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Ziel der VU Tourismus- und Erhol

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Ziel der VU Tourismus- und Erhol Powered By Docstoc
					VU Tourismus- und Erholungsplanung
Kim Meyer-Cech
Geschichte WS 05-06.doc




Beziehung Raumplanung – Tourismus

   1. ordnendes Eingreifen, wo der Tourismus Gefahr läuft durch seine Eigendynamik sich
       selbst zu zerstören (Umwelt, Bevölkerung, Kultur), Ordnungsfunktion der
       Raumplanung
           - hohe Raumansprüche für die touristische Suprastruktur
           - hohe Raumansprüche für die touristische Infrastruktur
           - zeitlich stark schwankende Raumbeanspruchungen
2. Tourismus als Instrument der Regionalentwicklung
Förderung eines integrativen Tourismus in wirtschaftlich wenig entwickelten Regionen
Entwicklungsfunktion der Raumplanung



Kurzer Abriss zur Tourismusgeschichte
(s. z.B. Freyer „Tourismus – Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie S. 18ff,
Bätzing in „Der Alpentourismus“ S. 181ff
und als Zusammenfassung in „elf thesen zum Tourismus“ S 7ff)

 Vorphase (bis ca. 1850: Pilgerreisen, Badereisen, Grand Tour,...)
Anfänge des alpinen Tourismus, bereits vor der Bahn
- Jagen
- Badekuren
- Bergsteigen

 Anfangsphase (n. Freyer 1850 – 1914)
Ausbau des Post- und Nachrichtenwesens, Dampfschiff, Eisenbahn, höherer Wohlstand
durch Industrialisierung
1841 erstes Reisebüro und erste Pauschalreise in England angeboten

Belle-Epoque
Auftreten des ersten Massentourismus ab 1880, sog. „Belle-Epoque“: aus England kamen
Adelige, Bürger und Industrielle in die Alpen, in dieser Zeit entstanden viele große Hotels,
riesige „Grand-Hotels“ mit hoher Wertschöpfung, v.a. an den Ufern der Alpenrandseen und in
hochgelegenen Talschlüssen (v.a. in der Schweiz, z.B. Zermatt, Grindelwald und in
Österreich z.B. Semmering)

Hütten- und Wegeausbau
Zwischen 1880 und 1914 entstanden auch dezentrale Tourismusstrukturen (kleine Hotels,
Alpenvereinshütten, Wanderwege), die eine Reihe von Gebirgsgruppen touristisch
erschlossen. Es handelt sich hierbei jedoch um wertschöpfungsschwache Aktivitäten und um
kleine Gästezahlen.
erster Schilift 1908

„Mit dieser neuen Entwicklung im Industriezeitalter wachsen in den Alpen die räumlichen
Disparitäten sehr stark: Einerseits findet eine flächenhafte Entwertung der Alpen statt, was zu
Abwanderung und Bevölkerungsrückgang führt, andererseits werden kleinere Teilflächen sehr


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stark aufgewertet, was mit einem starken Bevölkerungswachstum verbunden ist.“ (Bätzing,
2002, S 181)
Einbruch durch den ersten Weltkrieg
danach wieder Sommerfrischler-Tourismus, zunehmend reisten mittlere und gehobene
Angestellte, ersten in den späten 20er Jahren auch kleinere Angestellte und Arbeiter

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte einen Einbruch im österreichischen Tourismus:
Zuerst führte die „1.000-Mark-Sperre“ Hitlers 1933 zu stark schwindenden Zahlen an
deutschen Tourismus, dann änderte sich das Urlaubsverhalten der Ostmärker und der
Menschen aus dem Altreich durch die faschistische Urlaubsorganisation „Kraft durch
Freude“, wo staatlich organisierte Reisen zu niedrigen Preisen angeboten wurden und z.B. der
Familienbadeurlaub am Meer propagiert wurde. Schließlich führte der zweite Weltkrieg in
Europa zum Zusammenbruch des Tourismus (Bocek, Hlavac, 1999, S.11).

Die Alpen wurden für den Straßenverkehr erschlossen. Ab dem Ende der 30er Jahre wurden
in Österreich Seilbahnen gebaut.

 Hochphase (ab 1945)
Die Hochphase begann in den Jahren ab dem Zweiten Weltkrieg und ist eng verbunden mit
dem wirtschaftlichen (Wieder-)Aufschwung in den westlichen Industrienationen (s.
Boomfaktoren). Impulse für Tourismus durch die Motorisierung, Tourismus kommt auch in
Gebiete abseits des Bahnnetzes. Heutige Form des Reisens wird als Massentourismus
bezeichnet.

Sommer-Massentourismus: Dieser setzte um 1955 ein. Geprägt war diese Zeit durch
Privatquartiere, Pensionen und kleine Hotels. Ausgelöst wurde der Massenansturm durch
(real) steigendes Einkommen und geringere Arbeitszeit.
In den 80er Jahren konkurrierte der Trend zu den Fernreisen mit dem klassischen Sommer-
Wanderurlaub in Österreich. „Hausmeisterstrand“: auch Personen mit mittlerem und
niedrigerem Einkommen können sich einen Urlaub am Meer leisten.

