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					      eBooks: Chancen und Risiken eines
   flächendeckenden Einsatzes im Bereich
wissenschaftlicher Bibliotheken Deutschlands

    Positionspapier, angefertigt im Auftrag der Arbeitsgruppe Virtuelle
              Bibliothek im Bayerischen Bibliotheksverbund

                             Dr. Steffen Wawra
          eBooks: die Wiederkehr eines
           „toten“ Mediums?
• ePublications: im Gegensatz zu eJournals hat das eBook
  bisher einen wesentlich geringeren Grad an der
  Durchdringung des Marktes an wissenschaftlicher
  Information erreicht
• Positionspapier versucht Antworten zu finden
                               Fragen

•   Digitale Medien in Wissenschaft, Forschung und Lehre: Leitmedium oder
    Nebenprodukt?
•   Prognosen für eBooks?
•   Gründe einer schleppend erfolgenden Marktakzeptanz?
•   Studien zum Benutzerverhalten      “eBook    versus   pBook”,   Qualitative
    Bedarfsanforderungen
•   Vertriebsmodelle
•   Zusammenfassung u. Empfehlungen
   Digitale Medien in Wissenschaft,
  Forschung und Lehre: Leitmedium
         oder Nebenprodukt?

• Paradigmenwechsel?
• einerseits ausgewogene Grundhaltung (auch DFG)
• avantgardistische Medientheorie: nimmt kategorisch Abschied
  von der Gutenberg-Galaxis, die zu einer “linearen” und
  “monokausalen” Einengung geführt habe und von der es sich zu
  trennen gelte.
• Norbert Bolz: neue Kommunikationsverhältnisse, die mit dem
  Leitmedium der Neuzeit, dem Buch gebrochen haben...
          Was sagt die Wissenschaft?


• Die Naturwissenschaften – voran die Mathematiker und
  die Physiker – sehen primär Vorteile in einer
  elektronischen Kommunikation.
• Nach GRÖTSCHEL ist die “lineare Struktur des Buches
  zwar leicht zu verfolgen, aber die Korrespondenz zur
  komplex verzweigten Struktur des Wissens ist nur sehr
  schwach ausgeprägt“
                        Weil....


• Dauerhaftes Wissen schlägt sich heute nicht nur in
  druckbaren Texten und Bildern nieder, sondern in
  Algorithmen, in sich dynamisch weiterentwickelnden
  Softwaresystemen, in komplexen Datensammlungen und
  ihren Visualisierungen, in Animationen dynamischer
  Verhältnisse, in technischen Dokumentationen, die kaum
  ausgedruckt werden können, weil sie sich zu oft ändern
  oder zu umfangreich sind”.
                         Im Kern...


• wird hier nicht von einem unauflöslichen Gegensatz gesprochen,
  sondern von den progressiven Funktionen, die in ihrer
  Komplexität dem alten Medium Buch weit überlegen sind.
Altes und Neues verbindet sich
miteinander?

•   nach einem ungestümen Vormarsch des Netzes ist nicht Vermittlung, sondern
    Verdrängung erstes Ziel?
•   Klemens Polatschek: “Die Menschen wollen offenbar Krieg sehen im
    Medienland. Und wo sie das Netz einsetzen, hat es zuerst einmal die
    Funktionen alter Medien und ihr Aussehen nachzubilden. So darf sich das
    Internet als Werkzeug über jene Probleme hermachen, die von bestehenden
    Verfahren und Medien ohnehin erstklassig gelöst werden.”
•   mit Sicherheit wird es zu einer Art Symbiose der Medien kommen! Book-
    like?
                   Prognose eBooks?

• gibt es diese?
• Fundierte Strategiekonzepte: Fehlanzeige
• weder aus bibliothekarischer Sicht, noch aus kommerzieller Sicht der
  Verlage, noch aus Sicht des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
• eBook ist Bestandteil zukünftiger Informationsversorgung?
• Bibliotheken: Haltung “see and wait”.
                              Welche Gruppen...

•   Haben sich mit dem Gegenstand beschäftigt?

