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Basiswissen_Deutsch

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									1 Grammatik und Rechtschreibung




                G R A M M AT I K   2
       UND RECHTSCHREIBUNG
  42                       Grammatik und Rechtschreibung


                           2.1    Grundlagen und Voraussetzungen

                           2.1.1 Buchstabe

                             Das deutsche Alphabet beruht auf dem lateinischen Alphabet und
                             umfasst 26 Buchstaben. Der Buchstabe ist die kleinste Einheit der
                             Schriftsprache.



                           Die Buchstaben, die ohne Hilfe eines anderen Lautes gesprochen wer-
                           den, bezeichnet man als Vokale (Selbstlaute).

                            Aa    Ee      Ii     Oo   Uu


                           Buchstaben, die mithilfe von Vokalen gesprochen werden, heißen Kon-
                           sonanten (Mitlaute).

                            Bb      Cc         Dd     Ff    Gg     Hh      Jj      Kk      Ll


                            bee     zee        dee    eff   gee    ha      jott    ka      ell


                            Mm      Nn         Pp     Qq    Rr     Ss      Tt      Vv      Ww


                            em      en         pee    ku    er     es      tee     fau     wee


                            Xx      Yy         Zz


                            iks     üpsi-      zett
                                    lon



                           Außerdem beinhaltet das deutsche Alphabet die Umlaute

                            Ää      Öö         Üü


                           und das Sonderzeichen

                            ß


Codex = Vorläufer der      Alle Buchstaben, außer „ß“, gibt es als Klein- und Großbuchstaben.
heutigen Buchform,         Die Herkunft und Grundbedeutung der Bezeichnung Buchstabe ist um-
der im 4./5. Jh. die Pa-   stritten. Meist werden die Runen (Stab mit Runenzeichen) und der Codex
pyrusrolle ablöste.        als Ursprünge angesehen.
                                     Grundlagen und Voraussetzungen                         43


2.1.2 Laut

  Die kleinste Einheit der gesprochenen Sprache ist der Laut.
                                                                            Phonetik (Lautlehre)
                                                                            ist ein Teilgebiet der
Neben den einzelnen Lauten gibt es in der deutschen Sprache die Diph-       Sprachwissenschaft,
                                                                            welches die gespro-
thonge (Doppellaute) ai, au, äu, ei, eu und die Buchstabenkombinatio-
                                                                            chene Sprache in ih-
nen ck, sch und ch. Für einen Laut kann es verschiedene Zeichen (Gra-       rer kommunikativen
pheme) geben, wie Laut: ei; Graphem ai oder ei = Mai, Leim.                 Funktion untersucht.
                                                                            Sie geht davon aus,
 Lautarten                                                                  dass gesprochene
                                                                            Sprache durch mess-
 Bestimmung          Bezeichnung                 Beispiele                  bare Signale, die phy-
                                                                            siologisch und artiku-
 der Wortstellung    Anlaute                     Bein                       latorisch erzeugt wer-
                                                                            den, als Schall
                     Auslaute                    Beine
                                                                            (akustisch) übermit-
                     Inlaute                     Beine, Biene
                                                                            telt und vom Hörer
                                                                            aufgenommen wer-
 der gesprochenen    Kurzlaute                   offen, miss, Gasse
                                                                            den.
 Länge bzw. Kürze    Langlaute                   Ofen, mies, Gase

 der Beanspru-       stimmhafte Laute            alle Vokale und b, d, f,
 chung der Stimm-    stimmlose Laute             g, h, p, sch, ss
 bänder

 der Aussprache      Explosivlaute               b, d, g, k, p, t
                     (Verschlusslaute)
                     Frikativlaute               f, sch
                     (Reibelaute, Engelaute)
                     Liquidlaute                 l, r
                     (Gleitlaute)
                     Nasallaute                  m, n, ng

