Alte und neue Kriege Besonderhei by wuyunyi

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									     Alte und neue Kriege
Besonderheiten der gegenwärtigen
       Kriegsökonomie
                  Kriegsursachen


• Das internationale System
• Kapitalismus und Demokratie
• Entscheidungsprozesse
                      Politischer Realismus
• „Realistische Schule“
   – Thukydides, Machiavelli, Thomas Hobbes, ...
   – 1 Anarchisches System, Hobbesianischer Zustand, Leitlinie ist Selbsthilfe
     – keine politische Autorität oberhalb der Staaten
   – 2 Staaten sind die wesentlichen Akteure; private Akteure (Konzerne) und
     transnationale Organisationen bewegen sich innerhalb dieses Rahmens
   – 3 Macht als wesentliches Ziel
       •   Das nationale Interesse ist Machtmaximierung
       •   Macht ist relational, somit ist das Machtstreben konfliktträchtig
       •   Minimalziel: Staatserhaltung, Sicherheit
       •   Maximalziel: Vorherrschaft, Weltherrschaft
   – Pessimistisches Menschenbild
   – Strukturen des Systems: Maßnahmen zum eigenen Schutz gegen
     Bedrohungen anderer stellen Bedrohungen für diese dar

• Gegenmodell „Idealismus“
   – Staaten als Akteure in einer Gemeinschaft mit letztlich verträglichen oder
     identischen Interessen
         Kritik an der realistischen Schule
• 1 Ziel nationale Sicherheit sehr unbestimmt
   – Militärische Bedrohungen durch andere Staaten
   – Ressourcenversorgung
   – Absicherung durch weitreichende Vorherrschaft....


• 2 Staaten als einzige Akteure  zunehmend komplexe
  Interdependenzen, governance structures
   – Neuordnung des globalen Systems


• 3 Übersetzung individueller Handlungen in strukturelle
  Eigenschaften des internationalen Systems
   – Interessen einzelner Politiker >< Interessen des politischen Systems
 Kriegsursachen: Das internationale System 1
• Machtgleichgewichtstheorien
   – Henry Morgenthau: Politics
     Among Nations, 1967
   – Machtgleichverteilung fördert
     Frieden
   – Ungleichverteilung der Macht
     veranlasst die Mächtigen, gegen
     die weniger Mächtigen vorzugehen
   – Koalition der weniger mächtigen
     Staaten zu eigenem Schutz
 Kriegsursachen: Das internationale System 2
• Hegemonialtheorien
   – Robert Gilpin: War and Change in
     World Politics, 1981
   – Ein Hegemon sichert die Stabilität
       • Für den Hegemon ist es nicht
          sinnvoll, Krieg zu führen,
          denn er kann seine Ziele auf
          anderem Weg erreichen; für
          die weniger Mächtigen ist es
          sinnlos, den Hegemon
          herauszufordern
   – Machtübergangstheorie:
     unterschiedliche Wachstumsraten
      Machtverschiebungen 
     aufsteigende Staaten können
     Hegemon herausfordern
 Kriegsursachen: Das internationale System 3
• Wirtschaftszyklen
   – Zwei konträre Thesen:
      • Schlechte Wirtschaftslage erhöht Kriegsgefahr, Kampf um knappe
        Ressourcen
      • Gute Wirtschaftslage erhöht Kriegsgefahr, Staaten haben genug
        Ressourcen zur Kriegsführung


• Transnationale Organisationen
   – Veränderung des Systems  können den Anarchismus des System
     vermindern, möglicherweise Kriegsgefahr herabsetzen bzw.
     Kriegsführung „kanalisieren“ (?)
            Kriegsursachen: Kapitalismus
• Adam Smith: Kapitalismus vermindert Kriegsgefahr
   – Friedlicher Handel ist vorteilhafter


• Joseph Schumpeter
   – Imperialismus sund Gewaltanwendung als Atavismus des Systems


