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Entstehung des modernen Geldwese

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Entstehung des modernen Geldwese Powered By Docstoc
					   Westfälische Wilhelms-Universität Münster




Entstehung des modernen
       Geldwesens



           Hausarbeit im Fach
             Geschichte der
            Wirtschafttheorie




        Themensteller:   Prof. Dr. Ulrich van Suntum

        Vorgelegt von:   Axel Bellieno
                         Weseler Str. 48
                         48151 Münster

                         MA-Nr. 295566

        Abgabetermin:    14.08.2006
Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ...........................................................................................1

2. Begrifflichkeiten ..............................................................................1
2.1. Geld und Geldwesen ............................................................................1
2.2. Modernes Geldwesen und Entstehungsphase....................................3

3. Kernfakten der Zeit vor dem modernen Geldwesen ..........4

4. Entstehung des modernen Geldwesens ...................................7
4.1. Übergang zur Goldwährung und internationaler Goldstandard ....7
4.2. Etablierung der Banknote mittels Zentralbanken ..........................10
4.3. Modernisierung des Bankwesens......................................................12

5. Zusammenfassung ........................................................................14




                                                    I
1. Einleitung

Die Münze gilt als die wichtigste Erfindung in der Geschichte des Geldes.1
Nicht umsonst nahm sie während der Geschichte des Geldwesens eine
beherrschende Stellung ein. Heute allerdings würde sich der Chef eines
Großunternehmens wohl wenig darüber freuen, wenn er bei der Abwicklung
eines Millionen-Deals von seinem Abnehmer in Münzgeld bezahlt werden
würde.


Was ist überhaupt Geld? Trotz des alltäglichen Gebrauchs verursacht die
genaue     Definition       dieses   Begriffes   Kopfzerbrechen.   Zahlreiche
Wissenschaftler haben sich schon seit je her mit Erörterungen über die Natur
des Geldes und seine Eigenarten befasst.2 Da auch die Begriffe „Geldwesen“
sowie „modernes Geldwesen“ einen weiten Interpretationsspielraum zulassen,
soll im Folgendem zunächst das hier zugrunde gelegte Verständnis dieser
Begriffe dargelegt werden.


Danach wird kurz auf die Kernfakten der Zeit vor dem modernen Geldwesen
eingegangen, die für das Verständnis der Problemstellung bezüglich des
Geldwesens wichtig sind. Der Kern dieser Arbeit befasst sich dann mit der
Entstehung des modernen Geldwesens. Als wichtigste Veränderungen für die
Entstehung werden hier die Schaffung der Goldwährung und des
Goldstandards, die Etablierung der Banknoten mittels der Zentralbanken sowie
die Modernisierung des Bankwesens identifiziert. Diese Reformierungen sollen
daher ausführlich betrachtet werden. Abschließend werden die gesamten
Ergebnisse zusammengefasst.



2. Begrifflichkeiten

    2.1. Geld und Geldwesen

Münzen, Papierscheine, Zigaretten, Vieh, Getreide und viele andere Güter
haben schon als Geld gedient. Die Frage „Was ist Geld?“ ließe sich im Laufe



1
     Vgl. Gaettens (1955), S. 16.
2
     Vgl. Menger (1970), S. 4.

                                        1
der Geschichte je nach Ort und Zeit sehr unterschiedlich beantworten. Die
Frage sollte daher nicht lauten „Was ist Geld“ sondern „Was tut Geld“.

In Tauschgesellschaften, in denen sich einzelne Wirtschaftssubjekte auf die
Produktion einzelner Güter spezialisieren, um diese dann gegen andere Güter
von anderen Wirtschaftssubjekten zu tauschen, kommt es beim Tausch zu
Problemen. Diese bestehen zum einen darin, dass der Wert der einzelnen Güter
ermittelt werden muss, damit sie sich miteinander vergleichen lassen. Man
benötigt daher eine Recheneinheit. Des Weiteren kann es sein, dass der
Tauschpartner nicht das Gut besitzt, was man ertauschen möchte. In so einem
Fall kommt der Tausch nur zustande, wenn der Tauschpartner ein Gut besitzt
dessen allgemeine Akzeptanz so groß ist, dass sich damit das gewünschte Gut
problemlos woanders eintauschen lässt. Hierfür braucht man daher ein
allgemein anerkanntes Tauschmittel. Das dritte Problem beim Tausch ergibt
sich daraus, dass man das erhaltene Tauschmittel eventuell erst später gegen
andere Güter eintauschen möchte. Es ist daher wichtig, dass das Tauschmittel
nicht mit der Zeit an Wert verliert.3

Der Wert des Geldes für eine Gesellschaft entsteht also nicht durch das, was es
ist, sondern durch das, was es tut. Bei der Definition des Geldes bedient man
sich daher üblicherweise dreier Geldfunktionen: der Recheneinheit-, der
Tauschmittel- und der Wertaufbewahrungsmittelfunktion.4

