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Einwanderung_und_Probleme_der_Integration_in_Deutschland_seit_1960_Klimova

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Einwanderung_und_Probleme_der_Integration_in_Deutschland_seit_1960_Klimova Powered By Docstoc
					     MASARYKOVA UNIVERZITA
        PEDAGOGICKÁ FAKULTA




            DIPLOMOVÁ PRÁCE




BRNO 2008              Věra KLĺMOVÁ
       MASARYK – UNIVERSITÄT
         PÄDAGOGISCHE FAKULTÄT
        Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur




   Einwanderung und Probleme der
  Integration in Deutschland seit 1960
                   (Diplomarbeit)




                     Brünn 2008




Verfasserin: Bc. Věra KLĺMOVÁ
Betreuer: Roland WAGNER, M.A.


                                                       1
Erklärung

Ich erkläre hiermit, dass ich diese Diplomarbeit selbstständig verfasst habe
und nur die im Literaturverzeichnis angegebene Literatur verwendet habe.

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass diese Arbeit in der Bibliothek
der Pädagogischen Fakultät der Masaryk-Universität in Brünn aufbewahrt
wird und für die Studienzwecke zugänglich gemacht wird.




Brünn, den 20. 4. 2008                             Věra Klímová




                                                                          2
Ich bedanke mich bei Roland Wagner, M.A. für die wertvollen Ratschläge
und Bemerkungen, die er mir als Konsultant meiner schriftlichen
Diplomarbeit geleistet hat.




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Inhaltsverzeichnis


0.        Einleitung                                            6


1.        Was ist Landeskunde?                                  8
1.1       Landeskunde – Definitionsversuch                      9
1.2       Kurze Geschichte der Landeskunde                     12
1.3       Landeskundliche Ansätze im Fremdsprachenunterricht   13
1.3.1     Der kognitive Ansatz                                 14
1.3.2     Der kommunikative Ansatz                             14
1.3.3     Der interkulturelle Ansatz                           14
1.4       „Migration“ als Thema der Landeskunde                18


2.        Migration                                            20
2.1       Formen der Migration                                 21
2.1.1     Auswanderung                                         21
2.1.2     Einwanderung                                         22
2.2       Menschen mit Migrationshintergrund                   24


3.        Kurzer geschichtlicher Überblick                     26
3.1       Vertriebene und Heimkehrer                           27
3.2       Gastarbeiter                                         29
3.2.1     Erste Generation der Gastarbeiter                    29
3.2.2     Zweite Generation der Gastarbeiter                   31
3.3       Aussiedler                                           33
3.4       Flüchtlinge                                          35


4.        Diskussion um Integration                            39
4.1       Deutschland, Einwanderungsland?                      39
4.2       Gezielte Migrationspolitik                           41
4.2.1     Deutsche „Leitkultur“                                44
4.2.2     Reform des Staatsangehörigkeitsrechts                45


                                                                    4
4.2.3     Green-Card-Regelung                                               48
4.2.4     Das neue Zuwanderungsgesetz                                       49
4.3       Integration als neu entdecktes Problem                            53
4.3.1     Der erste Integrationsgipfel                                      56
4.3.2     Der zweite Integrationsgipfel                                     58
4.3.3     Der Nationale Integrationsplan                                    60
4.3.3.1   Deutsch als Schlüssel zur Integration                             60
4.3.3.2   Bildung als zentraler Faktor der gesellschaftlichen Integration   63


5.        Zusammenfassung                                                   68
6.        Resume                                                            71
7.        Literaturverzeichnis                                              73
7.1       Verwendete Literatur                                              73
7.2       Internetquellen                                                   75




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0. Einleitung


Deutschland wird heute bereits von vielen als Einwanderungsland bezeichnet.
Deswegen bildet die aktuelle Diskussion um Einwanderung, Integration und damit um
die eigene Identität der deutschen Gesellschaft den Hauptpunkt meiner Diplomarbeit.
Ein geschichtlicher Überblick über die Zuwanderungssituation in Deutschland seit 1960
und    die    Aufzählung        der     wichtigsten   Zuwanderungsminderheiten   stellen
Hintergrundinformationen dar, die zum besseren Verständnis der ganzen Problematik
beitragen sollen.


Da die Zuwanderung und Integration von Ausländern in der Bundesrepublik
Deutschland zum Kernpunkt meiner Diplomarbeit werden, habe ich in diesem
Zusammenhang        überlegt,     wie     man     dieses   Thema   im   Rahmen    eines
Fremdsprachenunterrichts den Schülern vermitteln kann. Deswegen habe ich den
Begriff „Landeskunde“ zum Hauptpunkt des ersten Kapitels gemacht. Unterschiedliche
Definitionen, geschichtliche Entwicklung der Landeskunde und drei wichtige
landeskundliche Ansätze sollen nicht nur auf die Uneinigkeit einiger Autoren im
Verständnis dieses Begriffes hinweisen, sondern auch die Vielfalt der Landeskunde
deutlicher zum Ausdruck bringen. Dabei wird auch die Relevanz des Themas für einen
Fremdsprachenunterricht berücksichtigt. Es geht nicht um Darstellung von Klischees,
nationalen Stereotypen oder Vorurteilen, sondern um Vermittlung des aktuellen
Gesamtbildes von dem jeweiligen Land.
Im zweiten Kapitel spielt die Migration eine zentrale Rolle. Ein passender
Definitionsversuch, Ursachen der Migration und verschiedene Migrationsformen stellen
die wichtigsten Informationen zu diesem Thema dar. Auch Begriffe, die eng mit den
Wanderungsbewegungen zusammenhängen, werden in diesem Kapitel erklärt.
Ziel des dritten Kapitels ist, in einem kurzen geschichtlichen Überblick die
Zuwanderungssituation nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland zu beschreiben
und die in der Bundesrepublik lebenden Minderheiten chronologisch in vier wichtige
Zuwanderungsgruppen einzuordnen. Das Verständnis der in diesem Kapitel genannten
Begriffe hilft weiter bei der aktuellen Diskussion um Integration, die im Fokus des
letzten Kapitels steht. Hier wird anhand der verschiedenen Debatten, gespalteten


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Meinungen und entgegengesetzten politischen Ansichten zu gesetzlichen Reformen auf
die Meinungsverschiedenheit zu den wesentlichen Punkten der Zuwanderung und
Integration hingewiesen.
In der Zusammenfassung wurde kurz auf den Unterschied zwischen Deutschland und
der Tschechischen Republik in Fragen der Migration hingedeutet. Das Ziel war, eine
klare Schussfolgerung aus meiner Arbeit zu ziehen.




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1. Was ist Landeskunde?

Im modernen Fremdsprachenunterricht werden die Lernenden früher oder später mit
einem landeskundlichen Thema konfrontiert. Die Ziele des Fremdsprachenunterrichts
beschränken sich nicht nur auf das Lehren und Lernen von sprachlichen Strukturen,
sondern auch auf Vermittlung von Kenntnissen über das Land und Kultur der
Zielsprache (vgl. Leupold, 2003, 127).
Deswegen spielt Landeskunde als eine Teildisziplin der Fremdsprachendidaktik im
heutigen Fremdsprachenunterricht eine wichtige Rolle. Es handelt sich um eine
Disziplin, für die nach Erdmenger (vgl. Erdmenger, 1996, 12) eine Reihe anderer
Bezeichnungen zu finden ist: Kulturkunde, Kulturanthropologie, Kulturstudien,
Landesstudien, interkulturelle Studien und auch Landes- oder Kulturwissenschaft.
Es geht im weitesten Sinne um Kenntnisse über das fremde Land und seine Kultur in
der ganzen Ausdehnung, d. h. also Politik, Geschichte, Wirtschaft, Verwaltung, aber
auch Sport, Dienstleistungen, Produkte oder Lebensweise. Das alles sind wesentliche
Bestandteile dessen, worüber man im Rahmen eines Sprachunterrichts informieren
kann.


Die Vermittlung von Kenntnissen aus verschiedenen Bereichen des Alltagslebens ist
nicht nur für eine einfachere Orientierung, sondern auch für ein besseres Verständnis
der fremden Kultur und der dort lebenden Menschen notwendig. Den Lernern sollte
bewusst werden, dass alles, woran sie in ihrem eigenen Land gewöhnt sind und als
Selbstverständlichkeit wahrnehmen, in einem anderen Land völlig anders sein kann.
Im Fall von Deutschland, das für meine Arbeit relevant ist, erleben die Lernenden
sicherlich keinen großen Kulturschock, weil die tschechische Kultur der deutschen
ziemlich ähnlich ist, obwohl es auch hier Unterschiede gibt. Bei Begegnung mit
Japanern oder Einwohnern aus weit entfernten Ländern, die manchmal eine komplett
andere Weltanschauung haben, muss man schon vorsichtig sein, vor allem was die
Ausdrucksweise oder das Verhalten betrifft. Im Vorteil ist der Lerner, der auf die
Unterschiede vorbereitet ist, weiß, was er erwarten soll und was er sich erlauben kann.
Im Rahmen der Landeskunde sollten also einerseits sachliche Informationen aus dem




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Zielland vermittelt werden, andererseits ist es wichtig, auf die Unterschiede und
mögliche Abweichungen von der eigenen Kultur hinzuweisen.


1.1 Landeskunde - Definitionsversuch


Da der Begriff „Landeskunde“ nicht einfach zu definieren ist, habe ich zu diesem
Thema Theorien und Ansichten vier verschiedener Autoren ausgewählt, die sich mit
den Inhalten der Landeskunde näher beschäftigen.
Für Erdmenger (vgl. Erdmenger, 1996, 21) bedeutet Landeskunde „eine Disziplin, die
überwiegend in Verbindung mit Sprache, Sprachstudium und Sprachunterricht auftritt.
Sie ist die Kunde über diejenigen Länder, in denen die zu lernende Sprache gesprochen
wird.“
Nach Solmecke (vgl. Solmecke, 1982, 127-128) ist die Landeskunde „ein spezifisch auf
den Fremdsprachenunterricht bezogener Begriff und meint ganz allgemein den
Einbezug kultureller Informationen über Zielsprachengemeinschaften als curricularen
Bestandteil der Vermittlung einer Fremdsprache.“
Das moderne Verständnis der Landeskunde umfasst „alle Bezüge auf die
Gesellschaften, deren Sprache im Fremdsprachenunterricht gelernt wird. Solche
soziokulturellen Bezüge treten im fremdsprachlichen Curriculum immer dann auf, wenn
den      Lernenden     die    fremde      Sprache      in    ihrem      ursprünglichen
Verwendungszusammenhang vorgestellt wird“ (vgl. Buttjes, 1991, 112).
Walter (vgl. Erdmenger, 1996, 21) bezeichnet wiederum die Landeskunde als „den
Sachunterricht in den Fremdsprachen. Ihre Inhalte fördern Textverständnis und
mündliche Kommunikationsfähigkeit und dienen als Ersatz für Erfahrung mit den
Ländern und Sprechern der Zielsprache, sie betreffen sowohl Sozial- als auch
Sachwissen.“
Hier stellt sich für mich persönlich eine interessante Frage. Kann ein bloßes Lesen,
Verstehen und Interpretieren eines fremden Textes die wirklich erlebte Erfahrung mit/in
dem Zielsprachenland ersetzen? Sind Gefühle, die z. B. beim Lesen eines Aufsatzes
über München entstehen (und ob überhaupt), mit den mit „allen Sinnen“ erlebten
Gefühlen und Erlebnissen vergleichbar? Ich glaube das nicht und deshalb kann ich mit
der Aussage, dass „die Inhalte der Landeskunde nur als Ersatz für die Erfahrung mit den



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Ländern und Sprechern der Zielsprache dienen“ nicht übereinstimmen. Wahrscheinlich
aber meinte die Autorin mit ihrer Definition von Landeskunde etwas Anderes. Wenn
man sich in einer fremden Kultur bewegt, werden auch die Unterschiede zwischen der
eigenen und der anderen Kultur deutlicher. Man macht Erfahrungen in Bezug auf Dinge
des Alltags, z. B. wie muss man sich verhalten? Mit welchen Sprachmitteln erreicht
man sein kommunikatives Ziel? Wie muss man reagieren, wenn man einerseits witzig
und unterhaltend, andererseits seriös oder überzeugend wirken will? Wie drücken die
Anderen bestimmte Dinge aus? Um diese Dinge zu beherrschen bzw. erfolgreich
kommunizieren zu können, braucht man viel Erfahrung. Am Anfang ist jeder unsicher
und macht in einer fremden Umgebung eher unangenehme Erfahrungen. Die Inhalte
eines Landeskundeunterrichts sollten dazu beitragen, diese unangenehmen Erfahrungen
vorzubeugen. Wenn die Autorin es in diesem Sinne meinte, sollte nicht nur die
Vermittlung von Faktenwissen im Vordergrund stehen, sondern auch eine Diskussion
über eigene Erfahrungen oder Erlebnisse sollte zu einem wichtigen Teil des Unterrichts
werden.


Sprachenlernen bedeutet Kulturenlernen (vgl. Krumm, 1998, 524). Wer eine neue
Sprache erlernt, tritt man, bewusst oder unbewusst, in eine neue Kultur ein und das mit
allem,       was      diese     Kultur      mit     sich     bringt.   Neben   der   mündlichen
Kommunikationsfähigkeit, die sicherlich für Landeskundeunterricht wichtig ist, wie
schon Walter in ihrer Definition geschrieben hat, braucht man auch bestimmte
Kulturkompetenzen, die ein integraler Bestandteil des Erlernens einer fremden Sprache
sind. Zu diesen Kulturkompetenzen gehören unter anderem das Wissen über die
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der eigenen und der fremden Kultur, damit die
Missverständnisse oder Fehlerverhalten in der Begegnung mit dem Neuen und Fremden
vermieden werden können.1 Nach meiner Überlegung kann also die Sprache nicht
isoliert und getrennt vom Zielsprachenland erlernt werden. Die Sprache, Kultur und für
diese Kultur bestimmtes Verhalten bedeuten wichtige Elemente, die man gemeinsam in
einem Landeskundeunterricht besprechen muss, um erfolgreich auf allen Ebenen
handeln zu können.



1
    vgl. Schweiger, 2001, 26. (Unter http://www.ned.univie.ac.at)



                                                                                            10
Schon dieser kurze Abriss von Definitionen der Landeskunde zeigt, dass es keine
einheitlichen Meinungen und keine eindeutige Definition zu diesem Begriff gibt.
Während einige Autoren die Landeskunde nur mit der Zielsprache und dem
Sprachstudium in Verbindung setzen, sind andere überzeugt davon, dass auch ein
bestimmtes Wissen oder Vorwissen über das Land schon am Anfang des Studiums eine
gewisse Rolle spielt. Storch (vgl. Storch, 1999, 285-286) ist der Meinung, dass „diese
absichtlich oder auch unabsichtlich vermittelten Informationen auf Erfahrungen und
Kenntnisse, (Vor-)Urteile und Stereotypen der Lernenden treffen und beeinflussen
direkt oder indirekt ihre Einstellung gegenüber den Deutschen.“


Vor allem die Frage der Stereotypen ist hier sehr interessant. Denn wie schon oben
gesagt, spielt ein bestimmtes Vorwissen über das Land eine gewisse Rolle. So haben die
Lerner schon vor dem eigentlichen Lernen einer Fremdsprache bestimmte Bilder über
die Zielkultur im Kopf, die oft zum Aufbau von Stereotypen oder Vorurteilen führen.
So könnten viele z. B. glauben, dass alle Ausländer in Deutschland arbeitslos und
kriminell sind. Meiner Meinung nach sollte die Aufgabe der Landeskunde unter
anderem sein, die Empathie und Toleranz gegenüber der anderen Kultur betonen
bzw. helfen, solche Vorurteile und Stereotypen abzubauen. Es gibt verschiedene
kulturelle Unterschiede, die positive, aber auch negative Wirkungen bei den Lernenden
aufrufen können. Und es gibt auch verschiedene Meinungen, die die Begegnung mit den
Leuten des Ziellandes beeinträchtigen können. Deshalb sollten die Lerner in einem
Landeskundeunterricht lernen, sich mit diesen Unterschieden auseinander zu setzen
bzw. sie akzeptieren zu können. Ein weiteres wichtiges Ziel des Landeskundeunterrichts
sollte also sein, den Lernenden die eigene Kultur bei Begegnung mit fremden Kulturen
bewusst zu machen, Vorkenntnisse, Klischees und stereotype Vorstellungen
aufzugreifen und Gelegenheit zur Überprüfung und Korrektur zu geben.




                                                                                   11
Da Fremdsprachenlernen vorwiegend durch eigenkulturelle Vorprägung erfolgt, müssen
das Fremde und das Eigene zusammen auf eine kontrastive Weise untersucht
bzw. unterrichtet werden. Es ist deshalb die Aufgabe des Fremdsprachenunterrichts, die
Lernenden darauf vorzubereiten, sich mit fremdkulturellen Phänomenen auseinander zu
setzen. Anders gesagt; der Lerner soll für die fremde Kultur sensibilisiert werden.
Landeskunde hat dabei eine wichtige helfende Funktion; sie soll unter anderem zur
menschlichen Verständigung und gegenseitigen Akzeptanz dienen.


1.2 Kurze Geschichte der Landeskunde


Nicht immer war Landeskunde im Fremdsprachenunterricht das, was wir heute als
„interkulturelle“ Landeskunde bezeichnen können, wo Fremdsprachenlerner jede
Menge Informationen über das Zielsprachenland erfahren. Dieses Kapitel soll deshalb
einen kurzen Überblick über die Geschichte der Landeskunde in Deutschland und ihre
Ansätze im Fremdsprachenunterricht darstellen.


Über Landeskunde war schon Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der
Reformbewegung innerhalb der Fremdsprachendidaktik die Rede. So weit in die
Geschichte möchte ich mich aber nicht begeben. Um die Landeskunde in ihrer neueren
Entwicklung beschreiben zu können, reicht es, ca. dreißig Jahre zurückzuspringen.
Ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ist nämlich eine Neuorientierung in der
Fremdsprachendidaktik zu beobachten. Sie war die Folge der gesellschaftlichen
Veränderungen in der Bundesrepublik, die vor allem mit der Arbeitsmigration von
Ausländern verbunden waren. Die Fremdsprachenkenntnisse standen jetzt im
Vordergrund und auch die Interessen der Lerner haben sich verändert. Obwohl die
Vermittlung von Faktenwissen immer an der Spitze eines Landeskundeunterrichts
standen, war trotzdem ein bestimmter Wandel zu beobachten. Die Sprache sollte nicht
mehr nur als komplexes System zur Vermittlung der Informationen dienen, sie wurde
immer öfter als ein Kommunikationsmittel wahrgenommen. Während also früher
vorwiegend ein durch Daten und Fakten geprägtes Landesbild vermittelt wurde, wurden
jetzt das Alltagsleben und das damit verbundene zwischenmenschliche Handeln zum
Kernpunkt des landeskundlichen Unterrichts. Das primäre Ziel der Landskunde,



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systematische Kenntnisse zu vermitteln, wurde langsam durch eine kommunikative
Kompetenz ersetzt. Die Landeskunde sollte nach diesem Prinzip dem Lerner vor allem
als eine Orientierungshilfe in der fremden Kultur dienen, um sprachliche Handlungen
besser verstehen zu können.2
Die 80er Jahre sind durch weitere Veränderungen in der Konzeption der Landeskunde
gekennzeichnet. Zu den Kenntnissen über die Kultur und Gesellschaft und der
kommunikativen Kompetenz wurde jetzt auch neuerlich nach der interkulturellen
Kommunikationsfähigkeit               in       dem        Fremdsprachenunterricht   gestrebt.
Die „interkulturelle“ Landeskunde soll dem Lerner nicht nur helfen, sich sprachlich
korrekt und angemessen bei Begegnung mit Angehörigen anderer Kultur ausdrücken zu
können, sie legt auch einen großen Wert auf interkulturelles Lernen, das dem Lerner
hilft, sich in anderer Kultur zu orientieren. Jetzt könnte vielleicht ein Leser einwenden,
dass die kommunikative Landeskunde auch zur Orientierung in der Kultur dient. Man
muss jedoch unterscheiden, dass die Landeskunde im kommunikativen Sinne vor allem
handlungsorientiert ist, während die interkulturelle Landeskunde auf die Unterschiede
zwischen den Kulturen verweist. In ihrem Rahmen wird durch Konfrontationen
versucht, die Bilder, die die Lerner über das Zielkultur im Kopf haben und die zur
Entstehung von Klischees und Vorurteilen führen können, abzubauen.


1.3 Landeskundliche Ansätze im Fremdsprachenunterricht


Ich wollte mit diesem kurzen Überblick zeigen, dass es nicht nur eine Konzeption der
Landeskunde gibt, sondern dass sie aus mehreren Ansätzen besteht, die sich gegenseitig
beeinflussen und alle zusammen die heutige moderne Auffassung von Landeskunde
darstellen. Dieser Überblick soll auch eine Basis für die Gliederung und Beschreibung
der einzelnen Ansätze schaffen. Obwohl es mehr als einen Versuch zu der
Klassifizierung der Ansätze gibt, ich wählte die Klassifizierung nach Pauldrach
(vgl. Pauldrach, 1992, 6) aus. Er unterscheidet drei dominierende Konzepte der
Landeskunde: den kognitiven, kommunikativen und interkulturellen Ansatz.




