Von Hotels und Motels
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Von Hotels und Motels
Das Hotel Sacher warb anlässlich seines 125jährigen SACHER unter der Regie von Erich Engel in die Kinos.
Bestehens mit einer Broschüre, die den Untertitel trug: Der Film zeigt die Welt an der Schwelle zum 1. Welt-
»Gelebte Tradition«. Hier findet sich die Entstehungs- krieg. Als Spionagefilm misst er das Hotel als Spiel-
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geschichte aufgezeichnet, welche – wie bei vielen raum zwischen Fremden aus, als ein Geschehen, das
anderen berühmt gewordenen Hotels auch – in das hinter prächtigen Kulissen seine intrigante Vehemenz
19. Jahrhundert zurückreicht. Der Zuckerbäcker und entwickelt. »Schein und Sein« ist eines der Themen von
k.u.k. Hoflieferant Eduard Sacher, d. h. das aufstre- Hotelgeschichten. Menschenkenntnis, meist den Por-
bende Bürgertum, investiert sein durch Cafés erwirt- tiers zugeschrieben, wird auf die Probe gestellt. Fritz
schaftetes Geld in eine maison meublée, eröffnet darin Eckhardt wird in den 70er Jahren diesen detekti- 77
1876, also drei Jahre nach der Weltausstellung in vischen Spürsinn für das menschlich Menschelnde mit
Wien, sein Hôtel de l’opéra. Er führt es zusammen mit der Fernsehserie HALLO – HOTEL SACHER … POR-
seiner späteren Ehefrau, der Fleischhauerstochter TIER! erfolgreich darstellen.
Anna Fuchs, zu großem wirtschaftlichen Erfolg. Die Hollywoodverfilmung von Vicki Baums Roman
Diese success story erzählt noch viele andere Ge- »Menschen im Hotel« unter dem Titel GRAND HOTEL
schichten – »Anekdoten«, wie es in der Broschüre (Regie: Edmund Goulding) zeigt 1932, sieben Jahre vor
heißt, deren Akteure neben den Hoteliers und Ange- HOTEL SACHER, den Hotelraum als den Ort moderner
stellten natürlich auch die Gäste sind. »Hotelgeschich- Vereinzelung schlechthin. Vorgeführt wird ein zerstreu-
ten« setzten hier ein. Sie gewinnen ihren Reiz aus den tes Nebeneinander, das flüchtige Begegnungen erlaubt,
»zufällig« zusammen gewürfelten Gästen, dem prächti- herausgehoben aus dem Alltäglichen. Telefonate – aus
gen Interieur, der intrikaten Mischung von öffentlichen heutiger Sicht ausgesprochen modern – führen fast
und privaten Räumen. 1939 bringt die Ufa das HOTEL alle Hauptfiguren ein. Doktor Otternschlag bringt darü-
ber hinaus in seinem melancholischen Kommentar das seine zahlreichen Vorgänger und Nachfolger). Meist fin-
Unpersönliche dieses Hotellebens auf den Punkt: det sich keine individuelle Betreuung mehr, sondern
»What do you do in the Grand Hotel? Eat, sleep, loaf Massenabfertigung unter der Maßgabe der Rentabilität,
around … flirt a little, dance a little. A hundred doors die den Reisenden in seiner spurlosen Anonymität be-
leading to the hall. No one knows anything about the lässt. Thelma und Louise finden in Motels Zuflucht, Ma-
person next to them. And when you leave, someone oc- rion Crane (PSYCHO), wie viele andere mit ihr, den Tod.
cupies your room … lies in your bed. That’s the end.« Das Grand Hotel teilt mit dem Warenhaus und dem
Allerdings verlässt keine der Figuren diesen Hotelraum Filmpalast die Geschichte der Moderne, die nicht erst
so, wie er oder sie anfangs durch die Drehtür (wich- seit heute in der Krise ist. Doch auch wenn diese spek-
tiges Requisit!) hineingeschwemmt wurde. Baron takulären Architekturen kaum mehr belebt und Hotels
Gaigern stirbt, Generaldirektor Preysing wird von der nur noch selten zur Wahlheimat gemacht werden kön-
Polizei abgeführt, Fräulein Flamm findet mit dem mori- nen – das Kino erinnert sich ihrer und seiner selbst
bunden Otto Kringelein zu einem prekären happy end gleich mit. Annette Keck
und ganz im Gegensatz zu ihrem anfänglichen beschei-
denen Auftritt zu einem furiosen Abgang mit Spalier. Mikrokosmos der Gesellschaft
Bietet die Drehtür eine raffinierte Möglichkeit, die Welt Das (Luxus-)Hotel als Brennpunkt verschiedener
einerseits auszusperren und die Menschen anderer- Geschichten, die alle nur eines verbindet: Der
seits in diese jenseitige Welt der Spiegel, der Lüster, Handlungsort und die zufälligen Begegnungen,
der glänzenden Böden und der uniformierten properen die dieser Ort ermöglicht.
