Ratschläge an meine jungen Geschwister
MUSTAFA ISLAMOĞLU
MUSLIMISCHE JUGEND IN DEUTSCHLAND
GREEN PALACE
Übersetzt von: Rüştü Aslandur Alle Rechte vorbehalten
©200 5 ISBN 3-937321-O2-O
Typographie und Umschlaggestaltuüg: MOSAICdesign, Köln www.mosaicdesign.de
Druck: Druckerei Dogan Nürnberg
Green Palace Gitschiner Str. 16 10969 Berlin Tel: (030) 695 072 73 Fax: (030) 695 072 74
Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Herausgebers Vorwort des Übersetzers 8 10
Vorwort des Autors ' ILM (Lernen und Praktizieren) Lesen und Verstehen Qur'an-Lesen TAUHÎD FIQH (Islamisches Recht) Gesundheit und Sauberkeit AKHLAQ ÂDÂB Zwischenmenschliche Beziehungen Gerechtigkeit Der Muslim und das Umfeld Persönlichkeit
ÂSABIYYA
INFÂQ Ausgewogenheit Lebensunterhalt Der MU'MIN und Zeit HAQQ (Rechte und Gerechtigkeit) MU'ASCHARÂT (Soziales Verhalten oder Umgang) 101 Liebe und Güte Tod und SCHAHÂDA (Bezeugen) Sich Allah Nähern DHIKR (Gedenken Allahs) SALAH ( Das Gebet)
12 16 19 25 30 38 41 44 50 54 64 67 70 77 81 84 86 90 94
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Vorwort des Herausgebers
Mit dem Namen Allahs Die Muslimische Jugend in Deutschland e.V. und ihr Buchverlag & -vertrieb Green Palace freuen sich, ein weiteres Buch in der Reihe „Islam: Wissen und Leben" veröffentlichen zu dürfen. Unsere Veröffentlichungen haben das Ziel, islamische Literatur in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen, die zum Ziel hat, vor allem muslimische Jugendliche auf dem Weg zu Allahs Wohlgefallen zu unterstützen und den Islam in seiner Ganzheitlichkeit darzustellen. So Allah will, ist dieses Buch ein weiterer Schritt, um diesem Ziel näher zu kommen. In dieser Reihe stellen wir islamische Literatur vor, die für das Verständnis und die Praxis des Islam gerade für junge Muslime sehr wertvoll sein kann. Vor allem zeitgenössische Autoren sollen hier zu Wort kommen.
An dieser Stelle bitten wir Allah um reichliche Belohnung für die Geschwister, die das Erscheinen des Buches in deutscher Sprache ermöglicht haben; besonders sind zu nennen: Bruder Mustafa Ġslamoğlu als Autor, Bruder Rüştü Aslandur als Übersetzer, Korrektor und treibende Kraft in Personalunion, Bruder Ibrahim Jimoh als Layouter und Designer, die Schwestern Iman Reimann, Esma Bilekkaya, Elif Koc und Mareike Dasenbrook als Korrektorinnen, die Brüder Nadim Gharieb und Chaban Salih als Korrektoren. Möge Allah dieses Buch einen Beitrag zum besseren Verständnis des Islam und zur Stärkung unserer islamischen Praxis werden lassen. Der Herausgeber 29. Dhul Qa' dah 1425 9. Januar 2005
Vorwort des Übersetzers
strengung in Händen zu halten. Und als Muslime wissen wir, dass es stets die Gnade Allahs ist, durch die Er selbst kleinen Bemühungen zum Erfolg verhilft. Wie jedes Buch hat auch diese Schrift eine Geschichte. Zunächst war es die Idee eines Bruders, die mich dazu
Nach vollbrachter Arbeit ist es für jeden, der sich bemühte, eine Freude, die Frucht und das Ergebnis der An-
brachte, die Übersetzung dieser als Ratschläge verfassten Zeilen anzugehen. Er schlug vor, sie als Freitagspredigten aufzubereiten. Allah wird ihm inscha Allah seinen Anteil an der Belohnung geben. So wurde nach und nach das ganze Buch übersetzt. Mustafa Ġslamoğlu ist eine der wenigen neuzeitlichen muslimischen Autoren, bei denen die Inhalte „universal" sind. Sie beziehen sich nicht hauptsächlich auf die örtlichen Gegebenheiten und können deshalb ohne Abstriche in eine andere Sprache übersetzt werden. Dass seine Bücher - manche von ihnen in der 20. Auflage - in der Türkei zu Bestsellern geworden sind, spricht für sich. Mittlerweile ist der junge Gelehrte Mustafa Ġslamoğlu bei vielen jungen türkischsprachigen Muslimen selbst zu einer „Denk- und Verständnisschule" geworden. Sein Hauptmerkmal ist es, dass er es schafft, selbst komplexe Angelegenheiten geistreich und rational zu erläutern. Und gerade das zieht auch den jungen westlich-gebildeten Menschen an.
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Es ist mir eine Freude, dass wir mit diesem Buch einen Anfang machen, diesen wertvollen Autor dem deutschsprachigen Leser bekannt zu machen. Als eine freudige Pflicht betrachte ich es, all jenen jungen Brüdern und Schwestern, die sich an diesem Projekt auf unterschiedliche Weise beteiligt haben, zu danken und ein „vergelt's Gott" auszusprechen. Zuletzt möchte ich die bescheidene Bitte äußern, dass der Leser für mich und die anderen Geschwister ein kleines Bittgebet spricht, dass Allah diese kleine Anstrengung von uns annehmen möge. Rüştü Aslandur Karlsruhe, 18. Juni 2003
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Vorwort des Autors
Ġnsanlığın değişmez değerlerinin öbür adı olan Ġslam'ın insanlıkla yaşıt olan vahyinin zirvesi olan Kur'an, bu kitabı oluşturan tavsiyelerin kaynağını teşkil eder. Bu risale, aslında bir masa başı eseri değildir. O yazılmadan çok önce muhtelif seminerlerde tabir caizse bir "hap", bir "nektar" gibi muhataplarına sunulmuştu. Daha sonra yayımlandığında, bir çok insan onu bir "cep kitabı" gibi onu okudu, okuttu, nişan ve düğün şekeri yerine dağıttı.
ORIGINAL: Herşeyin bir "öz"ü olduğu gibi, bir de "sözün özü" vardır. Tavsiyeler I, sözün özünden oluşan bir "konsantre kitap'tır.
Gönüllü bir ekip Almanya'dan beni arayarak "Kitaplarınızı almanca'ya kazandırmak istiyoruz, hangilerinden başlamamızı istersiniz?" diye sorduğunda, verdiğim listenin başlarında Tavsiyeler'in yer alması, işte bu eserin yukarıda dile getirdiğim nitelikleri yüzündendi. Tavsiyeler benim Alman dilinde yayımlanan ilk kitabım. Kitaplarımın Son Peygambere naat yazmış bir şair olan R. M. Rilke'nin ve yine Peygamber hayranı olan Goethe'nin konuşup yazdığı dile çevrilmesi, benim için ayrı bir anlam taşıyor. Başta Tavsiyeler'in gönüllü mütercimi sevgili Rüştü Aslandur olmak üzere, bu kitabın Almanca baskısına emeği geçen tüm dostlara teşekkür ediyorum. Ġmaj bozucu-imaj oluşturucu bir disiplin olan Oryantalizrn in bilinçler üzerinde yol açtığı tahribatı önlemek için, öteden beri ısrarla bir Occidentalizm oluşturulması gerektiği tezini ısrarla savunmuşumdur. Ġşte bu çerçevede, bu tür telif ve tercüme faaliyetlerini de, tahrip olmuş bilinçlerin yeniden inşası projesine bir katkı olarak görüyorum.
Bu mütevazı, demir çalışma, Ġslam'ın hedefi olan insanla, insanın değişmez değerlerini temsil eden Ġslam arasına örülen demir perdenin yıkılmasına katkıda bulunduğu oranda amacına ulaşmış sayılacaktır. Çaba bizden, başarı yalnızca Allah'tandır. Mustafa Ġslamoğlu 12 Temmuz 2003
ÜBERSETZUNG: Sowie jede Angelegenheit einen Kern besitzt, so gibt es auch eine „Essenz" des Wortes. Dieses vorliegende Buch ist das Konzentrat der Worte. Die Quelle dieses Buches ist der Koran, der den Höhepunkt der Offenbarung Gottes darstellt. Und die Offenbarung ist ebenso alt wie der Islam selbst, der nur ein anderer
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Name für die unveränderlichen Werte der Menschheit ist. Diese Schrift ist kein Buch, das am Schreibtisch verfasst wurde. Diese Zeilen wurden vor ihrer Niederschrift den Adressaten in verschiedenen Seminaren als eine Medizin und ein Nektar dargeboten. Als sie später veröffentlicht
wurden, haben viele Menschen sie wie ein Taschenbuch gelesen, lesen lassen und bei Verlobungen und Hochzeiten anstatt Süßigkeiten verteilt.
Als eine Gruppe von Freiwilligen mich fragte: „Wir wollen Ihre Bücher auf deutsch übersetzen, welche empfehlen Sie uns als Erste?", tauchte dieses vorliegende Buch als eines der ersten auf der ihnen überreichten Liste auf. Dies aufgrund der Eigenschaften dieser Schrift, die ich oben ausgeführt habe. Das vorliegende Buch ist das erste meiner Bücher, das auf Deutsch veröffentlicht wird. Dass meine Bücher in die Sprache übersetzt werden, in der R. M. Rilke, der eine Lobeshymne an den letzten Gesandten geschrieben und in der Goethe, der ebenfalls ein Bewunderer des Propheten gewesen war, gesprochen und geschrieben hat, besitzt eine weitere Bedeutung für mich. Zuerst möchte ich dem Übersetzer, meinem geschätzten Bruder Rüştü Aslandur, und all den Freunden, die sich für diese deutsche Ausgabe von „Tavsiyeler I" - wie es im Original heißt - eingesetzt haben, herzlich danken.
Seit jeher habe ich nachdrücklich die These vertreten, dass ein Okzidentalismus geschaffen werden sollte. Dies um die Zerstörung des Bewusstseins durch den Orientalismus als eine Disziplin, welche Vorstellungen entstellt und andere errichtet, zu verhindern. In diesem Rahmen sehe ich die Bemühungen, Bücher zu verfassen und zu übersetzen als einen Beitrag zur Rekonstruktion des zerstörten Bewusstseins der Menschen. Diese bescheidene Arbeit wird in dem Maße ihrem Zweck gerecht werden, wie sie behilflich ist, den Vorhang aus Eisen, der zwischen dem Islam, der die unveränderlichen Werte der Menschheit repräsentiert, und dem Menschen, der das Ziel des Islams ist, niederzureißen. Die Anstrengungen obliegen uns, aber der Erfolg ist nur von Allah. Mustafa Ġslamoğlu 12 Juli
2003
' ILM (Lernen und Praktizieren)
1. Irrt nicht ziellos umher! Ohne Ziel zu sein bedeutet, niemandem nutzen zu können. Macht euch Gedanken
darüber, warum und zu welchem Zweck ihr erschaffen wurdet. Denkt über die Aufgabe und die Verantwortung des Menschen im Universum nach, betrachtet die Umma (Gesamtgemeinschaft der Muslime), der ihr angehört innerhalb der Menschheit, und bewertet eure eigene Persönlichkeit innerhalb dieser Umma. Ihr werdet die Rolle, die euch in ihr zugewiesen wurde, erst richtig übernehmen können, wenn ihr wisst, welche diese überhaupt ist. 2. Lernt euch selbst kennen! Alles beginnt bei euch selbst. Vergesst nicht, dass ihr der Dreh- und Angelpunkt der Schöpfung seid. Der Mensch ist sowohl Weg als auch Wegbeschreiter. Wenn der Wegbeschreiter den Weg kennen lernen will, muss er sich zunächst selbst kennen lernen: seine Talente, seine Stärken und Schwächen, seine Verantwortung, seine Rechte und Pflichten. 3. Die, die sich daran gemacht haben, den Menschen kennen zu lernen, werden bemerken, dass es eigentlich die Fähigkeit zum Lernen und Begreifen ist, die den Menschen zum wahren Menschen macht. Ihr werdet erstaunt feststellen, dass alle Tugenden des Menschen mit Wissen und Bewusstsein ('Ilm) verbunden sind. 4. Flieht vor der Unwissenheit, als würdet ihr vor der Pest fliehen! 'Ilm (Wissen) ist eine wahre Tugend. Sogar der Iman (Glaubensüberzeugung) beginnt mit Wissen: Ma'rifatullah (Das Wissen über Allah). Sucht nach den
Quellen, die euch zur Kenntnis führen und euch die Wahrheit erblicken lassen. Diese Entdeckung ist machbar mit „Lesen" im weitesten Sinne. Der Befehl Lies ist ein Wunderwerk: Es ist das erste Wort der zuerst herabgesandten Âyah des Qur'an. Und nicht nur das Auge liest. Das Ohr, die Nase, die Zunge, der Verstand, das Herz, die Seele, sie alle sind Werkzeuge, die „lesen". Nur die Arten des Lesens unterscheiden sich. 5. Der Besitz von Wissen ist das Beste, was jemand sich von den weltlichen Dingen aneignen kann, denn Wissen ist wahre Tugend. 6. Beim Wissenserwerb solltet ihr den dringenden und notwendigen Dingen Vorrang geben. Bevor man mit dem Lesen beginnt, ist es erforderlich, sich die folgende Frage zu stellen: Ist dieses Wissen für mich ein Muss7. 7. Nach unserer Ansicht ist es nicht richtig, das Wissen in religiöses und weltliches Wissen zu unterteilen. Das Weltliche eines Gläubigen ist nicht getrennt von dem Religiösen, und das Religiöse ist nicht abgeschnitten von dem Weltlichen. Das Wissen über euren Beruf ist so gesehen euer İlmihâl1 . Es ist genauso notwendig und nützlich wie euer Wissen über das Jenseits.
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Leitfaden für die religiöse Praxis im Alltag
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8. Flieht vor der Last des Wissens wie vor der Unwissenheit selbst! Vergesst nicht, dass der Gesandte Allahs (s) vor unnützem Wissen bei Allah Zuflucht gesucht hat! Unwichtiges Wissen ist wie ein Nierenstein des Verstandes -er muss ausgeschieden werden. Die „Verstandessteine" sind oft sehr viel gefährlicher, und ihre Behandlung ist weitaus schwieriger als die von Nierensteinen. Obwohl es dank neuester Technologie möglich ist, die Nierensteine mit Laserstrahlen zu zerteilen, ist es fast unmöglich, die Last des Verstandes zu zerbröckeln. Wenn jemand Besserwisserei und 'Ilm miteinander verwechselt oder einen Besserwisser mit einem Gelehrten, dann hat dieser nicht begriffen, wer ein 'Âlim (Gelehrter) und was 'Ilm ist. Wissen und Gelehrsamkeit werdet ihr erst verstehen können, wenn ihr dieses Phänomen aus der Sicht der Âyah ...Es fürchten Allah von Seinen Knechten die Wissenden,... (35:28) betrachtet.
werbs ist. Aber beachtet, dass der Gegenstand des Lesens nicht nur das Buch ist. Ein Buch ist nur ein Gegenstand, in dem man lesen kann. Die Geschehnisse, die Dinge, das Universum und der Mensch sind auch eine Art Buch. Sie sind Zeichen, also Âyât von Allah und kommen als Gegenstand des Lesens vorrangig in Betracht. 10. Lasst eure Gedanken nicht zugrunde gehen, indem sie Hunger leiden. Das Lesen ist - da ihr ja keine Offenbarung erhaltet - der einzige Weg, euren Hunger diesbezüglich zu stillen. Ein Mensch, der nicht liest, ist wie eine Pflanze ohne Wasser - sie wird eines Tages eingehen. Es mag sein, dass man nicht nur durch Lesen Wissen erwerben kann, aber es ist immer noch die sicherste Methode. 11. Lest mit der angebrachten und aufrechten Absicht! Steht hinter eurer Absicht. Erlangt euer Wissen mit einer reinen Absicht (Niyya). Vergesst dabei nicht, dass das wahre Wissen (Haqq) bei Allah ist. Es hängt von eurer Aufrichtigkeit (Ikhlâs) ab, ob und welchen Anteil ihr von diesem wahren Wissen erhaltet. Merke: Wissen ohne Aufrichtigkeit kann sich zu einer Belastung für seinen Besitzer entwickeln.
Lesen und Verstehen
9. Macht euch das Lesen zu eigen! Und vergesst nicht, dass das Lesen immer noch die beste Art des Wissenser-
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12. Lest richtig! Die Garantie für das richtige Lesen ist die korrekte Sichtweise. Diejenigen, die das Buch, die Ge-
schehnisse, die Dinge, das Universum und den Menschen falsch wahrnehmen, werden niemals das Geheimnis der
Weisheit erlangen. Das richtige Lesen hat auch etwas mit ausgewogenem und gesundem Menschenverstand zu tun. Ein Verstand, der kränkelt, wird die Dinge eintrüben, die er gelesen hat. Er wird das Rechte (Haqq) mit dem Falschen (Bâtıl) durcheinander bringen. 13. Wie schon erwähnt, ist der Gegenstand des Lesens nicht nur das Buch. Denn jedes bewusste Sehen ist ein Lesen. Um richtig lesen zu können, muss man in der Lage sein, wahrhaftig sehen zu können. Menschen, die „schielen, werden niemals tatsächlich sehen können. 14. Die Unebenheit solltet ihr nicht in den Dingen, die ihr seht, sondern in euren eigenen Blicken suchen. Manche, die schief schauen, werden auf den ersten Blick nicht den Iman, den Verstand, das Herz, den Mut, die Tugend, die Schönheiten sehen, sondern stattdessen nur die Gedärme eines Menschen. Diese werden auf die Frage „Was ist der Mensch?" die Antwort „Gedärme!" geben. Solche Leute sind wie jene, die, wenn sie ein halbvolles Glas sehen, es als halbleer bezeichnen oder eine Wohnung mit Wohnzimmer, Schlafzimmer und Gästezimmer als einen Ort mit Toilette beschreiben. 15. Wenn ihr mit den Ohren lest, - das ist das Zuhören - dann tut das nicht nur mit den Hörorganen. Hört dem, was gesagt wurde, vollständig zu! Wendet nicht gleich etwas gegen das Gesagte ein, bevor ihr euch nicht verge-
wissert habt, ob ihr das Ausgesprochene überhaupt richtig verstanden habt! 16. Ganz gleich mit welchen Organen - den Augen, den Ohren, dem Verstand - ihr lest, reinigt sie auf jeden Fall mit dem Filter eures Herzens. Setzt das so erlangte Wissen nicht ein, bevor ihr diesbezüglich die Erlaubnis eures Imans eingeholt habt. 17. Lest das Richtige. Das bedeutet aber nicht: Macht euch nicht über das „Falsche" kundig. Aber die Wahl, die ihr für das Lesen getroffen habt, muss eine richtige Wahl sein. Auch hier zeigt sich die Eigenschaft des Buches, das zuverlässigste Mittel für den Wissenserwerb zu sein. Ein Buch, das falsch ausgewählt wurde, ist nicht nur aus einer Sicht, sondern aus vielen Blickwinkeln Verschwendung (Isrâf). Es ist Energie-, Zeit- und Geldverschwendung, unnötige geistige Tätigkeit usw.. Um der Verschwendung Einhalt zu gebieten, ist deshalb eine bewusste Auswahl notwendig. Es zeugt nicht von Vernunft, wenn man hundert Kilogramm Zuckerrohr verzehrt, um hundert Gramm Zucker zu sich zu nehmen. 18.Vergesst nicht, dass alle Bücher - außer der Offenbarung - mit einem Fragezeichen beginnen und mit einem Fragezeichen enden! Manchmal werden sie sogar als Frage geschrieben.