• Marxismus: Kapitalismus steigert Kriegsgefahr
   – Kapitalistische Systemkrisen, Unterkonsumption  imperialistische
     Kriege zur Akquirierung unterentwickelter Länder
              Kriegsursachen: Demokratie
• Demokratie vermindert                • Demokratien führen
  Kriegsgefahr                           gegeneinander keine Kriege
   – Bürger zahlen durch Steuern und       – Gemeinsame politische Kultur
     Leben                                 – Rationales Selbstinteresse
   – Empirie: Demokratien führen ein
     bisschen weniger Kriege
   – Aber auch breite Unterstützung
     durch Bürger möglich (Beispiel
     Nationalismus)
   Kriegsursachen: Entscheidungsprozesse
• Rationale Entscheidung über Krieg
   – Erklärung für häufige Kriegsführung zwischen Verbündeten statt
     zwischen Feinden: Beispiel Sowjetunion und Ostblock – Furcht vor
     Verschiebung der Machtverteilung


• Entscheidungsgruppen
   – Tatsächliche Entscheidung fällt in kleinen inneren Zirkeln
                    Weitere Kriegsursachen
•   Völkerrechtlicher Ansatz (u.a. Q. Wright)
•   Krieg als Rechtszustand – legitime und verregelte Form des Konfliktaustrags
    zwischen
•   Staaten bzw. ihren regulären Armeen (Kriegsvölkerrecht)
•   Gesellschaftswissenschaftlicher Ansatz (M. Mead)
•   Krieg ist erlerntes gesellschaftliches bzw. vergesellschaftetes Verhalten und
    eine mögliche
•   Form der Konfliktbearbeitung wie Schreiben, Heirat oder Kochen (soziale
    Erfindung)
•   Anthropologischer und psychologischer Ansatz (u.a. Freud, K. Lorenz)
•   Krieg ist angelegt im angeborenen menschlichen Verhalten (biologische
    Notwendigkeit) bzw. Produkt eines Instinktes (u.a. Territorialität)

•    Definitionen können nicht nur der Beschreibung der vorgefundenen Realität
    dienen, sondern auch neue Realitäten produzieren (J. Vasquez)
            Operationale Definitionen
• Qualitative Definition
• Krieg ist ein „gewaltsamer Massenkonflikt“,
• an dem zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte beteiligt sind,
• bei denen es sich mindestens auf einer Seite um reguläre
  Streitkräfte der Regierung handelt;
• auf beiden (!) Seiten muss ein Mindestmaß an zentralgelenkter
  Organisation der Kriegführenden gegeben sein [...];
• die bewaffneten Operationen ereignen sich mit einer gewissen
  Kontinuierlichkeit und
• nicht nur als gelegentliche, spontane Zusammenstöße.

• Quantitative Definition
• Kriege sind Extremformen militärischer Konflikte zwischen den
  Staaten oder innerhalb der Staaten, bei denen wenigstens
  tausend gefallene Soldaten im Laufe der Kampfhandlungen zu
  beklagen sind.
                               Kriegsfolgen
• Staatenbildung durch Kriege
    – Etwa im frühen Europa oder in nachkolonialen Verhältnissen
• Bürokratisierung
    – Voraussetzung und Folge von Kriegsführung: Krieg ist – unter modernen
      Bedingungen - eine komplexe (logistische) Aufgabe
    – Gegenthese: Kurzfristigkeit des militärischen Denkens verhindert langfristigen
      Bürorkatieaufbau
    – Kriegsverlust kann Reform erleichtern


• Konflikt-Kohäsions-These
    – Kriege steigern den internen Zusammenhalt von Gesellschaften
    – Kriege werden deshalb politisch auch als bewusstes „innenpolitisches“ Mittel
      eingesetzt
• Revolutionsthese
    – Kriege erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Revolten (Revolten als einziges Mittel
      in autokratischen Gesellschaften, den Krieg zu stoppen; Kriege als Schwächung des
      Staates und Erhöhung der Chance, neue Verhältnisse durchzusetzen)
***
Das Phänomen der neuen Kriege
                 Wandel des Krieges im internationalen System, 1648-2001