Boys mit den Goldknöpfen einzulassen, so wird diese
andere Welt zum abgeschlossenen Kosmos, zur Welt in CHELSEA GIRLS – USA 1966 – R: Andy Warhol, Paul
sich. Sie bietet damit keinen Einblick in die Alltäglich- Morrissey – B: Andy Warhol, Ronald Tavel – K: Andy
keit des fremden Lebens draußen, sondern große Aus- Warhol – M: The Velvet Underground – D: Nico, Mario
blicke, sei es auf die Silhouette der Stadt, sei es auf Montez, Marie Menken, Gerard Malanga, Patrick
grandiose Bergketten, Meeres- und Seenlandschaften. Flemming, Ingrid Superstar, Bob »Ondine« Olivio, Mary
Losgelöst von familiären Bindungen und alltäglichen Woronov – 205 min, OF, Doppelprojektion – Legendä-
Verpflichtungen geraten die Figuren »außer sich«, er- rer Undergroundfilm Andy Warhols, weitgehend ge-
proben neue Selbstentwürfe. Kein Wunder auch, wenn dreht im New Yorker Chelsea Hotel. Bei der Premiere
hier junge Frauen in erotische Bredouillen geraten, waren die Episoden noch einzelnen Zimmern zugeord-
wenn dort Verwirrspiele stattfinden oder der herzlose net: Zimmer 732 – THE POPE ONDINE STORY, Zimmer
und höhenkranke Edward Lewis aus PRETTY WOMAN 422 – THE GERARD MALANGA STORY, Zimmer 946 –
im exklusiven Penthouse des Hotels den liebenden Ret- GEORGE’S ROOM, Zimmer 116 – HANOI HANNA, Zim-
ter geben kann. Dass er dies schlussendlich auch im mer 202 – AFTERNOON, Zimmer 632 – THE JOHN,
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wirklichen Leben tut, ist nicht zuletzt der Wandlung der Zimmer 416 – THE TRIP, Zimmer 822 – THE CLOSET.
Prostituierten Vivian Ward geschuldet, die in der Hotel- Nach Intervention des Chelsea Hotel unterblieben bei
kulisse zur wohlanständigen bürgerlichen Weiblichkeit späteren Vorführungen alle Bezugnahmen auf be-
(zurück-)findet. Haute Couture, Haute Cuisine und Oper stimmte Zimmer. »Warum ist der Film CHELSEA GIRLS
tun ihr übriges dazu (und natürlich auch die »Men- Kunst? Nun, erstens weil er von einem Künstler ge-
78 schenkenntnis« des wunderbar ironischen Hotelmana- macht wurde und zweitens weil aus dem, was ein
gers in Gestalt von Hector Elizondo). Künstler macht, Kunst zu werden pflegt.« (Andy Warhol)
Mit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts Sonntag, 5. Juli 2009, 18.30 Uhr
sind die Grand Hotels im Schwinden begriffen, sie
funktionieren, wie in PRETTY WOMAN, größtenteils als GRAND HOTEL (MENSCHEN IM HOTEL) – USA 1932
nostalgisches Zitat. An ihre Stellen treten funktionale – R: Edmund Goulding – B: William A. Drake, nach dem
Hotelketten, die das Theatralische zurücknehmen, also Roman von Vicki Baum – K: William H. Daniels – M:
keine Bühne mehr, sondern ein funktionales Gehäuse Herbert Stothart – D: Greta Garbo, John Barrymore,
für die Reisenden bieten. Offenbar wird auch, was die Joan Crawford, Wallace Beery, Lionel Barrymore, Jean
Grand Hotels sorgsam zu verbergen suchen, nämlich Hersholt, Lewis Stone – 110 min, OF – Im Berliner
dass all der Luxus erkauft werden muss. Auch zeigen grand Hotel kreuzen sich innerhalb von zwei Tagen die
die oft genug schäbigen Zimmer dem einzelnen Gast Wege höchst unterschiedlicher Menschen, deren
seine transitorische und vergängliche Existenz auf (und Schicksale miteinander verknüpft werden. Zum ersten
Mal in der Filmgeschichte versammelte ein major Stu- AMARCORD – Italien 1973 – R: Federico Fellini – B:
dio alle seine Top-Stars in einem aufwendigen Ensem- Federico Fellini, Tonino Guerra – K: Giuseppe Rotunno –
blefilm, der 1932 mit dem oscar für den besten Film M: Nino Rota – D: Magali Noël, Bruno Zanin, Armando
ausgezeichnet wurde. Er stellt den Prototyp des Hotel- Brancia, Pupella Maggio, Giuseppe Iangiro – 123 min,
films dar und bildete die Vorlage für einige Remakes OmU – »Amarcord« bedeutet im Dialekt der Emilia
und viele Nachahmer. Die Eifersüchteleien hinter den Romagna: »Ich erinnere mich«. Aus der Perspektive
Kulissen sind ebenso legendär wie die Geschichten vor eines neugierig-staunenden 16jährigen Jungen prä-
der Kamera, weil Greta Garbo und Joan Crawford ein- sentiert der bildgewaltige Film ein Panoptikum skurriler
ander nicht ausstehen konnten. Mit dem mgm grand in Charaktere, ein Kaleidoskop ebenso amüsanter wie er-
Las Vegas wurde später ein Hotel gebaut, das dem im schreckender Momentaufnahmen aus dem Italien zur
Studio geschaffenen Hotel des Films nachempfunden Zeit des Faschismus. Die Episoden fügen sich zusam-
war. men zu einem Stimmungs- und Sittenbild einer Epoche.