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19- Brecht nicht die Herzen der Bücher. Ja - sie besitzen Herzen! Behandelt sie also nicht respektlos. Wenn man das Buch als etwas betrachtet, worauf man tritt, um die nächste Stufe des weltlichen Ansehens zu erklimmen, dann bedeutet dieses Vorgehen, die Ehre des Buches mit Füßen zu treten. 20. Kein Buch, außer dem Buche Allahs (Kitâbullah), ist: la rayba fih (ohne Zweifel). (2:2) In diesem Sinne gleichen die Bücher, die menschliche Produkte sind, Wassermelonen: Schält die Schale und esst das Innere. Es zeugt nicht von Reife, wenn man die Schalen mitisst, weil das Innere so gut schmeckt, oder die ganze Wassermelone wegwirft, weil die Schale unbekömmlich ist. Es wird berichtet, das Imam Asch-Schafi'i, als er einem seiner Schüler sein berühmtes Werk al-Umm diktierte, sagte: „Lies einmal vor, mein Sohn" und der Schüler las das Diktierte vor. Der Imam sagte „streiche Dieses durch und schreibe es so und verbessere Dieses hier, usw." und er korrigierte das Buch von Anfang bis Ende. Beim zweiten Mal meinte der Imam: „Nun, so ist es gut" und er ließ es sich vorlesen. Aber wie beim ersten Mal ordnete er an vielen Stellen an, das Diktierte durchzustreichen, zu verbessern, andere Dinge hinzuzufügen. Jetzt meinte er: "So, nun bin ich fertig. Als er das Buch zum dritten Mal bearbeitete, stellte sich heraus, dass immer noch viele Stellen zu verbessern waren, und er gab sich selbst das Versprechen: "Von nun an werde ich kein Buch, außer dem Buche Allahs, als vollendet betrachten.
Vergesst deswegen nicht, dass kein Buch, außer dem einen, von vorne bis hinten richtig und auf der anderen Seite auch keins von Anfang bis zum Schluss vollständig falsch sein kann. 21. Die richtige Auswahl der Bücher ist zunächst die richtige Auswahl der Autoren. Denn besonders die Werke, die einen Standpunkt vertreten, können nicht unabhängig vom Autor betrachtet werden. Die eventuellen Schwächen und Fehler des Autors werden sich im Werk widerspiegeln. Deswegen solltet ihr kein Werk eines Menschen lesen, so wie ihr das Werk Allahs lest, selbst wenn es ein geschätzter Autor ist. Wie könnte ein Mensch, der unvollkommen ist, ein Werk hervorbringen, das vollkommen ist? Nur Allah ist vollkommen und zweifellos einzig und allein Sein Buch, der Qur'an. 22. Unter diesem Aspekt sind die Werke, die sich mit Allahs kosmischen Âyât (d.h. der Sunnatullah = Gesetzmäßigkeiten Allahs) und Seiner Schöpfung beschäftigen, also die naturwissenschaftlichen Werke, vertrauenswürdiger und zuverlässiger. 23. Ordnet die Bücher in drei Kategorien: I. Notwendige Werke II. Nachschlagewerke III. Allgemeine Werke Die notwendigen Werke sind die, welche man nicht nur einmal, sondern immer wieder liest. Diese sind wenige an der Zahl. Sie sind wie Nahrung; wenn man sie nicht
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aufnimmt, wird man an Mangelerscheinungen leiden. In dieser Kategorie kommt an erster Stelle der Qur'an. Wessen Geist mit dem Qur'an genährt wird, der wird dadurch ge stärkt. Nachschlagewerke sind: Wörterbücher, Bücher über Begriffserläuterungen und Lexika usw.. Bei der Auswahl allgemeiner Werke muss man sehr behutsam vorgehen. 24. Es gibt viele Lesetechniken. Drei von ihnen sind besonders bekannt: I. Unterstreichen und Markieren II. Aufzeichnen III. Katalogisieren Das Ziel des Lesens ist der Wissenserwerb. Das Gedächtnis kann einen täuschen: Falls ihr beim Lesen auf Stellen stoßt, die ihr immer wieder brauchen werdet, müsst ihr sie irgendwie speichern. Und dies könnt ihr mit den genannten Techniken durchführen. 25. Falls ihr das Wissen anderen weitergeben müsst, dann solltet ihr für das, was ihr wahrscheinlich noch einmal benutzen werdet, eine kleine Datenbank zusammenstellen. 26. Notiert euch auf jeden Fall die Dinge, die ihr beim Zuhören für wichtig erachtet. Haltet stets einen Notizblock bereit. Beachtet die Empfehlung des Dicht ers, der sagte: Der Schreibstift ist Gold, das Wort eine Perle, steck es ein, steck es ein.
Wiege und verkauf es nicht, nur bei Gelegenheit gib es aus.2
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Kalem altun, Kelam inci hemen derceyle derceyle Teraziye koyup satma, yeri geldikçe harceyele
Qur'an-Lesen
27. Richtet es so ein, dass der Qur'an sich in eurem Le bensmittelpunkt befindet. Denn ein Leben ohne Qur'an ist ein Leben ohne Allah. Wenn ihr euch selbst erforschen wollt und Allah kennen lernen möchtet, dann müsst ihr den Qur'an lesen. Dem Lesen folgt das Begreifen und dann das Leben nach dem Qur'an. Wenn ihr den Gesandten Allahs (s) kennen lernen möchtet, so müsst ihr den Qur'an lesen. Wenn ihr erfahren möchtet, wie das Verhältnis zwischen dem Schöpfer und Seinem Geschöpf sein sollte, und wie ihr eine Beziehung zu Allah aufbauen könnt, wie sie zwi schen Allah und Seinem Gesandten (s) existierte, so lest den Qur'an. 28. Bevor ihr ein Leben nach dem Qur'an beginnt, prüft nach, ob euer Verstand und euer Herz für die Rezitation des Qur'ans aufnahmebereit sind, also ob euer Verstand See lenruhe besitzt und euer Herz beruhigt und empfänglich ist. Falls die Gemächer eurer Sinne und eures Verstandes nicht bereit sind, die königlichen Worte zu empfangen,
d. h. solange ihr im Inneren nicht aufgeräumt habt und euer Verstand und euer Herz durchwühlt sind, müsst ihr die Ruhe in euch herrichten und die Gemächer für den Qur'an vorbereiten.
29. Wenn ihr eu ch vor dem Qur'an niederkniet, dann stellt euch vor, ihr würdet symbolisch vor Allah in die Knie
fallen und erlebt dieses Gefühl. Erlebt dieses Gefühl so, als ob euer Herr zu euch sprechen würde und ihr keinen Buchstaben dieser Anrede verpassen wolltet. 30. Lest den Qur'an so, als ob er euch offenbart werden würde! Bezieht jede Anrede in ihm auf euch und proji ziert jeden Propheten in den qur'anischen Geschichten auf euch selbst. 31. Wenn ihr den Qur'an lest, achtet darauf, dass die Qibla (Gebetsrichtung) eures Herzens in Richtung Allah zeigt und sprecht das folgende Bittgebet: O Allah, öffne ihn mir und öffne mich ihm. 32. Lest zunächst die Muhkamat (eindeutigen Âyât) des Qur'ans. Denn sie sind die Mutter des Buches. Die mehrdeutigen Verse sollen für euch keine Priorität besitzen. 33. Es gibt zwei Bedingungen, die man erfüllen muss, wenn man sich den Mutaschabihât (den mehrdeutigen Âyât) zuwendet: Iman und eine tiefgründige Kenntnis der Muhkamât. Nur wenn ihr die genannten Bedingungen erfüllt habt, solltet ihr euch mit dem Mutaschabihât (mehrdeutigen Âyât) beschäftigen, aber beharrt nicht darauf, dass das Ergebnis, zu dem ihr gelangt seid oder zu den andere gekommen sind, eine Angelegenheit des Imans ist. Vergesst nicht, dass die Mutaschabihât die dynamischen und flexib-
len Verse des Qur'ans sind. Die Texte der Mutaschabihât werden einmal, aber ihre Bedeutungen tausendfach offenbart. Die betreffenden Âyât eröffnen den Gläubigen, die darüber nachdenken und die tiefgründendes Wissen besitzen, nochmals ihre Geheimnisse, und offenbaren sich sozusagen durch Inspiration erneut. 34. Wenn ihr den Qur'an lest und des Arabischen nicht mächtig seid, dann lernt die Bedeutungen der Suren, die ihr täglich im Gebet vortragt. Dann wird die Bedeutung der Sure, die ihr im Gebet lest, in euren Verstand übergehen. Stellt es euch vor wie Spielfilme mit Untertiteln, wo euch der Ton und die Schrift gewissermaßen begleiten. 35. Falls es jemanden in eurer Umgebung gibt, der den Qur'an auswendig lesen kann, also einen „lebendigen Qur'an" bzw. einen Qur'an auf zwei Beinen (Hâfiz), dann lasst euch den Qur'an von diesem Menschen beibrin gen. Dies ist die prophetisch überlieferte Metho de des Qur'anunterrichts. Der Qur'anlehrer des Gesandten Allahs (s) war der Engel Dschibriel (a.s.). Vergesst nicht, dass der Qur'anlesung das richtige Begreifen und das Überlegen und diesem wiederum die Handlung gemäß dem Qur'an folgen muss. 36. Versucht nicht, den Qur'an mit euren individuellen Meinungen auszulegen! Trübt nicht den klaren und reinen
Wasserlauf des Qur'ans mit dem kulturellen Denken, das ein Produkt der fehlbaren Menschen ist. Um eine Âyah richtig zu verstehen, solltet ihr auf die folgenden Prinzipien achten:
I. Gibt es eine andere Âyah im Qur'an, die diese erläutert oder ergänzt?
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II. Wie hat der Prophet (s) diese Âyah erläutert, verstanden und gelebt? II. Wie haben die Fuqahâ (Rechtsgelehrten) der Sahâba (Gefährten des Propheten Muhammad (s)) diese Âyah verstanden und gelebt? 37. Macht euch voll bewusst, dass der Qur'an wie ein Weg ist, dessen zurückgelegte Strecke einer Waffe gleicht. Mit seinen eigenen Worten vermehrt er den Iman des Gläubigen und das Verder ben des Unterdrückers und Glaubensverweigerers, (s. z.B. 9:124-125; 8:2 u.a.)
umgewandelt wird. Die einzige Wissensquelle, die in ihrer Gesamtheit in Iman umwandelbar ist, ist der Qur'an. Nichtauthentisches Wissen in Iman umzusetzen gleicht der Aufnahme giftiger Nahrung. Wenn die Gefühle und Gedanken vergiftet werden, ist das Ergebnis schrecklicher als eine Lebensmittelvergiftung. 39. Lest euren Kindern die Prophetengeschichten des Qur'ans vor anstatt Märchen: Erzählt ihnen die Geschichte von Ibrahim (a.s.), Ismail (a.s.), Musa (a.s.), Yusuf (a.s.) oder Isa (a.s.). Bevor ihr in ihre Vorstellungswelt mit modernen Kulturgötzen, falschen Fussballgöttern und Popmegastars eindringt, macht sie mit den Helden des Qur'ans bekannt. 40. Wenn ihr den Qur'an und die Menschen, welche die Adressaten der Offenbarung waren, ihre Situation und ihre Gesellschaft, sowie den bedeutsamen Empfänger der Offenbarung - den Propheten (s) - kennen lernen wollt, dann lest die authentischen Ahâdîth (Überlieferungen vom Propheten Muhammad (s)), die Sîra- und Maghâzibücher (Lebensbiographien über den Propheten Muhammad (s)) und die Werke, die über das Leben der Sahâba berichten. Vergesst nicht, dass die Bekanntschaft des Qur'ans auf diesem Wege erfolgt. Ihr könnt den Geist der Offenbarung und seinen Kern nur auf diese Art begreifen.
38. Ihr solltet, wenn ihr eine Familie habt, es euch zur Regel machen, jeden Tag einen Abschnitt des Qur'ans gemeinsam mit Verständnis zu lesen. Macht eure Familienmitglieder mit der Offenbarung vertraut. Solch eine Art von Lesung soll für euch zur festen Regel werden. So wie ihr von niemandem aufgefordert werdet, zu essen, so solltet ihr von niemandem eine Aufforderung erwarten, die Qur'anlesung durchzuführen. Begreift, dass das Verlangen des Herzens und des Verstandes viel schlimmere Folgen nach sich zieht als der Hunger des Magens. Die Nahrung des Verstandes ist authentisches Wissen, die Nahrung des Geistes ist es hingegen, dass dieses sichere Wissen zu Iman
41. Gebt eurem Gedächtnis sein Recht! Lernt aus dem Qur'an und den authentischen Ahâdîth Passagen auswendig. Das erweitert euer Wissen und eure Allgemeinbildung. Zudem werdet ihr nicht verurteilt, euer ganzes Leben lang mit einigen wenigen Qur'anabschnitten zu leben. Denn dies bedeutet, bedürftig zu sein. Lernt wenigstens aus den
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Suren, die die verschiedenen Himmelsrichtungen der qur'anischen Geographie ausmachen, kleinere Abschnitte auswendig. Ihr werdet sehen, dass ihr eure Gebete mit Freude verrichten werdet.
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TAUHÎD
42. Festigt eure 'Aqida (Glaubensbund). Lernt den Tauhîd (Eingottglauben) und Schirk (Mitgötterei) gut kennen. Denn die Aqida ist eure Grundlage. Baut euer Islamverständnis nicht auf Sand auf. Lasst ab von einem Glauben, wie ihr ihn vielleicht von euren Eltern übernommen habt und entwickelt einen Iman so wie Allah es will. Richtet euch bei der Abgrenzung der 'Aqida nach dem Maß: Iman an Allah und Ablehnung des Taghuts (falsche Gottheit). Denn dies ist ein qur'anischer Maßstab. 43. Macht die Angelegenheiten, die nicht den Iman betreffen, nicht zu Themen des Imans. Das führt nur dazu, dass die Aqida verwässert wird. Wenn ihr nicht ständig an den Grenzen der Aqida Wache haltet, werden die sichtbaren und unsichtbaren Feinde eure Aqida in völlige Unordnung bringen. Sie werden die Grenzen der Aqida verwischen und unkenntlich machen. 44. Verinnerlicht den Tauhîd, so dass ihr Muwahhidun (Personen, die den Eingottglauben angenommen haben)
werdet. Der Tauhîd ist sowohl der Grund als auch das Ziel unserer Existenz. Jede Sache ist von Allah, und alles wird zu Ihm zurückkehren. Seht in der Mehrheit das Eine und in der Vielfalt die Einheit. La ilaha illallah bringt den universalen Tauhîd am Besten auf den Punkt. Betrachtet das Universum unter der Perspektive des Tauhîd. 45. Tauhîd ist eure Aqida. Der Iman an Allah wird durch die Ablehnung der falschen Götter komplett. Baut euren Iman nicht auf den Überresten des Schirks auf. 47. Begreift, dass Schirk nicht die absolute Falschheit ist, sondern eine Falschheit, die auch Wahrheit beinhaltet. Der Schirk kann keine Rechtfertigung genießen, nur weil ein Schimmer von Wahrheit in ihm steckt. Wenn ein großes Gefäß Honig mit einer Tasse Dreck verschmutzt wird, wirft man es weg, ohne darauf zu achten, welchen Anteil von Schmutz es besaß. 48. Bewegt euch stets zwischen Furcht und Hoffnung. Weicht in der Furcht, der Liebe und der Hoffnung niemals vom Tauhîd ab. Vergesst nicht, dass die Person, die sich vor anderen Dingen als vor Allah fürchtet, zweimal bestraft wird: Einmal wird die Furcht selbst eine Strafe für sie, zum zweiten trifft das ein, was sie befürchtet hat. Die Empfindung von Furcht, Liebe und Hoffnung gegenüber
einer Person neben Allah ist gleichbedeutend mit der Beigesellung dieses Wesens zu Allah. Und dies ist nichts anderes als Schirk.
49. Zeigt die größte Liebe zu Allah. Dies ist nämlich der Tauhîd in der Liebe. Liebt nichts anderes, also „abgöttisch", so wie ihr Allah liebt, sonst habt ihr Schirk in der Liebe begangen. Dies führt nicht nur dazu, dass euer Iman dadurch geschädigt wird, sondern es wird euch auch noch das
weggenommen, was ihr liebtet. Denn Allah ist ghayyûr (Er akzeptiert es nicht, dass Seine Verbote angetastet werden). Allah wird nicht damit zufrieden sein, dass die Liebe, die Ihm zusteht, anderen zugesprochen wird. 50. Stützt euch auf Allah und erwartet nur Hilfe von Ihm. Die Parole asbunallâhu wa n'ima-l-wakil: Allah ist uns genüge. Was für ein trefflicher Verwalter ist Er. (3:173) soll eure Losung sein. Dies ist der Tauhîd in der Hoffnung. Von Allah alles zu erwarten und zu hoffen ist für sich selbst schon ein Dua (Bittgebet). Diejenigen, die sich aber auf Menschen stützen, werden schnell zu Fall kommen. 51. Vergesst nicht einen Augenblick, dass der wahre Eigentümer des Eigentums Allah ist. Dies ist der Tauhîd im Eigentum. Das Recht der Menschen auf Eigentum ist nur symbolisch. Denn der wahre Eigentümer von allem und jedem ist Allah. Er hat die Dinge den Menschen anvertraut. Die, die das Anvertraute nicht richtig behandeln, erhalten von Allah die Strafe von Verrätern. 52. Weist die Macht (Herrschaft) nur Allah zu. Das ist der Tauhîd in der Herrschaft. Die Herrschaft gebührt bedin-
gungslos Allah. Er ist der Besitzer der absoluten Herrschaft. Diejenigen, die nicht annehmen, dass Er derjenige ist, der absolute Herrschaft (Urteil) zuteilt, haben Ihn quasi verleugnet. Er setzt Seine Herrschaft mit der Menschheit um, mit der Menschheit, die Er als Stellvertreter (Khalifah) bestimmt hat. Seine Herrschaft ist im Himmel und auf Erden gültig. Diejenigen, die nicht richten nach dem, was Er herabgesandt hat, sind die Frevler, Unterdrücker und Gottesleugner. 3 53. Der Tod und das Leben liegen in Seiner Hand. Er ist es, der Leben gibt und nimmt. Dies ist auch ein Teil des Tauhîds. Dieser Iman befreit die Menschen von der Todesangst und gibt ihnen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. 54. Der Erfolg ist von Allah {at taufiqu minallah). Es ist ein Zeichen von Äqia-Schwäche, den Erfolg der Menschenanzahl, der wirtschaftlichen Macht o.ä. zuzuschreiben, ohne dabei Allah in die Rechnung mit einzubeziehen. Andererseits bedeutet es, Allah nicht genügend zu kennen, wenn man Erfolg erwartet, ohne die Sunnatullah, die Allah für positive Ergebnisse festgelegt hat, zu beachten. Er
verleiht jedem Erfolg, der sich an die universalen Regeln hält, die Er für den Erfolg festgesetzt hat. 55. Die Versorgung (Rizq) ist von Allah. Allah hat die Erwerbstätigkeit zur Versorgung einer Regel (Sunna) unterworfen. Die Furcht, arm zu werden, ist tausendmal schlimmer als die Armut selbst. Jeder erhält die Gegen-
leistung für seine Arbeit, wenn er sich an die universalen Regeln, die von Allah festgesetzten Sunnatullah, hält. Bei dem Lohn wird nicht auf den Iman geschaut, sondern darauf, ob jemand ihn verdient hat oder nicht. Ein Glaube, der
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Anmerkung des Übersetzers: siehe Koran 5:44-47.