              17./18.Jahrhundert    19. Jahrhundert      erste Hälfte           zweite Hälfte          frühes
                                    (Wiener-System)      20.Jahrhundert         20.Jahrhundert         21.Jahrhundert



Politische    Absolutistischer      Nationalstaat        Nationalstaat,         Staaten, Allianzen,    Staaten,
Ordnung       Staat                 (state sovereignty   Demokratisierung       Blöcke                 Integration,
              (state sovereignty)   vs. national         (national              (state sovereignty)    Fragmentierung
                                    sovereignty)         sovereignty)                                  (populär
                                                                                                       sovereignty)
Kriegsursa    Erbfolgeprobleme,     staatliche           Legitimität der        Ideologie,             Staatenzerfall,
chen          Territorialität,      Integrität,          Friedensverträge,      Herrschaft,            interne Herrschaft
              Hegemoniestreben      Nationalismus,       Großmächte,            Bipolarität            (Machterhalt),
                                    Territorium,         staatliche             (Supermächte)          Territorium,
                                    instabile            Integrität,                                   Ressourcen
                                    Großmachthierarc     territorialer Wandel
                                    hie, Rivalität
Kriegschar    Kabinettskriege,      nationale            nationale und          ideologischer          Entstaatlichung,
akteristik    Erbfolgekriege        Konfrontation,       ideologische           „Kalter Krieg",        Privatisierung der
                                    Expansion            Konfrontation,         nukleare „Balance      Gewalt, De-
                                                         totaler Krieg          of Terror",            lnstitutionalisierung
                                                                                Stellvertreterkriege   des
                                                                                , Kolonialkriege       Konfliktaustrags

Streitmacht   Staatsheer,           Wehrpflichtige,      Massen-                Wehrpflichtige,        sub-staatliche
, Militär     Söldnerheere,         Intensivierung der   Mobilisierung,         Berufsarmee,           Akteure (Warlords,
              Feuerwaffen,          Mobilität            militär-               Nuklearwaffen,         Clans); Guerilla,
              Belagerungen                               technologische         Wettrüsten             Terror;
                                                         Innovationen,                                 Kleinwaffen,
                                                         Wettrüsten                                    multi-nationale
                                                                                                       Streitkräfte
                 Drei Typen von Kriegen
• 1 zwischenstaatliche Kriege zwischen souveränen Staaten
   – Südasien, Südostasien, Indien/Pakistan...


• 2 Innerstaatliche Kriege
   – Dekolonisierung, Anti-Regime, Sezession...