Dienstag, 7. Juli 2009, 20.00 Uhr Freitag, 10. Juli Das alte grand Hotel der Stadt ist eng mit der
2009, 18.30 Uhr Geschichte der Einwohner Riminis verbunden: Die
Gradisca hat durch ein nächtliches Erlebnis in einer
H.E.A.L.T.H. (DER GESUNDHEITSKONGRESS) – USA Suite des Hotels ihren Spitznamen bekommen, und
1980 – R: Robert Altman – B: Frank Barhydt, Paul Doo- auch Biscein, ein armer Händler, kann von sinnlichen
ley, Robert Altman – K: Edmond L. Koons – M: Joseph Erfahrungen mit den Haremsdamen eines orientali-
Byrd – D: Glenda Jackson, Carol Burnett, James Gar- schen Fürsten berichten, der mit seinem gesamten Hof-
ner, Lauren Bacall, Paul Dooley, Dick Cavett – 105 min, staat in dem Hotel übernachtet hat.
OF – In einem prunkvollen Nobelhotel im Süden Flori- Donnerstag, 9. Juli 2009, 20.00 Uhr Sonntag,
das treffen sich Amerikas Hersteller von Gesundheits- 12. Juli 2009, 18.30 Uhr
kost, die Organisation H.E.A.L.T.H. (Happiness, Energy
And Longevity Through Health), und halten ihren jährli- THE HOTEL NEW HAMPSHIRE (HOTEL NEW HAMP-
SHIRE) – USA 1984 – R+B: Tony Richardson, nach
dem Roman von John Irving – K: David Watkin – M:
Raymond Leppard – D: Rob Lowe, Jodie Foster, Beau
Bridges, Nastassja Kinski, Wallace Shawn, Amanda
Plummer, Matthew Modine – 112 min, OF – Eine Fami-
liensaga voller Komik, Banalität und Tragik, voller skur-
riler Angehöriger und Außenstehender, Huren, Terroris-
ten und Wirrköpfe, mit seltsamen Hunden und Bären –
ein echter, der Motorrad fährt, und ein falscher, in dem
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sich eine junge Frau voller Komplexe verbirgt –, mit
Hotels in New England und in Wien, die immer New
Hampshire heißen und weit mehr Orte des Träumens
sind als Beherbergungsunternehmen: John Irving be-
schwört in HOTEL NEW HAMPSHIRE all seine Standard-
chen Kongreß ab. Während der Tagung soll auch ein motive und -metaphern, die zur Kunstwelt seiner 79
neuer Präsident gewählt werden. Die beiden aussichts- Romane gehören, mit üppig wuchender Fabulierkunst
reichsten Kandidatinnen liefern sich einen erbitterten wieder herauf. »Der Film ist glücklicherweise längst
Wahlkampf und entfachen einen Medienrummel, in nicht so töricht, wie sein Inhalt klingt. Er macht auf in-
dessen Mittelpunkt Talkmaster Dick Cavett steht. Am telligente Weise sogar höllisch Spaß.« (Bernd Plage-
Intrigenspiel beteiligen sich eine Vertreterin des Weißen mann)
Hauses, Wahlkampfmanager, Hochstapler und Falsch- Freitag, 10. Juli 2009, 21.00 Uhr
spieler, Scharlatane und ganz einfache, normale Ver-
rückte. Altman inszeniert den Rummel wie eine satiri- THE BELLBOY (HALLO PAGE!) – USA 1960 – R+B:
sche Zirkus-Revue, sein sarkastischer Humor über- Jerry Lewis – K: Haskell Boggs – M: Walter Scharf – D:
schreitet die Grenzen des guten Geschmacks. Jerry Lewis, Alex Gerry, Bob Clayton, Cary Middelcoff,
Mittwoch, 8. Juli 2009, 20.00 Uhr Samstag, Herkie Styles, Bill Richmond – 72 min, OF – »Der
11. Juli 2009, 18.30 Uhr außergewöhnlichste aller Jerry-Lewis-Filme; vielleicht
aller Komik-Filme überhaupt; außergewöhnlich in der nem Schützling, ein schwermütiger Hausdetektiv und
Radikalität der Abwesenheit einer Handlung oder eines ein italienischer Mafia-Boß mit seinem Gefolge. Sie
Sujets. Es gibt nur den Pagen in einem riesigen Luxus- werden von zwei Detektiven beobachtet, die einen
hotel, der kein Wort spricht, es gibt seine Einsamkeit Mord aufklären sollen. »Ein Werk von dunkler Komik.
und die verzweifelten Situationen, die sich daraus erge- Man glaubt, ineinander verflochten, vier verschiedene
ben. Ein geheimer Mechanismus scheint die Dinge zu Filme zu sehen, die alle zunächst nur den Handlungsort,
beherrschen. Nähert man sich ihnen, reagieren sie ein hohl-prächtiges Luxus-Hotel mit unentwirrbarer To-
feindlich. Menschliche Verhältnisse gibt es nicht. Die pografie, gemeinsam haben. Erzählen als willkürlicher
Leute um Jerry herum schenken ihm nicht einmal die Selbstzweck – Leben als unerklärliche Verkettung von
Aufmerksamkeit, die es zu einer ausführlichen, unmit- Unwägbarkeiten, absonderlichen Zufällen, Interferen-
telbaren Unterdrückung braucht.« (Rainer Gansera) zen und Dissonanzen.« (Hubert Haslberger)
THE BELLBOY ist Jerry Lewis’ Regiedebüt, das er Sonntag, 12. Juli 2009, 21.00 Uhr
zudem auch selbst produzierte und bis in alle Details
der Herstellung kontrollierte. Gedreht wurde im vorneh-
men Fontainebleau Hilton resort in Miami. Stationen auf Reisen
Samstag, 11. Juli 2009, 21.00 Uhr Urlaubsreisen, Fluchtbewegungen, ziellose Exis-
tenzen: Das Hotelzimmer als Durchgangsstation,
DÉTECTIVE (DETEKTIVE) – Frankreich 1985 – R+B: in der man sich nicht dauerhaft einrichtet, damit
Jean-Luc Godard – K: Bruno Nuytten – D: Nathalie man jederzeit wieder abreisen kann.
