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					Stadt Hamm                                                      25.11.06
Amt für Soziale Integration
52-523/ „Bürgeramt für Migration und Integration“



Integrationspolitik in Hamm:
„Integration als persönliche Herausforderung und kommunale
Querschnittsaufgabe“
1. Hintergrund

Die Stadt Hamm ist eine am östlichen Rande des Ruhrgebietes gelegene und durch
den Bergbau und die Stahlindustrie geprägte Großstadt mit rund 180.000
Einwohnern. Im Rahmen der Bewältigung des Strukturwandels hat sie als Handels-
und Logistikstandort (Verkehrsknotenpunkt) eine zunehmende Bedeutung für das
Münsterland und den ost- bzw. südwestfälischen Raum. In Hamm leben Menschen
aus mehr als 120 Nationen zusammen.

Im Hammer Stadtteil Uentrop, unweit der Lippe und des Datteln-Hamm-Kanals,
befindet sich der größte Hindu-Tempel Europas, der zu den Festtagen bis zu 20.000
Gläubige aus Deutschland und den angrenzenden Nachbarländern anlockt.
Im Stadtteil Heessen wurde Anfang des Jahres ein sehr „repräsentative Moschee-
Neubau“ mit Minarett feierlich eröffnet. In der Moschee können bis zu 1200 Personen
am Freitagsgebet teilnehmen. Für Bildungs-, Sozial- und Freizeitveranstaltungen
stehen Räumlichkeiten mit insgesamt mehr als 600 qm zur Verfügung.

Rund 22% der Hammer Bevölkerung verfügen über einen Migrationshintergrund; d.h.
mehr als 39.000 Menschen leben hier als Ausländer, Aussiedler/Spätaussiedler oder
als eingebürgerte Mitbürger.
In einem Stadtteil liegt bei den 0 – 35jährigen Einwohnern der Anteil von Personen
mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung bei 50 %.

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Hamm ihre Integrationsanstrengungen seit
dem Jahre 2000 erheblich verstärkt und das Thema Migration und Integration zu
einem Leitprojekt der Stadtentwicklung gemacht. Sie geht seitdem unter Beteiligung
eines    stadtweiten    Netzwerkes,    in    dem     insbesondere   die    lokalen
Migrantenselbstorganisationen, alle anderen relevanten Gruppen sowie Politik und
Verwaltung (auch mit intensiver Unterstützung des Oberbürgermeisters) vertreten
sind, „neue Wege“ in der Sprach- und Integrationsförderung.

2. Leitprojekt „Sprach- und Integrationsförderung“

Auf der Basis des Ende der 90ger Jahre in Hamm erstellten Armuts- bzw.
Sozialberichtes und einer Sonderanalyse der Lebenslagen von Menschen mit
Migrationshintergrund wurde das Leitprojekt „Sprach- und Integrationsförderung für
Migrantinnen und Migranten“ nach folgenden Grundsätzen entwickelt und im Jahre
2003 vom Rat der Stadt Hamm beschlossen:

- Aktives Zugehen auf und Kooperation mit allen Zuwanderern und ihren
  Selbstorganisationen
- Förderung des freiwilligen Engagements
- Förderung der Bereitschaft der einheimischen Bevölkerung
  Integrationsförderung zu unterstützen bzw. sich mit dieser gemeinsamen
  Aufgabe zu identifizieren
- Besuche von/Kontakte zu den Herkunftsländer und Regionen der Migr. und
  Einbindung der diplomatischen bzw. konsularischen Vertretungen der
  Herkunftsländer vor Ort
- Ständige Erweiterung und Vertiefung der politischen Partizipationsmöglich-
  keiten der Migr. (Identifikation mit dem Gemeinwesen).

Erstes Ergebnis war eine priorisierte Liste        von   realistischen   Zielen   und
Handlungsfeldern der Integrationsförderung.

Mit dem fortzuschreibenden Grundsatzbeschluss des Rates zur „Sprach- und
Integrationsförderung für Migrantinnen und Migranten“ wurden erstmalig in 2003
zusätzliche kommunale Mittel in Höhe von jährlich 50.000 € für die Entwicklung und
Implementation eines neuartigen Konzeptes der modularen Sprachförderung für den
Elementarbereich und erwachsene (Neu-)Zuwanderer bereitgestellt – diese Summe
ist inzwischen im Jahre 2006 auf mehr als 150.000 € freiwilliger kommunaler Mittel
für die Sondermaßnahmen angehoben worden.