Winter-Massentourismus: ab 1965 gewinnt der Winterurlaub neben dem Sommerurlaub an
Bedeutung. in Westösterreich, Bayern, Südtirol in stark dezentraler und in Frankreich und
Italien in stark zentralisierter Form. Nur die slowenischen Alpen kennen auf Grund der
„sozialistischen“ Entwicklung Jugoslawiens keinen touristischen Ausbau, hier fand
stattdessen eine dezentrale industrielle Erschließung der Alpentäler statt. (Bätzing, 2002, S.
182). In Österreich bis in die frühen 90er Jahre stetiges (immer nur kurz unterbrochenes)
Wachstum. Zahlreiche Gemeinden bzw. Talschaften bildeten rasch Zwei-Saisonen-Strukturen
aus. Die Monostruktur des Tourismus prägte diese Orte immer stärker.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Formen von Tourismusorten in den Alpen:
   1) Orte, die aus bäuerlich geprägten Dauersiedlungen heraus entstanden sind (in Italien
      und der Schweiz ab 1965 durch große Zweitwohnsitzkomplexe überprägt worden)
   2) Tourismusorte, die „ex nihilo“ angelegt wurden, v.a. in Frankreich, im Wallis und in
      Italien. Aus den 30er Jahren stammt dieser Typ des „Retorten-Wintersportortes: eine
      großzügige Wintersportstation mit großen Hotels und zahlreichen Liften in
      unbewohnten Hochgebirgsregionen.

Ende der 70er Jahre: Kurzurlaube gewinnen an Bedeutung: zusätzlich zu einfachen
Gasthäusern nun Ferienwohnungen und Urlaub am Bauernhof

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80er Jahre: Komforthotels
90er Jahre: Urlaubsstil-Pakete (s. auch Trends im Tourismus)


Die „Boomfaktoren“ des Tourismus oder Gründe für den Massentourismus

 Mobilität/Motorisierung
Ausweitung der privaten Motorisierung (Pkw) und Ausbau des Transportnetzes: Straße,
Schiene, Enticklung auf dem Flugsektor,
 Einkommen, Wohlstand und Kaufkraft
Wohlstand steigt – Verschiebung von Grundbedarfsgütern zu den Gütern des sog. gehobenen
oder freien Bedarfs
heute auch Urlaub als Statussymbol, Tourismus gehört zur kulturellen Praxis
 geringere Arbeitszeit/geregelter Urlaubsanspruch
1950 noch 6-Tage-Woche, 48-Stunden-Woche, 279 Arbeitstage, 86 freie Tage
1990 5-Tage-Woche, 38-Stunden-Woche, 200 Arbeitstage, 165 freie Tage
Opaschowsky (1987) spricht auch von einem Wertewandel von der Arbeits- zur
Freizeitgesellschaft
 professionelle Vermarktung, Entwicklung des Kommunikationswesens, Entstehung
    und Ausbau einer Tourismusindustrie
internat. Buchungs- und Reservierungssysteme
Herausbildung einer Tourismusindustrie: sowohl in Ziel- als auch in Quellgebieten wichtige
Einnahmequelle (Reiseveranstalter, Reisebüro, Transportbetriebe,...)
 Bevölkerungswachstum und Verstädterung
Wunsch nach Natur und Landschaft, Erholung, ....


Trends im Tourismus
Jeder Trend hat auch einen Gegentrend – Megatrends sind die daraus hervorgehenden
Zukunftslinien

Zeit = Synonym für Erlebnis und Innovation (früher Zeit = Geld), Freizeit-Stress
Konjunktur des Erlebnisses: der intensiv nachgefragter Erlebniskonsum ist die Antwort auf
verdrängte Gefühlswelten, Emotionen werden verdrängt – Emotionalität wird zum Zweck

Freizeit = Konsumzeit: sog. „2-Stunden-Gesellschaft“
Erlebniskonsum – als Gegentrend der Bekenntniskonsum, Bescheidenheit, Ethik, Moral

 Erlebnisorientierung
beim Sport sind Risiko und Wagnis wichtig, Abenteuer;
überhaupt stellt sich die Erlebnisorientierung im Urlaub gleichrangig neben das
Erholungsmotiv: „Erlebnisparks“ im internationalen Vergleich kaum attraktiv – Österreich
muss eigenen Weg erarbeiten

   Kurzreisen: besonders Städte- und Kulturkurzreisen; aufkommende Geldknappheit –
    kürzere Reisen, Sparreisen, Flexibilität der Reisedauer




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   Gesundheitswelle im Tourismus mit Wellness (Wellbeing und Fitness) nimmt zu,
    Thermen (steigendes Gesundheitsbewusstsein mit steigendem Alter)



           Trend zu....                       Anmerkung

   Themen- und Centerparks          starke Erlebnisorientierung
   Event-Tourismus, Mega-           Vermarktung von Emotionen
    Events                           Freizeit = Konsumzeit
   Cluburlaube, all-inclusive
   Extremsportarten

   Kurzreisen (Städtereisen)        demographische Gründe
   Flexibilität der Reisedauer      (Singles, 60+,…)
                                     aufkommende Geldknappheit

   Gesundheits- und                 mehr Qualität
    Wellnesstourismus                Gesundheitsbewusstsein
   Kulturtourismus, Bildungs-       gestiegenes Bildungsniveau
    und Kongresstourismus




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