 des Bildungsortes   Dentallaute (mit den        d, s, sch, t
                     Zähnen gebildet)
                     Labiallaute (mit den Lip-   b, m, p
                     pen gebildet)
                     Nasallaute (mit der Nase    m, n, ng
                     gebildet)
                     Palatallaute (am vorde-     ç, j
                                                                            Das kleinste bedeu-
                     ren Gaumen gebildet)
                                                                            tungsunterschei-
                     Velarlaute (am hinteren     g, k
                                                                            dende grafische Sym-
                     Gaumen gebildet)                                       bol, das ein oder
                                                                            mehrere Phoneme
                                                                            wiedergibt, ist ein
                                                                            Graphem.
2.1.3 Phonem                                                                Laut: ai;
                                                                            Graphem: Eis, Hai
Die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit des gesprochenen Wor-        Laut: au;
tes ist das Phonem. Das bedeutet, dass sich durch Austausch eines Pho-      Graphem: Auge,
nems durch ein anderes Phonem die Bedeutung des Wortes verändert.           Kakao
  44                   Grammatik und Rechtschreibung


                           Mode – Made        Phonemaustausch im Inlaut
                           Ratte – Matte      Phonemaustausch im Anlaut
                           Ruhe – Ruhm        Phonemaustausch im Auslaut

                       Diese Beispiele zeigen, dass ein Phonem keine bedeutungstragende Ein-
                       heit darstellt, sondern nur Bedeutungsunterschiede.


                       2.1.4 Silbe

                         Die Silbe ist eine rhythmische Grundeinheit der Sprache, die auch als
                         kleinste Lautgruppe bezeichnet wird. In der deutschen Sprache wer-
                         den Sprechsilben (phonologische Silben) und Sprachsilben (morpho-
                         logische Silben) unterschieden.


                        Sprechsilben

                        Den Silbenkern der Sprechsilben bildet   Huhn, Maus
                        immer ein Vokal oder ein Diphthong.

                        Werden zwei Silbenkerne durch einen      ru-fen, ha-ben
                        Konsonanten getrennt, wird er der
                        nachfolgenden Silbe zugeordnet.

                        Aufeinander folgende Vokale werden       be-ach-ten, ge-eig-net
                        getrennt.

                        Trennen die Silbenkerne jedoch meh-      kämpf-ten
                        rere Konsonanten, gehört nur der
                        letzte zur nachfolgenden Silbe.

                        Bei Zusammensetzungen erfolgt die        Ver-gnügen
                        Trennung in der Wortfuge.


                       Sprachsilben (Morpheme)


                         Das Morphem ist die kleinste lautliche Einheit, welche in unter-
In der deutschen         schiedlichen sprachlichen Zusammenhängen die gleiche Bedeutung
Sprache gibt es etwa     trägt. Man unterscheidet freie – auch als selbstständige Wörter –
3 000 lexikalische       und gebundene Morpheme, die nur innerhalb von Wörtern auftre-
Morpheme, 16 unter-      ten können.
schiedliche gramma-
tische Morpheme und
100 Wortbildungs-          Freie Morpheme:              Tisch, Wand, Witz
morpheme
(zS. 100, 109).            Gebundene Morpheme:          Fisch-lein
                                                        Stamm + Verkleinerung

                                                        Kind-er
                                                        Stamm + Pluralendung
                                      Grundlagen und Voraussetzungen         45



 Klassifizierung

 Lexikalisches Morphem
     Stamm-Morphem                   Freund, freund-lich, be-freund-en,
                                     Freund-lichkeit, Freund-e, Freund-
                                     schaft, an-freund-en

     ausschlaggebend für die in-     Bau, bau-en, an-bau-en, Bau-ten,
     haltliche Bestimmung            be-bau-en, ver-bau-en, ge-bau-t,
                                     Be-bau-ung

 Grammatisches Morphem
    Konjugationsendungen             geh-st, sieh-st, lern-st, schreib-st,
                                     hör-st
     Deklinationsendungen,           des Mann-es, des Kind-es,
     Singular- und                   die Männ-er, den Kind-ern,
     Pluralendungen                  klein-er, klein-ere, klein-eren,
     usw.                            klein-sten

 >>Wortbildungsmorpheme
    Präfixe (Vorsilben, z. B. be-,    be-leben, be-tonen, ent-fernen,
    ent-, ge-, ver- usw.)            ge-rinnen, ver-gessen, ver-laufen

     Suffixe (Nachsilben, z. B. -     Sauber-keit, Kind-heit, gier-ig,
     keit, -lich, -ig, -heit, -ung   ärger-lich, höf-lich, Bild-ung,
     usw.)                           Deut-ung



 Fugenelemente
    z. B. Fugen-s (zS. 119)          Haltung-s-noten, Hemd-s-ärmel,
                                     richtung-s-weisend, Handlung-s-
                                     bedarf


Der Inhalt des Befragungsbogens war schwer zu verstehen.