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einem sagt, dass der Besitz durch das Ausgeben auf dem Wege Allahs weniger wird, zeigt das Fehlen des Tauhîd in der Versorgung (Rizq) an. 56. „Eure Umma ist EINE Umma. Haltet euch von jeglichen Haltungen und Handlungen fern, die die Einheit dieser Umma zerstören. Zwietracht zu verbreiten ist die Förderung des Schirk in der Gemeinschaft. Die Erscheinung der Tauhîd-Dimension in der Gesellschaft nennt man Einheit (Wahdah). Die Einheit können nur jene Muslime bilden, denen die Eigenschaft des Muwahhid-Seins zuteil geworden ist. 57. Richtet das Gleichgewicht zwischen Gefühl, Verstand und Aktivität, welche die drei grundlegenden Dimensi onen des Menschen sind, auf gebührende Weise ein. Di e Haltung des Mu slims sollte au f eine Lebensweise des Gleichgewichts abzielen. Das Gleichgewicht zwischen Furcht und Hoffnung, Diesseits und Jenseits, Offenem 58. Der Qur'an beschreibt diese Umma als ausgewogen (wasat). Wie können die Muslime, die das Gleichgewicht in Verstand, Aqida, Akhlaq (Charakter), und Aktivitäten nicht einmal auf der persönlichen Ebene eingerichtet haben, das Gleichgewicht oder, anders ausgedrückt, den „Islam" anderen Menschen weitergeben? 59. Der Muwahhid ist der Muslim, der la ilaha illalah sagt und bereit ist, die Gegenleistung dafür zu erbri ngen. 60. Der Muwahhid ist ein Muslim, der die Freunde Allahs liebt und ein Paradiesgarten für sie wird und er ist jemand, der die Feinde Allahs verabscheut und für sie zu einem Vorhof des Feuers wird. und Verborgenem (Zâhir-Bâtin), Lokalem und Globalem, Verstand und Iman, zwischen Wissenschaft und Religion, Individuum und Gesellschaft, Liebe und Abneigung, sind nur einige Beispiele.
61. Der Mu wahhid ist ein Mu slim, der sich in jeder Sekunde bewusst ist, dass er sich nicht selbst genüge i st , der außerdem aus Überzeugung als Herrn nur Allah an nimmt und Seine Eigenschaften keinem anderen Wesen zuschreibt. 62. Der Muwahhid ist ein Muslim, der ohne wenn und aber sich Dem Einen ergibt und spricht: ich habe mich
63. Der Muwahhid ist ein Muslim, der sich von jeder Art des Schirks im Herzen und Verstand, in Wort und Tat, bei der Leitung und Führung und im Akhlâq fernhält. 64. Der Muwahhid ist ein Muslim, der von der Zelle bis zum Weltall, vom Korn bis zum Stamm, vom Atom bis zum Universum, ganz gleich wo er hinschaut, in jedem die Macht, die Einheit, die Gerechtigkeit und Weisheit des Einen Einzigen erkennt.
dem Herrn der Welten ergeben4.
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Bezieht sich auf 40:66
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65. Lasst die Herrschaft des Imans in eurem Herzen obsiegen, denn es ist die Metropole und Zentrale eures „Wesenstaates." Macht euer Innerstes zum Dâr-ul-Islam (Gebiet des Islam). Vergesst nicht, dass diejenigen, die ihre Herzen nicht zum Dâr-ul-Islam umwandeln, niemals ihr Zuhause und ihre Heimat zum Dâr-ul-Islam umgestalten können. 66. In einem Herzen, wo der Iman nicht die Herrschaft übernimmt, wird der Schaitân (Satan) einen Putsch machen und die Macht an sich reißen. Aber Körperteile, wie Hände und Füße, Augen und Ohren, Zunge und Mund sind die Wegbereiter für solch eine Herrschaft. Diese erzeugen aus den Sünden Munition und geben dem Schaitân so logistische Unterstützung bei dem Kampf um die Herrschaft. Falls diese Körperorgane für die Herrschaft des Imans arbeiten, wird in dem Herrschaftskampf in der Zentrale des Herzens der Iman obsiegen.
67. Dieser „innerliche Kampf" wird bis zum Tode weitergehen. Geht ja nicht auf eine „Feuerpause" mit dem Schaitân ein! Der Schaitân ist euch ein offenkundiger Feind (7:22). Versucht euch bzw. euer Ego nicht freizusprechen. Wahrlich euer Ego (Nafs) gebietet euch das Schlechte.
(12:53)
Gebt in dem ewigen Kampf mit dem Schaitân im „Staat des Herzens" eurem Iman logistische Unterstützung durch Amal as-sâlih (gute Tat). Vergesst aber nicht, dass das Paradies mit Dingen umgeben ist, die das Ego des Menschen verabscheut. 68. Überprüft diejenige Angelegenheit gründlich, über die ihr sagt „ich mag/will das". Kontrolliert, ob das euer Nafs (Ego) will oder euer Iman. Seid dem Iman eine Stütze, um ihm im Herzen, der Hauptstadt des „Wesenstaates, zur Macht zu verhelfen. Wenn die Hauptstadt des Wesens und Körpers - das Herz - die Macht verliert, geraten die
„Landstriche", also die Hände und Füße, Augen und Ohren, Zunge und Mund unter eine andere Herrschaft. Ihr werdet dann keinen Einfluss mehr auf sie haben.
69. Euer Herz soll nicht das Grab, sondern der Palast eures Imans sein. Beraubt den Iman also nicht der Macht. Denn was für einen Nutzen hat ein Iman für euch, der eingesperrt ist und machtlos wird?
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FIQH (Islamisches Recht)
„buchlosen Geschehen" werden.
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islamisches Wertesystem, das die Gebote und Verbote festlegt
70. Fiqh bedeutet nicht, über Fiqh zu lesen und zu lernen, sondern durch Nachdenken und Überlegen ein tiefes Verständnis zu erhalten. Lest also den Fiqh, um so das Überlegen und Nachdenken zu lernen. Am besten könnt ihr durch den Fiqh lernen, wie intensiv sich diejenigen vor euch mit religiösen Texten auseinandergesetzt haben und sich in diesem Bereich angestrengt haben. 71. Führt ein Leben mit Fiqh. Ein Leben mit Fiqh zu führen bedeutet, in einem Rechtssystem zu leben. Sich nicht an den Fiqh zu halten bedeutet, keine Rechtsgrundlage zu besitzen, was auf kurz oder lang zu Anarchie führt. Im Leben einer Person, die sich der größten Ordnung verschrieben hat, darf es keine Ordnungslosigkeit oder Unordnung geben. 72. Macht es euch zum Grundsatz, jeden Teil eurer Angelegenheit, mit dem ihr euch befasst oder zu tun habt, in der Scharia1 ausfindig zu machen. Dies soll einen unerlässlichen Teil eures Muslimseins ausmachen. Ihr seid nämlich keine Anhänger einer schriftlosen Religion, sondern ihr richtet euch nach einem Buch. So lasst euer Leben nicht zu einem
73. So wie es notwendig ist, Fiqh-ul-Ibadât zu kennen (also über die Regeln der gottesdienstlichen Handlungen bescheid zu wissen), so müsst ihr euch auch in dem Fiqh eures Berufs und eurer Arbeit auskennen. Jeder soll die Fiqh-Vorschriften seines Berufs kennen. Dies ist für jeden ein Fard 'ayn (verpflichtend für den Einzelnen) - für die Dinge, mit denen er täglich zu tun hat. Vollführt die Gottesdienste nicht so, wie ihr es von euren Vorfahren mil bekommenhabt, sondern wie der Prophet Muhammad (s) sie durchgeführt hat. Lernt deswegen Fiqh-ul Ibadât gut kennen! Falls ihr in der Lage seid, die Belege in der Scharia für diese Gottesdienste zu lernen, dann vernachlässigt dies nicht. Denn auf diese Art wird man Muqallid (Nachahmer) im eigentlichen Sinne des Wortes. 74. Versucht nicht Leute des Taqlid (Nachahmen), sondern des Tahqiq (Nachforschung) zu werden. Taqlid kommt von der Wortwurzel qilada, was auf Arabisch „Kamelhalfter" bedeutet. Natürlich ist nicht jeder Taqlid das Tragen eines Halfters. Denn eine andere Bedeutung des Wortes qilada ist Halskette.
75. Anstatt eine Sache nachzuahmen und ihr blind zu folgen {Taqlid), studiert sie bzw. befolgt sie bewusst {Tahqiq). Hört auf, Schatten zu sein und werdet zu Persönlichkeiten. Natürlich ist dies nicht ohne weiteres für die große Masse
möglich. Falls ihr unbedingt etwas nachahmen wollt, dann ahmt das Beste nach. Ahmt den nach, den Allah euch als Vorbild gezeigt hat. Wenn jemand das Seil einem falschen Führer in die Hand gibt, dann wird sein Ausgang ungewiss
39 sein. Wir dürfen nicht vergessen, dass nur die sündenlosen Gesandten, die sich mit dem „Charakter Allahs" versehen haben, und folglich ihr letzter und vollkommener Vertreter Muhammad (s) uneingeschränkt nachgeahmt werden können. Mindestens so wichtig, vielleicht sogar wichtiger, ist die Gesundheit des Verstandes und des Geistes. Achtet mit äußerster Sorgfalt auf die Gesundheit dieser beiden. Auch der Verstand und das Herz werden von Krankheiten befallen. Natürlich gibt es auch für sie besondere Wege zur Heilung und Medizin zur Gesundung. Negatives und unnützes Wissen ist ein Virus für den Verstand, und jede Art von Sünde und verbotenen Emotionen sind Krankheitserreger des Herzens. Die Nahrung des Verstandes ist Wissen und Nachdenken, die des Herzens Iman und Läuterung. 78. Achtet auf Sauberkeit und Ordnung. Vergesst nicht, dass Sauberkeit aus Iman entspringt. Schaut auf die Sauberkeit eurer Wohnung, eures Arbeitplatzes, eures Körpers, eures Verstandes, eures Herzens, eures Mundes und auf die Reinheit der Nahrung, die ihr zu euch nehmt, damit die Menschen vor euch keine Abscheu empfinden.
Gesundheit und Sauberkeit
76. Achtet auf eure Gesundheit und schützt euren Körper, der eine Âmâna (anvertrautes Gut) und eine Âyah (Zeichen) von Allah ist. 77. Euer Körper ist euer Reittier, benutzt ihn nicht überheblich und unachtsam, auf dass ihr nicht auf dem Wege der Dienerschaft für Allah auf der Strecke bleibt. Vergesst nicht, dass der Ausgangspunkt aller Dinge die Gesundheit ist. Wenn von Gesundheit die Rede ist, sollte einem nicht nur die Unversehrtheit des Körpers in den Sinn kommen.
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79. Sauberkeit ist der unentbehrliche Teil der Schönheit. Der Muslim ist der Vertreter aller Arten von Schönheit und Gutem unter den Menschen.
80. Beschränkt die Sauberkeit und Reinheit nicht nur auf den Bereich des traditionellen Fiqh. Betrachtet es auch als Tahâra (Reinigung) von der Nadschâsah (Schmutz), wenn ihr euch von Gerüchen und Düften befreit, die un-
angenehm sind und die die Menschen stören, Geht sogar einen Schritt weiter und reinigt euch von den Verstandesund Gefühlsverunreinigungen. Wenn eine Kleidung und euer Gebetsteppich zwar sauber sind, Ġh r aber immer noch nicht das Gefühl habt, ein Gebet mil Kuschu' ( Demut) zu verrichten, dann sucht d ie Gründe dafür in der fehlenden Säuberung eurer Gedanken und Gefühle. 81.Inder Islamischen Literatur wird die Reinigung in der äußeren Dimension Tahara und der inneren Dimension Tazkiya bezeichnet. Diejenigen, die die Reinheit nur eindimensional, d.h. nur in ihrer äußeren oder inneren Dimension betrachten, werden nicht zur eigentlichen Reinigung im islamischen Sinne gelangen. Istindscha' ( Reinigung nach dem Stuhlgang), Istibra' (Reinigung nach dem Urinieren), Wudu (Gebetswaschung), (Ghusl (Ganzkörperwaschung), der Gebrauch von Miswâk (Zahnreinigungshölzchen), Parfüm, Haarpflege, Nägelschneiden, Khitâm(Beschneidung), das Händewaschen vor dem Essen etc. sind Mittel zur Reinigung, um die Reinheit zu erlangen, die der Fitrah (natürlichen Veranlagung) entspricht. Aus diesem Grunde wurde ihnen ein „religiöser Charakter" verliehen.
82. So wie bei der industriellen Entwicklung einer Gesellschaft der Stromverbrauch ein Maß ist, so ist für die gesellschaftliche Sauberkeit in gewisser Weise der Gebrauch von Wasser ein wichtiges Maß. So hat es der Gesandte Allahs (s) geschafft, sein Volk, das am wenigsten Wasser benutzte, zu einer Gemeinschaft zu machen, die bis heute für ihre Sauberkeit am meisten Wasser benutzt. 83. Wudu ist die Waffe des Gläubigen. Geht deswegen nicht ohne diese Waffe aus dem Haus, wo ihr doch genau wisst, dass es einen „offenkundigen Feind" gibt, der euch auf Schritt und Tritt verfolgt, nämlich den Schaitân. Ihr werdet stets die positive und entspannende Wirkung der Gebetswaschung auf euren Geist bemerken. Ihr werdet Zeuge sein, wie dieser Zustand euch von unnötigen Sorgen, unbegründeten Ängsten, von Melancholie, von der Alltagshektik und dem täglichen Stress fernhält. 84. Wasser und Erde sind Urstoffe des Menschen. Die natürliche Religion, wie sie nur der Islam verkörpert, stellt mit ihren Vorschriften sicher, dass der Mensch der Erde, dem Wasser, kurz gesagt, der Natur ständig begegnet. In diesen Vorschriften des Islam liegen noch viele Geheimnisse verborgen, wobei wir heutzutage noch nicht in der Lage sind, diese vollständig zu erfassen.
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AKHLAQ
85. Seid in euren Worten und in eurem Kern aufrichtig! Gewöhnt euch nicht an die Lüge. Wenn ihr sprecht, sollen die Menschen ohne zu Zögern über euch sagen können: „Dieser spricht die Wahrheit". Das ist das, was mit Amîn-Sein ausgedrückt wird. Vergesst nicht, dass wir die
Umma eines Gesandten sind, der, bevor er Rasûl wurde, als Amîn bekannt war. Derjenige, dessen Vertrauens- und Glaubwürdigkeit Schaden genommen hat, der wird auch bald Schaden an seinem Iman erleiden. Jemand, vor dem man nicht sicher ist, kann kein Mu'min (Gläubiger) werden. Ein Mu'min ist jemand, vor dem man in Sicherheit ist und von dem Frieden ausgeht. Natürlich muss alles, was du sagst, wahr sein. Wenn du aber das Richtige nicht am rechten Ort und zur rechten Zeit sagst und dies auch noch auf eine ungeeignete Art, dann hast du der Wahrheit Unrecht getan. 86. Seid mutig und ausdauernd! Aber euer Mut soll nicht aus euren Gefühlen und eurer Unwissenheit entspringen, sondern au s eu rem Wissen u nd eurem Iman . Seid wie der Paradiesgarten für die Freunde Allahs und wie das Höllenfeuer für Seine Feinde. Wisst, dass die wichtigste Voraussetzung des Liebens um Allahs Willen das Verab scheuen um Allahs Willen ist. 87. Mut ohne Ausdauer ist Disharmonie. Nur die wahrhaft Mutigen können ausdauernd sein. Der, der seinen Mut nicht aus seinem Wissen und Iman schöpft, kann nicht ausdauernd sein.
88. Seid nicht teilnahmslos und ängstlich. Seid euch der Gesellschaft, der Umwelt und der Welt insgesamt, in der ihr lebt, bewusst - so wird sicherlich auch die Gesellschaft sich euch bewusst werden. Wenn ihr den Wahrheiten kein Interesse und keine Aufmerksamkeit schenken könnt, so wie andere dies mit den Lügen und Unwahrheiten tu n, dann bedeutet das, dass ihr mit der Bakterie des Wahhn befallen seid, so wie es der Gesandte ausdrückte. Wahhn ist die Teilnahmslosigkeit und Ängstlichkeit. 89. Bewahrt die Geheimnisse! Jedes Geheimnis, das ihr tragt, ist ein anvertrautes Gut - eine Âmâna. Derjenige, der ein Geheimnis offenlegt, ist ein Verräter. Ihr verratet das, was euch anvertraut wurde. Gebt euer Leben her, aber verratet kein Geheimnis. Nur dann werdet ihr zum Mu'min im wahren Sinne werden. 90. So wie es eine charakterliche Verantwortung ist, Geheimnisse zu wahren, so ist es eine Pflicht des Charakters, nicht den Geheimnissen anderer nachzuspionieren. Dies ist ein Punkt, wo Neugierde in Verbrechen übergeht. Versucht nicht, eine Information zu erfahren, die euch jemand nicht mitteilen will. Wenn dieses Wissen für euch nicht notwen dig ist, ist es unnützes Wissen. Und vor unnötigem Wissen hat der Gesandte Allahs (s) bei Allah Zuflucht gesucht.
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45 eine tausendfache Schuld, wenn jemand auf den Fehlern beharrt. Man sagt auch, dass es keine größere Weisheit gibt, als dass jemand seine Fehler kennt und zugibt. Und euer wahrer Freund ist derjenige, der euch mit Barmherzigkeit auf eure Fehler aufmerksam macht. Wenn es jemanden gibt,
91. Schämt euch nicht davor, einen Fehler zuzugeben oder euch für einen Fehler zu entschuldigen. Schämen sollte sich jemand, der auf seinen Fehlern beharrt und sich bei den Menschen nicht für sie entschuldigt. Wenn es eine Schuld mit sich bringt, Fehler zu begehen, dann ist es
der den Fehltritt verurteilt, dann sollte es zuerst derjenige sein, der den Fehler begangen hat. 92. Die bitterste und absurdeste Situation ist die, wenn jemand seine eigenen Fehler verteidigt oder sie sogar als Wahrheit darzustellen versucht. Wenn jemand das ohne Absicht tut, dann ist dies zu entschuldigen. Wenn dies aber jemand in vollem Bewusstsein und absichtlich tut, sollte man die Beziehung zu solch einer Person abbrechen. Denn charakterliche Schwächen sind ansteckend und die Beziehung verliert dadurch ihren Nutzen. 93. Vor allen Dingen bedeutet ein Verteidigen der eigenen Fehler das Verteidigen des Nafs (Egos) und seiner Hawa (Lust und Laune). Dies ist die Bedeutung dessen, was mit „das Ego zum Gott erheben" gemeint ist. 94. Seid genügsam, und euer Herz soll befriedigt und genügsam sein. Hunger ist etwas Normales. Aber ungewöhnlich ist es, Angst zu haben, dass man Hunger bekommen wird, obwohl man satt ist. Diejenigen, die an Hunger leiden, werden nur einmal betrübt sein. Aber diejenigen, die mit dem Fluch der Krankheit befallen sind, die man als die „Angst zu hungern" bezeichnen kann, werden sich ihr ganzes Leben lang quälen. Dies wird auch der Fall sein,
wenn ihr Besitz ihre ganze Sippschaft bis zu den Leuten des siebten Verwandtschaftsgrades versorgen könnte. Aus diesem Grund ist die Angst zu hungern tausendmal schlimmer als der Hunger an sich. Wenn ihr den Personen, die von dieser Krankheit befallen sind, die ganze Welt darbieten würdet - sie wären damit immer noch nicht zufrieden. Der Drang, Besitz anzuhäufen und zu vermehren, entspringt aus diesem Phänomen. 95. Diejenigen, die genügsam und satt sind, deren Augen und Bäuche werden stets auch satt sein. Aber die, die nicht zufrieden sind und deren Herzen immer mehr verlangen, deren Mögen werden nie satt werden und deren geistige Augen werden nie zufrieden gestellt sein. 96. Seid Besitzer der Welt und der weltlichen Dinge, aber lasst es nicht zu, dass sie euch besitzen! Die Gegenstände sollen euch dienen, also werdet nicht die Knechte der Objekte. Sonst werdet ihr eure Ehre durch eure eigenen Hände verlieren. Das Ergebnis wird sein, dass ihr eines der entehrten Geschöpfe werdet, anstatt eines der „geehrten Geschöpfe". 97. Allah hat die Dunya (Welt) auf dem Weg zu Ihm für euch zu einem Reittier gemacht. Verdreht dies nicht: Macht
46 euch selbst nicht zum Reittier für das Diesseits. In einer Gesellschaft, in der die Stellungen von Lat, Manât und 'Uzza5 das Haus, das Auto und das Geld übernommen haben, müsst ihr mit eurer Lebensweise belegen, dass diese nicht die Herren der Menschen sein können.