2
    vgl. Landeskunde im Fremdsprachenunterricht. (Unter http://www.sciaga.pl)



                                                                                          13
1.3.1 Der kognitive Ansatz


Der kognitive Ansatz ist von den drei Ansätzen der älteste. Sein Ziel ist die Vermittlung
von Wissen über das zielsprachige Land. Im Vordergrund stehen die systematischen
Kenntnisse über die Kultur und Gesellschaft aus den Bereichen wie z. B. Politik,
Wirtschaft, Literatur oder Geschichte. An der ersten Stelle stehen die Fakten, Zahlen
und Daten, die den Lernenden fast keinen Raum zum weiteren Überlegen bieten, weil
die landeskundlichen Informationen im Lehrbuch nicht als Übungen genutzt werden.
Ein solcher Ansatz vermittelt Sachkenntnisse, bietet Möglichkeiten zur Darstellung und
Beschreibung von Tatsachen, aber kaum Anlässe zu Gesprächen und Diskussionen.


1.3.2 Der kommunikative Ansatz


„Die   Landeskunde     ist   im   kommunikativen     Fremdsprachenunterricht     sowohl
informations- als auch handlungsbezogen konzipiert“ (vgl. Pauldrach, 1992, 6-15). Das
heißt, in dem kommunikativen Ansatz ist die Landeskunde als eine Lebenshilfe im
Alltag konzipiert, als eine Orientierungshilfe in der fremden Kultur. Als Gegenstand des
in den Unterricht integrierten Ansatzes gilt die Alltagskultur, die einen leichten Zugang
zu der fremden Lebenswelt verschafft. Die wichtigsten Gesprächsthemen sind
z. B. Wohnen, Freizeit, Arbeit oder Bildung. In dem Unterricht werden vor allem solche
Themen besprochen, mit denen die Lernenden im Zielsprachenland oft konfrontiert
werden können.


1.3.3 Der interkulturelle Ansatz


Den interkulturellen Ansatz kann man als eine Erweiterung des kommunikativen
Ansatzes betrachten. Im Unterschied zu anderen Ansätzen handelt es sich hier um einen
kulturbezogenen Fremdsprachenunterricht, der den Lernenden die Möglichkeit bietet,
die fremde Kultur durch ihre eigene Kultur zu verstehen. Das Ziel ist, mit fremden
Gesellschaften und Kulturen umgehen zu können. Nur so können Vorurteile, Klischees
oder ethnozentrische Sichtweisen abgebaut werden. Die gezielte Themenauswahl und




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verschiedene    Arbeitsformen         sensibilisieren   die   Lehrenden       dazu,       sich   mit
fremdenkulturellen Phänomenen kritisch auseinander zu setzen.


Obwohl der interkulturelle Ansatz heute als dominierender Ansatz wahrgenommen
wird, beinhaltet die Landeskunde im Fremdsprachenunterricht alle drei Aspekte, weil
sie sich gegenseitig bedingen. Obwohl jeder von ihnen schon in der Geschichte ein
anderes Ziel verfolgte und in einer anderen Periode zur Geltung kam, sind alle drei
wichtig bei der komplexen Auffassung von Landeskunde. Der kognitive Ansatz spielte
in der Landeskunde eine wesentliche Rolle schon Ende des 19. Jahrhunderts,
wo   aufgrund    des    wirtschaftlichen        Aufschwungs     ein     Bedarf       an     (Fremd-
sprachen-)Kenntnissen       aus     den   Bereichen     Wirtschaft    oder     Verkehr        wuchs
(vgl. Lüger, 1991, 22-23). Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde wiederum die
Betonung auf fremde Sprachen und Literatur gelegt. Statt sprachliche Kompetenz zu
entwickeln, orientierte man sich eher an die grammatischen Regeln. Erst seit den
60er Jahren des 20. Jahrhunderts kann man über Landeskunde im Zusammenhang mit
der kommunikativen und zum Teil auch interkulturellen Kompetenz sprechen. Alle drei
Ansätze sind aber mit den modernen Zielen der Landeskunde, wie ich sie oben
beschrieben habe und wie man sie heute kennt, noch nicht ganz vergleichbar.


Auch im offiziellen tschechischen Dokument, dem Rahmenbildungsplan, der für die
Schulen verbindlich ist, sind alle drei Aspekte der Landeskunde zu beobachten. Als
wichtige Ziele und zugleich Rahmenbedingungen beim Erlernen einer Fremdsprache
wurden neben der Grammatik oder Lexik auch einfache kommunikative Mitteilungen
in Alltagssituationen (Begrüßung, Treffen, Bitten, Danken, Vorstellung usw.) sowie
thematische Bereiche aus der Ziel- und Ausgangskultur in Verbindung mit Fakten
(Schulwesen,     Familie,         Feste   und     Bräuche,     Reisen        usw.)        festgesetzt
(vgl. RVP ČR, 2007).




                                                                                                  15
Im Laufe meiner Schulzeit lernte ich mehrere Lehrer kennen, die landeskundliche
Themen im Unterricht unterschiedlich thematisiert haben oder ihnen nur wenig
Aufmerksamkeit gewidmet haben. Solange ich mich erinnern kann, wurde der
Fremdsprachenunterricht an der Grundschule praktisch nur an das Erlernen von
Grammatik und sprachlichen Strukturen orientiert. Kein Faktenwissen, keine
Informationen zur Kultur des Ziellandes.
Obwohl später am Gymnasium die Grammatik immer noch im Vordergrund stand,
wurden jetzt auch „Alltagsthemen“ im Unterricht thematisiert. Themen wie Feste und
Bräuche zu Weihnachten oder Ostern, Schulwesen, Familie oder Reisen waren nun ein
Teil des Unterrichts. Vielmehr als auf eine kontrastive Weise die Informationen zu
bearbeiten, ging es darum, sie auswendig zu lernen, um beim Prüfen zu zeigen, dass
man gut vorbereitet ist. Dann waren sowohl der Lehrer, als auch der Lerner zufrieden.
Solche Einstellung des Lehrers konnte die kommunikative Kompetenz der Schüler nicht
verbessern und im Endeffekt auch nicht verbesserte.
An der Hochschule lernte ich zwei unterschiedliche Auffassungen der Landeskunde von
zwei Lehrern kennen. Ein Deutschlehrer präsentierte auf eine sehr unterhaltende Art
und Weise die Unterschiede zwischen der tschechischen und deutschen Kultur. Der
Landeskundeunterricht war zum großen Teil an Praxis orientiert und den Studenten
wurde ein großer Raum zu eigenen Erfahrungen und Erlebnissen eingeräumt. Man
konnte viel diskutieren und eigene Meinung zum Stoff äußern. Debatten über Klischees,
Stereotypen oder Vorurteile machten den Unterricht interessant und lebhaft.
Andererseits erlebte ich einen Landeskundeunterricht, in dem sich ein Muttersprachler
nur an die „trockene“ Theorie orientierte. Daten und Fakten aus der Geschichte,
Wirtschaft oder Politik der Bundesrepublik bildeten den Kernpunkt des Unterrichts.
Kein Wunder, dass solches Landeskundeunterricht von den Studenten als langweilig
und „nichts sagend“ empfunden wurde.
In Landeskunde sollen die Schüler lernen, sich nicht nur sprachlich korrekt ausdrücken
zu können, sondern auch die Unterschiede zwischen den Kulturen zu suchen, zu
vergleichen und sie auch akzeptieren zu können. Der Fremdsprachenunterricht sollte
eine Mischung von den drei landeskundlichen Ansätzen darstellen, um die Schüler auf
die Begegnung mit der fremden Kultur in ihrer ganzen Ausdehnung vorzubereiten.




                                                                                   16
Ansätze der Landeskunde (Janíková, Michels-McGovern 2001, 59)


Didaktisches          Kognitiver Ansatz       Kommunikativer          Interkultureller
Konzept                                       Ansatz                  Ansatz/kulturbe-
                                                                      zogenes Lernen
Didaktischer Ort      Eigenes                 Im                      Im
                      Fach/selbständige       Fremdsprachenunterricht Fremdsprachenunterricht
                      Unterrichtseinheit
Übergeordnetes Ziel   Wissen: Systematische   Kommunikative              Kommunikative und
                      Kenntnisse über Kul-    Kompetenz: In der          kulturelle Kompetenz:
                      tur und Gesellschaft    Lage sein, sich ohne       sich und andere besser
                      aufbauen                Missverständnisse zu       verstehen
                                              verständigen
Inhalte               Soziologie              Wie Leute wohnen           Alle Repräsentationen
                                              Wie Leute sich erholen     der Zielkultur im
                                              Wie Leute miteinander      Unterricht: Ihre Bedeu-
                                              in Verbindung treten       tung innerhalb der
                                                                         Zielkultur und für die
                                                                         Lernenden


                      Politik                 Wie Leute am Gemein-
                                              wesen teilnehmen

                      Wirtschaft              Wie Leute sich versorgen
                                              Wie Leute arbeiten-/
                                              ihren Lebensunterhalt
                                              sichern
                      Kultur                  Wie Leute sich bilden
                                              (kulturelle Tradierung)
                      Geschichte

                                                            
                      LANDESBILD              ALLTAGSKULTUR/- FREMD-/KULTUR-
                                              GESPRÄCHSTHEMEN VERSTEHEN




Wie man der Tabelle entnehmen kann, haben sich Inhalte und landeskundliche Ansätze
im Laufe der Jahre ständig verändert. Die traditionelle Konzeption von Landeskunde als
Vermittlung von Faktenwissen über die Zielsprachenkultur wurde den Entwicklungen
der Realität nicht mehr gerecht. So entstanden erstmals mit Beginn der 1980er Jahre,
verstärkt seit Anfang 1990er Jahre Überlegungen, wie der Fremdsprachenunterricht die
Schüler besser auf die neuen Anforderungen in der Realität, die sich durch deutliche



                                                                                           17
Zunahme direkter Kontakte zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen und durch
die Entstehung multikultureller Gesellschaften auszeichnet, vorbereiten kann. Dabei
wurde auch der Begriff „Kultur“ angeknüpft. In der traditionellen Landeskunde wurde
der Kulturbegriff im Fremdsprachenunterricht vor allem als Literatur, Kunst, Musik
oder Wissenschaft des jeweiligen Landes verstanden; es handelte sich um so genannte
„Hochkultur“, die die Bereiche der Alltagskultur nicht berücksichtigt hat. Kultur aus
heutiger Sicht (erweiterter Kulturbegriff) kann man nach dem Wörterbuch der
Soziologie als „Gesamtheit der Lebensformen, Wertvorstellungen u. der durch mensch.
Aktivitäten geformte Lebensbedingungen einer Bevölkerung in einem historisch und
                                                               3
regional abgrenzbaren Raum“ verstehen [...].“                      Das heißt Leute, die bestimmte
Handlungspraktiken, Vorstellungen oder Denkweisen gemeinsam haben, bilden
kulturelle Gruppen. Dabei ist zu betonen, dass die Kultur nicht mit der Gesellschaft
gleichzusetzen         ist,    da     Gesellschaft      eine       komplexe         und   differenzierte
Organisationsstruktur ist, die keine Einheit bildet und durch große innere Unterschiede
gekennzeichnet ist. So können mehrere Kulturen in einer Gesellschaft (in einem Land)
zusammen leben, was natürlich bestimmte Probleme auslösen kann. Auf diese
Unterschiede sollten die Lernenden in einem Landeskundeunterricht hingewiesen
werden, um Missverständnisse oder ungewollte Reaktionen von Gesprächspartnern zu
vermeiden.


1.4 „Migration“ als Thema der Landeskunde


Da die „Zuwanderung und Integration von Ausländern“ in Deutschland zum Kernpunkt
meiner Diplomarbeit werden, habe ich im Zusammenhang mit der Landeskunde
überlegt, wie dieses Thema in den Fremdsprachenunterricht integriert werden kann.
Obwohl es überwiegend um die Auseinandersetzung mit den sachlichen Informationen
geht, erfahren die Schüler interessante Informationen aus der deutschen Geschichte und
Gegenwart. Auch die Situation der Menschen, die ihr Heimatland verlassen, um in
einen anderen Staat einzuwandern, wird ihnen bewusst.




3
    vgl. Hillmann: Wörterbuch der Soziologie. (Unter http://www.ned.univie.ac.at)



                                                                                                     18
Meiner Meinung nach bietet dieses Thema im Rahmen der Landeskunde viele
Möglichkeiten, wie man sich mit dem Phänomen Migration auseinandersetzen kann.
Einerseits kann man sich nur an die geschichtlichen Fakten orientieren und z. B. nach
den Ursachen der Migration gemeinsam mit den Schülern suchen, andererseits können
die Folgen der Migration thematisiert werden. In diesem Fall wäre für die Lernenden
bestimmt nützlich, die Auswirkungen der Migration in Deutschland und Tschechien zu
vergleichen. Man kann aber auch auf diese zwei Möglichkeiten ganz verzichten und die
Migration als Zuwanderung von Menschen betrachten, die mit ihrer eigenen
spezifischen Kultur, Sprache und Traditionen einreisen. Die Schüler könnten sich
z. B. auf die verschiedenen kulturspezifischen Unterschiede zwischen den
Einheimischen und Ausländern konzentrieren und dabei ihre eigenen Erfahrungen zum
Thema äußern. Die „Migration“ bietet einen großen Raum zu verschiedenen
Diskussionen, Meinungen oder Vorschlägen. Vor allem auf Grund authentischer
Materialien, Bilder oder im Rahmen eines Projektunterrichts kann sie sehr „bunt“
behandelt werden und so für die DaF - Lerner interessant sein.




                                                                                  19
2. Migration


Im vorigen Kapitel befasste ich mich mit der Landeskunde als einem wesentlichen Teil
des Fremdsprachenunterrichts. Das Thema „Migration“ als einen möglichen
Unterrichtsstoff wählte ich nicht zufällig. Denn die Migration, ihre Ursachen, Formen
und letztendlich die Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft werden auf folgenden
Seiten eine zentrale Rolle spielen. Wie schon der Titel andeutet, werden die
Wanderungsbewegungen bzw. die Diskussion um Zuwanderung und Integration zum
Kernpunkt meiner Diplomarbeit sein. Da verschiedene Definitionen von Migration im
Umlauf sind, werde ich mich in diesem Kapitel vor allem auf die Definition
konzentrieren, die für meine Arbeit wichtig ist.


Was kann man sich unter dem Begriff Migration vorstellen? Beim Lesen von
verschiedenen Definitionen ist festzustellen, dass dieser Begriff gar nicht so einfach zu
definieren ist. Meiner Meinung nach haben viele Menschen beim Hören oder Lesen
dieses Wortes eine bestimmte Vorstellung, was sich unter dem Begriff verbergen
könnte. Diese Vorstellung ist sicherlich von Menschen zu Menschen unterschiedlich,
denn man verbindet seine Vorstellungen mehr oder weniger mit eigenen Erfahrungen
und Vorwissen, die einen positiven, aber auch negativen Charakter haben können.
Die Suche nach einer allgemein gültigen Definition von Migration, die alle Aspekte und
Formen in ihrer ganzen Ausdehnung beschreiben und erklären würde, war gar nicht
einfach. Einige Autoren, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen, beschreiben die
Migration allgemein als Wanderung im Sinne der räumlichen Bewegung von
Menschen. Auch im Brockhaus (vgl. Der Brockhaus, 2003, S. 255) werden unter
Migration „Wanderungsprozesse von Individuen oder Gruppen innerhalb einer
Gesellschaft oder zwischen Gesellschaften und ihren verschiedenen geographsichen,
wirtschaftlichen und kulturellen Lebensbereichen [...]“ verstanden. In diesem
Zusammenhang ist zu betonen, dass es sich um Migration im Sinne der Soziologie und
Politik handelt, denn bei der Suche nach einer Begriffserklärung sind auch Definitionen




                                                                                      20
aus anderen Bereichen zu finden (z. B. Biologie oder Geologie), die jedoch für mein
Thema nicht relevant sind.4


So konnte wahrscheinlich zum Zweck der Wanderung der Begriff Migration entwickelt
werden. Nach der älteren Auffassung der Definition versteckt man unter Migration
vorwiegend die Wanderung von Bevölkerungsgruppen im Rahmen verschiedener
Länder. Das deutsche Bundesministerium des Innern schränkt die Definition von
Migration noch weiter ein, indem es sich ausschließlich auf die Migration ausländischer
Arbeitskräfte in Deutschland vor 40 Jahren konzentriert.5 Diese Definition wirkt
„altmodisch“ und muss meiner Meinung nach überarbeitet werden, weil sie der
aktuellen Entwicklung der Wanderungsbewegungen nicht entspricht. Es muss bewusst
gemacht werden, dass es heutzutage mehrere Formen von Migration gibt, mit denen
man im Alltag konfrontiert werden kann.


2.1 Formen der Migration


2.1.1 Auswanderung


Vereinfacht könnte man sagen, dass Migration ein längerfristiger Wechsel des
Wohnortes eines Menschen ist. Bei einer Form der Migration, der Auswanderung, die
der alten Auffasung der Definition am meisten entspricht, verlassen Menschen ihr Land,
um sich in einem anderen Land niederzulassen. Die Gründe, die sie zum Auswandern
bewegen, können einen vielfältigen Charakter haben; so verlassen die Menschen ihr
Land, weil sie sich z. B. nicht mehr im eigenen Zuhause sicher fühlen oder eine
Bedrohung wegen ihrer Hauptfarbe oder politischer Überzeugung empfunden. Die
politische oder wirtschaftliche Situation im Land gibt ihnen einfach keine Möglichkeit
mehr, ein normales, würdiges Leben zu führen. Diese Menschen sind auf Grund der
Geschehnisse im eigenen Staat gezwungen, auszuwandern und als Vertriebene oder
Flüchtlinge eine Zuflucht in einem anderen Land zu suchen.


4
 vgl. Migration. Meyers Lexikon Online. (Unter http://lexikon.meyers.de)
5
 vgl. Lexikon der Innenpolitik - Migration. Bundesministerium des Innern.
(Unter http://www.bmi.bund.de)



                                                                                    21
2.1.2 Einwanderung


Aus einer anderen Perpektive, d. h. aus der Perspektive des Aufnahmelandes spricht
man über Einwanderung. Auch bei diesem Typ der Migration gibt es verschiedene
Faktoren und Gründe, die einen Anlass zum Wechsel des Wohnortes geben.
In diesem Fall spielt die Hauptrolle, umgekehrt als bei der Auswanderung, das Zielland,
das auf Angehörige anderer Staaten anziehend wirken kann. 6 So entscheiden sich
Menschen freiwillig, ihren Lebensmittelpunkt manchmal sogar über die halbe Welt zu
versetzen. Diese Migranten bewegen verschiedene Motive, ihre alte Umgebung
aufzugeben. Als die wahrscheinlich wichtigste Antriebskraft zur Einwanderung in ein
fremdes Land ist meiner Meinung nach die Arbeit. Denn ein sicherer Arbeitsplatz,
verbunden mit gutem Verdienst und besserem Wohlstand lockt die Migranten, auf alles
in ihrem Heimatland zu verzichten und eine neue Zukunft in einem anderen Land
aufzubauen.
Die Wanderung allgemein bedeutet einen Schritt in die Fremde. In das fremde Land,
in die fremde Kultur, in die fremde Sprache. Es ist ein wichtiger Lebensschritt, der das
Leben        von    Menschen        meistens     von     Grund   auf   verändert.   Auszuwandern
bzw. einzuwandern braucht Entschluss, Mut und vor allem viel Kraft dazu, alles, was
man aufgibt, im neuen Land wieder aufzubauen. Oft geht es um eine komplett andere
„Welt“ mit vielen Hindernissen, mit denen die Migranten Tag für Tag kämpfen müssen.
Es ist sicherlich ein sehr schwieriger und auch trauriger Weg, wenn man auf alles, was
einem die Sicherheit und Geborgenheit gibt, zu Hause zu sein, verzichten muss, um den
Schritt in die Fremde zu wagen. Mann sollte vorbereitet sein, nicht nur die positiven
Seiten der Einwanderung zu genießen, sondern auch mit den negativen Auswirkungen
zu rechnen und sie zu bekämpfen. Man muss auch genug stark sein, das erste Auftreten
eines Problems lösen zu können. Die größte Aufgabe der Einwanderer ist dann, sich
unter die einheimische Bevölkerung einzugliedern, ohne Angst zu haben, ihre eigene
Identität bzw. ihre Kultur und Traditionen aufgeben zu müssen.