    Be        frag ung s                       bogen s
     Wortbil- lexika-     Wortbil-   Fugen-     lexika-           Dekli-
     dungs-   lisches     dungs-     element    lisches           nations-
     morphem Morphem      morphem               Morphem           endung



2.1.5 Warum wir nicht so schreiben, wie wir sprechen

Obwohl die Lautsprache gegenüber der Schriftsprache vorherrscht, steht
die geschriebene Form doch in erheblich mehr gesellschaftlich-kulturel-
len Zwängen als ihre mündliche Schwester (Regeln der deutschen Recht-
schreibung, Regelungen bestimmter Formmerkmale bei Gebrauchstex-
ten usw.).
46   Grammatik und Rechtschreibung


     Das ist auch folgerichtig, da die Schriftsprache zur Speicherung dauer-
     hafterer Kommunikation dient und damit verbindlichen Charakter trägt.
     Die gesprochene Sprache dagegen funktioniert viel spontaner und unter
     Zuhilfenahme der Mimik, Gestik, Tonmodulation (Heben und Senken der
     Stimme) und verschiedenster emotionaler Füllwörter („ähm“). Sie ist
     auch flexibler, was die Aufnahme neuer Lehn- und Fremdwörter in das
     Sprachgut betrifft und damit in einer ständigen Entwicklung. In der Re-
     gel ist sie weniger verbindlich als die Schriftsprache.
     Eine weitere Hürde, um ein Eins-zu-eins-Verhältnis zwischen Sprache und
     Schrift zu realisieren, stellt die Codierung der Sprache an sich dar. Durch
     den hohen Grad der Abstraktion (nur 26 Zeichen) kommt es vor, dass
     mehrere Laute durch nur einen Buchstaben oder eine feststehende Buch-
     stabenkombination ausgedrückt werden.
     Zum Beispiel „weggehen“ (kurzer Vokal e im Inlaut), aber „der Weg“
     (langer Vokal im Inlaut). Leider funktioniert es auch andersherum, gleich
     gesprochene Laute werden unterschiedlich geschrieben. Vergleiche
     „Folklore“ und „Volk“!
     Auch die sprachlich überlieferten Mundarten finden in der Schriftspra-
     che nur selten Berücksichtigung, können sie aber sehr stark bereichern.

         Mönsch gugge! Schaun mer mal! Kiek mal! Kiekn wer mol!

       Eine Glosse auf „Jugenddeutsch“
       aus: Berliner Morgenpost, 24.09.2001

       Das Weekend rückt heran, und wieder mal steht ein Großelternvisit
       auf dem Plan. Abends angekommen, gibts erst mal wieder was Le-
       ckeres für die Knabberleiste. Wir haben Knast, like always. Danach
       gehts ans Stylen für die Disco. Die Pickel sind upgecovert mit Make-
       up, die Augen verziert mit Kajal und Mascara. Unsere Münder wer-
       den verschönert durch Lipgloss, vergrößert durch Lipliner. Unsere
       Piercings sind poliert, die Hairstyles sind auftoupiert und mit Haar-
       spray und Gel fixiert. Die Tattoos sind touched-up. Kein Anzug –
       aber sieht krass aus. Zwischen den Augen sitzen bunte Bindis. Die
       Flip-Flops passen noch – geil ey!!
       Mit unserer frisch gebügelten Functionwear wollen wir die Fliege
       machen. Doch da ertönt von der Großmutter: „Das Bad! Boy, ist das
       messy! Außerdem: Mit diesen Gears wollt ihr euch sehen lassen? Das
       sieht doch aus wie Grunge. Sandra, mit den Baggy Pants gehst du
       nicht. Und Wienke, mit solchen High Heels wirst du dir den Fuß bre-
       chen. Sarah, ist das etwa die neue Clubwear? Das sieht viel zu camp
       aus!!“„Hey, das ist jetzt voll in!“, sagen wir, „diese Fashion-Items
       sind der Hit.“ Großmutter erwidert: „Aber nicht, dass ihr auf diese
       Hustler reinfallt! Diese Hobbyangler haben doch nichts von einem
       Hunk. Alles, was die interessiert, sind knapp verpackte Hupen und
       Hipsters.“„Mensch, Großmutter“, sagen wir, „wir sind doch smart
       und lassen uns nicht eintüten. Wir wollen nur etwas Fun und ab-
       dancen.“
       Großvater verteidigt uns: „Ja, genau. Föhn doch die Chicks nicht so
       zu! Lass doch die Youngsters machen, was sie wollen. Hauptsache,
       der Zipper bleibt zu! ...“
                                                               Wortarten                     47


