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01de_priebs_hannover

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					          Erfahrungen
mit Stadt-Umland-Kooperationen
(insbesondere Region Hannover)

      Vortrag von Prof. Dr. Axel Priebs
   Erster Regionsrat der Region Hannover
          in Rostock am 14.12.2006
    (BSR Interreg IIIB Projekt „SEBco)
Stadt und Umland: Einführung
• Die Stadt hat stets von ihrer Ausstrahlung in die Region gelebt -
  und die ganze Region hat stets von einem starken Zentrum gelebt!
• Die Suburbanisierung führt zur Verschiebung der Kräfte und damit
  häufig zu Schwierigkeiten im Rollenverständnis.
• Die Menschen verhalten sich regional (Arbeitsmarkt, Wohnungs-
  markt, Freizeit etc.); beim Standortwettbewerb sitzen Stadt und
  Umland in einem Boot!
• Stadt-Land-Gegensätze schwinden, werden aber durch Verwal-
  tungsgrenzen und schwierige Akteurskonstellationen überhöht
• Jede Region ist ein Individuum und braucht maßgeschneiderte
  Kooperationsstrukturen
Formen der stadtregionalen Kooperation

1. Informelle Kooperation, Vereine
2. Kapitalgesellschaften
3. „Eindimensionale“ Zweckverbände
4. Regionalverbände mit mehreren
   stadtregionalen Aufgaben
5. Regionale Gebietskörperschaft
   (Regionalstadt, Regionalkreis)
1. Informelle Kooperation
Charakteristika:
• Entspricht dem Zeitgeist insbesondere seit Anfang der
  90er Jahre (schlank, keine öffentlich-rechtliche
  Verfestigung, keine neue „Behörde“)
• Gemeinsame Projekte (z.B. Marketing,
  Radwegekonzept, regionale Strategieentwicklung)
• Beispiele: Regionalkonferenzen, regionale
  Entwicklungs- oder Marketinginitiativen
• Niedrigschwellige Institutionalisierung möglich (Ver-
  einsrecht), Gründung und Auflösung unproblematisch
Informelle Kooperation
Vorteile:
• Klare Entscheidungsstrukturen
• Niedrige Kooperationsschwelle, kurzfristige
  Realisierung möglich
• Beteiligung öffentlicher und privater Partner
  möglich
Kritische Punkte:
• Legitimation?
• Öffentliche Kontrolle, Transparenz?
• Beschränkung auf „Schönwetter-Projekte“?
Beispiele informeller regionaler Kooperation

• Kommunale Arbeitsgemeinschaft Bonn/Rhein-
  Sieg/Ahrweiler
• Kommunale Nachbarschaftsforen im Raum Berlin
• Verein zur Sicherstellung überörtlicher
  Erholungsgebiete in den Landkreisen um
  München e.V. (einschl. Stadt München)
• Kommunalverbund Niedersachsen-Bremen e.V.
• Rhein-Neckar-Dreieck e.V.
Kommunale Arbeitsgemeinschaft
Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler


                            Kooperationsthemen:
                            Bonn als Bundesstadt

                            Strukturpolitisches
                            Leitbild
                            Wohnungsmarkt

                            Reg. Einzelhandels-
                            und Zentrenkonzept
Verein zur Sicherstellung
überörtlicher Erholungs-
gebiete in den Landkreisen
um München e.V.

• 1965 gegründet
• Mitglieder: Landeshauptstadt München, 6
  Landkreise, 58 Städte und Gemeinden
• Sicherstellung und Gestaltung überörtlicher
  Erholungsflächen (Ankauf von Flächen, Gestaltung
  von Erholungsgebieten, Wanderwege)
2. Kapitalgesellschaften als regionale
Kooperationsform
• GmbH oder AG
• Insbesondere für regionale Entwicklungs-
  und Wachstumsinitiativen
• Erforderlich bei wirtschaftlicher Tätigkeit
• Sinnvoll für Einwerbung von Kapital aus der
  Wirtschaft
Beispiele:
3. „Eindimensionale“ Zweckverbände

Charakteristika:
• Pragmatische und erprobte öffentlich-rechtliche
  Kooperationsform
• Insbesondere für gemeinsame Infrastruktur mehrerer
  Gemeinden (Schulen, Straßen, Ver- und Entsorgung)
Beispiele:
• Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/ Niedersachsen
  (6 Kreise und 4 Städte; Aufgabenträger für den ÖPNV).
• Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Würzburg (Stadt
  Würzburg und 2 Kreise)
„Eindimensionale“ Zweckverbände

