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Von Afrika nach Europa

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					Von Afrika nach Europa

 Wanderungsbewegungen durch
  die Sahelzone und politische
   Gegenmaßnahmen vor Ort
Einführung

• Illegale Migration aus Afrika zunehmendes Problem für
  die EU-Länder
• Zuwachs afrikanischer Länder an strategischer
  Bedeutung
• Geldfluss von Europa nach Afrika, um Migration zu
  kanalisieren und zu kontrollieren
• „Outsourcing“ von Grenzkontrollen.
Inhalt des Vortrags

• Teil 1: Ursachen und Mechanismen von illegaler und
  unkontrollierter Migration in der Sahelzone

• Teil 2: Maßnahmen der Behörden anhand von
  Fallbeispielen

• Teil 3: Folgerungen aus bisherigen Mißerfolgen und
  Erfolgen bei der Regulierung der illegalen Migration.
Gründe für Migration I

• Bevölkerungswachstum
• Armut
• HIV/AIDS
• Regionales und internationales wirtschaftliches
  Ungleichgewicht
• Destabilisierung (politisch, ethnisch)
• Budgetkürzungen im sozialen Sektor
• Förderung der illegalen Migration durch afrikanische
  Politiker
Gründe für Migration II

• Verwurzelte Wanderungstraditionen und
  Mythologisierung der Wanderung (bspw. Manding in Mali
  oder Fulani-Händler in ganz Westafrika)
• ECOWAS
• Dürreperioden, Degradation von Ackerböden (!)

• „neoliberale Wirtschaftspolitik“ der EU und anderer
  Wirtschaftsnationen
Migrationssrouten (historische Dimension)

• Tradition des „transsaharanischen Handels“ (mindestens
  seit dem 10. Jahrhundert n. Chr.)
• Beteiligung alteingesessener Familien bzw. ethnischer
  Gruppen am heutigen überregionalen Handel in der
  Sahelzone
• Infrastruktur (Wasser/Lebensmittel usw.).



           Althergebrachte „Legale Routen“
          werden für illegale Migration genutzt!
    Die westafrikanische Küstenroute

                    Destination:
                  Kanarische Inseln
                       Route:
Nord-Mauretanien – West-Sahara (oder Süd-Marokko)
                   Charakteristik:
               Am wenigsten gefährlich
                      Nutzer:
   Flüchtlinge aus Westafrika, zunehmend Asiaten
            Die West-Sahara-Route

                       Destination:
                    Kanarische Inseln
                          Route:
  Nord-Mauretanien – West Sahara (oder Süd-Marokko)
                      Charakteristik:
    Gefährlich, da durch Sahara – mittels Schmuggler
                         Nutzer:
Flüchtlinge aus der Elfenbeinküste, Ghana, Burkina Faso,
                        Togo, Benin
        Die Zentral-Sahara-Route

                   Destination:
        Nordküste Afrikas (meist Marokko)
                      Route:
  Startpunkt Agadez in Zentral-Niger (Silber- und
Uranminen). Durchläuft Sahara durch Algerien, gliedert
       sich in mehrere Routen in Nordmarokko
                  Charakteristik:
Gefährlich (im LKW-Konvoi), trotzdem sehr populär
                      Nutzer:
         Westafrikaner (Nigeria, Kamerun)
           Die Ost-Sahara-Route

                    Destination:
Nordafrikanische Küste – Lampedusa, Sizilien, Malta
                       Route:
  1. Agadez (Niger) – Tunesien via Süd-Algerien
    2. Agadez – Libyen via Sebha (Süd-Libyen)
                   Charakteristik:
       Gefährlich, durch Schmuggel in LKWs
                       Nutzer:
   Migranten aus dem subsaharanischen Afrika
                      Westafrika

• Hauptdrehscheibe für Menschenhandel (Frauen, Kinder)
• Beteiligung internationaler Syndikate und Netzwerke
• In West- und Zentralafrika 200,000-300,000 Kinder
  jährlich verkauft, als Sklaven und Prostituierte

• Pervertierung traditioneller Bräuche in Ghana

• Handel von Menschen besonders von Ghana und
  Nigeria nach Europa, USA, Libanon, Naher Osten
 Maßnahmen der Behörden


          Einige Fallbeispiele

        Generelle Feststellung:
Häufig ad hoc, unkoordiniert, punktuell,
              wirkungslos
       Migrationspolitik afrikanischer
                 Staaten

                              2005:
    von 56 afrikanischen Staaten verfolgt nur ein Viertel das
     Ziel, etwas zur Kontrolle und zur Limitierung von illegaler
                     Migration zu unternehmen

   „laissez-faire policy“ (Desinteresse, Korruption)
   Kaum Programme zur Integration von Migranten
   Kaum Intervention bei Ausreise
   18 afrikanische Staaten nehmen ihre Bürger zurück
   Xenophobie weit verbreitet
     Sind „outsourcing“ sowie Geld und
  technische Hilfe aus der EU die Lösung?
• zentralistische, autokratische, oligarchische Regierungen
• Korruption
• Behinderung traditioneller, legaler und benötigter
  Migration
• Beförderung zwischenstaatlicher Konflikte (Beispiel
  Algerien-Marokko)