6
    vgl. Moritz, 1999/2000. (Unter http://content.grin.com)



                                                                                              22
Die oben beschriebenen Formen der Migration, die Auswanderung und Einwanderung,
sind für bessere Orientierung zu dem Oberbegriff „Außenwanderung“ einzuordnen,
d. h., dass seit Jahrhunderten die Menschen über die Landesgrenzen wandern.
Mindestens genauso alt ist eine so genannte „Binnenwanderung“, wobei Menschen
ihren Wohnort nur innerhalb des eigenen Landes wechseln.7 Ein gutes Beispiel aus der
Geschichte könnte z. B. die Zeit der industriellen Revolution sein, als es zur massiven
Flucht vom Land in die Städte gab. Die Gründe, die diese Form der Migration
veranlassen, unterscheiden sich von denen, die bei der Außenwanderung eine
wesentliche Rolle spielen. Eins haben diese Menschen aber gemeinsam. Sie gehen
dorthin, wo sie nach ihren Vorstellungen ein besseres Leben haben können.
Die Binnenwanderung ist auch nicht so „drastisch“ in dem Sinne, dass man in ein
anderes Land kommt, wo manchmal komplett unterschiedliche Kultur ist und eine
fremde Sprache gesprochen wird. Eine Migrationsform im Bezug auf die ökonomische
Zentralisierung ist die Übersiedlung vom Land in die Stadt, die wiederum durch die
Stadtflucht kontrastiert wird. Deutlicher ist diese Situation an dem Alter der Menschen
zu beobachten. Vereinfacht könnte man sagen, dass die, die sich heutzutage für ein
Leben in einer (Groß)Stadt entscheiden, sind meistens junge, unabhängige Menschen,
die wegen besseren Arbeitsmöglichkeiten in die Stadt kommen und dort auch ihr Leben
genießen wollen. Während die älteren Menschen oder Familien mit Kindern aus der
Stadt fliehen und ihr neues Zuhause auf dem Land suchen.


Auf keinen Fall möchte ich diese Wanderungsbewegungen verallgemeinern. Ich wollte
nur deutlich machen, dass Migration kein einfach definierbarer Begriff ist und dass man
mehrere Formen der Migration unterscheiden muss. Die Menschen tun einfach das, was
sie für richtig halten und die Historiker und Soziologen finden danach einen Namen
dafür. Jede diese Form hat ihre Vor- und Nachteile, die auch unerwartete soziale oder
gesellschaftliche Probleme bringen können. Wenn man sich aber entscheidet und
endlich den Schritt wagt, seinen Lebensmittelpunkt auf einen anderen Ort zu versetzen,
muss man auch damit rechnen, dass dieser Weg sehr lang und aufwendig sein kann.




7
    vgl. Wanderung. Meyers Lexikon Online. (Unter http://lexikon.meyers.de)



                                                                                    23
2.2 Menschen mit Migrationshintergrund


Wenn ich beim Thema Migration bin, möchte ich noch auf einen, ins Blickfeld des
Interesses geratenen Begriff hinzuweisen, an den man in verschiedenen Artikeln
antreffen kann. Selber habe ich mich davon überzeugt, dass eine bestimmte Benennung
im Zusammenhang mit Migranten sehr häufig vorkommt, meiner Meinung nach aber
sehr „unglücklich“ klingt. Es ist zwar Paradox, aber Leute, die in Deutschland geboren
wurden und damit als Deutsche gelten sollten, fühlen immer noch nach allen den Jahren
des Zusammenlebens mit „richtigen“ Deutschen am eigenen „Leib und Seele“ die
Herkunft ihrer (Groß)Eltern. Solche Menschen werden als „Menschen mit
Migrationshintergrund“ bezeichnet, was ihnen das Gefühl gibt, dass sie doch anders
sind als die Einheimischen.8
Nicht nur die in Deutschland geborenen Ausländer, sondern auch zugewanderte
bzw. eingebürgerte Migranten sowie Kinder mit zumindest einem ausländischen
Elternteil werden dieser Gruppe zugeordnet. Vor allem manche Jugendlichen wissen
selber nicht, ob sie der deutschen Gesellschaft richtig zugehören, obwohl ihre
Integration nach außen gut wirkt. Zwar stammen ihre Eltern aus dem Ausland, (oder
leben seit langer Zeit in Deutschland und sind eingebürgert) sie selber aber kamen in
Deutschland zur Welt, sprechen fehlerfrei deutsch und haben keine Schwierigkeiten mit
ihrem Umfeld. Trotzdem fühlen sie sich oft ausgegrenzt und von anderen Leuten nicht
richtig angenommen. In diesem Sinne habe ich überlegt, wie viele Jahre oder sogar
Generationen muss man in Deutschland leben, damit man als Deutscher akzeptiert
wird? Dabei musste ich feststellen, dass es auf diese Frage keine befriedigende Antwort
gibt. Denn heutzutage werden mit diesem Begriff immer noch solche Menschen
bezeichnet, die sogar als dritte Generation der Ausländer im Land leben und mit dem
Herkunftsland ihrer Eltern nichts zu tun haben. Nach Angaben des Bundesministeriums
des Innern kann man davon ausgehen, dass jeder fünfte in Deutschland lebende Mensch
einen Migrationshintergrund hat.9




8
   vgl. „Du bist Ausländer und du bleibst Ausländer“. Studie über junge Menschen mit
Migrationshintergrund in Deutschland. (Unter http://www.uni-oldenburg.de)
9
  vgl. Statistik. Bundesministerium des Innern. (Unter http://www.zuwanderung.de)



                                                                                    24
Da die Wanderung und damit verbundene Schwierigkeiten eine Basis für meine Arbeit
darstellen, werde ich an dieses Thema auch in den nächsten Kapiteln anknüpfen. Für
eine bessere Orientierung werde ich mich ausschließlich auf die Einwanderung der
Migranten nach Deutschland konzentrieren. Diese Form der Migration prägte die
2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und beeinflusste das Selbstverständnis der
bundesdeutschen Gesellschaft. Die Menschenmassen, die nach Deutschland kamen,
lößten viele unerwartete Probleme aus, die bisher der deutsche Staat in so großer Maße
nicht lösen musste. Deswegen werde ich mich im Folgenden mit der Entwicklung von
Immigration und mit der aktuellen Diskussion um Integration beschäftigen.




                                                                                   25
3. Kurzer geschichtlicher Überblick

Auf folgenden Seiten werde ich an die Migration, die das Hauptthema des vorigen
Kapitels war, anknüpfen. Noch einmal möchte ich betonen, dass ich mich in meiner
Arbeit vor allem auf die Migration Richtung Deutschland konzentrieren will, obwohl
die Auswanderung der deutschen Bevölkerung auch ihre wichtige Rolle in der
Migrationsgeschichte spielte. Da diese Form der Migration aber nicht relevant für mein
Thema ist, werde ich mich mit ihrer Entwicklung nicht beschäftigen. Trotzdem kann sie
in dem Text im Zusammenhang mit der Einwanderung der Migranten vorkommen. Für
ein besseres Verständnis der Problematik ist dieses Kapitel hauptsächlich auf die
Migrationsursachen in der BRD ausgerichtet, weil die Wanderungsbewegungen in der
DDR von kleinerer Bedeutung für meine Arbeit sind. Ihr Zusammenhang mit der
ganzen Migrationsentwicklung auf dem deutschen Gebiet ist aber keinesfalls
auszuschließen.


Wenn ich die Einwanderung nach Deutschland am Anfang des 19. Jahrhunderts
übergehe, wo auf Grund des Ersten Weltkrieges vor allem ausländische Zwangsarbeiter
in den deutschen Unternehmen und Behörden beschäftigt waren, könnte erst die Zeit
nach   dem   Zweiten    Weltkrieg   als   die   richtige   „Blütezeit“   der   deutschen
Einwanderungsgeschichte bezeichnet werden. Denn im Laufe der Jahre wurde
Deutschland zum Ziel von vielen Migranten, die nicht nur aus Europa, sondern auch aus
außereuropäischen Staaten stammten. Um dieses Ausmaß der Migrationsbewegungen
besser zu demonstrieren, lasse ich kurz die Zahlen sprechen. Schon auf den ersten Blick
ist klar, dass die Zahl derer, die in die BRD gekommen waren, wesentlich die Zahl der
ausgewanderten Menschen überstieg. Denn allein zwischen 1950 und 1998 kamen fast
dreißig Millionen Menschen als Arbeitsmigranten, Asylbewerber oder Aussiedler nach
Deutschland, in demselben Zeitraum verließen das Land aber nur ca. zwanzig Millionen
Deutsche und Ausländer. Die Situation in den beiden deutschen Staaten war nicht
einheitlich und wies ziemlich große Unterschiede aus. Während die Bundesrepublik das
Ziel für ca. vierzehn Millionen Einwanderer wurde, verließen dagegen fast sechs
Millionen Menschen den Osten des Landes (vgl. Münz, Seifert, Ulrich, 1999, 16-19).
Obwohl die Zahl der ausländischen Bevölkerung in den letzten Jahren leicht



                                                                                     26
zurückging,    lebten      Ende   des    Jahres   2005   15,3     Millionen   Menschen   mit
Migrationshintergrund auf dem deutschen Gebiet, davon 7,3 Millionen ausschließlich
mit ausländischer Staatsangehörigkeit (vgl. Statistisches Bundesamt, 2007).


Nach Helga Herrmann (vgl. Herrmann, 1992, 1) ist in Deutschland mit der Zeit „eine
komplexe,     für    den     einzelnen    Bürger    aber    oft    schwer     durchschaubare
Zuwanderungssituation entstanden.“ Angehörige einer Kultur treffen hier auf
einheimische Deutsche oder „einheimische“ Ausländer, die seit vielen Jahren in
Deutschland leben. Und es kommen Fremde aus dem Ausland, die im Bundesgebiet als
„Deutsche unter Deutschen“ leben wollen. Wodurch ist diese Situation entstanden und
welche Anlässe zu dieser Entwicklung geführt haben, das möchte ich im Folgenden
näher beschreiben.
Für einen besseren Überblick versuche ich die Migranten, die in die Bundesrepublik
kamen, chronologisch in vier große Einwanderungsgruppen einzuordnen. Ich werde
mich dabei nur auf die wichtigsten Informationen und Motive konzentrieren, die für ihre
Einwanderung entscheidend waren. Da die Integrationsmaßnahmen in dem vierten
Kapitel vorkommen, werden sie auf dieser Stelle nicht weiter thematisiert.


3.1 Vertriebene und Heimkehrer


Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde in Deutschland durch enorme
demographische Bevölkerungsverschiebungen gekennzeichnet. Wurzeln des Übels sind
im Zweiten Weltkrieg zu suchen. Unmittelbar nach dem Kriegsende wurden diese
Menschenwanderungen vor allem durch Flüchtlinge, Vertriebene und Kriegsgefangene
geprägt. Schon die Bezeichnung „Vertriebene“ gibt ein deutliches Zeichen dafür, dass
es sich in diesem Fall um keine freiwillige Wanderung handelte. So sind die
organisierte Deportation von Menschen, das erzwungene Verlassen des Heimatlandes
oder die Flucht unter Androhung von Gewalt nur einige Möglichkeiten, wie man die
Situation der Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter schweren Bedingungen
aus ihrem Heimat fliehen mussten, beschreiben kann. Selber der Begriff




                                                                                         27
„Zwangsmigration“ beinhaltet das schwere Schicksal der Menschen, die von den
Ereignissen des Krieges stark betroffen wurden.10


In Deutschland wurden als Vertriebene insbesondere deutsche Staatsangehörige
bezeichnet, die vor dem Kriegsende die Gebiete besiedelten, die damals zum Deutschen
Reich gehörten. Nachdem Deutschland den Krieg verlor und die Landesgrenzen
Europas geändert wurden, wurden die Menschen gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen.
Von nun an begannen die Flucht und eine millionenfache Vertreibung der Deutschen
aus den Ostprovinzen des Reiches und den Siedlungsgebieten in Ost-, Mittel- und
Südeuropa.11 Die Zahlen sprechen für sich. Etwa vierzehn Millionen Menschen
flüchteten Richtung Westen oder wurden vertrieben bzw. deportiert. Knapp dreizehn
Millionen von ihnen waren in die Bundesrepublik und in die DDR gelangt, andere
ließen sich in Österreich und anderen Ländern nieder. Die größte Gruppe von
Flüchtlingen und Vertriebenen, etwa sieben Millionen Menschen, kam aus den
ehemaligen deutschen Ostgebieten. Die zweitgrößte Gruppe bildeten fast drei Millionen
Menschen aus der Tschechoslowakei.12 Bei dieser drastischer Form der Wanderung
haben viele Menschen das Zielland nicht erreicht, ihre Familienangehörige verloren
oder selber ums Leben gekommen.


Das Kriegsende war auch ein wichtiger Markstein für einen großen Teil von Menschen,
die nun aus dem Krieg in ihr Heimatland zurückkehren konnten. Wenn Millionen von
deutschen Männern in den Krieg einberufen wurden, begann das nächste Kapitel von
demographischen Wanderungen, das erst nach ihrer Rückkehr abgeschlossen werden
sollte. Da sie sich an dem Zivilleben und der deutschen Wirtschaft nicht beteiligen
konnten, wurde diese Lücke vor allem durch Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und
Frauen ausgefüllt. Schätzungsweise sind fast drei Millionen deutsche Soldaten in die
sowjetische Gefangenschaft geraten, aus der sie erst nach dem verlorenen Krieg
entlassen wurden. Wenn sie als „Heimkehrer“ zurück nach Deutschland kamen,
versuchten sie im Konkurrenzkampf mit anderen Personen, dessen Leben durch den



10
   vgl. Mannes, S.: Demographischen Verschiebungen in Deutschland 1945. (Unter http://www.shoa.de)
11
   vgl. Lexikon. Vertriebene. (Unter http://www.hanisauland.de)
12
   vgl. Flüchtlinge. Bundeszentrale für politische Bildung. (Unter http://www.bpb.de)



                                                                                                 28
Krieg in vielen Fällen komplett zerstört worden war, ihren Lebensunterhalt zu sichern.13
Viele von ihnen kehrten jedoch krank, verletzt oder arbeitsunfähig zurück und
brauchten eine intensive Betreuung, was eine große Belastung für den Staat bedeutete.
Auch Heimkehrer, ebenso wie Vertriebene, mussten in Deutschland integriert werden,
was aber aufgrund der Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges kaum lösbar schien. Erst
mit dem Wiederaufbau des Landes und der Hochkonjunktur in der Wirtschaft Anfang
der 50er Jahre konnte ein wesentlicher Teil von Flüchtlingen und Vertriebenen in die
Gesellschaft wirtschaftlich und sozial eingegliedert werden.


3.2 Gastarbeiter


3.2.1 Erste Generation der Gastarbeiter


Eine der wichtigsten Migrationsformen nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist die
Arbeitsmigration, obwohl sie in Deutschland später angefangen hat als in anderen
europäischen Staaten. Bis dahin verfügte Deutschland über genug einheimische
Arbeitskräfte. Erst ab Mitte der 50er Jahre und dem so genannten „Wirtschaftswunder“
wurde auch hier nach der Möglichkeit gesucht, den kurzfristigen Bedarf der Arbeitgeber
an Arbeitskräften durch die ausländischen Arbeitnehmer zu decken. So wurden durch
bilaterale Verträge, organisiertes Anwerbeverfahren und strenge Kriterien vor allem
unqualifizierte Arbeitskräfte, „Gastarbeiter“ genannt, im Ausland angeworben.
In verschiedenen Literaturquellen sind unzählige Definitionen zu diesem Begriff zu
finden, ich habe mich für die Definition von Karin Hunn entschieden, um einfach zu
demonstrieren,        was    sich    hinter   dieser    Bezeichnung       verbirgt.   Nach     Hunn
(vgl. Hunn, 2005, 9) sind Gastarbeiter „diejenige ausländischen Arbeitskräfte, die von
der Mitte der fünfziger Jahre bis zum Anwerbestopp im Jahre 1973 von der
bundesdeutschen Wirtschaft angeworben wurden. Diente er [der Begriff] anfangs der
positiven Abgrenzung vom historisch belasteten Begriff „Fremdarbeiter“, so erlangte
er in den Maße, in dem aus den „Gastarbeitern“ Einwanderer wurden, eine pejorative
Bedeutung.“ Dieser Begriff war also geprägt worden, um die andere Rechtsstellung zu
betonen, die die ausländischen Arbeitnehmer gegenüber den „Fremdarbeitern“ im

13
     vgl. Mannes, S.: Demographischen Verschiebungen in Deutschland 1945. (Unter http://www.shoa.de)



                                                                                                   29
nationalsozialistischen Deutschland besaßen. Gleichzeitig sollte die Wortprägung den
zeitlich begrenzten Aufenthalt der Ausländer in der Bundesrepublik zum Ausdruck
bringen. Dieser Begriff hat sich bis heute im deutschen Sprachgebrauch erhalten, auch
wenn er nicht mehr seinem ursprünglichen Sinn entspricht. Denn aus vielen der
damaligen „Gäste“ sind inzwischen Menschen geworden, die sich auf Dauer in
Deutschland aufhalten. Ihre Lebenssituation trägt nicht mehr den Charakter des
Provisoriums, wie das noch bei den Gastarbeitern in den 50er und 60er Jahren der Fall
war. Da die Gastarbeiter eine wichtige Rolle im Kapitel über Integration spielen, werde
ich dieser Einwanderungsgruppe mehr Aufmerksamkeit widmen als den anderen.


Da die BRD nur von einer „Ersatzfunktion“ der ausländischen Arbeitskräfte auf dem
inländischen Arbeitsmarkt ausging, wurde erwartet, dass sie wieder in ihr Herkunftsland
zurückkehren. An eine dauerhafte Niederlassung der Gastarbeiter war gar nicht zu
denken. Das war anfangs die Grundlage deutscher Anwerbungspolitik. Später zeigte
sich aber, dass es so nicht funktionieren kann. Nach dem am Anfang gewünschten
Zustrom von Gastarbeitern, die ab dem Jahr 1955 in die BRD aus Italien, Griechenland,
Spanien, der Türkei und anderen südlichen Staaten Europas eingereist sind, kam es zum
Wandel in der Anwerbungspolitik. Da der Rotationsprinzip14 nicht funktionierte und die
Zahl der ausländischen Arbeitnehmer sehr schnell nach oben kletterte, wurde im Jahre
1973 aus politischen und wirtschaftlichen Gründen die weitere Anwerbung von
Gastarbeitern gestoppt. Dieser „Anwerbestopp“, der als offizielle Bezeichnung gilt, ist
bis heute mit vielen Regeln und Ausnahmen gültig.
Durch diesen Schritt hat die deutsche Regierung erhofft, die Ausländerzahlen im Staat
zu verringern. Es wurde unter anderem beschlossen, die bestehenden Arbeitserlaubnisse
nicht zu verlängern, was für die Gastarbeiter weitreichende Folgen hatte. Denn ohne
Arbeitserlaubnis bekamen sie keine Arbeit und ohne Arbeit wiederum keine
Aufenthaltsgenehmigung. Da die betroffenen Personen verschoben wurden und die
ausländischen Arbeitnehmer ihre Zukunft in Deutschland nicht mehr so optimistisch
sahen,    kam      es    zu    dieser    Zeit    mehr      oder    weniger      zu    „freiwilligen“
Rückkehrwanderungen. Über das Wort „freiwillig“ könnte man diskutieren, denn es
war für die Gastarbeiter die einzige Möglichkeit, vor den strengen Restriktionen der
14
   Nach dem Rotationsprinzip sollten die Gastarbeiter in regelmäßigen Intervallen (nach 2 bis 3 Jahren)
in ihr Herkunftsland zurückkehren und durch neue Arbeitskräfte ersetzt werden.



                                                                                                    30
deutschen Regierung zu fliehen (vgl. Brüggemann-Buck, 1999, 34-36). Auch in anderen
Bereichen wurde es gehandelt. So wurde z. B. durch ein Wohngesetz das Wohnrecht
nur auf bestimmte Gebiete eingeschränkt, was einen diskriminierenden Charakter und
damit Verstoß gegen die Menschenrechte auszeichnete. Obwohl einige der Gastarbeiter
aufgrund     dieser    Maßnahmen        in   ihr   Heimatland       zurückkehrten,      lösten    die
Bestimmungen eigentlich einen anderen Effekt aus, als erwartet. Jetzt holten nämlich
viele ihre Verwandten und Kinder nach Deutschland und wollten sich dort dauerhaft
niederlassen. Die 80er und 90er Jahre sind deswegen durch eine weitere steigende Zahl
der Ausländer durch Familiennachzug und die bereits in der BRD geborenen Kinder
geprägt. Trotzdem gingen von den vierzehn Millionen Gastarbeitern, die bis zum
Anwerbestopp nach Deutschland kamen, elf Millionen wieder in ihre Heimatländer
zurück. Viele der Gastarbeiter, die geblieben sind, wurden mittlerweile eingebürgert
und somit zu deutschen Staatsbürgern.15


3.2.2 Zweite Generation der Gastarbeiter


Die erste Generation der Gastarbeiter hat bereits das Rentenalter erreicht und in
Deutschland ein zweites Zuhause gefunden. Als junge Menschen kamen sie damals in
die BRD, voll von Hoffnung, ein besseres Leben aufbauen zu können bzw. Geld zu
verdienen, um sich später ein besseres Leben in ihrem Heimatland sichern zu können.
Viele von ihnen sind nicht zurückgekehrt, sondern in Deutschland auf Dauer geblieben
und gemeinsam mit ihren Familien ein neues Leben angefangen. Ziel dieses Kapitels
ist, einen kurzen Blick in das Leben ihrer Nachkommen, der so genannten zweiten
Generation der Gastarbeiter zu werfen.