Baye, Claude Brasseur, Jean-Pierre Léaud, Laurent Ter-
zieff, Johnny Hallyday, Stéphanie Ferrara, Aurelle Dora- LES VACANCES DE M. HULOT (DIE FERIEN DES
zan – 98 min, OmeU – Im Pariser Luxushotel Concorde MONSIEUR HULOT) – Frankreich 1953 – R: Jacques
St. Lazare treffen verschiedene Menschen aufeinander: Tati – B: Jacques Tati, Henri Marquet – K: Jacques Mer-
ein Pilot und seine Ehefrau, ein Boxmanager mit sei- canton, Jean Mouselle – M: Alain Romans – D:
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Jacques Tati, Nathalie Pascaud, Louis Perrault, André pärchen kennen. In Paris versucht es, eine bezau-
Dubois, Lucien Frégis – 89 min, OmU – Jacques Tatis bernde reiche Industriellenwitwe zu schröpfen. Das
Kunstfigur macht Urlaub in einem Ferienort an der At- Drehbuch basiert lose auf Episoden aus dem Leben
lantik-Küste und wohnt in einem kleinen Hotel am des Hochstaplers Georges Manolescu. Die Handlung
Strand. Der Tagesablauf ist von festen Ritualen und un- spielt sich in den Dekors eleganter Innenräume ab, in
terschiedlichen Freizeitaktivitäten der Menschen domi- Hotels, in der Oper und in einer Art-Deco-Villa. »TROU-
niert. »Ich wollte einen Film über den Urlaub drehen. BLE IN PARADISE bewegt sich ganz im System einer
Die Idee des Films ist folgende: Niemand erholt sich gegebenen Ordnung. Aus ihr auszusteigen, ist unmög-
wirklich in den Ferien. Man fährt eher mehr oder weni- lich, man entkommt ihrem Zwang nur, indem man ihre
ger damit fort, dort zu funktionieren: Der Geschäfts- Eigenbewegung für sich selber nutzt: durch Flucht
mann macht Geschäfte, der Verführer verführt. Hulot nach vorn.« (Enno Patalas) »Was reinen Stil angeht, so
macht wirklich Urlaub, und das allein genügt, um das habe ich wohl nichts Besseres gemacht als TROUBLE
Leben der anderen Feriengäste zu vergiften.« (Jacques IN PARADISE, und auch nichts gleich Gutes.« (Ernst
Tati) Gedreht wurde in Saint-Marc-sur-Mer mit seinem Lubitsch)
Hôtel de la plage, dessen Innenräume für zusätzliche Donnerstag, 16. Juli 2009, 20.00 Uhr Sonntag,
Aufnahmen im Studio von Boulogne-Billancourt nach- 19. Juli 2009, 18.30 Uhr
gebaut wurden.
Dienstag, 14. Juli 2009, 20.00 Uhr Freitag, ALICE IN DEN STÄDTEN – BRD 1974 – R: Wim Wen-
17. Juli 2009, 18.30 Uhr ders – B: Wim Wenders, Veith von Fürstenberg – K:
Robby Müller, Martin Schäfer – M: Can – D: Rüdiger
STRANGER THAN PARADISE – USA 1984 – R+B: Jim Vogler, Yella Rottländer, Lisa Kreuzer, Didi Petrikat, Edda
Jarmusch – K: Tom DiCillo – M: John Lurie – D: John Köchl – 111min – Road-Movie über einen Fotojourna-
Lurie, Eszter Balint, Richard Edson, Danny Rosen, Cecil- listen, der für eine Reportage durch die USA gereist ist.