2.2    Wortarten


Das Wort gehört zu den Grundbausteinen der Sprache. Jedes Wort hat
eine Form- und Inhaltsseite. Das gesprochene Wort ist eine Folge von
Lauten, das geschriebene eine Folge von Buchstaben (bei Alphabet-
schrift). Die Grammatik beschreibt die Form und Bedeutung der Wörter
sowie ihre Funktion im Satz nach einem Regelwerk.


  Wörter mit gleichen Merkmalen in der Bedeutung (Adjektive – sie
  bezeichnen Eigenschaften) oder in der äußeren Form (Substantive –
  sie werden großgeschrieben) werden als Wortarten bezeichnet. Ein
  wichtiges Merkmal einer Wortart ist, ob und wie sich die Wörter in
  ihrer Form verändern können. Diese Formveränderung nennt man
  Flexion.


Flexionsmöglichkeiten

In der deutschen Sprache gibt es drei verschiedene Flexionsmöglichkei-
ten:
1. Deklination: Beugung des Substantivs, seiner Stellvertreter (z. B. Pro-
    nomen), Begleiter und des Adjektivs in einem bestimmten Kasus            Das Deutsche unter-
    (Fall)                                                                   scheidet vier Fälle:
                                                                             Nominativ, Genitiv,
2. Konjugation: Beugung des Verbs. Mithilfe der Konjugation kann Fol-        Dativ und Akkusativ
                                                                             (zS. 53 ff.).
   gendes ausgedrückt werden:

 Person und          ich fange               1. Person Singular
 Zahl                                        (Einzahl)
                     wir fangen              1. Person Plural (Mehrzahl)

 Zeit                ich fange               Präsens (Gegenwart)
 (Tempus)            ich fing                 Präteritum (Vergangen-
                                             heit)

 Aussageweise        ich fange               Indikativ
 (Modus)                                     (Wirklichkeitsform)
                     ich hätte gefangen      Konjunktiv (Wunsch-,
                                             Möglichkeitsform)

 Handlungsrich-      ich fange               Aktiv (Tatform)
 tung (Genus)        ich wurde gefangen      Passiv (Leideform)

3. Komparation: Steigerung des Adjektivs in drei Stufen – Grundstufe,        Grundstufe = Positiv
   Vergleichsstufe, Höchststufe: hoch, höher, am höchsten                    Vergleichsstufe =
                                                                             Komparativ
                                                                             Höchststufe = Super-
Wörter, die sich in ihrer Form verändern können, werden als flektierbare
                                                                             lativ (zS. 75 ff.)
Wörter bezeichnet, unveränderliche Wörter als nicht flektierbare.
Innerhalb der indoeuropäischen Sprachen stellt die Sprachwissenschaft
eine Tendenz zum Abbau der Flexion fest.
  48                      Grammatik und Rechtschreibung


                          Übersicht über die wichtigsten Wortarten und ihre Möglichkeiten zur
                          Formveränderung

                                                             Wortarten
Das Adverb ist prinzi-
                                                 flektierbar                      nicht flektierbar
piell nicht flektierbar.
Es gibt jedoch einige
                           deklinierbar       konjugierbar       komparierbar
wenige flektierbare
Ausnahmen (zS. 98).
                           Substantiv         Verb               Adjektiv        Präposition

                           Pronomen                              z. T. Adverb    Konjunktion

                           Adjektiv                                              Interjektion

                           Artikel                                               Adverb

                           Numerale



                          2.2.1 Substantive

                               Substantive bezeichnen Lebewesen und Gegenstände (Konkreta),
Substantive werden             welche mit den Sinnen wahrgenommen werden (Blume, Hund),
auch Nomen ge-                 oder etwas, was ausgedacht wurde und wie wirklich existierend be-
nannt.                         trachtet wird (Riese, Märchenfee).
                               Substantive können außerdem Nichtgegenständliches und Begriffe
                               (Ruhe, Liebe) bezeichnen (Abstrakta). (zS. 117 f., 169)