Da sich die politische Lage Mitte 70er Jahre im Staat veränderte, wurden jetzt auch die
Kinder, die bisher meistens bei ihren Großeltern im Ausland aufgewachsen sind, im
Rahmen der Familienzusammenführung in die BRD nachgeholt. Diese Tatsache
bedeutete eine komplett neue Situation für die deutschen Politiker, denn es gab keine
Institutionen, die die Förderung der Gastarbeiterkinder ermöglichen konnten.16 Auch für

15
  vgl. Trost/Linde: Geschichte der Gastarbeiter. (Unter http://www.planet-wissen.de)
16
  vgl. Aksit: Warum sich die Gastarbeiter und ihre Nachkommen nicht besser integrieren konnten?
(Unter http://www.agah-hessen.de)



                                                                                                  31
die Kinder und ihre Eltern war die plötzlich entstandene Situation schwierig, weil sie
von nun aus in zwei verschiedenen Kulturen und Sprachen aufwachsen sollten. Nicht
nur die komplett andere Sprache, sondern auch andere Umgebung und fremde Leute
lösten bei vielen Kindern Angst oder Abneigung aus, einige von ihnen mussten sogar
mit psychischen Problemen und Verhaltensstörungen kämpfen. Man versuchte sie in
normale Schulen einzugliedern, aber aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse wurden sie
nicht in ihrem Alter entsprechende Klassen eingestuft, weil sie einfach nicht in der Lage
waren, den Unterricht zu folgen. Das hatte unter anderem auch die Ablehnung der
Schulpflicht zur Folge. Auch in anderen Bereichen des Soziallebens hat sich die
mangelnde Sprache als Problem erwiesen. Die Kinder blieben meist alleine,
ausgegrenzt, isoliert. Die Entfremdung von den deutschen Kindern wurde noch tiefer.
Die Eltern konnten ihrem Nachwuchs auch nicht helfen, denn sie selber kämpften mit
Sprach- und Arbeitsproblemen, die an der Tagesordnung waren. Die Bindefunktion
zwischen      der    Familie      und     Schule     fehlte.    Trotz    vielen   Versuchen   und
Integrationsmaßnahmen, die die Situation der ausländischen Schüler verbessern sollten,
hat sich ihre soziale Lage in der Gesellschaft nicht verbessert. Auch wenn sie heute
mehrere Jahre in Deutschland leben, scheitern sie immer noch in der Schule, was sich
später auf ihre Arbeitssuche negativ auswirkt und das soziale Leben überhaupt
erschwert.


Allgemein kann man sagen, dass die Kinder der zweiten Generation zu der deutschen
Bevölkerung näher haben. Obwohl sie mehr Kontakt zu den Einhemischen haben als
ihre Eltern, muss darauf hingewiesen werden, dass immer noch markante Unterschiede
zwischen den beiden Kulturen bleiben, indem die Menschen mit Migrationshintergrund
z. B. seltener an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen und in ihrer Freizeit eher
„unter sich“ bleiben.17 Sie sind teilweise mit ihrem Heimatland verbunden, was ihre
Integration wesentlich erschwert. Auch ihre Lebenseinstellung gegenüber den
Deutschen kann man eher als pessimistisch klassifizieren. Sie leben zwischen zwei
„Welten“, zwischen zwei Kulturen mit verschiedenen Kulturstandards, Traditionen und
Werten, woraus sich Kulturkonflikte und besonders auch Familienkonflikte ergeben.
Das zeigt sich vor allem daran, wenn die Gastarbeiter der ersten Generation ihre
17
  vgl. Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e. V.
(Unter http://www.uni-protokolle.de)



                                                                                               32
Heimatkultur in der Familie bewahren wollen, während ihre Kinder versuchen, sich der
Kultur des Aufnahmelandes anzupassen.
Heute leben in Deutschland schon Enkelkinder der ersten Generation, die als dritte
Generation der Gastarbeiter bezeichnet werden. Diese Kinder wurden in Deutschland
geboren, beherrschen akzentfrei die Sprache, haben die deutsche Staatsbürgerschaft und
ihre ausländischen Wurzeln kann man höchstens an ihrem Aussehen oder Namen
erkennen. Das Heimatland ihrer Eltern oder Großeltern kennen sie meistens nur vom
Erzählen oder Urlaub. Mann könnte sagen, dass die Kinder der dritten Generation
besser in die Gesellschaft und Kultur integriert sind als ihre Eltern, obwohl eine
dauerhafte Bildung von Subkulturen, in die diese Kinder auch eintauchen, vielen einen
Kopfzerbrechen bereitet.


3.3 Aussiedler


Die dritte Gruppe von Migranten, die das Wanderungsgeschehen in Deutschland nach
dem Zweiten Weltkrieg beeinflusste, sind die Aussiedler. Diese Menschen werden nicht
als Ausländer klassifiziert, d.h, als Aussiedler gelten sie als Deutsche, die nach den
Gesetzen der Bundesrepublik berechtigt sind, in die BRD einzureisen, die deutsche
Staatsbürgerschaft zu erhalten und verschiedene Eingliederungshilfen in Anspruch zu
nehmen.
Als Aussiedler (auch Russlanddeutsche genannt) werden die Nachkommen von den
Deutschen bezeichnet, die vor mehr als zweihundert Jahren hauptsächlich aus
wirtschaftlichen Gründen das deutsche Gebiet verlassen haben, um sich im Ost- und
Südeuropa niederzulassen. Dort versuchten sie über Jahrhunderte, die deutsche Kultur
und Sprache zu bewahren.18 Erst ab dem Jahre 1976 besteht für sie die Möglichkeit zur
Ausreise nach Deutschland. Die Zahl dieser Deutschstämmigen, die nun aus den
Siedlungsgebieten in Russland, Kasachstan, Rumänien oder Polen in die BRD kamen,
hat sich wesentlich vergrößert und in den 90er Jahren ihren Höhenpunkt erreicht.




18
  vgl. Warum kommen Aussiedler nach Deutschland?
(Unter http://www.literaturatlas.de)



                                                                                   33
Insgesamt ist die Zahl der Aussiedler bis 2005 auf ca. 3,7 Millionen gestiegen. Die
Tendenz der letzten Jahre ist eher rückläufig.19


Die Aussiedler verließen ihr Haus und gaben ihre Bekannten und Verwandten auf, um
Tausende Kilometer weit weg nach Deutschland zu ziehen. Obwohl diese Menschen
deutsche Vorfahren haben, hatten sie in Deutschland keine sichere Zukunft. Die
Gründe, warum sie auf alles verzichteten und aus ihrem vertrauten Umfeld auszogen,
haben einen vielfältigen Charakter. Einige wollten nicht mehr als Minderheit im
Ausland leben und strebten danach, als „Deutsche unter Deutschen“ die Kultur und
Traditionen auszuüben, andere hatten die Zukunft ihrer Kinder im Auge. Denn trotz der
Schwierigkeiten, die das Auswandern mit sich bringt, gaben vor allem die besseren
Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten einen wichtigen Anlass dazu, sich in der BRD
niederzulassen. Es ist ziemlich überraschend, aber das größte Problem, mit dem sie
kämpfen mussten, war die deutsche Sprache und Kultur. Im modernen Deutschland
erkannten sie oft nicht mehr die Vorstellung wieder, die sie sich in ihren Heimatländern
von Deutschland gemacht hatten. Die meisten von ihnen konnten bei der Einreise auch
gar nicht deutsch sprechen und die, die das vermuteten, mussten feststellen, dass ihre
„Version“ der Sprache verkalkt klingt. Um die Menschen abzuhalten, die mit
Deutschland überhaupt nichts zu tun haben und ihre „deutschen Wurzeln“ erfinden, um
in die BRD einreisen zu können, wurde 1996 ein Nachweis von Deutschkenntnissen
eingeführt. Diese Bedingung ist seit dem Inkrafttreten des neuen Zuwanderungsgesetzes
im Jahre 2005 auch für Familienangehörige der Aussiedler (seit 1993 Spätaussiedler
genannt) verpflichtend.


Während die erste Generation der Aussiedler als „Deutsche aus Russland“
wahrgenommen wurde, werden die Jugendlichen heute eher als „Russen in
Deutschland“ gesehen und nicht mehr als richtige Deutsche akzeptiert. Ihre Integration
geht nur langsam voran, genauso wie bei der zweiten Generation der Gastarbeiter.
Ebenso weisen sie Probleme mit der Sprache aus, was sich in der Schule, später auf dem
Arbeitsmarkt und im sozialen Kontakt mit anderen Menschen wiederspiegelt. Alkohol,
Kriminalität und Kämpfe mit anderen Minderheiten sind keine Ausnahme. Obwohl die
19
  vgl. Aussiedler. Aussiedlermigration in Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung.
(Unter http://www.bpb.de)



                                                                                                34
Regierung viel für das Wohlhaben ihrer Landsleute macht, sind viele Aussiedler von
ihrer „Heimkehr“ eher enttäuscht. Vor allem die CDU/CSU hat sich viel in den
Aussiedlerfragen angagiert und sich für ihre Einreise in die BRD eingesetzt. Auch für
die Zukunft plant die CDU/CSU weiter diese Migrantengruppe auf allen Ebenen zu
unterstützen, weil ihre Mitglieder glauben, dass diese Menschen „ein Gewinn für unser
Land sind.“20 Trotzdem ist die Realität für manche schmerzhaft. Der Teil der
einheimischen Bevölkerung hat Vorbehalte gegenüber den Aussiedlern und kein großes
Interesse, sie als „Deutsche“ zu akzeptieren.


3.4 Flüchtlinge


Wie ich schon im Kapitel über Vertriebene und Heimkehrer angedeutet habe, gab es
aufgrund der Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges viele Flüchtlinge, die ihre Heimat
zusammen mit anderen Menschen verlassen mussten. Um die ganze Mosaik der
Einwanderungsgeschichte komplett zu machen, möchte ich mich in diesem Kapitel
ausschließlich auf die Flüchtlinge konzentrieren, die vor allem in den 80er und 90er
Jahren aus verschiedenen Gründen (politische Verfolgung, Kriege/Bürgerkriege,
rassistisch motivierte Verfolgung u. a.) nach Deutschland kamen, um dort einen
Asylantrag zu stellen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu betonen, dass die
Flüchtlinge, die nach Deutschland z. B. aufgrund politischer Verfolgung flohen, eine
andere Rechtsstellung genießen als Flüchtlinge, die unmittelbar nach dem Krieg ihr
Zuhause unter Zwang verlassen mussten. Da das Thema Flüchtlinge und das damit
zusammenhängende Asylverfahren ziemlich kompliziert und umfangreich sind,
verzichte ich auf die Details und konzentriere mich nur auf das Wichtigste.


Die Bundesrepublik kann man anhand der Geschehnisse der letzten fünfzig Jahre als ein
Land bezeichnen, wo viele Flüchtlinge aus unterschiedlichen Gründen eine
vorübergehende        oder      dauerhafte     Zuflucht      suchten.     Nach      der     Genfer
                         21
Flüchtlingskonvention         sind sie als Menschen zu bezeichnen, die wegen ihrer Rasse,


20
  vgl. Aussiedler. Die CDU steht auch künftig an der Seite der Aussiedler. (Unter http://www.cdu.de)
21
   Die Genfer Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 ist das wichtigste Dokument über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge. Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den 137 Staaten, die die
Konvention ratifiziert haben.



                                                                                                 35
politischer Überzeugung oder Religion in ihrem Heimatstaat verfolgt sind, oder
aufgrund der sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Bedingungen das Land
verlassen mussten. Vor mehr als dreißig Jahren waren es vor allem Flüchtlinge aus den
Ostblockstaaten sowie der damaligen DDR, die davon Profit machten. Sie wurden nicht
als Arbeitskräfte aufgenommen, sondern weil ihnen Gefahr in ihrem Heimatland drohte.
Ihre Zahl blieb zunächst niedrig, erst in den späteren 70er Jahren nahm sie deutlich zu.
Anfang 90er Jahre erlebte das wiedervereinigte Deutschland eine weitere Welle von
Flüchtlingen, die besonders aus den Gebieten geflohen sind, in denen Kriege,
Verfolgungen und Unfreiheit herrschten. Da im Jahre 1992 die Zahl der Asylbewerber
auf fast eine halbe Million stieg, wurde in Deutschland eine Debatte über die Änderung
des Asylrechts eingeleitet. Artikel 16 des Grundgesetzes sichert den politisch
Verfolgten Asyl zu. Dieses Individualrecht der politisch verfolgten Ausländer war in
Deutschland einzigartig und ging auf die Erfahrungen während der NS-Zeit zurück. Um
die zunehmende Zahl von Asylbewerbern zu bremsen, beantragte die Koalition aus
CDU/CSU und FDP eine Verfassungsänderung. Nach heftigen innerparteilichen
Kontroversen stimmte die SPD 1993 einer Grundgesetzänderung und damit der Reform
des Asylgrundrechts und Asylverfahrensgesetzes zu. Die Verfassungsänderung
schränkte das Recht, einen Asylantrag zu stellen, erheblich ein. Wer neuerlich aus
einem sicheren Herkunftsland oder aus einem sicheren Drittstaat 22 einreist, wird auf
Grund     der    so    genannten      „Drittstaatenregelung“       abgewiesen.      Seit   diesem
„Asylkompromiss“ sank die Zahl der Asylbewerber in Deutschland kontinuierlich ab.


Das Asylverfahren ist ein Prozess, der im Asylverfahrensgesetz geregelt ist. So werden
die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, erst in Erstaufnahmeeinrichtungen
verteilt, wo sie bei der zuständigen Behörde einen Asylantrag stellen müssen. Sehr
vereinfacht gesagt wird dann im weiteren Verfahren untersucht und entschieden, ob ihr
Asylantrag begründet ist. Im Fall, dass der Antragsteller als Asylberechtigter anerkannt
ist, d. h. er gilt als politisch Verfolgter, erhält er eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis;
im anderen Fall wird sein Asylantrag abgelehnt. Neben Asylberechtigten gibt es noch
weitere Gruppen von Flüchtlingen, die ich kurz charakterisieren möchte. Die wohl

22
   Als sichere Drittstaaten gelten derzeit alle Staaten der Europäischen Union, Norwegen und die
Schweiz. Auf das Asylrecht kann man sich nicht berufen, wenn man über diese Staaten nach Deutschland
eingereist ist. (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen, 1999)



                                                                                                 36
größte Gruppe der Flüchtlinge stellen De-facto-Flüchtlinge dar. Diese Bezeichnung
wird für Personen verwendet, die entweder keinen Asylantrag gestellt haben oder er
abgelehnt worden ist. Da in ihrem Herkunftsland konkrete Gefahr für Leben oder
Freiheit besteht, oder weil ihre Rückkehr aus humanitären oder anderen Gründen nicht
möglich ist, halten sie sich im Bundesgebiet auf. Eine weitere wichtige Gruppe sind
Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge, die vor allem wegen der Kriegsereignisse ihre
Heimat verlassen. Die meisten von ihnen sind keine Flüchtlinge im Sinne der Genfer
Flüchtlingskonvention, weil die Kriegssituation keine gezielte Verfolgung darstellt. Den
Konventionsflüchtlingen wird nach Genfer Konvention ein Abschiebungshindernis
zuerkannt, weil im Heimatland ihr Leben wegen ihrer Rasse, Religion oder
Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe bedroht ist. Sie bekommen jedoch
kein Asyl. Die Kontingentflüchtlinge werden wiederum im Rahmen der internationalen
humanitären Hilfsaktionen aufgenommen. Diese Menschen haben Recht auf ein
dauerhaftes Bleiben in der BRD (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für
Ausländerfragen, 1999). Unter die häufigsten Herkunftsländer der Flüchtlinge gehören
die Türkei, Serbien und Montenegro, Russland, Iran, Irak, Vietnam, China oder Nigeria.


Die, die trotz allen Schwierigkeiten die BRD erreicht haben, leben oft unter schweren
Lebensbedingungen. Sie müssen sich bis Abschluss ihres Asylverfahrens auf einem Ort
aufhalten, ein Jahr gilt für sie ein absolutes Arbeitsverbot; versorgt werden sie durch ein
monatiges Taschengeld und werden vorwiegend in kleine Gemeinschaftsunterkünfte
untergebracht. Kein Wunder, dass diese Menschen oft mit psychischen Problemen
kämpfen. Da die Flucht auch sehr oft unter dramatischen Umständen verläuft, werden
vor allem die Kinder von den Auswirkungen der Flucht stark betroffen.
In den letzten Jahren ist ein Rückgang in den Flüchtlingszahlen zu beobachten, was
vielfältige Gründe haben kann. Einerseits hat sich die Situation in den Herkunftsländern
verbessert, andererseits haben die gesetzlichen Regelungen für Flüchtlinge, die mit dem
Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes im Jahre 2005 noch beschränkt wurden, den
Asylantrag in der BRD erschwert. Trotzdem stellen von den 7,3 Millionen Ausländern
in Deutschland ca. 1,1 Millionen Flüchtlinge dar.




                                                                                        37
Fazit


Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war in der BRD durch Einwanderung vieler
Migranten geprägt, die aus vielfältigen Gründen und aus verschiedenen Ländern kamen.
Für alle Zuwanderer gleich ist die freiwillige oder unfreiwillige Entscheidung, in ein
anderes Land einzuwandern, von großen Umbrüchen begleitet. In Deutschland ist mit
der Zeit eine ziemlich unüberschaubare Zuwanderungssituation entstanden, die ich
versucht habe anhand von vier Einwanderungsgruppen anzunähern. Es ist wichtig zu
betonen, dass ich nur einen kurzen Überblick machen wollte, der in dem breiten
Spektrum der Wanderungsbewegungen nur als eine Orientierung helfen soll. Das war
auch der Grund, warum ich auf die Vollständigkeit der Informationen verzichtet habe.
Da für meine weitere Arbeit vor allem die Gruppe der Gastarbeiter relevant ist, werde
ich die anderen Migranten im nächsten Kapitel nicht thematisieren. Dem Leser muss
auch bewusst werden, dass nicht nur Vertriebene, Gastarbeiter, Aussiedler oder
Flüchtlinge die Geschichte der Einwanderung in Deutschland geprägt haben. Auch
andere Menschen, die in die BRD kommen, wie z. B. ausländische Eheleute,
Saisonarbeiter, IT-Fachkräfte oder Studierende, haben einen großen Teil daran, dass die
Diskussion um Integration ständig aktuell ist.




                                                                                    38
4. Diskussion um Integration


4.1 Deutschland, Einwanderungsland?


In den zwei vorigen Kapiteln habe ich mich mit dem Thema Migration und
Einwanderung befasst, indem ich auch die wichtigsten Migrationsgruppen beschrieben
habe. Dieses Kapitel wird vorwiegend der Diskussion um Integration gewidmet. Auf
folgenden Seiten versuche ich auf die Konzeptionen und Vorschläge politischer
Parteien und gesellschaftlicher Gruppen zur Steuerung der Einwanderung hinzuweisen,
die große Debatten auf der deutschen politischen Szene auslösten. Auch die Diskussion
um Integrationsmaßnahmen für die in der Bundesrepublik lebenden Ausländer und
Menschen mit Migrationshintergrund stellt einen wesentlichen Teil dieses Kapitels dar.


Bevor ich zu den oben genannten Punkten näher komme, muss ich noch um ein paar
Jahre zurückspringen, um erklären zu können, warum es überhaupt zu diesen Debatten
kam. Ich möchte besonders auf eine Frage aufmerksam machen, die im Zusammenhang
mit der Einwanderung von Migranten oft gestellt wurde. „Wurde Deutschland zu einem
Einwanderungsland?”, fragten nicht nur deutsche Politiker, sondern auch Medien und
Öffentlichkeit.   Die     Informationen     über     die    fünfzig     Jahre    lange
Einwanderungsgeschichte geben ein deutliches Zeichen dafür, dass Deutschland in
erster Linie zum Land wurde, wo unterschiedliche Völker mit ihren spezifischen
Kulturen zusammenleben. Diese, auf den ersten Blick klare Tatsache, wurde jedoch von
der Bundesrepublik bzw. ihren konservativen Vertretern lange bestritten und die
Bezeichnung „Einwanderungsland“ abgelehnt. Warum hatte Deutschland über mehrere
Jahre das Problem, sich öffentlich als Staat vieler Nationalitäten zu akzeptieren,
versuche ich im Folgenden zu erklären.