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98. Lasst ab von Ghieba (übler Nachrede) und Verleumdung. Dies ist eine soziale Krankheit. Diese Krankheit be-
fällt besonders die Menschen, die unzufrieden und unstetig sind. Wenn jemand sein Leben mit der üblen Nachrede anderer vergeudet, bedeutet dies eine Art von Flucht und zwar die Flucht vor sich selbst. 99. Der Mensch, der sich nicht mit sich selbst befassen will, wird sich nur mit anderen beschäftigen. So etwas kann aber nur bedauert werden. Die Mu'minun sollen vor „eurer Hand und eurer Zunge" sicher sein. Hütet euch vor dem Mord, der nicht durch Waffen, sondern mit Zungen verwirklicht wird. Vergesst nicht, dass „einem Mu'min das Blut, der Besitz und die Verleumdung eines anderen Mu'min harâm (verwehrt)"6 ist.
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100. Vergesst nicht, dass Ghieba eine Verletzung der huquq-ul 'ibâd (Rechte der Menschen einem anderen Menschen gegenüber) ist. Diejenigen jedoch, die am Fleisch der Gläubigen kauen, machen sich nicht weniger schuldig als die Kannibalen, die Menschen fressen. Die Menschen, die der Krankheit der üblen Nachrede und Verleumdung verfallen sind, führen dies zur Erlangung einer Art geistiger Befriedigung aus. Falls ihr aber mit solchen Leuten zusammen kommen müsst, erlaubt ihnen nicht, euch das Fleisch der Muslime als Mahlzeit darzubieten.
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Götzen, die von den heidnischen Arabern zur Zeit des Propheten Muhammad (s) angebetet wurden. Überliefert bei Muslim
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49 ÂDÂB den zwischenmenschlichen Beziehungen Respekt und Zuneigung als Basis nehmen. Der weise Mensch weiß genau, dass derjenige, der keine Achtung gegenüber anderen besitzt, selbst seine Selbstachtung verlieren wird. Und er wird nicht vergessen, dass derjenige, der anderen Respekt zollt, Hochachtung als Gegenleistung zurück erhält. 103. Manche Handlungen müssen nicht in den Kategorien erlaubt - verboten, halâl - harâm, entsprechend der Scharia - gegen die Scharia; sondern in den Kategorien gut schlecht, mardûd (abzulehnen) - maqbul (anzunehmen), wunderbar - abscheulich bewertet werden. Vielleicht ist nicht jede Respektlosigkeit und Grobheit unbedingt harâm oder strafbar, aber sie ist schlecht, scheußlich und abzuleh-
101. Âdâb - Anstand und gutes Benehmen: Das, was viele Muslime früher besaßen und was wir heute bei fast jedem Muslim, besonders bei den jungen Muslimen, vermissen. Der Âdâb ist die Verzierung des Islam. Wer den Âdâb verliert, hat den Schmuck und Glanz seines Imans verloren. 102. Diejenigen, die die Ansicht vertreten, dass sie gering geschätzt werden würden, falls sie anderen mit Achtung und Respekt begegnen, sind krankhafte Typen voller Komplexe. Eine selbstbewusste Persönlichkeit wird in
nen. Erinnern wir uns daran, dass der Prophet Muhammad (s) denen, die meinten, dass ihre Handlungen nur durch harâm und halâl festgelegt werden, folgendes gesagt hat: Wenn du dich nicht schämst, mach was du willst.7 104. Âdâb und Respekt sind keine Sache des Lehrens, sondern der Erziehung, d. h. der Tarbiya. Im Allgemeinen kann man Menschen ohne Respekt und Âdâb unter denjenigen ausmachen, die zwar gelehrt, aber nicht erzogen wurden, also nur Ta'lim erhielten, aber keine Tarbiya genossen haben. Zweifellos kann man auch von solchen Leuten etwas lernen. So hat einmal jemand einen gefragt: „Von wem hast du den Âdâb gelernt? Er antwortete: „Von den Personen, denen er fehlt! 105. Seid zurückhaltend und voller Âdâb! Der Âdâb ist ein weiteres Schmuckstück des Iman, schmückt euch mit ihm.
So wie es eine Zurückhaltung gegenüber den Menschen gibt, so ist sie auch gegenüber Allah geboten. Vergesst nicht den Ausspruch: 'al-insân abidul ihsan (der Mensch ist der Diener der Güte). Wiederum darf man nicht übersehen, dass eine Unwahrheit, die mit Respekt und Wohlerzogenheit vermittelt wird, viel mehr Zuhörer findet, als eine Wahrheit, die mit Respektlosigkeit und Unanständigkeit vorgebracht wurde. 106. Meidet das Lachen mit lauter Stimme, unangemessene Kleidung, unnötige Bemerkungen und übertriebene, unangebrachte Späße!
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Bukhari
107- Falls es möglich ist: Vergießt viele Tränen. Es scheint so, dass diejenigen, die oft Tränen vergießen, den Gesandten Allahs (s) besser verstehen können. Manchmal können Tränen größere Wirkungen erzielen als Bleikugeln. Ein Mensch, der keine Tränen kennt, hat den Weg von seinem Herzen zu seinen Augen versperrt. Solch eine Person wird aber kaum in der Lage sein, mit dem Blick - der Farâsah (Scharfsinn) und Basîrah (Weitblick) - des Imans zu schauen und Zeuge zu sein. Dieser Mensch wird zudem kaum imstande sein, die Ereignisse richtig zu deuten.
108. Versucht stets, ernsthaft zu bleiben und Würde zu bewahren. Würde ist das Schmuckstück des Imans. Oberflächliche Personen werden unter den Menschen kaum Achtung hervorrufen können. Aber verwechselt Würde nicht mit Stolz und Angeberei. Falls euer Stand nicht eurem Wert entspricht, dann verkörpert ihr anstelle von „Würde" Arroganz und Zweigesichtigkeit. Euer Wert soll entsprechend eurem Ruf sein. Falls jedoch euer Ruf besser ist als euer Wert, so könntet ihr den Versuch wagen, diese Lücke mit Riya (Augendienerei), Intrigen, Ränken und anderen Dingen zu verbergen. Dann wird sich der Ruf und das Wissen in eine Plage verwandeln.
109. Eure Ernsthaftigkeit soll angenehm sein und euch nicht davon abhalten, einmal einen Scherz zu machen, d. h. euch nicht zur Eigensinnigkeit bringen. Zwischen Griesgrämigkeit und Ernsthaftigkeit liegen Welten. Schaut nicht mürrisch aus dem Gesicht und schreckt nicht die Leute ab, nur weil ihr versucht, ernst zu wirken. Wisst genau, dass man auch ein ernster Mensch sein kann, wenn man ein Lächeln im Gesicht trägt. 110. Der Unterschied zwischen einem Lachen mit Gebrüll und einem Lächeln, zwischen einem wehklagenden
Weinen und dem Vergießen leiser Tränen, zwischen vor Glückseligkeit sterben und Zufriedenheit empfinden, vor Freude in Ohnmacht fallen und sich erfreuen, zwischen bis über beide Ohren verliebt sein und lieben, zwischen einen groben Witz reißen und einen Scherz machen, zwischen sich mit Essen vollstopfen und essen, zwischen herumstolzieren und laufen, zwischen schwafeln und reden, zwischen mürrisch sein und schweigen, zwischen herumhängen und zugegen sein ist genauso so ein großer Unterscheid wie zwischen ohne Âdâb und mit Âdâb sein. Verliert das nicht aus den Augen!
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Zwischenmenschliche Beziehungen
111. Seid eifrig und aufnahmebereit, wenn es darum geht, gute und schöne Dinge aufzunehmen oder herzugeben. Nur schlechte Dinge und eigene Verfehlungen dürft ihr nicht anderen weitergeben, sie sollen isoliert werden. Nehmt an der Freude und Trauer eurer Freunde teil. Versucht, die Herzen für euch zu gewinnen. Vergesst nicht, dass die Zeiten, in denen jemand Trauer oder Freude empfindet, nicht alltägliche Gelegenheiten sind, in denen die große Möglichkeit besteht, die Herzen eurer Freunde zu gewinnen. 112. Passt euch einer Gesellschaft und eurer Umgebung nicht an, falls sie unislamisch ist. Ändert die Umgebung und die Gesellschaft entsprechend euren Glaubensgrundsätzen. Bringt euren Lebensraum und euer Milieu mit, wenn ihr
eure gewohnte Umgebung verlasst. Falls ihr nicht in der Lage seid, eine Umgebung nach euren Wertvorstellungen zu schaffen, dann könnt ihr gewiss sein, dass andere euren Lebensraum gestalten werden. Dieser wird aber euren Wertvorstellungen nicht entsprechen. 113. Seid bescheiden, aber nicht ohne Persönlichkeit! Bescheidenheit bedeutet nicht, sich zu erniedrigen, im Gegenteil - es ist ein Erhöhen des Ranges. Allah sagt, wenn Er die Gläubigen beschreibt: ... den Glaubensverweigerern gegenüber hart, zueinander aber barmherzig. (48:29) Man darf eines nicht vergessen: Wer seinen Brüdern gegenüber mit Arroganz auftritt, wird sich dafür vor den Glaubensverweigerern, Heuchlern und Übertretern verneigen müssen. 114. Diejenigen Personen, die glauben, dass ihre Wertschätzung sinken wird, wenn sie gegenüber ihren Brüdern
bescheiden auftreten, sind im Grunde Charaktere ohne Persönlichkeit - krank und mit Komplexen behaftet. Diese sollten sich ein Beispiel am Wasser nehmen: Es fließt immer in den Tiefen und Tälern, aber dies führt bei ihm nicht zum Verlust seines Wertes. Dann steigt das Wasser von den Wurzeln in die Spitzen der Bäume, wird zu Schnee, fällt auf die Spitzen der Berge, wird zu Dampf und steigt in die Höhe empor. 115. Menschen, deren Ehre und Wert nicht aus ihrer Persönlichkeit entspringen, fürchten sich davor, Bescheidenheit in ihrem Leben zu zeigen, sich schlicht zu kleiden,
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einfach zu speisen und beim Gehen nicht zu stolzieren. Personen, die Minderwertigkeitskomplexe besitzen, können keine Bescheidenheit in ihren Worten, ihren Handlungen und in ihrer Lebensweise zeigen. 116. Das Maß der Bescheidenheit zu verlieren und die Ehre des Glaubens mit Füßen zu treten, ist keine Kunst, sondern eine Schwäche in der Persönlichkeit. Bescheidenheit gegenüber einem Glaubensverweigerer, einem Heuchler oder Übertreter aufgrund eines zu erwartenden Vorteils hingegen ist nichts anderes als Entehrung und Ehrlosigkeit.
54 Der Gläubige hat die Aufgabe, die Ehre der Religion, der er angehört, höher zu achten und ihr größere Priorität einzuräumen als seiner eigenen Ehre. 117. Seid keine würdelosen Schmeichler. Falls ihr Speichelleckerei betreibt, werdet ihr an Persönlichkeit verlieren und euer Gegenüber wird betrogen werden. Man darf nicht vergessen, dass die Schmeichelei und die Worte, durch die man Vorteile erlangen möchte, die erwartete Entehrung nicht begleichen. Ihr könntet diese Vorteile über andere Wege erhalten, aber die Persönlichkeit, die ihr verloren habt, werdet ihr nicht zurückbekommen, auch wenn ihr die ganzen Schätze dieser Welt dafür aufwenden würdet. 118. Wenn Schmeichelei zu einem Berufsstand wird, nennt man das Kriecherei oder Speichelleckerei. Die größte Gefahr, die die muslimischen Führungspersönlichkeiten erwartet, ist, dass sie genau von solchen Leuten umgeben
55 werden. Weder ihr sollt euch für diesen Beruf hergeben, noch sollt ihr es jemandem erlauben, sich mit dieser Art von Benehmen euch anzunähern. Falls jemand vor hat, euch in der Öffentlichkeit zu loben, dann schaut, ob ihr ihm etwas Gutes angetan habt oder nicht. Falls es von jemandem kommt, dem durch Euch etwas Gutes widerfuhr, dann nehmt diese Ehrerbietung und den Lob an. Falls ihr dem Betreffenden keine Güte gezeigt habt und er lobt euch, dann befolgt den Rat unseres geliebten Propheten (s), der sagte: „Werft dem Schmeichler Sand ins Gesicht" und lehnt dieses Lob und diese Schmeichelei somit ab. Dies ist das Maß, dass der Gesandte Allahs (s) vorgegeben hat. 119. Verwechselt die Schmeichelei und die Kriecherei nicht mit der Tatsache, dass die Menschen gemäß ihrer Stellung und Situation behandelt werden sollen. Es ist keine Schmeichelei und Tabasbus (Kriecherei), sich mit den Menschen gut zu vertragen und sie entsprechend ihrer unterschiedlichen Natur und ihrer Beschaffenheit zu
behandeln. Im Gegenteil, dies zeugt von Vernunft und Milde. Das Schicksal der Menschen, die diese Eigenschaft nicht besitzen, ist, dass sie das Los der Einsamkeit auf sich nehmen. 120. Gebt euch Mühe, eure Freunde auf die geeignete Weise, aber dennoch direkt mit ihren Fehlern zu konfrontieren und ihnen ihre guten und schönen Seiten nicht ins Gesicht zu sagen. Wer das Gegenteil macht, tut seinen Freunden nichts Gutes an. Wenn es aber zum Zwecke des Ansporns und der Anerkennung ist, dann kann man das Gute, zusammen mit dem Wunsch, dass Allah dem Na/5
des Freundes keine Überheblichkeit verleihen möge, auch direkt sagen. 121. Wenn ihr Gläubige kritisiert, dann tut dies auf eine gerechte und ausgewogene Weise. Vergesst nicht, dass sie auch gute Seiten besitzen. Konzentriert eure Kritik nicht auf die Personen, sondern auf die gemachten Fehler. Wenn ihr aber sicher seid, dass andere Menschen durch die Person, die ihr kritisiert, Schaden erleiden werden, dann soll es euch auch nichts ausmachen, wenn ihr den Namen der betreffenden Person erwähnt. Denn es ist auch eine der Verpflichtungen der Brüderlichkeit, dafür zu sorgen, dass
57 kein Gläubiger einem anderen Gläubigen materiell oder geistig Schaden zufügt. 122. Es gehört zum Anstand, wenn man einen Bruder offen kritisiert, für ihn in seiner Abwesenheit Duz. zu machen und für ihn um Vergebung zu bitten. Wenn ihr dazu in der Lage seid, dann besitzt ihr auch das Recht, ihn zu kritisieren. Diese Vorgehensweise wird auch den Eindruck eurer Worte bei ihm verstärken. Das Wort sprechen wir, die Wirkung ist von Allah. 123. Zeigt Toleranz in den Angelegenheiten, die das Diesseits und euer Nafs betreffen, aber nicht in etwas, was eure Religion angeht. So wie unser geliebter Prophet (s) es auch gesagt hat: Zeigt Toleranz und Milde, so dass euch Milde und Toleranz entgegengebracht werden. Seid nicht wie diejenigen, die jemanden aufgrund eines Fehlers gleich aufknüpfen wollen. 124. Es ziemt sich für einen Gläubigen nicht, dass er eine Rolle übernimmt, die noch vernichtender und beherrschender ist als die Eigenschaft „Qahhar" (Unterwerfer) die nur Allah zusteht. Genauso ist es unangebracht, noch größere Barmherzigkeit (Rahîm) an den Tag legen zu wollen, als Allah es selbst tut. Ein Diener Allahs sollte die Vergebung von Seinem Schöpfer lernen und so, wie es der Gesandte treffend ausdrückte „sich mit dem Charakter Allahs versehen." 125. Aber ihr besitzt kein Recht, den Beleidigungen und Angriffen gegen eure Religion mit Toleranz zu begegnen! Der Mensch darf nur gegen die Angriffe, die gegen ihn persönlich gerichtet sind, milde und tolerant sein. Nachsicht gegenüber den Angriffen zu üben, die gegen Allah und die Religion Allahs gerichtet sind, bedeutet die Grenzen überschreiten zu wollen.
126. Die Werte, an die ihr glaubt, sind die unveränder lichen Werte der Menschheit. Wenn ihr seht, dass sie mit Füßen getreten werden, dann protestiert mit der äußersten Kraft, zu der ihr imstande seid. Der Mensch, der die Beleidigungen gegen die Werte, an die er glaubt, über sich ergehen lässt, ist jemand, dem jegliches Ehrgefühl fehlt und der jeder Würde beraubt ist. 127. Seid mutig und beherzt. Der größte Mangel unseres Zeitalters ist das Fehlen von Zivilcourage. Wenn das Wissen mit Mut gekrönt wird, dann wird es zur Tugendhaftigkeit.
Diejenigen, die nicht in der Lage sind, so wie Sokrates aus dem Schierlingsbecher zu trinken, wenn es nötig wird, haben die Ehre ihres Wissens und Glaubens aufgegeben. 128. Seid umgänglich! Seid keine Menschen, mit denen man sich nicht vertragen kann. Die Menschen, mit denen ihr zusammen seid, sollten eine stetige Annehmlichkeit und Wärme spüren, wenn sie mit euch zusammen sind. Ruft deswegen keine Abscheu bei euren Mitmenschen hervor. Diejenigen, die mit euch eine Weile verbringen, sollen diese Augenblicke später gut in Erinnerung behalten und 59
als angenehme Zeiten erwähnen können. Diejenigen, die Menschen in ihrer Umgebung nicht achten und ihnen Unannehmlichkeiten bereiten, sind dazu verurteilt, ihr ganzes Leben lang ohne Freunde auszukommen. 129. Beim Umgang mit den Menschen sollt ihr euch nicht hart und unbarmherzig, sondern sanft und gutmütig verhalten. Ertragt den Kummer anderer, damit man eure Bürde erträgt. Jemand, der nicht in der Lage ist, bestimmten Kummer zu ertragen, sollte nicht in dieser Welt leben. Mumin zu sein bedeutet nicht, „keinen Kummer ertragen zu können", sondern Anwärter für Kummer und Schmerzen zu sein. Noch wichtiger als jemanden nicht zu kränken ist es, selbst nicht gekränkt zu sein. Dies werden aber nur diejenigen Menschen sein, die einen sehr edlen Charakter haben. 130. Seid voller Aufopferung und treu. Die Gläubigen sind verpflichtet und verurteilt, zusammen zu leben. Die
notwendige Bedingung des Zusammenlebens ist die Bereitschaft zum Opfer. Es gibt nichts ohne Gegenwert. Schon gar nicht, wenn ihr einen Freund gewinnen wollt. Wenn man seinem Bruder vor sich selbst den Vorzug gibt, so wird das îthâr genannt. Mit der Eigenschaft des îthârs versehen zu sein ist eine der höchsten Tugenden. 131. Seid selbstlos und nicht egoistisch! Wenn die Menschen glauben, dass sie eine Welt, an die sie glauben, aufbauen können, ohne dass sie irgendetwas von ihrer Bequemlichkeit, ihrem Besitz, Luxus und von ihrem Leben opfern müssen, dann sollten sie die Geschichte der Menschheit betrachten. Sie wird sie Lügen strafen. Es macht keinen Sinn, über Erfolg zu sprechen, wenn die Opferbereitschaft derer, die für Recht und Wahrheit kämpfen, nicht genau so groß ist wie die der Leute, die sich für Unrecht und Falschheit einsetzen. Denn das unveränderliche Prinzip des Lebens ist: „Der Mensch erhält nur das, was er erarbeitet." (53:39) Diese Aussage macht der Qur'an. Es gibt keinen Grund für
einen Menschen, passiv zu sein. Er wird nicht gewinnen, nur weil er die Wahrheit kennt. Gewinnen werden diejenigen, die den Einsatz bringen. 132. Spioniert anderen nicht nach! Allah verbietet die Bestrebungen, die Fehler der Muslime zu suchen, ihre Mängel offen zu legen und sie solcherart zu erniedrigen. Der Mumin ist nicht jemand, der die Fehler seines Bruders aufdeckt und ihn auf diese Weise bloss stellt, sondern jemand, der seine Fehler korrigiert und ihn derart erhöht. Vergesst nicht, dass einer der schönsten Namen Allahs As-Sattâr ist:
Derjenige, Der bedeckt und verbirgt. Die Menschen, die Lust dabei empfinden, die Fehler anderer zu erfahren, sind krank. Diese Gestalten ergehen sich förmlich darin, die Fehler anderer aufzudecken: Sie wollen damit beweisen, dass andere noch mehr Fehler besitzen als sie selbst und so ihre eigenen Schwächen vertuschen. Seid aber nicht wie diese und schließt auch keine Freundschaften mit derartigen Menschen. Es muss euch auf jeden Fall klar sein, dass die Fehler und Defizite anderer niemals eure eigenen Talente und richtigen Handlungsweisen sein können.