Sprachkurse – insbesondere für Mütter – in Vereinsräumen und Moscheen,
muttersprachliche Informations- und Orientierungskurse für Neuzuwanderer,
Einwerbung      und     Schulung      von     Integrationslotsen,  zweisprachige
Informationsveranstaltungen für „Jung und Alt“ in den Moscheevereinen, die
Schulung und Qualifizierung der Vereinsvorstände der Migrantenvereine und Dialog-
und Informationsveranstaltungen (z. B. „der Hammer Ramadanmarkt“) sind nur
einige der Neuerungen, die die Stadt Hamm inzwischen eingeführt hat und die mit
großem Erfolg angenommen werden.

Die außerordentlichen, offensiven Bemühungen der Stadt Hamm bei der
Integrationsförderung wurden im Rahmen des vom Bundesinnenministerium und der
Bertelsmann-Stiftung in 2004 ausgelobten Wettbewerb „Erfolgreiche Integration ist
kein Zufall – Strategien kommunaler Integrationspolitik“ durch das Erreichen der
Endrunde gewürdigt. An dem Wettbewerb hatten sich bundesweit 107 Städte,
Gemeinden und Landkreise beteiligt.

Auch die Verwaltungsorganisation der Stadt Hamm wurde in den vergangenen
Jahren stets diesen verstärkten „Integrationsanstrengungen“ angepasst. So wurden
in dem im Jahre 1996 eingerichteten „Amt für Soziale Integration“, dessen Aufgaben
insbesondere in der Beratung und Betreuung von behinderten und älteren Menschen
sowie Menschen mit Migrationshintergrund liegen, in den letzten Jahren immer mehr
Aufgaben aus dem Bereich der Migrationsarbeit gebündelt und hier auch
entsprechende Beschäftigte mit Migrationshintergrund eingesetzt.

Weiterhin wurde und wird mit dem seit 2002 regelmäßig erscheinenden „Migrations-
und Integrationsbericht“ eine Bilanz des Migrationsgeschehens und - vor allem - eine
Dokumentation und Evaluation der vielfältigen Integrationsmaßnahmen in der Stadt
der Öffentlichkeit vorgelegt, um die weitere Steuerung und Nachhaltigkeit zu
gewährleisten.

3. Bürgeramt für Migration und Integration

Bürgerämter bilden wie in vielen anderen Kommunen bereits seit vielen Jahren den
Kernbaustein einer bürgerorientierten Verwaltung. In dieser Organisationsform wird
ein breites Spektrum an städtischen Dienstleistungsangeboten gebündelt
bereitgehalten. In jedem der sieben Stadtbezirke existiert ein Bürgeramt. Ziele des
Projekts „Bürgeramt“ sind eine stärkere Bürgerorientierung mit einer damit
verbundenen Steigerung des Bürgerservices durch bessere Anlaufstellen und
Verfahrensbeschleunigungen sowie eine Verbesserung der Bürgernähe. Das
Leistungsangebot wurde im Laufe der Jahre kontinuierlich erweitert. Die
wöchentliche Öffnungszeit beträgt derzeit 40,5 Stunden.

Vor dem Hintergrund, die „Migrations- und Integrationsarbeit“ sowie auch die
„kommunalen       Service-Leistungen“   für    Bürgerinnen   und   Bürger    mit
Migrationshintergrund weiter zu verbessern und Integrations- und Migrationsarbeit
möglichst „aus einer Hand“ anbieten zu können, wurde im Jahre 2005 die bis dahin
beim    „Amt     für    Personenstands-    und    Ausländerwesen“   angesiedelte
Ausländerbehörde organisatorisch und räumlich dem Amt für Soziale Integration
zugeordnet.

Bestandteil dieses Konzeptes ist die „räumliche und fachliche Vernetzung“ mit der
örtlichen Migrationserstberatung und dem Jugendmigrationsdienst, die in Hamm
gemeinsam von der Arbeiterwohlfahrt und dem Deutschen Roten Kreuz durchgeführt
werden. Migrationserstberatung und Jugendmigrationsdienst sind in die
Räumlichkeiten des Amtes für Soziale Integration eingezogen und damit Teil des
„Bürgeramtes für Migration und Integration“ geworden, ohne ihre eigenständige
Aufgabenwahrnehmung und die sich aus dem Zuwanderungsgesetz ergebende
Unabhängigkeit gegenüber der Verwaltung und ihre Ombusfunktion gegenüber den
Migranten aufzugeben. Diese besondere Verpflichtung und Aufgabe wird den
Kundinnen und Kunden durch eine entsprechende Kennzeichnung der
Räumlichkeiten und Mitarbeiter sowie durch mehrsprachige Hinweistafeln und
ausliegende Faltblätter unmissverständlich verdeutlicht.