lia Stark – 85 min, OF – Zwei Männer und eine Frau: Während er sich von Motel zu Motel treiben läßt, ist er
Der aus Ungarn stammende Bela, der in New York lebt nur in der Lage, uninspirierte Fotos mit seiner neuen
und sich nur noch Willie nennt, bekommt unerwartet Polaroidkamera zu schießen. Auf dem Flughafen in
Besuch von seiner Cousine Eva aus Ungarn. Gemein- New York wird ihm zufällig ein neunjähriges Mädchen
sam mit seinem Freund Eddie begeben sich die drei anvertraut, mit dem er zurück nach Deutschland fliegt,
nach einer Weile auf eine Reise durch die USA. Unter- um dessen Großmutter zu suchen. »Wenders gelingt es
wegs steigen sie in diversen Hotels und Motels zwi- wunderbar, die jeweiligen Stimmungen durch die Land-
schen New York, Cleveland und Florida ab und langwei- schaften in Amerika und Deutschland einzufangen. Er
len sich in den meist schäbigen, austauschbaren Zim- zeigt eine Desillusionierung in der Seelenlosigkeit des
mern. Jim Jarmuschs Meisterwerk entstand aus einem Amerikas, das der Journalist hinter sich gelassen hat,
Hotels & Motels
Kurzfilm, dessen Geschichte er einfach weitererzählte. nicht nur durch das pausenlose Unterhaltungsfernse-
Der Film ist streng strukturiert: Jede Szene besteht aus hen, anonyme Motelzimmer und sterile Flughafenhal-
einer Einstellung und ist durch Schwarzfilm von der len, sondern auch durch die immer stärker technisierte
nächsten getrennt. Tom DiCillos unterkühlte Schwarz- Welt.« (Peter Bradshaw)
Weiß-Fotografie fängt nicht nur die Kälte der Orte ein, Freitag, 17. Juli 2009, 21.00 Uhr
sondern auch den Stillstand und die Planlosigkeit der 81
Protagonisten, die den Zeitgeist der 80er Jahre wider- LOLITA – GB 1961 – R: Stanley Kubrick – B: Vladimir
spiegeln. Nabokov, nach seinem Roman – K: Oswald Morris – M:
Mittwoch, 15. Juli 2009, 20.00 Uhr Samstag, Nelson Riddle, Bob Harris – D: James Mason, Shelley
18. Juli 2009, 18.30 Uhr Winters, Sue Lyon, Peter Sellers, Lois Maxwell –
153 min, OF – Humbert Humbert, ein alternder Litera-
TROUBLE IN PARADISE (ÄRGER IM PARADIES) – turdozent auf Wohnungssuche, gerät an die Witwe
USA 1932 – R: Ernst Lubitsch – B: Samson Raphael- Haze und verfällt ihrer frühreifen Tochter Dolores, ge-
son, nach dem Bühnenstück »The Honest Finder« von nannt Lolita. Zusammen mit ihr begibt sich Humbert
Laszlo Aladar – K: Victor Milner – M: W. Franke Harling auf eine lange Reise quer durch die USA. »Im fröhlichen
– D: Miriam Hopkins, Kay Francis, Herbert Marshall, Lepingville kaufte ich ihr vier Comic-Hefte, eine
Charles Ruggles, Edward Everett Horton – 82 min, OF – Schachtel Süßzeug, eine Schachtel Binden, zwei Colas,
In einem Luxushotel in Venedig lernt sich ein Gauner- ein Manikür-Etui, einen Reisewecker mit Leuchtziffern,
Zufluchtsorte
Das Hotel als Insel der Zuflucht, in dem das Pri-
vatleben vor Öffentlichkeit geschützt wird und ein
Ausstieg aus dem Alltag möglich ist.
HÔTEL DU NORD – Frankreich 1938 – R. Marcel
Carné – B: Henri Jeanson, Jean Aurenche – K: Armand
Thirard – M: Maurice Jaubert – D: Annabella, Jean-
Pierre Aumont, Arletty, Louis Jouvet, Paulette Dubost,
Bernard Blier – 95 min, OmeU – Pierre und Renée, ein
junges Paar, nehmen ein Zimmer im heruntergekom-
menen Hôtel du Nord am Canal St. Martin, um dort ge-
einen Ring mit einem echten Topas, einen Tennisschlä- meinsam Selbstmord zu begehen. HÔTEL DU NORD
ger, Rollschuhe mit hohen weißen Schnürstiefeln, einen geht eine gelungene Verbindung aus sozialem Realis-
Feldstecher, ein Kofferradio, Kaugummi, eine Regen- mus und der französischen Tradition des poetischen
haut, eine Sonnenbrille, noch ein paar Kleidungsstücke Realismus ein. Der Film erzählt seine Geschichte vor
– Charmis, Shorts, alle möglichen Sommerfummel. Im dem realen Hintergrund der Wirtschaftskrise und der
Hotel hatten wir getrennte Zimmer, aber mitten in der Angst vor dem drohenden Weltkrieg. Die romantische
Nacht kam sie schluchzend zu mir, und sehr sanft Idee des Doppelselbstmords findet in einem schäbigen
machten wir es wieder gut.« (Vladimir Nabokov) »Von und überaus unromantischen Hotel statt: in einem Pari-
Szenen, die in Schlaf- oder Badezimmern spielen, wim- ser Bezirk, in dem Kriminalität, Prostitution und Gewalt
melt es in Kubricks LOLITA ebenso wie in Nabokovs gegen Frauen an der Tagesordnung sind. Für den Film
Roman. Gerade bei diesen Schauplätzen, an denen wurden große Teile des Canal St. Martin außerhalb des
sich die psychischen und sexuellen Tragikomödien der Studios in Billancourt nachgebaut.