• auf informationswissenschaftlicher
• Ebene von kommerziellen eBook-Providern
         Informationswissenschaften

• im kognitiven Bereich, d.h., es werden die Bereiche
  Design und Psychologie des neuen Mediums in Bezug auf
  tradierte Lesegewohnheiten untersucht
• Kein oder nur sehr mittelbarer Bezug auf unsere
  Fragestellung
              Kommerzielle Provider


• weisen diesen Bezug auf, bleiben jedoch in systematischer
  Hinsicht auf ihr Produkt beschränkt und sind weder daran
  interessiert noch dazu in der Lage, Modelle zu entwickeln,
  die in systemischer Hinsicht einen deutlichen Mehrwert für
  den allgemeinen und den besonderen Versorgungsauftrag
  der wissenschaftlichen Bibliotheken darstellen würden
        Wir selbst müssen das leisten


• strategische Arbeit, die in der Entwicklung von “public-
  privat-partnership Modellen” münden könnte,
• aus strategischen Gründen
• niemand kann den Versorgungsauftrag wissenschaftlicher
  Bibliotheken besser beschreiben, niemand kann die
  Chancen und Risiken einer weitgehenden Dislozierung von
  Kernbereichen bibliothekarischer Dienstleistungen im
  elektronischen Zeitalter gründlicher abwägen.
          Gründe einer schleppenden
               Marktakzeptanz
• Hauptgrund: die Industrie zog einen fatalen Trugschluss
  der im wesentlichen auf drei Grundannahmen beruhte, die
  sich als falsch erwiesen haben
• Die Tatsache, dass Sony mit “Libri” die elektronische
  Tinte einführt, welche die Papierqualität elektronisch
  abbilden soll und die Eigenschaft, dass “Libri” nur dann
  Strom verbaucht, wenn umgeblättert wird (!), sind weitere
  Beispiele dieser linearen Ausrichtung
                 Trugschluss Nr. 1


• dass es möglich ist, eine der beständigsten Medien der
  Menschheit, eben das Buch, in einer Art “linearer
  Abbildung” auf die Informationsgesellschaft abzubilden.
  Das gedruckte Buch ist seit mehreren Jahrtausenden noch
  immer eine “Killerapplikation”. Der Schluss, dass es doch
  möglich sein muss, diese Applikation auf einer
  elektronischen noch einmal zu „erschaffen“ lag
  verführerisch nahe – war der Apfel vergiftet?
              Trugschluss Nr. 2


• mobile Endgräte!!
• Markt nicht wunschgemäss reagiert
• Warum: zu wenig Content,            propriätär,
  unbequem, kulturell neu
              Trugschluss Nr. 3


• verknüpfte man 1. (“Konversion des Buches in die
  digitale Umgebung”) logisch mit einer weiteren
  fatalen Eigenschaft des neu zu schaffenden
  Mediums eBook: man übernahm das Format 1:1
  (weil es eben ein erfolgreiches war und ist!!!)
         Mit welchen Konsequenzen?


• Belletristik: ja
• für die Akzeptanz im wissenschaftlichen Umfeld war
  dieser Ansatz extrem kontraproduktiv: anstatt sich den
  neuen Möglichkeiten des eBooks zu öffnen und völlig
  neue kognitive Zugänge zu einem Text anzubieten,
  welcher        die  modernen        Gewohnheiten   der
  Informationsgewinnung berücksichtigt, bei denen es
  primär um Informationsgewinnung und nur sekundär um
  Lesen geht, blieb man am tradierten Format haften.
          Studien zum Benutzungsverhalten



• Safari: “Our experience suggests, however, that e-
  books will attract users if the content is essential
  and easy to access.”
                              Ausleihhäufigkeit