• 3 Neue, privatisierte Kriege
   – In schwachen oder zerfallenden Staaten
   – Mit transnationalem Charakter, Kriegswirtschaft
                   Neue Kriege: Motivlagen
• Schwer durchschaubare
  Gemengelage aus
    –   Persönlichem Machtstreben
    –   Ideologischen Überzeugungen
    –   Ethnisch-kulturellen Gegensätzen
    –   Habgier und Korruption
• Kriege werden nicht mehr
  geführt, sondern sie schwelen
  vor sich hin
    – Die neuen Kriege ähneln eher den
      frühneuzeitlichen Kriegen als den
      Staatenkriegen der letzt drei
      Jahrhunderte
                  Neue Kriege: Motivlagen
• Kleiner Krieg
    – Guerilla als Ergänzung des Großen
      Krieges, immer stärker aber auch
      als Einzelphänomen
• Interessen an Ressourcen
    – Bodenschätze auf umkämpftem
      Territorium
    – Potentieller Reichtum ist
      wichtigeres Motiv als definitive
      Armut
• Existenz zahlungskräftiger
  Emigrantengemeinden
    – Unterstützung des Krieges
                   Neue Kriege: Zerfall
• Staatenbildungskriege in Europa und Nordamerika in den
  letzten Jahrhunderten
   – Unabhängigkeit, Sezession
   – Ohne wesentliche Einflüsse von außen
• Staatenzerfallskriege in der Dritten Welt
   – Ständige politische Einflussnahme von außen
   – Globale Interessen
   – Neue Komplexitäten überrollen die schwachen Regierungen (selbst
     OECD-Staaten werden mit neuen Herausforderungen nicht fertig)
   – Eliten mit plötzlichem Reichtum konfrontiert, Ruin durch Korruption
   – Staatenbildung zerrieben zwischen altem Tribalismus und postmoderner
     Globalisierung
   – In alter Subsistenzökonomie hören Kriege auf, wenn Ernten vernichtet,
     Felder verwüstet, Hungersnöte  heute vielfache Verbindungen mit
     Weltökonomie (Schattenglobalisierung), kein „Ausbrennen“
   – Flüchtlingslager: nicht nur Müllhalden des Krieges, sondern auch
     Nachschubzentren und Kraftquelen
                     Alte Staatenkriege 1
• Vom 17. zum 20. Jahrhundert in Europa paradigmatisch
• Eine Angelegenheit von Staaten
   – Staat entscheidet darüber, wer als Freund oder Feind zu gelten hat,
     Verbindlichkeit für alle Untertanen
• Kriegserklärung – Friedensschluss
   – Klare Unterscheidbarkeit von Krieg und Frieden, außer in den
     Randgebieten großer Reiche
• Kriegführung nach Regeln
   – Klare Unterscheidung von Kombattanten und Nichtkombattanten, schon
     durch Uniform
   – Schonung der Zivilbevölkerung durch Übergang von Strategie
     wirtschaftlicher Schädigung zu Strategie der Schlachtentscheidung
     (frühere Verwüstungsfeldzüge, Verheerungen, Brandschatzungen,
     Massaker....)
   – Klare Unterscheidung von zulässiger Gewalt und Gewaltkriminalität
                        Alte Staatenkriege 2
• Keine offenen Gewaltmärkte
    – Offizielle, stehende Heer anstatt Söldner
• Suche nach Entscheidung in einer Schlacht
    – Bündelung aller Kräfte
    – Ende des Krieges nach Entscheidung
• Offensivstrategien durch Waffentechnik (Artillerie) möglich
    – Erfordert disziplinierte Truppen
    – Ermöglicht Suche nach Entscheidung statt Defensive und Verwüstung
    – Baulichkeiten zur Verteidigung (Burgen, Befestigungen) viel teurer, nicht mehr
      „privat“ finanzierbar
    – Auch Infanterie braucht Qualifikation, staatliche Schulung
    – Steigende Kosten einer „Vorfinanzierung“ eines Heeres, nicht mehr rentabel; wer
      verdienen will, engagiert sich bei der Ausrüstung und Waffenlieferung
• 90 % der Gefallenen und Verwundeten gehören zu den Kombattanten
           Neue Kriege: Charakteristiken
• Entstaatlichung der Gewalt – private Kriegsunternehmer
• Dislozierung der Kräfte in Zeit und Raum
• Grundsätze des Partisanenkrieges
   – Front – Hinterland – Heimat verschwimmen
• Keine große Auseinandersetzung, keine militärische
  Entscheidung zur Beendigung des Krieges
• Ohne identifizierbaren Anfang und ohne markierbares
  Ende

