                                                     i                                                          Hofe des
          Shoguns ernannt.
1696              Gen-i Nagoya,                                   Begriinder der                       Ko-l-Ho    Schide,
          d. h. alte echte                   Medizin-Schule, gestorben.
l   7o6           Referate aus                  dem Werke von Ambroise Pare
          wurden von                 E   i   kyu   N a r a b a y a s h unter dem Titel         i



          Geka Soden                 publiziert.

1708              GonzanGoto                             empfahl die arztiiche Anvvendung
          der Mineralbader, Massage und Akupunktur; das sind die
          ersten      Anfange der sogenannten physikalischen Therapie.
171          Eikyu Nar a b a y a s h                                          i ,       Ubersetzer        des    Werkes
          Ambroise Pares, starb im                                              Marz        dieses Jahres.

17 1              Das        Wakan Sansai Zuye {^M=^fW^), em enzy-
          klopadisches         Werk aus 80 Banden bestehend, wurde von
          Ryoan             Terashima (^%&. ! verfasst.
                                              &)
1715              Im       Juli      starb J a           k       u s u   i    Ino         (fH&^lc),            Verfasser
          des Shobutsu                Ruisan, des enzyklopadischen Werkes                                             iiber
          Pflanzenkunde (besteht aus 1000 Banden).
1716              Im Sommer brack                                in   Yedo                 eine         Fieberepidemie
          aus.    Uber 80,000 Personen                                sollen            wahrend eines Monats
          an   <Iieser      Epidemie gestorben                               sein.

1721              Eine          grosse         Charite             wurde uuf Befehl des Shoguns
          in   Y ed o           gebaut.

1723              P'ieberepidemie im ganzen Lande.

1733              Gonzan Goto,                                   Begriinder               der Ikki-Ryutai-Ron,
          einer       Lehre,         die       die       Pathogenese der                           Krankheiten auf
          Storungen             in       der        Zirkulation                 der        Ixbenskraft           zuriick-
                                                         — 104 —
          zufuhren versucht, gestorben.                           Ausbruch             einer allgemeinen
          Fiebcrcpidemic (Influenza).
1736             Naohisa Kawai                             iffi'ctffitk.)       verfasste         das Mnben-
          roku-jutsu (M'vdf-k^)            ,    das crstc japanische Referat aus                               dem
          chinesischen          Werke          fiber gerichtliche                   Medizin.
J   739          Hofbibliothekar               Bunzo A o k                  i   und Hofarzt            Gen             j   6
          Noro     erlernten auf Befehl des                           Shoguns           die    hollandische
          Sprache.
1744             Jinzan Li                     (I^Ctfl)          ubte     zum          ersten       Male                   in

          Nagasaki die Variolation aus.
1747          Hoc h k u K a t s u r a g a w a beriihmter Chirurg
                            i                                                   .




          und ein Schfiler von A m a n s und Dannel, gestorben.
                                                     1




1754             In diesem           Jahre           vvurde das erste                 Werk        iiber        Ana-
          tomie    in   Japan              von           Yamawaki                     auf Grund seiner
          Beobachtungcn              bci der in                diesem    Jahre praktisch ausge-
          iibten Leichenofifnung in                      Kyoto          verfasst {Z6 Shi.)

1   761          Ryochiku                      Okumura                      (^itH^lt),             beriihmter
          Arzt der Ko-I-Ho Schule, gestorben.
1765             Hofarzt         Genko Taki                             (^$Etg#)              erbaute              eine
          medizinische          Akademie                 fur    die   chinesich-japanische Medi-
          zin in   Y edo         .




1766             Das    San~ron,               ein       Werk         uber          Geburtshilfe,          wurde
          von    Gen-etsu Kagawa verfasst und publiziert.
1770             G e n n ai H rag a erbaute einige elektrische Machi-
                                       i


          nen.     No but 6 Kawaguchi                                   verfasste           das    Kaishihen,
          die Beschreibung einer Leichenoffnung.

1771             Am     4.           Marz            wohnten            Mayeno,                    S   u   g   i   t   a
          Katsugawa                   und andere Gelehrten                            der     Zergliederung
          einer hingerichteten Japanerin zu                              Kots u          k a pp a          r   a bei
          Yedo       bei.