Menschheit bündeln, spielt die Ästhetik des Studios Dienstag, 21. Juli 2009, 20.00 Uhr Freitag,
ihre praktischen Trümpfe aus – und Kubrick weiß sie zu 24. Juli 2009, 18.30 Uhr
nutzen.« (Thomas Allen Nelson)
Samstag, 18. Juli 2009, 21.00 Uhr RANCHO NOTORIOUS (ENGEL DER GEJAGTEN) –
USA 1951 – R: Fritz Lang – B: Daniel Taradash, nach
LOST IN TRANSLATION (ZWISCHEN DEN WELTEN) – der Erzählung von Silvia Richards – K: Hal Mohr – M:
USA 2003 – R+B : Sofia Coppola – K: Lance Acord – Emil Newman – D: Marlene Dietrich, Arthur Kennedy,
Mel Ferrer, Gloria Henry – 89 min, OF – Kein Hotel im
Hotels & Motels
M: Brian Reitzel, Kevin Shields – D: Scarlett Johansson,
Bill Murray, Akiko Takeshita, Giovanni Ribisi, Kazuyoshi klassischen Sinne, sondern eine Art »YMCA für Gesetz-
Minamimagoe, Kazuko Shibata, Take – 102 min, OmU lose« ist in diesem stilisierten Western in Technicolor
– In einer gesichtslosen Hotelbar des Park Hyatt in der Schauplatz der Handlung. Marlene Dietrich spielt
Tokyo begegnen sich ein in die Jahre gekommener die geschäftstüchtige Inhaberin der einsam gelegenen
amerikanischer Schauspieler und die gelangweilte Ranch Chuck-a-Luck, die Gaunern und Banditen gegen
82 junge Frau eines Fotografen: Zwei Jet-Set-Gestrandete, Anteil an deren Beute Unterschlupf gewährt. »Ich wollte
die sich in der fremden Stadt verloren fühlen. »Der Film vor allem zeigen, was aus einer Frau wird, die einmal
spielt größtenteils in einem Hotel, was kein Zufall ist, eine Königin der Nachtlokale war. Außerdem interes-
denn nur dort verbindet sich das Private, Intime so di- sierte ein technisches Detail mich noch sehr stark: der
rekt mit Anonymität, Vergänglichkeit, dem Flüchtigen Versuch, einen Song als dramaturgisches Mittel einzu-
wie nirgendwo anders. Das eigentliche Thema des setzen.« (Fritz Lang) Ein Jahr vor HIGH NOON zieht sich
Films ist die Einsamkeit inmitten des modernen Lebens. eine Ballade als Leitmotiv durch einen Western.
Der Versuch, aus Gleichgültigkeit und Entfremdung der Mittwoch, 22. Juli 2009, 20.00 Uhr Samstag,
menschlichen Verhältnisse auszubrechen. Wie Schlaf- 25. Juli 2009, 18.30 Uhr
wandler verbringen Charlotte und Bill, gequält von Jet
Lag und Isolation, ihre Nächte in der Hotelbar, verlieren LOVE IN THE AFTERNOON (ARIANE – LIEBE AM
und verlieben sich.« (Rüdiger Suchsland) NACHMITTAG) – USA 1957 – R: Billy Wilder – B: Billy
Sonntag, 19. Juli 2009, 21.00 Uhr Wilder, I.A.L. Diamond, nach dem Roman »Ariane« von
Claude Anet – K: William Mellor – M: Franz Waxman – stilistischen Geschlossenheit und Strenge des Films,
D: Gary Cooper, Audrey Hepburn, Maurice Chevalier, die allgemein auf Existenznot und universelle Entfrem-
John McGiver, Van Doude, Lise Bourdin – 130 min, OF dung zu verweisen scheint. »Das Hotelzimmer, in dem
– »Wie angelt sich das junge Mädchen einen Millionär? Birger Malmsten und Gunnel Lindblom ihre Liebes-
Indem sie dem Frauenhelden vorgaukelt, Männer im übungen machen, ist die Kopie eines Hotelzimmers, in
Dutzend zu vernaschen. Zu allem Überfluß macht sie das es mich einmal mit meiner Frau verschlagen hat.
ihren Vater, indem sie statt der Unschuld die Schuld Wir wurden da hineingetrieben, und ich war krank. Ein
spielt, zu einer Art Ödipus. LOVE IN THE AFTERNOON ist dicker Essensgestank hing in dem Zimmer, das gerade
so lang war wie ein Sarg.« (Ingmar Bergman)
Freitag, 24. Juli 2009, 21.00 Uhr
WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE – BRD 1971
– R+B: Rainer Werner Fassbinder – K: Michael Ballhaus
– M: Peer Raben – D: Rainer Werner Fassbinder, Hanna
Schygulla, Katrin Schaake, Margarethe von Trotta, Wer-
ner Schroeter, Eddie Constantine, Lou Castel, Ulli Lom-
mel, Ingrid Caven – 103 min – In einem Hotel am Meer
wartet ein Filmteam auf den amerikanischen Regisseur,
den deutschen Hauptdarsteller, das Fördergeld aus
Bonn und auf das Filmmaterial. Hysterie und Apathie,
Klatsch und Intrigen, sadistische und masochistische
Aggressionen und Abhängigkeiten prägen die ange-
ein Paradox – ein frivoler Film, mitten im spießigen Pu- spannte Atmosphäre. Die »Hure« im Titel ist die Film-
ritanismus der fünfziger Jahre, eben prickelnder Cham- kunst. Fassbinder rekapituliert die Erfahrungen bei den
pagner anstelle von abgestandener Moralinsäure.« Dreharbeiten zu seinem Film WHITY, als er mit seiner
(Hellmuth Karasek) Zu Beginn des Films beschreibt antiteater-Gruppe aus dem Münchner Hinterhausmilieu
Maurice Chevalier als Privatdetektiv Chevasse die Aus- in der spanische Filmstadt Almería den Südstaatenwes-
gangssituation in Paris, die ihm sein Einkommen si- tern WHITY drehte und sich erstmals an purer Fiktion in
chert, etwas nüchterner und unromantischer: »Es gibt einer fremden Umwelt versuchte. Gedreht wurde WAR-
7.000 Hotels in Paris, 220.000 Hotelzimmer, und in NUNG VOR EINER HELIGEN NUTTE im Hotel europa-
40.000 dieser Zimmer wird gerade Ehebruch began- Palace in Sorrent (Italien).