 Vorteile:
 • Hoheitliche Tätigkeit möglich, auch Gebühren
 • nebenamtliche Verwaltung möglich
 • Klare Gremienstrukturen und Verfahren
 Kritische Fragen:
 • Nebeneinander vieler Zweckverbände
   problematisch (Koordination, öffentliche
   Kontrolle, Transparenz)
 • Gründung und Auflösung aufwändig
4. Regionalverband (öffentlich-rechtlich)
• Klare Entscheidungsstrukturen
• Bündelung regionaler Aufgaben möglich
• Demokratisch legitimierte Entscheidungen
  durch regionales Gremium, Direktwahl
  möglich
• Verbindliche Spielregeln, geregelte
  Verfahren
• Geregelte Haushaltwirtschaft (Umlage)
• Gründung und Auflösung aufwändig
Beispiele: Regionalverbände mit wesentlichen
stadtregionalen Aufgaben:
• Zweckverband Raum Kassel
• Regionalverband Ruhr
• Großraumverband Hannover (1963 bis
  Regionsbildung 2001)
• Zweckverband Großraum Braunschweig
• Verband Region Stuttgart
• Verband Region Rhein-Neckar
    Zweckverband
Großraum Braunschweig



           • 1992 gebildet (1996 erweitert)
           • Städte Braunschweig,
             Wolfsburg und Salzgitter
             sowie 5 Landkreise
           • Aufgaben: Regionalplanung
             und ÖPNV
Verband Region Rhein-Neckar
Verband Region Stuttgart


                     Aufgaben:
                     • Regionalplanung
                     • Landschaftsplanung
                     • Wirtschaftsförderung
                     • S-Bahn und
                       Nachtbusse
                     • Messe
                     • Regionalpark
5. Regionale Gebietskörperschaft


• Regionalstadt
• Regionalkreis
Regionalstadt

• Großzügige Eingemeindungen
• Eingemeindete Städte und Gemeinden verlieren
  kommunalrechtliche Eigenständigkeit
• Stadtbezirke haben nur geringe Kompetenzen
• Spannungsfeld zwischen Zentralisierung und
  Dezentralisierung
• Einziges echtes Beispiel in Deutschland: Berlin (1920
  Groß-Berlin-Gesetz)
• Weitere Regionalstädte kurzfristig nicht zu erwarten
  (Ablehnung in Umlandgemeinden und Bevölkerung)
Regionalkreis


Charakteristika
• Weiter gehender als Regionalverband: Einsparung
  einer Ebene
• klare Entscheidungsstrukturen
• Stadt und Nachbarn unter einem Dach
• Bündelung aller regionalen Aufgaben möglich
• Direktwahl der Regionsversammlung
Vorteile Regionalkreis:
• Regionale politische Verantwortung
• Vorteils- und Lastenausgleich möglich
• Eigenständigkeit der Gemeinden bleibt erhalten
• Synergieeffekte durch Behördenfusion
• Ermöglicht geschlossene Außendarstellung und
  Identifikation

Nachteile:
• Kernstadt mit Sonderrechten, z. T. Doppelarbeit
• Erfordert intensive Vorbereitung
• Aufwändige Gründung (Gesetz)
  Das Beispiel:
Region Hannover
Übersichtskarte Region Hannover
Region Hannover: Allgemeine Struktur

• Gemeindeverband
• Regionale Gebiets-
  körperschaft
  („Regionalkreis“)
• Ca. 2300 qkm
• Ca. 1,1 Mio. Einw.
• 21 regionsangehörige
  Städte und Gemeinden
Großraum Hannover:
Administrative Zersplitterung 1962
Entwicklung der regionalen Kooperation im
Großraum Hannover vor Regionsbildung

•   Seit 1958/59 Überlegungen zu Großraumverband
•   1963 Verband Großraum Hannover gegründet
•   1970 Großraumverkehr Hannover
•   1974 Gebietsreform: Ringkreis mit 20 Kommunen
•   1978-1980 Auflösungsdiskussion
•   1992 Neues Gesetz: Kommunalverband
•   1994 Verband übernimmt den Zoo
Aufgaben des Kommunalverbandes
Großraum Hannover (bis 2001)
Gesetzliche Aufgaben:
• Aufgabenträger ÖPNV
• Regionalplanung/Untere Landesplanungsbehörde
Von den Verbandsgliedern freiwillig übertragene Aufgaben:
• Regionale Wirtschaftsförderung
• Regionale Naherholung
Operative Gesellschaften
• ÖPNV: üstra und Regiobus
• TCH, HRG, HRB
• Zoo Hannover GmbH
Regionale Netzwerke
• Wirtschaftsförderung, Bauen und Planen
Kommunalverband Großraum Hannover als
Aufgabenträger für den gesamten ÖPNV
Erlebnis-Zoo Hannover
Vorschlag „Blaues Papier“ 1996
Regionsbildungsprozess