1772              Ryo-i Motoki                           (^vkT.tO        publiziertc              das Oranda
                                            — 105 —
          Zeuku        Naigai        Bungozu       ifflMQMfa.ftft&ffi,          Die     Ana-
          tomie des Menschens in zerlegbaren Abbildungen).

1773             T6d        6   Yoshimasu,                   Hauptvertreter     der   Koido
          Scluilc, starb        im September        dieses Jahres,

1774             Das neue Werk iiber Anatomie Kaiiai Skinsho wurde
          von    G e ni paku S u g i t a publiziert.
                 Ausbruch einer Fieberepidemie                    (Influenza)   und einer
          Masernepidemie.
177s             Das Sanron           Yoku, ein Beitrag           zum Sanron, wurde
          von G e 1 e k K a g a w a verfasst.
                       11        i



1776          Karl Thunberg kam nach Nagasaki.
          Unter ihm erlernten K a t s u r a g a w a Nakagawa            ,


          und    Yoshio         die europaische ITeilkunde.

1777             Gen-etsu Kagawa, Begriinder der modernen
          Geburtshilfe in Japan, starb im September dieses
          Jahres.

1781             Chokei Seo              ($$]£:§! £}:) gestorben.        Seo verfasste
          das Shinkyokii Zusctsu           (f^flilllffe),       ein   Werk iiber Lispek-
          tion   und Palpation des Bauches.
1782             Igakuin Hata               ttffl^^gr)          grundete     die   Medizin-
          schule in  Kyoto.
                 Tomo n Y a m a w a k                i   ,    beriihmter    Kliniker,    der
          den Aderlass empfahl, gestorben.
17S3          Das Rangaku Kaitci, das erste                            grammatikalische
          Buck iiber die hollandische Sprache in                       japanisch,     wurde
          von    Gentaku O t s u k             i   veroffentlicht.

1784             .Vusbruch einer Fieberepidemie (Influenza).
1   791          Die        medizinische   Akademie              Igakukan,      wurde     in

          Ye do geriindet.
1792          Nangai Yoshimasu                               begrundete die Lehre der
          Ki-ketsusin. d. h.          Pneuma- Blut-Wasser-Theorie.
                                             — io6 —
               Gentaku O t s u k                       i        verfasste                 das     1
                                                                                                      r
                                                                                                      oi        SJiinshu,

       eine japanische Ubersetzung des                                        Werkes Heisters.
*793           Genzu        i    U d a g a \v a                         (ibersetzte            das         Werk von
       Gorter         iiber innere    Medizin.
               Ryoetsu Hoshino                                           verfertigte            ein           kunstliches
       Skelett aus Holz.
1795           Auftreten einer Fieberepidemie (Influenza).
               Shunsaku Ogata                                   publizierte                  das Shuto Ilitsn-
       junben,       welches       das       erste                  Werk               iiber     Valioration           in

       Japan         war.
1796           In    der    medizinischen                  Akademie zu                           Yedo               wurde
       ein Lehrstuhl fur Pockenheilkunde neu eingerichtet.
               Das Haruma            Wakai,                     das               erste      hollandisch-japa-
       nisclie      Worterbuch, wurde von S a                                         mpaku               I   n a   mura
       verfasst.

1797           Genzui Udagawa                              gestorben.
1798           Die zweite vcrbesserte                       Auflage                    des      Kaitai           Shinsho
       von     Gentaku O t s u k                   i       erschien.
1800           K6gyu Y o s h o           i     .           beriihmter                     Dolmetscher                und
       Chirurg, ein Schiller von                   Thunberg,                                 gestorben.

1801           Das   Mannan-roku (Mffl&k), die                                           erste        Monographic
       iiber    Ascaris, wurde von Shojo                                                Tsuge                          :

                                                                                                               (\u^M'n i)
       publiziert.

1802           Hoshii Kat.su r a g a w a verfasste das KemHkyo
       Yoho      (BMWftW, ein Werk iiber die Benutzung des
       Mikroskops.              Das Kaitai Hatsumo, Handbuch dev Ana-
       tomic,       wurde von      Boku M                   i       t   a n       i   publiziert.