Im Grunde genommen kann daher alles als Geld dienen, was diese drei
Funktionen erfüllt und dadurch den Tausch zwischen Wirtschaftssubjekten
erleichtert. Allerdings eignet sich nicht jedes Mittel im gleichen Maße bei der
Verwendung als Geld. Weimer nennt sechs Gründe warum sich in einem
Übergang von Jahrtausenden letztlich das Metallgeld gegenüber dem
primitiven Sachgeld durchgesetzt hat. Dies sind erstens dessen Haltbarkeit,
zweitens    dessen      Homogenität,    drittens   dessen   Reproduzier-   und
Veränderbarkeit, viertens dessen weltweites Vorkommen, fünftens dessen
magische Anziehungskraft und sechstens, dass es häufig genug ist, um als
allgemeines Tauschmittel zu dienen – zumindest für das Wirtschaftsleben vor
der Industrialisierung – und dennoch selten genug, um ein knappes Gut und
3
     Vgl. Smith (2001), S. 22ff.
4
     Vgl. Gerloff (1947), S. 153ff.

                                        2
somit wertvoll zu sein. In den Jahren von den Römern bis zur
Industrialisierung haben daher zu Zeiten und an Orten eines ausgeprägten
Tauschhandels immer wieder Edelmetallmünzen als Geld Verwendung
gefunden.5

Geld und Geldwesen sind eng miteinander verknüpfte Begriffe. Während Geld
ein Tauschmedium beschreibt, dass anhand der Geldfunktionen definiert wird,
versteht man unter Geldwesen alle wirtschaftlichen Abläufe bei denen Geld
involviert ist. Nach Gerloff gibt es bei der Ordnung des Geldwesens zwei
grundlegende Probleme zu lösen. Das sind zum einen die Wertsicherung und
zum anderen die Erleichterung des Umlaufs.6


    2.2. Modernes Geldwesen und Entstehungsphase

Um die Entstehung des modernen Geldwesens zu beschreiben, muss zum einen
genau abgeklärt werden, was hier unter „modernem Geldwesen“ verstanden
wird und zum anderen, worin der Übergang zu diesem gesehen wird. Als
„modernes Geldwesen“ soll hier das Geldwesen der bezüglich ihrer
Geldwirtschaft am weitesten entwickelten Industriestaaten der Neuzeit
verstanden werden. Dominierte noch vor 200 Jahren das Münzgeld den
Zahlungsverkehr, so ist es heute das Buchgeld. Wie und wann konnte es also
zu diesem gewaltigen Wandel kommen?

Als Übergang zum modernen Geldwesen wird hier das 19. Jahrhundert
identifiziert. In diesem Zeitraum gelangen damals eine Vereinheitlichung der
Währung, eine endgültige Etablierung von Banknoten mittels Zentralbanken
und eine grundlegende Modernisierung des Bankenwesens.7 Des Weiteren
begann zu dieser Zeit die Veränderung der Geldmenge zu den im heutigen
Geldwesen überwiegenden immateriellen Geldformen des Giral- oder
Buchgeldes.




5
     Vgl. Weimer (1992), S. 12.
6
     Vgl. Gerloff (1947), S. 193.
7
     Vgl. North (1994), S. 143.

                                     3
3. Kernfakten der Zeit vor dem modernen Geldwesen

Die Geschichte des Geldes begann schon weit vor unserer Zeitrechnung.
Bereits in der Bronzezeit haben die Menschen unterschiedlichste Waren als
allgemeine Tauschmedien genutzt.8 Dieses erste Geld nennt man daher Waren-
oder Sachgeld.9 Sachgeld wurde aus den oben bereits genannten Gründen mehr
und mehr vom Metallgeld ersetzt. Um ca. 3100 v. Chr. im altägyptischen Reich
diente Gold bereits als Zahlungsmittel. Dieses hatte allerdings noch eine
Barrenform, so dass es beim Zahlungsverkehr noch gewogen und auf seine
Echtheit hin geprüft werden musste. Erst mit der Erfindung der Münze und
dessen Prägung wurden Gewicht und Echtheit durch das Siegel beglaubigt und
dadurch konnte der Zahlungsverkehr erheblich verbessert werden. Die ersten
Münzen entstanden im griechisch-orientalischen Raum im 7. Jahrhundert v.
Chr.. Sie sollten für über zwei Jahrtausende die dominierende Geldform
bleiben.10

Der Blick zurück in die Geschichte des Geldwesens macht deutlich, dass es
sich bei der Entwicklung desselben um keinen stetigen Prozess handelt. So gab
es im Römischen Reich bereits ein hoch entwickeltes, aus Gold- Silber- und
Kupfermünzen bestehendes Geldwesen.11 Dieses war zudem so umfangreich
abgestuft, dass für alle Anforderungen des Zahlungsverkehrs Geldmittel zur
Verfügung standen.12 Mit dem Untergang des Römischen Reiches brachen
dann allerdings auch der Handel und die Geldwirtschaft im Mittelmeerraum
und Westeuropa weitgehend zusammen. Es dauerte einige Jahrhunderte bis die
Wirtschaft    und     das    Geldwesen       in   diesem   Raum   sich   wieder
weiterentwickelten.