gen.« Samstag, 25. Juli 2009, 21.00 Uhr
Hotels & Motels
Donnerstag, 23. Juli 2009, 20.00 Uhr Sonntag,
26. Juli 2009, 18.30 Uhr PRETTY WOMAN – USA 1990 – R: Garry Marshall – B:
J.F. Lawton – K: Charles Minsky – M: James Newton
TYSTNADEN (DAS SCHWEIGEN) – Schweden 1963 – Howard – D: Richard Gere, Julia Roberts, Ralph Bel-
R+B: Ingmar Bergman – K: Sven Nykvist – M: Johann lamy, Laura San Giacomo, Hector Elizondo, Jason Ale-
Sebastian Bach – D: Ingrid Thulin, Gunnel Lindblom, xander – 119 min, OF – Julia Roberts in ihrer Parade-
Jörgen Lindström, Hakan Jahnberg, Birger Malmsten – rolle als unterschätzte Prostituierte, die von einem 83
95 min, OmeU – Zwei Schwestern und der kleine Sohn smarten Millionär und Geschäftsmann als professio-
einer der beiden Frauen kommen in eine fremde Stadt, nelle Begleitung in Beverly Hills angeheuert wird. Un-
deren Bewohner eine unverständliche Sprache spre- vorbereitet in die Welt der High Society gebeamt – und
chen und die offenbar von kriegerischen Auseinander- in die Penthouse Suite des regent Hotels –, lernt sie
setzungen heimgesucht wurde. Durch einen Ausnah- mit Hilfe eines erfahrenen Hotelmanagers, sich in einen
mezustand in einem labyrinthischen Hotel isoliert, sin- passend gekleideten schönen Schwan zu verwandeln
ken alle in lähmende Kommunikationslosigkeit. Ingmar und sich ihrer neuen Rolle gemäß zu benehmen. Das
Bergman inszeniert ein Inferno der Angst, Verwirrung Luxushotel mit seinen zahlreichen dienstbaren Geistern
und Hilflosigkeit, wobei gerade das Fehlen lautstarker und seiner üppigen Ausstattung steht hier für die mo-
Katastrophen dem Film eine Aura eisiger Kälte und sug- derne Variante des Märchenschlosses, in dem alle
gestiver Bedrohung verleiht. Die Schockwirkung beruht Wünsche erfüllt und Träume Realität werden können.
weniger auf spekulativen Details als vielmehr auf der Sonntag, 26. Juli 2009, 21.00 Uhr
Bedrohung und Tod HOTEL – Österreich 2004 – R+B: Jessica Hausner – K:
Unheimliche Begegnungen in der anonymen Ab- Martin Gschlacht – D: Franziska Weisz, Birgit Minich-
geschlossenheit von Hotels, die Menschen in den mayr, Marlene Streeruwitz, Rosa Waissnix, Christopher
Wahnsinn oder in den Tod treibt. Schärf – 83 min – »Zu Beginn wird eine junge Frau
durch ein großes Gebäude geleitet; eine Führung, die
BARTON FINK – USA 1991 – R+B: Joel Coen, Ethan sich als Vorgriff auf Zukünftiges erweist: Nun sind die
Coen – K: Roger Deakins – M: Carter Burwell – D: John Lokalitäten und ihre Funktionen vertraut genug, um
Turturro, John Goodman, Judy Davis, John Mahoney – später leichter Veränderungen zu bemerken, Störungen
116 min, OmU – 1941 kommt der Bühnenautor Barton im reibungslosen Betriebsablauf, Irritationen im Gang
Fink nach Hollywood, um dort sein Glück zu versuchen. der Dinge. Bei dem Gebäude handelt es sich um das
Seine Bleibe ist das Hotel earle, dessen Slogan »Bleib noble Hotel Waldhaus, wo die junge Irène soeben ihre
eine Nacht oder ein ganzes Leben« lautet. »Das earle Arbeit als neue Empfangsdame beginnt. Schon in den
scheint lebendig zu sein, besonders mit den Geräu- ersten Bildern wird etwas Ungewöhnliches spürbar,
schen der Nacht: dem Knarren der Böden und dem Pro- wird die Grenze zwischen dem Realen und dem Illusori-
test der Sprungfedern, mit Grunzen, Schnaufen, Schrei- schen nicht eindeutig gezogen. So funktioniert HOTEL
en, Stöhnen und quietschenden Türen. In abscheuli- als Horror-Movie, bietet zugleich aber eine höchst intel-
chen Farben ausgestattet – braun, dumpfes Olivgrün ligente Selbstreflexion und filmische Dekonstruktion
und Ochsenblutrot – scheint das earle ein organisches des Genres.« (Rüdiger Suchsland)
Wesen zu sein, so bedeutsam für diese Gruselge- Mittwoch, 29. Juli 2009, 20.00 Uhr Samstag,
schichte wie es das Geisterschiff für den ›Fliegenden 1. August 2009, 18.30 Uhr
Holländer‹ war.« (Rita Kempley) Gedreht wurde in den
Hotels Ambassador und Park Plaza in Los Angeles. THE SHINING (SHINING) – USA 1980 – R+B: Stanley
Dienstag, 28. Juli 2009, 20.00 Uhr Freitag, Kubrick, nach dem Roman von Stephen King – K: John
31. Juli 2009, 18.30 Uhr Alcott – D: Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd,
Hotels & Motels
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Barry Nelson, Scatman Crothers – 143 min, OF – In
dem eingeschneiten Berghotel overlook in Colorado
verfällt ein Schriftsteller, der dort mit seiner Familie als
Hausmeister den Winter verbringt, langsam dem Wahn-
sinn. Stanley Kubrick inszeniert das Hotel als Labyrinth
des Schreckens, aus dem es kein Entrinnen gibt, mit
langen Fluren und verbotenen Zimmern, hinter deren
Türen sich unheimliche Visionen offenbaren. »The Shi-
ning« ist die geheimnisvolle Kraft, sowohl in die Vergan-
genheit als auch in die Zukunft sehen zu können. Das
1909 erbaute Stanley Hotel in Colorado inspirierte Ste-
phen King zu seinem Roman, den er größtenteils dort
im Zimmer 217 schrieb. Der Film wurde allerdings in
Oregons Timberline Lodge gedreht. Die amerikanische Front von Fernsehschirmen – wo immer sie auch ste-
Originalfassung des Films ist 25 Minuten länger als die hen mögen –, von denen aus Unbekannte das Gesche-
in Europa vertriebenen gekürzten Versionen des Films. hen im Hotel in jedem Zimmer und Gang beobachten.