            Ausbruch einer Fieberepidemie. (Influenza.)
1803        R y 6 t a k u INI a y e n o Begrunder der Rangaku,  ,




       starb am 13.     Oktober dieses Jahres.
1805           Das    Ihanteikb, ein anatomisches                                       Werk          mit        Kupfer-
       stichbildern,       wurde von         6e            n s h          i   n       Udagawa                   verfasst.
                                                       — loy —
1808         Das        Seikotsa      Han von               Ken Kinomiya                           erschien in

       diesem Jahre.                Es       ist       dies      das       bedeutendste            Werk      auf
       dem         Gebiete           der       Seikotsujutsu                     neben       dem       Seikotsu

       Shinsho          von         Bun k en K o u m u                            .   Im August brach
       eine Fieberepidemie aus.
1810           Genkan T a k                    i   ,   Direktor der medizinischen                         Aka-
       demie           zu     Yedo,            und            Ranzan                  Ono,     beriimtester

       Botaniker, sind in diesem Jahre verstorben.
181            Fieberepidemie (Influenza).                                Im Januar          dieses      Jahres
       starb    Sampaku                  I   na    mura             ,   Verfasser eines hollandisch-
       japanischen Worterbuches.
1815           Das          erste   Werk           auf    dem             Gebiete      der    europaischen
       Augenheilkunde,                   Ganka,           Shinsho wurde von                         Ryukei
       Sug     i   t   a publiziert.
1817           Gempaku                       Sugita,                      Begrunder          der       Rangaku
       und Verfasser des Kaitai Shinsho.                                         starb   im April dieses
       Jahres.              Kokumei Hiruta                                       (MfB^),            beriihmter
       Geburtshelfer, gestorben.
1821           Fieberepidemie (Influenza).
1822           Erstes Auftreten der Choleraepidemie in                                         Japan.
1823           Philipp Franz                                  von           Siebold                kam     nach
       Nagasaki.
1824           Ausbruch             einer Masern-                       und Fieberepidemie.
1825           Junzo Miwa (~MMM)                                             iibersetzte      das        Sanron
       ins Hollandische.
1826           Das Kikai-Kanran (Mi&tM) von L n                                          i     s   6   Aochi
       (Uttll^^),             das     erste            Werk              iiber   Physik,       wurde       pub-
       liziert.        Siebold kam                       nach           Yedo,         unter ihm erlernte
       Hofarzt         Genseki Habu                         die europaische Augenheilkunde.
       Seiken Tsuboi                          verfasste das SJiinko-taigai                          (tlt!fefcf&E),

       welches das erste                 Werk            iiber          europaische Diagnostik war.
1827           Gentaku O                      t s      uk     i ,       beriihmter       Mediziner           und
                                                                  — io8 —
       Verfasser mehrerer Werke auf clem Gebietc der curopai-
       schen Medizin und hollandischen Sprachkunde, gestorben.
1828               Das Waran Yakkyo IflUKfUgO,                                                     ein    Werk fiber euro-
       paische Arzncimittellehre, wurde von                                                             G c n shin U d a -
       gawa                verfasst.                   S   i   e b o     1       d    verlasst             Japan           und           reist
       nach         Deutschland                                  zuriick.
1830               Bizan Koide                                   verfasste                       das    anatomische                 Werk
       Dokan Shiroku.
1831       Das Stoercksche Werk wurde von C h 6 s h u                                                                                            n
       Adach                   i       ins Japanische iibertragen (Iho Kenki).
1832               Das Igen-Suyo von C h 6                                              e    i    Takano,                   das          erste
       Werk                iiber             Physiologie,                        wurde            herausgegeben.                     Vom
       September                       bis    November Fieberepidemie.
X835               S   e   i   s       h u        Hanaoka,                             der         sich       als     geschickter
       Chirurg einen guten                                     Namen                 machte,           ist   gestorben.
                   Das                 Werk           iiber       innere                 Medizin              von          B   i   s c   hof
       wurde von                        Gcraboku                       1 1           6 ins        Japanische               iibertragen
       {Jryo Seisin).                         Rubeoraepidemie.
1836               C h oshun                          A d a c hi                 ,    beriihmter             Geburtslielfer der
       europaisch-mcdizinischen Schule, starb.
1837               Das Yoka Hiroku von                                               Ge     11   c h6        llomraa erschien.
1838               Die erste Monographie                                              iiber       Chemie,           Seinti           Kaiso
       (^i5£;R3^)                  wurde von                   Yoan Udagawa                                     verfasst.
1839               Eine                medizinische                    Schule                    wurde        von          Ry6           1   e   i