Erst als 1096 n. Chr. mit dem päpstlichen Aufruf das Kreuzzugzeitalter begann,
kamen durch die Finanzierung der Kreuzzüge, durch den Aufbruch in den
Nahen Osten und durch den aufblühenden Handel die Geldgeschäfte in




8
     Vgl. Sprenger (2002), S. 13.
9
     Vgl. Mussel (2006), S. 20.
10
     Vgl. Weimer (1992), S. 25ff.
11
     Vgl. North (1994), S. 10.
12
     Vgl. Sprenger (2002), S. 27.

                                         4
Bewegung. Aus Tausch- und Kreditgeschäften entstanden in Italien die ersten
Banken.13

Von Beginn des Kreuzzugzeitalters entwickelt sich die Geldwirtschaft immer
weiter. Allerdings gab es dabei auch immer wieder Rückschläge und Probleme.
So kam es durch Münzverschlechterungen zu Inflationen. Insbesondere zu
Kriegszeiten wird so immer wieder versucht, sich aus Finanzkrisen zu
befreien.14 Ein weiteres Problem war die Geldfälschung. Man versuchte dieser
Problematik mit sehr harten Strafen Herr zu werden. So wurde z.B. die
Todesstrafe für Geldfälscher in Großbritannien erst im Jahre 1832 endgültig
abgeschafft.15

Ein Entwicklungshemmnis stellte auch die Geldmenge dar. Diese stieß immer
wieder an ihre Grenzen und bewirkte somit Geldknappheit. Die enormen
Edelmetallfunde in der Neuen Welt während des 16. Jahrhunderts sorgten zwar
für eine Erhöhung der Geldmenge in Europa. Diese fiel allerdings im
Verhältnis zu den Funden zunächst äußerst gering aus, da durch die ständig
negative Handelsbilanz mit Asien ein Großteil beim Handel mit diesen
Regionen aufgebraucht wurde.16

Das Bank- und Kreditwesen wurde während des Mittelalters zunächst durch
das kanonische Zinsverbot in seiner Entwicklung behindert. Geldgeschäfte
galten im Mittelalter als unethisch und waren daher offiziell verboten.
Trotzdem entwickelte sich auch schon im Mittelalter das Kreditgeschäft. Das
lag zum einen daran, dass das Verbot von inoffizieller Seite her vielerorts
einfach missachtet wurde, und zum anderen daran, dass es von Landesherren
und Stadtmagistraten teilweise gegen den Erwerb von Lizenzen doch
genehmigt wurde. Im 16. Jahrhundert wurde dann dieses Zinsverbot mehr und
mehr aufgehoben.17 Trotzdem bestand bis ins 19. Jahrhundert ein großes
Misstrauen gegenüber dem Bankengeschäft. Dadurch reichten häufig schon
falsche Gerüchte über die Drohung eines Krieges, die Pleite eines Kaufmanns
oder der Untergang einer Schiffsladung, um einen Run auf die Banken

13
     Vgl. Weimer (1992), S. 68.
14
     Vgl. Gaettens (1955), S. 40ff.
15
     Vgl. Weimer (1992), S. 155.
16
     Vgl. North (1994), S. 76ff.
17
     Vgl. Weimer (1992), S. 102f.

                                      5
auszulösen. Die Folge waren dann Bankenkrisen, womit sich zwangsläufig das
Misstrauen selbst bestätigte.

Banknoten kamen erstmals Anfang des 17. Jahrhunderts in England durch
Privatbanken in Gebrauch. Anders als heute waren sie damals noch kein
gesetzliches Zahlungsmittel. Eine Banknote gab damals lediglich an wie viel
Münzgeld man bei der jeweiligen Bank für den Eintausch dieses Scheins
erhalten würde. Schnell erkannten die Bankiers, dass niemals alle
Münzgeldeinlagen gleichzeitig gebraucht werden würden und gaben daraufhin
mehr Banknoten heraus, als sie Einlagen besaßen. Da sich so die Geldmenge
vergrößern ließ, fing man auch in anderen Staaten nach dem Vorbild Englands
an, Banknoten zu verwenden. Da aber die Bevölkerung diesen neuen
Papierscheinen größtenteils noch sehr misstrauisch gegenüberstand, kam es in
nervösen Zeiten zu Einlösewellen, die zur Insolvenz der Banken führten.
Obwohl es immer wieder zu Versuchen kam, konnte sich daher die Banknote
bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht durchsetzen.18

