Verzicht und Verwirkung

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					c) Verzicht und Verwirkung  Verzicht o Teils möglich (Art. 16 I 2), teils nicht (Art. 9 III 2) o Regel: Höchstpersönliche GR (Würde, Leben) sind nicht verzichtbar o Bei verzichtbaren GR muss Verzicht freiwillig sein o Folge des Verzichts: Es fehlt an einem Eingriff  Verwirkung (Art. 18 GG): o Element der sog. streitbaren Demokratie (s. auch Art. 9 II, 20 IV, 21 II GG) o Verfahren: Urteil des BVerfG nötig o keine praktische Bedeutung

§ 3-2 Pflicht zur Beachtung der GR durch die öffentliche Gewalt (Art. 1 III GG) a) Behörden:  Durch Art. 1 III GG unm. gebunden  Grundrechtsbindung durch Gesetzesbindung (Art. 20 III GG) b) Gerichte  Vorrangig: Schutz durch die Fachgerichte (Art. 19 IV GG)  Bei Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen: Vorlage an das BVerfG (Art. 100 I GG) c) Verfassungsgerichte  Erst wenn Schutz vor Fachgerichten versagt o Grundrechtsbeschwerde beim Hess. Staatsgerichtshof (wg. Verletzung der Hess. Verf.) o BVerfG für GG (gilt auch, wenn Landesrecht GR verletzt)

§ 3-2 Die Verfassungsbeschwerde Eine VB hat Erfolg, wenn sie zulässig und begründet ist. Zulässigkeit: Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit sich das Gericht mit der Beschwerde in der Sache befasst. Begründetheit: Voraussetzungen für den Erfolg der Beschwerde in der Sache (Verletzung von Grundrechten)

§ 3-2 Die Verfassungsbeschwerde I. Zulässigkeitsvoraussetzungen einer Verfassungsbeschwerde gem. Art. 93 I Nr. 4 a GG, §§ 13 Nr. 8 a, 90 ff. BVerfGG

1. Beschwerdeführer a) Beschwerdefähigkeit  „Jedermann“, (Art. 93 I Nr. 4 a GG, § 90 I BVerfGG) = jeder, der grundrechtsfähig ist  Problematisch, wenn ein GR dem Bf. nicht zustehen kann (Bsp.: Art. 19 III GG) b) Prozessfähigkeit  Kriterium: Grundrechtsmündigkeit  I.d.R.: Geschäftsfähigkeit Vrs.

2. Beschwerdegegenstand: „öffentlichen Gewalt“  Gesetz, Gerichtsurteil

Akt

der

Verwaltungsmaßnahme,

3. Beschwerdebefugnis a) Möglichkeit einer Grundrechtsverletzung (§ 90 I BVerfGG) b) Selbst-Betroffenheit Rechten) (in eigenen

c) Gegenwärtige Betroffenheit (Akt muss schon und noch wirksam sein) d) Unmittelbare Betroffenheit (Akt muss aus sich heraus wirken)

4. Rechtsschutzbedürfnis a) Rechtswegerschöpfung BVerfGG) (§ 90 II

b) Subsidiarität (auch sonst darf kein anderes Mittel als VB zur Verfügung stehen) 5. Hindernis der Rechtskraft (vgl. § 41 BVerfGG) 6. Form (schriftlich m. Begründung, §§ 23, 92 BVerfGG) 7. Frist  1 Monat (§ 93 I 1 BVerfGG)  1 Jahr, wenn Rechtsweg nicht offen steht (§ 93 III BVerfGG), vor allem bei VB gegen Gesetze

II.Begründetheit einer Verfassungsbeschwerde Jedes GR einzeln zu prüfen: 1. Schutzbereich 2. Eingriff 3. Rechtfertigung des Eingriffs a) Ermitteln des für das GR geltenden Maßstabs (Frage nach den GR-Schranken)  Gesetzesvorbehalt o einfacher Gesetzesvorbehalt (Bsp. Art. 2 II 3 GG) o qualifizierter Gesetzesvorbehalt (Bsp. Art. 5 II GG)  Bei vorbehaltlos gewährten GR: andere Verfassungsgüter (sog. verfassungsimmanente Schranken): Auch hier ist ein Gesetz zu verlangen

b) Anwenden des Maßstabs  Beruht der Grundrechtseingriff auf einem Gesetz (Vorbehalt des Gesetzes)?  Steht das Gesetz, auf dem die Maßnahme beruht, mit dem GG in Einklang? o formelle Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes (Kompetenz, Verfahren) o allgemeine formale Voraussetzungen für Grundrechtseingriffe (Bestimmtheit, Zitiergebot, Art. 19 I GG) o materielle Verfassungsmäßigkeit (sog. Schranken-Schranken), insbesondere: Verhältnismäßigkeit  Hat die (auf das Gesetz gestützte) Einzelmaßnahme bei Anwendung des Gesetzes das GG beachtet?

VB am Beispiel Fall 5 I. Zulässigkeit 1. Beschwerdeführer a) Beschwerdefähigkeit („Jedermann“), Art. 93 I Nr. 4 a GG: Grundrechtsfähigkeit (Art. 19 III GG)  KG als juristische Person  Anwendbarkeit Art.13, Art. 5 GG „seinem Wesen nach“ auf KG b) Prozessfähigkeit: Handeln des Vertretungsberechtigten 2. Beschwerdegegenstand:  Ermittlungsverfügung Staatsanwaltschaft

der

 Gerichtsentscheidung(en), die Rechtsmittel zurückgewiesen hat/haben

3.Beschwerdebefugnis a) Möglichkeit einer Verletzung (+) b) Selbst-Betroffenheit (+) c) Gegenwärtige Betroffenheit:  Durchsuchung zwar beendet  Aber: Rehabilitationsinteresse d) Unmittelbare Betroffenheit (+) 4.Rechtsschutzbedürfnis a) Rechtswegerschöpfung (§ 90 II 1 BVerfGG) b) Subsidiarität 5.Beschwerdefrist § 93 I 1 BVerfGG: 1 Monat

II. Begründetheit 1. Art. 13 GG a) Schutzbereich:  „Wohnung“ (Art. 13 I GG)?  Geschäftsräume, wenn nicht öffentlich zugänglich (+) b)Eingriff: Durchsuchung (Art. 13 II GG) c) Rechtfertigung  Schranke: Anordnung auf gesetzlicher Grundlage  Voraussetzungen o Gesetz: StPO sieht Anordnung vor o Aber:  Richterliche Anordnung (-)  Gefahr im Verzuge (-)

2. Art. 5 I 1 (Pressefreiheit) a) Schutzbereich  Presse: Herstellung Zeitschriften b) Eingriff c) Rechtfertigung  Schranke: Allgemeine Gesetze  Voraussetzungen o StPO als allgemeines Gesetz o Aber:  Schutz des Informanten als Teil der Pressefreiheit bei Anwendung zu berücksichtigen  Abwägung gegen Ermittlungsinteressen, einzelfallabhängig

von

Ergebnis: VB zulässig und begründet


				
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posted:5/5/2008
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