       Sh      i   n g u               in         Kyoto              gegriindet.                       I   Iollandisclier                Arzt
       R   i   s c     hu          r    fiihrte        zum       ersten                Male Vaccin                  fiir       Vaccina-
       tion in J               ap        a n ein.
1843               Beriihmter                     Chirurg              Taizen                          Sato          erbaute              ein
       Krankenhaus                           in   Saku           r   a       .




           Das Yoyo                               Seigi,         das                 erste       Werk        iiber     Kinderheil-
       kunde wurde                            i   n    diesem Jahre von                                Sodo Horiuchi
       publiziert.
                                                      — 109 —
1847             K 6a n Ogata                     verfasste                das    Byori         Tsuron,      das
       das       erste         Werk     der allgemeinen Pathologic im heutigen
       Sinne      ist.

1848             Hollandischer Arzt                   M ohnike                    fiihrte   das     Stethos-
       kop      J a p a n
                 in        cin.                       Sh nd6  i                  Tsubo      i,    beruhmter
       Kliniker, ist gestorben.
1849             Das Studium der europaischen Medizin                                            ausser       der
       chirurgischen  Kunst wurde verboten und medizinische
       Bucher durften ohne Erlaubnis der Igakukan, der medi-
       zinischen Akademie zu Y e d o   nicht publiziert wurden.        ,



           Erste erfolgreiche Vaccin wurde von      ohnike in                               M
        Japan                  eingeflihrt.

1854             Das Juso             Sage? 1         von             Shunsai O t s u k              i   ,   das
       Werk           iiber         Schusswunden,                     wurde       publiziert.        Fieber-
       epidemie.
1856             Pompc van Meerdervoort                                                 kam nach             N a-
       ga    s   ak    i   .




1857             Gemboku                1 1   6   ,   Gcmpo Mitsukuri, Gen-
       do Takenouchi,                                 S   e       i   ka   i   Totsuka, T o k a                 i


       Hayashi, Gonsai Miyake                                                    und andere Gelehrte
       der europaisch-medizinischen Schule erbauten cine medizi-
       nische Schule in               Ye do.              Diese Schule veranderte nachher
       den Namen               in   Seiyo Igakujo             und wird           als die    Uranfange der
       heutigen medinischen Universitat in                                        Tokyo           betrachtet.

                 Hufelands Werk                           Enchiridion medicum wurde von
       Koan Ogata ins Japanische iibertragen.
1858      Gemboku ltd, Seikai Totsuka, Gen do
       Takenouchi, K a n s a                                  i       ltd, S h n r y 6 Tsuboi
                                                                                    i



       und Tokai Hayashi                                              wurden zu Leibarzten am
       Hofe des Shoguns crnannt.
                 Einige Hofarzte              nahmen und                       erhielten die      Erlaubnis,
       die europaische Medizin studieren zu diirfen.
                                              — no —
             Zweites Auftreten der Choleraepidemie.
1859       S iebo 1 d         kehrte von         Eu        r   o p a wieder nach                 Naga-
       saki zuriick.
i860         Ein      Kriegsschifif          wurde          von          cler        Regierung        nach
       Amer     i    k a entsendet, unter der Schiffmannschaft befand
       sich cler Arzt     S h u k e i Makiyama.                                      Auf   Befehl      cles

