9 Ethische Urteilsfindung - Einführung in die Ethik

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					Einführung in die Ethik

   Ethische Urteilsfindung




                  Dr. Claus Müller   1
Ethisches Urteil

 Ethisches Urteil = gemischtes Urteil
 < Normen + Sachverhalt
 < allgem. Regel + konkreter Fall




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Beispiel

        Darf ich den Gegenstand x an mich
            nehmen und ihn benutzen?

                     X gehört mir           X gehört mir
                                            nicht
   Du sollst nicht           ja                   nein
   stehlen!
   Ich nehme                 ja                   ja
   mir, was ich
   will
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Kasuistik

 Kasuistik =
 Lehre oder methodische Anleitung
        allgemeine Normen auf konkrete Handlungen
         bzw. Fälle anzuwenden
 bzw.
        das im Einzelfall geltende und anzuwendende
         Gesetz zu finden

 Problematisch als Entwicklung umfangreicher Katalogen mit Regeln
 für „jeden“ Einzelfall


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Urteilsfindung nach H.E. Tödt

 > handout
  Feststellung des Problems (als ethisches)
  Analyse der Situation bzw. des Sachverhalts
     (Beachte versch. Interpretationsmöglichkeiten)

    Erörtert der Verhaltensalternativen
    Explizieren und Prüfen der Normen
    Urteilsentscheid (Wagnis)
    Prüfen der kommunikativen Verbindlichkeit
    Prüfung der Angemessenheit des Urteils

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Faktoren der Urteilsbildung

  Lebensperspektiven
  Konkreten Umstände
  Universalisierbarkeit als Kriterium
  Gemeinschaftsbezug
  Folgenabwägung
  Versch. Interpretationsmöglichkeiten




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Kompromiss

 H. Thielicke
   „Das Sollen findet seine Grenze an der
    Eigengesetzlichkeit der zu Verfügung stehenden
    Mittel. Jede realistische Ethik ist darum eine Ethik
    des Kompromisses“
    Kompromiss als Zeichen der gefallenen Schöpfung

    Gott schließt in Jesus „Kompromiss“ mit Welt



 D. Bonhoeffer:
   Unterscheidung zw. Letztem und Vorletztem

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Elemente ethischer Entscheidung
nach H.-G. Gruber




                                   nach H.-G. Gruber




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Abwägungsregeln nach H.-G.
Gruber
    Für Güter und Werte
        Dringlichkeit vor Ranghöhe
        (Basisgüter vor Lebenskultur)
        Gemeinwohl vor Eigenwohl
    Für üble Folgen
        Übel als Nebenwirkung kleiner als Übel durch Unterlassung
        Wahrscheinliches Übel vor sicherem Übel
        Geringeres Übel vor größerem Übel
        Kürzeres vor länger andauerndem Übel
        Über für wenige vor Übel für viele
    Gesetz der Gradualität
     (subjektive Voraussetzungen; ultra posse nemo tenetur)


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Aspekte ethischer Urteilsfindung
nach H. Baum
 Voraussetzungen:
  Eigene Weltanschauung
       Ethischer Begründungstyp
         Motivation
         Ethische Prinzipien

         Ziel ethischen Handelns




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Aspekte ethischer Urteilsfindung
nach H. Baum
    Methodisch-sachliche Ebene
      Worin besteht das Problem?
      Welche Problem-Lösungen sind prinzipiell
       theoretisch und praktisch vorstellbar und
       praktisch umsetzbar?




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Aspekte ethischer Urteilsfindung
nach H. Baum
    (Berufs-)ethische Ebene
        Welche Lösung:
             respektiert den Selbstwert (Würde) der Betroffenen?
             hat das größte Hilfspotential
             hat das kleinste Schadenspotential
             Regeln:
                  Folgen und Mittel abwägen
                  Vorrang notwendiger Hilfe vor im Verhältnis dazu nicht
                   unbilligen Schaden
                  Vorrang Respekt vor Selbstwert vor Sekundärinteressen
                   anderer
                  Kooperative Entscheidungsfindung
                  Unaufgebbare Verantwortung für Letztentscheidung


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Übung
      Fallanalyse, Abwägung, Urteilsfindung

    Gehen Sie die Schritte ethischer Urteilsfindung
     (anhand des handouts) durch und entwickeln Sie ein
     begründetes Urteil.
    Wägen Sie dabei Güter/Werte und Übel ab.
    Diskutieren Sie Ihr Vorgehen und Ihre Entscheidung in
     Kleingruppen
    Stellen Sie die Aspekte ihrer Urteilsbildung (in der
     Kleingruppe) auf einem Plakat dar.
    Plenum

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posted:1/28/2011
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