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133- Madschâlis (Versammlungen und Treffen) sind anvertraute Güter, begeht keinen Verrat an ihnen! Plaudert nicht die persönlichen Dinge, die in einer Versammlung gesprochen wurden, hier und da aus. Achtet auf den Âdâb der Versammlungen, der im Qur'an in der Sura An-Nur in der Âyah 62 beschrieben ist.8 Wenn ihr eine Versammlung betretet, dann setzt euch bescheiden an einem geeigneten Platz hin. Haltet euch von Handlungen fern, die den Fortgang der Versammlung stören könnten. Wenn es den Verlauf der Versammlung nicht stören sollte, dann bittet beim Eintreten um Erlaubnis. Falls man euch keinen bestimmten Platz zuweist, dann setzt euch bescheiden an einem geeigneten Platz hin. 134. Fallt in einer Versammlung nicht jemandem ins Wort, bevor ihr nicht das Thema im Ganzen verstanden habt. Macht Platz für diejenigen in der Versammlung, die Wissen und Weisheit besitzen und für die Älteren und Kranken. Dies drückt Selbstlosigkeit aus und ist somit
eine Spende. Verlasst die Versammlung nicht, bevor ihr nicht um Erlaubnis gefragt habt. Achtet darauf, dass in einer Versammlung mit einer Sura und einem Dua begonnen wird und dass das Treffen mit einer Bitte um Vergebung bei Allah abgeschlossen wird. Wisset, dass der Gesandte Allahs (s) dies genauso getan hat. Diese Vorgehensweise
Nur diejenigen sind Gläubige, die an Allah und an Seinen Gesandten glauben, und diejenigen, die, wenn sie in einer für alle wichtigen Angelegenheit bei ihm sind, nicht eher fortgehen, als sie ihn um Erlaubnis (dazu) gebeten haben... (24:62)
wird die geistige Atmosphäre des Treffens beeinflussen und eine Sunna wird wiederbelebt werden. 135. Ihr sollt an den Leiden und der Trauer der Menschen teilhaben! Besucht die Kranken und tröstet sie. Vergesst nicht, das s euer Is lam ein unzertr ennlicher Teil eur er Menschlichkeit ist.
136. Versucht, die Herzen zu gewinnen. Menschen vergessen die guten Handlungen nicht, mit denen ihnen geholfen wurde, wenn sie eine schwere Zeit durchmachen. Achtet auf solche sensiblen G elegenheiten und versucht, einen Platz in den Herzen der Menschen zu erobern. Achtet auf Waisen, Bedürftige, Witwen und schwache Menschen und kümmert euch um sie. Vergesst nicht, d ass diese Leute in jeder Gesellschaft natürliche Verbündete des Islams sind. Und vergesst außerdem nicht, dass uns der Islam verpflichtet, die Schwachen in der Gesellschaft, in der wir leben, zu beschützen.
137. Seid Sprecher und aufmerksame Beobachter der Menschen, die in der Gesellschaft unterdrückt werden. Motiviert sie mit den unveränderlichen Werten der Religion. Habt teil an ihren Sorgen und teilt das Essen mit ihnen. Es wird von Allah verabscheut, wenn der Muslim Angehörigen angese hener Gesellschaftsschichten stets Achtung entgegenbringt, aber den Bedürftigen diese Achtung und diesen Respekt verweigert. Betrügt euch auch nicht selbst mit Ausreden wie „Dienst an den Menschen, Dawa" usw.. Dies zu tun, hieße die Fehler früherer Gesells chaften zu wiederholen. Haltet euch von diesem Verhalten fern.
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Gerechtigkeit
138. Seid gerecht! Die Gerechtigkeit ist der Geist der Entscheidung und der Führung. Ganz gleich, ob ihr ein Urteil über euch selbst, einen Freund oder einen Feind abgebt, euer Motto dabei soll Gerechtigkeit sein. Wer die Eigenschaft, gerecht zu sein, verloren hat, der hat seine Vertrauens- und Glaubwürdigkeit eingebüßt. Und wer nicht mehr Vertrauens- und glaubwürdig ist, der ist nur dem Namen nach ein Mumin. 139. Gerecht zu sein, bringt die Hikma (Weisheit) mit sich. Das Gegenteil ist Dsulm (Unterdrückung). Dsulm ist das Entfernen einer Sache von seinem eigentlichen Platz. Hikma ist dagegen das Plazieren einer Sache an der richtigen Stelle. Die Menschen neigen dazu, Ungerechtigkeit eher denen anzutun, die sie sehr lieben oder denen, über
die sie sehr verärgert sind. Wenn sie lieben, sehen sie die Fehler ihrer Freunde nicht, und können sie folglich auch nicht verbessern. Wenn sie zornig sind, sehen sie die guten Seiten desjenigen nicht, der sie verärgerte, und aus diesem Grunde können sie sich kein Beispiel an seinen guten Seiten nehmen. Beides sind Fälle von Ungerechtigkeit und Unausgeglichenheit. Eine Liebe oder eine Abscheu, die das Auge blind macht, bedeutet ein großes Unglück für den Besitzer. 140. Einem Unterdrückten - egal welcher Herkunft - zu helfen, sollte eine der unveränderlichen Losungen eurer Lebensweise sein. Die Gerechtigkeit sei eure Leidenschaft, die Ausgewogenheit euer Motto, die Wahrheit eure absolute Pflicht, die Unterdrückung euer Feind und der Unterdrücker euer Gegner. 141. Wenn ihr unumgänglich vor der Wahl steht, Unterdrücker oder Unterdrückter zu werden, wählt nicht die Alternative, Unterdrücker zu sein, sondern gebt euch dann
lieber damit zufrieden, Unterdrückter zu sein. Verteidigt den Unterdrücker nicht mit Ausreden wie „er ist einer von uns," und befürwortet seine Taten selbst dann nicht, wenn er euer Bruder ist. Und verhaltet euch nicht gleichgültig gegenüber der Unterdrückung, indem ihr eine Begründung vorbringt wie beispielsweise: „der Unterdrückte ist sowieso keiner von uns", auch wenn es euer Gegner oder Feind sein mag.
142. Seid gerecht gegenüber denen, für die ihr die Verantwortung habt. Falls ihr Geschäftsführer seid, dann ist die Gerechtigkeit die Grundlage eures Geschäftes, falls ihr Besitzer seid, dann ist die Gerechtigkeit die Grundlage eures Besitzes, falls ihr Familienoberhaupt seid, dann ist die Gerechtigkeit die Grundlage eurer Familie, falls ihr Imam (Leiter der Gemeinschaft) seid, dann ist die Gerechtigkeit die Grundlage eurer Dscham'a (Gemeinschaft).
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143- Hilf deinem Bruder, ganz gleich ob er Unterdrücker oder Unterdrückter ist. Die Hilfe für den Unterdrückten ist, die Unterdrückung ihm gegenüber zu verhindern. Wie könnt ihr eurem Bruder, der Unterdrücker ist, Hilfe leisten? Natürlich indem ihr seine Unterdrückung verhindert. Dies ist die Bruderpflicht. 144. Der Unterdrückung gegenüber nicht die Stimme zu erheben und Zuschauer zu sein bedeutet, mit den Worten des Propheten (s), Schaitân (Satan) zu sein, sogar stillschweigender Schaitân. Seid nicht damit zufrieden, ein stillschweigender Schaitân zu sein. Bedenkt, dass der Islam in Notsituationen die Erlaubnis für Alkoholtrinken und Schweinefleischessen - und so für die Überschreitung der Grenzen - gibt. Aber er erlaubt selbst in Notfällen nicht die Unterdrückung! Diejenigen, die der Unterdrückung für den „Erhalt des Staates" stattgeben, werden dem Zorn Allahs nicht entkommen. Allah sagt in einem Hadith Qudsi9: „Mir selbst gegenüber habe Ich Unrecht verwehrt".
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Hadith, in dem die Worte "Allah sagt..." vorkommen.
Der Muslim und das Umfeld
145. Hütet euch vor schlechter Umgebung, wie ihr euch vor einer giftigen Schlange hüten würdet! Vergesst nicht, dass die schlechte Umgebung einen viel schlimmer vergiftet als eine giftige Natter.
146. Das Leben des Menschen verläuft nicht immer ruhig. Manchmal schlägt es hohe Wellen. Schließt für solche Zeiten Freundschaften, die euch als ein schützender Hafen dienen können. Es sollen solche Freundschaften sein, die euch hochheben, wenn ihr gefallen seid, und wenn ihr stolpert, sollen euch eure Freunde festhalten, und selbst, wenn eure Knie versagen, sollen sie euch auf ihren Rücken tragen. 147. Ihr könnt, wenn ihr als Einzelner angegriffen werdet, euch individuell zur Wehr setzen. Aber gegen einen Angriff
durch die Gesellschaft nützt keine individuelle Verteidigung. Um einen Angriff durch die Gesellschaft abwehren zu können, müsst ihr dem etwas Gleiches entgegensetzen: Eine eigene Gemeinschaft aufbauen. Um euch vom negativen Einfluss der Straßen, der Massen zu reinigen, schaut euch nach Herzen und Menschen um, bei denen ihr sozusagen ohne Visum und Reisepass eine Bleibe finden könnt. 148. Der Muslim ist jemand, der sich nicht der Umwelt, in der er sich befindet, anpasst, sondern er ist eine Persön-
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lichkeit, die ihr Umfeld entsprechend ihrer Überzeugung verändert. In diesem Sinne ist er ein aktiver und effektiver Mensch. Effektivität für euch würde dann bedeuten, dass euer Iman die Herrschaft über euch erlangt hat. 149. Versucht das Üble nicht dadurch kennenzulernen, indem ihr es durchlebt. Dies würde dem Probieren des Todes gleichkommen. Es wäre fatal zu sagen: „Ich werde mal den Tod kosten, und wenn er mir nicht gefällt, dann werde ich eben nicht mehr sterben". Sünde wird nicht ausprobiert! Was für alle schlecht ist, ist auch für euch selbst schlecht. Wenn ihr festlegt, was das Gute und das Üble ist, so soll euer Vertrauen zu Allah uneingeschränkt sein. Besteht denn Iman nicht eigentlich aus diesem? 150. Achtet nicht nur peinlich auf euren menschlichen Umgang, sondern auch auf euer Umfeld in der Natur. Macht euch bewusst, dass ihr mit der Natur den gleichen Din teilt. Sie ist euer Bruder im Glauben nur ohne Bewusstsein. Ver-
hindert nicht den Qiyam (das Stehen) eines Baumes, indem ihr ihn fällt, die Ruku (Verneigung) eines Tieres, indem ihr es zum Vergnügen tötet, die Sadschda (Niederwerfung) des Wassers, indem ihr es verschwendet. Die Natur ist euch von Allah anvertraut, so übt keinen Verrat an ihr. 151. Alle Ressourcen auf der Welt sind Rizq (Versorgung). Es ist halâl, euren Rizq zu erwerben, aber seine Verschwendung ist harâm. Die Weisheit einer Religion wie der des Islam, der vor 1400 Jahren in einer Welt mit gerade einmal 80 Millionen Menschen anriet, Wasser nicht einmal dann zu verschwenden, wenn man an einem Fluss die Gebetswaschung durchführt, zeigt sich erst in Bezug auf die heutige Zeit. Die Verschwendung eines Eimers Wasser durch einen Großstadtbewohner, auch wenn er dafür bezahlt hat, kann die Missachtung des Rechts einer anderen Familie sein. So wird auch die Weisheit des Verbots der Verschwendung in unserem Leben offenbar.
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Persönlichkeit
152. Entwickelt einen starken Willen! Wisst, dass der Wille den Nafs, die Hawa (Begierde) und die Lust im Zaume hält. Diejenigen, die einen schwachen Willen besitzen, werden Sklaven ihrer Begierde, Gefangene ihrer Wünsche und ihrer schlechten Gewohnheiten. Eure schlechten Gewohnheiten werden dann Handschellen für eure Hände, Fesseln um euren Hals und Ketten eurer Füße. 153. Achtet darauf, dass ihr nicht in Abhängigkeit zu einer Sache oder Person geratet. Alle Abhängigkeiten und Süchte sind schlechte Gewohnheiten. Sie schwächen euren Willen. Auch wenn ihr manche Sachen tut oder benutzt, achtet darauf, dass ihr nicht abhängig davon werdet. Abhängigkeit bringt die betreffende Person dazu, dass sie sie in dieser Angelegenheit zu einem Verlust des Willens führt. Jede Begierde, die zur Gewohnheit wird, wird bald zu einem Ilâh - einer Gottheit - werden. Und so trifft die Aussage des Qur'ans ein, der sagt: Hast du nicht den gesehen, der seine Begierde zu einem Gott genommen hat? (45:23) 154. Seid nicht unentschlossen und zweiflerisch! Wenn jemand in den Dingen, die den Iman betreffen, anfängt zu zweifeln, ist dies eine Schwäche in der Aqida. Eine schlechte Entscheidung ist jederzeit besser als gar keine Entscheidung.
Wenn Du etwas unternehmen willst und zu entscheiden hast, dann sprich: Ya Allah und lass ab von den Zweifeln. Oder so wie es der Qur'an ausdrückt: Wenn Du Dich für eine Sache entscheidest, dann vertrau auf Allah und fahre fort. (s. 3:159) Allah wird seinem Diener genügen? (s. z.B. 33:3) - Sicherlich wir d Er das. Oder wie es A li (r .a.) ausge drückt hat: Nicht du, sondern die Berge sollen erbeben - sie erbebten ja auch. Denn die göttliche Verantwortung, wie die der Offenbarung, die die Berge zu Staub gemacht hat, liegt auf euren Schultern als Menschen. 155. Lasst nicht nach, seid nicht betrübt. Wenn ihr glaubt, seid ihr sicherlich überlegen. Falls ihr sicher seid, dass das, was ihr tut, richtig ist, sprecht Bismillah und fangt an. Dann ist es zweitrangig, wer euch folgen wird und wer zurückbleibt. Abdullah ibn Mas'ud (r. a.) drückte dies so aus: „Die Dscham'a ist die, die auf dem Weg der Wahrheit ist - auch wenn sie nur aus einer Person besteht". 156. Haltet eure Versprechen. Ganz gleich, wie teuer es euch zu stehen bekommt, brecht euer Wort nicht und gebt kein Wort, das ihr nicht halten könnt. Denkt an die Haltung des Gesandten (s), der seinen Gefährten gegenüber überaus milde war. Erinnert euch an Abu Dschandal in der Schlacht von Hudaibiyya. Er folgte einem Vertragspunkt, obwohl er gegen die Muslime gerichtet war und erfüllte das Versprechen mit blutendem Herzen. Das Wort war überdies einem Muschrik (Götzendiener) gegeben. Unser Herr beschreibt die Gläubigen im Qur'an mit den Worten:
Sie sind es, die das anvertraute Gut bewahren und sich
an ihre Versprechen halten. (70:32)
157- Seid barmherzig, denn die Barmherzigkeit ist die Hälfte der Religion. Vergesst nicht, dass keiner Barmherzigkeit erwarten darf, der selbst nicht barmherzig anderen gegenüber ist. Bei denjenigen, die die Barmherzigkeit und Gnade außer Acht lassen, besteht die Gefahr, zu Unterdrückern zu werden, obwohl sie Unterdrückte sein mögen. Wenn wir, wie es der Prophet (s) uns anriet, uns „mit dem Charakter Allahs versehen wollen", dann müssen sich die Eigenschaften Allahs wie Barmherzigkeit und Gnade bei uns widerspiegeln. 158. Verliert nicht die Kontrolle über euch selbst, wenn ihr zornig werdet. Erinnert euch an das Prophetenwort: Ein wahrer Kämpfer ist nicht der, der seinen Gegner [im Ringkampf] besiegt, sondern es ist jemand, der sich selbst unter Kontrolle hat, wenn er zornig ist10. Wenn euch Zorn und Wut überfallen, dann löscht diese beiden Brandherde mit Wudu und Salâh (Gebet). Vergesst nicht, dass ihr bei eurem Zorn nicht das Ausmaß von Allahs Zorn erreichen könnt. Hütet euch also davor, Allahs Zorn auf euch zu ziehen. Es sollte euch nicht aus dem Sinn gehen, dass ihr, wie auch in allen anderen Bereichen, in der Angelegenheit des Zornes Ihm nicht ebenbürtig sein könnt. 159. Seht die Übertretung, die euch ein Muslim antat, als gering an und begreift die Dinge, die ihr anderen antut, als nicht unerheblich. Und betrachtet das Gute, dass euch jemand anderes antat, als groß und schätzt das, was ihr
anderen an Gutem angetan habt, als gering ein. Das ist aber eine Kunst. Der Schaitân liefert den Menschen ein Fernglas. Wenn ein Bruder euch etwas Schlechtes antut oder ihr jemandem etwas Gutes, dann setzt der Schaitân euch sein Fernglas vor die Augen, so dass ihr alles größer seht, als es in Wirklichkeit ist. Wenn euch jemand etwas Gutes antut und ihr einem anderen Schlechtes, dann dreht der Schaitân sein Fernglas um und ihr seht diese Dinge winzig. 160. Nehmt das Fernglas des Schaitâns weg! Versucht die Dinge mindestens mit dem bloßen Auge zu betrachten. Dann werdet ihr mit Verwunderung bemerken, wie übertrieben eure Aussagen und Entscheidungen gewesen sind. 161. Seid lebendig und aktiv! Werdet nicht träge und passiv. Ihr müsst wissen, dass die Geschichte nicht von den Massen, sondern von den Leuten in der Gesellschaft geschrieben wird, die die Angelegenheiten aktiv und mit Einsatz regeln. Und ihr solltet eure Rolle in dem Lauf der Menschheitsgeschichte, so wie sie Euer Schöpfer für euch bestimmt hat, einnehmen und auf die beste Weise umsetzen. 162. Setzt euch nicht einfach irgendwelchen Eindrücken aus, sondern macht selbst Eindruck. Wenn ihr auf die unislamischen Dinge keinen Einfluss nehmen könnt, dann schaut wenigstens, dass ihr sie nicht - bewusst oder
unbewusst - fördert. Vergesst nicht: Der wahre Muslim ist
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der, der sich nicht bedenkenlos an die ihm gegebene
Situation anpasst, sondern die Situation gemäß dem Islam neu gestaltet. 163. Wenn es um den Einsatz für Allah geht, dann sollt ihr unter denen sein, die zuerst ihr freiwilliges Engagement anbieten. Wenn aber Auszeichnungen und Geschenke ver teilt werden sollen, dann sollt ihr nicht die ersten sein, die sich darauf stürzen! Diejenigen, die sich für ihren Rabb (Herrn) einsetzen, mü ssen sich der Belohnungen und höchsten Auszeichnungen durch Ihn sicher sein. 164. Bemüht euch um irgendeine herausragende Eigenschaft und hebt euch von der Masse ab! Strebt nach Qua l i t ä t und versucht, euch in einem Gebiet zu spezialisieren. Gebt euch in eurem eigenen Arbeitsgebiet nicht mit dem zweiten Platz zufrieden. So könnt ihr euch vielleicht zu einer Person entwickeln,die nicht die ganze Zeit jemanden sucht sondern zu einer, die gesucht wird. Zollt der Spezialisierung Respekt, damit andere vor eurer Spezialisierung Achtung haben. Dieses linden wir auch in der islamischen Tradition. 165. Besitzt genaue Kenntnis über die Angelegenheit, die ihr durchführt und führt sie auch am besten aus! Eine islamische Persönlichkeit besitzt jemand, wenn sich dies in seinem Arbeitsbereich, in seinen Familienangelegenheiten und allen anderen Gebieten widerspiegelt. Jeder kann ein Hobby, einen persönlichen Bereich des Interesses haben und jeder ma g durch u nterschiedliche Dinge Freu de
empfinden. Das Hobby und die persönliche Freude eines Mumin aber sollte der Dienst an den Menschen sein. 166. Gebt euch in keinem Bereich mit der Zweitklassig keit zufrieden! Dem Muslim geziemt es, dass er in jedem Bereich als Erster hervorgeht. Erledigt eure Aufgabe so, dass selbst die Glaubensverweigerer sagen: „Ich muss wahrscheinlich auf die Weise glauben wie er, damit ich diese Aufgabe so gut durchführe, wie er es getan hat." 167. Haltet euch nicht an Plätzen auf, an denen man eure Überzeugung beleidigt und über sie spottet! Zeigt euren Protest so, wie es im Buche Allahs ausgedrückt ist. Und beleidigt auch selbst nicht die Glaubensüberzeugung anderer. Die Menschen sind entweder eure Brüder im Islam oder eure Mitgeschöpfe. Mit dem Bruder in eurer Religion habt ihr sowohl das Band der Aqida als auch das der Menschheit gemeinsam, und mit euren Mitmenschen verbindet euch das Band der Menschheit. Und diese Bande sind geehrt. Zollt dieser Ehre Respekt. Selbst die Feinde eurer 'Aqida sollen an eurer Menschlichkeit nichts auszusetzen haben, und ihnen sollte nichts anderes übrig bleiben, als euch zu respektieren. 168. Es ist keine Schande, ein Mensch zu sein, versucht deshalb nicht, ein Engel zu werden! Grundsatz ist es nicht, keine Fehler zu begehen, sondern, nicht auf Fehlern zu bestehen. Es ist eine Tugend, Fehler zuzugeben. Und kein Fehler kann so groß sein wie seine Verteidigung. Es war nicht der Fehltritt, der den Schaitân zum Schaitân machte, sondern sein Beharren darauf und die Verteidigung dieses Fehlers.