Donnerstag, 30. Juli 2009, 20.00 Uhr Sonntag, Die Unbekannten scheinen insbesondere der Polizei
2. August 2009, 18.30 Uhr immer um Haaresbreite voraus zu sein. Das Hotel je-
denfalls, obwohl groß und weitläufig, wird zunehmend
LE ROUGE AUX LÈVRES (BLUT AN DEN LIPPEN) – enger, die Atmosphäre klaustrophobischer. Wie ein un-
Belgien 1971 – R: Harry Kümel – B: Harry Kümel, sichtbares Netz spannt sich der Wille des Bösen über
Pierre Drouot, Jean Ferry – K: Eduard van der Enden – die Orte und die Personen.« (Ulrich Behrens)
M: Francois de Roubaix – D: Delphine Seyrig, John Samstag, 1. August 2009, 21.00 Uhr
Karlen, Andrea Rau, Danielle Ouimet, Paul Esser –
100 min, OmeU – Ein frisch verheiratetes Paar ver- PSYCHO – USA 1960 – R: Alfred Hitchcock – B: Jo-
bringt die Flitterwochen in einem alten Luxushotel am seph Stefano, nach dem Roman von Robert Bloch – K:
menschenleeren Strand von Ostende – außerhalb der John L. Russel – M: Bernard Herrmann – D: Anthony
Saison. In der hypnotischen Einsamkeit der leeren Spei- Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin, Martin
sesäle und Gesellschaftsräume begegnet ihm die un- Balsam – 103 min, OF – Legendärer schwarzweißer
garische Baronin Elizabeth Bathory, die das Paar bald in Psychothriller von Alfred Hitchcock, der auf den Spuren
ihren Bann zieht. Es entwickelt sich ein unheimliches, von B-Horrorfilm-Meister William Castle wandelt. Eine
erotisches Beziehungsgeflecht, gefilmt in artifiziellen junge Angestellte, die Geld veruntreut hat, steigt auf
Bildern und exquisiter Farbdramaturgie, in der die
Hotels & Motels
der Flucht durch Arizona im einsam gelegenen Bates
Farbe Rot zunehmend ein dominante Rolle spielt. Harry motel ab. Der Motelmanager Norman Bates, ein nervö-
Kümels ungewöhnlicher Vampirfilm läuft im ungekürz- ser junger Mann, wohnt mit seiner Mutter in einem düs-
ten Director’s Cut, in deutschen Kinos war seinerzeit teren Haus auf einem Hügel hinter dem Motel. Hitch-
nur eine stark veränderte Schnittfassung zu sehen. Die cock: »Das Haus ist die authentische Reproduktion
Aufnahmen fanden im Hotel Astoria und im grand Hotel eines wirklichen Hauses, und auch das Motel ist eine
des Thermes in Ostende statt. genaue Kopie. Diese Art der Architektur paßte zu der At- 85
Freitag, 31. Juli 2009, 21.00 Uhr mosphäre.« Truffaut: »Und dann ist diese Architektur
auch angenehm anzuschauen, mit dem vertikalen Haus
DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE – BRD 1960 – R: und dem ganz horizontalen Motel.« Hitchcock: »Das ist
Fritz Lang – B: Fritz Lang, Heinz Oskar Wuttig – K: Karl es ganz genau, das entsprach unserer Idee. Ja, ein ver-
Loeb – M: Gerhard Becker, Bert Grund – D: Dawn tikaler Block und ein horizontaler Block.«
Addams, Peter van Eyck, Gert Fröbe, Wolfgang Preiss, Sonntag, 2. August 2009, 21.00 Uhr
Werner Peters – 103 min – Ein nach der Weltherr-
schaft strebender Verbrecher kontrolliert ein Luxus-
hotel, indem er durch geheime »Fernsehaugen« die
Zimmer überwacht. »Die Handlung konzentriert sich im Fotos: THe SHiNiNg / H.e.A.L.T.H. / LeS VACANCeS De
wesentlichen auf drei Orte: Cornelius Haus, das Kom- m. HULoT / LoLiTA / LoVe iN THe AFTerNooN / BArToN
missariat und vor allem das Hotel Luxor. Man sieht eine FiNK / Die 1000 AUgeN DeS Dr. mABUSe
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