•   deutsche Erhebung: aus den bisherigen Nutzerstatistiken kann man ablesen, dass die
    elektronischen Buchbestände der Universitätsbibliotheken der TU München, der UB Passau und
    ULB Darmstadt häufiger genutzt werden als ihre physischen Pendants. Im Durchschnitt werden
    eBooks hier rund achtmal pro Jahr ausgeliehen. Diese Zahl wird bei pBooks allenfalls in
    Lehrbuchsammlungen erreicht.
•   Deutsche Bibliotheksstatistik: bei Printbüchern lediglich eine Ausleihquote von durchschnittlich drei
    Entleihungen pro Jahr aus.
•   Die Anbindung an das Campusnetz erlaubt zudem eine intensive Nutzung auch außerhalb der
    Öffnungszeiten der Bibliotheken.
•   Die Beobachtung, dass die Nutzer das eBook in 80 % aller Fälle nur einen Tag bei sich auf dem
    Rechner behalten, um die wichtigsten Dinge einzusehen oder/und auszudrucken: eBooks
    unterstützen andere Aneignungsmechanismen oder gar generieren.
                        Zusammenfassung


•   das Medium eBook trifft auf der Nutzerseite auf eine gute Akzeptanz,
•   keine allgemeine “zivilisationskritische” Aussagen zur Einführung von eBooks: die
    fehlende Haptik, das Fehlen eines besonderen Fluidums bei der Rezeption, all dies
    scheint im wissenschaftlichen Bereich nicht signifikant gegen die Einführung von
    eBooks zu stehen.
•   Die Akzeptanz ist so hoch, dass eine proaktive Unterstützung dieses Feldes der
    bibliothekarischen Dienstleistungen auf dem Wege von regionalen oder überregionalen
    Dienstleistungen als angebracht erscheint – unter bestimmten Anforderungen.
Qualitative Bedarfsanforderungen

• Kernfragen waren: What will make e-books a viable part of academic library
  collections? What features, rights, business models, hardware and software
  standards are needed to meet the goals of large academic library systems to
  support open scholarly exchange?
Task Force


•   University of California (UC)
          • 1.      Content
          • 2.      Software and Hardware Standards and Protocols
          • 3.      Digital Rights Management
          • 4.      Access
          • 5.      Archiving
          • 6.      Privacy
          • 7.      The Market and Pricing
          • 8.      Enhancements and Ideal E-Book Features
                 Market and Pricing



• ”The business models of major e-book vendors so far
  claim a role for libraries as conduits to their customers,
  but it is not clear that libraries are truly considered
  a viable part of most marketing plans.”
                     Vertriebsmodelle