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ren wird, welcher Abstammung er sein wird usw.. Und es ist Unfug, sich einer Sache zu rühmen, bei der man kein Mitspracherecht besaß. 171. Der Prophet Muhammad (s) sagte: „Wer zu 'Asabiyya aufruft, der gehört nicht zu uns". Unter Asabiyya versteht man auch Fanatismus. Der Fanatismus macht das Auge blind, das Ohr taub, die Gedanken krank und den Iman zerschlägt er. 172. Der Fanatismus ist der Feind der Gerechtigkeit. Der Fanatiker kann nicht gerecht und ausgeglichen sein. Denn Fanatismus ist Übertreibung und Unterdrückung. 173. Natürlich kann ein Gehorsam und eine Bindung in den erlaubten Grenzen - wie zu Allah und zum Propheten (s) - nicht als Fanatismus bezeichnet werden. Aber wenn
169. Lasst ab von schlechten Gewohnheiten, von Dingen, die euer Ansehen schmälern und von albernen Handlungen, die die Ernsthaftigkeit eures Imans verletzen könnten. Denn der Muslim ist jemand, der in der Gesellschaft Respekt hervorruft.
ÄSABIYYA
170. 'Asabiyya ist, sich aufgrund einer Eigenschaft, über die andere nicht verfügen können, überlegen zu fühlen. Asabiyya wird auf der Grundlage von Blut Rassismus, auf der Basis der Nation Nationalismus, auf dem Fundament von Sta mmesdenk en Tribalismu s genannt u sw.. Dies sind aber weder Dinge, aufgrund derer man sich brüsten, noch sich deretwegen erniedrigen darf. Keiner kann sich aussuchen, in welchem Land er geboren wird, welche Muttersprache er haben wird, welcher Rasse er angehö -
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diese Bindung kein aufgeweckter Gehorsam, sondern ein blinder G ehors am ist, so steht die Tür zum F anatis mus offen. In s olch einem ungü nstigen Fall w erden die, die ihrem Anführ er blindlings folgen, wenn er stolpert und hinf ällt, annehmen, dass ihr A nf ührer eine Sads chda vollzogen hat und sich auch hinw erfen. Aber sie hätten das Hinfallen ihres Anführers nicht als Sadschda deuten dürf en, sondern ihn wieder hochheben müss en, weil er einfach nur gefallen war.
174. Seid nicht unbestimmt in Sachen der Grundlagen der Religion, w eil ihr euch bemüht, keine F anatiker zu sein! Strengt euch an,dass ihr die Sensibilität der religiösen Weile sowohl in euch selbst als auch in der Gesellschaft lebendig haltet „Ich bin überzeugt" bedeutet im Islam „ich hin glücklich", denn I s l a m is t ja nur ein anderes Wort für Glück und Glücklichsein. Schließlich sind all die Vorschriften des Islam für die Aufrechterhaltung des ewigen Glücks der
Menschen da. Verbreitet demnach dieses Glück und betrachtet die Übertretung der Grenzen des Islams als einen Angriff auf das Glück der Menschen. Den Angriff zu stoppen und die Menschen zu lieben bedeutet, den aufrichtigen Wunsch zu hegen, dass der Mensch glücklich werden möge. Versucht deswegen, die Gebote und Verbote Allahs bei euch selbst und in eurer Gemeinschaft und Gesellschaft zu verbreiten. 175. Verwechselt nicht die Frömmigkeit mit engstirnigem Religionsfanatismus. Lasst es nicht zu, dass Allahs Gren zen übertreten werden. Dies wäre sonst eine Schwäche des Imans, dessen Ausgang Nifaq (Heuchelei) ist. Unternehmt nichts, was dem Kufr (Glaubensverw eigerung) Nutzen bringen könnte, damit ihr nicht dem Glück der Menschen einen Schlag versetzt. 176. V er f allt nicht in die H altung der P ers onen, die jene, welche die Wahrheit geradeaus herausrufen, gering achten oder sie gar verspotten. Es ist eine überaus billige und abstoßende Art der Verteidigung, Allahs Diener, die in schwierigen Zeiten die Wahrheit sagen, als übereilt und als
fanatisch zu bezeichnen. Natürlich wird es auf diesem Weg Menschen geben, die im Vergleich zu Gehenden als Eilige bezeichnet werden, wenn sie rennen, und in Bezug auf die Sitzenden, wenn sie gehen. Diejenigen, die es bequem haben und sich nicht von ihr en P lätzen erheben wollen, bezeichnen die Rennenden als zu schnell oder als extremistisch, als billige Ausrede, um ihre eigenen Fehler zu verbergen. 177. Seid nur in einer Sache leidenschaftlich: und zwar in der Wahrheit und Gerechtigkeit. Auch wenn es eurem Ego nicht gefällt, tretet für das Recht ein, seid auf der Seite derer, die im Recht sind und haltet an der Gerechtigkeit lest. Es ist dann auch gleich, wenn jemand euch zum Feind und Gegner nimmt, nur weil ihr auf der Seite des Rechts wart. Vergesst nicht, dass die Menschheitsgeschichte kein Zeuge dafür ist, dass jene, die auf der Seite des Rechts standen, jemals in Freundschaft mit denen gelebt hätten, die Partei für die Falschheit ergriffen. Wird Wahrheit und Falschheit vermischt, bezeichnet die islamische Literatur dies als Schirk.
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178. Ihr dürft niemals vergessen, dass die Verteidigung der Gerechtigkeit und zu jemandem zu halten, der im Recht ist einen Preis hat. Wenn die Verteidigung der Falschheit einen Preis besitzt, warum sollte die Verteidigung der Gerechtigkeit ohne Gegenleistung sein? Es gibt keine gerechte Sache die nicht dem Verteidiger Schwierigkeiten bringen würde Deshalb darf man nicht vergessen, dass es für das Verteidigen der Gerechtigkeit stets einen Preis geben wird, so wie es in der Geschichte schon immer war. Der Muslim
muss deswegen bereit sein, diesen Preis zu bezahlen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
INFÂQ
179. Gebt Spenden! Der Qur'an zählt nach dem Iman und dem Gebet das Spenden - Infâq - als dritten Punkt auf. Allah prüft die Menschen mit ihren Gütern und ihrem Leben. Diejenigen, die die Prüfung mit dem Besitz
nicht bestehen, werden zur Prüfung mit dem Leben nicht zugelassen. So wie Kabil: Er bestand die Prüfung des Besitzes nicht und verlor. Aber Habil wurde zur Prüfung des Lebens aufgenommen, nachdem er die Prüfung des Besitzes bestand. Dies gelang ihm durch die Schahâda (Glaubenbekenntnis). 180. Infâq ist der allgemeine Ausdrucks des Qur'ans für das Geben bzw. Verteilen auf dem Wege Allahs. Infâq, das Fard (Pflicht) ist, wird Zakat, dasjenige, das freiwillig ist, Sadaqa genannt.
181. All das, was ihr weggeben konntet, habt ihr auch besessen. Denn der Mensch ist nur in der Lage das zu geben, was er besitzt. Falls ihr nicht in der Lage seid zu geben, dann besitzt ihr den Gegenstand nicht, sondern die Sache besitzt euch. In einer Gesellschaft, die durch den Islam geprägt ist, können sich die Muslime mit dem Zahlen der Zakât zufrieden geben, also dem vierzigsten Teil ihres Besitzes. Aber in einer Gesellschaft, wo der Islam nicht prägend ist, sollte der Muslim sich nicht damit zufrieden geben, nur 2,5% von seinem Vermögen abzugeben. Die Sahâba pfleg-
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ten diese Art der Zakât (2,5%) als Zakât-ul Bakhîl, als die Zakât des Geizigen, zu bezeichnen. In schwierigen Zeiten, in denen die Gläubigen die ganze Last des Islams auf sich laden, sollte es unter den Gläubigen solche Leute wie in der Zeit des Propheten (s) geben, die ein Fünftel oder wie Kab bin Malik oder manch andere Sahâba die Hälfte ihres Vermögens geben können. 182. Denkt nicht, dass etwas weniger wird, wenn ihr es auf dem Wege Allahs weggebt. Derjenige, der etwas im Bewusstsein für Allah hergibt, der ist sich auch dessen bewusst, dass Allah ihm dies vielfach zurückzahlen wird. 183. Im Qur'an wird nach dem Iman und dem Gebet Infâq erwähnt. Der Qur'an spricht so oft von Infâq, dass man fast behaupten könnte, dass die Offenbarung gekommen ist, um
den Menschen beizubringen, dass sie auf dem Wege Allah hergeben sollen. Infâq ist, dass der Mensch auf Allahs Wege von seinem Verdienst abgibt. Der kürzeste und klügste Weg seine Einnahmen zu erhöhen, ist es, auf dem Wege Allahs zu spenden. Auf dem Wege Allahs zu geben bedeutet, zu vermehren und nicht zu vermindern. Probiert es selbst einfach einmal aus. 184. Gebt sowohl, wenn ihr wenig habt, als auch, wenn euch mehr zur Verfügung steht! Die Klugen spenden, wenn sie selbst bedürfen. Diejenigen, die abwarten, bis sie wohlhabend sind, um dann herzugeben, werden wahrscheinlich nie spenden können. Diejenigen, die daran glauben, dass Geben vermehren ist, werden spenden, wenn sie wenig haben. Denn diese wissen und glauben daran, dass sie es vielfach zurückerhalten werden.
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Ausgewogenheit
185. Ausgewogenheit und Ordnung sind das Geheimnis der Schöpfung. Ausgewogenheit ist das größte Gesetz, nach dem sich die Schöpfung richtet. Ausgewogenheit ist Sunnatullah. Das Universum bewegt sich auf der Grundlage einer göttlichen Ausgewogenheit. 186. Bringt die Ausgewogenheit von Gefühl, Verstand und Handlung nicht durcheinander. Die Entsprechung der kosmischen Unausgewogenheit ist der Ausbruch des Jüngsten Tages. Die Unausgewogenheit des Einzelnen bedeutet, dass der jüngste Tag beim Individuum ausbricht. Die soziale Unausgewogenheit bedeutet den Ausbruch des Jüngsten Tages in der Gesellschaft.
187. Die Salanı Eigenschaft Allahs soll als Mu slime bei eu ch Au sdru ck linden und ihr seid alle beau ftragt, das Gleichgewicht in der Schöpfung zu beschützen. Ge schichte ist die Auseinandersetzung zwischen jenen, die das Gleichgewicht zerstören und denen, die das Gleichgewicht
bewahren wollen. Die Propheten (a. s.) sind ideale Beispiele für Leute, die mit ihrer Haltung und ihren Handlungen die göttliche Ordnung symbolisieren. Die Offenbarungsschriften sind göttliche Texte der Lehre der Ausgewogenheit und Ordnu ng. 188. Bewahrt das sensible Gleichgewicht zwischen den regionalen u nd den internationalen Angelegenheiten. Beschäftigt euch sowohl mit den Dingen, die sich in eurer Umgebung ereignen, als auch mit den Geschehnissen in der Welt, in der ihr lebt und die euch anvertraut wurde. 189. Bewahrt genauso das Gleichgewicht zwischen dem, was aktuell ist und was nicht. Wenn ihr die alltäglichen C Geschehnisse interpretiert, dann kommt zu einem Ergebnis, aber nicht, indem ihr das unter dem Eindruck des Alltäglichen tut, sondern indem ihr die Beziehung zwischen den sozialen, politischen und universalen Gesetzen setzt, die sich nicht mit der Zeit und dem Ort verändern. Deshalb ist es notwendig, dass ihr euch in zwei Bereichen sehr gut auskennt: 1.) Eure besondere und allgemeine Geschichte 2.) Die universalen Gesetze, die wir Sunnatullah nennen.
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Lebensunterhalt
190. Ganz gleich wie wohlhabend ihr seid, ihr solltet einen Beruf besitzen. Wenn euch eventuelle „Wohltäter" ihre Hilfe entziehen, dann solltet ihr nicht in die Lage kommen, euch Sorgen um euren Lebensunterhalt machen zu müssen. 191. Wenn ihr Beamter in einem nicht-islamischen System werden wollt, dann werdet nicht Beamter dieses Systems, sondern dort „Beamter des Islams." Und seid gewillt und in der Lage, wenn die Sache, für die ihr euch verbeamtet habt, keinen Nutzen mehr bringt,„Auf Wiedersehen" sagen zu können. Beschäftigt euch mit der Berechnung von Nutzen und Schaden sehr genau! 192. Solange ihr etwas aus islamischer Sicht gewinnt,dann bleibt bei dieser Sache,aber wenn ihr anfangt zu verlieren, dann lasst ab davon. Betrachtet eure Anstellung beim Ar beit gegenüber als „eingeschränkten" Lebensunterhalt. Wenn die Zugeständnisse, die ihr machen müsst, die Vorteile, die ihr erhaltet, um ein Vielfaches überschreiten, dann bedeutet das, dass ihr Schaden erleidet. 193. Betrachtet Situationen, die unislamisch sind, wie das Sitzen auf Nesseln! Neigt euch keiner Aufgabe zu, die einen Widerspruch zu euren Religionsgrundsätzen bildet - auch wenn ihr Schätze dafür erhalten würdet. 194. Erledigt die Aufgabe, die ihr übernommen habt, in einer Weise, wie es sich für einen Mu'min gebührt. Nicht
nur eure Freunde, sondern auch eure Gegner sollen euch würdigen. Vergesst nicht, dass niemand eine Person ernst nehmen wird, die ihre Arbeit nicht ernst nimmt. 195. Gebt der Sache, die ihr tut, ihr Recht, das ihr zusteht. Lasst euren Glauben nicht in Verruf kommen, nur weil i h r euch persönliche Vorteile erhofft. Das erste, was ihr verteidigen sollt, ist nicht euer Ego, sondern die Ehre eurer Religion. Obwohl manche Sachen nicht an sich verboten sind, können sie, weil sie einen unter Schuldverdacht bringen können, indirekt verboten werden. Und es gibt manche Angelegenheiten, deren Auswirkungen beim Bekanntwerden schlimmer sind als bei ihrem Zustandekommen. Hütet euch, in solch eine Situation zu geraten. 196. Lasst euren Iman nicht im Alltagstumult untergehen! Liefert den Alltagsproblemen den Iman nicht aus. Wenn ihr das tut, wird eurer Glaube wie der Schnee auf dem Feuer wegschmelzen. 197. Seid standhaft gegenüber den Sorgen und Schwierigkeiten des Lebens! Vergesst nicht, dass der Wille/die Khilâfah den Bergen, der Erde und den Himmeln angeboten wurde, sie aber lehnten sie ab, und nur der Mensch nahm sie an. So sollen die Genannten überwältigt werden, ihr jedoch nicht.
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198. Es gibt ein arabisches Sprichwort, das da heißt: Man âmâna bi'l qadar, amina mina'l kadar. Wer überzeugt ist
von Allahs Allwissen und Allmacht, der wird sicher sein vor den Sorgen. Der Iman an das Schicksal bedeutet, den Zufall abzulehnen. Qadar ist Maß - das göttliche Maß.
Nichts findet außerhalb dieses Maßes statt. Dieser Iman gleicht einem Schnellkochtopf. Auch wenn der Topf innen brodelt und voller Druck ist, explodiert er nicht. 199. Unterliegt nicht den Schmerzen des Lebens! Denkt daran, dass kein Schmerz unendlich andauert. Auch wenn ihr manchmal das Gefühl habt, dass euch die Last der Schmerzen fast erdrückt, versucht, wie ein Gottesfreund es vorschlägt, gemäß dieser Empfehlung die Schmerzen zu ertragen: I )er bedeckte Tag wird nicht stets bedeckt bleiben Halte es aus mil dem Ruf Allah, Allah Welcher Abend wird kein Morgen werden? Glaube daran mil dem Ruf Allah, Allah.11 200. Versucht, Lehren aus den Schmerzen des Lebens zu ziehen. Nicht die Freuden erziehen den Menschen, sondern
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seine Sorgen und Schwierigkeiten. Die Dinge, die mit einem geschehen, sind göttliche Botschaften - also Ayât. Schaut, dass ihr sie richtig deutet. Fragt euch selbst „Welche Botschaft will Allah mir mit diesem Ereignis geben?" Vergesst nicht, dass man keine „süße" Gesundheit erhält, bevor man nicht die bittere Medizin geschluckt hat.
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Kara gün kararıp kalmaz / Dayan Allah de Allah de / Hangi akşam sabah olmaz / Ġnan, Allah de Allah de
201. Last und Druck machen Kohle zum Diamanten. Ein Mensch, der niemals Schmerzen in seinem Leben hat, folgt der Sunna des Pharao. Der Gläubige sollte sich deshalb fürchten und sich fragen, ob Allah ihn vielleicht vergessen hat, wenn er keine Sorgen und Schmerzen hat.