 Dieselben Fehler wie bei der Terrorismus-Bekämpfung?
Fallbeispiel 1
    Libyen
Libyen:

• Seit Machtübernahme Ghaddafis 1969 ein repressives
  System
• Seit 1988 erste Entspannungstendenzen bei der
  Menschenrechtssituation
• Seit 1998 weitere Entspannung (Entkommen aus der
  Isolation)
Libyen:

• 5,3 Millionen Einwohner
• Ölgewinnung
• 600,000 legale Migranten (Ölindustrie)



• Bis zu 1,2 Millionen Illegale
Libyen:

 Gründe für die illegale Migration nach Libyen und
                  aus Libyen hinaus:

 4,400 km Grenze (meist Wüste) (alte Routen und Netzwerke)
                   Prosperierende Wirtschaft
                  Panafrikanismus Ghaddafis
                          Transitland
     Beteiligung libyscher Offizieller am Menschenhandel
                Arbeitslosigkeit von Migranten
Libyen:

   Illegale Migranten kommen über Kufra im Südosten
     Libyens und Benghazi an der libyschen Küste in die
                      Hauptstadt Tripoli

             Kufra: Wechsel der Fahrzeuge
          Benghazi: Kauf von Ausweispapieren
            Tripoli: Sprungbrett nach Europa

  Sie kommen aus dem Sudan, dem Tschad, Äthiopien,
            Eritrea, aus Ostafrika, aus Asien
                  oder aus Tunesien!
Libyen:

               Fremdenhass weit verbreitet
(Zawiyya, Libyen 2000: 50 Tote, marokkanische Zeitungen)

      Schläge und Folter in libyschen Gefängnissen

                Keine Asylgesetzgebung

 Korruption (Bestechung von Behörden, auch mehrmals)

      Keinerlei Flüchtlings- oder Migrationskarteien
Libyen:

           Festnahmen von Illegalen durch

„Sweeps“ (Durchsuchung von Wohnvierteln oder Märkten)
               Abfangen an der Grenze

     Prägnanter Fall: Der Markt von Tajura in Tripoli
        Razzia jeden Dienstag und Donnerstag
Libyen:

                    Gefangenenlager

   Zunächst in kleines Lager (überall im Land verstreut)

Dann in großes Lager: al-Fellah (Tripoli), Misrata, Sulmam,
                       Kufra, Sebha

    Widersprüchliche Aussagen über die Behandlung
Libyen:

                        Deportation
   Kontaktaufnahme mit der Botschaft
   Rückführung (mit, häufig defekten, Autos)
   Keine Rückführung (Bestechung an der Grenze)
   Keine Rückführung (keine Landemöglichkeit im Zielland)
   Keine Rückführung (Zielland zu weit entfernt)
Libyen:

     Wirtschaftliche Lage der illegalen Migranten

                informelle Wirtschaft
                     Kriminalität



            Geld verdienen für Überfahrt
Fallbeispiel 2
    Senegal
Senegal:

     Kaum staatliche Maßnahmen zur Kontrolle des
                    Migrantenstroms

 Komplexität der Migrationsströme
 Wohlhabende Rückkehrer (Mythologisierung und
  Erzählungen) – keine Konfrontation
 15% des BSP Senegals durch Auslands-Senegalesen
  (bringt mehr als Entwicklungshilfe oder EU-Hilfe)
Senegal:

     Gegenmaßnahmen der Regierung unter Wade

 Farmland für Jugendliche (rentiert sich nicht!)
 Zusammenarbeit mit FRONTEX bei der
  Küstenbeobachtung im Austausch für Visazusagen für
  senegalesische Wissenschaftler und Studenten

               Private Gegenmaßnahmen

 Elterninitiativen (meist Mütter) – Umdenken eingeleitet
                  Folgerungen
• Vorteile der illegalen (und legalen) Migration für
  afrikanische Regierungen von Ursprungsstaaten:
  „Entsorgung“ des Bevölkerungsüberschusses,
  Geldimporte, Migranten als Verhandlungsmasse für
  Geldzuwendungen

• Nachteile für afrikanische Ursprungsstaaten: „Brain-
  drain“, Feminisierung

• Nachteile für Transitstaaten: Fragiles ethnisches
  Gleichgewicht, Korruption und Behördenwillkür
  potenziert
        Folgerungen für die EU
• Geld wird in fragile staatliche Gebilde gepumpt mit teils
  fragwürdigen Regimen
• Es existieren keine ausreichenden Erkenntnisse über die
  vor Ort lebenden traditionellen Völker und Kulturen
• Die Politik der EU ist widersprüchlich: einerseits
  Unterstützung beim Kampf gegen illegale Migration,
  andererseits Mitverursacher gerade dieser Migration
  (Fischerei-, Landwirtschaftssubventionen)

				
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posted:11/2/2010
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