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bestand in den Staaten des deutschen Bundes
größtenteils   eine     Silberwährung.     Da     es      aber   weiterhin   unzählige
Prägungsstätten in den einzelnen Staaten gab, unterschieden sich die Münzen
zum Teil sehr nach Gewicht (Schrot) und Feingehalt (Korn). Das deutsche
Geldwesen war so lange Zeit extrem zersplittert und behinderte dadurch
Binnen- und Außenhandel. Einige Staaten wie Frankreich, Belgien, die
Schweiz und Italien hatten sich zu dieser Zeit für eine Gold- und
Silberwährung         entschieden.   Die        Staaten      mussten     sich    dann
binnenwirtschaftlich entscheiden, ob sie die Wechselkurse fest oder flexibel
halten wollten. Dabei sprach man von einer Parallelwährung, wenn der Kurs
zwischen der Gold- und Silberwährung sich frei bilden durfte. Hierbei bestand
das Problem, dass bei einer solchen Parallelwährung binnenwirtschaftliche
Wechselkursrisiken bestanden. Da die meisten Staaten diese vermeiden
wollten, wählten sie die Doppelwährung, bei der das Wertverhältnis fixiert ist.
Das hatte dann zur Folge, dass z.B. ein Anstieg von Gold auf dem Weltmarkt
dazu führte, dass das unterbewertete Gold aus dem Inlandsverkehr verschwand,
da es im Ausland nun mehr Kaufkraft besaß.

18
     Vgl. North (1995), S. 41.

                                           6
4. Entstehung des modernen Geldwesens

Nachdem es die Napoleonischen Kriege überwunden hatte, begann für Europa
das Zeitalter der Industrialisierung und der weltwirtschaftlichen Integration.
Dieser Epoche sind auch die wichtigsten Reformierungen auf dem Weg zur
modernen Geldwirtschaft zuzuschreiben. Die bedeutendsten Punkte bei dieser
Neuordnung des damaligen Geldwesens bestanden – wie bereits oben erwähnt
– aus der Vereinheitlichung der Währung, der endgültigen Etablierung von
Banknoten sowie der Modernisierung des Bankwesens und die dadurch
ermöglichte gewaltige Ausweitung des Kredits und des Giralgeldes. Da diese
Neuerungen hier als Grundbausteine der Entstehung des modernen Geldwesens
verstanden werden, sollen sie hier im Folgendem näher betrachtet werden.19

England war zu dieser Zeit die führende Wirtschaftsmacht. Bedingt durch seine
starke industrielle Produktion, durch sein koloniales Warensortiment sowie
durch    die   Vormachtstellung      seiner   Handelsflotte,   war   England   die
dominierende Handelsnation im 19. Jahrhundert. Auch der Bereich finanzielle
Dienstleistungen hatte sich in England bereits weiter ausgedehnt als im Rest
Europas. Der Londoner Geld- und Kapitalmarkt hatte sich international zum
wichtigsten Umschlagplatz für Geldgeschäfte aller Art entwickelt. Dadurch
bedingt entwickelte sich auch das Pound Sterling zur internationalen
Leitwährung und hatte somit logischerweise den damals stärksten Einfluss auf
die internationale Währungsentwicklung.20


     4.1. Übergang zur Goldwährung und internationaler Goldstandard

In England bestand Anfang des 18. Jahrhunderts noch eine Doppelwährung.21
Da das Silber aber laufend unterbewertet war, verschwand fast alles Silber aus
dem Geldumlauf. Seit 1774 galten in England Goldmünzen als gesetzliches
Zahlungsmittel, während Silbermünzen nur bis zu einem Wert von £25
angenommen werden mussten. Ab 1816 beschränke sich dann der
Annahmezwang von Silberscheidemünzen auf £2. Damit besaß England ab
diesem Zeitpunkt quasi eine reine Goldwährung.22

19
      Vgl. North (1994), S. 143ff.
20
      Vgl. Collins (1988), S. 124.
21
      Vgl. Weimer (1992), S. 119.
22
      Vg. North (1994), S. 143f.

                                         7
Die Frage ob Goldwährung oder Bimetallismus stand im 19. Jahrhundert auch
in vielen anderen Staaten zur Debatte. In den deutschen Staaten war man
allerdings Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst einmal um eine gemeinsame
Währungspolitik bemüht. Im Rahmen des Dresdener Münzvertrags von 1838
gelang    immerhin       die   Reduzierung      auf   zwei   Münzfußgebiete:     dem
norddeutschen Taler-Fuß-Gebiet und dem süddeutschen Gulden-Fuß-Gebiet.23
Beim Wiener Vertrag 1857 verpasste man die Chance, Österreich-Ungarns
Wunsch nach einer einheitlichen Goldwährung nachzukommen, da Preußen
auf seine Silberwährung bestand.24 Dabei wäre der Zeitpunkt günstig gewesen,
da sich durch die neuen Goldfunde in Kalifornien und Australien das Gold
verbilligt hatte.25