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beginnen und Versammlungen zu spät zu eröffnen. In diesen Fällen büßen das diejenigen, die sich an die Termine hallen. Sie .»her sind zur selben Zeit die, die Dsulm erfahren. Wenn diese Krankheit zu einer Gesetzmäßigkeit unter den Muslimen weiden würde, könnte das bedeuten, dass man 202. Brecht nicht euer Versprechen und gebt kein Versprechen, das ihr brechen müsstet. Wisst genau, dass al wa'du Redlichkeit bestraft und Unaufrichtigkeit belohnt. kad-dayn: Ein Versprechen wie eine Schuld ist. Wer sein 204. Zeit ist Leben! Wer seine Zeit vergeudet, vertut Versprechen bricht, ist wie einer, der seine Schuld nicht besein eigenes Leben. Wenn ihr nicht einmal ein Recht zahlt. Dies ist ein Anzeichen für Nifâq - Heuchelei. Ist denn ein besitzt, eure eigene Zeit totzuschlagen, wie könnt ihr es Munâfiq (Heuchler) nicht der, der die Eigenschaft der euch herausnehmen, Zeitmörder anderer Personen zu Vertrauenswürdigkeit (des Amîn-Seins) verloren hat? werden? Zeit ist eine der Voraussetzungen für Salah, das
Der Mu'MIN und Zeit
203. Haltet eure Termine peinlich genau ein. Es ist zu einer Gewohnheit unter Muslimen geworden, verspätet zu Terminen zu erscheinen, ein Treffen nicht pünktlich zu
an erster Stelle unter den Gottesdiensten aufzuzählen ist. Jede Gebetszeit ist ein Termin, den Allah vorgegeben hat. Mit dieser Vorgehensweise verleiht uns unser Herr ein Zeitbewusstsein.
Zeitbewusstsein bedeutet, zu erfassen, was Zeit ist, ihren Wert zu erkennen und sie gebührend einzusetzen und nicht zu verschwenden. Zeit ist der kostbarste Rizq, den Alla h uns zur Verfügung gestellt hat. Wie jede Versorgung und Gabe ist er nicht unerschöpflich und man wird nach ih m befragt werden. 205. Bedient euch einer Uhr! Macht von der Uhr keinen Gebrauch, als ob sie ein Schmuckstück um euer Handgelenk wäre, sondern als ein Instrument, das euch spüren lässt, dass ihr lebt, euch daran erinnert, dass ihr sterben werdet, also als ein Zeitbotschafter, der jede Sekunde an eure Tür klopft. Wenn ihr euren Tagesplan macht, dann redet in M i nuten. Die Folge der Nacht auf den Tag, die Stufen, die der Mond durchmacht, die Jahreszeiten, sie alle wollen dem Menschen
das Zeitbewusstsein geben. Ein jeder Tag verkündet dem Menschen, dass er sterben und auferweckt werden wird. Ein jeder Neumond teilt dem Menschen mit: Er wird sterben und auferweckt werden. Der Sommer und der Winter, der Herbst und der Frühling erinnern den Mensehen tlaran, dass auch er Jahreszeiten besitzt. Das sind Âyât des Universums, die die Zeit uns darbietet. 206. Darüber hinaus gibt es Qur'anverse: Wal-Äsr: Bei der Zeit, Wal-Layl: Bei der Nacht, Wan-Nahâr: bei der Tageszeit, Wad-Duha: Bei der Morgenhelle, Wal-Fadschr: Bei der Morgendämmerung, Wasch-Schafaq: beim Morgengrauen; Was-Subh: Beim Morgen. Mit all diesen göttlichen Eiden wird auf die größte Gabe, nämlich die Zeit, aufmerksam gemacht. Eine Angelegenheit zu vernachläs-
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sigen, auf die Allah so viel Aufmerksamkeit gelenkt hat, ist nichts anderes als Leichtsinn und Gleichgültigkeit. 207. Diejenigen, die eine Entschuldigung vorbringen, indem sie sagen: „ich habe keine Zeit gehabt, müssen als erstes darauf achten, ob sie Zeit verschwenden oder nicht. Auch bei der Zeit geht, wie bei jeder anderen Sache, die verschwendet wird, der Segen verloren. Wenn dann aber kein Segen mehr in einer Sache ist, werdet ihr eine Sache, die zu erledigen eine Stunde dauern könnte, an einem Tag fertig bringen. Und vielleicht werdet ihr euch selbst dann noch für sehr fleißig halten. Im Grunde seid ihr in so einem Fall im Verlust, aber ihr werdet es nicht bemerken. Darüber hinaus ist euch noch der Segen der Zeit abhanden gekommen. Ihr wisst: Nur eine Gabe, für die man dankt, wird vermehrt werden. Zwei Namen Allahs sind: Al-Qabid: Derjenige, Der
eng macht und Al-Bâsit: Derjenige, Der weit macht. Er ist in der Lage, eure Zeit eng oder weit zu machen. 208. Ihr werdet mit Verwunderung bemerken, dass die Menschen, die der Zeit ihr Recht gaben, in einem kurzen Leben so viele Dinge vollbracht haben. Dies ist genau das Geheimnis, was dahinter steckt. 209. Die westliche Kultur ist abendländisch. Sie schickt die Menschen zur Mitternacht ins Bett und weckt sie am späten Morgen auf. Die Islamische Kultur ist morgenländisch. Sie ist die Kultur der Morgendämmerung. 210. Der Muslim erlaubt es nicht, dass die Sonne vor ihm erwacht, im Gegenteil, er steht vor der Sonne auf. Er weiß, dass dem, der die Sonne vor sich wach werden lässt, der Tag schon totgeboren ist. Dieser Tod signalisiert, dass der
Segen der Zeit weggenommen wurde. Diese Person umarmt die Nacht, als würde sie ins Grab steigen. Falls die Nacht von jemandem schön und gut ist, wird sein Tag es ebenfalls
sein. Der Tag und die Nacht sind die Offenbarungen des Diesseits und Jenseits binnen 24 Stunden.
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HAQQ (Rechte und Gerechtigkeit)
211. So, wie jemand mit Knappheit an Zeit bestraft wird, wenn er nicht der Zeit ihr Recht gibt, so wird er im Dies seits mit Unmenschlichkeit und im Jenseits mit dem Feuer bestraft, wenn er nicht auf die Anrechte der Menschen achtet. Das Achten der Rechte von Menschen bedeutet zu gleich, Respek t zu haben vor den Bemü hu ngen der Menschen. Nicht nur der Angriff auf ihren B esitz bedeutet ein Übertreten ihrer Rechte, sondern gleichermaßen ist es eine Verletzung des Rechts der anderen Menschen, wenn man ihre Zeit, Persönlichkeit, Ehre und Würde und selbst die Luft, die sie atmen, nicht achtet. Ist es denn nicht Verletzung der Rechte anderer, wenn jemand in einem geschlossenen Raum raucht, sodass ein anderer sich durch diesen u nangenehmen Geru ch belästigt fü hlt, wenn er diesen Raum betritt? 212. So, wie es eine Pflicht für den Muslim ist, die Rech te der Menschen zu schützen, ist es auch notwendig, den Rechten der Tiere, der Natur und sogar der materiellen Dinge Schutz zu gewähren. Der Prophet Muhammad (s)
betrachtete es als einen Teil des Imans, ein Hindernis aus dem Weg zu räumen, und auch, dass Opfertiere nur ab einem bestimmten Alter geschlachtet werden dürfen ist ein Schutz der Lebensberechtigung der Tiere. 213. Der Begriff Haqq (Recht) hat für den Mumin eine wesentliche Bedeutung. So wie die Waisen, Witwen, Armen, Nachbarn, Verwandten und Freunde ein Recht gegenüber euch haben, so besitzen selbst eine Mahlzeit, ein Glas Wasser, die Liebe, Abscheu, die Freundschaft oder Feindschaft ein Recht, das sie fordern. Auch Leben, Gesundheit, Augen, Ohren, Zunge und Lippen haben bestimmte Anrechte bei uns. 214. Genauso besitzen jeder Beruf und jede Handlung ein Recht, das sie uns abverlangen. Ein Schmied muss dem Eisen, der Arzt der Untersuchung, der Gelehrte dem Wissen, der Schriftsteller seiner Feder, der Künstler der Kunst ihr Anrecht geben. Es ist dann fast ü berflüssig zu erwähnen, dass der Muslim seinem Iman, dem Islam und seinem Gebet das Recht geben muss. So muss er auch das verdiente Geld rechtmäßig ausgeben. 215. Dem Geld sein Recht zu geben bedeutet, es au f erlaubten Wegen zu verdienen und es für erlaubte Dinge auszugeben.
216. Mit Geld und mit Frauen geprüft zu werden ist eine der schwersten Prüfungen. Sich den Begierden und der Dunya hinzugeben, ist eine der Schwachstellen des mo dernen Menschen. Noch so mutige Helden, die nicht auf
dem Schlachtfeld besiegt werden konnten, mussten sich dem Geld geschlagen geben. Viele Brüder, die in der Prü fung durch Not und Kummer gut abschnitten, bestanden die Prüfung durch Wohlstand und Vermögen nicht. Denn
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Sabr (Geduld) bei Wohlstand zu haben ist schwieriger als Sabr bei Armut und Not. 217. Wirtschaftliche und finanzielle Abhängigkeiten sind eine Hürde für die Beziehungen der modernen Menschen. Wenn jemand diese Prüf ung nicht bes teht, dann hat er in Hinsicht auf die menschlichen Beziehungen verloren, auch wenn er in anderen Bereichen erfolgreich war. Oft zeigt sich erst in Geldangelegenheiten, welchen wirklichen Wert der Mensch besitzt. 218. Ihr könnt mit Staunen und Trauer beobachten, dass viele Menschen, von deren Ikhlâs und Iman, Wissen und Bewusstsein ihr überzeugt seid, in Geldangelegenheiten nicht nach diesen Maßstäben handeln. Dann wird euch klar, dass der Islam eures Gegenübers nicht ein Lebens-Islam, sondern ein Theor ie-Islam ist. D ieser Muslim wir d wie eine Nachtigall singen, wenn von der Theorie des Islams gesprochen wird, aber wenn es um die Praxis geht, wird er stumm wie ein Fisch bleiben. Deswegen scheuen viele sich davor, mit den Personen, mit denen sie eine Beziehung auf der Grundlage des Islams unterhalten, auch eine menschliche Beziehung einzugehen. Aber diese zwei Bereiche sind wie die zwei Seiten einer Medaille, die nicht voneinander zu trennen sind. Wenn das, was islamisch ist, getrennt wird
von dem, was menschlich ist, dann wird sowohl der Islam, als auch die Menschlichkeit halbherzig gelebt. 219. Seid aufrichtig im Handel! Wenn ihr Verkäufer seid, dann soll der Kunde nach dem Handel mit euch keine Reue empfinden. Denn vergesst nicht: Mitgefühl ist die Hälfte der Religion. Wenn ihr K äufer seid, versucht zunächst das Gekaufte genau zu untersuchen, und lasst euch nicht hereinlegen. 220. Macht, sow eit mö glich, keine S chulden. D enn Schulden sind nach der Aussage des Propheten (s) nachts Kummer, tagsüber Erniedrigung. Diejenigen, die nicht auf die Begleichung ihrer Schulden achten, werden durch die Prophetenworte verurteilt: Allah möge den verfluchen, der den Gläubiger zu sich kommen lässt (um sein Geld zurückzuverlangen). 221. Es ist Unterdrückung, wenn ein verschuldeter Mumin die Bezahlung seiner Schulden verzögert und diese Summe der Inflation zum Opfer fällt. Der Qur'an verbietet in der Âyah, in der er den Zins verbietet auch, dass das Recht des Gläubigers durch die Inflation zunichte gemacht wird: (so) tut weder ihr Unrecht, noch wird euch Unrecht zugefügt (2:279)
222. Fallt nicht in die neueste Falle der Moderne, den Kredit! Diese Falle, die den Menschen dazu verurteilt, in Raten zu leben und in Raten zu sterben, ist bei genauer Betrachtung weder zugunsten des Käufers, noch zugunsten des Verkäufers, sondern vorteilhaft für das bestehende
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Wirtschaftssystem. Versucht etwas, das ihr erwerben wollt mit einer Institution wie dem Qard al-hasan (schönes Darlehen; s. 5:15), die ihr unter euren Freunden gegründet haben solltet, ohne Raten und ohne Zinsen zu erwerben, wenn ihr finanziell nicht in der Lage seid, bar zu bezahlen.
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223. Das Geld ist in der modernen Welt sowohl ein Tausch- als auch ein Kriegsmittel. Wir leben in einem Zeitalter, in dem die eigentlichen Kriege nicht mit Nuklear- oder Chemiewaffen, sondern mit Waffen der Wirtschaft geführt werden. Die Regime, die nicht mit Waffengewalt zu stürzen sind, kommen durch wirtschaftliche Bestrebungen zu Fall. Die Menschenmassen werden Diener der Regierungen und diese wiederum Sklaven der Wirtschaft. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Muslim sich bewusst wird, in welche Hände jeder Cent, den er ausgibt, gelangt, und er sicher sein kann, dass dieser nicht als Schaden für ihn eines Tages zu ihm zurückkommt. Wenn der Muslim sich für eine War e oder einen Verkäufer entscheidet, muss er seinen Glauben vor Augen haben und muss versuchen, die Waren, die die Feinde seines Glaubens produzieren, zu meiden, außer in Notfällen, um sich so nicht selbst zu schaden. 224. Die Aufgabe der muslimischen Produzenten und Verkäufer ist es, auf die muslimischen Käufer bzw. Konsumenten zu achten und sie zumindest nicht in die Lage zu bringen, dass sie außerhalb einer muslimischen Gemeinde einkaufen müssen.
225. Hütet euch strikt davor, zum Teil der Konsumgesellschaft zu werden. Macht euch Gedanken darüber, ob ihr die Dinge wirklich benötigt, die euch die Reklame und Medien vorgeben, kaufen zu müssen. Der Gläubige muss genug Weitsicht und Einsicht besitzen, den Zauber der Reklame, der sich letztendlich als Waffe gegen ihn selbst richtet, zu brechen und die Täuschung unter dem gutverpackten Produkt klar zu erkennen.
226. Die größte Gefahr, die die Muslime erwartet, ist es, in die Falle der Konsumsklaverei zu tappen. In einer Zeit, wo es „islamische Mode" und „islamische Modeschauen" gibt, kann man schon beurteilen, ob die islamischen Werte degeneriert sind oder nicht. 227. Kapitalismus ist der moderne Schirk, dessen Götze das Geld ist. Ein anderer Name für den Kapitalismus ist die weltweite Versklavung des Menschen. Wenn ihr kein Opfer dieser Schirfc-Religion werden wollt, dann hütet euch davor, ohne wirkliche Notwendigkeit zu konsumieren!
228. Erlaubt es nicht, dass euer Leben und eure Lebensweise verweltlicht wird. Der Prophet (s) bemerkte, dass das Unglück dieser Umma die Liebe zur Welt (Hubbud-dunya) sein wird. Die größte Sorge der modernen Machthaber ist ein Menschentyp außerhalb des Systems, der sich nicht in das Weltsystem integrieren will. Jener versucht nicht, die Welt zu erlangen. Diese Persönlichkeit kann nicht mit weltlichen Dingen gekauft werden. Er hat die Waage der Welt und des Jenseits aufgerichtet, indem er beiden Seiten das Recht gegeben hat. Solch eine Persönlichkeit, die nicht
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mit den finanziellen Werten der modernen Welt zu kaufen ist, ist die Sehnsucht der Muslime und der Alptraum des Kufr. 229. Ernährt und versorgt euch nicht mit harâm! Es gibt direkte und indirekte Verbindungen von dem, was ihr esst, mit dem, was ihr tut (der Mensch ist, was er isst). Haltet euch von den zweifelhaften Dingen fern. Dies ist
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Taqwa (Gottesfurcht). Haltet euch fern, damit ihr beschützt seid. Diejenigen, die sich nicht fernhalten, werden nicht beschützt werden. 230. Es gibt im Leben eines Mu slims k einen Rau m für irgendeine Art des Glücksspiels. Ganz gleich wie es benannt wird, die muslimische Persönlichkeit soll es für sich als Prinzip ansehen, gegen jede Art von ungerechtem Erwerb von Vermögen und Geld zu sein. Der Muslim be grenzt ungerechten Erwerb, wie Zinsen und Glücksspiel, nicht nur auf materielle Dinge. Geistig, emotional und verstandesmäßig unrechtmäßiger Erwerb... sind mit der gleichen Kategorie zu bewerten. So wie z. B. eine nicht verdiente Liebe „Emotionszins" ist, sollte das Vorantrei ben der Menschen ohne Plan und Programm als geistiges Glücksspiel betrachtet werden. 231. Zinsen und Inflation sind ein Schlauch der Macht haber in die Taschen der Schwachen. Inflation und Zinsen sind zwei Wirtschafts-Schaitâne die sich gegenseitig anstacheln und die alle im Namen des Hizbusch-Schaitân (Partei des Schaitân) arbeiten. An diesen beiden Händen, die sich an dem Rizq des Mumins vergreifen, sollte die Strafe ange-
wandt werden, um sie an der Wurzel zu kappen. Im Qur'an ist das sich der Ungerechtigkeit aussetzen gleichermaßen verurteilt wie der unrechtmäß ige Erwerb.
MU' ASCHARÂT (Soziales Verhalten oder Umgang)
232. Die Umgangsformen, die die Früheren mit Âdâb al Mu'ascharât bezeichneten, sind eine Art Kulturcode, der angibt, welcher Kultur ihr angehört. Die Art, wie ihr geht, sitzt, sprecht, schweigt, esst und trinkt, auf welche Art ihr weint oder lacht, gehören zum Bereich der Umgangsformen, die euch zu eigen sind. Unsere Quelle, sowohl im Gebiet der Umgangsformen, wie auch in unserem Wissen und unserem Recht ist der Wahy (Offenbarung) und die Sunna, die sie verkörpert. 233. Die Menschen, die uns beobachten, finden durch unsere täglichen Verhaltensweisen heraus, welcher Kultur wir angehören, wie wir erzogen wurden, wem wir nacheifern und wen wir uns zum Vorbild nehmen. In diesem
Sinne ist es wahrscheinlich sinnvoller, das Wassertrinken mit dreimaligem Absetzen, das Beginnen mit rechts, sich also entsprechend der vom Propheten (s) überlieferten Tischsitten zu benehmen, als Kulturcode zu betrachten, als unter dem Aspekt von Sunna und Bid'a (Erneuerung).
234. Wir kennen die Anzeichen, die uns zeigen, dass wir uns weit weg von der islamischen Kultur befinden, angefangen vom Haarschnitt über die Kleidermode bis hin zur Umgangssprache, wie bei „Tschüss," „Tschau," „Hallo,"
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„bis dann",„mach's gut," „spitze" etc.. Und wir merken, dass solche Begriffe uns einen Hinweis darauf geben, welcher Kultur wir folgen, welche Kultur uns zu ihren Nachahmern macht, obwohl sie uns nicht eigen ist, und die unserer Kultur manchmal sogar gegensätzlich ist. 235. Die Kultur, der wir angehören, gibt uns Begriffe vor: Wenn wir uns treffen und verabschieden, sollen wir As-salamu alaikum (Der Frieden sei über euch) sagen, bei Aufregung Allah, Allah, Subhanallah (Preis sei Allah) oder Allahu-akbar (Allah ist größer), wenn uns etwas gefällt Mascha Allah (wie es Allah gefällt), wenn wir etwas zu unternehmen wünschen inscha Allah (so Allah will) oder bi idhni-llah (mit der Erlaubnis Allahs), wenn wir mit einer Sache beginnen bismillah (im Namen Allahs), bei Trauer und Sorgen la hawla wa la quwwata illa billah (es gibt keine Macht noch Kraft außer bei Allah), bei Trost und Beileidsbekundung Inna lillahi wa inna ilaihi radschi'ûn
(wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück). Dies sind Begriffe und Ausdrücke, die die Grundsymboliken einer Kultur darlegen und auf die der Qur'an mit Nachdruck besteht. 236. Eure Sitten und 'Urf' (Gepflogenheiten) sollen ma'rûf, d.h. allgemein als richtig anerkannt sein. Vergesst nicht, dass eine Sitte, die nicht ma'rûf ist, keine Sitte, sondern der Weg der Vorväter ist, den der Qur'an ablehnt. Den Vorfahren zu folgen bedeutet aber, nicht die Asche der Feuerstelle mitzunehmen, sondern das Feuer selbst in die nächste Generation weiterzutragen. Es ist kein Rechfertigungsgrund, die Asche in die nächste Generation zu tragen, nur weil sie von der Feuerstelle der Väter entnommen ist. Asche ist Asche. Ganz gleich von wessen Feuerstelle das Feuer stammt, das ihr in die nächste Generation tragen wollt, es wird immer eures sein. Tragt es weiter.