Die Übernahme aus         Das Genus (das Geschlecht) des Substantivs wird durch seinen Artikel be-
fremden Sprachen          stimmt (der Hund – Maskulinum, die Blume – Femininum, das Haus –
wird Entlehnung ge-       Neutrum). Substantive können im Satz mit einem bestimmten Artikel
nannt (vgl. Lehnwör-      (der, die, das), mit einem unbestimmten Artikel (ein, eine, eines) oder
ter; zS. 186).
                          ohne Artikel verwendet werden.
                          Substantive können außerdem durch Deklination verschiedene Nume-
                          rus- und Kasusformen bilden.
                          (Numerus: der Hund – Singular, die Hunde – Plural; Kasus: des Hundes –
                          Genitiv, dem Hund – Dativ).

                          Im Satz kann das Substantiv verschiedene Funktionen haben:

                          1.    Subjekt                  Die Frau wohnt hier.
                          2.    Objekt                   Er gibt mir Mut.
                          3.    Adverbiale Bestimmung    Dienstag gehen wir ins Kino.
                          4.    Attribut                 Der Ball meines Freundes ist besser.

                          Etwa die Hälfte des deutschen Wortschatzes besteht aus Substantiven.
                          Sie sind ständigen Veränderungen unterworfen, da neue Wörter auftre-
                          ten und andere veralten. So hat heute fast jede Sprache vielfältigen Kon-
                          takt mit anderen Sprachen, die sich auch gegenseitig beeinflussen.
                                                              Wortarten     49


Bedeutungsgruppen des Substantivs

 Konkreta                             Abstrakta

 Eigennamen        Simone, Berlin,    Vorstellungen     Seele,
 für bestimmte     Irland, Elbe,                        Bewusstsein
 Lebewesen         Matterhorn
 oder Dinge

 Gattungsna-       Mensch, Tier,      Vorgänge          Zubereitung,
 men für Lebe-     Spielzeug,                           Klärung
 wesen oder        Frau, Berg,
 Dinge mit glei-   Haus, Auto
 chen Merkma-
 len

 • Sammelna-       Schmuck,           Eigenschaften     Klugheit,
   men als zu-     Herde, Gewäs-                        Härte
   sammenfas-      ser, Gebirge,
   sender          Staaten, Be-
   Begriff für     steck, Wetter
   eine Anzahl
   von Lebewe-
   sen oder
   Dingen
 • Stoffnamen      Saft, Luft, Was-   Zustände          Jugend,
   für Stoffe/     ser, Teig, Pa-                       Leid,
   Massen, die     pier, Porzellan,                     Freude
   sich aus        Ölfarbe, Leder,
   mehreren        Ton, Salz
   Bestandtei-
   len zusam-
   mensetzen,
   und Materi-
   albezeich-
   nungen

                                      Beziehungen       Freundschaft,
                                                        Partner

                                      Maße und Zeit-    Meter, Liter,
                                      einheiten         Stunde, Jahr

                                      Wissenschaf-      Mathematik,
                                      ten/Künste        Musik


Genus des Substantivs (Geschlecht)

In der deutschen Sprache gibt es für die Substantive drei Geschlechterzu-
ordnungen. Als Kennzeichen des Geschlechts tritt vor das Substantiv der
bestimmte Artikel.
  50                     Grammatik und Rechtschreibung


                         1. weibliches Geschlecht (Femininum) –
                            die Frau, die Kanne, die Blume, die Schreibmaschine
                         2. männliches Geschlecht (Maskulinum) –
Im Niederdeutschen          der Mann, der Hof, der Mond
gibt es nur zwei Arti-   3. sächliches Geschlecht (Neutrum) –
kel:
                            das Kind, das Haus, das Wetter
de Mann
de Fru
dat Kind                 Bei einigen Substantiven, meist Personenbezeichnungen, stimmt das na-
de Kinners               türliche mit dem grammatischen Geschlecht überein (der Mann, die
                         Frau). Dinge, die weder als männlich noch als weiblich eingestuft werden
                         konnten, wurden im Deutschen meist sächlich (das Bett, das Haus). Viele
                         Substantive verdanken ihre Genuszuordnung der Gleichsetzung oder
                         Symbolisierung mit dem Weiblichen oder Männlichen. Der Kampf, der
                         Krieg usw. wurden eher mit männlichen Merkmalen besetzt und daher
                         grammatikalisch männlich. Die Blume, die Liebe usw. sah man als typisch
                         weiblich an.