       Shoguns        wurde ein Krankenhaus in                                  Nagasaki neu
       erbaut, zu      dessen Direktor            J       u n    Ma        t    su m nto ernannt
       wurde.        Fieberepidemie.
1861         Eine medizinische Schule nach europaischem Muster
       wurde    in    Nagasaki                gegriindet {Seitokukwan).
1862         Direktor             der    europaisch-medizinischen                          Schule       zu
       Ye do    (Sciyo Fgakujo),             Shunsai Otsuki                            gestorben.      An
       Stelle dessen      wurde         Koan Ogata                       zum         Direktor ernannt.
       Hollandischer Arzt               B   a u d u   i   n     karri          nach       Nagasaki
       als   Direktor         der       Seitokukan.             Ausbruch               einer     Masern-
       und Choleraepidemie.                 Ry6ka          i   S h b a (niMWtM)
                                                                   i                             verfasste
       das Hic/ii Shin-yaku (-b$r|£),                  in      dem       er iiber 7 neue, bisher
       unbekannte Arzneimittel,                  d.       s.     Jod,           Chinin,         Santonin,
       Morphin, Argentum nitricum, Tartan's emeticus, Lebertran
       berichtete.      G e m p a ku            It 6      und     11      a    j i   me    II   a y a s h   i




       gingen   zum     ersten          Male nach         Hoi        1   a n d, urn an dortigen
       Universitaten Medizin zu studieren.
1867         Kok u      111   e   i   Kuga      (f\M'£W) ubersetzte das Werk
       von Persille               iiber Kriegschirurgie.


                                      IX. Die Meiji Zeit.
1868         Die Europaisch-medizinische Schule zu                                     Ye do         wurde
       neu organisiert; ein grosses Krankenhaus wurde                                      in   Izumi-
       bashi    erbaut mit diesem stand eine medizinische Schule
                              ;




       in Verbindung, an beiden war dev englische Arzt Willis
       als Direktor tatisr. Die Seitokukan in N a g a s a k wurde                                i
                                              — Ill —
         ebenfalls ganz neu organisiert                 ;   den    Namen         veranderte diese
         Schnlc        in   Nagasaki Igakko, an                    dieser    waren S e n s a i
         Nagayo             (ik%&'M)        als    Direktor und der hollandische
         Arzt      M a n s fe     1    d als Professor            tatig.    Audi     in   Osaka
         wurde        eine medizinische Schule gegriindet, bei dieser                         waren
         Jim hvasa               als    Direktor und          B    a u d u   i   n als Professor
         tatig.
1869              Em    Institut fur     Chemie wurde              in   Osaka       eingerichtet.
1870              Kensai Ikeda, Nagayoshi Nagai und                                        andere
         elf     junge      Arzte         wurden            von     der      Regierung         nach
         Dcutschland              geschickt, urn die Heilkunde zu studieren.
lS 7i        Die medizinische Abteilung des Kriegsministeriums
         wurde neu organisiert.    Die deutschen   Militararzte

         Miiller und       Hoffman kamen nach Tokyo.
18 7 2           In    Kyoto wurde die provinziale medizinische                            Schule
         und das Krankenhaus erbaut.
1873             Im Unterrichtsministerium wurde                            eine    medizinische
         Abteilung eingerichtet, welche die Zentralstelle der Medizi-
         nalangelegenheiten bildet.                In       Tokyo          wurde    eine Tierarzt

         liche        Schule     unter Verwaltung                  des     Kriegsministeriums
         gegriindet.        Es    erschien        eine       medizinische          Monatsschrift
         OranJa-Iji-Zxsslii             (fPlK 3? $£!!)• Herausgeler                  dieser Zeit-

         schrift      war    Shinryo Tsuboi.
1874             Eine Untersuchungsanstalt                   fur     Arzneimittel wurde in
         Tokyo          eingerichtet, an dieser Anstalt                    war    M a rti n   tatig.

                 Griindung des Instituts fur Verfertigung der Vaccin
         in    Tokyo.
                 Ausbruch der Pockenepidemie.
1875             Erlasseiner arztlichen Priifungsordnung. Die An-
         tiseptische Methode wurde von Schulz zum ersten Male
         in J a p a n eingefuhrt.  Im Juni wurde eine hygienische
         Abteilung als Zentralstelle fur Gesundheits- und Medizinal-
                                             — 112
       wesen im        Ministerium           des    Innern        eingerichtet     und die
       medizinische        Abtcilung          im    Unterrichtsministerium             von
       dieser Zeit an aufgehoben.                  Die   erste medizinische Gesell-
       schaft Igakukaislia         wnrde       in   Tokyo          gegrfindet.
1876          Im   April wurde die Prostitution geregelt und fand von
       dieser Zeit        an eine regelmassige arztliche Untersuchung
       der Prostituierten        statt.       Ausbruch der Pockenepidemie.
1877          Neue Ordnung             fur    den Verkehr mit Arzneimitteln.
       Die erste medizinische Wochenschrift                         Tokyoer Medizini-
       sche     Wocftenschrift         erschien.         Aufcreten        der     Cholera-
       epidemie.
1878          Ein staatliches Krankenhaus                   fur   Kakkekranke wurde
       in   Tokyo      eingerichtet.         Baelz       entdeckte in        Japan      die
       Lungendistoma.            Die medizinische             Zeitschrift,      Jji Shim-
       bun, erschien.