Um die anlehnende Haltung der deutschen Politiker gegenüber dieser Wirklichkeit
besser zu verstehen, muss ich mich kurz auf den Weg in die Vergangenheit machen,
noch lange vor dem Zeitpunkt, als erste Migrantengruppen den deutschen Boden
betreten haben. Genau gesagt in das Jahr 1871, als der deutsche Staat gegründet wurde.
Obwohl es schon damals sehr kleine ethnische Minderheiten in Deutschland gab, kam


                                                                                    39
man an den Gedanken einen Staat zu schaffen, der einheitlich ist und wo die
Bevölkerung Deutsch als Muttersprache spricht. Einfach gesagt - ein Land, ein Volk,
eine Sprache. Diese Konzeption des Nationalstaates hat sich auch im 20. Jahrhundert
erhalten, obwohl sie im Vergleich zu der damaligen Zeit mehr oder weniger verändert
worden ist. Die wichtigste Forderung, die nationale Identität der Einwohner zu
bewahren, blieb jedoch erhalten. Erst mit den wirtschaftlichen und politischen
Veränderungen in Europa wurde die Position des Nationalstaates aufs Spiel gesetzt.
Die Migration von Gastarbeitern und anderen Menschen mit ausländischer Herkunft
trug nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in anderen europäischen Ländern
zur   Entstehung     der    ethnisch    heterogenen      Gesellschaft    bei.   Das    nationale
Selbstverständnis der deutschen Bevölkerung wurde abgeschwächt. Auf einmal waren
„Fremde“ im Staat, die eigene Sprache sprachen und sich mit ihrer Kultur und
Traditionen unter die einheimische Bevölkerung einmischen wollten. Das war als eine
Bedrohung dieser Vorstellung von völkischer Nationalkultur empfunden.23 Die
Gesellschaft und Politik haben auf die Migranten unterschiedlich reagiert – ablehnend,
solidarisch, mitfühlend. Trotzdem wollte man nicht auf den Gedanken verzichten, dass
man ein Volk ist, das über kulturelle Gemeinsamkeiten, Sprache, Geschichte und
Wertvorstellungen verfügt. Man versuchte, eine ethnisch homogene Gemeinschaft mit
einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen, was aber bei dem ständigen
Zustrom von Migranten nur sehr schwer vollziehbar war.


Zwar wurde schon in den 90er Jahren über Deutschland im Zusammenhang mit einem
Einwanderungsland gesprochen, aber erst ein paar Jahre später wurde diese
Wirklichkeit auch öffentlich angenommen. Während die Sozialdemokraten die
Bundesrepublik als Einwanderungsland akzeptierten und waren bereit, mit der
Förderung der gesellschaftlichen Integrationsarbeit zu beginnen, lehnten die
Konservativen, wie auch in den Jahren zuvor, kategorisch diese Neubestimmung ab. Sie
wollten Deutschland nicht als „klassisches“ Einwanderungsland24 einnehmen, indem sie
sich auf die deutsche Geschichte beriefen und auf die historischen und

23
   vgl. Serbest: Der deutsche Nationalstaat und die Migration. (Unter http://www.istanbulpost.net)
24
  Als klassische Einwanderungsländer sind vor allem die USA, Kanada, Australien oder Neuseeland zu
bezeichnen. Diese Länder zeichnen sich dadurch aus, dass ein großer Teil ihrer Bevölkerung von
Einwanderern abstammt. In diesen Staaten wurde aus verschiedenen Gründen vor allem im 19. und
Anfang des 20. Jahrhunderts eine gezielte Zuwanderung von Menschen gefördert.



                                                                                               40
gesellschaftlichen Ereignisse im Staat hinwiesen. Sie wendeten sich zu der Konzeption
des Nationalstaates und wollten die Zuwanderung unter Berücksichtigung der
nationalen Interessen und Identität steuern. Statistisch ist Deutschland schon längst ein
Einwanderungsland, was die 7,3 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik beweisen.
Aber erst nach Akzeptanz dieser Tatsache konnte ein neues Kapitel in der deutschen
Einwanderungs- und Integrationspolitik geöffnet werden. Die politischen Parteien und
gesellschaftlichen Gruppen suchten nach einer Lösung, die die Zuwanderung steuern
und die Integration der Ausländer in Deutschland verbessern konnte. Obwohl
Meinungsverschiedenheiten im Bundestag keine Ausnahme waren, wurde klar, dass
dieses Thema nicht ständig nach vorne verschoben werden kann.


4.2 Gezielte Migrationspolitik


Obwohl die Einwanderung seit langem zur Realität in Deutschland geworden ist, wurde
sie erst vor ein paar Jahren zum wichtigen Thema vieler politischen und öffentlichen
Debatten. Die Akzeptanz der Einwanderung gehört zu der modernen Auffassung des
Staates, in dem eine offene Gesellschaft lebt, die das Zusammenleben von
verschiedenen Kulturen nicht als eine Bedrohung, sondern viel mehr als eine
Bereicherung wahrnimmt. Nicht immer wurde in Deutschland eine gezielte und offene
Migrationspolitik gemacht. In den 60er und 70er Jahren wurde trotz der steigenden Zahl
von Ausländern der einheimischen Bevölkerung das Bild vermittelt, dass den nach
Deutschland kommenden Migranten nur ein zeitlich begrenzter Aufenthalt gewährt
wird. In vielen Fällen stimmte es auch. Nach einer bestimmten Zeit kehrte eine große
Zahl von ihnen wieder in ihre Heimatländer zurück. Es gab aber immer noch einen
wesentlichen Teil von denen, die in der Bundesrepublik dauerhaft blieben.
Die Überzeugung folgend, man braucht keine Integrationskonzepte, wurden die
Bedürfnisse der Migranten im Staat nicht berücksichtigt. Zu dieser Zeit waren es vor
allem die Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften, die sich dafür eingesetzt
haben,   den    Ausländern    und    später   auch   ihren   Familienangehörigen     ein
menschenwürdiges Leben in der Bundesrepublik zu ermöglichen.




                                                                                      41
Die Migrationspolitik in den 80er Jahren wurde besonders durch restriktive
Maßnahmen25 geprägt. Ihre Aufgabe war, den weiteren Zustrom von Ausländern und
ihren Familienangehörigen zu begrenzen. In den 90er Jahren, die vor allem durch hohe
Flüchtlings- und Aussiedlerzahlen charakterisiert waren, hielt die Bundesrepublik
immer noch an der Selbstbeschreibung fest, kein Einwanderungsland zu sein. Erst mit
dem Regierungswechsel26 1998 und der öffentlichen Anerkennung der rot-grünen
Koalition, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, wurde eine neue Phase in der
Einwanderungspolitik eingeleitet. Die Diskussion um Einwanderung brach schnell auf
und nach langen Jahren des „Stillstandes“ wurde über integrationspolitische Reformen
gesprochen. Der Anfang des 21. Jahrhunderts kann also als Umbruch in der
Zuwanderungspolitik bezeichnet werden. Die Politiker, Wirtschaft und andere Teile der
Gesellschaft erkannten, dass eine sachliche Debatte über Einwanderungs- und
Integrationspolitik unvermeidlich ist.
Vor allem die Jahre 1999 - 2001 sind als „Durchbruch“ in migrationspolitischen Fragen
zu bezeichnen. Die politischen Debatten trugen zu wesentlichen Neuerungen in der
Ausländerpolitik bei. Anlass zu diesem Schritt war die demographische Entwicklung
Deutschlands sowie ein Fachkräftemangel, der sich in bestimmten Sektoren des
Arbeitsmarktes auszeichnete. Seitdem wurde eine Reihe von Reformen realisiert. Eine
Reform des Staatsangehörigkeitsrechts, eine Green-Card-Regelung für qualifizierte
Arbeitskräfte und ein neues Zuwanderungsgesetz waren Prioritäten Schröders
Regierung.


Zum Zweck der Erarbeitung von Integrations- und Migrationskonzepten wurde im Jahre
2000     die   Unabhängige        Kommission        “Zuwanderung“        unter     Berufung      des
Bundesinnenministers Schily (SPD) eingesetzt. Ihre Aufgabe war, konkrete Vorschläge
und Empfehlungen zu der zukünftigen Zuwanderungspolitik vorzulegen. Während die
Kommission an ihrem Bericht gearbeitet hat, waren auch einzelne Bundestagsparteien,
Kirchen, Gewerkschaften, Flüchtlingsverbände und andere gesellschaftliche Gruppen

25
   Es wurden strenge Maßnahmen eingeführt, die die ständig steigenden Zahlen von Ausländern stoppen
sollten. Dazu gehörten z. B. Einschränkung des Familiennachzugs, Steuerreform (1975), Einschränkung
des Wohnrechts oder nicht Verlängerung der Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung für die in der
Bundesrepublik lebenden Ausländer.
26
   Bei dem Regierungswechsel im Jahre 1998 wurde eine Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen
gebildet (rot-grüne Koalition). Nach 16 Jahren seiner Regierungszeit wurde Helmut Kohl als
Bundeskanzler abgesetzt (CDU); zum neuen Bundeskanzler wurde Gerhard Schröder (SPD) gewählt.



                                                                                                  42
tätig, indem sie ihre eigenen Vorschläge zum Thema Migration und Integration
formulierten.27 Da die Zuwanderungskommission aus Vertretern von verschiedenen
Parteien und Repräsentanten der Gesellschaft zusammengesetzt war, war nicht einfach,
einen gemeinsamen Standpunkt zu finden. In den wichtigen Fragen waren sie sich
jedoch    einig;   Deutschland        braucht   Zuwanderung,     allerdings    unter    anderen
Voraussetzungen als es vor fünfzig Jahren der Fall war. Man wollte keinen
unkontrollierbaren Zustrom von unqualifizierten Arbeitsmigranten mehr; das Ziel war,
eine gesteuerte Zuwanderung zu unterstützen, die sich vor allem nach den Bedürfnissen
des Staates richten würde. Die Alterung und Schrumpfung der deutschen Bevölkerung
sowie Mangel an Arbeitskräfte in bestimmten, vor allem hoch geschätzten
Arbeitsbereichen waren als Hauptgründe der gezielten Migrationspolitik genannt.
Die Zuwanderungskommission legte 2001 erste wesentliche Änderungen zur
Migrationspolitik vor. Mehr als auf ihre Aufzählung möchte ich mich im Folgenden auf
unterschiedliche Einstellungen der zwei größten Parteien zu diesen Vorschlägen
konzentrieren, um zu zeigen, dass in manchen Punkten der Einwanderungspolitik doch
keine Einigkeit herrschte. Logischerweise, denn jede Partei hatte ihre eigenen Visionen
und Vorstellungen, in welche Richtung sich der deutsche Staat in Fragen Einwanderung
begeben soll.


Im Zusammenhang mit der Migration war von zentraler Bedeutung die Frage, welche
und wie viele Menschen nach Deutschland kommen sollen. Allgemein wurde die
Meinung vertreten, die Zuwanderung im Vergleich zu den früheren Jahren zu
begrenzen. Auch hier sind aber Unterschiede zu beobachten. Während sich die
Zuwanderungskommission          für     keine   Begrenzung      von    Führungskräften      und
hochqualifizierten Menschen aussprach, kam die CDU/CSU mit dem Vorschlag, auch
für diese Migrantengruppe eine bestimmte Quote zu setzen, um ihre Einwanderung
unter Kontrolle zu haben. Damit fand sie Zustimmung bei der SPD, denn auch innerhalb
dieser Partei wurde die Möglichkeit der gesteuerten Migration eingeräumt. Statt weitere
Zuwanderung zu unterstützen plädierte die CDU/CSU dafür, das eigene Potenzial im
Land auszunutzen und die Arbeitsmigration erst beim echten Bedarf zu ermöglichen.
Beide Parteien waren sich dann in dem Punkt einig, besser die in der Bundesrepublik
27
  vgl. Angenendt: Einwanderungspolitik und Einwanderungsgesetzgebung in Deutschland 2000-2001.
(Unter http://www.dgap.org)



                                                                                                 43
lebenden Ausländer weiter zu qualifizieren und auszubilden, statt neue ins Land zu
holen.


Bei dem Thema Integration war unter den einzelnen Bundestagsparteien, verschiedenen
Verbänden und anderen gesellschaftlichen Gruppen mehr oder weniger eine Einigkeit
zu beobachten. Nur in der Frage, auf welche Weise die Integration gestaltet werden soll,
zeigten sich einige Differenzen. Da aber das Thema Integration zu einem anderen
Kapitel gehört, werde ich die Maßnahmen zu ihrer Steuerung an dieser Stelle nicht
weiter thematisieren.


4.2.1 Deutsche „Leitkultur“


Im Zusammenhang mit der Zuwanderung und Integration der Migranten tauchte im
Jahre 2000 ein Begriff auf, der bis dahin nicht zum allgemeinen deutschen Sprachschatz
gehörte. Die christlich-demokratischen Politiker weckten mit dem Wort „Leitkultur“ ein
Medieninteresse, mit dem sie wahrscheinlich selber nicht gerechnet hatten. Dieser
Begriff wurde ursprünglich von einem aus Syrien stammenden Professor vorgeschlagen
und sollte zur Konsensfindung zwischen eingewanderten Muslimen und einheimischen
Europäern dienen. Als die CDU-Politiker öffentlich bekannt gaben, dieses meiner
Meinung nach irreführende Wort in ihrem Wahlkampf zu verwenden, lösten sie damit
heftige Diskussionen aus.
Als der Begriff in zahlreichen Zeitungsartikeln und Fernsehprogrammen erschien, fiel
den Konservativen auf, dass niemand genau weißt, was mit der „Leitkultur“ eigentlich
gemeint ist. Das Zusammenfügen von zwei Wörtern zu einem neuen Begriff ergab
automatisch keinen neuen Sinn. Deswegen wussten viele Menschen lange nicht, was sie
sich unter der „Leitkultur“ vorstellen sollen. Da am Anfang keine genaue Definition
festgelegt wurde, entstanden viele unterschiedliche und auch missverständliche
Erklärungen. Einige Kritiker wiesen diese Bezeichnung mit dem Argument ab, dass sie
die Hierarchie der Kulturen propagiert; auch ein nationalistischer Missbrauch wurde
befürchtet.




                                                                                     44
Um weiteren Ärger zu vermeiden, bemühte man sich, einen passenden Inhalt zu diesem
umstrittenen Begriff zu finden. Die Konservativen stellten sich unter der „Leitkultur“
die Akzeptanz der deutschen Werteordnung und der deutschen Kultur mit allem, was
diese Kultur charakterisiert, vor. Damit haben sie einer multikulturellen Gesellschaft
eine klare Absage erteilt. Mit dem „multikulturell“ wurde die Vorstellung der SPD und
der Grünen verknüpft, dass verschiedene ausländische Kulturen gleichberechtigt neben
der deutschen Kultur stehen und somit als Teil der deutschen Nationalkultur auch
anerkannt werden. Die so genannte Multi-Kulti und das damit zusammengehörende
Miteinander der Deutschen und Migranten stellte aber aus der Sicht der CDU/CSU
Verlust an Identität und Zusammengehörigkeitsgefühl dar. Deswegen hob sie die
Leitkultur hervor und hielt an der Überzeugung fest, dass für das reibungslose
Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen die Leitkultur unerlässlich
ist. Dies bedeutet für die Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund ein
Bekenntnis nicht nur zum deutschen Staat und seinen Gesellschafts- und
Verfassungsordnungen, sondern auch zu seiner Werteordnung. Man wollte, dass die
Ausländer die deutsche Leitkultur akzeptieren und sich dieser auch anpassen. Das
wurde von vielen Migranten als Zwang empfunden. Auch die Ausländerorganisationen
haben diese Forderung scharf verurteilt. Mit dem Argument, dass nicht die Worte, egal
wie sie heißen, die Integration ausmachen, sondern dass die Wille und Bereitschaft des
Aufnahmelandes und der Migranten eine entscheidende Rolle bei der Integration
spielen. Damit kämpften sie gegen die Aussagen der konservativen Politiker.


4.2.2 Reform des Staatsangehörigkeitsrechts


Eine wichtige Etappe in der Zuwanderungsdebatte stellten Verhandlungen über die
Reform des Staatsangehörigkeitsrechts dar. Wie ich schon früher in meiner Arbeit
angedeutet habe, setzte sich die Regierung Schröders, gebildet aus SPD und
Bündnis 90/Die Grünen, für einige wichtige Änderungen in der Zuwanderungspolitik
ein. Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts stand an der Spitze ihres politischen
Plans. Es ist wichtig zu betonen, dass es überhaupt zum ersten Mal war, dass die
deutschen Politiker ernsthaft über die Reformen diskutierten, die zur besseren
Integration der in Deutschland lebenden Migranten beitragen sollten. Zwar gab es schon



                                                                                   45
in   der   Vergangenheit       einige      Diskussionen    zu    diesem     Thema,      bis   zum
Regierungswechsel 1998 wurden jedoch keine Änderungen gemacht. 28


Auf der deutschen politischen Ebene löste das Staatsangehörigkeitsrecht bzw. seine
Reform erste große Debatten aus, die oft durch emotionale Ausrufe begleitet wurden.
Das bestätigt der Fakt, dass allein zwischen 1995 und 1998 acht Gesetzentwürfe und
Anträge beraten wurden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Bürsch hat sich
in seiner Rede zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts vom 7.5. 1999 folgend
geäußert: „Ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger sind eine Bereicherung unserer
Gesellschaft. Ihre Integration ist nicht nur Notwendigkeit, sondern politische Chance
und Ziel unseres Wollens.“29 Damit hat er auf die Wichtigkeit der Reform und zugleich
auf die Schwere des Themas hingewiesen. Auch in der breiten Öffentlichkeit, Medien
und vor allem bei den Migranten wurde diese Debatte genau beobachtet. Am Ende
langer      Verhandlungen          war        das     neue,       grundsätzlich         bearbeitete
Staatsangehörigkeitsrecht, das am 1.1. 2000 in Kraft trat. Eine weitere Überarbeitung im
geringen Ausmaß hat das Staatsangehörigkeitsgesetz mit dem Inkrafttreten des
Zuwanderungsgesetzes         zum    1.1.     2005   erfahren.     Ziel    war,    ein    modernes
Staatsangehörigkeitsrecht zu verschaffen, dass europäische Standards übernimmt und
auf integrationspolitische Ziele ausgerichtet ist.30 Welche genaue Ziele das neue
Staatsangehörigkeitsgesetz verfolgte, versuche ich im Folgenden zu erläutern.


Zum Kernpunkt der Reform wurde, den Ausländern und ihren Kindern, die
in Deutschland seit mehreren Jahren leben, durch eine rechtliche Sicherung ihre
Eingliederung in die deutsche Gesellschaft zu ermöglichen. Die CDU/CSU und FDP
argumentierten damit, dass „ein zahlenmäßig bedeutender Teil der Bevölkerung über
Generationen hinweg als ausländische Minderheit von der staatlichen Gemeinschaft
und den Rechten und Pflichten eines Bürgers gegenüber dem Staat ausgeschlossen




28
   vgl. Angenendt: Einwanderungspolitik und Einwanderungsgesetzgebung in Deutschland 2000-2001.
(Unter http://www.dgap.org)
29
    vgl. Bürsch: Reform des Staatsangehörigkeitsrechts: Nach gründlicher Diskussion ein tragfähiger
Kompromiss. (Unter http://www.michael-buersch.de)
30
   vgl. Kernpunkte der Neuregelung. Bundesministerium des Innern. (Unter http://www.bmi.bund.de)



                                                                                                46
bleibt.“31 In einem demokratischen Staat sollte auch nicht zu der Situation kommen,
dass ausländische Einwohner, die lange oder sogar dauerhaft im Land leben, gleiche
Pflichten wie die deutschen Staatsbürger haben, nicht aber die gleichen Rechte
(Wahlrecht, Wohnrecht, Recht auf Ausbildung usw.). In diesem Sinne wurde auch bei
der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts verhandelt.


Zu den wesentlichen Neuerungen gehört die Änderung beim Erwerb der deutschen
Staatsbürgerschaft. Nach dem bisherigen Staatsangehörigkeitsrecht galt ausschließlich
das Prinzip der Abstammung (ius sanguinis), d. h., dass ein Kind mit Geburt deutsch
wurde, wenn mindestens ein Elternteil deutsch war. Diese Regelung sollte sich mit der
Einführung eines Geburtsortprinzips (ius soli) ändern, worauf sich sowohl die
Regierung, als auch die Opposition einigten. Seit dem 1. Januar 2000 erwerben also
zum    ersten    Mal    auch     die   Kinder       ausländischer   Eltern    unter   bestimmten
Voraussetzungen mit der Geburt in Deutschland automatisch die deutsche
Staatsangehörigkeit. Wenn ein Elternteil seit acht Jahren rechtmäßig und dauerhaft
seinen Aufenthalt in Deutschland hat oder seit drei Jahren eine unbefristete
Aufenthaltserlaubnis besitzt, wird eine der Voraussetzungen für den Erwerb der
deutschen Staatsbürgerschaft erfüllt. Wenn außerdem die Möglichkeit besteht, dass die
Kinder nach dem Abstammungsprinzip von den Eltern noch eine andere
Staatsangehörigkeit erwerben, müssen sie sich bei der Volljährigkeit zwischen den
beiden Staatsangehörigkeiten entscheiden (Optionspflicht). Falls sie die deutsche
auswählen, haben sie bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres Zeit, die ausländische
Staatsangehörigkeit aufzugeben. Das Ziel war, die Mehrstaatigkeit zu vermeiden und
die Einbürgerung zu unterstützen. Die Reform enthält jedoch im Vergleich zu früher
großzügige      Ausnahmeregelungen,           die      die   Beibehaltung       der     bisherigen
Staatsangehörigkeit bewilligen.