• Forrester Research Incorporated

• 1. Prevention Model
• 2. Advertisement Model
• 3. Marketplace Model

• 4. Subscription Modell
              Marktplace Modell
• Das Marketplace Model ist Grundlage der Tauschbörsen auf
  dem Musiksektor (z. B. Napster). Bezogen auf unseren
  Gegenstand würde dies bedeuten, dass eBooks über diese
  Tauschbörsen verteilt werden. Die Nutzer müssten für ein Buch
  einen bestimmten Betrag bezahlen und könnten nach Gebrauch
  dieses Item wieder in die Tauschbörse laden und erhielten dann
  vom Verleger einen anteiligen Betrag rückerstattet.
              Subscription Modell
• Das Subscription-Modell scheint sich im akademischen Bereich
  durchzusetzen: es ist jedoch in der bisher üblichen Praxis (s.
  NetLibrary, auch ciando) weder geeignet, noch akzeptabel.
   – The need to purchase one user licence per copy of a book for netLibrary
     is expensive for libraries, while Ebrary, although offering unlimited user
     access, places extra cost on the user by charging a premium rate for
     printing. Librarians and users will need to exert pressure on publishers for
     better licencing conditions.” In: Cox, John: E-Books Challenges and
     Opportunities.
Zusammenfassung und
   Empfehlungen
1. Das Modell “dezidierte Hardware plus Content” wird sich
    nicht durchsetzen. Dieses Angebot widersprach einer
              allgemeinen Tendenz der modernen
Kommunikationsgesellschaft: die Endnutzer sind nicht mehr
 bereit, ein mobiles Endgerät zu erwerben, welches auf eine
             bestimmte Funktion reduziert ist.
2. Das Modell “Content via Internet”
       wird sich durchsetzen.
     3. Die Konzentration von Funktionen der Kommunikation
(Verschmelzung von mobilem Telefon, PDA) erzwingen sowohl die
  Marktdurchdringung dieser Technik als auch die neue Kultur der
 Aneignung von Wissen und Information auf der Endnutzerseite die
    Auseinandersetzung der Bibliotheken mit dem Gegenstand
“Ausgabe von Informationen auf mobilen Endgeräten”. eBooks sind
                       hier eine Teilmenge.
   4. Der aus Markteinführungsgründen Ende der 90ziger Jahr
propagierte Verdrängungswettbewerb zwischen pBook und eBook
   findet nicht statt, er ist weder kulturell, noch technisch, noch
kommerziell durchsetzbar. Eher ist das Gegenteil zu beobachten:
 eBooks scheinen den Markt zu erweitern, nicht zu beschränken.
5. Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Idee des eBooks aus
   kommerziellen Gründen entwickelt wurde, so kann konstatiert
 werden, dass das eBook den Versorgungsauftrag der Bibliotheken
                      originär unterstützt.
   6. Der kommerzielle Markt für eBooks hat das bereits erkannt:
     Bibliotheken werden als “Market Driver” für die nachhaltige
                  Marktspositionierung bezeichnet.
s. Open e Book Forum Conference: eBook in the Public Library
7. eBooks sind in ihrer zugrunde liegenden Idee als ein Versuch zu
 betrachten, eine weitere Form der Technisierung des Lesens zu
 entwickeln. Bibliotheken haben sowohl ein allgemeines Interesse
 Lesetechniken überhaupt zu fördern. Technisierte Lesetechniken
    kommen den technologischen Umgebungsbedingungen der
 Bibliotheken entgegen, da sie in diese integriert werden können.
     8. Bei der Betrachtung des Handlungsfeldes eBooks ist es
     erforderlich, den Kontext zu ePublishing und eLearning zu
    betrachten. eBoos bilden m.E. eine weitere Möglichkeit, den
 klassischen Versorgungsauftrag der Bibliotheken nachhaltig in der
  modernen Informationsgesellschaft zu verorten. EBooks könnten
eine weitere Chance darstellen, den Weg von der “bloßen” digitalen
  Bibliothek zur wirklich virtuellen Bibliothek über Integration in die
      persönliche Arbeitsumgebung von Lehre, Forschung und
                     Wissenschaft zu realisieren.
     9. Es sind geeignete Vertriebswege zu realisieren. Nationale
Initiative im Rahmen von Vascoda würde sich ebenso anbieten wie
      Pilot-Projekte auf Ebene der Verbünde. Im Rahmen eines
   Workshops sollte eine gemeinsame Plattform mit den grossen
 Providern gefunden werden. Als Vertriebsmodell würde sich eine
    Verbindung von Subscription Modell und Marketplace Modell
                               anbieten
   Die gesamte verfügbare angebotene Menge an eBooks eines
  Providers wird subscribiert für den Betrag X, es wird vom völlig
 unzureichenden Versorgungsstandard “Eine Lizenz für ein Buch”
    abgegangen und eine unbegrenzt hohe simultane Nutzung
ermöglicht. Bei jeder tatsächlichen Nutzung eines eBooks wird von
   der nutzenden Bibliothek oder vom Endnutzer ein bestimmter
Betrag in die eBook-Plattform geladen. Dieser Betrag ist wesentlich
 geringer als die Einzellizenz, aber hoch genug, um im Mittel den
Verlagen und Providern einen kalkulierten Gewinn zu ermöglichen.
Erst wenn dieses Szenario Wirklichkeit geworden ist, kann man im
  Bereich eBook von einer wirklichen win-win-Situation sprechen.
  Sollte dieses Szenario nicht Wirklichkeit werden, wird sich das
  eBook nicht nachhaltig im wissenschaftlichen Bibliothekswesen
                             etablieren.
                   10. Risiken
• Keine Risiken
• Aktive Gestaltung der Anwendungen!
• Standortvorteil nutzen
    DANKE für Ihre Aufmerksamkeit!


• steffen.wawra@uni-passau.de

				
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posted:11/2/2010
language:German
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