Frankreich war zu dieser Zeit eiserner Verfechter seiner Doppelwährung.
Durch den sinkenden Goldpreis und der fixierten Gold-Silber-Relation sah man
sich aber in den Ländern der Doppelwährung einem kontinuierlichen
Silberabfluss gegenüber. 1865 ließ Frankreich daraufhin die anderen
Frankenländer Belgien, Schweiz und Italien zur Lateinischen Münzkonvention
versammeln, um über die gemeinsamen Währungsprobleme zu beratschlagen.
Obwohl die drei Gäste alle die Goldwährung im Kopf hatten, konnte
Frankreich sich durchsetzen. Die Doppelwährung blieb erhalten. Innerhalb der
Frankenländer wurde die Gold-Silber-Relation auf 1:15,5 sowie ein
gemeinsamer Münzfuß festgesetzt.26

Mit der Reichsgründung 1871 übernahm Deutschland nach England als zweites
großes Land die Goldwährung. Die seit Jahren positive Handelsbilanz sowie
die    französischen       Reparationszahlungen        schufen   hierfür   günstige
Bedingungen. Allerdings sollte es sich bis 1907 um eine „hinkende
Goldwährung“ handeln, da einige Silbermünzen noch bis dahin im Umlauf
blieben.27   Zur      selben Zeit      gingen   auch die     Niederlande   und   die
skandinavischen Länder zur Goldwährung über. Der Grund für den Wechsel
wurde auch dadurch bedingt, dass man auf der Suche nach Gold in den Rocky

23
      Vgl. von Schrötter (1991), S. 575f.
24
      Vgl. North (1994), S. 145.
25
      Vgl. Vilar (1991), S. 324ff.
26
      Baas (1984), S. 120ff.
27
      Sprenger (2002), S. 175ff.

                                            8
Mountains große Mengen Silber gefunden hatte, so dass nach kurzer Zeit mehr
Silber als Gold gefördert wurde. Verbesserte Scheideverfahren und die
Erschließung der Rocky Mountains für den Eisenbahnverkehr senkten zudem
die Produktions- und Transportkosten des Silbers. In der Folge sank daher der
Silberpreis kräftig ab. Dieser Effekt verstärkte sich durch den Übergang zur
Goldwährung von Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien nun noch
weiter, da diese zu jedem Preis versuchten, ihre Silberbestände loszuwerden.
Diese Entwicklung verursachte einen gewaltigen Druck auf die Silberwährung
der lateinischen Länder. Verzweifelte Versuche von Frankreich die Inflation
durch Verringerungen der Silberprägekontingente abzuwenden scheiterten, so
dass man ab 1880 auch in Frankreich von einer hinkenden Goldwährung
sprechen konnte.28

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren alle großen Wirtschaftsnationen zur
Goldwährung übergegangen. Dabei wählten die meisten Länder eine
Goldkernwährung. Das bedeutet, dass sich weitgehend kein Gold im Umlauf
befand, sondern lediglich das umlaufende Geld durch Gold gedeckt war. Nur
Nationen mit großen Goldreserven wie das Deutsche Reich und Frankreich
leisten sich eine Goldumlaufswährung, das heißt einen Goldmünzenumlauf mit
Notenanteil. Die Vereinheitlichung der Währungen schaffte zum einen
binnenwirtschaftliche Sicherheit und durch die Koppelung an das knappe Gut
Gold musste auch die Geldmenge knapp bleiben. Außenwirtschaftlich sorgte
der so genannte internationale Goldstandard durch den – von Hume und
Ricardo beschriebenen – Goldautomatismus für Währungsstabilität. Dieser
bestand in Folgendem: Es sei angenommen, dass z.B. der Dollar im Vergleich
zur Reichsmark stiege. Dann wäre es vorteilhaft, Gold in die USA zu bringen
und es dort gegen Dollar einzutauschen. Dadurch würde dann aber in den USA
die Geldmenge steigen, was die Zinsen senken und die Preise erhöhen würde.
Die gesenkten Zinsen würden wiederum Kapitalabfluss bedeuten und durch die
erhöhten Preise würden sich die Exporte verringern. Das würde c.p. zu einer
Verschlechterung der Leistungsbilanz der USA führen und somit müsste der
Dollar wieder abgewertet werden. Natürlich lohnte sich die Goldausfuhr erst
bei Schwankungen, die die Transportkosten des Goldes überstiegen. Daher


28
     North (1994), S. 147ff.

                                     9
waren die Wechselkurse nicht völlig fix, sondern konnten innerhalb einer
gewissen Bandbreite schwanken.29

Voraussetzung für einen funktionierenden Goldautomatismus war allerdings,
dass sich die Staaten an die Bedingungen des Goldstandards hielten. So
mussten zum einen der Umtausch der jeweiligen Landeswährung in Gold und
die Ausfuhr zu jeder Zeit gewährleistet sein, zum anderen mussten sich die
Zentralbanken an die Deckungsvorschriften halten. Gerade letzteres sollen
diese aber nicht immer befolgt haben.30 Trotzdem war die Zeit des
Goldstandards aus wirtschaftlicher Sicht von einer hohen Währungs- und
Preisstabilität geprägt.31