1879          Ein zentraler Gesundheitsrat, welcher zum Ministeri-
       um     des Innern gehorte, und ein provinzialer Gesundheitsrat
       wurden      eingerichtet.      Anderung der arztlichen Priifungs-
       ordnung.        Zum       ersten Male wurde der medizinische
       Doktorgrad Igakushi den Abiturienten der medizinischen
       Fakultat      an    der    K.      Universitat        in   Tokyo          verliehen.

       Ausbruch der Choleraepidemie.
1880       Neue Ordnung zur Bekampfung                              der   epidemischen
       Krankheiten.         Die medizinische Halbmonatsschrifr, Chugai
       Jji Skimpd, erschien.
1881          Febris   fluviatilis   wurde von           Baelz und        Kawakam         i


       beschrieben.        Auftreten der Rubeola- und Scharlachepidemie.
1882          Neue     Ordnung         fur    die    medizinischen         Fachschulen.
       Ausbruch der Choleraepidemie.
1883           Anderung der       arztlichen Prufungsordnung.                   Griindung
       der     Japanischen Gesellschaft              fiir    Volksgesundheitspflege.
       Leberdistoma wurde            in      Japan von Nakahama und                    an-
                                              — ii3 —
       deren gefunden.
1884          Griindung der ophtalmologischen Gesellschaft.
18S5          Ausbruch der Masernepidemie.                     Neue Ordnung                 fur

       Impfung.            Griindung       der    medizinischen       Gesellschaft           in

       Tokyo.
1886          Einfuhrung             der   neuen japanischen           Pharmakopoea.
       Ein Lehrstuhl            fur Psychiatrie      wurde zum ersten Male an
       der Universitat in             Tokyo        eingerichtet.
1S87          Eine Charite wurde auf Befehl der Kaiserin                      in    Tokyo
       erbaut.
1888          Griindung der staatlichen medizinischen Akademien                              in

       Chiba, Sendai, Okayama,                              Kanazawa               und     N a-
       gasak      i  Einrichtung der Lehrstiihle fur Kinderheilkunde
                      .




       und fiir gerichtliche Medizin an der Universitat zu Tokyo.
1890          Erster        japanischer Kongress fur Medizin                    wurde        in

       Tokyo              abgehalten.       Die     Lehrstiihle    fur     medizinische
       Chemie und            fur     Dermatologie wurden an der Universitat
       zu     Tokyo             gegriindet.       Ausbruch     der     Influenza-           und
       Choleraepidemie
1891          Zweite Auflage der japanischen Pharmakopoea.
1893          Zweite r Kongress             fur    Medizin.     Griindung der ana-
       tomischen            Gesellschaft.         Ganka     ZassJii    (Zeitschrift          fur

       Augenheilkunde), Jibi-inkoka ZassJii (Zeitschrift                           fiir   Oto-,
       Rhino- und Laryngologie), und Idan (Zeitschrift                     fiir     arztliche
       Deontologie) erschienen.

1894      Prof. Aoyama und Prof. Kitasato                                  gingeu nach
       Hongkong zur Pestforschung.
x895          Erstmalig wurde               einem Arzte der           Titel        ,,   Baron
       verliehen          und       zwar   clem     Generalarzt       C.   Is   hi g u r o
       Slwuikzua           ZassJii    (Zeitschrift    fur   Kinderheilkunde),              Sai-
       kingakn            ZassJii    (Zeitschrift    fur    Bakteriologie)              erschie-
       nen.      Ausbruch der              Choleraepidemie.          Erstes        Auftreten
                                        — ii4 —
       des Rekurrensfiebers im           H     i   r   o   s   h   i   ma   .