• Schwerpunkte
   – Afrikanischer Kontinent (West- und
     Zentralafrika und Horn von Afrika)
   - Kaukasus, Zentralasien; Südostasien
   - Lateinamerika (Kolumbien)
   - Balkan
           Neue Kriege: Charakteristiken
• Ziel ist, militärische Auseinandersetzung möglichst lange
  durchzuhalten – low intensity wars
   – Wo keine Staatsmacht vorhanden, bestimmen die Gruppen mit der größten
     Gewaltbereitschaft
• Keine klare Unterscheidung zwischen Zivilisten und
  Kombattanten
   – 80% der Opfer sind Zivilisten
   – Gewaltbegrenzung durch Ethos des Kriegers ausgehebelt durch
     Waffentechnik und exzessiver Gewaltdarstellung in US-Spielfilmen
• Oft keine klare Unterscheidung
  zu Polizisten, Banditen...
               Neue Kriege: Lebensform
• Akteure sichern durch den Krieg ihre Subsistenz, Krieg
  wird Erwerbsleben
   – Bildung von Vermögen
• Kriegsökonomien: Raub und Plünderungen, Sklavenarbeit,
  Schattenökonomien
• Soldaten werden Marodeure, keine Kriegsrecht, keine
  Abgrenzung zu Banden oder zur schlichten Kriminalität
   – Vergewaltigungsorgien, Vergewaltigungsstrategien
   – Verstümmelungen der Opfer,
   – Trophäisierung von Körperteilen
              Verwüstungsstrategien
• Verbindung militärischer Gewalt mit Hunger und Seuchen,
  zusätzlich Wirtschaftsembargo; die Schwächsten zahlen
  den höchsten Preis  Sichtbarkeit des Krieges vor allem
  in Elendslagern
         Hilfsmaßnahmen als Ressource
• Neue Kriegsökonomie benötigt steten Ressourcenzufluss
  von außen
• Beteiligung an den Hilfsressourcen
• Krieg dauern umso länger, je besser die Verbindung zur
  Weltökonomie funktioniert: kein selbstständiges
  „Ausbrennen“
                             Warlords
• Lokale Kriegsherren und überregionale
  Kriegsunternehmer, kriminelle Banden, ausländische
  Söldner
   –   Bringen Gebiete unter Kontrolle
   –   Reklamieren für sich Attribute von Staatlichkeit
   –   Anspruch auf wirtschaftliche Unterstützung
   –   Zugang zu internationalen Märkten
   –   Transfer des zusammengerafften Vermögens in das Ausland
   –   Ermöglicht bessere Ausplünderung
• Urbane Teilkulturen als Rekrutierungsreservoir
   – Verwendung kulturindustrieller Elemente wie Rap und Reggae,
     Konsumversprechen, Statusgüter – Sonnebrille, Kalaschnikow
• Protostaatlichkeit durch Nachfolger verhindert
   – Mit Friedensschluss sinkt Charisma des Führers und Lebenschancen
     seiner Anhänger
                       Kindersoldaten
• Schätzung weltweit 300.000, oft unter 14
  Jahren
   – Strukturelle Arbeitslosigkeit und
     Überbevölkerung: Ausschluss von
     Friedensökonomie
   – Zwangsrekrutierung
   – „Kostenlose“ oder billige Soldaten
   – Möglichkeit erst durch waffentechnische
     Entwicklung, leichte Waffen mit großer
     Feuerkraft
   – Geringes Risikobewusstsein und relative
     Anspruchslosigkeit
   – Ausleben der Machtphantasien von
     Halbwüchsigen
   – Geltungsbedürfnis, Ausgang aus Demütigungen
                        Kindersoldaten
• Gewaltbereitschaft durch Videos
• Auftreten in Rambo-Pose vor Fernseh-Teams
   – Monrovia: Liquidationen für fünf Dollars vor Kamera
• Steigende Häufigkeit der Erfüllung sexueller Bedürfnisse,
  sexuelle Barbarei als normale Waffe
                             Söldner
• Condottieri spielen in fast allen Kriegen
  dieser Art eine große Rolle
   – Westeuropäische Abenteurer in Balkankriegen
• Hochprofessionelle Sicherheitsanbieter
  mit Flugzeugen, Hubschraubern,
  Sicherheitskonzepten...
      • Privats Security Companies
      • Private Military Companies
      • Control Risks Groups, Defence Systems Ltg.,
         Sandline International, Saladin Security,
         Executive Outcomes....
   – Mudschaheddin: Tsche, Bosn, Afgh, Alg –
     Petrodollars