     4.2. Etablierung der Banknote mittels Zentralbanken

Der Durchbruch gelang der Banknote – ebenso wie der Goldwährung – Anfang
des 19. Jahrhunderts in England. Während den Napoleonischen Kriegen hatte
sich der Notenumlauf erheblich ausgeweitet, was 1816/17 zum Ruin vieler
privater Notenbanken führte. Die Bank of England – Vorläufer der britischen
Zentralbank und zu dieser Zeit wichtigste Notenbank in England – hatte 1797
aufgrund dieser Problematik die Einlösepflicht ihrer Noten aufgehoben. Diese
wurde 1821 wieder hergestellt und als es 1825/26 zu einer Handels- und
Bankenkrise in England kam, nahm die Bank of England erstmals die Rolle der
Bank der Banken ein. Unter großen Verlusten ihrer Goldreserven tauschte sie
nicht nur ihre eigenen Noten, sondern auch die von insolventen privaten
Notenbanken ein. Hierdurch konnte das Misstrauen gegenüber Banknoten
erheblich reduziert werden.32

1833 wurden dann die Noten der Bank of England in England und Wales (in
Schottland 1845) zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Für Diskussionsstoff sorgte
dabei allerdings die Deckungsvorschrift dieser Noten. Während Anhänger der
Currency-Theorie         –      die       sich    auf   Humes   und   Ricardos
Goldwährungsmechanismus beriefen – quasi eine hundertprozentige Deckung
verlangten, waren die Anhänger der Banking-School davon überzeugt, dass

29
      Vgl. Dieckheuer (2001), S. 264ff.
30
      Vgl. North (1994), S. 151.
31
      Vgl. Dieckheuer (2001), S. 267.
32
      Vgl. Clapham (1944), S. 99ff.

                                             10
eine Deckung zu einem Drittel ausreichend wäre. Zunächst konnte keine
Einigung erzielt werden und daher bestand zunächst – ganz im Sinne der
Anhänger der Banking-School natürlich – keine Deckungsvorschrift. Da durch
die Bankenkrise 1839, in der die Bank of England zur Kreditaufnahme im
Ausland gezwungen wurde, praktisch die Currency-Theorie bestätigt wurde,
drückte diese auch der Bankreform von 1844 ihren Stempel auf. Mit dem
Peel’s Act von 1844 wurde allerdings letztendlich de facto eine 2/3
Golddeckung des Notenumlaufs festgelegt, da zur Vermeidung deflatorischer
Effekte zusätzlich so genannte – durch Staatsschulden gedeckte –
Vertrauenskontingente herausgegeben wurden. Des Weiteren sicherte der
Peel’s Act der Bank of England den privilegierten Banknotenumlauf, so dass
bereits Mitte des 19. Jahrhunderts 75% der Noten aus der Bank of England
stammten.33

Trotz des positiven Beispiels England begegneten die meisten anderen
europäischen Staaten aufgrund der schlechten Erfahrungen den Banknoten mit
sehr viel Vorsicht. In Frankreich hatte die Banque de France seit Mitte des 19.
Jahrhundert das Notenemissionsrecht. Auch dieser gelang es die Banknoten zu
stabilisieren, allerdings gab sie auch nur Noten mit sehr hohem Nennwert aus,
so dass diese im Alltag kaum Verwendung fanden. Erst als 1870 die Banknote
auch in Frankreich zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt wurde, nahmen der
Umlauf und die Akzeptanz der Noten deutlich zu. Allerdings blieb man in
Frankreich vorsichtig. Obwohl die französische Zentralbank keinerlei
Deckungsvorschriften unterworfen war, zeichnete sie sich während der Zeit der
Goldwährung mit einer Deckung von 75% - 90% durch den größten
Deckungsgrad aller europäischen Zentralbanken aus.34 Auch in Österreich-
Ungarn versuchte man es mit einer hohen Golddeckung (60% - 80%). Hier
wählte man allerdings kleinere Nennwerte, woraufhin die Banknoten sogar so
gut angenommen wurden, dass Österreich-Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg
das einzige Land war, in dem die Banknoten das Münzgeld wertmäßig weit
übertrafen.35