• Ende 1995: Diskussion um Optimierung der
  stadtregionalen Struktur (Doppelarbeit, bessere
  Positionierung, Vorteils-Lasten-Ausgleich)
• 1996 Blaues Papier der drei Hauptverwaltungsbeamten
  (Vorschlag Regionsbildung)
• 1998 Regionaler Konsens zur Regionsbildung
• 2000 Vorschaltgesetz zur Regionswahl
• 2001 Gesetz zur Bildung der Region Hannover
Verwaltungsstruktur
   in der Region
 Hannover vor und
 nach der Reform
Politische Steuerung der Region

• Regionsversammlung mit 84 direkt gewählten
  Mitgliedern
• Regionsausschuss
• 15 Fachausschüsse (z.T. auf Grund besonderer
  Rechtsvorschriften)
• Regionspräsident (direkt gewählt, stimmberechtigtes
  Mitglied der Regionsversammlung)
• Keine Gemeindekammer
Organisationsstruktur und Aufgaben der Region Hannover
Erfolgsfaktoren der Regionsbildung

• Über 3 Jahrzehnte Erfahrung in regionaler
  Aufgabenwahrnehmung
• Initiative durch 3 kommunale Praktiker („bottom up“)
• keine Eingemeindungen nach Hannover
• keine Aufteilung der Stadt Hannover
• keine Ausdehnung auf benachbarte Landkreise
• keine Zentralisierung von Aufgaben, sondern
  Stärkung der Städte und Gemeinden
Erfolge der Region
•   Fusion der Berufsschulen und Berufsschulkonzept
•   Bündelung der Umweltverwaltung (LHH, LKH, BR)
•   Fusion der Gesundheitsämter (LHH, LKH)
•   2003: Fusion der Abfallbetriebe (LHH, LKH)
•   2003: Übernahme des Klinikums der LHH als
    Eigenbetrieb, 2005 Zusammenführung in GmbH
•   2003: Fusion der Sparkassen
•   2003: HannoverImpuls GmbH
•   2005: Unternehmerbüro
•   2006: Zusammenführung der Leitstellen
•   Synergieeffekte (ca. 300 Stellen)
 Haushaltsdaten

• Haushaltsvolumen ca. 1,2
  Mrd. Euro
• Einnahmen: Umlageanteil
  ca. 40%, davon ca. 55%
  LHH
• Sozialetat (Einzelplan 4) ca.
  63% (steigende Tendenz)
• Personalkostenanteil ca. 9%
Bilanz nach 5 Jahren Region Hannover
• Technische Anlaufschwierigkeiten überwunden
• Zusammenführung der Aufgaben gelungen
• Solidarische Region realisiert
• Keine Diskussion um Rechtskonstruktion
• Synergieeffekte klar erkennbar
• Regionsversammlung ist bereit zu unpopulären
  Entscheidungen (Berufsschulen, Pflegeheime,
  Krankenhäuser, Einzelhandel)
• Kritische Haushaltsentwicklung wie sonstige Kommu-
  nen in Niedersachsen, aber Synergien und
  Stabilisierung 2006
• Gutes Verhältnis in der „kommunalen Familie“
Vorrangige Aufgaben in der 2. Wahlperiode

• Innere Verwaltungsreform
• Sanierung und Sicherung der regionalen
  Infrastruktur
• Weiterer Abbau des strukturellen Haushaltsdefizits
• Verbesserung der Außendarstellung (Projekte
  „Yukon Bay“, „Gartenregion 2009“)
 Abschließende Thesen und
     Empfehlungen zur
stadtregionalen Kooperation
Wesentliche Themen stadtregionaler Kooperation
• ÖPNV
• Planung der Siedlungs- und Freiraumstruktur
• Regionale Naherholungsgebiete
• Wirtschaftsförderung und Regionalmarketing
• Hochklassige regionale Infrastruktureinrichtungen
  (z.B. Messe, Zoo, Technologiezentren)
• Regionale Daseinsvorsorge (Abfall,
  Krankenhäuser)
Kriterien zur Bewertung regionaler
Kooperationsmodelle
 • Höhe der Kooperationsschwelle unterschiedlich
 • Welche Themen sollen bearbeitet werden?
 • Flexibilität oder Stabilität
 • Regionale Verantwortlichkeit („Kümmerer“)
 • Verbindlichkeit und Mittelverantwortung
 • Politische Legitimation
 • Krisenfestigkeit
Empfehlungen für den Aufbau einer stadtregionalen
Kooperation

• Gemeinsame Interessen und Interessengegensätze klar
  benennen
• Start der Kooperation mit Konsensprojekten
• Klare Beratungs- und Entscheidungsstrukturen
  anstreben
• Arbeitsfähigkeit der Gremien sicherstellen
• Weiterentwicklung anstreben
    Vielen Dank für Ihre
     Aufmerksamkeit!

axel.priebs@region-hannover.de

				
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