31
  vgl. Das Gesetz zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts vom 15. Juli 1999. Bundesministerium des
Innern. (Unter http://www.bmi.bund.de)



                                                                                                 47
Neben dem Erwerb der Staatsangehörigkeit durch Geburt in der Bundesrepublik sieht
das neue Gesetz erleichterte Bedingungen für die Einbürgerung von Ausländern vor. Sie
erhalten bereits nach acht statt nach fünfzehn Jahren Aufenthaltsdauer einen Anspruch
auf Einbürgerung. Dieser Anspruch entsteht neuerlich unter zwei Bedingungen. Man
muss ausreichende Sprachkenntnisse nachweisen und sich zur Verfassung bekennen.32
Frage wäre, was sind denn überhaupt „ausreichende Deutschkenntnisse“? Sind nur
mündliche Kenntnisse ausreichend oder muss man auch schreiben können? Prinzipiell
muss man in der Lage sein, sich im alltäglichen Umgang sowohl mündlich, als auch
schriftlich ohne weitere Hilfe verständigen zu können.


Mit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts wurden zwei wesentliche Neuerungen
eingeführt. Neben den erleichterten Einbürgerungsbedingungen ist zum ersten Mal für
die Nachkommen der Zuwanderer der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch
Geburt im Inland möglich. Die Kritik, dass Kinder der zweiten und dritten Generation
der in den 50er Jahren angeworbenen Gastarbeiter in Deutschland immer noch als
Ausländer leben müssen, sollte damit beendet werden. Es ist klar, dass nur die deutsche
Staatsangehörigkeit die Integration von Ausländern nicht völlig ersetzen kann. Mit
gemeinsamen Kräften ist es gelungen, ein mindestens gesetzlich gleichberechtigtes
Zusammenleben von Deutschen und Migranten zu ermöglichen.


4.2.3 Green-Card-Regelung


Ein weiterer Schritt in der deutschen Einwanderungspolitik sollte eine so genannte
Green-Card-Regelung sein. Mit diesem Vorschlag trat der Bundeskanzler Schröder
Anfang 2002 vor die Öffentlichkeit auf und folgte damit seine Vorstellungen über
gesteuerte Migration. Die Idee war, hochqualifizierte Spezialisten außerhalb der
EU-Staaten ins Land gezielt zu holen und ihnen eine befristete Arbeitserlaubnis in
Deutschland zu garantieren. Der Unterschied zu den früher angeworbenen Gastarbeitern
war, dass diese Menschen eine „Elite“ in der Wirtschaft darstellen sollten, während die
Gastarbeiter eher unausgebildete Menschen waren, derer Zuwanderung mehr oder


32
  vgl. Angenendt: Einwanderungspolitik und Einwanderungsgesetzgebung in Deutschland 2000-2001.
(Unter http://www.gdap.org)



                                                                                                 48
weniger unkontrollierbar verlief. Man ging auch davon aus, dass sich diese Menschen
schneller als andere Ausländergruppen integrieren werden.


Die Initiative zur Einführung von Green-Card, die auf Kritik der CDU/CSU stieß,
kam von der Wirtschaft, wo sich ein großer Mangel an Spezialisten vor allem aus dem
Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie auszeichnete. Für das Erteilen
der befristeten Arbeitserlaubnis bestand ein Nachweis über eine Hochschul- oder
Fachhochschulausbildung aus diesem Bereich oder ein Jahresgehalt von mindestens
51 000 EUR.33 Der Beschäftigungsaufenthalt sollte zunächst 10 000 Fachkräften
ermöglichen, in Deutschland maximal fünf Jahre zu arbeiten. Im Jahr 2001 wurde
beschlossen, die Zahl auf 20 000 Fachkräfte zu erhöhen, weil die Nachfrage ständig
wuchs. Die Familienangehörigen hatten die Tür nach Deutschland geöffnet, sie mussten
jedoch ganze zwei Jahre warten, um einen Beruf ausüben zu dürfen. Über die Green-
Card kamen bis 2004 fast 18 000 Experten nach Deutschland. Knapp 90 Prozent der
Fachkräfte kamen aus Ausland, die restlichen 10 Prozent hielten sich bereits als
ausländische Studierende an Hoch- und Fachhochschulen in der Bundesrepublik auf.
Der Vorschlag, die Green-Card auch auf andere wirtschaftliche Bereiche auszuweiten,
wurde sowohl von der CDU/CSU, als auch von den Gewerkschaften abgewiesen.34
Das Programm für ausländische Hochqualifizierte lief Ende 2004 aus und wurde im
Jahre 2005 durch ein neues Zuwanderungsgesetz ersetzt.


4.2.4 Das neue Zuwanderungsgesetz


Kurz nach der Verabschiedung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts entwickelten sich
in den Jahren 2001 bis 2004 dramatische und kontroverse Debatten um das neue
Zuwanderungsgesetz, das nach langem Hin und Her am 1. Januar 2005 in Kraft trat.
Wenn ich die Green-Card-Regelung übergehe, war das ein zweiter wichtiger Schritt der
Bundesregierung in migrationspolitischen Fragen. Denn dieses Gesetz stellt erstmals
einen gesetzlichen Rahmen für die Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung nach
Deutschland dar. Als Kernpunkt des Gesetzes wurden Integrationsmaßnahmen für die

33
  vgl. Migrationsbericht 2004. Bundesministerium des Innern. (Unter http://www.bmi.bund.de)
34
  vgl. Angenendt: Einwanderungspolitik und Einwanderungsgesetzgebung in Deutschland 2000-2001.
(Unter http://www.dgap.org)



                                                                                                 49
auf Dauer in der Bundesrepublik lebenden Zuwanderer formuliert. Anders gesagt, stellt
das neue Zuwanderungsgesetz ein migrationspolitisches Gesamtkonzept dar, das die
Einreise und Aufenthalt von Ausländern im Bundesgebiet regeln soll.35


Mit der Aussage, dass Deutschland weniger Ausländer braucht, „die uns ausnutzen“ und
mehr Ausländer „die uns nützen,“36 wollte der damalige Bundesinnenminister Schily
vor allem darauf hinweisen, dass die Einreise von unqualifizierten Ausländern begrenzt
werden soll. Dass die Zuwanderung notwendig ist, darüber herrschte eine Einigkeit. Sie
sollte nur jetzt nach einem bestimmten Plan verlaufen und nicht so unkontrolliert sein,
wie es noch in den 50er und 60er Jahren der Fall war. Unter anderem wurde
entschieden, dass die Ausländer, die kein Aufenthaltsrecht in Deutschland haben, in ihr
Heimatland zurückgeschickt werden und die, die bleiben, sich intensiver um ihre
Integration bemühen müssen. Den politisch Verfolgten und aus anderen Gründen
schutzbedürftigen Personen wurde in dem Zuwanderungsgesetz weiter der Schutz
gewährt. Über ein Jahr wurden die eingeführten Maßnahmen in der Praxis beobachtet.
Im Sommer 2006 sah die Regierung den Zeitpunkt gekommen, das bestehende Gesetz
auf seine Tauglichkeit zu überprüfen und weitere Neuregelungen einzuführen. Es wäre
hier sinnlos, alle in dem neuen Zuwanderungsgesetz beschriebenen Gesetze zu
kommentieren, das ist auch nicht mein Ziel. Vielmehr möchte ich speziell an die
Änderungen hinweisen, die zu scharfen Diskussionen in der Öffentlichkeit, vor allem
unter der türkischen Bevölkerung und auf der türkischen politischen Szene führten.


Anfang des Jahres 2007 war durch weitere Diskussionen zur Novellierung des
Zuwanderungsgesetzes geprägt. Im Zentrum des knapp 500 Seiten schweren
Gesetzentwurfs, der von der Opposition sowie von Migrantenverbänden und
Flüchtlingsorganisationen kritisiert wurde und letztendlich im August 2007 in Kraft trat,
stehen neue Bleiberechtsregeln für langjährig geduldete Ausländer37 sowie neue

35
   vgl. Zuwanderungsgesetz. Bundesministerium des Innern. (Unter http://www.bmi.bund.de)
36
   vgl. Wallraff: Deutschland, nein danke. (Unter http://www.taz.de)
37
    Als geduldete Ausländer werden solche Menschen bezeichnet, die illegal nach Deutschland
zugewandert sind oder dessen Asylantrag abgelehnt wurde. Sie dürfen nicht aus den humanitären
Gründen in ihr Herkunftsland abgeschoben werden; in Deutschland wird ihnen aber keine
Aufenthaltsgenehmigung erteilt. Zurzeit leben ca. 200 000 Geduldete in der BRD, fast die Hälfte davon
ist mehr als seit 10 Jahren geduldet. Da die Betroffenen jederzeit mit einer Abschiebung rechnen müssen,
stellt dieser Zustand für sie eine erhebliche Belastung dar.



                                                                                                     50
Vorschriften für Ehengattennachzug, Einbürgerung und Integration. Mit dem Entwurf
zur Änderung des Zuwanderungsgesetzes setzte die Bundesregierung elf verbindliche
Richtlinien der Europäischen Union in nationales Recht um. Nach diesen neuen
Bestimmungen dürfen Geduldete, die mehr als sechs Jahre in der Bundesrepublik leben
bleiben, wenn sie bis Ende 2009 eine Arbeitsstelle nachweisen. Viele kritische Stimmen
deuten darauf hin, dass das Bleiberecht vorwiegend für Erwerbstätige gilt, während es
für Ältere oder Behinderte keine, oder nur beschränkte Regelungen gibt.38 Die Grünen
sowie     zahlreiche      Flüchtlingsverbände        erklärten     diese     Bestimmungen   als
„integrationsfeindlich“.
Eine weitere öffentliche Debatte wurde bei Verhandlungen über Nachzugsalter der
Migrantenkinder ausgelöst. Mit anderen Worten gesagt, wie alt können die Kinder der
ausländischen Migranten sein, um ihnen nach Deutschland zu folgen. Während die
Zuwanderungskommission gemeinsam mit der SPD dafür war, die Altersgrenze der
Kinder von sechszehn auf achtzehn Jahren zu erhöhen, sprach sich die CDU/CSU für
die Senkung des Nachzugsalters auf sechs Jahre aus. Das stieß vor allem auf die Kritik
der Kirche und Migrantenorganisationen, die damit argumentierten, dass das Kind nicht
gegen seinen Willen von den Eltern getrennt werden darf. Dem Entwurf der SPD haben
sich auch Bündnis 90/Die Grünen sowie der deutsche Gewerkschaftsbund
angeschlossen.


Besonders die eingeführten Restriktionen bei dem Ehegattennachzug zu Nicht-EU-
Ausländern lösten kontroverse Debatten aus. Die Kritik der Migrationsverbände richtet
sich vor allem gegen die Regelungen zum Nachzug ausländischer Ehepartner, die
künftig mindestens achtzehn Jahre alt sein müssen. Damit will man die Zwangsehen,
die vor allem für die türkische Bevölkerung typisch sind, verhindern und die Integration
erleichtern, verteidigte die Regierung ihre Entscheidung. „Wenn Helga und Horst ihren
Partner herholen dürfen, warum dann nicht auch Ahmed und Aische?“39, fragte Kenan
Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland und reagierte damit
auf die unterschiedlichen Bestimmungen für Staatsangehörige der deutschen und nicht


38
   vgl. Kompromiss in der großen Koalition. 500 Seiten für eine „neue“ Zuwanderung.
(Unter http://www.tagesschau.de)
39
   vgl. Hans: Merkels Integrationsgipfel. Türkische Verbände stellen Ultimatum.
(Unter http://www.spiegel.de)



                                                                                            51
deutschen Herkunft. Für die in der Bundesrepublik lebenden Türken wird der Nachzug
einer Ehefrau künftig an zwei Bedingungen geknüpft: zum einen muss der Ehemann
nachweisen, dass er in Deutschland seinen Lebensunterhalt durch eigene Mittel sichern
kann, zum anderen müssen die Ehefrauen schon bei ihrer Einreise einfache deutsche
Sprachkenntnisse vorweisen. Ausgenommen von dieser Regelung sind Ehegatten aus
den Staaten wie z. B. Kanada, Australien oder USA, d. h. Staaten, derer Bürger nach
Deutschland ohne Visum einreisen dürfen. Das wird von den Bürgern türkischer
Herkunft als diskriminierend und verfassungswidrig empfunden. Gegen diese Aussagen
wehrte sich die Staatsministerin für Integration Maria Böhmer (CDU). Die Novelle des
Zuwanderungsgesetzes ist aus ihrer Sicht ein großer Fortschritt, der bei der
Eingliederung       und      Integration      von      Ausländern         und      Menschen      mit
Migrationshintergrund behilflich sein soll. Bei ihrer letzten Reise in die Türkei
versuchte sie, direkt am Ort das neue Zuwanderungsgesetz zu verteidigen, indem sie in
den Gesprächen mit der türkischen Seite versicherte, dass sich das Zuwanderungsgesetz
nicht gegen die Türken richte.40


Einen neuen Akzent in die deutsche Ausländerpolitik brachten die in dem neuen
Zuwanderungsgesetz         beschriebenen      Maßnahmen            zur   inneren    Sicherheit   der
Bundesrepublik. Es muss in diesem Zusammenhang betont werden, dass die
Zuwanderung nicht nur den Zustrom von qualifizierten Menschen bedeutet, sondern es
kommen auch Menschen ins                   Land, bei     denen eine erhöhte            Gefahr von
Ausländerfeindlichkeit, Terrorismus oder Kriminalität besteht. Einerseits können die
Migranten unter Verdacht stehen, andererseits können sie selber zum Opfer der
rechtsextremischen        oder    anders     motivierten      Straftaten     fallen.    Nach     den
Terroranschlägen auf World Trade Center vom 11. September 2001 in New York und
später in Madrid wurde über Terrorismus auch in der Bundesrepublik intensiv
diskutiert. Auf die Initiative des Bundesinnenministers Schily wurden 2 Anti-Terror-
Pakete verabschiedet, die im Jahre 2002 als Reaktion auf die Terroranschläge in Form
des Terrorismusbekämpfungsgesetzes in Kraft traten. Wie in anderen Staaten, in denen
Menschen islamistischer Religion einen Teil der Bevölkerung bilden, wurde auch in
Deutschland über die Frage diskutiert, ob die in der Bundesrepublik lebenden Muslime
40
  vgl. Böhmer verteidigt in der Türkei neues Zuwanderungsgesetz.
(Unter http://www.sarsura-syrien.de)



                                                                                                 52
eine Gefahr für das Land darstellen. In dem neuen Zuwanderungsgesetz wurden deshalb
Maßnahmen formuliert, die einerseits zur Verbesserung der Arbeit mit Ausländer- und
Sicherheitsbehörden beitragen sollen, andererseits soll nach den neuen Bestimmungen
die europäische Zusammenarbeit vor allem in den Fragen der Terrorismusbekämpfung
erweitert werden.


4.3 Integration als neu entdecktes Problem


Integration, integrationspolitische Maßnahmen, Integrationspolitik, sich integrieren. Das
sind nur einige Begriffe, die in meiner Arbeit im Zusammenhang mit Migration von
Ausländern zu finden sind. Die Integration hat viele verschiedene Seiten. Die
berufliche, soziale und vor allem die sprachliche Integration sind seit der
Verabschiedung       des     Staatsangehörigkeits-       und    Zuwanderungsgesetzes          die
„Brennpunkte“ der deutschen Integrationspolitik.


Was bedeutet denn die Integration? Schon hier, bei der Definition, gehen die
Meinungen unterschiedliche Wege. Vielleicht wäre es besser zu fragen, was Integration
nicht bedeutet. Ich bin überzeugt, darüber hätten vor allem die Migranten eine klare
Vorstellung. Nach Brockhaus (vgl. Der Brockhaus, 2003, 193) bedeutet die Integration
im soziologischen Sinne „die Eingliederung von Personen bzw. Teilen eines sozialen
Systems in eine umfassende Einheit wie eine Gruppe oder in den Staat. [...] sie beruht
auf der Anerkennung gemeinsamer Grundwerte, Ziele und Merkmale, sowie auf der
Anerkennung allgemeiner Regeln zur Bewältigung und Lösung von Konflikten innerhalb
einer Gruppe durch die Gruppenmitglieder.“ In dem Bericht der Unabhängigen
Kommission „Zuwanderung“ aus dem Jahre 2001 wurde die Integration folgend
definiert: „Integration ist ein gesellschaftlicher Prozess, in den alle in einer
Gesellschaft     Lebenden      jederzeit    einbezogen     sind.    Unverzichtbar      ist    der
Integrationswille. Dieser Integrationswille äußert sich darin, dass sich jeder Einzelne
aus eigener Initiative darum bemüht, sich sozial zu integrieren. Die gilt für
Einheimische wie Zugewanderte.“41


41
  vgl. Bericht der Unabhängigen Kommission „Zuwanderung“. S. 200. Bundesministerium des Innern.
(Unter http://www.bpb.de)



                                                                                                  53
Diese Definition weist vor allem darauf hin, dass sich alle im Staat, d. h. die
Einheimischen und auch die Ausländer an dem Integrationsprozess beteiligen sollen.
Nicht weil sie aufgrund der im Staat verabschiedeten Regelungen müssen, sondern weil
sie selber der Meinung sind, dass das zum friedlichen Zusammenleben in einem Land
beiträgt. Deswegen bedeutet auch die Kooperation einen wichtigen Teil der Integration.
Im Falle, dass man kein Interesse und Bereitschaft zur Integration zeigt oder sie sogar
öffentlich ablehnt, ist die Durchsetzung von Integrationsmaßnahmen schwierig. Dann
ist die Integration bedroht und wird zum gesellschaftlichen Problem. Bei der Diskussion
um Integration möchte ich mich hauptsächlich auf die türkische Bevölkerung in
Deutschland konzentrieren. Nicht nur, weil sie mit ihren ca. 1,7 Millionen Angehörigen
die größte ausländische Gruppe in der Bundesrepublik bildet, sondern weil ausgerechnet
ihre Integration der Bundesregierung offenbar die meisten Probleme bereitet.


Mann sollte nicht denken, dass durch Integration die deutsche Kultur den Migranten
aufgezwungen wird. Da die Ausländer selbst oft diese Meinung vertreten, wäre
vorteilhaft in erster Linie ihnen zu erklären, was Integration bedeutet und welche
Aufgaben dieser Prozess mit sich bringt. Sie sollten begreifen, dass sie mit ihrer
Zuwanderung ein Teil des Ganzen werden, d. h. sie werden ein Teil der deutschen
Gesellschaft, derer Integrität sie respektieren sollten. In diesem Sinne äußerte sich auch
die Bundeskanzlerin Merkel (CDU). Nach ihrer Aussage bedeutet die Integration
„sich in die Lebensweise eines Landes hineinzufinden.“42 In einem Fernsehmagazin zum
Thema Integration hat auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria
Böhmer       die    Wichtigkeit      der    Integration     hervorgehoben:       „Integration   heißt
gleichberechtigte Aufgabe, heißt aber auch Ja zu sagen, zu Deutschland, zu unseren
Werten.“43         Diese    Worte       wurden       bemerkenswert         von    dem     türkischen
Ministerpräsidenten Erdogan bei seinem Besuch in der Bundesrepublik bestätigt. Er hat
als überhaupt erster türkischer Regierungschef seine Landsleute in Deutschland
gefordert, sich mehr an der Integration zu beteiligen, alle Angebote vom Staat maximal
auszunutzen und die deutsche Sprache zu lernen.44

42
   vgl. Integration heißt, gemeinsame Werte zu teilen. Die Bundesregierung.
(Unter http://www.bundesregierung.de)
43
   vgl. Integration heißt, gemeinsame Werte zu teilen. Die Bundesregierung.
(Unter http://www.bundesregierung.de)
44
   vgl. Erdogan ruft Türken zur Integration auf. (Unter http://www.spiegel.de)



                                                                                                  54
An dieser Stelle möchte ich auf einen Begriff hinweisen, der oft im Zusammenhang mit
der Integration auftaucht. Die Assimilation ist das Wort, das mit der Integration nicht
gleichgesetzt werden kann. Im Meyers Lexikon wird sie im soziologischen Sinne als
„Vorgang, bei dem Einzelne oder die Gruppen die Traditionen, Gefühle und
Einstellungen       anderer      Gruppen        übernehmen         und     in        diesen   allmählich
            45
aufgehen“        definiert. Und das ist genau der Punkt, der auf die Kritik des
Ministerpräsidenten Erdogan stieß. Er forderte zwar die Türken in Deutschland, sich zu
integrieren, zugleich warnte er aber vor der Assimilation. Die Sache ist klar. An einer
Seite sollen die Türken die deutsche Sprache lernen, an anderer Seite sollen sie die
Kultur und Traditionen ihres Herkunftslandes bewahren und sie auch in Deutschland
pflegen. Die Anhänger Erdogans wiesen z. B. auf die Situation in den USA hin. Wenn
die deutschen Migranten in Amerika ihren Oktoberfest feiern können, warum sollten es
auch die Türken mit ihren Festen in Deutschland nicht tun.