33
     Vgl. Fetter (1965), S. 165ff.
34
     Vgl. Born (1976), S. 27.
35
     Vgl. North (1994), S. 154ff.

                                      11
Im Deutschen Reich gestaltete sich die Etablierung der Banknoten etwas
schwieriger. Zur Reichsgründung war die Notenemission – wie vorher die
Münzprägung – stark zersplittert. Erst mit der Gründung der Reichsbank 1875
kam Licht in den Dschungel der Banknoten im Deutschen Reich. Der
Reichsbank wurden 2/3 der Notenemission übertragen und da die meisten
anderen Notenbanken ihre Kontingente nach und nach aufgaben, erlangte sie
so mittelbar das Notenausgabemonopol. Doch auch die Reichsbank blieb
vorsichtig bei der Notenemission. Zwar wurde mit einem Drittel eine
vergleichsweise niedrige Golddeckung gewählt, da man sich aber auf die
Notenausgabe von Banknoten eines Wertes von 100 Reichs Mark und aufwärts
entschied, fanden diese Scheine im Alltag kaum Verwendung.36

Im 20. Jahrhundert gelang es den Noten dann, das Münzgeld von seiner Rolle
als wichtigstem Bargeld abzulösen. Allerdings sollte auch erwähnt werden,
dass bereits bei der Etablierung des Banknotenverkehrs dieser schon durch den
durch Schecks und Überweisungen getätigten Buchgeldverkehr übertroffen
wurde. Heute – nur ca. 100 Jahre nach der weltweiten Verbreitung – zeichnet
sich schon wieder das Ende der Papiergeldscheine ab, da mehr und mehr der
elektronische Zahlungsverkehr die Geldfunktion im täglichen Einkauf
übernimmt.37 Die Etablierung der Banknote wird trotzdem als Meilenstein
betrachtet. Zuvor war es sowohl privaten Banken als auch Staatsoberhäuptern
nicht gelungen, sicheres Geld zu schaffen, bei dessen Geldmengenerhöhung
man nicht mehr an natürliche Ressourcen gebunden war. Erst mit der
Errichtung einer zentralen Institution wie den Zentralbanken gelang dieser
Schritt.


     4.3. Modernisierung des Bankwesens

Wie bereits die Ausführungen über die Goldwährung und die Banknoten
verdeutlichen, kam den geschaffenen Zentralbanken eine entscheidende Rolle
in Entwicklungsprozess des Geldwesens zu. Mit den Zentralbanken hatte man
eine Institution geschaffen, deren zentrale Aufgabe darin bestand, mit
Währungs- und Preisniveaustabilität sowie Geldmengendeckung für Sicherheit
im Geldwesen zu sorgen. Trotzdem galt es neben der Sicherheit auch die
36
      Vgl. Born (1972), S. 19f.
37
      Vgl. Weimer (1992), S. 12.

                                     12
aufstrebenden Volkswirtschaften mit ausreichend Geld zu versorgen. Hierfür
musste neben den Zentralbanken auch das gesamte Bankenwesen sicherer und
leistungsfähiger werden.

Die wichtigste institutionelle Reform im Bankwesen war sicherlich die
weiträumige Schaffung von Aktienbanken zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Durch die Stückelung der Anteile in Aktien konnte eine Bank ihr
Arbeitskapital gewaltig ausdehnen. Das erhöhte das Vertrauen bei den Kunden.
1826 wurde in England das diskriminierende Gesetz zu Gunsten der Bank of
England aufgehoben, das bei allen übrigen Banken die Teilhaberzahl auf sechs
begrenzte. In der Folge wurden eine Reihe sich schnell ausdehnender
Aktienbanken        gegründet.       Es    entwickelte   sich   ein    enormer
Konzentrationsprozess. Im Zeitraum von 1825 bis 1913 verringerte sich die
Zahl der englischen Banken von über 600 auf 70. Damit bestätigten sich die
Befürchtungen, dass die Provinzbanken von den Aktienbanken verdrängt
werden würden. Diese Angst hatte lange Zeit die Aufhebung des
Diskriminierungsgesetzes verhindert. Es zeigte sich allerdings, dass diese
Entwicklung durchaus positiv zu bewerten war. Je größer die Bank war, desto
mehr Vertrauen hatten die Kunden in die Sicherheit ihrer Einlagen, da sie im
Falle einer Krise mehr Grundkapital hatte, um diese abzufangen. Da positive
sowie negative Erwartungen sich im Bankengeschäft praktisch selbst bestätigt,
ist es für die Sicherheit des Bankenwesens quasi doppelt wichtig, Vertrauen zu
schaffen.38

Auch in anderen europäischen Staaten begann man nach englischem Vorbild
Aktienbanken zu gründen. In Frankreich scheiterte allerdings zunächst das von
den Brüdern Péreire 1852 entworfene Modell, bei dem eine große Aktienbank
– die Crédit Mobilier – im Mittelpunkt stehen sollte. Die Bank hatte ihr Kapital
langfristig gebunden und konnte es in der Krise von 1866/67 nicht schnell
genug mobilisieren. Neben der Crédit Mobilier hatten sich aber bereits drei
weitere große Aktienbanken gebildet, die das Geschäft der insolventen Bank
übernahmen. In den deutschen Staaten war das Bankgeschäft bis zur
Reichsgründung durch Privatbankiers bestimmt. Dabei bestanden schon
vereinzelte konzessionierte Aktienbanken. Mit der Reichsgründung und der