Als zentrale Servicestelle bündelt das Bürgeramt für Migration und Integration alle
Dienstleistungen im Zusammenhang mit (Zu-)Wanderung und Integration, führt die
i.d.R. getrennten Bereiche der Ordnungsbehörde (z.B. Aufenthaltsrecht) und der
Sozialverwaltung (z.B. Beratung, Begleitung, Integrationsmaßnahmen) zusammen
und ermöglicht den Kunden eine Bedienung aus einer Hand (one-stop-government).


Dieses dient nicht nur der schnelleren und qualitativ besseren Bedienung der
Kundinnen und Kunden, sondern führt durch die unmittelbare räumliche
Zusammenarbeit und Vernetzung aller beteiligten Dienste dazu, dass mit jedem
Neuzuwanderer unmittelbar nach der Einreise ein individuelles Sprachlern- und
Integrationsförderprogramm entwickelt und dieses zukünftig in einem weiteren Schritt
möglichst als (freiwillige) schriftliche Integrationsvereinbarung, die die gegenseitigen
Ansprüche und Verbindlichkeiten im Integrationsprozess regelt, fixiert werden kann.
Durch diese neue und innovative Form der „Integrationsarbeit“ soll auch vermieden
werden,    dass sich       Neu-Zuwanderer, insbesondere        im Bereich     des
Familiennachzuges bzw. der sog. Heiratsmigration, häufig erst einige Monaten nach
dem Zuzug oder noch später aktiv mit ihrem Integrationsprozess auseinandersetzen.
Dieser Zeitverlust kann sich nicht nur negativ auf die ausbildungs- und
arbeitsmarktbezogene Integration des/der Zugewanderten auswirken, sondern hat im
Falle der Heiratsmigration mit unmittelbar anstehender Geburt eines Kindes auch
negative Folgen für die nächste Generation.

Durch die „Rundum-Versorgung“ von Migrantinnen und Migranten, insbesondere bei
Neu-Zuwanderern unmittelbar nach der Einreise, können langfristig kostenintensive
Desintegrationsprozesse (z.B. Arbeitslosigkeit, Segregation, Selbstethnisierung, etc.)
vermieden bzw. abgemildert werden.

Die freundliche und kundenorientierte Gestaltung des „Bürgeramtes für Migration und
Integration“ mit Front-Office (offener Zugangsbereich mit 2 Service-Arbeitsplätzen),
Kinderspielecke, Infotheke sowie Sitz- und Schreibgelegenheiten runden das Bild ab
und sollen auch hier die notwendige Wertschätzung für die Anliegen der
Migrantinnen und Migranten in der Stadt Hamm vermitteln.

Das Bürgeramt für Migration und Integration signalisiert der einheimischen
Bevölkerung die wachsende Bedeutung von Fragen der (Zu-)Wanderung und
Eingliederung von Zugewanderten für die gesamtstädtische Entwicklung -
Zuwanderern wie Zugewanderten signalisiert es den Anspruch einer
bürgerfreundlichen, an Hilfe und Unterstützung bei der gesellschaftlichen
Eingliederung orientierten Verwaltung als Service-Stelle und eine Stärkung ihrer
Anerkennung und Wertschätzung.

Das Bürgeramt für Migration und Integration wurde am 19.6.06 gemeinsam durch
den Ministerpräsidenten des Landes NRW Dr. Jürgen Rüttgers und den
Oberbürgermeister der Stadt Hamm Thomas Hunsteger-Petermann eröffnet.

4. Vom Ausländerbeirat zum Integrationsrat

Bei den seit 1994 in NRW in Städten mit mehr als 5.000 Ausländerinnen und
Ausländern gesetzlich vorgeschriebenen Wahlen zum Ausländerbeirat war in Hamm
jeweils die landesweit höchste Wahlbeteiligung zu verzeichnen.

Mit der im Rahmen der Experimentierklausel der nordrhein-westfälischen
Gemeindeordnung möglichen Aufwertung des Ausländerbeirates zum Integrationsrat
wurde in Hamm in 2004 die Beteiligung der Migrantinnen und Migranten an der
kommunalpolitischen Willensbildung weiter gestärkt.