Die    Aussage       Erdogans,       dass    Assimilierung        ein    „Verbrechen          gegen   die
Menschlichkeit“46 ist, löste heftige Diskussionen auf der deutschen politischen Szene
aus. Wie andere Politiker, hat auch die Bundeskanzlerin Merkel die Rede ihres
türkischen Amtskollegen attackiert und ihm vorgeworfen, dass er eine falsche
Vorstellung von Integration habe. Ihre Worte wurden von dem SPD-Vorsitzenden Kurt
Beck bestätigt. Er verdeutlichte, dass mit den Integrationsmaßnahmen auf keinen Fall
der Anspruch verbunden ist, die kulturelle und religiöse Integrität seines Heimatlandes
aufzugeben.47 Auch der Vorsitzende des Islamrates in Deutschland, Ali Kizilkaya,
sprach sich für verstärkte Integrationsbemühungen aus. Die Aufregung um Erdogans
Rede konnte er jedoch nicht verstehen. Dem türkischen Ministerpräsidenten warfen die
deutschen Politiker unter anderem kritisch vor, dass er sich in die Innenpolitik des
Staates einmische und mit der Forderung, sich nicht zu assimilieren, den Nationalismus
auf dem deutschen Gebiet betreibe. Letztendlich wurde betont, dass für das
Zusammenleben von Türken und Deutschen auf dem deutschen Gebiet ausschließlich
die deutsche Regierung zuständig ist.

45
   vgl. Assimilation. Meyers Lexikon Online. (Unter http://lexikon.meyers.de)
46
   vgl. Integration. Erdogans Auftritt ist eine Ohrfeige für die deutsche Politik.
(Unter http://www.spiegel.de)
47
   vgl. Bosbach warnt Türkei vor Einmischung - Huber stellt EU-Beitritt in Frage.
(Unter http://www.spiegel.de)



                                                                                                      55
Die Debatte um Integration lebt. Obwohl über Integration im Zusammenhang mit der
Migration in der Vergangenheit oft gesprochen wurde, erst seit ein paar Jahren ist zu
beobachten,        dass       die   Eingliederung     von    Ausländern       und    Menschen         mit
Migrationshintergrund in die deutsche Gesellschaft zu der zentralen Aufgabe der
deutschen Migrationspolitik wurde. Da die Integrationsprobleme seit der letzten Zeit
zugenommen haben, wurde die Regierung gezwungen, sich mit der Frage der
Integrationsmaßnahmen ernsthaft zu beschäftigen.


4.3.1 Der erste Integrationsgipfel


Der erste Integrationsgipfel am 14 Juli 2006 wurde genau zu dem Ort, wo sich alle, die
sich zum Thema Integration äußern wollten, getroffen haben. Dieses Treffen war auch
dadurch gekennzeichnet, dass sich hier zum ersten Mal die Politiker begegnet sind, die
diametrale Meinungen zu den Migrationsfragen vertreten haben. So trafen sich hier
national denkende Politiker, die Deutschland als Einwanderungsland nicht akzeptieren
wollten, mit den Multikulturalisten, für die ein gleichberechtigtes Zusammenleben von
verschiedenen Kulturen in einem Staat kein Problem darstellte. Da alle gemeinsam für
die Integration von Migranten plädierten, wollten sie in einer gemeinsamen Diskussion
die Defizite der Integration öffentlich benennen und Maßnahmen zur Verbesserung in
Angriff nehmen. Ziel dieses Treffens war, innerhalb eines Jahres einen Integrationsplan
zu      erarbeiten,     der     sich   auf   sechs    Schlüsselbereiche       konzentrieren        sollte:
Weiterentwicklung der Integrationskurse, Förderung der deutschen Sprache, Sicherung
der Bildung und Ausbildung, Erhöhung der Arbeitsmarktchancen, die Verbesserung der
Lebenssituation von Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund und die Förderung
der Integration vor Ort.48 Bei dieser Gelegenheit saßen mehr als achtzig Vertreter vom
Bund, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Migrationsorganisationen an einem Tisch.
Die letzten genannten waren bei dem Zusammentreffen von besonderer Bedeutung.
Selbst die Bundesintegrationsbeauftragte Maria Böhmer hob mit den Wörtern „es wäre
ja absurd […], wenn wir in Fragen der Integrationspolitik nur über die Betroffenen und
nicht mit ihnen reden“49 die Wichtigkeit der Teilnahme der Migrationsorganisationen an
dem Gipfel vor. Das Treffen bedeutete einen wichtigen Schritt in der deutschen
48
     vgl. Der Bürger im Staat. Zuwanderung und Integration. (Unter http://www.buergerimstaat.de)
49
     vgl. Deutschland: Integrationsgipfel geplant. (Unter http://www.network-migration.org)



                                                                                                       56
Integrationspolitik. Es sollten verbindliche Vereinbarungen erarbeitet werden, die zur
besseren sprachlichen, beruflichen, sozialen und kulturellen Integration der Zuwanderer
und Menschen mit Migrationshintergrund beitragen. Vor allem die Frage der
mangelhaften Sprachkenntnisse bei den Migranten wurde zum Diskussionsthema
Nummer eins.


Die Integration fördern und fordern. Das bedeutet nicht nur eine Herausforderung für
die Aufnahmegesellschaft, sondern auch bestimmte Rechte und Pflichten für die
Migranten. Die Bereitschaft, Toleranz und Akzeptanz auf beiden Seiten helfen
wesentlich den Zugewanderten, sich schneller in die deutsche Gesellschaft
einzugliedern.50 Die Diskussion um die Integrationsmaßnahmen brachte viele neue
Vorschläge mit; unter anderem die Erweiterung der Integrationsangebote und
sprachlichen        Kurse.      Besonders         die     eventuellen        Sanktionen        für   die
Integrationsunwilligen lösten unzählige Debatten aus. Die Justizministerin Brigitte
Zypries (SPD) wies diesen Vorschlag der Unionspolitiker kategorisch ab mit dem
Argument, dass die Menschen unter Druck zu setzen keine richtige Lösung ist.
Stattdessen muss man mehrere Angebote erarbeiten und dafür werben, dass diese
Angebote von den Migranten angenommen werden. Einige CDU-Vertreter und die
Integrationsbeauftragte        Böhmer        sprachen      sich     auch      skeptisch      gegen   die
Integrationspflicht aus. Die Sanktionen seien nach ihren Aussagen kompliziert und
schwer durchsetzbar. Der SPD-Chef Kurt Beck betonte zwar die Pflicht der Migranten,
die deutsche Gesellschaftsordnung zu akzeptieren und die Integrationsangebote
einzunehmen, für die Sanktionen im Zusammenhang mit der Verweigerung der
Integration sprach er sich aber nicht aus.51 Die unterschiedlichen Meinungen zu den
Integrationsmaßnahmen und eventuellen Strafen waren nicht nur zwischen den
einzelnen Parteien, sondern auch innerparteilich zu beobachten. Allgemein wurde der
erste Integrationsgipfel aber als Erfolg empfunden.




50
   vgl. Nationaler Integrationsplan 'Zwischenbericht'. Die Bundesregierung.
(Unter http://www.via-bund.de)
51
   vgl. Integrationsgipfel. Ein „fast historisches“ Ereignis.“ (Unter http://www.sueddeutsche.de)



                                                                                                     57
4.3.2 Der zweite Integrationsgipfel


Vor fast einem Jahr, genau am 12. Juli 2007 lud die Bundeskanzlerin zum zweiten
Integrationsgipfel ein. Das Treffen von ca. einhundert Menschen aus Politik, Kirchen,
Kultur, Gewerkschaften und Zuwandererverbänden sollte als Verabschiedung des
300 Seiten umfassenden Nationalen Integrationsplans und als Wiederholung des ersten
freundlichen Treffens aus dem Jahr 2006 gefeiert werden. Doch diesmal fehlten die
Vertreter der vier türkischen Verbände.52 Der vorbereitete Boykott des gemeinsamen
Dialogs wurde mit den neuen Bestimmungen im Zuwanderungsgesetz (siehe oben)
begründet.
Inhaltlich kritisierten die Verbände, dass künftig die Frauen, die ihrem türkischen Mann
nach Deutschland folgen wollen, einfache deutsche Sprachkenntnisse nachweisen
müssen und mindestens achtzehn Jahre alt sein müssen. Dies sei nach dem Vorsitzenden
der türkischen Gemeinde in Deutschland „verfassungswidrig“ und „ethnisch
diskriminierend“ und macht es viele Migranten zu Bürgern zweiter Klasse. 53 Solche
Aussagen wurden jedoch von der Regierung mit dem Argument, dass das Gesetz nach
reiflicher Beratung und unter breiter Beteiligung vieler Experten und Verbände
verabschiedet worden ist, zurückgewiesen. Die Migrationsorganisationen appellierten
an den Bundespräsidenten, die neuen Bestimmungen des Zuwanderungsgesetzes nicht
zu unterschreiben und verlangten, die Regelungen zu ändern. Ihre Forderungen wurden
auch von den Grünen unterstützt. Das waren aber unerfüllbare Bedingungen, denn das
Zuwanderungsgesetz zu diesem Zeitpunkt vom Bundestag und Bundesrat beschlossen
war und trat einen Monat nach dem zweiten Integrationsgipfel in Kraft. Mit der
Verweigerung der Teilnahme wollten die Verbände ein „klares Zeichen setzen“. In einer
gemeinsamen        Erklärung      haben     sie   allerdings     betont,    dass    sie   „zu     einer
gleichberechtigten und konstruktiven Zusammenarbeit jederzeit bereit“ sind.54 Die
Kritik der Migrantenvertreter am Zuwanderungsgesetz war längst vor dem zweiten



52
    Türkische Verbände in Deutschland: Die türkische Gemeinde Deutschland (TGD), der staatlich-
türkische Moscheeverband Ditib, der Rat türkischstämmiger Staatsbürger, die Islamische Föderation
türkischer Elternvereine
53
   vgl. Süddeutsche Zeitung. Absagen für den Integrationsgipfel. 12. Juli 2007. S. 2.
54
   vgl. Passauer Neue Presse. Integrationsgipfel findet trotz Absage türkischer Verbände statt. 12. Juli
2007. S. 1.



                                                                                                     58
Treffen bekannt. Trotzdem kam vor allem für die Organisatoren des Gipfels die
plötzliche Absage als überraschend.
Anders als die türkischen Verbände entschieden sich andere Organisationen in
Deutschland zu handeln. Obwohl die spanischen, italienischen und polnischen
Migrantenverbände einschließlich Sozialverbände, Kirche und Gewerkschaften das
neue Zuwanderungsgesetz auch kritisierten, sagten sie die Teilnahme an dem Gipfel
nicht ab. Sie wurden sich der Gelegenheit bewusst, den Regierungsvertretern ihre
Meinung zu sagen. Deswegen wollten sie die Möglichkeit eines gemeinsamen Dialogs
nicht verpassen.
Die Reaktionen auf die abgesagte Teilnahme ließen auf sich nicht lange warten. „Nur
wenn man miteinander spricht, können Probleme gelöst werden“,55 appellierte die
Integrationsbeauftragte Böhmer auf die türkischen Verbände, ihre Entscheidung zu
ändern und doch an dem Gipfel teilzunehmen. Selbst die Bundeskanzlerin äußerte sich
verärgert zu der Einstellung der Migrantenorganisationen in dem Sinne, dass Ultimaten
zu stellen kein richtiger Weg zu einer guten Zusammenarbeit ist. Türkische Medien
blieben       lange    nicht    zurück    und     mischten       sich   in   die   Debatte   um    das
Zuwanderungsgesetz ein. Worte wie „Rassismus“ und „Diskriminierung“ schlugen aus
den Schlagzeilen direkt ins Auge. Außerdem warf die türkische Presse der
Bundeskanzlerin vor, die deutsch-türkische Harmonie zerstören zu haben. Den
Hintergrund für solche Aussagen kann man in der Politik suchen. Die Bundeskanzlerin
tritt gegen den EU-Beitritt der Türkei aus, deswegen wird sie in der Türkei angegriffen.
Meiner Meinung nach benutzten die türkischen Journalisten zu starke Worte. Bisher
kann man das Zusammenleben von Deutschen und Türken anders als harmonisch
bezeichnen.           Mangelnde       Bereitschaft         zur    Integration      oder   Leben     in
Parallelgesellschaften sind nicht gerade das Zeichen der gegenseitigen Zusammenarbeit.
Auch ihre Kultur und Religion werden überwiegend immer noch als Problem
wahrgenommen.
Ich muss betonen, dass nicht alle türkischen Migrantenorganisationen die selbe
Meinung         vertraten.     Die    Vertreter      der     Türkisch-Deutschen       Industrie-   und
Handelskammer und des Muslimrates nahmen an dem Gipfel teil, um ihre Kritik direkt
am Ort äußern zu können. Einerseits klagten die türkischen Verbände, dass die deutsche

55
     vgl. Tagesschau. Drohungen vor „Versöhnungs-Gipfel“. 11. Juli 2007. S. 4.



                                                                                                    59
Regierung nicht mit ihnen verhandeln will, andererseits lehnten sie die Einladung zu der
gemeinsamen Diskussion ab und stellten sich eher in die Opferrolle. Mit der Absage
schadeten sie nur sich selbst. Denn wenn man das Angebot zur gemeinsamen Arbeit
ablehnt, kann man auch kein Entgegenkommen erwarten.


4.3.3 Der Nationale Integrationsplan


Als Ergebnis einer einjährigen Arbeit wurde an dem zweiten Integrationsgipfel im
Sommer 2007 der Nationale Integrationsplan vorgestellt. In dem mehr als 300 Seiten
starken Papier finden sich mehr als 400 Integrationsmaßnahmen und Verpflichtungen
von Regierung, Kirchen, Verbänden, Medien und Migrantenorganisationen. Der
Spracherwerb, Bildung, Arbeitsmarkt oder Frauenrechte sind nur einige Bereiche des
nationalen Projektes, das jährlich 750 Millionen Euro kosten soll.56 Der Integrationsplan
legt einen großen Wert auf die Selbstverpflichtung, d. h., dass die Bereitschaft zur
Integration vor allem von den Zuwanderern und ihren Nachkommen selbst kommen
muss. Die deutsche Gesellschaft soll ihnen dabei behilflich sein. Für die
Bundesregierung wurde die Erarbeitung des Integrationsplans zu einer zentralen
Aufgabe, die sich zum primären Ziel die bessere Eingliederung der Migranten und
Menschen mit Migrationshintergrund in die deutsche Gesellschaft nahm. Ich möchte
mich im Folgenden kurz auf zwei wichtige Bereiche des Integrationsplans, d. h. Sprache
und Bildung, konzentrieren.


4.3.3.1 Deutsch als Schlüssel zur Integration


Die Integration ist eine Aufgabe mit einem nationalen Charakter. Sie soll das Leben von
Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in einem Staat regeln. Das Miteinander
verschiedener Kulturen ist ein primäres Ziel des gelungenen Zusammenlebens. Dazu
wurden auch vor mehr als einem Jahr erste Schritte unternommen. Die Maßnahmen
stehen jetzt in Form des Integrationsplans Schwarz auf Weiß geschrieben. Da über
Integrationsmaßnahmen und Verpflichtungen oft die Rede war, kam meiner Meinung


56
  vgl. Bundestag debattiert über Zuwanderer. „Bei Integration keine Zeit verlieren.“
(Unter http://www.tagesschau.de)



                                                                                       60
nach jetzt die richtige Zeit, die wichtigen Bereiche des Integrationsplans konkret zu
thematisieren. Auf die Vollständigkeit wird in diesem Fall verzichtet.
Die Kenntnis der deutschen Sprache ist eine entscheidende Voraussetzung für die
gelungene Integration. Je besser ein Mensch die Sprache des Landes beherrscht, in dem
er auf Dauer lebt, desto größer ist seine Chance, sich in angemessener Zeit sozial und
beruflich zu integrieren. Die Erlangung der deutschen Sprache in Wort und Schrift
sollte daher im Interesse sowohl der Zuwanderer, als auch des Aufnahmelandes liegen.
Die Sprache hilft der ganzen Persönlichkeitsentwicklung, deshalb ist es notwendig, mit
ihrem Lernen so bald wie möglich anzufangen. Die Sprachförderung beginnt in der
Familie und wird im Kindergarten und weiteren Bildungsinstitutionen fortgeführt, wo
auch erste soziale Kontakte mit anderen Menschen aufgenommen werden. Da einige
Kinder mit Migrationshintergrund keine Gelegenheit haben, von klein auf die deutsche
Sprache zu lernen, weil sie z. B. zu Hause nur mit der Muttersprache ihrer Eltern
aufwachsen oder überhaupt keine Kindereinrichtung besuchen, musste ein Konzept
entwickelt werden, das zur Verbesserung dieser Situation hilft. Der Bund, zusammen
mit Ländern und Kommunen setzt deswegen auf die Unterstützung von systematischer
Sprachförderung von Anfang an, d. h. schon von dem Kindergarten. 57 Für die Zukunft
wird der Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder mit Migrationshintergrund unter
drei Jahren gezielt geplant und gefördert. Von dieser Idee verspricht sich der Staat vor
allem positive Effekte für die frühe Sprachförderung.


Von dem anderen Ende ergriffen das Problem einige Migrationsorganisationen. Sie
vertreten die Meinung, dass die Rolle der Eltern im Prozess der Sprachförderung
unvermeidbar ist. Es sind an der ersten Stelle vor allem die Eltern, die aktiv sein müssen
und ihre Kinder sowohl bei dem Lernen der deutschen Sprache, als auch später in der
Schule unterstützen müssen. Deswegen bereiteten die Türkische Gemeinde in
Deutschland und die Föderation Türkischer Elternvereine im Rahmen des Nationalen
Integrationsplans ein Projekt vor, das sich zum Ziel die Qualifizierung und
Weiterbildung der Eltern türkischer Herkunft vornahm.58 Ausgebildete und motivierte


57
   vgl. Der Nationale Integrationsplan. Neue Wege – Neue Chancen. Die Bundesregierung.
(Unter http://www.bundesregierung.de)
58
   vgl. Der Nationale Integrationsplan. Neue Wege – Neue Chancen. Die Bundesregierung.
(Unter http://www.bundesregierung.de)



                                                                                         61
Eltern sollen sich für die Bildung ihrer Kinder einsetzen und zugleich ein Vorbild für
sie sein. Meiner Meinung nach klingt diese Idee viel versprechend. So können die
Eltern ihre Kinder nicht nur motivieren und ihnen beiseite stehen, aber damit, dass sie
selber in diesen Prozess einbezogen werden, können sie besser die Schwierigkeiten und
Probleme verstehen, mit denen ihre Kinder oft Tag für Tag in der Schule kämpfen
müssen.


Für erwachsene Zuwanderer werden Integrationskurse konzipiert, die vom Bund,
öffentlichen sowie sprachlichen Einrichtungen, Kirchen und anderen Vereinen
angeboten werden. Ziel dieser Integrationskurse ist die Eingliederung der Ausländer
und Menschen mit Migrationshintergrund in die deutsche Gesellschaft. Man muss sich
vorstellen, dass Menschen, die sogar Jahrzehnte oder als zweite Generation der
Migranten in Deutschland leben, lernen müssen, sich in alltäglichen Situationen ohne
weitere Hilfe zu verständigen. Allgemeinkenntnisse und Kenntnisse der deutschen
Sprache sind dabei unerlässlich. Deswegen besteht jeder Integrationskurs aus einem
Sprach- und einem Orientierungskurs und wird mit der international anerkannten
Prüfung „Zertifikat Deutsch“ abgeschlossen. Das Niveau der Abschlussprüfung wurde
auf die Stufe B1 des Europäischen Referenzrahmens für Sprachen59 festgesetzt.
Der Sprachkurs dauert 600 Stunden, dem Orientierungskurs, der Themen aus der
deutschen Kultur, Geschichte und Politik umfasst, werden weitere 45 Stunden
gewidmet. Zudem gibt es noch spezielle Integrationskurse (945 Stunden) für
Jugendliche, Frauen, Eltern und Menschen, die nicht lesen oder schreiben können.60 Das
Angebot eines Integrationskurses können freiwillig die Menschen ausnutzen, die sich
dauerhaft in der Bundesrepublik aufhalten und nicht über ausreichende deutsche
Sprachkenntnisse verfügen. Die Möglichkeit, zu einem Sprachkurs verpflichtet zu
werden, besteht unter bestimmten Bedingungen auch. Damit berufe ich mich auf die

59
   Nach dem Niveau B1 des Europäischen Referenzrahmens für Sprachen können Menschen die meisten
Situationen ohne Vorbereitung bewältigen und im mündlichen Ausdruck an Gesprächen teilnehmen. Sie
können sich zu Themen des Alltagslebens (z. B. Familie, Hobbys, Arbeit, Reisen oder aktuelle
Ereignisse) sprachlich äußern; sie verstehen Radio- oder Fernsehsendungen, wenn es langsam und
deutlich gesprochen wird. Selber sprechen sie in einfachen zusammenhängenden Sätzen, um ihre
Ereignisse, Träume, Gefühle und Wünsche zu beschreiben. Sie schreiben persönliche Briefe, wo sie über
ihre Eindrücke und Erfahrungen berichten können.
vgl. Europäisches Sprachenportfolio, 2003.
60
   vgl. Der Integrationskurs - Inhalte und Ablauf. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
(Unter http://www.integration-in-deutschland.de)



                                                                                                  62
Debatte am ersten Integrationsgipfel (siehe oben). Da wurde die Möglichkeit der
Sanktionen für die Verweigerung der Integration, in diesem Fall Verweigerung eines
Integrationskurses, heftig diskutiert. Vor allem die CDU-Politiker plädierten dafür, den
Ausländern, die die Integrationsangebote ablehnen oder sich nicht ausreichend um
Integration ihrer Kinder bemühen, die Sozialleistungen und Arbeitslosenhilfen bis zu
30 Prozent zu kürzen und sie damit unter Druck zu setzen.61 Mit diesem Vorschlag
stießen sie auf viele kritische Stimmen, die mit dem Argument kamen, dass nach diesem
Muster auch deutsche Eltern bestraft werden müssten, wenn sie sich um ihre Kinder
nicht kümmern und sie z. B. nicht in die Schule schicken.
Die Sprachförderung sollte also im Interesse sowohl der Migranten, als auch des
Aufnahmelandes sein. Der Bund, gemeinsam mit verschiedenen Organisationen trägt
mit den im Integrationsplan beschriebenen Angeboten und Projekten zur sprachlichen
Verbesserung der Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund wesentlich bei.