38
     Vgl. Collins (1988), S. 70ff.

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damit verbundenen Liberalisierung des Aktiengesetzes vollzog sich dann auch
in Deutschland der endgültige Wandel von den Privatbankiers zu den
Aktienbanken.39

Die neu geschaffenen Aktienbanken verliehen dem Bankenwesen aber nicht
nur mehr Sicherheit. Sie bauten vor allem das Geschäft der kurzfristigen
Kreditgewährung mittels Wechsel – welcher später an Bedeutung verlieren
sollte – sowie Scheck und Kontokurrentkredit aus. Bereits zum Ende des 19.
Jahrhunderts machte der durch Schecks und Überweisung getätigte
Buchgeldverkehr mehr als die Hälfte des Zahlungsverkehrs aus. Diese
Entwicklung sollte sich im 20. Jahrhundert weiter fortsetzen. Das zeigt welche
Bedeutung dem neuen Bankenwesen bei der Geldschöpfung zukam.40


5. Zusammenfassung

In dieser Arbeit wurde dargestellt, dass es Geld in seiner Funktion als
Tauschmittel, Wertmesser und Wertaufbewahrungsmittel schon seit Urzeiten
gibt. Trotzdem konnte Geld je nach Zeit und Ort etwas vollkommen
Verschiedenes sein. Die wohl rasanteste Entwicklung hat das Geld in den
letzten beiden Jahrhunderten erlebt. Daher wurde hier als Entstehungszeitraum
des modernen Geldwesens das 19. Jahrhundert identifiziert.

Der Blick zurück in die Geschichte des Geldes hat verdeutlicht, dass sich das
Geld mit der Wirtschaft mitentwickelt hat. Geld soll das Wirtschaften fördern
und erleichtern. Der Wert für eine Gesellschaft besteht daher nicht aus dem,
was Geld ist, sondern was es tut. Damit Geld einen hohen Wert für eine
Gesellschaft haben kann, muss es die Geldfunktionen möglichst gut erfüllen. In
der Zeit vor dem modernen Geldwesen wurde das Geld in seinen
Geldfunktionen immer wieder entschieden gestört. Insbesondere gab es drei
entscheidende     Hindernisse:      Erstens    behinderten   die   unterschiedlichen
Währungen und Münzprägungen den Tauschhandel und sorgten für
Unsicherheiten. Zweitens misslang der Versuch, Geldformen wie Banknoten
oder Ähnliches zu etablieren. Dabei wurde die Tatsache, dass man bei diesen
Geldformen – anders als bei Gold und Silber – bei der Erhöhung der

39
     Vgl. Born (1976), S. 135ff.
40
     Vgl. Sprenger (1982), S. 64.

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Geldmenge nun nicht mehr an natürliche Ressourcen gebunden war, immer
wieder missbraucht. Da aber Gold und Silber mit Beginn der Industrialisierung
nicht mehr ausreichten, wurden diese Innovationen dringend benötigt. Als
drittes wurde hier die Behinderung des Bankwesens in seiner Entwicklung
identifiziert. Durch Zinsverbote, diskriminierende Gesetze und andere
Regulierungen wurde es lange Zeit verpasst, ein sicheres und leistungsfähiges
Bankennetz aufzubauen.

Anfang des 19. Jahrhunderts gelangen in England hinsichtlich all dieser drei
Punkte deutliche Verbesserungen. Mit der Goldwährung gelang eine
Vereinheitlichung der Währung. Da auch andere Staaten diese einführten,
verbesserte     sich   der   Handel   aufgrund   der   dadurch   gewonnenen
Erwartungssicherheit sowohl binnen- als auch außenwirtschaftlich. Die
Etablierung der Banknoten konnte mittels der neu geschaffenen Zentralbank
erreicht werden. Dieser kam mit Währungs- und Preisniveaustabilität sowie als
Bank der Banken eine entscheidende Funktion für die Sicherheit des
Geldwesens zu. Ein sicheres und leistungsfähigeres Bankennetz wurde vor
allem durch die Liberalisierung der Aktiengesetze und die damit verbundene
Entstehung von großen Aktienbanken erreicht. Erst dadurch wurde die für das
moderne       Geldwesen      charakteristische   enorme   Ausweitung      des
Buchgeldverkehrs ermöglicht.

England kam in dem ganzen Prozess die Führungsrolle zu. Auch wenn es zum
Teil erheblich länger dauerte, waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die
wichtigsten Wirtschaftsnationen Englands Beispiel gefolgt. Es sollte zwar auch
im 20. Jahrhundert noch zu Krisen und einer weiteren erstaunlichen
Entwicklung des Geldwesens kommen, die wichtigsten institutionellen
Grundlagen hierfür wurden aber im 19. Jahrhundert – insbesondere in England
– geschaffen.




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