1896         Crunching der staatlichen Serumanstalt.                               Prof. Ogata

       und   Prof.   Yamagiwa             gingen                   nach         Formosa zum
       Peststudium.         Auftreten    des           Rekurrensfiebers                  in    Hiro-
       shima, Ehime, Okayama, Osaka und                                                        einigen
       anderen Provinzen.             Sie hold's                       icx).     Geburtstag-Feier
       in   Tokyo.          Jahrhundert-Feier der Jennerschen                                 Schutz-
       pocken- Impfung.         Grundung der japanischen ophtalmologi-
       schen Gesellschaft.
1897         Die Ordnung zur Bekampfung epidemischer Krank-
       heiten   wurde vollstandig umgeandert.                               Kiyoshi Shiga
       entdecktc den Bazillus dysenteriae.                             Funfzig-Jahr-Feier der
       Einfuhrung der Narkose.
189S         Neu-Einfuhrung           einer        Schularzteordnung.                         In    To-
       kyo      Grundung der      Gesellschaft                 zum Studium              der Verdau-
       ungskrankheiten.
1899         -^ as staatliche Institut fur Infektionskrankheiten                                   wurde
       in    Tokyo      gegrundet.       Grundung                      einer      zweiten japani-
       schen     Universitat     in    Kyoto.                      Erlass        der    Hebammen-
       Ordnung.       Die medizinische Schule zu                           Formosa wurde
       gegrundet.      Erstes    Auftreten              der            Pest in Kobe. Der
       Lehrstuhl fur Oto-, Rhino- und Laryngologie wurde an der
       Universitat     zu    Tokyo        eingerichtet.                        Erster japanischer
       Kongress      fur Chirurgie.

1900         Auftreten der       Pest     in       Osaka                    und    Yokohama.
       Verordnung behufs              Regelung der Fiirsorge                            fur Geistes-
       kranke.
1901         Grundung der japanischen                  Gesellschaft fur Dermatologie
       und Urologie.
1902         Panjapanischer Kongress der Mediziner.                                    Grundung der
       japanischen neurologischen Gesellschaft.                                 25te Jahres-Feier
       der japanischen Gesellschaft                vom Roten-Kreuz.                       Griindung
                                                    — ii5 —
       der         Gesellschaft          fur       Frauenheilkunde.                 Ckiryq        Shimpo
       (Zentralblatt             fur    gesamte Therapie) und                       Nippon Ho-
       ls:   e n   -   i   KyokwaiK w a                  i   s   h   i    (Zeitschrift fur      Versiche-
       rungsmedizin) erschienen.
1903               Erlass von Verordnungen betrefifend die Herstellung
       der Schutzimpfungsvaccine, Heilsera und anderer bakteri-
       ologischer               Heilmittel.         Erster           japanischer         Kongress      fur
       innere Mediziu.                  Griindung der medizinischen Gesellschaft
       zu      Kyoto.                 Igakuchud Zasslii (Zentralblatt                     fur    Medizin)
       erschien.

1904               Der Verein zur Bekampfung venerischer Krankheiten,
       die Gesellschaft fur l'sychiatrie,                                und der japanische Verein
       fur     Hygiene wurden                  in   Tokyo                  gegriindet.     Funfzigjahr-
       Feier der Einfuhrung der Laryngoskopie.
                   Griindung           der     dritten           kaiserlichen       Universitat       von
       Japan               in    Fukuoka. Ausbruch der                              Pestepidemie in
       der Provinz               K a g a w a und in Osaka.
1906               Zweiter panjapanischer Kongress der Mediziner.                                      Ini

       Mai             Einfuhrung            der    neu          organisierten           Arzteordnung.
       Auftreten der Rachitis in der Provinz                                     Toyama.
1907               Anordnung von Maasregeln                                 zur Fiirsorge der Aus-
       satzigen.                Die    Zeitschrift       fur         Krebsfbrschung,            Gan   (0),
       erschien.
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                                             UNIVERSITY OF CALIFORNIA LIBRARY
                                                             Los Angeles

                              RlHWlFD    ^ n ^ book is DUE on the last date stamped below.

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                      OCT 25          1335
                                                             RtCD
                              ONE DAY
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