4.3.3.2 Bildung als zentraler Faktor der gesellschaftlichen Integration


Wie schon oben gesagt, ist die Sprache eine wichtige Voraussetzung für die gelungene
Integration. Nur wenn man die Sprache des Landes, in dem man lebt, gut beherrschen
kann, kann man in der Schule, Arbeit und überhaupt im Kontakt mit anderen Menschen
erfolgreich werden. Zu den aktuellen Problemfeldern der Migrantenkinder gehören
neben den mangelnden deutschen Sprachkenntnissen auch die geringeren schulischen
und    beruflichen     Qualifikationen;     die    Erwachsenen       kämpfen       wiederum   mit
Arbeitslosigkeit und Sozialhilfeabhängigkeit. Die Ursachen für die schulischen
Differenzen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund sind vielseitig. Meiner
Meinung nach kann man die Wurzeln des Scheiterns direkt in den Familien finden.
Obwohl es nicht immer der Fall ist, verfügen die ausländischen bzw. eingebürgerten
Eltern meist über eine unzureichende Qualifikation und sind nicht genug ausgebildet.
Diese Art der Perspektivenlosigkeit kann sich dann bei den Kindern projizieren und ihr
Verhältnis zu der Schule beeinflussen. Ein weiterer Faktor für den häufigen Misserfolg
in der Schule liegt nach einigen kritischen Stimmen im Bildungssystem der
Bundesrepublik. Ganz besonders problematisch stellt sich die Situation der so
61
  vgl. Laurenz Meyer (CDU): Kein Kindergeld für integrationsunwillige Ausländer.
(Unter http://www.shortnews.de)



                                                                                              63
genannten „Seiteneinsteiger“ dar, d. h. derjenigen Kinder und Jugendlichen, die im
Rahmen der Familienzusammenführung oder als Spätaussiedler oder Flüchtlinge nach
Beginn ihrer Schulpflicht in die Bundesrepublik eingereist sind. Diese Kinder haben
schon in ihrem Heimatland großenteils den Schulbesuch hinter sich oder kommen mit
einer bereits abgeschlossenen Schulausbildung. In Deutschland kämpfen sie dann mit
großen Sprachschwierigkeiten und besitzen nur wenige Informationen über das
deutsche Schulsystem sowie berufliche Ausbildungsmöglichkeiten.


Zurück zu den Migrantenkindern, die in Deutschland geboren wurden und trotzdem
schlechte Ergebnisse in der Schule aufweisen. Die erste PISA-Studie62 im Jahre 2000
brachte katastrophale Ergebnisse über die Leistungen der deutschen Schüler und löste
kontroverse Diskussionen aus. Es wurde nach Ursachen für das schlechte Abschneiden
Deutschlands gesucht. Neben mangelnden vorschulischen Angeboten und schlechten
Deutschkenntnissen bei den Migrantenkindern wurde auch zum ersten Mal die
Abhängigkeit der schulischen Leistungen von der sozialen Herkunft der Schüler als ein
Grund für das schulische Scheitern genannt. Obwohl sich die Ergebnisse der „PISA
2003“ und „PISA 2006“ im Vergleich zu „PISA 2000“ verbesserten, wurde immer noch
über den Zusammenhang zwischen der sozioökonomischen und kulturellen Herkunft
und den Leistungen der Schüler diskutiert und nach der Reform des deutschen
Bildungssystems gerufen. Kritisiert wurde vor allem die zu frühe Trennung der Schüler
nach den Schultypen. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass Kinder aus
Zuwanderungsfamilien oft in der Wahl der nächsten Schulstufe benachteiligt werden.
Obwohl sie an der Grundschule vergleichbare Leistungen wie die deutschen Schüler
aufweisen, wurde ihnen selten ein Übergang zur Realschule oder Gymnasium
empfohlen. So werden vor allem die Hauptschulen als „Ausländerschulen“ bezeichnet.63
Mit ihrem hohen Migrationsanteil gelten sie als besonders problematisch. Das
pädagogische Personal muss im Unterschied zu den „normalen“ Schulen oft in
erschwerten Bedingungen arbeiten, die vor allem durch die soziale und ethnische

62
   Die PISA-Studie ist eine internationale Vergleichstudie, die die Leistungen von 15-Jährigen Schülern
in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften testet. Ziel dieser Studie ist es,
vergleichbare Daten über Bildungssysteme der teilnehmenden Staaten zu gewinnen und statistisch belegte
Aussagen über den Zusammenhang von Leistungsvermögen und sozialem Hintergrund der Schüler
treffen zu können. Deutschland ist an der Studie, die alle drei Jahre wiederholt wird, beteiligt. Die letzte
Studie wurde 2006 durchgeführt. Vgl. PISA. Meyers Lexikon Online. (Unter http://lexikon.meyers.de)
63
   vgl. Bildung und Integration. Bundeszentrale für politische Bildung. (Unter http://www.bpb.de)



                                                                                                        64
Vielfalt der Schüler geprägt sind. Die Isolation und Ausgrenzung mancher Kinder
haben Einfluss auf ihr Lernverhalten und Lernleistung. Die Segregation wirkt sich dann
auf die Schulabschlüsse aus, was die Ergebnisse der ersten PISA Studie bestätigten. Es
wurde deutlich, dass in Deutschland doppelt so mehr ausländische Jugendliche die
Schule ohne Abschluss verlassen als deutsche Schüler.


Obwohl die Zahl der Jugendlichen mit Migrationshintergrund mit Schulabschluss in
dem letzten Jahrzehnt leicht gestiegen ist, verschlechterten sich wiederum die
Ausbildungsmöglichkeiten. Einerseits          werden    die   Bildungsvoraussetzugen und
persönliche Ressourcen der jungen Menschen genannt, andererseits werden die
Ursachen des Misserfolgs in niedrigerer Chance, zu einer vollqualifizierten
Berufsausbildung zu kommen, gesucht.64 Damit bestätigt sich der Fakt, dass über die
Bildungsaussichten deutscher Schüler nach wie vor stark die familiäre Herkunft
entscheidet. Um die Zahl der Ausbildungsmöglichkeiten wieder zu erhöhen und damit
die Jugendlichen besser in die berufliche Welt zu integrieren, setzt sich der Bund,
gemeinsam mit verschiedenen Partnern aus Wirtschaft, öffentlichen Verwaltungen und
Betrieben ein. In dem Nationalen Integrationsplan werden Maßnahmen und Projekte
beschrieben, die zur Verbesserung der Arbeitsmarksituation führen sollen. In diesem
Sinne möchten sich die Wirtschaft und Verwaltung künftig an das Personal mit
spezifischen kulturellen und sprachlichen Kenntnissen orientieren. Vor allem in der
Zwei- oder Mehrsprachigkeit der Menschen mit Migrationshintergrund sehen sie ein
großes Potenzial.


Auch für Lehrer und andere pädagogische Mitarbeiter brachte der Integrationsplan viele
Änderungen und neue Herausforderungen, die zur besseren Integration der
Migrantenkinder beitragen sollen. Nach Vorstellung des Bundes sollen sich die Lehrer
aus- und weiterbilden, damit sie eine systematische und konsequente Vermittlung von
deutscher Sprache in Wort und Schrift über die gesamte Schuldauer hinweg den
Kindern aus Zuwanderungsfamilien gewährleisten können. Mit diesem Schritt will man
den Schülern helfen, sich schneller in den Unterricht einzugliedern und die
Lernmotivation zu erhöhen. Es wurde auch nach den Möglichkeiten gesucht, wie die
64
  vgl. Granato: „Erfolgreiche“ Strategien und Wege von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im
Übergang Schule - Ausbildung. (Unter http://www.migration-boell.de)



                                                                                             65
interkulturellen Kompetenzen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund als positive
Elemente in die Unterrichtsgestaltung eingebracht werden können und wie man die
sozialen    und    innerfamiliären    Bildungsbarrieren     bei   den     Schülern    aus
Zuwanderungsfamilien überwinden kann.


Fazit


Die Integration ist die innere Kehrseite von Migration. Deswegen gehören die
Migrations- und Integrationspolitik zusammen wie zwei Seiten der gleichen Medaille.
Die deutsche Migrationsgeschichte ist mehr als fünfzig Jahre alt, über Integration wurde
erst vor wenigen Jahren ernsthaft diskutiert. Vor allem die letzten zehn Jahre waren
durch viele Diskussionen zur Gestaltung und Regelung der Zuwanderung geprägt. Nach
den langjährigen politischen Streitigkeiten, ob Deutschland Einwanderungsland ist oder
nicht, wurden einige wichtige Reformen und Maßnahmen eingeführt, die sich gezielt an
die     Zuwanderung    und    Integration    von    Migranten     und   Menschen      mit
Migrationshintergrund orientieren. Mann wollte den Fehler aus der Vergangenheit nicht
wiederholen, als die Bedürfnisse der Migranten übersehen wurden. Es ist wichtig zu
betonen, dass viele Zuwanderer bis heute unter den Folgen der unzureichenden
Integration oder fehlenden beruflichen Qualifikation leiden.


Die verschiedenen Diskussionen, Meinungen und Ansichten dienten in diesem Kapitel
vor allem dazu, auf die Wichtigkeit der Integration hinzuweisen. Sie machten darauf
aufmerksam, dass die Integration kein einseitiger Prozess ist, sondern dass man sich alle
in dem Staat an diesem Prozess beteiligen sollen. Wenn man nämlich parallel
nebeneinander lebt, ist die Chance, sich gegenseitig anzunähren oder die eigene Kultur
durch die andere zu bereichen, nur sehr gering.
Die Integration ist keine Aufgabe von heute auf morgen. Es wird noch lange Jahre
dauern, bis sich das Denken und die Einstellung der Einheimischen und Ausländern
verändert und sie werden bereit, in Deutschland reibungslos miteinander zu leben.
Zurzeit ist sozusagen die Ruhe an der Front. Ist das vielleicht ein Beweis dafür, dass die
deutsche Integrationspolitik gut läuft und dass die Maßnahmen doch ein positives
Ergebnis brachten? Auf die Antwort sollte man noch einige Jahre warten, weil die



                                                                                       66
deutsche Migrationspolitik erst am Anfang ist. Erst später wird es sich zeigen, ob genau
dies der richtige Weg zum friedlichen Zusammenleben von Deutschen und Ausländern
war.




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5. Zusammenfassung


Wenn man Deutschland sagt, denken viele Menschen meistens an Goethe und Schiller,
berühmte deutsche Automarken oder leckere Bratwurst. Halt an die Dinge, die für
Deutschland typisch sind. Es gäbe aber nur eine sehr kleine Zahl von denen, die auch
Ausländer als charakteristisches Merkmal Deutschlands nennen würden. Aber ob man
diesen Fakt akzeptieren will oder nicht, sind auch die Ausländer seit Jahrzehnten mit
der Bundesrepublik verbunden.


Ich habe mich für dieses Thema entschieden, um zu zeigen, dass das Zusammenleben
von Einheimischen und ausländischen Minderheiten in einem Staat nicht immer einfach
ist und viele gesellschaftliche und soziale Probleme zur Folge hat. Egal, ob es die
Türken in Deutschland oder Latinos in den USA sind, überall treten Schwierigkeiten
mit ihrer Integration auf. Ziel jedes Staates ist dabei, das Zusammenleben von
Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen so gestalten, damit sie ruhig
miteinander leben können. In Deutschland wurde der plötzliche Zustrom von Migranten
in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts als eine Bedrohung der nationalen Identität
empfunden. Bis dahin lebte man in einem Staat, wo alle dieselbe Sprache sprechen und
zum Mittag Schnitzel essen. Seitdem wurde es immer schwieriger, diese Vorstellung
auf der nationalen Ebene durchzusetzen. Auch der Gedanke an eine ideale
multikulturelle Gesellschaft, der zum ersten Mal am Anfang der 80er Jahre erschien, ist
mit der Zeit gescheitert, obwohl er eine Unterstützung im Staat fand. Unter Multi-Kulti
stellte man sich vor, dass die verschiedenen Kulturen in einem Land aufeinander
zugehen. Weder die Deutschen noch die Ausländer zeigten aber damals kein großes
Interesse daran.


In diesem Zusammenhang möchte ich kurz die Situation in Deutschland mit der in
Tschechien vergleichen. Ich wage zu sagen, dass sich die tschechische Bevölkerung
über ihre nationale Identität keine großen Gedanken macht und auch über Multi-Kulti
wird hier nicht gesprochen. Die Tschechen haben offenbar keine Angst, ihre Identität zu
verlieren, weil sie sich nicht von den Ausländern, die ins Land kommen, bedroht fühlen.
In Tschechien werden keine umfangreichen Integrationsmaßnahmen eingeführt, weil


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viele glauben, dass die Integration nicht bei den Tschechen anfängt, sondern von den
Ausländern selbst kommen muss. In diesem Sinne wird von den Ausländern erwartet,
dass sie sich im eigenen Interesse integrieren und die tschechische Sprache lernen.
Sicherlich wird den Menschen ausländischer Herkunft auch hier bei der Eingliederung
geholfen, nicht aber in so großer Maße, wie es der Fall von Deutschland ist. Es wird
daraus keine nationale Aufgabe gemacht; man liegt den Wert eher an die Integration vor
Ort. Meiner Meinung nach wird von der tschechischen Bevölkerung im Vergleich zu
den Deutschen nicht besonders verlangt, den Ausländern entgegenzukommen oder
ihnen bei der Integration zu helfen. Ich glaube, dass die Tschechen und Migranten eher
nebeneinander     leben,      statt    miteinander,     was   wiederum    der   Wunsch     der
sozialdemokratischen Politiker in Deutschland war. Natürlich treten auch hier Probleme
mit den Ausländern auf, die aber einen anderen Charakter haben und eher mit der
Kriminalität     als    mit      den     mangelnden       tschechischen    Sprachkenntnissen
zusammenhängen. Ich glaube, dies sind die größten Unterschiede zwischen den beiden
Gesellschaften. Die deutsche soll aktiv sein, den Migranten helfen, sich in die
Bundesrepublik einzugliedern; demgegenüber steht die tschechische Gesellschaft, die
eher passiv ist und lässt lieber die Integration den Ausländern über.
Da ich im ersten Kapitel das Thema „Migration“ als einen eventuellen Unterrichtsstoff
im Rahmen der Landeskunde vorgeschlagen habe, es ist wichtig zu betonen, dass in
diesem Fall ein Gesamtbild über das jeweilige Land zu vermitteln ist. Der Lehrer sollte
einen aktuellen Überblick über das Zielland behalten, damit er als Vermittler zwischen
der Ausgangs- und Zielkultur auftreten kann. Obwohl das keine leichte Aufgabe ist,
sollte er die Orientierung in dem aktuellen Geschehen seines Heimatlandes und des
Zielsprachenlandes nicht verlieren.


Das   Ziel     meiner   Diplomarbeit       war,   mit    Hilfe   von   aktuellen   politischen,
außerparteilichen aber auch öffentlichen Debatten auf die Schwere und zugleich auf die
Wichtigkeit des Themas Einwanderung und Integration in Deutschland hinzuweisen.
Aus den verschiedenen Diskussionen ist sichtbar, dass es sehr viele unterschiedliche
Meinungen, Ansichten und Konzeptionen zu diesem Thema gibt. Deswegen ist es
wichtig, eine gemeinsame Stellungnahme zu den migrationspolitischen Fragen zu
finden. Ich stellte fest, dass es keine leichte Aufgabe ist, eine gute Zuwanderungs- und



                                                                                            69
Integrationspolitik auf dem deutschen Gebiet zu machen, weil sie ständig auf
Meinungsverschiedenheit von Vertretern der Politik, Wirtschaft oder gesellschaftlichen
Gruppen anstoßen. In diesen Fällen muss nach Kompromissen gesucht werden, um eine
akzeptable Lösung für alle Beteiligten im Staat zu finden.




                                                                                   70
6. Resume


O Německu se dá s jistotou říci, že bylo ve svém dějinném vývoji vždy spojováno
s různými formami migrace obyvatelstva, ať už lidé směřovali za jeho hranice do jiných
států, nebo si ho naopak zvolili za svůj cíl. Konec 2. světové války a nové politické
a teritoriální uspořádání Evropy vytvořily prostor pro novou vlnu migrace, která
výrazně ovlivnila nejen hospodářskou, ale i společenskou situaci v tehdejším Německu.
Jelikož jsem navrhla téma „migrace“ jako jednu z možných variant při výuce
německého jazyka, snažila jsem se v úvodní části své práce vysvětlit pojem
„Landeskunde“ tak, jak je vnímán několika odlišnými autory. V rámci této kapitoly
jsem se také pokusila přiblížit obsah tohoto pojmu pro účely cizojazyčné výuky.
V souvislosti s výukou jsem krátce nastínila problém zažitých předsudků a stereotypů,
které jsou při kontaktu s cizí kulturou zcela běžné a je nutno je eliminovat. To pak
napomáhá předcházet nepříjemným situacím a nedorozuměním. Zdůraznila jsem, že je
ve výuce důležité poskytnout žákům poznatky o současné německé společnosti, se
kterými je možno v rámci studia reálií různými způsoby nadále pracovat.


Důležitým časovým mezníkem ve vývoji migrace obyvatelstva na území Německa byla
především 50. léta 20. století. Od této doby bylo nutno udělat mnoho politických
a sociálních změn i mnoho kompromisů, které měly za úkol regulovat přistěhovalectví
a usnadnit tak soužití cizinců a německých občanů. Protože jsem se ve své práci
zaměřila na aktuální diskusi týkající se integrace, bylo nutné se seznámit s různými
názory a koncepcemi jak politických stran, tak i nevládních organizací, které svým
menším či větším dílem chtějí přispět k integraci přistěhovaleckých menšin. Cílem mé
diplomové práce bylo především poukázat na odlišné názory a postoje k tomuto
aktuálnímu tématu. S příchodem cizinců do země bylo nutno se zamyslet nad nově
vzniklou situací ve státě a přijmout taková opatření, která by tento stav dokázala
regulovat. V rámci diskuse o integraci jsem poukázala na fakt, že i lidé, kteří nemají
německé občanství, zde mohou žít společně s Němci, aniž by u těchto nutně musel
vzniknout pocit, že přicházejí o vlastní národní identitu. Na základě různých diskusí
a rozličných názorů je důležité si uvědomit, že na jedné straně je hlavní snahou
Německa dát přistěhovalectví řád a dbát na to, aby každý občan, tedy i cizinec, uznával


                                                                                    71
a dodržoval místní kulturu i legislativu, na druhé straně je ovšem také důležité dát
přistěhovalcům pocit, že i v této zemi si mohou svoji kulturu a tradice uchovat. Jak se
ukázalo, hraje tento postoj výraznou roli při úspěšné integraci cizinců na území
německého státu.




                                                                                    72
7. Literaturverzeichnis


7.1 Verwendete Literatur

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                                                                                     75
Assimilation. Meyers Lexikon Online.
Unter http://www.zuwanderung.de/1_anwerbung.html

Aussiedler. Aussiedlermigration in Deutschland. Bundeszentrale für politische Bildung.
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Aussiedler. Die CDU steht auch künftig an der Seite der Aussiedler. Stand 12.6.2007.
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Bildung und Integration. Bundeszentrale für politische Bildung.
Unter http://www.bpb.de

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