Das Engagement und die Initiativen der Mitglieder des Ausländerbeirates bzw.
Integrationsrates haben insbesondere dazu beigetragen, dass

- hervorragende Kontakte und Kooperationen mit Städten und Verwaltungen in den
  Herkunftsländern der Migranten aufgebaut wurden
- die Multiplikation der Hammer Integrationsförderung durch die Einbindung der von
  den Migranten genutzten fremdsprachigen Medien gesichert wurde
- die Zeitschrift „Brücken“ als mehrsprachiges Organ für den interkulturellen Dialog
  In Hamm entwickelt wurde
- Interkulturelle Großveranstaltungen wie „Hamm International“, „Hammer
  Ramadanmarkt“, „Tag der offenen Moschee“ und weitere regelmäßige
  Informations- und Kulturveranstaltungen durchgeführt wurden und werden.

Der Integrationsrat ist durch seine Geschäftsführung auch am seit 1993 aktiven
stadtweiten „Runden Tisch gegen Gewalt und Radikalismus“ beteiligt. Dieses
Bündnis aller demokratischen Kräfte in der Stadt hatte sich als „Hammer Appell“ als
spontane Reaktion auf den Solinger Anschlag in 1991 gebildet und plant und
organisiert heute stadtweite Aktionen und Veranstaltungen.

Zuletzt wurde unter dem Motto „Hamm ist bunt – nicht braun“ mit einer
Großkundgebung in der Stadtmitte ein beeindruckendes Signal gegen Rassismus
und Neo-Nazismus gesetzt.

5. Fortschreibung des Leitprojektes und Perspektiven

Auf der Basis der im Rahmen der Hammer Integrationsoffensive in den letzten 6
Jahren gewonnenen Erfahrungen, dem Aktionsplan der NRW-Landesregierung und
der jüngsten Initiativen auf Bundesebene wird z.Zt. die Fortschreibung des o.g.
Ratsbeschlusses zur „Sprach- und Integrationsförderung“ im „Hammer Netzwerk
Integration“ bearbeitet.
Neben den Migranten, ihren Selbstorganisationen und dem Integrationsrat werden
dabei vor allem auch die Programme und Konzepte der EU sowie die Vorschläge
und    Ideen     der     mit Hamm    im  Rahmen      der   Integrationsförderung
zusammenarbeitenden Partnerstädte in den Herkunftsländern vorrangig einbezogen.

Dabei werden u.a. folgende Themen und Handlungsfelder im Vordergrund stehen:

- Sprach- und Integrationsförderung für (Klein-)Kinder und Mütter, u.a. in enger
  Kooperation mit Fachkräften aus den Herkunftsländern
- Übergangsmanagement Kindergarten-Schule sowie innerhalb des Schulsystems
  und an der Schnittstelle Schule-Ausbildung
- Erwerb interkultureller Kompetenz bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der
  Verwaltung
- Förderung der Ausbildungsbeteiligung und Beschäftigung von Personen mit
  Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst
- Fördermaßnahmen, insbesondere für Jugendliche und Senioren/innen
- Weiterer Ausbau der Stadtteilzentren und dezentralen Migrationssozialarbeit
- Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus

Im Rahmen der zunehmenden Internationalisierung, damit zusammenhängender
Standortkonkurrenz und der demografischen Entwicklung („weniger, älter, bunter“)
sind die Städte aufgerufen ihre Steuerungsmöglichkeiten im Rahmen der
kommunalen Möglichkeiten zu verbessern. Dazu gehört eine stadtweite
systematische Planung des Migrationsgeschehens und der Integrationsprozesse
(Bevölkerungs- bzw. Stadtentwicklung), die Erhöhung der Standortqualität durch
besondere Serviceleistungen für in- und - vor allem - ausländische Investoren und
die Attraktivitätssteigerung der kommunalen Wohn- und Lebensqualität
(Familienfreundliche Stadt), um damit sowohl für die internationale wie die
Binnenmigration gut aufgestellt zu sein.

Die Stadt Hamm nutzt dabei auch ihre intensiven internationalen Kontakte zu vielen
EU-Staaten und insbesondere zu den türkischen Städten Istanbul, Ankara und
Afyonkarahisar (Partnerstadt), die die Stadt Hamm bei ihrer Integrationsarbeit
unterstützen.




Anfragen richten Sie bitte an:
Stadt Hamm
Der Beauftragte für Migration und Integration
Geschäftsstelle Integrationsrat
Sachsenweg 6
59073 Hamm
Tel.: 02381/17 60 04
Fax: 02381/ 17 28 91
E-Mail: Schwibbe@stadt.hamm.de

Oder:
Stadt Hamm
Amt für Soziale Integration
Herrn Amtsleiter Wolfgang Müller
Sachsenweg 6
59073 Hamm
Tel.: 02381/17 60 00
Fax: 02381/17 29 56
E-Mail: Muellerwolfgang@stadt.hamm.de

				
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