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Liebe und Güte
Tod und SCHAHÂDA (Bezeugen)
237. Begegnet den Menschen mit Liebe, Güte und Barmherzigkeit, so wie die Sonne, so dass selbst die Frevler aus euren Stra hlen Nutzen ziehen k önnen. Vergesst nicht, dass diejenigen, die kein Mitgefühl in ihren Seelen tragen, Menschen sind, die nichts erhalten haben. 238. Wir suchen Zuflucht bei Allah vor den Augen, die nicht weinen, vor dem Wesen, das nicht mitfühlt, vor der Wange, die nicht errötet. Wir suchen Zuflucht vor dem Magen, der viel isst, vor der Zunge, die viel spricht, und vor dem Auge, das viel im Schlaf liegt. Wir suchen Zuflucht vor dem Herzen, das den Verstand für ungültig erklärt, vor dem Verstand, der den Iman versperrt, vor dem Gefühl, dass das Nachdenken eingehen lä sst. Wir suchen Zuflucht vor den Gedanken, die das Gefühl als nicht vorhanden be trachten, vor unbrauchbarem Wissen, vor der Freundschaft des Narren, vor der Führung des Unwissenden und vor der Herrschaft des Ungerechten. 239. Sterben ist die andere Seite des Lebens. Derjenige, der seinen Tod nicht immer in seiner Brust trägt, kann dem Leben nicht sein Anrecht geben. Versucht also zu „sterben", bevor euch der Tod ereilt. Und findet zudem das Geheimnis
des Lebens nach dem Tod heraus. Ihr könnt den Tod nur durch diese beiden Arten töten. Die Angst vor dem Tod ist viel schlimmer als der Tod selbst. Wer den Tod mit ei ner der beiden Arten tötet, stirbt nur einen Tag; derjenige aber, der sich vor dem Tod fürchtet und versucht, davon wegzulaufen, wird jeden Tag sterben müssen. 240. Besucht die Friedhöfe, ohne dass ihr euch bei Handlungen wiederfindet, die den Tauhîd verletzen würden. Nehmt eure Kinder an der Hand und besucht manchmal die Gräüber mit ihnen. Bringt in die kleine und unschuldige Welt eines Kindes „das schöne und gute" Sterben ein. Es ist der Tod, der dem modernen Menschen am meisten zu schaffen macht. Jedes Mal, wenn er mit dieser Wahrheit konfrontiert wird, taumelt er und wird ganz aufgeregt. Die Menschen mit denen Geschichte geschrieben wird und die die Zukunft errichten werden, befinden sich nicht unter denen, die der Tod umgebracht hätte, sondern unter den jenigen, denen der Tod nicht schaden konnte. 241. Euer sehnlichster Wunsch soll es sein, Schahîd zu werden, d. h. Zeuge des Versprechens Allahs zu werden.
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Wisst genau, dass Schahâda (Bezeugen) unaufhörliche Glückseligkeit bedeutet. Der Schahîd ist jemand, der sein Leben für das ewige Glück des Menschen einsetzt. Der Schahîd ist jemand, der mit seinem Iman, Gebet, Dschihad (Einsatz), Leben und Sterben Allah als Zeugen in Anspruch nimmt. Der Schahîd ist jemand, der für den Liebenden und für seine Liebe mit seinem Leben bezahlt. Also ist der Schahîd der größte Liebende und die Schahâda die größte
Liebe. Der Schahîd ist das Herz der Geschichte, der Zeuge des Zeitalters und der Überbringer der frohen Botschaft der Zukunft. 242. Es kann manchmal vorkommen, dass es schwerer ist, als Schâhid (Zeuge für die Wahrheit) zu leben, denn als Schahîd zu sterben. Vergesst nicht, dass ihr,
wie ihr gelebt habt, genauso sterben werdet, wie ihr gestorben seid, so auferstehen werdet und wie ihr aufersteht, so über euch gerichtet wird. Ihr werdet auf dessen Weg sterben, auf dessen Pfad ihr gewandelt seid. Natürlich werden diejenigen, die auf dem Wege Allahs gelebt haben, auch auf Seinem Wege sterben. 243. Erwartet den Tod in jeder der 24 Stunden des Tages. Betrachtet den Tag als Diesseits, euer Bett als Grab und die Nacht als Tod. Wenn ihr euch ins Bett legt, schlagt
euer Buch des abgelaufenen Tages auf, und urteilt in dem Gericht eures Gewissens, im Mizân (der Waage), über euch selbst. So werdet ihr in der Lage sein, den Ratschlag Zieht euch selbst zur Rechenschaft, bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet am besten zu befolgen, und das ermöglicht euch, am nächsten Tag, der euer Al-Bathu ba'dal maut (die Auferstehung nach dem Tod) ist, ausgeruhter zu sein und einen Neubeginn zu starten. Wenn ihr das macht, werdet ihr nicht zu denen gehören, deren aufeinanderfolgende Tage gleich sind und die sich so im Verlust befinden.
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Sich Allah Nähern
244. Nähert euch Allah mit Nawâfil (den freiwilligen Gottesdiensten)! Falls diejenigen, die bei dem Thema des Nass1 über den „Geist des Qur'ans" sprechen, aufrichtig sind, dann sind sie verpflichtet, auch über den „Geist der Sunna" zu sprechen. Was ist der Geist der Sunna?. Der Geist der Sunna ist es, dass, obwohl uns nur die fünfmaligen Pflichtgebete obliegen, wir vor und nach diesen noch freiwillige Gebete anhängen. Obwohl wir nur als Pflicht das Fasten im Ramadan durchführen müssen, wir zu uns sagen „das, was mir als Pflicht auferlegt ist, ist zu meinem Nutzen" und noch ein freiwilliges Fasten hinzufügen. Obwohl wir nur einmal verpflichtet sind zur Hadsch zu fahren, diese mit der Umra aufstocken und obwohl uns nur die Zakât als Pflicht auferlegt wurde, wir mit Sadaqa und Infâq die 2,5% bis zu 100% steigern. Dies ist der Geist der Sunna. Die Lo-
gik des Genannten ist die folgende: Ich beschränke meine Beziehung zu Allah nicht auf die Grenzen von Befehl und Anweisung, was auf Furcht basiert, sondern überwinde diese Schranken und erhebe die Beziehung zu Ihm auf die Ebene der Wilâya (Freundschaft), die auf Liebe gründet. 245. Fahrt fort, das Tahadschud-Gebet (Gebet inmitten der Nacht), wenn schon nicht permanent, dann wenigstens in bestimmten Abständen zu verrichten. Falls ihr euch verschönern wollt, denkt nicht an Gesichtscreme oder an plastische Chirurgie, sondern achtet auf das Tahadschud-Gebet, das für den Propheten (s) sein Leben lang eine Pflicht, und für die Gläubigen vor dem fünfmaligen Gebet ein Gebot gewesen war. Zieht Nutzen aus den besonderen Zeiten, wenn die Nacht ihren Schleier entfernt und die Lebenden und die Leblosen mit dem Universum in Einklang sind und zu innerer Ruhe gelangen. Stimmt auch ihr mit ein in diese Harmonie.
246. Bittet um Vergebung in der Morgendämmerung und verleiht eurem Vogel der Vergebung mit euren Tränen zwei Flügel und lasst ihn hinauffliegen zum Himmel. Er weiß, wohin er fliegen muss. Wenn der Qur'an die Gläubigen beschreibt, dann spricht er von ihnen: sie sind es, die in der Morgendämmerung um Vergebung bitten. (51:18) Istighfâr, die Bitte um Vergebung der Sünden, ist das Zugeben der Schwäche und Bedürftigkeit des Knechts gegenüber Allah. Istighfâr ist der Hinweis: Ich bin klein, Du bist der Große, ich bin unvollkommen, Du bist der
Vollkommene, ich bin Geschöpf, Du bist Schöpfer, ich bin, der nimmt, Du bist, Der gibt, ich bin schwach, Du bist die Stärke, ich bin der Sünder, Du bist der Vergebende - kurz gesagt: Ich bin Knecht und Du bist Herr. 247. Vergesst nicht, dass jedes Istîghfâr eine Kugel ist, die auf das „Sündenziel" geschossen wird. Falls ihr mit einer richtigen Absicht richtig gezielt habt, dann werdet ihr das Ziel treffen und es wird so sein, als hättet ihr die Sünden nie begangen.
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248. Fürchtet euch genauso davor, euch an die Sünden zu gewöhnen und sie auf die leichte Schulter zu nehmen, wie die Sünden an sich zu begehen. Wenn man sich nicht mehr um Sünden kümmert, dann ist dies so schwerwiegend, wie die schwerste Sünde selbst. Die Angelegenheit hat eine andere Seite: Das ist die Falle der Hoffnungslosigkeit des Schaitâns, wenn ihr euch selbst nicht vergebt und deswegen fortfahrt, die Sünde weiter zu begehen. DHIKR (Gedenken Allahs)
249. Seid Ahlu-dh-Dhikr (Leute, die Allahs oft Gedenken). Im Qur'an wird Dhikr in der Bedeutung von „Rat geben", „Ratschlag erteilen", „einladen", „erinnern", „erwähnen", „das Gebet verrichten", „den Qur'an lesen" und „mit der Zunge erwähnen", benutzt. Die zuletzt genannte Bedeutung wird im Qur'an eher Tashih genannt, und dies ist im Qur'an getrennt von Dhikr angeordnet.
250. Mit all seinen unterschiedlichen Kategorien ist Dhikr die Heilung der Herzen, die Nahrung der Seelen, die Medizin der Sündenerkrankung, das Fest der Herzen, der Glanz der Augen, die Verfluchung des Schaitâns, der Dank und die Treue des Knechtes gegenüber seinem Herrn. Tashih ist die gemeinsame Sprache der Schöpfung, vom Staubkörnchen bis zum Planeten, vom Mikrokosmos bis zum Makrokosmos, vom Atom bis zum Universum, von der Zelle bis zum Menschen, vom Lebendigen bis zu den unbelebten Dingen. Jedes Ding preist Ihn mit der ihm eigenen Sprache, gedenkt Seiner stets, deutet auf Ihn und bewegt sich auf Ihn zu. 251. Wenn ihr heraus finden wollt, was ihr am meisten liebt, was euch am meisten interessiert, dann schaut, was ihr am häufigsten erwähnt. Wenn man liebt und das Geliebte nicht erwähnt, kommt dies der Untreue gleich. Falls ihr
etwas erwähnt, aber es nicht liebt, ist das nichts anderes als
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Zweigesichtigkeit.
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Die Erinnerung Allahs im Herzen heißt Dhikr, Seine Erwähnung mit den Worten Tasbîh. Haltet eine enge Nähe zu beiden. Diese beiden Dimensionen zeigen sich offen in den Ibâdât (rituellen Gottesdiensten), besonders aber beim Gebet. Ist denn das Gebet nicht der größte Dhikr 7 . 252. Dhikr ist mehr eine Handlung des Herzens und des Verstandes als der Zunge. In diesem Sinne hat er mehr mit dem Hören und Nachdenken, als mit dem Sprechen zu tun. Die Empfindung Besorgnis zu fühlen, ist im Grunde ein Dhikr. Denn wer herausfinden will, was er öfters erwähnt, der soll schauen, was ihn am meisten beunruhigt. Natürlich wird der Dhikr eines Menschen, der niedrige und weltliche Sorgen besitzt, ganz anders aussehen, als die Befürchtung eines Menschen, der sich um höhere Dinge und das Jenseits sorgt. 253. Der Grund, warum im Qur'an so sehr auf Dhikr und Tasbîh Wert gelegt wird, ist der, dass auf die geistigen und
materiellen Eigenschaften des Menschen „ALLAH" eingeprägt werden soll. Das heißt, dies führt zur Erlangung von geistigen Fähigkeiten. Vergesst nicht, dass Tarbiya (Erziehung) Beständigkeit und Wiederholung ist. Allah, Der der größte Erzieher ist, ist beständig und wiederholend, wenn Er Seine Knechte erzieht. Falls die geistigen Sinne und materiellen Organe seelische Fähigkeiten gewinnen, wird, wie im Hadîth Qudsi erwähnt, das Auge, wenn es schaut, mit dem Nur (Licht) Allahs sehen. Wenn das Herz liebt, wird es um Seinetwillen lieben, wenn die Zunge spricht, wird sie Seinen Namen erwähnen, wenn das Ohr hört, Seine Botschaft verstehen, wenn der Verstand produziert, wird er sich an Ihn binden, wenn er seine Kreativität ausschöpft, wird er die Grenzen beachten, die Er gezogen hat, wenn die Füße laufen und die Hände greifen, dann mit Seiner Kraft, sie gehen und packen zu um Seinetwillen. Kurz gesagt, dann werden wir uns an die prophetische Anweisung „verseht euch mit dem Charakter Allahs" gehalten haben.
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SALAH (Das Gebet)
Ein Mensch, der das Gebet verrichtet, ist jemand, der sich selbst in die Obhut Allahs begibt. 255. Das Gebet ist eine göttliche Vorkehrung, damit das Leben nicht eine größere Verweltlichung erfährt, als erfor derlich ist. In diesem Sinne ist das Gebet eine außerordentlich bedeutungsvolle Güte. Das Gebet ist eine himmlische
254. Gebt dem Gebet sein Anrecht! Vergesst nicht, dass das Gebet dazu dient, den Diener Gottes fünfmal - also den ganzen Tag über - unter die Aufsicht Allahs zu stellen.
Naht, die den Menschen, der sich im Diesseits befi ndet, jeden Tag an fünf Stellen mit der Nadel der Zeit mit dem Jenseits zusammenschweißt. 256. Das Gebet ist die Mi'râdsch (Himmelfahrt) des Gläubigen. Wir können das Gebet mit einem Weltraum flug vergleichen. Die Takara ist die Vorbereitung für den Flug, das Sunna-Gebet ist das Warmlaufen des Motors, der Eröffnungstakbir der Abflug, die Qur'anrezitation der Treibstoff, die Ruku die Flugstrecke, die Sadschda die Ankunft und Beendigung, der Taschahhud (Sitzen) die Landung, und der Salam (Gruß) die Meldung an die ganze Welt „ich habe meine Mi'râdsch vollendet und bin zu euch zurückgekehrt". 257. Das Gebet ist das Wandeln auf dem Sirât (hier: Brücke über dem Abgrund der Hölle). Rechts von euch befindet sich das Paradies, links von euch das Höllenfeuer. Hinter euch liegt das Diesseits und vor euch das Jenseits. 258. Seid bei der Sache, wenn ihr euer Gebet verrichtet! Vergegenwärtigt euch immer wieder die Sura Al-Mâ'ûn. Wenn man diejenigen Muslime, die nicht das Gebet verrich-
ten, die sich also der göttlichen Aufsicht entziehen, einmal ausschließt, wird über sie folgendes gesagt: Wehe den Betenden. (107:4) Warum? Die Antwort darauf befindet sich in derselben
Sura: Sie sind in ihrem Gebet nachlässig. Sie verrichten es, um gesehen zu werden. (107:5) Warum wollen sie gesehen werden? Damit die anderen Betenden denken, sie würden das Gebet für Allah verrichten. Keine Ernsthaftigkeit gegenüber dem Gebet zu zeigen bedeutet, die Knochen und das Fleisch des Körpers vor Allahs Angesicht stehen zu lassen, mit dem Verstand und dem Herzen abzuschweifen und sich in der Gefühls- und Gedankenwelt mit anderen Dingen zu beschäftigen. Dies bedeutet, keine Ernsthaftigkeit gegenüber dem Gebet zu zeigen und so zu tun, als würde man das Gebet für Allah verrichten, und deshalb wird gesagt: Wehe denen, die das Gebet auf diese Weise verrichten. 259. Im Qur'an wird das Gebot zum Verrichten des Gebets mit dem Wort iqâma ausgedrückt. Dieses Wort verleiht dem Gebet gleichzeitig zwei Bedeutungen: Ers-
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tens das Gebet verrichten und zweitens das Gebet auf die korrekte Art und Weise durchführen. Denn Istiqama, was Ausrichtung bedeutet, entstammt aus der gleichen Wurzel wie das erwähnte Verb. In diesem Punkt muss das Gebot des Qur'ans jedesmal, wenn dort steht: „verrichtet das Gebet" als: „verrichtet das Gebet tadellos" verstanden werden. Das Gebet, das nicht richtig und tadellos verrichtet wird, wird dem Betreffenden wieder ins Gesicht geschleudert werden. 260. Wenn das Gebet so in unser Leben hineinspielt und es in die fünf empfindlichen Zeiten unseres Alltagslebens eingeflochten ist, dient das Gebet als eine Grundlage zur Prüfung der Aufrichtigkeit für diejenigen, die sich als Muslime bezeichnen. Ich lobe und danke Allah, Der für uns das Gebet fünfmal am Tag angeordnet hat und spre che meinen Dank und Segen an den Gesandten Allahs (s) aus, der uns das Gebet in seiner Umsetzung beigebracht hat. Ich sehe, wie das Gebet im Zeitalter des Modernismus, das uns ein Leben aufdrängt, das drunter und drüber geht, einen hervorragenden Mechanismus der Aufsicht und des Frühwarnsystems bietet. 261. Der Mensch, der vom Gebet flieht ist ein „Deserteur des Islams". Man muss schon von vorneherein akzeptieren, dass dieses Fliehen vor diesem strengen Aufsichtsmechanismus ein Verschwinden des Islam bedeutet. 262. Das Gebet ist eine Gelegenheit, und zwar eine einzigartige Gelegenheit. Falls wir von dieser Gelegenheit den größtmöglichen Nutzen ziehen könnten, dann würden wir genauso wie der Prophet (s) Das Gebet als das I,icht unserer Augen... bezeichnen, in es verliebt sein und uns nach ihm sehnen können. Wir wissen nicht, wofür es gut ist, wir erkennen nicht seinen Wert und oftmals tauschen wir diese Perle gegen einen einfachen Stein um. 263. Seid Menschen, deren Herzen an Moscheen hängen. Begreift endlich, dass es keine Bewegung ohne Moscheen gibt, es keine Bewegung geben wird. Falls ihr keine Mo scheen besitzt, dann errichtet sie, falls ihr keine Dschamâ 'a (Gemeinschaft) habt, dann findet eine. Aber seid nicht daran beteiligt, dass das Gebet keinen sozialen Einfluss mehr auf die Islamische Gemeinschaft hat. 264. Gebt eure islamischen Treffen und Veranstaltungen in den Moscheen und zu den Gebetszeiten bekannt. Lernt die Moscheen,die beim Propheten (s) das Sammelbecken für den vollständigen Wandel in der ersten Zeit des Islams waren, als eine Schule, einen Ort der geistigen Belebung; eine Stätte der körperlichen Betätigung und als eine soziale Institution zu gebrauchen. Bringt dem Volk die eigentliche Funktion der Moscheen bei, die vergessen wurde. 265. Wenn ihr nicht dazu imstande seid, macht dann wenigstens eure Wohnungen zur Masdschid. Eure Familie (Ahl-ul Bayt) soll die Dschamâ 'a dieser Moschee und ihr selbst ihr İmânı sein. Vergesst nicht, dass Erziehung etwas Ganzheitliches ist. So wird das Gebet sowohl einen erzieherischen Eindruck auf die kleinen Kinder des Hauses machen als auch einen Beitrag für die geistige Zufrieden heit leisten.