Brighton 1966, Motwon_Musik aus Lautsprecherboxen, Rhede Mai 2002

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6/12/2009
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PALE NEHMEN EINE PLATTE AUF. SIE HEISST „HOW TO SURVIVE CHANCE“ Brighton, Sommer 1966 Motown-Musik aus Lautsprecherboxen, „Whenever I’m with you i feel something burning inside“. Mods bevorzugen Dresscodes und tanzen. Rhede, Noiseless Studio, Mai 2002 Pale nehmen ihr neues Album „How to survive chance“ auf und das seit genau 2 Monaten. Immer wieder und immer zwischendurch hören wir ab, kontrollieren, insistieren. Ein Freund von Thees Ulmann sagte einmal „Hast du 100 000 Freunde, verkaufst du 100 000 Platten:“ Wir kennen seinen Bekannten nicht und den Satz nur aus einer Plattenkritik, aber mal sehen, wie viele Freunde wir haben. Nach keinem Auditorial im Jahre 2001 dann von Februar bis März Proben für ein konzeptionelles Album (Nein, kein Konzeptalbum) und das Thema? ... die Magie des Zufalls. Wir hören Ben Folds, die J. Geils Band, Coldplay, die Housemartins, wollen klingen wie die Beatles auf „Revolver“. Eine Platte wie eine Ansammlung von angedachten Ideen, die nicht beendet werden und lesen uns durch Literatur, die vielleicht aufzeigt: Zufall oder Bestimmung? Wir entscheiden uns für die Chaostheorie und arbeiten genauso. Nehmen diverse Songs auf, deren Fragmente feststehen, die sich aber mit jeder Minute ändern. Wir könnten behaupten nur zum guten, tun wir aber nicht, weil wir wissen, dass es nicht so ist. Sind wir nicht im Studio, proben wir und ergänzen, wo etwas zu fehlen scheint. Meistens ist es ein MiniSynthesizer von Korg, Japans Antwort auf den Moog, der zu allem zu passt, was wir aufnehmen. „Das Leben ist kein Video“ sagte mir mal eine schlaue hübsche Dame und hatte wahrscheinlich ziemlich Recht damit. 08. April 2002, kein Fussballwetter Defiance ruft an und will wissen, wie das Album heissen wird. Innerhalb von einer halben Stunde müssen wir uns entschieden haben und wählen aus. Vorschlag 1 „pawn-shopping“, abgelehnt, klingt wie etwas anrüchig und irgendwie falsch ausgesprochen. Vorschlag 2 „How I long to sing forever“, klingt zu gut, zu gut nach der grossen Emotion, also nicht ... Vorschlag 3 „How To Survive Chance“ ... klingt wichtig, interessant; wichtig ohne zu fordern ... das ist es. Roland von Defiance ruft zurück und sagt: „Das klingt toll“. Erste Hürde genommen! 12.April 2002, sonnig Christian will eine Harfe, bekommt er. Ich laute Timpanis, bekomme ich auch. Wir denken „Ist das noch machbar?“ und sagen „Keine Ahnung“. Wir versuchen uns neu zu erfinden, bei den heiligen 3 Minuten aus dem Rockmusikerhandbuch zu bleiben und es trotzdem anders zu machen ... jedenfalls in unserer Vorstellung davon, wie Pale jetzt zu klingen hat. Also, entspanntere Sing-A-Longs und jedem Song etwas mitzugeben, dass ihn charakteristisch verweilen lässt. Alles nimmt sich aus wie die lange, kräftezehrende Arbeit an einem Stanley Kubrick-Film, die niemals zu enden wollen scheint. „Eyes Wide Shut“. Wir schlafen, schauen Videos und fragen uns was Boston wohl gemeint haben, als sie sangen „More than a feeling“. Wir singen mit und denken „Vielleicht wissen wir es mittlerweile auch schon“. 25.April 2002, Herzogenrath. Wir sind zu Hause, nicht im Studio. Arbeiten, Entspannen. Roland von Defiance kommt vorbei und möchte die Basictracks zu den Songs hören. Hört er und sagt “ ...“ Wir diskutieren über das Layout der Platte. Auswahl des Photos: Wir suchen uns durch die Weiten einer 30Gigabyte-Festplatte und stossen zufällig auf ein Photo, das Scott von „New End Original“ von uns auf Tour gemacht hat. Orange, pixelig, lächelnd, müde. Wir denken „Namedropping“, egal ... ein Photo so wie wir sind. Das Ganze auf einem Schuber und innendrin eine 20-seitige Ideensammlung von Photos und Texten zu dem Thema „Wie überlebt man den Zufall“. Alles lackiert, alles weiss, so dass es vom Zufall abhängt, was man sieht und was man überliest. Wir schicken es Hoffi von Defiance rüber und er sagt: „Ja, das ist es!“: Ich denke „Wie viele Songtexte stehen noch aus?“ Ich ignoriere die Antwort und gehe ins Bett. Ende April 2002, es regnet Jörg Seemann und Pale sitzen im Aufnahmeraum und arbeiten an den Bläsersätzen zu „Sometimes, Somewhere“. Hilly verlässt wütend den Raum und kümmert sich um unser heutiges Barbecue. Ihm gefällt nicht was da aus teuren Studioboxen herauskommt. Studio-Lautprecher die einen bei jedem Ton glauben machen lassen, gerade die weltbeste Produktion seit Refuseds „Shape of punk to come“ abzuliefern. Die Wahrheit erklingt auf Sony-Weltempfängern .... „Zu poppig, zu wenig Gitarren.“ Die Anderen lachen und machen weiter. Einer Freundin spiele ich das ganze am Tag darauf am Telephon vor. Sie sagt „Housemartins“, ich denke an die Beatles auf „Got to get you into my life“. Selber Einfluss. Alles richtig gemacht. Freitag 03.Mai Ich nehme einen braunen Papier-Umschlag - Grösse Deutsche Industrie Norm A5 - zur Hand und schreibe Maximilian Hecker, Berlin drauf. Ich hoffe, Maximilian hat seine Antwort auf die Frage „Spielst du auf unserer Platte Klavier?“ nicht vergessen und schickt uns eine Midi-Dateien-Diskette zurück ... das fehlende Glied in der Kette, the missing link, der noch ausstehende Klavierpart zu „Everytime You Say Godbye“. Ich freue mich darauf, die Platte bald in den Händen zu halten, während Walter Schreifels singt: „Good things will come our way.“ 15. Mai 2002, noch 16 Tage bis zum WM-Eröffungspiel Alle 13 Songs sind aufgenommen und abgemischt; Fragmentarisches wie „Girl Afraid“ irgendwann nachts um drei mit einem Raummikro augenommen, ebenso wie der Bombast-Pop von “Everytime You Say Goodbye“, der uns 4 Tage gekostet hat. Eine Menge geschnitten, neu arrangiert, zusammengekürzt, verlängert. Wir schalten den Randomplayer an und überlassen die Auswahl, wann welcher Song auf der CD erklingt, dem 5.Bandmitglied: einer Apple-Workstation. Zufall als Prinzip. Ein 24-fach-Brenner brennt die Master-Cd und wir schwören uns mit aller Überzeung, die wir noch aufbringen können, sie bis Mitte Juli 2005 nicht mehr anzuhören. In der Rolle seines Lebens reicht Steve Mc Queen ein Sekundenbruchteil in Form eines Handschnippens, um zu sagen, was er will. Der Film ist ein Western und er heisst „Die glohrreichen Sieben“.

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