• Mischung aus finanziellen Interessen,
  Abenteuerlust, ideologischen Motiven
                          Asymmetrien
• Traditionelles Kriegsvölkerrecht geht von gewissen
  Symmetrien in den Kriegsmitteln aus
   – Berechenbarkeit bei gleichartigen Ressourcen
• Heute starke Asymmetrie: kein Widerstand gegen USA
  möglich
   – USA rüsten gleichsam mit sich selbst im Wettlauf
• Ausweichen auf andere Form der Asymmetrisierung:
  Partisanenkrieg, Terrorismus, Antifada...
• Steigende Zahl der Kriege, sinkende Verrechtlichung der
  Kriege
                 Bevölkerung als Opfer
• Zivilbevölkerung als Objekt quasi-terroristischer
  Aktivitäten
• Strategien systematischer Bevölkerungsvertreibung oder –
  unterdrückung
• Flüchtlingsströme mit Folgeproblemen
   – Ressource für Rekrutierung neuer Kämpfer
• Symbolisch-rituelle Greueltaten
                              Medien
• Strategien des internationalen Medieneinsatzes
   – Hochbewaffnete Soldaten gegen steineschleudernde Jugendliche
   – Sensibilität der Demokratien gegen Niederlagen: Verhöhnung des feindes
     - Mogadischu
• Von der Kriegsberichterstattung zum
  Berichterstattungskrieg
   – Verletzlichkeit von Supermächten durch Medien statt durch Waffen
• Asymmetrisierung des Krieges durch Verlagerung der
  Kampfzonen und Neudefinition der Kriegsführungsmittel
• Umwandlung militärischer Niederlagen in politische
  Legitimitätsgewinne
                      Kostengünstigkeit
• Führung mit leichten Waffen
   – Schwere Waffen nicht erforderlich, da wesentlich Krieg gegen
     Zivilbevölkerung
   – Allenfalls Resteverwertung von Großmächten
• Transportmittel zivile Infrastruktur
• Billiges Personal
   – Einsetzbarkeit kaum ausgebildeter Kämpfer
•  in immer mehr Territorien ist Kriegführung dieser Art
  möglich
•  destruktive Effekte: verwüstete Landschaften,
  verstümmelte Menschen, Zerstörung gesellschaftlicher
  Organisationsfähigkeiten
***
                Guerilla und Terrorismus
• Guerilla, Partisanenkrieg richtet sich gegen physische
  Kräfte des Gegners
   – „guerilla“ = kleiner Krieg
   – Kleine, mobile Einheiten
   – An mehreren Stellen Bedrohungssituation schaffen und den Gegner
     verwunden, verletzen, demoralisieren
   – Klassische Methode auch innerhalb von konventionellen Kriegen,
     Unabhängigkeitsbewegungen, Aufstände...
   – Schwache gegen Starke, Einheimische gegen Invasionstruppen, ..
   – Zuerst eher Berge und Wälder,.neuerdings auch „urban guerilla“
   – Zwischen leichter Infanterie und Banditentum


• Time, 27.3.03
   – With Iraqi guerilla forces attacking supply lines and offering a tough
     fight, the U.S. military is revisiting its plan to swiftly storm Baghdad
               Guerilla und Terrorismus
• Terrorismus
   – Zunächst eher als Staatsterrorismus (Französische und Russische
     Revolution), heute eher gegen Regierungen
   – Mord, Bombenanschläge, Geiselnahme...
   – Vorgeschichte, nach dem Zweiten Weltkrieg in Befreiungsbewegungen
     üblich
   – Nationaler und internationaler Terrorismus von Links und Rechts
                          Terrorismus 1
• Terrorismus hat unterschiedliche Ziele
   – Beispiel Palästina: permanente Schwächung
     des Angegriffenen, damit irgendwann die
     Kosten zu hoch werden
   – Beispiel 9/11: symbolische Aktion, kein
     direktes Ziel, sondern Bekämpfung des Bösen,
     allgemeiner Kulturkonflikt, Bedrohung eigener
     Identität, Überfremdungsgefühle als neue
     Form des Kolonialismus