                            Gekennzeichnet wird das Genus durch den zum Substantiv gehören-
                            den Artikel (der, die, das). Eine feste Regelung, welcher Artikel ei-
                            nem bestimmten Substantiv zugeordnet wird, gibt es in der deut-
                            schen Sprache nicht.


                         Die Zuordnung der einzelnen Geschlechter ist heute meist nicht mehr
                         nachvollziehbar. Jedoch ist es möglich, das Genus des Substantivs mit-
                         hilfe einiger Endungen zu bestimmen.

                         Typische Endungen


 Maskulinum                         Femininum                       Neutrum

 -ant        der Spekulant          -in       die Schülerin         -chen     das Hündchen
             der Musikant                     die Hündin                      das Wäldchen

 -iker       der Physiker           -ung      die Hoffnung          -lein     das Männlein
             der Komiker                      die Meinung                     das Fräulein

 -ismus      der Egoismus           -heit     die Freiheit          -icht     das Dickicht
             der Nationalismus                die Kindheit                    das Gesicht

 -(i)ent     der Student            -keit     die Dankbarkeit       -tum      das Brauchtum
             der Patient                      die Bitterkeit                  das Heldentum

 -s          der Klops              -schaft   die Freundschaft      -(i)um    das Album
             der Dachs                        die Bürgschaft                  das Herbarium

 -ig         der Honig              -ion      die Nation            -ment     das Dokument
             der König                        die Flexion                     das Experiment

 -ling       der Zwilling           -ur       die Natur             -nis      das Zeugnis
             der Häftling                     die Klausur                     das Vermächtnis
                                                                   Wortarten                  51


Genus bei zusammengesetzten Substantiven


  Zusammengesetzte Substantive bilden sich aus Grund- und Bestim-
  mungswort.                                                                   Zusammengesetzte
                                                                               Substantive nennt
  Ausschlaggebend für das Genus ist dabei das Geschlecht des Grund-
                                                                               man auch
  wortes.                                                                      Sing.: Kompositum,
                                                                               Plur.: Komposita
                                                                               (zS. 112, 117 ff.).
 Artikel                 Bestimmungs-     Grundwort        Genus
                         wort
                         (nähere Be-
                         zeichnung des
                         Grundwortes)

 der                     Haus- (Neutr.)   bau (Mask.)      Maskulinum

 die                     Schüler-         zeichnung        Femininum
                         (Mask.)          (Femin.)

 das                     Wind- (Mask.)    licht (Neutr.)   Neutrum



Schwankendes Genus

In vielen Sprachräumen haben sich ältere Genusbezeichnungen für Wör-
ter mit gleicher Bedeutung erhalten und existieren, ihrer Mundart ent-
sprechend, neben der in üblicher Weise gebräuchlichen Form.

       der Bast      –    das Bast,
       der Bonbon    –    das Bonbon
       das Knaul     –    der Knaul
       der Looping   –    das Looping

Bei gleichem Wortlaut können unterschiedliche Artikel die unterschied-
liche Bedeutung kennzeichnen.

       der Bauer     – der in der Landwirtschaft Tätige
       das Bauer     – der Vogelkäfig

       der Kunde     – der Käufer
       die Kunde     – die Nachricht

Substantive mit gleichem Wortlaut und gleichem Artikel können trotz-           Gleich lautende Sub-
dem unterschiedliche Bedeutung tragen.                                         stantive mit unter-
                                                                               schiedlicher Bedeu-
       der Ball      – das Spielzeug                                           tung werden als Ho-
                                                                               monyme bezeichnet
       der Ball      – das festliche Ereignis
                                                                               (zS.183).

       die Presse    – das Zeitungswesen
       die Presse    – Maschine zum Pressen

								
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