• Fundamentalistische Tendenz
   – Anerkannte, aber in der Realität verletzte
     Werte werden absolut gesetzt
   – Herkömmliche und legitime Maßnahmen
     sinnlos,
   – Konventionelle Kriegführung obsolet,
     Selbstmordkommandos
                          Terrorismus 2
• Terrorismus ist Mitteilung für Angegriffene
   – Verwundbarkeit, Schädigungsprognose
   – Repressionen fördern Zulauf
• und Mitteilung interessierte Dritte
   – Terroristen als Interessenvertreter, Darstellung von Unterdrückung,
     Aufforderung zur Beteiligung
                          Terrorismus 3
• Terror
   – Braucht nicht unbedingt Unterstützung der Zivilbevölkerung, wird in
     kleinen , geheimen Gruppen abgewickelt (anders als Guerilla)
   – Erhält fortwährend Nahrung aus fortdauernden wirtschaftlichen und
     politischen Miseren
   – Nutzt andere wirtschaftliche Ressourcen (zB Schutzgeldzahlungen
     mancher Regime)
   – Ist eine billige Methode, daher weithin verwendbar
   – Verfügt über immer bessere Ziele, angesichts der steigenden
     Verwundbarkeit einer komplexen Zivilisation; bleibt ein Riskikofaktor der
     modernen Welt
   – Ist gegenüber herkömmlichen militärischen Maßnahmen unverwundbar
   – Beutet politische, rechtliche, moralische Selbstbindungen des
     Angegriffenen zu seinem Vorteil aus
   – Nutzt Medienberichterstattung; Kampf mit Bildern
   – Kann sich gegen postheroische Mentalität durchsetzen; Verachtung einer
     Lebensweise; westliche Eingriffe nur bei starker Asymmetrie
                                          Suicide bombers
•   Time, Apr. 15, 2002
•   Why Suicide Bombing Is Now All The Rage
•   BY AMANDA RIPLEY
•   ... The Palestinian suicide bomber has evolved ... Today he is deadlier and requires less coercion. He used to be easy to describe:
    male, 17 to 22 years of age, unmarried, unformed, facing a bleak future, fanatically religious and thus susceptible to Islam's
    promise of a martyr's place in paradise, complete with the affections of heaven's black-eyed virgins. Today's bomber no longer fits
    the profile.
•   Today he is Izzadin Masri, the 23-year-old son of a prosperous restaurant owner, who killed himself and 15 people at a Jerusalem
    Sbarro pizzeria last August. He is Daoud Abu Sway, 47, a father of eight not known to be unusually political or religious, who
    detonated a bomb outside a luxury hotel in Jerusalem in December, killing himself and injuring two others. He is even a she. Ayat
    Akhras, 18, was a straight-A student, just months away from graduation and then marriage. On March 29, she killed herself and
    two others outside a Jerusalem supermarket. Volunteers such as these are coming forward faster than militant leaders can strap
    an explosive belt around their waist and send them off to kill and die.
•   Among Palestinians, it has become normal--noble, even--for promising men and women to slaughter themselves in pursuit of
    revenge and the dignity it is thought to bring. "What was once more of an individual decision by a small group is becoming much
    more mainstream," says Jerrold Post, an American psychiatrist who has studied suicide bombings in the West Bank. The suicide-
    homicides have come to be seen by most Palestinians as their last, best hope. In June a poll taken in the Gaza Strip found that
    78% of the population approved of suicide bombings, considerably more than supported peace talks (60%).
•   These days Palestinians celebrate the suicides in newspaper announcements that read, perversely, like wedding invitations. "The
    Abdel Jawad and Assad families and their relatives inside the West Bank and in the Diaspora declare the martyrdom of their son,
    the martyr Ahmen Hafez Sa'adat," reads a March 30 notice for the 22-year-old killer of four Israelis in a shooting attack. Palestinian
    children play a game called "Being a Martyr," in which the "martyr" buries himself in a shallow grave. And the job of bomber comes
    with established cash bonuses and health benefits for the surviving family. How else could the Palestinian boy or girl next door
    hope to be pictured on key chains and T shirts? "The suicide factory is in full tilt now," says Daniel Pipes, director of the Middle
    East Forum, based in Philadelphia. "These are the rewards of having built an infrastructure." ...
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